Die neue Pandemie II

DIE MEDIZINISCH-SEUCHENPOLITISCHEN MASSNAHMEN ZUM CORONAVIRUS

Es ist wieder einmal Zeit, eine neue Seite zu eröffnen.
Bitte die Posts zur Ökonomie, wenns geht, unter diesem Thread abwickeln.


217 Antworten auf „Die neue Pandemie II“


  1. 1 Nestor 25. März 2020 um 17:36 Uhr

    Schaut nicht gut aus mit den angestrebten baldigen Tests:

    Massentests müssen noch warten

    In absehbarer Zeit sollen die aufwendigen Coronavirus-Tests, die in Labors mit hoher Genauigkeit ausgewertet werden können, auf 15.000 pro Tag hochgefahren werden – und zwar für Menschen, die Symptome zeigen, und deren Umfeld sowie das Personal im Gesundheitsbereich, das besonderer Ansteckungsgefahr ausgesetzt ist. Parallel dazu bemüht sich die Republik am Weltmarkt um sogenannte Schnelltests, die in die Hunderttausende gehen sollen und auch schon in China und Südkorea angewandt wurden.

    https://www.derstandard.at/story/2000116160041/massentests-muessen-noch-warten

    Nicht nur die „Massen“-, sondern alle Tests müssen offenbar warten, und auch die Formulierung „absehbare Zeit“ deutet darauf hin, daß derzeit offenbar kaum was da ist.

  2. 2 Neoprene 25. März 2020 um 19:00 Uhr

    Mit den Massentests ist das eh so eine Sache:
    Wirklich bringen würden die was in der Situation, wenn es Mittel zur Therapie gäbe. Die gibt es aber bsi auf Weiteres noch nicht. Also kann ein vermehrtes Testen nur (aber ben immerhin) dazu führen, daß man schneller Menschen identifiziert, die sofort in Quarantäne müssen. Mehr bringt das nicht. Wenn Menschen ernsthaft an Covid-19 erkranken, müssen sie eh ins Krankenhaus, egal ob sie getestet waren oder nicht.
    Und das Testen würde es auch ermöglichen, den Kontakten nachzuforschen, ob die auch schon infiziert sind. Beide Maßnahmen, die Komplettquarantäne von Infizierten und die schnellere Identifizierung weiterer Infizierter würden zur Verlangsamung (im Extremfall dem Abstoppen) der Ausbreitung der Epidemie führen.

    Ich finde desahlb auch Renate Dillmanns Behauptung für falsch:
    „Das bedeutet, dass bereits das Ergattern von Tests ein Teil der deutschen Triage ist: Wer besitzt genügend Einfluss und vielleicht persönliche Durchsetzungskraft, um ein Ergebnis und die entsprechende Behandlung zu bekommen?“
    Da es eh keine Behandlung im Sinne von Therapie gibt, nützt auch einem Reichen oder Mächtigen ein Test mit Nachweis der Infektion gar nichts. Entweder er übersteht die Krankheit wie die meisten ohne große gesundheitlichen Einschränkungen oder er muß ins Krankenhaus wie jeder normale Mensch, der natürlich nicht getestet wurde, sondern „nur“ irgendwann so schwer erkrankt, daß sein Hausarzt in wegen eines offensichtlich schweren Atemweginfekts ins Krankenhaus einweist. Dort mag man dann per Test feststellen, ob er das Virus hat oder nicht (sondern z.B. „nur“ eine normale Influenza erwischt hat, ist aber eh wurscht, jedenfalls solange es genügend Intensivbetten mit Beatmungsgeräten gibt, wenn nicht, dann entscheiden eh die Ärzte, wer betreut wird und wen man sterben läßt. Wenn der Mächtige/Reiche es nicht bis in eine Spezialklinik für seinesgleichen geschafft hat, wo er natürlich die guten Geräte bekommen würde.
    Entscheidend ist nicht der Zugang zu Tests sondern die Chance auf ein Intensivbett.

  3. 3 Nestor 25. März 2020 um 19:22 Uhr

    Ja, es ist ja auch das „Ergattern von Tests“ von niemandem angestrebt. Also es geht nicht der Millionär hin und sagt: Ich will unbedingt einen Test haben! – sondern er haut ab an einen Ort und in eine Quarantäne, wo er sich sicher fühlt. (Fühlt, wie gesagt. Ob er es auch ist, ist eine andere Frage.)

    Aber es wäre eben einmal sinnvoll, die Leute zu testen, die in Multiplikatorpositionen sind, und nicht einmal da geht was weiter.

    Warum Spanien ausgerechnet bei der NATO anklopft, kann ich nur schwer nachvollziehen.
    Irgendwie handelt es sich doch um eine Militärorganisation und nicht um eine Lagerstätte für medizinische Geräte.

  4. 4 Neoprene 25. März 2020 um 19:41 Uhr

    „es wäre eben einmal sinnvoll, die Leute zu testen, die in Multiplikatorpositionen sind.“

    Natürlich, das habe ich ja gerade ausgeführt, was man mit schnellen und genauen Tests bei möglichst vielen Menschen machen könnte, um die Ausbreitung zu dämpfen. Und selbstverständlich wäre es sinnvoll, letztlich alle Menschen in engem Zeittakt durchzutesten, wenn es dafür genügend Auswertungsmöglichkeiten gäbe, um wirklich alle schon Infizierten aber beschwerdefreien Menschen zu identifizieren. (Im Kleinen hat es das in Vo in Italien und in Island ja schon gegeben). Aber gerade hierzu halten sich die Behörden recht bedeckt, denn wenn sie auch nur auf 1000 Tests pro Tag genau die aktuellen Kapazitäte bekanntgeben würden, wäre klar, daß das vorn und hinten nicht reicht und das in eine Phase, wo die Epidemie in den meisten Gegenden erst im Anrollen ist, man also mit Eindämmung noch ne Menge erreichen könnte.

  5. 5 Neoprene 25. März 2020 um 21:56 Uhr

    So sieht die gute „Aufstellung“ aus, von der Bundesgesundheitsminister Spahn und die Berliner Gesundheitssenatorin Kalayci immer schwafeln:
    Der Präsident der Berliner Ärztekamme Günther Jonitz wurde heute in der Berliner Zeitung zitiert: So habe er seriöse Angebote über Schutzmaterialien in Millionen Stückzahl erhalten. Aber er habe über eine Woche gebraucht, um herauszufinden, wer der Ansprechpartner in der Senatsverwaltung ist.

  6. 6 Nestor 26. März 2020 um 20:48 Uhr

    Also, während die ORF-Info Besorgniserregendes aus Italien, New York und Spanien meldet, sehe ich mir die Weltkarte an und stelle bei Deutschland besorgniserregende Steigerungen fest.

    Ebenso ist die Schweiz ziemlich betroffen, dort breitet sich das Virus schnell aus. Auch die Todesrate ist hoch, was auf eine schlechte Erfassung der Infizierten hinweist.
    Grund für die Ansteckungen waren vor allem die Pendler aus Italien und Frankreich. Vor allem das Tessin war eine Einflugsschneise für das Virus.

    Im Falle der Schweiz dürfte sich das unterschiedliche Lohnniveau zwischen der Schweiz und den Nachbarstaaten als Haupt-Infektionsfaktor erwiesen haben.
    Ich nehme auch an, die Schweizer Behörden haben spät reagiert, weil sie den Ausfall dieser eingependelten Arbeitskräfte nicht leichtfertig in Kauf nehmen wollten.

  7. 7 Nestor 26. März 2020 um 20:54 Uhr

    Angesichts dessen, wie sich die Dinge entwickeln, finde ich das Geschwätz in den Medien, daß „der Höhepunkt bald erreicht sein wird“ und sich „die Kurve hoffentlich bald abflachen wird“, als mehr oder weniger religiöse Beschwörungs-Zeremonien.

  8. 8 Neoprene 26. März 2020 um 21:19 Uhr

    Wenn man die beiden Sprüche, „Wir sind wirklich gut aufgestellt“ und „Der Höhepunkt wird bald erreicht sein“ gentechnisch untersucht, würde man eine 99,99 %ige Übereinstimmung herausfinden.

  9. 9 Neoprene 26. März 2020 um 21:25 Uhr

    Die Schweiz hat offensichtlich recht langsam auf die sich ausbreitende Epidemie reagiert:
    „In der Schweiz wurden Anfang März 2000 Tests pro Tag durchgeführt, seit Anfang dieser Woche sogar bis zu 7000. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz in der Anzahl der Tests gut da“
    „«Es ist ein viraler Infekt», sagt die Kinderärztin. Ob es Corona ist, kann sie nicht überprüfen. Sie darf nur Kinder testen, die schwer krank sind oder ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. So lauten die Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit. Dasselbe gilt für Erwachsene, ausser sie arbeiten im Gesundheitssystem, dann werden auch sie getestet.“
    https://www.nzz.ch/wissenschaft/ein-test-wuerde-gewissheit-bringen-ist-aber-nicht-moeglich-ld.1546716
    Das Meldewesen über die Infizierten ist vorsintflutlich, es geht nur per Fax, elektronische Übermittlungen gibt es nicht.

  10. 10 Nestor 27. März 2020 um 0:54 Uhr

    Mit den Tests ists ein Gfrett:

    Die in China gekauften Schnelltests funktionieren nicht gut

    Die Mikrobiologie-Labors melden dem Gesundheitsministerium, daß die von der Regierung erworbenen Test-Kits eine 30%-Wahrscheinlichkeit haben, benötigt würden jedoch 80%

    ( El País, 26.3.)

    Wird wohl bei uns genauso sein.
    Das heißt, es gibt kaum Tests.

    Ein Arzt aus dem Spital von Zams in Tirol – Bezirk Landeck, 30 km von Ischgl entfernt – sagt, seine Patienten haben einen Altersdurchschnitt von 50 Jahren. Die Behauptung, das CV erwische vor allem die Älteren, kann er bei seinen Patienten nicht bestätigen.

  11. 11 Nestor 27. März 2020 um 10:12 Uhr

    Was ich mich angesichts nicht funktionierender Schnelltests und hoher Mortalitätsrate frage, ist, ob der Virus nicht in Europa eine Mutation durchgemacht hat und die Erfahrungen aus China auch deshalb nur begrenzt anwendbar sind?

    Unklarheit herrscht auch bezüglich derer, die die Krankheit überstanden haben. Sind sie immun oder können sie sie jederzeit wieder kriegen?

    Was ist mit den Desinfektionen von Straßen, die in Spanien und Italien durchgeführt wird?
    Ist das eine Überreaktion oder gibt es Hinweise, daß der Virus auch anders übertragbar ist als über persönlichen Kontakt?

  12. 12 Neoprene 27. März 2020 um 10:48 Uhr

    Daß manche Schnelltests „nicht funktionieren“, bedeutet erst mal nur das. Andere sind ja aussagekräftiger. Der Drosten-Test ist erheblich besser und auch nicht schlechter geworden in den letzten Tagen, jedenfalls habe ich darüber nichts gelesen. Was natürlich nicht heißt, daß der Virus sich nicht jederzeit verändern kann, ist halt ein Virus.

    Die durch Erkrankung erworbene Immunität hält wohl nicht „ewig“. Wenn es gut geht, kommt so jemand dann unbeschadet durch die aktuelle Epidemiewelle. Auf jeden Fall kann es sein, daß das im nächsten Jahr schon wieder auf Null ist. Auf jeden Fall ist es wohl zu früh, die erste Welle ist ja noch gar nicht durch, um da belastbare Zahlen zu bekommen.

    Natürlich gibt es Hinweise, daß der Virus auch anders als in Atemtröpfchen weiter kommt. Es gab ja auch schon erst Tests, wie lange sich das Zeugs auf unterschiedlichen Oberflächen hält. Und, Überraschung, da überleben eine gewisse Zahl von Viren eine gewisse Zeit. Aber der Virologen-Konsensus scheint zur Zeit zu sein, daß das Anfassen von Oberflächen, die ein Infizierter vorher angefaßt hat, erheblich weniger infektiös ist als die Nähe zu einem wohlmöglich hustenden Kranken.

  13. 13 Nestor 27. März 2020 um 11:54 Uhr

    Wer Sars-CoV-2 bekämpfen will, muss wissen, wie die Infektion sich in der Bevölkerung entwickelt. Der Virologe Florian Krammer hat einen Bluttest für das neue Coronavirus entwickelt

    Für das bessere Verständnis noch ein kleiner Überblick über die Arten der Tests:

    Aktuell laufen sogenannte PCR-Tests: Dabei werden aus den oberen oder unteren Atemwegen Proben entnommen, anschließend wird im Labor ausgewertet. Dabei wird nach dem Erbgut von Sars-CoV-2 gesucht, das aus RNA (Ribonukleinsäure) besteht. Dies ist die sicherste Methode, um eine aktive Erkrankung festzustellen. Darüber, ob jemand die Erkrankung schon durchgemacht hat, also immun ist, sagen diese PCR-Tests nichts. Denn wenn Antikörper gebildet werden, ist das Virus auch nicht mehr im Nasenschleim nachweisbar.

    Demgegenüber gibt es serologische Untersuchungen: Bei diesen wird im Blut gesucht, ob es schon eine Immunreaktion des Körpers gegeben hat. Krammer sagt, die Immunantwort bei Sars-CoV-2 ist sehr stark. Der von ihm und seinen Kollegen entwickelte Test ist nicht kommerziell: Sein Team hat das Testverfahren bereits an dutzende Labore weltweit weitergegeben.

    Daneben bieten diverse private Anbieter Schnelltests auf Antikörper an: Dabei soll im Eilverfahren auswertbar sein, ob jemand schon mit Sars-CoV-2 infiziert war. Diese Tests kommerzieller Anbieter müssen laut Krammer erst unabhängig validiert werden: Es ist also noch unklar, ob sie tatsächlich funktionieren. Ein zuverlässiges Ergebnis ist zur Eindämmung der Epidemie sehr wichtig. Es müssen falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse unbedingt vermieden werden.

    https://www.derstandard.at/story/2000116191316/erster-immuntest-von-oesterreicher-entwickelt-wie-er-uns-gegen-corona

  14. 14 bertram 27. März 2020 um 14:14 Uhr

    „Unklarheit herrscht auch bezüglich derer, die die Krankheit überstanden haben. Sind sie immun oder können sie sie jederzeit wieder kriegen?“

    https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684_page-1.html
    (15) Infizierte werden offenbar immun

    „Was ist mit den Desinfektionen von Straßen, die in Spanien und Italien durchgeführt wird? Ist das eine Überreaktion oder gibt es Hinweise, daß der Virus auch anders übertragbar ist als über persönlichen Kontakt?“

    Normalerweise über Tröpfcheninfektion. Ein Infizierter atmet aus, hustet spricht – und produziert dadurch eine Aerosolwolke, die etwa 2m weit reicht. Diese atmet ein anderer ein und infiziert sich dadurch. Die Tröpfchen sinken nach 1-5min zu Boden und dann ist wieder alles gut. Der zweite Weg ist Schmierinfektion. Ein infizierter fasst eine Türklinke an, ein anderer fasst nach ihm die Türklinke an und geht sich dann mit den Händen ins Gesicht, Nase, Mund. Deshalb Hände waschen. Tröpfcheninfektion ist der weitaus häufigere Weg.

    Desinfektion von Straßen und Plätzen halte ich für totalen Quatsch. Alles was man anfasst – o.k. aber der Boden ist Unsinn. Soviel ich weiß, geht das Virus ein, ist nicht mehr infektiös wenn es austrocknet.

  15. 15 bertram 27. März 2020 um 17:08 Uhr

    Ich war eben einkaufen. Die Plexiglasbarrieren gibt es jetzt überall. Bei netto war es so, dass man nur mit Einkaufswagen in den Laden kommt. Das war mir nicht einleuchtend, weil man ja die Griffe berühren muss. Auf Nachfrage sagte das Personal, dass dadurch der Abstand eingehalten wird (das wird zu einem regelrechten Abstandsfetisch, statt deutlich zu kommunizieren, dass man auch durch einen Schal oder sonst ein Tuch zumindest einen Teil der eigenen Tröpfchen aufhalten kann). Außerdem wird dadurch die Menge der Kunden, die sich gleichzeitig im Laden aufhalten auf die Menge der Wagen heruntergeregelt, was aber nur bei einem Ansturm was bringt.
    Auf die Übertragung am Einkaufswagen angesprochen, behauptete die Angestellte, die Stangen/Holme würden desinfiziert. Das war aber bestimmt eine Lüge bzw. Halbwahrheit, denn wie oft werden sie desinfiziert mit welchem Desinfektionsmitteln? Ich habe jedenfalls niemand gesehen, der mit Desinfektionsmittel rumgerannt ist. Außerdem wenn ein Wagen ausgebraucht ist, wird er zurückgestellt. Der nächste Kunde nimmt sich dann genau diesen Wagen, weil er an die anderen gar nicht drankommt. Also sind vielleicht 5 Wagen ständig im Gebrauch und können gar nicht so oft desinfiziert werden, wie sie müssten.

    „Für den Kundeneinlass hat dm jetzt klare Regeln aufgestellt, erklärt Werner: Aktuell laute die Formel „Ladenfläche x 0,7 / 10“. Die Vorgabe soll gewährleisten, dass sich je zehn Quadratmeter Verkaufsfläche nur ein Kunde im Markt aufhält und die Behörden nichts beanstanden können.“

    Um Schutz geht es also nicht, sondern darum, dass die Behörden nichts beanstanden können. Gleichzeitig führt das aber dazu, dass Krankheiten über die Einkaufswagen übertragen werden, denn dass diese konsequent desinfiziert werden, glaube ich nicht.

    Bei Lidl steht übrigens auf der Klopapierpalette mittlerweile andere Ware. Anscheinend wird gar nichts mehr nachbestellt. oder die nachbestellte Ware ist so schnell weg, dass Klopapier irgendwo abgestellt wird, weil es nach ner halben Stunde eh verkauft ist.

  16. 16 NN 27. März 2020 um 19:24 Uhr

    Ein tieferer Einblick in die Infektions-Tests gegen das Coronavirus SARS-CoV-2

    Wie ist der Stand der Tests für das Coronavirus SARS-CoV-2, wie zuverlässig sind sie und was ist von den neuen tollen Schnelltests zu halten?

    Kommentar zur Corona-Epidemie: Vier Maßnahmen gegen den Lockdown

    Die Folgen der Corona-Krise für Wirtschaft und Gesellschaft werden enorm sein. Ein anderer Umgang damit muss her, meint TR-Chefredakteur Robert Thielicke.

  17. 17 NN 27. März 2020 um 20:03 Uhr

    Vor dem Abstieg
    Coronavirus in den USA
    Von Jörg Kronauer

    Hilfslieferungen in Krisengebiete schicken: Das tun, so kennt man es seit je aus der internationalen Politik, gewöhnlich diejenigen, die es sich leisten können, die wohlhabend und stark sind. Die daher nicht selbst in Notlagen aufgezehrt werden und die Freiheit haben, sich vor der Welt als Wohltäter zu inszenieren. In den vergangenen Jahrzehnten taten das gewöhnlich die Staaten Europas und Nordamerikas. In der Coronaviruskrise haben sich nun die Dinge auf den Kopf, genauer: auf neue Füße gestellt. Das Epizentrum der Pandemie hat sich mittlerweile in die alte Welt des transatlantischen Westens verschoben, während Hilfe vor allem aus dem Land kommt, das das Virus am schnellsten eindämmen konnte: aus China. Die Volksrepublik schickt Hilfslieferungen nicht nur nach Afrika, sondern auch nach Europa und in die USA; jüngst bot Präsident Xi Jinping gar seinem US-Amtskollegen Donald Trump Unterstützung an: Hilfsbedürftig kann heute unter Umständen auch der Westen sein, während zu denjenigen, die nicht in Notlagen aufgezehrt werden und ihrerseits Hilfe leisten können, inzwischen auch China zählt.

    Chinas neue Rolle, die in diesen Tagen weltweit für alle sichtbar ist, kommt nicht von ungefähr. Sie ist das Ergebnis tiefgreifender globaler Kräfteverschiebungen, die sich spätestens in den 2000er Jahren mit dem rasanten ökonomischen Aufstieg der Volksrepublik klar abzeichneten und bereits in der vorigen wirklich weltweiten Krise, der Finanzkrise der Jahre 2008/2009, einen zusätzlichen Schub erhielten: China wurde von ihr nicht so hart getroffen wie die Länder des Westens; es konnte sich deshalb mit größerer Energie auf den nächsten Modernisierungsschub stürzen, für den unter anderem Huawei steht, der Konzern, der auf dem Zukunftsfeld 5G Weltspitze ist. Einiges spricht dafür, dass die Volksrepublik auch aus der Coronaviruskrise mit den – relativ – geringsten Verlusten hervorgehen könnte. Denn so sehr Chinas Bevölkerung und die Wirtschaft des Landes auch gelitten haben: Für Europa und Nordamerika kommt es wohl noch erheblich schlimmer.

    Bei der Zahl der Infektionen und der Todesopfer ist das schon heute der Fall, bzw. es wird, was die Zahl der Toten in den USA betrifft, wohl in Kürze eintreten. Was die Wirtschaft angeht: Die Volksrepublik fährt die Produktion zur Zeit nach zwei Monaten Stillstand wieder hoch. Im Westen, der den Kampf gegen die Pandemie verschleppt hat, könnte der Stillstand länger anhalten – und das wöge schwer. Die EU, die gerade erst ihre neue Industriestrategie vorgestellt hat, mit der sie auf wichtigen Feldern aufholen will, könnte noch weiter in Rückstand geraten. Schwächelt die US-Industrie über längere Zeit, dann steht der Versuch der Trump-Administration in Frage, China per Wirtschaftskrieg in die Knie zu zwingen. Nicht umsonst dringen Donald Trump sowie Teile der deutschen Wirtschaft auf eine baldige umfassende Wiederaufnahme der Produktion: Es geht nicht nur um den individuellen Profit; auch die globale Führung des Westens wankt mehr denn je.

    Die neuen globalen Gesundheitsmächte (27.03.2020)
    Berlin und Brüssel werfen China wegen seiner Covid-19-Hilfen einen „Kampf um Einfluss“ mit einer „Politik der Großzügigkeit“ vor.

    BERLIN (Eigener Bericht) – Die Bundesregierung und die EU-Kommission bringen sich gegen chinesische Hilfsaktionen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie in Stellung. Mit Blick darauf, dass beispielsweise Italien systematisch Unterstützung aus Beijing bekommt, nachdem die EU ihm Hilfen verweigert hat, heißt es im Bundesverteidigungsministerium, es stünden „kontroverse Debatten zum Umgang mit … China“ bevor. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell diagnostiziert eine „globale Schlacht der Narrative“: Beijing führe einen „Kampf um Einfluss“ mit einer „Politik der Großzügigkeit“; dem müsse die Union nun entgegentreten. Hintergrund ist, dass China, seit es ihm gelungen ist, das Covid-19-Virus einzudämmen, einer wachsenden Zahl an Staaten weltweit zur Seite springt, während die Mächte des Westens, die traditionell mit Hilfsleistungen ihren globalen Einfluss zementiert haben, das Virus nicht unter Kontrolle bekommen und teils selbst von Hilfe abhängig werden. Experten prognostizieren für die Zeit nach dem Ende der Pandemie „eine veränderte Weltordnung“ mit den Ländern Ostasiens als „neue globale Gesundheitsmächte“.

    Chinas Hilfsaktionen

    China baut seine internationalen Hilfsaktionen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie immer weiter aus. Nach einer Reihe von Lieferungen medizinischer Schutzausrüstung unter anderem nach Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland und in weitere europäische Länder ist am Mittwoch das inzwischen dritte chinesische Ärzteteam zu einem Hilfseinsatz nach Italien aufgebrochen. Darüber hinaus unterstützt Beijing nicht nur Iran und den Irak, sondern inzwischen auch die Länder Afrikas. Zum einen geben chinesische Mediziner in Videokonferenzen systematisch ihre Kenntnisse und Erfahrungen an Kollegen aus afrikanischen Staaten weiter; zum anderen sind erste Hilfslieferungen auf dem afrikanischen Kontinent eingetroffen. Am Sonntag etwa kamen in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter für die Afrikanische Union (AU) an, darunter 1,5 Millionen Testkits. Jeder der insgesamt 55 AU-Mitgliedstaaten soll daraus 20.000 Testkits, 100.000 Schutzmasken, 1.000 Schutzanzüge und weitere Materialien erhalten. Die Ausrüstung werde, hieß es, mit Hilfe von Ethiopian Airlines auf dem gesamten Kontinent verteilt. Auf chinesischer Seite wird die Aktion von der Jack Ma Foundation und der Alibaba Foundation durchgeführt.[1]

    Erstmals keine US-Führung

    Über die chinesischen Hilfslieferungen ist inzwischen im Westen eine heftige Debatte entbrannt – insbesondere, da die Mächte Westeuropas und Nordamerikas mangels Vorbeugung sogar tiefer in die Krise geraten sind als China und, völlig anders als gewohnt, teils selbst Hilfe benötigen. Noch vor wenigen Jahren hätten den weltweiten Kampf gegen die Ebola-Epidemie die Vereinigten Staaten angeführt, rief in der vergangenen Woche Rush Doshi, ein Experte der Washingtoner Brookings Institution, in Erinnerung. Jetzt hingegen erlebe man „die erste große globale Krise seit Jahrzehnten ohne aussagekräftige US-Führung und mit bedeutender chinesischer Führung“.[2] In Europa stößt besonders auf, dass die EU, die sich stets ihrer angeblichen „Solidarität“ brüstet, bis heute nicht einmal den am schwersten betroffenen Ländern – insbesondere Italien und Spanien – Unterstützung zukommen lässt. „Wir merken uns das“, schrieb erst kürzlich der stellvertretende Chefredakteur der traditionell loyal EU-orientierten italienischen Tageszeitung La Repubblica.[3] Italien erhält inzwischen Unterstützung vor allem aus China, aber auch aus Russland und Kuba.

    „Nur bedingt verlässlich“

    Die Entwicklung wird in Berlin mit Sorge registriert. „Italiens Zuwendung zu China und Russland erfolgt auch, da sich die EU und deren Mitgliedstaaten aus italienischer Sicht als nur bedingt verlässlich … zeigen“, heißt es in einem Lagebericht des Bundesverteidigungsministeriums: Man könne einen „zunehmenden Einfluss der Gesundheitsversorgung und -politik“ konstatieren.[4] Die Bundesregierung sucht gegenzusteuern, hat inzwischen eine Hilfslieferung nach Italien auf den Weg gebracht und eine kleinere Zahl an Betten auf Intensivstationen deutscher Krankenhäuser für Covid-19-Patienten aus den am schwersten betroffenen Regionen Frankreichs und Italiens zur Verfügung gestellt. Mit Blick auf Beijings Hilfsaktivitäten in Afrika verlangt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller neue Maßnahmen, um die Covid-19-Pandemie auch in „Entwicklungsländern einzudämmen und zu bekämpfen“ [5]; darüber hinaus berichtet Außenminister Heiko Maas, die G7-Außenminister seien sich einig, man solle „Unterstützung für die gegen den Virus am schlechtesten gewappneten Länder der Welt“ leisten [6]. Konkrete Maßnahmen, die mit denjenigen Chinas auch nur annähernd mithalten könnten, sind freilich nirgendwo in Sicht.

    „Eine veränderte Weltordnung“

    Experten sagen mit Blick auf die Pandemie mittlerweile ernstzunehmende Machtverschiebungen voraus. „China und andere asiatische Länder“, etwa Südkorea und Singapur, hätten „einen Weg gefunden, das Virus einzudämmen und jeden neuen Ausbruch zu kontrollieren“, konstatiert der Politikwissenschaftler Maximilian Mayer von der University of Nottingham Ningbo China, die von der britischen University of Nottingham gemeinsam mit chinesischen Stellen betrieben wird.[7] In Europa sei das Covid-19-Virus „quasi als Naturgewalt kommuniziert“ worden, „die wir nur noch abmildern können“. In Asien hingegen, so berichtet Mayer, „hat man von Anfang an gesagt: ‚Wir stoppen das aktiv!‘“ Nach dem Ende der Pandemie werde es „eine veränderte Weltordnung“ geben – „und innerhalb dieser Ordnung könnte man die ostasiatischen Länder als die neuen globalen Gesundheitsmächte bezeichnen“, urteilt Mayer: „Schon jetzt bietet China europäischen Ländern die eigene Expertise an. Daran zeigt sich, wie sich die internationale Ordnung verändert.“

    „Schlacht der Narrative“

    In Ermangelung der Fähigkeit, auf dem Feld der Hilfsleistungen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie mit Beijing gleichzuziehen, setzen Berlin und die EU-Kommission jetzt auf politischen Druck und ideologische Kampagnen. In nächster Zeit sei in der EU wie auch in der NATO mit „kontroversen Debatten zum Umgang mit Russland und China“ zu rechnen, heißt es mit Blick auf Italien und andere europäische Empfänger chinesischer – und russischer – Hilfe drohend in dem erwähnten Lagebericht des Bundesverteidigungsministeriums.[8] Eine weitere Kampfansage kam zu Wochenbeginn aus Brüssel. In einer Stellungnahme erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell: „Covid-19 wird unsere Welt neu formen.“[9] Zwar müsse die EU noch beweisen, „dass Solidarität keine hohle Phrase ist“, sowie im Kampf gegen die Pandemie „mit Partnern auf der ganzen Welt“ kooperieren. Doch sei zugleich „eine globale Schlacht der Narrative“ im Gang: „China verbreitet aggressiv die Botschaft, dass es – anders als die USA – ein verantwortungsvoller und zuverlässiger Partner ist.“ Dem „Kampf um Einfluss“ durch eine „Politik der Großzügigkeit“ müsse man entgegentreten.

    „Fake News“

    Die EU tut dies unter anderem, indem sie ihre East StratCom Task Force gegen China in Stellung bringt. Die East StratCom Task Force wurde seit 2015 aufgebaut, um tatsächliche oder angebliche Desinformationskampagnen aufzuspüren und offenzulegen. In den vergangenen Jahren war dabei gewöhnlich von „Pro-Kreml-Propaganda“ die Rede (german-foreign-policy.com berichtete [10]). Jetzt nimmt die East StratCom Task Force auch die Volksrepublik ins Visier. In einem aktuellen „Special Report“ listet die Einrichtung angeblich „falsche Narrative“ im Zusammenhang mit dem Covid-19-Virus auf. Als „Fake News“ werden dabei auch folgende Aussagen klassifiziert: „Die EU ist nicht bereit, ihren Mitgliedstaaten dringende Hilfe zu leisten – stattdessen müssen sie sich auf äußere Hilfe verlassen“, etwa aus China; und: „China kommt der EU zu Hilfe, während Brüssel die EU-Mitgliedstaaten im Stich lässt.“[11] Erste Berichte in Leitmedien greifen die beiden Aussagen inzwischen als Beispiele für angebliche „Fake News“ auf.[12]

    Vorbereitet trotz Blockade
    Kuba kämpft gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf der Insel. Regierung setzt weitreichende Maßnahmen um
    Von Volker Hermsdorf

    Trotz der von den USA seit 60 Jahren aufrechterhaltenen Blockade ist das Gesundheitswesen in Kuba besser auf die Coronaviruspandemie vorbereitet als die Systeme in anderen Ländern des Kontinents. Doch die seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump verschärften Sanktionen machen den Kampf gegen die Ausbreitung des Virus zu einer Sisyphusarbeit. Am Dienstag verlangte deshalb die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte das Aussetzen aller Sanktionen. »Ein Zusammenbruch der Gesundheitssysteme in den davon betroffenen Ländern« würde das Risiko der Virusausbreitung »für die ganze Welt« erhöhen, warnte Michelle Bachelet. UN-Generalsekretär António Guterres unterstrich die Erklärung einen Tag später. In Deutschland hatte Oskar Lafontaine (Die Linke) bereits am Montag gefordert: »Hebt die Sanktionen auf! Sie sind Massenmord!«

    Obwohl die US-Sanktionen dem kubanischen Gesundheitswesen allein zwischen April 2018 und März 2019 finanzielle Einbußen in Höhe von mehr als 104 Millionen US-Dollar (rund 98 Millionen Euro) zugefügt haben, hat das Land sein weltweit als beispielhaft anerkanntes Präventionssystem zur Eindämmung von Seuchen und Epidemien aufrechterhalten. Mit großen Anstrengungen wurde auch die Produktion von Medikamenten fortgesetzt, die in China mit Erfolg in der Behandlung von an Covid-19 Erkrankten eingesetzt wurden. »Unser Land wirft keine Bomben auf andere Völker und wir sind nie auf die Idee gekommen, Atombomben oder biologische Waffen herzustellen. Wozu? Waffen, um den Tod zu bekämpfen, um Krankheiten zu bekämpfen, um Krebs zu bekämpfen, dem widmen wir unsere Ressourcen«, hatte Fidel Castro die Prioritäten der kubanischen Forschung und des flächendeckenden Gesundheitswesens einst beschrieben. Die in den vergangenen Tagen eingeführten Schutzmaßnahmen konnten an bestehende Pläne zur Vorbeugung und Kontrolle anknüpfen, die sich bei Evakuierungsaktionen bei Hurrikans, zur Reduzierung von HIV-Erkrankungen und bei Kampagnen gegen die Ausbreitung von Dengue- und Zika-Infektionen als effizient erwiesen haben.

    Obwohl zu Beginn der Woche erst einzelne Covid-19-Erkrankungen auf der Insel identifiziert worden waren, warnte Präsident Miguel Díaz-Canel am Montag im staatlichen Fernsehen: »Das neue Coronavirus kommt mit exponentieller Geschwindigkeit auf uns zu.« Bis Mittwoch abend hatte sich die Zahl der bestätigten Fälle bereits auf 67 erhöht, zwei Patienten waren gestorben, ein weiterer schwebte in Lebensgefahr. Der Staatschef kündigte weitreichende Einschränkungen an, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

    Gesundheitsminister José Portal Miranda informierte in der Fernsehsendung »Mesa Redonda« über die Maßnahmen in seinem Ressort. Dazu gehören ein Einreiseverbot für ausländische Besucher und eine 14tägige Quarantäne für Touristen, die sich noch auf der Insel aufhalten. Gäste, die privat untergebracht sind, müssen zur besseren Betreuung in Hotels umziehen. Kubanische Staatsbürger, die in ihr Land zurückkehren, werden nach der Ankunft 14 Tage lang in speziell dafür eingerichteten Zentren medizinisch überwacht.

    Am Mittwoch befanden sich 1.603 Patienten, davon 148 Ausländer und 1.455 Kubaner, unter klinisch-epidemiologischer Überwachung in diesen Einrichtungen. Seit Anfang der Woche nehmen Krankenhäuser nur noch unaufschiebbare chirurgische Eingriffe sowie Transplantationen, Krebstherapien und Notfallbehandlungen vor, um Kapazitäten für die erwartete Zunahme von Covid-19-Patienten zu schaffen. Der Minister kündigte außerdem eine besondere Betreuung für ältere Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen oder allein leben, sowie für Obdachlose an.

    Wie Bildungsministerin Ena Velázquez Cobiella mitteilte, wird der Unterricht in Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen bis zum 20. April ausgesetzt, während Kindergärten für die Kinder berufstätige Familien zunächst mit Sicherheitsvorkehrungen geöffnet bleiben sollen. Derzeit würden von Pädagogen spezielle Fernsehprogramme produziert, die ab kommendem Montag ausgestrahlt werden, um weiterhin die Lehrinhalte zu vermitteln und Schüler auf ihre Prüfungen vorzubereiten, sagte Velázquez Cobiella.

    Das Transportministerium informierte über die Aussetzung der Bus-, Bahn-, Flug- und privaten Verbindungen zwischen den Provinzen. Leihwagen dürfen nicht mehr vermietet werden. Alle Politiker appellierten in der Sendung an Bürger, die Symptome verspüren, sich bei den Gesundheitszentren zu melden und unter ärztlicher Aufsicht in häuslicher Quarantäne zu bleiben. Da Restaurants, Hotels und Bars geschlossen oder im Betrieb stark eingeschränkt sind, werden deren Lebensmittelvorräte im Einzelhandel verkauft.

    Mitarbeiter staatlicher Unternehmen und Einrichtungen erhalten ihr Gehalt bei Betriebsschließungen im ersten Monat zu 100, danach zu 60 Prozent weiter. Steuern und Abgaben für Selbstständige, Genossenschaften und private Betriebe werden ausgesetzt. Díaz-Canel warnte die Bürger vor falschen Hoffnungen, da der Höhepunkt trotz aller Vorsorge noch nicht erreicht sei. »Wir müssen die Kurve der Krankheitsfälle so flach wie möglich halten«, sagte er und warb um Verständnis für die Maßnahmen.

    Die Parteizeitung Granma warnte unterdessen am Mittwoch vor »Fake News«, die sich auch in Kuba fast schneller ausbreiten als das Virus. So kursiert im Internet unter anderem ein Video, das verbale Angriffe von zwei aus Miami und Madrid eingereisten Passagieren auf das Personal eines Quarantänezentrums zeigt. Das vom US-Dienst NED finanzierte Onlineportal Diario de Cuba verbreitete die offensichtlich für das Video provozierte Auseinandersetzung als Beleg für ein angebliches »Chaos« in diesen Zentren. In einem weiteren Beitrag veröffentlichte die in Madrid publizierte Contra-Plattform eine Falschmeldung über »soziale Unruhen« in Havanna. »Unabhängige Journalisten« und andere von Washington finanzierte Systemgegner unterstützen mit erfundenen Berichten den Versuch, Kubas Kampf gegen die Epidemie zu erschweren und das Land zu destabilisieren.

    Hintergrund: Ärztebrigade Henry Reeve

    Das »Internationale Ärztekontingent Henry Reeve« wurde am 19. September 2005 auf Initiative Fidel Castros gegründet. Diese Spezialeinheit zur Verstärkung kubanischer Hilfseinsätze besteht aus Medizinern, die für Einsätze bei Naturkatastrophen und Epidemien ausgebildet sind. Kuba wolle der Welt damit die Hilfe zur Verfügung stellen, zu der die wohlhabenden Länder des Westens nicht fähig sind, begründete Havanna den Aufbau der Ärztebrigade.

    »Obwohl jeder Mensch und jedes Volk ein Recht auf Gesundheit hat und das Privileg eines langen Lebens genießen sollte, haben die reichsten und am weitesten entwickelten Gesellschaften, beherrscht vom Gewinn- und Konsumdenken, die ärztlichen Dienstleistungen in eine vulgäre Ware verwandelt, die so für die ärmsten Schichten der Bevölkerung unerreichbar sind«, sagte der 2016 verstorbene Revolutionsführer bei der Gründung der Brigade. Während damals noch AIDS als eines der größten medizinischen Probleme galt, ging Castros Beschreibung künftiger Herausforderungen bereits darüber hinaus. »Wenn die entwickelten, sehr reichen Nationen sich entschließen, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, werden sie Fachkräfte wie die des Kontingents Henry Reeve benötigen. Dann wird man den Wert dieses Schritts in seiner ganzen Größe verstehen«, erklärte Castro. »Die entwickelten und reichen Staaten haben Finanzkapital zur Verfügung, aber keine menschlichen Ressourcen. Sogar in unwahrscheinlich reichen Ländern wie den Vereinigten Staaten fehlen Programme zur Gesundheitsversorgung und medizinischen Betreuung.«

    Während die US-Regierung beim Choleraausbruch nach dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 schwer bewaffnete Soldaten schickte, kämpften kubanische Mediziner in den Elendsvierteln bereits gegen die bakterielle Infektionskrankheit. Auch nach Ausbruch der Ebolaepidemie 2014 in Westafrika hatte Kuba sofort 165 freiwillige Helfer des Kontingents Henry Reeve nach Sierra Leone, Liberia und Guinea in Marsch gesetzt. (vh)

    Ein Beispiel internationaler Solidarität
    Dankbarkeit für Kubas medizinische Hilfseinsätze. USA versuchen Missionen zu verhindern
    Von Volker Hermsdorf

    Kubas Ärzte werden als Helfer bei der Bekämpfung der Coronaviruspandemie in vielen Ländern mit Dankbarkeit und offenen Armen aufgenommen. Washington sieht in der Sympathiewelle für den sozialistischen Inselstaat eine Gefahr und versucht, die Hilfseinsätze zu behindern.

    In Haiti trafen am Mittwoch 24 kubanische Spezialisten zur Verstärkung der dort bereits seit Jahren tätigen Ärztebrigade Henry Reeve ein. Außenminister Claude Joseph und Gesundheitsministerin Marie Roy Clement dankten den Medizinern in Port-au-Prince für ihre Hilfe im Kampf gegen das Coronavirus. Kuba und seine Ärzte seien »verlässliche Freunde«, die »immer da sind, wenn die Not groß ist«, würdigte Roy Clement die Einsätze der Brigade. Mit einer am Donnerstag in Belize eingetroffenen Gruppe von Ärzten, Krankenschwestern, Epidemiologen und Labortechnikern besteht das dortige Kontingent jetzt aus insgesamt 58 Medizinern, die in dem kleinen zentralamerikanischen Land wie Helden gefeiert werden. In Surinam war die Ankunft von 51 Ärzten, mit denen dort jetzt 120 Gesundheitsfachkräfte aus Kuba das Land unterstützen, Topnachricht in Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern. Auch in Italien wurden die am Wochenende in Mailand gelandeten 52 Mediziner und Krankenpfleger des Henry-Reeve-Kontingents von der Bevölkerung und Politikern als Helfer in einer fast hoffnungslosen Lage willkommen geheißen. Am Dienstag errichteten die Mitglieder der kubanischen Gesundheitsbrigade eine aus Zelten bestehende Krankenstation im Hospital der lombardischen Stadt Crema.

    Während die Fachleute aus Kuba mittlerweile in mindestens 37 Ländern die Überlebenschancen vieler Covid-19-Patienten verbessern, versucht Washington die Hilfseinsätze zu verhindern. Das US-Außenministerium unterstellte Ländern, die Havanna um medizinische Unterstützung bitten, vor einigen Tagen in einer per Twitter verbreiteten Mitteilung, dass sie sich damit an einem »Programm zum Missbrauch von Menschen und der Ausbeutung von Arbeitskräften« beteiligen würden. Das State Department forderte die Regierungen auf, deshalb keine Hilfsersuchen an Kuba zu richten. Havannas Außenminister Bruno Rodríguez reagierte am Donnerstag und bezeichnete das Verhalten der USA als »unmenschlich und respektlos«. Es sei bedauerlich, dass die US-Regierung angesichts einer Pandemie, die die gesamte Menschheit bedrohe, den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus erschwere und solidarische Hilfsaktionen aus politischen Gründen diskriminiere, erklärte Rodríguez. Brasiliens ehemaliger Präsident Luiz Inácio Lula da Silva schloss sich dem Dank der von Kuba unterstützten Länder an. »Wieder einmal geben die Regierung und das kubanische Volk der Welt ein Beispiel für Solidarität und überwinden alle Hindernisse, sei es wirtschaftlicher, geographischer oder politischer Natur«, schrieb Lula da Silva am Montag an Kubas Präsidenten Miguel Díaz-Canel.

    Hetze gegen Kubas Ärzteteams
    Coronaviruspandemie: Havanna hilft auch uneigennützig. Das passt manchen Medien nicht
    Von Volker Hermsdorf

    Während Patienten, Politiker und Gesundheitsexperten in aller Welt Kubas Engagement im Kampf gegen die Folgen der Coronaviruspandemie würdigen, hetzen einige bundesdeutsche Medien gegen die Helfer aus der sozialistischen Inselrepublik. So rückte die Stuttgarter Zeitung am Sonntag auf ihrer Internetseite einen Artikel über die Ankunft von 52 Ärzten und Pflegern in Italien ins genehme Raster: »Hilfe aus Kuba mit Hintergedanken«. Der Mannheimer Morgen schrieb einen Tag später: »Die kommunistisch regierte Karibikinsel hat in der Krise das passende Geschäftsmodell.« Auch andere Medien blieben ihrem Stil des Kalten Krieges treu und ersetzten Informationen durch Fake News.

    Nur wenige Tage zuvor hatten Passagiere des norwegisch-britischen Kreuzfahrtschiffs »MS Braemar« auf Kuba angestoßen. »Weil das Land uns half, als niemand sonst uns helfen wollte«, schrieb die 68jährige Anthea Guthrie per Twitter. Nachdem die »MS Braemar« von mehreren Ländern abgewiesen worden war, hatte das Schiff nach tagelanger Odyssee am 18. März im Hafen von Mariel festgemacht. Gesunde Passagiere konnten von Havanna aus ihren Rückflug antreten. Wer mit dem Virus infiziert war, wurde von Ärzteteams auf der Insel versorgt. »Wir sind der kubanischen Regierung sehr dankbar dafür«, erklärte Außenminister Dominic Raab anerkennend im britischen Parlament. Auch der Gesundheitsminister der Lombardei, Giulio Gallera, dankte für den Einsatz der 52 kubanischen Mediziner und Krankenpfleger, die am Wochenende in Mailand gelandet waren. Die Mitglieder der auf Initiative Fidel Castros 2005 gegründeten internationalen Ärztebrigade »Henry Reeve« werden auf Bitte der Regierung in Rom für mindestens drei Monate in Italien tätig sein.

    Zahlreiche Länder Lateinamerikas sind ebenfalls auf diese Hilfen angewiesen. In mehr als 30 von den insgesamt 59 Ländern, mit denen Kuba derzeit Kooperationen im Gesundheitswesen unterhält, hat sich das Coronavirus bereits ausgebreitet. Während sich wohlhabende Staaten an den Kosten der Einsätze beteiligen, hilft Havanna – nach Angaben des Gesundheitsministeriums – 22 ärmeren Ländern ohne finanzielle Gegenleistungen. Für derartige Solidaritätseinsätze und »in Anerkennung seiner Verdienste bei der Bewältigung von Naturkatastrophen und Epidemien« war das »Kontingent Henry Reeve« im Mai 2017 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgezeichnet worden.

    Doch weil nicht sein kann, was nicht sein darf, unterschlagen einige deutsche Medien derartige Informationen. Der Mannheimer Morgen bezeichnete die prämierten Ärztemissionen statt dessen als »umstrittene Methode«. Der auch für die Stuttgarter Zeitung schreibende Autor Tobias Käufer mit Sitz in Kolumbien und Brasilien zitierte namentlich nicht genannte »kubanische Oppositionelle«, die kritisierten, »dass das Land die Versorgung der eigenen Bevölkerung opfere«. Weiter behauptete er, das »Regime in Havanna« werde »wegen der Repression der Opposition mit Blockaden der USA und Europa« belegt. Immerhin ein Lehrstück, wie Solidarität mit Opfern des Coronavirus zu gezielter Desinformation instrumentalisiert werden kann.

    Zukunftsmodelle
    Von Arnold Schölzel

    Der Internetexperte und Whistleblower Edward Snowden warnte am Dienstag in einem Interview mit dem Internationalen Dokumentarfilmfestival Kopenhagen (»CPH:DOX«) davor, Regierungen könnten die in der Coronaviruspandemie eingeführten elektronischen Überwachungsmaßnahmen dauerhaft verwenden: »Sie wissen bereits, was du dir im Internet ansiehst. Sie wissen bereits, wo sich dein Smartphone hinbewegt. Jetzt wissen sie, welche Herzschlagfrequenz du hast, wie dein Puls ist. Was geschieht, wenn sie beginnen, dies zu mischen und künstliche Intelligenz darauf anzuwenden?« Es könnten z. B. körperliche Reaktionen erfasst werden, die das Betrachten und Hören der Rede eines Politikers der Regierung oder der Opposition hervorruft.

    Übertreibung? Eher das Gegenteil. Imperialistische, das heißt auf Krieg und Unterdrückung angewiesene Regierungen benötigen keine neue technische Möglichkeit oder einen Anlass, um dem Drang nach Totalüberwachung nachzugeben. Als im Ersten Weltkrieg in Nordamerika und Westeuropa der staatsmonopolistische Kapitalismus in Erscheinung trat, war dies innenpolitisch eine Notstandsregelung. Dabei ist es im bürgerlichen Staat geblieben – zur präventiven Aufstandsbekämpfung nach innen wie nach außen, vor allem aber für drastische politische Eingriffe zugunsten des Großkapitals in Wirtschaftskrisen. Die gegenwärtige Pandemie-Krise, da hat Snowden recht, ist eine gute Gelegenheit, beim akribischen Erfassen der geistigen und seelischen Lage der Nation wieder einen Schritt voranzukommen. Der wird getan.

    Unter Absehung von solch konkret-gewöhnlicher Evolution des heutigen Staatsapparates erörterte in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) der bis zu seiner Emeritierung 2018 in den USA lehrende deutsche Romanist Hans Ulrich Gumbrecht unter dem Titel »Der neue Notstandsstaat« am Donnerstag das Problem. Er behauptet, es werde in der Pandemie kaum erwähnt, dass »der Staat wieder in die Mitte unseres Lebens getreten« sei, der Staat »im klassischen Sinn als Souverän über einen genau beschriebenen Raum«, der Staat, »dessen Eingriffe in ihr eigenes Leben sich die meisten Bürger bis vor kurzem verbitten wollten«. Letzteres scheint angesichts der Tatsache, dass sich die Mehrheit der Menschheit durch Smartphonegebrauch freiwillig eine elektronische Fußfessel anlegte, eine Fehlwahrnehmung zu sein. Falsch ist auch, die Ausrufung von Ausnahme- oder wie in Frankreich sogar Kriegszuständen werde nicht diskutiert.

    Gumbrecht geht es offenbar um etwas anderes. Er wundert sich über die »parteienübergreifende Breite«, mit der der »souveräne Staat« wieder ins Zentrum zurückgekehrt sei, und will sich dem nationalen Konsens nicht verweigern. Dieser Notstandsstaat könne vielmehr zum »politischen Modell der Zukunft« werden. Gumbrechts Analyse läuft auf die Verabschiedung der westlichen parlamentarischen Demokratie hinaus. Man müsse sich daran gewöhnen, behauptet er, »dass die strikte Ausrichtung am Mehrheitswillen nicht mehr den politischen Anforderungen genügt«. Verantwortungsvolles Regieren werde mehr denn je zuvor »von der Umsicht und Bereitschaft abhängen, den Mehrheitswillen – wo immer guter Grund besteht – mit von ihm abweichenden Auskünften der Kompetenz zu konfrontieren«.

    Gumbrechts Köhlerglaube an »den« Staat schlägt um in den Glauben an irgendeine Führung durch »Kompetenz«. Wo der Verfassungspatriot Snowden noch versucht, gegen den permanent praktizierten Rechtsnihilismus zu mobilisieren, streckt der philosophierende Geisteswissenschaftler gern die Waffen. Das Phänomen – bereitwillige Kapitulation bürgerlicher Kapazitäten oder Kampf um die parlamentarische Demokratie – trat in der Weltwirtschaftskrise vor 90 Jahren ähnlich auf. Den Snowdens muss gegen die Gumbrechts geholfen werden.

