Die neue Pandemie III – Finale

ÜBER DIE BEWÄLTIGUNG UND NACHBEWÄLTIGUNG DES CORONAVIRUS

Welche Maßnahmen waren richtig und wichtig zur Eindämmung der Ausbreitung des Erregers?
Welche Versäumnisse werden jetzt Thema in der öffentlichen Debatte?
Was wir über das Virus wissen oder nicht wissen – all das eröffnet sicher noch ein weites Feld in der öffentlichen Meinung, nicht zu vergessen Fake News von offizieller und nicht offizieller Seite.


129 Antworten auf „Die neue Pandemie III – Finale“


  1. 1 Nestor 22. April 2020 um 11:10 Uhr

    Die Sache ist ja in Österreich halbwegs durchgestanden, aber den meisten Nachbarländern noch nicht, wie auch die Debatte um die Grenzöffnungen und die Anreise der werten Mitarbeiter bei Pflege und Ernte aus dem Osten.
    Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien kämpfen weiterhin mit überlasteten Spitälern und mangelnden Schutzausrüstungen. Dort wird die Sache noch eine Weile dauern. Von den USA ganz zu schweigen.

    Auch Rußland und Weißrußland, die sehr unterschiedliche Herangehensweise an die Krankheit haben, wären im Auge zu behalten.

  2. 2 Luzy 22. April 2020 um 13:58 Uhr

    Gestern habe ich irgendwo (bei Lanz im TV?) ein interessantes Argument gehört, welches mir vorher unbekannt war.
    Das Virus verschwindet ja nicht einfach so aus dem befallenen menschlichen Körper, sondern wird von dessen Immunsystem bekämpft (‚Antiviren‘) – und so erst vom eigenen Immunsystem zerstört. Es gibt ja keine Medikamente.

    Da kommt es anscheinend dann schon auf die Masse der Viren an, und wie diese Masse das Immunsystem beanspruchen – weswegen diverse gesunde Ärzte und Pfleger, von deren Erkrankung und Versterben allenthalben berichtet worden ist, auch im besten Alter und bei bester Gesundheit dann doch schwer getroffen werden können: weil sie eben nach dem Umgang mit etlichen Virenträgern dadurch einer gigantischen Unmasse von Viren selber ausgesetzt worden sind.

    Insofern geht es nicht nur um Nichtansteckung überhaupt, social distancing etc., sondern auch um möglichst wenige (Viren), anstatt davon viele abzukriegen. Und etliche schleudert jedermann schon durch bloßes Sprechen in die Welt (‚feuchte Aussprache‘). Auch das spricht für Abstandhalten – und für allgemeine Mundschutzpflicht.

    Dass hier die Quantität auch eine entscheidende Rolle dafür spielt, dass das eigene immunsystem nicht umkippt – das war mir bisher nicht so klar. Und – das scheinen nicht mal die Virologen im Detail bei Ausbruch der Krankheit so genau gewusst zu haben, dass es auf die Quantität der Viren-Verseuchung vermutlich doch sehr wuchtig ankommt.

    ---

    Obendrein spielt Quantität noch ganz anders eine zusätzliche Rolle: Chinesische Wissenschaftler haben inzwischen 30 Variationen des Virus entdeckt. [So was war früh schon mal vermutet worden, als man entdeckt hatte, dass das Virus bei Befall und bei ’schwächerem Krankheitsverlauf‘ nicht bei allen Betroffenen sich überhaupt auch in der menschlichen Lunge eingenistet hatte.]

    https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Ueber-30-Varianten-mit-vielen-genetischen-Unterschieden-4707064.html

    „Die aggressivsten Varianten entwickelten eine 270 Mal höhere Viruslast als die schwächsten. Sie töteten denn auch die menschlichen Zellen am schnellsten. Die Variabilität von Covid-19 sei damit stark unterschätzt worden. Das könnte erklären, warum manchmal auch junge und gesunde Menschen schwer erkranken und sterben können, würde aber auch bedeuten, dass Patienten je nach Mutationsvariante anders behandelt werden sollten. “ (s.o.)

  3. 3 Nestor 22. April 2020 um 14:19 Uhr

    Bei den betroffenen Pflegern und Ärzten in Italien und Spanien kam auch der völlige Mangel an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln dazu, sowie die Häufung an Eingelieferten. Aber auch in China sind einige von den Krankenhaus-Angestellten in der ersten Phase des Ausbruchs gestorben, als die Schutzmaßnahmen noch nicht voll angelaufen waren.

  4. 4 Neoprene 22. April 2020 um 17:38 Uhr

    Recht ernüchternd bis wütend machend über die Lage in Schweden:

    „Anger in Sweden as elderly pay price for coronavirus strategy
    Staff with no masks or sanitiser fear for residents as hundreds die in care homes“

    https://www.theguardian.com/world/2020/apr/19/anger-in-sweden-as-elderly-pay-price-for-coronavirus-strategy

  5. 5 Neoprene 22. April 2020 um 17:50 Uhr

    Zur Belastbarkeit von Corona-Zahlen:

    Wahrscheinlich ist es in Großbritannien noch viel schlimmer als bisher ausgewiesen:

    „Die Zahlen von Infizierten und Toten in Großbritannien sehen im europäischen Vergleich so schon dramatisch aus. Doch nun berichtet die „Financial Times“, in Wahrheit könnte die Zahl der im Zuge der Krise Verstorbenen doppelt so hoch sein.
    In Großbritannien könnten einem Bericht der „Financial Times“ zufolge bereits doppelt so viele Menschen infolge der Coronavirus-Pandemie gestorben sein wie bisher angenommen. Das geht aus Hochrechnungen der Zeitung auf Grundlage von Zahlen des britischen Statistikamts ONS hervor.
    Demnach könnten bereits 41.000 Menschen im Zuge der Pandemie gestorben sein. Das sind weit mehr als die offiziellen Zahlen bisher vermuten lassen: Dem Gesundheitsministeriums zufolge starben nachweislich bis Montag etwa 17.300 Menschen an der Lungenkrankheit in Krankenhäusern des Landes. Nicht eingerechnet sind dabei die Todesfälle in Pflegeheimen und Privathaushalten.
    Grundlage für die Berechnung der „Financial Times“ ist die Übersterblichkeit in Großbritannien, die vom Statistikamt für die Woche bis zum 10. April mit etwa 8000 angegeben wurde. Das bedeutet, innerhalb von nur einer Woche starben in dem Land 8000 Menschen mehr als im Durchschnitt der Vorjahre. Diese Todesfälle rechnet das Blatt der Coronavirus-Pandemie zu.“ (n-tv)
    https://www.n-tv.de/panorama/Schaetzung-Doppelt-so-viele-Corona-Tote-article21732963.html

    https://www.ft.com/content/67e6a4ee-3d05-43bc-ba03-e239799fa6ab

  6. 6 Nestor 22. April 2020 um 21:05 Uhr

    Schweden kommt jetzt verstärkt unter Beschuß:

    Schweden in der Corona-Krise
    Der zu hohe Preis des Sonderwegs

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/schweden-in-der-corona-krise-der-zu-hohe-preis-des-sonderwegs/25759290.html

    Manche Dinge, die der Tagesspiegel zitiert, lassen wirklich fragen, ob der Chefepidemologe Tegnell noch alle Tassen im Schrank hat:

    „Es gebe in Schweden keine Anzeichen für eine Übertragung innerhalb der Gemeinschaft, und damit seien auch keine allgemeinen Einschränkungen erforderlich.“

    D.h., er scheint anzunehmen, das CV sei überall ansteckend, nur in Schweden nicht?

    In einem Artikel im Standard wird noch eine andere Äußerung von ihm kolportiert:

    „Tegnell räumte ein, dass hier „Fehler gemacht“ worden seien. Er betonte gleichzeitig, dass in Schweden fast nur Menschen ins Altersheim kommen, die eine verbleibende Lebenserwartung von wenigen Monaten hätten.“

    Demzufolge wären Altersheime in Schweden eigentlich Hospize. Ich frage mich, was diejenigen Schweden zu so einer Bemerkung sagen, die Angehörige in Altersheimen haben.

    Der Tagesspiegel-Artikel erwähnt noch, daß unter den Einwanderern die Todesrate höher sei, weil die gedrängter wohnen.

  7. 7 Neoprene 22. April 2020 um 21:28 Uhr

    Zur düsteren Geschichte der sozialdemokratischen „Rassehygiene“ in Schweden:
    „Zwischen 1935 und 1976 wurden in Schweden rund 62 000 Menschen zwangsweise sterilisiert, darunter auch – unter zehn Prozent – Männer. Die Indikation reichte von „Alkoholismus“ bis „Mischling“, die Begründung der Debilität – formale Grundlage einer erzwungenen Sterilisation – von „verwirrt“ und „dämlich“ bis „religiös verwirrt“.
    Die jüngste Diskussion in Schweden macht vor allem an der Tatsache fest, daß dieses dunkle Kapitel der staatlich verordneten Eugenik in eine Zeit fällt, in der das Königreich ununterbrochen von Sozialdemokraten regiert wurde. Bereits in den zwanziger Jahren hatten führende schwedische Sozialdemokraten unter Hjalmar Branting begonnen, über eine rassische Perfektion der Bevölkerung nachzudenken. Auf ihre Initiative hin beschloß der Reichstag in Stockholm 1921 die Einrichtung des weltweit ersten rassenbiologischen Institutes an der Universität Uppsala. 1922 legte die schwedische Sozialdemokratie einen Gesetzentwurf vor, der zur Abwehr „rassenhygienischer Gefahren“ die Sterilisation geistig Behinderter vorsah. Die Gefahr wurde dabei darin gesehen, daß „sich die Schwachsinnigen fortpflanzten“. Die Nobelpreisträger Alva und Gunnar Myrdal forderten ein schonungsloses Sterilisationsprogramm, um „hochgradig lebensuntaugliche Individuen auszusondern“. Entsprechende Gesetze wurden dann, nach deutschem Vorbild, 1934 und 1941 verabschiedet mit dem Ergebnis, daß Schweden 1946 bei der Zwangssterilisation weltweit führend war.“
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/7893/Zwangssterilisationen-in-Skandinavien-Weitverbreitete-Ideologie-der-Eugenik

    Das ist der ideologische/“wissenschaftliche“ Sumpf aus der so ein Typ wie der Tegnell kommt. Und sein Ministerpräsident natürlich auch.

  8. 8 Nestor 22. April 2020 um 21:37 Uhr

    Sieh da, die schwedische Sozialdemokratie hatte sehr häßliche Züge.
    Das Buch „Kindheit“ von Jan Myrdal läßt seine beiden Eltern sehr schlecht aussehen, aber es scheint noch zurückhaltend zu sein gegenüber dem, was die beiden gesellschaftspolitisch vertreten haben.

  9. 9 Kehrer 23. April 2020 um 11:06 Uhr

    „Insofern geht es nicht nur um Nichtansteckung überhaupt, social distancing etc., sondern auch um möglichst wenige (Viren), anstatt davon viele abzukriegen.“
    Ganz genau. Der Ausbruch der Krankheit ist ein Verhältnis zwischen dem Zustand des eigenen Immunsystems und der Virenzahl der es ausgesetzt wird. Und das heißt, dass es eine verkehrte Vorstellung ist, wenn man denkt, man würde krank, wenn man mal einen Virus abkriegt. Oder umgekehrt, dass Gegenmaßnahmen immer Hundertprozent vor Viren schützen müssen, sonst taugen sie nichts. Das ist ein falsches Ideal. Auch eine Maske die 50% Viren abhält bringt was, besonders in der Masse wenn viele/alle sie tragen. Auch die Zeit spielt eine wesentliche Rolle. Wenn zwei Jogger aneinander vorbeilaufen, ist eine Ansteckung und Krankheit viel, viel unwahrscheinlicher, als in einer Disko/Club/Tanzlokal/Kirche/Konzert wo Leute über mehrere Stunden in großer Nähe die gleiche Luft atmen.

    „Und – das scheinen nicht mal die Virologen im Detail bei Ausbruch der Krankheit so genau gewusst zu haben, dass es auf die Quantität der Viren-Verseuchung vermutlich doch sehr wuchtig ankommt.“ Wenn die Virologen das nicht gewusst haben, dann haben sie ihren Abschluss im Lotto gewonnen. Dieses Argument habe ich mir schon vor Jahrzehnten klar gemacht, weil ich mich am Rande damit beschäftigt habe, aber ganz ohne professionellen Hintergrund. Für einen Virologen müsste das sowas wie Erstsemester Vorkurswissen sein. Das gilt auch für jede Infektion und ist nicht coronaspezifisch. Freilich haben das die Virologen vor Corona schon gewusst.

  10. 10 Kehrer 23. April 2020 um 11:26 Uhr

    „D.h., er scheint anzunehmen, das CV sei überall ansteckend, nur in Schweden nicht?“ Das klingt schon sehr nach Erdogans Türkengen, das Coronaansteckung verhindert. Man fragt sich auch wo eine Ansteckung sonst erfolgen soll, wenn nicht innerhalb einer Gemeinschaft. Soll das heißen, dass immer nur Ausländer sich anstecken können. Das ist wirklich hochgradig absurd.

    „Zur düsteren Geschichte der sozialdemokratischen „Rassehygiene“ in Schweden“ Das war mir völlig neu. Danke dafür – sehr gruselig.

  11. 11 Nestor 24. April 2020 um 9:50 Uhr

    Einmal Neuigkeiten aus Portugal.

    Dort wurde mit heutigem Tag 315.500 Personen getestet, das sind 100.000 mehr als in Österreich, das sich auf seine Testerei was zugute hält.
    Mehr als 200.000 sind unter CV-Verdacht in häuslicher Quarantäne.
    Portugal hat 56 Labors, wo die Tests ausgewertet werden. Es hat noch eine Million Tests auf Lager.
    22.353 positiv Getestete, 820 Tote.
    Die meisten Infizierten sind in Porto, von wo aus sich das Virus auch verbreitet hat.
    An eine Aufhebung des Ausnahmezustands ist derzeit noch nicht gedacht.

  12. 12 Nestor 24. April 2020 um 11:04 Uhr

    Wieder einmal eine Bestandsaufnahme zu den USA:

    „Die schwindelerregende Zahl von 5.000 bis 7.000 Toten pro Tag erinnert an die tödliche Natur der Pandemie, die einen Großteil der Welt zum Stillstand gebracht hat. …

    Über 800.000 Fälle werden in den USA gemeldet, was etwa einem Drittel aller Infektionen weltweit entspricht. Die bisherige Zahl der Todesopfer in den Vereinigten Staaten liegt bei über 45.000, mehr als 2.500 kamen allein am Dienstag hinzu. Ein Viertel der Todesfälle insgesamt entfällt damit auf die USA.

    https://www.wsws.org/de/articles/2020/04/22/coro-a22.html

  13. 13 Nestor 24. April 2020 um 11:13 Uhr

    … und der Schweiz:

    Schweizer Regierung schickt Arbeiter trotz Covid-19 zurück an die Arbeit

    Auch in der Schweiz hat sich die Regierung der aggressiven „Back-to-work“-Kampagne angeschlossen. Im Interesse der Wirtschaft und des Finanzplatzes Schweiz setzt sie die Gesundheit und das Wohlergehen der arbeitenden Bevölkerung aufs Spiel.

    https://www.wsws.org/de/articles/2020/04/21/suis-a21.html

  14. 14 Afrika 25. April 2020 um 7:25 Uhr

    Afrika wird angesteckt

    Viele Staaten des Kontinents sind durch Covid-19 finanziell überfordert.

    ND-Analyse von Stephan Kaufmann

    Die Corona-Pandemie wird auch die Ökonomien Afrikas hart treffen. Ausschlaggebend dafür ist weniger die Schließung von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zur Bekämpfung des Virus. Desaströs für die wirtschaftliche Lage wirken vor allem der Rückgang der Nachfrage in Europa, das Ausbleiben der Touristen und der Absturz der Rohstoffpreise im Zuge der globalen Rezession. Aus all dem resultiert laut Internationalem Währungsfonds (IWF) eine »nie dagewesene Bedrohung für die Entwicklung in Afrika«.

    2019 war die Wirtschaftsleistung der Region Subsahara-Afrika noch rund drei Prozent gewachsen. Noch vor Kurzem erwartete der IWF für dieses Jahr ein Plus von knapp vier Prozent. Doch nun wird es laut Prognose einen Rückgang von 1,6 Prozent geben – der schlechteste je gemessene Wert. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums werde die Wirtschaftsleistung pro Kopf sogar im Durchschnitt um fast vier Prozent sinken. Noch geht der Fonds zwar davon aus, dass es im nächsten Jahr zu einem Aufschwung kommt. Doch das ist ungewiss.

    Die erwartete Rezession hat die Rohstoffnotierungen an den Weltbörsen einbrechen lassen, insbesondere den Ölpreis. Das trifft Länder wie Nigeria, dessen Staatshaushalt sich zu fast 90 Prozent aus Einnahmen aus dem Ölverkauf speist. Einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,8 Prozent prognostiziert der IWF für den Rohstoffexporteur Südafrika – ein Land, in dem die Arbeitslosenquote zuletzt bei 30 Prozent lag.

    Einbrüche von mehr als fünf Prozent erwartet der Fonds auch in Burkina Faso, Burundi, Äquatorialguinea und Lesotho. Noch schlimmer sind jene Länder betroffen, die vom Tourismus abhängen. So dürfte die Wirtschaftsleistung von Mauritius um sieben Prozent fallen, die der Seychellen um elf Prozent. Ein Sonderfall ist wegen des Bürgerkriegs Libyen, wo der Fonds sogar eine Halbierung des BIP prognostiziert. Die Datenlage sei aber wegen der Unruhen äußerst schlecht. Dagegen wirkt der Fall Mali mit einem erwarteten Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent noch stabil. Aufgrund der Armut im Lande aber braucht Mali dringend höhere Wachstumsraten.

    Dazu kommt, dass viele afrikanische Staaten hoch verschuldet sind und vom Zufluss ausländischen Kapitals abhängen. »Alle Indikatoren weisen darauf hin, dass die Covid-19-Pandemie enormes menschliches Leid verursachen und einige der jüngsten Fortschritte zunichte machen wird«, warnte Abebe Aemro Selassie, Direktor der Afrika-Abteilung des IWF. Der Rückgang des Wirtschaftswachstums verschärfe bestehende Probleme, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie würden »unvermeidlich den Lebensunterhalt zahlloser Menschen gefährden«.

    In Afrika trifft das Coronavirus vielfach auf schwache Gesundheitssysteme, die gleichzeitig einen kontinuierlichen Kampf gegen Lassa-Fieber, Gelbfieber, Malaria und HIV-Aids führen müssen. Daher »kommt es jetzt vor allem darauf an, alles zu tun, um die öffentlichen Gesundheitsausgaben zu erhöhen«, sagte Selassie. Der IWF schätzt die notwendigen Mehrausgaben auf 114 Milliarden Dollar allein für 2020. Allerdings hätten die betroffenen Staaten wenig finanziellen Spielraum. IWF-Chefin Kristalina Georgieva appellierte daher an die wohlhabenderen Staaten, Unterstützung zu leisten, inklusive Schuldenerlass. Bislang haben sich die G20-Staaten allerdings nur bereiterklärt, 39 afrikanischen Staaten den Schuldendienst für 2020 zu stunden.

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1135917.afrika-wird-angesteckt.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

    ----

    Vgl. zur 3. Welt auch den zweiten Teil dieses Beitrags:
    http://nestormachno.blogsport.de/2020/04/09/die-wirtschaftlichen-folgen-der-corona-krise-ii/#comment-38946

  15. 15 Neoprene 25. April 2020 um 10:33 Uhr

    Man kann eine Klassengesellschaft insgesamt nur vor Corona schützen, wenn man alle Schichten der Bevölkerung schützt. Unter den Immigranten mit ihren lausigen Wohn- und Arbeitsverhältnissen breitet sich jedenfalls jetzt in Singapur das Virus massiv aus und damit in der ganzen Gesellschaft.
    https://slate.com/news-and-politics/2020/04/singapore-coronavirus-outbreak-migrant-workers.html?fbclid=IwAR3XwjZdpgsVTM7-tmYv8-5FIds7anngc-BKW1ppzzQVnLsuyEjQU2QCXOY

  16. 16 Nestor 25. April 2020 um 11:07 Uhr

    Ich nehme einmal an, diese Ausbreitung unter den Arbeitsmigranten in Singapur findet nicht erst jetzt statt, sondern die Leute waren bis jetzt unter Quarantäne und wurden nicht untersucht und deshalb auch nicht mitgezählt.

    So hat Singapur seine bisherigen guten Ergebnisse hingekriegt.

  17. 17 Nestor 25. April 2020 um 20:40 Uhr

    Das erreicht mich über eine Verwandte:

    Schweden: Epidemie geht ohne Lockdown zu Ende

    https://www.meinbezirk.at/niederoesterreich/c-politik/schweden-epidemie-geht-ohne-lockdown-zu-ende_a4042380#gallery=null

    Was ist von dergleichen Jubelmeldungen zu halten? – die übrigens in vielen Medien erscheinen …

  18. 18 Guurd 25. April 2020 um 22:17 Uhr

    Auch in Deutschland wird inzwischen argumentiert, dass die (oftmals) alten Corona-Toten eben die Unkosten der Freiheit sind, bzw. an deren Werthaftigkeit relativiert werden müssen, wie es kaum mit Nuancen von AFD, FDP und Ex-Linken wie Jakob Augstein und Thea Dorn in die interessierte Öffentlichkeit hinausposaunt wird. Bei letzterem sei es eine soziale Wohltat für sozial Benachteiligte, dass die sich bald wieder der Freiheit und ihrem Infektionsrisiko können dürfen aussetzen müssen. Und der Bundesverband der Deutschen Industrie weiß, dass das (kapitalistische!) Leben eben immer gefährlich ist…

    Und dass es in Schweden inzwischen prozentual drei mal so viele Corona-Tote wie in der BRD gibt, und auch erklecklich mehr als in Dänemark und Norwegen, scheint etlichen volksgesunden Schweden dabei ziemlich wurschtegal zu sein. (In der BRD ging es übrigens beim shut-down auch nicht primär um die Betroffenen, sondern um die Gefahr, dass wegen derer das gesamte kapitalistische Gesundheitswesen [incl. etliche Ärzte und Pfleger] zusammenkracht.)

    Auch hierzulande wird Schule nun in Etappen wieder geöffnet. Dazu ein Kommentar der Gruppe K

    Endlich wieder Prüfungen!? Unsere Kritik daran, warum und wie Schulöffnung gefordert wird.

    In NRW haben trotz Corona die Schulen wieder geöffnet, zumindest für die sogenannten „Abschlussklassen“. Die Schüler sollen „die Zeit nutzen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten“, so die Schulministerin von NRW. Dabei können einige Schüler vorläufig selbst entscheiden, ob sie sich (und damit auch ihre Familienangehörigen) dem Infektionsrisiko durch Unterricht in der Schule aussetzen oder ohne Hilfe des Lehrpersonals zu Hause für die Abiturprüfung pauken. Andere wie Abschlussklassen der Berufsschulen und Azubis müssen sich an die Schulpflicht halten.

    Es ist dabei schwer in Mode, dass alle die Schulen im Namen der sozial schlecht gestellten Schüler öffnen wollen. Den sozial ‚Schwachen‘ nun Computer und Tablets zu schenken, mehr Wohnraum und Nachhilfe anzubieten, kommt allerdings nicht in Frage. Die ganzen angeführten Missstände sollen nämlich nicht als Aufforderung missverstanden werden, die zu beenden. Der geheuchelte Verweis auf Bildungsgerechtigkeit dient einfach nur dazu, die Schulöffnung zu fordern. Die gesundheitlichen Risiken für Schüler, Lehrer und Eltern werden dabei kalkulierend in Kauf genommen.

    Fragt sich bloß, wofür diese Prüfungen eigentlich gut sind, auf die sich die Schüler vorbereiten sollen. Und was überhaupt Sinn und Zweck der Schule ist, die unbedingt wieder stattfinden soll.

    Wenn nach zehn Jahren Schule mehr als jeder zehnte Probleme beim Lesen von Texten hat; wenn viele nicht Prozent- und Bruchrechnen können; und wenn die meisten völlig selbstverständlich dazu stehen, den größten Teil ihres Schulstoffs in kürzester Zeit wieder zu vergessen – dann wird Wissensvermittlung wohl kaum der Hauptzweck der Schule sein.

    Ein anderes „Ergebnis“ der Schule ist nämlich für sie wichtig: Abschlusszeugnisse und Noten, die darauf stehen. Die entscheiden über ihre Berufs-„Perspektiven“ bzw. über die Möglichkeit eines Studiums. Dafür müssen sich Schüler einer Lernleistungs-Konkurrenz mit Klausuren und Prüfungen unterordnen, um möglichst zu den „besseren“ Schülern gehören. Denn klar ist allen: Diese Konkurrenz gibt es nicht ohne Verlierer, die z.B. den Übergang zum Gymnasium nicht schaffen.

