Die neue Pandemie

NATUR GEGEN KAPITALISMUS – AUSGANG UNENTSCHIEDEN

Es ist schon beachtlich, wie so ein kleines Ding wie ein Virus die Globalisierung ein Stück weit zurückfährt, den Freihandel bedroht, Geschäftskalkulationen aller Art zunichte werden läßt und die Börsen auf Talfahrt schickt.

Es bleibt abzuwarten, wie die Regierungen als Verwalter ihres nationalen Geschäftslebens damit fertig werden.


214 Antworten auf „Die neue Pandemie“


  1. 1 Nestor 14. März 2020 um 12:49 Uhr

    Zu dem von @Carola geposteten Beitrag

    https://de.crimethinc.com/2020/03/12/gegen-das-coronavirus-und-den-opportunismus-des-staates-anarchistinnen-aus-italien-berichten-uber-die-ausbreitung-des-virus-und-die-quarantane

    kann ich nur bemerken, daß natürlich der Ausnahmezustand erprobt wird und die Kontrolle verschärft wird: Aber das ist nie der letzte Zweck von Staaten, sondern immer nur ein Mittel, um sich selbst funktional zu erhalten. Und funktional für was?
    Es gibt ja die bürgerlichen Freiheiten nicht deswegen, weil sie einmal der Macht abgerungen worden sind, sondern weil sie funktional für eine dem Geschäftemachen dienende Konkurrenzgesellschaft sind.

  2. 2 Nestor 14. März 2020 um 12:57 Uhr

    Was das Manöver betrifft:

    https://www.heise.de/tp/features/Hoehere-Gewalt-contra-NATO-Manoever-4682736.html

    so ist es meines Wissens auch bereits abgesagt.
    Natürlich dauert es bei solchen Staatsnotwendigkeiten etwas länger, bis so ein Beschluß gefaßt wird.

  3. 3 Nestor 14. März 2020 um 13:04 Uhr

    Auch der Schutz der Gesundheit der Bürger ist nicht primär das, was nun vor allem gestärkt werden müsse.

    Sondern gestärkt werden sollen die systemischen wirtschaftlichen Stützen dieser Ordnung.

    Es ist eben das eine nicht ohne das andere zu haben. Deshalb gibt es ja auch ein staatliches Gesundheitssystem.

    Wobei natürlich „Gesundheit“ überhaupt ein relativer Begriff ist.
    Beim ersten Coronavisrus-Todesopfer in Österreich wurde im Fernsehen bekannt gegeben, daß der Mann Zuckerkrankheit und diverse andere Gebrechen hatte, die in dem Alter – 69 – mehr oder weniger „normal“ seien.

  4. 4 Kehrer 14. März 2020 um 16:37 Uhr

    „Um es klar zu sagen: Obwohl Trump und andere Nationalist*innen weltweit beabsichtigen, diese Gelegenheit zu nutzen, um unseren Bewegungen neue Kontrollen aufzuzwingen, ist diese Pandemie keine Folge der Globalisierung. Pandemien waren schon immer global.“

    Na ja, sieht man mal von der Tautologie ab, dass Pandemie eine „länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit beim Menschen bezeichnet“ bezeichnet, sie sich also definitionsgemäß nicht auf ein Land beschränkt, stimmt es natürlich nicht, dass Pandemien keine Folge der Globalisierung sind. Sie sind vielleicht keine Folge davon was jüngst unter Globalisierung verstanden wird. Aber eine Folge der Erschließung von Handelswegen sind sie allemal. Die Syphilis kam z.B. kurz nach der Entdeckung von Amerika über Neapel nach Europa. Umgekehrt starben Millionen von Indianern in Nord-, Mittel- und Südamerika an den von Europäern eingeschleppten Krankheiten.

    „Die Pest im Mittelalter („Schwarzer Tod“) verbreitete sich in Europa teilweise über das Handelsnetz der Genueser Kolonien.
    Heute gelten Flugrouten als die schnellsten Ausbreitungswege von Infektionskrankheiten.[4] So entwickelte sich AIDS, das durch das HI-Virus verursacht wird, u. a. durch den Flugtourismus von einem lokalen zu einem weltweiten Problem. Nachvollziehbar war dieser Effekt auch während der SARS-Pandemie 2002/2003: Während man in Asien noch die klassischen Verbreitungswege für SARS annahm, zeigte die zunehmende Zahl der Erkrankungen in Kanada diesen Reise-Effekt schon recht deutlich. Auch das Ausbreitungsgeschehen im Verlauf der Zikavirus-Epidemie 2015/2016 in Südamerika wurde mit der intensiven Reisetätigkeit während der Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Verbindung gebracht.“

    Kann mir mal jemand sagen, was eigentlich der Unterschied zwischen Corona und Influenza ist. Nach der Influenza kräht normalerweise kein Hahn. Da läuft das öffentliche Leben einfach weiter. „Grippe 2019/2020 aktuell: Bereits über 119.000 bestätigte Influenza-Fälle“ An der Grippe sterben ca. 300-600 Menschen im Jahr. Ist der Unterschied die Nichtverfügbarkeit eines Impfstoffs, die Ansteckungsgefahr auch während der Inkubationszeit, wenn noch keine Krankheitssymptome auftreten oder eine Kombination verschiedener Gründe? Sonst könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass da ein (kriegerischer) Ausnahmezustand erprobt wird. Wie diszipliniert verhält sich die Bevölkerung in einer Ausnahmesituation. Oder es wird ein Angriff mit Biowaffen bzw. einem Virus getestet.

    Worum geht es dem Staat? Stabilität? Das Überleben des Systems. Denn um Schutz geht es ja nur sehr relativ. Man hört: ein langsamerer Krankheitsverlauf soll dazu beitragen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet. Was ist zu befürchten?
    Dass das Virus „außer Kontrolle“ gerät und einen Großteil der Bevölkerung hinwegrafft. Die Kanzlerin sagte ja, dass es möglich wäre, dass 60-70% der Bevölkerung infiziert werden.

    Andererseits ist es ja so, dass Maßnahmen um die Ausbreitung zu Verlangsamen die Schäden schon herstellt, vor denen diese Maßnahmen schützen sollen.

  5. 5 Neoprene 14. März 2020 um 17:02 Uhr

    „An der Grippe sterben ca. 300-600 Menschen im Jahr.“ Kommt auf den Staat an:

    „Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts war die vorletzte Grippewelle in Deutschland die stärkste seit 30 Jahren. Sie kostete 25.000 Menschen das Leben.“

  6. 6 Carola 14. März 2020 um 17:25 Uhr

    Sogar auf eurem eigenen Blog (und auch ansonsten wirklich überall) wird euch vorbuchstabiert, dass die Erregtheit der Öffentlichkeit deswegen passiert, weil der Staat a) Sorge um die Funktionsfähigkeit bzw. den Kollaps seines Krankheits- bzw. Gesundheitswesens hat, b) das Virus bisher noch als eine unbeherrschte Seuche gilt.

  7. 7 Neoprene 14. März 2020 um 17:33 Uhr

    In der Tat, praktisch überall kann man die „Erregtheit der Öffentlichkeit“ konstatieren, im Guardian z.B. waren heute *alle* meistgelesenen Artikel über Corona. Und ja, jeder kriegt es mit, daß sich der Staat Sorgen macht, aber nicht nur um sein Gesundheitswesen, sondern eben auch um den Fortgang der wirtschaftlichen Aktivitäten, diese Sorgen werden ja von vielen in der Wirtschaft selber auch geteilt, wie man am Abstürzen der Börsen ablesen kann. Und in mindestens jeder zweiten Nachricht wird darauf hingewiesen, daß dieses Virus was Neues und bisher Unbeherrschtes ist.
    Was sollte also dieser weitere Hinweis?

  8. 8 Kehrer 14. März 2020 um 18:03 Uhr

    Wenn 25000 Grippetote kein Anlass sind von einem Kollaps des Gesundheitswesens zu reden, warum jetzt bei Corona. Die Sterblichkeit liegt bei ca. 3,5% zudem trifft es meist Alte und man kennt ja den Zynismus des Staates. Alte sind bloß Kosten.

    Einerseits werden Schulen zugemacht. Fabriken aber nicht. Bei Schulen kennt man die Gefahr, auf der Arbeit kommen sich die Leute, dann wohl nicht so nah, dass Gefahr besteht sich anzustecken.

    D.h. Worin besteht wirklich die Gefahr? M.E. darin, wenn die Reproduktion der Gesellschaft nicht mehr klappt. D.h. wenn Ausfälle in verschiedenen Branchen dazu führen würden, dass Leute nicht nur an Corona sterben, sondern daran dass Leute sterben, weil Ausfälle durch Corona andere Bereich tangieren, z.B. Versorgungslücken entstehen, Hungeraufstände ausbrechen, Leute mit anderen Krankheiten wegen Corona nicht mehr versorgt werden können, die öffentliche Ordnung zusammen bricht usw.

    Die Chinesen haben die Seuche so gut im Griff, dass der Großteil der Neuinfektionen jetzt durch Ausländer geschieht. Das Virus wird also reimportiert. Übrigens hat China auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet einen geringeren Infiziertenanteil als Italien.

  9. 9 Neoprene 14. März 2020 um 18:21 Uhr

    „Wenn 25000 Grippetote kein Anlass war von einem Kollaps des Gesundheitswesens zu reden, warum jetzt bei Corona.“

    Wegen der Ausbreitungsgeschwindigkeit, die ist bei Corona erheblich größer als bei Influenza. Also werden bei ungebremster Durchseuchung der Bevölkerung recht schnell die Kapazitäzen der Gesundheitssysteme überschritten. Dann kommt halt das berüchtigte System der Triage wieder zum Zuge. Der heutige Spiegel berichtet z.B. aus Norditalien, daß dort in manchen Krankenhäusern sehr alte Patienten mit Vorerkrankungen schon gar nicht mehr aufgenommen werden, um die Intensivstationen frei zu halten für Patienten, die man noch meint, retten zu können.
    Wie hoch die tatsächlichen Sterberaten eigentlich sind, weiß man offensichtlich noch nicht so genau, da gibt es Zahlen von unter einem Prozent bis über 6, das hängt z.B. davon ab, ob in einer Gegend überhaupt alle Corona-Infizierten erfaßt wurden.
    Daß hier in Europa bisher nur Ausbildungseinrichtungen und Dienstleistungsbetriebe geschlossen wurden oder selber zugemacht haben ist eine Momentaufnahme, in China sind auch Fabriken zugemacht worden, sowas könnte auch hier noch kommen.
    Ja, es geht letztlich um die Aufrechterhaltung der Reproduktion der Gesellschaft. Und dazu rechnen die Politiker eben auch die Aufrechterhaltung der Warenproduktion, solange das noch geht. Natürlich in erster Linie des Geldes wegen aber letztlich geht es natürlich auch um die Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung mit wichtigen Konsumgütern.

  10. 10 Neoprene 14. März 2020 um 19:06 Uhr

    Von Facebook:
    “ „Das Coronavirus wird auch dich erreichen. Es verbreitet sich mit exponentieller Geschwindigkeit. Erst allmählich, dann plötzlich. Es ist eine Frage von Tagen. Vielleicht von einer Woche oder zwei. Wenn es so weit ist, wird dein Gesundheitssystem überfordert sein. Deine Mitbürger:innen müssen dann in Krankenhausfluren behandelt werden. Erschöpftes Personal im Gesundheitssektor wird an seine Grenzen stoßen. Manche werden sterben. In Krankenhäusern werden sie entscheiden müssen, welche Patienten Sauerstoff bekommen– und welche nicht. Der einzige Weg, das zu verhindern, ist soziale Distanznahme. Ab heute. Nicht erst ab morgen. Das bedeutet, dass so viele Menschen wie möglich ab jetzt zu Hause bleiben sollten.“ (Tomas Pueyo)

    „Würde jemand diese Wirtschaft organisieren, wäre ihm klar, was zu tun ist: alle Arbeit, bei der Menschen in Kontakt kommen, einstellen, sofern nicht erforderlich um den akuten Bedarf der nächsten Monate zu befriedigen. Keiner käme auf die Idee, mitten in einer Pandemie Autos zu produzieren oder gar neue zu entwerfen.
    Dass alle Arbeit für Geld stattfindet und Existenzen wie auch der Erfolg einzelner Unternehmen daran geknüpft sind – dass es also für Firmen, Arbeitnehmer und Selbstständige schnell zum Problem wird, die Arbeit einzustellen –, lässt uns leicht vergessen, wie künstlich die Gleichung von Arbeit und Auskommen doch ist. Stofflich gesehen wären wir natürlich in der Lage, einen extrem großen Teil der aktuell noch laufenden wirtschaftlichen Sozialkontakte einzuschränken – ohne dass irgendwo Knappheit ausbräche. Aber stofflich sehen und denken wir nicht.“ (Paul AK)

  11. 11 Nestor 14. März 2020 um 19:27 Uhr

    @Carola

    Ich verstehe deinen Satz nicht ganz.

    Sogar auf eurem eigenen Blog … wird euch vorbuchstabiert

    Worauf bezieht sich das „sogar“? Von welchem „eigenen Blog“ ist die Rede? Und was meinst du mit „vorbuchstabiert“?

    Was ist mit „Erregtheit der Öffentlichkeit“ gemeint?
    Soll damit gesagt sein, daß die Aufregung dem Anlaß unangemessen ist?
    Also bei uns sperren übermorgen alle Seilbahnen, Lifte und Beherbergungsbetriebe zu.
    Für einen Tourismusort ist das ein ziemlicher Hammer.
    Daß das die Leute beschäftigt und beunruhigt, ist m.E. nachvollziehbar.

    Zu Punkt a) würde ich hinzufügen, daß die Staaten sich nicht nur um ihr Gesundheitswesen, sondern um das Funktionieren ihrer ganzen Gesellschaft Sorgen machten

    Daß das Virus bisher noch nicht in den Griff bekommen worden ist („als unbeherrschte Seuche gilt“), wird wohl so sein.
    Aber warum ist das erwähnenswert?
    Das hat ja inzwischen wirklich jeder mitgekriegt.
    -----

    @Kehrer

    Dass das Virus „außer Kontrolle“ gerät und einen Großteil der Bevölkerung hinwegrafft.

    Außer Kontrolle ist es jetzt bereits, eben wegen => oben.
    Und das heißt, daß man sich nicht drauf verlassen kann, daß es wirklich nur unnütze Pensionisten hinwegrafft, sondern eben jeder gefährdet ist, – auch wenn die Älteren ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben.
    Die Befürchtung ist auch nicht, daß ein „Großteil der Bevölkerung“ draufgehen könnte, aber eben alle betroffen sein können, vom Regierungsmitglied über die Kindergärtnerin bis zum Opa.
    Und daß dann das komplexe System des bürgerlichen Staates zusammenbricht.

  12. 12 Kehrer 14. März 2020 um 19:51 Uhr

    Nach folgendem Artikel ist aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit bei Influenza größer: https://www.lz.de/owl/22719012_Manches-gleich-viel-verschieden-Influenza-und-Coronavirus-im-Vergleich.html

    Aber die Ansteckungsrate scheint bei COvid 19 größer zu sein. Allerdings habe ich keinen Wert der Ansteckungsrate von Influenza gefunden.

  13. 13 Kehrer 14. März 2020 um 20:07 Uhr

    Also ist es eine Schadensabwägung, die die gesellschaftlichen Autoritäten vornehmen. Lieber mäßige Schäden durch abstürzende Kurse, nicht stattfindende Großveranstaltungen, geschlossene Schulen, Gaststätten, Kneipen usw. um damit der Ausbreitungsgeschwindigkeit entgegenzuwirken, als ein unkontrollierter Zusammenbruch des öffentlichen Lebens, bei dem dann gar nichts mehr geht, weil die Leute bloß noch tun, was sie wegen ihrer Not tun müssen. Apotheken, Lebensmittelläden plündern z.B. oder Triage von Patienten usw.

  14. 14 Neoprene 14. März 2020 um 20:37 Uhr

    „Also ist es eine Schadensabwägung, die die gesellschaftlichen Autoritäten vornehmen.“

    Es ist natürlich in solchen Krisenlagen die politische Autorität, sprich die Regierung und nachgeordnete Instanzen, die die Entscheidungen über das weitere Vorgehen treffen. Dabei müssen die gar nicht gleich einen „unkontrollierten Zusammenbruch des öffentlichen Lebens, bei dem dann gar nichts mehr geht“ befürchten und zu vermeiden versuchen. Es reicht doch schon, daß die Regierungen in den meisten Staaten wissen, daß ihr jeweiliges Gesundheitssystem mit einer Pandemie nicht fertig werden kann, jedenfalls wie jetzt bei einem Erreger, den man nicht wirklich behandeln kann und vor dem es keinen Impfschutz gibt, mit dem man die Ausbreitung eindämmen könnte.