  18. 18 Nestor 27. März 2020 um 21:34 Uhr

    Also die englische Wikipedia zum CV behauptet Folgendes:

    The virus can remain infectious for hours to days on surfaces. Specifically the virus was infectious for up to three days on plastic and stainless steel, for one day on cardboard, and for up to four hours on copper. This however varies based on the humidity and temperature.

    https://en.wikipedia.org/wiki/2019%E2%80%9320_coronavirus_pandemic

  19. 19 Nestor 27. März 2020 um 21:51 Uhr

    Das Ebola-Virus ist ja wirklich seinerzeit zu einem großen Teil dank kubanischer Ärzte eingedämmt worden, nur wurde das in den Medien nicht verbreitet.
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    Matteo Salvini hat gestern China angeklagt, an allem schuld zu sein, weil es den Virus nicht rechtzeitig an die WHO gemeldet hat – ein Versuch, sich bei den mitteleuropäischen EU-Staaten beliebt zu machen? (Corriere della Sera, 26.3.)
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    Was Schölzel und auch andere als Gefahr sehen, der Staat würde allumfassend werden und die Demokratie aushebeln, kommt doch für seine Vertreter selbst überraschend.
    Wer, wenn nicht die EU-Politiker, haben auf die Kraft des Freien Marktes gesetzt?
    Und diverse sozialstaatliche und infrastrukturelle Leistungen den Geschäftskalkulationen des Kapitals überantwortet? Und sich darauf beschränkt, Regeln zu erlassen, die oft schnell wieder geändert und angepaßt werden müssen, weil sonst alles Mögliche, – Ernährung, Gesundheit, Transport und Kapitalverkehr u.a., gefährdet ist.
    In GB warnen manche vor einer Rückverstaatlichung diverser Industrien und Infrastruktureinrichtungen (wie es bei den Eisenbahnen ja schon stattgefunden hat) – unter dem Namen „Corbynisierung“.
    Die Überwachung schön und gut, aber das Wichtigere ist doch, daß möglicherweise diverse Firmen mit staatlichen Geldern aufrechterhalten werden müssen, um nicht einzugehen.
    Ich denke da nicht nur an Italien, sondern z.B. an deutsche Autofirmen.

  20. 20 bertram 28. März 2020 um 16:01 Uhr

    Führung durch „Kompetenz“, ja welch ein Grauen? Da muss man halt schon die Anführungszeichen erklären. Stattdessen soll jeder seine eigene Befürchtung in die Kompetenz hinein projizieren, und deshalb für furchtbar schlimm halten.

    https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-lang-coronaviren-auf-flaechen-ueberleben/
    Die ausgewerteten Arbeiten, die sich unter anderem mit den Erregern Sars- und Mers-Coronavirus befassen, ergaben zum Beispiel, dass sich die Viren bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben können. Im Schnitt überleben sie zwischen vier und fünf Tagen. „Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigern ihre Lebensdauer noch“, so Kampf.

    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/109247/2019-nCoV-Viren-bis-zu-9-Tage-auf-Oberflaechen-nachweisbar
    Daraus ergibt sich, dass Coronaviren auf unbelebten Oberflächen wie Metall, Glas oder Kunststoff bis zu 9 Tage verbleiben – wenn sie nicht beseitigt werden.

    https://www.journalofhospitalinfection.com/article/S0195-6701(20)30046-3/abstract
    The analysis of 22 studies reveals that human coronaviruses such as Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) coronavirus, Middle East Respiratory Syndrome (MERS) coronavirus or endemic human coronaviruses (HCoV) can persist on inanimate surfaces like metal, glass or plastic for up to 9 days, but can be efficiently inactivated by surface disinfection procedures with 62–71% ethanol, 0.5% hydrogen peroxide or 0.1% sodium hypochlorite within 1 minute.

    https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/medizin/corona-auf-manchen-oberflaechen-bleibt-virus-lange-ansteckend/
    Nach ersten Erkenntnissen bleiben die Keime demnach am längsten auf Kunststoff und Edelstahl aktiv. Bis zu drei Tage können die Viren dort ansteckend sein. Riskant sind also zum Beispiel Türklinken aus Edelstahl, Bestecke oder Haltestangen in Bahnen und Bussen.

    https://www.heise.de/hintergrund/So-lange-ueberlebt-das-Coronavirus-in-der-Luft-und-auf-Oberflaechen-4684796.html
    Die Wissenschaftler untersuchten, wie lange das Virus auf verschiedenen Materialien ansteckend bleibt. Dafür wischten sie nach einigen Stunden und Tagen Test-Oberflächen ab und überprüften, ob sie noch Zellen in einer Petrischale infizieren konnten. Auf Edelstahl und Kunststoffen wie Handyhüllen fanden die Forscher auch nach drei Tagen noch infektiöse Keime. Auf Kartonverpackungen war das bis zu 24 Stunden lang der Fall. Kupfer mochte der Erreger am wenigsten, hier war er nach nur vier Stunden verschwunden. Wurden Viruspartikel in einer Testkammer in der Luft herumgewirbelt, blieben sie etwa drei Stunden lang aktiv.

    https://www.mopo.de/ratgeber/gesundheit/coronavirus-nicht-nur-troepfcheninfektion---ansteckung-auch-ueber-oberflaechen-moeglich---36438610

    Das heißt es gibt noch keine einheitliche Lehrmeinung. Jedenfalls gibt es genug Hinweise, dass handberührte Oberflächen nicht unkritisch sind.

  21. 21 Neoprene 28. März 2020 um 20:50 Uhr

    In einem Altersheim in Wolfsburg, das ich aus vergangenen Jahren gut kenne, sind in kürzester Zeit 12 Bewohner an Covid-19 verstorben. Über 70 der 165 Bewohner sind im Augenblick infiziert.
    Das Beängstigendste: Bei vielen Erkrankten hat man bis kurz vor ihrem Tod überhaupt keine Symptome bemerkt, die sind sozusagen plötzlich gestorben.
    Das Heim ist ein sicherlich ganz durchschnittliches Heim, mittlerweile gilt: „Das Hanns-Lilje-Heim ist eine gerontopsychiatrische Spezialeinrichtung für Demenzkranke, altersverwirrte und psychisch erkrankte ältere Menschen.“ Es ist noch nicht mal besonders alt, es wurde 1976 eingeweiht und immer mal wieder renoviert bzw. umgebaut.

  22. 22 bertram 28. März 2020 um 23:39 Uhr

    Anfang der Woche hat das RKI noch verlautet, es sehe so aus als Ob die Massnahmen Wirkung zeigen und die Kurve sich abflacht. Aber man müsse abwarten. Solche vorsichtigen Erfolgsmeldung hört man nicht mehr. In Wirklichkeit kann ich an der Kurve nicht die geringste Veränderung erkennen. Das Virus verbreitet sich weiter als ob nichts gewesen wäre. Normalerweise müsste man sich fragen, was da los ist, warum sich das Virus so dermaßen unbeeindruckt zeigt. Den Grund haben wir ja schon ermittelt 80% der Infektionen finden symptomlos statt, Das setzt sich zusammen aus 44% der Infektionen, die sowieso vor Symptombeginn stattfinden und 34% von Infizierten, die gar keine Symptome haben.

    Bei den Alten wird es gewesen sein, dass die sowieso ständig Husten und dann nimmt man es nicht als Symptom wahr. Das sie Symptomlos gestorben sind, kann ich erstmal nicht glauben. Das wäre neu, denn es gibt zwar Infizierte ohne Symptome, aber die sterben dann nicht, sondern machen eine milde Form durch.

    Merkwürdigerweise gibt es auch keine Analysen, wer sich wo angesteckt hat. Wenn die Kurve weiter fröhlich ansteigt, dann muss man ja rauskriegen woran das liegt, wie sind die Übertragungswege.

  23. 23 Beate 29. März 2020 um 7:01 Uhr

    Ein revolutionärer Aufruf an die Pflegekräfte findet sich in der neuen ‚Graswurzelrevolution‘

    Die Bedingungen, unter denen Pflege heute wirtschaftlich verwertbar gemacht wird, müssen schnellstmöglich revolutioniert werden, um sie wieder zu einem Beruf zu machen, der verantwortungsvoll ausgeführt werden kann. Es reicht also nicht, an ein paar Stellschrauben zu drehen. Es braucht tiefgreifende Veränderungen und die müssen von unten kommen.

    Hier könnten die Ansätze des Organizings der amerikanischen Gewerkschafterin Jane Mc Alevey eine Methode sein, um die Probleme am Arbeitsplatz zu bekämpfen. Ihre Methode zielt auf den Aufbau einer Gegenmacht in den Betrieben, die die Arbeiter*innen und ihre Möglichkeiten der Selbstorganisierung von unten in den Mittelpunkt stellt. Die aktuelle Situation lässt die systematische Unterwanderung von Mindeststandards, wie die Bezahlung von Überstunden, die Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit oder Ansprüche wie angemessene Ausgleichsgewährungen als Utopien erscheinen. Die Pfleger*innen, die um diese Arbeitsstandards kämpfen müssten, sind ausgelaugt, kaputt und müde. Sie müssten sich in die Lage versetzten, die Ausbeutung zu stoppen, denn ohne Menschen, die in der Branche arbeiten, kann Pflege eben auch nicht gewährleistet werden. Nur gemeinsam kann die Belegschaft so viel Macht aufbauen, dass es für die Chefs schwer wird, sich dagegen noch zu wehren. Und das muss das vorderste Ziel sein – 100% Machtaufbau!

    Die Situation war nie so günstig wie jetzt. Verstärkt wird sich organisiert und zunehmend über die Erfolge der Angestellten in Krankenhäusern berichtet. Dort wehrt sich das Pflegepersonal bereits z.B. mit der Methode des Bettenstreiks, bei welcher einfach keine Patient*innen mehr aufgenommen werden, wenn der Personalschlüssel überschritten wird. Der Organisationsgrad in der ambulanten Pflege ist jedoch bis heute laut ver.di
    mit ca. 10 Prozent sehr gering. Und das obwohl auch dort die Arbeitsbedingungen katastrophal sind. Ein gezieltes Organizing in den Betrieben soll also von unten, durch die Betroffenen selbst, geschehen, um einerseits die Branche noch zu retten und um andererseits so den Patient*innen eine menschenwürdige Pflege zu sichern.

    Wir dürfen die Bedingungen nicht mehr akzeptieren. Die Freie Arbeiter*innen Union (FAU) in Halle konnte jüngst einen Erfolg in der Pflegebranche erreichen. Es ging um nicht gezahlte Nachtschichtzuschläge, sowie ausstehende Urlaubsentgelte für Mini- und Midijobber*innen. Als die Betroffenen die Forderungen aufstellten und nach ausbleibender Reaktion öffentlichkeitswirksame Aktionen begannen, drohte die Pflegefirma ihnen mit einer Einstweiligen Verfügung, um sie zum Schweigen zu bringen. Dieser Versuch der Einschüchterung scheiterte aber vor Gericht. Auch die Weigerung zu zahlen, half am Ende nicht, denn die Pflegefirma wurde gerichtlich dazu verurteilt. Der Zusammenschluss der Arbeiter*innen erwies sich als ein enormes Potential der Veränderung und half auch gegen die Einschüchterungsversuche. Zusammen sind die Arbeiter*innen stark!

    Diese Erfahrung zu machen, war für die Arbeiter*innen ein sehr bedeutender Moment. Und es zeigt, dass es sich lohnt, gemeinsam zu kämpfen. Fangen wir also an und schließen wir uns zusammen. Denn nur so können wir unsere Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern.

    https://www.graswurzel.net/gwr/2020/03/gemeinsam-staerker-organisieren-in-der-ambulanten-pflege/

    Laut Angaben der Gewerkschaft Verdi fehlen aktuell in Deutschland 162.000 Beschäftigte, um eine zufriedenstellende Versorgung der Patienten zu ermöglichen. 63.000 Fachkräfte müssten zusätzlich im Bereich der stationären Altenpflege eingestellt werden. Und wir reden hier von normalen Zeiten, noch nicht von Zeiten der Epidemie. Die Ausbildungsstandards wurden aufgeweicht. Die Arbeitsintensität des Krankenhauspersonals nahm enorm zu – bei parallelem Abbau der Realeneinkommen. Massenhaft werden Ärztinnen und Ärzte und Kran- kenhauspersonal aus Drittländern abgeworben und nach Deutschland gebracht. Warum? Weil sie dort nicht gebraucht werden? Nein! Im Gegenteil! Wehe die Corona-Epidemie bricht in massivem Umfang dort – in Griechenland, in Kroatien, in Serbien, in Bosnien-Herzegowina, auf den Philippinen – aus, wo Tausende unserer Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte herkommen.

  24. 24 Nestor 29. März 2020 um 12:25 Uhr

    @bertram

    Nicht nur „handberührte“.
    Der Bürgermeister von Bozen rechtfertigte in einem Interview das nächtliche Desinfizieren der Straßen damit, daß die Leute auf der Straße ja auch husten oder gar ausspucken.

    Merkwürdigerweise gibt es auch keine Analysen, wer sich wo angesteckt hat.

    Das war nur in der Anfangsphase, als die Tiroler in Mißkredit geraten sind.
    Seither wird davon Abstand genommen, obwohl es seuchenpolitisch sinnvoll wäre.
    Ich nehme an, das geschieht deshalb, um Schadenersatzklagen zu vermeiden, wie sie gegen verschiedene Insitutionen oder Private in Tirol erwogen werden oder bereits stattgefunden haben.

    @Beate

    Arbeitskämpfe in Zeiten der Epidemie?
    Das wäre etwas ganz Neues, wo womöglich das Militär eingesetzt werden würde.

  25. 25 Neoprene 29. März 2020 um 12:56 Uhr

    „“Das Mt. Sinai Hospital ist eines der ältesten, größten und exquisitesten Krankenhäuser der USA. Nach dem wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazin U.S. News & World Report gilt Mt. Sinai als eines der besten Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten.“
    Jedenfalls für Wikipedia. Aktuell kann man lesen:
    https://www.n-tv.de/panorama/Laemmer-auf-dem-Weg-zur-Schlachtbank-article21676912.html

  26. 26 bertram 29. März 2020 um 13:29 Uhr

    Nicht nur handberührte: Normalerweise lecken die Leute aber nicht ihre Schuhsohlen ab. Auf dem Boden trocknet die Spucke oder die Tröpfen und ein ein paar Tagen spätestens sind sie inaktiv. Das ist ja kein Staub, der dann vom Wind wieder aufgewirbelt wird und so zur Ansteckung führen kann. Wenn man das ernst meinen würde, dann müsste man jeden Tag die Straßen desinfizieren. Ich wüsste gar nicht wie da eine Infektionskette funktionieren sollte. Bei Bänken ok, aber bei Straßen und Plätzen halte ich das für Show, Aktionismus.

  27. 27 Nestor 29. März 2020 um 13:32 Uhr

    Und das ist nur New York.

    Es gibt meiner Ansicht nach keinen Grund zur Annahme, daß sich die Ansteckung auf New York beschränken wird. Woanders sind sie nur später dran.

    Tests sind offenbar in den USA auch Mangelware, wie man diesem Artikel entnehmen kann.

    Was die Schutzausrüstung betrifft, so wurde gestern bei uns in den Abendnachrichten die frohe Botschaft verkündet, daß jetzt endlich ein Stapel Handschuhe, Masken usw. aus Kuala Lumpur am Wiener Flughafen eingetroffen ist.
    (von einer Tochterfirma von Semperit)

  28. 28 Peer 29. März 2020 um 14:02 Uhr

    Was die Sache mit den Arbeitsbedingungen etc. für die Pfleger betrifft: Die Pfleger, die letztens im Wahlkampf etwas Aufmerksamkeit gewonnen hatten, mussten feststellen, dass sich danach gar nichts geändert hat.

    Von sich aus behandelt die Politik die Pfleger also nicht anders. Aber sie wirbt dafür, dass man denen gesellschaftlich kostenlose Anerkennung massiv zukommen lassen soll.

    Das ist ähnlich erbärmlich wie die verlogenen Töne über Caritas für die Armen in Afrika im Weihnachtsgesabbel.

  29. 29 Nestor 29. März 2020 um 16:34 Uhr

    Im Einzelhandel zahlen die Unternehmen in Österreich inzwischen ihren Angestellten Prämien.
    Von einer ähnlichen Maßnahme für die Mitarbeiter von öffentlichen Gesundheitseinrichtungen lese ich nichts.
    Das Kapital ist hier etwas personalfreundlicher als der Staat.

  30. 30 Nestor 29. März 2020 um 16:58 Uhr

    Frankreich, so lese ich gerade, transportiert seine Schwerkranken, die in den meistbetroffenen östlichen Landesteilen wegen zu wenig Intensivbetten nicht betreut werden können, mit einem eigens dafür umgebauten Hochgeschwindigkeitszug in andere Landesteile – oder in die Nachbarländer.
    Wie lange die Schweiz, Deutschland oder Luxemburg sich dafür zur Verfügung stellen, hängt davon ab, wann bei ihnen die Intensivbetten knapp werden.

  31. 31 Nestor 29. März 2020 um 17:07 Uhr

    Der Präsident der Lombardei, Attilio Fontana, meint, man nähere sich dem Scheitelpunkt der Ansteckungskurve und sieht Licht am Ende des Tunnels, weil die Zahl der Neuansteckungen gegenüber gestern zurückgegangen sei.

    Bei diesen optimistischen Tönen sei daran erinnert, daß auch in Italien nicht flächendeckend getestet wird und es beim derzeitigen Stand der Dinge auch gar keine personellen Ressourcen dafür gäbe, von Ausrüstung ganz zu schweigen.
    D.h., die Zahl der Neuinfektionen ist eine Unbekannte, und Fontana bezieht sich nur auf diejenigen, die positiv getestet wurden.

  32. 32 Peer 29. März 2020 um 17:33 Uhr

    Zu den Anfangszeiten von Aids/HIV, also damals, bevor es Medikamente gab, haben sich in der BRD Politiker wie der CSUler Peter Gauweiler einen Ruf als law-and-order-Durchgreifer dadurch verschafft, dass sie HIV-Zwangstestmahnen für als solche diffamierte „Risikogruppen“ (Schwule, Stricher, Drogenabhängige) gefordert haben. Und anschließend, als positiv Getestete, sollten diese zwangskaserniert und weggeschlossen werden, denn schließlich sollte das normale Arbeiten, Lieben, Leben im Staatsinteresse nicht durch so ein Virus stillgestellt werden. Die Infizierten waren angeblich nämlich nicht Teil der Mehrheitsgesellschaft, sondern Außenseiter. Nahezu gesetzlos, bei solchem Lebenswandel. Und von solchen lässt der Staat sich seine guten Zwecke doch nicht kaputt machen, sondern dann macht der doch lieber die kaputt, die sein Funktionieren lahm legen (- könnten –; denn das war damals ja eher eine idiotische Zwangsvorstellung …).

    Solche Übergänge, das Virus als Staatsfeind außerhalb der guten Gesellschaft zu verorten, passieren heute u.a. darin, wenn es als chinesisches Virus bezeichnet wird, von dem das gute Amerika sich beim Arbeiten und Geld Verdienen doch nicht stören lässt. Die ersten Überfälle auf Chinesen in den USA werden da nicht auf sich warten lassen. Das sind dann vermutlich wieder psychisch Kranke, ‚Durchgedrehte‘, mit ganz komischen Welterklärungs-Ideen…

  33. 33 Phineas 29. März 2020 um 18:49 Uhr

    »Lange vor der in China seit Januar und im Februar dieses Jahres sich ausbreitenden Corona-Katastrophe hatten Virologen – zumindest in Deutschland – eine ähnliche Entwicklung in Europa vorausgesehen. Dabei konnten sie sich in Bezug auf Deutschland auf eine umfassende Studie zu genau diesem Szenario berufen. Diese Studie war bereits am 21. Dezember 2012 als „Unterrichtung durch die Bundesregierung“ dem Bundestag zugeleitet worden und als Bundestags-Drucksache 17/12051 am 3.1. 2013 unter dem Titel „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012″ veröffentlicht worden.
    Versteckt im Anhang 4 auf Seite 55 beginnt im letzten Teil des 87-seitigen Berichts eine hypothetische, aber recht detaillierte Darstellung der Risikoanalyse einer „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ in Deutschland.

    Das in der Studie vom Robert Koch-Institut (RKI) entwickelte Szenario hat mit erstaunlichem Realismus den bisherigen Verlauf des neuartigen, aktuell sehr realen, sich mit rasanter Geschwindigkeit ausbreitenden Corona-Virus und dessen Auswirkungen auf Gesellschaft und vor allem auf die Anforderungen an das Gesundheitswesen vorhergesagt.

    Und was empfiehlt diese Pandemie-Studie, welche das Bundesgesundheitsministerium bereits im Jahr 2012 an den Deutschen Bundestag geschickt hatte, als Sofortmaßnahmen? Nichts anderes als leicht und schnell umsetzbare Schritte, nämlich „Absonderung, Schutzmasken und Schutzkleidung und strikte Hygiene, etc.“

    https://deutsch.rt.com/meinung/99884-inkompetenz-in-berlin-hat-corona/

  34. 34 Neoprene 29. März 2020 um 20:31 Uhr

    The U.S. Tried to Build a New Fleet of Ventilators. The Mission Failed.

    As the coronavirus spreads, the collapse of the project helps explain America’s acute shortage.

    Thirteen years ago, a group of U.S. public health officials came up with a plan to address what they regarded as one of the medical system’s crucial vulnerabilities: a shortage of ventilators.
    The breathing-assistance machines tended to be bulky, expensive and limited in number. The plan was to build a large fleet of inexpensive portable devices to deploy in a flu pandemic or another crisis.
    Money was budgeted. A federal contract was signed. Work got underway.
    And then things suddenly veered off course. A multibillion-dollar maker of medical devices bought the small California company that had been hired to design the new machines. The project ultimately produced zero ventilators.
    That failure delayed the development of an affordable ventilator by at least half a decade, depriving hospitals, states and the federal government of the ability to stock up. The federal government started over with another company in 2014, whose ventilator was approved only last year and whose products have not yet been delivered.
    Today, with the coronavirus ravaging America’s health care system, the nation’s emergency-response stockpile is still waiting on its first shipment. The scarcity of ventilators has become an emergency, forcing doctors to make life-or-death decisions about who gets to breathe and who does not.
    The stalled efforts to create a new class of cheap, easy-to-use ventilators highlight the perils of outsourcing projects with critical public-health implications to private companies; their focus on maximizing profits is not always consistent with the government’s goal of preparing for a future crisis.

    https://www.nytimes.com/2020/03/29/business/coronavirus-us-ventilator-shortage.html

    [um den ganzen Artikel zu lesen braucht man einen kostenlosen Account bei der NYT]

  35. 35 Nestor 29. März 2020 um 20:35 Uhr
  36. 36 Neoprene 29. März 2020 um 20:50 Uhr

    Es geht um den Unterschied zwischen Drägerwerk-Maschinen, die vielleicht 15.000 bis 25.000 € kosten (ich habe jetzt nichts dazu gefunden) den in den USA geplanten Geräten, die vorein paar Jahren 3000 $ hätten kosten sollen und den Primitivgeräten des MIT, die nicht mal 100 $ kosten würden.
    Ich möchte nicht wissen, wie teuer das Gerät sein wird, daß Dyson jetzt für die britische Regierung bauen will, bei denen kosten ja schon einfache Ventilatoren ein paar Hundert Euros.

  37. 37 TomGard 30. März 2020 um 10:25 Uhr

    Optimistische Stimmen zum Epidemieverlauf sollten nicht zu leichtfertig zurück gewiesen werden. Es greifen nicht nur die Quarantänemaßnahmen, die Reproduktionsrate des Virus muß aus einer Vielzahl von Gründen gefallen sein, u.a. weil in der Bevölkerung seit Wochen in Eigeninitiative umsichtigeres Verhalten um sich greift – auch in den Betrieben.
    Weil die Inkubationszeit gleich bleibt, und auch die Rate der schweren Verläufe konstant um 20% schwankt, wird der Anteil der Schwerkranken zunehmend zum Indikator des Epidemieverlaufes in der Gesamtpopulation. Hinzu kommt Immunisierung oder Teilimmunisierung in bislang medizinisch unklarem Umfang und Rate, die gleichwohl als Faktor zu berücksichtigen ist.

    Was umgekehrt heißt: die Art und Weise, wie mit solchen Minderungs- und Milderungsverläufen jetzt politisch umgegangen wird, gibt Hinweise auf die Freizügigkeit, mit der genuin machtpolitische Agenden von maßgeblichen Eliten zur Geltung gebracht werden, sei es geplant oder opportunistisch. Einschließlich der nationalen und internationalen Hierarchien, die in dieser Bewegung mehr oder minder sichtbar werden sollten.

  38. 38 Nestor 30. März 2020 um 12:13 Uhr

    Wie steht es eigentlich mit den Privatkliniken, die es ja inzwischen überall reichlich gibt, in den USA sowieso?

    Sperren die zu, wie die in Spanien? Oder werden sie geöffnet für CV-Patienten? Haben sie überhaupt Ausrüstung für dergleichen Behandlungen?

    „Den 33 öffentlichen Krankenhäuser stehen heute 50 private Kliniken gegenüber. Sieben davon haben jetzt, mitten in der Corona-Krise, „für unbestimmte Zeit“ geschlossen und einen Großteil der Belegschaft entlassen. Es fehle an Patienten, die nichts mit dem Virus zu tun hätten, lautet die Begründung.“

    (Standard, 28.3.)

    Spanien hat eine eigene Militäreinrichtung mit Medikamenten für den Kriegsfall, 2015 in Colmenar Viejo bei Madrid eingerichtet.
    Dort bereitete man sich auf Attacken chemischer oder atomarer Natur vor, z.B. mit großen Vorräten von Atropin oder Kaliumjodid. Die wurden dann regelmäßig weggeworfen, wenn sie abgelaufen waren, und neu eingekauft.
    Jetzt haben sie das alles weggeschmissen und produzieren hektisch Desinfektionsgel, fiebersenkende Mittel und irgendein Breitband-Medikament gegen Viren, unklarer Provenienz und Wirkung.

    (El País, 30.3.)

  39. 39 Nestor 30. März 2020 um 12:35 Uhr

    @TomGard

    Dein Wort in Gottes Ohr.

    Was man übrigens auch bedenken muß, ist, daß auch die Todesrate von denjenigen in die Höhe schnellt, die an üblichen schweren Leiden wie Herzinfarkt oder Schlaganfall eingeliefert werden, aber wegen überausgelasteter Kapazitäten nicht behandelt werden können.

  40. 40 Peer 31. März 2020 um 6:33 Uhr

    Zu dem Argument: der bürgerliche Staat kümmert sich um jegliche Gesundheitseintrübung, selbst um Phänomene wie Schnupfen und Erkältung.

    a) Wissenschaftlich lässt man alles mögliche erforschen, von Schnupfen, über Schhweinegrippe, SARS, etc. Ggf. werden sogar Studien erstellt, Pläne etc. (darauf hatte Phineas hingewiesen), http://NestorMachno.blogsport.de/2020/03/25/die-neue-pandemie-ii/#comment-38666
    Diese damalign Pläne könnten geradezu Blaupausen sein für die jetzige Pandemie, mit ziemlich detaillierten passenden Vorschlägen für die Anzahl von Masken etc. Nestor hatte auch berichtet, dass etliche Gesichtsmasken etc., die aufgrund solcher Pläne angeschafft worden sind, ich glaube in Belgien, ironischerweise kurz vor Ausbruch der jetzigen Pandemie vernichtet worden sind, eher verschämt-insgeheim, dass man sich solchen anscheinend überflüssigen Blödsinn habe einreden lassen.

    b) Denn was der Staat nämlich selber dann gelten lässt von den Befunden der Wissenschaft, das legt nicht die Wissenschaft fest. Sondern der Staat lässt sich diese Festlegungen nicht aus der Hand nehmen. Er relativiert die Befunde der Wissenschaftler nämlich an seinen sonstigen Hauptzwecken. Und von daher legt er fest, welchen Seuchenausbruch er für wahrscheinlich(er) befindet, welches Ausmaß an Vergiftung er zulassen will, und und und …
    Weil es ihm auf die Benutzung der Klasse ankommt, und weil er bei der Ernährung beispielsweise die Gesundheit der Klasse abwägt gegen die Interessen der Bauernschaft, und weil die Unternehmer den Lohn kurz halten können sollen mit Angeboten kostengünstige Ernährung der Massen, deswegen lässt er den Nitrateintrag ins Grundwasser messen, erlaubt Grenzwerte von Vergiftung etc. und legt fest, welche Gesundheitsvorsorge er selbst der Klasse angedeihen lassen will. Eine Pflicht zum Impfen gegen Masern wird vernünftigerweise von oben festgelegt. Und welche Arzneimittel man selbst bezahlen muss, welche nicht, darüber wird laufend gestritten, wobei der generelle Standpunkt, dass die Kosten insgesamt im Medizinbereich gedeckeklt werden müssen, ziemlich absolut und total gilt.
    Was sich derzeit an den Klagen der Krankenhäuser über ihre Ausstattung ablesen lässt.

    c) Im Alltagsleben von Otto Löhner kommt der Schnupfen regelmäßig ein paar Mal pro Jahr ja auch vor. Das ist inzwischen zur Normaltät hierzulande erklärt worden, den jeder selbst bewältigen muss. Der Doktor kriegt für das Beratungsgespräch bei Erkältung streng abzurechnende Mindestgesprächseinheiten vergütet. Ob und welche Impfungen bezahlt werden, und für welche gefährdete Bevölkerungsgruppe, das wird ausgehandelt. Und Otto Löhner darf die diversen sonstigen Vitaminmittel und Hustennmittel gerade im Fall eines Schnupfens inzwischen fast ausschließlich aus seiner eigenen Tasche bezahlen: „Kostensenkungsprogramme“, „Selbstbeteiligung“ und „IGEL-Listen“ gibt es da auf breiter Front…

    Ja, s o kümmert sich der Staat, oder kümmert sich auch nicht, um noch jeden winzigen Schnupfen in seiner Gesellschaft …

    ---

    Lesetipps: https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/buchangebot/gesundheit

    https://www.heise.de/tp/features/Was-heisst-hier-Volksgesundheit-4687559.html

  41. 41 Nestor 31. März 2020 um 10:00 Uhr

    Nein, das von Belgien war nicht von mir.

    2009 wurden europaweit jede Menge Masken und andere Schutzkleidung angeschafft, was seither als Verschwendung und unnötige Hysterie bekopfschüttelt worden ist, weil es gerade mit der sich verschärfenden Finanzkrise überschnitten hat und dann im Nachhinein im Lichte der ganzen neuen Ausrichtung „Sparen, Sparen!“ als besonders unangemessen betrachtet wurde.

    Ich würde im Nachhinein sagen, daß die Finanzkrise 2008 ff. dadurch, daß sie die mit dem Euro ausgerufene Devise „Verschuldet euch!“ sozusagen dementiert und beendet hat, auch verschiedene bis dahin übliche Verfahrensweisen zwischen Staat und Volk auf den Misthaufen der Geschichte geworfen hat – gerade, aber nicht nur in Sachen Gesundheitssystem.

    Während bis dahin das Volk als Reichtumsquelle angesehen wurde, erhielt es mehr und mehr den Ruch, eine einzige Belastung der Staatskasse zu sein.

  42. 42 NN 31. März 2020 um 16:34 Uhr

    Die Grenzen des Machbaren (30.03.2020)
    Bundeswehr bereitet in Coronakrise Großeinsatz im Inland vor. Neues Infektionsschutzgesetz stellt Gesetzesbindung der Regierung zur Disposition.

    BERLIN (Eigener Bericht) – Die Bundeswehr bereitet im Windschatten der Coronakrise einen womöglich länger andauernden Inlandseinsatz vor. Ab Freitag dieser Woche sollen 15.000 Militärs voll einsatzbereit sein, um im Kampf gegen das Covid-19-Virus unter anderem logistische Aufgaben zu übernehmen. Im Gespräch sind auch polizeiliche Tätigkeiten. Der „Einsatz spezifisch militärischer Waffen“ ist laut Berichten nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Darüber hinaus führt die Bundeswehr für den Einsatz eine neue Befehlsstruktur ein: Sie konstituiert vier regionale Führungsstäbe bei zwei Panzerdivisionen, im Luftwaffen- sowie im Marinekommando, die jeweils für mehrere Bundesländer zuständig sind. Die Ausweitung des Einsatzes und die Bündelung der Befehlsstruktur geht mit Forderungen einher, die Grundgesetzbestimmungen für Interventionen im Inland zu lockern. Zugleich wird scharfe Kritik am neuen Infektionsschutzgesetz laut, das massive Grundrechtseinschränkungen ermöglicht. Rechtswissenschaftler weisen darauf hin, es stelle „die Gesetzesbindung von Regierung und Verwaltung weitgehend zur Disposition“.

    Militärische Amtshilfe

    Die Bundeswehr steht vor einem möglicherweise länger andauernden Großeinsatz im Inland. Ab Freitag dieser Woche (3. April) sollen 15.000 Soldaten voll einsatzbereit sein, um unterschiedliche Tätigkeiten im Kampf gegen das Covid-19-Virus zu übernehmen. Formal handelt es sich dabei um sogenannte Amtshilfe nach Artikel 35 des Grundgesetzes; demnach können die Streitkräfte angefordert werden, sofern dies zur Bewältigung einer Naturkatastrophe oder eines besonders schweren Unglücksfalls als nötig gilt. Bereits Mitte März haben Militärs in Einzelfällen Amtshilfe zu leisten begonnen, so etwa bei der Bereitstellung und der Einlagerung von Material, darunter Atemschutzmasken und Schutzanzüge, bei der Durchführung von Tests und bei der Versorgung von Lkw-Fahrern, die in Dutzende Kilometer langen Staus vor der Grenze zu Polen festsaßen. Bis Ende vergangener Woche waren gut 200 Anträge auf Amtshilfe bei der Bundeswehr eingegangen; davon waren 44genehmigt worden, neun waren abgeschlossen, 25 werden zur Zeit durchgeführt.[1]

    Soldaten als Polizisten

    Zum Wochenende sind nähere Angaben über die Einheiten bekannt geworden, die jetzt in volle Einsatzbereitschaft versetzt werden. Demnach werden künftig rund 2.500 Logistiker mit etwa 500 Lkw für „Lagerung, Transport, Umschlag“ bereitstehen.[2] Für Desinfektionstätigkeiten sind 18 Dekontaminationsgruppen mit insgesamt rund 250 Soldaten vorgesehen. 6.000 Militärs können zu nicht näher definierten Aktivitäten zur „Unterstützung der Bevölkerung“ herangezogen werden, rund 5.500 zu „Absicherung/Schutz“. Zudem sind 600 Feldjäger für „Ordnungs-/Verkehrsdienst“ eingeplant. Es zeichnet sich inzwischen klar ab, dass Soldaten dabei auch Aufgaben übernehmen können, die eigentlich für die Polizei reserviert sind. So will der Landrat des Lankreises Miesbach in Oberbayern rund zehn Soldaten einsetzen, um ein Gebäude des Technischen Hilfswerks abzusichern, in dem Schutzmasken und weitere medizinische Ausrüstung lagern. Einwände gegen eine etwaige Bewaffung der Soldaten gibt es bei den Kreisbehörden nicht.[3] Darüber hinaus hat das Bundesland Baden-Württemberg vor, krankheitsbedingte Ausfälle bei der Polizei in Kürze durch Militärs zu decken. Dabei gehe es, heißt es, etwa um Transportaufgaben und um den Schutz polizeilicher Einrichtungen.

    Neue Befehlsstruktur

    Für den Covid-19-Einsatz der Bundeswehr werden, wie der Fachjournalist Thomas Wiegold festhält, „neue Befehlsstrukturen im Inland“ geschaffen.[4] Galten bislang die Landeskommandos der Truppe als Ansprechpartner für die einzelnen Bundesländer in Sachen Amtshilfe, die ihrerseits dem Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin und damit dem Inspekteur der Streitkräftebasis unterstellt sind, so wird jetzt zwischen die Landeskommandos und die nationale Zentrale in Berlin eine weitere Ebene eingefügt: vier regionale Führungsstäbe, die jeweils für mehrere Bundesländer zuständig sind.[5] Angesiedelt sind sie bei der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim (Bayern), bei der 1. Panzerdivision in Oldenburg, beim Luftwaffenkommando in Berlin sowie beim Marinekommando in Rostock. Lediglich die ABC-Abwehreinheiten, die Desinfektionsaufgaben übernehmen sollen, sowie die Feldjäger sind unmittelbar dem Inspekteur der Streitkräftebasis, Martin Schelleis, unterstellt. Wiegold zitiert aus einer internen Anweisung der Truppe, der zufolge „in besonderen Ausnahmefällen und auf Weisung der Bundesministerin“ der „Einsatz spezifisch militärischer Waffen … zulässig“ sei.[6] Hatte das Bundesverfassungsgericht dies 2006 noch für unzulässig erklärt, so hat es den Beschluss im Jahr 2012 revidiert und den Einsatz spezifisch militärischer Mittel, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, erlaubt.[7]

    Grundgesetzänderung

    Mitgetragen wird der Covid-19-Inlandseinsatz der Bundeswehr auch von Reservisten. Bis Ende vergangener Woche hatten sich knapp 8.000 von ihnen freiwillig gemeldet. Hinzu kommt, dass die Debatte über eine Grundgesetzänderung zur Ausweitung derartiger Einsätze begonnen hat. Nach ersten Überlegungen des CDU-Militärpolitikers Roderich Kiesewetter, den Grundgesetzartikel 35 um die ausdrückliche Nennung von Pandemien als Einsatzgrund zu erweitern, hat sich Patrick Sensburg, Präsident des Bundeswehr-Reservistenverbandes sowie CDU-Bundestagsabgeordneter, entsprechend geäußert. Bezüglich der Einsatzfelder für die Bundeswehr müsse man „diskutieren“, was künftig unter „Sicherung kritischer Infrastruktur durch die Streitkräfte“ zu verstehen sei, forderte Sensburg: „Bislang war damit das Wasserwerk oder Elektrizitätswerk gemeint.“ Nun aber zeige sich, dass es dabei „auch um die Versorgung des Supermarkts um die Ecke oder von Lkw-Fahrern auf der Autobahn gehen kann“.[8] Eine „Klarstellung“ sei „sinnvoll“.

    Grundrechte eingeschränkt

    Unterdessen wird scharfe Kritik an dem neuen Infektionsschutzgesetz laut, das am Mittwoch vom Bundestag und am Freitag vom Bundesrat verabschiedet worden ist. Es ermächtigt den Bundesgesundheitsminister, sofern das deutsche Parlament eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ feststellt, zu weitreichenden Maßnahmen, die nicht zuletzt die Einschränkung oder die Aufhebung von Grundrechten umfassen, darunter die Versammlungsfreiheit und die Freizügigkeit, aber auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit.[9] Kritisiert wird dabei nicht nur, dass die Maßnahmen, wenngleich das Gesetz zunächst auf ein Jahr beschränkt ist, schwere Einschnitte mit sich bringen, sondern auch, dass sie weitreichende, grundsätzliche Bedeutung haben.

    Autoritäre Entscheidungen

    So weisen die Juristen Klaus Ferdinand Gärditz und Florian Meinel, Professoren für Öffentliches Recht an den Universitäten Bonn bzw. Würzburg, darauf hin, „dass das neue Infektionsschutzgesetz die Gesetzesbindung von Regierung und Verwaltung weitgehend zur Disposition stellt“. „Der neue Paragraph 5 Absatz 2 erteilt dem Gesundheitsminister die Befugnis, durch Rechtsverordnungen von den gesetzlichen Regelungen dieses und anderer Gesetze abzuweichen“, konstatieren Gärditz und Meinel: „Mit der Ermächtigung eines Bundesministeriums, gesetzesvertretendes Verordnungsrecht zu erlassen, setzt sich das Parlament in Widerspruch zu zentralen Normen der Verfassung“. Letztere seien eine Lehre aus „dem historischen Trauma des Ermächtigungsgesetzes vom März 1933 und der Handhabung des Notverordnungsrechts durch den letzten Reichspräsidenten“.[10] In dem neuen Infektionsschutzgesetz würden „die gesetzlichen Regelungen … ohne nennenswerte Begrenzung zur Disposition gestellt“; „Zweck und Ausmaß der Abweichungen bleiben opak“. Gärditz und Meinel warnen ausdrücklich, „die entscheidende Frage“ sei, ob die parlamentarische Exekutive „in der Situation höchster Gefahr in der Lage“ bleibe, „politische Mehrheiten für ihre Politik zu gewinnen“, „oder ob die Exekutive zur Chiffre einer Sehnsucht nach autoritären Entscheidungen mit harter Hand wird, die auf die Zustimmung einer zunehmend panischen Bevölkerung setzt“ – um rücksichtslos „die Grenzen des Sagbaren und des Machbaren auszutesten“.

  43. 43 Neoprene 31. März 2020 um 21:02 Uhr

    „“Die Zahlen sind vollkommen unzuverlässig“
    Wie gefährlich das Coronavirus ist, wissen Experten noch immer nicht genau. Hier erklärt der Statistikexperte Gerd Antes, was nun für eine Risikobewertung nötig ist und warum die Reaktion der Politik bislang richtig war. “
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-die-zahlen-sind-vollkommen-unzuverlaessig-a-7535b78f-ad68-4fa9-9533-06a224cc9250#ref=rss

  44. 44 Neoprene 01. April 2020 um 9:29 Uhr

    Ein Facebookler hat eine wohl aktuelle Studie irgendeiner Behörde in die Finger bekommen (VS – Nur für den Dienstgebrauch) zur Ausbreitung der Covid-19 Erkrankungen in Deutschland. Hier ein OCR-Auszug:

    „2. Modellrechnung zur Strategiefindung

    Der wesentliche Grund, weshalb die große Gefahr, die durch COVID-19 ausgeht, bis vor kurzem nicht gesehen wurde, ist die Schwierigkeit, exponentielles Wachstum intuitiv zu verstehen. Eine Modellierung soll helfen, die Dynamik von COVID-19 zu verstehen. Hierzu müssen wir unter anderem die Ausbreitungsgeschwindigkeit und die Sterblichkeitsrate des Virus kennen. Seit Anfang des Ausbruchs in Wuhan (VR China) wurde die Sterblichkeitsrate des Virus immer wieder heruntergespielt mit dem Hinweis auf eine mögliche „Dunkelziffer“. Asymptomatische und milde Fälle seien kaum getestet worden und würden daher die tatsächliche Sterblichkeitsrate noch verringern, wenn man diese unbekannten Fälle mit einberechnen würde. Dieses und andere Argumente haben lange zu einer Unterschätzung der Gefahr. die von dem Virus ausgeht, geführt. Erst die dramatische Lage in Italien hat teilweise zu einem Umdenken geführt, obwohl leider alle Indikatoren darauf hindeuten, dass dort der Höhepunkt der Neuansteckungen noch längst nicht erreicht ist. Falls nicht erfolgreiche Maßnahmen zum Eindämmen ergriffen werden, wird sich dort selbst in den jetzt schon am schwersten getroffenen Regionen die Lage voraussichtlich noch um mehr als eine Zehnerpotenz in Bezug auf die Anzahl Fälle und die Todesfälle verschlimmern.

    Die Abschätzung der Sterblichkeitsrate kann am besten mit den Daten aus Südkorea geschehen. Dort wurden mit minimalen Ausgangsbeschränkungen, vor allem durch effizientes Testen und Isolieren, die verschiedenen Ausbrüche erfolgreich unter Kontrolle gebracht. Bei einer erheblichen Dunkelziffer von nicht gefundenen Fällen wäre dies nicht möglich gewesen. Es erging nie ein Aufruf zur Selbstisolierung bei milden Symptomen, der in der Grippesaison und bei einem Virus, das sehr lange ansteckend ist, auch nicht viel gebracht hätte. Auch wurden dort durch die systematische Kontaktsuche sehr viele Personen getestet, die überhaupt keine Symptome hatten. Daher ist in Südkorea mit einer sehr kleinen Dunkelziffer zu rechnen. Die Fallsterblichkeitsraten pro Altersgruppe können daher als gute Referenz betrachtet werden, die noch leicht hinaufzusetzen sind, da noch regelmäßig Todesfälle gemeldet werden, obwohl wenige neue Fälle hinzukommen. Diese Zahlen sind außerdem mit den Zahlen aus China außerhalb Hubei kohärent, wo noch viel intensiver getestet wurde. Für die Verteilung der Fälle auf die verschiedenen Altersgruppen und die Alterspyramide in Südkorea erhält man eine mittlere Fallsterblichkeitsrate von momentan 1,1%. Angepasst an die Altersstruktur für Europa erhält man eine mittlere Fallsterblichkeitsrate von 1,8% bei bester Krankenhausversorgung. Die Daten aus Südkorea sollten daher als Mindestwerte für die endgültige Fallsterblichkeitsrate angesehen werden, wenn ein Ausbruch abgeklungen und alle Infizierten geheilt oder tot sind. Während der exponentiellen Ausbreitung kann man von einer vorläufigen (englisch: naive) Fallsterblichkeitsrate von circa 1% ausgehen. Das RKI geht in einem sehr moderaten Szenario derzeit von einer Letalität von 0,56% aus.1 In der weiteren Modellierung wird mit einer Fallsterblichkeit von 1,2% gearbeitet.

    Wir gehen davon aus, dass 5% der infizierten Personen hospitalisiert werden müssen und davon wiederum 30% eine intensivmedizinische Betreuung und weitere 20% mindestens eine Beatmung mittels entsprechenden Gerätschaften benötigen. Das RKI geht von einer Hospitalisierungsrate von 4,5% aus, wovon 25% intensivpflichtig werden.2 Darüber hinaus nehmen wir an, dass die Verweildauer auf der Intensivstation bei zehn Tagen liegt, wenn die Patienten so schnell wie möglich verlegt werden, um diese extrem knappe Ressource für die nächsten Patienten nutzen zu können. Für die Beatmung an einem Beatmungsgerät setzen wir neun Tage an und für Patienten, die einen Krankenhausaufenthalt ohne solche Unterstützungen benötigen, acht Tage. Die Mortalitätsraten werden je nach Behandlungsart differenziert. Bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten beträgt sie bei guter Krankenhausversorgung im Modell 1,2% und bei Rationierung wegen nicht ausreichender Krankenhausversorgung 2,0% – jeweils bezogen auf die Grundgesamtheit aller Infizierter.

    Was die Kapazitäten der Krankenhausversorgung angeht, gehen wir davon aus, dass derzeit 14.000 Intensivbetten für mit COVID-19 infizierte Menschen zur Verfügung stehen. Weitere 14.000 stehen für Patienten mit anderen Krankheiten bereit. Diese könnten jedoch eventuell nicht ausreichen, um Notfälle (z.B. Herzinfarkte, Schlaganfälle, etc.) ausreichend zu versorgen. Ferner nehmen wir an, dass 18.000 Beatmungsgeräte für mit COVID-19 infizierte Menschen vorhanden sind und fast 300.000 Betten in Krankenhäusern und Reha-Kliniken. Außerdem unterstellen wir, dass es gelingt, diese Zahlen in den nächsten Wochen sukzessive zu erhöhen – auf dann 24.000 „freie“ Intensivbetten, 28.000 Beatmungsgeräte und zusätzlich 60.000 Betten in Hotels und Messehallen.
    Hinsichtlich der Ausbreitungsgeschwindigkeit scheint sich in Deutschland derzeit die Zahl der gemeldeten infizierten Fälle etwa alle drei Tage zu verdoppeln. Erste Maßnahmen zur Reduktion physischer Kontakte, wie zum Beispiel das Verbot von großen Veranstaltungen und die Minimierung der Reisetätigkeit, sollten dazu führen, die Zeitspanne bis zur Verdopplung der Zahl Infizierter zu verlängern. Im Worst Case Szenario gehen wir davon aus, dass sich die Verdopplungszeit bis zum 14. April von drei auf dann sechs Tage erhöht – und bis Ende April auf neun Tage. Unter diesen Worst Case Annahmen wird die Zahl der Infizierten trotzdem rasant zunehmen und schon relativ bald 70% der Bevölkerung ausmachen. Es ist daher mit einer massiven Überlastung des Gesundheitssystems zu rechnen (Abbildung 1). Über 80% der intensivpflichtigen Patienten müssten von den Krankenhäusern mangels Kapazitäten abgewiesen werden. Dabei ist berücksichtigt, dass in der nächsten Zeit zusätzliche Intensivbetten und Beatmungsgeräte zur Verfügung gestellt werden. Die Phase der Rationierung könnte zwei Monate andauern. In diesem Szenario wäre mit mehr als einer Million Todesfällen zu rechnen.

  45. 45 Neoprene 01. April 2020 um 12:54 Uhr

    Chronik einer angekündigten Katastrophe
    Die Welt wusste, was auf sie zukommt. Spanien auch. Aber als sich das Coronavirus ankündigte, hatten die entscheidenden Leute Angst vor der Angst

    VON MARTIN DAHMS, MADRID in der Berliner Zeitung vom 1.4.2020

    „Wir sind auf eine ernsthafte Epidemie nicht vorbereitet“, sagte Bill Gates 2015. Eine Epidemie, die sich schneller ausbreite als Ebola, sei eine größere Gefahr für die Menschheit als ein Nuklearkrieg oder ein gewaltiges Erdbeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass er eine solche Epidemie miterlebe, schätzte der damals 59-Jährige auf „deutlich über 50 Prozent“. Angela Merkel sprach 2017 von der Gefahr einer „Epidemie an einem Ort der Welt, die sich dann vielleicht auch noch schnell ausbreitet“ und danach „die Wirtschaft der gesamten Welt in Mitleidenschaft ziehen kann“. In Berlin eröffnete sie damals ein Treffen der G20-Gesundheitsminister: Man wollte „Gemeinsam Pandemien verhindern“. Mit dabei war die damalige spanische Gesundheitsministerin Dolors Montserrat. Froh verkündete sie, dass Spanien im Kampf gegen Epidemien „viel beizutragen hat“.