    All das haben sich die Schüler nicht selbst ausgesucht. Das wäre auch geradezu verrückt – bei all dem Stress und den „Versagens“-Ängsten, die dieser Schulbetrieb bei ihnen auslöst und bei dem wenigen Wissen, was dabei rauskommt.

    Wer will eigentlich eine solche Schule?

    Für diese Form von Bildung hat sich die Politik dieses Landes entschieden. Für sie kommt es weniger darauf an, dass Lernen in der Schule für die Kinder eine angenehme Erfahrung ist. Das vermittelte Wissen ist zwar nicht unwichtig, aber offensichtlich von untergeordneter Bedeutung. Das sieht man daran, dass es so sehr auf die Zeit ankommt: Nach einer bestimmten Zeit muss der Stoff kapiert sein und bei der Klausur die Aufgabe gelöst. Auf diese Art und Weise dient die Wissensvermittlung gleichzeitig zur Sortierung in die „guten“ und die „schlechten“ Schüler in eine Leistungshierarchie.
    Denn damit werden die Schüler zumindest vorsortiert für die Jobs einer hochdotierten Elite, die für „Führungspositionen“ in Staat und kapitalistischer Wirtschaft gebraucht wird, – und einer Masse, die bei ihren „einfachen“ Arbeiten für niedrige Löhne viel Leistung bringen muss.

    Die Scheidung von Elite und Masse (und denen „dazwischen“) ist eine wesentliche Leistung des Bildungswesens für die kapitalistische Gesellschaft. Auf diese Auslese legen Bildungspolitiker offenbar so viel Wert, dass sie auch in „Corona-Zeiten“ Prüfungen wie im Normalbetrieb durchziehen wollen. Eine erhöhte Anzahl von Infektionen durch das Virus mit all ihren Folgen werden als „Kollateralschäden“ ziemlich cool hingenommen. Ähnliches gilt für die Verlierer der Konkurrenz in der Schule, die noch nie viel zu lachen hatten.

    Und ganz nebenbei können Eltern nun bei laufendem Schulbetrieb wieder ganz regulär zur Arbeit – das freut den Unternehmer, der ihre Arbeitskraft braucht.

    https://www.facebook.com/grppk/posts/690013688416336

  19. 19 Neoprene 26. April 2020 um 11:33 Uhr

    Same old Story:
    „Sterbeüberschuss“ in Italien – Gibt es doppelt so viele Covid-19-Tote?
    Die Sterberegister vieler Gemeinden in Norditalien nähren einen schrecklichen Verdacht: Womöglich sind dort weit mehr Menschen infolge einer Corona-Infektion gestorben als bisher bekannt. Forscher halten es für möglich, dass die Zahl der tatsächlichen Virustoten bei 50.000 liegt.“
    https://www.n-tv.de/panorama/Gibt-es-doppelt-so-viele-Covid-19-Tote-article21734505.html

  20. 20 Nestor 26. April 2020 um 13:29 Uhr

    Das hat schon ein Arzt aus Bergamo vor einem Monat in einer Reportage gesagt: Viele Leute sterben bereits zu Hause, schaffen es nicht ins Krankenhaus und gehen deshalb nicht in die Statistik ein.

    Die Frage bleibt: Wieso nahm die Epidemie in der Lombardei oder generell Norditalien so eine katastrophale Verlaufsform und wieso scheint z.B. Schweden mit seiner Laissez-fare-Politik durchzukommen?
    Oder: Welche Faktoren sind entscheidend bei der 1. Ausbreitung und 2. Verlaufsform der Krankheit?

  21. 21 Neoprene 26. April 2020 um 14:39 Uhr

    „wieso scheint z.B. Schweden mit seiner Laissez-fare-Politik durchzukommen?“
    Stimmt das denn überhaupt. Hast du da belastbare Zahlen? In norwegen und Dänemark sind die offiziellen Zahlen erheblich „besser“ als in Schweden, ist Schweden da wirklich „durchgekommen“?

  22. 22 Guurd 26. April 2020 um 17:16 Uhr

    Das Interesse, entdecken zu wollen, dass man auch ohne Quarantäne, Ausgangsbeschränkungen etc. durch die Pandemie hindurchkommt, – interessiert sich nur von diesem Standpunkt her, also eher gar nicht, für Fakten und genaue Zahlen.

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-in-schweden-das-missverstaendnis-vom-sonderweg-a-45f2c75f-6cad-4733-af01-9e48e89f7f93

    Der Verleger Jakob Augstein predigt dementsprechend in der Coronakrise sogar eher Zahlenfeindlichkeit…

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1135076.jakob-augstein-zahlenzweifler.html

    Dem SPIEGEL-Bericht kann man entnehmen, dass in Schweden angeblich so ein merkwürdiger Zweck wie „Herdenimmunität“ gar nicht Leitlinie der Regierungspolitik ist. – Da müssen sie auch in London wohl was missverstanden haben.

    https://www.theguardian.com/world/2020/mar/15/uk-coronavirus-crisis-to-last-until-spring-2021-and-could-see-79m-hospitalised

  23. 23 Nestor 26. April 2020 um 19:44 Uhr

    Belastbare Zahlen hat niemand.
    Das liegt an der Überforderung derjenigen Staaten, die es schwer erwischt hat und am Desinteresse derjenigen Staaten, die meinen, mit wenig Aufwand durch die Krise zu kommen.

    Aus dieser Unverläßlichkeit der Zahlen blühen dann verschiedene Verschwörungstheorien.

    Was Schweden betrifft, so fasziniert an dessen Art der Abwicklung viele, daß das Land mit wenig wirtschaftlichem Schaden durch die ganze Pandemie zu kommen scheint. Die Prophezeiung, die mir gegenüber jemand gemacht hat, daß sich dort auch irgendwann die Toten stapeln werden wie in New York, wirkt unrealistisch.

  24. 24 Nestor 26. April 2020 um 19:52 Uhr

    Kuba erprobt neue Immuntherapie zur Behandlung von Covid-19

    Wie die kubanische Tageszeitung Granma berichtet, sind auf Kuba inzwischen klinische Studien eines neu entwickelten Medikaments zur Behandlung von Covid-19-Kranken angelaufen. Bei „CIGB-2020″ handelt es sich um eine experimentelle Immuntherapie, die das körpereigene Abwehrsystem stärken und damit den Verlauf der Krankheit abschwächen soll. Die Freigabe zur Durchführung einer ersten Studie sei am 27. März erteilt worden.

    https://amerika21.de/2020/04/239278/medikament-kuba-covid19

  25. 25 Nestor 26. April 2020 um 20:40 Uhr

    Offizielle Zahl der Corona-Fälle in Ecuador verdoppelt sich

    Die ecuadorianische Regierung hat die offizielle Zahl Covid-19-Infizierter stark nach oben korrigiert. Gesundheitsminister Juan Carlos Zevallos musste eingestehen, dass sie nicht wie bisher angenommen, bei rund 11.000, sondern bei bereits über 22.000 liegt. Die New York Times berichtet nach einer eigens angefertigen Analyse von Sterbedaten davon, dass die Anzahl der Menschen, die an Folgen einer Covid-19-Infektion in Ecuador bereits gestorben sind, sogar 15-mal höher liegen dürfte als offiziell berechnet und angegeben. Gestern erklärte die Regierung, die Zahl der Toten liege statt bei 560 am Vortag schon bei 1.636. Innenministerin María Paula Romo stellte den Bürgern dann für die Zeit nach dem 4. Mai trotzdem eine Lockerung der Ausgangssperren in Aussicht.

    https://amerika21.de/2020/04/239289/ecuador-corona-korrektur-faelle

  26. 26 Neoprene 27. April 2020 um 9:41 Uhr

    „COVID-19 – Update von Prof. Paul R. Vogt“
    https://www.mittellaendische.ch/2020/04/20/covid-19-update-von-prof-paul-r-vogt/?fbclid=IwAR0hvHnPXukN1vohFJSTW8X38z-12jNvV5V1XjPaAgkxvQ_MfQPiEo9czz8
    Über die Bewertung von Prof. Vogt, daß man in der Corona-Krise allenthalben „Systemversagen“ feststellen muß, könnte man natürlich trefflich streiten, aber in der Zusammenfassung der wissenschaftlichen Grundlagen und der Beschreibung der Epidemie und der Reaktionen, die sie hervorgebracht hat ist das für mich ein sehr lesenswerter Artikel.

  27. 27 Kehrer 27. April 2020 um 13:24 Uhr

    Für mich auch.

    „China: Lock-down am 24.01.2020 bei 0.002 Toten je 100′000 Einwohner und damit 3 Tage, bevor 0.01 Tote erreicht wurden;
    Deutschland: Lock-down am 13.03.2020 bei 0.008 Toten je 100′000 Einwohner und damit 3 Tage, bevor 0.01 Tote erreicht wurden;
    USA: Lock-down bei 0.05 Toten je 100′000 Einwohner = 7 Tage nachdem 0.01 Tote erreicht wurden;
    Italien: Lock-down bei 0.13 Toten je 100′000 Einwohner, 7 Tage, nachdem 0.01 Tote erreicht wurden
    Schweiz: Lock-down bei 0.15 Toten je 100′000 Einwohner, 9 Tage, nachdem 0.01 Tote erreicht wurden.

    Da die Verspätung in eine Zeit fällt, in der das Virus sich täglich um 40% ausbreitet, bedeutet einen Verspätung um eine Woche eine um einen Faktor 100 höhere Zahl an Infizierten und Toten – eine Hypothek, die man später nicht mehr aufholen kann. Und dabei hatte man 2 Monate Vorlauf, die Ergebnisse aus Wuhan zu studieren.“

    Solche einfachen Rechnungen machen deutlich wie entscheidend es ist, dass rechtzeitig reagiert wird. Ich frage mich, ob der 13. März ein Schreibfehler ist und die Rechnung trotzdem stimmt. Nimmt man den 23. Hätte Deutschland deutlich zu spät reagiert.

    Die Maßnahmenliste, die unter „Wie haben diese Länder das gemacht:“ zu finden ist, scheint mir vernünftig.

    Das System, das bei Vogt versagt ist ja nicht die Demokratie oder der Kapitalismus, sondern verschiedenen Systeme: Eine moderne Gesellschaft funktioniert durch das Ineinandergreifen verschiedener Systeme: „Wirtschafts-System, politisches System, Militär, juristisches System, medizinisches System und alle anderen gesellschaftlichen Subsysteme nach Niklas Luhmann.“

    „Ich hätte von der Schweizerischen Ärztegesellschaft erwartet, dass sie in dieser Situation eine «medizinische Task Force» einberuft, welche die besten Kräfte unseres Landes anweist, alle weltweit vorhandenen Fakten und jedes mögliche, medizinische Detail zur dieser Pandemie zu sammeln, zu analysieren und diese in einer z.B. 2-täglichen medizinischen Pressekonferenz in konziser Form der Öffentlichkeit zu präsentieren, um diese zu beruhigen. Die gleichzeitige Information der Behörden sollte dazu dienen, ihre Entscheidungen im medizinischen Sinne zu optimieren – schliesslich ist die Pandemie primär ein medizinisches Problem.“ Könnte man zumindest denken, wenn man es der Sache nach betrachtet. Dass es nicht der Sache nach betrachtet wird, verweist darauf, dass da nicht Systeme versagen, sondern dass es um was anderes geht bei der Pandemiebewältigung als Vogt sich das vorstellt.

    Ich hab mich ja auch schon gefragt, warum nicht ein gescheites zentrales, nationales oder Eu- weites Pandemiemanagement eingerichtet wird.

    „Die wesentlichen und billigen Grundlagen einer solchen Pandemie-Bekämpfung liegen im Masken-Tragen, Desinfektion und Abstandhalten. Diese früh und konsequent durchgeführten Massnahmen können die Verbreitung des Virus aus der Luft und von Oberflächen um bis zu 99% reduzieren, ohne einen Lock-down durchführen zu müssen.“ Beim Klima wird immer auf die immensen gesellschaftlichen Kosten verwiesen, die die Klimaerwärmung bringt wenn nichts getan wird. Diese Kosten sind aber hauptsächlich noch virtuell. Hier wurden um wenig Geld zu sparen, der Pandemieschutz vernachlässigt. Und wie man jetzt sieht, sind hier die Kosten alles andere als virtuell, sondern direkt und katastrophal. Ich sehe aber auch nicht, dass sich wirklich was tut in Richtung rationelles und auch kostengünstiges Pandemiemanagement. Maskenpflicht bei nicht vorhandener Verfügbarkeit ist ein Witz, der sich darin zeigt, dass sich jeder eine Maske selbst basteln soll.

  28. 28 Blondschopf 28. April 2020 um 7:48 Uhr

    Der gemeine Deutsche liebt nichts so sehr wie sein Traumland im Norden. Schweden ist die Utopie all jener, die glauben, man könne alles Unrecht der Welt mit ein bisschen Grüne und SPD wählen beseitigen. In den Flüssen fließt Sojamilch, die Toiletten sind unisex, und trotzdem sind alle so schön blond und blauäugig.

    Ist das nicht die Welt, nach der schon unsere Großväter strebten? Heimat, ein bisschen sozialer, ein bisschen blonder und ein bisschen mehr Natur. Deutsche stilisieren Schweden zur sozialdemokratischen Utopie eines Staats. Schweden ist geil, Ende.

    https://taz.de/Coronaliberale-und-Herdenimmunitaet/!5678480/

  29. 29 Nestor 28. April 2020 um 20:11 Uhr

    @Blondschopf

    Ja, Schweden hat eine höhere Todesrate als verschiedene andere Länder.

    Aber was mir jemand vor ca. einem Monat auf Facebook prophezeit hat, daß sich dort auch früher oder später die Toten stapeln würden wie in Hart Island in New York, scheint auch abgesagt zu sein.
    Die Verlaufsform ist eben auch in verschiedenen Ländern oder sogar Gegenden verschieden, unabhängig von den Maßnahmen. In Österreich gibt es 2 Bundesländer, wo sehr wenig Infizierte und Tote sind, darunter Kärnten mit einer langen Grenze zu Italien.
    Ebenso ist in Italien der sonst so abgehängte Mezzogiorno weitaus weniger betroffen als der „reiche“ Norden.

    Man muß also die Maßnahmen in Schweden – unabhängig von ihrer Begründung und Bewunderung – vom Standpunkt der Eindämmung der Krankheit betrachten.

    @Kehrer

    sondern dass es um was anderes geht bei der Pandemiebewältigung als Vogt sich das vorstellt.

    Ja, aber irgendwo in dem Artikel weist er darauf hin, daß eine gescheite Vorsorge auch jede Menge jetzt anfallende Kosten vermieden hätte. Die mißlungene Pandemiebewältigung, oder das, was jetzt eben läuft, kommt viel teurer, verstößt also gegen die von den diversen Politikern seit Jahren ausgegebenen Sparprinzipien.

    Daß in Dänemark voriges Jahr Millionen von Masken weggeschmissen wurden und die Schweiz, die ja beim Heer wahrlich nicht knausert und ihre Berge aushöhlt, um den Atomkrieg überstehen zu können, Unmengen von Ethanol aus Heeresbeständen wegwirft, ist eben ein sehr kurzsichtiger Umgang mit Kosten.

    In seinem ersten Artikel wies Vogt auch darauf hin, daß die Schweiz eine Pandemie-Kommission hat, die offenbar nur nasenbohrt (das ist jetzt von mir), aber sicher für diese Tätigkeit auch kassiert, ohne irgendetwas zu liefern.
    Und daß das Schweizer Gesundheitswesen – unter anderem – deswegen so viel Geld verschlingt, weil dauernd Evaluierungsstudien in Auftrag gegeben werden, wo man was einsparen könnte (!), die viel Geld kosten, aber natürlich nix bringen.

    Also, das Gerede vom „Versagen“ oder Versäumnissen ist nicht immer nur Idealismus.
    Mir erscheint das so, daß die Macher unseres Gesellschaftssystems ihren eigenen Ideologien so weit verfallen, daß sie keine einfachen Kosten-Nutzen-Rechnungen mehr machen können.

  30. 30 Nestor 28. April 2020 um 22:08 Uhr

    Das spanische Gesundheitsministerium hat nach 43 Tagen Lockdown erstmals eine Art Statistik veröffentlicht. (Spanien betreibt, im Unterschied zu Portugal, Italien oder Österreich, keine offizielle Website zur Corona-Pandemie.)

    Der erste CV-positive Patient wurde am 31. Jänner in ein Krankenhaus eingeliefert. Es handelte sich um einen Touristen in La Gomera (Kanarische Inseln.) Seither wurden 114 081 Personen in Krankenhäuser aufgenommen. Mehr als 100 000 Personen gelten als geheilt. Von gestern auf heute sind 331 Personen verstorben, was einen Anstieg gegenüber dem Vortag darstellt, wo es nur 288 waren.

    (El País, 28.4.)

    Mit Spanien gibt es bezüglich der Zahlen ein besonderes Chaos. Die autonomen Provinzen erstellen nämlich eigene Statistiken, die schicken sie verspätet ans Ministerium, und außerdem wird in Spanien viel mit Schnelltests gearbeitet, die anerkanntermaßen unverläßlich sind.
    Außerdem läßt sich hier ein Phänomen beobachten, was auch schon in China beobachten ließ und eine der Angriffsziele des China-bashing ist: Eine Uneinigkeit, wer jetzt als Corona-Erkrankter und Corona-Toter zu betrachten ist, wenn die Person nicht getestet wurde, aber nur Symptome aufweist.

    Was Spanien also an die WHO oder das John Hopkins-Institut weitermeldet, wird immer wieder nachträglich revidiert.

  31. 31 NN 29. April 2020 um 11:49 Uhr
  32. 32 Kehrer 29. April 2020 um 15:07 Uhr

    „Ja, aber irgendwo in dem Artikel weist er darauf hin, daß eine gescheite Vorsorge auch jede Menge jetzt anfallende Kosten vermieden hätte. Die mißlungene Pandemiebewältigung, oder das, was jetzt eben läuft, kommt viel teurer, verstößt also gegen die von den diversen Politikern seit Jahren ausgegebenen Sparprinzipien.“
    Wieso „aber“? Das es so läuft, dass das Kosten sparen w o l l e n, gar nicht immer besonders langfristig auch Kosten spart, verweist auf was. Nämlich darauf, dass es gar nicht pur um die Kosten geht, sondern um die Kostensparideologie bzw. neoliberale Ideologie: der Markt wird es schon richten. Das Interesse kurzfristig Kosten zu sparen, verleitet dann dazu abgelaufene Masken wegzuschmeissen ohne neue anzuschaffen. Oder das Ethanol zu entsorgen, das schon eingelagert ist. Und dann muss man einen Rezession verursachenden Schutdown machen.

    „Also, das Gerede vom „Versagen“ oder Versäumnissen ist nicht immer nur Idealismus.“ Auf gut marxistisch würde man sagen, dass der Staat in seiner Funktion als ideeller Gesamtkapitalist geschlampt hat, also gemessen an seinem eigenen Begriff. Bei Umwelt und Klima kennt man den Standpunkt: die Vergiftung der Natur wird begrenzt, damit das Geschäft nicht ruiniert wird und dauerhaft weiterflorieren kann. In der Coronakrise geht es zur Abwechslung mal um die andere Reichtumsquelle, nicht die Natur, sondern die Arbeit. Diese hätte der Staat günstig schützen können durch Vorbereitung mit Masken und Desinfektionsmittel. Da er das nicht gemacht hat, muss er jetzt zur teuren und schlechteren Shutdownvariante greifen. Schlechter deshalb weil das Ziel seines Wirkens als ideeller Gesamtkapitalist, die Fortführung des Geschäfts, nicht erreicht wird und nur im Vergleich dazu, dass gar keine Eindämmungsmaßnahmen erfolgen, noch als die bessere Variante erscheint.

    „Mir erscheint das so, daß die Macher unseres Gesellschaftssystems ihren eigenen Ideologien so weit verfallen, daß sie keine einfachen Kosten-Nutzen-Rechnungen mehr machen können.“ So erscheint mir das auch. Das ist selbst vom Standpunkt des Kapitalismus unrationell, wenngleich es ein Kostengesichtspunkt ist, der zu ungenügender Vorbereitung geführt hat. Das Gerede vom schlanken Staat, von der Reduzierung der gesellschaftlichen Kosten, die der Staat für seine Gesellschaft bedeutet, führt jetzt dazu dass höhere gesellschaftliche Gesamtkosten entstehen. Das Gleiche als er Krankenhäuser oder den Bestand von Wohnungsbaugesellschaften verhökert hat. Private Immobilienunternehmen wollen natürlich Geschäfte machen, was nicht nur zur Verarmung der Leute, sondern indirekt auch zu einer Erhöhung des Lohns führen muss. Wie sehr das politischer Konsens ist, merkt man auch daran, dass keineswegs Fehler eingeräumt werden oder ein Umdenken stattfindet. Es wird ja weiterhin nichts getan, um die Bevölkerung mit bezahlbaren Masken auszustatten. Um das zu Ändern bräuchte es wahrscheinlich ein anderes staatliches Selbstverständnis, das nichts Verwerfliches daran sieht, der Wirtschaft direkt inhaltliche Vorschriften zu machen zum Schutz der Gesellschaft bzw. des Geschäfts. Zumal das wohl gar nicht groß durchgesetzt werden müsste, denn es gab ja zig Angebote aus der Wirtschaft, die nicht angenommen wurden. Aber selbst als Staat die Produktion von Masken anzuleiern, sieht er einfach nicht als seine Aufgabe an. Warum schreibt er beispielsweise nicht einen Preis für eine Maske fest, legt fest was die können muss und bezuschusst dann die Produktion. Dann gäbe es in Nullkommanichts Masken.

  33. 33 Nestor 29. April 2020 um 16:56 Uhr

    @Kehrer

    Auf gut marxistisch würde man sagen, dass der Staat in seiner Funktion als ideeller Gesamtkapitalist geschlampt hat

    Ich halte halt von dem Begriff des „ideellen Gesamtkapitalisten“ nicht viel. Ich denke, um seine Rolle als Verwalter des Klassengegensatzes und der kapitalistischen Reichtumsproduktion zu erfüllen, also den Laden beisammenzuhalten, muß der Staat gerade über solche Erbsenzählerei erhaben sein.
    Aber seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden diesbezüglich alle möglichen Prinzipien über Bord geworfen, die Konkurrenz der Nationen ging in eine neue Runde, weil nicht mehr die Front gegen einen gemeinsamen Feind eine gewisse Einigkeit schuf.
    Die dadurch hervorgerufene Finanzkrise 2008 ff. tat noch ein Übriges, damals wurde das mit dem „Sparen“ so richtig salonfähig.

    Es wird ja weiterhin nichts getan, um die Bevölkerung mit bezahlbaren Masken auszustatten.

    In Österreich geben manche Supermärkte kostenlos welche aus, andere verlangen einen Euro. Das ist bei uns die Art, wie die Masken unters Volk gebracht werden.

  34. 34 Nestor 29. April 2020 um 17:42 Uhr

    Es gibt einen Verdacht, daß das CV bei Kindern eine oftmals tödliche, gleichzeitige Entzündung verschiedener Organe auslösen kann, aber bisher handelt es sich nur um eine Vermutung, ausgehend von Großbritannien. (El País, 29.4.)

  35. 35 Kehrer 29. April 2020 um 19:22 Uhr

    Was der ideelle Gesamtkapitalist mit erbsenzählen zu tun haben soll, verstehe ich nicht.

    Gerade gelesen, ab 30. April soll es bei Lidl Masken im 50er Pack geben – angeblich zum Selbstkostenpreis, was das auch immer bedeutet.

  36. 36 Nestor 29. April 2020 um 20:30 Uhr

    Also ich lass gerade welche machen:

  37. 37 Kehrer 29. April 2020 um 21:21 Uhr

    Ich hab mir nach Drosten Empfehlung 10 Stück Einmalmasken zusammengeklebt. Die Zutaten hatte ich zuhause. Hat aber gedauert. Bei Handarbeit multipliziert sich einfach die Zeit die man für eine braucht mit der Anzahl der Masken.

  38. 38 Nestor 30. April 2020 um 9:47 Uhr

    Hier wieder einmal meine Liste der Sterblichkeitsraten (Corona-Tote pro Einwohner), Stand 29.4.
    Belgien führt weiterhin unangefochten, Schweden und vor allem Irland sind vorgerückt.

    0,000656174752257 Belgien
    0,000515388448114 Spanien
    0,000459355447742 Italien
    0,000392816797633 UK
    0,000359545027092 Frankreich
    0,000272458794005 Holland
    0,000249902086682 Irland
    0,000238390586612 Schweden
    0,000199444437987 Schweiz
    0,00017843902439 USA
    0,00009179245283 Portugal
    0,000077030113302 Deutschland
    0,000065471806203 Österreich
    0,000038564865358 Norwegen

  39. 39 Neoprene 30. April 2020 um 10:04 Uhr

    Manchen Menschen, wie hier Herrn Borsche bei TELEPOLIS, reichen gesunder Menschenverstand und ein bißchen Grundrechenarten, um zu vernünftigen Corona-Einschätzungen zu kommen:

    https://www.heise.de/tp/features/Den-Lockdown-Gegnern-ins-Stammbuch-geschrieben-4712111.html

  40. 40 Nestor 30. April 2020 um 13:05 Uhr

    Ich tu mir schwer, der Logik dieses Artikels zu folgen. Was sagt der eigentlich? Was hat die Musik da verloren?

