Coronavirus-Lage August 2020 ff.

RUNDBLICK UND STATISTIKEN

Die Todesraten-Statistik – Tote pro Kopf der Bevölkerung – sieht derzeit so aus:

0,000864198157252 Belgien
0,000625448272800 UK
0,000615090369941 Spanien
0,000588497597644 Italien
0,000563248595582 Schweden
0,000454435538041 Frankreich
0,000373173115996 Irland
0,000360945729863 Holland
0,000232801404014 Schweiz
0,000170660377358 Portugal
0,000113278389615 Rußland
0,000111643227060 Deutschland
0,000082349705608 Österreich

0,000896393856272 Peru
0,000625355532260 Chile
0,000555458519407 Brasilien
0,000545622755143 USA
0,000482520092470 Mexiko
0,000471449487555 Panama
0,000426509313669 Bolivien
0,000376804133175 Kolumbien
0,000374739402363 Ecuador
0,000241220437665 Kanada
0,000190247687897 Honduras
0,000177741191373 Argentinien
0,000151388501904 Dominikanische Republik

0,000258397683264 Iran
0,000226467628313 Südafrika
0,000074667791762 Türkei
0,00004382016284 Indien

Zuwachsraten:
Kolumbien + 0,000045691438278
Bolivien + 0,000044491978764
Peru + 0,000042993355558
Argentinien + 0,000034411625419
Brasilien + 0,000030991247864
Mexiko + 0,000027944128688
Panama + 0,000025622254759
Chile + 0,000023443719681
USA + 0,000019401008599
Südafrika + 0,000018097953707
Ecuador + 0,000015693768821
Honduras + 0,000015137051298
Iran + 0,000010672336542
Indien + 0,000004786942646
Rußland + 0,000003669735064
Schweiz + 0,000002139880148
UK + 0,000001038600569
Schweden – 0,000000580968124
Belgien – 0,000007873047287

Lateinamerika ist auf dem besten Weg, Europa an Opfern zu überholen.
Peru hat bereits den europäischen Spitzenreiter Belgien hinter sich gelassen, und beim Fortschreiten der Krankheit haben sich Kolumbien und Bolivien an die Spitze gesetzt.

Den bolivianischen Putschisten kommt die Coronavirus-Epidemie sehr recht. Erstens räumt sie Leute weg, die ihnen sowieso im Weg sind – indigene Land- und Stadtbewohner – und zweitens gibt sie ihnen die Möglichkeit, die Wahlen, die sie wegen Zerstrittenheit untereinander nicht gewinnen können, mit Berufung auf die Ansteckungsgefahr immer weiter zu verschieben.

An Zuwachsraten haben viele lateinamerikanische Staaten die USA überholt, wo die Zunahme der Corona-Toten etwas schwächer geworden ist.

Laut Der Zeitung „El País“ soll Spanien über 44 000 Corona-Tote aufweisen, was natürlich in diesen Statistiken nicht aufscheint. Offiziell hat Spanien knapp 29 000 Coronavirus-Opfer.

In Europa gehen zwar in verschiedenen Staaten die Infektionszahlen in die Höhe, aber aus verschiedenen Gründen die Todeszahlen kaum. Entweder die Maßnahmen haben einen Effekt, oder aber die derzeit von Infektionen betroffene Altersgruppe ist bezüglich ihres Immunsystems besser gerüstet, oder aber das Virus hat zu einer harmloseren Variante mutiert.
Einzig und allein die Schweiz hat eine etwas höhere Zuwachsrate.
Bei der derzeitigen Debatte in Irland über das Management der Corona-Pandemie stellt sich heraus, daß die vergleichsweise hohe Todesrate in Irland auf viele Ansteckungen und Todesfälle im völlig überlasteten Gesundheitsbereich zurückzuführen ist.

Weil alles so gut läuft, haben Schweden und Belgien Tote wieder auferstehen lassen und manche Corona-Toten wieder aus ihrer Statistik entfernt. Ob die vorigen oder die jetzigen Zahlen verläßlicher sind, bleibt der Fantasie überlassen.

Zur Ergänzung noch eine Statistik der absoluten Todeszahlen:

Die Zahlen beziehen sich auf:
Land – Ansteckungen – erfaßte Infizierte pro Kopf der Bevölkerung – ausgewiesene Corona-Tote – Tote pro Infizierte

1 USA – 5.821.819 – 1,759% – 179.708 – 3,09%
2 Brasilien – 3.717.156 – 1,749% – 117.665 – 3,17%
3 Mexiko – 573.888 – 0,445% – 62.076 – 10,82%
4 Indien – 3.310.234 – 0,240% – 60.472 – 1,83%
5 UK – 330.967 – 0,488% – 41.552 – 12,55%
6 Italien – 263.949 – 0,437% – 35.463 – 13,44%
7 Frankreich – 291.374 – 0,446% – 30.549 – 10,48%
8 Spanien – 419.849 – 0,898% – 28.971 – 6,90%
9 Peru – 607.382 – 1,842% – 28.001 – 4,61%
10 Iran – 365.606 – 0,435% – 21.020 – 5,75%
11 Kolumbien – 572.243 – 1,125% – 18.184 – 3,18%
12 Rußland – 968.297 – 0,664% – 16.638 – 1,72%
13 Südafrika – 615.701 – 1,038% – 13.502 – 2,19%
14 Chile – 402.365 – 2,105% – 10.990 – 2,73%
15 Belgien – 83.030 – 0,716% – 9.879 – 11,90%

(Quelle)

Diese hier verwendete Todesrate im Verhältnis zu den Ansteckungen kann bei hoher Letalität, wie z.B. in Mexiko, entweder auf eine weitaus höhere, aber nicht erfaßte Infektionsrate zurückzuführen sein als auch auf eine größere Aggressivität des Virus, einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand (Mexiko hat z.B. die höchste Rate von Übergewichtigen auf der Welt) oder ein schwach ausgebautes Gesundheitswesen, das den Ärmeren sowieso nicht zur Verfügung steht.

Oder auf alles zusammen.


71 Antworten auf „Coronavirus-Lage August 2020 ff.“


  1. 1 Nestor 03. September 2020 um 23:04 Uhr

    Sehr ausführlicher Artikel darüber, warum mit dem Testen nicht wirklich ein Durchbruch gelingt – nicht nur in den USA:

    We Can Solve the Coronavirus-Test Mess Now—If We Want To

    The key to taming the pandemic will be both a new commitment to “assurance testing” and a new vision of what public health really means.

    To get out of this pandemic, we need fast, easy coronavirus testing that’s accessible to everyone. From the way people often talk, you might think we need a technological breakthrough to achieve this. In fact, we don’t have a technological problem; we’ve got an implementation problem. We could have the testing capacity we need within weeks. The reason we don’t is not simply that our national leadership is unfit but also that our health-care system is dysfunctional.

  2. 2 Nestor 06. September 2020 um 17:32 Uhr

    Hier einmal die neuesten Corona-Todeszahlen-Statistiken, etwas verspätet:

    0,000866560071438 Belgien
    0,000626562134279 UK
    0,000624580736009 Spanien
    0,000589675820847 Italien
    0,000564991499952 Schweden
    0,000456390966220 Frankreich
    0,000373173115996 Irland (unverändert)
    0,000362622933223 Holland
    0,000233963667639 Schweiz
    0,000173396226415 Portugal
    0,000119814466910 Rußland
    0,000112148236811 Deutschland
    0,000082686743967 Österreich

    0,000941340000131 Peru
    0,000654034257306 Chile
    0,000592454469065 Brasilien
    0,000570127223694 USA
    0,000519636424733 Mexiko
    0,000506344558321 Panama
    0,000487155580869 Bolivien
    0,000427240850077 Kolumbien
    0,000389390780635 Ecuador
    0,000242513491099 Kanada
    0,000218452697150 Honduras
    0,000217903003875 Argentinien
    0,000170892542027 Dominikanische Republik

    0,000272529666131 Iran
    0,000247886615230 Südafrika
    0,000079610369056 Türkei
    0,000050406375634 Indien

    Zuwachsraten:
    Bolivien + 0,0000606462672
    Kolumbien + 0,000050436716902
    Peru + 0,000044946143859
    Argentinien + 0,000040161812502
    Mexiko + 0,000037116332263
    Brasilien + 0,000036995949658
    Panama + 0,000034895070766
    Chile + 0,000028678725046
    Honduras + 0,000028205009253
    USA + 0,000024504468551
    Südafrika + 0,000021418986917
    Dom. Rep. + 0,000019504040123
    Ecuador + 0,000014651378272
    Iran + 0,000014131982867
    Spanien + 0,000009490366068
    Indien + 0,000006586212794
    Rußland + 0,000006536077295

    Interpretation folgt.

  3. 3 Nestor 07. September 2020 um 13:06 Uhr

    Verschiedene lateinamerikanische Länder wetteifern um die Pole-Position in Sachen Coronavirus-Sterblichkeit, die derzeit Peru relativ unangefochten einnimmt.
    Am schnellsten schreitet jedoch die Sterblichkeit derzeit in Bolivien voran, wo sich die Putschisten der von ihnen mitverursachten Pandemie (Vertreibung des kubanischen medizinischen Personals) möglicherweise bedienen werden, um die Wahlen wieder zu verschieben. Das Coronavirus erweist sich als dual use-Waffe: Erstens reduziert es die indigene Bevölkerung, zweitens ermöglicht es ihnen den Machterhalt.

    Peru und Kolumbien befinden sich auch in der Spitzengruppe nach absoluten Zahlen von Infizierten.

    An Sterblichkeits- und auch Zuwachsraten halten Peru, Chile und Brasilien vor den USA die Stellung, wobei diese erstmals an Sterblichkeitsrate Schweden überholt haben.
    In den USA steigt die Anzahl der Infizierten wie auch der Toten weiterhin beinahe linear an, eine Art Verharren auf niedrigem Niveau wie in den meisten europäischen Staaten ist dort nicht abzusehen.

    In Europa ist derzeit Spanien das Land mit den höchsten Zuwachsraten, sowohl an Infektionen als auch an Verstorbenen.
    Rußland verzeichnet nach wie vor eine tägliche Zuwachsrate von Infizierten um die 5000, hat aber eine relativ niedrige Sterblichkeitsrate.

  4. 4 Nestor 15. September 2020 um 10:09 Uhr

    Nur eine kurze Zusammenfassung der Statistiken dieser Woche: Das einzige europäische Land mit nennenswertem Anstieg der Sterblichkeitsrate ist derzeit Spanien.

    In Lateinamerika liefern sich derzeit Ecuador und Bolivien einen Wettlauf um den Anstieg der Todesraten, während weitere 7 lateinamerikanische Staaten immerhin die USA hinter sich lassen.
    Indiens Sterblichkeitsrate steigt zwar rasant an, ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung immer noch niedrig.
    Die dortige Regierung scheint die Pandemie auch als Mittel zur Bevölkerungsreduktion zu begrüßen, ähnlich wie diejenigen Brasiliens und Boliviens.
    Auch bei der Spanischen Grippe waren die meisten Todesopfer in Indien zu verzeichnen.

  5. 5 Nestor 15. September 2020 um 22:27 Uhr

    Laut der ungarischen Website 444 ist die Lage in Ungarn ernst und droht bald die medizinischen Kapazitäten zu überschreiten.

  6. 6 Vermutung 16. September 2020 um 15:40 Uhr

    Nur eine Ahnung

    Stephan Kaufmann über Lehren, die man aus Corona ziehen kann – oder auch nicht (14.03.2020)

    Die Ausbreitung des Coronavirus gibt den Menschen hierzulande eine Ahnung davon, was in anderen, ärmeren Regionen des Globus normal ist. So fürchten angesichts von SARS-CoV-2 derzeit viele um die eigene Gesundheit und die ihrer Lieben. Doch während in Europa nur fünf Prozent der Bevölkerung an Infektionen sterben, sind es in Afrika 40 Prozent. Eine Ahnung bekommt man derzeit davon, wie es sein könnte, wenn die ärztliche Behandlung nicht mehr sichergestellt ist. In anderen Teilen der Welt muss man damit jeden Tag leben – laut Weltgesundheitsorganisation ist die Hälfte der Menschheit von grundlegender medizinischer Versorgung ausgeschlossen. (…)
    Derzeit kann man also eine Ahnung davon bekommen, was wirklich los ist in der Welt und woher die Menschen kommen, die an den Grenzen Europas stehen oder sich dorthin wünschen. Das kann lehrreich sein.

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1134275.corona-nur-eine-ahnung.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

    ---

    Klaus Hecker über
    „Die idiotische Fixierung auf Corona“

    (…) Sterben tun wohl marxartig abgleitet vorzeitig nur die Hochofenarbeiter und die Bevölkerung in der Dritten Welt. Wieso wir auch? Wir sind doch auf dem Tennisplatz und Stammgast in ‘ner guten Weinhandlung, unser Ferienhäuschen liegt am Meer mit guter Luft. Und außerdem müssen wir ja den armen Teufeln ihre fürchterliche Lage erklären. Und jetzt wir! Wie neu und gemein!
    Das kann bei manchen von diesen possierlichen Zeitgenossen so weit gehen, dass die in ihrer Wirrniss auch noch die arme Revolution vergewaltigen. Etwa so: „Die Revolution ist leider ausgeblieben. Eigentlich stünde sie an, wir jedenfalls wollten sie, haben auch was dafür gemacht. Hat nichts gebracht, Kann man halt nix machen“.
    In diesen buddhahaften Weisheiten, weil sie gebetsmühlenartig runtergeleiert werden, ist ein Wort – ein ganz kleines – von herausragender Bedeutung: nix und nochmal nix. Irgendwann habe ich mich mal gefragt, wenn die schon nix machen, was machen die eigentlich außer nix?

    https://www.gew-ansbach.de/2020/09/die-idiotische-fixierung-auf-corona/

  7. 7 Nestor 27. September 2020 um 12:25 Uhr

    So, hier wieder einmal meine sicher schon sehnlichst erwarteten Corona-Statistiken. :-)
    (Ich bin derzeit sehr beschäftigt, deshalb etwas größere Abstände.)

    Es geht um Todeszahlen pro Kopf der Bevölkerung.