    „Die Chronik der angekündigten Katastrophe könnte am Abend des 27. Februar beginnen, als der erste Covid- 19-Patient entdeckt worden war, von dem man nicht wusste, wo er sich angesteckt hatte, und Gesundheitsminister Salvador lila in einem Fernsehinterview sagte: „Die Panikszenen, die wir sehen, haben keinerlei rationale Grundlage.“ Mit „Panikszenen“ meinte der Minister keine Menschenmassen, die Lebensmittelläden plündern oder auf der Flucht kleine Kinder niedertrampeln, sondern die von Bürgern, die sich in der Apotheke in die Schlange stellten, um Schutzmasken zu kaufen. Wer in jenen Tagen für schlimmere Tage vorsorgte, musste sich von der Regierung seine Unvernunft Vorhalten lassen. Noch am 9. März, fünf Tage vor Ausrufung des Alarmzustands, versicherte Außenministerin Arancha Gonzalez Laya, dass die Regierung weder „in Alarmismus noch in Übertreibungen“ verfallen werde.“

    „Am 23. Januar hatte China, mit damals 634 positiv Getesteten und 18 registrierten Toten, eine Totalquarantäne über Wuhan und vier andere Städte verhängt. Eine Woche später erklärte die Weltgesundheitsorganisation wegen der Covid-19-Epidemie den internationalen Gesundheitsnotstand. Einen Tag später entdeckte Spanien den ersten Infizierten, einen deutschen Touristen auf La Gomera. „Spanien wird nicht viel mehr als den einen oder anderen diagnostizierten Fall haben“, sagte Fernando Simon, Direktor des spanischen Koordinationszentrums für Sanitäre Notfälle, an jenem Tag.“

    „Wochenlang konnte Simon kaum von neuen Fällen berichten, weil er nicht danach suchen ließ. „In Spanien gibt es weder ein Virus, noch wird die Krankheit übertragen,“ sagte Simon am 23. Februar. Zehn Tage vorher war der erste Spanier an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben, was am 3. März durch einen nachträglichen Test ans Licht kam. Am 24. Februar ließ Simon das Protokoll ändern, um Patienten mit verdächtiger Lungenentzündung auch dann auf das Virus untersuchen zu lassen, wenn sie nicht zuvor in China gewesen waren. So wurde am 27. Februar in Sevilla der erste Covid-19-Patient entdeckt, dessen Ansteckungsweg nicht mehr nachzuvollziehen war. Die Epidemie war nicht mehr unter Kontrolle. „Im Großteil des Landes ist das Risiko niedrig“, sagte Simon, in anderen Teilen sei es „mäßig“, „und es kann sogar hoch sein“.
    Die Regierung blieb gelassen, ihre größte Furcht waren Panik und Alarmismus. Sie rief die Spanier zur Teilnahme an den Demonstrationen zum internationalen Frauentag am 8. März auf, drei Ministerinnen infizierten sich (oder andere).“

  46. 46 Nestor 01. April 2020 um 13:05 Uhr

    Das immer wieder zitierte sükoreanische Modell schön und gut, aber wo bleiben die Tests?
    Es nützt einfach nix, mit „hätt ich doch und wär ich doch“-Lamentos angebliche oder wirkliche Versäumnisse zu beklagen.
    Abgesehen von der Schutzausrüstung, an der es auch allerorten zu mangeln scheint, fehlen doch überall die Testkapazitäten – sowohl für die PCR-Tests, mit denen der Virus nachgewiesen werden kann, noch für Bluttests, mit denen die Immunität nachgewiesen werden könnte.

    Die zu produzieren, und in ausreichender Menge, bringt offenbar niemand zusammen, Pharmaindustrie hin oder her.

  47. 47 Neoprene 01. April 2020 um 13:22 Uhr

    „Die zu produzieren, und in ausreichender Menge, bringt offenbar niemand zusammen, Pharmaindustrie hin oder her.“

    Ja, das beschreibt der Artikel in der Berliner Zeitung ja im Detail. Nur bleibt halt die Frage, wieso jetzt so was vergleichsweise Einfaches wie die Organisation der Produktion zusätzlicher Reagenzien nicht möglich sein soll. Das sie das nicht tun, sieht man, das sie das nicht hinbekommen würden, wenn sie es versuchten, wage ich zu bezweifeln.

  48. 48 Nestor 01. April 2020 um 13:31 Uhr

    Rätsel über Rätsel.

    „Frankreich, Deutschland und GB bestätigen, daß INSTEX seine erste Operation erfolgreich abgeschlossen hat: Den Transport medizinischer Ausrüstung an den Iran. Die medizinischen Güter befinden sich bereits im Iran.“ (El País, 1.4.)

    Freut mich für den Iran, aber ich frage mich, um was für Zeug es eigentlich geht, wenn es hier in Europa an allem fehlt und China und Kuba in Italien aushelfen müssen, während Österreich Ausrüstung aus Kuala Lumpur einfliegen läßt?
    Mir erscheint das eine Alibi-Handlung mit abgelaufenen oder unnötigem Zeug zu sein, um die Gunst der Stunde zu nützen und einmal Handelswege zum Unterlaufen der Sanktionen ausfindig zu machen.
    Die „Hilfe“ dient also gar nicht dem Iran, sondern soll dem europäischen Kapital „helfen“.

  49. 49 Nestor 01. April 2020 um 13:38 Uhr

    Spanien, das noch mitten in der Krankheits-Krise drinsteckt, überlegt schon, wie es die Wirtschaft wieder hochfahren könnte.

    Andere Staaten, wie Mexiko oder Ägypten, machen sich berechtigte Sorgen, ob sie sich so ein Zurückfahren der Aktivität wie die europäischen Staaten überhaupt leisten können?
    Ob da nicht die Hungertoten oder an anderen Krankheiten oder Verteilungskämpfen Sterbenden die Zahl der Corona-Virus-Erkrankten übersteigen würde?

  50. 50 Neoprene 01. April 2020 um 13:38 Uhr

    Hier der Artikel „Das Test-Problem“ aus der Berliner Zeitung vom 31.03.2010 nachgereicht:

    „Es wird immer unrealistischer, die Bevölkerung breit auf Sars-2 zu untersuchen. Neue Methoden dauern noch
    VON MICHAEL BRENDLER
    Opfer Nummer eins in den USA war ein junger Mann in Seattle, frisch aus Wuhan zurück. Er hatte Husten und Fieber. Das ließ die Ärzte aufhorchen. Die Behörden taten, was zu tun ist: Sie isolierten die engsten Kontakte, suchten nach Infektionswegen. Dann machten sie einen verhängnisvollen Fehler: Sie prüften nicht, ob sie Corona-Opfer übersehen hatten.
    Fünf Wochen lang wurde im US-Bundesstaat Washington niemand mehr auf Sars-CoV-2 getestet. Als man erneut begann, war der Erreger längst im Untergrund. In den folgenden Tagen zählte man in der Region mehr als zwanzig Todesopfer. Das Virus hatte sich still in der Bevölkerung ausgebreitet. Inzwischen verzeichnen die USA die weltweit meisten bestätigten Corona-Fälle.
    „Du kannst kein Feuer löschen, wenn du nicht weißt, wo es brennt“, warnte kürzlich WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Testen, testen, testen!“, laute das Motto im Kampf gegen die Pandemie. Das ist jedoch schwierig. Denn mindestens zwei von drei Infizierten stecken sich bei jemandem an, der keine oder nur sehr milde Symptome hat. Verhindern lasse sich das nur mit einem Kraftakt wie in Südkorea, sagt die Epidemiologin Emma Hodcroft vom Biozentrum der Universität Basel. Mit 5 744 Tests pro Million Einwohner liegt das Land weltweit an der Spitze.
    Neue Kriterien des RKI
    Symptomlose Überträger lassen sich nur dann herausfiltern, erklärt Hodcroft, wenn jeder die Chance auf einen Test bekommt, egal ob mit oder ohne Krankheitsanzeichen. Wer von seiner Infektion nichts weiß, wird das Virus ahnungslos in der Welt verbreiten. Sie plädiert noch aus einem zweiten Grund für eine Großfahndung: Ob Schulschließungen und soziale Distanzierung ihren Zweck erfüllen oder die Gegenmaßnahmen gar verschärft werden müssen, lasse sich nicht beurteilen, wenn der Erreger untertaucht. Dafür müssen die Ausbreitungswege des Virus nachvollziehbar bleiben.
    Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat sich vergangene Woche trotzdem entschlossen, die Kriterien, nach denen entschieden wird, ob eine Person untersucht wird oder nicht, enger zu fassen. Menschen mit milden Symptomen werden gebeten, zu Hause zu bleiben, Abstand zu anderen zu halten und auf den Test zu verzichten. Die Behörde hatte kaum eine andere Wahl: Die Labore kommen mit der Arbeit nicht hinterher. Manche Patienten mussten schon eine Woche auf ihr Testergebnis warten.
    Zunächst waren nur die Maschinen das Nadelöhr. Bislang ist man bei der Corona-Diagnostik auf das aufwendige PCR-Verfahren angewiesen. Es macht selbst schwache Virusspuren nachweisbar, weil sogenannte Primer sich unter allen Erbgutmolekülen in der Probe gezielt diejenigen heraussuchen, die von dem gesuchten Erreger stammen. Werden sie fündig, ist das das Startsignal für das Enzym DNA-Polymerase, den entsprechenden Genabschnitt so lange zu vervielfältigen, bis die Menge für den Nachweis ausreicht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass zuvor die RNA mit dem Bauplan des Erregers in DNA, den Code der menschlichen Gene, umgeschrieben wird.
    Herzstück der Analytik ist ein sogenannter Thermocycler, der das Erbgutgemisch immer wieder erhitzt und abkühlt. Unter Hitze werden die DNA-Ketten aufgespalten. Sinken die Temperaturen, können die Primer binden und den Kopierprozess in Gang setzen. Je weniger Zyklen für den Nachweis notwendig sind, desto mehr Viren waren in der Probe. Ungefähr fünf Stunden dauert das Procedere.
    Für eine Pandemie waren die Großlabore in Kliniken und Praxen aber nicht ausgestattet. Sie rüsteten hektisch Thermocycler nach. Inzwischen mangelt es weniger an Geräten, sagt Knud-Peter Krause vom Labor MDI Limbach Berlin, sondern an Reagenz-Nachschub. Für die Untersuchungen ist sein Team auf Testkits und Reagenzien angewiesen.
    Zunächst hatte die Industrie nur Schwierigkeiten, die RNA-Extraktoren zu bestücken. Diese Maschinen werden gebraucht, um das Erbgut aus den Proben zu fischen. Nun werden aber auch die anderen Chemikalien und Ersatzteile knapp, weil die Produzenten, die vor allem in China und den USA sitzen, die Lieferungen schuldig bleiben. Von täglich 40 auf 1800 Tests hat Krauses Labor die eigenen Kapazitäten in den letzten Wochen hochgerüstet. In zwei Tagen stehen die Maschinen wieder still, wenn nicht doch noch eine Lieferung mit Reagenzien kommt. Andere Labore berichten, sie hätten die Zahl ihrer Tests wegen fehlendem Reagenznachschub um 80 Prozent reduzieren müssen.
    Mit viel Rummel hat kürzlich der Pharmakonzern Roche sein Roboterlabor Cobas in die Corona-Diagnostik eingeführt. Es schafft 4 000 Tests in 24 Stunden – und kommt jetzt vielerorts mit der Lieferung der Test-Kits nicht hinterher. Beim Pharmakonzern Bayer scheint man noch optimistisch zu sein. Das Unternehmen stelle bundesweit mehr als 40 Geräte zur Virusdiagnostik aus der Forschung bereit, teilte Bayer am Montag mit. Damit könne die bundesweite Covid-19-Analysekapazität um mehrere tausend Tests pro Tag erhöht werden, allein in Berlin könnten zukünftig jeden Tag bis zu tausend Tests zusätzlich durchgeführt werden.
    Ob das realisiert werden kann, bleibt abzuwarten. Baden-Württemberg hat angesichts dieser Engpässe bereits seine offiziellen Empfehlungen geändert. Dort sollen nur noch durch Alter oder Begleiterkrankungen besonders gefährdete Patienten getestet werden, außerdem medizinische Angestellte. Alle anderen müssen darauf hoffen, dass noch Kapazitäten übrig bleiben.
    Eng geworden wäre es wahrscheinlich auch ohne Reagenzienmangel. Alle 5,5 Tage verdoppelt sich im Land momentan die Zahl der Infizierten, damit werde es zunehmend unrealistisch, noch allen Betroffenen einen Test anzubieten, sagt Stefan Brockmann vom Stuttgarter Landesgesundheitsamt. Schon jetzt tragen oder trugen hierzulande rund 60 OOO Menschen das Virus in sich, dazu kommt eine große Dunkelziffer. In Süddeutschland sind das bereits zu viele Fälle, um mit dem Testen hinterher zukommen. In Berlin, sagt Labormediziner Knud-Peter Krause, sei diese neue Phase noch nicht erreicht. Ob es dabei bleibt, hänge vor allem vom Erfolg der kontaktreduzierenden Maßnahmen ab.
    Das Bundesinnenministerium plant dagegen ganz im Sinne von Emma Hodcroft die Zahl der Tests massiv auszuweiten. Bald soll bereits ein „Eigenverdacht“ ausreichen, um sich und alle Kontaktpersonen für einen Test zu qualifizieren. Fachleute sind sich weitestgehend einig: Aktuell ist das unrealistisch.
    Opfer des Kampfs um die Kapazitäten drohen diejenigen zu werden, die die Tests am notwendigsten bräuchten, mahnt die Virologin Daniela Huzly von der Uniklinik Freiburg: Menschen, die mit Atemproblemen in die Krankenhäuser eingeliefert werden und bei denen das Testergebnis entscheidend dafür ist, welche Therapie eingeleitet wird.
    Eine mögliche Alternative wären Blutuntersuchungen, mit denen die vom körpereigenen Immunsystem gebildeten Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden. Diese Schnelltests werden mittlerweile sogar im Internet angeboten. Nach zwanzig Minuten, verspricht ein Anbieter, habe man Gewissheit, ob man infiziert ist oder nicht. Es reiche, zwei Tropfen Blut auf ein Kästchen aufzubringen, ein roter Streifen zeige, ob man positiv ist.
    Tests auf Antikörper und Antigene
    Das Verfahren misst die Antikörper, mit denen sich das Immunsystem gegen den Erreger wehrt. Die werden aber erst am Ende der ersten Erkrankungswoche gebildet. Eine frischere Infektion wird also übersehen. Zudem haben die Tests noch eine gewisse Fehlerrate, sagte der Berliner Virologe Christian Drosten in seinem Podcast im Norddeutschen Rundfunk. Verbesserte Techniken sollen das in den nächsten Wochen ändern – nur werden die nicht über das Internet für die Allgemeinheit verfügbar sein.
    In New York hat der Biotechnologe Florian Krammer zum Beispiel einen Antikörpertest entwickelt, der den Erreger seltener mit anderen Viren verwechselt. Sein Verfahren soll schon drei Tage nach der Ansteckung anschlagen – zugleich aber auch wie alle Antikörpertests nachträglich verraten, ob jemand infiziert war.
    Christian Drostens große Hoffnung ist ein Antigen-Test. Auch daran wird gearbeitet. Damit würden nicht die Gene, sondern die Eiweiße des Erregers aufgespürt. Aussehen soll das wie ein Schwangerschaftstest: eine Kassette mit einer Membran, auf der Antikörper sitzen, die sich gegen ausgesuchte Kennzeichen der Viren richten. Enthält der Abstrich tatsächlich den Erreger, binden diese nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip spezifisch dessen Proteine. Für einen weiteren Antikörper ist dies das Startsignal, sich an den entstandenen Antigen-Antikörper-Komplex zu binden und eine Farbreaktion auszulösen.
    Weil die Viren sich so rasant vermehren, ist Drosten zuversichtlich, dass die Teststreifen schon zwei, drei Tage nach einer Infektion die Erreger nachweisen werden. Ab Mai oder Juni könnten die ersten Produkte verfügbar sein, prognostiziert der Virologe, dann wäre die Massentestung spätestens umsetzbar. Mindestens bis dahin gilt: Abstand halten.

    THEORETISCH 500 000 TESTS PRO WOCHE
    Die Kapazität: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) lassen sich aktuell in Deutschland theoretisch 500 000 PCR-Tests pro Woche durchführen. Es sei sogar eine Steigerung der Zahl möglich, wenn man auf die großen Testkapazitäten im tiermedizinischen Bereich zurückgreife.
    Die Kosten: Ein Test kostet die Krankenkassen 59 Euro, das Ergebnis liegt im Schnitt vor allem aus logistischen Gründen nach drei bis vier Tagen vor. Die Kosten werden nur dann übernommen, wenn die Falldefinition des RKI erfüllt ist.
    Die Fehlerrate: Der PCR-Test selbst ist wenig fehleranfällig. Bei der Entwicklung wurde zum Beispiel ausgeschlossen, dass er auch bei anderen Coronaviren Alarm schlägt, die bei Menschen schon lange als gewöhnliche Erkältungserreger kursieren. Allerdings kann durch schlecht abgenommene Rachen- und Nasenabstriche ein Ergebnis fälschlicherweise negativ ausfallen.
    Sicherheit im Nachhinein, ob eine Infektion durchgemacht wurde, geben Antikörpertests. Verlässliche Tests dieser Art befinden sich für die breite Anwendung noch in Entwicklung.“

  51. 51 Neoprene 01. April 2020 um 13:43 Uhr

    Versorgungsengpass in Coronakrise
    Bundesministerien empfehlen Mehrfacheinsatz von Schutzmasken

    Das Arbeits- und Gesundheitsministerium legen eine neue Handreichung für Kliniken und Heime vor. Nach SPIEGEL-Informationen sollen Schutzmasken nach Gebrauch für eine erneute Nutzung aufbereitet werden.
    Von Cornelia Schmergal
    01.04.2020, 14:33 Uhr
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-ministerien-empfehlen-mehrfacheinsatz-von-schutzmasken-a-e0ec0856-be94-4d21-b23b-fd11b6aecd4b#ref=rss

  52. 52 Nestor 01. April 2020 um 14:07 Uhr

    Soweit ich das verstehe, hat die chemisch-pharmazeutische Industrie dergleichen Produktion schon vor einiger Zeit in großen Teilen der Welt eingestellt.
    War wohl nicht sehr profitversprechend.

    Dazu kommt, wer war denn der Haupt-Abnehmer für dergleichen Laborausrüstung und Testkits?
    Erraten, staatliche Gesundheitsinstitutionen!
    Die sparen aber schon seit Jahren, wo es nur geht, um „effizient“ zu werden.

    Noch dazu, da viel von dem Zeug – Masken, aber eben auch biologische Testkits – ein Ablaufdatum haben, und dann weggeschmissen und neu eingekauft werden müssen.
    Hinausgeschmissenes Geld, so fanden das offenbar viele Krankenhäuser, Ambulanzen und dgl.

  53. 53 Neoprene 01. April 2020 um 14:20 Uhr

    „Hinausgeschmissenes Geld, so fanden das offenbar viele Krankenhäuser, Ambulanzen und dgl.“

    Die nicht, sondern die Lauterbachs und Spahns dieser Welt. Die Gesundheitsversorgungseinrichtungen hätten sowas natürlich gerne gehabt und wenn nur in Reserve, das haben ja alle Experten ihren Regierungen immer wieder ans Herz gelegt. Nur war dann halt unisono die Antwort: „Hinausgeschmissenes Geld!“

    Und das ist schon ein bißchen verwunderlich. Denn die ganzen Planspiele, Modellierungen und Empfehlungen waren ja überall alles andere als Verharmlosungen. Beim Küstenschutz an der Nordsee z.B. kommt ja auch nicht gegen die Wetter- und Klimaexperten die politische Reaktion, „Mann, nur eine höhere Springflut in 100 Jahren zu erwarten? Da erhöhen wir doch keine Deiche!“

  54. 54 bertram 01. April 2020 um 14:38 Uhr

    “ So will der Landrat des Lankreises Miesbach in Oberbayern rund zehn Soldaten einsetzen, um ein Gebäude des Technischen Hilfswerks abzusichern, in dem Schutzmasken und weitere medizinische Ausrüstung lagern.“

    Na klar. Schutzmasken und medizinische Ausrüstung müssen nicht benutzt, sondern abgesichert werden. Wer hamstert hier?

  55. 55 Nestor 01. April 2020 um 14:50 Uhr

    @Neoprene

    Da wär ich mir nicht so sicher.

    Bei allen möglichen Naturkatastrophen kommt öfters – nicht immer – zum Vorschein, daß da auch einiges unterlassen wurde.

    Dergleichen findet inzwischen allerdings verstärkt in Staaten statt, denen besonders dicke Sparpakete aufgebrummt wurden.

    Bei den Masken, Tests usw. kommt m.E. auch dazu, daß viele die „Hysterie“ anläßlich der Grippe 2009 (und die dabei entstandenen Kosten!) zum Anlaß genommen haben, zu meinen, bei uns kann sowas nicht passieren!
    (Wir essen ja keine Fledermäuse, haben vorbildliche Lebensmittelgesetze, usw. usf.)

    Die EU präsentiert sich überhaupt seit dem Ausbruch der Krise 20ß8 ff. so, daß sie sich nach vorne gerne als Vorbild präsentiert und hinten allen Dreck unter den Teppich kehrt, in der Hoffnung, es wird schon alles gutgehen. Sehr dumm, und kindisch.

  56. 56 Nestor 02. April 2020 um 12:03 Uhr

    Es stellt sich langsam heraus, was alles wichtig ist:

    „Die Halbleiterindustrie hat als Produzent für Komponenten medizinischer Geräte einige Meilensteine vorzuweisen. So fand 2018 ein Chip-Produkt bei der Erkennung des Ebola-Virus während der Epidemie seinen erfolgreichen Einsatz.

    Ebenso stammen Präzisionsdüsen für den Einsatz in Inhalatoren zur genauen Dosierung von Medikamenten aus der Branche. Auch die Steuerung von Beatmungsgeräten basiere auf Komponenten aus der Chipfertigung, heißt es beim Fachverband.“

    https://industriemagazin.at/a/kampf-gegen-corona-wie-der-auftragsfertiger-wild-komponenten-fuer-blutanalysegeraete-produziert

  57. 57 NN 02. April 2020 um 13:34 Uhr

    Deutsche Kliniken haben nun 40.000 Intensivbetten

    Die Kliniken in Deutschland haben für schwere Covid-19-Fälle nachgerüstet. Die Zahl der Betten ist deutlich gestiegen, in denen Patienten beatmet oder anderweitig intensivmedizinisch betreut werden können.

    Tragen oder nicht tragen?

    Zunehmend wird eine Maskenpflicht gegen die Ausbreitung des Coronavirus gefordert. Doch wie effektiv ist der Mund-Nasen-Schutz wirklich? Die zehn wichtigsten Fakten.

    Kommt die 60-Stunden-Woche?

    Frankreich: Die Corona-Krise verändert das Verhältnis von Kapital und Arbeit

  58. 58 NN 02. April 2020 um 13:44 Uhr

    Aus aktuellem Anlass veröffentlicht der GegenStandpunkt vorab und fortlaufend die Artikel zur Corona-Krise, ihrer staatlichen Bewältigung und ihrer öffentlichen Aufbereitung.

    Hier die Links zu den ersten drei Teilen unserer Chronik des kapitalistisch-demokratischen Seuchengeschehens:

    Februar: Pandemie I. + Migrantenflut = Doppelkrise
    So war ‚Globalisierung‘ nicht gemeint!

    Er könnte so schön sein, der vollendete Weltmarkt: Die stärksten Kapitale nutzen den Globus für die profitsteigernde Organisation weltumspannender Wertschöpfungsketten, fürs zentralisierte Abschöpfen von Kaufkraft für das an den Börsen vorweggenommene Wachstum der kapitalistischen Unternehmenswelt. Auch das ist doch eigentlich nur schön: die Menschheit zu ihrem kommunikativen Glück über Handy und Facebook weltweit vernetzt, von Influencern über die Schönheiten des kapitalistischen Alltags umfassend ins Bild gesetzt.

    Und jetzt das…

    März: Pandemie II.
    Vom demokratischen Sinn einer Seuche

    Braucht die CDU „Aufbruch und Erneuerung“? Oder eher „Kontinuität“? Wäre die Nation mit F. Merz als Kanzler/kandidat besser bedient? Oder mit A. Laschet? Die Befassung der demokratischen Öffentlichkeit mit dieser Streitfrage war gerade in Gang gekommen und hätte so erregend werden können. Aber mit „Corona“ herrschen nicht bloß im Alltagsleben der Nation andere Prioritäten: Unter Seuchenbedingungen lebt die parteipolitische Konkurrenz nach einem etwas anderen Muster ganz kräftig auf.

    März ff.: Pandemie III.
    Die wirkliche Doppelkrise

    Im Lauf des März geraten nach und nach und bis auf Weiteres zwei Lebensbedingungen der Nation in Gefahr: Volksgesundheit und Volksernährung.

  59. 59 Nestor 02. April 2020 um 14:22 Uhr

    Zu dem Spiegel-Artikel und den Masken: Der Begriff „Gesundheit“ bedarf einer Korrektur.
    Abgeblich verlaufen die Hälfte der Ansteckungen ohne Symptome. Selbst wenn das zu hoch gegrffen ist: Zumindest ein guter Teil davon. D.h., der Betroffene ist infiziert, merkt aber nix. Damit ist er eben nicht „krank“.
    Das is das Hauptproblem dieser Corona-Krise, daß Infektion und Krankheit/Symptome sehr auseinanderklaffen.

    Sowohl Masken als auch Tests wären also wichtig – wenn es sie nur gäbe!

  60. 60 Nestor 02. April 2020 um 16:27 Uhr

    In Ungarn wollen sie eine Art kollektives Verfahren beim Testen anwenden, das darauf beruht, daß die einzelnen Abstrichproben der PCR-Tests zusammengeworfen und so durch die Laboranalyse getestet wird. Wenn nur einer positiv ist, so wird eben die ganze Gruppe in Quarantäne geschickt. Ist der Test jedoch negativ, so können alle munter nach Hause gehen.

    Das würde die Testerei verbilligen und beschleunigen, so die Meinung der ungarischen Virulogen.

    https://index.hu/techtud/2020/04/02/a_lakossag_nagy_reszet_tesztelni_lehetne_nehany_nap_alatt_ha_bevalik_a_magyar_kutatok_terve/

    Das wäre aber nur dann erfolgreich, wenn relativ wenige Leute vom Virus befallen wären.

  61. 61 bertram 02. April 2020 um 17:06 Uhr

    „Abgeblich verlaufen die Hälfte der Ansteckungen ohne Symptome. Selbst wenn das zu hoch gegrffen ist:“ Das ist eher zu niedrig gegriffen. Bei neo habe ich folgendes geschrieben:
    Heutiger Podcast von Drosten, der von einer neuen wissenschaftlichen Studie berichtet: „Die mittlere Inkubationszeit beträgt 5,2 Tage. Die Zeit, die es braucht damit der Virus von Patient zu Patient springt ist ungefähr im Mittel ebenso lang. Daraus folgt das der Erreger etwa 2-3 Tage vor den ersten Symptomen schon infektiös ist. Der Häufigkeitgipfel bei der Infektion ist ein halber Tag vor Symptombeginn. 44% aller Infektionsereignisse finden statt bevor der Infizierende Symptome zeigt.“
    Im Nächsten Beitrag noch folgendes:
    „Dann hat ein Mediziner aus der Charité (nicht Drosten) nochmal gesagt, dass sogar 80% der Ansteckungen von Symptomlose Infizierten passiert. Und das kann durchaus, wenn man einerseits rechnet, dass 44% der Infektionen von infizierten erfolgen die erst später Symptome zeigen. Dann geht der Rest auf Leute die keine oder nur leichte Symptome zeigen.“
    1. Schluss daraus: Die Quarantäne ist so gut wie witzlos. sieht man ja auch an den Zahlen. Die Ausgangssperre hätte sich längst in den Zahlen zeigen müssen, aber ich sehe da nichts.
    Gemeint ist nicht, dass Kranke nicht in Quarantäne sollten, sondern dass wegen der überwiegend symptomlosen Übertragung die Infektion fröhlich weitergeht.

    1. Schluss daraus: „Sowohl Masken als auch Tests wären also wichtig – wenn es sie nur gäbe!“ Ganz genau! Wir (also ich zumindest) wissen das ja schon eine geraume Zeit. Den politisch Mächtigen kann man hier nur dilettantisches Vorgehen attestieren. Vor allem wäre Test wichtig, die Wissen über die Verbreitung produzieren. Im Moment dient das Testen aber bloß individueller Diagnostik, damit einem Kranken der Krankheit entsprechend geholfen werden kann. Die Absolutzahlen sind darüber hinaus aber nichts wert, weil sie gar nichts darüber aussagen wieviele wirklich infiziert sind.

    Ein Virologe aus Bonn will jetzt so eine Studie im LK Heinsberg vornehmen, weil das RKI anscheinend gar nicht an sowas denkt oder daran nicht interessiert ist.
    http://neoprene.blogsport.de/2020/03/24/angst-vor-dem-virus-vertrauen-auf-den-staat-dillmann-bei-telepolis/#comment-127955

    Aber ein Landkreis ist natürlich viel zu wenig. Man muss mindestens 1 Große und eine kleine Stadt in jedem Bundesland nehmen. Und man muss mischen, Landkreise mit vielen Fällen und Landkreise mit wenigen Fällen. Meist ist das ja bloß eine zeitliche Verzögerung. Daraus lassen sich Schlüsse ziehen.

    „Wenn nur einer positiv ist, so wird eben die ganze Gruppe in Quarantäne geschickt.“ Also ich habe gehört, dass man im Positivfall, dann alle nochmal Einzeln Durchtesten muss. d.h. die Negativtests ersparen Einzeltests.

  62. 62 bertram 02. April 2020 um 18:11 Uhr

    Plötzlich ändert das Robert-Koch-Institut seine Einschätzung zum Mundschutz

    https://www.welt.de/wissenschaft/article206979269/Corona-Robert-Koch-Institut-aendert-Einschaetzung-zu-Mundschutz.html

    „In Deutschland wird derzeit kontrovers darüber diskutiert, ob eine Maskenpflicht eine sinnvolle Maßnahme im Kampf gegen Corona sein könnte.“ Aus einer Empfehlung wird gleich wieder eine „Pflicht“ gemacht, als wäre das nicht einsehbar, wenn man es richtig erklärt. Dabei ist eine Pflicht ja auch davon abhängig, ob man an eine Maske kommt. Nicht jeder kann nähen. Man kann es auch zur Pflicht machen, dass jeder einmal im Leben auf den Mond fliegen muss. Ist aber sinnlos, wenn es nicht geht.

  63. 63 libelle 02. April 2020 um 19:17 Uhr

    Was vielleicht noch nicht diskutiert worden ist: Ich vermute mal, dass wegen des Mangels an Saisonarbeitern in der Landwirtschaft Obst und Gemüse teurer werden. Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch Spanien, das ja einen großen Teil Erdbeeren und was weiß ich noch in die EU liefert.

    Es kommen wirklich alle Zutaten einer inflationären Entwicklung zusammen (die Staaten drucken Geld und die Produktion bricht ein).

  64. 64 Nestor 02. April 2020 um 19:35 Uhr

    @libelle

    Das gehört aber wieder nicht in diese Ecke.
    ------

    Neues zur Maskenlage: Während man inzwischen im Supermarkt eine erhält, kriegt meine Schwester, die in einer medizinischen Institution arbeitet, ein Stück pro Tag, von der allereinfachsten Sorte, die nach einer Stunde waschlnaß ist.

    Im Fernsehen freuen sich alle, inklusive des treusorgenden Bundespräsidenten, daß „das Schlimmste“ vorbei ist.

  65. 65 Mattis 02. April 2020 um 21:58 Uhr

    Inzwischen haben doch tatsächlich einige findige Köpfe festgestellt, dass man hochmoderne computergesteuerte Textilmaschinen sogar auf so was Komplexes wie eine einfache Schutzmaske umprogrammieren kann.
    Und dass man mit 3-D-Druckern tatsächlich Gesichtsschutz-Hauben herstellen kann und nicht nur Tassen und Pistolen.
    Und dass die einfachsten Masken, die auf jeden Fall besser sind als garnichts, an jeder Nähmaschine im Land produziert werden können.

    Die Innovationskraft des Kapitalismus ist wirklich erstaunlich, sobald ihm durch das Virus eine veritable Krise droht.
    Da schwenkt sogar das Robert-Koch-Institut um, denn jetzt gehts ja nicht nur um Menschenleben, sondern die Politik macht Druck wg. Ökonomie.

    Mehr Zynismus geht nicht. Die „Erkenntnisse“ werden Tag für Tag an das angepasst, was man an Einsatz gegen das Virus aufbieten WILL. Und jetzt will man einiges mehr tun als die Wochen zuvor, und schon wird eingestanden, dass das bloße Teilen der Atemluft ganz ohne Anhusten und Anniesen bereits infizieren kann. Wers wissen wollte, weiß das schon länger, denn die wenigsten Infizierten konnten berichten, angehustet worden zu sein.

  66. 66 bertram 02. April 2020 um 22:28 Uhr

    Eben sehe ich im TV eine Schalte zwischen Journalisten aus verschiedenen Ländern. Interessant ist wie Schweden mit dem Virus umgeht. Die Schulen sind nicht geschlossen, Man kann noch ins Caffee, eine Pizza essen gehen – also keine Ausgangssperre. Aber sie haben die Risikogruppe geschützt, Altenheime abgeriegelt, aber auch gleichzeitig in einer Messehalle ein Lazarett aufgebaut. Von den Zahlen steht aber Schweden auch nicht schlechter da. Wenn man die 10 Mill. Schweden und 5600 Fälle auf die deutschen Verhältnisse hochrechnet (x8) dann wäre das 45 000 Infizierte, also weniger als in Deutschland. Ich schließe da mal vorsichtig, dass die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren kaum was bringen. Hab ich ja im vorletzten Beitrag schon angedeutet, warum das so ist. Weil die Krankheit hauptsächlich durch Symptomlose (Inkubationszeit + Symptomlose Verläufe + milde Verläufe) übertragen wird. Und das widerum bedeutet, dass kopflos ohne Wissen irgendein Aktionismus durchgezogen wird, von dem man nur glaubt, dass er was bringt. Jeder hat dann das Gefühl, dass es was bringt, weil er ja was macht und wie empfohlen „zu hause bleibt“.

    „Im Fernsehen freuen sich alle, inklusive des treusorgenden Bundespräsidenten, daß „das Schlimmste“ vorbei ist.“

    Es sieht zwar tatsächlich (in den letzten drei Tagen) so aus, dass die Neuinfektionen pro Tag etwas zurückgehen, aber die Krankenzahlen steigen noch. Das heißt halt, dass das Schlimmste für die Nation und das Schlimmste für die Leut, zwei paar Stiefel sind.

    „Während man inzwischen im Supermarkt eine erhält, kriegt meine Schwester, die in einer medizinischen Institution arbeitet, ein Stück pro Tag, von der allereinfachsten Sorte, die nach einer Stunde waschlnaß ist.“ Heute ging durch die Presse: „Mehr als 2300 Pflegekräfte und Ärzte in Deutschland mit Coronavirus infiziert“

    In Österreich gibt es anscheinend seit Montag eine Mundschutzpflicht im Supermarkt.

    @Mattis:

    „Inzwischen haben doch tatsächlich einige findige Köpfe festgestellt, dass man hochmoderne computergesteuerte Textilmaschinen sogar auf so was Komplexes wie eine einfache Schutzmaske umprogrammieren kann.“

    Neulich hatte ich einen Betrag mit Link vorbereitet, wo über Firma Trigema berichtet wird, die jetzt statt Unterwäsche Atemschutzmasken näht, die sie auch prompt verkauft wie warme Semmeln. Leider kostet so eine Atemschutzmaske aber 10€ das Stück. Der Kommentar von Trigema war, „Leider können wir kein Wegwerfprodukt anbieten. Das würde uns ruinieren.“ (Aus dem Gedächtnis)

    „dass das bloße Teilen der Atemluft ganz ohne Anhusten und Anniesen bereits infizieren kann“ Kekule hat sich in irgendeiner der zahlreiche Talkshows, über das in die Armbeuge niesen lustig gemacht. Das würde nichts bringen. Schon seit einiger Zeit, höre ich diese Empfehlung nicht mehr. Am Anfang wurde ja behauptet, Atemschutzmaske tragen bringe nichts, es würde reichen in die Armbeuge zu niesen oder zu husten.

  67. 67 libelle 03. April 2020 um 8:18 Uhr

    Die Einschränkungen bringen deshalb nichts, weil sie nicht bis zur Wirksamkeit betrieben werden können. Es wird ja immer noch gearbeitet, Waren werden ausgeliefert etc… Ein Paketzusteller der Post reicht da schon.

    Das Konzept kontrollierter Durchseuchung ist bei so einer Epidemie, die eine relativ geringe Mortalität hat schon das Bessere, aber es bekennt sich eben zu einer gewissen Anzahl Opfer (bzw. nimmt sie in Kauf). Es ist dabei auch vorausgesetzt, dass man die Risikogruppen wirksam isolieren kann. Im Grunde genommen hätte man gezielt Pflegepersonal in China immunisieren müssen und dann die Altenheime schließen und die Alten irgendwo sammeln d.h. temporäre Altenheime hochziehen müssen.

    Die aktuellen Maßnahmen werden ohne Akzeptanz von Opfern durchgeführt (auch wenn die Opfer davon nicht weniger werden) und sind deshalb politisch, um die Bevölkerung ruhig zu halten besser vertretbar.

    edit: Zudem muss man als Politiker diese Maßnahmen in der ganzen eigenen Unkenntnis ( und der, der Experten) treffen. Und das spricht eben immer für Maßnahmen, die Opfer nicht akzeptieren. Die Maßnahmen müssen also das spätere Wissen der Gesellschaft um die Krankheit und ihre Ausbreitung einschließen und auch dann noch vertretbar sein. Und das sind Maßnahmen, die kontrolliert Opfer einkalkulieren eben nicht, wenn man daneben gelegen hat.

  68. 68 Mattis 03. April 2020 um 10:45 Uhr

    Natürlich kann man die Wirksamkeit diverser Methoden (Kontaktverbot, schlichte Masken im Supermarkt u.a.) bestreiten, aber ich persönlich hab keine Lust, zu warten, bis es „endgültig“ feststeht, ob es was gebracht hat oder nicht. Hab keine Lust auf der Intensiv zu bereuen, nicht vorsichtig genug gewesen zu sein.
    Wünsche den Schweden natürlich viel Erfolg.

  69. 69 Neoprene 03. April 2020 um 10:51 Uhr

    „Wünsche den Schweden natürlich viel Erfolg.“
    Ich auch. Nur haben sie halt keinen Erfolg gehabt:
    https://www.n-tv.de/panorama/Stockholm-eroeffnet-Lazarett-fuer-Covid-19-Faelle-article21689572.html

  70. 70 NN 03. April 2020 um 11:45 Uhr

    Covid-19 an Bord
    USA – Epizentrum der Pandemie
    Reinhard Lauterbach

    Erinnert sich noch jemand an das Lagerfeuergröllied »Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord«? Es ist 1934 entstanden, die Hitlerjugend sang es ausgiebig und es diente der Vertonung der laufenden Barbarei. Man kann dem alten Ohrwurm Aktualität nicht absprechen. Nach dem Motto »Wir lagen im Westpazifik und hatten Corona an Bord«. Der Kommandant des auf der Insel Guam stationierten US-Flugzeugträgers »Theodore Roosevelt« hatte das Pentagon ersucht, angesichts von gut 100 Infektionsfällen innerhalb der Besatzung der Evakuierung eines Teils davon an Land zuzustimmen. Ansonsten drohten Verluste (»casualties«), zitieren US-Medien aus dem Brandbrief des Offiziers. Denn, klar, an Bord sind die Bedingungen für eine Infektion ideal: 5.000 Leute auf engstem Raum, Quarantäne ein Fremdwort.

    Doch das US-Verteidigungsministerium ließ sich Zeit mit der erforderlichen Genehmigung. Statt dessen begannen Geheimdienstler, Nebelkerzen zu werfen: »Drei Beamte, die Einsicht in das Dossier hatten«, erzählten der Washington Post, China habe »der Welt« schöngerechnete Daten über die Erkrankungsfälle im eigenen Land geliefert. Das habe die USA in Sicherheit gewiegt, ansonsten hätte man schon anderthalb Monate früher Maßnahmen einleiten können, wetterte US-Außenminister Michael Pompeo.

    Das ist so dreist wie lächerlich. Erstens haben US-Geheimdienste schon im Januar ihren Präsidenten gewarnt, was da im Anrollen war. Nur hat der beliebt, die Sache zu bagatellisieren. Zweitens haben chinesische Forscher in der Kleinigkeit von 14 Tagen das Genom des Virus entschlüsselt und die Daten weltweit zur Verfügung gestellt. Die USA versuchten mutmaßlich derweil, eine Tübinger Biotechfirma aufzukaufen, um sich Exklusivrechte auf einen möglichen Impfstoff zu sichern. Und drittens glaubt wahrscheinlich nicht einmal Pompeo, dass die USA innerhalb von sechs Wochen ein öffentliches Gesundheitswesen auf die Beine stellen könnten, wenn sie das 75 Jahre lang versäumt haben. 1947 hatte Präsident Harry Truman kurzzeitig versucht, ein Krankenversicherungssystem nach europäischem Vorbild einzuführen, scheiterte aber am Widerstand im Kongress, dem das alles zu teuer und »unamerikanisch« erschien. Schließlich stand der Kampf gegen den »Kommunismus« auf der Tagesordnung, da mussten Prioritäten gesetzt werden.

    Die setzt Trump jetzt auch. Wie die Agentur AP am Mittwoch meldete, will er Kriegsschiffe vor die Küste Venezuelas schicken. Angeblich, um den Drogenschmuggel von dort in die USA einzudämmen. Man muss das verstehen. Angesichts der unterirdischen hygienischen Verhältnisse in »God’s own country«, inzwischen dem Land mit den meisten SARS-CoV-2-Infizierten weltweit, ist das, was international als Kanonenbootdiplomatie erscheint, nach innen aktive Pandemiebekämpfung. Hauptsache, die Risikopatienten sind außer Landes.

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    ag von der Entlassung des Kapitäns des Flugzeugträgers „Theodore Roosevelt“, Brett Crozier, berichtet, dessen Brief über einen Coronavirus-Ausbruch an Bord in den Massenmedien aufgetaucht war.

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    In China haben die Amerikaner direkt auf dem Rollfeld eine große Anzahl von Masken aufgekauft, die Frankreich für Krankenhäuser und Pflegeheime bestellt hat. Renaud Muselier, Vorsitzender des Generalrats der Region Provence-Alpes-Côte d‘Azur (PACA), hat dies gegenüber dem TV-Sender BFMTV am Donnerstag bekanntgegeben.

    Wie Südkorea nur knapp am Corona-GAU vorbeischrammte

    Die Effizienz der Maßnahmen, die Seoul zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie ergriffen hat, wird sowohl von den Medien, als auch von vielen Staats- und Regierungschefs und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelobt.

  71. 71 bertram 03. April 2020 um 13:29 Uhr

    „Hab keine Lust auf der Intensiv zu bereuen, nicht vorsichtig genug gewesen zu sein. Wünsche den Schweden natürlich viel Erfolg.“

    Es geht doch gar nicht um dich. Und du hast auch den Lockdown nicht bestellt. Und auch wenn es keine Ausgangssperre gibt, kann natürlich jeder zu hause bleiben.
    Genauso Neo: Das Lazarett gehört mit zum Konzept der Schweden, eben gleichzeitig die medizinischen Kapazitäten hochzufahren. Die sind ja nicht blöd und denken, uns passiert schon nichts. Das ist also überhaupt kein Beleg für Misserfolg.

    Der Punkt ist, man muss erklären warum die Schweden ohne Lockdown im Verhältnis zu Bevölkerung,um die Hälfte kleinere Ansteckungszahlen haben. Zum einen kommt eine um ca. 4 Tage verzögerte Ansteckung in Betracht, dann wären wir aber immer noch bei gleichen Ansteckungszahlen. d.h. man muss schonmal in Betracht ziehen, dass der Lockdown nichts oder wenig bringt. – Warum bringt er nichts? Weil die Hauptüberträger Symptomlose sind und dagegen hilft auch keine Händiapp, wie Drosten heute vorschlägt, weil die auch nur mit getesteten Infizierten funktioniert. d.h. eine Händiapp könnte nur eine ergänzende Maßnahme sein.

    „Das Konzept kontrollierter Durchseuchung ist bei so einer Epidemie, die eine relativ geringe Mortalität hat schon das Bessere, aber es bekennt sich eben zu einer gewissen Anzahl Opfer (bzw. nimmt sie in Kauf). „

    Südkorea hat nicht das Konzept der kontrollierten Durchseuchung, sondern des Stops der Ansteckung und ist damit wesentlich besser gefahren.

    “ Im Grunde genommen hätte man gezielt Pflegepersonal in China immunisieren müssen und dann die Altenheime schließen und die Alten irgendwo sammeln d.h. temporäre Altenheime hochziehen müssen.“

    Leute absichtlich anzustecken ist ein Nogo, das macht man nicht. Altenheime schließen, die Alten isolieren wurde meines Wissen in einigen Ländern praktiziert. Das halte ich für richtig.

    „Die aktuellen Maßnahmen werden ohne Akzeptanz von Opfern durchgeführt“

    Quarantäne ist immer eine Zwangsmaßnahme, die man als Opfer aber einsehen kann. Die muss halt bloß gut organisiert sein. Wenn man zuhause bleiben muss, muss man versorgt sein.

    „Die Maßnahmen müssen also das spätere Wissen der Gesellschaft um die Krankheit und ihre Ausbreitung einschließen und auch dann noch vertretbar sein.“

    Die Situation ist aber doch eine ganz andere. Es wurde durch die Bank Scheiße gebaut, dilettantisch vorgegangen. 1. Erstmal wurde viel zu spät (etwa eine Woche) reagiert, 2. dann wurde falsch reagiert, (Masken bringen nichts, In die Armbeuge husten), 3. dann wurde ein wissenschaftliches Monitoring des Ansteckungsverlaufs mit dem Ziel Wissen nicht gemacht. Regelmäßig stichprobenartig einen Bevölkerungsquerschnitt testen. 4. Ist den Dummbroten nicht im Traum eingefallen eine Produktion von Schutzkleidung, Masken, Reagenzien, Testkits hochzuziehen. Die Amerikaner kaufen übrigens nicht nur Frankreich die Masken vor der Nase weg. Auch die amerikanischen Gouverneure kaufen sich gegenseitig die Masken vor der Nase weg, weil das auf Bundesebene nicht organisiert ist.

    Stattdessen wird ein Shutdown gemacht, der hinterher vielleicht gesundheitstechnisch nicht schadet, aber einen jetzt schon abzusehenden massiven wirtschaftlichen Schaden anrichtet, der in den Todesopferzahlen dem Virus voraussichtlich nicht nachstehen wird. Bloß kann man halt im Unterschied zum Virus, „Tod wegen Armut“ in einem Test nicht nachweisen, also wird es vermutlich mal wieder keine Sau jucken. Denn das gehört zur kapitalistischen Normalität.

    Deutschland hat heute übrigens wieder deutliche Zunahmen, während in Italien, Frankreich, Österreich die Neuansteckung zurückgeht. Es gibt teils deutliche Unterschiede. Warum analysiert das niemand und zieht Schlüsse daraus? Das kann ja nicht bloß Zufall sein.

  72. 72 Nestor 03. April 2020 um 14:18 Uhr

    Das südkoreanische „Modell“, soweit ich es verstehe, beruht auf Bluttests. Die sind auch die Einzigen, die völlige Sicherheit schaffen, ob jemand infiziert ist, nicht infiziert ist oder die Infektion schon hinter sich hat, also immun ist.

    Im europäischen Umfeld scheint es jedoch keine Kapazitäten für dergleichen Tests zu geben.

    Deswegen wird sich hier auf die PCR-Tests konzentriert, die auf Speichelentnahme beruhen.
    Diese Speichelproben müssen dann noch in einem Labor einem Verfahren unterzogen werden, das den Virus vermehrt, damit er dann sicher nachweisbar ist.
    Das ist erstens zeitaufwendig, zweitens teuer und setzt drittens auch die entsprechenden Laborkapazitäten voraus.

    In Ungarn sagen sie laut offizieller Website jetzt: Selbst wenn wir die Kapazitäten hochfahren, braucht das Jahre, bis wir jeden durchgetestet haben.
    Deswegen erwägen sie eben derzeit solche Gruppentests, wo die Speichelproben einer Gruppe von Leuten zusammengeworfen und dann einmal im Labor getestet werden sollen – damit könnte man einmal Gruppen von Nicht-Infizierten ausschalten und dann weiter an den Positiven herumtesten.

    Das Verfahren würde erstens nur hinhauen, wenn wenig Leute infiziert sind, es löst aber zweitens die Frage nicht, die inzwischen in Europa alle Regierungen bewegt: Was muß geschehen, damit man den Virus als bekämpft betrachten und dann wieder zum Normalzustand zurückkehren, die Produktion und den Verkehr wieder hochfahren kann?

    Und darauf weiß derzeit niemand eine Antwort, deshalb die guten Ratschläge mit Händewaschen, der Kauf von Masken usw. und die Beschwichtigung aus allen Rohren. (Die Lähmung des allgemeinen gesellschaftlichen Lebens hat ja auch psychische Komponenten, die sich in Ausbrüchen und Durchdrehern äußern kann.)
    Das alles dient dazu, die Ansteckung zu verringern, „italienische“ – und inzwischen auch spanische – Verhältnisse zu vermeiden, aber nicht dazu, die Pandemie zu bewältigen.

    Die Maskenpflicht in Österreich wurde verkündet, aber gleich eine Woche Frist gelassen bis nächsten Montag, wo dann jeder Supermarkt Masken haben sollte. Das geht ja auch hierzulande nicht ruck-zuck.
    Bei den Masken gibt es verschiedene Kategorien, die üblichen sind die billigsten Wegwerfmasken mit geringem Schutz, der auch mit der Zeit und der Durchfeuchtung abnimmt. Die mit dem Mundsieb sind etwas längerfristig gedacht, weil die die Feuchtigkeit irgendwie hinauslassen.
    Das Problem ist, daß es mit ein paar großen Maskenlieferungen nicht getan ist, weil es sind ja dauernd frische nötig.

    Die USA versuchen das Problem – sehr traditionell – mit der dicken Brieftasche zu lösen, womit sie sich keine Freunde machen werden.
    Es ist auch anzunehmen, daß China reagieren und solche Blitzkäufe auf dem Rollfeld in Zukunft verhindern wird. Abgesehen von außenpolitischen Präferenzen stellt das ja eine Verletzung der Souveränität dar, wenn in dieser Form von fremden Agenten Lieferverträge ungültig gemacht werden.

    Was den Flugzeugträger in Guam angeht: Wo haben sich denn die Soldaten infiziert?
    Ihre letzte Station war Vietnam, die Vietnamesen behaupten jedoch, die Soldaten hätten sich nicht bei ihnen angesteckt, sondern im Gegenteil den Virus schon mitgebracht und Vietnamesen angesteckt.
    Die US-Heeresführung wollte den Fall offenbar um jeden Preis geheimhalten, weil er unangenehme Fragen aufwirft. Der Kapitän wird sich wohl nicht anders zu helfen gewußt haben als mit dem offenen Brief, womit er diese Taktik hintertrieben und sich entsprechend unbeliebt gemacht hat bei der Obrigkeit.

  73. 73 Nestor 03. April 2020 um 14:47 Uhr

    In Spanien stellt sich Leganes bei Madrid als eines der Epizentren der Pandemie in Spanien heraus.

    Einer der Gründe dürfte die hohe Konzentration von Altersheimen in dem Vorort sein.

    Weil das Spital keine Patienten mehr aufnehmen kann und nicht weiß, wohin mit den Toten – zuletzt 41 an einem Tag – rufen die Familienmitglieder die Polizei, weil sie schon seit 8 Stunden den toten Großvater zu Hause herumliegen haben und niemand kommt.

    Die Todesrate, die vom Großraum Madrid täglich ausgewiesen wird, gibt die Realität nicht wieder, weil in der Statistik nur die wirklich getesteten Toten aufscheinen, nicht die mit CV-Verdacht, weder die im Spital, noch die im Altersheim oder zu Hause Gestorbenen. (Das Gleiche wie in Italien.)