  41. 41 Guurd 30. April 2020 um 13:14 Uhr

    So lange keim Impfstoff gefunden ist, dürfte auch China nicht immun sein gegen eine zweite Welle.
    Angeblich komme die nun von Reisenden u.a. aus Russland

    https://www.dw.com/de/zweite-corona-welle-aus-chinas-nordosten/a-53282972

    „Wie die Pekinger Volkszeitung weiter meldet, werden auch aus der Provinzhauptstadt Harbin mit rund zehn Millionen Einwohnern mehrere Infektionscluster im Umfeld von Krankenhäusern gemeldet. In einem Fall hat ein 87 Jahre alter Patient binnen weniger Tage 78 Personen angesteckt, so dass das Krankenhaus Nr. 2 in Harbin vorübergehend schließen musste.
    In Harbin wurden bislang offenbar nicht so strenge Maßnahmen wie in Mudanjiang ergriffen. Ein Bewohner namens Li sagte der DW: „Die Nachbarschaftskomitees geben jetzt Ausweise aus, welche die Bewohner mit einem Passfoto versehen müssen. Damit müssen sie sich ausweisen, wenn sie ihre Wohnviertel betreten wollen, aber mein Eindruck ist, dass das bislang nicht sehr streng kontrolliert wird. Die lokalen Märkte sind auch noch auf, wobei fast jeder auf der Straße eine Schutzmaske trägt.“

  42. 42 Kehrer 30. April 2020 um 14:44 Uhr

    Zu dem Borsch Text: 1. „In unserem Fall: Schon Mitte Februar begannen die Deutschen sich selbst zu disziplinieren, die ersten Hamsterkäufe betrafen Desinfektionsmittel, und die waren schon am 15. Februar erstmalig ausverkauft.“ Aus Hamsterkäufen zu schließen, da hätte die Selbstdisziplinierung schon angefangen, halte ich für falsch. Man hamstert ja um sich nicht zu disziplinieren. Mitte Februar gab es 16 Fälle in Bayern und das blieb bis zum 25.2 so. Erst danach fing die Zahl sprunghaft anzusteigen. Nach fünf Tagen ersten März waren es dann 120 Fälle. Eine Selbstdisziplinierung hat frühestens zu diesem Zeitpunkt angefangen und das stimmt dann auch ungefähr mit dem Verbot von Großveranstaltungen zusammen. Da hat man dann mitgekriegt, dass es ernst wird. Das reicht ja zeitlich aber immer noch, um zu widerlegen, der Lockdown hätte keine Auswirkungen gehabt.

    2. „Da vor allem anhand von Symptomatik getestet wurde, kann man auch bei doppelt so vielen Tests nicht mehr Erkrankte finden, wenn sich nicht mehr krank melden. Mittlerweile liegt bei uns die Rate von positiven Tests bei nur noch 7%: 160.000 „Cases“ bei mehr als 2 Millionen Tests. Da ist für die obige Behauptung und eine große Dunkelziffer einfach keine Begründung mehr zu sehen.“ Der letzte Satz ist natürlich Unsinn. Wenn man nur Erkrankte mit Symptomen testet, kann man noch soviel testen und wird nie was über die Dunkelziffer erfahren, weder über eine große noch eine kleine Dunkelziffer.

  43. 43 Neoprene 30. April 2020 um 18:56 Uhr
  44. 44 Neoprene 30. April 2020 um 20:27 Uhr

    Noch ein schöner Übersichtsartikel von Lorenz Borsche, auch bei TELEPOLIS:
    „Zwischen Lockdown-Leugnern und Pandemie-Panikern“

    https://www.heise.de/tp/features/Zwischen-Lockdown-Leugnern-und-Pandemie-Panikern-4708729.html

  45. 45 Cilly 30. April 2020 um 21:37 Uhr

    Allenthalben im Land grassiert das Virus in Flüchtlingsunterkünften. Und zwar nicht in Einzelfällen. Sondern in Hunderten von Fällen.
    In Knästen gleichfalls.
    Gleich ist hierzulande nach Auskunft von Herrn Schäuble ja auch nur der Respekt vor der Würde des Menschen. Tote fallen aber schon dabei an. Leider, leider. Das Essgeschirr jedoch wird immer hygienisch von Behörden-Beauftragten gereinigt!

    https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/politik/lindenstrasse-corona-erstaufnahmestelle-fluechtlinge-100.html

    https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-stuttgart-ellwangen-raetsel-um-hohe-zahl-coronainfizierter-fluechtlinge-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200415-99-702238

    Lasst sie ertrinken!
    Wegen Coronagefahr: Das Bundesinnenministerium bittet in einem Schreiben private Seenotretter, ihre Arbeit im Mittelmeer einzustellen

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1135258.corona-und-fluechtlinge-lasst-sie-ertrinken.html

    Denn merke: Volksgesundheit – bezieht sich auf das Funktionieren eines arbeitsfähigen Volkskörpers, der der kapitalistischen nationalen Ausbeutungsfähigkeit wegen zu erhalten ist. Nichtdeutsche sind nicht Teile dieses Volkskörpers, und deren Gesundheit fällt dementsprechend nicht unter die Kriterien kapitalistischer Volksgesundheit.
    Der weitere rassistische Übergang, dass auch diverse weitere Randgruppen ebenfalls noch schlechter behandelt werden, scheint als Normalität zu gelten.

  46. 46 Wutbürger 01. Mai 2020 um 8:19 Uhr

    Laschet: „Wachsende Wut“

    Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet ruft dazu auf, die gravierenden Folgeschäden der Einschränkungen des öffentlichen Lebens stärker in den Blick zu nehmen. In einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin „Focus“ spricht der CDU-Politiker von „zunehmenden Zweifeln und der wachsenden Wut bei vielen Menschen, deren Leben, Familie und Beruf davon unmittelbar betroffen sind“. „Perspektivisch droht uns eine tiefe Rezession, in der Hunderttausende von Menschen ihren Job verlieren“, betont Laschet und fordert: „Verantwortungsvolle Normalität heißt immer weniger Reglementierung – immer mehr Eigenverantwortung.“

    Wissenschaftler: Eindämmung „einzig sinnvolle Strategie“

    Führende Forschungsorganisationen in Deutschland sind sich einig, dass eine konsequente Eindämmung des Coronavirus aus epidemiologischer Sicht im Moment die „einzig sinnvolle Strategie“ ist. „Das Erreichen einer „Herdenimmunität“ würde nach den bisher vorliegenden Daten einen Zeitraum von einigen Jahren erfordern, wenn das Gesundheitssystem nicht überlastet werden soll“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Experten schlagen auf Basis von mathematischen Analysen der Datenlage vor, zunächst die Neuinfektionen weiter soweit zu reduzieren, bis eine effektive Kontaktverfolgung möglich ist. (Tagesschau)

  47. 47 NN 01. Mai 2020 um 13:35 Uhr

    Deutschland droht (01.05.2020)
    „Wir müssen alle sterben“: Durchbruch des Sozialdarwinismus in der Corona-Pandemie. Kommentar von Hans-Rüdiger Minow

    Kaum ein anderer Repräsentant des deutschen Staates ist mehr verschrien als Wolfgang Schäuble – weltweit. Während der internationalen Kapitalkrise, als Schäuble Finanzminister war, zitterten seine Amtskollegen in der EU: Schäuble wolle sie zu einem scharfen Sparkurs zwingen. Weil es absehbar war, dass die sozialen Folgen Leben kosten, ließe sich Schäubles Taktik erklären: Europa mit „traumatischen Wirkungen“ ängstigen, um deutsche Wirtschaftsethik durchzusetzen: teutonisch brutal und um jeden Preis. „Terrifying“ (entsetzlich), urteilte der US-Finanzminister nach einem Gespräch mit Schäuble. Beunruhigt zeigten sich auch Paris und Madrid; in Athen nannte man Schäuble einen „Brandstifter“, der durch Europa marodiert. Seitdem ist Schäuble im Staatsrang gestiegen. Nach dem Bundespräsidenten nimmt Schäuble die zweite Position im Protokollwesen der Bundesrepublik ein. Was er sagt, hat Bedeutung. Und er nutzt diese Stellung. Inmitten der Corona-Krise hat Schäuble ein Interview lanciert, das als offiziöse Handreichung des deutschen Staates bei Entscheidungen über Leben und Tod verstanden wird. Der Tenor verdient Aufmerksamkeit, auch jenseits der deutschen Grenzen.

    Der Tod kommt sowieso

    Sollen Menschen sterben müssen, weil ihnen staatliche Ressourcen vorenthalten werden, die im wirtschaftlichen Kreislauf unabdingbar sind, wie jetzt in der Corona-Krise? Hat der Schutz menschlichen Lebens im staatlichen Handeln absoluten Vorrang? In dem Interview präzisiert Schäuble 2020, was er bereits 2012, während der internationalen Kapitalkrise, zu verstehen gegeben hatte: „(W)enn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig.“ Einen „absoluten Wert in unserem Grundgesetz“ nehme der Schutz menschlichen Lebens nicht ein. Der Tod komme früher oder später sowieso. „Wir sterben alle.“ (26.04.2020)

    Wertekonkurrenz

    Diese Ausführungen Schäubles seien vorbildhaft und hätten „staatstragende Bedeutung“, erklärt der Deutsche Ethikrat. Er wird von der Bundesregierung finanziert und hebt den Wert von „Wirtschaftsrechten“ hervor. Dem Schutz menschlichen Lebens dürften sie „nicht bedingungslos untergeordnet werden“. Man befinde sich in einer Art Wertekonkurrenz. Würde der Schutz des Lebens über allem stehen, leide „die Freiheit“, meint unisono das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Abteilung Wirtschaftsethik. Vom Standpunkt deutschen Staatsrechts, urteilt eine frühere Verfassungsrichterin, stoße „die Leistungsfähigkeit des Staates“ an Grenzen, würde er das Leben als einen Höchstwert behandeln, hinter dem „alles andere beliebig weit zurückzustehen hätte“.

    Produktion ermöglichen

    In der Tat müsse man die staatliche Schutzpflicht vor dem Höchstwert der Verfassung relativieren, ganz so wie Schäuble es tut, bestätigt die Mehrheit der deutschen Regierungsspitzen. Ebenso meinen prominente Stimmen der Parlamentsopposition, der Schutz menschlichen Lebens als die den Staat legitimierende erste Pflicht unterliege „Abwägungsfragen“. Daraus schlussfolgert die FDP: „Also bitte: Geschäfte aufmachen“, „Produktion ermöglichen“. Im Einklang mit den Lobbyisten der deutschen Exportwirtschaft und dem Präsidenten des Bundestags gehört auch der Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen zu den Relativierern. Er sieht sich in einem angeblichen „Dilemma“, wenn er über den Schutz des Lebens in der Corona-Krise nachdenkt, während ein Kommunalpolitiker seiner Partei operativen Klartext spricht: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr wegen ihres Alters oder wegen schwerer Vorerkrankungen sowieso tot wären.“

    Versäumnisse

    Bewusst brutal oder rationalisierend verdruckst, setzen bestimmende Gruppierungen deutscher Staats- und Wirtschaftspolitik deutliche Zeichen einer ethischen Verwahrlosung, die den Erhalt der Wirtschaftstätigkeit gegen den Erhalt des menschlichen Lebens setzt – offensiv, indem das Leben als ein konkurrentes Daseinsgut erscheinen soll. Aber die praktische Wirtschaftstätigkeit ist für den Erhalt des menschlichen Lebens nicht Konkurrenz; sie verwandelt Natur in den praktischen Stoff, der das Leben erhält und dem Leben gefällt – solange Wirtschaftstätigkeit das Leben stützt. Allerdings stellt sich ein „Dilemma“ ein, wenn das konkrete individuelle Leben aufgegeben werden muss, weil die praktischen Ressourcen der wirtschaftlichen Arbeit nicht zur Verfügung stehen, obwohl der staatliche Primat, für das menschliche Leben zuallererst und besonders Vorsorge zu treffen, zumutbar war, aber versäumt worden ist. Je größer diese Versäumnisse sind, desto größer werden die „Abwägungsfragen“.

    Eskapismus

    In der aktuellen Krise ist offenkundig, dass die praktischen Ressourcen nicht oder nur ungenügend zur Verfügung stehen, welche die Wirtschaftstätigkeit in den Erhalt menschlichen Lebens hätte stellen können, bevor es zu vermeidbarem Sterben kam. Indem die staatliche Vorsorge selbst einfachste Schutzmittel nicht bereithielt, verschoben die Verantwortlichen „Abwägungsfragen“ über Leben und Tod in die Krankenhäuser. Dieser Eskapismus hat zusätzliche Menschenleben gekostet oder überfordert – die Leben vieler Pfleger und Ärzte.

    Barbaren

    Schutzmittel, die jetzt nachgeliefert werden, unterliegen einem Wucherhandel, Überlebensmaschinen für Intensivmedizin befeuern die Börsenspekulanten, die auf Firmenaktien der Hersteller setzen und ihre Reichtümer mehren. In den Altenheimen und Vorstadtmilieus sterben die Armen. Solange dieser Zustand von Staats wegen hingenommen wird, stehen der Erhalt menschlichen Lebens und der Erhalt der Wirtschaftstätigkeit tatsächlich in einem Gegensatz – aber anders, als die Verfechter der Wertekonkurrenz es meinen. Ein Staat, der den Erhalt des menschlichen Lebens der Wirtschaftsfreiheit überlässt, gibt sich auf oder ergibt sich Barbaren.

    Versagen

    Es ist nicht nur eine deutsche Eigenart, bei staatlichem Versagen zwischen Zivilisation und Biologie keine Grenzen zu ziehen. Die Ideologie des Versagens liebt den dumpfen Gestank der Raubtiergehege, wo das stärkere Tier das schwächere frisst. Dort erledigt sich Schutz für den Lebenserhalt im Instinkt der Archaik. Diese Raubtierarchaik und ihr Wirtschaftsideal – der Sozialdarwinismus – bestimmen die Phasen der deutschen Geschichte, in denen der Staat seine Wirtschaftspotenzen nicht mehr bändigen konnte, sie nach außen auswarf oder einbrechen musste. Dann wird bezweifelt, ob alles andere zurücktritt, wenn der Lebenserhalt alles andere verbietet, nämlich den Tod. Dann ist ein Drohen aus Deutschland zu hören.

    Erhebung

    Aber fällt mit dem Tod die höchste Verpflichtung zum staatlichen Schutz des menschlichen Lebens, so fällt das staatliche Recht auf sein Gewaltmonopol, das menschliches Leben gegen jeden anderen Anspruch absichern muss. Fällt das Gewaltmonopol, dann fällt der Staat in jener Verfassung, die das menschliche Leben relativierte, und zwingt zur neuen Erhebung des menschlichen Lebens in sein bleibendes Recht.

  48. 48 Leser 01. Mai 2020 um 16:32 Uhr

    Georg Schuster:
    Corona und die „Rückkehr zur Normalität“

    1. a) Die derzeitige ökonomische Krise wurde nicht wie die vor zwölf Jahren wegen drittklassiger Hypotheken in den USA und auch nicht durch andere ausbleibende Gewinne oder Schuldendienste ausgelöst, sondern von einem Virus, genauer gesagt: durch seine Bekämpfung seitens der Staaten in Sorge um ihre Volksgesundheit. Die ist für jede Industrienation die unerlässliche Bedingung für ein funktionierendes Wirtschaftsleben – so sehr, dass sie ihr Vorrang vor dem Geldverdienen, dem Gewinnstreben und dem Wachstum in ihrer Gesellschaft einräumt.

    Darüber legt die Staatsmacht etliche dieser Vorgänge zum Schaden der Wirtschaftssubjekte lahm, dazu noch auf unbestimmte Zeit. (Weitere Gewerbe melden mangels Geschäftsaussichten aus eigenem Antrieb Kurzarbeit an und sparen sich die Lohnfortzahlung.) Bayerns Söder nennt den Shutdown „Menschenleben vor Shoppingtouren“, was mehr als ein Spruch zum Beweis von Führungsqualität ist.

    b) Angesprochen ist damit so etwas wie die „Vernunft“ oder die „Systemlogik“ des bürgerlichen Staats in Bezug auf das von ihm definierte „Allgemeinwohl“. Derselbe stellt sich über die gegensätzlichen Konkurrenzinteressen seiner Klassengesellschaft, weil dieses „Wohl aller“ in ihnen gar nicht existiert: Da folgt z.B. die eine Klasse dem bekannten „Sachzwang“, Lohnkosten zugunsten ihrer Erlöse zu senken, eine andere erhöht aus ähnlichen Gründen die Mieten, und die zweifach davon betroffene Arbeitnehmerklasse muss nun ihrerseits glatt einen Gegensatz eröffnen, wenn sie das nicht einfach hinnehmen will.

    Auch in Zeiten von Corona würden diese Klassen eher stur an ihrer jeweiligen Einkommensquelle festhalten – also weiterhin Gewinne produzieren oder Erwerbsarbeit verrichten –, statt der Volksgesundheit durch die Unterbrechung von Sozialkontakten Rechnung zu tragen. Das muss die Staatsgewalt deshalb eigens anordnen. Ihr Wirken bemüht sich generell, die gesellschaftlichen Antagonismen vereinbar machen, regelt also im Normalfall ihre jeweiligen Rechte und Freiheiten, die sie jetzt im Notfall drastisch einschränkt: Den Beschäftigten vorläufig geschlossener Wirtschaftsbetriebe entzieht sie den vollen Lohn, dem betroffenen produktiven und Handelskapital den Profit, Immobilienbesitzer müssen Mietzahlungen stunden und Banken eventuell Zins und Tilgung usw. Auch dem Fiskus schrumpft das fest verplante Steueraufkommen, und die „schwarze Null“ wird ziemlich rot.

    c) Der bürgerliche Staat, der normalerweise von den diversen Zwangsabgaben seiner Bevölkerung lebt, wird der aktuellen Beschränkungen wegen vorübergehend und anteilig zu ihrem Ernährer, der mit nach oben offenen Finanzmitteln in die Lücken der „Wertschöpfungsketten“ einspringt, um Ausfälle zu kompensieren, Pleiten zu begrenzen und zu retten, was geht. Dass dieses staatliche Krisenprogramm den unterschiedlichen Einkommensquellen gerecht werden muss, ist klar. Den betroffenen Lohnabhängigen z.B., bei denen das Girokonto oft nur bis zur nächsten Gehaltsüberweisung reicht, sichert „Vater Staat“ mit einem Ersatzlohn vorübergehend Ernährung und Behausung. Seiner Unternehmerschaft und den Banken begegnet er finanziell weitaus anspruchsvoller, damit möglichst viel ökonomische Werthaftigkeit des Kapitals erhalten bleibt, von der die ganze Gesellschaft abhängt.

    d) All das kostet jede Menge Geld, das ein Staatshaushalt sich leisten können muss. (Der deutsche z.B. verdient an seiner Schuldenaufnahme im Unterschied zum italienischen sogar noch Negativzinsen, und die Kanzlerin will, dass sog. „Euro-Bonds“ daran nicht rütteln.) Die Schädigung vieler Wirtschaftsinteressen durch den Shutdown wird dennoch nicht vermieden, macht also bei Staat und Bürgern das Bedürfnis dringlich, möglichst schnell wieder in den alten Normalzustand zurückzukehren. Allerdings, zumindest wenn es nach den politisch Zuständigen geht, nicht auf Kosten der Volksgesundheit, die in Sachen Corona darin definiert ist, eine epidemische Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden. Diesem Programm werfen etliche Kritiker wiederum vor, in Gestalt verzweifelter Kleinunternehmer, häuslicher Gewalt, Zukunftsängsten etc. seinerseits Opfer zu produzieren. (Manche machen sogar, verbohrt, wie sie sind, rechtschaffene Virologen für die Misere verantwortlich.)

    Aus diesen Widersprüchen resultiert das derzeitige Hin und Her zwischen Bund und Ländern, Wissenschaftlern und Managern, wetteifernden Kanzlerkandidaten, meinungsbildenden Journalisten u.a. zur Frage des passenden Ausstiegs aus dem Corona-Lockdown. Es geht eben um eine möglichst schnelle – aber auch gegen einen pandemischen Rückfall gesicherte – Erholung der deutschen Nationalökonomie. Die soll als funktionierende Marktwirtschaft endlich wieder jede Einkommensquelle auf ihre Kosten kommen lassen.

    2. a) Der Rückkehrwunsch zum Status quo ante muss im Einzelfall gar nicht nicht notwendig mit einem persönlichen Faible für die kapitalistische Wirtschaftsweise einhergehen. Dieselbe erzwingt gewissermaßen ein solches Interesse bei den von ihr Abhängigen auch ohne deren persönliche Präferenzen. Nicht wenige Bürger meinen sogar zu wissen, dass so etwas wie eine „Entgleisung“ der Marktwirtschaft namens „Neoliberalismus“ aktuell für ein geschwächtes Gesundheitswesen und generell z.B. auch für die drohende Klimakatastrophe verantwortlich sei.

    So einen „Turbokapitalismus“ wollen viele abschaffen, zumindest reformieren – ohne jedoch das Kind mit dem Bade auszuschütten. Denn dass weiterhin mit Arbeit Geld verdient werden muss, Waren zum Markt zu tragen sind, Sparbücher Zinsen erbringen sowie Kredite für Innovation sorgen sollen, unternehmerische Rechnungen aufgehen müssen, weil es sonst keine Arbeitsplätze gibt, dazu auch die globale Konkurrenz bestanden sein will und insgesamt ein gesundes Wachstum da sein muss, auch damit die Staatskasse flüssig bleibtusw. – das lehrt die Marktwirtschaftsbürger schon ihr „gesunder Menschenverstand“. An Derivaten, Leerverkäufen und Finanzwetten meldet der aber seine Zweifel an, obwohl das für sich genommen nur fortentwickelte Instrumente des Kreditüberbaus über dem Kapitalismus nach rheinischer Art sind.

    Jedenfalls hört man überall, nach Corona sei nichts mehr wie vorher, und die Krise biete die Chance oder gebe mindestens den Anlass, das ökonomische Leben menschengerecht zu verändern. Es sei „Zeit für einen Systemwechsel“ und für „ein anderes Wirtschaftssystem, das Mensch und Natur dient“, liest man in einem Protestaufruf. „Wir haben es heute mit einem bedeutenden Einschnitt in der Entwicklung des Kapitalismus, mit einer großen Instabilität des gesamten Systems zu tun. Die Zeit ist reif für eine neue Regulationsweise des Wirtschafts- und Finanzsystems“, schreibt eine systemkritische Ökonomin G. Binus. „Dass eine Umverteilung zugunsten der Beschäftigten, der Rentnerinnen und Rentner sowie der Arbeitslosen auch das beste Mittel ist, um zukünftigen Finanzkrisen vorzubeugen“, steuert Genossin Wagenknecht bei.

    b) Das Dumme ist nur, dass diese Forderungen alle aus dem Oktober 2008 stammen (Quelle: Junge Welt) – und die Jahre danach bis zur heutigen Krise deutlich zeigen, dass daraus irgendwie nichts geworden ist. Stellt sich die Frage, warum. Ein Finanzberater steuert Folgendes zur Antwort bei: „Die neoliberale Geschichte [hat] gezeigt, dass dieses System erstaunlich gut mit Krisen umgehen kann. Hat man nicht auch bei der Finanzkrise [2008 ff.] gedacht, dass sich etwas ändern würde? Stattdessen hat sich seitdem die Konzentration von Einkommen, Vermögen und Macht nur weiter verschärft, der Ausstoß von CO2 ist konstant gestiegen und die Verwüstung land- und forstwirtschaftliche nutzbarer Flächen ist weiter vorangeschritten.“ (Die Welt steht Kopf)

    Natürlich geht nicht ein „System“ gut mit Krisen um, sondern es verschaffen sich ermächtige Interessen aus der Politik und Mächtige aus der Wirtschaftverschaffen Geltung, hinter denen sogar Personen stehen. Trotzdem ist der verzeichnete Tatbestand nicht von der Hand zu weisen. Bestätigt auch dadurch, dass die Forderungen von 2008 sich in sehr ähnlicher Weise derzeit wiederholen: „Wir haben jetzt die Chance“, sagt ein Ökologe, „uns als Gesellschaft anders dazu zu verhalten, wir haben die Aufgabe, eine vollständige Rückkehr zu dem, was vor der Corona-Krise „Normalität“ war, zu vermeiden“ (Zehn Lehren aus der Corona-Krise).