  15. 15 Nestor 14. März 2020 um 21:59 Uhr

    China hat halt andere Möglichkeiten, wie das Aus-dem-Boden-Stampfen spezieller Krankenhäuser, und schnelle Verlagerung von Personal aus anderen Regionen. Außerdem haben sie seinerzeit beim SARS sehr viel gelernt, wie man Epidemien eindämmt und behandelt.

    Das wichtigste ist, daß es sich bei China erstens um einen Staat handelt, und 2. einen, wo noch sehr viele Institutionen und Entscheidungsträger staatlich sind und nicht wie in Europa oder den USA privatisiert wurden.

    In der EU sind viele Köche am Werk, die den Brei verderben. Die Maßnahmen werden kaum koordiniert, oder erst im Nachhinein. Regierungen schwanken zwischen Beschwichtigung und Panik.

    Skandinavische Staaten beschuldigen Österreich, zu spät reagiert zu haben, weswegen sich ihre Touristen – über einen Infektionsherd in Ischgl – beim Schivergnügen infiziert haben. Wenn der ganze Zirkus wieder vorbei ist, könnten sich da Schadensersatzforderungen ergeben …

  16. 16 Nestor 14. März 2020 um 22:03 Uhr

    Ganz hilfreich find ich diesen Wikipedia-Artikel zu SARS:

    https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-Pandemie_2002/2003

  17. 17 Nestor 14. März 2020 um 22:05 Uhr

    Bemerkenswert auch, wie wenige Fälle Rußland hat, trotz enger Verbindungen und einer langen Grenze mit China:

    https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1S0vCi3BA-7DOCS13MomK7KebkPsvYl8C&ll=-3.81666561775622e-14%2C9.65159460000001&z=1

  18. 18 Kehrer 14. März 2020 um 23:21 Uhr

    Grenzen kann man überfliegen. Die Länge der Grenze ist weniger wichtig als die Zahl der Grenzübertritte und des Grenzverkehrs. Da kann man jetzt schöne Statistiken anfertigen und Zusammenhänge aufdecken. Es könnte auch sein, dass es einfach ein Verzögerungseffekt ist und die Hotspots irgendwelchen Reiserouten folgen. Afrika und Südamerika ist z.B. auch noch wenig betroffen. Das ist noch zu früh um ein endgültiges Urteil abgeben zu können. https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/

  19. 19 Nestor 14. März 2020 um 23:37 Uhr

    Der ganze asiatische Teil Rußlands ist meiner Erinnerung ein großer chinesischer Markt, also Kontakte nach China gibt es da genug.
    Aber es macht offenbar einen Unterschied, von welcher Region Chinas die Leute kommen. Rußland hat sofort Grenzkontrollen eingeführt, als die Sache in China heiß wurde, und dadurch Ansteckungswege verriegelt.
    Es sind eben Staaten, die von hier aus als autoritär beschimpft werden, für solche Situationen besser vorbereitet.

  20. 20 Kehrer 15. März 2020 um 3:04 Uhr

    Die ganze Welt ist mittlerweile ein großer chinesischer Markt.
    Wenn man mal die obige Karte anschaut, dann ist Wuhan ein ganzes Stück von der Grenze weg und ein Großteil des Grenzgebiets scheint mir nicht dicht besiedelt. Da liegen Wüsten und Berge. In den Grenzregionen sind die Punkte sehr klein. Das und die Grenzschließungen spielen sicher eine Rolle für die langsame Ausbreitung in Russland.

  21. 21 Carola 15. März 2020 um 9:52 Uhr

    a) Rahmenüberlegung
    Das Virus kann (und wird langfristig) jeden infizieren (bei 60-80 % Durchseuchung kommt vmtl. die Epidemie zum Erliegen, aber davon verschwindet das Virus nicht aus der Population), das Virus ist für jeden gefährlich (Lungenentzündung bei 20 % der positiv getesteten; je älter, desto schwererer Verlauf), nur symptomatische Therapie möglich (10 % der positiv getesteten brauchen eine künstliche Beatmung). Die Lungenentzündung hinterlässt einen dauerhaften Schaden der Lunge (Fibrose).

    b) Was das gesellschaftlich bedeutet …
    http://nestormachno.blogsport.de/2020/03/05/nachruf-auf-ernesto-cardenal/#comment-38262

    Auch der Schutz der Gesundheit der Bürger ist nicht primär das, was nun vor allem gestärkt werden müsse. Sondern gestärkt werden sollen die systemischen wirtschaftlichen Stützen dieser Ordnung.

    „Es ist eben das eine nicht ohne das andere zu haben. Deshalb gibt es ja auch ein staatliches Gesundheitssystem.“ (Nestor)

    Genau!

  22. 22 Nestor 15. März 2020 um 12:25 Uhr

    Gibt es eigentlich irgendwelche Erklärungen, warum es nach China ausgerechnet Südkorea, Italien und den Iran so heftig erwischt hat?

  23. 23 Carola 15. März 2020 um 12:43 Uhr

    Der Umgang mit der Pandemie ist in Iran schon besonders:

    11.04 Uhr – Der iranische Präsident Hassan Rohani hat Spekulationen über eine Ausgangssperre im Land wegen der Corona-Krise zurückgewiesen. Es werde auch während der Neujahrsferien vom 20. März bis zum 2. April keine Quarantäne geben, sagte Rohani im Staatsfernsehen. Damit wies er erneut Kritik an seiner Krisenpolitik zurück. Experten und Abgeordnete sind der Meinung, dass es ohne Ausgangssperre zu einer Katastrophe im Iran kommen könnte. Diese Sorgen werden durch die aktuellen Opferzahlen gestützt: Die Zahl der Corona-Toten ist auf 724 gestiegen, die der Infizierten auf knapp 14.000. (DW)

    Den Ausbruch der Pandemie in Iran habe ich nicht verfolgt. Die aktuellen Nachrichten legen aber nicht unbedingt nahe, dass der Charakter der Pandemie dort erkannt worden wäre.

    In den USA war ja die anfängliche Botschaft von Trump, dass es sich hier um ein Wahlkampfmanöver der Demokraten handele.

    Entstanden zu sein scheint die Epidemie bekanntlich in china, und von China aus gibt/gab es entsprechende Kontakte in andere Länder, worin genau die dann nach Südkorea, Italien, Iran bestanden haben, da lässt sich vermuten, dass es dazwischen diverse (Reise-(Beziehungen gab, sowohl touristischer Art, ökonomischer Art, als auch generell durch Migrationsbewegungen von Bevölkerungsgruppen.
    Inzwischen gibt es das Virus ja weltweit, insofern ist diese Chronologie heutzutage nahezu wurscht.

    Was Grippe und Pandemie mit dem Gesundheitswesen in Europa anrichtet, lässt sich in Italien anschauen:
    „Drakonische öffentliche Gesundheitsmaßnahmen im ganzen Land. Ärzte, die Entscheidungen treffen müssen, vor denen kein Doktor jemals stehen sollte. Entscheidungen darüber, wer behandelt wird und wer nicht.“
    https://www.deutschlandfunk.de/coronavirus-europa-ist-nun-das-epizentrum-der-pandemie.740.de.html?dram:article_id=472491

  24. 24 Kehrer 15. März 2020 um 13:44 Uhr

    „Das Virus kann (und wird langfristig) jeden infizieren (bei 60-80 % Durchseuchung kommt vmtl. die Epidemie zum Erliegen, aber davon verschwindet das Virus nicht aus der Population), das Virus ist für jeden gefährlich“ Woher hast du das denn?
    Das würde ja heißen in China sind 60-80% Durchseuchung erreicht, denn dort gibt es nur noch sehr wenige Neuansteckungen. Schaut man auf die oben verlinkte Chinakarte der morgenpost sind die Punkte großteils grün.

    „Sondern gestärkt werden sollen die systemischen wirtschaftlichen Stützen dieser Ordnung.“ Und diese sind genau? das Kapital? der Staat? die Arbeiter? Es ist doch so bei einer Epidemie, dass man zwar bestimmte Sachen mehr schützen will als andere. Das geht aber meistens nicht. Im Mittelalter sind auch die Reichen von Seuchen betroffen gewesen, obwohl sie die besseren Häuser und die bessere Ernährung hatten. Die öffentliche Ordnung soll irgendwie aufrechterhalten werden, bzw. die Gesellschaft soll sich im Krisenmodus reproduzieren können. Staatliche Anordnungen müssen weiterhin durchgesetzt werden können. Das geht aber z.B. nur wenn die Leute genügend zu fressen haben, nicht hilfreich ist auch ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems wegen Überlastung oder verkehrter Organisation. Ist das nicht der Fall, versuchen sie irgendwie an Nahrung zu kommen, d.h. sie verlassen Quarantänegebiete, plündern Geschäfte, Privathäuser usw. Was natürlich die Krankheit weiter verbreitet. Das ist durchaus vergleichbar mit Notstandsmaßnahmen im Krieg.

  25. 25 Carola 15. März 2020 um 16:50 Uhr

    Was Italien betrifft:

    „Bei zwei Touristen aus China war am Donnerstag das Coronavirus festgestellt worden. Sie waren in einem Hotel im Zentrum von Rom untergebracht, unweit des Kolosseums und der Kaiserforen.
    Die beiden waren zuvor in Mailand gelandet und hatten auf ihrem Weg nach Rom einige Zwischenstopps eingelegt, unter anderem in Parma, wie das Portal ‚La Repubblica‘ berichtete. Das Paar aus Wuhan ist nun auf einer Isolierstation in der italienischen Hauptstadt. Zudem wurden in dem Krankenhaus andere Teilnehmer der Reisegruppe und Hotelmitarbeiter untersucht.“
    (Merkur, 31.1.2020)

    Wegen der Herkuft könnte man jetzt noch googeln, welche weiteren Kontakte von China nach Italien es gab.
    ( – Und wieso ist heute Madrid derart stark betroffen?)
    https://www.heise.de/tp/features/Ganz-Spanien-im-merkwuerdigen-Alarmzustand-4683104.html

    Mir scheint, wie beim deutschen Karneval in NRW oder der Auto-Niederlassung in Bayern gibt es schlicht diverse Zu- bzw. Unfälle von Infektionen, die, wenn sie nicht erkannt werden, sich danach dann gigantisch immer weiter ausbreiten können…

    Da steht noch einiges aus. Auch hierzulande. Vermute ich. Ohne Anlass werden sie nämlich die Grenzen zum Süden und Richtung Frankreich nicht dicht machen.
    Und die Meldung, dass dt. Reservisten sich bereit halten sollen, verheißt auch nicht, dass die Sache bald rum ist. (Sondern sie es wie einen nationalen Notstandsfall betrachten.)

  26. 26 NN 15. März 2020 um 17:14 Uhr

    Deutschland schließt Grenzen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz

    Deutschland schottet sich ab: Als Reaktion auf die Corona-Pandemie sollen ab Montag die Grenzen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz geschlossen werden. Ausnahmen soll es für Pendler und den Warenverkehr geben.

    Wie sieht die Zukunft nach dem Ausbruch aus?

    Zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland werden sich mit dem Coronavirus infizieren. Woher kommt diese Zahl? Und wie wird es danach weitergehen? Fragen an den Infektiologen John Ziebuhr.

  27. 27 Neoprene 15. März 2020 um 18:40 Uhr

    “ Corona-Virus: Warum wir nicht zu viel Hoffnung auf eine Sommerpause setzen sollten

    Derzeit stecken die Gesundheitsbehörden und die Politik alle ihre Hoffnung darauf, dass der Sommer uns eine Pause hinsichtlich des Corona-Virus bescheren wird. Ein Blick auf die Zahlen in Australien lässt derzeit aber anderes vermuten.“
    https://www.mobilegeeks.de/news/corona-virus-warum-wir-nicht-zu-viel-hoffnung-auf-eine-sommerpause-setzen-sollten/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+mobilegeeksde+%28Mobilegeeks.de%29

  28. 28 Carola 15. März 2020 um 21:33 Uhr

    Um sich testen zu lassen, darf man stundenlang anstehen – in einer Menschenkette von [und also mit…] weiteren Betroffenen, die spätestens dadurch – zu ‚Verdächtigen‘ – ja erst recht noch werden…

    Oder doch auch gerade nicht …

    https://www.dw.com/de/corona-testen-warum-denn/a-52738095

  29. 29 Kehrer 15. März 2020 um 21:54 Uhr

    Oh je. Das wird ja nicht besonders professionell gehandhabt in den Krankenhäusern. Das mindeste wäre ja, dass man Patienten mit ähnlichen Symptomen wie Corona, vom den restlichen Krankheiten trennt und sofort testet. Warum setzen sich nicht Fachleute zusammen und erarbeiten eine verbindliche, sinnvolle Vorgehensweise in den Krankehäusern.

  30. 30 Neoprene 15. März 2020 um 22:26 Uhr

    „Warum setzen sich nicht Fachleute zusammen und erarbeiten eine verbindliche, sinnvolle Vorgehensweise in den Krankehäusern?“
    Das ist vermutlich eine verbittert rhetorische Frage, denn die Antwort liegt ja auf der Hand: Weil es an den Ressourcen fehlt, solch eine ja nun wirklich naheliegende Vorgehensweise umzusetzen: Es fehlt ja schon an Testkapazitäten und Krankenhauskapazitäten, um sowas zu machen. Also wird allenthalben zu einer Augen zu und durch Politik gegriffen. Mal besonders krass wie in den USA, die bekanntlich so gut wie kein öffentliches Gesundheitswesen haben, oder wie in Großbritannien, wo jeder weiß, daß das NHS jetzt schon seinen Aufgaben kaum mehr nachkommen kann und Johnson passenderweise selbst das Testen auf Corona praktisch hat einstellen lassen.

    Ein Bericht von Huffpost über die US-Situation:

    „U.S. hospitals currently have about 45,000 intensive care unit beds, according to a report from Eric Toner and Richard Waldhorn at the Johns Hopkins University Center for Health Security.
    In a moderate outbreak, about 200,000 Americans would need ICU beds, the report says. And in a severe outbreak, the researchers say, that number would soar to 2.9 million.
    On the one hand, those are total numbers, for the duration of the epidemic. Even under the most dire scenario, it’s unlikely that 2.9 million people would need ICU beds all at once. On the other hand, ICU beds in the U.S. are already pretty full, thanks to the normal crush of patients with influenza and other major medical problems.
    As a result, hospitals are routinely at capacity, forcing backups of patients “boarding” in emergency departments for hours or even days, waiting on the beds there until inpatient slots become available. And that’s before any influx from COVID-19.
    The supplies that matter include devices like ventilators but also more mundane pieces of equipment like masks and gowns.“
    https://www.huffpost.com/entry/coronavirus-outbreak-hospital-icu-masks-shortages_n_5e6521f9c5b6670e72f9b902?guccounter=1&guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cudGhlZ3VhcmRpYW4uY29tL2NvbW1lbnRpc2ZyZWUvMjAyMC9tYXIvMTUvYW1lcmljYS1wdWJsaWMtaGVhbHRoLXN5c3RlbS1jb3JvbmF2aXJ1cy10cnVtcA&guce_referrer_sig=AQAAADr9HN0bjVDiG9bL52kuEuXnJ1X7lrYNdZdKEYdndKhfWgkjnYkzId4I-4HxGQG6vRODQaAC1egsofLScfs_sruWSULNzsePkGf8rbCb76VtXIInwmEbtF9prEtjUn0SWre4wTVswpM6PrFeSoSZc2zMy79wjGdPjEFywWQODft4

  31. 31 Neoprene 15. März 2020 um 22:51 Uhr

    „Italians over 80 ‚will be left to die‘ as country overwhelmed by coronavirus

    Coronavirus victims in Italy will be denied access to intensive care if they are aged 80 or more or in poor health should pressure on beds increase, a document prepared by a crisis management unit in Turin propose.

    Some patients denied intensive care will in effect be left to die, doctors fear.

    The unit has drawn up a protocol, seen by The Telegraph, that will determine which patients receive treatment in intensive care and which do not if there are insufficient spaces. Intensive care capacity is running short in Italy as the coronavirus continues to spread.

    The document, produced by the civil protection deparment of the Piedmont region, one of those hardest hit, says: „The criteria for access to intensive therapy in cases of emergency must include age of less than 80 or a score on the Charlson comorbidity Index [which indicates how many other medical conditions the patient has] of less than 5.“

    The ability of the patient to recover from resuscitation will also be considered.

    One doctor said: „[Who lives and who dies] is decided by age and by the [patient’s] health conditions. This is how it is in a war.“
    https://www.telegraph.co.uk/news/2020/03/14/italians-80-will-left-die-country-overwhelmed-coronavirus/

  32. 32 Kehrer 16. März 2020 um 0:30 Uhr

    „Weil es an den Ressourcen fehlt, solch eine ja nun wirklich naheliegende Vorgehensweise umzusetzen“

    In obigem Fall ist das keine Frage der Resourcen, sondern ein Frage der Organisation. In einem Krankenhaus gibt es ja einige Zimmer. Und die muss man eben richtig einteilen. z.B. einen Teil für Coronakranke, einen Teil mit möglicher Coronasymptomatik, die getestet werden müssen und einen Teil für den Rest. Was aber doch gar nicht geht ist Leute mit Grippe oder ungeklärten Coronasymptomen mit anderen Patienten zu mischen. Das widerspricht nicht nur medizinischem Sachverstand, sondern dem gesunden Menschenverstand.