    0,000872071204539 Belgien
    0,000663094212626 Spanien
    0,000632567954957 UK
    0,000594388713657 Italien
    0,000569348760877 Schweden
    0,000472810592151 Frankreich
    0,000378423159833 Irland
    0,000368811235272 Holland
    0,000239891212124 Schweiz
    0,000188812857611 Portugal
    0,000138374203061 Rußland
    0,000113639217979 Deutschland
    0,000086169473671 Österreich

    0,001025598013406 Peru
    0,000712814263204 Chile
    0,000706456814939 Bolivien
    0,000663429855452 Brasilien
    0,000652826036599 Ecuador
    0,000617424242424 USA
    0,000589539498248 Mexiko
    0,000566861883845 Panama
    0,000520177857187 Kolumbien
    0,000347763260009 Argentinien
    0,000249162398344 Honduras
    0,000245574597189 Kanada
    0,000194390266555 Dominikanische Republik

    0,000308336394346 Iran
    0,000273599463267 Südafrika
    0,000095352056834 Türkei
    0,000066876617748 Indien

    Zuwachsraten:

    Ecuador + 0,000263435255964
    Bolivien + 0,00021930123407
    Argentinien + 0,000129860256134
    Kolumbien + 0,00009293700711
    Peru + 0,000084258013275
    Brasilien + 0,000070975386387
    Mexiko + 0,000069903073515
    Panama + 0,000060517325524
    Chile + 0,000058780005898
    USA + 0,00004729701873
    Spanien + 0,000038513476617
    Iran + 0,000035806728215
    Honduras + 0,000030709701194
    Südafrika + 0,000025712848037
    Dom. Rep. + 0,000023497724528
    Rußland + 0,000018559736151
    Indien + 0,000016470242114

    Obwohl die USA, Brasilien und Indien absolut die meisten Corona-Toten zu verzeichnen haben, befinden sie sich bei der Todesrate unter ferner liefen.
    In allen diesen Ländern sind Regierungen am Ruder, denen das Schicksal ihrer ärmeren Bevölkerungsschichten gleichgültig ist, die meinen, es gäbe ihrer sowieso zu viele und ein paar können ruhig sterben. Die Anhänger der Elite, so ihre nicht ganz unbegründete Überzeugung, haben Mittel und Wege, dem Virus aus dem Weg zu gehen oder es durch gute Behandlung zu überstehen.

    Diese Regierungen sind demokratisch gewählt, es zeigt sich hier wieder einmal deutlich, daß dieses Auswahlsystem der Herrschaft keineswegs unbedingt bekömmlich für die betroffenen Untertanen ist.

    An Todesrate führt Peru weltweit, gefolgt von Belgien, Chile und Bolivien.
    In Belgien nimmt man die Sache cool und behauptet, man habe eben auch Kollateralschäden mitgezählt, daher die hohe Rate. Kein Grund zur Panik!
    Diese Lässigkeit erlaubt sich das Land, wo die EU-Führungsriege sitzt – auch keine erfreuliche Perspektive für die Handhabung der Pandemie.

    In Bolivien kommt die zerstrittene Putschistenpartie mit einer weiteren Verschiebung der Wahlen, die sie ziemlich sicher verlieren wird, nicht durch.
    Die Wahlen werden jedoch sicher die Ansteckungszahlen erhöhen.
    Es bleibt zu hoffen, daß eine neue MAS-Regierung etwas mehr macht zur Bekämpfung von CV-19, wenn man sie nur läßt, – z.B. die hinausgeschmissenen kubanischen Ärzte wieder ins Land holt.

    Argentinien und Rußland haben den gleichen Fehler gemacht: Als der ganze Zirkus losging, haben sie die Gefahr in China dingfest gemacht und die Kontakte zu China eingeschränkt und überprüft.
    Währenddessen konnte sich das Virus, von Europa kommend, ungestört verbreiten.

    Das europäische Land mit der höchsten Zuwachsrate ist derzeit Spanien, dessen Gesundheitssystem den steigenden Patientenzahlen nicht gewachsen sein wird. Alle Spatzen pfeifen von den Dächern, daß die Zahlen zu niedrig angesetzt sind und es noch viel schlimmer aussieht.

    Die höchste Zuwachsrate hat Ecuador, vielleicht stapeln sich dort bald wieder die Leichen auf den Gehsteigen von Guayaquil, wie im Frühjahr. Die dortige Regierung scheint sich aber keine Sorgen zu machen: Coronaaufstände sind unwahrscheinlich.

  8. 8 Kehrer 01. Oktober 2020 um 12:54 Uhr

    „Große Studie: RKI und DIW untersuchen Dunkelziffer

    (heute) 11.43 Uhr: Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) starten gemeinsam eine großangelegte Studie zum Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland. Wie beide Institutionen am Donnerstag in Berlin mitteilten, wollen sie herausfinden, wie viele Menschen eine Corona-Infektion bereits durchgemacht haben, also auch, wie hoch die Dunkelziffer bislang unentdeckter Infektionen ist. Dafür soll es bei möglicherweise Zehntausenden Menschen Antikörpertests geben.

    Grundlage ist das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) am DIW. Den Angaben zufolge sollen 34.000 Erwachsene demnächst zur Teilnahme aufgefordert werden. Das Mitmachen ist freiwillig. Den Teilnehmern werden den Angaben zufolge Mund-Nase-Abstriche entnommen, um aktuelle Infektionen zu untersuchen. Darüber hinaus werde eine kleine Menge Blut aus dem Finger für einen Antikörpertest entnommen. Die Teilnehmer sollen über die Ergebnisse selbst informiert werden, voraussichtlich nach vier bis sechs Wochen. Ergebnisse zu aktuell bestehenden Infektionen sollen sofort übermittelt werden.“

    Ist das zu fassen? Nach gut 7 Monaten Corona Pandemie kommt das RKI auf den Trichter. Man könnte ja mal die Dunkelziffer ermitteln. Soviel dazu die Bewältigung der Corona Krise würde nach wissenschaftliche Maßstäben vor sich gehen.

    Darf ich mal fragen, warum dieser Artikel von Klaus Hecker verlinkt ist? Weil auf Herman Lueer verwiesen wird? Jedenfalls bin ich daraus nicht schlau geworden, feuilletonistisches Gelaber bestenfalls: „Zum Kuckuck, lasst endlich das arme Virus in Ruhe. Auch, wenn es Corona heißt!“
    Was soll das?

  9. 9 Leser 02. Oktober 2020 um 7:28 Uhr

    Pandemie XIV.
    Die elende Sehnsucht nach ‚Normalität‘

    Nicht wenige leiden darunter, dass sie durch die staatliche Seuchenpolitik arbeitslos oder auf Kurzarbeit gesetzt werden und folglich mit ihrem Einkommen noch viel schlechter auskommen als sonst schon. Aus dem ärgerlichen Sonderfall des Lockdowns sollte man nicht gleich den Trugschluss ziehen, der Normalfall des alltäglichen Arbeitslebens wäre an und für sich ein Inbegriff erstrebenswerter Verhältnisse. Immerhin wirft der Ausnahmefall des erschwerten Lebensunterhalts ein Licht auf die Existenz- und Überlebensbedingung, die den erwerbsbürgerlichen Alltag so unbedingt beherrscht, dass man ihre Gemeinheit aus lauter Gewohnheit schon gar nicht mehr bemerkt. (Forts.):

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/sehnsucht-normalitaet

  10. 10 Leser 03. Oktober 2020 um 6:43 Uhr

    Ob dieser oder jener Trump oder anscheinender Trump-Klon systemrelevant für den Kapitalismus sein wird, – das wird sich ja nun erweisen …

    https://www.jungewelt.de/artikel/383269.pandemie-und-%C3%B6konomie-hauptsache-zahlungsf%C3%A4hig.html?sstr=Wentzke

    https://www.farberot.de/

  11. 11 Nestor 04. Oktober 2020 um 10:33 Uhr

    Den Hecker-Artikel hab nicht ich verlinkt, ich find ihn nicht besonders aufklärerisch.

    Im El País wird heute ausführlich auf die Ansteckung von Trump eingegangen – das ganze beginnt nämlich mit dem feierlichen Akt der Amtseinführung der neuen OGH-Richterin Barrett am 26. September.
    Ihre Vorgängerin ist nämlich kürzlich im Alter von 86 Jahren verstorben und die Stelle war neu zu besetzen.
    (Was ist eigentlich los mit dem OGH der USA, daß dort Leute tätig sind, die längst im Ruhestand sein sollten, und deren Abgang – in diesem Alter ist nicht mehr die Hebamme schuld – mittlere Verfassungskrisen hervorruft??)

    Die Vorgängerin war 1993 mit Pomp und Glorie im Rosengarten des Weißen Hauses in ihr Amt bestellt worden, und Trump wollte das nachmachen. Was Clinton konnte, kann ich erst recht! Noch dazu mit viel größerer medialer Verbreitung, als das damals möglich war. Eine Show vom Feinsten, dachte der Herr Präsident, ganz nach meinem Geschmack!

    Dabei wurden alle CV-Vorsichtsmaßnahmen in den Wind geschlagen, und die Leute waren dicht gedrängt, jeder aus Trumps Umfeld wollte dabei sein. Mehr als 100 Leute waren anwesend.
    Seither folgen Schlag auf Schlag die Einlieferungen der Anwesenden ins Krankenhaus.

    Es ist wie aus einem Micky Maus-Comic: Vorher wurde jedem ein Wattestäbchen in die Nase gesteckt – ein Coronatest, zur Sicherheit! – und dann als Schnelltest ausgewertet, was offenbar genauso gut war, als wie wenn man nichts gemacht hätte.
    Soviel nur zu den Schnelltests.

    Seit dem 26. 9. waren Trump und seine Frau wahlkampfmäßig unterwegs, umgeben von Beratern und Wahlkampfmanagern, und nahmen Bäder in der Menge, also man kann sich auf weitere Krankheitsfälle aus dem Umfeld des Präsidenten einstellen.

  12. 12 Phineas 04. Oktober 2020 um 12:33 Uhr

    Umso aufklärerischer die Kommentare von „Gustavo“ alias Klaus Hecker im entsprechenden Blog auf Contradictio, welche die steilen Corona-Thesen des Gegenstandpuntes kritisieren.

    Hier geht’s los:

    https://www.contradictio.de/blog/archives/8405/comment-page-1#comment-7742

  13. 13 Leser 04. Oktober 2020 um 12:54 Uhr

    Wie schon beim Thema Klimawandel sortiert Klaus Hecker, ähnlich wie 2019 Samson und Co. auch auf diesem Blog, das Ganze als aufgeregtes Getue ein.

    Vom Standpunkt der Wissenschaft her sind das sowohl beim Thema Klimawandel als auch beim Thema Corona Minoritätenmeinungen. Das könnte einem egal sein, allerdings geht es hier um Naturwissenschaft. Was also ein Virus ist und welche Auswirkungen er auf den Organismus hat, da mag manches noch nicht ganz klar sein, z.B. die Langzeitfolgen, oder ob das Virus mit welcher Intensität wo im Körper genau und bei welchem Stand des Immunsystems wirkt.

    Aber der Präsident der USA ist ja qua Amts- und Selbstdefinition seines Jobs als Person allmächtig, also vermutlich auch unverwundbar… Schaunmermal.

    ---

    Fußnote zu Klaus Hecker: Übrigens hat ihn das nicht davon abgehalten, sich kritisch und zum Großteil sehr korrekt mit dem Weltbild der SchülerInnen von FFF, die immerzu ihre Jugend als Berufungsinstanz anführen, und nicht die Taten der Politik kritisieren, auseinanderzusetzen.
    Der Politik der Merkel vorzuwerfen, sie imitiere ein aufgeregtes Getue von Teenies – das ist allerdings schon der Ausgangsbeobachtung nach ziemlich lächerlich. Erst recht, wenn daraus eine Kritik der „deutschen Klimapolitik“ und deren inszenierter Aufgeregtheit abgeleitet werden soll.

    [Dass der Titel ‚Klimapolitik‘ gerade für deutsche Politiker auf der Weltbühne als internationaler Berufungstitel für dies und jenes tauglich sein soll, – das ist übrigens nicht dieselbe Kritik.]

  14. 14 Kehrer 04. Oktober 2020 um 19:09 Uhr

    „Wie schon beim Thema Klimawandel sortiert Klaus Hecker, ähnlich wie 2019 Samson und Co. auch auf diesem Blog, das Ganze als aufgeregtes Getue ein.“ Das kann ich nach Lektüre des Blogbeitrags nicht bestätigen. Und wofür soll es gut sein Heckers Sicht auf den Klimawandel hier zu erwähnen? Natürlich um ihn als gewohnheitsmäßigen Fakten, Klima, Corona …-Leugner darzustellen.

    Mir sind bekanntlich die entsprechenden Passagen in dem GSP-Text auch negativ aufgestoßen.
    „Das könnte einem egal sein, allerdings geht es hier um Naturwissenschaft.“ Das stimmt eben genau nicht. z.B. Empfehlung des RKI keine Obduktionen vorzunehmen, Ermittlung der Dunkelziffer jetzt nach 7 Monaten, Niesetikette in die Armbeuge bei gleichzeitig Warnung vor Masken, Überlassen der Verfügungstellung von Masken durch den Markt, schließlich Maskenpflicht bei gleichzeitigem Ignorieren der Güte von Masken, man muss sich nur irgendeinen Lappen vors Gesicht hängen, schon hat man der Pflicht genüge getan…

    „Hier wird nebenbei – gewissermaßen – als heimlicher Lehrplan ein einsinniges, antikritisches Bild geprägt. Hier die Experten, dort die Idioten. Es kommt heraus, wer was anderes behauptet als der Mainstream muss doof sein, kann gar keine Argumente haben, hat alles aus dem Ärmel geschüttelt. Eine argumentative Auseinandersetzung gibt es mit solchen Idioten nicht, steht denen eG Blödheit auch gar nicht zu. Der mögliche interessierte Zeitgenosse, der mal beim GSP reinschaut, braucht das auch nicht. Der darf lernen: die sind doof, der GSP ist schlau.“ Da ist schon was dran, finde ich.

  15. 15 Leser 04. Oktober 2020 um 19:45 Uhr

    Wenn am RKI und dessen Ansichten etwas auszusetzen ist, bitte sehr, dann kritisiere doch das RKI.

    Und dass dir ganz generell an Heckers Anti-GSP-Hetze („Idioten“, „Blödheit“) ziemlich viel einleuchtend vorkommt: vermutlich ist euch beiden euer Feindbild eben ziemlich wichtig. „Da ist schon was dran, finde ich“, dass das einen Großteil eurer gesamten angeblichen publizistischen Aufklärung über die Welt ausfüllt.

    Deine Schönheiten der Kritik sind allerdings im Regelfall besonders ehrlich und besonders aufklärungsinteressiert: „Ehrlich, wenn du deine eigenen Links nicht verstehst, halt lieber die Klappe. Das ist ja peinlich.“

    Also von wegen – Idioten, Blödheit, Aufklärung…

  16. 16 Phineas 04. Oktober 2020 um 22:23 Uhr

    Die Antwort warum der Gegenstandpunkt,(aber u. a. auch die Junge Welt und ein Großteil der sog. autonomen Antifa) so aggressiv und antikritisch nur ganz bestimmte, selektiv und totalitär durchgepeitschte Auffassungen und Annahmen einer weisungsgebunden Bundesbehörde („die Wissenschaft“) propagierte und heute noch propagiert und dort mittlerweile der affirmative Stumpfsinn regiert, vielleicht ja aufgrund nicht enden wollender Panikattacken der gar nicht mehr knackjungen Autorenschaft und/oder des nachhaltig irreparablen Dauerschadens durch Sauerstoffmangel ihrer Denkapparate, hervorgerufen durch eine 24 Stunden Benutzung von FFP3 Masken, oder einer großzügigen Spende, ich weiß es nicht, wie gesagt, diese Antwort könnte nur er selbst geben. Hecker hat im oben verlinkten Blog schon die passenden Antworten auf Totschlag-Fragen wie die hier oben von Leser gegeben.

  17. 17 Leser 04. Oktober 2020 um 22:36 Uhr

    Und danke für Phineas ausführlichere Version.
    Es ist nämlich immer nützlich, wenn klar wird, wie antiaufklärerisch eure Kritik denn nun gemeint ist.