    „Wird der Staat mit viel Steuergeld nur das bestehende System retten – oder haben diejenigen eine Chance, die fundamentale Konsequenzen für unsere Wirtschaftsordnung ziehen wollen?“, fragt ein Leitartikel (Die Gesellschaft braucht Umverteilung des Reichtums). Wir brauchen „eine Wirtschaftspolitik, die systematisch nicht einer Ökonomie des Profitablen und Überflüssigen, sondern des Nötigen und Lebensnotwendigen den Vorzug gibt“, fügt ein Soziologe an (Was Solidarität auch meinen könnte). „In dieser Krise entscheidet sich, ob eine Dekarbonisierung gelingt oder nicht, und damit, so pathetisch es klingt, das Schicksal der Menschheit.“ (Bringt die Wirtschaftskrise einen klimapolitischen Backlash?)

    An der Redeweise von „uns“ und „der Menschheit“ könnte zunächst auffallen, dass sie den verspürten Gegensatz zwischen dem „Nötigen und Lebensnotwendigen“ und einer „Ökonomie des Profitablen“ nicht in den dafür ursächlichen Interessen und Subjekten in Wirtschaft und Politik dingfest macht. Sie reiht dieselben vielmehr gleich wieder in ein unbestimmtes „Wir“ ein, in dem offenbar auch sie ihren Platz und ihr Recht haben. Auch fragt sich, warum diese Art Systemkritik – statt in der politischen Ökonomie des Kapitalismus – lieber hoffnungsvoll beim bürgerlichen Staat landet, wie ein Gesellschaftswissenschaftler es vorführt: „Die Corona-Krise ändert alles. Sie gibt uns die Gewissheit, dass der Staat handlungsfähig ist und Politik Gemeinwohlinteressen durchaus durchsetzen kann“ (Damit nicht alles so wird wie es war: Was wir nach Corona ändern müssen). Abgesehen davon, dass die Sondersituation der Pandemie-Bekämpfung hier falsch verallgemeinert wird: Ist es nicht ein gewisser Widerspruch, nach einem „handlungsfähigen Staat“ zu rufen, der als „ideeller Gesamtkapitalist“ (Engels) genau die Wirtschaftsweise betreut, deren schädliche Wirkungen auf Mensch und Natur so eindringlich beklagt werden?

    c) Wäre, Stichwort Klimawandel, nicht auch dies zu bemerken? Die deutsche Regierung bemüht sich, die sog. „Dekarbonisierung“ als eine „Energiewende“ durchzuziehen, welche die grüne Spitzentechnologie made in Germany (aktuelles Beispiel: Wasserstoffantrieb) zum Exportschlager macht. Die politisch Verantwortlichen sehen daher zugunsten des wirtschaftlichen Gesamterfolgs die Sache mit der 1,5-Grad-Erwärmung derzeit nicht zu eng.

    Außerdem teilen sie den freitäglichen und anderen Gegnern der kapitalistischen Naturzerstörung mit, dass sie deren Idealismus zwar begrüßen, aber nicht nur für dieses partikulare, sondern für alle Interessen ihrer Gesellschaft zuständig sind, z.B. also für gewinnbringende Arbeitsplätze in der Autoindustrie oder im Braunkohleabbau. Gerade die Krise erzwinge neue wirtschaftspolitische Rücksichten. Das müssten die Klimastreikenden einsehen, wenn sie „politikfähig“ werden wollen. Damit verlangt die Regierung vom Umweltprotest nicht weniger als den Abstand von seinem Interesse, damit es ihre voll Anerkennung finden könne.

    Auch wäre abschließend zu fragen, warum eine Systemkritik unbedingt darin konstruktiv sein muss, dass sie in der Pose eines „Schattenkabinetts“ mit der wirklichen Regierung um die Finanzierbarkeit der Verbesserungsvorschläge ringt, die sich zugleich mit dem notwendigen Wirtschaftswachstum vertragen. Als Beispiel ein Ökonomieprofessor: „Ökologisch notwendige öffentliche Zukunftsinvestitionen lassen sich zur heutigen Stärkung der Wirtschaft und Erwerbsarbeit vorziehen.“ (Flatten two Curves: Corona und Klimaerwärmung)

    Oder die Linkspartei: „Natürlich steht auch die Frage im Raum, wer letztlich all das bezahlen soll. Dann sollten endlich jene Konzerne zahlen, die ausgerechnet in diesen Tagen 44 Milliarden Euro an Dividende auszahlen. Und es sollte zumindest das reichste Hundertstel der Bevölkerung, das ein Gesamtvermögen von netto rund 3800 Milliarden Euro besitzt, angemessen an den Krisenkosten beteiligt werden.“ (Egoismus war gestern. (Von fünf Prozent Millionärssteuer ist laut Zeitschrift Luxemburg die Rede, das wären schon mal 190 Milliarden, gut der halbe Bundeshaushalt on top, dazu noch die passende Finanztransaktionssteuer etc.)

    Der Diskurs der „Schattenminister“ mit den wirklichen ist damit eröffnet, wie „wir“ zusammen mit dem „Vater Staat“ die Krisenlasten, das CO2-Ziel und das bedingungslose Grundeinkommen obendrein – „machbar“ und „gerecht“ – finanzieren könnten, wenn wir dürften. Und die ganze Sammlung der Interessen einer kapitalistischen Gesellschaft vom Tellerwäscher bis zum Milliardär wäre damit als Steuerquelle für ihren staatlichen Überbau anerkannt.

    „Große Sprünge“ einer „Neuregulation des Wirtschaftssystems“ nahmen und nehmen sich, wie gesagt, gewerkschaftsnahe Ökonomen, linke Parteien und Gruppierungen, auch die Grünen u.a. im Verlauf der letzten Banken-, Euro etc.-Krisen immer wiederen vor und waren und sind bestrebt, sich ihrem Ziel in „kleinen Schritten“ anzunähern. Gregor Gysis Forderung, die Löhne der „systemrelevanten“ Pflegekräfte und Krankenschwestern zügig zu verdoppeln (ZDF 9.4.20), bricht seine Partei in diesem Sinne wg. „Finanzier-“ bzw. „Durchsetzbarkeit“ schon mal auf die „realistische“ Verhandlungsbasis von 500 Euro pro Monat herunter. Da könnte es passieren, dass nicht einmal diese Summe herausspringt.

    https://www.heise.de/tp/features/Corona-und-die-Rueckkehr-zur-Normalitaet-4710066.html

  49. 49 Nestor 01. Mai 2020 um 18:25 Uhr

    Russlands Premier Mischustin mit Sars-CoV-2 infiziert

    Nähere Angaben zu seinem Gesundheitszustand machte der 54-Jährige nicht. Doch nach Angaben mehrerer russischer Medien soll der Premier 39 Grad Fieber haben. Mischustins Pressesekretär Boris Beljakow bestätigte noch am Abend, dass sich sein Chef im Regierungskrankenhaus in ärztliche Behandlung begeben wird.

    https://www.derstandard.at/story/2000117232199/russlands-prermier-mischustin-corona-krank

    Das wirft kein gutes Licht auf den russischen Umgang mit CV. Weil der Premier wurde aufgrund seines Amtes sicher möglichst abgeschirmt, seine Sozialkontakte gescreent.
    Die Tests, die Rußland verwendet, heißen offenbar nichts, offensichtlich an CV Erkrankte werden als „negativ“ erfaßt. So schreitet die Infektionsrate rasant an, ein Ende ist derzeit nicht absehbar.

  50. 50 Neoprene 02. Mai 2020 um 14:45 Uhr

    Noch ein Nachtrag zum vorbildlichen Schweden:
    „“At the beginning of the 1990s, there were 50 field hospitals with 10,000 hospital beds, 900 intensive care beds and 2,100 intensive care beds in store. But during the 1990s, the civil defence was cut as the military was repurposed for participation in the latest imperialist adventure. Helicopters, ambulances, shelters, hospitals, fire trucks, power generators and food stores were unceremoniously thrown away, sold or destroyed – including 630 ventilators. In the early 2000s, 7.4 million facemasks were burned, out of which 30 percent were fully functional and 70 percent only needed new filters.
    According to the National Board of Health and Welfare, Sweden had 4,300 intensive care beds in 1993 but in 2018 the number had dropped to 574. The number of emergency centres dropped during the same period from 115 to 71.“
    https://www.marxist.com/the-slipping-mask-of-swedish-capitalism.htm?fbclid=IwAR31hoaGP4uuOf0jNV0djlGK-mmG-3ow_Mm_3dS2sr4QQItA-QyQP-1rRV0
    [gefunden bei einem schottischen Marxisten, der sich sogar mit der GegenStandpunkt-sichtweise auf Hegel auseinandergesetzt hat. Er zumindest findet, daß man sich den Hegel heutzutage sparen kann.]

  51. 51 Nestor 02. Mai 2020 um 15:58 Uhr

    Ich hab auch gerade zufällig was gefunden, was nur zeigt, daß Regierungen und Behörden gleich welcher Machart bei Epidemien immer zuerst abwiegeln:

    JUGOSLAWIEN (1972)
    Erster Blick

    Um das Ostergeschäft mit Touristen nicht zu gefährden, bagatellisierte Belgrad die erkannte Pocken-Gefahr.

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42953865.html

    Ischgl ist rehabilitiert! :-)

  52. 52 Nestor 02. Mai 2020 um 16:01 Uhr

    @Neoprene

    Was „aggresive testing“ und „contact tracing“ angeht, wie in dem von dir geposteten Atikel als WHo-Empfehlungen aufgelistet sind, hat das meines Wissens nirgends stattgefunden.

    Und noch was: Nachdem inzwischen ernsthafte Zweifel bestehen, ob eine überstandene CV-Erkrankung immun macht, ist doch das ganze Gerede von der „Herdenimmunität“ sowieso Nonsens.
    Wenn es keine individuelle Immunität gibt, so natürlich auch keine kollektive.

  53. 53 Neoprene 02. Mai 2020 um 16:26 Uhr

    „Was „aggresive testing“ und „contact tracing“ angeht, wie in dem von dir geposteten Atikel als WHo-Empfehlungen aufgelistet sind, hat das meines Wissens nirgends stattgefunden.“

    Wenn es das schon nicht gewesen sein soll, was haben denn dann die Staaten vor allem in Asien, die die Epidemie erheblich besser im Griff haben, anders gemacht?

  54. 54 Kehrer 02. Mai 2020 um 20:17 Uhr

    Nestor: Da hast du aber tief graben müssen. Aber es stimmt schon. Dass wegen des Geschäfts auftretende Seuchen verschwiegen oder nicht rechtzeitig öffentlich gemacht werden, ist keine Errungenschaft oder Spezialität von Ischgl.

    „Nachdem inzwischen ernsthafte Zweifel bestehen, ob eine überstandene CV-Erkrankung immun macht,“ Bisher weiß ich nur, dass es noch keinen definitiven Beweis für die Immunität für eine bestimmte Zeit nach Erkrankung gibt. Das nicht Vorhandensein eines Beweises ist aber noch kein Gegenbeweis.
    oder „Absence of evidence is not evidence of absence.“
    Das würde mir aber merkwürdig vorkommen, weil das Immunsystem ja Antikörper produzieren muss, um der Krankheit Herr zu werden und das tut es eben auch noch ein zeitlang nach einer Krankheit. Wenn das anders wäre, dann wäre ja auch der Nutzen einer Impfung in Frage gestellt. Aber da gibt es wohl unterschiedliche Mechanismen bzw. Ansätze, die benutzt werden können.

  55. 55 Wodka 03. Mai 2020 um 16:13 Uhr

    In Russland scheint die Epidemie sich ähnlich ausgebreitet zu haben wie in Spanien: Die regierenden und elitenden Haupt-Fuzzis dort wollten vor der Epidemie von der Hauptstadt lieber in ihre Datschen und Zweitwohnungen auf dem Lande flüchten – und haben sich zu Tausenden auf diese Wege begeben. So haben sie dann das Virus allersorgfältigst überall im ganzen Lande verteilt.

    Vor fünf Wochen las man es noch ganz anders:
    https://www.derstandard.de/story/2000115983611/warum-russland-die-corona-epidemie-vermeiden-koennte

    Inzwischen kommen dort auch Mütter Gottes, Wunderheiler und ähnliche Mothers little helpers massiv zum Einsatz

    https://taz.de/Wunderheiler-in-Russland/!5680942/

    Experten kritisierten auch die Maßnahme von Kremlchef Wladimir Putin, der zu Beginn der Virusausbreitung die Bürger einen Monat lang bei laufender Lohnfortzahlung in den Urlaub geschickt hatte. Dies hätte bei der Eindämmung des Virus mehr geschadet als genützt, weil viele Menschen noch verreist wären.

    https://www.tagesschau.de/ausland/russland-corona-113.html

    Hauptfehler der Russen scheint gewesen zu sein, anfangs nur die Grenzen zu China (wegen Subproletariat, Wanderarbeiter etc.) schließen zu wollen. Und da war das Virus augenscheinlich aber schon bereits fett in den russischen Hauptstädten stattdessen bei den Eliten bzw. bei der Mittelschicht unterwegs.

    ---

    Zu der anderen Frage, der nach der Immunität:
    Auch bei der gewöhnlichen Grippe sollte man die durch eine überstandene Grippe oder eine Grippeschutzimpfung erzielte Immunität schon deswegen spätestens im übernächsten Jahr durch eine neue Impfung erneuern, weil Viren sich permanent verändern. Welche genauen Varianten in die Grippeschutzimpfung eingehen, das wird bereits im Frühjahr vorher festgelegt, der Impfstoff muss dann ja auch noch getestet und fabriziert werden – aber ggf. ist dann im Winter aber gar nicht der hauptsächlich auftretende aktuelle Virus-Typus darunter, das war glaube ich vor zwei Jahren mal so…

    https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Ueber-30-Varianten-mit-vielen-genetischen-Unterschieden-4707064.html

  56. 56 Nestor 03. Mai 2020 um 16:46 Uhr

    @Neoprene

    Natürlich, ich hatte eben die EU und die USA vor Augen, die das eben nicht machen.

    Mir ist nicht ganz klar, warum nicht, aber außer der Abwesenheit von allem, was man braucht, also Test-Kits, Labors, Spezialisten, Masken, Schutzausrüstungen usw. usf. fällt mir dazu eben die dezentrale Verfaßtheit sowohl der USA als auch der EU ein.
    China hat ab dem Augenblick, wo die Führung in Peking gemerkt hat, da ist was im Gang, alles total geplant durchgezogen, während hier erst einmal unkoordiniert Flüghäfen und Grenzen geschlossen und Schuldzuweisungen gestrickt wurden.
    Auch die Verhängung der Quarantäne am Arlberg, wo vorher noch schnell alle weggescheucht wurden, damit nur ja keine Kosten für Unterbringung anfallen, war ja eine reife Leistung in Sachen Verbreitung quer durch Europa.

    Und das Tracking, soviel ich es verstehe, kann man ja erst einführen, wenn die Tests halbwegs flächendeckend durchgeführt wurden.

  57. 57 Nestor 03. Mai 2020 um 17:20 Uhr

    @Kehrer

    Was ich zur Immunität gelesen habe, das kam vor allem aus Südkorea, ist, daß sich Leute binnen kurzer Zeit wieder angesteckt haben.
    Die Antikörper sind entweder sehr flüchtig, oder sie verhindern nur – ich glaube, das ist der Witz – den Ausbruch der Krankheit, aber nicht die Infektion. D.h., der Betroffene hat keine Symptome, kann aber andere infizieren.
    Dieses Coronavirus scheint sehr gerissen zu sein! Es arbeitet sozusagen mit Tarnkappe.

    Und dann ist die Sache eben nicht gegessen. Außerdem ist auch noch nicht klar, wie lange die Antikörper sich überhaupt halten – ewig oder nur ein halbes Jahr?

    Ich nehme an, genausolche Momente sind auch das Hindernis zum Zustandekommen eines Impfstoffs.

    Ich erinnere mich an die Zeckenimpfung, die bei uns sehr propagiert wird, weil eine österreichische Firma sie herstellt. Erstens liegen manche Leute nachher tagelang flach, wie meine Schwägerin, nachdem unsere Mutter uns einmal alle kollektiv zum Zeckenimpfen geschickt hat.
    Zweitens braucht man 2, also nachdem die Nebenwirkungen der ersten abgeklungen sind, braucht man noch eine Art Draufgabe.
    Und auch diese ganze Prozedur reicht nicht lange, man muß das alle paar Jahre auffrischen.

    Also, ich nehme an, das Höchste der Gefühle, was die Wissenschaft gegen das CV hinkriegen könnte, wäre so eine Art von Impfung.

  58. 58 Nestor 03. Mai 2020 um 18:18 Uhr

    @Wodka

    Die Russen haben einmal alles gesperrt und sich auf die Suche nach geeigneten Testmaterialien begeben, die dort offenbar auch Mangelware waren.
    Soweit ich die Situation mitkriege, haben sie das bis heute nicht so richtig hingekriegt.

    Und deshalb wurden dann die Regeln für das Verlassen von Moskau gelockert, weil die Riesen-Metropole – ca. 15 Millionen Einwohner – erstens nicht so einfach zu versorgen und auch nicht ewig unter Verschluß zu halten ist.

    Ich glaube auch, daß der anfängliche Optimismus, die Erkrankungen seien mehr oder weniger auf Moskau beschränkt, – weil die Moskauer so viel herumreisen, unter anderem in hochverseuchte österreichische Schigebiete – daß dieser Optimismus ein Kopf-In-Den-Sand-Stecken war, das auf geringen Testkapazitäten beruhte, und daß auch über Land jede Menge Viren nach Rußland reisten.
    Die Chinesen kommen übrigens meistens als Händler über die Grenze nach Rußland, nicht als Wanderarbeiter. Es gibt auch einigen Einkaufstourismus in beide Richtungen.
    In China ist seit einiger Zeit Alarmstimmung in der Mandschurei, weil aus Rußland einreisende Chinesen, vor allem aus der Gegend um Wladiwostok, infiziert sind.
    Es ist also durchaus möglich, das das Virus auch übers Wasser kam.
    Gerade was Sibirien und den Fernen Osten angeht, so kann ich mir schon vorstellen, daß analog zu Wuhan die Lokalbehörden lieber nach Moskau meldeten: Alles sauber! – und gar nicht so genau nachschauen wollten.

    Was den Wunderheiler angeht: Rasputin läßt grüßen! Er betete auch in Pokrowskoje hinter dem Ural und der Zarewitsch wurde wieder gesund!
    Wie heißt es so schön bei Marx? einmal als Tragödie, einmal als Farce.

    Was die Impfung angeht, so verweist der Paul Robert Vogt darauf, daß die bisherigen Grippeimpfungen auch nicht gerade sehr effizient sind.

  59. 59 NN 03. Mai 2020 um 22:43 Uhr

    Realsituation um Coronavirus verschwiegen? Pompeo spricht von Hinweisen auf Labor-Ursprung

    Laut dem US-Außenminister Mike Pompeo haben die USA Beweise dafür, dass China die Situation um Coronavirus verschleiert habe. Dies meldet Radio Sputnik am Sonntag.

    China soll Fakten über Coronavirus vertuscht und zerstört haben — Medien

    China soll laut einem 15-seitigen Dossier der sogenannten „Five Eyes“, einer Allianz von Geheimdiensten aus den USA, Australien, Neuseeland, Großbritannien und Kanada, absichtlich Beweise für einen Corona-Ausbruch verheimlicht oder zerstört haben. Darüber schreibt die australische Zeitung „Daily Telegraph“ am Sonntag.

  60. 60 Nestor 04. Mai 2020 um 0:29 Uhr

    Ein sehr ausführlicher Wikipedia-Eintrag zu Irland:
    https://en.wikipedia.org/wiki/2020_coronavirus_pandemic_in_the_Republic_of_Ireland
    – wohin das Virus offensichtlich über Italien gelangt ist – und nicht, was näherliegend wäre, über Großbritannien.
    (Auch von Ischgl liest man nichts!)
    Ich habe den Eindruck, daß Irland die Sache weniger in Griff kriegt als verschiedene andere Länder.

    Was diese ständig neuen „Enthüllungen“ zu Chinas angeblicher Vertuscherei angeht, so werden die m.E. in Taiwan fabriziert und dann über Dienste, PR-Agenturen und US-affine Medien sowie die USA und US-freundliche Regierungen in die Welt posaunt.

    Der Inhalt ist immer der gleiche:

    1. China hat das Virus in einem Labor produziert, natürlich in böser Absicht.
    2. Es hat es dann entweder in teuflischer Absicht auf seine eigene Bevölkerung losgelassen, oder in unglaublicher Schlamperei entkommen lassen.
    3. Es hat alles vertuscht, solange wie möglich, um möglichst viel von dem Virus auf der Welt zu verbreiten und damit die Weltwirtschaft zu schädigen.
    4. Dann hat es seine längst in der Schublade liegenden Notfallpläne aktiviert und sich selber virusmäßig saniert.

    Dieser Schwachsinn wird jetzt regelmäßig mit immer neuen „Beweisen“ untermauert.

    Das Öde an diesem ständig wiedergekäuten Blabla ist, daß es für die aktuelle Situation und den Umgang mit dem Virus überhaupt nichts hergibt. Weder werden die Krankenhäuser entlastet noch die Lockdowns überflüssig, noch erfahren wir Neues über das Virus selbst.

    Es ist ein reines Ablenkungsmanöver, um über die eigene bescheidene Performance in Sachen Seuchenbekämpfung hinwegzutäuschen. Und für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die den Kapitalismus seiner Schädlichkeit überführen, gibt es keine wie immer gearteten Lösungen her.

  61. 61 NN 04. Mai 2020 um 19:27 Uhr

    Corona im Hintergrund: Pentagon wirft Russland und China Vorantreiben eigener Interessen vor

    Laut dem US-Verteidigungsminister Mark Esper nutzen Russland und China die infolge der Coronavirus-Pandemie entstandene Situation zum Vorantreiben ihrer eigenen Interessen aus. Dies äußerte er in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Stampa“.

    Wieder russische Hacker schuld? Britische Experten klagen über Datenklau beim Corona-Impfstoff

    Britische Cybersicherheitsexperten aus dem National Cyber Security Center (NCSC) beklagen angebliche Versuche einiger „feindlicher“ Staaten, einschließlich Russlands und Chinas, britische Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen zu hacken, um Forschungsdaten zur Entwicklung des Corona-Impfstoffes zu stehlen.

  62. 62 Nestor 04. Mai 2020 um 19:54 Uhr

    Die Abendnachrichten waren heute wieder ein Lehrstück zu Coronavirus und Seuchenpolitik.

    Erst wurde festgestellt, daß die Stichproben zur Erhebung der Dunkelziffer nix bringen. Sie ergeben im Wochen-Abstand völlig disparate Werte, sodaß man daraus einfach keine Rückschlüsse auf den landesweiten Zustand ziehen kann.

    Zweitens ist auch klar, daß man bei so wenig Leuten Antikörper findet, daß von einer Hoffnung auf „Durchseuchung“ auch Abstand genommen werden muß.

    Dann wird der Experte für die Krankheit befragt, ob das möglicherweise eine neue Einschätzung des Gedankens der „Herdenimmunität“ nötig macht?
    Daraufhin sagt er: Ja, aber daß das eine leere Hoffnung ist, das war beim letzten Stichprobentest (vor einer Woche) auch schon klar. (Also mehr oder weniger: Was soll die Frage!?)
    Dann wird eine andere Ober-Medizinerin gefragt, ob man aufgrund der Zahlen, die wir jetzt haben, irgendwas voraussagen kann?
    Unmöglich, sagt die Dame, weil die Zahlen sind so niedrig, mit sowas haben wir bei all unseren Modellen nicht gerechnet!
    Dann wird der Unterrichtsminister gefragt, ob mit den Schulschließungen und Lockdowns nicht etwas übertrieben wurde und das wirklich notwendig war?
    Daraufhin sagt er: Hätten wir sie nicht verordnet, so würden Sie mich jetzt fragen: Warum haben Sie denn nichts gemacht?!

    Wenigstens über die Testfrage wurde etwas Aufklärung erteilt: Am Wiener Flughafen kann man sich nämlich jetzt verläßlich testen lassen, die Auswertung dauert 3 Stunden und der ganze Spaß kostet 190 Euro.
    Notfalls kann man die Testkapazitäten in die Höhe fahren, meint ein Flughafenfuzi.

    Es wird also deshalb nicht mehr getestet, weil es zu teuer ist!

  63. 63 NN 05. Mai 2020 um 12:12 Uhr

    China wehrt sich gegen US-Vorwürfe
    USA verstärken Angriff auf Volksrepublik. Beijing sieht darin Ablenkung von eigener Unfähigkeit

    Chinesische Staatsmedien haben Vorwürfe der US-Regierung über Vertuschung in der Coronakrise und den Ursprung des Virus als »grundlose Beschuldigungen« zurückgewiesen. Es sei eine Strategie, von der eigenen »Unfähigkeit« im Kampf gegen die Pandemie abzulenken, kommentierte am Montag die Global Times. Die Tageszeitung unter der Schirmherrschaft der Kommunistischen Partei reagierte damit auf ein Interview des US-Außenministers Michael Pompeo vom Sonntag, in dem dieser erklärt hatte, es gebe eine Menge Hinweise darauf, SARS-CoV-2 stamme aus einem chinesischen Labor in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei.