    Die Altersheime sind oft privat und melden gar nicht die wirkliche Zahl, weil sie um ihren Ruf fürchten. Es sind oft die Angehörigen, die die Lage mitkriegen und versuchen, ihre noch lebenden Verwandten evakuieren zu lassen, nur wohin?

    Die Patienen liegen im Spital am Gang, die Intensivstation geht über, die Ärzte schützen sich mit Regenumhängen aus Plastik.
    (El País, 3.4.)

  74. 74 Neoprene 03. April 2020 um 14:47 Uhr

    zu bertram:
    Mir ging es nicht um Lazarette, sondern den kleinen Passus hier:
    „Ein Pflegedienst sagte dem Fernsehsender SVT, dass sich in den von ihm betreuten Heimen in der Region Stockholm mittlerweile 250 Ältere infiziert hätten, darunter viele Senioren mit Vorerkrankungen. Von ihnen seien bisher 50 gestorben, sagte der Leiter des Dienstes Familjeläkarna, Stefan Amér.“
    Das ist mehr als in Wolfsburg und Würzburg zusammengenommen und wohl eh noch nicht vollständig erfaßt.

  75. 75 bertram 03. April 2020 um 16:52 Uhr

    „Was muß geschehen, damit man den Virus als bekämpft betrachten und dann wieder zum Normalzustand zurückkehren, die Produktion und den Verkehr wieder hochfahren kann?“ Soviel ich weiß ist das ungefähr klar. Die Reproduktionsrate muss sich verringern. Oder anders: Die Zeit, die es braucht damit sich die Infektionen verdoppeln mus von 3 auf velleicht 20 Tage sinken. siehe Kelkulè https://www.youtube.com/watch?v=UGyYMwmn8Kc oder Wieler https://www.youtube.com/watch?v=ZwIIWc2dNSQ ab 14:00 Fragen zur Erhebung von repräsentativen Stichproben siehe 23:00

  76. 76 Neoprene 03. April 2020 um 17:03 Uhr

    bertram, glaubst du ernsthaft, die Wiederanordung eines „Normalzustands“ wäre ausschließlich oder auch nur in erster Linie eine Frage der Ausbreitungsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2? Das war die Anordnung der Einschränkungen doch auch schon nicht.

  77. 77 Nestor 03. April 2020 um 18:46 Uhr

    @bertram

    Soviel ich weiß ist das ungefähr klar. Die Reproduktionsrate muss sich verringern.

    Aber geh.
    Sobald alles wieder hochgefahren wird, so würde sie sich doch sofort wieder erhöhen.
    Sie wird doch nur durch den Shutdown niedrig gehalten, um das Gesundheitswesen nicht zu überlasten.

    Denk doch ein bißl nach, bevor du sowas postest.

    Was ist in Schweden los? Kann da jemand was Genaues berichten? Aus den wiedersprüchlichen Posts hier werd ich nicht schlau.

    Zu Südkorea steht oben bereits alles Nötige: Das Modell ist offenbar nicht nach Europa übertragbar.

  78. 78 Leser 03. April 2020 um 18:51 Uhr

    zu Schweden

    Nimmt man die Toten pro einer Million Einwohner, steht Schweden im Vergleich zu seinen skandinavischen Nachbarn, die bereits seit Wochen weit rigorosere Maßnahmen ergriffen hatte, schlechter da. In Schweden gibt es derzeit 30,2 Tote pro einer Millionen Einwohner, in Dänemark 21,2, in Norwegen 9,4 und in Finnland 3,4, wo m vergangenen Freitag der Raum Helsinki abgeriegelt wurde, da sich dort ein Großteil der Infizierten aufhält. Solche Maßnahmen wären in Schweden undenkbar. Erst Anfang dieser Woche war die Versammlung von mehr als 50 Personen verboten worden, zuvor waren noch 500 erlaubt.

    Für viel Aufsehen erregte auch die Debatte um die Wintersportorte. Dort wurden noch bis zum 21. März Partys gefeiert, bei denen 499 Gäste zugelassen waren. Kritiker befürchteten, dass sich die schneesicheren Skizentren zu einem Infektionsherd wie etwa Ischgl entwickeln können. Am Dienstag in der letzten Woche gab das Gesundheitsamt dann ausdrücklich die Erlaubnis, den Skibetrieb über Ostern laufen zu lassen.

    https://www.heise.de/tp/features/Das-schwedische-Experiment-scheint-schief-zu-gehen-4696707.html

  79. 79 Nestor 03. April 2020 um 19:16 Uhr

    Das ist doch das Gleiche, wie Johnson bis vor einiger Zeit für GB vertreten hat.
    (Jetzt ist er schon anders drauf, nachdem es ihn erwischt hat: https://www.bbc.com/news/topics/c8nq32jw8r1t/boris-johnson
    Die Quarantäne scheint in GB aber nur eine Woche zu betragen.)

    In Schweden dürften die Ansteckungen langsamer vor sich gehen, weil es keine wirklichen Ballungsräume hat, wie Italien, Spanien oder Großbritannien.
    Warten wir einmal ab, wie die Sache dort weitergeht.
    Als „Modell“ übertragbar ist es jedenfalls nicht, was in Schweden abläuft.

  80. 80 Mattis 03. April 2020 um 19:20 Uhr

    @bertram

    „man muss schonmal in Betracht ziehen, dass der Lockdown nichts oder wenig bringt. – Warum bringt er nichts? Weil die Hauptüberträger Symptomlose sind“

    Grad deshalb ist der Lockdown doch ein Mittel. Eben weil man Infizierte nicht erkennen kann. Wenn ich keinem begegne, kann mich keiner infizieren (und umgekehrt). Dadurch streckt sich die „Durchseuchung“ zeitlich, wodurch die Chancen besserer Behandlung steigen.

    Das mit den wirtschaflichen Folgen ist eine kapitalistische Angelegenheit. Wenn Armut tödliche Folgen haben kann, dann nicht, weil man eine Pandemie mit Lockdown zu strecken sucht, sondern weil im Kapitalismus die ökonomische Existenz futsch ist, sobald man nicht mehr gebraucht wird, und dann können Obdachlosigkeit und unbehandelte Krankheiten etc. folgen. – In einer sozialistischen Ökonomie würde allenfalls erstmal der Güterberg schrumpfen, man müsste auf Vorräte zurückgreifen und die verfügbaren gesunden Arbeitsfähigen auf die Lebensmittelproduktion konzentrieren. Verhungern müsste keiner, und aus der Wohnung fliegen auch nicht.

    Nicht zu vergessen bei alldem: die meisten Toten gibt es derzeit dank der Priorität des Nationalkredits. Wie das? Zum einen durch jahrelange Ablehnung der Weiterförderung der Corona-Forschung, so dass diese über (bereits bedeutsame) Grundlagen-Erkenntnisse nicht hinauskam, und zweitens durch die fehlende allgemeine Katastrophen-Vorsorge. Kostet ja alles Geld ohne direkten Nutzen, das tut bekanntlich dem nationalen Kredit nicht so gut. Im Nachhinein werden jetzt schlaue Ökonomen ausrechnen, dass sich die Kosten durchaus sehr „gelohnt“ hätten, im Vergleich mit der zu erwartenden veritablen Krise.

  81. 81 Neoprene 03. April 2020 um 19:44 Uhr

    Zu Schweden:
    „Schweden nimmt mit seiner eher liberalen Politik im Kampf gegen das Coronavirus eine Sonderrolle in Europa ein. Nun bereitet Premier Stefan Löfven sein Land auf eine steigende Zahl von Schwerkranken und viele Todesfälle vor.
    Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven rechnet angesichts der Ausbreitung des Coronavirus mit Tausenden Todesfällen in Schweden. Dass die Pandemie in Schweden langsamer verlaufe als in anderen Ländern, bedeute nicht automatisch, dass es deshalb weniger Schwerkranke oder weniger Tote geben werde, sagte Löfven am Freitag in einem Interview der Zeitung „Dagens Nyheter“.
    https://www.welt.de/politik/ausland/article207021889/Corona-in-Schweden-Ministerpraesident-rechnet-mit-Tausenden-Toten.html
    „Der Staatsepidemiologe Anders Tegnell hatte schon am Donnerstag von einer „beunruhigenden“ Lage gesprochen, nun werden die Beschränkungen auch für die Schweden größer. 333 Menschen sind bis Freitag an dem Coronavirus gestorben, 469 Menschen werden auf Intensivstationen betreut.
    https://www.sueddeutsche.de/politik/schweden-coronavirus-gesundheitssystem-1.4867425
    „In Schweden leben rund 10,2 Millionen Menschen. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität, Stand 03.04., 15.30 Uhr, sind 6.078 Menschen an Covid-19 erkrankt. 333 Menschen in Schweden sind am Coronavirus bislang gestorben. 103 Menschen gelten derzeit als geheilt.“
    https://www.swp.de/panorama/Schweden-Corona-Umgang-locker-Kindergaerten-Schulen-und-Restaurants-sind-offen-Einreise-Skigebiete-Infizierte-Altersheime-kein-Besuch-45079758.html

  82. 82 Neoprene 03. April 2020 um 20:50 Uhr

    Zum Maskenmangel in Frankreich schrieb die Berliner Zeitung am 2.4.2020:

    „Mit einer Atemschutzmaske würde sich draußen fast jeder sicherer fühlen, aber es gibt keine zu kaufen, nirgends, auch nicht im Baumarkt. Um die Masken tobt von Anfang an eine heftige öffentliche Diskussion, die andauert. Denn sie sind auch in den Krankenhäusern knapp für Schwestern, Pfleger, Ärzte, die immer mehr Covid-19-Patienten zu betreuen haben und der Ansteckungsgefahr am stärksten ausgesetzt sind.
    Dabei hatte Frankreich vor zehn Jahren einen riesigen Vorrat: eine Milliarde chirurgischer Atemschutz-Masken plus 600 Millionen medizinischer Spezial-Masken des Typs FFP2. Aber als das Coronavirus kam, waren davon nur noch 140 Millionen einfache Chirurgie-Masken übrig, ein Teil davon in Kindergröße, für das ganze Land. Warum?
    2009 hatte die damalige Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot den staatlichen Vorrat anlegen lassen wegen der drohenden Grippe H1N1. Sie orderte auch 95 Millionen Impf-Einheiten. Als die H1N1 Frankreich verschonte, erntete Bachelot harsche Kritik und Spott von allen Seiten für den Berg ungenutzter Masken und Impfdosen. Ihre Amtsnachfolger unter Sarkozy und Präsident Hollande ließen den zentralen staatlichen Masken-Vorrat in den folgenden Jahren schrittweise abbauen, Krankenhäuser und Behörden sollten selber Vorräte anlegen.
    Zu Beginn der Corona-Krise beschlagnahmte die Regierung alle Masken-Bestände für Ärzte und Krankenhäuser. Die vier französischen Fabriken, die noch Masken hersteilen können, produzieren jetzt sechs Millionen Stück pro Woche, immer noch viel zu wenige bei einem wöchentlichen Bedarf von 40 Millionen allein für das medizinische Personal. Eine Milliarde Masken hat Frankreich jetzt in China bestellt.“
    Leider wurde diese Lieferung bekanntlich von den USA gekapert.

  83. 83 bertram 03. April 2020 um 22:55 Uhr

    „bertram, glaubst du ernsthaft, die Wiederanordung eines „Normalzustands“ wäre ausschließlich oder auch nur in erster Linie eine Frage der Ausbreitungsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2?“

    Das ist jedenfalls die Antwort die der nationale Chefvirologe Wieler vom RKI auf diese Frage geäußert hat. Und seine Empfehlung wird bei der Bundesregierung schon Gewicht haben. Dass das eine Einschätzungsfrage ist, wann die Reproduktionsrate sich genug verringert hat, damit man einige Maßnahmen zurücknehmen kann, sagt er ja selbst. Im Moment ist jedenfalls die Einschätzung so, dass es noch (viel) zu früh ist. Also die Reproduktionsrate spielt schon eine Rolle als Entscheidungsgrundlage der Politik. Das sollte man ernst nehmen. Ich dachte halt, ich muss das nicht so genau erläutern, weil die Links ja angegeben sind.

    „Sobald alles wieder hochgefahren wird, so würde sie sich doch sofort wieder erhöhen.“

    Grrr. Deshalb muss sie sich ja verringern.

    „Denk doch ein bißl nach, bevor du sowas postest.“

    Danke gleichfalls.

    „Sobald alles wieder hochgefahren wird, so würde sie sich doch sofort wieder erhöhen.“

    Deshalb bleibt es ja beim Shutdown. Die Reproduktionsrate muss eben unter 1 liegen (im Moment laut RKI etwa bei 1) weil die Ausgangsbeschränkung existiert. Bei 1 bleibt die Zahl der Neuinfektionen gleich. Deshalb habe ich den Link gepostet. Anhören nächstes mal.

    Was ich merkwürdig fand, dass ausgerechnet heute wo die Zahl der Neuinfektion stark angestiegen ist die Tagesschau titelt: RKI-Chef Wieler zum Coronavirus
    „Die Maßnahmen wirken“ Die Zahl der gemeldeten Corona-Infektionen in Deutschland steigt weiter. Dennoch gibt es laut RKI-Chef Wieler Grund zur Hoffnung. Denn die Geschwindigkeit der Ausbreitung verlangsamt sich. 12.05 Uhr ca. 80 000 Infizierte. Aktuell 23.00 Uhr 91 000 Infizierte.

    „13.34 Uhr: Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Coronavirus-Pandemie, hat bei Twitter auf eine Studie hingewiesen, die den Nutzen von Atemschutzmasken nachweist. Demnach schränkt kollektives Tragen von Masken die Ausbreitung von Coronaviren und Grippeviren ein.“

    Aber das RKI hat laut heutiger Auskunft von Wieler seine Einschätzung zu Masken nicht verändert, (denn das RKI macht keine Fehler).

    „Nimmt man die Toten pro einer Million Einwohner, steht Schweden im Vergleich zu seinen skandinavischen Nachbarn, die bereits seit Wochen weit rigorosere Maßnahmen ergriffen hatte, schlechter da.“

    Es kommt offenbar darauf an, womit man vergleicht. Ich hätte erwartet, das Schweden bei den soften Maßnahmen schlechter dasteht. Jedenfalls sollte man im Auge behalten, wie die Schweden mit ihrer Strategie fahren bzw. ob sie doch einen Strategiewechsel vornehmen.

    „In Schweden dürften die Ansteckungen langsamer vor sich gehen, weil es keine wirklichen Ballungsräume hat, „

    Stockholm ca. 1 Mill., Göteborg 0,5 Mill. bei 10 Mill. Gesamtbevölkerung.

    „Grad deshalb ist der Lockdown doch ein Mittel. Eben weil man Infizierte nicht erkennen kann. Wenn ich keinem begegne, kann mich keiner infizieren (und umgekehrt). Dadurch streckt sich die „Durchseuchung“ zeitlich, wodurch die Chancen besserer Behandlung steigen.“

    Stimmt zum Teil. Man darf ja zu Zweit Spazierengehen und nicht alle Betriebe haben dichtgemacht. Also ist es so ein halber Lockdown. Auch beim Einkaufen kann man nicht davon ausgehen, dass keiner angesteckt wird.

    „Wenn Armut tödliche Folgen haben kann, dann nicht, weil man eine Pandemie mit Lockdown zu strecken sucht, sondern weil im Kapitalismus die ökonomische Existenz futsch ist, sobald man nicht mehr gebraucht wird, und dann können Obdachlosigkeit und unbehandelte Krankheiten etc. folgen.“

    Dein „sondern“ verstehe ich nicht, denn das Strecken der Pandemie kann zu einer Rezession führen, die dann zu Tod durch Armut führt. Dass das dann am Kapitalismus liegt nützt den Opfern wenig.

  84. 84 Nestor 04. April 2020 um 0:36 Uhr

    In diesem einen Satz aus der Zeitung merkt man, wie geistlos oder begriffslos sich die Medien oft äußern:

    Nach Angaben der Johns Hopkins Universität, Stand 03.04., 15.30 Uhr, sind 6.078 Menschen an Covid-19 erkrankt.

    Die JH-Universität sammelt nur die Angaben, die sie aus den einzelnen Staaten erhält.
    In Schweden sind bis zu diesem Zeitpunkt 6.078 Menschen anläßlich einer Erkrankung positiv getestet worden, das besagt diese Zahl.
    Wieviele tatsächlich erkrankt, und wieviele infiziert sind, sagt diese Zahl nicht aus.

    Die Reproduktionsrate muss eben unter 1 liegen

    Gut gebellt, Genosse!
    Und dann ist was?

    Zu diesen Fachidioten, die sich in den Medien äußern, hat mir jemand diesen netten Telepolis-Artikel geschickt:

    https://www.heise.de/tp/features/Corona-Gemeingefaehrlich-koennen-auch-Virologen-sein-4696124.html?wt_mc=nl.tp-aktuell.taeglich

    Ich wäre dankbar, wenn sich die Poster mit Durchseuchungs-, Reproduktions- und sonstigen Raten und dem restlichen Unsinn etwas zurückhalten würden.
    Das kanns doch nicht sein daß man hier den Schmarrn dieser ratlosen Besserwisser wiedergibt!

  85. 85 bertram 04. April 2020 um 0:58 Uhr

    „wie geistlos oder begriffslos sich die Medien oft äußern:“ Das liegt daran, dass die Zahlen begriffslos s i n d und nicht daran, dass sich die Medien begriffslos äußern.

    „Und dann ist was?“ Mutt du halt lesen, was da steht. „Bei 1 bleibt die Zahl der Neuinfektionen gleich.“ Das heißt, wenn die Reproduktionsrate 1 ist und es Ausgangsbeschränkungen gibt, kann man diese nicht aufheben, weil die Reproduktionsrate dann über 1 steigt. Deshalb kann man Eindämmungsmaßnahmen erst dann lockern, wenn die Reproduktionsrate deutlich unter 1 liegt, weil man nach Lockerung nicht über 1 kommen will.

    „Ich wäre dankbar, wenn sich die Poster mit Durchseuchungs-, Reproduktions- und sonstigen Raten und dem restlichen Unsinn etwas zurückhalten würden.“ Warum denn? Das sind nunmal grundlegende Begriffe in der Epidemiologie, die man in solchen Zeiten auch mal zur Kenntnis nehmen kann. Tut doch nicht so als hätte man einen Anschlag vor oder würde was unanständiges sagen, bloß weil es ein Zusammenhang ist der nicht im Einmaleins des aufrechten Kommunisten vorkommt.

    „Das kanns doch nicht sein daß man hier den Schmarrn dieser ratlosen Besserwisser wiedergibt!“ Aber dass man gleich denkt, man bräuchte sich nicht auf das Niveau von Virologen und Epidemiologen herablassen, weil man als Kommunist was besseres ist und alle anderen nur Besserwisser – das ist auch verkehrt. Man muss einen Gegenstand schon vorher durchdringen, bevor man ein Kritik abgeben kann, die was taugt.

    “ Wie bereits erwähnt, breitete sich das SARS-Virus über die Außenluft aus, Corona möglicherweise bei Sport im Freien. Ein Webasto-Mitarbeiter erkrankte, nachdem er Rücken an Rücken mit einem Infizierten in der Kantine saß, wobei einmal ein Salzstreuer gereicht wurde. Der Infektionsweg über die Luft, durch normales Ausatmen, könnte unterschätzt worden sein…“

    Blödsinn. 1. „Verbreitung über die Außenluft“ Nochmal: Der Hauptansteckungsweg ist Tröpfcheninfektion. In der Außenluft geht aber immer ein leichter Wind, wodurch das Aerosol (die Minitröpfchenwolke) sofort stark verdünnt wird. Eine Infektion ist zwar nicht ausgeschlossen, aber viel, viel unwahrscheinlicher als in einem Gebäudemit begrenztem Luftvolumen. 2. Der Infektionsweg über die Luft, durch Ausatmen, ist nicht unterschätzt worden. Der heißt Tröpfcheninfektion und wurde immer als Hauptübertragungsweg betrachtet.

  86. 86 Mattis 04. April 2020 um 12:46 Uhr

    @bertram

    „Dein „sondern“ verstehe ich nicht, denn das Strecken der Pandemie kann zu einer Rezession führen, die dann zu Tod durch Armut führt. Dass das dann am Kapitalismus liegt nützt den Opfern wenig.“

    Mein Hinweis galt dem tatsächlichen Grund dafür, dass es diese Opfer gibt. Natürlich dient der Hinweis im April 2020 den Opfern nicht. Könnte aber künftig dienen, indem die realen und potentiellen Opfer den Kapitalismus infrage stellen. Rezession ist kein Naturereignis, eine Pandemie, die mangels Vorsorge soviele Opfer fordert, auch nicht.

    Ich höre den Einwand seit Jahren: grundlegende Kapitalismus-Kritik nützt jetzt nix, denn jetzt müsse konkret gehandelt werden. Als ob das ein Widerspruch sei! Aber die meinen mit „konkret“ jedesmal die Beendigung der Kapitalismus-Kritik.

    Jaja „erstmal“ die Corona-Krise meistern. So geht das immer: erstmal die Kriegsgefahr bannen, erstmal die Finanzkrise überwinden, erstmal die Klima-Katastrophe abwehren, erstmal gegen Entlassungen ein Konjunkturprogramm starten …

    Solange die Kritik am Kapitalismus so abgewehrt wird, bleibt dieser halt weiterhin die alles Bestimmende Realität und wird uns in jeder Dekade neue Krisen beschweren, vom alltäglichen ganz normalen Wahnsinn abgesehen.

    Wer diese Kritik nicht führen will, der kann über Corona-Maßnahmen auch beim FOCUS debattieren.

  87. 87 bertram 04. April 2020 um 14:20 Uhr

    Dann noch mal anders: Ich finde es nicht richtig, wenn man sagt es liegt nicht an der Pandemie, sondern am Kapitalismus, weil man damit einen Gegenstandswechsel vornimmt. Es liegt daran, wie die Pandemie im Kapitalismus gemanagt wird. Die Pandemie verschärft eben die Abhängigkeit der Existenz der Lohnarbeiter vom Bedarf des Kapitals. In gesellschaftlichen Zuständen, wo die Existenz der Bevölkerungsmehrheit an der Benutzung des Kapitals hängt, wird eine Stilllegung der Benutzung wegen einer Pandemie automatisch zu ökonomischen Existenzfrage der Lohnarbeiterklasse. Im Kapitalismus wird eine Pandemie zur Zwickmühle: Bestreitung der Existenz durch die Seuche oder durch ausfallenden Lohn. Wobei sich niemand die Alternative aussuchen kann.

  88. 88 Mattis 04. April 2020 um 15:06 Uhr

    „Ein Webasto-Mitarbeiter erkrankte, nachdem er Rücken an Rücken mit einem Infizierten in der Kantine saß, wobei einmal ein Salzstreuer gereicht wurde.“

    Ich begreife nicht, wieso man das als Blödsinn abtun kann. Tatsächlich können sich die wenigsten Infizierten daran erinnern, angehustet oder angeniest worden zu sein. Als ob man sowas in diesen Wochen vergessen würde! Damit ist auch erklärlich, wieso kaum ermittelt werden kann, wer einen angesteckt haben könnte, wenn man mehrere auch nur „kleine“ Kontakte hatte.

    Die „Tröpfchen“ können eben verdammt klein sein und trotzdem das Virus mitgeben. Angesprochen zu werden würde da schon ausreichen, bei stehender Luft selbst auf 2 Meter. (Könnten Sie mir bitte den Salzstreuer rüberreichen? – Angesprochener dreht sich um: Ja, gerne. – Antwort: Danke.) Das ist doch einfache Physik.

    Deswegen sind die Mundschutz-Masken ja auch nur ein schwacher Schutz (aber immerhin besser als gar keiner), selbst die FFP3-Masken nicht; letztere filtern die Atemluft, aber Augen und Wangen sind für die Virus-Anhaftung zugänglich.

    In einigen Werkstätten, auch privaten Garagen, werden deshalb durchsichtige Hauben konstruiert, die das ganze Gesicht bedecken sollen, mit leicht und wiederholt zu reinigendem Kunststoff. Dadurch ergibt sich eine weitere Senkung des Übertragungsrisikos.

  89. 89 Mattis 04. April 2020 um 15:21 Uhr

    @bertram:

    „Ich finde es nicht richtig, wenn man sagt es liegt nicht an der Pandemie, sondern am Kapitalismus, weil man damit einen Gegenstandswechsel vornimmt. Es liegt daran, wie die Pandemie im Kapitalismus gemanagt wird.“

    Dass sich das Virus bis zur Pandemie verbreiten konnte, liegt doch bereits im System begründet. Da ist doch schon fast alles gelaufen, bevor das „Management“ überhaupt beginnt. Die den Einsparungen geschuldeten Engpässe (was jetzt niedlich ausgedrückt ist) sind doch alle ganz ohne Krise geschaffen worden.

    Unter anderem hatten universitäre Corona-Forscher seit Jahren vergeblich Unternehmen angesprochen, hier zu investieren. Und die Standort-Politik zugunsten des Kapitals hat für ziemlich nachhaltige Kürzungen im Gesundheitswesen gesorgt.

    Umweltzerstörung wäre dann auch nicht durch Kapitalismus bedingt, sondern nur durch dessen falsches Umwelt-Management. Und die „Finanzkrise“ lag dann auch nicht an kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten, sondern am unprofessionellen Umgang mit Krediten.

    Irgendwie scheinen beide Seiten aber doch zusammenzugehören, oder passieren am Ende Entlassungen im Kapitalismus auch nur deshalb, weil das Management des Unternehmens „versagt“ hat (die übliche Gewerkschafts-Formulierung)?

  90. 90 bertram 04. April 2020 um 18:48 Uhr

    „Ich begreife nicht, wieso man das als Blödsinn abtun kann. Tatsächlich können sich die wenigsten Infizierten daran erinnern, angehustet oder angeniest worden zu sein. „

    Der Blödsinn ist, dass die Übertragung durch die Luft u n t e r s c h ä t z t wurde. Der Blödsinn ist nicht, dass übertragung durch schwebende Tröpfchen in der Luft stattfindet. Wer sich darüber wundert, dass normales Atmen zu Ansteckung führen kann, der hat vorher aus irgendeinem Grund geglaubt nur Niesen oder Husten können zu Ansteckung führen. Das hat aber nun wirklich niemand behauptet. Das ist ein falscher Schluss, der vielleicht durch die Niesettikette in die Armbeuge nahegelegt wurde.

    „Dass sich das Virus bis zur Pandemie verbreiten konnte, liegt doch bereits im System begründet. „

    Na klar. Das Argument muss aber heißen: Wie geht der Kapitalismus mit der Pandemie um und nicht Kapitalismus ist eh Scheiße, weil wird man vom Kapital nicht gebraucht, hat man keine Existenzgrundlage.

    “ Da ist doch schon fast alles gelaufen, bevor das „Management“ überhaupt beginnt. „

    Das Management beginnt ja nicht mit beginn der Pandemie, sondern schon vorher damit, wie sie die Regierung auf sowas (nicht) vorbereitet.

    „Umweltzerstörung wäre dann auch nicht durch Kapitalismus bedingt, sondern nur durch dessen falsches Umwelt-Management.“

    Nochmal: Ich habe mich gerade dagegen ausgesprochen, den Kapitalismus von seiner Umgehensweise mit einer Seuche oder der Umwelt zu t r e n n e n. Man muss doch ein spezifisches Seuchen- und ein spezifisches Umweltargument sagen, und nicht altbekannte Binsenweisheiten über den Kapitalismus wiederholen. Dein nicht- sondern halte ich für einen verkehrten Gegensatz. Es ist nicht die Krankheit, sondern der Kapitalismus. Nein. Es die Art und Weise wie der Kapitalismus sich auf eine Pandemie bezieht. Deine sonstigen inhaltlichen Argumente stimmen alle.

  91. 91 Nestor 04. April 2020 um 21:59 Uhr

    @bertram

    Ich finde es nicht richtig, wenn man sagt es liegt nicht an der Pandemie, sondern am Kapitalismus

    Was liegt denn nicht an dem einen oder dem anderen? Ich weiß gar nicht, was mit diesem Satz ausgesagt werden soll!

    Es liegt daran, wie die Pandemie im Kapitalismus gemanagt wird.

    Schon wieder dieses Geistersubjekt. Abgesehen, daß ich „managen“ für die Art, wie Politiker und viele Ärzte mit dem CV umgehen, etwas zu hoch gegriffen finde.

    Deshalb kann man Eindämmungsmaßnahmen erst dann lockern, wenn die Reproduktionsrate deutlich unter 1 liegt

    Die ganze Ausdrucksweise von dir ist so trostlos.
    Wer ist „man“? Die Politiker? Welches Landes? Was heißt „können“? Es liegt doch daran, was sie wollen!
    Diese Reproduktionsraten heißen nur, daß die unkontrollierte Ausbreitung verhindert wurde – durch Kontaktvermeidung.
    Werden die Kontakte wieder zugelassen, so wird es wieder mehr Ansteckungen geben. Dann kommt die „zweite Welle“. Heute wurde gesagt, daß es in Singapur wieder so weit ist.

    Du gibst einfach den Unsinn wieder, ohne nachzudenken, was da eigentlich gesagt wird: Wir, die Deppen, die wir an der Macht sind, versuchen ein Gleichgewicht zu finden zwischen einer kontrollierten Ausbreitung und einer Rückkehr zum vorigen Kreislauf von Produktion und Distribution.

    Das ist ein Ideal, weil dieses Gleichgewicht gibt es nicht.

    Man muß entweder die ganze Bevölkerung durchtesten, oder einen Impfstoff entwickeln. An beidem wird gearbeitet, aber ohne das Vorhandensein einer solchen Möglichkeit ist dieses Repoduktionsraten- und Durchseuchungs-Geschwätz öde.

  92. 92 bertram 04. April 2020 um 22:52 Uhr

    1. „Wenn Armut tödliche Folgen haben kann,“ – So hat diese kleine Diskussion begonnen. „Es“ Sind die Opfer der Pandemie im Kapitalismus. Das sollte nur sowas wie ne Randbemerkung sein. Wer’s verstehen will, scrollt hoch und versteht es auch. Wer nicht soll’s lassen. Jedem hinterherzudenken, der dazu gar keine Lust hat, dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade.

    2. „„managen“ für die Art, wie Politiker und viele Ärzte mit dem CV umgehen, etwas zu hoch gegriffen finde.“ – du hältst „managen“ für ein Lob? – geschenkt.

    3. Wer ist „man“? Wer wohl? Die, die das entscheiden eben.

    4.

    Diese Reproduktionsraten heißen nur, daß die unkontrollierte Ausbreitung verhindert wurde – durch Kontaktvermeidung.

    Die ganze Ausdrucksweise von dir ist so trostlos. Kannst du vielleicht mal den Begriff der Reproduktionsrate, von der Konsequenz trennen, die Epidemiologen oder Politiker auf ihrer Grundlage ziehen.

    „Du gibst einfach den Unsinn wieder, ohne nachzudenken, was da eigentlich gesagt wird:“ Nein Herrgott. Du willst dir nicht klar machen, was die Reproduktionsrate eines Virus ist und was das mit der Durchseuchung der Bevölkerung zu tun hat. Deine Ignoranz ist aber kein Argument. Ich „plapper“ das nach, weil ich es im Unterschied zu dir verstanden habe und für eine reale naturwissenschaftliche Abhängigkeit halte. Das sind eben epidemiologische Begriffe. Du glaubst jedoch darüber erhaben zu sein, keine Ahnung warum. Irgendwie unter deiner Würde.

    „Wir, die Deppen, die wir an der Macht sind, versuchen ein Gleichgewicht zu finden zwischen einer kontrollierten Ausbreitung und einer Rückkehr zum vorigen Kreislauf von Produktion und Distribution.“ Nochmal: Du musst bitte den Epidemiologischen Sachverhalt und die Abhängigkeiten t r e n n e n von den politischen Schlüssen, die daraus gezogen werden.

    „Man muß entweder die ganze Bevölkerung durchtesten, oder einen Impfstoff entwickeln…aber ohne das Vorhandensein einer solchen Möglichkeit ist dieses Repoduktionsraten- und Durchseuchungs-Geschwätz öde.“
    Es ist genau umgekehrt. Hätte man einen Impfstoff, d a n n wäre „Repoduktionsraten- und Durchseuchungs-Geschwätz“ überflüssig. Und zwar, weil man mit dem Impfstoff künstlich das Ergebnis einer Durchseuchung herstellt – temporäre Immunität. Durch Impfen wird die Reproduktionsrate des Virus im Idealfall, wenn alle geimpft wären und die Impfung funktioniert, auf 0 gedrückt. Solange der Impfstoff nicht da ist und solange der Virus in der Bevölkerung ist und wegen der Masse der Fälle die Ansteckungsketten nicht mehr nachverfolgbar sind, müssen eben Maßnahmen ergriffen, damit die Zahl der Neuinfizierten nicht das Gesundheitssystem überlasten. So zumindest die offizielle Zielvorgabe der zuständigen Seuchenwächter. Das ist natürlich eine politische Vorgabe, die ich hier und an anderer Stelle ausgiebig k r i t i s i e r t habe. Davon zu trennen sind aber die epidemiologischen Begriffe wie die Reproduktionsrate eines Virus. Die wird es übrigens auch im Kommunismus noch geben.

  93. 93 Nestor 05. April 2020 um 11:24 Uhr

    Ein kleiner Zustandsbericht aus den USA, wo Begräbnisse die Verbreitungs-Gelegenheit für den Virus boten:

    What the Coronavirus Is Doing to Rural Georgia

  94. 94 Mattis 05. April 2020 um 11:58 Uhr

    @bertram

    Ich hab nie geschrieben „Kapitalismus ist eh Scheiße“, sondern hab Stichworte dazu genannt wie mangelnde öffentliche Vorsorge, Priorität Haushaltspolitik für den Nationalkredit, hab gezeigt, dass kap. Unternehmen nicht in Forschung und Gegenmittel investieren, solange dabei kein Profit gesichert ist etc. pp. – und das alles zeigt, WIE Kapitalismus hier die systemische Ursache ist, dass also der praktizierte „Umgang“ mit der Seuche eben kein Zufall ist; und nur dann ist auch klargestellt, dass z.B. Forderungen nach einem künftig besseren Management nicht die Schlußfolgerung aus dem ganzen Corona-Thema sein kann.

  95. 95 Neoprene 06. April 2020 um 9:22 Uhr

    Einsichten in die Schwierigkeiten, die im Augenblick gerade die USA haben, „schnell“ die Anzahl von verfügbaren Beatmungsgeräten zu erhöhen:
    https://www.washingtonpost.com/business/2020/04/04/ventilators-coronavirus-ford-gm/

  96. 96 Nestor 06. April 2020 um 12:08 Uhr

    In Russland sind die CV-Fälle vor allem bei Leuten mittleren Alters oder sogar jungen Menschen aufgetreten, weil die mehr reisen und sich deshalb leichter anstecken konnten. (Ischgl läßt grüßen! :-) )

    Die Komsomolskaja Pravda meint, die hohe Sterblichkeit in Italien sei teilweise nur indirekt mit dem CV in Verbindung zu bringen. Viele Leute sterben an anderen Krankheiten, in einer Art Panikreaktion, die noch nicht genau untersucht worden ist. Aber sie werden ohne Test oder Untersuchung einer Ansteckungsmöglichkeit zu den CV-Toten gezählt.
    (Eine spanische Ärztin spricht an anderer Stelle von „vorgezogenen Todesfällen“, also Leuten, die an einer – oder mehreren – anderen Krankheiten leiden, und durch die allgemeine Unruhe und Panik dann plötzlich versterben.)

    Die KP befaßt sich auch mit der Stadt Ferrara in Italien, wo es kaum CV-Todesfälle gibt und das Leben verhältnismäßig normal seinen Gang geht.
    Eine These ist, daß das Gebiet lange Malariazone war und sich daher vielleicht eine Malaria-Resistenz herausgebildet hat, die auch gegen das CV wirkt.
    Auch aufgrund der Malaria sei im Gebiet von Ferrara die Beta-Thalassämie weitverbreitet sei. Wikipedia behauptet jedoch, sie sei im 20. Jahrhundert erfolgreich bekämpft worden: Marino Ortolani

    Ich nehme an, daß in Rußland – in Zusammenarbeit mit Kuba – vor allem in Richtung Malaria-Medikament weitergeforscht wird.

  97. 97 NN 06. April 2020 um 12:13 Uhr

    Zwei Millionen Schutzmasken aus China in Berlin angekommen

    In Berlin sind zwei Millionen Atemschutzmasken und 300.000 Schutzkittel aus China angekommen. Die medizinische Schutzkleidung soll ab Montag in Berlin unter anderem an Kliniken, Pflegeheime und an die Polizei verteilt werden.

    Erfüllung alter Träume
    Im Zuge der Coronapandemie wärmen Unionspolitiker die Forderung nach militärischen Inlandseinsätzen wieder auf. Bundeswehr ist marschbereit
    Von Ulla Jelpke

    Noch beschränken sich die Tätigkeiten der Bundeswehr in Zusammenhang mit der Coronakrise auf einfache Amtshilfe, ohne hoheitliche Aufgaben wahrzunehmen. Die Rufe nach repressiven Einsätzen des Militärs im Inland reißen aber nicht ab, und die Bundeswehr bereitet sich bereits auf ein derartiges Vorgehen vor.

    Nach Angaben der für Logistik zuständigen Streitkräftebasis lagen dort mit Stand von Ende vergangener Woche 280 Anträge auf Amtshilfe aus Ländern und Kommunen vor. In der Regel wird nach Ärzten, Pflegekräften, medizinischer Ausrüstung oder Transportkapazitäten gefragt. »Öfter als es ihm lieb ist«, heißt es in einer Pressemitteilung des Kommandos, müsse es Anträge ablehnen, entweder aufgrund mangelnder Ressourcen oder rechtlicher Probleme. Dass es bereits in einem so frühen Stadium der Pandemie eine solch starke Nachfrage nach Unterstützung durch die Bundeswehr gibt, ist ein deutliches Indiz für die desolate Situation des Gesundheitssystems. Die Hoffnungen auf das Militär dürften sich indes nur selten erfüllen: Der Sanitätsdienst der Bundeswehr klagt selbst über schwerwiegende Ausrüstungsmängel.

    Vor allem Unionspolitiker sehen in der Coronakrise aber eine Chance, die von ihnen schon seit Jahrzehnten geforderte Änderung des Grundgesetzes endlich durchzusetzen, um mehr Inlandseinsätze zu ermöglichen. Der Chef des Reservistenverbandes und CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg etwa plädiert für eine »Klarstellung« im Grundgesetz, dass die Bundeswehr auch im Fall von Pandemien militärisch eingesetzt werden könne. Darüber hinaus sei eine Debatte zur »Anpassung des Grundgesetzes« nötig, so Sensburg im Interview mit der Welt (24.3.2020), der dabei etwa den Schutz der »Versorgung des Supermarkts um die Ecke oder von Lkw-Fahrern auf der Autobahn« im Blick hat.

    Vergangene Woche hat die Bundeswehr, wie zuerst der Spiegel (27.3.2020) berichtete, einen Einsatzplan zur Mobilisierung von 15.000 Soldaten aufgestellt. Davon sollen 6.000 Soldaten zur »Unterstützung der Bevölkerung« dienen, sowie 250 für Desinfektionsaufgaben. 600 Feldjäger sind für »Ordnungs-/Verkehrsdienst« vorgesehen sowie 5.500 Soldaten für den Bereich »Absicherung/Schutz«. Zu den Aufgaben der Bundeswehr zählt der Plan außerdem die Möglichkeit von »Massenunterbringung« zum Beispiel in Containern, auch zur Quarantäne von Infizierten. Weiterhin kommen »Raum- und Objektschutz, Schutz kritischer Infrastrukturen, Unterstützung von Ordnungsdiensten« dazu. Kritische Infrastrukturen ist die Umschreibung für sämtliche »systemrelevanten« Einrichtungen wie Kraftwerke, wichtige Industrieanlagen, Verkehrsrouten usw. Das sind Aufgaben, die nicht in das Spektrum »helfender Hände« fallen, sondern die Bereitschaft zur Anwendung bewaffneter Gewalt beinhalten. »Der Einsatz spezifisch militärischer Waffen« sei denn auch »auf Weisung der Bundesministerin zulässig«, zitiert der militärnahe Blog »Augengeradeaus«. Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) weist in einer aktuellen Analyse darauf hin, die Führung dieses Einsatzes liege nicht, wie bislang bei Katastrophenhilfe üblich, bei den Strukturen der zivil-militärischen Zusammenarbeit, sondern bei den Kampftruppen der Bundeswehr.

    Tatsächlich versuchen einzelne Behörden bereits, solche bewaffneten Einsätze anzufordern. Der Spiegel berichtet über ein bayerisches Landratsamt, das zehn Bundeswehr-Soldaten für den Schutz eines Lagers des Technischen Hilfswerks haben möchte. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat gegenüber der Schwäbischen Zeitung bestätigt, er prüfe, die Bundeswehr für den Schutz von »Objekten« einzusetzen, etwa um vor polizeilichen Einrichtungen Ein- und Auslasskontrollen vorzunehmen. Strobl verwies darauf, dass derzeit fast ein Zehntel der 34.000 Mitarbeiter der Polizei im Land coronabedingt ausfalle und er für den »Ernstfall« prüfe, wer helfen könne. Einen formellen Amtshilfeantrag hat das Land allerdings noch nicht gestellt. Kritik kam hier unter anderem von der FDP, deren Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag äußerte, Strobl versuche offenbar, »die Coronakrise zu nutzen, um seinen alten Traum zu verwirklichen, die Bundeswehr auch im Innern einzusetzen« (Schwäbische Zeitung, 26.3.2020).

    Kritik von Polizei und Linkspartei

    Zu denjenigen, die vor einem Bundeswehr-Einsatz warnen, gehört auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Deren Berliner Sektion forderte kürzlich, sämtliche Parkanlagen in der Hauptstadt zu schließen. Begründung: Wenn Zehntausende von Berlinern bei schönem Wetter im Park seien, komme die Polizei mit der Kontrolle der Ausgangssperre nicht hinterher. »Dann ist der Weg zur Bundeswehr im Innern nicht mehr weit. Kontrollposten an jeder Ecke. Reihenweise Menschen, die abgeführt und nach Hause eskortiert und bei erneutem Verstoß gegen die Auflagen inhaftiert werden«, so GdP-Landeschef Norbert Cioma in einer Pressemitteilung. Das seien »Bilder, die einen überzeugten Demokraten erschaudern lassen«. Zweifellos ist das richtig, aber außerdem haben Polizeigewerkschaften ureigene Bedenken gegen Pläne, der Bundeswehr Polizeiaufgaben zu übertragen, weil sie in der Konkurrenz der bewaffneten Organe die Nase vorn haben wollen.

    Grundsätzliche Kritik hingegen enthält ein Papier der Linksfraktion im Bundestag von 2011: »Die Ermächtigung für den bewaffneten Einsatz der Bundeswehr im Inneren, der durch die Notstandsgesetzgebung 1968 ins Grundgesetz eingefügt wurde, muss wieder aufgehoben werden. Artikel 35 GG regelt, dass Angehörige und Einheiten der Streitkräfte im Zuge öffentlicher Amtshilfe eingesetzt werden können. Diese Praxis ist in den letzten Jahren immer weiter ausgedehnt worden. Die Behörden der Länder nutzten die Bundeswehr, um Engpässe in den Bereichen der Polizei bzw. des Katastrophenschutzes zu kompensieren; die Bundeswehr versucht diese Einsätze dafür zu nutzen, die gesellschaftliche Akzeptanz für die Truppe zu erhöhen. Damit soll auch der mehrheitlichen Ablehnung der Auslandseinsätze entgegengewirkt werden. Der weiteren Vermischung von Zivilem und Militärischem durch die Ausweitung der Amtshilfe ist ein Riegel vorzuschieben. Es darf keinen Weg zum Einsatz bewaffneter Bundeswehr-Kräfte im Inneren geben. Dem zivilen Sektor müssen an dieser Stelle die nötigen Kapazitäten und Ressourcen für die Umsetzung der Entscheidungen zur Verfügung gestellt werden. Die Hilfsorganisationen, die in der Regel vor Ort besser informiert sind und Zugang zu den benötigten Fachkräften haben, sind besser in die politischen Entscheidungsprozesse einzubinden und mit finanziellen Möglichkeiten auszustatten. Insbesondere im Bereich der Katastrophenhilfe ist das Primat ziviler Entscheidungskompetenz unantastbar.« (uj)

    Freiwilligkeit statt Zwang
    Pandemie: Schweden lässt demokratische Grundlagen und Bürgerrechte unangetastet. Mehrheit steht hinter Vorgehen der Regierung
    Von Gabriel Kuhn, Stockholm

    Schweden verblüfft in der Coronakrise. Während Regierungen auf allen Kontinenten Ausgangssperren verhängen und das öffentliche Leben auf ein Minimum reduzieren, herrscht in Schweden fast Alltag. Zwar auf Sparflamme, aber immerhin. Verboten sind Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen und seit dem 1. April Besuche in Altersheimen. Kranke sollen zu Hause bleiben, Menschen, die Risikogruppen angehören, ebenso. Kontrolliert wird das nicht. Kindergärten und Schulen haben Normalbetrieb, ab der Oberstufe wird, wie an den Universitäten, digital unterrichtet. Man kann im Land frei herumreisen, alle Geschäfte sind geöffnet.

    Die Hoffnung, die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, wurde in Schweden früh aufgegeben. Die Gesundheitsbehörde informierte die Bevölkerung, dass sich die meisten Menschen irgendwann infizieren würden. Es ginge darum, die Verbreitung des Virus zu verzögern, um das Gesundheitssystem nicht zu überbelasten und die Risikogruppen zu schützen.

    Das mediale Gesicht der schwedischen Strategie ist Staatsepidemiologe Anders Tegnell von der Volksgesundheitsbehörde. Täglich wird er gefragt, warum sich die Maßnahmen in Schweden so sehr von denen in anderen Ländern unterschieden. Seine Antwort: Das Ziel sei überall das gleiche, nämlich die Kurve der Neuinfektionen flach zu halten. Aber wo andere Länder auf Zwang setzen, setze Schweden auf Freiwilligkeit. Das entspräche der Tradition.

    Dazu gehört auch die Zurückhaltung der Politiker. Ministerpräsident Stefan Löfven inszeniert sich nicht als großer Staatsmann. Von »Krieg« ist keine Rede. Besonnen verweist er auf die Experten der Gesundheitsbehörde und lässt diesen bei Terminen in der Öffentlichkeit den Vortritt. Seine Antwort auf die Frage eines Journalisten, warum er noch nicht getestet worden sei: Nur Menschen mit Symptomen könnten im Moment getestet werden, das gelte für ihn genauso wie für alle anderen.

    Aktuellen Umfragen zufolge steht eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung hinter der »schwedischen Linie«. Umso größer ist die internationale Kritik. Der Guardian schrieb am 23. März gar von einem »russischen Roulette«. In Schweden beginge man den gleichen Fehler wie anfangs auch in Großbritannien.

    Für Tegnell ist das Vorgehen jedoch nicht vergleichbar. Man habe in Schweden nie auf die Entwicklung einer Herdenimmunität gesetzt, wie oft behauptet wird. Primär ginge es darum, dass drastische Maßnahmen keinen Sinn machen, wenn sie nicht effektiv sind. Beispiel: Schulschließungen. Schulen hätten sich bisher nicht als Hotspot für die Verbreitung von Covid-19 erwiesen. Würden sie geschlossen, wären Eltern verpflichtet, mit den Kindern zu Hause zu bleiben. Darunter auch Pflegepersonal. Die Verluste wären weit größer als jeder mögliche Gewinn, argumentiert Tegnell.

    Bis zum 4. April wurden in Schweden 6.443 Coronavirusinfektionen regis­triert. 373 Patienten sind verstorben. Es wird Monate, vielleicht Jahre dauern, bis die »schwedische Linie« beurteilt werden kann. Wenn sie nicht zuvor doch noch geändert wird.

    Klar ist, dass das skandinavische Land bisher einen weit geringeren sozialen, politischen und wirtschaftlichen Preis zu zahlen hatte als andere Staaten. Während vielerorts Notstandsgesetze erlassen und Verfassungsänderungen diskutiert werden, werden in Schweden die demokratischen Grundlagen und Bürgerrechte nicht angetastet. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen halten sich in Grenzen. Ein Blick in den Stockholmer Vorort, in dem ich seit zehn Jahren wohne, bestätigt dies: Das Café, der Second-Hand-Laden, der Friseursalon – überall sei die Krise zu spüren, meinen die Eigentümer, aber man komme über die Runden. Für Said, der vor der U-Bahn-Station Blumen verkauft, sei es nicht einfach. »Aber es klappt. Dürfte ich nicht mehr hier sein, wäre es eine Katastrophe.«

    Erdogan bleibt stur
    Steiler Anstieg der Zahl von Virusinfektionen in der Türkei. Gewerkschaften fordern Stillegung der Produktion
    Von Nick Brauns

    In der Türkei sind die Zeiten, in denen über ein vermeintlich gegen das Coronavirus immun machendes »Türkengen« spekuliert wurde und die Regierung Kölnisch Wasser zur Infektionsprävention verteilen ließ, vorbei. Denn in kaum einem anderen Land wächst die Zahl der Infizierten derzeit so steil an. Fast 24.000 Fälle wurden bis zum Sonnabend laut Gesundheitsminister Fahrettin Koca nachgewiesen, rund 500 Infizierte sind nach offiziellen Angaben an Covid-19 verstorben. Ärzte gehen von deutlich höheren Zahlen aus.

    Schulen und Bars sind zwar geschlossen, auch die öffentlichen Gebete in den Moscheen wurden ausgesetzt. Doch einer landesweiten Ausgangssperre, wie sie der sozialdemokratische Oberbürgermeister der mit 60 Prozent der festgestellten Infektionen besonders stark betroffenen Stadt Istanbul, Ekrem Imamoglu, fordert, verweigert sich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Dahinter steht die Angst vor einem weiteren Einbruch der schon seit zwei Jahren stark angeschlagenen Wirtschaft. Die Produktion müsse aufrechterhalten werden, »komme, was wolle«. Statt dessen gibt es seit Freitag nicht nur für Senioren ab 65 Jahren eine Ausgangssperre, sondern auch für Jugendliche unter 20 Jahren, die nicht angestellt sind oder als Saisonkräfte arbeiten. Zudem wurden 31 Städte einschließlich Istanbul unter Quarantäne gestellt. In Geschäften und auf Märkten gilt jetzt Maskenpflicht.

    Ein Bündnis linksgerichteter Gewerkschaften und Berufsverbände – die Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften, die Föderation der Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die Ingenieurs- und Architektenkammer und die Ärztekammer der Türkei – fordert unterdessen in einem Sieben-Punkte-Katalog die sofortige Schließung aller nicht lebensnotwendigen Betriebe sowie die Verhängung einer Ausgangssperre. Kleine Geschäfte müssten vom Staat unterstützt werden und Lohnabhängige bezahlten Urlaub erhalten. Erwerbslose sollten ohne Vorbedingungen Arbeitslosengeld erhalten. Entlassungen müssten während der Pandemie verboten sowie Kredite und Schulden gestundet werden. Private Gesundheitseinrichtungen sollten unter öffentliche Kontrolle gestellt und die Gesundheitsversorgung kostenlos angeboten werden.