    Inhaltlich ist da, außer Geschimpfe, anscheinend kein weiteres Argument vorhanden.

  18. 18 Kehrer 04. Oktober 2020 um 22:44 Uhr

    „Wenn am RKI und dessen Ansichten etwas auszusetzen ist, bitte sehr, dann kritisiere doch das RKI.“ Ich dachte, das hätte ich erstens im letzten Post und in vielen Posts zuvor schon getan.

    Ich finde nicht, dass Hecker Hetze betreibt. Aber dass du Kritik und Hetze nicht unterscheiden kannst passt ins Bild und gibt Hecker recht. Denn Kritik am GSP ist wohl sowas wie Majestätsbeleidigung. Wenn das anders wäre müsstest du ihn nicht als x-Leugner hinstellen.

    „Deine Schönheiten der Kritik sind allerdings im Regelfall besonders ehrlich und besonders aufklärungsinteressiert:“
    Was soll ich denn aufklären an Kommentare wie diesen: „Das ganze Gequatsche von dir dient nur dazu, dass du deine Lieblingsphrase „Neoliberalismus“ retten willst. Wie üblich fallen dir dafür diverseste Nebengleise ein.“ Solche „Argumente“ fallen dir ein zu einem Post von mir ein, der dir extra kleinschrittig einen Sachverhalt zu erklären versucht.
    Da fällt dir nur „Gequatsche“ dazu ein. Ganz ehrlich Leser. Um das mal mit einem Spruch von Karl Held zu sagen: Das ist eines Kommunisten unwürdig. Und das ist in der Tat peinlich. Und dass es dir nicht peinlich ist spricht Bände. Wenn der GSP oder du andere kritisierst, dann geht das klar, aber wehe jemand anderes kritisiert dich, dann wirst du gleich giftig und gemein. Und wenn ich dann mit gleicher Münze raus gebe, dann entblödest du dich nicht zu monieren ich wäre nicht „aufklärunsinteressiert“. Wer hat als erster auf sachliche Argumentation verzichtet? Du oder ich?

    Ich halte eben die GSP Linie zu Corona ebenfalls für seltsam. Was gehen den GSP denn irgendwelche Spinner und Verschwörungstheoretiker an? Sind das die Adressaten, die es zu agitieren gilt? Und dass der Regierung das Lob erteilt wird sie würde ihre Coronamaßnahmen an wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnissen ausrichten, halte ich für faktisch falsch, bzw. steckt da nur ein winziger Kern Wahrheit drin. Im wesentlichen ist es aber verkehrt.

  19. 19 Leser 04. Oktober 2020 um 22:57 Uhr

    Falls es jemanden gibt, der nun wissen will, wie denn nun der GSP zu Corona steht, vielleicht mag er ja lieber das Original lesen, also Artikel zur Kapitalistischen Volksgesundheit:

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/exkurs-zur-volksgesundheit

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/leserbriefe-volksgesundheit-kapitalismus

    Vielleicht kann Krim darin ja auch sein inkriminiertes Zitat finden… (Oder auch nicht!)

    [Übrigens – empfehle ich, sich über Würde, Ehre, Peinlichkeit mal als Krims eigene Gedankeninhalte Rechenschaft abbzulegen. Von Karl Held gibts dazu übrigens inhaltlich auch noch einiges Aufklärerisches …]

  20. 20 Kehrer 05. Oktober 2020 um 7:51 Uhr

    Du bezweifelst tatsächlich, dass es sich bei dem „inkriminierten“ (denn „kritisiert“ wäre deiner Meinung nach offenbar zuviel der Ehre) Zitat, um ein Zitat handelt? Wieso sonst soll man dieses Zitat in einem Artikel suchen, indem es gar nicht enthalten ist. In der Bibel steht das inkriminierte Zitat übrigens auch nicht und im Kommunistischen Manifest steht es auch nicht. Es steht übrigens in allen Büchern und Zeitschriften und Texten nicht, außer in dem einen von dem dieses Zitat stammt.
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/wirkliche-doppelkrise
    Ganz am Schluß: Kritisches aus diversen Echokammern.

  21. 21 Leser 05. Oktober 2020 um 8:24 Uhr

    Was ist denn an dem Absatz verkehrt?

    Ganz am Schluß (!), quasi das Allerletzte…

    „… und was Deutschlands öffentliche Meinung oben und unten daraus macht (…)

    Kritisches aus diversen Echokammern.

    Eine nicht ganz kleine Minderheit verschafft sich ihre Anerkennung innerhalb einer selbstkonstruierten Echokammer in vorgestellter Opposition gegen die politisch vorgegebenen Verhaltensrichtlinien, per Absage an die öffentlich bekannt gemachten und in Dauerschleife verfestigten Begründungen dafür. Wissen über Coronaviren braucht es nicht, ein paar Antworten auf einschlägige 1000-Euro-Fragen machen sich aber ganz gut, um ausgerechnet das medizinische Expertenwissen, dem die Staatsgewalten weltweit mit ihren Restriktionen für den sozialen Alltag ihrer Bürger Rechnung tragen, als Verschwörung gegen die bürgerlichen Freiheiten zu entlarven – im Fall China hat man dafür ja sogar das offizielle Feindbild auf seiner Seite. Umgekehrt erfreuen sich nicht wenige Theoretiker an der Vorstellung, sie hätten ihre Herrschaft bei der gigantischen Verharmlosung einer sich anbahnenden Apokalypse oder gar einer Verschwörung gegen das eigene Volk ertappt und könnten diesem Anschlag mit schlauer Alternativmedizin ein Schnippchen schlagen; im Internet finden sie auch dafür ein Publikum, das die tatsächlichen Mängel der staatlichen Gesundheitsversorgung, die jetzt vielerorts so eklatant offenbar werden, lieber für eine böse Machenschaft hält als für die logische Konsequenz einer kapitalistischen Ökonomie, für die solche Vorsorge als falsche Kost zählt, als wettbewerbsverzerrende Belastung all der geschäftlichen Profitrechnungen, auf die es doch ankommt.

    Dabei ist die Sache so schwierig nicht. Was derzeit manche Patienten nicht überleben und was rückblickend – wieder einmal, wie stets in vergleichbarer Situation – als Versäumnis beklagt, als Vernachlässigung und leichtfertiger Abbau nötiger Kapazitäten im Gesundheitswesen den ehemals Verantwortlichen zur Last gelegt wird, das ist die systemgemäß eng begrenzte Bandbreite des gesundheitspolitischen Normalfalls im kapitalistisch wirtschaftenden bürgerlichen Gemeinwesen. Aber diese schlichte Wahrheit halten die einen Antikommunisten für eine unzulässige Beleidigung der besten aller Welten, die anderen für eine Verharmlosung eines Systems, das sie abgrundtief verurteilen im Lichte dessen, dass sie sich von ihm unverdrossen viel bessere als seine wirklichen Leistungen versprechen. Und das Virus, das dafür sorgen könnte, dass der bürgerliche Kopf einmal aus Schaden klug wird, ist noch nicht erfunden.“

    Ich dachte, du seiest der Ansicht, dass der GSP das RKI loben würde, und das sei deine Kritik an den Corona-Artikeln.
    War es aber anscheinend gar nicht.

    Mit etwas Mühe habe ich dies gefunden:
    „…um ausgerechnet das medizinische Expertenwissen, dem die Staatsgewalten weltweit mit ihren Restriktionen für den sozialen Alltag ihrer Bürger Rechnung tragen, als Verschwörung gegen die bürgerlichen Freiheiten zu entlarven – im Fall China hat man dafür ja sogar das offizielle Feindbild auf seiner Seite.“

    Dass die weltweiten Staatsgewalten den medizinischen Fakten Rechnung tragen müssen – ist doch vermutlich sogar in Brasilien noch so. Aber w i e ???
    Und auch Trump gönnt seinen Leibwächtern seine Corona-Atemausdünstungen im Auto nur mittels Stoffmaske vor der Nase. Schließlich habe er viel über das Virus gelernt ….

  22. 22 Kehrer 05. Oktober 2020 um 12:01 Uhr

    Nicht das Rki wird gelobt. Mit etwas Mühe hast du ja selbst rausgefunden, dass gesagt wird der Staat würde dem medizinischen Expertenwissen Rechnung tragen. So ein Satz ist zumindest erklärungsbedürftig. Er stößt mir auf, weil ich an vielen Stellen entdecke, wo der Staat dem „medizinischen Expertenwissen“ keine Rechnung trägt. Warum reicht eigentlich nicht „medizinisches Wissen“ schon das „Expertenwissen“ ist ja schon eine zu erklärende Sache. Offenbar sind die Experten sowas wie eine Kaste, deren Argument schon gleich mehr gilt, als das eines Normalo. „Experte“ wird man ja nicht einfach in dem man Arzt oder Epidemiologe oder Virologe ist. Diesen Ehrentitel kriegt man von den Medien in Talkshows verliehen. Und offenbar sind Experten dazu da die Normalos zu belehren. Und die Normalos müssen die Klappe halten, denn sie sind ja keine Experten.

    Das hat auch nichts damit zu tun, dass die Staatsgewalten „medizinischen Fakten“ Rechnung tragen müssen. „Medizinische Fakten“ und „medizinisches Expertenwissen“ sind ein Unterschied. Dass sich jemand infiziert ist z.B. ein medizinischer Fakt. Dem Rechnung zu tragen ist aber was anderes als auf Expertenwissen zu hören.

    Erstens müssen Politiker weder auf medizinische Fakten noch auf medizinisches Expertenwissen hören, kriegen dann aber vom Virus quasi die Rechnung präsentiert. Zweitens war es mit dem Expertenwissen in Bezug auf das Virus zumindest am Anfang der Pandemie nicht sehr weit her. Da wurden einfach epidemiologische Überlegungen umgesetzt.

  23. 23 Phineas 05. Oktober 2020 um 13:20 Uhr

    „Allen volksaufklärerischen Bemühungen von Medizinern, Ministern und Moderatoren zum Trotz, die ihr BESTES geben zur KLARSTELLUNG (Hervorhebung, von mir) der aktuellen Gefährdungslage…“

    Kein Kommentar. Spricht für sich.

    „In der Zwischenzeit erreichen uns Zuschriften, die sich daran stören, dass „wir ein Moment von Vernunft in der Pandemie-Politik (entdecken), weil diese sich ausnahmsweise nach wissenschaftlichen Erkenntnissen richtet, statt sie nur zur Rechtfertigung ihrer Maßnahmen zu zitieren.“

    (Die Bürger und ihre ultimative Wahrheitsfrage – wer ist schuld an der ganzen Misere? GSP 2- 20)

    Diesbezügliche Kommentar-Anfrage hier auf Contradictio:

    https://www.contradictio.de/blog/archives/8427#comment-7841

  24. 24 Leser 05. Oktober 2020 um 14:41 Uhr

    Dass das, was als „medizinisches Expertenwissen“ in der bürgerlichen Öffentlichkeit auftaucht, widerspiegelt, dass bürgerliche Staaten ihre Besorgtheit wegen ihrer jeweiligen Defnition von kapitalnützlicher Volksgesundheit nicht allenthalben in derselben Weise definieren, das sieht man ja bereits bei einem knappen Vergleich zwischen dem Staatshandeln z.B. in Brasilien und Deutschland. Nestor hat das einige Male, meine ich, so charakterisiert, dass sich darin zeige, ob und wie die Staatsgewalten für ihre Zwecke ihr Volk in Anspruch nehmen.

    Dass sie damit trotzdem mit dem Virus umgehen müssen, liegt am Virus. Insofern war es vielleicht etwas haarspaltersch von mir darauf aufmerksam machen zu wollen, dass auch der, der jegliche Gefahr leugnen will, auch darin, auch „im Nichtstun“, einen Umgang mit dem Virus pflegt.

    Die Gegenstand-Punkt-Artikel zum Thema Volksgesundheit habe ich gestern deswegen hier verlinkt, weil mir schien, dass der Unterschied zwischen Staatsnützlichkeit und individeuellem, privatem, Wohl hier zum Thema gemacht werden sollte von Phineas.

  25. 25 Kehrer 05. Oktober 2020 um 21:07 Uhr

    „Nestor hat das einige Male, meine ich, so charakterisiert, dass sich darin zeige, ob und wie die Staatsgewalten für ihre Zwecke ihr Volk in Anspruch nehmen.“ Ist zwar eine nette Idee, aber ich bin mir nicht sicher, ob das zutrifft. Gemeint ist doch wohl, dass wenn das Volk hauptsächlich überflüssig ist und für das kapitalistische Wirtschaften nicht gebraucht wird, dass es dann laschere Maßnahmen gibt, weil es dann nichts aus macht, wenn einige Teile des Volks über den Jordan gehen. Was vielleicht bei Brasilien noch haltbar ist, wird in Amerika schon fraglich und in Schweden unglaubwürdig. Mir scheint es eher so, dass sich die Coronamaßnahmen der Staaten nach völkischem Gedankengut sortieren. Wer an die Überlegenheit des in seiner Nation ansässigen Menschenschlags glaubt, der meint auch das dieser Menschschlag wegen seiner überlegenen (genetischen) Ausstattung oder sonstigen Besonderheit nichts so anfällig für das Virus ist (Türkei, Schweden). Man kann es auch so ausdrücken, dass je nach der Auffassung von der eigenen völkischen Identität auch die Volksgesundheit etwas anders definiert wird.

    Natürlich ist klar, dass sich eine ganze Reihe von Staaten gar keine Coronamaßnahmen leisten können wie in den kapitalistischen Metropolen.

  26. 26 Leser 06. Oktober 2020 um 8:01 Uhr

    Vielleicht ist die Frage danach, wie als „überzählig“ bzw „überflüssig“ Definierte weltweit von Staatsgewalten behandelt werden, nicht nur Corona-Kranke in Lateinamerika, eine andere als die Frage, wie Staaten, die ihr Staatsvolk für die Kapitalakkumulation benutzbar halten wollen, ihr Gesundheitssystem organisieren? Innerhalb der letzteren (führenden kapitalistischen) Sorte gibt es unterschiedliche Varianten der Vermischung von öffentlich zugänglichen und nur privat zugänglichen Gesundheitsleistungen, gelegentlich auch mittels Arbeiterkämpfen (insgeheim und letztlich) zwecks besserer Aushaltbarkeitsmachung der Ausbeutung (Urlaub, Arbeitsschutz, Krankheitsfortzahlung) oder gegen Kapitalinteressen durchgesetzt. (Die USA möchten sich in GB in die Reform des dortigen Gesundheitssxstems einmischen bzw. es als Medizinkapital zu ihren Gunsten reformieren.) Explizite (moderne) Populisten nehmen dazu zusätzlich noch einmal einen gesonderten Standpunkt ein, den man sich an den unterschiedlichen Positionen Orbans und Trumps verdeutlichen könnte. Zusätzlich zu den erwähnten Schweden und Türken.
    In der BRD werden die vorher ‚kaputtgesparten‘ regionalen und kommunalen ‚Gesundheitsämter‘ wieder aufgestockt, die die Pandämie mittels Kontaktverfolgung etc eindämmen bzw. den Anstieg der Ansteckungsrate abflachen sollen.

