Post-Brexit-UK

ZERFALL?

Die Nachrichten, die aus den Rändern des Vereinigten Königreichs kommen, lassen einen am weiteren Bestand dieser territorialen Einheit zweifeln.

Zwischen Großbritannien und Nordirland müssen inzwischen Zollpapiere ausgefüllt werden, die den Güterverkehr zwischen den beiden Inseln behindern.
Die Loyalisten fühlen sich betrogen und was dabei herauskommt, wird sich erst zeigen. Noch dazu, wo diejenige Partei, die auch die eine Premierministerin stellt (das Amt ist geteilt), die EU sowieso ablehnt.
Es ist möglich, daß dieser Teil des Brexit-Vertrages aufgekündigt wird und die Außengrenze doch wieder zwischen Nordirland und der Republik Irland eingerichtet wird. Das würde wiederum andere Schwierigkeiten nach sich ziehen, weil dann die Sinn Fein-Anhänger wieder zu den Waffen greifen könnten.

Zum ökonomischen Hintergrund ist zu bemerken, daß Nordirland ein Zuschußposten des britischen Budgets ist, und eine Abwanderungsgegend.
Als 2013 der G8-Gipfel in einem Hotel am Lough Erne stattfand, wurden entlang der Route, die die hohen Gäste fuhren, Potemkinsche Dörfer errichtet, wo Auslagen von schon längst geschlossenen Geschäften mit Fototapeten verklebt und die Fassaden an der Hauptstraße aufgemotzt wurden, damit die Durchfahrenden nix vom trostlosen Zustand der Gegend mitkriegten.

Der am 31. Dezember unterzeichnete Zusatzvertrag zum Status von Gibraltar sieht den Abbau des Grenzzauns innerhalb von 4 Jahren vor und die schrittweise Integration von „The Rock“ in den Schengenraum, was vor allem den Hafen und Flugplatz betrifft.
Die spanische Regierung Sanchez sieht sich stolz als diejenige, die endlich dieses Gebiet heim ins Reich holt.

Die schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen werden nicht nur von diversen EU-Politikern und Medien unterstützt, sie könnten auch aufgrund der Vorkommnisse in Nordirland und Gibraltar an Fahrt gewinnen.


9 Antworten auf „Post-Brexit-UK“


  1. 1 Nestor 14. Januar 2021 um 12:49 Uhr

    In Jersey bisher keine besonderen Vorkommnisse:

    Jersey fishermen ‚not celebrating‘ Brexit deal
    https://www.bbc.com/news/world-europe-jersey-55467386

  2. 2 Nestor 27. Januar 2021 um 22:37 Uhr

    Wirtschaftlich anscheinend außer Spesen nichts gewesen:

    Der Brexit wirkt

    Unternehmen und Kunden in Großbritannien und der EU bekommen nun zu spüren, was der Brexit bedeutet – selbst mit einem Abkommen. Einiges hätte sich verhindern lassen.

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-01/grossbritannien-handel-brexit-folgen-wirtschaft-eu-wirtschaft-abkommen/seite-2

    Genußvoll wird ausgemalt, wie schlecht die Briten mit dem Brexit gefahren sind.
    Allerdings können die Probleme von Fischern und Käseherstellern nicht die ganze Wahrheit sein, weder hüben noch drüben des Ärmelkanals.

  3. 3 Nestor 30. Januar 2021 um 0:57 Uhr

    Nach dem Brexit:
    Kein Diplomatenstatus mehr für EU-Botschafter in London?

    Wo diese Freundschaft aufhört, lässt sich jetzt einem Schreiben entnehmen, das der EU-Chefdiplomat Josep Borrell an den britischen Außenminister Dominic Raab geschickt hat. Laut der BBC, die den Brief eingesehen hat, protestierte Borrell darin gegen die Weigerung der britischen Regierung, dem neuen EU-Botschafter in London, Joao Vale de Almeida, den vollen Diplomatenstatus zuzuerkennen.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kein-diplomatenstatus-mehr-fuer-eu-botschafter-in-london-17158263.html

  4. 4 NN 30. Januar 2021 um 1:59 Uhr

    Corona: Streit um Impfstoff

    Abstand zwischen dem UK und der EU vergrößert sich weiter

    Imperiale Tektonik – Kriegsdiplomatie zwischen EU und UK

  5. 5 Leser 01. Februar 2021 um 11:06 Uhr

    Was gestern noch conditio sine qua non für die Verhandlungsführung der EU beim Brexit war: Karfreitagsabkommen, Status von Nordirland etc. – alles anscheinend Schnee von gestern, wenn es um die Idee geht, die EU könne dort an der Grenze zwischen EU und GB lauter Hoheitsfragen aufmachen und z.B. überprüfen und reglementieren, wem welcher Impfstoff zustehe, und wer den Impfstoff wohin genau exportieren dürfe – etcpp ….