    Wenn Testkapazitäten fehlen muss die Regierung eben irgendwelche Medizin-Firmen zwangsverpflichten die dazu notwendigen Ressourcen massenhaft bereitzustellen. Das ist doch das A und O einer Regierung im Krisenmodus. Feststellen wo fehlt es und den Mangel dann mit der ganzen Macht des Staates zu beheben versuchen.

  33. 33 Gustavo 16. März 2020 um 5:45 Uhr

    Der böse Virus und die guten Krisenmanager
     
    Greta Thunberg: „I want you to panic“
     
    Prolog:
    Diese Ansage, beinahe ein Hilferuf (weil es 5 nach 12 ist)von Greta vor etwa einem Jahr öffentlich geäußert, hat nicht nur nichts gebracht, sondern die Politiker haben darin eine Argumentationsfolie entdeckt, den naiven Schülern mal den Weg zu weisen.
    Alles gut und schön oder besser schlecht mit dem Klimawandel, den Folgen daraus wie Tod und Elend und sonst noch alles Mögliche, aber wie würde es dann, würde man den Schülern folgen, um die Realität stehen. Und was ist diese, die Realität?Das Pi OP sind die Unternehmen mit ihren Gewinnkalkulationen und die müssen sein, sonst ist alles aus. Übersetzt wird das in Arbeitsplätze.
     
    Vermeintliche Sachzwänge:
    Auffällig ist, dass, was eben noch völlig unmöglich war, mit erstaunlichem Tempo durchgeführt und die Wirtschaft quasi und fast lahm gelegt wird.
     
    Schluss daraus: Die Sachzwänge der Wirtschaft, die den eifrigen Schülern immer entgegen gehalten wurden, sind ihrerseits einfach ein Mittel politischer Kalkulationen, die jetzt wie zu besichtigen auch mal rasch außer Kraft gesetzt werden können.
     
    Alternative Einschätzungen zum Virus:
    Nun soll hier nicht der Corona Virus mit seinen möglichen Folgen kleingeredet werden, aber es gibt namhafte Stimmen, Forscher, Immunolgen mit Weltruf, die erschüttert sind und vieles von dem, was wir erleben – täglich steigernd – für eine sachfremde Panikmache halten.
     
    Der St. Gallener Chefarzt für Immunolgie Pietro Vernazza:
    „Dieses Virus ist auch nicht gefährlicher als herkömmliche Grippeviren“ (1)
     
     
    Interviewer: Das heisst, dieses Coronavirus ist harmlos?
    Vernazza:In den allermeisten Fällen verläuft die Infektion mild, die Erkrankten leiden an Schnupfen und/oder Husten. Eine Todesfolge ist genauso selten wie bei einer saisonalen Grippe – eine von tausend Personen stirbt, jährlich sind dies in der Schweiz 500 bis 1000 Todesfälle. 
    Interviewer: Das Virus ist neu. Wie schwierig ist es, die Lage einzuschätzen?
    Vernazza: Wir kennen das Coronavirus seit Jahren. Jetzt ist ein neues Coronavirus dazugekommen. Nach allem was wir bis jetzt wissen, handelt es sich um ein ganz normales Coronavirus, das sich wie eine saisonale Erkältung oder Grippe verhält. 

    Panikartige Maßnahmen sind nach Ansicht von dem obigen folgend für Prof. Vernazza alles andere als angezeigt.
     
    Die WHO übrigens empfiehlt gerade nicht die Schließung von Schulen und Kindergärten.

    Die Virologin Melanie Brinkmann
    Brinkmann: Wir leben ja nicht auf einer Insel in Deutschland. Wir können uns hier nicht abschotten. Sprich, was passieren wird, ist theoretisch das, was in China jetzt passiert ist. Die haben alles dicht gemacht, das Leben sozusagen eingestellt, wirklich drastische Maßnahmen getroffen – und das hat ja auch tatsächlich Erfolg gezeigt. Das ist ja schon mal eine gute Nachricht. Aber wenn man jetzt die Maßnahmen dort wieder lockert, dann wird man beobachten, das würde ich jetzt mal spekulieren, dass auch da die Fallzahlen wieder hochgehen, denn das Virus ist ja nicht weg, das ist immer noch da. In Deutschland wird es immer wieder von draußen dann, selbst wenn wir es hier drinnen komplett unterbrechen können, es wird immer wieder reinkommen. Wir können ja nicht jetzt auf ewig unsere Grenzen schließen, das ist unmöglich.
     
    „Flatting the curve“ und „Herdenimmunität“ sind die zentralen Fachbegriffe, um die es momentan wohl geht. Brinkmann weist ja daraufhin, dass ohne Herdenimmunität und das heißt eine großflächige Verbreitung, die Sache nicht zu stoppen ist. Das Abflachen einer übergroßen Ansteckung gleichzeitig und auf der anderen Seite erst wenn die Herde zu 60% – 70 % mit dem Virus in Kontakt getreten ist, 98 % ohne Krankheitssymptome ist von einer nicht weiter Verbreitung auszugehen. Das heißt allerdings auch eben, dass 60 -70 % diesen Virus bekommen (müssen), was keineswegs zu einem Ausbruch der Krankheit führen muss, mit Todesfolgeeher etwa im Bereich von max 2% nach Schätzungen der Fachleute liegen dürfte.
     

     Varianten des Umgangs
    Bemerkenswert ist also, dass im Vergleich zu anderen Bedrohungen mit potentieller Todesfolge, hier sehr radikal zu Werke gegangen wird.
    Es wäre vermutlich durch diverse Maßnahmen möglich,
    die jährlich anfallenden 25000 Grippetoten, die jährlich anfallenden 80 000 Thrombosetoten (worüber die S 3 Richtlinie Auskunft gibt) mindestens um jeweils die Hälfte zu reduzieren.
     
    Offenbar werden diese aber als Sockelzahlen behandelt, die halt so sind, auch nicht plötzlich ansteigen, also etwa wie ein unabänderbares Naturereignis verhandelt werden, was sie allerdings nicht sind.
     
    Andere  Tote, die sich einstellen, durch Atomkraft, Umweltverseuchung, Dieselemissionen, Verkrebsung durch Glyphosat und ähnliche unschöne Fälle, sind gewissermaßen die Kollateralschäden einer Profitwirtschaft.

    Was ist der Unterschied zur Bedrohung durch den Corona Virus? Es sind deren zwei:
    Es ist zum einen die Frage, in welchem Verhältnis stehen die Toten zum Geschäft. VW einzuschränken würde ggf. deren Profit schmälern. So gesehen sind Tote zwar nicht gewünscht, aber ein Nebenfolge für die Priorität Gewinn. Das Gleiche gilt für die anderen, oben genannten Fälle.
    Die Toten eines Krieges, welcher immer das auch sei , sind wiederum die Begleitmusik des Kriegshandwerkes, das als unabdingbar gelegentlich gesetzt ist

    Der Coronavurus kann nun aber keinen außer ihm liegenden Zweck aufweisen und bestellt wurde er auch nicht. Das ist mehr als ärgerlich – entzieht sich einer politischen oder wirtschaftlichen Kalkulation, zu der er ins Verhältnis gesetzt werden könnte.

    Nun kommt zweitens verschärfend hinzu:
    Während man die Grippetoten und andere als Sockel mit einkalkuliert hat, die halt so hoch sind, wie sie sind, weiß man bei den bisher noch im Verhältnis dazu noch lächerlich geringen Corona Toten nicht, ob die sich nicht exponentiell nach oben bewegen und ungefragt und nicht mitbedacht und schon nicht bestellt fürchterliche Einschläge in die eigene Kalkulationsmasse Volk verursachen. Sozusagen als Eigenleben, als Konkurrenz Veranstaltung namens Corona des Volksfeindes Corona. Dieses wird jedenfalls vertreten, auch wenn einige Virologen wie Prof. Vernazza davon ausgehen, dass Corona parallel verläuft wie eine klassische Influenza.

    Menschen retten als vornehmste Aufgabe:
    Auf jeden Fall positioniert sich die Riege der Politiker als unerschütterliche Helfer, die all das machen, was angebliche Sachzwänge normalerweise strengstens verbieten – und alles zur Pflege und Rettung ihrer Bürger.

    Es sind diejenigen, die die Festung Europa in grausamer Weise wahr werden lassen, wie man an den Bildern zur türkisch-griechischen Grenze sehen kann. Dass das erbärmliche Leben dieser armen Flüchtlinge ein Nährboden für die Verbreitung des Corona Virus darstellt, sei nur am Rande erwähnt.

    Dass das Krankenhauspersonal und überhaupt die Ärzteschaft an dem Rande ihrer physischen und psychischen Leistungskraft gelangt, soll man laut Gesundheitsminister Spahn jetzt der Krise zuschreiben. Und er bittet um besonderen Einsatz in dieser besonderen Situation.
    Dass die Privatisierung der Krankenhäuser in beachtlichen Umfang durch Rationaliserung , also Einsparung des Personals, die Gewinnmargen nach oben geschraubt hat, wird jetzt als Wirkung des altbösen Feindes Corona verkauft. Und  als Umgang damit werden soldatische Tugenden erbeten, wenn nicht gar eingefordert.

    Greta Thunberg: „I want you in panic“, ist gescheitert. Ihre Zwecke wurden für nicht Wert befunden.
    Die Politiker sind nicht gescheitert, im Gegenteil: Sie setzen die unabdingbaren Sachzwänge von gestern radikal außer Kraft. Im Namen des Corona Virus scheint die Ideologie von der Rettung von Leben und Mensch als oberste Maxime Plausibilität zu gewinnen.
    Sekundärliteratur
    1. 27.1.2020, FM1 Today, von Angela Müller
    2. DEUTSCHLANDFUNK, 15.03

  34. 34 Carola 16. März 2020 um 9:28 Uhr

    Die diversen kapitalismuskritischen Argumente sind ja gut und schön.

    1.) Ziemlich verunglückt ist aber der Bezug zu FFF. Als sei (erwiesen durch die Pandemie?) FFF ‚gescheitert‘, was sowieso ein selber kritikwürdiges Argument deswegen ist, weil es mit dem (ausbleibendem) Erfolg argumentiert.

    2.) Dass sie mit einer Verharmlosung des Virus zusammengestellt werden („vieles von dem, was wir erleben – täglich steigernd – für eine sachfremde Panikmache halten“) – das ist mehr als ärgerlich. Stattdessen sei nur an die Fallzahlen erinnert:

    „Update vom 15. März, 18.44 Uhr: Italien ist besonders hart von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Am Sonntag meldet das Land 368 weitere Todesfälle durch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2. Es ist der höchste Anstieg innerhalb eines Tages seit Beginn der Zählungen. Damit seien in Italien inzwischen 1809 Menschen an der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte der Zivilschutz in Rom mit.
    Die Gesamtzahl der Coronavirus-Infektionen stieg den Angaben zufolge [in Italien] auf knapp 25.000, das waren 3509 Fälle mehr als am Vortag. Die am schlimmsten betroffene Region ist die Lombardei im Norden des Landes: Dort starben 1218 Menschen, 13.272 Patienten sind nach Angaben der Behörden infiziert. (…)
    Update, 16.39 Uhr: Spanische Behörden melden 105 neue Todesfälle binnen 24 Stunden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP (Stand: 16. März, 15.13 Uhr). Landesweit gab es damit mehr als 7750 Infektionsfälle. Nach Italien sind Spanien, Frankreich und Deutschland in Europa am stärksten betroffen.“
    https://www.merkur.de/welt/coronavirus-frankreich-spanien-mallorca-todesfall-polen-tschechien-belgien-zahlen-europa-infizierte-news-zr-13595709.html

    … Und bekanntermaßen stehen wir gerade erst am Ausbruch der Epidemie – jedenfalls hier in D. Und bekanntermaßen soll / kann ja auch nur die Entwicklung „verlangsamt“ werden.

    ---

    „Einen Infektionsschub brachten [in Dänemark] jedoch keine Ausländer, sondern eine Gruppe dänischer Skitouristen, die in dem Tiroler Skiort Ischgl ausgiebig gefeiert haben sollen. Der Ort steht heute unter Quarantäne. Nach Angaben der Zeitung Jyllands Posten sollen 139 dänische Corona-Betroffene die Krankheit im Februar aus den Skiferien in Österreich nach Dänemark gebracht haben. Sie seien für die rasche Ausbreitung des Virus und die Abriegelung des Landes verantwortlich.“
    Das schreit anscheinend (‚vrantwortlich‘…) ja schon nach staatlicher Bestrafung solcher Verantwortungslosen – ausgerechnet sei das die reisefreudige Mittelschicht ….

  35. 35 Neoprene 16. März 2020 um 12:36 Uhr

    „Eine Todesfolge ist genauso selten wie bei einer saisonalen Grippe“ Und woher weiß dieser Schlaumeier das jetzt schon??

    Ein neuer Covid-19-Tracker bei Bing (sicherlich nicht so gut wie Johns Hopkins, wieso eigentlich ausgerechnet die?) hat heute morgen folgende Zahlen gehabt (weltweit): 77,776 Geheilte bei 6,658 Gestorbenen. Das ist für mich keine beruhigende Quote. Wenn es nicht gelingt, die schnelle Ausbreitung dieses neuen Virus zu verhindern und mehr oder weniger schnell dann „alle“ davon angesteckt werden würden, dann kann man in jedem größeren europäischen Staat mit weit über 100.000 Toten rechnen, wenn es schlecht geht auch noch viel mehr (Solche Schätzungen kann man ja von Epipemiologen aus der BRD, aus Italien oder GB hören). Das ist nicht mehr in der Größenordnung der „normalen“ Influenzawellen, wo zuletzt in Deutschland geschätzte 20 bis 25.000 Menschen gestorben sind 2017/2018

  36. 36 NN 16. März 2020 um 15:04 Uhr

    Blankoscheck aus Berlin
    Angst des Finanzkapitals
    Von Lucas Zeise

    Unter dem Druck des Aktienmarkts hat die deutsche Regierung die bisher gültige Austeritätspolitik für die EU-Staaten beendet. Wir verdanken das dem Coronavirus, das aktuell die Menschheit befallen hat und durch das ihr neben sonstigem Ungemach auch eine Wirtschaftskrise droht. Denn die Gewinne der Groß- und Kleinunternehmen werden nicht mehr im üblichen Tempo steigen, vielleicht sogar sinken. Kein Wunder also, dass die Preise für Aktien nicht mehr, wie jüngst üblich, steigen, sondern fallen. Aber gleich um 40 Prozent, wie an den Börsen Amerikas, Asiens und Europas geschehen?

    Die Seuche könnte Produktion und Nachfrage vielleicht zwei, im schlimmeren Fall sogar drei Quartale beeinträchtigen. Solange herrscht dann Rezession, und das Wachstum des Jahres 2020 dürfte um bis zu einem Prozentpunkt niedriger ausfallen als bisher angenommen. So ungefähr sehen die Erwartungen der Volkswirte aus. Die veröffentlichten Prognosen sind, um die Bürger nicht zu erschrecken, noch milder formuliert. Wie aber passt nur ein Punkt Wachstumsverlust mit 40 Prozent Verlust bei den Aktien zusammen?

    Teil eins der Antwort ist einfach. Die Aktienkurse waren in den vergangenen elf Jahren so stark gestiegen, dass ein größerer Rückschlag fällig war. Zweitens aber besteht die berechtigte Furcht, dass die eigentlich kleine, durch das Coronavirus induzierte Rezession das weit überdehnte Finanzsystem kollabieren lassen könnte. Das ist nicht nur die Erwartung von Spinnern, Kapitalismuskritikern oder junge Welt-Schreibern, sondern auch die von Bankern, weitsichtigen Kapitalisten und Spekulanten.

    Als vor zehn Tagen der Aktienmarkt hektisch zu werden begann, als die US-Notenbank Fed mit einer außerordentlichen Zinssenkung den sonst so folgsamen Markt nur einen halben Handelstag beeindruckte, als eine Woche später die Fed und die Europäische Zentralbank mit in Aussicht gestellten neuen Billionenkrediten die Angst nicht beseitigen konnten, merkten die Politiker, dass sie zur Rettung ihrer Volkswirtschaften nicht nur gute Benimmregeln ans Volk, an Ärzte, Pflegekräfte und Landräte verteilen, sondern auch ihren jeweils heimischen Industriekapitalisten gewaltige Stützen für Existenz und Profitabilität zukommen lassen »mussten«.