    Hier stecken reichlich viele Fragen drin. Ist so auch quer durcheinander und unsortiert notiert…

    [Vermutlich ist es einfacher und auch zweckmäßiger, ein einzelnes Land zu untersuchen, weil die dortigen Kräfteverhältnisse unter dem dortigen Gewaltmonopolisten eben dort spezifische historische Ausprägungen des Gesundheitssystems hervorgebracht haben. Nestors Anmerkungen zu seinem regelmäßigen weltweiten Zahlensalat sind im Regelfall eher ‚vorsichtig‘ formuliert.]

  27. 27 Nestor 06. Oktober 2020 um 9:48 Uhr

    Die Besprechung von der Corona-Pandemie von GSP, Hecker und auch den Corona-Dissidenten krankt in meinen Augen daran, daß sie sehr deutschlandlastig ist. Man muß irgendwie die internationale Lage betrachten, um herauszufinden, was die Crux oder die verschiedenen Ungereimtheiten in der Behandlung des Coronavirus sind.

    Beim GSP erkläre ich mir die Deutschland-Fixiertheit daraus, daß am Abstraktum des bürgerlichen Staates, so wie er seinerzeit mit Blut, Schweiss und Tränen abgeleitet worden ist, festgehalten werden soll. Wie ein Fels in der Brandung soll das Modell Deutschland dieses Abstraktum repräsentieren, obwohl dieser Staat inzwischen sogar innerhalb der EU eher eine Ausnahme darstellt.

  28. 28 Nestor 06. Oktober 2020 um 10:08 Uhr

    @Kehrer

    Natürlich ist klar, dass sich eine ganze Reihe von Staaten gar keine Coronamaßnahmen leisten können wie in den kapitalistischen Metropolen.

    Es kommt drauf an, was man unter „Coronamaßnahme“ versteht.

    Auch in den Metropolen zeigt sich doch, daß eher auf Verbote und Gebote wie Maskenpflicht gesetzt wird, die den Staat nichts kosten, anstatt das zu machen, was meiner Ansicht nach zielführend wäre: Ansteckungsherde zu identifizieren und zu isolieren.
    In Spanien reden die Behörden seit dem Frühjahr davon, daß man Fährtensucher ausbilden und einsetzen müßte, geschehen ist seither genau nichts, weil niemand die Kosten dafür übernehmen will.
    Die Misere mit den unverläßlichen Tests wiederum rührt daher, daß oftmals Firmen betraut werden – und durchaus fette Verträge kriegen –, deren Ausrüstung für diesen Zweck gar nicht hinreicht.

    Schließlich hat das CV in Spanien und Italien im Frühjahr unter anderem deshalb so gewütet, weil der Pflegebereich erstens personell unterbesetzt und zweitens prekär mit Immigranten aller Art besetzt ist, die ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach ihren Arbeitsplätzen fern geblieben sind, weil sie für die paar Groschen, die sie verdienen, ihr Leben nicht aufs Spiel setzen wollten.

    Es ist mir entgangen, daß sich an dieser Situation viel geändert haben sollte. Die Helden und Heldinnen wurden beklatscht, aufgestockt wurde das Personal nicht.

    Noch extremer ist die Lage in Staaten wie Brasilien, Ecuador und Bolivien, wo die derzeitigen Regierungen das kubanische medizinische Personal hinausgeworfen und damit das Gesundheitssystem drastisch eingeschränkt haben.

    Marokko z.B. hat beim Ausbruch der Pandemie seine Grenzen dicht gemacht und auch im Ausland befindliche Marokkaner nicht zurück ins Land gelassen. Damit hat es die Ansteckungszahlen niedrig gehalten. Marokkanische Staatsbürger, die in Haiti oder auch in der EU gestrandet waren, praktisch ohne Geld, haben sich naturgemäß wenig darüber gefreut.

    Aber „Maßnahmen ergreifen“ kann jedes Land und tut dies auch.

  29. 29 Kehrer 06. Oktober 2020 um 11:47 Uhr

    „Vielleicht ist die Frage danach, wie als „überzählig“ bzw „überflüssig“ Definierte weltweit von Staatsgewalten behandelt werden, nicht nur Corona-Kranke in Lateinamerika, eine andere als die Frage, wie Staaten, die ihr Staatsvolk für die Kapitalakkumulation benutzbar halten wollen, ihr Gesundheitssystem organisieren?“ Aber es gibt ja wohl einen Zusammenhang zwischen diesen Fragen. Wer als überzählig definiert wird ist ja eine Funktion der Benutzung. Die Benutzung bzw. der Umfang der Benutzung des Volks durch die kapitalistische Ökonomie definiert eben die nicht Benutzten als überzählig. Die Volksgesundheit soll ja die dauerhafte Benutzung durchs kapitalistische Geschäft garantieren. Also ist die Volksgesundheit vom Umfang des kapitalistischen Geschäfts im Staat abhängig. Daraus ergibt sich, dass Staaten in denen das Volk nur zu kleinen Teilen gebraucht wird, die Volksgesundheit ganz anders ausschaut. Nachschub an Arbeitskräften sind dann auch ohne umfangreiche staatliche Organisation eines Gesundheitswesen gewährleistet.

  30. 30 Kehrer 06. Oktober 2020 um 23:19 Uhr

    „Auch in den Metropolen zeigt sich doch, daß eher auf Verbote und Gebote wie Maskenpflicht gesetzt wird, die den Staat nichts kosten, anstatt das zu machen, was meiner Ansicht nach zielführend wäre: Ansteckungsherde zu identifizieren und zu isolieren.“ Ja einerseits. Andererseits zahlt er aber massenweise Kurzarbeitergeld, gibt Kredite und Zuschüsse, nimmt gigantische Kredite auf. Langsam habe ich den Eindruck, da kam Corona gerade recht, um die Wirtschaft massenhaft mit Zahlungsfähigkeit auszustatten, ohne dass die Regierung in Verdacht gerät Unternehmen wettbewerbswidrig mit Subventionen auszustatten, mit denen sie dann auf dem Weltmarkt erfolgreicher konkurrieren können, ohne dass ein Trump Zölle erhebt. Wer will denn ernsthaft Seuchenmaßnahmen als Staatssubventionen anprangern. Trump macht es ja auch so.

    „Aber „Maßnahmen ergreifen“ kann jedes Land und tut dies auch.“ Deshalb schrieb ich „Maßnahmen wie in den Metropolen“. Sie ergreifen eben die Maßnahmen, die ihr Nationalkredit hergibt. Masken und Verbote sind natürlich billig, da hast du recht.

  31. 31 Nestor 11. Oktober 2020 um 21:04 Uhr

    @Kehrer

    Daraus ergibt sich, dass Staaten in denen das Volk nur zu kleinen Teilen gebraucht wird, die Volksgesundheit ganz anders ausschaut.

    Ja, aber es hängt nicht nur davon ab.

    Die – ich weiß gar nicht, wie ich sie nennen soll, linken, progressiven bzw. volksfreundlichen – Regierungen Lateinamerikas haben das schon so gesehen, daß es keine Überflüssigen geben soll und das Gesundheitssystem sich um alle kümmern soll.
    Deswegen auch die Verträge mit Kuba, die von ihren Nachfolgern aufgekündigt worden sind.

    Man sieht auch jetzt noch, daß in Staaten wie Nicaragua oder Venezuela die Ansteckungs- und Todesrate weitaus niedriger ist als in den Nachbarstaaten.

    Das Kurzarbeitsgeld und die Unternehmensstützungen und andere die Wirtschaft betreffende Geldausschüttungen werden zwar als Corona-Maßnahmen ausgegeben – und auch verstanden und gebilligt –, mit der Eindämmung der Krankheit haben sie jedoch nichts zu tun. Deshalb habe ich seinerzeit einen eigenen Thread zu den begleitenden ökonomischen Schritten eröffnet.

  32. 32 Nestor 11. Oktober 2020 um 21:18 Uhr

    So, wieder einmal die Coronastatistik, Todesrate bezogen auf die Gesamtbevölkerung:

    0,000890091734997 Belgien
    0,000699123633695 Spanien
    0,000644986005233 UK
    0,000600163666819 Italien
    0,000572931397637 Schweden
    0,000482975833296 Frankreich
    0,000383096381127 Holland
    0,000242680644823 Schweiz
    0,000202021987568 Portugal
    0,000153849727739 Rußland
    0,000115671281024 Deutschland
    0,000095606547711 Österreich
    0,000092312372283 Tschechien

    0,001063565340056 Peru
    0,000755206426219 Chile
    0,000748331618481 Bolivien
    0,000706397462163 Brasilien
    0,000705814222839 Ecuador
    0,000665336363636 USA
    0,000650153772381 Mexiko
    0,000605661298194 Panama
    0,000573163348197 Kolumbien
    0,000527607632650 Argentinien
    0,000272684722664 Honduras
    0,000254942637378 Kanada
    0,000201820377078 Dominikanische Republik

    0,000345879058172 Iran
    0,000296415689753 Südafrika
    0,000105561906279 Türkei
    0,000078502671006 Indien

    Zuwachsraten:
    Argentinien + 0,000179844372641
    Mexiko + 0,000060614274133
    Ecuador + 0,00005298818624
    Kolumbien + 0,00005298549101
    USA + 0,000047912121212
    Brasilien + 0,000042967606711
    Chile + 0,000042392163015
    Bolivien + 0,000041874803542
    Panama + 0,000038799414349
    Peru + 0,00003796732665
    Iran + 0,000037542663826
    Spanien + 0,000036029421069
    Honduras + 0,00002352232432
    Südafrika + 0,000022816226486
    Rußland + 0,000015475524678
    Indien + 0,000011626053258

    Die Reihenfolge innerhalb der Blöcke ist gleich geblieben, obwohl sich mancherorten Überholmanöver ankündigen. In der EU ist bemerkenswert, daß die teilweise stark ansteigenden Infektionsraten sich (noch?) nicht in stark ansteigenden Todesfällen äußern.
    Das kann daran liegen, daß jüngere Leute betroffen sind als im Frühjahr, weil die Risikogruppen besser geschützt (oder bereits bei der vorigen Welle verstorben) sind.
    Es kann aber auch daran liegen, daß es bloß um eine Zeitverschiebung geht und das Bild beim nächsten Mal schon ganz anders ausschaut.

    Tschechien schließt auf, das bisher großteils verschont geblieben ist, was offenbar Staat und Individuen etwas zu übermütig hat werden lassen.

    In Lateinamerika ist Argentinien offenbar stark betroffen und hat die höchste Zuwachsrate.

    Man wird beim nächsten Mal sehen, inwiefern sich diese Trends fortsetzen.

  33. 33 Leser 12. Oktober 2020 um 9:37 Uhr

    Die merkwürdige Propaganda, Trump wolle einerseits Obamacare ganz prinzipiell abschaffen, andererseits seinen Untertanen Medikamente gegen Covid kostenlos zur Verfügung stellen, löst sich einerseits in Wahlkampfgetöse auf. Andererseits unterstreicht er damit die Botschaft, dass der US-Staat zwar das Versterben wunderbarer menschlicher Produktivkräfte so zu vermindern sucht, aber ideologisch den Konkurrenzalltag seiner Insassen auch weiterhin vor allem bzw. nahezu ausschließlich deren eigenen Überlebensstrategien zu überantworten sucht. Sollen sie doch Aktien kaufen und auf Rendite hoffen. Oder sich sonstwie verschulden. Und so irgendein kapitalistisches Wachstum befördern…
    [Falls denn der bisherige Präsident überhaupt auch der zukünftige sein würde…]

    ---

    W ie das in den US-Wahlkampf passt:

    https://tages-politik.de/Aussenpolitik/Trump-Biden-30.9.pdf

  34. 34 Kehrer 12. Oktober 2020 um 10:14 Uhr

    „Ja, aber es hängt nicht nur davon ab.“ Das sagte ich oben ja selbst.

    „Das Kurzarbeitsgeld und die Unternehmensstützungen und andere die Wirtschaft betreffende Geldausschüttungen werden zwar als Corona-Maßnahmen ausgegeben – und auch verstanden und gebilligt –, mit der Eindämmung der Krankheit haben sie jedoch nichts zu tun.“ Na ja, indirekt haben sie schon damit zu tun. Man muss nämlich die Leute in die Lage versetzen, dass sie die Eindämmungsmaßnahmen ökonomisch aushalten, sonst wird sich an die Eindämmungsmaßnahmen nicht gehalten. Schließlich ist Hunger nicht weniger tödlich als Covid 19 und beides zusammen erst recht.

  35. 35 Nestor 12. Oktober 2020 um 20:51 Uhr

    Einigen wir uns darauf, daß die ökonomischen Maßnahmen die Handhabbarkeit der Gesellschaft sichern sollen, aber für die Eindämmung der Krankheit noch sinnloser sind als die getroffenen gesundheitsbezogenen Maßnahmen. (Also Maskenpflicht und Hände-Desinfektion.)

  36. 36 Kehrer 15. Oktober 2020 um 13:31 Uhr

    Wenn wir uns einigen sollen, musst du das anders formulieren.
    Ökonomischen Maßnahmen wirken nicht direkt gegen das Virus. Es wirkt aber auf seinen Wirt, den Menschen, indem dieser nicht aus Existenzangst dumme Sachen macht, die Situationen schafft, die eine Ansteckung erleichtern. Insofern sind sie n i c h t sinnlos für die Eindämmung der Krankheit. Auch Masken wirken nicht direkt auf das Virus, auch Abstand wirkt nicht auf das Virus, sondern hilft nur dem Virus die Wirte zu entziehen.

    Quasi sinnlose Maßnahmen sind meines Erachtens: generelle Maskenpflicht im Freien, Sperrstunde bringt auch nur wenig. Der Hauptansteckungsweg sind anscheinend Veranstaltungen in geschlossenen Räumlichkeiten, wo viele Menschen über längere Zeit die gleiche Luft atmen. 25 Leute sind hier viel zu viel.
    Die Hälfte ist schon viel. Wie das mit den Schulen gehandhabt wird hört man auch immer seltener. Auch wenn Junge Menschen seltener die Krankheit kriegen, sind sie doch gute Überträger.

  37. 37 Nestor 15. Oktober 2020 um 18:34 Uhr

    @Kehrer

    Das mit der Exitenzangst geht mir nicht ein. Was für „dumme Sachen“ meinst du denn? Arbeiten gehen? Coronapartys?

  38. 38 Kehrer 15. Oktober 2020 um 22:22 Uhr

    Allgemein steht es doch in dem Satz schon drin, nach dem Komma: „dumme Sachen macht, die Situationen schafft, die eine Ansteckung erleichtern.“ Schaumal, früher hat man Pesthäuser einfach zugenagelt. Wenn dann die eingesperrten Leute nicht an der Pest draufgehen, sterben sie an Hunger, Bewegungsmangel oder sie drehen durch. Das ist ja auch kontraproduktiv.

    z.B. Läden plündern. Leute ausrauben, um an Geld zu kommen.
    Verschwörungstheorien basteln, Demos ohne Masken und Abstand abhalten. Partys feiern – die sind ja nicht weniger gefährlich, wenn es keine Coronapartys sind, sondern „bloß“ normale Partys. Wenn die eigene Existenz direkt bedroht ist, dann ist eben die Sorge um die eigene Ansteckung nachgelagert. Da geht die öffentlich Ordnung ganz schnell den Bach runter und dann wird es hässlich, weil dann der Staat mit Gewalt reagiert. Und für die Moral der Ordnungskräfte dürfte es auch nicht förderlich sein, wenn sie gegen Leute vorrücken müssen deren einziges Verbrechen darin besteht am Leben bleiben zu wollen.