    »Die Wahrheit ist, dass Pompeo keinerlei Beweise hat«, heißt es in dem Leitartikel. Wenn es sie gäbe, sollten die USA die Belege Forschungsinstituten und Wissenschaftlern geben, damit die sie prüfen könnten. Ziel der US-Regierung sei es, China die Schuld an der Pandemie zu geben, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und »Klagen wegen Amtspflichtverletzung« hinsichtlich der eigenen Reaktion auf die Pandemie zu entgehen.

    Zu der Theorie, dass das Virus aus dem Labor in Wuhan stammen könnte, sagte auch Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau nach Angaben kanadischer Medien, es sei »zu früh, um feste Schlüsse zu ziehen«. Kanada ist Mitglied der Geheimdienstallianz »Five Eyes« mit den USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland. Die australische Zeitung Saturday Telegraph hatte zuvor über ein Geheimpapier der Gruppe berichtet, in dem schwere Vorwürfe gegen China erhoben wurden.

    Das 15seitige Dossier beklagt dem Blatt zufolge Vertuschung und weist auf riskante Forschungsarbeiten in dem Labor in Wuhan hin. Das Forschungsteam um Leiterin Shi Zhengli habe demnach mit einem Coronavirus gearbeitet, das in einer Höhle in der Provinz Yunnan entdeckt worden war und eine auffallende genetische Ähnlichkeit mit SARS-CoV-2 aufweise. Wie Shi in einem Artikel vom 27. April im Magazin Scientific American darlegte, stimme die genetische Sequenz von SARS-CoV-2 nicht mit derjenigen der SARS-Erreger überein, mit denen im Virologischen Institut von Wuhan gearbeitet wurde. (dpa/jW)

  64. 64 Nestor 05. Mai 2020 um 13:59 Uhr

    Wo diese 5 Eyes nur hinschauen, wenn sie nicht einmal merken, daß die eigenen Depots an Schutzausrüstung leer sind?

    Die Einäigigkeit dieser Kooperation scheint vorprogrammiert zu sein.

  65. 65 Kehrer 05. Mai 2020 um 20:17 Uhr

    „Die Antikörper sind entweder sehr flüchtig, oder sie verhindern nur – ich glaube, das ist der Witz – den Ausbruch der Krankheit, aber nicht die Infektion. D.h., der Betroffene hat keine Symptome, kann aber andere infizieren. Dieses Coronavirus scheint sehr gerissen zu sein! Es arbeitet sozusagen mit Tarnkappe.“ Ja, das Ding ist echt fies. Die vollständig ausgewertete Heinsbergstudie sagt übrigens, dass auf einen erkannten Infizierten fünf unerkannte kommen. Mal sehen, ob das durch andere Untersuchungen bestätigt wird. Die Fledermäuse von denen es mutmaßlich abstammt, werden ja auch nicht krank. Was ja sehr Virusgemäß ist, weil es sich so vermehrt ohne seinen Wirt so zu schädigen, dass er als Überträger ausfällt.

    Gerade gehen übrigens mal wieder Offnungsdiskussionsorgien über die Bühne. An Pfingsten soll man an der Ostsee wieder Urlaub machen können. Alle Geschäfte werden geöffnet. usw. Ich denke, dass die Virulenz immer noch unterschätzt wird. Siehe oben.

    „Sie ergeben im Wochen-Abstand völlig disparate Werte, sodaß man daraus einfach keine Rückschlüsse auf den landesweiten Zustand ziehen kann.“ Ist doch klar, dass sich die Werte ändern. Dann muss man eben mehr testen, in regelmäßigen Abständen an verschiedenen Orten. Oder man muss die Qualität der Tests überprufen. Eigentlich ist das ja eine wissenschaftliche Bankrotterklärung wenn man sagt: Natur liefert zu disparate Daten – Erkenntnis unmöglich.

    Zum Testen: Die Gesundheitsämter unterhalten auch einige Teststellen, für die man keine Überweisung vom Arzt braucht. Man muss vorher ein Formular ausfüllen, das man online runterladen und ausdrucken kann. Und man muss die Chipkarte mitbringen. Aber es werden immer bloß 10 eingelassen. Über das Ergebnis unterrichtet wird man nur, wenn man positiv ist. Man muss natürlich Symptome haben. Aber ich glaube das ist überall ein wenig anders.

  66. 66 Nestor 05. Mai 2020 um 21:58 Uhr

    @Kehrer

    Ich denke, dass die Virulenz immer noch unterschätzt wird.

    Das Problem ist, daß man nicht ewig im Lockdown verharren kann, in keinem Land. Und daß es zweitens bei der Bekämpfung des Virus wenig Fortschritte gibt.

    Eigentlich ist das ja eine wissenschaftliche Bankrotterklärung wenn man sagt: Natur liefert zu disparate Daten – Erkenntnis unmöglich.

    Genauso ist es.

    Beim Testen ist es bei uns eben so, daß man 1. einen guten Grund angeben oder 2. zahlen muß.
    Etwas Husten oder ein positiv Getesteter im Bekanntenkreis scheint kein guter Grund zu sein.

    Ich habe heute einen Artikel über den Verlauf von SARS in China und Südkorea gelesen, und wie die damals dort gelernt haben, daß man nach Identifizierung eines Erkrankten sofort alle Kontakte rückverfolgen, Sperren und Quarantäne verhängen und testen muß, und das ist ja alles in Europa und den USA nirgends gemacht worden. Schon deshalb, weil nirgends Test-Kits und Schutzausrüstung da waren.

    Angeblich wurde dergleichen nur in Seattle durchgezogen, wo der erste identifizierte Fall in den USA am 20.1. aufgetreten ist und wo der Gouverneur, Epidemologen und ein großer Microsoft-Betrieb zusammengearbeitet haben, um sofort den ganzen Bundesstaat Washington lahmzulegen und alle Infizierten aufzustöbern und zu isolieren.
    (Später wurden dann 2 Verstorbene in Kalifornien als erste Opfer identifiziert, aber bei denen hat erst die Autopsie die Zuordnung ermöglicht.)

  67. 67 Kehrer 06. Mai 2020 um 0:55 Uhr

    Bei Leesch war heute eine Epidemiologin, Namen hab ich vergessen, die in München die Heinsbergstudie ein bisschen größer wiederholt. 3000 Haushalte und 5000 Teilnehmer. Es wird auf Antikörper getestet. Und die Frau hat eine erste Einschätzung abgegeben und gemeint ca. 1-2 % der getesteten hätten Antikörper.
    Das heißt erstmal, dass das Konzept der Herdenimmunität sowieso nicht aufgeht, weil es viel zu lange dauert, wenn man keine gigantischen Opferzahlen will. Wenn man mal mit 1% rechnet, wären das Hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung 830 000. Die getesteten Infiziertenzahlen liegen zur Zeit bei 165 000. d.h. dass auf 1 getesteten 4 bis 5 Infizierte draufkommen ist plausibel. Das hat ja auch die Heinsbergstudie ergeben. Mal sehen was noch so an Daten kommt.

  68. 68 Neoprene 06. Mai 2020 um 13:34 Uhr

    „Statistikerin zu Heinsberg-Studie: „Liefert keine Strategie, um Pandemie zu bekämpfen““
    „… Am Ende bleibt es jedoch bei der Erkenntnis, dass Deutschland bisher recht verschont von Corona geblieben ist und wir bei einer Strategie der Herdenimmunität ohne Impfstoff im Mittel mit rund 200.000 Todesfällen rechnen müssten.

    Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Auswirkung der anstehenden Lockerungen mit Hilfe von wiederholten Tests in einem repräsentativen Panel überwachen. Auch bei einem geringen Anteil von Infizierten kann man die Dynamik der Pandemie präzise genug erfassen, wenn – wie etwa im Sozio-ökonomischen Panel SOEP – rund 20.000 Personen für Tests zur Verfügung stehen.“

    https://www.focus.de/gesundheit/news/was-wir-aus-gangelt-lernen-koennen-und-was-nicht-statistikerin-ueber-heinsberg-studie-liefert-keine-strategie-um-pandemie-zu-bekaempfen_id_11957613.html

  69. 69 Nestor 06. Mai 2020 um 14:00 Uhr

    Das Konzept der Herdenimmunität halte ich sowieso für verfehlt, weil es sich doch herausgestellt hat, daß Leute mit Antikörpern die Infektion wieder kriegen und verbreiten können, auch wenn sie nicht daran erkranken.

    Der Begriff oder das Konzept kocht nur immer wieder hoch, um dann wieder ad acta gelegt zu werden (bis zur nächsten Woche), weil es keine Strategie der Eindämmung gibt. Das ist das, was die asiatischen Staaten gemacht haben und wofür es hier weder politischen Willen noch ausreichende Mittel gibt. Erstens aufgrund der Struktur der EU, zweitens, weil man damit rechtzeitig hätte anfangen müssen.

  70. 70 Neoprene 07. Mai 2020 um 8:34 Uhr
  71. 71 Nestor 07. Mai 2020 um 9:38 Uhr

    Die ganze „Berechnung“ von solchen stichprobenartigen Studien ist doch von Haus aus ein Nonsens. Man kann nicht aus irgendeinem Kaff – oder 5 – auf die landesweite Verbreitung schließen.
    Man sieht doch z.B. an Italien, daß verschiedene Regionen ganz unterschiedlich betroffen sind.

  72. 72 Nestor 07. Mai 2020 um 9:52 Uhr

    Das mit dem „Finale“ ist vielleicht sowieso ein verfehlter Optimismus. Hier wieder eine Statistik zu den Sterberaten. Lateinamerika und die Türkei wurden auch aufgenommen, vielleicht geht es dort erst so richtig los.

    0,000729481570334 Belgien
    0,000543795852587 Spanien
    0,000492576660313 Italien
    0,000452709430418 UK
    0,000380606929082 Frankreich
    0,000300971251115 Holland
    0,000288752411083 Irland
    0,000284771208459 Schweden
    0,000243597560976 USA
    0,000209788584247 Schweiz
    0,000102735849057 Portugal
    0,000086470962474 Deutschland
    0,000068632514089 Österreich
    0,000040241598635 Norwegen

    0,000093699328237 Ecuador
    0,000049075810923 Peru
    0,000043100236057 Türkei
    0,000038500671914 Brasilien

  73. 73 Neoprene 07. Mai 2020 um 10:00 Uhr

    Es würde die Lesbarkeit der unterschiedlichen Sterberaten stark erhöhen, wenn du sie auf 10 hoch minus 6 beziehen würdest.

  74. 74 Neoprene 07. Mai 2020 um 10:13 Uhr

    „Die ganze „Berechnung“ von solchen stichprobenartigen Studien ist doch von Haus aus ein Nonsens.“

    Nein nicht per se. Aber wenn die Stichprobe so klein ist, wie sie in Heinsberg war:

    „919 Menschen aus insgesamt 405 Haushalten. Gemessen an allen Einwohner der Gemeinde Gangelt entspricht das einer Stichprobe von 7,3 Prozent. Die Haushalte wurden so ausgewählt, dass sie für den Ort möglichst repräsentativ sind. Ältere Menschen allerdings sind etwas überrepräsentiert, Kinder dagegen sind etwas zu wenige einbezogen, um signifikante Aussagen machen zu können.“

    Weil die Stichprobe so klein war, gab es auch zu wenig Cononatote, um verläßlich hochzurechnen:

    „Sieben Menschen starben in Gangelt an Covid-19. Damit ergibt sich für den Ort eine Sterblichkeit von 0,37 Prozent unter allen Infizierten.“

    Wenn da auch nur ein oder zwei weitere Tote nicht erfaßt wurden, schließlich wurden dort nicht alle Gestorbenen getestet, stimmen die Prozentzahlen schon mal nicht. Und weil man die Gesamtzahl der Infizierten eh nicht weiß, sind solche Zahlen eh nur geschätzt. Aber natürlich ganz exakt mit zwei Stellen hinterm Komma, das waren schließlich Wissenschaftler!
    Daß Heinsberg kein typischer Ort für eine Stichprobe war, ist ja schon der Ausgangspunkt der Studie gewesen: Wie sieht es grob da aus, wo bisher relativ viele Infektionen vorgekommen sind. Sowas hat ja selbst Streek nicht behauptet. Halbwegs vernünftige Studien laufen ja jetzt erst an.

  75. 75 Nestor 07. Mai 2020 um 11:20 Uhr

    10 hoch minus 6?
    Hilf mir, was meinst du?

    Das mit der Studie weist auf ein generelles Problem mit dieser Art von Ausschnitt aus der Bevölkerung hin. Der Teil ist eben nicht das Ganze, und alle Rückschlüsse sind daher hypothetisch.

    Macht man 15 Studien an 15 verschiedenen Orten, so wäre es vielleicht aussagekräftiger, aber da wäre das Problem dann, daß völlig disparate Zahlen herauskommen würden, die dann auf einen Durchschnitt heruntergebracht auch fragwürdig wären.

    Man müßte auch zwischen ländlichen Gebieten und städtischen Ballungszentren unterscheiden, dort ist die Ansteckungsgefahr anerkanntermaßen größer, und auch sonst noch Faktoren wie das Auftreten des 1. Falles, die Luftqualität u.a. berücksichtigen, um irgendwie belastbare Werte zu erhalten.
    Aber es bleibt immer ein Tappen im Nebel gegenüber richtigem Durchtesten der gesamten Bevölkerung – was von mehreren Regierungen angekündigt, aber anscheinend nur von Israel jetzt angegangen wird.

  76. 76 Neoprene 07. Mai 2020 um 11:39 Uhr

    Statt 0,000729481570334 in Belgien könntest du schreiben 0,7 Tote je 1000 Menschen oder eben 729 Tote je eine Million Menschen oder eben 729 × 10 hoch minus 6.

  77. 77 Nestor 07. Mai 2020 um 12:14 Uhr

    Ein Bericht über die Lage in Ungarn:

    Dort wurden im Rahmen der Sondervollmachten, die sich die Regierung vom Parlament geben hat lassen, vom dem für die Coronavirus-Maßnahmen zuständigen Miklós Kásler (von seiner Spezialisierung her Onkologe) der Befehl an alle Krankenhäuser erteilt, bis zu einem gewissen Zeitpunkt so und so viel Betten pro Krankenhaus „freizumachen“.
    Dagegen gab es von einigen Krankenhäusern Widerstand, ein Primar wurde entlassen, weil das bedeutete, Kranke heimzuschicken, ohne daß die Entwicklung der Coronavirus-Infektionen solche drastischen Maßnahmen gerechtfertigt hätte.

    Für den 4. Mai wurde beschlossen, daß wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren sei, was den betroffenen Spitälern in der Nacht von Donnarstag auf Freitag zugeschickt wurde, also vor dem verlängerten Wochenende.

    Außerdem wurde befohlen, vor jedem Eingriff einen CV-Test zu machen, was zwar einerseits zielführend ist, andererseits unmöglich, weil es praktisch keine Testkapazitäten gibt. Erstens sind international kaum Test-Kits erhältlich, die zuständigen Behörden müssen tagtäglich herumsuchen, wo welche erhältlich wären.
    (Das erklärt auch einiges über die mangelnde Test-Tätigkeit in anderen Staaten.)
    Zweitens bereiten sich die 4 medizinischen Universitäten Ungarns auf eine großangelegte Stichproben-Studie vor, und brauchen dafür auch Test-Kits.

    Die ganzen Maßnahmen sind also ohne Bedachtnahme auf die tatsächliche Lage erlassen worden und haben das ganze Gesundheitswesen Ungarns gegen die Regierung aufgebracht. Diese wiederum sieht überall die Opposition und die Feinde Ungarns am Werk.

  78. 78 NN 07. Mai 2020 um 12:52 Uhr

    Plan gegen Pandemie
    Der Kampf um das Gesundheitswesen. Teil 10 und Schluss: Von China lernen. Boom im Krankenhausbau statt Kürzungswahn
    Von Marc Püschel

    China hat die Covid-19-Epidemie derart schnell in den Griff bekommen, dass im Westen größtenteils Ungläubigkeit darüber herrscht – dabei reicht ein vorurteilsfreier Blick auf die Volksrepublik, um den Erfolg zu erklären.

    Das chinesische Gesundheitswesen hat drei große Phasen durchlaufen. Die erste unter Mao Zedong war durch den raschen Aufbau einer ländlichen Versorgung durch mehr als 200.000 rudimentär ausgebildete »Barfußärzte« gekennzeichnet. Bereits damit konnte in dem von Welt- und Bürgerkrieg versehrten Land die durchschnittliche Lebenserwartung von 44 (1949) auf 66 Jahre (1980) gesteigert werden. In einer zweiten Phase wurden unter Deng Xiaoping ausländische Expertise und Forscher ins Land geholt und Krankenhäuser in Form von »Public Private Partnerships« errichtet, in denen der Staat die letzte Verfügungsgewalt beibehielt. Mittlerweile ist China selbst zum Innovator geworden, was nicht nur die Spitzenposition bei den Patentanmeldungen und der erste chinesische Nobelpreis für Medizin 2015, sondern auch die Entwicklung des weltweit ersten Testimpfstoffs gegen SARS-CoV-2 durch die Virologin Chen Wei beweist.

    Die dritte Phase begann als Reaktion auf die durch die Privatisierungspolitik entstandenen Mängel und die SARS-Epidemie 2002/2003. Seither investiert Beijing in einem historisch einmaligen Ausmaß in den Aufbau einer medizinischen Grundversorgung für alle. Die staatlichen Ausgaben für den Gesundheitssektor wurden seit 2003 um das 14fache gesteigert. Erstmals wurde eine Reihe von Krankenversicherungen für die Bevölkerung geschaffen, die zwar teils auf freiwilliger Basis, aber mit jährlichen Beiträgen von umgerechnet 20 bis 220 Euro im Jahr so günstig sind, dass die Bevölkerung in China bereits 2014 zu 95 Prozent versichert war. Speziell für Lungenkrankheiten wurde ein Frühwarnsystem etabliert, das im Falle von Covid-19 Alarm schlug, als es lediglich 27 Patienten mit atypischen Lungenentzündungen gab.

    Im Rahmen des im Oktober 2009 verabschiedeten Programms »Healthy China 2020« wurde die medizinische Ausbildung enorm gefördert, was zu einem Anstieg der Ärzte pro 1.000 Einwohner von 1,75 (2009) auf 2,59 (2018) führte. Die Zahl zugelassener Pfleger und Pflegerinnen konnte innerhalb desselben Zeitraums mehr als verdoppelt werden, von 1,39 auf 2,94 pro 1.000 Einwohner. Dank dieser Maßnahmen betrug die alle fünf Jahre erhobene Lebenserwartung 2015 schon 76,34 Jahre.

    Und während im Westen Kliniken kaputtgespart werden, setzte unter Xi Jinping ein beispielloser Boom im Krankenhausbau ein. So gab es 2013 24.709 Krankenhäuser, im bisher letzten statistisch ausgewiesenen Jahr 2018 bereits 33.009 – ein Anstieg von rund 34 Prozent in fünf Jahren! Die dadurch erworbene Erfahrung der staatlichen Bauunternehmen führte dazu, dass Ende Januar in Wuhan innerhalb von nur acht Tagen das Krankenhaus »Huoshenshan« mit über 1.000 Betten errichtet werden konnte. Insgesamt wurden in der Stadt 12.000 Menschen in provisorisch gebauten Kliniken untergebracht. Die staatliche Planwirtschaft schuf außerdem mit einer Preisregulation für alle wichtigen Güter, der Sicherstellung der Lebensmittelversorgung und der kostenlosen gesundheitlichen Versorgung für alle Betroffenen in Quarantäne die Rahmenbedingungen für die Eindämmung des Virus.

    Aber nicht nur zentralstaatliche Maßnahmen, sondern auch die Aktivitäten der lokalen Nachbarschaftskomitees waren ausschlaggebend. Es waren diese von Basisfunktionären der Kommunistischen Partei angeführten Komitees, die von Haus zu Haus gingen, um kranke Menschen zu finden sowie Essen und Medikamente zu verteilen. Bis zum 9. Februar konnten dadurch in einem gewaltigen kollektiven Kraftakt knapp 99 Prozent der Bevölkerung in Wuhan getestet werden. Dabei starben bis Anfang März 53 dieser mutigen Aktivisten selbst an Covid-19, 49 davon Mitglieder der KP.

    All dies wäre ohne einen entsprechenden politischen Willen nicht möglich gewesen. In China hat es nie eine Diskussion darüber gegeben, alte Menschen zu opfern oder die Interessen des Kapitals zu berücksichtigen. Weder die Absage der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr noch die Abriegelung von 60 Millionen Menschen wurde gescheut: Maßnahmen, die in dem medizinischen Fachjournal The Lancet hoch gelobt wurden.

    Und während im Westen jedes Land, sogar jeder Landkreis für sich kämpfen muss, sandte die chinesische Regierung mehr als 42.000 Ärzte, Pfleger und anderes Personal in die Provinz Hubei. Zu Recht kommentierte die chinesische Global Times am 15. März dazu: »Dem politischen System des Westens gehen Fähigkeiten des Mobilisierens in einer solchen Größenordnung ab. Unter dem westlichen Regierungssystem kann Chinas Weg, das Virus zu bekämpfen, nicht kopiert werden.« Dies mögen schlechte Nachrichten für uns als potentielle Opfer der gegenwärtigen Pandemie sein. Es heißt aber auch: Unser Kampf ums Ganze, für ein sozialistisches System, ist ebenso notwendig wie gerechtfertigt.

    Hotspot Moskau
    In Russland mittlerweile weltweit höchste Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus
    Von Reinhard Lauterbach

    Russland ist mittlerweile der Staat mit der schnellsten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Seit Anfang der Woche werden täglich mehr als 10.000 festgestellte Neuinfektionen gemeldet. Die von den russischen Behörden angegebene Gesamtzahl lag am Mittwoch morgen bei 165.829, das ist Platz fünf weltweit. Noch am Dienstag hatte Russland auf Platz sieben gelegen. Die regionalen Schwerpunkte sind weiterhin Moskau mit über 85.000 Infizierten, das Moskauer Umland und – mit großem Abstand – St. Petersburg und Nischni Nowgorod.

    Im Land hat unterdessen eine Diskussion darüber begonnen, wer für die enorme Dynamik der Zahlen verantwortlich ist. In gewundenen Worten wird debattiert, ob vielleicht der am 9. April ergangene Vorschlag, einige der Einschränkungen langsam wieder zurückzufahren, voreilig gewesen sei. Niemand sagt einstweilen offen, wer diesen Vorschlag damals gemacht hatte: Wladimir Putin.

    Putin hat sich seit Mitte April in seine Vorstadtresidenz Nowo-Ogarjowo zurückgezogen und versucht, die Epidemiebekämpfung über Videokonferenzen mit den regionalen Gouverneuren zu steuern. Die scheinen oft nicht recht zu wissen, was sie tun sollen. Erst waren Zugangsbeschränkungen für einzelne Regionen angeordnet worden, was Ministerpräsident Michail Mischustin sofort als verfrüht kritisiert hatte. Dann wurden etliche Beschränkungen wieder aufgehoben. Zumindest ein Zusammenhang scheint zwischen dem Hin und Her von Mitte April und dem starken Anstieg der Infektionsziffern seit den letzten Apriltagen nahezuliegen.

    Fehler wurden gemacht, das wird inzwischen indirekt zugegeben. Ein Mitglied der Akademie der Wissenschaften sagte der Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta, die Epidemie sei »durch die Hintertür« nach Russland gekommen – aus Europa. Den Weg direkt aus China hätten die Behörden der Infektion im Februar noch abgeschnitten. »Das Virus kam aus Courchevel«, bemerkte vor einigen Tagen der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin und sprach dabei offenbar vielen aus dem Herzen, die sich einen Winterurlaub in den französischen Alpen ohnehin nicht leisten können. Courchevel ist bei betuchten Russen eine beliebte Winterdestination. Als dort Anfang März die Pandemie ausbrach, reiste eine Vielzahl reicher Russen Hals über Kopf in infiziertem Zustand in die Heimat zurück.

    Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen verliert Putin stark an Beliebtheit. Bei einer Umfrage des – vom Kreml finanzierten – Instituts WZIOM von März, welchem Politiker die Russen vertrauten, nannten nur noch 28 Prozent den Präsidenten. Das ist der niedrigste Zustimmungswert für ihn seit 14 Jahren. Als Reaktion ordnete die Institutsleitung an, statt der offenen Frage »Wem vertrauen Sie?« die geschlossene Frage »Vertrauen Sie Wladimir Putin?« zu stellen. Direkt nach dem Staatschef befragt, antworteten im April 68 Prozent aus der Stichprobe mit Ja. Auch dies ist aber ein Rückgang um mehrere Prozentpunkte.