    „Die EU-Kommission möchte den Export von Impfstoff nach Großbritannien auch auf der irischen Insel unterbinden können. Dieser Schritt rief Empörung hervor, weil dort Grenzkontrollen befürchtet wurden. Zwar hat die Kommission dies jetzt ausgeschlossen, aber der politische Schaden bleibt, kommentiert Christine Heuer“:

    https://www.deutschlandfunk.de/eu-vs-grossbritannien-wenn-s-ums-impfen-geht-endet-die.720.de.html?dram:article_id=491760

    - vgl. auch die LINKS hier direkt drüber, u.a. TG

  6. 6 NN 01. Februar 2021 um 15:24 Uhr

    Schwenk nach Osten
    Britannien ein Jahr nach dem »Brexit«
    Von Jörg Kronauer

    Ein Jahr nach dem formellen britischen Austritt aus der EU am 31. Januar 2020 beginnen sich die »Brexit«-Wellen, die seit dem Austrittsreferendum vom 23. Juni 2016 immer wieder schwere Beben verursachten, so langsam zu legen. Zwar gibt es Übergangsschwierigkeiten, insbesondere beim Handel und in einzelnen Branchen wie der Fischerei. Der große Knall aber, den einige prophezeit hatten, ist nach dem Ende der Übergangszeit zum 1. Januar 2021 ausgeblieben. Recht zufriedene Äußerungen hörte man zuletzt vor allem aus der Autoindustrie, die besonders energisch auf ein Handelsabkommen mit London gedrungen hatte, da ihre dortigen Standorte wichtige Glieder in internationalen Lieferketten sind; man könne mit der neuen Situation gut leben, hieß es einhellig etwa bei Audi, BMW und Nissan.

    London orientiert jetzt, wie angekündigt, stark auf »Global Britain«. Auf den Abschluss des Freihandelsabkommens mit Japan im Oktober soll nun der Beitritt zum CPTPP folgen, dem Pazifik-Handelsbündnis, dem die USA vor vier Jahren unter Präsident Donald Trump den Rücken kehrten. Das Zentrum der Weltwirtschaft verschiebt sich zunehmend in die Asien-Pazifik-Region; das britische Establishment will davon profitieren, gestützt nicht zuletzt auf seine einstigen, bis heute im Commonwealth kooperierenden Kolonien sowie auf seine global operierende Finanzbranche. Den Blick auf ihr pazifisches Zukunftsgeschäft gerichtet, gibt sich die Londoner City inzwischen recht kühl gegenüber den Versuchen der EU, sie in den immer noch andauernden Verhandlungen über die Post-»Brexit«-Finanzbeziehungen zur Übernahme der Brüsseler Regeln zu nötigen: Lieber unreguliert am boomenden Pazifik Geld verdienen als sich weiterhin an die stagnierende EU binden – so lautet die Devise.

    Wie sich das Verhältnis zur EU in Zukunft gestalten wird, das scheint nach dem Impfstoffkonflikt der vergangenen Woche ohnehin nicht mehr so klar wie zuvor. Dass die EU-Kommission, um von ihrem Versagen bei der Covid-19-Impfkampagne abzulenken, wie wild gegen den britisch-schwedischen Konzern Astra-Zeneca agitierte und am Freitag wegen angeblichen Impfstoffschmuggels auch noch Kontrollen an der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland ankündigte – in den Brexit-Verhandlungen hatte sie das Grenzproblem noch mit Krokodilstränen als Druckmittel gegen London instrumentalisiert –, lässt sogar hartgesottene Remainer zweifeln, ob man sich auf die EU künftig verlassen kann. Auch wenn der Streit am Sonntag gerade noch einmal beigelegt werden konnte: Will sich die Kommission unter Ursula von der Leyen einen weiteren Gegner schaffen, dann hat sie in der vergangenen Woche den richtigen Schritt getan.

  7. 7 Nestor 03. Februar 2021 um 20:31 Uhr

    Nach Drohungen gegenüber den Hafenbehörden hat die nordirische Regierung die Zollkontrollen zwischen Großbritannien und Nordirland bis auf weiteres ausgesetzt.
    (Sinn Fein und DUP waren sich hierin einig.)

    Diese Zollkontrollen waren aber die Bedingung, damit die Grenze zur Republik Irland offen bleibt …

  8. 8 Nestor 05. Februar 2021 um 14:45 Uhr

    Nach der Aufhebung der Zollkontrollen zwischen GB und Nordirland steht eine Neuverhandlung des Grenzregimes zwischen Irland und Nordirland an.

    Aber das Problem ist eigentlich unlösbar. Werden dort wieder Grenzkontrollen eingeführt, so werden die Streitigkeiten in Nordirland wieder losgehen, weil damit ein wichtiger Punkt des Karfreitagsabkommens außer Kraft gesetzt wird.
    Vermutlich werden die Briten sich weigern, die Zollgrenze in der irischen See wieder einzuführen. Das weckt begehrliche Blicke in Sachen Loslösung von GB und Wiedervereinigung Irlands.

  9. 9 Nestor 11. Februar 2021 um 13:22 Uhr

    EU-Kommissionsvize zu Nordirland-Gesprächen in London

    Im Vorfeld kritisierte Maroš Šefčovič Londons Umgang mit dem Nordirland-Protokoll. Großbritannien fordert eine längere Übergangsfrist

    https://www.derstandard.at/story/2000124059624/eu-kommissionsvize-zu-nordirland-gespraechen-in-london

    Übergangsfrist hin oder her, die Frage bleibt aufrecht: Grenzkontrollen an der irischen Landgrenze oder in der Irischen See?

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