  39. 39 Leser 16. Oktober 2020 um 6:02 Uhr

    „Ökonomisch“, meint kapitalistisch, so habe ich nestor verstanden. Und da ist ein Hotelaufenthalt aus dem Risikogebiet Berlin in einem Bayerischen Hotel dem Verordnungswortlaut zufolge aufgrund eines beruflichen Aufenthaltszwecks angeblich weniger ansteckend. (Das ist ganz offensichtlich vom Standpunkt der Seuchenhygiene her Blödsinn, und eines der ersten Superspreader-Events im Frühjahr war ja auch eine überregionale berufliche Technik-Fortbildung in einem Automobilwerk.)

    Ökonomische Maßnahmen stellen sicher, so sind sie intendiert, dass hierzulande die Verwertung weiter läuft, insofern sind Lebensmittelgeschäfte beispielsweise auch während des Shut-Downs nicht geschlossen worden. Und Gemüse sollte weiterhin durch billige ausländische Ernearbeiter geerntet werden,

    Was „ökonomisch“, besser: „kapitalistisch“, meint, fällt auch dabei auf, wie „freizügig“ die Hygienevorschriften bei Fleischfabriken und bei der Unterbringung ausländischer Erntearbeiter gemanagt worden sind. Gemäß dem Satz von Marx, dass es diese widerliche Produktionsweise kennzeichnet, dass die Arbeiterschaft dem Kapitaismus alle Hygieneschutzvorrichtungen und jede Toilette im Betrieb sogar erst noch abtrotzen muss.

    „Dumme Sachen“ sind das allesamt nicht, sondern berufliche Fortbildungen sollen schlau machen für die Verwertung. Und ein Kurzaufenthalt in den Herbstferien ist auch kein dummes Vorhaben, sondern das braucht Mensch, damit er anschließend wieder regelmäßig zur Arbeit rennt. Urlaubsansprüche sind sogar gesetzlich geregelt. Dass „dumme Sachen“ also hier und heute anders von Belang wären, als in solchen gerade dargelegten Verwertungszusammenhängen, das sehe ich in der BRD nicht. Dass das Heiraten für den Mist des ganzen Lebens entschädigen soll, und dementsprechend begangen wird, das ist ein ziemlich hilfloser Kompensationsgedanke. Der ist auch dann nicht klüger, wenn das Heiraten ganz ohne Trauzeugen und Groß-Festivität abläuft. [Für sonstige Unternehmungen aus der Sphäre von Unterhaltung und ‚Spaßgesellschaft‘ gilt, gelegentlich ‚generationengerecht‘ sortiert, ähnlich ‚kapitalistisch-rationales‘. Ist Sporteln oder Saunieren dumm oder klug? Und in welcher Hinsicht?
    „Dumm‘ und „klug“ da säuberlich auseinander zu sortieren: – wofür ist das denn „klug“?
    Der Staat sortiert da gemäß und mittels dem Strafrecht, was als erlaubtes Vergnügen gilt. Und was verboten ist…]

    Aber vielleicht ist unter „dumm“ ja gemeint, dass man sich – nicht – positiv zu dieser Gesellschaft und ihren Anforderungen und Notwendigkeiten stellt? – Affirmation wird hierzulande aber öfters mal als supi „klug“ einsortiert.

    Lesetipp:
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/sehnsucht-normalitaet

  40. 40 Kehrer 16. Oktober 2020 um 13:53 Uhr

    Ich habe ja oben erklärt, was ich unter ökonomischen Maßnahmen verstehe. Das Beherbergungsverbot meinte ich nicht. Beim Behergbergungsverbot geht es in erster Linie darum, dass Personen aus Risikogebieten einen negativen Coronatest vorlegen sollen und dass das Testkapazitäten bindet von denen es im Moment schon wieder zu wenige gibt. Auch hier wurde in der Vergangenheit wieder va Banque gespielt. Sobald die Zahlen sanken hat man es nicht mehr für notwendig gehalten die Testkapazitäten zuerhöhen.

    Natürlich stimmt es, dass ein beruflicher Aufenthaltszweck, das Ansteckungsrisiko nicht reduziert. Nur denkt man offenbar, dass das Geschäft das Risiko Wert ist, was widerrum auf die Abhängigkeit der Volksgesundheit vom Geschäft verweist bzw. auf die Zweckbestimmung der Volksgesundheit für das Geschäft. Mit Eindämmung der Seuche zum Wohl der Bevölkerung hat das nichts zu tun. Das ist aber auch ein anderes Urteil als die „ökonomischen Maßnahmen für sinnlos“ zu halten. Die sind schon sinnvoll, nur eben nicht für den Zweck, den man gerne hätte.

    Außerdem halte ich es nicht für richtig aus einer konkreten Maßnahmez.B. der kapitalistischen Relativierung des Ansteckungsrisikos bei Beherbergung für berufliche Zwecke, allgemein zu schließen, dass „ökonomische Maßnahmen“ sinnlos seien.

    „Ökonomische Maßnahmen stellen sicher, so sind sie intendiert, dass hierzulande die Verwertung weiter läuft, insofern sind Lebensmittelgeschäfte beispielsweise auch während des Shut-Downs nicht geschlossen worden.“

    Mit dieser Maßgabe, damit „die Verwertung weiter läuft“, hätte man auch Kneipen und Warenhäuser nicht schließen dürfen. Hat man aber, und zwar weil ohne Fressen die Leute verrecken oder mindestens durchdrehen. Das fehlende Klopapier war da nur ein der Anflug eines Vorgeschmacks. Was glaubst du was abgegangen wäre, wenn man die Leute von den Lebensmitteln abgeschnitten hätte. Statt den Gedanken konsequent zu ende zu denken, hältst du solche Zustände für undenkbar, bloß weil sie nicht eingetreten sind.

    „Was „ökonomisch“, besser: „kapitalistisch“, meint, fällt auch dabei auf, wie „freizügig“ die Hygienevorschriften bei Fleischfabriken und bei der Unterbringung ausländischer Erntearbeiter gemanagt worden sind.“

    Die Zustände bei der Unterbringung von ausländischen Arbeitern in Zerlegebetrieben oder von Erntearbeitern sind aber normaler kapitalistischer Alltag und keine „ökonomischen Maßnahmen“ gegen Corona. Und natürlich hätte es für die Ansteckung was gebracht, wenn es diese Zustände nicht gegeben hätten.

    „„Dumme Sachen“ sind das allesamt nicht, sondern berufliche Fortbildungen sollen schlau machen für die Verwertung.“

    Als hätte ich nicht rauf und runter erklärt, was ich mit „dummen Sachen“ meine. Das habe ich nicht nur abgeleitet, aus der Existenzangst der Leute, die dann ihr Hirn abschalten, weil das Kleinhirn bzw. die Selbsterhaltung übernimmt und insofern „dumm“ ist und zweitens habe ich auch noch konkret hingeschrieben was ich darunter verstehe. Entstehen nicht vorhandene Toiletten aus der Existenzangst der Leute, die wegen Coronavorschriften vom nötigsten getrennt werden? Nein, ich denke das ist nicht der Fall.

    “ Und ein Kurzaufenthalt in den Herbstferien ist auch kein dummes Vorhaben, sondern das braucht Mensch, damit er anschließend wieder regelmäßig zur Arbeit rennt.“

    Damit er regelmäßig sein Kurzarbeitergeld überwiesen kriegt, muss er Kurzurlaub machen? Wahrscheinlich weil beides mit Kurz- anfängt. Das geht ausnahmsweise natürlich nicht zuhause. Außerdem macht er das ja nicht aus Existenzangst, also fällt das nicht unter meine Definition von „Dummen Sachen“.

    „Urlaubsansprüche sind sogar gesetzlich geregelt.“

    Urlaub ist ja auch nicht verboten worden als Coronamaßnahme. Bloß wegfahren ist eben Einschränkungen unterworfen.
    Was du mit dem Heiraten sagen willst ist mir schleierhaft. Saunieren in einer öffentlichen Sauna, wenn man nicht alleine in der Sauna sitzt, ist in Coronazeiten dumm(aber aus einem anderen Grund dumm als oben von mir definiert. In diesem Fall ist das dumm, weil der Hauptübertragungsweg durch Aerosole in der Luft geschieht. Und wenn viele Leute über lange Zeit die selbe Luft atmen, dann erhöht sich eben 1. das Risiko, dass ein Überträger dabei ist und zweitens potenziert sich das Risiko der Ansteckung, weil die Aerosole nicht durch lüften verdünnt werden und weil sich mit der Zeit und mit abnehmendem Abstand auch die Viruslast erhöht.). Generell ist der Aufenthalt mit mehreren Menschen dicht gedrängt in geschlossenen Räumen dumm und das gilt dann logischerweise auch für alle Spezialfälle in denen solche Umstände auftreten – auch für Schule und Arbeit, wenn diese Umstände gegeben sind. Und nochmal. Die Definition von dumm, stand bei mir von Anfang an dabei. Also lies bitte nach und tu nicht so als hätte ich das nicht erläutert und als könnte man alles möglich darunter verstehen.

  41. 41 Leser 16. Oktober 2020 um 18:14 Uhr

    Sachliche Infos über die Ökonomie der Corona-Krise sind hier zu entnehmen:

    Auch nach dem Ende der Corona-Pandemie wird es kein Zurück zur Normalität geben. Die Weltwirtschaft bleibt angeschlagen, der Ausblick nebelhaft. Die großen Wirtschaftsmächte bereiten sich daher auf eine verschärfte Konkurrenz um Anteile am Weltmarkt vor. Mit gigantischen Subventionen versuchen sie, die Märkte der Zukunft zu besetzen.
    (von Stephan Kaufmann) Der gesamte Artikel:

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1143243.wirtschaft-coronakrise-phase-iii.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

  42. 42 Kehrer 16. Oktober 2020 um 19:19 Uhr

    „Doch Corona und die Konkurrenz mit den USA und China sorgen für ein Umdenken: Diese Woche hat die EU den Rahmen für staatliche Beihilfen zur Stützung der Wirtschaft bis Juni 2021 verlängert.“

    Ich frag mich ja schon länger, ob dieses Umdenken wirklich an Corona liegt, oder ob Corona nur gerade recht kommt und nur eine elegante Rechtfertigung für staatliche Subventionen darstellt. Es ist zwar hypothetisch, aber ich vermute stark, dass die Eu, China und die USA ohne Corona dasselbe getan hätten. Kaufmann sagt ja auch „Corona und die Konkurrenz mit den USA und China“.

    „Das Beispiel China habe gezeigt, dass eine Kombination aus geschütztem Heimatmarkt und staatlicher Unterstützung schnell zur Entstehung von Global Players mit wachsenden Marktanteilen führen kann.“ Na da schau her. Lernen von China ist das Gebot der Stunde.

  43. 43 Neoprene 17. Oktober 2020 um 21:05 Uhr

    Ein paar Highlights aus dem aktuellen Hauptartikel des Spiegel vom 17.10.2020:

    „Das Tracing bleibt eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen Corona. Hier darf es keine Engpässe geben. Dafür muß die Politik unbedingt sorgen.“

    Hat sie bisher nicht getan, warum sollte das denn jetzt anders werden?

    „Das Thema Digitalisierung bringt uns mehr als die Diskussion über Beherbungsverbote.“

    Sicherlich wahr, aber das gilt auf vielen Gebieten nun schon seit vielen Jahren, ohne das sich was geändert hätte.

    „Geld sollte allerdings nicht das Problem sein, wenn es darum geht, einen Lockdown zu verhindern.“

    Sollte vielleicht, tut es aber offensichtlich doch. Jedenfalls arbeiten die Regierungen so.

    „Eine Regierung muss ihre Gesetze und Verordnungen durchsetzen können, zumal wenn es um Leben und Tod geht.“

    Tut sie es nun überhaupt, oder müßte sie es nur eigentlich tun?

    „In der Mischung der Maßnahmen liegt die Hoffnung: Testen, Verfolgen,, Digitalisierung, Lüften, Maskieren, Sperren, Kontrollieren. In all diesen Bereichen muß mehr getan werden.“

    Offensichtlich ist dieses „Müssen“ noch niemand aufgefallen, jedenfalls wirkt der Staat nicht so, als ob er wirklich eingesehen hätte, daß er was tun „muß“.

  44. 44 Leser 17. Oktober 2020 um 22:05 Uhr

    Der Staat setzt angesichts der Pandemie aktuell eben seine Schwerpunkte:

    „Wenn Jens Spahn sinngemäß sagt, dass „wir“ Verzicht üben müssen, damit Schulen, Kitas und Wirtschaft offen bleiben, mag das einige erzürnen. Er macht sich allerdings auch als einer der wenigen erstaunlich ehrlich. Priorität hat für den Gesundheitsminister augenscheinlich nicht etwa primär der Gesundheitsschutz, sondern das reibungslose Wirtschaften. Um das zu gewährleisten, wird das Private beschnitten – eben weil es geht und keine unmittelbaren ökonomischen Folgen hat. Auch Kitas und Schulen – die immer wieder in Verdacht stehen, sich zu Corona-Hotspots entwickeln zu können – dürften in erster Linie offen bleiben, damit Eltern sich emsig verdingen können. Um Bildung und Kindeswohl – von Gesundheit ganz zu schweigen – scheint es maximal nachranging zu gehen.“

    https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/wenn-das-mal-nichts-mit-dem-system-zu-tun-hat

    Damit ist ja nicht gesagt, dass der Staat, sobald sein Gesundheitssystem zu kollabieren droht, nicht wieder zu einem Shut-Down übergehen könnte. Erst das drohende Kollabieren seines Gesundheitssystems scheint also für ihn die Scheidelinie werden zu können. (Aktuell scheinen sie zu glauben, solche Verhältnisse wie letztens in Norditalien blieben ihnen erspart. Wenn die Bürger vorsichtiger seien.)

    Und so lange aktuell das zivile Leben also trotz ansteigender Covid-Zahlen mehr oder weniger funktioniert, soll vor allem der Einzelne für die Volksgesundheit mit seinem vorsichtigeren Verhalten (Vor-) Sorge tragen. Dass in den staatlichen Gesundheitsämtern diesbezügliche Anrufe mit Denunziationen der bösen Nachbarn wegen privater Feiern eingehen, das wird übrigens nicht nur nirgends dementiert. Sondern dafür wird viel ermunterndes Verständnis gezeigt.

    (Dass die Wirtschaft Vorrang habe, das gilt übrigens als ein Riesen-Skandal: das aber nur irgendwo hinten im Ausland, wenn z.B. Herr Trump das auch irgendwie so ähnlich formuliert hat…)

  45. 45 Nestor 18. Oktober 2020 um 0:30 Uhr

    @Kehrer

    „bloß“ normale Partys. Wenn die eigene Existenz direkt bedroht ist, dann ist eben die Sorge um die eigene Ansteckung nachgelagert.

    Den intellektuellen Sprung von der Existenzangst zur Party schaffe ich nicht.