    Und Deutschland handelte: Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellten am vergangenen Freitag dem heimischen Kapital Hilfen »ohne Begrenzung« in Aussicht. »Regierung stellt Blankoscheck aus«, titelte die FAZ. »Es wird nicht gekleckert, es wird geklotzt«, sagte der jeder Übertreibung unverdächtige Scholz. Im Bundeshaushalt werde ein Garantierahmen von etwa 500 Milliarden Euro eingestellt – also sogar mehr als im legendären Bankenrettungspaket von 2008. Ob dieses Opfer Berlins die Angst des Finanzkapitals effektiv mildert, ist wahrscheinlich, aber noch offen.

    Hoffen auf Rentner
    Coronapandemie: Bündnis warnt vor Engpässen bei Versorgung. Bund setzt Untergrenze für Pflegepersonal aus
    Von Susan Bonath

    Überlange Schichten, chronischer Personalnotstand, kaum Zeit für Patienten, miese Bezahlung: So beschrieben Pflegekräfte aus sachsen-anhaltischen Kliniken des Krankenhauskonzerns Ameos im Januar während ihres Streiks gegenüber jW ihre Arbeitsbedingungen. Damals war von der Coronapandemie noch keine Rede, und derlei Zustände herrschen nicht nur bei Ameos. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versicherte vollmundig, das Gesundheitssystem sei auf die neuen Herausforderungen gut vorbereitet. »Das ist eine krasse Fehldiagnose«, hält ihm das gesellschaftliche Aktionsbündnis »Krankenhaus statt Fabrik« entgegen. Am Donnerstag forderte es, »unsere Krankenhäuser endlich wieder funktionsfähig zu machen für eine Daseinsvorsorge ohne jede Einschränkung«.

    Das Bündnis, in dem unter anderem Ärzte, Pflegekräfte, Gewerkschafter und Politiker seit Mai 2015 organisiert sind, sieht das Grundproblem vor allem in der Unterwerfung des Gesundheitssystems unter den Profit. »Unsere Krankenhäuser sind auf ökonomische Effizienz getrimmt«, rügt es in seiner Mitteilung. Das bedeute: Über Fallpauschalen würden nur erbrachte Leistungen, nicht aber das Vorhalten von Betten und Therapiekapazitäten für den Notfall finanziert. In der Folge sperrten Krankenhäuser auch auf Intensivstationen ihre Plätze und »sparten« an Personal. »Schon ohne den Andrang von zusätzlichen Covid-19-Erkrankten« stehen »nicht genügend Pflegekräfte zur Verfügung«, konstatiert das Bündnis.

    In den vergangenen Jahren sei das System deshalb bereits enorm geschrumpft worden. Bilanzen ersetzten Planungen nach Versorgungsaspekten. Insolvente und defizitäre Kliniken machten unprofitable Abteilungen dicht oder würden komplett geschlossen. »So ist schon heute die Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Kinderkliniken und Geburtshilfeabteilungen nicht mehr ausreichend gewährleistet«, betonen die Autoren. Sie prognostizierten: Die Coronapandemie werde die Unterversorgung vor allem auf dem Land »dramatisch verschärfen«.

    Spahns Ministerium reagierte auf seine Weise: Am 4. März lobte der Minister laut einem Reuters-Bericht zunächst, dass Deutschland gut gewappnet sei. Daran glaubt er offenbar selbst nicht. Denn zugleich verkündete er die Aussetzung der erst seit Januar geltenden Personaluntergrenze in bestimmten Bereichen wie der Pflege. »Die Kliniken müssen bei der Personalplanung flexibel auf die Ausbreitung des Coronavirus reagieren können«, begründete Spahn die Entscheidung. Dies demonstriere sehr gut den Widerspruch, so das Bündnis »Krankenhaus statt Fabrik«: Wegen fehlenden Fachpersonals würden Betten gesperrt, »wenn die Patientenzahlen aber in einer Notsituation (…) steigen, werden diese Missstände nicht nur wieder geduldet, sondern weiter verschärft.«

    Am Donnerstag abend fassten die Kabinettschefs der Länder Medienberichten zufolge bei einem Treffen im Bundeskanzleramt einen folgenschweren Entschluss: Ab dem heutigen Montag sollen Krankenhäuser alle Eingriffe, bei denen das medizinisch vertretbar ist, bis auf weiteres aussetzen, um Platz für durch das Coronavirus schwer Erkrankte, die beatmet werden müssten, auf den entsprechenden Intensivstationen zu schaffen. Spahn versprach, »die wirtschaftlichen Folgen zu kompensieren«. Darüber hinaus appellierte er laut einer AFP-Meldung von Freitag an die Kliniken, Studenten und verrentete bzw. pensionierte Pflegekräfte und Ärzte zu rekrutieren und gegebenenfalls im Crashkurs auszubilden.

    Das Bündnis »Krankenhaus statt Fabrik« fordert ein komplettes Umdenken. Die medizinische Behandlung sei Daseinsvorsorge. »Daher müssen Kliniken da demokratisch geplant und betrieben werden, wo sie für die qualitativ gleichwertige Versorgung gebraucht werden«, so das Bündnis. Das bedeute, dass die Häuser keine Gewinne machen dürften und Verluste auszugleichen seien. Eine angemessene Personalausstattung sei »eine elementare Voraussetzung (…) und keine Schönwettermaßnahme, die bei (…) Sturm wieder kassiert werden kann«.

    Streit um zu entwickelnden Impfstoff
    Bericht: USA versuchen, BRD-Medizinfirma als exklusiven Lieferanten zu gewinnen

    Zwischen Deutschland und den USA gibt es einem Bericht der Welt am Sonntag zufolge Auseinandersetzungen um ein Tübinger Unternehmen, das an einem Impfstoff gegen das Coronavirus arbeitet. US-Präsident Donald Trump versuche, deutsche Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Nordamerika zu locken oder das Medikament exklusiv für sein Land zu sichern, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin.

    Der US-Präsident biete der Firma Curevac demnach angeblich einen hohen Betrag, um sich deren Arbeit exklusiv zu sichern. Trump tue alles, um einen Impfstoff für die USA zu bekommen. »Aber eben nur für die USA«, heißt es laut Zeitung dazu in der Bundesregierung.

    Das Bundesgesundheitsministerium verwies auf dpa-Anfrage auf Äußerungen, die ein Ministeriumssprecher zuvor bereits gegenüber der Welt am Sonntag gemacht habe. »Die Bundesregierung ist sehr daran interessiert, dass Impf- und Wirkstoffe gegen das neuartige Coronavirus auch in Deutschland und in Europa entwickelt werden«, zitierte die Zeitung den Sprecher. »Diesbezüglich ist die Regierung in intensivem Austausch mit der Firma.« Deutschland, so die Zeitung, versuche, das Unternehmen mit finanziellen Angeboten zu halten. Curevac arbeitet dem Bericht zufolge gemeinsam mit dem staatlichen Paul-Ehrlich-Institut an der Herstellung einer Vakzine gegen das Virus.

    Nach einem Bericht des Mannheimer Morgens (Montagausgabe) komme ein Exklusivvertrag für das Pharmaunternehmen nicht in Frage. »Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten«, sagte der Geschäftsführer und Mitbegründer des Corevac-Hauptinvestors »dievini Hopp BioTech Holding«, Christof Hettich, der Zeitung. Der SAP-Mitbegründer und Fußballsponsor Dietmar Hopp und der Unternehmer Friedrich von Bohlen gehören demnach ebenfalls zu den Gründern und Geschäftsführern. Hopp halte an dem Unternehmen, den Mitarbeitern und auch dem Hauptstandort in Tübingen fest, sagte Hettich weiter. (dpa/jW)

    Corona kriegt Kontra
    Covid-19-Pandemie: Hilfsgüter und Experten aus der VR China in Italien eingetroffen. BRD geht nationalen Sonderweg
    Von Jörg Kronauer

    China weitet seine Hilfsmaßnahmen für besonders schwer von der Covid-19-Pandemie betroffene Länder aus. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag traf auf dem Flughafen Rom-Fiumicino ein neunköpfiges Expertenteam aus der Volksrepublik ein, um Italien im Kampf gegen das Virus zur Seite zu stehen. Mit an Bord des Airbus »A350« von China Eastern waren 31 Tonnen medizinisches Material, darunter vor allem Schutzkleidung und Intensivpflegeausstattung. Schon am Mittwoch war ein Flugzeug mit Hilfsgütern aus der ostchinesischen Provinz Zhejiang nach Italien aufgebrochen. Die Maßnahmen folgen einer entsprechenden Vereinbarung zwischen Chinas Außenminister Wang Yi und seinem italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio. Wang sagte dazu, Beijing wolle sich mit den Hilfsmaßnahmen für die »wertvolle Unterstützung« aus Rom während der schlimmsten Phase der Epidemie in China bedanken.

    Italien ist bereits das dritte Land, in das Beijing ein Team von Medizinern und weiteren Experten zur Bekämpfung der Pandemie entsendet. Zuvor waren chinesische Spezialisten bereits im Iran und im Irak eingetroffen. Chinesische Hilfslieferungen, vor allem Gesichtsmasken und weitere Schutzkleidung, aber auch Testkits, sind mittlerweile ebenfalls in mehrere Länder geflogen worden, darunter neben Iran und Irak auch Südkorea und Japan. Eingebunden in die Aktivitäten sind neben offiziellen Stellen auch Stiftungen – die Alibaba Foundation und die Jack Ma Foundation. Die Hilfsmaßnahmen für Italien haben dabei freilich eine besondere Bedeutung. Mit ihnen springt Beijing nicht nur einem Land Europas zur Seite – des Kontinents, der China einst zu kolonisieren versuchte und dessen Selbstverständnis es bis heute nicht entspricht, auf chinesische Hilfe angewiesen zu sein. Die Unterstützung aus der Volksrepublik trifft zudem ein, nachdem andere EU-Staaten, nicht zuletzt Deutschland, mit einem Exportverbot etwa für Atemschutzmasken die üblichen Phrasen von angeblicher Solidarität in der Union als inhaltsloses Gerede entlarvt hatten.

    Unterdessen schnellen in Europa nicht nur die Zahlen der Covid-19-Ansteckungs- und -Todesfälle in die Höhe und überschritten am Donnerstag jeweils deutlich die Schwelle von einem Drittel der chinesischen Fälle – dies bei rasant weiter steigender Tendenz. Auch die wirtschaftlichen Folgen treten immer klarer zutage. Weltweit sind längst nicht mehr nur die Tourismus- und die Verkehrsbranche sowie die Gastronomie schwer betroffen. Risse in den globalen Lieferketten aufgrund von Produktionsausfällen in China machen sich in zahlreichen Branchen weltweit ebenso bemerkbar wie eine krasse Unterbesetzung der Belegschaften in Betrieben, weil Lohnabhängige erkrankt sind, sich in Quarantäne begeben haben oder nach Schulschließungen ihre Kinder betreuen. Nach ihrem dritten Kollaps binnen nur drei Wochen am Donnerstag fingen sich die Börsenkurse gestern zunächst wieder. Stabil sind sie freilich trotz umgehender Zinssenkungen mehrerer Notenbanken und anderer Stützungsmaßnahmen seitens der EZB nicht: Wirkliche Abhilfe kann nur, darauf wies unter anderem Jens Weidmann hin, der Präsident der Bundesbank, »die Eindämmung der Epidemie« schaffen. Die ist – jedenfalls im alten Westen – nicht in Sicht. Dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ­gestern unbeschadet der Ankündigung milliardenschwerer Hilfsprogramme durch die Bundesregierung selbst Verstaatlichungen »in hochsensiblen Bereichen« nicht ausschließen wollte, spricht Bände.

    Europäische Solidarität ist nur Märchen: Covid-19 reißt die Masken herunter – Vucic

    Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat das EU-Verbot auf Exporte von Medikamenten und medizinischen Einrichtungen wegen des neuartigen Coronavirus kritisiert. Dieser Schritt zeigt ihm zufolge, dass es keine europäische Solidarität gibt, wenn diese kein Geld bringt. Serbien setzt nun auf China.

  37. 37 Nestor 16. März 2020 um 16:11 Uhr

    Bitte nicht doppelt posten, das verursacht mir Arbeit.

    Schau, schau, was alles möglich wird:

    Mietzahlung kann wegen Coronavirus wohl vielfach ausgesetzt werden

    Die Corona-Krise dürfte dazu berechtigen, bei Ausfällen die Miete anzupassen oder auszusetzen. Allerdings müssen dabei einige Faktoren berücksichtigt werden

    https://www.derstandard.at/story/2000115802556/mietzahlung-kann-wegen-coronavirus-wohl-vielfach-ausgesetzt-werden

  38. 38 Kehrer 16. März 2020 um 16:30 Uhr

    Wir lernen also, dass der Götze (bzw. reale Gott) des Kapitalismus, das Wachstum, auf sehr tönernen Füßen steht, wenn es durch ein Virus zu Fall gebracht werden kann. Einerseits. Andererseits ist es aber so, dass das Kommunisten gar nichts nützt, solange der Wille an dieser Produktionsweise festzuhalten weiter besteht. Dann gibt es eben Not – und ob wenigstens kapitalismusimmanent vernünftige Schlussfolgerungen (z.B. Rückverstaatlichung des gesamten Gesundheitswesens) gezogen werden, ist sehr die Frage. Zu einem Paradigmenwechsel könnte Corona schon führen.

    Eben war ich einkaufen. In allen Discountern im Ort, in denen ich war, war Klopapier ausverkauft. Küchentücher bei manchen noch da. Mehl teilweise ausverkauft, Brotbackmischungen komplett ausverkauft. Nudeln zur Hälfte ausverkauft. Reis noch vorhanden. Ich nehme an, das ist in ganz Deutschland ähnlich.

    Erklärt mal, warum es kein Toilettenpapier mehr gibt, denn das ist ja nicht lebensnotwendig. Nebenbei habe ich mitgekriegt, dass anscheinend heute morgen noch zwei Paletten vorhanden waren. Also innerhalb von ein paar Stunden alles weg. Erklärt das mal. Mal sehen, ob ihr auf die gleiche Lösung kommt.

  39. 39 Gustavo 16. März 2020 um 17:10 Uhr

    Für das Horten von Klopapier sehe ich keinen spezifischen Grund. Es ist gelebte Panik, die sich auch genau so gut auf
    Shampoo oder Butter beziehen könnte.

    Entscheidend scheint mir die Panikmache der Politik, die einen fürchterlichen Einbruch der Wirtschaft befürchtet.
    Die Nachrichten gehen in der Regel nicht zufällig so, 1. der DAX ist auf 9000 Punkte abgestürzt. Nicht an Nummer 1 sind die neuerlichen Toten.

    Die Bürger übersetzen nun diese anders motivierte Panik in Panik in ihrer kleinen Welt und Hamstern.
    Dazu bekommen die dann erzählt, das sei irrational. Aha, auf einmal.
    Natürlich ist es das, aber da muss man aus der Spahn‘schen Agitation raustreten.
    Besondere Bilder der Irrationalität sind dann, wenn diametral entgegengesetzte Zwecke sich ins Gehege kommen
    Der Mundschutz bringt im
    Alltag angeblich nichts? den Chirurgen, die sie dringend brauchen, gehen sie

  40. 40 Nestor 16. März 2020 um 17:34 Uhr

    Habe gerade mit meinem Nachbarn geredet, dessen Freundin sich nicht testen lassen konnte, obwohl sie bei der Hotline angerufen hat.
    Die Hotline ist offenbar eine Beschwichtigungs-Institution.

    Das mit den Tests ist eigenartig.
    Wenn schon das halbe Land oder noch mehr heruntergefahren wird, so sollten doch als erstes alle Leute, die in Pflegeinstitutionen, Altersheimen oder Lebensmittelgeschäften arbeiten, getestet werden, damit das ganze irgendwie sinnvoll ist.

  41. 41 Neoprene 16. März 2020 um 17:42 Uhr

    Gibt es denn in Östereich überhaupt genügend Test-Kits und Laborkapazitäten, um die Tests dann auch auswerten zu können? Mancherorts wurde ja deshalb entschieden, nicht zu testen, weil man es konsequent auch gar nicht hätte durchhalten können, wir sind hier in Europa schließlich nicht in China oder Korea.

  42. 42 Nestor 16. März 2020 um 17:56 Uhr

    @Neoprene

    Anscheinend nicht.
    Aber daran wäre zu arbeiten, wenn schon alles lahmgelegt wird. Im Sinne von: Das Wichtigste zuerst.

    @Putinkrise

    Was ist dann das für eine Nonsens-Debatte?