    Für eine von Erdogan initiierte und von der Religionsbehörde Diyanet unterstützte »Kampagne der nationalen Solidarität« wurde laut dem amtlichen Sender TRT bis zum Wochenende bereits über eine Milliarde türkische Lira gespendet. Die Kampagne scheint »eher eine andere Möglichkeit zu sein, Bauunternehmer beim Bau von Brücken, Straßen, Tunneln und Megaprojekten zu unterstützen«, vermutet allerdings die linke Nachrichtenseite Gazette Duvar. Zuvor hatte bereits die kemalistische Tageszeitung Sözcü darauf hingewiesen, dass Geschäftsleute durch die Spenden ihre Steuern senken können. Regierungsnahe Unternehmen profitierten zudem von einer im Rahmen eines Rettungsschirms übernommenen Garantie des Staates in Höhe von 18,9 Milliarden Lira. Außerdem würden ihre Mieten übernommen, während andere, insbesondere kleine Unternehmen leer ausgingen.

    Innenminister Süleyman Soylu ließ unterdessen Coronaspendenkonten der von der Opposition kontrollierten Stadtverwaltungen von Istanbul und Ankara bei der staatlichen Vakif-Bank sperren, da diese »gegen Regularien verstoßen«. In der unter Zwangsverwaltung stehenden kurdischen Großstadt Diyarbakir verbot der Gouverneur eine Hilfskampagne der linken HDP für unter Quarantäne stehende Einwohner. In einem Gefängnis der kurdischen Stadt Batman schlug die Polizei in der Nacht zum Sonntag einen Aufstand unter Einsatz von Tränengas nieder. Die Gefangenen hatten ihre Freilassung gefordert, da eine von der Regierung geplante Amnestie zur Entlastung der überbelegten Gefängnisse Zehntausende inhaftierte politische Gefangene ausnimmt.

    Suitbert Cechura: Triage und Exit – die Diskussion um notwendige Tote

    Wie Menschenleben im Normal- und Ausnahmezustand zählen: als mehr oder weniger brauchbare Ressource

    Es ist schon seltsam, während die einen auf eine Beendigung der Corona-bedingten Einschränkungen des kapitalistischen Alltags drängen, und zwar mit der Behauptung, die Verhinderung der Infektionen würde mehr Opfer kosten als eine Durchseuchung der Bevölkerung – bei der zugestandener Maßen ebenfalls Opfer in Kauf zu nehmen seien –, sorgen sich andere (so Andreas Zielcke, „Moralisches Elend“, SZ, 31.3.2020) um die ethischen Maßstäbe der Gesellschaft, wenn wegen des Mangels an Intensivbetten und Beatmungsgeräten Medizinern die Entscheidung abverlangt wird, wen man sterben lässt und wer in den Genuss einer Behandlung kommt. Dies alles soll die Konsequenz einer Seuche sein, die die Menschen vor ganz neue Herausforderungen stellt. Dabei ist Manches so neu nicht.

    Die drohende Triage …

    … und ihre schleichende Durchsetzung

    Exit

    Weil das in normalen Zeiten alles stattfindet und auch der übliche Daseinskampf ständig Opfer an Menschenleben fordert, soll dies alles nicht gegen die Wiederherstellung des Alltags sprechen, sondern hundertprozentig dafür: Unter Inkaufnahme von weiteren Toten muss – nicht übereilt, aber unbedingt so früh wie möglich – die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden, die zwar nicht für eine ausreichende Versorgung für alle sorgt, aber von der dennoch alle abhängig sind.

    Vielleicht sollte man sich einmal überlegen, ob nicht ein Exit aus diesem Normalzustand angebracht wäre.

  98. 98 bertram 06. April 2020 um 12:43 Uhr

    „“Ich hab nie geschrieben „Kapitalismus ist eh Scheiße“, sondern hab Stichworte dazu genannt wie mangelnde öffentliche Vorsorge, Priorität Haushaltspolitik für den Nationalkredit, hab gezeigt, dass kap. Unternehmen nicht in Forschung und Gegenmittel investieren, solange dabei kein Profit gesichert ist etc. pp.“"

    Gegen diese Stichworte habe ich auch nichts eingewendet. Eingewendet habe ich etwas gegen die Begründung die nach „Kapitalismus ist eh Scheiße“ kam, “, weil wird man vom Kapital nicht gebraucht, hat man keine Existenzgrundlage.“ Das ist halt nichts coronaspezifisches. Ich fand lediglich deinen Gegensatz, es liegt nicht an der Pandemie, sondern am Kapitalismus, falsch oder unnötig, weil es schließlich am kapitalistischen Umgang mit der Pandemie genug zu kritisieren gibt. Was du ja auch gemacht hast. (Man braucht das nicht auseinanderdividieren und in einen Gegensatz stellen. Das war eine kleine methodische Anmerkung für die ich mich auch nicht ewig rumstreiten will.)

    Sehr guter Artikel von Suitbert Cechura:

    „Deshalb begann die Triage gleich mit dem Start der Pandemie, weil Mundschutz oder Schutzkleidung Mangelware waren und auf die Kliniken konzentriert werden mussten. Pflege- und Altenheime, ambulante Pflege und auch die Bevölkerung erhielten nichts, statt dessen die Mitteilung, dass ein einfacher Mundschutz sowieso nicht helfe – eine Position, die das Robert-Koch-Institut mittlerweile revidiert hat, ganz im Sinne der regierungsoffiziellen Linie, die ja (siehe den Telepolis-Beitrag „Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat?“ einige Standpunktwechsel hinter sich hat.“

  99. 99 Nestor 06. April 2020 um 13:15 Uhr

    In Spanien setzen sie auf Tests. Die Regierung hat angeblich 5 Millionen von den serologischen Tests bestellt. (Wo, und wann sie kommen, steht nicht da.)
    Damit sollen alle Personengruppen im Medizinsektor oder im Lebensmittelhandel, bei der Polizei und im Transportwesen getestet und die asymptomatischen Infizierten in speziell dafür eingerichteten touristischen Einrichtungen unter Quarantäne gestellt werden.

    Ob das was bringt, wird sich weisen.
    Man sieht hier jedenfall eine ganz andere Denk- und Vorgangsweise als in Deutschland, wo fehlende Masken durch Militäreinsätze und Verfassungsänderungen ersetzt werden sollen.

  100. 100 Neoprene 06. April 2020 um 13:45 Uhr

    In Deutschland setzen auch ein paar Leute auf Tests: Heute war z.B. in der Berliner Zeitung eine ganzseitige Anzeige eines CEO eines kleinen „Life-Science“-Unternehmens Dr. Rolfs und anderer, z.B. vom neuen Eigentümer der Zeitung Holger Friedrich. Deren Ziel ist es, durch „schnelles gemeinsames Handeln“ einschlägiger Unternehmen „die Virus-Testkapazitäten auf mehrere Millionen pro Woche“ zu bringen.

  101. 101 Nestor 06. April 2020 um 16:58 Uhr

    Der Unterschied ist nur, daß es in Spanien Regierungspolitik ist.

  102. 102 Neoprene 06. April 2020 um 17:10 Uhr

    Ja, das stelle ich ja auch andauernd fest, daß so viele nun wirklich offensichtlich nötige Maßnahmen, zumindest von den deutschen Regierungsstellen *nicht* organisiert werden.

  103. 103 Mattis 06. April 2020 um 18:33 Uhr

    @NN

    „Vielleicht sollte man sich einmal überlegen, ob nicht ein Exit aus diesem Normalzustand angebracht wäre.“

    Genau. Aber das wird in kaum einer Debatte zur Sprache gebracht. Umso aufgeregter wird von den einen „staatliches Versagen“ angeprangert und dasselbe Handeln gleichzeitig von anderen mit ganz viel Verständnis und Zustimmung begleitet. Demokratische Öffentlichkeit in Höchstform, Systemkritik Fehlanzeige.

    Der schädliche kapitalistische Alltag wird fortgesetzt – und die künftigen Krisen – mit oder ohne Viren – bleiben vorprogrammiert.

  104. 104 NN 06. April 2020 um 19:46 Uhr

    Blick nach Moskau
    Russland: Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus steigt. Quarantäne bis Ende April verlängert
    Von Reinhard Lauterbach

    Auch in Russland steigt die Zahl der bekannten Patienten mit Covid-19 weiter an. Der Krisenstab informierte am Montag offiziell über 6.343 gemeldete Infektionen in 80 der 85 Regionen des Landes. Am schwersten betroffen von der Epidemie bleiben aber weiterhin Moskau und das umliegende Gebiet, auf die mit 4.500 über zwei Drittel der gemeldeten Fälle entfallen. Bisher sind nach offiziellen Angaben 47 Russen der Erkrankung an Covid-19 erlegen, 406 wurden als genesen aus der Therapie entlassen. Eine Besonderheit in Russland scheint zu sein, dass das Durchschnittsalter der Erkrankten relativ niedrig liegt. Bei den am Wochenende neu registrierten 591 Infektionen war fast die Hälfte in der Alterskohorte von 18 bis 45 Jahren, »nur« 93 dagegen im Rentenalter.

    Ob dies eine Folge der spezifischen Anordnungen des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin ist, muss sich zeigen. Sobjanin hatte bereits im März alle Bewohner der Stadt im Rentenalter zu einer Zwangsquarantäne in ihren Wohnungen verdonnert. Er griff damit faktisch der russlandweiten Anordnung einer bis Ende April verlängerten Ausgangssperre vor, die Präsident Wladimir Putin in der vergangenen Woche aussprach.

    Wie schon in Putins erster Verordnung, die Woche vom 30. März bis 5. April für arbeitsfrei zu erklären, gibt es allerdings auch hier eine Vielzahl von Ausnahmen. So dürfen und sollen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken geöffnet bleiben, ebenso sollten Behörden und Gesundheitseinrichtungen weiterarbeiten. Deren Beschäftigte erhalten auch Passierscheine, um sich innerhalb der Stadt frei bewegen zu können. Einstweilen gibt es auch keine Einschränkungen des privaten Autoverkehrs – allerdings müssen die Fahrer eine Bescheinigung über das dienstliche Ziel ihrer Reise bei sich führen. Privatleute dürfen ihre Wohnungen dagegen nur noch zum Aufsuchen von Geschäften des täglichen Bedarfs, zum Ausführen ihrer Haustiere im Umkreis von 100 Metern um die Wohnung sowie zur Müllentsorgung »im nächstgelegenen Container« verlassen.

    In Putins Erlass über die Verlängerung der Quarantäne bis Ende April – und damit faktisch in Anbetracht der Feiertage am 1. und 9. Mai, die in Russland traditionell als langes Brückenwochenende begangen werden, noch eine gute Woche länger – wurden die konkreten Ausführungsbestimmungen den regionalen Gouverneuren überlassen. Das ist einerseits angemessen, weil man die Situation in der Metropole Moskau mit 4.500 Erkrankten nicht gleichsetzen kann mit der eines sibirischen Gebiets, das doppelt so groß ist wie die Bundesrepu­blik und neun Coronavirusfälle hat. Es verlagert aber auch die Verantwortung für Entscheidungen, die in der Bevölkerung tendenziell für Unmut sorgen können, auf die mittlere Verwaltungsebene und entlastet damit Putin politisch. Manche Gouverneure neigen offenbar zu Überreaktionen. Ministerpräsident Michail Mischustin kritisierte am Montag Regionalchefs dafür, dass sie die Grenzen ihrer Gebiete für den Verkehr von außen gesperrt hätten. Das unterbreche Lieferketten und führe zu Desorganisation in der Transportbranche.

    Eine andere Frage des Konflikts ist, ob die Menschen den arbeitsfreien April nutzen können, um auf ihren Datschen die Frühjahrsaussaat von Gemüse auszubringen oder Kartoffeln zu pflanzen. Die Mehrzahl der Regionen hält sich an eine strikte Auslegung der Bestimmungen und verbietet die Reise auf die Datscha. Allerdings erklärte beispielsweise der Gouverneur der Region Nowosibirsk, wer den ganzen Monat auf der Datscha verbringe, habe nichts zu befürchten. Das Problem ist nicht so trivial, wie es scheint. Die Selbstversorgung aus dem eigenen Garten ist angesichts der niedrigen Renten insbesondere für viele Ältere sehr wichtig. Und die Bedeutung selbst geernteten Gemüses dürfte angesichts der absehbaren Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit in den nächsten Monaten zunehmen.

  105. 105 Nestor 07. April 2020 um 13:41 Uhr

    Nachrichten aus dem Hinterhof der USA:

    Ecuador: Tote auf den Straßen wegen Corona – oder wegen Sparpolitik der Regierung?

    Behörden versuchen, Leichen von den Straßen Guayaquils abzuholen. Regierung zahlt Schulden an IWF zurück, Gesundheitssystem geht leer aus

    https://amerika21.de/2020/04/238858/ecuador-tote-strasse-corona-guayaquil
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    Aufstand in Migrationszentrum in Mexiko angesichts drohender Pandemie fordert einen Toten

    Im Migrationszentrum in Tenosique ist ein guatemaltekischer Migrant bei Aufständen ums Leben gekommen, bis zu 13 weitere mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

    https://amerika21.de/2020/04/238803/mexiko-migrationszentrum-aufstand-corona

  106. 106 NN 08. April 2020 um 20:26 Uhr

    Zwangsverpflichtung gekippt
    Protest von Gewerkschaften, Pflegekräften, Juristen und Linkspartei gegen NRW-Notstandsgesetz erfolgreich
    Von Markus Bernhardt

    In mehreren Bundesländern wehren sich die Menschen immer stärker gegen Einschränkungen von Grund- und Freiheitsrechten im Kampf gegen die Coronapandemie. Und dies zum Teil mit Erfolg.

    Nach einer Expertenanhörung am Montag im nordrhein-westfälischen Landtag zum »Gesetzesentwurf zur konsequenten und solidarischen Bewältigung der Covid-19-Pandemie« ist dieser am Mittwoch in Teilen gekippt worden. Die zunächst geplante Zwangsverpflichtung von Menschen, die teils wegen ständiger Überlastung aus medizinischen Berufen ausgestiegen sind, ist offenbar vom Tisch. Nach Informationen des Westdeutschen Rundfunks (WDR) wird sie komplett gestrichen. Statt dessen solle es ein Freiwilligenregister geben, berichtete der Sender am Mittwoch nachmittag.

    Verschiedene Juristen hatten den Gesetzentwurf als verfassungswidrig bewertet; Mitglieder der Partei Die Linke und medizinisches Personal in Berufskleidung hatten am Montag mit einer Mahnwache vor dem Landtag demonstriert. Das »Düsseldorfer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus« hatte auch für diesen Donnerstag eine Protestaktion gegen die Pläne der von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) geführten Regierungskoalition der Union mit der FDP angekündigt. Aufgerufen wurde dazu unter dem Motto »Notstandsgesetz – unbefristet und mit Zwang zur Arbeit – nein! Kein Kaputtsparen und kein Profit auf Kosten unserer Gesundheit! Solidarität statt Repression!«

    Auch der NRW-Landesverband der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lehnte den Gesetzesentwurf ab – unter anderem, weil darin »die weitreichenden Eingriffsmöglichkeiten sowohl demokratische Meinungsbildungsprozesse im Landtag als auch in den Kommunalparlamenten, vor allem aber die persönlichen Grundrechte« einschränken würden, so die Gewerkschaft in einer Stellungnahme vom 31. März.

    Auf breite Ablehnung stieß vor allem der Plan, »Personen, die zur Ausübung der Heilkunde befugt sind oder über eine abgeschlossene Ausbildung in der Pflege, im Rettungsdienst oder in einem anderen Gesundheitsberuf verfügen« zur »Erbringung von Dienst-, Sach- und Werkleistungen« zu zwingen, »soweit das zur Bewältigung der epidemischen Lage« »dringend erforderlich und angemessen« sei.

    Prof. Andreas Fisahn von der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld stellte in einem jW vorliegenden Gutachten fest, die »Ermächtigung für eine Dienstpflicht für medizinisches Personal« stehe der im Grundgesetz festgeschriebenen »Unzulässigkeit des Arbeitszwanges« (Artikel 12 Absatz 2 des Grundgesetzes) entgegen.

    Die Partei Die Linke protestierte zudem dagegen, dieses »Gesetz im Eilverfahren noch vor Ostern durch das Parlament zu schleusen«. Die Krankenhäuser hätten »ihre Hausaufgaben gemacht«, andere Behandlungen zum Teil verschoben und Kapazitäten in der Intensivpflege frei gemacht, stellte Linke-Landessprecherin Inge Höger im Gespräch mit dieser Zeitung am Mittwoch klar. Außerdem hätten sich »viele Menschen mit einer Ausbildung und Erfahrungen in medizinischen Berufen bereits freiwillig gemeldet«. Zugleich bekräftigte Höger die Forderung nach einer dauerhaft besseren Bezahlung der Pflegekräfte. Die Pandemie könne nicht durch den Abbau demokratischer Rechte, sondern nur durch Solidarität bekämpft werden.

    Während der Verhandlungen zwischen den Fraktionsvorsitzenden von CDU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen am Mittwoch kündigte ein Sprecher des »Düsseldorfer Bündnisses für mehr Personal im Krankenhaus« gegenüber jW an, in jedem Fall an der geplanten Mahnwache vor dem Landtag festzuhalten.

    »Fallpauschalensystem aussetzen«
    Pandemiegesetzentwurf: Gewerkschaft nennt Alternativen zu NRW-Regierungsplänen. Ein Gespräch mit Jan von Hagen
    Von Markus Bernhardt

    Die Landesregierung von CDU und FDP hat einen Entwurf für ein »Gesetz zur konsequenten und solidarischen Bewältigung der Covid-19-Pandemie in Nordrhein-Westfalen« vorgelegt. Der Gesetzesentwurf soll an diesem Donnerstag im Düsseldorfer Landtag behandelt werden. Verdi kritisiert ihn grundsätzlich. Warum?

    Der Gesetzesentwurf beinhaltet unverhältnismäßige Eingriffe in die Grundrechte der Menschen, bis hin zur Einschränkung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit der Person. Und diese Eingriffe sollen nicht im Parlament beraten werden, sondern werden der demokratischen Debatte entzogen, und die Befugnis soll an die Gesundheitsbehörden übertragen werden. Im Extremfall trifft dann ein Behördenleiter oder der Gesundheitsminister solche Entscheidungen alleine. Das ist auch durch erwartbare Pandemieverläufe nicht zu rechtfertigen.

    Aber sind jetzt nicht Eingriffe in die Grund- und Freiheitsrechte nötig, um das Leben besonders gefährdeter Gruppen – wie chronisch kranker und älterer Menschen – zu schützen?

    Bei zunehmender Anzahl von Infizierten und schwer erkrankten Covid-19-Patienten ist es notwendig, auch über Maßnahmen nachzudenken, die in die Grundrechte der Menschen eingreifen. Verdi befürwortet und unterstützt aktiv die aktuellen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung, die schon weitgehende Einschränkungen mit sich bringen. Die Regierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) geht allerdings weiter. Er will deutlich tiefer und pauschal in die Grundrechte eingreifen. Zeitgleich werden andere Möglichkeiten zur Eindämmung nicht genutzt. Zwei Beispiele: Anstatt in dieser Situation die wirtschaftlichen Anreize komplett aus den Krankenhäusern zu verbannen und das Fallpauschalensystem auszusetzen, steuert die Bundesregierung im bestehenden System nach, das doch maßgeblich zur aktuellen Situation in den Krankenhäusern geführt hat. Damit werden Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung weiter mit betriebswirtschaftlichem Blick getroffen. Und andere – nicht »systemrelevante« – Betriebe produzieren weiter. Dort werden die Beschäftigten ohne Not der Infektionsgefahr ausgesetzt.

    Die Landesregierung plante außerdem, Menschen mit medizinischer Grundausbildung – notfalls auch gegen deren Willen – bei einer Verschärfung der Pandemie zum Dienst im Krankenhaus zu verpflichten. Am Mittwoch ruderte die Regierung aufgrund massiver Proteste zurück. Wäre die Maßnahme aufgrund des Mangels an Pflegekräften nicht nachvollziehbar gewesen?

    Die Landesregierung hat über Jahrzehnte hinweg durch unzureichende Investitionen in die Krankenhäuser mit dafür gesorgt, dass so wenig Personal vorhanden ist und insbesondere Pflegekräfte dem Beruf den Rücken gekehrt haben. Jetzt sollten sie per Zwang zurückgeholt werden. Das sind Menschen, die bei der Entscheidung für den Beruf nicht absehen konnten, dass der Staat vorhaben könnte, sie wie Soldaten zu behandeln! Hätte sich die Landesregierung durchgesetzt, wäre nicht geregelt gewesen, wie Einarbeitung und Qualifikation sichergestellt werden sollten. Und es wäre nicht beantwortet gewesen, wie sich die Beschäftigten mit ausreichend Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln selbst hätten schützen sollen. Diese Frage stellt sich fernab davon für alle Beschäftigten, auch wenn Reinigungskräfte, Krankentransporteure und andere hier gerne vergessen werden.

    Wie wollen Sie die Versorgung der Patientinnen und Patienten jetzt gewährleisten?

    Aktuell suchen viele Kliniken nach Helferinnen und Helfern mit einer entsprechenden Ausbildung. Auf die Anfragen melden sich Tausende Kolleginnen und Kollegen freiwillig. Diejenigen mit »helfenden Berufen« handeln in so einer Situation aus eigener Motivation. Was sie nicht brauchen, ist Zwang. Eine sinnvolle Maßnahme wäre an dieser Stelle eine landesweite Erfassung und Koordinierung von Kolleginnen und Kollegen, die sich dafür freiwillig melden. Momentan wird dies der Eigeninitiative der Krankenhäuser überlassen. In spezialisierten Kliniken wird Kurzarbeit angemeldet, zum Teil werden Beschäftigte dort entlassen. Sinnvoll geplant kann die Versorgung ohne Zwang sichergestellt werden.

    Verdi hat seit Jahren wiederholt auf die überdurchschnittliche Belastung des medizinischen Personals hingewiesen. Erfüllt es Sie nun mit Genugtuung, ganz offensichtlich Recht behalten zu haben?

    Nein, es macht eher zornig. Wir führen die Auseinandersetzung um die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern seit Jahren, bis hin zu Streiks für Entlastungstarifverträge. Und die politisch Verantwortlichen bewegen sich nur schneckenhaft. Das Bundesgesundheitsministerium hätte die von Verdi, dem Pflegerat und der Deutschen Krankenhausgesellschaft gemeinsam vorgelegte Personalbemessung PPR 2.0. offensiv aufgreifen und schnell auf den Weg bringen müssen. Stattdessen wird die Befassung aufgrund der Krise jetzt verschoben. Andersherum, selbst die bestehenden wenigen Personalregelungen werden ausgesetzt.

    Rote Hilfe aus China
    Kampf gegen die Pandemie: Eklatanter Mangel an Schutzausrüstung in der BRD soll mittels »Luftbrücke« behoben werden
    Von Jörg Kronauer

    Die Bundesregierung wird Schutzausrüstung für den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie mit einer eigens eingerichteten »Luftbrücke« aus China beschaffen. Das geht aus einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums an den Bundestag hervor. Demnach sollen jetzt im großen Stil Schutzmasken, Schutzanzüge und weitere Materialien von der Lufthansa nach Deutschland geflogen werden. Die Rede ist von einem Flug pro Tag, mit dem 25 Tonnen Fracht transportiert werden können. Die Beschaffungsmaßnahme ist Berichten zufolge bei dem Telefongespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Präsident Xi Jinping am 25. März in die Wege geleitet worden. Das Gesundheitsministerium legt Wert auf die Feststellung, man kaufe das Material bei einem der rund 1.000 staatlich zertifizierten Produzenten ein. In den vergangenen Wochen hatten einige europäische Länder in ihrer Not Schutzausrüstung bei frisch aus dem Boden geschossenen Firmen ohne Qualitätszeugnis erworben. Dabei zuweilen aufgetretene Mängel waren im Propagandafeldzug gegen China breit ausgeschlachtet worden.

    Mit der »Luftbrücke« ist die Bundesregierung spät dran. Auch noch Wochen nach dem – absehbaren – Ausbruch der Pandemie in der BRD herrscht in Krankenhäusern und Arztpraxen sowie bei Pflegediensten eklatanter Mangel an Schutzausrüstung. Während in Deutschland gegenwärtig 8,6 Millionen FFP2- und 423.000 FFP3-Schutzmasken vorhanden sind, werden laut Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung allein in den Arztpraxen in den kommenden sechs Monaten rund 15 Millionen FFP2-/FFP3-Masken benötigt. Dass einer der reichsten Staaten der Welt sein medizinisches Personal ohne auch nur halbwegs angemessene Schutzkleidung in den Kampf gegen eine Pandemie schickt, der überall auf der Welt Medizinerinnen und Pfleger besonders häufig zum Opfer fallen, ist ein Ausdruck skandalösen Versagens, da unterscheidet sich Deutschland freilich nicht von den anderen Staaten der transatlantischen Welt. Als einziges Land Europas hatte die Bundesrepublik jedoch zuvor ein chinesisches Hilfsangebot abgewiesen. Deshalb kommt die »Luftbrücke« erst Wochen nach Beginn der Hilfslieferungen etwa an Italien, Frankreich, Österreich und weitere Länder zustande.

    Während China im globalen Kampf gegen die Covid-19-Pandemie eine immer wichtigere Rolle spielt – jetzt auch für Deutschland –, trifft die Bundesregierung neue Maßnahmen gegen chinesische Investoren. Zwar sind die chinesischen Direktinvestitionen in der EU im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen und lagen, wie das Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin am Mittwoch mitteilte, nun bei lediglich zwölf Milliarden Euro – so wenig wie zuletzt im Jahr 2013 und kaum mehr als der Wert, den allein BASF in einen neuen Verbundstandort in Guangdong investiert. Dennoch beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch, die Prüfungen bei Übernahmen deutscher Firmen durch ausländische Unternehmen deutlich zu verschärfen. Dabei soll die »Gefährdungsschwelle« gesenkt werden, die es der Bundesregierung erlaubt, eine Firmenübernahme zu verbieten. So muss künftig nicht mehr nachgewiesen werden, dass die Übernahme die »öffentliche Sicherheit« gefährdet; es genügt, wenn eine »voraussichtliche Beeinträchtigung« vermutet werden kann. Der neue Gummiparagraph verschafft der Regierung die Möglichkeit, Investitionen aus dem Westen, sofern gewünscht, zuzulassen, solche aus China allerdings fast nach Belieben zu untersagen.

    Ein gemeinsames Ziel
    In Kubas Hauptstadt Havanna wird solidarisch gegen die Ausbreitung des Coronavirus gekämpft
    Von Daniel Teune, Havanna

    Seit am 10. März die ersten Coronavirusfälle in Kuba bekannt wurden, hat sich der Alltag auf der Insel deutlich verändert – jedoch anders als in Europa. Berichten aus Deutschland war eine gewisse Panik zu entnehmen, Menschen kauften Toilettenpapier und Nudeln, bis die Supermärkte leer waren. Von Havanna aus betrachtet, schien auch die Bundesregierung einen eher hilflosen Eindruck zu machen.

    In Kuba hingegen wird sehr ruhig, bedacht und solidarisch mit der Gefahr der Coronaviruspandemie umgegangen. Zu den ersten Maßnahmen der Regierung gehörte eine Informationskampagne sowie umfassende Aufklärung zu Hygieneregeln, gefolgt von starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Schulen, Universitäten, Restaurants und große Fabriken wurden geschlossen, was dank des Plans zur Vorbeugung und Kontrolle von Epidemien (siehe jW vom 28.3.2020) relativ unkompliziert vonstatten ging. Statt in den Einrichtungen findet der Unterricht jetzt digital statt, per Internet sowie über staatliche Fernsehsender.

    Das Fernsehen strahlt zudem Anleitungen aus, wie sich Nasen-Mund-Schutzmasken anfertigen lassen, von denen jede Person mindestens fünf Stück besitzen soll. Seit Ende März geht kaum noch jemand ohne eine solche Maske vor die Tür oder nutzt die öffentlichen Busse. Bereits vor Bestätigung der ersten Fälle wurde eine Handy-App erstellt, mit der die Bevölkerung informiert werden soll: »Covid-19-Infocuba«. Mittlerweile existieren drei solcher Informationstools speziell für die Inselrepublik.

    An der Technischen Universität in Havanna (CUJAE) wurden Studentenwohnheime renoviert, um Orte für Personen zu schaffen, die zeitweise in Quarantäne müssen: insgesamt 38 Zimmer, die Platz für 76 Menschen bieten. Jeder Kubaner, der aus dem Ausland einreist, muss sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben, ebenso wie jede Person, die mit Infizierten in Kontakt stand.

    Die Geschwindigkeit, mit der die Umbaumaßnahmen erfolgten, war beeindruckend. Die Zeit zwischen Planung und Fertigstellung betrug gerade einmal 14, die Bauarbeiten an den Häusern selbst nur sechs Tage. Während am ersten Tag der Arbeiten lediglich 20 Bauarbeiter zu beobachten waren, stieg die Zahl am nächsten Tag auf 50 an. Flaschen mit Hyperchlorit zum Desinfizieren standen an jedem Eingang bereit, ebenso trug jeder Arbeiter einen Mundschutz. Die Sicherheitsmaßnahmen werden in allen Arbeitsbereichen des Landes vom Gesundheitsministerium streng kontrolliert.

    Eines der Gebäude ist momentan Wohnort für uns Teilnehmer des »Proyecto Tamara Bunke«. Wir mussten unsere Zimmer räumen und wurden in ein anderes Gebäude verlegt. Seitdem die Universität geschlossen wurde, bekommen alle Studenten regelmäßig Besuch von Ärzten, die ihre Gesundheit kontrollieren. Während die kubanischen Studenten zu ihren Familien zurückkehrten, bleiben die ausländischen weiterhin in der ­CUJAE.

    Von Beginn an wurden alle Betroffenen darüber in Kenntnis gesetzt, dass Covid-19-Patienten auf den Unicampus kommen würden. Proteste oder unsolidarische Verurteilungen, wie sie in Teilen Europas vorgekommen sind, blieben aus. Statt dessen verhielt man sich solidarisch und begann damit, die renovierten Gebäude zu reinigen, um den Patienten ein möglichst schnelles Beziehen der Zimmer zu ermöglichen. Gemeinsam machten die Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbandes Kubas (UJC), der Direktor der Universität, die Hausverwalter, andere Beschäftigte sowie Freiwillige die Häuser bewohnbar, nachdem die Bauarbeiter Ihre Arbeit verrichtet hatten. Ohne Hierarchien haben wir alle ein gemeinsames Ziel: das Coronavirus zu besiegen und Menschenleben zu retten.

    Knüppel aus dem Sack
    Maßnahmen gegen die Pandemie
    Von Reinhard Lauterbach

    In Polen hat die Regierung vor ein paar Tagen das Betreten der Wälder verboten. Angeblich soll das der Pandemiebekämpfung dienen. Bekanntlich sitzen ja die Viren auf den Bäumen und harren des arglosen Wanderers. Hier wird offensichtlich ausgetestet, wie weit der Staat gehen kann, ohne dass die Leute rebellieren oder Politikern wenigstens einen Vogel zeigen.

    Und es geht gleich weiter: Nächste Woche stehen im polnischen Parlament zwei in höchstem Maße kontroverse Gesetze auf der Tagesordnung – eines zum praktisch völligen Verbot des Schwangerschaftsabbruchs und eines, das eine wertneutrale Sexualerziehung in den Schulen unter Strafe stellen soll. Passenderweise sind alle öffentlichen Proteste gegen diese Vorhaben derzeit von dem im Zuge der Pandemiebekämpfung erlassenen Versammlungsverbot betroffen. Schließlich waren die »Schwarzen Proteste« des Jahres 2016 der bisher einzige Fall, in dem die PiS aufgrund gesellschaftlichen Widerstands von der damals schon beabsichtigten Verschärfung des Abtreibungsrechts Abstand genommen hat. Jetzt wird der Knüppel wieder aus dem Sack geholt.

    In Deutschland werden derweilen harmlose Kundgebungen für die Aufnahme von Flüchtlingen auseinandergeprügelt – für die Polizei gilt kein Abstandsgebot. Obwohl auch Polizeibeamte Infektionsträger sein können. In Polen wurden schon in mindestens drei Städten die Polizeiwachen geschlossen und die Beamten unter Quarantäne gestellt. Und an der sozialen Front verdunsten die paar Lohnprozente, die die Lohnabhängigen in einer langen Phase günstiger Konjunktur errungen haben, wie Tau in der Vormittagssonne. Die Bourgeoisie nutzt das Virus zu einer Klassenoffensive: um in seinem Schatten durchzusetzen, was ihr Interesse ohnehin gebietet. Naomi Klein hat über dieses Vorgehen vor Jahren ein Buch mit dem Titel »Schockstrategie« geschrieben. Es könnte lohnen, es wieder aus dem Regal zu holen.

    Es gibt freilich auch Ausnahmen: In Frankreich hat Emmanuel Macron die »Rentenreformen«, gegen die die Gewerkschaften seit Monaten gestreikt haben, »wegen der Pandemiesituation« auf Eis gelegt. Unmittelbar haben das französische Rentensystem und die Pandemie nichts miteinander zu tun. Indirekt aber schon: Die Herrschenden sind gegenwärtig auf ein gewisses Maß an öffentlichem Vertrauen und freiwilliger Kooperation angewiesen. Sie können nicht an jeden Waldparkplatz einen Polizeiwagen stellen. Schon deshalb nicht, weil sich in der Zwischenzeit in den Städten Leute zusammenrotten und für ganz andere Forderungen kämpfen könnten. Man sollte ihnen deshalb die Kooperationsbereitschaft im Vorgehen gegen das Virus so teuer wie möglich verkaufen. Das heißt: klare Befristungen für alle Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten und Garantien sozialer Errungenschaften. Blindes Vertrauen, wie sie es erwarten, verdienen die Regierenden nicht. Und eigentlich nicht einmal reflektiertes.

  107. 107 Nestor 09. April 2020 um 0:00 Uhr

    Die Vorstellung, Leute gegen ihren Willen zu medizinischer Hilfeleistung verpflichten zu können, ist schon recht abwegig.

    Zum Straßenbau, oder im KZ, ja da geht Arbeitsdienst. Wer nicht mitmacht, wird erschossen.

    Aber für Hilfestellungen gegenüber Kranken läßt sich so etwas nicht verordnen.

  108. 108 Nestor 09. April 2020 um 21:48 Uhr

    Was gibt es eigentlich Neues zu Schweden?
    Getestet wird wenig, die Zahl der Toten steigt, eine Kritik an dem Experiment scheint es im Inland nicht zu geben.

    Aus dem Iran kam heute ein Hilferuf, aber der scheint in der westlichen Welt recht ungehört verhallt zu sein.

  109. 109 Nestor 10. April 2020 um 11:28 Uhr

    Kleine Panne bei einem ehrgeizigen Projekt:

    Andorra testet alle

    https://www.tagesschau.de/ausland/andorra-coronavirus-101.html

  110. 110 Nestor 10. April 2020 um 12:58 Uhr

    Ein eigenes Kapitel ist Ungarn.

    Nach jahrelanger Bearbeitung damit, daß Soros und überhaupt „das Ausland“ an allem schuld seien, was in Ungarn schiefläuft, ist die Bevölkerung leider sehr empfänglich für obstruse Theorien aller Art.

    So scheint sich in weiten Kreisen durchzusetzen, daß das ganze CV eine Art Panikmache ist, mit der die imperialistische Konkurrenz beflügelt und Rivalen durch Shutdowns fertig gemacht werden sollen.
    (Eine kleine Verlegenheit in diesem Lager verursacht, daß Österreich gerade sehr strikt ist in diesen restriktiven Maßnahmen und man ihm deshalb keine bösen Ziele unterschieben kann.)

    Das wird damit unterfüttert, daß offenbar wirklich viele Leute in Italien, vor allem Ältere, nicht an CV sterben, sondern als eine Art Sekundärtote zu betrachten sind, die als Folge von überlasteten Krankenhäusern, Quarantäne, Vorerkrankungen und anderen grippalen Infekten sterben, aber als CV-Tote in die Statistik eingehen.
    Das wird in Ungarn so gedreht, als würden die Todeszahlen und -Raten künstlich aufgeblasen, um den wirtschaftlichen Stillstand rechtfertigen zu können.

    Eine zweite absurde Theorie ist, daß die Regierung Orbán die CV-Krise zu einem Art Euthanasieprogramm nützt, um sich der Alten und Kranken zu entledigen.
    Dazu ist zu bemerken, daß das Gesundheitswesen Ungarns schon vorher auf ein Niveau heruntergebracht worden war – durch Einsparungen beim Personal und massenhaftem Exodus von Ärzten und Krankenschwestern, Baufälligkeit und Hygienemängel – daß ein Krankenhausaufenthalt schon vorher eine Art russisches Roulette war, ob man dort lebend wieder herauskommt.

    Also wird jetzt aufgeschrien, wenn alte und angeblich an CV erkrankte Patienten in medizinische Einrichtungen gebracht werden: Die sollen dort beseitigt werden!
    Natürlich, ließen die Behörden sie ohne Betreuung zu Hause oder im Altersheim, so würde der Aufschrei lauten: „Man läßt sie einfach sterben und macht sich nicht einmal die Mühe … !“

    Im Zuge dieser beiden Hysterien erhalte ich mit YouTube-Videos Informationen wie:

    Die TBC-Schutzimpfung schützt auch vor CV! (– obwohl TBC durch Bakterien übertragen wird.)
    Die Intubation ist ein sehr aggressiver Vorgang, die Betroffenen werden in künstliches Koma versetzt, sie schadet bei ohnehin schon kranken Menschen mehr als sie nützt und gibt ihnen erst recht den Todesstoß.
    Die Intubation nützt eigentlich nichts, weil der CV-Virus hindert die Hämoglobin-Zellen am Weitertransport des Sauerstoffs (ähnlich wie bei Kohlenmonoxid-Vergiftungen) und es es ist daher vergeblich, den „unglücklichen Patienten mit Sauerstoff vollzupumpen“, weil der kommt nicht weiter in den Organismus.

    Ich vermute einmal, diese Stories haben ähnliche Hintergründe wie die um die Masken vor 2 Wochen in deutschen und österreichischen Medien: Es sind einfach kaum Beatmungsgeräte da, also treten jetzt Influencer im weißen Kittel auf und sagen: Man braucht sie eh nicht!

    Aber kann hier vielleicht einmal jemand sagen, was es damit medizinisch auf sich hat: Wieviel schadet die Intubation wirklich und wie ist es mit dieser Beschädigung des Hämoglobins durch den Virus?

  111. 111 bertram 10. April 2020 um 14:24 Uhr

    Na ja, ich bin kein Arzt, aber war in meiner Zivizeit beim roten Kreuz und wurde ich drei Wochen (oder so) zum Rettungshelfer ausgebildet. Die Intubation ist ist eine Standard Notfallmaßnahme bei Patienten die beatmet werden müssen. Die sind dann meistens schon bewusstlos. Es funktioniert so, dass der Kopf nach hinten gedrückt wird, damit der Rachen gestreckt wird und der Schlauch (tubus) nicht so stark um die Ecke muss. Mit dem Laryngoskop wird die Zunge nach oben gedrückt (dabei muss man auf die Zähne aufpassen) Dann wird der Tubus in die Luftröhre geschoben (möglichst nicht in die Speiseröhre, sonst wird der Magen beatmet) An der Unterseite ist ein kleiner Ballon, den man auf der Mundseite mit einer Spritze aufblasen kann. Dadurch wird sichergestellt, dass der Tubus die Luftröhre seitlich abdichtet und die durch den Tubus geblasene Luft nicht seitlich zurückströmt und durch den Mund entweicht. Ist jemand intubiert kann man daran eine Beatmungsmaschine oder einen Beatmungsbeutel zur manuellen Beatmung anschließen.

    Man kann in der Notfallsituation auch mit Maske beatmen, aber dann muss man die Maske immer fest auf das Gesicht pressen, damit keine Luft daneben geht. Muss der Patient transportiert werden ist das schwierig. Deshalb wird meistens intubiert. Weil man das können muss, macht das meist der Notarzt, aber auch Sanitäter machen das manchmal. Also wie gesagt, intubieren ist ein notfallmedizinisches Standardverfahren und wird dann gemacht wenn der Patient ohnehin schon bewusstlos ist und er beatmet werden muss. Wenn der Patient aufwacht, ist das zwar nicht angenehm mit einem Schlauch im Hals, aber wenigstens bekommt er Luft. Normalerweise wird man nicht, weil man intubiert ist in ein künstliches Koma versetzt. Wie das bei Corona gehandhabt wird, weiß ich nicht.

    „Die Intubation nützt eigentlich nichts, weil der CV-Virus hindert die Hämoglobin-Zellen am Weitertransport des Sauerstoffs (ähnlich wie bei Kohlenmonoxid-Vergiftungen) und es es ist daher vergeblich, den „unglücklichen Patienten mit Sauerstoff vollzupumpen“, weil der kommt nicht weiter in den Organismus.“ Das ist aus mehreren Gründen falsch. Erstens befindet sich das Virus vornehmlich in den Atemwegen und nicht im Blut. Dass das Virus Hämoglobin blockiert, wäre mir neu. Es kann natürlich sein, dass die Lunge schon so geschädigt ist, dass Sauerstoff nichts mehr bringt, aber das weiß man ja nicht. Jedenfalls kann man nicht davon ausgehen, dass Sauerstoff eh nichts mehr bringt.

    „Ich vermute einmal, diese Stories haben ähnliche Hintergründe wie die um die Masken vor 2 Wochen in deutschen und österreichischen Medien: Es sind einfach kaum Beatmungsgeräte da, also treten jetzt Influencer im weißen Kittel auf und sagen: Man braucht sie eh nicht!“ Ich denke du vermutest richtig.

  112. 112 Nestor 11. April 2020 um 10:05 Uhr

    Ich denke, diese Geschichten verbreiten sich auch deshalb so geschwind, weil Ungarn sich so einen Stillstand wie z.B. Österreich überhaupt nicht leisten kann und die Regierung deshalb laviert zwischen Sicherheitsmaßnahmen und Wirtschaftsinteressen, zusammen mit einem sehr am Boden befindlichen Gesundheitssystem.

  113. 113 Neoprene 11. April 2020 um 10:19 Uhr

    „weil Ungarn sich so einen Stillstand wie z.B. Österreich überhaupt nicht leisten kann“
    Das wird ja jetzt eine recht brutale Scheidelinie werden, welche Staaten sich das überhaupt trauen durchzuhalten, welche Staaten sich das leisten können und welche verzweifelt nur rumlavieren können. Frohe Ostern!!

  114. 114 Mattis 11. April 2020 um 11:58 Uhr

    Die Ungarn könnten sich ja jetzt mal fragen, ob es infam war, dass man Orbans politischem Freund Boris Johnson Sauerstoff zugeführt hat (per Maske). Und dass er die beste verfügbare intensivmedizinische Betreuung erhalten hat. Und überhaupt wer so böse war, ihn zu infizieren. Direkt nach dem Brexit … Aber stellen die überhaupt noch Fragen?

    „Noch Anfang März hatte der Premierminister (Boris Johnson) damit geprahlt, dass er Menschen in einem Krankenhaus, darunter Covid-19-Patienten, die Hände geschüttelt habe. Das werde er auch weiterhin tun, sagte er damals.“ (Merkur)

  115. 115 Nestor 11. April 2020 um 12:20 Uhr

    @Neoprene

    Vor allem: Durchhalten was und bis wann?

    Es zeichnet sich ja ab, daß weder auf dem Gebiet der Tests (schneller und verläßlicher) als auch auf dem der Schutzimpfung sehr viel weitergeht.

    @Mattis

    Es gibt leider immer mehr Videos, die mit der Absicht, Leute zu „beruhigen“ – das, was bei uns der öffentliche Rundfunk macht, und gar nicht schlecht – behaupten, gesunden Personen könnte das Virus überhaupt nichts anhaben. Alle, die gestorben sind, hätten bereits Vorerkrankungen gehabt.
    Das erzählen sie einer Bevölkerung, wo jeden Winter alle mit irgendwelchen Grippen darniederliegen, wo aufgrund von Armut viele Leute mangelernährt sind, ein überlastetes und ausgeblutetes Gesundheitswesen natürlich auch lieber Medikamente verschreibt als aufwendige Behandlungen durchzuführen, wo die Menschen die Medikamente auch lieber schlucken, Hauptsache sie müssen nicht ins Krankenhaus, usw. usf.

    Im Grunde sagen sie damit jedem: Selber schuld, wenn es dich erwischt, hättest du dich halt rechtzeitig um deine Gesundheit gekümmert!

    Gerade daß sie nicht sagen, Orbán hätte das Virus erfunden, um sich zum Diktator zu machen, aber weit fehlt es nicht.

  116. 116 Neoprene 11. April 2020 um 12:34 Uhr

    „Es zeichnet sich ja ab, daß weder auf dem Gebiet der Tests (schneller und verläßlicher) als auch auf dem der Schutzimpfung sehr viel weitergeht.“
    Da geht sicherlich an vielen Stellen viel weiter. Und das in vielen Staaten, das bringt ja dieser Tage jede zweite Abendnachrichtensendung. Aber ob das „schnell“ weitergeht, vor allem so schnell, daß „bald“ das drakonische Wirtschaftsregime gelockert werden könnte, das bezweifele ich auch.

  117. 117 Nestor 11. April 2020 um 12:40 Uhr

    Also in Österreich wurden inzwischen laut dieser Website
    https://www.vienna.at/features/coronavirus
    ca. 141.000 Leute getestet, von mehr als 9 Millionen.

    Eben weil an der Ecke nix weitergeht, werden Pilotstudien gemacht, einzelne Gemeinden durchgetestet, um die Dunkelziffer der Infizierten zu erfassen.

    Wofür das gut sein soll, ist mir eben nicht klar, weil selbst wenn die Dunkelziffer laut diesem Test niedrig wäre, sagt das erstens nichts über die landesweite Infektionsrate aus, und zweitens nicht über das einzelne Individuum, das neben dir in der U-Bahn sitzt oder dich im Supermarkt bedient – der oder die können ja jederzeit infiziert sein.

    Deshalb frage ich mich, wie lange man eine solche teileingefrorene Ökonomie und Produktion aufrechterhalten kann.

  118. 118 Neoprene 11. April 2020 um 12:49 Uhr

    „Deshalb frage ich mich, wie lange man eine solche teileingefrorene Ökonomie und Produktion aufrechterhalten kann.“
    Nun wirklich nicht nur du, das ist ja in allen Medien neben den Fallzahlen mittlerweile das Hauptthema geworden.

  119. 119 bertram 11. April 2020 um 14:35 Uhr

    „Eben weil an der Ecke nix weitergeht, werden Pilotstudien gemacht, einzelne Gemeinden durchgetestet, um die Dunkelziffer der Infizierten zu erfassen.“ Wirklich? Wo und in welchem Umfang. In Deutschland gibt es bloß die zweifelhafte Heinsbergstudie.

    „Wofür das gut sein soll, ist mir eben nicht klar, weil selbst wenn die Dunkelziffer laut diesem Test niedrig wäre, sagt das erstens nichts über die landesweite Infektionsrate aus, und zweitens nicht über das einzelne Individuum, das neben dir in der U-Bahn sitzt oder dich im Supermarkt bedient – der oder die können ja jederzeit infiziert sein.“

    Zum Schutz des Einzelnen ist so eine Studie ja auchbloß indirekt da. Na klar sagt das was über die Infektionsrate aus.
    Du weißt dann welchen Anteil der getesteten 1. Infiziert sind 2. Symptomlos infiziert sind 3. Antikörper haben also vorübergehend immun sind und wenn man das intelligent macht kann man das auf die Gesamtbevölkerung hochrechnen. Das wäre schon eine Grundlage für „evidenzbasierte“ Politik. Eigentlich gehört sowas jede Woche oder alle 2 Wochen gemacht, damit man die Veränderungen und die Durchseuchung beurteilen kann. Also ein Seuchenmonitoring sozusagen. Aber nicht nur 1000 Leute sondern an mehreren Orten 1000 Leute und das in verschiedenen Landesteilen. Man kann z.B. nicht die Wert von Heinsberg auf einen Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern übertragen.

    Im Moment hat eigentlich keine Sau eine Ahnung und die politischen Entscheidungen werden mehr oder weniger aus dem Bauch heraus getroffen.

  120. 120 Nestor 11. April 2020 um 16:52 Uhr

    @bertram

    Es wird aus Datenschutzgründen ein bißl eine Geheimnistuerei betrieben, aber es schaut so aus, daß in verschiedenen Tiroler Gemeinden, die sich dafür zur Verfügung gestellt haben – auch um den schlechten Ruf in Sachen Coronavirus loszuwerden – alle durchgetestet wurden.

    Gestern wurde dann diese Studie in den Abendnachrichten ausgewertet. Der Nachrichtensprecher hat es zwar nicht so ausgedrückt, aber herauskommt, daß man nicht viel weitergekommen ist.
    Es waren 3- oder 4-Mal soviele Infizierte wie Erkrankte. Ist das jetzt gut oder schlecht? Kann man das auf Österreich umlegen? Wenn ja, was hat man davon?
    Eigentlich nix.

    Dazu kam noch eine Meldung aus Südkorea oder China, daß auch die Immunität nicht viel hilft, weil dort angeblich an einigen Leuten festgestellt wurde, daß jemand die Infektion immer wieder kriegen kann. Das heißt, er oder sie muß nicht erkranken, kann aber ein paar Tage lang andere anstecken.

  121. 121 Neoprene 11. April 2020 um 18:31 Uhr

    „We May Be Underestimating the Coronavirus Death Toll
    Many people believe we‘re under-counting the Covid-19 infection rate, but Italian data suggest we may be getting the death numbers wrong too.“
    https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2020-04-01/coronavirus-italy-shows-we-may-be-underestimating-death-toll

    „Why we still don‘t know what the death rate is for covid-19″
    https://www.newscientist.com/article/2239497-why-we-still-dont-know-what-the-death-rate-is-for-covid-19/#ixzz6JKCFxKMm

  122. 122 Nestor 11. April 2020 um 20:06 Uhr

    Aha.
    Diese Projekte mit Tests innerhalb gewisser Grenzen sollen die nationale Todesrate (Tote im Verhältnis zu Infizierten) ausweisen und damit zeigen, womit eine Regierung rechnen muß, also wieviele ihrer Bürger pro Jahr an CV abnibbeln.

    Aber nicht einmal das kann an solchen regional beschränkten Tests ausgewiesen werden.
    Die individuelle und auch regionale Verlaufsform hängt nämlich von Ort (Stadt/Kleinstadt/Land), Jahreszeit, Temparatur und weiteren Faktoren ab.

  123. 123 Neoprene 11. April 2020 um 21:09 Uhr

    „“Covid19 is having an unprecedented impact on ICUs”
    The media claim this pandemic’s effect on hospitals around the world has never been seen before, but is that true?“

    https://off-guardian.org/2020/04/02/coronavirus-fact-check-1-flu-doesnt-overwhelm-our-hospitals/

    Die ersten links, die ich überprüft habe, stimmen alle, der Artikel scheint also eher kein Fake-News zu sein.