  46. 46 Kehrer 18. Oktober 2020 um 10:29 Uhr

    Da wollte ich drauf aufmerksam machen, dass die „Coronaparty“ selbst schon ein ideologischer Titel geworden ist. Die „Coronaparty“ steht ja für uneinsichtige Spinner, die sich über Gebote der Vernunft hinwegsetzen. Warum denn hier unterscheiden zwischen Coronaparty und normaler Party oder Heirat, Familienfeiern, Feiern von Freunden im privaten Rahmen. Antwort: Weil das eine gesellschaftlich gebilligt ist und das andere nicht. Dem Virus ist das aber egal.

    Der Konnex ist, das man sich über Gebote und Verbote, seien sie auch noch so vernünftig hinwegsetzt. Eine Scheiß-drauf-Haltung sozusagen.

    „In der Mischung der Maßnahmen liegt die Hoffnung: Testen, Verfolgen,Digitalisierung, Lüften, Maskieren, Sperren, Kontrollieren. In all diesen Bereichen muß mehr getan werden.“

    Wieso ist denn Digitalisierung eine Coronamaßnahme? Da wird doch wieder der Versuch gemacht, die Anliegen der Kapitalisten als eine unwidersprechlich gute gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu etablieren. Digitalisierung ist für alles gut, wirkt sogar gegen Covid.

    „Dass sich aus dem Mangel an dieser [Vernunft] politisches Kapital schlagen lässt, hat wiederum auch die Politik begriffen – und schiebt die Schuld für das Wiederaufbranden der Pandemie nur zu gern den vermeintlich Unvernünftigen zu.“

    Genau.

  47. 47 Nestor 18. Oktober 2020 um 19:02 Uhr

    @Kehrer

    Ja ja, das mag ja sein, daß die Coronaparty ein ideologischer Titel geworden ist.
    Aber erinnern wir uns doch zurück an die Bataclan-Attentate. Da wurde doch nachher betont, daß man sich seine Party-Lebensweise nicht durch böse Menschen verderben lassen will.
    Jetzt ist das Coronavirus da und auf einmal sind Partys pfui.

    Trotzdem, du schriebst von Existenzangst und in einem Atemzug von Partys, und das war mir zu schnell.

    @Leser

    Dass in den staatlichen Gesundheitsämtern diesbezügliche Anrufe mit Denunziationen der bösen Nachbarn wegen privater Feiern eingehen, das wird übrigens nicht nur nirgends dementiert.

    Ja, das Denunziantentum wird richtig angeregt.
    Damit spalten sich die Leute weiter in Corona-Dissidenten und Corona-Hysteriker, die sich auch noch gleich als brave Bürger präsentieren können, also eine Win-Win-Situation für die Denunzianten.

  48. 48 Nestor 24. Oktober 2020 um 11:56 Uhr

    Während in den USA die Spitze eigentlich ähnlich wie in Brasilien, die Stellung einnimmt, Leute sterben sowieso, Gegenmaßnahmen nicht notwendig (ähnlich war übrigens die Handhabung der Spanischen Grippe, wenngleich aus anderen Gründen), scheint Deutschland diesbezüglich unentschlossen zu sein.

    Wen es interessiert, einiges zu den USA:

    TEACHERS IN TEXAS ARE FIGHTING FOR THEIR LIVES 2.9.

    https://www.newyorker.com/news/dispatch/teachers-in-texas-are-fighting-for-their-lives

    HOW TRUMP BECAME THE PRO-INFECTION CANDIDATE 23.10.

    https://www.newyorker.com/science/medical-dispatch/how-trump-became-the-pro-infection-candidate

  49. 49 Kehrer 24. Oktober 2020 um 20:39 Uhr

    Nestor. Gut dann langsam. Ausgangspunkt war doch, ob staatliche Hilfe als Kredite, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld usw. Coronamaßnahmen sind. Und ich war der Ansicht, dass es Coronamaßnahmen sind, weil die Leute staatliche Imperative, Einschränkungen nur dann befolgen, wenn sie es auch können. Wenn sie dagegen alleine gelassen werden tun sie eben das, was sein muss um zu überleben und das muss sich dann nicht mit den staatlichen Seuchenschutzmaßnahmen decken. Und dann pfeifen sie halt beim Party feiern auch mal auf die verordneten Obergrenzen. Die Obrigkeit wird dann eben als Hindernis beim Überleben begriffen und nicht als Subjekt der Seuchenbekämpfung.

    Die Bataclan-Attentate haben mit Corona nichts zu tun. Ich halte es nicht für einen Widerspruch, wenn die selbe Sache in verschiedenen Verhältnissen auch verschieden beurteilt wird.
    Einmal als Ausdruck der Freiheit und das andere mal als Gefährdung der Gesellschaft.

    Die Kritik ist m.E. nicht, dass Partys harmlos wären, sondern dass sich auf Partys kapriziert wird, um den Leuten zu sagen: Selbst Schuld, wenn die Zahlen explodieren.

  50. 50 Nestor 25. Oktober 2020 um 10:59 Uhr

    @Kehrer

    Ausgangspunkt war doch, ob staatliche Hilfe als Kredite, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld usw. Coronamaßnahmen sind. Und ich war der Ansicht, dass es Coronamaßnahmen sind, weil die Leute staatliche Imperative, Einschränkungen nur dann befolgen, wenn sie es auch können.

    Da bin ich anderer Ansicht.

    Es ist doch nicht so, daß der Staat ökonomische Maßnahmen deshalb setzt, um seine Bevölkerung bei der Stange zu halten. Das liefe irgendwo auch den Glauben vom Vater Staat hinaus, der sich um seine Kinder kümmert.

    Oberstes Ziel, was die Gesellschaft zusammenhält, ist das G–G‘-Machen, gesamtgesellschaftlich Wachstum genannt und in BIPs gemessen. Die Kurzarbeit usw. soll Pleiten verhindern und Massenentlassungen zumindest einbremsen.
    Der Wirtschaft dient auch die Pflege der Arbeitskraft, damit immer genug für diesen schönen Zweck zur Verfügung steht.
    Diese ökonomischen Maßnahmen sind also eben ökonomische, d.h. sie dienen der Aufrechterhaltung dieser Form des Wirtschaftens.

    So sollen also nicht Leute ruhig gehalten, sondern einmal Wirtschaftsleistung gerettet werden. Die dient nämlich letztlich dem Staat zum Einkassieren von Steuern und erhöht bzw. sichert seine Kreditwürdigkeit.

    Vielleicht noch etwas zu diesen Partys.

    Es ist nicht so, daß Leute ihre Existenzangst und oder ihren Frust in Partys ausleben. Dazwischen sind alle möglichen Gedanken, Stellungen zur Welt, das eine folgt keineswegs aus dem anderen. Über diesen Übergang schwindelst du dich immer hinweg und sagst: Notlage => Party.

    Außerdem ist es überhaupt nicht so, auch wenn das von Politik und Medien immer so kommuniziert wird, als ob sich die Leute alle bei irgendwelchen Extasy- und Dosenbier-Orgien infizieren würden.
    Es sind die ganz normalen Familienzusammenkünfte, bei denen das Coronavirus seine Ansteckungs-Highlights hat: Hochzeiten, Begräbnisse, Taufen, Geburtstage.
    Die zu verbieten kann sich der Staat nicht leisten, weil die ohnehin angeschlagene Keimzelle Familie damit endgültig den Bach hinuntergehen würde, und damit ein wesentlicher Zusammenhalt der Gesellschaft.

    Ebenso ist es heikel, Messen oder Moscheenbesuche einzuschränken oder gar zu verbieten, weil das bewährte Opium des Volkes auch das seinige tut zur geistigen Verfassung und dem freiwilligen Mitmachen der modernen Untertanen.

  51. 51 Kehrer 25. Oktober 2020 um 19:38 Uhr

    „Es ist doch nicht so, daß der Staat ökonomische Maßnahmen deshalb setzt, um seine Bevölkerung bei der Stange zu halten.“

    Das habe ich weder geschrieben noch behauptet. Was soll das auch heißen „bei der Stange“ halten? Welche Stange? Sein Anliegen ist Volksgesundheit und da unterstelle ich jetzt mal, dass du einen Begriff davon hast und das ich nicht erneut extra erklären muss, dass das mit Gesundheit und Wohlbefinden der Leute wenig zu tun hat. Also bei der Stange namens „Volksgesundheit“ will der Staat seine Untertanen schon halten. Das ist aber keine väterliche Sorge, sondern das ist das Anliegen ein brauchbares und vernutzbares Arbeitsvolk dem Kapital zur Verfügung zu stellen. Eine Arbeitskraft muss eben gesund sein, damit die Ausbeutung klappt. Wenn das Volk aber pandemisch dahingerafft wird, ist es aus mit dem Wachstum bzw. der Verwertung von Kapital. Dem sollen die staatlichen Maßnahmen entgegenwirken. Diese Maßnahmen wirken aber nur dann, wenn sich die Leute daran halten, und sie halten sich nur dann dran, wenn sie es können. Und deshalb gewährt der Staat Hilfen: Um die Leute in die Lage zu versetzen, dass sie sich an die Maßnahmen halten zu können.

    Wer kein Geld mehr verdient und keines hat muss halt sehen wo er bleibt und wo er welches auftreibt. In den USA verkauft die Unterschicht, weil sie kein Geld hat und keine Aussicht auf legale Beschäftigung Drogen. In Coronazeiten betrifft das Fehlen einer Reproduktionsmöglichkeit aber nicht nur die Unterschicht, sondern die Mehrheit quer durch die Bevölkerung. Wenn der Staat hier nicht einspringt ist in kürzester Zeit der Teufel los. Und übrigens sehe ich in meiner Kristallkugel, dass wenn die Zahlen weiter so steigen, du genügend Anschauungsmaterial für diesen Zusammenhang präsentiert bekommen wirst. Mehr als dir und mir lieb ist.
    In Anlehnung an Söder: Das kann ganz schnell, ganz häßlich werden. Natürlich geht es auch darum Pleiten in großem Stil zu verhindern und Corona nicht zum Auslöser einer Krise werden zu lassen. Aber es geht auch drum die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten.

    „Diese ökonomischen Maßnahmen sind also eben ökonomische, d.h. sie dienen der Aufrechterhaltung dieser Form des Wirtschaftens.“

    Na wenn du das so siehst, dann gibt es gar keine nichtökonomischen Coronamaßnahmen, denn es geht immer dabei um Volksgesundheit und Volksgesundheit dient eben der Geldvermehrung letztendlich.

    „So sollen also nicht Leute ruhig gehalten, sondern einmal Wirtschaftsleistung gerettet werden. „

    Beides! Da ist kein Gegensatz, sondern ein Zusammenhang. Die Wirtschaftsleistung ist nur zu retten, wenn die Leute bei der Seucheneindämmung mitmachen. Deshalb haben sich die Politiker von den Epidemiologen vom Lockdown überzeugen lassen. Karl Lauterbach hat das mal explizit gesagt. Letzlich geht die Rettung der Wirtschaft nur darüber, dass die Seuche auch epidemiologisch eingedämmt werden kann. Umgekehrt ist die Eindämung von Corona auch die beste Art und Weise die Wirtschaft zu retten.

    “ Über diesen Übergang schwindelst du dich immer hinweg und sagst: Notlage => Party.“

    Ganz im Gegenteil! du versuchst immer meinen allgemeinen Gedanken verkehrt zu verkürzen. Ich sage, wenn die Leute nicht unterstützt werden und Sorgen um ihre Existenz haben, dann ziehen sie dumme Schlüsse. Denn Angst ist kein guter Ratgeber. Dieser Gedanke ist für sich richtig. Du suchst dir jetzt irgendeinen Anwendungsfall heraus, um diesen allgemeinen Gedanken zu erschüttern. Deshalb kommst du mir mit der verkürzten Aussage „Notlage-Party“, den es so naturlich nicht gibt, den ich so aber auch nicht behauptet habe. Behauptet habe ich, dass es z.B. von der Wahrnehmung der Obrigkeit abhängt. Löst die Obrigkeit Demonstrationen auf, wie z.B. in Berlin gestern geschehen, kontrolliert sie und verhängt Bußgelder, verhängt Lockdowns, verunmöglicht Existenzen oder arbeitet sie mit Hilfen, krediten Zuschüssen. Wenn es dazu kommt, dass der Staat wahrgenommen wird als ein Gegner bei der Bewältigung der individuellen Krise, bei der Sicherung der eigenen Existenz, dann kann es eben auch sein, dass sich um die Teilnehmerzahlen bei privaten Partys nicht gekümmert wird. In so einer pandemieverursachten Krise geht es eben nicht ohne das freiwillige Mitmachen der Bevölkerung – übrigens wie sonst auch. Der Staat kann nicht hinter jeden Bürger einen Polizisten stellen, um Coronamaßnahmen durchzusetzen.

    „Die zu verbieten kann sich der Staat nicht leisten, weil die ohnehin angeschlagene Keimzelle Familie damit endgültig den Bach hinuntergehen würde, und damit ein wesentlicher Zusammenhalt der Gesellschaft.“

    Meine Güte. Die Familie geht doch nicht den Bach runter, weil es ein paar Monate kein Familienfeiern mehr gibt. Richtig ist, dass der Staat gute und schlechte Feiern kennt. Gute sind diejenigen, die einem anerkannten gesellschaftlichen Zweck dienen.

    “, weil das bewährte Opium des Volkes auch das seinige tut zur geistigen Verfassung und dem freiwilligen Mitmachen der modernen Untertanen.“

    Na beim Gotteskult ist dir das Argument geläufig, dass man dem freiwilligen Mitmachen Zugeständnisse machen muss. Beim Einkommen in einer Gesellschaft in der alles bloß für Geld zu haben ist, will dir das aber partout nicht einleuchten. Wenn schon das zeitweilige Verbieten des geistigen Überbaus solche Konsequenzen auf das Mitmachen hat, was glaubst du was los ist, wenn die vom Geld abhängig gemachte Gesellschaft plötzlich keines mehr in der Tasche hat, weil der Staat ihnen den Gelderwerb erstens verunmöglicht und zweitens keinen Ersatz oder Überbrückung anbietet.

  52. 52 Nestor 26. Oktober 2020 um 13:39 Uhr

    Um deine langmächtigen Ausführungen etwas abzukürzen, verweise ich darauf, worin der Streitpunkt liegt:

    Kurzarbeit und andere ökonomische Maßnahmen dienen nicht der Volksgesundheit, sondern der Wirtschaft, also dem Kapital.

    Ich warte immer noch darauf, wie denn die „dummen Gedanken“ aussehen sollen, auf die Leute deiner Ansicht nach in Notlagen angeblich kommen. Da kommt von dir nie etwas anderes als Partys.
    Falls du irgendwie unter der Hand Aufstände wie Black Lives Matter in den USA meinst, so wäre das auszuführen.

  53. 53 Kehrer 26. Oktober 2020 um 18:25 Uhr

    Klar dienen „Kurzarbeit und andere ökonomische Maßnahmen“ der Volksgesundheit und die Volksgesundheit dient dem Kapital.

    „so wäre das auszuführen.“ Das habe ich jetzt schon zig mal ausgeführt unter anderem in der „langmächtigen Ausführung“ oben. Ich kann daraus nur schließen, dass du es nicht zur Kenntnis nehmen willst. Schade.