    Im Unterschied dazu scheint der Moskauer Bürgermeister Sobjanin durch seine Antikrisenpolitik Punkte gutzumachen. Sobjanin ist derzeit dabei, die Hauptstadt auf das wohl unvermeidliche weitere Ansteigen der Fallzahlen einzustellen. Stadtweit werden Sporthallen zu Lazaretten umgerüstet, 10.000 neue Betten sollen so zur Verfügung stehen. Dem Bürgermeister kommt dabei zugute, dass Moskau die reichste Region Russlands ist, so dass die Hilfsmaßnahmen zumindest nicht am Geld scheitern. Außerhalb der Hauptstadt ist die Lage offenbar wesentlich schlechter. Ärzte klagen über Mangel an persönlicher Schutzausrüstung, aber diese Informationen kommen nur über Umwege an die Öffentlichkeit. Denn direkte Klagen über die Zustände in den Krankenhäusern werden von den Behörden als »Fake News« bekämpft.

    USA: Streit um Corona-Taskforce
    Nach Kritik hält Trump an Arbeitsgruppe für Pandemie fest. Zahl der Toten steigt nach wie vor

    Die US-Regierung will anscheinend doch an der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus festhalten. US-Präsident Donald Trump schrieb am Mittwoch auf Twitter, sie werde auf unbestimmte Zeit weiterarbeiten, es könne aber Änderungen in der Besetzung geben. Der Fokus werde auf der »Sicherheit und der Wiedereröffnung unseres Landes« liegen.

    Zweck der Arbeitsgruppe (Taskforce) ist es unter anderem, die nötigen Behörden der Regierung zu mobilisieren und die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu koordinieren. Am Dienstag noch hatte Vizepräsident Michael Pence erklärt, es werde überlegt, die Gruppe Ende Mai oder Anfang Juni aufzulösen. Das sei ein Zeichen des »enormen Fortschritts« im Kampf gegen das Virus. Es bedeute gleichzeitig eine Rückkehr zu einem »traditionelleren« Krisenmanagement, so Pence.

    Trump hatte die Angaben seines Stellvertreters an dem Tag bestätigt und gesagt, es müsse eine neue »Phase« beginnen. Bei einem Besuch im südwestlichen Bundesstaat Arizona sagte der Präsident, die Menschen in den USA seien »Kämpfer« und wollten zurück an die Arbeit gehen. Es sei an der Zeit, in die Zukunft zu blicken. »Ich will ein Cheerleader sein«, so Trump. Das Land könne »nicht für die nächsten fünf Jahre geschlossen gehalten« werden. Dies gelte trotz der Tatsache, dass die Öffnung der Wirtschaft »einige Menschen heftig treffen« werde. Es sei »möglich«, dass eine schnelle Rückkehr zur Normalität zum Verlust von Menschenleben führen könne, sagte Trump im Sender ABC.

    Die Ankündigung zur Auflösung der Taskforce hatte für Erstaunen gesorgt. Die USA sind mit mehr als 1,2 Millionen bestätigten Infektionen und mehr als 71.000 Toten das am härtesten von der Coronapandemie betroffene Land der Welt. Zudem steigen die Zahlen weiter deutlich an – am Dienstag wurden weitere 2.333 Todesfälle binnen 24 Stunden gezählt. Experten haben vor einem neuen Anstieg der Infektionen gewarnt, sollten die Einschränkungen zu rasch gelockert werden. (AFP/dpa/ jW)

  79. 79 NN 07. Mai 2020 um 19:08 Uhr

    Coronavirus bereits seit Ende 2019 in Europa – Wo kam es her?

    Es gibt immer mehr Belege dafür, dass das Coronavirus bereits im Dezember in Europa im Umlauf gewesen ist. Bestätigt sind Fälle aus Frankreich und Italien. Dies belegt auch eine neue Studie aus London. Das würde den zeitlich unterschiedlichen Kurvenverlauf in verschiedenen Ländern erklären. Über den Virus-Ursprung sagt dies jedoch noch nichts aus.

    SARS-CoV-2-Genom: Britische Wissenschaftler finden knapp 200 Mutationen

    Wissenschaftler von dem University College London haben die Daten von mehr als 7.500 Menschen mit COVID-19 untersucht und 198 kleine Veränderungen im Genom des neuartigen Coronavirus entdeckt. Die Ergebnisse der Studie haben sie in der Fachzeitschrift „Infection, Genetics and Evolution“ veröffentlicht.

    Der Durchbruch gegen Covid-19? Deutsche Forscher entdecken Antikörper – Exklusiv

    Ein Forscherteam aus Deutschland hat einen Antikörper gefunden, der das SARS-Coronavirus-2 blockiert und dadurch eine Infektion verhindert. Das Mittel würde sich vor allem für schwere Verlaufsformen, aber auch zur Prävention bei Risikogruppen eignen. Für eine sichere Wirkung müssten allerdings noch weitere solche Antikörper entdeckt werden.

    Dieser Antikörper stoppt Corona-Infektion

    Niederländische Forscher haben einen Antikörper vorgestellt, der das neuartige Coronavirus davon abhält, menschliche Zellen zu befallen. Dabei handelt es sich um einen von 51 Antikörpern, die sich bei SARS-CoV aus den Jahren 2002-2003 als wirksam gezeigt hatten. Mit dem Antikörper rückt eine Immuntherapie gegen SARS-CoV-2 näher.

  80. 80 Nestor 07. Mai 2020 um 21:02 Uhr

    Na, da bin ich ja froh, daß in Rußland Courchevel und nicht Ischgl als Verursacher-Ort kursiert.
    Ein Haufen Russen haben sich übrigens am Arlberg angesteckt, der auch eine beliebte Reisedestination für Russen ist, aber – pssst!

    Das Eigenartige ist, daß das schon vor 2 Monaten bekannt war. Also gerade die Ausgangssperre in Moskau war davon beeinflußt, daß jede Menge Leute aus europäischen Wintersportorten nach Moskau mit dem Virus kam.
    Mir ist nicht klar, was da vergeigt worden ist. Es wurden offensichtlich weder die nötigen Tests gemacht noch die weitere Ansteckung verhindert, trotz angeblich streng überwachter Ausgangsbeschränkungen.
    In russischen Medien kursiert die Hypothese, daß die Müllabfuhr als Virenverteiler gewirkt haben könnte.

  81. 81 Wodka 08. Mai 2020 um 5:49 Uhr

    Na ja, wenn die Russen von Regierungsseite her alles richtig machen, wie dort immerzu üblich, dann kanns ja nur an den Dödeln unten liegen. In den ARD-Nachrichten wurden bereits im März andere Virenwege gezeigt:

    https://www.tagesschau.de/ausland/corona-putin-russland-101.html

    „…. trotz angeblich streng überwachter Ausgangsbeschränkungen“ (Nestor)
    Wo hast du das denn her, dass das im März schon so war?

    Wladimir Putin hatte zu Beginn der Virusausbreitung die Bürger einen Monat lang bei laufender Lohnfortzahlung in den Urlaub geschickt. Das war damals nicht mit einer strengen Quarantäne verbunden, sondern viele seien nun in Urlaub gefahren. Dies hätte bei der Eindämmung des Virus mehr geschadet als genützt, weil viele Menschen noch verreist wären.

    Ein weiterer Hauptfehler der Russen scheint gewesen zu sein, anfangs nur einige Grenzen zu China schließen zu wollen. Und da war das Virus augenscheinlich aber schon bereits fett in den russischen Hauptstädten stattdessen bei den Eliten bzw. bei der Mittelschicht unterwegs. Dass die Eliten und die Mittelschichtler das Virus in ihre Datschen mitgenommen haben, und dann dort breit verteilt haben, war übrigens, vom Hotspot Madrid ausgehend, in Spanien sehr ähnlich. Dort sollen angeblich die konservativen Herren des Landes so zu Virenverteilern in Andalusien geworden sein; die Leute von Podemos waren da schon etwas vorsichtiger. Angeblich. (Die haben aber dort wenig zu sagen. Jetzt aktuell noch weniger.)

    Der Rassismus, dass schlecht bezahlte und daher ‚unhygienische‘ Proleten das Virus eingeschleppt bzw. verbreitet hätten, ist nicht nur in der reisefreudigen russischen Mittelschicht verbreitet gewesen. Auch hierzulande gab es die Mär, dass vor allem Harzler nicht genug Desinfektionsmittel benützen würden, und daher müsse man sich im Umgang mit denen fürchten. So fürchteten im Februar und März sich deutsche Skirückkehrer aus ihrem super gestylten Winterurlaub.

  82. 82 Nestor 08. Mai 2020 um 12:51 Uhr

    In Spanien gab es allerdings in vielen Orten Sperren an den Ortseingängen, und zu Ostern wurden für die Zweitwohnbesitzer Prügel angekündigt. Diese Maßnahmen scheinen am Land gewirkt zu haben!
    (Ich bin allerdings neugierig, wie sich dieses gutnachbarschaftliche Verhältnis in der Zukunft weiter gestalten wird. So richtig wohlfühlen werden sich die Leute an ihren Zweitwohnsitzen nicht mehr.)

    Wenn die Leute in Rußland im März aufs Land gefahren sind und angeblich dort den Virus verbreitet haben, warum kommt das erst im Mai heraus? Irgendetwas an der Geschichte paßt nicht. Aber vielleicht fehlt noch irgendeine Zusatzinformation.

    Die Ausgangssperren bezogen sich offenbar darauf, daß man ohne guten Grund nicht zu Fuß unterwegs sein durfte, mit dem Auto aber schon.

    Die Geschichte mit der Müllabfuhr kommt deswegen auf, weil weiterhin offenbar Moskau der Hotspot ist, und nicht das datschenbestückte Umland.

    Man muß die Sache im Auge behalten, aber die bisherigen Erklärungen überzeugen mich nicht.

  83. 83 Neoprene 12. Mai 2020 um 9:34 Uhr
  84. 84 Wolf 12. Mai 2020 um 10:13 Uhr

    „Was wir über das Virus wissen oder nicht wissen – all das eröffnet sicher noch ein weites Feld in der öffentlichen Meinung, nicht zu vergessen Fake News von offizieller und nicht offizieller Seite.“

    Was tun gegen Verschwörungstheorien in der Corona- Krise?
    Demokratie und Wissenschaft

    Nils Marquardt, Redakteur des Schweizer „Philosophie- Magazins“:

    „Denn so richtig es ist, diesen Systemcharakter der Wissenschaft zu betonen, führt dies innerhalb der demokratischen – also der nicht­wissenschaftlichen – Debatte mitunter zu einem Kollateral­schaden. Das notwendige Beharren auf den Wert wissenschaftlicher Institutionen und Verfahren erzeugt bisweilen nämlich den paradoxen Effekt, dass Desinformations­kampagnen geradezu davon profitieren. Und zwar deshalb, weil sie sich selbst die Autorität des wissenschaftlichen Systems zunutze machen.
    Oder anders gesagt: Desinformations­kampagnen versuchen wissenschaftliche Erkenntnisse oft mit wissenschaftlich wirkenden Mitteln zu unterlaufen.
    Und schliesslich streut selbst das obskure Bündnis vom «Demokratischen Widerstand» in einem kürzlich veröffentlichten verschwörungs­theoretischen Pamphlet Zitate von Wissenschaftlern ein und versucht so den Eindruck zu erwecken, ebenfalls die Wissenschaft auf seiner Seite zu haben. (Dass dabei Zitate mitunter sinnentstellend aus dem Zusammen­hang gerissen wurden, kommt hinzu.)“

    Marquardt erkennt, dass Demokratie nichts mit Wissenschaft zu tun hat. Eine demokratische Debatte ist für ihn „nicht- wissenschaftlich“. Natürlich, Mehrheitsentscheidungen beruhen nicht auf der fundierten wissenschaftlichen Meinung einer Mehrheit. Normalerweise ist das auch kein Problem, denn warum sollte die Mehrheit aus Wissenschaftlern bestehen? Nun aber, in Corona- Zeiten mit ihren unangenehmen bis existenzbedrohlichen Einschränkungen des Alltags und der Angst vor Infektion, will jeder wissen, welchem Wissenschaftler er vertrauen kann. Das Angebot ist groß, Wissenschaftler konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Medien und widersprechen einander. Die Entscheidungen jedoch fällen nicht sie, sondern Politiker. Und die verfolgen Staatsinteressen, vor allem die Interessen des nationalen Kapitals. Dabei konkurriert wiederum eine Nation gegen die andere und der Staat legt Wissenschaftsthesen so aus, wie es ihm nützt. Am Ende weiß kaum noch jemand, welcher Kurs in der Katastrophe gefahren werden muss, um die Schäden zu minimieren. Dass in einer solchen Situation weniger demokratische Verfahren als mehr diktatorische effektiv wirken, sieht jeder am Beispiel China. Ja, „autoritär“ wurde dort gegen das Virus gekämpft, mit einigem Erfolg.
    „Von China lernen“, sagen jetzt auch einige bis dato stramme Demokraten. Und müssen bald feststellen, dass im Volk „die Stimmung kippt“, wenn die so liebgewonnenen demokratischen Grundrechte beschnitten werden. Immer mehr Menschen gehen nun zu halb illegalen Demonstrationen ihrer freien Meinung. Beliebt sind heute Verschwörungstheorien, wonach eine neue Weltordnung mit Massen- Impfzwang und Totalüberwachung installiert würde- bis hin zu Behauptungen, die „Diktatur des Kapitals“ entwickle sich bald zu einem globalen Faschismus. Dies, so Marquardt, werde mittels „Desinformationskampagnen“ versucht.
    „Es bleibt das letztlich nicht vollständig aufzulösende Dilemma, dass ein «Hört auf die Wissenschaft!» paradoxer­weise auch den Resonanz­raum für publizistisches Geraune oder gar Desinformations­kampagnen schaffen kann – weil Letztere oft eine (pseudo-)wissenschaftliche Autorität für ihre Belange in Anspruch nehmen.“
    Dass dieses Dilemma dann doch irgendwie aufgelöst werden könne, wird am Ende mit solchen Vorschlägen beschworen:
    „In öffentlichen Debatten käme es nicht einfach nur darauf an, was die Wissenschaft sagt, sondern viel stärker auch darauf, wie und vor allem warum sie es tut. Dabei ginge es nicht um relativistische Denunziation, sondern um Transparenz. Was es dafür braucht:
    Wissenschaftler, die willens und fähig sind, ihre Forschung zu erklären, so wie es Charité-Virologe Christian Drosten in seinem Podcast fast ideal­typisch vorführt;
    einen hochwertigen Wissenschafts­journalismus;
    ein ausreichend grosses und interessiertes Publikum;
    und schliesslich eine Art von latourscher Wissenschafts­kritikerin, die sich, wie Latour selbst, ihrer eigenen ambivalenten Position bewusst ist.
    Für eine demokratische Öffentlichkeit ist das, zugegeben, eine ziemliche Herausforderung. Aber eine lohnenswerte.“
    So endet jede bürgerliche Betrachtung von „Missständen“, die nichts von den Zwecken des Staates wissen will, nichts von Gesetzen des Kapitalismus- und nichts davon, dass Demokratie eine Herrschaftsform ist und keine bloße Regulierung des öffentlichen Lebens. Das zu begreifen, ist für einen Philosophen „eine ziemliche Herausforderung“.
    https://www.republik.ch/2020/05/07/was-wissen-schafft?utm_source=pocket-newtab

  85. 85 Nestor 12. Mai 2020 um 23:44 Uhr

    Die CV-Krise bringt auch in verschiedenen Staaten die Debatte über Föderalismus und Zentralismus wieder aufs Tapet.

    In den USA wollen Bundesstaaten, die stärker betroffen sind, am Lockdown festhalten, und andere ihn öffnen, ohne daß irgendetwas gelöst ist.
    Beispiele Michigan (dem), wo bewaffnete Rowdys ins regionale Parlament eingedrungen sind und ihre Schußwaffen auf Abgeordnete gerichtet haben. Oder Georgia (rep), wo alles wieder geöffnet werden soll, obwohl dort gerade ziemlicher CV-Notstand herrscht.

    Aber auch in Spanien wollen die Tourismusregionen öffnen, komme was wolle, weil wir brauchen das Geld! Gleichzeitig kriegt das Baskenland Vorzugsbehandlung, weil Sánchez die Unterstützung der PDV braucht, ohne daß das gesundheitspolitisch gerechtfertigt wäre.

  86. 86 Leser 13. Mai 2020 um 7:44 Uhr

    Als ‚Erweiterung‘ zu den treffenden Überlegungen von Wolf (siehe gestern hier im Blog):

    Neue Highlights seuchenpolitischer Absurditäten und Gemeinheiten

    Zu Corona Statements einer Ethikerin bei ZDF-Polit-Talk Illner v. 7.5.20

    Eine Quintessenz der staatlichen Seuchenpolitik mit deren ‚Dialektik‘ von Einschnitten im Personenverkehr und Öffnungen des nationalen Lebens war das Festhalten des Zynischen daran, dass um des Wiederauflebens des bürgerlichen Getriebes wegen der Staat mit der virusbedingten Produktion von Opfern im Volk in einem für ihn vertretbaren Rahmen kalkuliert. Damit ist der Auftrag zu durchschlagendem Krisenmanagement als Dauereinrichtung im Zeichen des steten Wiederaufkommens größerer Infektionszahlen im Zuge der sog. Lockerungen in der Welt.

    Dazu passt: Eine A. Buyx vom Deutschen Ethikrat lässt sich herbei, dass mit den bürgerfreundlichen Lockerungen sich ein Restrisiko nicht vermeiden ließe; es gäbe damit der Politik viel zu krisenmanagen, ihr Durchgreifen danach zu dosieren, ob ein flächenbezogener Mehrfachausbruch der Infektion drohe oder Neuausbruch zu lokalisieren sei auf eine bestimmte Einrichtung. Es wird also der (…) Zynismus hoheitlicher Seuchenabwehr geradezu bestätigt, eben so, dass er in Ordnung geht; denn dies als harsche Kritik zu nehmen, steht Ethikexperten mitnichten zu Gesicht.

    http://tages-politik.de/Innenpolitik/Corona_2019-Teil_6-Mai_2020.html

    ---

    Die AutorIn meint, dass ihre gelegentlich ‚umständliche‘ Ausdrucksweise pur sachlich begründet sei. Sachlich ist mir aber unklar, was z.B. denn genau hier aufgespießt sein soll:
    „… geradezu bestätigt, eben so, dass er in Ordnung geht.“
    „… denn dies als harsche Kritik zu nehmen, steht Ethikexperten mitnichten zu Gesicht“
    Professoren der Ethik äußern irgend etwas sachlich oder kommunistisch Erwünschtes bzw. kommunistisch Passendes – nicht?

  87. 87 Nestor 13. Mai 2020 um 13:18 Uhr

    Diese Ethik-Debatten begleiten von Anfang an die ganze Pandemie.

    Das Absurde dabei ist, daß diese Gesichtspunkte eigentlich immer beim Betreiben des ganzen Gesundheitswesens zugegen sind, und jetzt aber gerade bei der CV-Seuche an die große Glocke gehängt werden, wo die Regierung einmal anders vorgegangen ist.
    Ich erinnere an den Verweis, den die CV-Dissidenten gerne machen, auf bisherige Grippewellen mit ihren vielen Toten. Anläßlich derer wurde offenbar kein Handlungsbedarf gesehen.

  88. 88 Leser 13. Mai 2020 um 22:45 Uhr

    Du selber hast hier mehrere Male gegen den gängigen Grippevergleich argumentiert, und darauf richtiger Weise hingewiesen, dass dem Staat auch eine Grippewelle nicht schlicht einfach wurscht sei. Er ist auch bei der Grippe besorgt, dass das Kapitalwachstum deswegen keinen Schaden leiden soll. So startet er eine Grippe-Impfaktion etc.

    Vielmehr macht der Staat nämlich seinen Standpunkt der Volksgesundheit ziemlich generell geltend, hier im Fall Corona zumindestens in den letzten Wochen noch etwas umständlich-beratungsbeflissener, weil die Epidemie anfangs noch mehr als jetzt eine in wichtigen Aspekten neue bzw. rätselhafte Seuche war.
    [Was du selber ja übrigens auch hier permanent auflistest, was schon wieder gerade erst an neuen Erkenntnissen bekannt geworden sei.]

    Den staatlichen Standpunkt der Volksgesundheit nehmen die Staaten angesichts von Corona übrigens ganz frei und graduell auch in unterschiedlicher Weise wahr; man denke an Schweden. Man denke an die USA.

    Inzwischen stehen alle Staaten auf dem Standpunkt, die Seuche habe man – irgendwie – anscheinend weitgehend im Griff, und nun gelte es; auch schon wieder wegen der (Grundlagen der) Volksgesundheit, darauf zu achten, dass der Kapitalismus wieder flutschen muss. Nach und nach. Sich zu infizieren, ist nun das Restrisiko der Freiheit der Bürger dabei, den Kapitalismus am Laufen zu halten.

    Ganz abgetrennt von diesen staatlichen Kalkulationen gibt es a) die moralischen Einstellungen der Staatsbürger darüber, und b) noch mal die philosophisch-ethischen Debatten eine geisteswissenschaftlich-professorale Etage höher.

    Mit deinem Post hast du diese Differenzen völlig ersäuft: In deinem begriffslosen Deuten auf das Grippeargument der Coronaleugner:

    „Ich erinnere an den Verweis, den die CV-Dissidenten gerne machen, auf bisherige Grippewellen mit ihren vielen Toten. Anläßlich derer wurde offenbar kein Handlungsbedarf gesehen.“

    Das ist grundverkehrt. Richtig wäre, wie von dir etliche Male erläutert: sie haben anders gehandelt. Unter dem Eindruck, dass in China eine Millionenstadt eingekesselt wurde und in Bergamo die Toten nachts per Militär aus der Stadt herausgeschafft wurden. Und man damals nicht wusste, wie schnell das Virus sich verbreitet, und wie aggressiv es ist. (Dass man das auch heute nur in Umrissen weiß, beweist du selber, wenn du Tag für Tag die diversen weltweiten Zahlen und Maßnahmen anzweifelst.)

    Und was genau ist daran absurd, wenn der Staat die von ihm erlaubte Infizierung unter „Restrisiko der Freiheit“ abbucht? Das ist genau so, wie der Vergiftung durch giftige Chemikalien dadurch zu begegnen, dass man einen Grenzwert für die Vergiftung festsetzt.
    Das ist nämlich gar nicht absurd. Sondern passend für den Kapitalismus und dessen Kalkulation mit seiner ‚Volksgesundheit‘.

  89. 89 Nestor 14. Mai 2020 um 0:47 Uhr

    Bei den bisherigen Grippewellen habe ich inzwischen festgestellt, daß die Impfaktionen offenbar eine Augenauswischerei sind, also nicht viel helfen.

    Was Grippewellen für eine Opferzahl fordern, ist von Land zu Land sehr unterschiedlich und scheint mir von der Luftverschmutzung abzuhängen. In Österreich haben wir wenig Grippetote, weil es nur eine wirkliche Großstadt gibt, Wien, und dort ist das Smogproblem unbekannt, aufgrund des ständigen Windes.
    Graz, Linz und Innsbruck haben Smog, aber aufgrund ihrer bescheidenen Größe fällt das nicht so sehr ins Gewicht.

    England hatte in den 50-er Jahren große Smogprobleme und hat ja auch was dagegen gemacht, vor allem ein Ende der Kohleheizungen und Umstellung auf andere Energiequellen.
    In Madrid wurden unter der vorigen Bürgermeisterin Verkehrsbeschränkungen eingeführt.

    Aber in der Lombardei und anscheinend auch in Deutschland wurde nix gemacht zur Luftverbesserung und dort gibt es eben dann viele Grippetote.
    Und da wurde offensichtlich kein Handlungsbedarf gesehen.

  90. 90 Nestor 14. Mai 2020 um 0:54 Uhr

    Wieder einmal meine Statistik der der CORONA-Todesrate:

    0,000773570635143 Belgien
    0,000660419075882 Spanien
    0,000516173345765 Italien
    0,000499521716912 UK
    0,00040350484379 Frankreich
    0,000335024951128 Schweden
    0,000321676037414 Holland
    0,000313742619751 Irland
    0,000251146341463 USA
    0,000217343297807 Schweiz
    0,000110849056604 Portugal
    0,000094516730748 Deutschland
    0,000070438632881 Österreich
    0,000042663546701 Norwegen

    0,000135163307853 Ecuador
    0,000069436029937 Peru
    0,000060966596276 Brasilien
    0,000047525706723 Türkei
    0,000015060211433 Rußland

    In Rußland steigen die bestätigten Ansteckungen nach wie vor ziemlich linear an, sie melden aber auch regelmäßig Entlassungszahlen aus den Krankenhäusern.
    Ich glaube nicht, daß die Ansteckungen selber so gestiegen sind sondern daß Rußland erst vor 2 oder 3 Wochen die Testkapazitäten sie in die Höhe gefahren hat, sodaß mehr Ansteckungen entdeckt worden sind.
    Vorher wurden dafür erst einmal die Bedingungen geschaffen, also Testräumlichkeiten und Labore eingerichtet, Testkits erzeugt usw.