  124. 124 Nestor 11. April 2020 um 22:11 Uhr

    Das geht schon in die Richtung der ungarischen Videos, die ich kriege, die sagen, da wird eine unnötige Hysterie erzeugt, die CV-Pandemie wird aufgeblasen.

    Aber wenn dem so wäre, warum, von wem und zu welchem Zweck? Die USA oder die EU-Regierungen fahren doch nicht ohne Grund ihre ganze Ökonomie herunter.
    (Jetzt gerade als nächstes die Türkei.)

    Umgekehrt erzeugt dieser Guardian-Artikel auch den Eindruck, vorher seien solche Grippewellen heruntergespielt worden – das kann ich mir noch eher vorstellen, daß niemand die völlige Überlastung des heruntergefahrenen Gesundheitssystem an die große Glocke hängen wollte.
    Also die Medien haben da vielleicht einen Wink bekommen: pssst!

    Mir erscheint der Guardian-Artikel eher einer intellektuellen Hilflosigkeit zu entspringen, daß die Medien sich selber nicht mehr auskennen, welche Kritik sie jetzt an Regierungen üben sollen. Gerade in GB, wo es derzeit besonders kopflos zugeht, und sogar die Queen auf ihre alten Tage an die Beschwichtigungs-Front marschiert.

  125. 125 bertram 11. April 2020 um 23:44 Uhr

    „Es waren 3- oder 4-Mal soviele Infizierte wie Erkrankte. Ist das jetzt gut oder schlecht? „

    Wow. Das wär ja schon sehr erstaunlich. Erstmal heißt das doch, das man die Infiziertenzahlen mit 3 oder 4 multiplzieren kann, da normalerweis nur Menschen mit Symptomen getestet werden. 2. Heißt das, dass man mit Quarantäne der Erkrankten die Krankheit nicht stoppen, sondern nur etwas verlangsamen kann. 3. Das gute ist, dass die Infizierten voraussichtlich immun sind, also die Reproduktionsrate dadurch verlangsamt wird. 4. Heißt es, dass man mit der Lockerung des Kontaktverbots vorsichtig sein muss, weil damit garantiert die Infektionszahlen wieder ansteigen. 5. Wird man das Virus nicht stoppen können, wenn die Wirtschaft nicht vollständig runtergefahren werden soll. Denn jeder Kontakt birgt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Infektion.

    „Das heißt, er oder sie muß nicht erkranken, kann aber ein paar Tage lang andere anstecken.“

    So lange bis eben Herdenimmunität herrscht, dann werden andere zwar angesteckt, aber weil sie die Krankheit schon hatten werden sie auch nicht krank. Im Idealfall werden alle angesteckt aber nicht krank.

    „womit eine Regierung rechnen muß, also wieviele ihrer Bürger pro Jahr an CV abnibbeln.“

    Genau. Bis zum Impfstoff oder bis zur Herdenimmunität.

    „Aber nicht einmal das kann an solchen regional beschränkten Tests ausgewiesen werden.“

    Eben. Der Schluss ist aber, dass man nicht regional beschränken darf, sondern in unterschiedlichen Situationen testen muss.

    „Die individuelle und auch regionale Verlaufsform hängt nämlich von Ort (Stadt/Kleinstadt/Land), Jahreszeit, Temperatur und weiteren Faktoren ab.“

    Das heißt aber auch nicht, dass man nicht testen soll, sondern dass man ermitteln muss, welchen Einfluß die verschiedenen Faktoren haben.

    „Aber wenn dem so wäre, warum, von wem und zu welchem Zweck? Die USA oder die EU-Regierungen fahren doch nicht ohne Grund ihre ganze Ökonomie herunter.“

    In New York werden mittellose Tote auf eine Insel geschafft und in Massengräbern beigesetzt, weil man mit den Beisetzungen nicht mehr hinterherkommt. Das gab es bei Grippewellen in jüngster Vergangenheit nicht. Und die Toten kommen noch, da die Todesfälle den Infizierten um drei Wochen nachfolgen. Außerdem scheint die Sterblichkeit in den verschiedenen Ländern unterschiedlich zu sein. Der Witz ist, dass man zuwenig weiß. Blöderweise wird aber auch zuwenig getan,um sich das nötige Wissen zu beschaffen. Einen Grund haben die Regierungen auf jeden Fall ihre Wirtschaft runterzufahren, bloß ob er stimmt ist unklar.

  126. 126 Nestor 12. April 2020 um 13:37 Uhr

    Wie sieht es in Deutschland aus?

    Deutsche Kliniken werden zu Covid-19-Hotspots

    Nachdem in Deutschland mittlerweile über 110.000 Menschen mit dem Covid-19-Erreger infiziert sind, entwickeln sich immer mehr Kliniken zu Zentren der Corona-Epidemie. Inzwischen haben sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) mehr als 2300 Ärzte und Pflegekräfte allein in Krankenhäusern infiziert.

    https://www.wsws.org/de/articles/2020/04/09/klin-a09.html

    und in China:

    Interview mit 4 chinesischen Ärzten vom Epizentrum der Pandemie in Wuhan

    Vor einigen Wochen war der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post zu entnehmen, dass sich am 17. November 2019 ein 55-jähriger Mann vermutlich mit einem neuartigen Coronavirus infiziert habe. Diese Person ist der früheste bestätigte Fall von Covid-19.

    https://www.wsws.org/de/articles/2020/04/08/wuha-a08.html

  127. 127 Nestor 12. April 2020 um 15:06 Uhr

    @bertram

    In New York werden mittellose Tote auf eine Insel geschafft

    Das war schon seit langer Zeit so. Hart Island wurde seit 1868 als Armenfriedhof genutzt:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hart_Island#Potter%E2%80%99s_Field
    Laut einem Artikel im „New Yorker“ werden die Toten jetzt dort einmal zwischengelagert, bis genaue Identifikation und Bestattung derer möglich werden, die von ihren Verwandten begraben werden können.
    In Kriegszeiten wird das ähnlich gehandhabt.

    Sie wurden übrigens bis vor kurzem auch von Sträflingen aus dem Gefängnis in Riker Island begraben. Jetzt wurde das ganze etwas professioneller, auch die Schutzanzüge.

    Die ganze Situation rund um die Ansteckungsgefahr und die offenbar noch immer nicht ausreichend zur Verfügung stehenden Testkapazitäten weist nur darauf hin, daß die Behörden, die Wissenschaft und der ganze Rest der Veranstaltung heute nicht sehr viel weiter sind als vor 4 Wochen.

  128. 128 bertram 12. April 2020 um 19:12 Uhr

    „Die ganze Situation rund um die Ansteckungsgefahr und die offenbar noch immer nicht ausreichend zur Verfügung stehenden Testkapazitäten weist nur darauf hin, daß die Behörden, die Wissenschaft und der ganze Rest der Veranstaltung heute nicht sehr viel weiter sind als vor 4 Wochen.“ Ganz genau. Das ist echt seltsam. Als müsste man nur warten bis der Sturm vorbeigezogen ist und könnte dann wieder aus dem Versteck kommen. Auf Servus TV (österreichischer Sender) werden übrigens die shutdown Maßnahmen z.B. als unprofessionell charakterisiert. Das RKI hätte den Pathologen geraten keine Obduktionen an Coronapatienten durchzuführen, weil das wegen der Ansteckung zu riskant wäre. Daraufhin hat ein Arzt relativ aufgebracht bemerkt, es sei teil der Ausbildung mit infektiösen Toten umzugehen und sich zu schützen. Da hat er recht. Was ist das denn für ein Blödsinn? Aber die Händiapp wird gehypt. Am Ende sind noch die Leute schuld an der Verbreitung der Krankheit, weil sie keine App laden.
    Die Meldung mit den 2300 infizierten beim medizinischen Personal ist schon etwas älter vom 2.04.2020.

  129. 129 Nestor 12. April 2020 um 19:34 Uhr

    Möglicherweise geht auch nächste Woche die Ansteckungskurve wieder in die Höhe.
    Immerhin gibt es ja inzwischen Masken. :-)

  130. 130 Irre 13. April 2020 um 8:44 Uhr

    Klopapier-Irrsinn. Auf einem Foto ist zu sehen, wie sich auf einem Balkon unzählige Packungen Klopapier bis unter die Decke stapeln. „Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind das 360 Rollen“, kommentiert ein User fassungslos. (FR)

    Wenn ich um 6.30 zur Maloche eile, und kurz vorher schon um 6 Uhr morgens flugs einkaufe – dann kann ich mir für so viel Bravheit und Bescheidenheit einfach als Kompensation etwas Luxus leisten. Ein Jahr für jeden Tag eine ganze Rolle Klopapier! Superluxus! Und all die Luschen und Warmduscher im Lande, die erst mittags aufstehen – denen zeige ich, dass ich mir stattderen ordentlich was leisten kann. Son Balkon bei Sonnenwetter und Social Distancing draußen, der ist eh überflüssig. Ich brauche nämlich nur ausreichend Klopapier, damit ich morgens brav zur Maloche renne.

    https://www.fr.de/panorama/corona-hamsterkaeufe-klopapier-bild-internet-balkon-foto-coronavirus-rollen-solidaritaet-kritik-zr-13609238.html

    Wer immer brav ist, der kann sich auch Luxus und Extravaganz leisten!

  131. 131 Neoprene 13. April 2020 um 11:15 Uhr

    Allein im Großraum Madrid könnten in den letzten Wochen rund doppelt soviele Menschen an Covid-19 gestorben sein, als offiziell angegeben wurde. Unter anderem, weil in Alterheimen niemand an Covid-19 stirbt, weil niemand dort getestet wird, aber sterben tun die Menschen dort zuhauf.
    https://english.elpais.com/spanish_news/2020-04-08/coronavirus-deaths-in-madrid-could-be-3000-above-official-figures.html

  132. 132 Nestor 13. April 2020 um 12:32 Uhr

    Bei den Coronavirus-Toten muß man zur Kenntnis nehmen, daß viele an Hospitalismus oder auch Panik sterben, nicht am CV selbst. Deshalb wäre es aber verkehrt, so zu tun, als hätten sie mit dem CV überhaupt nix zu tun. Sie geraten einfach in den Epidemie-Strudel.
    Auch wenn du heute z.B. mit Kreislaufbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert wirst, so hast du schlechtere Überlebensmöglichkeiten, weil die Räumlichkeiten überfüllt sind, das Personal überlastet ist und daher leichter auch was falsch macht, und außerdem noch mehr Keime als sonst herumfliegen.

    Einem an CV erkrankten Verwandten von mir in London ist gerade vom Hausarzt dringend abgeraten worden, sich ins Krankenhaus zu begeben.
    Dabei hat der Typ einen Haufen Geld und könnte sich vermutlich in irgendeine Privatklinik legen, sofern es sowas dort gibt. Aber nicht einmal denen ist derzeit oder überhaupt in Sachen Infektionskrankheit zu trauen. An den Reinigungskräften sparen sie offenbar überall.

  133. 133 Neoprene 13. April 2020 um 14:09 Uhr

    Ein Buchhinweis aus einem Facebook-Kommentar:

    Ich habe zwar nur das Kapitel über „die Virulenz der Armut“ aus dem Buch „Vogelgrippe – Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemie“ von Mike Davis, also hauptsächlich über das Wüten der Epidemie in Indien gelesen, das finde ich aber schon weiterempfehlenswert:

    https://www.assoziation-a.de/dokumente/Davis_Vogelgrippe.pdf

  134. 134 Neoprene 13. April 2020 um 14:27 Uhr

    „Warum und wie die Bevölkerung das Gesundheitssystem vor „Überforderung“ zu schützen hat
    Anmerkungen zur „Corona-Krise“

    von Herrn Keiner

    http://www.herrkeiner.com/geschichten/wirbleibenzuhause/

  135. 135 bertram 13. April 2020 um 15:00 Uhr

    Bundesweite AntikörperstudienSollen Immunität der Bevölkerung aufzeigen: RKI startet mit repräsentativen TestsSamstag, 11.04.2020, 19:08 Endlich wird gemacht was notwendig ist.

    Statistikerin: Wer repräsentative Tests ablehnt, hat die Pandemie nicht verstanden

    Statistikerin: Die Coronazahlen sind falsch, weil sie nicht die Realität abbilden

    Statistikerin fordert Tests, die endlich das wahre Corona-Ausmaß in Deutschland zeigen

    Mit anderen Worten, wenn jetzt das Rki jetzt doch endlich breite Stichprobentests befürwortet, dann lenken sie ein, weil sie nicht mehr anders können, weil der Druck von Außen zu hoch wird. Als oberste Seuchenbehörde der BRD ist das ein Armutszeugnis. Die müssten doch wissen, was zu tun ist, das ist ihr Job – diesen Eindruck habe ich aber nicht. Seltsam, warum ist das so?

  136. 136 Neoprene 13. April 2020 um 16:29 Uhr

    „Die müssten doch wissen, was zu tun ist, das ist ihr Job – diesen Eindruck habe ich aber nicht. Seltsam, warum ist das so?“

    Nein, das ist alles andere als „seltsam“, sondern gerade Ausdruck, daß Wieler & Co. genau wissen, was „man“, also Merkel, Spahn, Lauterbach & Co., von ihm und Seinesgleichen erwarten: Das RKI wußte von Anfang an, daß die BRD einem neuen Viruas weitgehend schutzlos ausgeliefert sein würde. Was nötig gewesen wäre, um auch nur das Gröbste abhalten zu können, das haben sie selber ja alle naselang in ihre Risikostudien geschrieben und all die Jahre mitangesehen, daß die Regierungsreaktion war: Verpißt euch ihr Schwarzmaler, ihr bringt uns nicht dazu, unser schönes Geld zu verschwenden!“. Und dann kam die lange befürchtete Viruswelle und nun ging es denen nur noch darum, daß die Regierung irgendwie das Gesicht wahren kann und keine Panik ausbricht. Das war doch die Reaktion in so gut wie allen größeren Staaten, von ein paar ganz wenigen Ausnahem mal abgesehen.
    Was also war daran nun „seltsam“?

  137. 137 Neoprene 13. April 2020 um 16:35 Uhr

    „Laut Robert-Koch-Institut (RKI) werden in Deutschland jede Woche eine halbe Millionen Menschen auf Covid-19 getestet. International bringt das viel Lob ein. Centogene-Gründer Arndt Rolfs hält trotzdem viel mehr Tests für notwendig. Dann müsse man die Wirtschaft auch nicht monatelang lahmlegen.

    Sie wollen mit Hilfe von Mittelständlern und Startups deutliche höhere Testkapazitäten aufbauen und viel mehr Menschen in Deutschland auf Corona testen. Was bringt das?…“

    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Exitstrategie-funktioniert-nur-mit-mehr-Tests-article21707669.html

  138. 138 bertram 13. April 2020 um 17:46 Uhr

    Der Artikel vom Herrn Keiner ist gut.

    Neo ich finde das Gegenargument bei dir nicht. Du sagst das RKI weiß was zu tun ist, aber die Politiker wollten ihr Geld nicht verschwenden. Stimmt wohl als Beschreibung der Vergangenheit, aber es erklärt nicht, warum sich so lange gegen Stichprobentests ausgesprochen wurde. Ich gehe mal davon aus, dass das RKI weiß, dass es zur Beurteilung der Lage nicht reicht, wenn man Leute mit Symptomen testet, so wie bisher die Praxis war. Stichprobentests bringen auch keine Panik hervor oder verhindern, dass Politiker ihr Gesicht wahren können.

    Im Moment kann doch auch das Geld für Studien oder wie in deinem verlinkten Artikel gefordert für die massenhafte Herstellung von Tests keine Rolle spielen – eher im Gegenteil sind sie doch ein Mittel den volkswirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Dass es nicht um den Schutz der Leute geht, wundert mich ja schon nicht mehr. Aber dass hier an der falschen Ecke gespart wird, gesetzt es sei so, das wundert mich schon.

    „Wir haben eine enorme Resonanz. Nach wenigen Tagen hatten wir schon über 500 Rückmeldungen von Unternehmen. Viele brennen regelrecht darauf, etwas zu machen. Drei Viertel von ihnen sagen uns, dass sie öffentlichen Stellen bereits Hilfe angeboten hätten, aber abgeblitzt seien. Keiner hätte bislang mit ihnen geredet. Sie wären in Dauerschleifen gelandet oder hätten wenig informative Mails bekommen sinngemäß „wir melden uns bei Gelegenheit“. Wir wünschen uns jetzt, dass die Bundesregierung das in die Hand nimmt, wir brauchen eine Abteilung für Logistik, zentrale Beschaffung im Wirtschaftsministerium und/oder eine Koordinierungsstelle beim Kanzleramt.“

    Das ist doch mehr als merkwürdig. Offenbar wäre die Unterstützung von Seiten der Privatwirtschaft groß (anscheinend bräuchte man das gar nicht planwirtschaftlich abwickeln), aber der Unterstützungswille wird nicht produktiv gemacht. Das verstehe ich nicht. Es kann doch nicht sein, dass die Regierung das nicht in Betracht zieht, weil sie befürchten muss das Gesicht zu verlieren.

  139. 139 Neoprene 13. April 2020 um 18:21 Uhr

    Ja, warum wohl gilt, „es erklärt nicht, warum sich so lange gegen Stichprobentests ausgesprochen wurde.“
    Weil es halt überall, jedenfalls mit Sicherheit in Deutschland, einfach keine hinreichend großen Testkapazitäten gab (und wohl immer noch gibt) um ausreichend große Tests in zeitlich enger Folge durchführen zu können. „massenhafte Herstellung von Tests“ ist offensichtlich alles andere als einfach. Was im Augenblick geht, hat der Rolfs doch oben schon gesagt. Und dazu müßte die Regierung erstens wirklich über ihren ideologischen Schatten springen und zweitens müßte dann wirklich enorm viel möglich sein. Ob das jetzt noch reichen würde, kann ich wirklich nicht beurteilen.

  140. 140 bertram 13. April 2020 um 20:23 Uhr

    Das ist doch einfach nicht wahr, dass es keine Test gab.
    1. weil es immer die Frage wozu getestet wird. Testen für Wissen geht meines Erachtens vor dem Testen von symptomatischen Patienten. Soviel Test, die man für Stichprobentest braucht kann man immer durch Verändern der Testkriterien einsparen.
    2. Weil Stichprobentests nur einen kleinen Anteil der vorhandenen Tests ausmachen.
    3. Ist das Angebot Tests zu produzieren doch offensichtlich da von Seiten der Privatwirtschaft. Es wird aber noch nicht mal angenommen.

    „Und dazu müßte die Regierung erstens wirklich über ihren ideologischen Schatten“ Welchen ideologischen Schatten denn?
    Testen auf Teufel komm raus und die Wirtschaft aus dem Shutdown holen ist allemal billiger, als die Zerstörung der Wirtschaft durch einen planlosen Shutdown, der einer Nebelfahrt gleicht, wo keiner weiß was er eigentlich tut und zu welchem Zweck. Man kann sich unter Corona nicht wegducken und hoffen dass es aufhört.

    „Ob das jetzt noch reichen würde, kann ich wirklich nicht beurteilen.“ Was soll denn wohin reichen oder nicht? Es gibt einfach keine vernünftige Alternative zur Herstellung von massenhaften Tests und zu Stichprobenstudien.

  141. 141 Neoprene 13. April 2020 um 21:29 Uhr

    „Das ist doch einfach nicht wahr, dass es keine Test gab.“
    Wer sollte das denn auch behauptet haben! Ich habe von „hinreichend großen“ Testkapazitäten geredet. Um allein wirklich zu wissen, wieviele Gesundheitsarbeiter und Pflegekräfte, vor allem in Heimen sich schon angesteckt haben oder gar schon immun geworden sind, müßten verdammt viele Menschen alle naselang getestet werden.
    „Weil Stichprobentests nur einen kleinen Anteil der vorhandenen Tests ausmachen“
    „Laut der neusten RKI-Auswertung dazu haben in der gesamten Woche tatsächlich etwa 393.000 Tests stattgefunden, also deutlich weniger als die zur Verfügung stehenden 100.000 am Tag.“ Spiegel vom 10.04. Ob man damit auch nur halbwegs sicher die Zahl der Neuinfizierten bestimmen kann, scheint fraglich zu sein.
    “ Ist das Angebot Tests zu produzieren doch offensichtlich da von Seiten der Privatwirtschaft. Es wird aber noch nicht mal angenommen.“
    Das sehe ich auch so.

  142. 142 bertram 13. April 2020 um 22:50 Uhr

    „Ich habe von „hinreichend großen“ Testkapazitäten geredet.“
    Die Frage ist wofür hinreichend. Und den Zweck Beurteilung der Pandemielage hatte wohl keiner, weshalb d a f ü r es immer zu wenig Test gibt. Das ist aber verkehrt. Beurteilung der Pandemielage ist das wichtigste überhaupt. Man kann sich immer Sachen ausdenken, die angeblich wichtiger sind und dann so tun als sei es ein Sachzwang, dass keine Stichprobentests gemacht werden. Wenn man gesunde Pflegekräfte jede Woche testen will, dann reichen die Tests nicht und wenn sie doch reichen würden verkürzt man das Intervall, dann wird alle drei Tage getestet und wieder sind leider, leider ganz objektiv keine Test für Stichprobentests mehr da. Und wenn das dann doch reicht, dann muss man alle Altenheime durchtesten. Werden zuerst nur Leute mit Fieber und Husten getestet, dann kann man das Testkriterium verändern und sagen nur Husten reicht aus um zu testen. Schon reichen die Tests wieder nicht mehr. Ergo: Die absolute Knappheit ist ein Scheinargument, das verschleiert, dass es eine Gewichtung der Zwecke ist und aus irgendwelchen Gründe fällt der wichtigste Zweck: Beurteilung der Pandemielage und Entwicklung, immer hinten runter.

    „Ob man damit auch nur halbwegs sicher die Zahl der Neuinfizierten bestimmen kann, scheint fraglich zu sein.“ Das ist mehrfach falsch. 1. Weil die RKI-Zahlen gar nichts mit den Neuinfiziertenzahlen zu tun haben. Weil das RKI nur die positiv g e t e s t e n zählt. 2. Warum kann man die Neuinfiziertenzahlen nicht bestimmen? Nicht weil zu wenig Tests da sind, sondern weil die Dunkelziffer nicht bestimmt wird durch Stichprobentests. Man muss also von den ca. verfügbaren 400 000 Tests pro Woche 20-30 000 für Stichprobentest reservieren und diese Zahl steigt nicht exponentiell an, sondern bleibt während der Dauer der Epidemie gleich, während die Anzahl der Tests, wenigsten ansteigen sollte.

    Daher kommt mir das Vorgehen des RKI unprofessionell vor. In etwa ein Bild der Neuinfektionen kann man nur haben, wenn die Dunkelziffer klar ist. 10 000 Infizierte, die z.B. nach dem Kriterium Husten + Fieber getestet werden bedeutet z.B. 50 000 tatsächlich Infizierte, weil der Anteil der Leute die infiziert sind und Husten und Fieber haben bei 20% liegt.

  143. 143 NN 14. April 2020 um 13:24 Uhr

    Behörden loben Bundesbürger
    Umgang mit Coronakrise nach Ostern bleibt weiter unklar

    Die Behörden in Deutschland haben über die Ostertage keine großen Verstöße gegen die in der Coronakrise geltenden Beschränkungen festgestellt. Polizeien und Politiker zeigten sich mit dem Verhalten der Bundesbürger weitgehend zufrieden. Bundesweit führten Polizisten Zigtausende Kontrollen durch. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten am 22. März zunächst für zwei Wochen umfassende Einschränkungen der Bewegungsfreiheit beschlossen und sie später bis zum 19. April verlängert. Am Mittwoch will Merkel mit den Regierungschefs das weitere Vorgehen beraten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte das Osterwochenende zuletzt mit Blick auf die Auflagen als »Weggabelung« bezeichnet.

    In der Debatte über einen schrittweisen Ausstieg aus den Beschränkungen nach den Osterferien pocht CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auf ein weitgehend geschlossenes Vorgehen. »Es ist wichtig, dass wir möglichst einheitliche Regelungen haben. Alles andere wirft zusätzliche Fragen auf«, sagte Kramp-Karrenbauer der Deutschen Presseagentur laut Meldung vom Montag.

    Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt derweil, unter bestimmten Voraussetzungen so bald wie möglich schrittweise zuerst Grundschulen zu öffnen und den Unterricht in der Sekundarstufe I wieder zuzulassen. In der am Montag veröffentlichten Stellungnahme, die sich mit dem weiteren Vorgehen in der Coronapandemie beschäftigt, heißt es unter anderem zu den Voraussetzungen, die Infektionen müssten auf niedrigem Niveau stabilisiert und die bekannten Hygieneregeln eingehalten werden. Zudem sprechen sich die Wissenschaftler für eine Maskenpflicht etwa in Bussen und Bahnen aus. Kanzlerin Merkel hatte die Studie der Leopoldina als »sehr wichtig« für das weitere Vorgehen bezeichnet.

    In der BRD sind bis Montag morgen mindestens 124.189 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert worden. Mindestens 2.834 mit dem Erreger SARS-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presseagentur hervor. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts haben in Deutschland rund 64.300 Menschen die Infektion überstanden. (dpa/jW)

    Oft völlig überbewertet: Vorsicht bei Corona-Statistiken

    Die Sache mit den Zahlen ist heikel. Man weiß nicht immer genau, wo sie herkommen und was sie umfassen. Dennoch vermitteln sie ein Gefühl von Sicherheit.

    US-Totalversagen
    Trump gegen China und die WHO
    Von Jürgen Heiser

    Als einer der vielen Slogans der virtuellen Ostermarschbewegung 2020 bringt »NATO abrüsten – WHO aufrüsten!« auf den Punkt, warum US-Präsident Donald Trump die von ihm schon lange abgelehnte Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) neben der Volksrepublik China zu einem der Intimfeinde des Weißen Hauses erkoren hat. Die durch das Coronavirus ausgelöste Krise trifft das imperialistische Zentrum mitten ins sieche Herz, weil sie sein Wesen offenlegt: Das größtenteils privatisierte Gesundheitssystem, das den kranken Menschen zum Objekt seiner Profitmaximierung degradiert, kann den Herausforderungen einer Pandemie wie der durch den Erreger SARS-CoV-2 verursachten nicht gerecht werden. Das der USA am allerwenigsten, weil Washingtons Sparprogramme im Gesundheitswesen etwas mit dem explodierenden Militärbudget des Pentagon in Höhe von einer Billion US-Dollar zu tun haben.

    Schon bis Ende März hatte der Erreger das US-Gesundheitssystem quasi im Handstreich überwältigt. »Es gibt Dritte-Welt-Länder, die besser ausgestattet sind als wir in Seattle«, klagte eine medizinische Fachkraft gegenüber der Washington Post. Klare Worte, die nur wenige Tage später ein von der steigenden Zahl der Virustoten zutiefst schockierter Arzt gegenüber dem US-Sender CNN wiederholte, als er die Zustände in den Kliniken von New York City als »ein Szenario vom Typ eines Dritte-Welt-Landes« beschrieb. Selbst Donald Trump säuselte spontan in Pressemikrophone, er habe jetzt »Dinge gesehen«, die er zuvor »nur im Fernsehen und in fernen Ländern gesehen« habe, »nie aber in meinem Land«.

    Doch Trump wäre nicht der »Vater aller Fake News«, wenn er nicht mit spitzem Finger auf andere Schuldige für das wachsende Pandemieelend in seinem Land zeigen würde, unter dem vor allem Schwarze, Latinos, Ureinwohner, Migranten, Arme und Obdachlose leiden. Legendär ist sein Versuch, den G-7-Verbündeten das Schimpfwort »China-Virus« vorzuschreiben. Aber neben China stellt Trump auch die WHO an den Pranger. Sie habe »zu spät« über die Pandemie informiert und stehe wegen Kooperation mit China »in dem Verdacht, vor Beijing zu kuschen«, wie die Neue Zürcher Zeitung willfährig schrieb. Auf Twitter provozierte Trumps Gezeter jüngst die Verunglimpfung der Abkürzung WHO durch den Hashtag »WuhanHealthOrganization«.

    In Wahrheit hatte die WHO bereits Ende Januar den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Und der Chinakenner und Herzchirurg Professor Paul Robert Vogt warf gestern dem Westen in der Schweizer Mittelländischen Zeitung vor, er sei »arrogant, ignorant und besserwisserisch«. Lieber solle er »aus den Erfahrungen Chinas im Umgang mit dem Coronavirus« lernen. »Das fortgesetzte, dümmliche China-Bashing« lenke nur »vom eigenen Versagen ab«, so Vogt. Der Westen habe schon im Januar gewusst, was auf ihn zukam, »und trotzdem nicht reagiert«.

    Schäbige US-Propaganda
    Kuba erhält weiter Anfragen nach medizinischer Unterstützung in Coronakrise. Washington verstärkt Kampagne gegen Havanna
    Von Volker Hermsdorf

    Während Kuba über Ostern zwei weitere Sanitätsbrigaden des Kontingents »Henry Reeve« nach Italien und in das westafrikanische Togo geschickt hat, verstärken US-Politiker ihre Angriffe auf die internationalen Hilfseinsätze. Verbreitet wurden die neuen Attacken zunächst über den staatlichen US-Propagandasender Radio und TV Martí sowie das vom US-Dienst NED (National Endowment for Democracy) finanzierte, in Madrid publizierte Contraportal Diario de Cuba. Zum Glück der Patienten, für deren Überleben die kubanischen Mediziner derzeit kämpfen, läuft die schäbige US-Kampagne bisher ins Leere.

    Ungeachtet der Attacken aus Washington verzeichnet das kubanische Gesundheitsministerium zunehmend Anfragen mit der Bitte um Unterstützung. So landete am gestrigen Ostermontag auf dem Flughafen von Turin in der norditalienischen Region Piemont eine aus 21 Ärzten, 16 Krankenschwestern und einem Logistikkoordinator bestehende weitere Hilfsbrigade aus der sozialistischen Inselrepublik. Dieser Einsatz kubanischer Fachkräfte erfolgt auf ein Ersuchen des Präsidenten der Region, Alberto Cirio, das den Behörden in Havanna kürzlich vom italienischen Gesundheitsminister Roberto Speranza übermittelt worden war. Nach der positiv aufgenommenen Arbeit ihrer 52 Kollegen in der benachbarten Region Lombardei verstärken die insgesamt 38 Gesundheitsexperten nunmehr die kubanischen Spezialistenteams in Italien.

    Zum gleichen Zeitpunkt erreichte gestern eine kleinere, aus insgesamt elf Intensivmedizinern, Epidemiologen und Krankenschwestern bestehende Brigade Togo. Während die Welt vor allem nach Europa und in die USA blicke, müsse die Ausweitung der Pandemie verstärkt auch in Afrika bekämpft werden, sagte der Leiter der Gruppe, Miguel Gómez Cruz, vor dem Abflug in Havanna.

    Obwohl sich Politiker und vor allem Patienten aus zahlreichen Ländern anerkennend und dankbar über die Unterstützung durch Spezialisten des internationalen Ärztekontingents »Henry ­Reeve« äußern, warnte der stellvertretende Staatssekretär für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre im US-Außenministerium, Michael G. Kozak, ausländische Staaten am Freitag davor, die Hilfe aus Havanna anzunehmen. Per Twitter forderte Kozak die mit Kuba kooperierenden Länder auf, das »Recht der Ärzte auf gewerkschaftliche Organisierung und Tarifverträge« zu schützen. Der Unterstaatssekretär prangerte an, dass die in den freiwilligen Missionen tätigen Mediziner »nur einen Teil der Gehälter«, die gezahlt würden, erhielten und der Großteil »in die Kassen des Regimes« fließe. Tatsächlich verzichten die Angehörigen der Henry-Reeve-Brigaden, die in wohlhabenden Ländern tätig sind auf einen Teil der dort gezahlten vertraglich vereinbarten Beträge, damit Kuba auch Missionen in solchen Ländern durchführen kann, die nicht in der Lage sind, für medizinische Einsätze zu zahlen. Das unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als vorbildlich ausgezeichnete solidarische Modell ist Washington jedoch schon seit langem ein Dorn im Auge.

    Seit Ausbreitung des Coronavirus haben die USA ihre Kampagne gegen die Ärztebrigaden verschärft. »Das kubanische Regime nutzt die Covid-19-Pandemie schamlos aus, um eine Kampagne betrügerischer medizinischer Diplomatie durch den Handel mit Ärzten zu lancieren«, zitierte die in Miami erscheinende Tageszeitung El Nuevo Herald am Wochenende den ultrarechten republikanischen Kongressabgeordneten Mario Díaz-Balart. Kozak sekundierte in dem selben Artikel: »Krisen rechtfertigen nicht den Menschenhandel mit Angehörigen der Gesundheitsberufe, die heute mehr denn je Schutz benötigen.« Die US-Politiker behaupten, dass Kuba »kein verlässlicher Partner« im Kampf gegen die Pandemie sein könne, da »das kommunistische Regime in Havanna« mit den Hilfseinsätzen lediglich das Ziel verfolge, »die internationale Gemeinschaft zu spalten«, »im Ausland ein positives Image aufzubauen« und »von systematischen Menschenrechtsverletzungen« abzulenken.

    Menschenrechtsorganisationen in den USA wiesen die Äußerungen von Kozak und Díaz-Balart als »aggressive Rhetorik« zurück. »Inmitten einer globalen Pandemie versuchen Vertreter der Trump-Regierung und Politiker in Florida den Kalten Krieg neu zu entfachen, statt den Zugang der Menschen zur medizinischen Versorgung zu verbessern«, kritisiert das Washingtoner Büro für Lateinamerika (WOLA). Der Vorsitzende dieser Organisation, Geoff Thale, warnte davor, die derzeit »dringend benötigte internationale medizinische Zusammenarbeit zu politisieren, um die kubanische Regierung anzuprangern«. Die momentane Situation erfordere »mehr Engagement und Zusammenarbeit und nicht weniger«, erklärte Thale.

    Kritik an Trump wird lauter
    Bericht: US-Präsident reagierte zu spät auf Coronakrise. Zahl der Infizierten steigt

    Der Berater von US-Präsident Donald Trump in der Coronaviruspandemie, der Virologe Anthony Fauci, hat einen Bericht bestätigt, wonach die USA zu spät auf die Krise reagierten. Es hätten Leben gerettet werden können, wenn öffentliche Einrichtungen früher geschlossen worden wären, sagte Fauci dem Sender CNN am Sonntag (Ortszeit). Die New York Times hatte zuvor geschrieben, Trump habe zu spät reagiert, weil er sich zum einen auf sein Bauchgefühl verlassen und zum anderen den Staatsbediensteten misstraut habe.

    Fauci, der bereits sechs US-Präsidenten in Folge beriet, sagte CNN, es habe anfangs großen Widerstand gegeben, das öffentliche Leben herunterzufahren. Den Präsidenten nannte er dabei aber nicht namentlich.

    Trump selbst verurteilte den Zeitungsartikel am Sonntag abend als »Fake News«. Der Bericht sei »ein Fake, genau wie die ›Zeitung‹ selbst«, erklärte der Präsident auf Twitter. Er verwies auf den von ihm früh verhängten Reisebann gegen China, lange bevor andere Länder dies getan hätten. Dennoch sei er dafür kritisiert worden. Zudem postete Trump ein Interview mit Fauci, in dem dieser sagte, die USA hätten »zu Beginn der Krise keine korrekten Informationen erhalten«.

    In den USA sind bereits mehr als 22.000 Menschen an den Folgen einer Coronavirusinfektion gestorben. Die Zahl der Infizierten stieg nach Angaben der Johns Hopkins University vom Montag auf über 557.000. Damit verzeichnen die USA die höchste Todes- und Infektionsrate weltweit.

    Dennoch gab es Zeichen für eine leichte Entspannung in der Krise. So sank etwa die Zahl der Todesopfer am zweiten Tag in Folge: Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore verzeichnete am Sonntag abend (Ortszeit) 1.514 neue Todesfälle binnen 24 Stunden. Am Samstag hatte die Universität noch 1.920 Corona-Tote gezählt, am Freitag 2.108. Fauci äußerte die vorsichtige Hoffnung, dass die USA möglicherweise im Mai damit beginnen könnten, ihre Abschottungsmaßnahmen etwas zu lockern. Die Lage werde Ende April beurteilt, und dann würden entsprechende Entscheidungen getroffen, sagte er CNN. (AFP/jW)

    Ränkespiel im Palast
    Nach Chaos vor Ausgangssperre in der Türkei hält Erdogan an seinem Innenminister Soylu als Mann fürs Grobe fest
    Von Nick Brauns

    Eine Ausgangssperre zur Zurückdrängung des Coronavirus in der Türkei hat das Ränkespiel um die Macht im Umfeld von Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan befeuert. Nach dem Diktum des NS-Staatsrechtlers Carl Schmitt – »Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet« – handelte Innenminister Süleyman Soylu, als er am Freitag abend um 22 Uhr eine nur zwei Stunden später in Kraft tretende Ausgangssperre über das Wochenende für 31 Großstädte verkündete. Der vom Staatspräsidenten angeordnete Beschluss war weder mit Gesundheitsminister Fahrettin Koca noch den von der kemalistischen Opposition gestellten Oberbürgermeistern der besonders von der Coronapandemie betroffenen Städte Istanbul, Ankara und Izmir abgesprochen, die eine solche Maßnahme indessen schon länger gefordert hatten.

    Die Bevölkerung reagierte auf die extrem kurzfristige Ankündigung vielerorts panisch. Hunderttausende stürmten unter Missachtung der gebotenen physischen Distanz die Supermärkte und setzten sich damit einem erheblichen Infektionsrisiko aus. Mehrfach kam es zu Prügeleien. Erst in einer späteren Klarstellung versicherte Soylu, dass Bäckereien und Apotheken offenblieben. Die von der Polizei überwachte Ausgangssperre wurde dann weitgehend befolgt. Am Sonntag abend übernahm der unter harsche Kritik der Opposition geratene Innenminister die volle politische Verantwortung für die panikartigen Szenen vom Freitag, »die nicht in einer Linie mit diesem perfekt gehandhabten Prozess« lägen. Anschließend kündigte Soylu seinen Rücktritt an. Doch Erdogan, der so von seiner eigenen Verantwortung freigesprochen wurde, akzeptierte den Amtsverzicht seines Innenministers nicht. Ein Sprecher des Präsidenten verwies dabei auf die besonderen Verdienste Soylus, der sein Amt kurz nach dem gescheiterten Putsch vom Juli 2016 angetreten hatte, im Kampf gegen »den Terrorismus«. Rückendeckung erhielt der mit Härte gegen die kurdische Opposition agierende Soylu auch von Devlet Bahceli, dem Führer der mit Erdogan verbündeten faschistischen »Grauen Wölfe«. Nachdem er solcherart die Absolution erteilt bekommen hatte, erklärte Soylu am Montag, als Innenminister weitermachen zu wollen. Sein Rücktrittsangebot erscheint damit weniger der Reue geschuldet denn als wohlkalkuliertes Manöver zum Ausbau seiner eigenen Hausmacht im Präsidentenpalast.

    Dass die »Pelikan-Gruppe«, wie der Machtzirkel innerhalb der AKP um den bislang als Präsidentennachfolger gehandelten, aber unbeliebten Finanzminister und Erdogan-Schwiegersohn Berat Albayrak in Anlehnung an einen Politthriller genannt wird, den Aufstieg Soylus als neuen Kronprinzen so einfach hinnehmen wird, ist nicht zu erwarten. Das türkische »Game of Thrones« geht damit in die nächste Runde – auf dem Rücken einer durch Wirtschaftskrise, Coronapandemie, politische Repression gegen die linke Opposition und den Krieg in den kurdischen Landesteilen schwer gebeutelten Bevölkerung.

    Die Türkei, wo die Regierenden die Gefahr der Coronapandemie lange ignoriert hatten, ist inzwischen eines der am schwersten von der Seuche betroffenen Länder. Am Sonntag lag die Zahl der bestätigten Infektionen nach Angaben des Gesundheitsministers bei rund 57.000 Fällen, rund 1.200 Infizierte waren bereits an Covid-19 verstorben. Der Türkische Medizinerverband geht indessen von einer wesentlich höheren Anzahl von Toten aus.

    Pandemie und keine Panik
    Belarus: Zahl der Coronavirusfälle steigt rasant an. Regierung versucht, Wirtschaft am laufen zu halten. Westen kocht politisches Süppchen
    Von Reinhard Lauterbach

    Offiziell hat Belarus nicht besonders viele Coronavirusfälle. Die jüngsten offiziellen Zahlen stammen vom Ostersonntag: 2.578 bestätigte Infektionen, angeblich überwiegend in »leichter bis mittlerer Verlaufsform«, 26 Verstorbene. Aber das ist, bezogen auf die Bevölkerung von Belarus (9,5 Millionen Menschen), mehr als im viermal so bevölkerungsreichen Polen (38 Millionen Einwohner), wo zuletzt 6.674 Fälle gemeldet wurden, und auch ein höherer Anteil Betroffener als Russland, wo am Montag 18.000 Infizierte (auf 144 Millionen Einwohner) gemeldet wurden. Immer vorausgesetzt natürlich, die Statistiken stimmen halbwegs.

    Zudem ist in Belarus eine hohe Dynamik der Pandemie zu beobachten: Vom 7. bis zum 11. April, also innerhalb von fünf Tagen, hat sich die Zahl der Erkrankten im Lande verdreifacht, die der Verstorbenen verdoppelt. Am Samstag hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Regierung aufgerufen, offiziell den Pandemiezustand auszurufen und Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens anzuordnen.

    Genau das versucht die Regierung aber zu vermeiden. Ihre Verhaltenshinweise sind vergleichbar wie den in Westeuropa Anfang März ausgegebenen: Es wird empfohlen, die Hände zu waschen, nicht ins Kino zu gehen und dergleichen. Immerhin wurden die Hochschulen des Landes auf Fernunterricht umgestellt, die Schulen aber nicht geschlossen. Denn die Regierung argumentiert, wenn die Kinder tagsüber nicht in die Schulen könnten, säßen sie in der Obhut ihrer Großeltern, und Ältere seien ja die am meisten gefährdete Gruppe. Andererseits wurde Eltern erlaubt, ihre Kinder von der Schule abzumelden.

    Epizentrum der Pandemie in Belarus ist die im Osten des Landes gelegene Stadt Witebsk. Dorthin war Ende Februar eine Delegation der örtlichen Schuhfabrik von einer Dienstreise nach Mailand zurückgekehrt. Die Teilnehmer hatten die Infektionsgefahr ­ignoriert und waren normal zur Arbeit gegangen, bis sie – inklusive Direktor – eine Woche später mit den üblichen Symptomen in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Inzwischen berichten Ärzte aus Witebsk in »sozialen Netzwerken« und der Lokalpresse von völlig überlasteten Stationen, begrenzten Vorräten an Schutzausrüstung und wachsenden Infektionsraten unter dem medizinischen Personal: 301 der fast 2.600 gemeldeten Fälle betrafen Ärzte und Pflegepersonal. Panik scheint aber einstweilen nicht aufzukommen.

    Daran, dass sich das ändert, arbeitet ein Netzwerk sogenannter zivilgesellschaftlicher Organisationen. Etwa 200.000 Belarussen haben inzwischen eine Onlinepetition für schärfere Einschränkungen unterzeichnet. Besorgt sei »der aktive Teil der Bevölkerung«, schrieben vor den Feiertagen die von mehreren deutschen Fachverbänden herausgegebenen »Belarus-Analysen«. Der prowestlichen Opposition nahestehende Portale wie »tut.by«, »svaboda.org« oder ein »Koordinierungsausschuss der Nationalen Plattform des Zivilgesellschaftsforums der Östlichen Partnerschaft« (also eine Sympathisantenorganisation der EU) fordern die Regierung auf, »ehrliche Angaben« über den Pandemieverlauf zu veröffentlichen. Der US-Propagandasender Radio Liberty sendet – anonyme – Aussagen von Ärzten, sie würden von oben aufgefordert, falsche Todesursachen in die Papiere Verstorbener zu schreiben, um »die Statistik nicht zu verderben«.

    Nachprüfen lässt sich das alles nicht. Aber Präsident Alexander Lukaschenko macht der westlichen Propaganda die Sache leicht. Seine Statements, die Pandemie sei eine »Psychose«, gegen die frische Luft, ein Saunagang und ein Gläschen Wodka helfen würden, sind dem Ernst der Lage nicht angemessen. Auch wenn der WHO-Sondergesandte für Europa, der frühere EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis, Ende März ausdrücklich lobte, dass Belarus das sowjetische System der Prophylaxe und Gesundheitskontrolle beibehalten habe: »Nicht alles Sowjetische war schlecht.« Für einen Litauer eine beachtliche Aussage.

    2774 neue Corona-Fälle in Russland innerhalb von 24 Stunden registriert

    Binnen 24 Stunden sind in 51 Regionen Russlands 2774 neue Corona-Infizierte registriert worden, wie der Operativstab zur Vorbeugung und Bekämpfung der Corona-Infektion am Dienstag mitteilte.

    „Corona-Höhenpunkt nicht einmal in Moskau vorbei“: Putin will bei Bedarf Militär einschalten

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in Bezug auf die Bekämpfung des Covid-19-Virus mit Besorgnis geäußert. Laut Putin ist die Lage nach wie vor ernst und der Höhepunkt des Virus noch nicht überschritten – unter bestimmten Umständen könnte man auch auf Kapazitäten des Militärs zurückgreifen.

  144. 144 Nestor 14. April 2020 um 15:32 Uhr

    Ich kenne lauter Leute, die offenbar einen heißen Draht zum lieben Gott persönlich haben: Jetzt erzählt mir jemand, angeblich soll es ab Juli ein Medikament geben gegen CV.

    Was die Tests angeht, so ist offenbar die Lage unverändert: Die PCR-Tests, die eine Infektion ausweisen, sind aufwendig in der Analyse, deswegen lassen sich hier die Kapazitäten offenbar nicht ohne weiteres ausweiten.
    Die Chinesen haben das zwar gemacht und schnell einmal alle Labors dafür eingesetzt, aber das scheint hierzulande nicht möglich zu sein.
    Österreich rühmt sich, in Sachen Testhäufigkeit führend zu sein, da wurden mit heutigem Datum gerade einmal 152.000 Leute getestet.

    Die Schnelltests sind bis jetzt unverläßlich, das scheint die Wissenschaft nicht hinzukriegen.

    Die Bluttests, die die Antikörper aufzeigen sollen, sind jetzt anscheinend auch in Richtung Schublade unterwegs, da sich Zweifel daran regen, ob eine überstandene Infektion Immunität verschafft.

  145. 145 Nestor 14. April 2020 um 15:48 Uhr

    Noch was.
    Mir ist eingefallen, daß Deutschland als Frontstaat während des Kalten Krieges viele leere Krankenhäuser irgendwo in der Provinz herumstehen hatte, für den Kriegsfall.
    Die wurden vermutlich nach der Wiedervereinigung zugesperrt oder abgebaut.

  146. 146 Neoprene 14. April 2020 um 16:34 Uhr

    „More than 2,200 coronavirus deaths in nursing homes, but federal government isn‘t tracking them

    Maryland and Ohio declined to release the names of affected facilities or the total number of nursing home deaths because of state privacy laws, state officials said, despite an outbreak that has killed 18 residents in a single Maryland nursing home and at least 40 nursing home deaths in Ohio.“

    https://www.nbcnews.com/news/us-news/more-2-200-coronavirus-deaths-nursing-homes-federal-government-isn-n1181026

  147. 147 Nestor 14. April 2020 um 17:20 Uhr

    Ja, auch hier ist mit Berufung auf den Datenschutz auf Geheimnistuerei geraten worden, allerdings von einer unbedeutenden Oppositionspartei.

    Die Regierung in Österreich hat sich eher zu Informationspolitik entschieden, um Panik zu vermeiden.

    Österreich hat ja auch ein staatliches Fernsehen, über das man die Bevölkerung mit Infos und Ratschlägen betreuen kann und wo jede Maßnahme erklärt wird.

  148. 148 Neoprene 14. April 2020 um 18:08 Uhr

    „Senioren-Vertreter empört
    Briten zählen Pflegeheim-Tote nicht mit“

    https://www.n-tv.de/panorama/Briten-zaehlen-Pflegeheim-Tote-nicht-mit-article21713712.html

    Wenn man ganz bewußt nicht alle Covid-19-Todesfälle erfaßt, kann man natürlich auch schneller „feststellen“, daß der Lockdown schon zurcükgenommen werden kann.

  149. 149 Nestor 14. April 2020 um 20:46 Uhr

    Natürlich.
    Aber letztlich lügt man sich damit in die eigene Tasche, weil der Lockdown wurde ja nicht aus Jux und Tollerei verfügt.

  150. 150 Neoprene 14. April 2020 um 21:07 Uhr

    Nein, die Damen und Herren haben nicht vor „sich“ was in die eigene Tasche zu lügen, sondern wie immer „uns“ anzulügen. Und es gibt ihnen eine gewisse „Flexibilität“, wenn die Zahlen nicht korrekt sind.

  151. 151 Nestor 14. April 2020 um 22:05 Uhr

    Aber keine Entscheidungsgrundlage.

    Diese ganzen Vorstellungen, daß einen die Politiker anlügen, um dann was zu machen? – sind so lächerlich angesichts der Tatsache, daß die doch sowieso machen können, was sie wollen. Ihre Schafherde folgt ihnen doch auch in den Untergang.

  152. 152 Nestor 14. April 2020 um 23:23 Uhr

    Diese Verschwörungs-Vermutungen dienen nur der Eitelkeit des Subjekts, das sie ausspricht – wie Verschwörungstheorien überhaupt.

  153. 153 Neoprene 15. April 2020 um 3:27 Uhr

    Was ist denn dann deiner Meinung nach der vernünftige Grund, Epidemie in ihren Landen abläuft?

  154. 154 Peer 15. April 2020 um 5:51 Uhr

    Die bürgrliche Politik bewegt sich in ihrem Widerspruch, einerseits zu wissen, dass Wachstum des Kapitalismus das A und O all ihrer Politik ist, andererseits geht Wachstum des Kapitalismus aber nur, wenn die Epidemie so abläuft, dass damit nicht jegliches kapitalistisches Wachstum lahm gelegt wird. (Weil so interessiert am Wachstum, wurden historisch auch Arbeitsschutzgesetze etc. eingeführt, home office ist davon eine Variante.)

    Die wissenschaftlichen Institute bereits beziehen sich auf diesen ihnen vorausgesetzten Widerspruch sogar noch, wenn sie ihre Lagebeurteilungen abgeben. Deutlich wurde das bereits an den unklaren Antworten vor 5 Wochen, ob man wirklich Schulen und Kindergätzen schließen solle. Oder an der Bewertung der Kurz-Testerei in NRW. Wissenschaftlich war das nicht geklärt, aber die Politik sieht Handlungsbedarf, weil es ihr auf das kapitalistische Wachstum des Standortes ankommt. Deswegen ist sie da nicht parteiloser distanzierter Wissenschaftler, sondern lässt solche für die Standort-Politik denken. Die Politik selber denkt nämlich interessiert-ideologisch an dem entlang, was sie für die Sachnotwendigkeiten für ds Wachstum hält. Und dementsprechend wählt sie dafür diejenigen Resultate aus der Gemengegelage der noch diskutierenden Wissenschaftlerlager, die ihr von ihrem Interesse in den Kram passen. So ähnlich interessiert am Wachstum hält sie es ja auch, wenn sie Grenzwerte für Vergiftung etc. festlegt.
    (Ich meine, die Gruppe K hätte das auch mal kurz und bündig über den Stellenwert der Wissenschaft irgendwo formuliert, habe dazu dies gefunden):

    https://www.contradictio.de/blog/archives/8396#comment-7680

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/belastungsprobe

  155. 155 Nestor 15. April 2020 um 10:37 Uhr

    @Neoprene

    ???
    Also ich verstehe nicht, was die Frage ist.