    Da du anscheinend Schwierigkeiten mit deinem Scrollrad hast, hier nochmal die „dummen Gedanken“ auf die du wartest obwohl sie längst im Thread stehen:

    z.B. Läden plündern. Leute ausrauben, um an Geld zu kommen. Verschwörungstheorien basteln, Demos ohne Masken und Abstand abhalten. Partys feiern – die sind ja nicht weniger gefährlich, wenn es keine Coronapartys sind, sondern „bloß“ normale Partys. Wenn die eigene Existenz direkt bedroht ist, dann ist eben die Sorge um die eigene Ansteckung nachgelagert. Da geht die öffentlich Ordnung ganz schnell den Bach runter und dann wird es hässlich, weil dann der Staat mit Gewalt reagiert.

  54. 54 Nestor 26. Oktober 2020 um 20:09 Uhr

    Na ja, gegen die Verschwörungstheorien hat sich die Kurzarbeit aber als schlechte Gegenmaßnahme erwiesen. :D
    Die Demos ohne Masken und Abstand sind ja offenbar auch nicht mit ökonomischen oder Volksgesundheits-Maßnahmen zu verhindern.

    Also, je mehr du an der Thematik ausführlich wirst, um so schräger kommt mir der Gedanke vor, daß der Staat ökonomische Maßnahmen einführt, um die Menschen an falschem Verhalten zu hindern.

    Erstens hat der das nicht vor und zweitens geht das auch gar nicht.

    Die ökonomischen Maßnahmen dienen der Aufrechterhaltung der Wirtschaft und gegen falsches Verhalten gibts Verbote, Geldstrafen und Polizei.

  55. 55 Neoprene 26. Oktober 2020 um 20:53 Uhr

    „gegen falsches Verhalten gibts Verbote, Geldstrafen und Polizei.“

    Nein, in Deutschland jedenfalls gibt es bisher nur Apelle, die als Verbote, die mit Geldstrafen belegt sind, daherkommen. Denn „Polizei“, also die Kontrolle der Verbote und die Ahnung von Verstößen, gab es zumindest in Berlin ja bisher praktisch nicht. (z.B.: „Die fehlende Kontrolle in der jüngsten Vergangenheit kritisiert auch Stefan Athmann, Generalmanager des Bristol Berlin Hotels am Kurfürstendamm (ehemals Kempinski). „Für mich bleibt das unverständlich“, sagt der Manager. Vor der ersten Lockdown-Phase wurde anfangs alles gecheckt: Tischabstände, Gästeliste, Hygienekonzept. „Seitdem haben wir hier niemanden mehr gesehen, der das kontrolliert hat. Und ich nehme an, dass auch in anderen Restaurants, Kneipen und Bars ähnlich verfahren wurde“, so Athmann, der einen ganz besonderen Wunsch zur Einhaltung der Sperrstunde und des Versammlungsgebotes an Ordnungsamt und Polizei richtet.“) Bis hin zum Unwillen der Polizeiführung (sicherlich in Absprache mit der Regierung) auch die letzte Corona-Demonstrantion „überraschend“ rumlaufen zu lassen, wie die wollten. Oder zwar nächtliche Einschränkungen für das Gastgewerbe zu beschließen, aber die Dientszeiten der Ornungsämter anfangs nicht auf die Nachtstunden auszuweiten, sodaß das Verbot praktisch ins Leere ging.

  56. 56 Nestor 26. Oktober 2020 um 22:11 Uhr

    Ich kann das nicht beurteilen von hier aus, was in Berlin so los ist. :)

    Bei uns wurde sich im Frühjahr sehr beschwert über Strafen und Kontrollen, die etwas übertrieben ausgefallen sind. Allerdings habe ich den Eindruck, daß bei uns die meisten Maßnahmen eingehalten werden, auch ohne große Kontrollen.
    Corona-Dissidenten gibt es wenige und friedliche. Alle zittern vor allem um die Wintersaison.

  57. 57 Kehrer 26. Oktober 2020 um 23:49 Uhr

    Ich komme mir hier langsam vor wie Bernd Tragen auf telepolis. Es ist extrem ärgerlich, wenn man erklärende Beiträge schreibt und die werden dann mit der hemdsärmeligen Bemerkung weggewischt, du wolltest die „langmächtigen Ausführungen“ abkürzen. Was du hier rauskürzt sind Argumente und Argumentationszusammenhänge die wichtig zum Verständnis des Sachverhalts sind und die nicht „abgekürzt“ werden können.

    „Na ja, gegen die Verschwörungstheorien hat sich die Kurzarbeit aber als schlechte Gegenmaßnahme erwiesen.“

    Ich finde das nicht lustig. Woher weißt du denn, dass das eine schlechte Gegenmaßnahme ist? Vielleicht ist es ja auch eine gute, und das was wir jetzt sehen an Irrationalität ist nur schwache Auswirkung dessen, was ohne Kurzarbeitergeld und Staatsgeld sich Bahn brechen würde.
    Ich weiß auch gar nicht was daran so schwer zu verstehen ist. Du kannst nicht per staatlicher Verordnung einem gesamten Volk vom Geld abhängig gemachten Volk die Reproduktionsmöglichkeit nehmen und denken das hätte keine Folgen und alles was passiert wären einzelne Störer, die man mit Bußgelder und Polizei zur Raison bringen kann. Selbst die Bundeskanzlerin weiß, dass die Coronakrise nur mit dem Mitmachen und der Beteiligung der Bevölkerung überwunden werden kann und diesen nationalen Zusammenhalt den beschwört sie in jeder Rede, erst gestern wieder. Das Ziel der Coronamaßnahmen ist doch, die wirtschaftliche Tätigkeit soweit herunterzufahren, damit die Hauptressource des Kapitalismus, die Arbeiterklasse von der schließlich der Mehrwert produziert wird überlebt. Da ist es kontraproduktiv, wenn man ganze Bereiche der Wirtschaft stilllegt und die Leute sich selbst überlässt, die dann zwar nicht an Corona, dafür aber an Geldmangel draufgehen. Darüberhinaus würde das über Jahre auf unterschiedlichen Ebenen ein zerrüttende Wirkung auf die Nation haben.

    „Die Demos ohne Masken und Abstand sind ja offenbar auch nicht mit ökonomischen oder Volksgesundheits-Maßnahmen zu verhindern.“

    Gleiches Argument. Es geht nicht um das absolute verhindern, sondern darum sie nicht so groß werden zu lassen, dass die öffentliche Ordnung beeinträchtigt wird.

    „daß der Staat ökonomische Maßnahmen einführt, um die Menschen an falschem Verhalten zu hindern.“

    „Hindern“ impliziert Gewalt. Das will der Staat nicht, weil das auch gar nicht geht. Der Staat kann einzelne an etwas hindern, aber er kann nicht ein Volk an etwas hindern. Deshalb b r a u c h t der Staat an dieser Stelle das freiwillige Mitmachen der Leute. Und deshalb w i r b t er für seine Maßnahmen. Da kann er nicht sagen, wie ihr damit zurechtkommt kein Geld mehr zu haben ist eure Sache und wer aufmuckt, der kriegt was auf die Mütze. Das funktioniert einfach nicht und deshalb macht er das auch nicht. Er kann aber sagen: Ich als Staat mute euch jetzt einiges zu, damit Corona sich nicht ausbreitet, aber ich greife euch unter die Arme, damit ihr über die Runden kommt und auf dieser Grundlage verleihe ich meinen Maßnahmen Nachdruck, indem ich Bußgelder verhänge. Denn was nicht bestraft wird, lässt der Bürger sich ja eh nicht nehmen – vernünftig oder nicht. Und dazu passt es ganz gut, dass die Sperrstunde nicht kontrolliert werden kann, weil die Ordnungsämter vorher dicht machen.

  58. 58 Kehrer 28. Oktober 2020 um 10:47 Uhr

    Heute 10.09 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hofft, die Lage in der Corona-Pandemie bis Weihnachten wieder unter Kontrolle zu haben. Dafür müssten im November in einer gemeinsamen Kraftanstrengung die Kontakte in der Bevölkerung reduziert werden. „Es liegt jetzt tatsächlich an uns, an uns allen“, sagte Spahn. Kontakte sollten vor allem im Freizeitbereich und im Privaten verringert werden. Priorität hätte, dass Kitas und Schulen offen blieben und dass die Wirtschaft weiterlaufen könne.

    Das bringt es auf den Punkt. Ziel ist nicht mehr „flatten the curve“, sondern die Wirtschaft und deswegen auch Schulen und Kitas, damit die Eltern zur Arbeit können. Dazu fällt ihnen ein, dass wenn schon nicht während der Arbeit dann doch in der übrigen Zeit Kontakte auf ein Minimum reduziert werden sollen.

  59. 59 Leser 31. Oktober 2020 um 10:57 Uhr

    Zwecks Lage-Einschätzung gibts in der bürgerlichen Presse ökonomische Superspreader, sorry -auskenner, worüber Stephan Kaufmann u.a. folgendermaßen ätzt. Er seziert also „die Ökonomie des Stichwortgebens“:

    „Einfacher wäre es wahrscheinlich, man führte den Status des Tip-Top-Ökonom ein oder – noch besser – den Top-Top-Ökonom, weil so die graduelle Erweiterung in Top-Top-Top und darüber hinaus unendlich möglich wäre….“

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1143531.oekonomen-vom-top-zum-top-top-experten.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

  60. 60 Leser 31. Oktober 2020 um 12:26 Uhr

    Lesetipp:

    Suitbert Cechura: Der Bürger als Risikofaktor und Schutzobjekt

    Die steigenden Infektionszahlen versetzen die deutsche Politik in Alarmbereitschaft

    Die Infektionszahlen steigen exponentiell und erreichen Rekordhöhen.

    Die Kanzlerin wendet sich an ihr Volk mit eindringlichen Warnungen und mit der Aufforderung, zu Hause zu bleiben und die bekannten Hygieneregeln einzuhalten. Und Politiker aller Parteien fordern nicht etwa andere Maßnahmen, sondern als dringliche Angelegenheit eine politische Debatte im Parlament. „Es ist höchste Zeit, dass Landesparlamente und der Bundestag ausführlich darüber debattieren, ob die ‚öffentliche Gesundheit‘ im Augenblick vor dem Kollaps steht oder nicht…“, vermeldete z.B. eine (Ex-) SPD-Politikerin im Deutschlandfunk. Wie passt das zusammen?

    Das Volk als Risikofaktor

    Das Volk als Schutzobjekt (…) [Forts.…:]

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Buerger-als-Risikofaktor-und-Schutzobjekt-4941076.html?view=print

  61. 61 Nestor 01. November 2020 um 12:55 Uhr

    @Kehrer

    Ja, daß die Wirtschaft geschützt werden soll, sagen ja alle ganz offen, auch bei uns, also das ist kein Geheimnis. Deswegen werden die Ansteckungsherde vor allem im „privaten“ Bereich verortet, nicht in den Schulen und am Arbeitsplatz.

    Allerdings ist die Frage, wie lange sich das durchhalten läßt. In Österreich wurden gestern über 5000 Neuinfektionen festgestellt, und während am Montag z.B. eine nächtliche Ausgangssperre gelten soll, reden schon alle vor dem nächsten vollständigen Lockdown, der vor der Türe steht.

    Auch das, was als „privat“ bezeichnet wird, ist Gegenstand von Debatten.
    So haben diverse Bundesländer-Regierungen angekündigt, gegen „Garagen- und Stadl-Partys“ vorgehen zu wollen, und dann gibt es eine Debatte darüber, ob nicht Garagen und Stadl zur Privatsphäre gehören, und zweitens, wie dergleichen denn zu kontrollieren sei?

  62. 62 Neoprene 01. November 2020 um 13:50 Uhr

    „Auf Nachfrage betont Herrmann, dass der Privatraum immer noch geschützt bleibt. Einzig wenn Anzeige erstattet wird, ähnlich wie bei Ruhestörung, hat die Polizei Befugnisse – es werden jedoch keine neuen Befügnisse durch die Infektionsschutzmaßnahmenverordung geschaffen.“

    https://www.infranken.de/ueberregional/bayern/corona-bayern-medizinische-behandlungen-per-videoschalte-das-aendert-sich-bei-arztbesuchen-waehrend-des-lockdowns-art-4981190

    „Es wird jetzt nicht jemand an die Türen klingeln und es gibt jetzt auch keine Corona-Suche. Aber wenn Bürger sich beschweren, wird man da hinfahren“, sagt Ministerpräsident Markus Söder. …“Die Kontrolle von Privaträumen ging im Frühjahr beim ersten Lockdown ja schon nur sehr bedingt“, erklärt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern auf Nachfrage der Passauer Neuen Presse. „Da kann man klingeln, aber dann stehen wir vor rechtlichen Hürden, was das Betreten der Wohnung betrifft.“

    https://www.pnp.de/nachrichten/bayern/Wie-sollen-in-Privathaushalten-die-Kontaktbeschraenkungen-kontrolliert-werden-3827123.html

    Andererseits hört man auch folgendes:

    „Im Falle eines Lockdowns würde sich der Kontakt zu Mitmenschen zum Großteil in privaten Räumlichkeiten abspielen. Um ein Szenario zu vermeiden, in dem die Corona-Pandemie das Gesundheitssystem überfordert, fordert Lauterbach innerhalb der nächsten Wochen eine erhebliche Reduzierung der Kontakte. Dabei befürwortet der Gesundheitsexperte selbst radikale Maßnahmen wie behördliche Kontrollen von Privatwohnungen.“

    https://www.hna.de/politik/corona-zahlen-news-lauterbach-kontrollen-polizei-privatwohnungen-coronavirus-merkel-kassel-hna-90083279.html
    Was umgehend zurückgenommen wurde:

    „Nachdem es harsche Kritik zu den möglichen Corona-Maßnahmen gehagelt hatte, relativiert Lauterbach nun jedoch seine Aussagen auf Twitter. Dabei distanziert er sich davon, die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ nach Artikel 13 GG anfechten zu wollen, appelliert aber gleichzeitig an die Bürger, jegliche privaten Feiern zu vermeiden. Darüber hinaus stellt der 57-Jährige klar: „Ich lehne es ab, dass Polizei oder Ordnungskräfte Wohnungen kontrollieren“.“

    „der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek: „Wir als Polizei können nicht einfach bei Ihnen klingeln und von Ihnen verlangen, dass wir einmal durchzählen dürfen.“ Auch er kritisierte die Forderung Lauterbachs, „weil sie in keinster Weise die Verhältnismäßigkeit berücksichtigt“.
    Er warnte davor, „dass wir in eine Situation kommen, in der es nicht mehr um gegenseitige Achtsamkeit und soziale Kontrolle geht, sondern in der Wichtigtuer ihren Nachbarn eins auswischen und denunzieren“, so der stellvertretende GdP-Chef.
    Viel wichtiger sei es, Maßnahmen breit zu diskutieren und zu erklären. „Dann halten sich Bürger auch dran. Und je eigenverantwortlicher alle handeln, desto weniger braucht es dann die Polizei.“

    Und umgekehrt umgekehrt, befürchte ich.