  43. 43 Neoprene 16. März 2020 um 18:17 Uhr

    Woran zu arbeiten „wäre“, ist immer so eine zweischneidige Sache: In dieser Welt, in der buchstäblich das gesamte gesellschaftliche Leben davon abhängt, daß die Wirtschaft keinen „Schnupfen“ oder Schlimmeres bekommt, ist den Politikern die Frage, wie kann man die Bevölkerung vor einer anstehenden Erkrankungswelle und den vielen Todesfällen bei den Risikogruppen schützen offensichtlich nicht „das Wichtigste“, denen geht es um das Überleben der Wirtschaft mit ihren Gewinnerzielungsmöglichkeiten. In einer Gesellschaft, wo das nicht der herrschende Zweck wäre, würde sowohl die Organisation der Wirtschaft als auch des Gesundheitswesens ganz anders aussehen als jetzt und wäre auch ein ganz anderer Umgang mit einer unerwarteten neuen unheilbaren Krankheit eine andere. Da würden z.B. die Leitungsorgane natürlich nicht nur Opernhäuser schnell schließen sondern auch „unwichtige“ Betriebe. Da würde sofort die Produktion von allem, was es zum Schutz der Menschen vor Ansteckung braucht, hochgefahren und daran gemessen Unwichtiges stillgelegt werden. Da würden die Lebensmöglichkeiten, der Konsum der Menschen nicht davon abhängen, daß ihre jeweilige wirtschaftliche Existenz als Lohnarbeiter oder kleiner Selbstständiger auch weiterhin gewinnbringend durch läuft. Man würde also viel schneller Leute nach Hause schicken, um Ansteckungen zu vermeiden.

  44. 44 Carola 16. März 2020 um 18:53 Uhr

    Ich setze mal neoprenes Gemälde fort:

    Den Leuten wäre es in einer vernünftigen Gesellschaft selbstverständlich, nach rationellen Kriterien ihre Welt anzugucken (und nicht ihrerseits z.B. in panische Toilettenpapier-Käufe, und sei es wegen Kontrollwahns, zu verfallen, nur weil irgendein Blödmann irgendwelche superwichtigen „Überlebenslisten“ ins Netz gestellt hat).

  45. 45 Kehrer 16. März 2020 um 19:05 Uhr

    „Für das Horten von Klopapier sehe ich keinen spezifischen Grund. Es ist gelebte Panik, die sich auch genau so gut auf Shampoo oder Butter beziehen könnte.“

    Aber irgendwie passt das doch nicht zusammen. Was soll denn Klopapier besser machen? Klar es ist unangenehm, wenn man sich was anderes überlegen muss. Aber lebensnotwendig ist es nicht. Da kann ich Mehl und Nudeln noch eher nachvollziehen.

    „Nein, Klopapier heißt Kontrolle und Sicherheit. Wer im Großen (Gesellschaft) nichts bewirken kann, kann sich hier Herr seines Schicksals fühlen“

    Ja, da ist was dran finde ich. Wer im Big Business nichts zu melden hat, kümmert sich halt, um sein persönliches großes Geschäft :)

    Ich sag jetzt mal wie ich mir das zusammengereimt habe. Es ging ja durch die Medien, dass Klopapier gehortet wird. Dazu gab’s ein Video aus Amerika, wo sich drei Frauen, um die letzten Rollen prügeln. Die Überlegung geht so: Die Leute fragen? Was scheint knapp zu werden? Aha, die Medien sagen Klopapier. – Also muss ich mir das kaufen, was knapp ist, damit ich nicht in Verlegenheit komme – Klopapier. Denn die anderen Lebensmittel sind nicht knapp. Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung. Dadurch das einige sagen eine Sache sei knapp, verleiten sie zu Hamsterkäufen und machen sie dadurch erst knapp. Es ist zwar Panik, hat aber irgendwie auch eine Rationalität.

    @neoprene: Die Testkits sind wahrscheinlich bloß sterile Röhrchen mit einer Art Qtip. Und untersucht wird das dann im Labor. Das heißt es hängt an Laborkapazitäten.

    @Gustavo:

    „Der Mundschutz bringt im
    Alltag angeblich nichts? den Chirurgen, die sie dringend brauchen, gehen sie“

    Genau. Mundschutz bringt nichts, aber Niesen in die Armbeuge, damit man dann als lebende Virenschleuder durch die Gegend rennt, das soll was bringen. Schon merkwürdig.

  46. 46 Neoprene 16. März 2020 um 19:41 Uhr

    „Die Testkits sind wahrscheinlich bloß sterile Röhrchen mit einer Art Qtip.“
    Nein, das sind wirklich kleine Test-Kits, natürlich in Röhrchenform, mit Flüssigkeiten für eine biologische Reaktion. https://www.deutschlandfunk.de/corona-krise-so-werden-virusnachweis-kits-produziert.1197.de.html?dram:article_id=471916
    Sowas muß also auch erst mal millionenfach produziert und verteilt werden. In den USA hatten sie sowas anfangs so gut wie gar nicht. Korea wiederum ist in der Lage, jeden Tag 20.000 Tests zu machen und zu analysieren.
    Was ein Mundschutz bringt, kann sich ja jeder vernünftige Mensch selber denken: die einfachen Taschentücher vorm Gesicht, die schon der eigene Zahnarzt hat, die können der Natur nach nur die Umgebung eines Trägers weitgehend vor dessen Husten oder Niesen schützen, weil das darin aufgefangen wird. Umgekehrt kann so ein Tuch vor dem Gesicht aber nicht sonderlich schützen vor dem Einatmen von verseuchten Partikeln. Schon, weil sie meistens viel zu locker getragen werden und viele Luft drum herum eingeatmet werden kann. Und weil die Schutzwirkung der einfachen Papiertaschentücher selber auch recht begrenzt ist. Wenn sich der Träger gegen Ansteckungen durchs Einatmen von kontaminierten Aerosolen besser schützen will, muß er zu einer richtige dicht schließenden Masken mit „echtem“ Filter greifen. Sowas ist genormt und kommt in der Klasse FFP2 und gegen noch mehr Schadpartikel in der Klasse FFP3.
    „Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP1 sind für Arbeitsumgebungen geeignet, in denen weder giftige noch fibrogene Stäube und Aerosole zu erwarten sind. Sie filtern mindestens 80 % der sich in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6 μm.
    Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2 eignen sich für Arbeitsumgebungen, in denen sich gesundheitsschädliche und erbgutverändernde Stoffe in der Atemluft befinden. Sie müssen mindestens 94% der in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6 μm auffangen.
    Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP3 bieten den größtmöglichen Schutz vor Atemluftbelastung. Mit einer Gesamtleckage von maximal 5% und einem erforderlichen Schutz von mindestens 99% vor Partikeln bis zu einer Größe von 0,6 μm.“
    https://www.uvex-safety.com/de/wissen/normen-und-richtlinien/atemschutzmasken/die-bedeutung-der-ffp-schutzklassen/
    „Wie Influenzaviren sind vermutlich auch Coronaviren in der Ausatemluft eines Infizierten nachweisbar. Viren wie z. B. Influenza (mit einer Größe von 120 nm) und Corona (mit max. 160 nm) fliegen nicht vereinzelt in der Luft herum, sondern sind in der Luft immer in größere Tröpfchen eingeschlossen, bewegen sich also in Form eines Aerosols. Beim Atmen stößt jeder Mensch kleinste Tröpfchen (von einer Größe von 1 µm) aus. Pro Atemzug können 1000-50.000 Tröpfchen enthalten sein. Beim Husten sind die Tröpfchen um ein Zehnfaches größer (über 10 µm). Somit bleiben über 90 % der Aerosole auch in Filtern hängen, die eine Maschengröße von 2µm haben.“
    https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/covid-19/schutz-vor-ansteckung/

  47. 47 Neoprene 16. März 2020 um 20:59 Uhr

    Eine typische Geschichte zum Testverbot auf Corona in UK:

    „what happens to the healthcare system if we all get ill? Everyone is scared to speak up publicly, and it’s possible I could lose my job for doing so, but it’s like the moment in the disaster movie when the tide has gone out and everyone is saying, ‘Oh let’s go to the beach’, and you’re jumping up and down saying, ‘No, run for the hills.”

    Joshi said that his wife, who is also a doctor and is pregnant, was exposed to a patient who was subsequently confirmed to have the virus. “But she can’t get tested. This patient had been on an open ward for a whole day. How many nurses and healthcare assistants were exposed? But the strategy is now not to test. The only guidance is to see if you develop symptoms and then self-isolate for seven days.

    “And then you’re supposed to return to work on the eighth day but without even knowing if you’ve had it or not or if there’s still a risk you might infect others. And how is the government even going to track it if it doesn’t have figures?”

    As the director of the WHO urged countries to “test, test, test” and a junior doctor launched an online petition that has already been signed by more than 50,000 people asking the government to introduce testing for NHS workers, Joshi said it was the lack of explanation of the government’s logic that was particularly troubling.

    “It just makes no sense to any of us. The WHO has been absolutely clear in its guidelines. It says testing and then contact tracing is absolutely key. Yet, the government is not even testing those of us who are being exposed in the course of our work fighting this on the frontline.”
    https://www.theguardian.com/world/2020/mar/16/everyone-is-scared-to-speak-up-nhs-staff-need-covid-19-tests

  48. 48 Neoprene 16. März 2020 um 21:22 Uhr

    Fake News oder doch nicht?

    „Aus WhatsApp kursiert aktuell eine Sprachnachricht, in der eine bislang unbekannte Person eine gefährliche Behauptung aufstellt: Demnach habe eine Mitarbeiterin der Universitätsklinik Wien ihr erzählt, die Einnahme von Ibuprofen führe dazu, dass sich das Coronavirus schneller ausbreitet. Die Klinik spricht jetzt von einer Fake-Nachricht.“
    https://www.focus.de/gesundheit/news/whatsapp-sprachnachricht-ibuprofen-soll-corona-noch-gefaehrlicher-machen-klinik-spricht-von-fake-news_id_11771281.html

    Im Guardian habe ich heute nun dazu folgendes gelesen:
    „“Experts have criticised NHS advice that people self-isolating with Covid-19 should take ibuprofen, saying there is plausible evidence this could aggravate the condition.The comments came after French authorities warned against taking widely used over the counter anti-inflammatory drugs. The country’s health minister, Olivier Véran, a qualified doctor and neurologist, tweeted on Saturday: “The taking of anti-inflammatories [ibuprofen, cortisone … ] could be a factor in aggravating the infection. In case of fever, take paracetamol. If you are already taking anti-inflammatory drugs, ask your doctor’s advice.”NHS guidance states that people managing Covid-19 symptoms at home should take paracetamol or ibuprofen.“I would advise against that,” said Prof Ian Jones, a virologist at the University of Reading. “There’s good scientific evidence for ibuprofen aggravating the condition or prolonging it. That recommendation needs to be updated.”Paul Little, a professor of primary care research at the University of Southampton, said: “The general feeling is that the French advice is fairly sensible. There is now a sizeable literature from case control studies in several countries that prolonged illness or the complications of respiratory infections may be more common when non-steroidal anti-inflammatories [NSAIDs] are used.”A trial by Little and his colleagues, published in the BMJ, found patients with respiratory infections such as coughs, colds and sore throats who were prescribed ibuprofen rather than paracetamol by their GP were more likely to subsequently suffer severe illness or complications. Several other studies have linked anti-inflammatory drugs to worsened pneumonia.Little said this could be because inflammation is part of the body’s natural response to infection. “If you’re suppressing that natural response, you’re likely inhibiting your body’s ability to fight off infection,” he said.The evidence in this area was “not 100% clear” and had not come directly from studies of patients with Covid-19, Little said. “I personally think that given there is plausible evidence for harm, the advice should be changed.“
    https://www.theguardian.com/world/2020/mar/16/health-experts-criticise-nhs-advice-to-take-ibuprofen-for-covid-19

  49. 49 Nestor 16. März 2020 um 21:49 Uhr

    @Neoprene

    offensichtlich nicht „das Wichtigste“, denen geht es um das Überleben der Wirtschaft mit ihren Gewinnerzielungsmöglichkeiten

    Dafür sind die gegenwärtigen Maßnahmen aber auch nicht geeignet. Auch dafür wäre flächendeckendes Testen angemessener.

    Da würden z.B. die Leitungsorgane natürlich nicht nur Opernhäuser schnell schließen

    Na na.
    Heute kam nach lauter Ratlosigkeit über „Wie gehts weiter?“ in den Abendnachrichten die Erfolgsmeldung: Die Fidelio-Premiere wird im Fernsehen übertragen!

    Man würde also viel schneller Leute nach Hause schicken, um Ansteckungen zu vermeiden.

    Das Problem ist, daß der Laden ja auch irgendwie weiterlaufen muß.

    @Kehrer

    Um diese Debatte zum Mundschutz zu beenden: Der ist wichtig für die, die bereits infiziert sind, oder es sein könnten – sie schützen dadurch andere. So verstehe ich diese Dinger.
    Sich so ein Maulkörbchen umzuhängen, um sich vor Ansteckung zu schützen, ist völlig sinnlos.

    @Putinkrise

    Noch so ein Unsinnsposting und ich streiche alle. Das hier ist keine Spielwiese für gelangweilte Scherzkekse.

  50. 50 Nestor 16. März 2020 um 21:57 Uhr

    @Neoprene

    Diese Schutzmasken, die du beschreibst, müssen sowas sein wie ein Ritterhelm mit zugeklapptem Visier, also den ganzen Kopf bedecken.
    Wenn sich die durchsetzen, ist der Science Fictio-Film perfekt.

    Die Hamsterkäufe, von was auch immer, verschaffen vermutlich die psychologische Befriedigung, doch etwas getan zu haben. Als Maßnahme sind sie sinnlos, weil wenn wir alle verhungern müssen, so ist es auch wurscht, ob eine Woche früher oder später.

    Was die Kopf-In-Den-Sand-Methode der britischen Regierung angeht, so scheinen sie anzunehmen, das NHS ist sowieso in einem Zustand, daß sie mit der Epidemie nicht fertig werden können.
    Sie handeln also im Sinne der bisherigen Gesundheitspolitik konsequent.

    Was das für Folgen haben wird, wird sich spätestens dann zeigen, wenn in GB italienische Zustände einreißen.

  51. 51 Neoprene 16. März 2020 um 22:22 Uhr

    Nein, es braucht jetzt kein „flächendeckendes“ Testen. Also der gesamten Bevölkerung. Aber wenigstens eine vernünftige Abdeckung der Risikogruppen: Menschen, die aus Gebieten kommen, in denen es schon vergleichsweise viele Infektionen gab, Menschen mit Symptomen, die zu Covid-19 passen und natürlich in erster Linie Menschen im Gesundheitswesen und in anderen Jobs, wo sie sehr viele Kontakte zu anderen Menschen haben, z.B. Transportarbeiter, Kassiererinnen usw.
    Bei der Stilllegung des ganzen Kultur-, Vergnügungs- und Reisebereichs wird ja immer von den Politikern gesagt, daß natürlich die Produktion ansonsten aufrecht erhalten werden soll. Aber es gibt ja überhaupt kein vernünftiges Kriterium, warum irgendeine Scheiß-Ware weiter produziert werden „muß“, ein Kino-Film aber nicht mehr angesehen werden darf. Zumindest kann das Kriterium bei diesen Entscheidungen nicht gewesen sein, daß im Kino mehr Menschen näher beieinander sind als in einer Fabrik oder einem Großraumbüro.
    Gottesdienste wurden verboten, der Götzendienst am Geld im Börsensaal in Frankfurt natürlich nicht. Das ist der „Laden“, der weiterlaufen muß, nur im Augenblick gerade auf Absturz gepolt ist.

    Nein FFP2- und FFP3-Masken sind noch keine Schutzhelme wie in Hochrisikolaboren, sondern noch relativ einfache Mundschutzdinger, haben wir selber auch schon länger zu Hause, sowas wird übrigens in der Industrie häufig eingesetzt, wenn die Arbeiter sonst allzusehr vergiftet würden.

    Die Hamsterkäufe haben natürlich schon einen realen Kern: Wenn ein ptentiell oder wirklich infizierter Mensch zu Hausarrest verdammt ist, dann muß er schließlich die nächsten zwei Wochen entweder von seinen angehäuften Vorräten leben oder schnell jemand finden, der ihm so Zeugs alle paar Tage vor die Tür stellt. Da wollen halt viele Haushalte auf Nummer sicher gehen. Sich gegen einen richtige Katastrophe und den Zusammenbruch jeglicher Infrastruktur zu wappnen, das machen wirklich nur Prepper. Und sowas droht ja bis auf weiteres auch gar nicht einzutreten, Gas Wasser und Strom wird es noch recht lange geben in den meisten Gebieten Europas.

  52. 52 Kehrer 16. März 2020 um 22:35 Uhr

    „die einfachen Taschentücher vorm Gesicht, die schon der eigene Zahnarzt hat, die können der Natur nach nur die Umgebung eines Trägers weitgehend vor dessen Husten oder Niesen schützen,“ Genau. Also sind sie nicht nutzlos. Auch halten sie einen Teil der Tröpfchen ab, wenn man direkt angehustet wird. Es kommt ja auch immer drauf an, wie viele Erreger man abbekommt. Atemschutzmasken mit Filter sind natürlich besser.

    “ weil wenn wir alle verhungern müssen“

    Weil es entweder alles oder nichts gibt, oder wie? Kann ja sein, dass nur ein Teil verhungern muss, und dann gehören die Hamsterer zu den Überlebenden.