    @Paco

    Es geht ja nicht nur um das „Wachstum“, also die Messung des abstrakten Reichtums und seiner Vermehrung, sondern um die stoffliche Reproduktion der jeweiligen Gesellschaft, also den konkreten Reichtum, der dem abstrakten, d.h. der Geldvermehrung untergeordnet ist.

    Und da scheiden sich inzwischen Staaten, die sich einen solchen Lockdown überhaupt leisten können, von solchen, bei denen das nicht geht.
    Ägypten und Mexiko, um nur ein paar Beispiele zu nennen, gehören zu den letzteren.

  156. 156 Neoprene 15. April 2020 um 11:35 Uhr

    „Also ich verstehe nicht, was die Frage ist.“
    Ja, das ist bei diesem verstümmelten Satz nicht überraschend.
    du hast abgestritten, daß Politiker „uns“ was vorlügen,diese Vorstellungen „sind so lächerlich angesichts der Tatsache, daß die doch sowieso machen können, was sie wollen.“ Aber offensichtlich lügen sie rum, verleugnen, steiten Offensichtliches ab, zählen grob unwissenschafftlich rum. Da sie sich sicher nicht selbst was in die Tasche lügen, warum sollten sie sowas auch machen, wo sie in de Tat die Herrschenden und ihr Kalkül personifizieren, bleibt die naheliegende Frage, was es denn für einen vernünftigen Grund für diese Performance (oder Nichtperformance) geben könnte. Was ist denn deiner Einschätzung nach der Grund, die Opferzahlen klein zu definieren zu lassen?

  157. 157 NN 15. April 2020 um 12:16 Uhr

    „24-Stunden-Bilanz“: 3388 neue Corona-Patienten in Russland nachgewiesen

    In 65 Regionen Russlands sind innerhalb von 24 Stunden 3388 neue Covid-19-Patienten registriert worden. Dies gab der Operativstab zur Vorbeugung und Bekämpfung der Corona-Infektion am Dienstag bekannt.

    Corona-Kampf: Putin ruft zu außerordentlichen Maßnahmen und gemeinsamen Bemühungen auf

    Die Corona-Pandemie wirkt sich negativ auf alle Lebensbereiche aus, wie Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag äußerte.

    Vorwürfe in Corona-Pandemie: Russland nimmt China in Schutz

    Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat China gegen Schuldzuweisungen wegen der Coronavirus-Pandemie in Schutz genommen.

    Einfach zum Nulltarif: Pekings stärkstes Rezept im Kampf gegen das Virus

    Über eine halbe Million Menschen sind in den USA mit dem Coronavirus infiziert. Das Land hält den Negativrekord bei Corona-Kranken – und Donald Trump steht in der Kritik: Der Präsident habe die Lage nicht im Griff. Vielleicht kann er vom Erzrivalen China eine Lösung des Problems abgucken?

    Lawrow mahnt vor „Politisierung des Coronavirus“

    Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat am Dienstag dazu aufgerufen, von den Versuchen Abstand zu nehmen, das Thema Coronavirus und das Vorgehen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu politisieren.

  158. 158 Nestor 15. April 2020 um 12:32 Uhr

    Aber es ist doch offensichtlich, daß diese ganzen Politiker nicht wissen, was sie machen sollen!
    Die sind doch ratlos, und können aber nicht in die Kamera sagen: Ich hab keinen Tau, wie es weitergeht!
    Also kommt dieses komische Gestammel heraus.

    Dazu kommt, daß das demokratische System der Ermächtigung der Herrschaft durch Wahl nicht unbedingt die Intelligentesten nach oben bringt.

    Die Sache ist die, rekapitulieren wir einmal:

    Die Krankheit ist nirgends unter Kontrolle zu kriegen, also auch dort, wo die Betten in Intensivstationen (noch) ausreichend vorhanden sind.

    Man weiß inzwischen: Infektion ist nicht gleich Erkrankung. Erstens verläuft die Infektion bei vielen unbemerkt, zweitens gibt es nicht einmal hinsichtlich der Inkubationszeit Konsens. Bevor jemand Symptome zeigt, kann er oder sie schon 50 Leute angesteckt haben.

    Es gibt ein Problem mit den Tests. Die verläßlichen sind kompliziert und teuer, die günstigen Schnelltests sind unverläßlich.

    Kein Mensch weiß also, wie viele Infizierte im Land herumlaufen.

    Zusätzlich wird inzwischen die Immunität bezweifelt, also es nützt auch nur bedingt etwas, wenn jemand die Krankheit hinter sich gebracht hat.
    Ganz zu schweigen von den asymptomatisch Infizierten. Über die weiß man gar nix.

    Die Stichproben und regional beschränkten Teststudien können über diese Frage keinen Aufschluß verschaffen, auch wenn sie zu wichtigen Schritten aufgeblasen werden.

    Ein Medikament oder ein Impfstoff sind nicht in Sicht, auch wenn dauernd so getan wird, als sei man kurz davor.
    Selbst wenn inzwischen etwas entwickelt wurde, muß dergleichen noch zahlreiche Testreihen durchlaufen, bis es zugelassen wird. Glücklicherweise, weil mit schiefgegangen Impfstoffen kann viel angerichtet werden. Vor allembei viralen Erkrankungen sind die extrem heikel.

    Und die Wirtschaft kann man nicht ewig zusperren.

    So, und jetzt bist du ein Politiker und verantwortlich für zig Millionen Menschen in deinem Land und mußt was entscheiden, und hast die Särge von Bergamo oder von Hart Island vor Augen.

  159. 159 Nestor 15. April 2020 um 12:40 Uhr

    Apropos Tests: Gestern erreichte mich ein Link aus Ungarn, mit der Geschichte von einen CV-Erkrankten aus Budapest, der erzählt, er hätte lange nicht getestet werden können, weil die Test-Abnehmer keine Schutzkleidung hatten.
    Erst nach 3maligem Drängen das Hausarztes, als der Betroffene schon mit einer mittelschweren Lungenentzündung schlaflose Nächte verbracht hatte, kam jemand in einem Anzug daher, der normalerweise Vätern angezogen wird, die der Geburt ihres Kindes beiwohnen wollen, der also praktisch keinen Schutz gewährt.
    Der Tester setzte sich also dem Ansteckungsrisiko aus.

  160. 160 Kehrer 15. April 2020 um 18:28 Uhr

    „Diese ganzen Vorstellungen, daß einen die Politiker anlügen, um dann was zu machen? – sind so lächerlich angesichts der Tatsache, daß die doch sowieso machen können, was sie wollen. Ihre Schafherde folgt ihnen doch auch in den Untergang.“

    Es ist nicht lächerlich, dass Politiker lügen, eher Normalität. An Trump wird das ja rauf unter runter exerziert. Der Normalfall ist aber eher die parteiliche Rechtfertigung der Beschlüsse von Politikern – also Ideologie. Interessegeleitetes Denken bringt eben keine Wahrheiten zu einer Sache zustande. Trump ist ein gutes Beispiel. Er wirft tatsächlich der WHO, sein eigenes Versäumnis vor. Er hält sich für ein dermaßen großartiges Menschenkind, dass er unmöglich an etwas schlechtem Schuld sein kann. Also sind die anderen schuld, die ihrer Aufgabe nicht nachgekommen sind. Für Trump ist das klar, alle anderen schütteln den Kopf über soviel Dreistigkeit.

    Das politische Interesse kann man ihnen nicht absprechen, einerseits soll die Seuche irgendwie soweit kontrolliert werden, dass die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten bleibt. Andererseits muss die Wirtschaft und die Potenz für Wachstum überleben. Weil ein stillstehender Kapitalismus ein Widerspruch in sich ist, muss es weitergehen, obwohl die Pandemie nicht überwunden ist. Selbst besseres Wissen über die Epidemie ändert an dieser Zwickmühle nichts. Aber weil die Politik bloß mit der Abwägung dieser unmöglichen Alternativen zu tun hat, tut sie andererseits auch nicht was vernünftig wäre. Das sieht dann nach Ratlosigkeit aus, die es zum Teil ja auch ist. Es ist aber eine Ratlosigkeit, der auch kein Rat hilft.

    Das wird an der Masken-Situation sichtbar. Mitterlerweile ist es nämlich Allgemeingut, dass Masken durchaus helfen würden. Aber man kann sie nicht allgemein vorschreiben, weil es zu wenige gibt, immer noch. Also gibt man eine Maskenempfehlung für den Handel, Bus und Bahnen heraus. Im Prinzip soll jeder eine Stoffmaske basteln.

    Es scheint einfach jenseits der Vorstellungskraft von Politikern zu liegen, die Produktion von Masken, Schutzkleidung, Reagenzien, Beatmungsgeräten zu organisieren.
    Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass es Stichprobentests braucht – hat eben ein Virologe im TV geäußert. Das wird noch lustig – natürlich nicht wirklich.

  161. 161 NN 15. April 2020 um 22:02 Uhr

    Weltweit Verärgerung
    Kritik an Trump nach Entscheidung, US-Zahlungen an WHO zu stoppen

    Nach der Kritik von US-Präsident Donald Trump und dem von ihm veranlassten Zahlungsstopp an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inmitten der Coronakrise hat WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erstmals Stellung bezogen. »Die WHO konzentriert sich einzig und allein darauf, allen Menschen zu dienen, um Leben zu retten und die Covid-19-Pandemie zu stoppen«, schrieb Tedros am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter. »Wir haben keine Zeit zu verlieren«, fügte er hinzu.

    Trump hatte am Dienstag abend den Stopp der US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation verkündet. Er warf der WHO »Missmanagement« in der Coronakrise vor. So habe die Organisation von Einreisesperren abgeraten und die tatsächliche Lage in China als Ursprungsort des Virus nicht ausreichend untersucht. »Tausende Menschenleben« hätten gerettet und schwerer wirtschaftlicher Schaden vermieden werden können, wenn die WHO besser gearbeitet hätte, sagte Trump.

    Der Schritt des US-Präsidenten rief weltweit Verärgerung und Unverständnis hervor. Die chinesische Regierung zeigte sich »ernsthaft besorgt« über die Einstellung der US-Zahlungen. Außenministeriumssprecher Zhao Lijian sagte am Mittwoch in Beijing, China fordere die USA auf, »ihre Verantwortung und Verpflichtungen ernsthaft zu erfüllen« und den von der WHO angeführten internationalen Einsatz im Kampf gegen das Virus zu unterstützen. Die Organisation sei dabei »unersetzlich«.

    Auch Russland kritisierte die Maßnahme Trumps. »Das ist der Ausdruck eines äußerst egoistischen Herangehens der amerikanischen Regierung gegenüber dem, was in der Welt im Zusammenhang mit der Pandemie geschieht«, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow am Mittwoch der staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge. Er rief dazu auf, »weitere Angriffe« auf die WHO zu unterlassen.

    UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Zahlungsstopp der USA. Jetzt sei »nicht die Zeit, um die Mittel für die Weltgesundheitsorganisation oder eine andere humanitäre Organisation im Kampf gegen das Virus zu kürzen«, erklärte er. (AFP/dpa/jW)

    Verzweifelt gegen China
    Schuldzuweisungen in Coronakrise
    Von Marc Püschel

    Coronainfektionen scheinen nicht das einzige zu sein, das derzeit exponentielles Wachstum besitzt – Schuldzuweisungen des Westens an Beijing nehmen mindestens ebensoschnell zu. Umgekehrt dazu sinkt die Qualität der Vorwürfe ins Bodenlose. So meldete Bild am Mittwoch, sie präsentiere die »Corona-Rechnung: Was China uns jetzt schon schuldet«. In ihren absurden Forderungen nach Schadenersatz für die wirtschaftlichen Schäden der Coronakrise berief sich das Blatt auf ein Interview seines Chefredakteurs Julian Reichelt mit US-Außenminister Michael Pompeo vom Vortag. Dessen unmissverständliche Antwort: »Die Zeit wird kommen, in der die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden«, musste der brave Transatlantiker Reichelt dabei mit der direkten Frage, ob China für die Schäden finanziell aufkommen müsse, aus ihm herauskitzeln.

    Bild und Pompeo springen spät auf den Zug dieser irren Ansprüche auf. Bereits Anfang April hatten in Großbritannien 15 ranghohe Tory-Politiker um Damian Green, ehemals Stellvertreter von Theresa May, von ihrer Regierung verlangt, die Beziehungen zu Beijing zu überdenken und eine Klage gegen die Volksrepublik zu erwägen. Dabei bezogen sie sich auf eine Studie des konservativen und militaristischen Thinktanks »Henry Jackson Society«, derzufolge China Großbritannien 351 Milliarden Pfund schulde. Mit einberechnet waren absurderweise auch kurzfristige Investitionen in den National Health Service, die durch Kürzungen und Privatisierungen der letzten Jahrzehnte überhaupt erst nötig wurden. Britische Zeitungen griffen diese Milchmädchenrechnungen sofort auf.

    In der Angst der imperialistischen Staaten vor Verlust ihrer globalen Dominanz geben auch als seriös geltende Medien zunehmend ihren neutralen Anschein auf. Beim Versuch, China auf jede erdenkliche Weise zu diskreditieren, werden dabei noch ganz andere Berechnungen angestellt. So kündigte neulich die durch Beschluss des US-Kongresses gegründete »Victims of Communism Memorial Foundation« an, dass weltweit alle am Coronavirus Verstorbenen in die Statistiken der »Opfer des Kommunismus« einberechnet werden – Statistiken, die im übrigen auch im Zweiten Weltkrieg umgekommene Faschisten als »Opfer« beinhalten.

    Sollte jedenfalls über das Verklagen von Regierungen für Wirtschaftsschäden ernsthaft nachgedacht werden, so könnte vielleicht Beijing einmal ausrechnen, wieviel ihnen Großbritannien durch die Opiumkriege schuldet. Schließlich war deren Folge ein Wirtschaftskollaps in China, der Dutzende Millionen Menschen in Armut und Hunger stürzte. Das mindeste aber, was in der Gegenwart zu tun wäre, ist das Einstellen des »Blame-Game«, das nur darüber hinwegtäuschen soll, dass der Westen alle Warnungen Chinas und der WHO im Januar und Februar in den Wind geschlagen hat.

    Unmoralisch und unmenschlich
    Russischer Außenminister verurteilt US-Sanktionen gegen Kuba. US-Firma liefert keine Beatmungsgeräte
    Von Volker Hermsdorf

    Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die US-Sanktionen gegen Kuba scharf verurteilt. »Sanktionen, die in der gegenwärtigen Situation die Fähigkeiten eines Landes einschränken, der Coronapandemie entgegenzuwirken, sind absolut unmoralisch und unmenschlich«, sagte Lawrow am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Moskau. Wie der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur meldete, prangerte der russische Politiker an, dass die seit 60 Jahren von Washington verhängte Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade das Land daran hindere, Medikamente und medizinische Geräte zu erwerben, die für eine Behandlung von Covid-19-Patienten unerlässlich seien.

    Moskaus Chefdiplomat würdigte außerdem die Tätigkeit der von Havanna in zahlreiche Krisengebiete entsandten Sanitätsbrigaden und kritisierte die Angriffe von US-Politikern und westlichen Medien auf die Hilfseinsätze. »Zu meinem großen Bedauern haben die Vereinigten Staaten eine Kampagne gestartet, um die kubanischen Ärzte zu diskreditieren, die in Dutzenden Ländern auf der ganzen Welt arbeiten und nach Lösungen für die schwierigsten Gesundheitsprobleme suchen. Dieses Verhalten ist eines großen Landes nicht würdig«, erklärte Lawrow. In einem Telefongespräch mit seinem kubanischen Amtskollegen Bruno Rodríguez hatte er zuvor gemeinsame Maßnahmen im Kampf gegen die Coronaviruspandemie erörtert und den Ausbau der strategischen Kooperation zwischen beiden Ländern besprochen.

    Lawrows Kritik an Washington bezog sich unter anderem auf die Weigerung der US-Firma Vyaire Medical Inc., Beatmungsgeräte nach Kuba zu liefern. Die Tageszeitung Trabajadores hatte am Karfreitag berichtet, dass der Konzern mit Sitz in Illinois die Geschäftsbeziehungen mit der staatlichen kubanischen Im- und Exportfirma Medicuba unter Berufung auf eine »neue Unternehmensrichtlinie« überraschend abgebrochen hatte. »Die einzige Möglichkeit, wie wir die Zusammenarbeit wieder aufnehmen können, ist eine OFAC-Lizenz des US-Finanzministeriums«, teilte Vyaire mit. Auf eine Genehmigung durch das »Amt für Kontrolle von Auslandsvermögen« (Office of Foreign Assets Control, OFAC), das weltweit über die Einhaltung der Blockadebestimmungen wacht, setzt Medicuba-Vizepräsident Lázaro Silva jedoch wenig Hoffnung.

    Vyaire war durch Übernahme der im Dreiländereck von Deutschland, Österreich und der Schweiz ansässigen Firma IMT Medical AG sowie des schweizerischen Unternehmens Acutronic Medical Systems AG zum führenden Anbieter von Beatmungsgeräten auf dem Weltmarkt geworden. Für das kubanische Gesundheitswesen, das bis dahin von den beiden europäischen Firmen mit den Geräten beliefert worden war, hatte das fatale Folgen. Auf seiner Homepage versichert der US-Konzern nach Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie zwar: »Es ist unser Ziel sicherzustellen, dass unsere globalen Kunden über die Produkte verfügen, die sie zur Bewältigung dieser globalen Gesundheitskrise benötigen.« Gleichzeitig wurden die Geschäftspartner in Havanna jedoch »mit Bedauern« darüber informiert, dass die zur Behandlung besonders schwerer Krankheitsfälle überlebensnotwendigen Geräte auf Grund von Bestimmungen der US-Blockade nicht mehr nach Kuba geliefert werden dürften.

    In der Coronakrise verschärft Washington die Sanktionen weiter. Anfang April hatte ein US-Logistikunternehmen mit Hinweis auf die Blockadegesetze versucht, eine Lieferung von Hilfsgütern des chinesischen Großkonzerns Alibaba zu verhindern. Doch zum Glück der Covid-19-Patienten auf der Insel wird die Blockade teilweise brüchig. Einer Meldung des KP-Zentralorgans Granma zufolge werden seit Donnerstag vergangener Woche Tausende von China gespendete Atemschutzmasken, Schutzanzüge, Handschuhe und Brillen sowie Infrarotthermometer an die Krankenhäuser der Insel ausgeliefert. Der chinesische Botschafter Chen Xi übergab dem Gesundheitsminister in Havanna am 6. April außerdem einen Scheck über 200.000 US-Dollar zur Bekämpfung von Covid-19. Und im Werk des weltweit größten Busherstellers Yutong in der chinesischen Provinz Henan stehen derzeit fünf moderne Unterdruckkrankenwagen für den Transport nach Kuba bereit.

  162. 162 Nestor 16. April 2020 um 1:45 Uhr

    Man muß vielleicht, um hier etwas Ordnung in die Frage um Wahrheit und Lüge bringen, verschiedene Dinge trennen.

    Natürlich lügt Trump wie gedruckt, um seinen Fehler von gestern unter den Tisch zu kehren, und sich in der Parteienkonkurrenz zu bewähren.

    Worüber Neoprene und ich uns unterhalten haben, sind angeblich gefälschte Zahlen, um irgendwelche Maßnahmen vor der Bevölkerung zu rechtfertigen.

    Die Zahlen sind so eine Sache.
    Einmal sollen zu viel Tote ausgewiesen werden, um damit Panik zu erzeugen und die Aufhebung bürgerlicher Rechte zu rechtfertigen.
    Dann wieder sollen Tote vertuscht werden, um die lockere Umgangsweise der eigenen Regierung mit der Seuche zu begründen.
    Ob da wirklich absichtlich etwas gefälscht wird oder einfach keine Testkapazitäten da sind, läßt sich mit freiem Auge nicht entscheiden.

    Bei den nachgewiesenen Infizierten ist einfach klar, daß offenbar ein Durchtesten der ganzen Bevölkerung Jahre dauern würde, deswegen wird nur ein Bruchteil getestet.
    Und alle rätseln über die „Dunkelziffer“.
    Wüßte man die exakte „Dunkelziffer“, so wäre das auch für Arsch und Friederich, weil damit weiß man ja noch immer nicht, wer möglicherweise andere infizieren kann und wer nicht.

    In Schweden wird noch weniger getestet, um keinen Lockdown machen zu müssen. Dadurch schauen die Infektionszahlen harmlos aus, die Todeszahlen weniger.

    Das ganze Herumgerede wirkt deswegen so peinlich wie verdächtig, weil wirklich keiner weiß, was zu tun wäre. Nur kann man das nicht zugeben, weil dann müßte man als Politiker zurücktreten. Das kann man als verlogen bezeichnen, aber es hat irgendwo eine systemische Notwendigkeit, unabhängig von der Person.

    Ein Schweizer Arzt meint, am besten wäre es, von China und überhaupt Südostasien zu lernen:
    https://www.mittellaendische.ch/2020/04/08/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zuk%C3%BCnftigen-politischen-entscheidungen/

    – aber ich frage mich, ob diese Maßnahmen in einem imperialistischen Staatenbündnis wie der EU überhaupt zu praktizieren wären.

  163. 163 Leser 16. April 2020 um 10:52 Uhr

    Gegenstandpunkt – Exkurs zum Thema „Volksgesundheit“

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/exkurs-zur-volksgesundheit

  164. 164 Nestor 16. April 2020 um 11:32 Uhr

    Öffentliches Interesse ist wichtiger als private Gewinne

    Wer kriegt Zugang zu künftigen Covid-19-Behandlungen?

    Zum Zeitpunkt, als wir diese Zeilen schreiben, gibt es weder eine spezifische Behandlung für noch einen Impfstoff gegen Covid-19, das Coronavirus.

    https://www.untergrund-blättle.ch/wirtschaft/coronavirus-impfstoff-pharmaindustrie-1770.html

    Es zahlt sich aus, den Artikel ganz zu lesen, weil dann wird auch klar, warum die Entwicklung von Impfstoffen gegen Grippe bisher nicht so richtig vorangekommen ist, trotz zunehmender Grippewellen.

  165. 165 Kehrer 16. April 2020 um 14:09 Uhr

    Danke für den Artikel von Paul Robert Vogt. Sehr lesenswert.

    „Die Anzahl asymptomatischer COVID-19 Träger ist wichtig, um Vermutungen über die Ausbreitung der Pandemie machen zu können. Um brauchbare Daten zu haben, hätte man jedoch zu Beginn der Pandemie breite Massentests durchführen müssen.“ Die kann man auch jetzt noch durchführen und sie sind mindestens genauso aussagekräftig und keineswegs für Arsch und Friedrich ist. Man kann halt nicht alles an dem Ideal messen, dass jeder Test dazu taugen sollte Infizierte dingfest zu machen und dann wegzusperren. Dazu taugt die Dunkelziffer nicht, aber sie taugt möglicherweise um die Effektivität von Maßnahmen im Vorhinein besser abschätzen zu können.

    Gestern bei Lanz wurde zum Beispiel wieder von drei möglichen Szenarien gesprochen. Das erste ist Durchseuchung, Epidemie einfach ungebremst durchlaufen lassen, das zweite wäre ungefähr die Momentane Situation, wenn die Reproduktionsrate ungefähr bei 1 liegt und dann vorsichtig eine Öffnung beginnt, variante drei wäre noch einpaar Wochen warten bis die Rate deutlich unter 1 liegt und man wieder in einer Situation ist, wo die Ausbreitung beherrschbar wird, weil man nach dem Vorbild von Sudkorea mit Masken, Apps, und Massentests die einzelnen Infektionen wieder nachverfolgen kann. Das ungefähr was diese youtuberin schon gesagt hat. Jetzt erfolgt schon eine teilweise Öffnung, obwohl weder App noch Masken noch Tests massenhaft verfügbar sind.

    Ich meine, dass das dritte Szenario also Nachverfolgung der Infizierten ein Ideal von Epidemiologen ist. Und hierfür ist die Dunkelziffer das entscheidende Argument. Man kann nämlich nichts nachverfolgen wenn die Dunkelziffer zu hoch ist. Das kann und muss man vielleicht versuchen als Eindämmungsmaßnahme, aber je nach tatsächlicher Höhe der Dunkelziffer braucht es dann auch nicht zu wundern, wenn das misslingt.

  166. 166 Neoprene 16. April 2020 um 15:21 Uhr

    Modellrechnungen zur Epidemie
    Corona ist ein Marathon, kein Sprint
    Am 20. April werden die bisherigen Maßnahmen gegen Corona auslaufen. Doch was kommt dann? Modelle legen nahe, dass eine Verlängerung des Lockdowns prinzipiell helfen kann. Am wichtigsten ist aber, was danach kommt.

    https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/04/modellrechnungen-epidemie-corona-massnahmen-nach-lockdown.html

  167. 167 Samson 16. April 2020 um 19:38 Uhr

    Das Virus, die Menschen und das Leben
    „Ausgelöst durch Bakterien und Viren erkranken täglich 1.500 bis 1.900 Menschen an einer Lungenentzündung. Die Diagnose lautet: Pneumonie. Etwa 800 betroffene Patienten kommen damit in ein Krankenhaus und für 80 Personen endet die Krankheit tödlich: An Lungenentzündung sterben also in Deutschland jährlich 30.000 Bürgerinnen und Bürger. Auch die Tuberkulose ist nicht verschwunden. Jährlich erkranken daran 5.000 bis 6.000 Menschen und 2018 starben dadurch 129 Patienten vornehmlich im hohen Alter. Mit HIV sind etwa 90.000 Personen infiziert, jährlich kommen 2.500 dazu und in 2018 starben daran etwa 450 Menschen. Mit diesen Zahlen oder besser Patientenschicksalen geht die Medizin täglich routiniert und, soweit sie es kann, auch heilsam um.“

    “So far, no transmission of the virus in supermarkets, restaurants or hairdressers has been proved.”
    „There is no significant risk of catching the disease when you go shopping. Severe outbreaks of the infection were always a result of people being closer together over a longer period of time, for example the après- ski parties in Ischgl, Austria.” He could also not find any evidence of ‘living’ viruses on surfaces. “When we took samples from door handles, phones or toilets it has not been possible to cultivate the virus in the laboratory on the basis of these swabs….“

    Schweden – Vorbild für Deutschland
    „In Europa konnten Ostern nur die Schweden zur Messe oder zu einer größeren Trauerfeier gehen. Dort sind die Nachtclubs voll, die Geschäfte geöffnet, und die Kinder gehen zur Schule. Obwohl es keinen Lockdown gibt, ist die Zahl der registrierten neuen Corona-Infektionen auch in Schweden rückläufig. Wie ist das zu erklären?

    Werfen wir zunächst einen Blick auf Deutschland. Die gemeldeten Neufälle, die den Infektionen verzögert folgen, sind schon seit drei Wochen rückläufig. Die Zahl der Todesfälle wiederum hat ein Plateau erreicht und sinkt nun auch. Laut Fachliteratur vergehen zwischen Infektion und Tod durchschnittlich 23 Tage, und dieser Umstand ist sehr wichtig. Er bedeutet nämlich, dass die nicht direkt beobachtbaren Neuinfektionen ihren Höhepunkt viel früher erreicht haben als die Sterbefälle. Weil die geglättete Kurve der Sterbefälle ihr Maximum am 7. April annahm, wurde das Maximum der Neuinfektionen schon Mitte März erreicht – und damit vor dem Lockdown, der am 23. März beschlossen wurde und am Tag darauf in Kraft trat. Umgekehrt formuliert kann sich der Lockdown in den bisherigen Sterberaten noch gar nicht zeigen; er wird frühestens Mitte April sichtbar. Der Rückgang von Neuinfektionen und Sterbefällen hat nichts mit dem Lockdown zu tun, sondern mit dem natürlichen Verlauf jeder Epidemie und den ergriffenen konventionellen Abwehrmaßnahmen wie Hygiene, Testung und Quarantäne.

    Schwedens Zahlen unterstreichen die Richtigkeit dieser These. Auch dort nahm die Zahl der täglichen Todesfälle erst zu, dann sank sie. Trotz des Verzichts auf einen Lockdown sieht man von „exponentiellem“ Wachstum bei den Todesfällen keine Spur. Zwar verzeichnet Schweden eine höhere sogenannte Fallsterblichkeit als Deutschland, doch sind seine Krankenhäuser keineswegs überlastet, und darauf kommt es an. Zudem werden in Schweden am Anfang der nächsten Virensaison mehr Menschen immun sein.“

    Aktuell: https://swprs.org/covid-19-hinweis-ii/#latest

    Abgesehen davon behaupte ich, dass abgesehen von grobem Unfug, wozu m.E. neben PR inkl. Propaganda und Drangsalieren der Arbeiterklasse auch das Erfinden von Geld gehört, keine einzige notwendige Produktion im ‚Home Office‘ zu machen ist, es sei denn der (Bio)Bauer wohnt im Stall.

  168. 168 Blackout 16. April 2020 um 20:00 Uhr

    Ich könnte jetzt auch Zahlen von Verkehrsunfällen, Drogentoten, Suiciden, Gattenmorden u.ä. auflisten.

    Denn wenn Samson seinen Krams nicht weiter erläutert ….

    Er könnte ja zumindestens mal versuchen aufzuschreiben, nach welchen Kriterien Volksgesundheit funktioniert.

  169. 169 Samson 16. April 2020 um 21:15 Uhr

    @Blackout

    „Volksgesundheit“ ist m.E. nicht der Zweck des Lockdown. Ich denke eher, die profitable Produktion ist ziemlich am Ende, deswegen erfinden Staaten Geld. Ehrfahrungsgemäß führt sowas zu Inflation, vorausgegangen ist aber schon länger eine schleichende Deflation, d.h. die materielle Produktion wurde sukzessive ‚zurück gefahren‘ bzw. teilweise eingestampft wg. mangelnder Profitablilität. ‚Corona‘ ist womöglich der willkommene Anlass aber nicht die Ursache. Sog. Lieferschwierigkeiten gabs, gerade bspw in der Autoindustrie, schon vorher, ohne das in China wer erkrankte.

    Was sich politisch ergibt, ist nicht abzusehen, zumal eine meintwegen ‚linke Opposition‘ quasi nicht existiert und Leute, die es wenigstens potentiell mit der Arbeiterklasse halten müssten, heillos zerstritten sind …

  170. 170 Blackout 16. April 2020 um 22:10 Uhr

    Dass Corona ein willkommener Anlass sei – gibts dafür Belege? Im Gegenteil haben doch alle Staaten zunächst die Relevanz der Pandemie verleugnet. Kein Staat hat gerufen: Klasse, endlich können wir den überflüssigen Kapitalismus mal still legen. Kommt uns recht, wegen der Probleme mit den Autos nach China.

    Das genaue Gegenteil ist nämlich der Fall. Außer einigen Exlinken glaubt kein Mensch, dass Corona ein willkommener Anlass für irgend etwas sei. (Diese Idee ist ähnlich elaboriert wie die vorherige von vor einem Jahr, die Staaten hätten eine Panik in der Klimapolitik extra erfunden. Und warum damals Klimapolitik, heute Corona? Genau dieselben „Gründe“. Angeblich.):
    „Die profitable Produktion ist ziemlich am Ende, deswegen erfinden Staaten Geld.“ Das erstaunt jetzt. In Wahrheit hätten die Staaten doch deswegen Corona erfunden, oder …

  171. 171 NN 16. April 2020 um 22:40 Uhr

    „Sie haben uns in die Irre geführt“: Pentagon-Chef über Covid-19-Ausbruch in China

    US-Verteidigungsminister Mark Esper hat am Donnerstag erklärt, dass die Kommunistische Partei Chinas über den Ausbruch des neuartigen Coronavirus irregeführt habe und nicht offen darüber gewesen sei.

    Offener Brief der Sprecherin der chinesischen Botschaft in Deutschland
    An die Bild-Chefredaktion bezüglich der Berichterstattung vom 15. April 2020

    Am Mittwoch schrieb die Sprecherin der Botschaft der VR China in der BRD, Tao Lili, einen Offenen Brief an die Chefredaktion der Bild:

    Sehr geehrter Herr Reichelt, sehr geehrte Mitglieder der Bild-Chefredaktion, mit einigem Befremden habe ich heute (15. April, jW) Ihre Berichterstattung zur Coronapandemie im Allgemeinen und zu der vermeintlichen Schuld Chinas daran im Besonderen verfolgt. Einmal abgesehen davon, dass wir es als ziemlich schlechten Stil betrachten, ein Land für eine Pandemie verantwortlich zu machen, unter der die ganze Welt zu leiden hat und dann auch noch eine explizite Rechnung angeblicher chinesischer Schulden an Deutschland zu präsentieren, ignoriert der Artikel einige wesentliche Fakten.

    1. Sie schreiben, das Virus breitete sich aus, »auch, weil die chinesische Führung wichtige Informationen wochenlang unterdrückte..« Und: »China hat seine Informationspflichten gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verletzt«.

    Dazu stellen wir fest: Bereits am 31.12.2019 haben die chinesischen Behörden die WHO über Fälle von Lungenentzündung unbekannter Ursache in Wuhan informiert. Ab dem 3. Januar 2020 informierte China die WHO und andere Ländern wie die USA regelmäßig über den Verlauf. Zu dieser Zeit meldete Wuhan 44 Patienten mit der mysteriösen Krankheit. Am 8. Januar 2020 wurde der Krankheitserreger SARS-CoV-2 erstmals identifiziert. Am 11. Januar stellte China vollständige Genomsequenzen des neuartigen Coronavirus öffentlich online und teilte die genetischen Daten mit der WHO. Am 20. Januar bestätigte China aufgrund von fundierten epidemiologischen Untersuchungen die Übertragung des neuartigen Coronavirus von Mensch zu Mensch. Drei Tage danach wurde die Millionenmetropole Wuhan abgeriegelt (…)

    2. Sie schreiben: »Die britische Denkfabrik Henry-Jackson-Society kommt in einer aktuellen Studie zum Schluss: China ist rechtlich verantwortlich für die wirtschaftlichen Folgen.«

    Dazu stellen wir fest: Viele Länder, die jetzt mit Covid-19 zu kämpfen haben, hatten Zeit, sich auf die grenzüberschreitende Ausbreitung des Erregers vorzubereiten, nachdem China seinen Ausbruch im Rahmen der IHR-Richtlinien (IHR: engl. Abkürzung für Internationale Gesundheitsvorschriften der WHO, sie sind völkerrechtlich bindend, jW) gemeldet hatte. Bei den Behauptungen von einigen wenigen Politikern bzw. Experten oder Medienvertretern, dass China nach internationalem Recht rechtswidrig gehandelt habe und nun verpflichtet sei, ausländische Regierungen zu entschädigen, geht es nicht wirklich um internationales Recht, um Völkerrecht. Es geht ihnen um gegenseitige Schuldzuweisungen, um von eigenen Versäumnissen und Schwächen abzulenken.

    (…) Wir betrachten den Stil, in dem Sie in Ihrer heutigen Berichterstattung auf der Seite 2 gegen China »zu Felde ziehen«, als infam. Ihr Bericht entbehrt nicht nur ganz wesentlicher Fakten und genauer Zeitabläufe, sondern auch eines Mindestmaßes an journalistischer Sorgfaltspflicht und Fairness. Wer so aufrechnet, wie Sie das mit der Bild-Zeitung von heute tun, schürt Nationalismus, Vorurteile sowie Fremden- und Chinafeindlichkeit. Es wird weder der traditionellen Freundschaft zwischen beiden Völkern noch einem seriösen Verständnis von Journalismus gerecht. (…)

    Mit freundlichen Grüßen, Tao Lili (Sprecherin der chinesischen Botschaft in Deutschland)

    Die Schlacht der Narrative (17.04.2020)
    Deutsche Medien intensivieren Negativkampagne gegen China und fordern Entschädigung für die Covid-19-Pandemie.

    BERLIN (Eigener Bericht) – Deutsche Medien verstärken mit Blick auf den Ausbruch der Covid-19-Pandemie ihre Schuldzuweisungen an China und gehen zu offenen Entschädigungsforderungen über. Die Volksrepublik sei „Verursacher der Pandemie“, heißt es in Leitmedien immer wieder; die Springer-Presse dringt auf „Schadensersatz“ und titelt: „Was China uns jetzt schon schuldet“. Die Agitation hat begonnen, als sich abzeichnete, dass die Volksrepublik glimpflicher aus der Krise kommen könnte als die Mächte des Westens und ihren globalen Aufstieg voraussichtlich fortsetzen wird, während die transatlantischen Staaten durch eine völlig unzulängliche Vorbereitung auf die Pandemie dramatisch zurückgeworfen zu werden drohen. Die Forderungen werden von einer massiven antichinesischen Stimmungsmache begleitet; aktuell heißt es zum Beispiel, Beijing folge einer „Strategie des uneingeschränkten Krieges“, die von chinesischen Militärs bereits vor gut 20 Jahren ausformuliert worden sei. Die Aussage ist unzutreffend, ähnelt aber Behauptungen, mit denen schon seit Jahren gegen Russland Stimmung gemacht wird – basierend auf Lügen.

    Das Scheitern der EU

    Der Beginn der jüngsten Welle antichinesischer Stimmungsmache in Deutschland lässt sich in etwa auf Mitte März datieren. Damals wurden in der Bundesrepublik die ersten Covid-19-Todesfälle registriert; es zeichnete sich ab, dass strikte Einschränkungen im öffentlichen Leben, die bis dahin als ungeeignet für die „freie Welt“ abgewertet wurden, unvermeidlich waren. Darüber hinaus stieß das Berliner Exportverbot für medizinische Schutzausrüstung auf heftigen Protest, vor allem in Italien. Die Tatsache, dass Rom Hilfslieferungen aus China, aber aus keinem einzigen Staat der EU erhielt, legte den realen Charakter der angeblichen, in Berlin gern beschworenen „europäischen Solidarität“ schonungslos offen.[1] Zudem zeigte sich, dass die Volksrepublik das Covid-19-Virus eindämmen konnte, während die EU unfähig war, die Verschiebung des Zentrums der Pandemie nach Europa zu verhindern – nicht zuletzt aufgrund ihrer desaströsen Vorbereitung auf die absehbar herannahende Pandemie, die sich bis heute in einem gravierenden Mangel an medizinischer Schutzausrüstung offenbart. In Reaktion auf das eigene Scheitern – auch, um von ihm abzulenken – nahmen in der Öffentlichkeit Deutschlands und weiterer europäischer Staaten die Attacken gegen China zu. So hieß es etwa, die Volksrepublik sei – als Schauplatz des Ausbruchs der Pandemie – der eigentliche „Verursacher der Krise“.[2] Der Außenbeauftragter der EU, Josep Borrell, rief offiziell eine „Schlacht der Narrative“ gegen Beijing aus (german-foreign-policy.com berichtete [3]).

    Beispiellose Forderungen

    Die Behauptung, China sei „Verursacher der Krise“ bzw. „Verursacher der Pandemie“, wird seither regelmäßig wiederholt. Hinzu kommen mittlerweile sogar explizit Forderungen, China müsse für die Pandemie, für die es angeblich verantwortlich sei, Entschädigung leisten. „Muss China betroffenen Staaten Schadensersatz zahlen?“, hieß es schon am 30. März im Springer-Blatt „Bild“, das an diesem Mittwoch nachlegte: „Was China uns jetzt schon schuldet“.[4] Die Forderung ist dabei keineswegs auf die rechte Boulevardpresse beschränkt. „Es sollte das legitime Anliegen aller Länder sein, China in die Verantwortung zu nehmen“, hieß es kürzlich in dem alternativen Onlinemagazin „Telepolis“: Wer „so viel Unglück über die Welt bringt, hat die Folgen zu tragen. Die Rechnung geht an China.“[5] Die Forderung, ein Staat solle für eine Naturkatastrophe oder für eine Pandemie Entschädigung zahlen, ist nicht nur beispiellos; sie ist umso bemerkenswerter in einem Land, das bis heute jegliche Entschädigung sogar für diverse Massenverbrechen im Zweiten Weltkrieg sowie für koloniale Massaker verweigert, darunter zahlreiche Massaker in China.[6]

    Verdächtigungen, doppelte Standards

    Im Kontext der anschwellenden Vorwürfe gegen China greifen deutsche Leitmedien – auch solche, die sich als „Qualitätsmedien“ geben – auf Techniken klassicher Stimmungsmache zurück, etwa auf doppelte Standards oder auf unbelegte Verdächtigungen. So heißt es etwa vorwurfsvoll, während die Einbindung der Bundeswehr in den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie [7] gelobt wird: „Die Bekämpfung der Corona-Ausbreitung bekam, als sie in China dann wirklich begann, etwas Militärisches.“[8] Eine führende Tageszeitung, die dem Drängen deutscher Wirtschaftsvertreter auf ein Ende des Shutdown trotz der damit verbundenen gesundheitlichen Risiken viel Verständnis entgegenbringt, wirft China vor, weil „den Unternehmen“ das Geld ausgehen könne, dürfe dort „die Gesundheit der Belegschaft den Betrieb … nicht behindern“.[9] Während es als selbstverständlich gilt, dass die westlichen Mächte in internationalen Organisationen großen Einfluss haben, heißt es über Bemühungen Chinas, seine Stellung entsprechend seiner neuen ökonomischen und politischen Stärke auszubauen: „Peking unterwandert [!] die Staatengemeinschaft“.[10] Suggestiv heißt es mit Blick auf zwei chinesische Erfolgsprojekte, die Neue Seidenstraße und den Konzern Huawei: „China baut Verbindungen zum Westen. Und die könnten Hintertüren haben.“[11] Unverändert sind die Vorwürfe gänzlich unbelegt, Huawei unterstütze chinesische Spionage; nachgewiesen ist nur, dass US-Geheimdienste schon vor Jahren den chinesischen Konzern umfassend ausforschten, ohne freilich auch nur den geringsten Hinweis auf Verbindungen zwischen Huawei und den chinesischen Geheimdiensten entdeckt zu haben (german-foreign-policy.com berichtete [12]). Das beständige Wiederholen unbewiesener Verdächtigungen ist ein typisches Kennzeichen von Fake News.

    „Uneingeschränkter Krieg“

    Einen gewissen Tiefpunkt erreicht die antichinesische Agitation zur Zeit mit der Behauptung, „die Kommunistische Partei Chinas“ habe nicht nur die aktuelle „Pandemie über die Welt“ gebracht; sie folge zudem gegenüber dem Westen einer „Strategie des uneingeschränkten Krieges“, die von zwei Offizieren „vor über zwanzig Jahren entwickelt“ worden sei.[13] Dies behauptet das Portal „Zeit Online“ in einer Serie mit dem Titel „Lu erklärt China“. Demnach rüste die Volksrepublik nicht nur konventionell-militärisch auf; laut der erwähnten Strategie, die in dem 1999 publizierten Buch „Unrestricted Warfare“ skizziert worden sei, könne sie „alles zur Waffe und alles zum Schlachtfeld“ machen: „Informationstechnologie, öffentliche Meinung, Handel, Finanzwesen … und immer so weiter“, beispielsweise auch einen „Vertrag über den Aufbau eines Mobilfunknetzes“. China nutze entsprechend der „Strategie des uneingeschränkten Krieges“ also faktisch alles nur Denkbare als Kampfinstrument gegen den Westen. Die „chinesische Denke“ von der „Kriegführung ohne Grenzen“ sei „eine tickende Zeitbombe für die internationalen Beziehungen“.

    „Versuch, die Drohungen zu begreifen“

    Tatsächlich handelt es sich bei dem Buch „Unrestricted Warfare“, das die Offiziere Qiao Liang und Wang Xiangsui verfasst haben, nicht um eine Kampfanleitung für die Volksrepublik, sondern um eine Analyse der globalen Machtkämpfe in den 1990er Jahren. Demnach werden Kriege heute allgemein nicht nur mit militärischen Mitteln geführt, sondern beispielsweise auch als Wirtschafts- oder Finanzkriege; die Autoren verweisen auf die Asienkrise des Jahres 1997, in der Spekulanten mit gezielten Manipulationen fremden Staaten schwerste Schäden zufügen konnten. Krieg werde heute mit diversen Mitteln geführt – von traditioneller psychologischer Kriegführung über die Nutzung von Medien gegen einen Feind bis hin zum gezielten Einsatz von Wirtschaftshilfe. Staaten – auch westliche – wendeten nicht mehr nur Waffengewalt an, „um den Feind zu zwingen, sich ihrem Willen zu unterwerfen“; sie „nutzen alle Mittel, darunter bewaffnete Gewalt wie auch Gewalt ohne Waffen, militärische und nichtmilitärische, tödliche und nichttödliche Mittel, um den Feind zu zwingen, ihren Interessen zu folgen“.[14] Mit Blick auf den analytischen Charakter der Schrift war etwa in The British Army Review zu lesen, es handle sich bei dem Buch nicht um ein „Manifest, den Westen anzugreifen“, sondern um einen „Versuch von Offizieren in einem aufstrebenden Militär, die Drohungen zu begreifen, denen sie gegenüberstehen“.[15]

    Die Doktrin, die nicht existiert

    Die verzerrte Darstellung von „Unrestricted Warfare“, die China als hochaggressive, hinterhältige Macht zu porträtieren sucht, hat Vorläufer. Im Juli 2014 prägte der US-Russlandspezialist Mark Galeotti mit ähnlicher Stoßrichtung das Schlagwort „Gerassimow-Doktrin“. Demnach habe der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow Anfang 2013 in einer Rede einen Plan entwickelt, wie man einen Feind in einem „hybriden Krieg“ bekämpfen könne – durch die Beeinflussung der gegnerischen Öffentlichkeit mit Hilfe sozialer Medien und andere nichtmilitärische Mittel. Die angebliche „Gerassimow-Doktrin“ ist auch in deutschen Leitmedien immer wieder als Beweis für russische Aggressionspläne angeführt worden. Tatsächlich aber hatte Gerassimow in seiner Rede nur westliche Einflussoperationen in den Jahren vor 2013 analytisch beschrieben, ohne Ähnliches für Russlands Vorgehen zu fordern (german-foreign-policy.com berichtete [16]). In Fachkreisen spöttisch belächelt, hat sich Galeotti inzwischen öffentlich von der angeblichen „Gerassimow-Doktrin“ distanziert: Er sei „der erste“ gewesen, bekannte er in der Fachzeitschrift Foreign Policy, „der über Russlands berüchtigte High-Tech-Militärstrategie geschrieben hat“; es gebe mit ihr nur „ein kleines Problem: Sie existiert nicht.“[17]

    Wie man Länder stigmatisiert

    Dennoch wird die erfundene Doktrin nicht nur bis heute gegen Moskau in Stellung gebracht, so etwa diese Woche in der New York Times.[18] Sie hat vor allem auch dazu beigetragen, im Westen ein negatives Russlandbild zu festigen. Ähnliches steht nun womöglich mit „Unrestricted Warfare“, freilich wie bei der „Gerassimow-Doktrin“ unter kompletter Verkehrung des Inhalts, für das westliche Chinabild bevor.

  172. 172 Nestor 17. April 2020 um 0:20 Uhr

    @Samson

    deswegen erfinden Staaten Geld.

    Komisch.
    Seit ich mich zurückerinnern kann, gibt es Geld.
    In verschiedenen Währungen, natürlich.
    Hat jetzt irgendwer das Rad zum 2. Mal erfunden und wir alle haben es versäumt?

    Erfahrungsgemäß führt sowas zu Inflation

    Na sowas!
    Seit 6-7 Jahren wünschen sich diverse Wirtschaftssubjekte und Politiker Inflation und nix is damit – obwohl die EZB sei geraumer Zeit Unsummen in die Produktion leert.

    Die ganzen anderen Behauptungen sind derart substanzlos, daß sie nicht der Mühe wert sind, sich damit zu beschäftigen, geschweige denn sie zu widerlegen!

  173. 173 Nestor 17. April 2020 um 0:39 Uhr

    Audacter calumniare: Semper aliquid haeret.
    Verleumde nur frech: Es bleibt immer etwas hängen.
    – nach Plutarch

  174. 174 Paco 17. April 2020 um 7:30 Uhr

    Dass es Samson ursprünglich schon um die Härten kapitalistischer Gesundheitspolitik (‚Volksgesundheit‘) gegangen ist, deutet er ja damit an, dass er Zahlen von anderen Erkrankungen aufgelistet hat.
    Blöderweise hört es sich bei ihm ausgerechnet so an, als meine er es als Abwiegelei und Verharmlosung, im Sinne von Bolsonaro. Dagegen hat nestor mal das richtige Argument gebracht, dass der kapitalistische Staat im gesamten Gesundheitswesen des Funktionierens seiner Ökonomie wegen prinzipiell erst einmal dafür sorgen will, dass seine kapitalistischen Zwecke unbedingt gehen sollen – und so lässt er diverse Viren erforschen, wirbt für Grippeschutzimpfungen und Masernimpfungen – und wurde einfach von dem neuen Virus kalt erwischt. Wofür es ebenfalls kapitalistisch erklärbare schlechte Gründe gab, dass er vorhandene Atemmasken und Pandemiepläne weggeworfen hatte. Und der „Hauptfehler“ davon ist, dass der Staat seine Gesundheitspolitik als kapitalistische Geschäftssphäre organisert hat, bis hin zu solchen Widersprüchen, dass er deswegen noch nicht mal genügend Schutz für seine Pfleger vorgesehen hat und auch die Produktion von Arzneimitteln dem Geschäftsgebaren auf dem Weltmarkt unterworfen hat.

    [Übrigens ist gerade offiziell der erste rumänische Erntehelfer, der sich hier wohl das Virus geholt hat, an ihm verstorben, und da die Erntehelfer ja kaserniert worden sind, wird es vermutlich auch nicht der letzte gewesen sein. Auch das kommt für Kritiker nicht unerwartet…]

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/exkurs-zur-volksgesundheit

    http://arbeitskreisaufloesen.blogsport.eu/

    https://www.heise.de/tp/features/Vater-Staat-und-Corona-4701384.html

  175. 175 Samson 17. April 2020 um 9:30 Uhr

    Wen’s interessiert, bissl was zu Statistik im Allgemeinen, zu Veränderung der Definition des Begriffs Pandemie bzw. zu Tests bzgl. Corona im Besonderen:
    Die Coronakrise Aspekte abseits des Mainstreams
    Die Coronakrise Aspekte abseits des Mainstreams (II)*

    @Nestor

    Dass es Geld gibt, seit du denken kannst, erklärt über dessen Substanz ungefähr soviel wie Bauernweisheiten übers Wetter. Dass „die EZB sei geraumer Zeit Unsummen in die Produktion leert“ ist ein Gerücht, die ‚rettet‘ vlt. Banken, nur halt mit Geld, welches sie sowenig hat wie die FED. Die einzige tatsächliche Einnahmequelle von Staaten sind Steuern aus Profiten, die ‚ihr Kapital‘ macht. Wie Profit ‚geht‘, weiß sogar die bürgerliche Presse. Lange vor Corona wusste die: „Einer der größten Arbeitgeber der Region plant drastische Schritte. Ein Grund: die – verglichen mit dem Stammland Portugal – relativ hohen Löhne im Erzgebirge.“ Die „relativ hohen Löhne im Erzgebirge“ liegen knapp überm ‚Mindestlohn‘, zudem wird ein Großteil der Arbeiter über Zeitarbeitsfirmen ‚geordert‘, wg. ‚Flexibilität‘ …

    Die Tage stand irgendwo im Videotext, es gäbe Überlegungen, die Mehrwertsteuer temporär auszusetzen, um den Konsum anzukurbeln o.s.ä., d.h. der staatliche Preisaufschlag soll ggf. für ne Weile wegfallen.