  63. 63 Kehrer 01. November 2020 um 19:17 Uhr

    „also das ist kein Geheimnis.“ Dass es sich um ein Geheimnis handelt, hat ja niemand behauptet. Es ist nur ein anderes Ziel als beim Lockdown im Frühjahr, als zumindest behauptet wurde, es würde darum gehen das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

    Damals war eben unklar welche Auswirkungen die Pandemie hat. Da ist man als Hüter der Volksgesundheit inzwischen sehr viel gelassener. Ein paar Tote gehen da voll in Ordnung, Hauptsache die Wirtschaft läuft weiter. Durch 15-20000 Infizierte pro Tag befürchtet offenbar niemand mehr, dass das Ausbeutungsmaterial in dem Ausmaß wegstirbt, dass die Wirtschaft größere Ausfälle zu verzeichnen hat.

    „Deswegen werden die Ansteckungsherde vor allem im „privaten“ Bereich verortet, nicht in den Schulen und am Arbeitsplatz.“
    Einerseits ja. Andererseits steht auch in dem von Leser geposteten Artikel von Cechura ein einleuchtendes Argument. Wenn man alle Freizeitvergnügungen streicht, Gastronomie, Kino, Museum, Konzert, Sperrstunde… dann vergnügen sich die Leute eben privat. Kein Wunder also, wenn im privaten Rahmen die Infektionen in die Höhe gehen. Das ist ja die Schwierigkeit. Der Staat kann einiges verbieten, aber wenn die Leute nicht einsehen, was der Staat verordnet, machen sie eben etwas anderes, was von den Auswirkungen her den Sinn der staatlichen Maßnahmen unterläuft.

  64. 64 Nestor 02. November 2020 um 11:08 Uhr

    @Kehrer

    Es wird immer von Feiern, Stadlparties usw. geschrieben.
    Aber bei uns z.B. war einer der größten Ansteckungsherde eine türkische Hochzeit mit 500 Teilnehmern.

    Beim Lockdown im Frühjahr wurden auch Hochzeiten verboten. Ich bin nicht auf der Höhe der Maßnahmen, ob das Heiraten jetzt auch wieder verboten ist, aber es ist eben ein aparter Widerspruch, wenn zum Zwecke des Schutzes der Bevölkerung die Eheschließung verboten wird.

    Diese ganzen Maßnahmen sind im Grunde alle für die Katz. Die Regierungen hätten was machen müssen, als die Ansteckungen noch gering waren, das hätte Geld gekostet und ist unterblieben.

    Ich glaube, unsere Meinungsverschiedenheit rührt daher, daß du den Politikern bei ihren Maßnahmen noch immer eine Ratio unterstellst, während ich nur Kopflosigkeit und Panik orte.

  65. 65 Neoprene 02. November 2020 um 11:39 Uhr

    Da steht nicht „Ratio“ „Kopflosigkeit und Panik“ gegenüber. Das Nichtstun hatte doch Kalkül: Es wäre natürlich recht einfach gewesen Hochzeiten und andere Großfeiern zu unterbinden, indem die Veranstalter von Anfang an zur Rechenschaft gezogen worden wären, schließlich wird sowas lange vorher organisiert mit Gaststätten, Hotels, Caterern usw. Aber das hat man ganz bewußt vermieden, weil es natürlich sozialer Sprengstoff gewesen wäre und politisch prekär, weil solche familiären Großfeiern in traditionellen türksichen und arabischen Millieus noch viel häufiger abgehalten werden als bei „modernen“ Kleinfamilien. Katholische Beerdigungen in Bayern z.B. wollte man sicherlich aus den gleichen Gründen nicht unterbinden.
    „Die Regierungen hätten was machen müssen, als die Ansteckungen noch gering waren, das hätte Geld gekostet und ist unterblieben.“
    Gutes Beispiel sind die Schulen: Da hätte man im Sommer anfangen können, z.B. wenigstens Luftfilter in die Räume einzubauen, denn Lüften ist ja im Winter nicht so prickelnd (und in vielen Schulen technisch nicht mal möglich). Aber das hätte eben Geld gekostet also hat man buchstäblich nichts getan. Jetzt könnte man Wetten abschließen, wie lange der Regelbetrieb an Schulen noch durchhaltbar ist.

  66. 66 Leser 02. November 2020 um 12:13 Uhr
  67. 67 Leser 02. November 2020 um 12:55 Uhr

    (…) Die Auflösung dieser Ungereimtheiten geht offenbar so: nach dem trial-and-error-Prinzip werden die Sektoren des nationalen Betriebs nach ihrer Bedeutung für denselben sortiert, und zwar so, dass die Rechnung aufgemacht wird, dass ‚weniger standortbedeutsame Bereiche‘ (…) mit ihrer weitgehenden Schließung dafür Gewähr böten, die Infektionszahlen wieder auf ein staatlich tolerierbares Maß herunterzukriegen. Wenn dies nicht hinreicht, dann müssten vielleicht auch wieder Friseure schließen, die lt. Beschluss v. 28.10.20 ausgenommen wurden vom Lockdown. Wenn die Bildungsanstalten erneut mehr Fallzahlen liefern, müsse auch da vermehrt durchgegriffen werden, was zunächst vermieden wird, weil Bildung ja nationalwirtschaftliche Ressource für den kapitalistischen Bereicherungsladen ist. (…) Daran halten sie unverrückbar fest: an dem Zynismus, das Infektionsgeschehen so zu steuern, dass es dem kapitalistischen Gang der Nation möglichst wenig in die Quere kommt.

    https://tages-politik.de/Innenpolitik/Staatsbeschluss_zu_Teillockdown-28._Okt._2020.html

    ---

    Die neuen Maßnahmen der Bundesregierung gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus zielen vor allem auf das Privatleben der Bevölkerung und bewahren die Unternehmen weitgehend vor Einbußen. Daher erwarten Ökonomen durch die Beschlüsse bislang nur einen geringen Schaden für die deutsche Wirtschaft. Gleichzeitig zeigt eine neue Untersuchung: Einkommenseinbußen in den vergangenen Monaten erlitten vor allem die ärmeren und prekär Beschäftigten.

    Die einmonatige Schließung von Hotels, Restaurants, Bars und Kinos wird viele Unternehmen hart treffen. Gleichzeitig dürften die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft begrenzt bleiben. Laut Berenberg Bank machen die Branchen Gastgewerbe, Beherbergung, Unterhaltung und Luftfahrt lediglich 3,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung aus. In diesen Branchen liegt das Geschäft zum großen Teil ohnehin darnieder.

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1143790.corona-und-soziale-folgen-die-armen-verlieren.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

    ---

    Dass Infektionen öfters in Schulen auftreten, in Bayern sind ja zig Schulen geschlossen, scheint in der Öffentlichkeit ähnlich wurschtegal geworden zu sein wie es solche bei ausländischen „Erntehelfern“ waren und sind. Da ist nämlich dem Staat glasklar, was die nationale dt. Interessenlage gebietet.
    Aus Lehrersicht schaut das etwas anders aus:
    https://joschafalck.de/taeglich-einen-apfel/

  68. 68 Nestor 02. November 2020 um 18:28 Uhr

    @Neoprene

    Nein nein, das habe ich nicht gemeint, daß Hochzeiten verboten gehört hätten. :D

    Sondern daß mehr Leute eingestellt gehört hätten für Contact Tracing – Fährtensucher – und das Gesundheitssystem etwas aufgemotzt gehört hätte.
    Und das war nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnvoll, nachher gerät die Situation außer Kontrolle.

    Die Chinesen haben damals ein eigenes Krankenhaus hingestellt und medizinisches Personal aus ganz China nach Wuhan geholt.

    Hier, – d.h. in der EU – geschah weder das eine noch das andere.
    Ich bin neugierig, was nächste Woche dran ist. Weil es ist mir einsichtig, daß alle diese Maßnahmen nicht „greifen“ werden.

  69. 69 Neoprene 02. November 2020 um 19:17 Uhr

    „Nein nein, das habe ich nicht gemeint, daß Hochzeiten verboten gehört hätten.“
    Ich schon: Wenn das Zusammensein von vielen Menschen, insbesondere aus unterschiedlichsten Gegenden und Familien, in geschlossenen Räumen das Ansteckungsrisiko stark erhöht, dann ist es erstmal völlig egal, ob das ein Hochzeit, ein Handballspiel, ein Gottesdienst oder eine Wahlkampfveranstaltung ist. Wenn man politisch entscheidet, sich mit bestimmten solcher Risikoereignisteilnehmergruppen nicht anlegen zu wollen, dann muß man halt mit den Folgen leben. Trumps Wahlveranstaltungen haben z.B. pi mal Daumen 700 Tote nach sich gezogen. Die berüchtigte Riesensekte in Korea hat da sicherlich auch einiges auf dem Kerbholz.

    Die Chinesen haben nicht nur ein ganzes neues Krankenhaus aus dem Boden gestampft, sondern das komplette soziale Leben in Wuhan stillgelegt. Nur in Kombination macht sowas Sinn. einzeln allein bringt es merklich weniger.

    Außer Kontrolle geraten unterstellt, daß vorher alles unter Kontrolle gewesen wäre. Davon konnte zumindest in den europäischen Staaten ja gar keine Rede sein. Und zumeist wurde seit der ersten Welle auch herzlich wenig gemacht, um vor bzw. jetzt eben in der zweiten jetzt mit aller Wucht auftretenden Welle noch die Kontrolle zu behalten.

    Da klingt es geradezu lächerlich, wenn wie jetzt der BRD-Kanzleramtsminister Braun erklärt, „Unser erklärtes Ziel ist, dass wir Ende November die Maßnahmen in dieser Strenge beenden wollen. Es geht dabei ja auch darum, dass man der deutschen Wirtschaft das Weihnachtsgeschäft und uns allen sozusagen die Weihnachtsfeier auch im Kreise der Familie ermöglicht.“ Woher nimmt denn dieser Scherzvogel die Sicherheit, daß das ein realistisches Ziel ist??

  70. 70 Nestor 02. November 2020 um 22:42 Uhr

    Das ist ähnlich wie unser Bundeskanzler Kurz, der irgendwann im Sommer fröhlich verkündet hat, spätestens im nächsten Jahr geht es wieder bergauf!

    Man möchte ja nicht die Situation schlechtreden und die Börse verunsichern.

    Inzwischen zittern hierzulande alle um Wintersaison und Weihnachtsgeschäft.

  71. 71 Kehrer 03. November 2020 um 1:49 Uhr

    Heiraten darf man natürlich, nur Feiern mit vielen Gästen (über 50 oder 100 und mit Hygienekonzept und im Feien och mehr,hab grad keine Lust das exakt zu googeln) eben nicht.

    „Ich glaube, unsere Meinungsverschiedenheit rührt daher, daß du den Politikern bei ihren Maßnahmen noch immer eine Ratio unterstellst, während ich nur Kopflosigkeit und Panik orte.“

    Ratio unterstelle ich nicht nur, sondern bin mir sicher, dass es eine gibt. Nur welche ist eben die Frage. Die Merkel hat das heute auf der Bundespressekonferenz erläutert. Die hat richtiggehend die Maßnahmen begründet mit Argumenten. Das klang für mich recht nachvollziehbar aus der Sicht eines Bundeskanzlers. Die Kanzlerin sagte eben, dass es drum ging, Kontakte zu reduzieren, weil Kontakte das Infektionsgeschehen bestimmen. Und da hätte man eben sich für die Gastronomie entschieden als am ehesten gesamtgesellschaftlich tragbares Opfer, weil man müsste die Maßnahmen und Entschädigungen ja auch irgendwie finanzieren. Man hätte auch noch den Einzelhandel und die Friseure schließen können, aber man habe sich quasi für die mildere Variante entschieden, indem man das eine schließt und das andere offen hält.
    Zu den Gottesdienste sagte sie, dass Recht auf freie Religionsasübung sei ein sehr hohes Rechtsgut, das nicht so ohne weiteres eingeschränkt werden solle.
    https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Merkel-zu-den-verschaerften-Massnahmen-Was-ist-gerecht-in-Corona-Zeiten-id58471766.html

    „(…) Die Auflösung dieser Ungereimtheiten geht offenbar so: nach dem trial-and-error-Prinzip werden die Sektoren des nationalen Betriebs nach ihrer Bedeutung für denselben sortiert, und zwar so, dass die Rechnung aufgemacht wird, dass ‚weniger standortbedeutsame Bereiche‘ (…) mit ihrer weitgehenden Schließung dafür Gewähr böten, die Infektionszahlen wieder auf ein staatlich tolerierbares Maß herunterzukriegen. „

    Genau. Und als staatlich tolerierbares Maß wird als Ziel eine Inzidenz von 50 pro 100 000 Einwohner angegeben. Soviel ich weiß auch auf der Bundespressekonferenz von der Kanzlerin.

    „Hier, – d.h. in der EU – geschah weder das eine noch das andere.“

    Doch. Soviel ich weiß wurde in Berlin so ein provisorisches Krankenhaus errichtet oder eingerichtet, was aber im Moment noch nicht benutzt wird.

    “ Und zumeist wurde seit der ersten Welle auch herzlich wenig gemacht, um vor bzw. jetzt eben in der zweiten jetzt mit aller Wucht auftretenden Welle noch die Kontrolle zu behalten.“

    Richtig. Die zweite Welle war ja schon da als Söder private Veranstaltungen noch auf 50 „begrenzt“ hat. Ist ja oben nachzulesen. Aber erst ein Woche später wurde der Lockdown light beschlossen und nochmal 5 Tage später trat er in Kraft. Und zuvor haben sich alle über Verschwörungstheoretiker aufgeregt und mehr wurde nicht unternommen. Das hat uns ja schon damals gewundert, wie man das Problem einfach schleifen lies, weil die Zahlen nicht mehr dramatisch waren.

    „Woher nimmt denn dieser Scherzvogel die Sicherheit, daß das ein realistisches Ziel ist??“

    z.B. daher das die Kanzlerin heute auch gesagt hat, dass ein „einsames Weihnachtsfest“ vermieden werden soll. Zweitens denken sie, das erste Mal hat das mit dem Lockdown geklappt, dann klappt es diesmal auch.

    Heute kam im TV eine Statistik des RKI, indem endlich mal die Infektionsorte nach Ansteckungshäufigkeit aufgelistet wurden. Schließlich machen die Gesundheitsämter die Nachverfolgung und daraus ergeben sich einige Daten. Leider habe ich die Statistik nicht mehr gefunden, aber aus dem Gedächtinis war es tatsächlich so, dass 62% in der Wohnung sich anstecken 5-10% am Arbeitsplatz und nur 0,5 % in der Gastronomie. Es gibt aber folgende Grafik des RKI, die sogar die Änderungen des Ansteckungsgeschehens dokumentieren.
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117637/Robert-Koch-Institut-Private-Feiern-weiter-Pandemietreiber

    Am Anfang waren Alten- und Pflegeheime bedeutende Infektionsorte. Das nimmt jetzt aber auch wieder zu. Unbedeutend sind Verkehrsmittel, Gaststätten, Kindergärten, Ausbildungsstätten. Was eher dafür spricht, dass das Schließen der Gastronomie nicht viel bringt. Sogar eher kontraproduktiv ist, weil man sich dann Privat trifft, ohne Hygienekonzept und Personalienangabe.

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