    „Sich so ein Maulkörbchen umzuhängen, um sich vor Ansteckung zu schützen, ist völlig sinnlos.“

    Wenn du eine FFP1 Maske hast, werden Tröpfchen mit 1µm zu 80% rausgefiltert. Bringt also schon was. Und wenn du direkt angehustet wirst, bringt auch so eine Taschentuchmaske was.

  53. 53 Neoprene 16. März 2020 um 22:57 Uhr

    „„die einfachen Taschentücher vorm Gesicht, die schon der eigene Zahnarzt hat, die können der Natur nach nur die Umgebung eines Trägers weitgehend vor dessen Husten oder Niesen schützen,“ Genau. Also sind sie nicht nutzlos.“

    Natürlich nicht. Nur schützt das Tragen einer einfachen Maske nicht besonders gut gegen eine Ansteckung durch Tröpfcheninfektionen, da hilft wirklich nur drastisches Zurückfahren der „sozialen Kontakte“. Natürlich sollten schon Infizierte sowas tragen zum Schutz der Menschen, die sie betreuen.

  54. 54 Kehrer 17. März 2020 um 1:43 Uhr

    „Aber wenigstens eine vernünftige Abdeckung der Risikogruppen: Menschen, die aus Gebieten kommen, in denen es schon vergleichsweise viele Infektionen gab, Menschen mit Symptomen, die zu Covid-19 passen und natürlich in erster Linie Menschen im Gesundheitswesen und in anderen Jobs, wo sie sehr viele Kontakte zu anderen Menschen haben, z.B. Transportarbeiter, Kassiererinnen usw.“

    Genau. Und wenn es da eine Firma gibt die sowas herstellt, dann muss der Staat halt wirklich mal drei Fabriken von der Sorte aus dem Boden stampfen, bzw. eine leere Fabrikhalle mieten. (Gibt es zuhauf) und in zwei Wochen eine Produktion aufbauen. Und wenn man nach der Seuche die Fabrik zusperren muss, ist das auch nicht tragisch. Und die Risikogruppen, wie Kassiererinnen mindestens alle 3 Tage testen oder was halt medizinisch sinnvoll ist. Wenn man nichts tut bis sich Symptome zeigen, wurden schon viele weitere angesteckt. Stand das hier oder in einem verlinkten Text? Die WHO sagt ja auch: testen, testen, testen – da merk ich aber nicht von. Wer sich testen lassen will, muss beim Gesundheitsamt anrufen und irgendwelche Leute überzeugen, dass er unbedingt getestet werden muss. Das ist doch Sch…lecht.

  55. 55 Nestor 17. März 2020 um 12:03 Uhr

    Ja ja, was „der Staat“ machen müßte, wenn er denn wollte oder könnte, da sind alle ganz schlau.
    Und vor allem, was die Politiker und Geschäftsleute unterlassen hätten, davon gehen die sozialen Medien über.
    Derweil versuchen diese Figuren, die die Geschicke ihrer Bürger lenken sollen, zu beschwichtigen und ihre allgemeine Ratlosigkeit zu verbergen.
    Darüber quargeln sich dann wieder die werten Bürger auf und werfen ihnen mehr oder weniger vor, daß sie nicht zaubern können.

    Man muß sagen, daß nicht nur die Kapitalinteressen einer vernünftigen Lösung des Problems entgegenstehen, sondern die Demokratie als Staatsform auch schnell an ihre Grenzen stößt, wenn eine solche Art von Krisenbewältigung ansteht.

    Es ist in diesem Sinne sehr konsequent, daß sich Luigi Di Maio an China um Hilfe gewandt hat und die Folgen dieser Kooperation werden auf die EU und den Euro ihre Auswirkung haben.

  56. 56 Kehrer 17. März 2020 um 12:47 Uhr

    „Man muß sagen, daß nicht nur die Kapitalinteressen einer vernünftigen Lösung des Problems entgegenstehen, sondern die Demokratie als Staatsform auch schnell an ihre Grenzen stößt, wenn eine solche Art von Krisenbewältigung ansteht.“

    Das ist doch Nonsens. Als wäre die Demokratie ein Bremse für die staatliche Gewaltanwendung. Das war schon immer ein Märchen und du hast selbst dich verwundert gezeigt was alles möglich ist, wenn man nur will. „Schau, schau, was alles möglich wird:“

    Ja dass Kapitalismus und Vernunft schwer zusammengehen, da mag schon was dran sein. So abstrakt ist das aber keine Erkenntnis und vor allem, ist es kein Argument dagegen, dass zu wenig getestet wird.

    Luigi Maio hat sich aber nicht an China gewandt, weil dort keine Demokratie herrscht, sondern weil die Chinesen mit ihrer Seuche besser fertig geworden sind und weil die Italiener verzweifelt sind und sich deren Wissen zunutze machen wollen.

    Dass ibuprofen Corona verschlimmert ist offenbar auch eine Fakenews. Jedenfalls hat die Uni Wien dementiert, dass sie soetwas verlautet habe.

  57. 57 Neoprene 17. März 2020 um 13:28 Uhr

    Zuiboprofen als Fake News einfach mal selber googeln:

    „Fake News oder doch nicht?

    „Aus WhatsApp kursiert aktuell eine Sprachnachricht, in der eine bislang unbekannte Person eine gefährliche Behauptung aufstellt: Demnach habe eine Mitarbeiterin der Universitätsklinik Wien ihr erzählt, die Einnahme von Ibuprofen führe dazu, dass sich das Coronavirus schneller ausbreitet. Die Klinik spricht jetzt von einer Fake-Nachricht.“
    https://www.focus.de/gesundheit/news/whatsapp-sprachnachricht-ibuprofen-soll-corona-noch-gefaehrlicher-machen-klinik-spricht-von-fake-news_id_11771281.html

    Im Guardian habe ich heute nun dazu folgendes gelesen:

    „Experts have criticised NHS advice that people self-isolating with Covid-19 should take ibuprofen, saying there is plausible evidence this could aggravate the condition.The comments came after French authorities warned against taking widely used over the counter anti-inflammatory drugs. The country’s health minister, Olivier Véran, a qualified doctor and neurologist, tweeted on Saturday: “The taking of anti-inflammatories [ibuprofen, cortisone … ] could be a factor in aggravating the infection. In case of fever, take paracetamol. If you are already taking anti-inflammatory drugs, ask your doctor’s advice.”NHS guidance states that people managing Covid-19 symptoms at home should take paracetamol or ibuprofen.“I would advise against that,” said Prof Ian Jones, a virologist at the University of Reading. “There’s good scientific evidence for ibuprofen aggravating the condition or prolonging it. That recommendation needs to be updated.”Paul Little, a professor of primary care research at the University of Southampton, said: “The general feeling is that the French advice is fairly sensible. There is now a sizeable literature from case control studies in several countries that prolonged illness or the complications of respiratory infections may be more common when non-steroidal anti-inflammatories [NSAIDs] are used.”A trial by Little and his colleagues, published in the BMJ, found patients with respiratory infections such as coughs, colds and sore throats who were prescribed ibuprofen rather than paracetamol by their GP were more likely to subsequently suffer severe illness or complications. Several other studies have linked anti-inflammatory drugs to worsened pneumonia.Little said this could be because inflammation is part of the body’s natural response to infection. “If you’re suppressing that natural response, you’re likely inhibiting your body’s ability to fight off infection,” he said.The evidence in this area was “not 100% clear” and had not come directly from studies of patients with Covid-19, Little said. “I personally think that given there is plausible evidence for harm, the advice should be changed.“
    https://www.theguardian.com/world/2020/mar/16/health-experts-criticise-nhs-advice-to-take-ibuprofen-for-covid-19″

  58. 58 Neoprene 17. März 2020 um 13:28 Uhr
  59. 59 NN 17. März 2020 um 14:59 Uhr

    Altmaier rechnet mit anhaltender Krise
    Wirtschaftsminister Peter Altmaier warnt davor, auf ein schnelles Ende der Coronakrise zu hoffen. Er geht davon aus, dass Deutschland noch den gesamten April und Mai mit den Folgen der Pandemie zu tun haben wird.

    Merkel: Wegen Coronavirus vorerst keine Urlaubsreisen

    Berlin. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sollen die Deutschen keine Urlaubsreisen ins In- und Ausland mehr unternehmen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte am Montag abend in Berlin an, es solle keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr für Touristen geben. »Das beinhaltet und bringt mit sich auch, dass es keine Urlaubsreise ins In- und auch keine ins Ausland geben soll.« Dies ist nur ein Teil eines großen Maßnahmenkataloges, um soziale Kontakte erheblich einzuschränken. Vorgesehen ist, eine Vielzahl von Geschäften zu schließen. Gottesdienste sowie Treffen in Vereinen sollen verboten und Spielplätze gesperrt werden. Supermärkte und andere Läden, die zur Versorgung der Menschen dienen, sollen allerdings offen bleiben. »Das sind Maßnahmen, die es so in unserem Lande noch nicht gegeben hat«, sagte Merkel nach der Sitzung mehrerer Gremien, die sich mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie befasst hatten. Die Umsetzung der nun beschlossenen Maßnahmen obliege den Ländern und Kommunen. »Natürlich wird es Kontrollen geben«, betonte die Kanzlerin. Sie hoffe, »dass es ein gewisses Einsehen der Menschen gibt.« Es sei beispielsweise sinnlos, eine Schule zu schließen, wenn sich die gleichen Schüler dann woanders träfen. (dpa/jW)

    Klinischer Test für Impfstoff gegen Coronavirus in den USA

    Seattle. In den USA hat erstmals ein Freiwilliger testweise einen möglichen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus injiziert bekommen. Das sei Teil der ersten Phase des klinischen Tests des Impfstoffs an einem Forschungsinstitut in der nordwestlichen Metropole Seattle, teilten die zum US-Gesundheitsministerium gehörenden National Institutes of Health (NIH) am Montag mit, nachdem der Versuch der US-Regierung gescheitert war, einen Exklusivvertrag mit der Tübinger Firma CureVac, die ebenfalls an einem entsprechenden Impfstoff arbeitet, zu bekommen.

    45 gesunde freiwillige Teilnehmer zwischen 18 und 55 sollen in den kommenden Wochen an dem Test in dem US-Forschungsinstitut teilnehmen. Der Impfstoff namens »mRNA-1273« wird gemeinsam mit der privaten Biotechnologie-Firma Moderna entwickelt. Die erste Testphase habe in »Rekordzeit« gestartet werden können, sagte Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Der gesamte Prozess der Entwicklung eines Impfstoffes wird Fauci zufolge trotzdem voraussichtlich mindestens ein bis anderthalb Jahre dauern. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen gegen Covid-19.(dpa/jW)

    Buhlen um Coronaimpfstoff
    Curevac AG gibt Washington einen Korb. Chinesisches Unternehmen investiert in Mainzer Firma Biontech

    Das Bundeswirtschaftsministerium hat die grundsätzliche Bedeutung eines freien Zugangs zu einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus bekräftigt. »Die Bundesregierung hat ein hohes Interesse, dass wir Wirkstoffe und Impfstoffe in Deutschland und Europa produzieren«, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag in Berlin.

    Auf die Frage, ob es aus der US-Regierung Versuche gegeben hat, die an einem Coronaimpfstoff arbeitende Tübinger Firma Curevac zu übernehmen, erklärte sie vor der Bundespressekonferenz: »Das kann ich Ihnen so nicht sagen. Es gibt einen Austausch innerhalb der Bundesregierung und auch mit dem Unternehmen.« Medienberichten zufolge habe die US-Regierung versucht, deutsche Wissenschaftler des Unternehmens mit hohen finanziellen Zuwendungen in die Vereinigten Staaten zu locken oder das Medikament exklusiv für letztere zu sichern (siehe jW vom 16. März). Mehrere Politiker hatten am Wochenende erkennen lassen, dass ihnen ein solcher US-Versuch bekannt ist und diesen kritisiert. Aus dem Management der Tübinger Aktiengesellschaft wurde zuletzt Ablehnung gegen die Anwerbestrategie aus Washington signalisiert. »In dem jetzigen Fall von Curevac gab es eine ganz klare Aussage der Unternehmensleitung, und die haben wir begrüßt, denn Impfstoffproduktion, die vorangetrieben werden muss, muss für alle verfügbar gemacht werden«, sagte die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.

    Am 11. März hatte Curevac-Gründer Ingmar Hoerr den US-Amerikaner Daniel Menichella überraschend als Vorstandsvorsitzenden abgelöst. Menichella hatte Anfang März noch mit zahlreichen weiteren Pharma- und Biotechunternehmern auf Einladung des Weißen Hauses mit Donald Trump Strategien zur Impfstoffentwicklung diskutiert. Ein Curevac-Sprecher sagte am Montag: »Ein Angebot liegt uns nicht vor«.

    Auch die in Mainz ansässige Firma Biontech forscht an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Hierfür bekommt das Unternehmen Unterstützung aus China. Für die Forschung erhält Biontech bis zu 120 Millionen Euro von dem Shanghaier Arzneimittelhersteller »Fosun Pharma«, davon 44 Millionen Euro im Austausch gegen Biontech-Aktien, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die 1,58 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung, »Fosun Pharma« übernimmt dadurch einen Anteil von 0,7 Prozent an Biontech. Den neuen Impfstoff will die Mainzer Firma erstmals Ende April am Menschen testen, wenn die behördlichen Genehmigungen vorliegen. Neben der Impfung ist auch eine Arznei zur Behandlung bereits am Coronavirus erkrankter Menschen geplant. Den Impfstoff will Fosun in China vermarkten, Biontech behält die vollen Rechte für die übrigen Staaten der Welt.

    Biontech befindet sich für seinen Impfstoff gegen das Coronavirus auch in fortgeschrittenen Gesprächen mit seinem bereits bestehenden Partner Pfizer über die Entwicklung des Impfstoffs außerhalb Chinas. Der US-Pharmariese hatte Anfang dieses Monats erklärt, eine entsprechende Zusammenarbeit mit den Mainzern zu prüfen. (dpa/Reuters/jW)

    Die Solidarität der EU (17.03.2020)
    Wegen des Ausbleibens von Unterstützung aus Brüssel und Berlin bitten mehrere Staaten Europas Beijing um Hilfe im Kampf gegen Covid-19.

    BERLIN (Eigener Bericht) – Nach dem Ausbleiben von Unterstützung sowie nach Exportverboten für medizinische Schutzausrüstung seitens Deutschlands und der EU bitten mehrere europäische Staaten China um Hilfe im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie. Hatte vergangene Woche Italien erste Hilfslieferungen aus der Volksrepublik erhalten, weil Deutschland die Ausfuhr wichtiger Schutzkleidung nicht erlaubt, so hat sich am Sonntag nun auch Serbien mit der Bitte um Hilfe an Beijing gewandt. Vorausgegangen war der Beschluss der EU, das deutsche Exportverbot umgehend für sämtliche Mitgliedstaaten verpflichtend zu machen und die Ausfuhr wichtiger Güter zur Covid-19-Bekämpfung allenfalls noch in Ausnahmefällen zu gestatten. Serbien hat drastische Maßnahmen eingeleitet, um die Pandemie zu stoppen – ein Versuch, der in China gelungen ist, den Deutschland jedoch unterlässt; hierzulande heißt es nur noch, man wolle die Virus-Ausbreitung „verlangsamen“. Die Coronakrise verstärkt neben den Rissen in der EU auch die transatlantischen Spannungen: Die Trump-Administration hat einen aussichtsreichen deutschen Impfstoffhersteller zu übernehmen versucht.

    Exportstopp für Schutzausrüstung

    Erheblichen Unmut hatte zunächst die Entscheidung der Bundesregierung vom 4. März ausgelöst, einen Exportstopp für bestimmte Arten medizinischer Schutzausrüstung zu verhängen. Begründet wurde das mit der Notwendigkeit, zu erwartende Knappheit im eigenen Land zu verhindern – eine bemerkenswerte Aussage: Die schnelle Ausbreitung des Covid-19-Virus war seit Mitte Januar bekannt; wieso ein Land, das sich als Vormacht der EU begreift und Weltmachtambitionen an den Tag legt, nicht in der Lage ist, binnen sechs Wochen seine Versorgung etwa mit den nötigen Atemschutzmasken zu organisieren, ist nicht wirklich klar. Schon am 6. März drangen eine ganze Reihe von EU-Staaten sowie Janez Lenarčič, EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, darauf, Berlin solle das Exportverbot umgehend wieder aufheben; andernfalls stelle Deutschland die Fähigkeit der EU, gemeinsam auf die Coronakrise zu reagieren, in Frage.[1] Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies die Forderung kategorisch zurück und verlangte seinerseits, anstatt Kritik an der Bundesrepublik zu üben, solle Brüssel umgehend den Export von Schutzausrüstung an Nicht-EU-Staaten verbieten.