    Das in D gezahlte Kurzabeitergeld wird aus der Arbeitslosenversicherung finanziert (in die eben auch nur Leute einzahlen, die ‚versicherungspflichtig beschäftigt‘ sind), fragt sich nur, wie das perspektivisch ‚funktionieren‘ soll, wenn es bspw. zu Massenentlassungen wie in USA kommt, zumal derlei Versicherung ebenso wie Steuern auf Löhne im Grunde eine Lohnsenkung darstellen.

    @Paco

    ‚Volksgesundheit‘ ist m.E. ein ebenso diffuser Begriff wie das ‚Volkseinkommen‘ mit dem die VWL operiert. Dass der Staat (wenn man’s so abstrakt formulieren will) Viren erforschen ‚lässt‘, triffts eben auch nicht genau, weil erforscht wird, wovon das (hier ebenso abstrakt gefasste) Kapital sich einen Profit verspricht, ganz egal ob an Impfstoffen oder Schutzmasken. Insofern ist das staatliche Agieren bezügl. ‚Gesunheitswesen‘ zwangsläufig wenigstens ambivalent, nicht allein wegen ggf. fehlender ‚Intensivbetten‘, sondern weil das ‚Primat‘ der Plusmacherei den sog ‚Sozialstaat‘ gerade auf dem Gebiet öffentlicher Infrastrukturen längst ersetzt hat.

    Im Übrigen würde ich bspw. sagen, dass wer immer anordnet, ‚das Volk‘ unter Hausarrest zu stellen, zunächst mal dafür zu sorgen hätte, dass jeder ein Zuhause hat. Außerdem gelten ‚Abstandregeln‘ halt überall da, wo sie von ‚Ordnungshütern‘ überwachbar sind, wo es dagegen Produktion oder Distribution behindern täte, spielt das keine Rolle.

  176. 176 Nestor 17. April 2020 um 10:09 Uhr

    @Samson

    die ‚rettet‘ vlt. Banken, nur halt mit Geld, welches sie sowenig hat wie die FED. Die einzige tatsächliche Einnahmequelle von Staaten sind Steuern

    Na sowas! Da gibt es bei dir offenbar ein Geld, das keines ist, und dann ein zweites Geld, welches eines ist. Sie schauen nur gleich aus … Aber dich kann man nicht täuschen.

    Ich glaube, wir hatten das schon einmal. Kredit und Schulden, also fiktives Kapital sind für dich eine Erfindung, der dumme Menschen aufsitzen, während die Geldscheine und Kreditkarten, mit denen man beim Bäcker und im Baumarkt zahlt, das ist echtes Geld.

    Ich verstehe nicht, wie man an solchen kontrafaktischen Behauptungen seine Befriedigung finden kann.

    @Paco

    Danke für den Hinweis mit dem Erntehelfer.
    Da ist ja noch einiges im Schwunge:
    https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/erntehelfer-rumaenische-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-chaos-am-flughafen-a-676296ca-5f19-4319-b47a-15d6a6373b7c

  177. 177 Neoprene 17. April 2020 um 10:19 Uhr

    Ja, Samson, solch eine Reaktion wie gleich von Nestor, die war doch zu erwarten. Wieso schreibst du dann so ein offensichtlich blödes Zeugs hin wie „Die einzige tatsächliche Einnahmequelle von Staaten sind Steuern“, wo auch du gerade erst in den Medien mitbekommen hast, daß gerade alle besseren Staaten Milliarden bis Billionen (und die Amis nennen das sogar Trillionen) „Gelder“ aus dem Hut gezaubert haben und noch werden, ohne daß auch nur irgendwo die Mehrwertsteuer oder irgendeine andere Steuer auch nur um einen einzigen Prozentpunkt angehoben wurden?
    Wie Nestor wollte ich dir auch entgegenhalten, daß selbst wir hier die Debatte über „echtes“ Geld und „nur“ „fiktives Kapital“ doch damals nach der Finanzkrise auch schon rauf und runter gehabt haben.

  178. 178 Samson 17. April 2020 um 12:19 Uhr

    Wie Nestor wollte ich dir auch entgegenhalten, daß selbst wir hier die Debatte über „echtes“ Geld und „nur“ „fiktives Kapital“ doch damals nach der Finanzkrise auch schon rauf und runter gehabt haben.

    Ja klar, nur ist dabei offenbar nicht mehr rausgekommen als dass man sich eigentlich den ganzen Kram aus den dicken blauen Bänden auch schenken kann. Die Frage, weshalb man für das echte Geld immer weniger zu kaufen bekommt bzw. warum Leute aus Wohnungen vertrieben weden, wenn sie die gestiegenen Mieten nicht mehr bezahlen können, stellt sich von dem Standpunkt aus ohnehin nicht.

    Dann braucht man aber auch nicht mehr über ‚Regime change‘-Operationen und/oder NATO-Aufmärsche an irgendwelchen Grenzen zu reden, denn imperialistische Ambitionen von Staaten, die Trillionen ausgeben können, haben ja mit ökonomischen Zusammenhängen sowenig zu tun wie Verfallsdaten auf Lebensmittel vom Discounter mit Verhungernden in der ‚3. Welt‘

  179. 179 Nestor 17. April 2020 um 12:39 Uhr

    @Samson

    warum Leute aus Wohnungen vertrieben weden, wenn sie die gestiegenen Mieten nicht mehr bezahlen können

    ist wirklich keine Frage, das liegt am Eigentum.
    Wieso das Geld in der Hand der Proleten „echter“ oder „wirklicher“ sein soll als auf den Servern der Banken, wo die Hypothekarkredite vergeben werden, bleibt hingegen ein Rätsel.
    Und was die blauen Bände betrifft, so wäre Marx & Co. diese Unterscheidung in „echtes“ und „falsches“ Geld nie eingefallen.

  180. 180 Neoprene 17. April 2020 um 12:48 Uhr

    Warum die Mieten in den Städten Europas und der USA steigen, wäre schon ein wichtiges Thema. Und man käme dann übrigens recht schnell schon auch aufs Geld, genauer auf die sogenannte Immobilienblase nach der letzten Finanzkrise, die erst möglich wurde durch die enorme kreditfinanzierte Nachfrage nach Immobilien. Und da wird dann sicherlich Samson wieder einhaken und darauf verweisen, daß das wiederum daran läge, daß man mit „richtigen“ Investitionen in andere Warenproduktion eben schon länger keine Gewinne mehr machen kann.

  181. 181 Nestor 17. April 2020 um 14:40 Uhr

    Letztlich ist das ganze Geld heute „kreditfinanziert“, beruht auf Kredit und ist durch ihn „gedeckt“ – durch sonst nichts.
    Die ausgewiesenen Gewinne der großen Unternehmen werden nach der inzwischen legalen Bilanzkosmetik ausgewiesen, derzufolge die Schulden dieser Unternehmen nicht aufscheinen.

    Deswegen ist die Scheidung in verschiedene Arten von Geld so absurd.

    Es gibt natürlich auch in der ganzen Geschäftswelt und in der Politik Unzufriedenheit mit diesem kreditfinanzierten Wachstum und die Sehnsucht, wieder „echte“ Gewinne zu machen, aber das ist offenbar beim heutigen Stand der Weltwirtschaft nicht mehr drin.
    _______

    Gerade hab ich mich gefragt, wieso wir hier schon wieder bei der Ökonomie gelandet sind, obwohl es hier doch um die medizinische Seite der Coronakrise gehen soll.
    Aber das ist deswegen, weil Samson mit den 2 Links – die ebenso langwierig wie gehaltslos sind, aber mit dem schönen Titel „abseits des Mainstreams“ gediegene Aufklärung versprechen, – die ganze Coronavirus-Krise zu einem geschickten Schachzug der Eliten erklärt, mit der dem Fall der Profitrate abgeholfen werden soll.
    Na ja.
    Mit dergleichen kann man sich natürlich auch die Zeit vertreiben.

  182. 182 Nestor 17. April 2020 um 20:24 Uhr

    Kuba schickt eine weitere Ärzte-Delegation nach Italien

    Auf Ersuchen des Präsidenten der italienischen Region Piemont, Alberto Cirio, hat das kubanische Gesundheitsministerium eine zweite Ärzte-Delegation der Brigade Henry Reeve nach Italien geschickt. Sie leistet in Turin humanitäre Hilfe beim Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die am Montag eingetroffene Delegation von 38 Gesundheitsexperten besteht aus 21 Ärzten, darunter Epidemiologen, Anästhesisten und Allgemeinmediziner, 16 auf die Intensivpflege spezialisierten Krankenpflegern und Delegationsleiter Julio Guerra Izquierdo.

    https://amerika21.de/2020/04/239061/kuba-weitere-aerzte-delegation-italien

  183. 183 NN 17. April 2020 um 20:34 Uhr

    Rauswurf mitten in Coronakrise
    Brasiliens Präsident entlässt Gesundheitsminister. »Rückkehr zu Normalität« gefordert
    Von Carmela Negrete

    Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat am Donnerstag (Ortszeit) zum wiederholten Male gezeigt, wo seine Prioritäten liegen, und den bisherigen Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta entlassen. Mandetta hatte zuvor die Empfehlungen der Wissenschaftler befolgt und eine landesweite Ausgangssperre empfohlen, nachdem Brasilien zum Epizentrum der Coronapandemie in Lateinamerika geworden war. Bis Freitag hatten sich in dem Land nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 30.891 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert, fast 2.000 waren an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

    Bolsonaro hatte die durch das Virus ausgelöste Krankheit wochenlang als »kleine Grippe« verharmlost. Am Donnerstag nun versicherte er bei der Vorstellung des neuen Gesundheitsministers Nelson Luiz Teich, dass die Regierung von nun an »gemeinsam und entschlossen« vorgehen werde. Zudem erklärte er, der Staat gebe derzeit zuviel Geld aus. »Das Leben ist unbezahlbar, aber die Wirtschaft und die Arbeit müssen zur Normalität zurückkehren«, betonte Bolsonaro.

    Einen Vorgeschmack auf die von im zu erwartende Politik gab der neue Gesundheitsminister Teich in einem bereits im Mai des vergangenen Jahres auf der Facebook-Seite der brasilianischen Gesellschaft für Onkologie veröffentlichten Video. In dem Beitrag erklärte der Onkologe, nach welchen Kriterien seiner Meinung nach über die Rettung von Menschenleben entschieden werden sollte. So müsse angesichts knapper Ressourcen im Gesundheitswesen die Behandlung junger Menschen bevorzugt werden.

    Wie schon in den Wochen zuvor protestierten auch am Donnerstag abend zahlreiche Brasilianer von ihren Wohnungsfenstern aus gegen die Politik der Regierung. Bereits Mitte März hatten mehrere linke Parteien gemeinsam ein Manifest gegen Bolsonaros Krisenmanagement unterschieben, in dem sie diesem Fahrlässigkeit und die Verbreitung von Falschinformationen in bezug auf das Coronavirus vorwarfen. Zudem forderten sie die sofortige Einführung eines Grundeinkommens angesichts der durch die Coronakrise besonders fatalen Lage der Favela- und Landbewohner.

    Infektionen weitgehend im Griff
    Vietnam vermeldet Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus. Ende der Einschränkungen ungewiss
    Von Stefan Kühner

    Vietnam und andere Länder Südostasiens haben deutlich weniger an Covid-19-Erkrankte sowie durch die Lungenkrankheit Gestorbene als einige Länder Europas oder die USA. Der Grund dafür liegt in der schnellen Isolation von Kranken und nachgewiesenermaßen Infizierten sowie entsprechenden Maßnahmen zur Quarantäne von Kontaktpersonen. Vietnam wendet konsequent die Methode des »Rapid Case Contact Management« an, die bereits in der chinesischen Provinz Hubei erfolgreich praktiziert wurde.

    Schaut man auf die Fallzahlen, hat Vietnam die Lage mittlerweile weitgehend im Griff. Am Mittwoch meldeten vietnamesische Onlinezeitungen, dass nach drei Wochen erstmals die Zahl der Personen, die als potentielle Träger des Coronavirus eingestuft werden, unter 2.000 gefallen sei. In den Krankenhäusern lagen an diesem Tag 1.659 Covid-19-Verdachtsfälle. Trotzdem herrschen weiterhin strenge Vorschriften, Schulen und Kindergärten bleiben ebenso geschlossen wie Geschäfte, die nicht mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen des täglichen Bedarfs handeln. Das Tragen von Schutzmasken im öffentlichen Raum ist Pflicht, und Verstöße werden streng sanktioniert. So wurden am Mittwoch zwei Männer zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie Mitglieder der »Task-Force Covid-19« angegriffen hatten, nachdem diese sie zum Anlegen der Masken aufgefordert hatten.

    Wenn in Vietnam eine Person positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wird, beginnt eine gründliche Feststellung möglicher Kontaktpersonen sowie deren Isolierung. Nachdem Ende März im größten Krankenhaus Hanois, der Bach-Mai-Klinik, bei 34 Personen der Erreger festgestellt worden war, wurde die Klinik sofort geschlossen. Tausende Personen, die mit dem Krankenhaus in Verbindung gestanden hatten, wurden unter besondere medizinische Überwachung gestellt. Dazu gehörten neben dem Personal und Patienten auch Besucher. Die Infizierten kamen in Isoliereinrichtungen, zum Beispiel dafür vorbereitete Kasernen, alle anderen mussten in häusliche Quarantäne. Wer nicht selbst einkaufen konnte oder durch Familienangehörige mit Lebensmitteln versorgt wurde, erhielt Unterstützung durch Nachbarschafts- oder Hauskomitees. Letztere überwachen ebenfalls die Einhaltung der Quarantäne.

    Auch in Vietnam stehen große Teile der Wirtschaft still, Textilkonzerne haben die Arbeit für laufende Aufträge gestoppt. Besonders betroffen ist auch der Tourismus, der schätzungsweise zwei Millionen Menschen Beschäftigung bietet. Da Vietnam seit Mitte März keine Touristen mehr einreisen lässt, sind fast alle Hotels und Restaurants geschlossen. In Ho-Chi-Minh-Stadt mussten 90 Prozent aller Firmen den Betrieb einstellen. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden bis zum 15. April fast 47.000 Beschäftigte aus den unterschiedlichsten Branchen entlassen. Eine soziale Absicherung wie Kurzarbeitergeld gibt es nicht. In einem ersten Schritt stellte die Stadtverwaltung deshalb zehn Millionen US-Dollar zur Unterstützung der Betroffenen bereit.

    Wie lange die Maßnahmen noch fortgesetzt werden, ist ungewiss. Die beiden größten vietnamesischen Kommunen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt mit jeweils acht Millionen Einwohnern haben angeordnet, die Sperren bis zum 30. April zu verlängern. Das Datum fällt zugleich auf das Ende des »amerikanischen Krieges«, wie der Vietnamkrieg im Land heißt: Einen Tag später flohen 1975 die letzten US-Amerikaner überstürzt mit Hubschraubern aus dem damaligen Saigon. Auch deshalb ist der 1. Mai in dem sozialistischen Land einer der wichtigsten Feiertage.

  184. 184 Nestor 17. April 2020 um 21:29 Uhr

    WHO-Experte äußert sich skeptisch zu Herdenimmunität, Schutzeffekt von Corona-Antikörpern im Blut zudem unklar

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann nicht mit Sicherheit sagen, ob das Vorhandensein von Antikörpern gegen das neue Coronavirus einen vollständigen Schutz gegen eine zweite Erkrankung verleiht. Ohnehin deuteten frühe Untersuchungen darauf hin, dass nur ein geringer Teil der Bevölkerung solche Antikörper aufweise, sagte der WHO-Experte Mike Ryan am Freitag. Dies spreche auch gegen die Ausbildung einer sogenannten Herdenimmunität. Daher werde diese „vielleicht nicht das Problem der Regierungen lösen“, sagte Ryan. Bei einer Herdenimmunität ist ein so großer Teil der Bevölkerung gegen eine Krankheit immun, dass der entsprechende Erreger sich kaum ausbreiten kann.

    Patient in Salzburg erhielt erstmals Spender-Plasma

    Am Uniklinikum Salzburg ist nun erstmals ein Corona-Patient mit Blutplasma eines bereits genesenen Covid-19-Erkrankten behandelt worden. Am Freitagabend vermeldete das Land eine erste Zwischenbilanz: „Der Patient konnte selbst keine Antikörper bilden. Er hat daher zwei Beutel erhalten und zeigt deutliche Anzeichen einer Besserung“, berichtete Alexander Egle, medizinischer Leiter des Covid-Hauses.
    Hergestellt wurde das Rekonvaleszenten-Plasma im Universitätsinstitut für Transfusionsmedizin in Salzburg. Dieses hat nach einem Aufruf des Roten Kreuzes zahlreiche Spender gefunden, laut ORF sollen sich rund 50 Freiwillige gemeldet haben.
    Die Ärzte in Salzburg wollen jedenfalls auf Vorrat produzieren. Das Plasma sei im gefrorenen Zustand zwei Jahre lang haltbar. Nun würden so viele geheilte Plasma-Spender wie möglich gesucht.

    (Standard, Live-Ticker, 17.4.)

  185. 185 NN 18. April 2020 um 11:40 Uhr

    Nobelpreis-Virologe Montagnier: Neues Coronavirus stammt aus Labor

    Der französische Virologe Luc Montagnier, der 2008 den Nobelpreis für die Entdeckung des Humanen Immundefizitvirus (HIV) erhalten hatte, vertritt die Auffassung, dass das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 künstlicher Herkunft ist und in einem Labor entwickelt wurde.

    Ist der RBB eine Springer-Tochter geworden? – Wie die „Bild“ lügen können sie jedenfalls schon

    Das Fernsehmagazin “Kontraste” des öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) veröffentlichte gestern einen Beitrag, der sich mit der russischen Corona-Hilfe für Italien befasste. „Falsche Helden – Wie Russland versucht, mit Corona die EU zu spalten“ lautete der Titel. In fünf Minuten reihte sich eine dreiste Lüge an die andere.

  186. 186 Nestor 18. April 2020 um 19:59 Uhr

    Auf die Anschuldigungen von Seiten Josep Borrells, Russland und China hätten die Situation ausgenützt, um ihre geopolitische Rolle zu stärken, wies Sergej Lavrov darauf hin, daß ihre Hilfeleistungen auf ausdrückliche Bitte Giuseppe Contes erfolgt seien.
    (Il Messaggero, 14.4.)

    Was den Herrn aus Frankreich und seine Behauptungen angeht, so fragt sich, woher so genau weiß, daß das Virus aus Wuhan stammt? Montagnier hat einen zweischneidigen Ruf wegen Stellungnahmen zu Impfungen und viralen Erkrankungen, die in der Fachwelt Kopfschütteln auslösen, und scheint sich hier mit etwas substanzlosen Behauptungen in Szene setzen zu wollen.

  187. 187 Neoprene 18. April 2020 um 21:27 Uhr

    Noch Nick-Name-Artikel bei TELEPOLIS („Björn Hendrig“)

    „Corona“ und „Volksgesundheit“

    https://www.heise.de/tp/features/Corona-und-Volksgesundheit-4705250.html

  188. 188 Nestor 19. April 2020 um 11:59 Uhr

    Worauf bezieht sich die Bezeichnung „Noch Nick-Name-Artikel“? :-)

  189. 189 Neoprene 19. April 2020 um 13:13 Uhr

    Ich glaube nicht, daß es einen Björn Hendrig gibt, bei „Georg Schuster“ bin ich mir auch nicht sicher. Nur den Suitbert Cechura kenne ich persönlich, das ist kein Pseudonym.

  190. 190 Neoprene 19. April 2020 um 13:46 Uhr

    Wenn die Abschätzung des RKIs zur Entwicklung der „effektiven Reproduktionszahl“, also der Wahrscheinlichkeit der Ansteckung durch Infizierte stimmt, dann haben die letzten Lockdown-Maßnahmen vom 23. März 2020 in Deutschland nicht die geringste Wirkung gehabt. Jedenfalls war nach den Schätzungen des RKI die R0 schon vorher auf rund 1,0 gefallen.
    Das habe ich dem „Epidemiologisches Bulletin des Robert Koch-Instituts – Online vorab Ausgabe 17/2020″ entnommen, dort auf Seite 13
    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/17_20_SARS-CoV2_vorab.pdf?__blob=publicationFile

  191. 191 Kehrer 19. April 2020 um 16:00 Uhr

    Seite 15 steht aber folgendes: „Ein Grund dafür, dass der Rückgang der Neuerkrankungen trotz der gravierenden Maßnahmen nur relativ langsam passiert, ist, dass sich das Virus nach dem 18. März stärker auch unter älteren Menschen ausbreitet und wir zunehmend auch Ausbrüche in Pflegeheimen und Krankenhäusern beobachten. Ein weiterer Aspekt ist aber auch, dass in Deutschland die Testkapazitäten deutlich erhöht worden sind und durch stärkeres Testen ein insgesamt größerer Teil der Infektionen sichtbar wird. Dieser strukturelle Effekt und der dadurch bedingte Anstieg der Meldezahlen, kann dazu führen dass der aktuelle R-Wert das reale Geschehen etwas überschätzt.“ Die Sagen also der Knick, der durch die Lockdownmaßnahmen zu sehen sein müsste, wird verschleiert durch 1. Ausbreitung bei verwundbaren Bevölkerungsgruppen. 2. Durch die Vermehrung der Tests. Hm!. In anderen Ländern, wo diese entgegenwirkenden Ursachen nicht wirken, müsste man den Knick also sehen in der Statistik. Ist das so?

  192. 192 Neoprene 19. April 2020 um 17:31 Uhr

    Verstehe ich jetzt nicht:
    Daß jetzt vermehrt alte Menschen in Heimen sterben ist zwar blöd , aber umgekehrt sterben jetzt halt weniger Jüngere?
    Wenn jetzt mehr getestet wird, dann gibt es statistisch doch mehr Infizierte als vorher, wo man die mangels Test gar nicht auf dem Schirm hatte also einen höheren R0-Wert?
    Und das alles wissen die ohne zu wissen, wie viele Menschen bisher überhaupt infiziert wurden (Dunkelziffer statt Stichprobenerfassung)?

  193. 193 Neoprene 19. April 2020 um 20:13 Uhr

    Auch in England und Wales ist diese Epidemie nicht Business as usual wie bei „normalen“ Grippewellen der letzten Jahre:

    https://www.theguardian.com/society/2020/apr/19/medical-staff-face-weeks-without-protective-gowns

  194. 194 Kehrer 19. April 2020 um 23:37 Uhr

    Die Frage ist doch warum man den Knick, der wegen den Shutdownmaßnahmen zu sehen sein müsste, wieso der nicht da ist. Stattdessen ist es ne Kurve, die schön gleichmäßig ansteigt und wieder abflacht. Ab dem Shutdown müsste sie aber zeitverzögert stark zurückgehen. Dass sie nicht so stark zurückgeht, dafür müssen z u s ä t z l i c h e Fälle verantwortlich sein.
    1. Zusatz: Tote aus Risikogruppen wie dem Altenheim, zufällig hat es das Virus ins Altenheim geschafft.
    2. mehr Tests – mehr Corona positive

    Für mich sieht das nach Ausrede des RKI aus.

  195. 195 Nestor 20. April 2020 um 1:01 Uhr

    Also in Österreich sind alle zufrieden und meinen, die Sache sei im Griff und man könnte langsam alles wieder hochfahren.

    Getestet wird bei uns relativ gleichmäßig, mit dem heutigen Tag 180 000, seit gestern sind 9 Leute gestorben, Neuinfektionen seit gestern 59 Stück.

    Außerdem war in den Abendnachrichten ein Bericht aus einem Altersheim in Kanada, wo viele alte Leute deshalb gestorben sind, weil das ganze Personal geflüchtet ist aus Angst vor Ansteckung, sodaß für 130 Leute 2 Betreuer übrigblieben. Gemerkt hat das offenbar auch keiner rechtzeitig, und nach ein paar Tagen, als wer draufgekommen ist, waren schon einige abgenibbelt.

    In Deutschland kenne ich mich überhaupt nicht aus, da treten so viele Akteure oder Obergscheite auf und stiften Verwirrung, ich lob mir da den ORF, der berichtet halbwegs objektiv.

  196. 196 Kehrer 20. April 2020 um 11:51 Uhr

    Du willst also lieber objektiv gesagt kriegen was Sache ist, statt dich von obergescheiten Akteuren verwirren zu lassen und dir ein Urteil zu bilden. Ja wenn’s nicht mehr drauf ankommt, weil die Pandemie zumindest in Österreich überwunden ist, kann man sich sowas leisten. A bisl igorant isses aber schon. Wos geht mi die ganze Goronascheiße an, loss die Obergescheidn nur redn.

  197. 197 Neoprene 20. April 2020 um 12:40 Uhr

    Ich mußte heute morgen eine Nachbarin ins Krankenhaus bringen wegen Kreislaufproblemen. Da mußte ich dann schon etwas schlucken als wir in der früher sicher „Notaufnahme“ genannten Station ankamen. Das heißt da ganz offiziell (schon immer, erst jetzt? ich kenne das Haus nicht persönlich), mit ordentlich aufgeklebten großen Buchstaben „TRIAGE“.

  198. 198 NN 20. April 2020 um 15:49 Uhr

    Kleines Corona-Kompendium
    Aktualisierte und ergänzte Fassung vom 19. April 2020
    Von Andreas Wessel

  199. 199 Nestor 20. April 2020 um 22:26 Uhr

    @Kehrer

    Ich habe mich einmal zu dem geäußert, was bei uns los ist.
    Was woanders geschieht, kann und muß man am Internet erfahren.

    Aber in Österreich ist die Sache offenbar im Griff, was mehrere Gründe hat:

    1. war Österreich offenbar später betroffen als China, der Iran oder Italien
    2. hat die Regierung dann relativ früh Maßnahmen ergriffen, wie Sperren von Grenzen und Verhängung von Quarantänen über Ortschaften, wo höhere Infektionsraten zu verzeichnen waren, und Herunterfahren der gesamten wirtschaftlichen Tätigkeit, sowie Bildungseinrichtungen aller Art
    3. war Österreich zwar wie alle EU-Staaten zunächst ohne Masken, Schutzanzüge usw., hat sich die aber offenbar schneller besorgt als z.B. Spanien oder GB
    4. hat Österreich ein relativ gut ausgestattetes Gesundheitssystem. Warum das so ist, müßte man erforschen, hier waren jedenfalls keine Sparstifte und „Effizienz-Manager“ am Werk, oder sie konnten sich zumindest nicht durchsetzen.
    Bei uns gab es jedenfalls nie Engpässe oder sonstige Probleme bei der Versorgung von CV-Erkrankten.
    5. war die Information über die Lage durch das staatliche Fernsehen immer sehr zufriedenstellend – sowohl über die Lage im Inland, als auch über die im Ausland

    Unter dem Stichwort „Ischgl“ laufen inzwischen internationale Klagen wegen angeblich zu spät ergriffener Maßnahmen, einmal sehen, was daraus wird.

  200. 200 Nestor 20. April 2020 um 22:38 Uhr

    Nachtrag:

    Österreich wird sowohl von den Maßnahmen als von den Ergebnissen her als eine Art Vorzeigestaat betrachtet, aber sowohl ein Gesundheitswesen wie Ö als auch solche Maßnahmen bezüglich Stillstand der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft können sich die meisten Staaten der Welt nicht leisten.

  201. 201 NN 20. April 2020 um 22:48 Uhr

    Pflicht mit Hindernissen
    Trotz Mangel: Mund-Nasen-Schutz in drei Bundesländern Bedingung
    Von Claudia Wangerin

    Nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern führt auch Bayern zur Eindämmung der Coronapandemie eine »Maskenpflicht« in Einzelhandel und öffentlichen Verkehrsmitteln ein. Es gehe darum, dass Mund und Nase bedeckt seien – »auch ein Schal ist ausreichend«, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in einer Regierungserklärung im Landtag in München. Die Maßnahme gelte ab der kommenden Woche in allen Geschäften und im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Bereits in dieser Woche gelte zur Gewöhnung ein »dringendes Gebot« zum Tragen der Masken.

    In zahlreichen Bundesländern durften schon am gestrigen Montag Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie alle Buchhandlungen, KfZ- und Fahrradhändler wieder öffnen. Dies soll in Bayern erst am 27. April der Fall sein. Während Söder notfalls einen Schal als Schutz empfiehlt – wovon Mediziner vielfach abraten, weil er leicht verrutschen kann und der korrigierende Griff ins Gesicht unterwegs ein Infektionsrisiko birgt –, sind in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden bereits kostenlose Stoffmasken ausgegeben worden. Tausende Dresdnerinnen und Dresdner standen dafür am Montag morgen vor dem Rathaus Schlange. Laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa) wurde pro Person eine Maske ausgegeben – eine weitere durfte für Familienmitglieder mitgenommen werden. Insgesamt habe Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) rund 200.000 Masken geordert, die dezentral verteilt werden sollten.

    Der Präsident des deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, bat generell um die Bereitstellung von Schutzmasken für Schüler und Lehrer. Kommunen und Landkreise sollten »für die jetzt ja noch überschaubare Anzahl an Abschlussschülern und deren Lehrkräfte einen einfachen Mundschutz zur Verfügung stellen«, sagte Meidinger der Passauer Neuen Presse vom Montag.

    Während nach wie vor keine flächendeckende Versorgung mit gut sitzenden Masken sichergestellt ist, strebt in Baden-Württemberg die vierte Landesregierung eine entsprechende Verpflichtung an. Das Kabinett von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wolle an diesem Dienstag darüber beraten, berichtete am Montag die dpa.

    Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) kann das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung »ein zusätzlicher Baustein sein, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 in der Bevölkerung zu reduzieren – allerdings nur, wenn weiterhin Abstand (mindestens 1,5 Meter) von anderen Personen, Husten- und Niesregeln und eine gute Händehygiene eingehalten werden«. Das Institut betont auf seiner Internetseite aber, dass Privatpersonen zur Zeit nicht versuchen sollten, medizinisch zertifizierte Atemschutzmasken zu erwerben, an denen es bereits in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Arztpraxen mangelt. »Der Schutz des Fachpersonals ist von gesamtgesellschaftlich großem Interesse«, so das RKI. Für die Bevölkerung wird eine »textile Barriere im Sinne eines Mund-Nasen-Schutzes« empfohlen.

    Nicaragua kämpft gegen Covid-19
    Mittelamerikanisches Land im Vergleich zu Nachbarn bislang gut aufgestellt. Hilfe aus Kuba
    Von Volker Hermsdorf

    Während aus den USA, dem Epizentrum der weltweiten Coronaviruspandemie, am Montag bereits über 750.000 bestätigte Infektionen und mehr als 41.000 an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 Verstorbene gemeldet wurden, scheinen einige Länder Mittelamerikas bisher kaum betroffen zu sein. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurden in Costa Rica zu Beginn dieser Woche 660 Infizierte und nur fünf Verstorbene gezählt, Guatemala meldete 289 Coronavirusinfektionen und sieben Tote. Das Nachbarland Nicaragua hält mit zehn bestätigten Infektionen und nur zwei Verstorbenen den Minusrekord in der Region. Für keines dieser mittelamerikanischen Länder lassen sich die Zahlen überprüfen. Dennoch wird in westlichen Medien vor allem Misstrauen gegenüber Nicaragua gesät.

    Tatsächlich habe die Regierung ihres Landes bereits Ende Januar in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umfangreiche Präventionsmaßnahmen eingeleitet, berichtete die Fachärztin María Eugenia García in dem Blog »Lista Informativa Nicaragua y más«. So seien einreisende Personen kontrolliert und Menschen mit Symptomen unter Beobachtung gestellt worden. Das Personal im Gesundheitswesen wurde geschult, Tests zur Früherkennung geordert und Mitarbeiter der Behörden zu Vorträgen an Schulen geschickt. Außerdem seien 19 Krankenhäuser für die Behandlung von Covid-19-Patienten vorbereitet worden.

    Auch in ländlichen Gebieten zogen Gesundheitsbrigadisten von Haus zu Haus, um über Hygienemaßnahmen zu informieren. Da ein großer Teil der Bevölkerung von Straßenverkäufen, Dienstleistungen und anderen informellen Tätigkeiten lebt, seien die empfohlenen Einschränkungen jedoch nicht überall positiv aufgenommen worden, räumt García ein. Aufgrund der von rechten Oppositionellen geschürten politischen Konfrontation wurden Mitglieder der Regierungspartei »Sandinistische Nationale Befreiungsfront« (FSLN) und Studenten bei Hausbesuchen teilweise auch attackiert.

    Obwohl die Bevölkerung zur Einschränkung von persönlichen Kontakten aufgefordert, die wöchentlichen Demonstrationen zur Unterstützung der FSLN eingestellt und die Schulen zunächst bis zum 20. April geschlossen wurden, irritieren Berichte und Fotos von vollen Märkten, sportlichen und religiösen Veranstaltungen. Die der WHO untergeordnete »Panamerikanische Gesundheitsorganisation« (PAHO) warnte einer Meldung der US-Nachrichtenagentur Associated Press zufolge in der vergangenen Woche vor einem »Mangel an sozialer Distanzierung«.

    Ungeachtet interner Widerstände und der von den USA seit Jahren gegen Nicaragua verhängten Sanktionen steht das international anerkannte Gesundheitssystem des Landes im Vergleich zu den Nachbarländern gut da. Die Regierung hat auch in entlegenen Regionen Krankenhäuser aufgebaut und medizinisches Personal ausgebildet. Heute sind über 90 Prozent der Krankenhäuser öffentlich, und die Behandlung ist dort für Bürger des Landes kostenlos.

    Zur Unterstützung örtlicher Mediziner hatte Präsident Daniel Ortega über seine Stellvertreterin Rosario Murillo am 17. März beim kubanischen Gesundheitsministerium um weitere Hilfe gebeten. Einen Tag später nahm ein Team von Virologen, Epidemiologen und Intensivmedizinern der internationalen Hilfsbrigade »Henry Reeve« die Arbeit in Nicaragua auf. Am 9. April schickte Havanna außerdem 8.000 Dosen des in Kuba hergestellten Medikaments »Heberon Alfa R« mit dem Wirkstoff »Interferon alpha-2b«, mit dem in China gute Ergebnisse bei der Behandlung von Covid-19-Patienten erzielt worden waren.

    Nachdem er rund einen Monat nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten war, versprach Ortega am Mittwoch in einer Rede, dass die Gesundheitsexperten des Landes trotz ihrer durch die US-Sanktionen begrenzten Ressourcen »unermüdlich mit Disziplin, Bewusstsein und Hingabe« daran arbeiten würden, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Der gewählte Präsident verurteilte zugleich »die Heuchelei der kapitalistischen Länder, die Geld für den Krieg, aber nicht für die Gesundheit ausgeben«.

  202. 202 Kehrer 21. April 2020 um 0:19 Uhr

    „hat die Regierung dann relativ früh Maßnahmen ergriffen,“ Wenn man mal von der „angeblichen“ Ischgl Panne absieht. Aber das waren ja auch böse Geschäftsleute und nicht die gute Regierung.

    „hat sich die aber offenbar schneller besorgt als z.B. Spanien oder GB“ Der gemeine Ösi is halt von Natur aus ein Organisationstalent bzw. Beschaffungstalent. Wahrscheinlich hat er die Masken Spanien oder GB vor der Nase weggekauft.

    „Bei uns gab es jedenfalls nie Engpässe oder sonstige Probleme bei der Versorgung von CV-Erkrankten.“ Dafür wurden aber Operationen abgesagt, die unter normalen Umständen durchgeführt worden wären. Vielleicht hätte Österreich die verfügbaren Kapazitäten, Italien anbieten sollen, so als Zeichen europäicher Solidarität. Aber das ist wohl nicht der Job vom kleinen Österreich.

    „5. war die Information über die Lage durch das staatliche Fernsehen immer sehr zufriedenstellend – sowohl über die Lage im Inland, als auch über die im Ausland“ Während sich in Deutschland die Medien ausschweigen. Oder weil das staatliche Fernsehen normalerweise immer lügt? Wieso ist das bemerkenswert?

    „Österreich wird sowohl von den Maßnahmen als von den Ergebnissen her als eine Art Vorzeigestaat betrachtet,“ Von Wem? Von seinem Kanzler und den österreichischen Nationalisten.

  203. 203 Nestor 21. April 2020 um 13:20 Uhr

    Ja, aber es wird auch von anderen Regierungen, vor allem der deutschen, als so etwas betrachtet.

    Ich meinte bezüglich der Berichterstattung, daß sie unaufgeregt und informativ war, zum Unterschied von diversen Nachbarländern.
    Der ORF unterscheidet sich damit auch von diversen Printmedien.

    Was die Solidarität mit Italien betrifft, so war ja Österreich – durchaus in seiner üblichen Rolle als Trittbrettfahrer – in der Gruppe derer, die die Eurobonds ablehnen. Aber es hat sich dezent im Hintergrund gehalten.
    Die einzige Solidarität waren Masken nach Südtirol, als eine Art Betreuung des verlorengegangenen Gebietes. Es hat sich aber dann herausgestellt, daß die gar nicht so besonders gut waren. ;-)

    Was die Beschaffung der Masken betrifft, so scheint Österreich irgendwelche Sonderbeziehungen zu China ausgenützt zu haben, die es als neutraler Staat seit jeher hat.

    Aber wurscht, was jetzt die Gründe sein mögen, Österreich steht bedeutend besser da als andere benachbarte EU-Staaten. Ob das etwas nützen wird, wenn Lieferungen und vor allem Touristen ausbleiben, wird man sehen.

    Ich habe mir jetzt einmal die Arbeit gemacht und mit Stand von 20./21. April die bisherigen CV-Todesraten ausgerechnet (habe also die gemeldeten CV-Toten zur Gesamtbevölkerung ins Verhältnis gesetzt) und bin zu teilweise überraschenden Ergebnissen gekommen. Am schlechtesten steht Belgien da, absoluter Champion ist Norwegen:

    0,000509823551014 Belgien
    0,000446290026878 Spanien
    0,000400148011952 Italien
    0,000302494290448 Frankreich
    0,000248496475155 UK
    0,000216937579349 Holland
    0,00016608747196 Schweiz
    0,000152988272481 Schweden
    0,000142381188883 Irland
    0,000128853658537 USA
    0,000069339622642 Portugal
    0,00005856475657 Deutschland
    0,000055425270424 Österreich
    0,000033720969226 Norwegen

    Als Grundlagen habe ich diese Karte benützt:
    https://earth3dmap.com/coronavirus-interactive-global-map/
    und für die Bevölkerungszahlen den jeweiligen Länderartikel von Wikipedia.
    Die Sache ist ja noch nicht durchgestanden, vor allem im UK und den USA geht die Kurve weiter nach oben.

  204. 204 Nestor 21. April 2020 um 14:10 Uhr

    Ein Nachtrag, warum ich die Information des ORF so schätze:

    Wenn es in einem Land keine so verläßliche Informationsquelle gibt, wie ich das an Ungarn feststelle, so überbieten sich alle Seiten – Privatpersonen wie professionelle Medien – mit Verschwörungstheorien, Fake-News oder falsch interpretierten Einzelmeldungen.
    Die wenigen vernünftigen Nachrichten, die über Newsletter oder Messenger kommen, gehen in diesem lauten Geschrei unter, und das macht natürlich zusätzlich zu den bereits existierenden Problemen eine extrem schlechte Stimmung.

  205. 205 Neoprene 21. April 2020 um 14:23 Uhr

    Mir scheint es müßig, auszurechnen wie hoch die Corona-Sterblichkeit im Verhältnis zur Bevölkerung eines Staates ist, wenn es überhaupt nicht klar ist, wie viele Corona-tote es dort jeweils überhaupt gegeben hat:
    „Doch warum liegt die Zahl der Corona-Todesopfer in Belgien so viel höher als bei den europäischen Nachbarn? Nach eigenen Angaben ist die belgische Regierung auf „maximale Transparenz“ aus: In den 1500 Altersheimen des Landes wird jeder Todesfall gezählt, bei denen ein Zusammenhang mit dem Coronavirus vermutet wird, ohne dass dies unbedingt durch einen Test nachgewiesen wurde.
    Bei den europäischen Nachbarn ist das anders. Überhaupt ist die Testrate in Heimen dort häufig niedrig. Frankreich und Großbritannien beginnen sogar erst damit, die Corona-Toten in Pflegeheimen überhaupt in ihre Statistik aufzunehmen.“
    https://www.focus.de/politik/ausland/brennpunkt-pflegeheime-situation-bleibt-schwierig-warum-belgien-die-hoechste-corona-todesrate-weltweit-hat_id_11905456.html
    Für Belgien z.B. gilt: „Weit über die Hälfte der Todesfälle wurden in Alten- und Pflegeheimen registriert.“ (ebenda)

  206. 206 Nestor 21. April 2020 um 17:15 Uhr

    Da kommt man wieder auf eine Frage, die wir vor einiger Zeit schon einmal hatten: Wieviele Corona-Sekundär-Tote es gibt, also solche, die nicht direkt an einer durch CV hervorgerufenen Lungenentzündung sterben, sondern am Abgewiesen-Werden oder an einem anderen Keim in einem überfüllten Krankenhaus, oder schlicht an der Aufregung über die ganze Angelegenheit.

    Gerade in Altersheimen dürfte eine Art Panik ausgebrochen sein, sowohl bei den Alten als auch beim Personal – wie das Beispiel der kanadischen Klinik zeigt, wo das Personal abgehaut ist und die Bewohner sich selbst überlassen hat – was natürlich dort die Sterblichkeit ansteigen hat lassen.

    Es wäre m.E. auf jeden Fall verkehrt, solche Leute nicht zu den CV-Toten zu rechnen.

    Schweden hat eben gerade einen anderen Weg gewählt, um solche Sekundär-Opfer möglichst zu vermeiden.

    Und „müßig“, na ja. Man muß die Zahlen nehmen, die es gibt, um sich irgendwie einen Überblick zu verschaffen.

  207. 207 Neoprene 21. April 2020 um 17:48 Uhr

    „Schweden hat eben gerade einen anderen Weg gewählt, um solche Sekundär-Opfer möglichst zu vermeiden.“
    Meines Wissens nicht. Dort wurden die Pflegekräfte wohl häufig ungeschützt zur Arbeit gezwungen, Tests gab es auch so gut wie keine. Wieso dort nicht mehr Katastrophen in Heimen wie in anderen Staaten pasiert sind, wundert mich deshalb.

  208. 208 Nestor 21. April 2020 um 18:07 Uhr

    Die Formulierung „ungeschützt zur Arbeit gezwungen“ klingt ja sehr martialisch. Als ob da gleich wer mit einem Knüppel oder einer Pistole aufmarschiert wäre und gesagt hätte: Los jetzt, an die Arbeit!
    Sie erhielten eben keine Schutzkleidung, wie woanders auch – war ja keine da!

    Aber Anstürme auf Krankenhäuser und sonstige außergewöhnlichen Häufungen von Todesfällen scheint es keine gegeben zu haben.
    Schweden hat allerdings eine relativ hohe Todesrate, vor den USA jedenfalls.

    Aber die Seuche ist ja nicht vorbei …

  209. 209 Neoprene 21. April 2020 um 18:27 Uhr

    „außergewöhnliche Häufungen von Todesfällen scheint es keine gegeben zu haben.“
    Außer in Altersheimen, wo die Menschen reihenweise gestorben sind (ich weiß nicht mal, ob die Heimtoten überhaupt in die Statistik eingegangen sind). Und das war für dich nicht „außergewöhnlich“?
    Wiedermal zum leidigen Thema Erfassung:
    „Verwiesen wird zudem auf Finnland, wo seit Mitte März eine Abriegelung des öffentlichen Lebens herrscht. Dort gibt es statistisch 11,6 Tote Einwohner pro Million – in Schweden hingegen 101,4 Personen pro Million. Doch Tegnell erklärt, dass seine Kollegen „vollkommen unrecht“ hätten, dass Schweden die Covid-19-Toten penibler erfassen würde und sich so die Zahl der Toten nicht mit anderen Ländern vergleichen ließen.“
    https://kurier.at/politik/ausland/coronavirus-schweden-hat-tragweite-nicht-begriffen/400813571

  210. 210 Nestor 21. April 2020 um 19:10 Uhr

    An Schweden scheiden sich – nicht erst seit heute – die Geister.
    Woher die Sicherheit, daß die Leute in Finnland „penibel“ efaßt werden?
    Außerdem waren vielleicht mehr Schweden in Österreich schifahren, was eine höhere Ansteckungsrate erklärt … :D

  211. 211 Neoprene 21. April 2020 um 20:02 Uhr

    „In England und Wales sind Anfang April so viele Todesfälle innerhalb einer Woche registriert worden wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus Zahlen der britischen Statistikbehörde ONS hervor. Demnach wurden in der Woche bis zum 10. April 18.516 Sterbefälle verzeichnet. Das sind knapp 8000 Todesfälle mehr als im Durchschnitt des Vergleichszeitraums der vergangenen fünf Jahre. Etwa 6200 der Verstorbenen waren zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden.“
    https://www.n-tv.de/panorama/Englische-Sterberate-schnellt-nach-oben-article21730266.html

  212. 212 Neoprene 21. April 2020 um 21:01 Uhr

    Seit Langem ein Artikel von Trotzkisten (hier der Bolshevik Tendency), den ich mal wieder der Verlinkung wert gefunden habe, jetzt auch auf deutsch:
    https://bolsheviktendency.org/2020/04/19/covid-19-ein-geopolitischer-wendepunkt/

  213. 213 Kehrer 21. April 2020 um 22:53 Uhr

    Ich bin ja immer noch skeptisch, ob man die Shutdowns in den ganzen Ländern überhaupt in der Statistik der Neuinfektionen erkennen kann. Denn die Kurven gingen schon zurück vor den Shutdowns. Man müsste aber einen deutlichen Knick in der Kurve sehen und die Erklärungen des RKI halte ich für Fadenscheinig. Auf der anderen Seite steht Schweden jetzt schon seit mehreren Wochen trotz milder Beschränkungen noch relativ gut da. Der Nachweis, dass die Beschränkungen wirken steht für mich noch aus. Ein bisschen vielleicht. — Was aber frustrierend ist, dass sich nichts tut in Punkto Wissenserwerb. Alle wurschteln einfach weiter. Wie ist die Dunkelziffer. Ein hohe Dunkelziffer würde nämlich erklären warum die Krankheit von Shutdowns unbeeindruckt einfach durchmarschiert. Das Rki warnt weiter vor Masken. (Weil man an der Maske rumfummelt usw.) Warum gibt es keine Maske im Discounterregal? Warum verkauft Lidl kein Klopapier mehr?
    Heute kam im TV das viel zu wenig obduziert wird, (Das RKI hat sogar davor gewarnt). Auch hier: nur Obduktion schafft wissen. In Hamburg wurden anscheinend alle Coronapatienten untersucht und dabei kam heraus, dass einige an einem Herzinfarkt gestorben sind. Also jedenfalls nicht an den Symptomen der Krankheit. Möglich wäre natürlich, dass Corona dazu beitrug, dass ein Herzinfarkt ausgelöst wurde.

    Die Zahlen mit der Gesamtzahl der Infizierten ist immer noch einfach nur ärgerlich. Und die Genesenen werden geschätzt. Was ist denn das für ein schwaches Monitoring?
    Mittlerweile halte ich den gesamten Umgang mit der Seuche für total bekloppt und unrationell.

  214. 214 Nestor 21. April 2020 um 23:40 Uhr

    @Kehrer

    Denn die Kurven gingen schon zurück vor den Shutdowns.

    Also in Österreich nicht.
    Mein Eindruck war eher umgekehrt: Daß sie trotz Shutdowns eine Zeitlang angewachsen sind.

    Was auffällig ist, ist der Umstand, daß in Sachen Test gar nichts weitergeht. (Österreich vermeldet heute 189.000 Tests.) Man hat den Eindruck, daß die Regierungen gar nicht so genau wissen wollen, wie es eigentlich um die „Durchseuchung“ bestellt ist.

  215. 215 Kehrer 22. April 2020 um 10:12 Uhr

    In Deutschland war der Shutdown am 23. März. Die Spitze war aber zwischen 26.3 und 28.3 dann nochmal eine zwischen 1.4 und 3.4 laut john hopkins. Der Rückgang hätte aber viel später erfolgen dürfen. 5 Tage durchschnittliche Inkubationszeit, dann geht man vielleicht nach 2 Tagen zum Arzt, das Auswerten dauert 2 Tage und dann gibt es eine Meldverzögerung von ca. 4 Tagen. Sind ungefähr 13 Tage. Also ging es schon zurück bevor Maßnahmen getroffen wurden. Wenn man von von der RKI Kurve nach Meldedatum ausgeht, stimmt es schon eher. Peak am 2.4. Das würde mit den 5+2+2= 9 Tagen Verzug übereinstimmen.
    In Österreich Shutdown ab 10.3 Höhepunkt etwa zwischen 23. und 26.03. Ja das kommt hin. Also gut Ich will das ja jetzt nicht mit allen Ländern treiben. Bei Deutschland und Österreich, sieht das so aus, dass der Rückgang durch den Shutdown erklärt werden kann.

    In Schweden war die höchste Neuansteckung am 8-9. April.

    „daß die Regierungen gar nicht so genau wissen wollen, wie es eigentlich um die „Durchseuchung“ bestellt ist.“ Ja. Auch von der Endauswertung der Heinsbergstudie habe ich nichts mitbekommen. Wurde nach der Kritik wohl nicht mehr an die große Glocke gehängt.

  216. 216 Neoprene 22. April 2020 um 10:36 Uhr

    Ich halte es für noch nicht möglich, für die genaue Entwicklung der Epidemie Zeitpunkte anzugeben. Da man ja überall keine Ahnung hat, wer infiziert wurde und erst recht wann, sind alle darauf basierenden Einschätzungen weitgehend Spekulation. Und leider interessiert die tatsächlichen Entwicklungen ja auch keine Regierung.
    Selbst das RKI mußte vor ein paar Tagen ja zugeben, daß selbst sie da nur mehr oder weniger vernünftig rumraten können:
    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/17_20_SARS-CoV2_vorab.pdf;jsessionid=86B620B4D9EBCF39529226802345D569.internet092?__blob=publicationFile

  217. 217 Nestor 22. April 2020 um 10:49 Uhr

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