  91. 91 Leser 14. Mai 2020 um 7:51 Uhr

    A) „Bei den bisherigen Grippewellen habe ich inzwischen festgestellt, daß die Impfaktionen offenbar eine Augenauswischerei sind, also nicht viel helfen.“
    Mag ja sein. Impfen regt das Immunsystem dazu an, Antikörper zu bilden, dann kann die Immunabwehr das entsprechende Virus später vernichten, falls die per Impfung gebildeten Antikörper auf die jeweilige Variante des Virus, das sich ggf. mutiert hat, noch passgenau ist. Letztlich ist es Aufgabe der Immunabwehr selbst, das Virus zu vernichten.

    B) Ist mir gar nicht klar geworden, ob du damit die Aussage meines Posts bestreiten willst, dass der Staat nicht etwas nicht macht, sondern darin zu bestimmen ist, was er macht. Er fördert das Kapitalwachstum und sorgt deswegen mit allerlei Ma0nahmen auch für das Kapitalwachstum. Und so ist ihm die kapitalistische Volksgesundheit ein Anliegen. Dafür richtet er dann auch sein kapitalistisches Gesundheitswesen ein, erlässt Grenzwerte für Vergiftung, legt allen Unternehmern Maßstäbe von Arbeitsschutz auf, misst die Feinstaubbelastung etcpp.

  92. 92 Leser 14. Mai 2020 um 10:58 Uhr

    Aus ‚tagespolitik.de‘

    Wegen sich häufender Infektionszahlen in Schlachthöfen fordern die Gewerkschaften schärfere Kontrollen und bessere Arbeitsbedingungen. Die Branche falle oft mit schlechten Arbeitsbedingungen auf. Gerade jetzt komme es auf verstärkten Arbeitsschutz an.

    Wohl wissend, dass die Beschaffenheit von Arbeitsbedingungen für kapitalistisch wirtschaftende Unternehmen eine Frage der Kost für den Profit ist, deshalb gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Werkeln für den Profit nicht ausbleiben, daraus allerdings keine Kritik wird, wie schäbige Arbeitsverhältnisse und Gewinnwirtschaft zusammengehören, verfolgen Gewerkschaften schon immer die Linie: den Staat als politischer Vorsteher der Gewinnmacherei als die richtige Adresse an[zu…]gehen, gegen das unternehmerische Kostenkalkül Auflagen zu erlassen – wiewohl die von allerlei Rücksicht auf die Kapitalrechnungen künden, denen von Staats wegen nicht in die Quere zu kommen. – In einer Pandemie, wo im Zuge eines gesundheitspolitischen Notstands besondere Vorkehrungen zu deren Einhegung getroffen werden, entdecken Gewerkschaften dies als einzige Gelegenheit, den Staat endlich einmal was abzutrotzen, was der sonst nicht auf der Agenda hat, gleich in einem generelleren Sinn eigentlich schon ewig anstehende gesundheitspolitische Schutzbedürfnisse einzufordern – und bemerken nicht, dass wegen Corona gar nicht die sonst üblichen kapitalverträglichen Rücksichtnahmen außer Kraft gesetzt sind:
    was dem Staat da einleuchten würde an neuen Vorgaben fürs Schlachterhandwerk, gehorcht allenfalls dem, was wegen dem Management der Epidemie geboten erscheint und nicht weil der jetzt sein Herz für geschundene lohnarbeitende Schlachter entdeckt.

    http://tages-politik.de/Innenpolitik/Corona_2019-Teil_6-Mai_2020.html

    ---

    [Anmerkung: Die beschissene Satzkonstruiererei dient … ???? der Sache????]

    ---

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1136676.empoerung-ueber-fleischbranche-waechst.html

    Formen von moderner Lohnsklaverei – gibt es natürlich aber nur andernorts …
    https://www.heise.de/tp/features/Moderne-Sklaverei-4713216.html

  93. 93 Nestor 14. Mai 2020 um 11:47 Uhr

    @Leser

    Ist mir gar nicht klar geworden, ob du damit die Aussage meines Posts bestreiten willst, dass der Staat nicht etwas nicht macht, sondern darin zu bestimmen ist, was er macht.

    Daß die Volksgesundheit betreuen etwas anderes ist als zu schauen, daß alle möglichst gesund bleiben, wollte ich nicht bestreiten, das ist allerdings hier auf diesem Blog common sense.
    Siehe: http://nestormachno.blogsport.de/2020/04/08/ueberlegungen-zum-coronavirus-6-italiens-gesundheitswesen/

    Worauf ich in meinem Post hinaus wollte ist, daß andere Grippetote offenbar in bestimmten Staaten seit Jahren in Kauf genommen werden, weil sonst wären dort andere Maßnahmen fällig gewesen, siehe GB und China:
    http://nestormachno.blogsport.de/2020/04/14/ueberlegungen-zum-coronavirus-7-smog/

    Vielleicht hängt die Klima-Kampagne gegen Kohle damit zusammen, und diese Tagbau-Förderung in Norddeutschland, die jetzt vielleicht doch nicht eröffnet wird.
    Aber man sollte auch den Kapitalismus und die damit verbundenen staatlichen Maßnahmen nicht immer mit Deutschland gleichsetzen, das ist eine Art Nabelschau. In Italien wurde gar nichts gemacht, von anderen europäischen Ländern habe ich keine Informationen. In Indien und anderen Staaten der südlichen Hemisphäre ist Umweltverschmutzung sowieso kein Thema, die haben dort andere Sorgen.

  94. 94 Nestor 14. Mai 2020 um 12:25 Uhr

    Unsicher bin ich mir, was man sich zu so Artikeln wie dem über die „moderne Sklaverei“ denken soll.

    Erstens ist der Begriff „Sklaverei“ für die Illegalen falsch, weil die sind kein formelles Eigentum ihrer Anwender und wurden auch nicht auf einem Sklavenmarkt gekauft. (Bei Prostituierten ist das schon ein wenig anders, die werden wirklich gehandelt, aber die meisten dieser Erntearbeiter haben ihren Anwendern keine Anschaffungskosten verursacht.)

    Begriffe wie „Ausbeutung“ und „Sklaverei“ werden heute zum Anprangern von Zuständen verwendet, die zwar in der Tat unschön sind, aber leider sehr verbreitet.
    Sie werden meistens als vermeintlicher Widerspruch zur Demokratie aufgefaßt, in dem inzwischen auch sehr gebräuchlichen kritischen Gestus, der die Demokratie gegen Neoliberalismus, Kapitalismus oder was auch immer retten möchte und nicht zur Kenntnis nehmen will, daß das eben die Herrschaftsform des Kapitals ist.

    Diese Art von Artikeln verharrt deshalb gerne im Deskriptivem, die unerfreulichen Arbeits- und Lebensbedingungen werden sehr detailliert ausgemalt, weil die Sichtweise unterstellt ist, daß das in einem Widerspruch zu den schönen Idealen unserer Gesellschaft steht.

    Mir ist auch nicht klar, was die Autoren solcher „kritischer“ Beiträge erreichen wollen?
    Huch, Hach, Schrecklich! – soll der Leser sich da einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen, daß er es besser getroffen hat? Moderne Gruselstories, ganz aus dem Leben gegriffen?
    Oder soll er eine Unterschriftenkampagne anzetteln für die Durchsetzung des Arbeitsrechts in – ja wo eigentlich? Die „Mißstände“ sind ja weltweit.
    Diese Gruselstories kommen nämlich ganz ohne einen Hinweis auf den Charakter von Geld, Ware, Eigentum, Profit usw. aus.

  95. 95 Nestor 14. Mai 2020 um 14:54 Uhr

    Die Corona-Kurve beruhigt sich nicht wirklich in Rumänien

    Allein von Sonntag auf Montag gab es 231 Neuinfizierte in Rumänien. Die meisten von ihnen leben in der nordöstlich gelegenen Stadt Suceava. Und noch immer verbreitet die Krankheit viel Angst. Ein 76-jähriger Mann, der positiv auf Covid-19 getestet wurde, hat sich in der Toilette eines Krankenhauses erhängt. Neue Pandemie-Ausbrüche wurden in einem Behindertenheim und in einem Altersheim gemeldet.

    https://www.derstandard.at/story/2000117429381/die-corona-kurve-beruhigt-sich-nicht-wirklich-in-rumaenien

    Dagegen ein Leser-Kommentar im Standard-Forum:

    „Seltsam – ich arbeite in Rumänien und bin auch nicht nach Österreich geflohen als die Maßnahmen gesetzt wurden, aber irgendwie spiegelt dieser Bericht nicht das von mir Wahrgenommene. Das „Bundesland“ und die Stadt Suceava sind ein Spezialfall. Wurden vom Militär abgeriegelt (Anfang April soweit ich mich erinnern kann). Dort ging das mit SARS Cov 2 von einem Krankenhaus aus – das Militär übernahm dann die Kontrolle. Es gibt seit Wochen jeden Tag um die 300 Neuinfektionen – konstant. Der Bausektor boomt – der Staat selbst sagt die Bauwirtschaft ist der Motor der Wirtschaft. Und das rumänische Verfassungsgericht hat entschieden, dass die Geldbußen wegen Nichteinhaltung des Ausnahmezustands verfassungswidrig sind….bin ich in einer Blase?“

  96. 96 Neoprene 14. Mai 2020 um 21:04 Uhr

    Neuer Artikel von Tomas Pueyo: Wie man die Wiederverbreitung des Coronavirus am effektivsten verhindert. (Trotz einer durch und durch kapitalistischen Brille recht lehrreiche Übersicht über die Chancen und Risiken der unterschiedlichen möglichen Eindämmungs- bzw. Wiederöffnungsstrategien):
    https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-prevent-seeding-and-spreading-e84ed405e37d

  97. 97 Nestor 14. Mai 2020 um 21:57 Uhr

    Derzeit sind bei uns alle auf der Linie: In ein paar Wochen ist alles vorbei!
    Zumindest in Österreich sollen alle möglichen Festspiele und sonstwas unbedingt stattfinden – der ganze Kulturtourismus und Veranstaltungs-Events machen angeblich 14 % des BIP aus.

    Ob dann wirklich alle Vorsicht über Bord geworfen wird oder, im Gegenteil, alle PCR-Tests am Wiener Flughafen machen müssen (Ankommende) oder können (Ausreisende), was auf anderen Flughäfen sein wird (Tests oder keine Flüge) und wie das auf den Landesgrenzen ausschauen wird, werden wir sehen.

  98. 98 NN 15. Mai 2020 um 11:51 Uhr

    Zusätzliche »Quarantäne-App« geplant
    Bundesregierung will Gesundheitsämter durch zweite Softwarelösung für Mobilgeräte entlasten

    Die Bundesregierung plant offenbar, auch die Einhaltung von häuslicher Quarantäne per App kontrollieren zu lassen. Damit sollen die Behörden während der Coronapandemie weiter entlastet und diese Aufgabe den Betroffenen übertragen werden. Dazu werde aktuell eine technische Lösung entwickelt, die eine individuelle, »freiwillige digitale Meldung« an das zuständige Gesundheitsamt erlaube, wie das Handelsblatt am Donnerstag online berichtete. In der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle war demnach die Rede von einer »Webapplikation zur Entlastung des öffentlichen Gesundheitsdienstes bei dem Prozess des Symptom-Checks in häuslicher Quarantäne befindlicher Personen«.

    Sogenannte Coronakontaktpersonen seien »angehalten, während der häuslichen Quarantäne ihren Gesundheitszustand zu überwachen und dem Gesundheitsamt täglich Informationen zum Gesundheitszustand zu übermitteln«. Bislang würde die Quarantänekontrolle häufig telefonisch erfolgen, so dem Bericht zufolge das Ministerium in seiner Antwort. Damit sei ein »erheblicher« personeller Aufwand verbunden. Entsprechend soll die als »Symptomtagebuch« angelegte Quarantäne-App Abhilfe schaffen.

    Derweil nimmt die zur Nachverfolgung von Infektionswegen geplante »Tracing«- oder Kontakt-App (siehe jW vom 29. April) weiter Form an. Am Mittwoch veröffentlichten die von der Bundesregierung mit der Entwicklung beauftragten IT-Konzerne SAP und Deutsche Telekom auf der Onlineplattform »Github« ein erstes Konzept. Aus den dort zu Verfügung gestellten Projektdateien geht hervor, dass Nutzer sowohl die eigentlichen Testergebnisse wie auch lediglich Benachrichtigungen über ein vorliegendes Ergebnis empfangen können sollen.

    Damit wäre jedoch eine über den ursprünglichen Zweck der App hinausgehende Funktion vorgesehen. Datenschützer und Wissenschaftler raten von einer solchen Erweiterung des Anwendungsbereichs ausdrücklich ab. Auch müsse der Einsatz von »Corona-Tracing«-Apps zeitlich begrenzt werden, wie zuletzt auch der EU-Kommissar für Justiz und Verbraucherschutz, Didier Reynders, betonte.

    Die Software dürfe nur während der Gesundheitskrise verwendet und müsse danach komplett deaktiviert werden, sagte Reynders am Donnerstag im Europaparlament in Brüssel. Die in den jeweiligen Mitgliedstaaten entwickelten Anwendungen könnten ihm zufolge die Eindämmung der Viruspandemie lediglich unterstützen. Grundlegende Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und Händewaschen müssten weiterhin eingehalten werden.

    Aus den auf Github hochgeladenen Dokumenten wird auch ersichtlich, wie die Rollen zwischen SAP und Telekom verteilt sind. Danach kümmert sich Europas größter Softwarekonzern um die Entwicklung des eigentlichen Programms. Die Telekom stellt Netzwerk und Mobiltechnologie zur Verfügung und soll zudem für einen sicheren und stabilen Betrieb sorgen. Die App für Mobilgeräte soll Mitte Juni allgemein verfügbar werden.

    Im Vergleich zur Bundesrepublik sind andere EU-Staaten mit ihrer »Corona-Tracing-App« schon weiter. So kündigte Frankreichs Staatssekretär für Digitales, Cédric O, am Dienstag im TV-Sender BFM Business für kommende Woche einen Test »unter realen Bedingungen« an. Die französische Lösung soll demnach ab dem 2. Juni einsatzbereit sein und nicht auf die überarbeiteten Bluetooth-Schnittstellen von Apple und Google zugreifen.

    Somit verfolgt Frankreich auch einen dezentralen Ansatz, der allerdings von dem der Bundesregierung abweicht. Die unterschiedlichen Herangehensweisen der EU-Staaten bei der Speicherung von Coronakontaktdaten – zentralisiert oder dezentralisiert – müssten alle den höchsten Datenschutz garantieren, betonte Justizkommissar Reynders am Donnerstag. Wichtig sei auch, dass die Kontakt-Apps der einzelnen Länder aufeinander abgestimmt funktionierten. (dpa/jW)

  99. 99 Nestor 15. Mai 2020 um 16:17 Uhr

    How Much Testing Does the U.S. Need to Reopen?

    On a Saturday morning in mid-April, Maryland’s governor, Larry Hogan, and his wife, Yumi, watched the landing of Korean Air Flight 9093 at Baltimore’s Thurgood Marshall Airport, more commonly known as B.W.I. The pale-blue Boeing 777 would be the first Korean Air passenger plane to fly directly from Seoul to Baltimore, but that minor distinction was not why Hogan had come to greet it. What mattered was the plane’s cargo: five air-freight containers, each packed with dry ice, that held five thousand COVID-19 diagnostic-test kits, enough to analyze half a million specimens.

    The arrival of the test kits, which cost about nine and a half million dollars, or nineteen dollars per test, marked the end of a secretive procurement process that Maryland state officials had dubbed Operation Enduring Friendship. The effort began on March 28th, when Yumi Hogan, who had immigrated from South Korea while in her twenties, joined her husband on a call to the Korean Ambassador. “We made a personal plea in Korean asking for their assistance,” the Governor would say later. “That call set in motion twenty-two straight days of vetting, testing, negotiations, and protocols between our scientists and doctors, eight Maryland state-government agencies, and our counterparts in Korea.” Not long before the negotiations began, a shipment of N95 masks that the state of Massachusetts had ordered from BJ’s Wholesale Club was confiscated by federal authorities at the Port of New York. Maryland state officials decided to keep the shipment of test kits secret from the federal government until the last minute, and chartered the flight to land at B.W.I. instead of Dulles, Korean Air’s usual destination. “We landed it there with a large contingent of Maryland National Guard and Maryland State Police, because this was an enormously valuable payload,” Hogan told the Washington Post. “It was like Fort Knox to us.”

    The New Yorker, 14.5.

    Angesichts dessen und der Preise für diese Test-Kits ist klar, warum wenig getestet wird. Die Auswertung von dem Zeug kostet ja auch noch einmal einen Haufen.
    Auch die USA müssen das offenbar alles importieren, und Korea macht ein gutes Geschäft.

    Die Berichterstattung des New Yorker zum Coronavirus ist für alle zugänglich:
    https://www.newyorker.com/tag/coronavirus

  100. 100 Nestor 15. Mai 2020 um 23:28 Uhr

    Schon interessant, daß so ein hetzerischer und eigentlich auch sehr niveauloser Artikel gegen Bill Gates in der Süddeutschen erscheinen kann:
    https://www.sueddeutsche.de/kultur/unsaubere-geschaefte-der-gates-stiftung-kinder-verseucht-aber-gegen-masern-geimpft-1.96035?fbclid=IwAR02LXxetGCLBVAXaR_F-nomyNEkHElEL5kTjJfu0kiODZGPmuKuHADWLZQ

  101. 101 Kurti 16. Mai 2020 um 14:10 Uhr

    Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Corona-Leugnern. Pandemie IX (GSP, Mai 2020):

    Von der Pandemie zum Pandämonium des Bösen.
    Die Bürger und ihre ultimative Wahrheitsfrage – wer ist schuld an der ganzen Misere?!

    1. Vom breiten Spektrum des Wissens in einer demokratischen Wissensgesellschaft

    Besorgt registriert man in der Republik sich häufende Zusammenrottungen rechtschaffener Bürger zu „Hygiene-Demonstrationen“, auf denen sie gegen obrigkeitliche Bevormundung, Entmündigung und Schlimmeres protestieren: Allen volksaufklärerischen Bemühungen von Medizinern, Ministern und Moderatoren zum Trotz, die ihr Bestes geben zur Klarstellung der aktuellen Gefährdungslage, fasst sich für sie alles, womit der Staat gegen die Durchseuchung seines Volkes Vorkehrungen zu treffen sucht, in Varianten von Freiheitsberaubung zusammen. Wie sie auf so etwas verfallen können, ist aufgeklärten Zeitgenossen ein Rätsel, das sie im höflichsten Fall mit Kopfschütteln quittieren. Gleiches gilt im Fall der Allianz von Linksintellektuellen, Künstlern, Rechtsanwälten, AfD-Anhängern, Reichsbürgern und Pädagogen, die sich unter der Parole „Widerstand 2020“ versammeln. Die Herrschaften warnen vor einer Machtergreifung des Robert-Koch-Instituts in Deutschland, halten Corona für eine Erfindung von Bill Gates, Impfung grundsätzlich für Körperverletzung – und erfreuen sich mit all dem eines regen Zuspruchs von Leuten, die bislang noch nicht mit abweichenden Meinungen auffällig geworden sind. „Wie kann man nur so einen Blödsinn glauben?!“, fragen sich besonnene Kommentatoren angesichts dieser Manifestationen bürgerlichen Unmuts über die Einschränkung gewohnter Freiheiten und greifen sich demonstrativ ans Hirn über die in den sozialen Medien zirkulierenden „Theorien“, die aufdecken, welche Pläne die Obrigkeiten mit ihren Übergriffen auf die Freiheit der Bürger insgeheim verfolgen und welche finsteren Mächte in letzter Instanz hinter ihnen stehen und die Fäden ziehen, an denen unser Schicksal in Zukunft hängt. Die Absonderlichkeit dieser Auffassungen spricht für die schlauen Köpfe der Feuilletons für sich, nämlich in der Hauptsache dafür, dass es da offenbar bei nicht wenigen an dem Vermögen zum Durchblick fehlt, über das man selbst verfügt. Das eigene elitäre Selbstbewusstsein stellt man sogleich ein weiteres Mal unter Beweis, fordert zusätzlich zur Reduktion der Infektionsziffern eine „Abflachung der Kurve von Unvernunft und Dummheit“ und trauert einem „glücklichen epistemologischen Moment“ nach, der in Anbetracht des um sich greifenden Unsinns im Begriff sei zu verschwinden …

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/wer-ist-schuld-an-corona

  102. 102 Nestor 16. Mai 2020 um 14:35 Uhr

    Der von Kurti gepostete Beitrag lässt sich zusammenfassen unter: Die Coronavirus-Ungläubigen sind genausolche Idioten wie ihre Kritiker.
    Wer sich die Auswalzung dieses Gedankens zu Gemüte führen will, möge dem Link folgen.
    Es gibt allerdings aufklärerischere Texte auf der Welt.

  103. 103 Kurti 16. Mai 2020 um 14:49 Uhr

    Unter aufklärerischere Texte zählen offensichtlich bei dir solche mit der message von allerlei Widersprüchen allenthalben, z.B. seien in der Corona-Ktise „Strukturen der bürgerlichen Herrschaft von Weltbank, NATO bis zur Europäischen Union (…) durch innere Widersprüche in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt“, was hier seitenlang aus der jw kopiert und ungekürzt von NN nahezu tagtäglich als Ritual breit getreten wird …

  104. 104 NN 16. Mai 2020 um 15:56 Uhr

    @Kurti

    Warum die Artikel aus der jungen Welt und German-Foreign-Policy – und zwar ungekürzt?

    1. Die beiden Medien sind m.E. repräsentativ für eine bestimmte, traditionssozialistische Strömung der hiesigen Linken.

    2. Die Artikel sind nach kurzer Zeit – anders als die GS-Texte – online nur mehr für Abonnenten verfügbar.

    Sollte Nestor mit diesen Postings nicht mehr einverstanden sein, werde ich das Verfahren sofort einstellen.

  105. 105 Nestor 16. Mai 2020 um 17:14 Uhr

    Ich bin geehrt, daß so ein Griß hier ist um das Posten.

    Gerade die German Foreign Policy-Artikel schätze ich sehr, und übrigens sind alle Dinge, die NN postet, weitaus angenehmer lesbar und walzen nicht einige dürftige Gedanken in Endlossätzen aus.

    Ich weiß nicht, was dich so stört, Kurti.
    Ich lasse den Anfang und den Link ja stehen, wer auf diese luziden Ergüsse neugierig ist, kann sie sich zu Gemüte führen.

  106. 106 Petra 18. Mai 2020 um 11:26 Uhr
  107. 107 Kurti 18. Mai 2020 um 13:06 Uhr

    Pandemie X: Die „Öffnungsdiskussionsorgie“

    Geschäft, Leben, Freiheit, Würde – schweres Geschütz gegen seuchenpolitische Vorsicht

    Eins kann man der Merkel-Regierung nicht vorwerfen: Sie würde ihren Shutdown und ihre Vorsicht bei seiner Lockerung nicht rechtfertigen. Damit eröffnet die Regierung selbst – wie das bei Rechtfertigungen nun einmal so ist – die Diskussion über die Berechtigung der Fortdauer ihrer seuchenmedizinisch begründeten Einschränkungen. Die Regierung kriegt die Debatte, die sie lieber vermieden hätte; und zwar exakt an ihren Vorgaben entlang…

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/oeffnungsdiskussionsorgie

  108. 108 Nestor 19. Mai 2020 um 21:48 Uhr

    @Petra

    Bei den Demos vereinen sich so viele unterschiedliche Unzufriedene, daß sich das nicht in einem Weltbild darstellen ließe.
    Ich muß da passen. :-)

  109. 109 Kurti 20. Mai 2020 um 7:49 Uhr

    Was Grundrechte sind, und was bürgerliche Freiheit beinhaltet, das allerdings erläutert

    https://www.heise.de/tp/features/Von-der-Erlaubnis-zu-duerfen-4723563.html

  110. 110 Nestor 20. Mai 2020 um 12:42 Uhr

    So, wieder einmal die Todesraten nach meiner regelmäßigen Liste:

    0,000800426474224 Belgien
    0,000589761495848 Spanien
    0,000533812780811 Italien
    0,000531959169451 UK
    0,000417595868225 Frankreich
    0,000362427280946 Schweden
    0,000330524731000 Holland
    0,000327812737236 Irland
    0,000285237804878 USA
    0,000219784051419 Schweiz
    0,000117641509434 Portugal
    0,000096705564569 Deutschland
    0,000071454574701 Österreich
    0,000043408761490 Norwegen

    0,000164408153811 Ecuador
    0,000093285657554 Peru
    0,000086307352659 Brasilien
    0,000050496063394 Türkei
    0,000020563683500 Rußland

    20.5.
    ________________

    Belgien führt weiter und in Europa und außerhalb hat sich die Reihenfolge der ausgewählten Staaten nicht geändert.