    Im Stich gelassen

    Am härtesten getroffen hat das deutsche Exportverbot Italien. Das Land verzeichnete am 4. März – an dem Tag also, an dem die Bundesregierung ihr Exportverbot für Schutzausrüstung verhängte – erstmals mehr als 3.000 Covid-19-Infektionen und mehr als 100 Covid-19-Todesfälle. Am 5. März stieg die Zahl der Todesopfer auf fast 150, am 6. März bereits auf knapp 200. Wegen der Epidemie hatte Rom bereits bei der EU um Nothilfe ersucht, aber sogar noch am 12. März keinerlei Unterstützung bekommen.[2] Damit wiederhole sich, was Italien bereits in mehreren tiefen Krisen erlebt habe, urteilte Nathalie Tocci, Direktorin des renommierten Istituto Affari Internazionali (iai) in Rom: Das Land sei von der EU stets „alleingelassen worden“ – erst in der Eurokrise, dann während der Massenflucht nach Europa in den Jahren 2015 bis 2016, „jetzt in der Coronakrise“.[3] Erschwerend kam hinzu, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde Italien am 12. März mit der Äußerung in den Rücken fiel, es sei nicht die Aufgabe ihrer Institution, Risikoaufschläge („spreads“) zu senken; die Äußerung werde Rom „teuer zu stehen kommen“, urteilten Spezialisten mit Blick auf die Schwäche des italienischen Finanzwesens, „und das gerade in einer Phase, in der das Land mehr Geld zur Bewältigung der schweren Corona-Krise benötigen wird“.[4] Lagardes Äußerung stieß in Rom entsprechend auf empörten Protest.

    Hilfslieferungen aus China

    Eine gewisse Wende brachte erst ein Covid-19-Hilfsprogramm der Volksrepublik China. Am 12. März traf in Rom ein Team von neun chinesischen Experten mit 31 Tonnen Hilfsgütern zum Kampf der Pandemie ein. Bereits zuvor hatte Beijing Covid-19-Experten und -Hilfsgüter nach Iran und in den Irak entsandt; Italien war allerdings der erste Staat Europas, der – von der EU im Stich gelassen – aus China Unterstützung erhielt: ein bemerkenswerter Moment in der Geschichte des Kontinents, der einst China zur Halbkolonie degradierte und es nicht gewohnt ist, sich von ehedem militärisch unterworfenen und ökonomisch ausgeplünderten Ländern helfen zu lassen. „Das ist es, was wir als Solidarität bezeichnen“, erklärte Italiens Außenminister Luigi Di Maio zu den chinesischen Hilfslieferungen.[5] Nicht nur in EU-kritischen Spektren des Landes hat die Erfahrung, von der Union in einer umfassenden Krise ignoriert, von Beijing dagegen unterstützt worden zu sein, einen tiefen Eindruck hinterlassen. In einem Akt der Schadensbegrenzung hat die Bundesregierung noch am 12. März das Exportverbot für Schutzausrüstung dahingehend modifiziert, dass Ausnahmen genehmigt werden können [6], und Italien die Lieferung von einer Million Atemschutzmasken plus weiterer Ausrüstung in Aussicht gestellt [7]. Ob das genügt, die erstarkende Kritik in Italien zu beschwichtigen, ist ungewiss.

    Brief an Beijing

    Parallel zu der punktuellen Relativierung des deutschen Exportverbots hat die EU die Forderung, die Gesundheitsminister Spahn vor zehn Tagen erhoben hat, erfüllt und am Sonntag nun ihrerseits ein Ausfuhrverbot für Covid-19-Schutzausrüstung in Nicht-EU-Staaten erlassen; künftig müssen sämtliche EU-Mitglieder dem deutschen Vorbild folgen und die Lieferung solcher Güter in andere Länder ausdrücklich genehmigen.[8] Erneut zeichnet sich ab, dass Beijing in die Bresche springt. Am Sonntagabend teilte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić mit, er habe seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping einen Brief mit der Bitte um Hilfe gesandt; dabei gehe es nicht nur um Hilfsgüter, sondern auch um die Entsendung von Medizinern. Serbien versucht, nach dem Vorbild Chinas die Ausbreitung der Pandemie vergleichsweise früh zu stoppen, und hat bereits nach der Entdeckung von 55 Covid-19-Infektionen harte Schritte von der Schließung der Schulen bis zur Schließung seiner Grenzen beschlossen. Ausgenommen vom Einreiseverbot seien lediglich Chinesen, „die wir bitten, zu kommen und uns mit allem zu helfen“, erklärte Vučić am Sonntag, wobei er starken Unmut über das EU-Exportverbot bekundete, das es Belgrad faktisch unmöglich macht, medizinische Schutzausrüstung aus der Union zu beziehen. Das Verbot sei „von Leuten“ verhängt worden, „die uns belehrt haben, wir sollten keine chinesischen Waren kaufen“, sagte Vučić.[9]

    Risse in der EU

    Mit seiner Äußerung spielte Vučić auf den Konflikt um die Wirtschaftskooperation zahlreicher Länder Ost- und Südosteuropas, darunter Serbien, mit China an. Weil die EU weite Teile ihrer ost- und südosteuropäischen Peripherie lediglich als billige Produktionsstandorte nutzt und sie sonst politisch und ökonomisch vernachlässigt, ist es Beijing im vergangenen Jahrzehnt gelungen, seine Zusammenarbeit mit der Region spürbar zu intensivieren („16+1″ bzw. „17+1″, german-foreign-policy.com berichtete [10]). In Berlin und Brüssel hatte dies starken Unmut ausgelöst. Ebenso verhielt es sich, als im vergangenen Jahr auch Rom die „Seidenstraßen“-Kooperation mit Beijing verstärkte; Berlin und Brüssel unternahmen fast alles, um den Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung zu verhindern, blieben damit jedoch erfolglos.[11] Die ausbleibende Covid-19-Hilfe aus Brüssel und die Unterstützung aus Beijing verstärken die Risse in der EU ein Stück mehr.

    Übernahmeversuch

    Gleichzeitig heizt die Coronakrise auch die transatlantischen Spannungen weiter an. Am Sonntag war ein US-Versuch bekannt geworden, die Tübinger Firma Curevac zu übernehmen und ihren Hauptsitz in die Vereinigten Staaten zu verlagern, um Zugriff auf ihre Patente zu erhalten. Curevac arbeitet an einem Covid-19-Impfstoff; Firmenchef Daniel Menichella hatte am 3. März an einem Treffen im Weißen Haus teilgenommen, auf dem US-Präsident Donald Trump mit Managern aus der Pharmabranche über die Herstellung eines solchen Impfstoffs gesprochen hatte. Laut Berichten soll Trump den Curevac-Eignern eine Milliarde US-Dollar in Aussicht gestellt haben; dafür habe der Impfstoff zunächst nur in den Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen sollen.[12] Der Fall hat in den vergangenen Tagen für erhebliche Aufmerksamkeit und hektische diplomatische Aktivitäten gesorgt.[13] Letztlich ist der Übernahmeversuch abgewehrt worden. Spekulationen besagen, die plötzliche Ablösung von Menichella kurz nach seinem Besuch im Weißen Haus habe mit der Angelegenheit zu tun. Die Bundesregierung hat klargestellt, sie hätte die US-Übernahme gegebenenfalls mit allen Mitteln verhindert.

    Hilfe aus Havanna
    Zahlreiche Staaten setzen bei Bekämpfung der Coronapandemie auf Unterstützung aus Kuba. Gesundheitssysteme in Brasilien und Bolivien vor Kollaps
    Von Volker Hermsdorf

    Mehrere Länder Lateinamerikas und der Karibik – aber auch Italien – hoffen auf die Unterstützung Kubas im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus. Wie der Premierminister von Jamaika, Andrew Holness, am Wochenende mitteilte, werden am 24. März zunächst 21 speziell ausgebildete kubanische Krankenschwestern auf der zum Katastrophengebiet erklärten Nachbarinsel eintreffen, insgesamt sollen es 100 werden. Auch die Regierungen von St. Kitts und Nevis sowie St. Vincent und den Grenadinen bestätigten, dass sie Hilfe aus Kuba in Anspruch nehmen werden oder bereits erhalten haben. In Italien informierte die kubanische Botschaft am Wochenende über eine mögliche Zusammenarbeit beider Länder, nachdem der Gesundheitsminister der Lombardei, Giulio Gallera, Kuba, Venezuela und China offiziell um Hilfe gebeten hatte.

    In Caracas traf am Sonntag abend eine Gruppe kubanischer Spezialisten ein, zu der Experten der Intensivmedizin, der Epidemiologie und ein Virologe vom tropenmedizinischen Institut »Pedro Kouri« sowie der Gründungsdirektor des Zentrums für Gen- und Biotechnologie in Havanna, Luis Herrera, gehören. Kuba und China hatten dem südamerikanischen Land in der vergangenen Woche bereits Diagnosesets zum Feststellen von Coronainfektionen zur Verfügung gestellt. Die USA hatten mit Verweis auf bestehende Sanktionen versucht, deren Lieferung zu verhindern. »Wir müssen der Pandemie mit einer globalen Vision entgegentreten«, erklärte das Außenministerium in Havanna zu den Anfragen aus verschiedenen Teilen der Welt und verwies zugleich auf die »soziale Verantwortung und den Beitrag aller in der internationalen Zusammenarbeit«.

    Der Direktor der staatlichen pharmazeutischen Unternehmensgruppe Biocubafarma, Eduardo Martínez ­Díaz, versicherte unterdessen in Havanna, dass die Produktion von 22 Medikamenten zur Behandlung von Covid-19-Erkrankten trotz der von Washington ständig verschärften Blockade garantiert sei. Bislang gebe es noch keinen Impfstoff, allerdings seien in China gute Ergebnisse durch den Einsatz des kubanischen Medikaments »Heberón Alfa R« erzielt worden, das in Kuba sowie in einem kubanisch-chinesischen Joint-Venture-Unternehmen in China produziert werde.

    Während Havanna bis zum gestrigen Montag vier bestätigte SARS-CoV-2-Fälle meldete, breitete sich das Virus auf dem amerikanischen Kontinent in bislang 22 Ländern, vor allem aber in den USA, weiter aus. In Südamerika wurde die Statistik der Johns-Hopkins-Universität am Montag nachmittag mit über 200 Fällen angeführt von Brasilien. Dessen wegen Verdachts einer Coronavirusinfektion unter Quarantäne stehender Präsident Jair Bolsonaro hatte am Wochenende – entgegen einer Anordnungen der Lokalregierung – an einer öffentlichen Versammlung seiner Anhänger teilgenommen und die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus als »Hysterie« bezeichnet.

    Am Sonntag gestand João Gabbardo, Sekretär des Gesundheitsministeriums, gegenüber dem TV-Sender Glovo News ein, dass angesichts der jetzigen Situation das kubanische Fachpersonal aus dem Programm »Mais Médicos« fehle. 2018 hatte Bolsonaro den Abzug der 8.300 Ärzte erzwungen, im vergangenen Jahr folgten die Regierungen Ecuadors und Boliviens und kündigten die Kooperationen mit Kuba auf. Das führte bereits vor Ausbruch der Coronapandemie dazu, dass ihre Gesundheitssysteme vor dem Kollaps standen.

    Wilde Spekulationen
    Türkei: Über tatsächliches Ausmaß der Verbreitung des neuartigen Coronavirus herrscht Unklarheit. Kritiker werden festgenommen
    Von Nick Brauns

    Zu Wochenbeginn gibt es in der Türkei nach Angaben des Gesundheitsministers Fahrettin Koca 18 mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Patienten. Da das Nachbarland Iran, zu dem die Grenzen allerdings seit drei Wochen geschlossen sind, weltweit mit am schwersten von der Pandemie betroffen ist, erscheinen diese Angaben wenig glaubhaft. Dutzende Personen in der Türkei, die in »sozialen Medien« Zweifel an dieser Darstellung geäußert hatten, wurden bereits festgenommen.

    Zwar behaupten die Behörden, dass es unmöglich sei, Infektionsfälle zu verschweigen. Doch das Monopol für die Tests liegt beim Staat. Alle Überprüfungen, die mit einem von einer türkischen Firma hergestellten Kit durchgeführt werden, müssen zur Auswertung an eine zentrale Stelle in Ankara geschickt werden. Bis zum Wochenende wurden landesweit gerade einmal 2.500 derartige Tests durchgeführt. Der Türkische Medizinerverband hatte um die Erlaubnis für Massentests unter der Bevölkerung in Anatolien ersucht, doch die Regierung ignorierte nach Angaben der linken Nachrichtenseite Gazete Duvar diese Bitte der als oppositionell geltenden Vereinigung.

    In der vergangenen Woche, als es offiziell erst einen Infektionsfall in der Türkei gab, wurde auf den Fernsehsendern des Landes von sogenannten Professoren und angeblichen Experten mit Doktortitel noch ernsthaft darüber diskutiert, ob ein spezielles »Türkengen« immun gegen das Virus mache. Inzwischen versuchen sich regierungsnahe Sender mit wilden Theorien gegenseitig zu überbieten. Während auf A-Haber behauptet wurde, das neuartige Coronavirus sei ein Produkt biologischer Kriegführung einer »zionistischen Terrororganisation«, die bestimmte Länder bestrafen und zugleich von den Turbulenzen an den Börsen profitieren wolle, warnte ein auf CNN Türk zugeschalteter »Experte«, dass den Menschen im Zuge der Bekämpfung der Pandemie Chips zur Gedankenkontrolle eingesetzt würden. Dahinter vermutet er den Rockefeller-Clan oder den in der Türkei als Staatsfeind Nummer eins geltenden Prediger Fethullah Gülen.

    Flugverbindungen in besonders betroffene Staaten wurden ausgesetzt, und eine Einreisesperre für Personen aus mehreren europäischen Ländern einschließlich der BRD wurde verhängt. Während Schulen und Universitäten, Teestuben und Nachtclubs seit Wochenbeginn geschlossen sind, bleiben die rund 80.000 Moscheen des Religionsamtes Diyanet weiter geöffnet. Die gemeinsamen Gebete, zu denen sich Hunderte oder Tausende von Gläubigen versammeln, sind damit eine erstrangige Quelle für die weitere Verbreitung des Virus. »Für uns Aleviten, die eine Lehre vertreten, in der der Mensch im Mittelpunkt steht, steht die Gesundheit der Menschen an erster Stelle«, begründeten hingegen die alevitischen Gemeinden die Einstellung aller Versammlungen in ihren Cem-Häusern. Rund 10.000 Pilger, die von der kleinen Pilgerfahrt aus dem saudiarabischen Mekka in die Türkei zurückgekommen waren, wurden am Sonntag unter Quarantäne gestellt, nachdem bei einem Mekka-Reisenden eine Infektion festgestellt worden war. Tausende Studenten wurden mitten in der Nacht gezwungen, ihre Wohnheime in Ankara, Kayseri und Konya zu verlassen, damit dort die Pilger untergebracht werden konnten.

    Die linke Oppositionspartei HDP wies unterdessen auf die besondere Gefahr der Ausbreitung des Virus in den mit 400.000 Gefangenen stark überbelegten Haftanstalten des Landes hin. Alle kranken und alten Gefangenen sowie alle Minderjährigen und Mütter mit Kindern müssten sofort entlassen werden, forderte der Sprecher der Kommission für Justiz- und Menschenrechte der HDP, Ümit Dede.

  60. 60 Kehrer 17. März 2020 um 15:33 Uhr

    Also die einen sagen, es gäbe keine Hinweise, dass Ibuprofen und ASS die Krankheit verschlimmert. z.B. Drosten Herr Drosten sagt auch, dass man das von Varianten von Corona her schon wissen müsste.

    Die anderen sagen, es kann nicht ausgeschlossen werden, dass NSAR Nichtsteroidales Antirheumatika den Krankheitsverlauf verschlechtern. Mit anderen Worten niemand weiß genaues.

    https://www.watson.de/deutschland/coronavirus/151741774-corona-ibuprofen-ist-schaedlich-who-raet-vorerst-davon-ab

    Ein Argument, das gegen NSAR spricht ist die gerinnungshemmende Wirkung von NSAR. „Damit steige das Risiko für innere Blutungen.“ Da muss die Krankheit m.E. aber schon weit fortgeschritten sein und über die ersten Symptome weit hinausgehen.

  61. 61 Neoprene 17. März 2020 um 15:41 Uhr

    Es war wieder mal typisch, wie schnell aus einer halbgaren „News“ eine todsichere Fake-News wurde. Da mußte man wirklich nicht die geringste Ahnung von Ibuprofen, NSAR überhaupt oder gar Corona haben, das das eine Fake-News war, das wußten ganz viel ganz schnell.

  62. 62 Kehrer 17. März 2020 um 17:27 Uhr

    Eine sichere Fake-news war eben die angebliche Äußerung der Universität Wien. Die von der Universität selbst dementiert wurde. Also Fakenews – ganz klar.

    Ob das inhaltlich stimmt oder nicht, kann offenbar niemand mit Gewissheit sagen, die einen sagen es könnte sein, die anderen glauben eher nicht dran.