    Das UK schickt sich an, an neu hinzugekommenen Todesfällen Italien zu überholen. Man kann auch aufgrund der der Entwicklung seit voriger Woche erkennen, daß die Sache in den meisten angeführten Staaten keineswegs durchgestanden ist.
    Das sollte man im Auge behalten angesichts der Grenzöffnungen, die bald überall anstehen.

    Die höchste Zuwachsrate haben die USA (0,000034091463415),
    in Europa gefolgt vom UK (0,000032437452539).
    Schweden (0,000027402329818) überholt an Zuwachsrate Belgien (0,000026855839081). Ebenso Spanien, das nicht so besonders toll dasteht, obwohl mir dort einige Zahlen sowieso spanisch vorkommen.

    Auch die 3 südamerikanischen Staaten und die Türkei haben höhere Zuwachsraten als die meisten europäischen Staaten.

  111. 111 Nestor 20. Mai 2020 um 22:06 Uhr

    Schwedens Todesrate bereitet Nachbarn Sorgen
    Dänemark, Norwegen und Finnland wollen die Grenzen öffnen. Ob die Lockerungen auch für Schweden gelten, ist wegen der hohen Todesrate noch unklar
    https://www.derstandard.at/story/2000117598620/schwedens-todesrate-bereitet-nachbarn-sorgen

  112. 112 Petra 20. Mai 2020 um 23:05 Uhr

    „Faktencheck“ der Pandemie durch die Süddeutsche Zeitung

    https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/corona-faktencheck-e401112/

    Dieser Faktencheck analysiert u.a. z.B. auch die folgende

    „Behauotung 7:
    Ein fittes Immunsystem ist ein Garant gegen Covid-19″

  113. 113 Wolf 21. Mai 2020 um 7:12 Uhr

    @Petra: Ken Jebsen hat gar kein bestimmtes „Weltbild“, was er hat, ist vor allem ein recht erfolgreiches Geschäftsmodell. Man bekommt nicht auf YT für ein Video satte 3 Millionen Klicks, wenn da eine klare Theorie vertreten wird. Das geht nur mit der Bedienung eines Publikum-Geschmacks, den man studiert haben muss. Ungefähr so: „Die da oben verarschen Euch alle, denn sie sind machtgeil und gierig. (Applaus) Wir leben in keiner Demokratie, nirgends wird der Bürger gefragt, dafür werden alle ausspioniert, verängstigt, unterdrückt, schikaniert usw.- das ist schon eine Diktatur. Konzerne kaufen Regierungen, es ist eine Diktatur des Kapitals, gesteuert von einigen wenigen Psychopathen, welche eine neue Weltordnung errichten wollen.“ (Lang anhaltende Ovationen für den „Mut“ zu solchen Behauptungen, begleitet von Rufen wie „Wir sind das Volk“)

    Interessant bei Jebsen ist, was sein ehemaliger Mitstreiter Pedram Shahyar sagte. Jebsen sei „traumatisiert“ durch seinen Rausschmiss beim RBB, deshalb wolle er es dauernd dem mainstream so richtig zeigen. Ein anderes Trauma bestünde darin, wie er von vielen Linken behandelt worden sei, mit Antisemitismus- Vorwürfen etwa. Das hätte zu einem großen Hass bei Jebsen geführt, er wolle sich für die Schmach rächen. Für ihn gibt es ja „kein links oder rechts“. Aber jede Menge Hassobjekte, „Schuldige“ eben.

    „Hass ist ein starker Motor für mein Schreiben“- der Satz stammt von Joseph Hader. Fragt sich nur, ob man das Richtige hasst. „Wer Menschen lieben will, muss hassen, was sie unterdrückt“ (Sartre)- so meint das Jebsen sicher nicht. Auch wenn er humanistisch flötet „Meine Zielgruppe ist der Mensch“.

  114. 114 Nestor 21. Mai 2020 um 9:10 Uhr

    @Wolf

    Ich kenne ja den Jebsen kaum, weil ich mich mit YouTube-Videos praktisch nicht befasse.
    Aber du sagst eigentlich: Er erzählt das, was die Leute hören wollen.
    Das muß natürlich auch seine Überzeugung sein.
    Aber was mir aus euren Posts so entnehme, so perfektioniert er eigentlich das System der Suche nach Schuldigen. Er geht in alle Richtungen auf die Suche nach Leuten, die sich danebenbenehmen, einen belügen und linke Dinge drehen. Und bietet damit immer neue Projektionsobjekte für die Enttäuschten und Verarschten.
    Damit leistet er eigentlich wichtige Arbeit zur Aufrechterhaltung des Systems, weil das ist damit entschuldigt, und so ist es auch konsequent, daß die Leute aus seinem Umfeld für Verfassung, Freiheit und Grundrechte demonstrieren, gegen diejenigen, die sie mit Füßen treten oder zumindest mißbrauchen.

    @Petra

    Die Bemühung der Süddeutschen in Ehren, aber genau der Punkt mit dem Immunsystem schwindelt sich um die konkrete Analyse dessen herum, wie eigentlich die Gesundheit der Bevölkerung und das Immunsystem überhaupt beinander ist, und was die ganzen Ermahnungen in Sachen „gesund leben“ eigentlich für ein Schmarrn sind angesichts der Arbeits- und Umwelt, mit und der viele Leute existieren müssen.

  115. 115 Antony 21. Mai 2020 um 13:34 Uhr

    Für sein gedachtes ideelles Gemeinwesen malt er sich anscheinend nahezu die komplettte kapitalistische Klassengesellschaft aus – aber ohne die herrschenden Eliten bzw. deren Oberhäupter in Medien und Politikelite.
    Der ausschließende Nationalismus betrifft bei solchen „Queerfront-Aktivisten“ anscheinend weniger „die Ausländer generell“. Und auch nicht sexuelle Minderheiten wie Schwule und Lesben oder Leute mit falscher Haarlänge o.ä. etc. Sondern „die da oben“.

    „Die da oben verarschen Euch alle, denn sie sind machtgeil und gierig. (Applaus) Wir leben in keiner Demokratie, nirgends wird der Bürger gefragt, dafür werden alle ausspioniert, verängstigt, unterdrückt, schikaniert usw.- das ist schon eine Diktatur. Konzerne kaufen Regierungen, es ist eine Diktatur des Kapitals, gesteuert von einigen wenigen Psychopathen, welche eine neue Weltordnung errichten wollen.“

    Das ist obendrein ein Geschäftsmodell, pro Klick kann man so Geld verdienen. Dass das so ist, scheint mir aber nicht die Grundlage dieses Personenkultes zu sein, sondern seine Fans teilen seine Meinungen inhaltlich. (So wie auch Rechtsrock nur deswegen als Geschäftsmodell taugt, weil die Fans diese Deutschland-Brüllerei inhaltlich teilen.)

  116. 116 Leser 24. Mai 2020 um 9:18 Uhr

    Von der Webseite „tages-politik.de“, 24. Mai 2020

    Zu den absurden Protesten bürgerlicher Untertanen gegen den ‚Freiheitsentzug‘ in Corona-Zeiten

    Es schon auffallend: Kaum verhängt die demokratische Obrigkeit neulich ein Herunterfahren des nationalen Lebens, stehen die bürgerlichen Untertanen stramm, gehorchen auf Knopfdruck den Verfügungen zur Einschränkung des Personen- und Geschäftsverkehrs – und dies mindestens 2 Monate lang.

    Kaum wird vom Staat selbst das Thema ‚Lockerungen‘ aufgebracht, mit einfühlsamen Bebilderungen, wie wenig einem bürgerliches Gemüt der Lock down noch zumutbar wäre, u.a. nicht die Oma im Heim oder sonstwo besuchen zu dürfen…, kommt als Echo von unten*): jetzt werde es Zeit für die Rückkehr zum vollen Genuss der kapitalistischen Grundrechte – wobei schon mal unterschlagen wird, dass die wegen behelfsmäßiger Vorkehrungen gegen das Breitmachen eines Virus (zeitweise) ausgesetzt wurden. Wo die Herrschenden ausdrücklich bestätigen, dass die Wahrnehmung von Grundrechten prinzipiell gebilligt ist, wenn auch heutzutage und bis auf Weiteres unter Hygiene-Vorschriften wegen nach wie aktivem Corona-Virus, bemerken die Untergebenen dieses Staates natürlich nicht, dass der Ertrag von Meinungs-/Demonstrationsrechten in normalen demokratischen Zeiten bei der Herrschaft liegt: es sind Instrumente für die Herstellung des Einvernehmens mit der Obrigkeit bei fortwährenden Gegensätzen zwischen Arbeitsvolk und Staat wie Kapital. Angesichts dessen, dass damit die verordneten Notwendigkeiten von demokratischem Regieren und kapitalistischer Wirtschafterei ihren ungestörten Gang gehen, lassen sich Protestierer auf die Absurdität ein, sich grundrechtsmäßig (endlich wieder) austoben zu dürfen, also all die Erlaubnisse samt daran geknüpften Verpflichtungen einzufordern, die nichts als produktive Werkzeuge für die bürgerliche Regentschaft sind, gegen alle konzedierte Unzufriedenheit all den für Untertanen wenig bekömmlichen Herrschaftszwecken uneingeschränkte Gültigkeit zu verschaffen bzw. von den Bürgern bestätigt zu erhalten.

    Fall es wieder zu abstrakt und verkompliziert ankommt: Meinungs- und Demonstrationsfreiheit stellt darauf ab, dass die Herrschaft mit der Erzwingung von für diese und ihrem nationalen Kapital nützlichen Leistungen/Diensten, also auf Kosten der Untertanen, beständig Gründe für Unzufriedenheit schafft, die allenfalls so gelebt werden darf, dass der kapitalistische Gang der Dinge unangefochten am Laufen gehalten wird, der den Leuten gerade systematisch ihre materiellen Niederlagen beibringt. Zeigen auf öffentlichen Plätzen darf man seinen Protest; er ist auf praktische Wirkungslosigkeit festgelegt bzw. auf seine Übersetzung in staats- und kapitalnützliche Beiträge: Anträge an die Politik sind gestattet, eben so, dass nichts mehr übrig bleibt von den einstigen Verlangen; bei Wahlen wird dies explizit in Perfektion gemacht: partikulare Verlangen haben zurückzustehen hinter dem herrschaftlich Nötigem; Ratschläge, doch in Parteien gleich einzutreten, damit hat man sich die Belehrung zu eigen zu machen, sich jedes Sonderinteresse abzuschminken und sich zum Vertreter ausschließlich des Gemein- =Staatswohls ‚umzuerziehen‘.

    ____________________

    *)Es geht hier nicht um die extremen Ausfransungen des bürgerlichen Bewusstseins: Verschwörungstheoretiker machen sich nicht einfach verkehrte Reime auf die bürgerliche Herrschaft und deren Machenschaften, sondern trennen sich gleich ganz von jedem Realitätsbezug, behaupten regelrecht Spleeniges über die Herkunft z.B. des Virus und erfundene Absichten bzgl. seines Wirkens seitens höherer, dunkler Mächte oder auch irdischer Vertreter. – Auch die rechtspopulistische „Kaperung“ ‚berechtigter‘ Distanz normaler Bürger zu den Corona-Auflagen wird hier nicht weiter aufgegriffen – letztere aber schon, wo die politisch Verantwortlichen in Absetzung davon zugleich berichten, dass der Großteil der Bürger mit dem staatlichen Pandemie-Krisenmanagement einverstanden sei; es bleibt ihnen ja kaum was anderes übrig, wo der Staat mit seinen überlegenen Gewaltmitteln sowieso das Heft in der Hand hat und die nationalen Insassen gewohnheitsmäßig die politisch Kompetenten über sich Tag aus, Tag ein schalten und walten lassen.

    http://tages-politik.de/Innenpolitik/Corona_2019-Proteste-Mai_2020.html

  117. 117 Nestor 24. Mai 2020 um 15:26 Uhr

    Falls es wieder zu abstrakt und verkompliziert ankommt

    Es wurde schon „zu abstrakt und verkompliziert“ abgeschickt, also kann es auch nicht anders ankommen. :D

    Wenn ich diesen Endlossätzen etwas entnehmen kann, so das, daß du meinst, die Coronadissidenten oder Hygienedemonstranten oder wie immer man sie nennen will, gehen deshalb demonstrieren, weil sie weiter folgendlose Demos machen dürfen wollen.
    Das kanns doch irgendwie nicht sein, oder?

  118. 118 Leser 24. Mai 2020 um 19:07 Uhr

    Corona und die Verteidigung der Grundrechte

    (…) Wenn es einen gemeinsamen Nenner all dieser protestierenden gegensätzlichen Verteidiger des Grundgesetzes gibt, die allesamt auf „Versagen des Staats vor seiner Verantwortung“ plädieren – ausgerechnet gegen den Staat, der die FDGO doch formuliert hat und hütet –, dann diesen: Die Regierung belastet(e) mit ihren Maßnahmen nicht nur die verschiedenen Einkommensquellen, sondern beleidigt(e) auch das bürgerliche Individuum, das sein Zurechtkommen mit den Erfordernisse und Schranken der Konkurrenz seiner persönlichen und autonomen Erfolgseignung zurechnet, die Staat und Gesellschaft fördern sollen, aber doch nicht behindern dürfen.

    Der Glücksschmied muss doch Zugang zum nötigen Amboss haben und darf sich den nicht von einem Nukleinsäure-Partikel verstellen lassen…

    … analysiert Georg Schuster
    https://www.heise.de/tp/features/Corona-und-die-Verteidigung-der-Grundrechte-4727344.html

    ---

    Neben dem Angriff auf ihre Einkommensquelle sehen die Protestierer sich also bzw. vor allem in ihrem Ehrgefühl als anerkannte Macher und Erfolgstypen angegriffen – kein Wunder, dass dafür gerne Zahnärzte und andere Mediziner sich vorzeigen lassen, die sich in ihrer Standesehre und ihrem Auskenner-Souveränitätsgehabe von den Maßnahmen der Bundesregierung beleidigt fühlen.
    Abweichende intellektuelle Vordenker der Nation (Jakob Augstein, Thea Dorn) fordern ein, dass auch Virologen quasi als Wissenschaftsvorschrift bei sich offiziell den Meinungspluralismus einführen müssten und alle ihre Äußerungen von vornherein schon zur bloß möglichen Meinung relativieren müssten. Eine einzige Frechheit, dass ein Virologe überhaupt den Anspruch auf Wissen erhebt ausgerechnet gegen die Weltsicht eines Herausgebers mit dem Namen Augstein.
    https://www.youtube.com/watch?v=rr9aazTGEQM

  119. 119 Leser 25. Mai 2020 um 8:48 Uhr

    „Verschwörungstheoretiker machen sich nicht einfach verkehrte Reime auf die bürgerliche Herrschaft und deren Machenschaften, sondern trennen sich gleich ganz von jedem Realitätsbezug, behaupten regelrecht Spleeniges…“

    Das ist nicht von Schuster, sondern von Karla Kritikus oder von kritische „Tages-Politik.de“, siehe zwei Posts drüber

    An dieser Ausdrucksweise bemängele ich, dass sie das angeblich „Irre“ an den Demostranten verkehrt zum Thema macht (da „trenne“ sich jemand ‚von jeglichem Realitätsbezug‘.)
    Einleuchtender finde ich da Schusters Auflösung, dass da bürgerliche Moralisten auf ihre je subjektive Weltsicht schwören, denn die sei angeblich doch die Garantie ihres bisherigen Erfolges bei der Konkurrenz gewesen. Wobei „Erfolg“ auch wieder eine subjektive Messlatte ist, die auch z.B. ein Obdachloser kreativ bezüglich seines „erfolgreichen Freiheitsdranges“ anwenden kann, um nur mal ein vermutlich extrem wirkendes Beispiel zu zeigen für den allenthalben durchgesetzten allenthalben als normal geltenden subjektivierten Erfolgsgedanken.

    Also: Der Gedanke, man sei seines Glückes Schmied, ist gleichermaßen verkehrt. Ob ihn nun ein seiner Mitwelt als erfolglos vorkommender Typ har, oder ob ein Tennisstar so über sich spricht. Der Gedanke ist total derselbe. Dass er „irre“ sei, oder sich vom Realitätsbezug trenne, das misst diesen Gedanken an gesellschaftlichen Normalitäts-Konformitätszuschreibungen. Und nicht am Inhalt der Gedanken.
    Und damit, man habe in seiner eigenen Moraliät eine Garantie dafür, dass man richtig liegen müsse, rennen diese Corona-Leugner auf die öffentlichen Plätze. Um inhaltlich dort allerlei sich widersprechendes Zeugs zwischen Weltregierungsablehnungen und Impfpflichtflüchtlingen mit viel super-authentisch-eigenem Freiheitspathos gegen die Kaputtmacher der segensreichen eigenen Normalitätsvorstellungen zu äußern.

  120. 120 NN 25. Mai 2020 um 11:35 Uhr

    Was wir über die Wirkung von Covid-19 auf den Körper wissen

    Der neue Corona-Virus verursacht vorrangig eine Atemwegsinfektion. Doch inzwischen finden Ärzte überall im Körper unerwartete Auswirkungen und Schäden.

    Wer am neuen Coronavirus erkrankt und Symptome bekommt, hat meist Atemschwierigkeiten, wodurch auch der Rest des Körpers nicht genügend Sauerstoff erhält. Schnell können Lungenentzündung und andere Atemwegserkrankungen auftreten und im schlimmsten Fall zum Tod führen, wenn der Körper die Infektion nicht erfolgreich bekämpfen kann.

    Doch das Sars-CoV-2-Virus schädigt den Körper auch jenseits von Nasenhöhlen, Rachen und der Lunge. Hier eine Zusammenfassung dessen, was wir darüber in den letzten Wochen gelernt haben: (…)

  121. 121 Nestor 25. Mai 2020 um 14:01 Uhr

    @Leser

    Also zur Ideologie der Coronadissidenten finde ich diesen Aufsatz hilfreich, weil er auf den realen Kern der wirtschaftlich-politischen Krise hinweist, der dann von den Coronadissidenten verschwörungstheoretisch überhöht wird.

    Die Verbrechen des Bill Gates

    Dies wird etwa bei der bizarren „Impfangst“ evident, die diese neue deutsche Wahnwelle antreibt. Man glaubt sich als „Impfkritiker“ im Kampf gegen eine übermächtige Pharmalobby, die alle Welt todimpfen wolle mit ihren furchtbaren, in Spritzen abgefüllten und wohl auf Adrenochrom basierenden „Chemiewaffen“ – während die ja tatsächlich gegebene Pharmalobby nun wirklich alle Hebel in Bewegung setzt, um bloß keine Impfstoffe entwickeln zu müssen. …

    https://www.heise.de/tp/features/Die-Verbrechen-des-Bill-Gates-4727474.html

    Ich entwickle mich übrigens bei gründlicherem Nachlesen auch zu einem Impfgegner, also so „bizarr“ finde ich das alles nicht.
    Und der „Wahn“, hinter jedem Problem einen – oder mehrere – „Verursacher“, sprich: Schuldige finden zu wollen, ist keineswegs auf „wahnhafte“ „Verschwörungstheoretiker“ beschränkt.

  122. 122 Nestor 25. Mai 2020 um 14:12 Uhr

    @NN

    Im New Yorker war kürzlich ein Artikel – ich find ihn leider nicht mehr – darüber, daß viele Leute nach einer überstandenen schweren CV-Erkrankung eigentlich eine Rehab brauchten, die man aber erst einrichten müßte, weil so etwas bisher noch nicht gebraucht wurde.
    Es kommt zu Gewichtsverlust, Rückbildung von Muskulatur, Schwächeanfällen, Appetitlosigkeit, Depressionen infolgedessen, und durchaus auch Organschäden, die gesondert behandelt gehören.

  123. 123 Leser 25. Mai 2020 um 18:43 Uhr

    Der reale „Kern der wirtschaftlich-politischen Krise“ sei, dass Bill Gates der Erfinder eines schlechten Betriebssystems ist und ansonsten eine typisch kapitalistische Unternehmerfgur (Marke A…loch)? Und das stecke hinter den Corona-Protestieren als deren insgeheime, ihnen nicht bewusste, eigentliche Triebfeder ihres Protestes?

    Der sei nämlich eigentlich ein charakterlich guter Protest, sei nämlich einer gegen solche miesen Typen wie den schlechten Gates? Leider sei der Protest erst gegen den Rentner Gates losgegangen, wie schön wäre es doch gewesen, wenn die hiesigen Protestierer vor 10 Jahren damit auf die Bühne aufgetreten wären?

    So einen Schmarren willst du als Erklärung der Corona-Protestierenden anbieten?

  124. 124 Nestor 26. Mai 2020 um 22:28 Uhr

    Na ja, so kann man Aufsätze auch lesen, daß man sich an jedem Satz festbeißt, in dem etwas Verkehrtes steht.
    Man begibt sich halt damit der Möglichkeit, zu verstehen, wie die Corona-Demonstrierer zu ihren etwas abwegigen Sichtweisen kommen.

    Worum es geht, ist eben, daß die ganze Unzufriedenheit sich in einer Schuldsuche entlädt, und da wollte der Autor klarstellen, was Gates wirklich will und treibt, und warum er den Coronadissidenten ins Visier gerät.
    (Nebenbei gesagt, ist der Telepolis-Autor wahrscheinlich immer noch stinksauer, daß Gates seinerzeit das Textverarbeitungsprogramm Word Perfect niederkonkurriert hat, auf dem ich noch meine Diss geschrieben habe und das wirklich besser als Word war.
    Eine Art später Racheakt gegen den Mann, der die Textverarbeitung ins falsche Fahrwasser lenkte. :D )

  125. 125 Leser 27. Mai 2020 um 6:51 Uhr

    Jedenfalls sich an Sätzen festzubeißen, die dort stehen, scheint mir mindestens so tauglich wie das freie Fabulieren über die Traumata des Verschwindens von Word Perfekt oder DBase IV vom Markt. Hat nicht auch wer mal LEGO vom Markt verdrängt? So eine Kapitalistensau.

  126. 126 Leser 27. Mai 2020 um 7:57 Uhr

    W i e die Demonstranten zu ihrer Sichtweise kommen? Sie wollen, dass ihr bisheriger Alltag nicht gestört wird, weil mit dem bisherigen wollen sie sich – relariv – zufrieden erklären. Diese „Heimstatt“ des eigenen Gefühls werde mutwillig von oben zerstört. Dafür können nur finstere Absichten dahinter verantwotlich sein.
    Dem im Detail nun kritisch nachzugehen, führt in die Irre.

  127. 127 Nestor 27. Mai 2020 um 11:31 Uhr

    So, wieder einmal meine Statistik zur Coronavirus-Todesrate (gemeldete CV-Tote zu Gesamtbevölkerungszahl):

    0,000816522482011 Belgien
    0,000569719201512 Spanien
    0,000558014496757 UK
    0,000546855674458 Italien
    0,000425119042288 Frankreich
    0,000399415584799 Schweden
    0,000339152831926 Irland
    0,000338679409402 Holland
    0,000299451219512 USA
    0,000222573484118 Schweiz
    0,000126603773585 Portugal
    0,000099928682502 Deutschland
    0,000072583398946 Österreich
    0,000043781368885 Norwegen

    0,000185487607135 Ecuador
    0,000121264952236 Peru
    0,000112655980035 Brasilien
    0,000052877159024 Türkei
    0,000027015786152 Rußland

    Zuwachsraten:
    Schweden + 0,000036988303853
    Peru + 0,000027979294682
    Brasilien + 0,000026348627376
    UK + 0,000026055327306
    Ecuador + 0,000021079453324
    Belgien + 0,000016096007787
    USA + 0,000014213414634

    27.5.

  128. 128 Neoprene 27. Mai 2020 um 18:54 Uhr

    Leser, du magst dich nur noch schummrig daran erinnern, aber mit „WordPerfect“ und „dBASE“ (so hießen die nämlich wirklich) konnte man in den Zeiten vor Windows wirklich ne Menge machen.

  129. 129 Leser 30. Mai 2020 um 14:59 Uhr

    Nicht erst seit den hohen Corona-Zahlen ins Gerede gekommen:

    Die Fleischindustrie

    Analyse vom 30. Mai 2020 von Suitbert Cechura

    Durch hohe Infektionszahlen ist ein Industriezweig in Deutschland ins Gerede gekommen, der eigentlich als ein Musterfall für den Erfolg europäischer Agrarpolitik gelten kann. Dieser Erfolg sollte daher durch die jüngsten Meldungen nicht in den Dreck gezogen und klein geredet werden. Denn noch vor wenigen Jahrzehnten gab die Landwirtschaft kein gutes Bild ab. Jetzt liefert sie!

    https://www.heise.de/tp/features/Die-Fleischindustrie-4768601.html

    ----

    Dazu passt, – zusätzlich

    https://de.gegenstandpunkt.com/sites/default/files/jf-protokolle/jf190805-monopol_i.d._landwirtschaft.pdf

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