  63. 63 Nestor 17. März 2020 um 17:58 Uhr

    Also da ich keine Ahnung von diesem Ibuprofen habe, läßt mich die Nachricht relativ kalt.

    Wie kann man nur um eine unwichtige Meldung so eine Mettn machen?

  64. 64 Neoprene 17. März 2020 um 18:14 Uhr

    Da die meisten Menschen Ahnung von Ibuprofen haben, hat diese News solche Kreise gezogen. Das Medikamant hat in der BRD einen (zudem immer weiter wachsenden) Marktanteil bei rezeptfreien Schmerzmitteln von rund der Hälfte (vor Paracetamol mit rund einem Viertel).
    Wie kann man so ignorant sein bei einem der meistgebrauchten Arzneimittel in Deutschland?

  65. 65 Nestor 17. März 2020 um 19:27 Uhr

    Schmerzmittel? Mit sowas hab ich nix zu tun.
    Danke für die Aufklärung.

  66. 66 Neoprene 17. März 2020 um 19:52 Uhr

    Mann Nestor!! Es kommt in diesen Fragen doch wirklich nicht darauf an, mit was du so persönlich „zu tun hast“.

  67. 67 Kehrer 17. März 2020 um 20:04 Uhr

    Neoprene hat es schon gesagt. Ibuprofen ist das Schmerzmittel Nr.1 zumindest in Deutschland (die Amerikaner nehmen Opioide) und hat Aspirin (ASS) längst mit gutem Grund den Rang abgelaufen. Es ist besser verträglich. Wenn ich Aspirin als Tablette nehme, bekomme ich Magenweh. Zudem ist es günstig geworden, d.h. bis vor ein paar Tagen war es noch günstig – kostet jetzt aber wieder das doppelte. Zudem hilft es nicht nur gegen Schmerzen, sondern ist auch ein Entzündungshemmer.
    Deshalb nehmen es die Leute bei vielen Beschwerden, auch bei Erkältungskrankheiten. ASS dagegen wird heutzutage oft als Blutverdünnungsmittel verschrieben bei Herzproblemen und Thrombosegefahr, also nicht mehr hauptsächlich bei Schmerzen.
    Paracetamol ist dagegen gut als Fiebersenker, wirkt aber nicht entzündungshemmend. Bei Paracetamol muss man mit Überdosierung aufpassen. Verursacht irreparable Leberschäden.

    Über den Umfang der Tests in Deutschland, stand etwas im Spiegel:

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-und-covid-19-so-testet-deutschland-a-cbb87c09-1804-45df-bb2b-8895e4da91e2

    „Deutschlands Labore haben Kapazitäten für rund 12.000 Corona-Tests pro Tag, erklärte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am Dienstag.“

    „Erste Erhebungen – auf Basis von rund 60 Prozent der Labore im ambulanten Bereich – besagen laut KBV, dass allein in der vergangenen Woche 10.700 Menschen in Deutschland getestet wurden. Darunter seien bis zum Ende der Woche etwa 130 Fälle bestätigt worden.“

    Der Artikel ist vom 5. März. Man kann davon ausgehen, dass sich die Anzahl der Tests vergrößert hat. Trotzdem ist die Kapazität viel zu gering. Wenn man nur annimmt, dass innerhalb eines Monats 1 Million getestet werden müssten, dann bräuchte es am Tag (20 Arbeitstage) 50 000 Tests.

    Wie will man der Seuche begegnen, wenn man nur unzureichend testen kann? Das geht gar nicht. Zudem ist die Empfehlung des RKI überholt: Getestet werden sollte 1. wer Erkältungsbeschwerden hat und sich in den 14 Tagen vor Beginn der Beschwerden in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder 2. Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Fall hatte.

    Im Prinzip ist ganz Deutschland mindestens seit Beginn dieser Woche als Risikogebiet anzusehen. Also kann man Kriterium 2 streichen. Also müssen alle mit Symptomen getestet werden und das werden sie nicht.

  68. 68 Neoprene 17. März 2020 um 20:31 Uhr

    Allein in Berlin gibt es eine beträchtliche Produktionskapazität für Corona-Test-Kits:
    „Seit Januar hat sie nach seinen Angaben bereits drei Millionen Tests hergestellt und in mehr als 60 Länder versandt.“
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/tib-molbiol-berliner-firma-produziert-coronavirus-tests-fuer-die-ganze-welt/25602142.html
    Persönlich glaube ich übrigens, daß der Stellenwert von Tests schon gesunken ist und es jetzt leider schon um die nächste Frage geht, wie man überhaupt auf die Schnelle die Behandlungskapazitäten hoch fahren kann. Berlin ist da auf eine wirklich naheliegende Idee gekommen und läßt jetzt die Bundeswehr ein Krankenhaus für Covid-19-Patienten bauen, wo die sowas eigentlich nur im Dritten Weltkrieg machen sollen. Erstaunlicherweise habe ich noch aus keinem anderen NATO-Staat gehört, daß deren Kriegskrankenhäuser und Feldlazarette umgewidmet worden sind, obwohl die doch sicherlich Zehntausende Betten Kapazität haben bei den anspruchsvollen Kriegsszenarios, die die seit Jahrzehnten umsichtig planen.

  69. 69 NN 17. März 2020 um 22:09 Uhr

    Suche nach gemeinsamer Linie
    Videogipfel der 27 EU-Staaten zu und Maßnahmen gegen Virusausbreitung

    Frankreich hat bereits vor gemeinsamen Beschlüssen der EU-Staats- und Regierungschefs zur Coronaviruspandemie weitere Einreisen stark eingeschränkt. »Die Kontrollen sind und werden an unseren Grenzen umgesetzt«, sagte Innenminister Christophe Castaner am Dienstag in Paris. »Menschen, die nicht aus unabdingbaren Gründen reisen, müssen wieder umkehren.« Paris nahm damit ein mögliches Resultat der Videokonferenz vorweg, bei über eine gemeinsame Linie der 27 EU-Staaten zu Grenzkontrollen beraten werden soll. Bis jW-Redaktionsschluss lagen noch keine Ergebnisse vor.

    Zuvor hatte die Kommission ihren Vorschlag zur Beschränkung von Einreisen in die Europäische Union bereits präzisiert. Man spreche nicht von einem generellen Einreiseverbot, betonte ein Behördensprecher in Brüssel. Die Kommission könne die Umsetzung nicht kontrollieren, da es sich um nationale Maßnahmen handele. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte die Reisebeschränkungen am Montag vorgeschlagen und hofft auf Zustimmung aller 27 EU-Staaten.

    Auf der Suche nach einem gemeinsamen Vorgehen auf EU-Ebene hatte Ratschef Charles Michel als Themen für den Videogipfel die Beschaffung von Schutzkleidung, die Forschung an Medikamenten und die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie genannt. Von der Leyen hatte auch gemeinsame Regeln für die Grenzüberwachung angemahnt. Einreisen in die und Ausreisen aus der EU sollen der Kommissionspräsidentin zufolge für zunächst 30 Tage ausgesetzt werden. Ausnahmen solle es für Nicht-EU-Bürger mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung, Angehörige von EU-Bürgern, Diplomaten, Ärzte, Krankenpfleger, Forscher und »Experten« geben. Auch Menschen, die wichtige Güter transportieren, sowie Pendler in Grenzregionen sollen ausgenommen bleiben.

    Schon vorige Woche hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre EU-Kollegen per Videokonferenz abgestimmt. Die meisten Regierungen erließen danach dennoch Maßnahmen im Alleingang. So gibt es seit Dienstag mittag in Frankreich eine umfassende Ausgangssperre, Luxemburgs Regierung hat den nationalen Notstand ausgerufen, und in Belgien sollte noch am Dienstag über eine Ausgangssperre entschieden werden. Ungarn hat unterdessen seine Grenzen für den Personenverkehr geschlossen, und auch aus Finnland hieß es am Dienstag, dass der Grenzverkehr zu den Nachbarländern ab Donnerstag um Mitternacht stark eingeschränkt werde.

    In Deutschland haben die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus das öffentliche Leben deutlich verlangsamt. Am Montag hatten Bund und Länder vereinbart, dass eine Vielzahl von Geschäften geschlossen werden muss. Supermärkte und andere Läden, die zur Versorgung der Bevölkerung dienen, dürfen allerdings offen bleiben. Die Bundesregierung will nun einige Tage schauen, ob die Maßnahmen wirken. Sollte die Infektionskurve steil ansteigen, wäre auch hierzulande eine Ausgangssperre nach dem Infektionsschutzgesetz möglich. (dpa/jW)

    Kliniken als Notfall
    Kaputtgespart: Krankenhausgesellschaft und Verbände fordern finanzielle Hilfen und ein Ende der Fallpauschalen
    Von Susan Bonath

    Zu wenige Pflegekräfte, fehlendes Material: Die Coronapandemie offenbart den desolaten Zustand des deutschen Gesundheitssystems. Doch während die Politik in der Finanzkrise nicht lange zauderte, Banken mit Milliarden zu retten, befürchtet die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nun die Insolvenz vieler Kliniken. Auch für sie müsse sofort ein finanzieller Schutzschirm her, forderte DKG-Präsident Gerald Gaß am Dienstag in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). »Die Kliniken, ob privat oder öffentlich, können sich nur konsequent auf die Behandlung von Coronapatienten konzentrieren, wenn sie jetzt schnell die unbedingte Sicherheit erhalten, dass die Absagen anderer Behandlungen nicht zu Liquiditätsengpässen führen«, warnte Gaß.
    Problem Fallpauschalen

    Seiner Einschätzung nach ist die Regelfinanzierung über Fallpauschalen »nicht geeignet, um uns durch die Krise zu bringen«. Damit drohe vielen Kliniken die Zahlungsunfähigkeit. Es sei außerdem, so Gaß, »gefährlich, nur Krankenhäuser abzusichern, die im Zentrum der Coronakrise stehen«. Auch kleinere Einrichtungen ohne Intensivstationen müssten Reserven für Notfälle schaffen. Oft hätten diese allerdings nicht das nötige Material.

    Am System der Fallpauschalen gibt es seit langem Kritik. Damit dürfen die Kliniken nur tatsächlich erfolgte Behandlungen bei den Krankenkassen abrechnen. Das Vorhalten von Betten, Personal und medizinischem Gerät wird nicht vergütet. Gaß reagierte damit auf ein Treffen der Länderchefs im Bundeskanzleramt am vergangenen Donnerstag. Dabei hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) den Kliniken auch finanzielle Hilfen zugesichert. Doch wie das ablaufen soll, ist alles andere als klar. Man werde daran arbeiten, dies »im Dialog mit den politisch Verantwortlichen in den kommenden Tagen zu konkretisieren«, versicherte die DKG bereits am Freitag in einem Schreiben an die Krankenhäuser.

    Wie es tatsächlich derzeit um viele Kliniken und Pflegeeinrichtungen in der Bundesrepublik bestellt ist, verdeutlichte am Dienstag das Berliner »Bündnis für mehr Krankenhauspersonal« in einer Pressemitteilung. Die Pandemie treffe »das deutsche Gesundheitswesen in Zeiten von Pflegenotstand und Versorgungslücken, die ihre Ursache in der Ökonomisierung durch Fallpauschalen haben«, heißt darin.

    So führe die enorme Arbeitsbelastung unter anderem dazu, dass Schutzmaßnahmen nur unzureichend eingehalten werden könnten. Das Bündnis bemängelte zudem, dass Beschäftigte nicht flächendeckend auf das Coronavirus getestet würden. Dies gefährde Ärzte, Pflegekräfte und Patienten. Ferner hätten »die jahrelangen Sparvorgaben und Produktionsverlagerungen ins Ausland zu einer maximal knappen Materialbevorratung geführt«. Es fehle an Schutzkitteln, Masken und Mundschutz, erklärte Krankenpflegerin Anja Voigt vom Bündnis. Und Unternehmer und Pflegedienstleister Marcel Baltes beklagte Lieferengpässe sowie einen »abenteuerlichen« Preisanstieg bei Desinfektionsmitteln und Schutzmaterial.
    Schließungen »indiskutabel«

    Zuerst einmal müssten, so das Bündnis, »alle Beschäftigten in die Umstrukturierung der Versorgungsabläufe einbezogen werden, damit kein Chaos entsteht«. Außerdem dürften die erhofften Kompensationszahlungen »keine Finanzspritzen für private Krankenhauskonzerne werden«. »Kurzum: Wir brauchen eine Abschaffung der Fallpauschalen und vollständige Refinanzierung aller entstehenden Kosten«, wird gemahnt.

    DKG-Präsident Gaß sucht nach kurzfristigen Notlösungen. Unter anderem schlug er vor, Ärzte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) in Fieberambulanzen, Pflegeheimen und Kliniken einzusetzen. MDK-Hausbesuche bei Pflegebedürftigen würden dann vorübergehend entfallen. Außerdem hält er jede Debatte über angeblich erforderliche Krankenhausschließungen für »indiskutabel«. Der Krankenhauskonzern KMG sieht das anders. Im sachsen-anhaltischen Havelberg hält er trotz Coronapandemie an Kündigungen seiner 50 Beschäftigten fest, wie der Betriebsrat am Sonntag mitgeteilt hatte. KMG will die Klinik in ein Pflegeheim umbauen.

    Notfallplan für Kliniken. Mehr Betten durch Umbau von Hallen

    Berlin. Angesichts steigender Zahlen derer, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, wollen Bund und Länder die stationäre Krankenhausversorgung ausweiten. Um Kliniken zu entlasten, die sich auf den Aufbau von Intensivkapazitäten konzentrieren, müssten an anderen Kliniken und gegebenenfalls provisorischen weiteren Standorten wie Hotels oder umgerüsteten Hallen zusätzliche Betten- und Behandlungskapazitäten – bis hin zur Verdoppelung – aufgebaut werden. Das geht aus einem »Grobkonzept Infrastruktur Krankenhaus« hervor, auf das sich Bund und Länder am Dienstag verständigt haben.

    Danach sollen unter anderem Rehabilitationseinrichtungen, Hotels oder größere Hallen umgerüstet werden, um dort die zahlreichen leichteren Behandlungsverläufe zu versorgen. Notfalls sollen dazu Deutsches Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk oder auch andere Dienste herangezogen werden. »Dies entlastet dann die Krankenhäuser für schwerere Verläufe«, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presseagentur vorliegt. Zur Steigerung der Beatmungskapazität plane das Bundesgesundheitsministerium mit den Gesundheitsministern der Länder bis Anfang nächster Woche, wann die vom Bund beschafften Beatmungsgeräte unterschiedlicher Kategorien wo eingesetzt werden können. »Weitere Beschaffungen seitens der Länder und Kliniken sind davon ausdrücklich unbenommen.«

    Die Länder sollten mit ihren Kliniken, die über Intensivkapazitäten verfügen, Pläne erarbeiten, um dieses Ziel durch den Aufbau provisorischer Kapazitäten zu erreichen. Alle Kliniken und Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten »ihre Lagerbestände, Altbestände und ›Keller‹ durchforsten« nach Betten, Liegen oder Beatmungsgeräten, die zusätzlich genutzt werden könnten, heißt es weiter. (dpa/jW)

    Reservisten im Sanitätsdienst
    Bundeswehr soll bei Bekämpfung des Coronavirus helfen. Linke bleibt wachsam in Sachen Grundrechte
    Von Claudia Wangerin

    Noch vor dem Abbruch des Großmanövers »Defender 2020« am Montag hatte die Bundeswehr ihre Reservisten aufgerufen, sich zu melden, um den Sanitätsdienst bei der Eindämmung der Coronaviruspandemie zu unterstützen. Nach Meinung von Politikern der mit Abstand militärkritischsten Bundestagsfraktion, der von Die Linke, tun sie damit etwas Sinnvolles. – Solange die Bundeswehr nicht für Polizeiaufgaben eingesetzt werde, sondern lediglich im Sanitätsdienst und bei der Beschaffung von Schutzmaterial, wie die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Ulla Jelpke, am Dienstag im Gespräch mit junge Welt betonte. Grundrechtspolitisch sei es aber völlig indiskutabel, wenn Soldaten mit Maschinengewehren beispielsweise Ausgangssperren überwachen würden, wie sie in anderen EU-Staaten schon im Zusammenhang mit der Infektionswelle verhängt wurden.

    Zum Zeitpunkt des Aufrufs an die Reservisten waren zivile Fachkräfte in Kliniken bereits »am Ende«, wie der Krankenpfleger Alexander Jorde in einem vielbeachteten Tweet am 13. März geschrieben hatte. Außerdem gebe es Lieferprobleme bei der Schutzausrüstung und Mangel an Testkapazitäten, so Jorde, der 2017 bekannt geworden war, als er in der ARD-Wahlarena Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem Zustand des kaputtgesparten Gesundheitssystems konfrontiert hatte. Anlässlich der aktuellen Krise erinnerte Jorde daran, dass dieses schon vor dem Ausbruch der Pandemie vor dem Abgrund gestanden habe. »Während mir bei der Versorgung von Coronapatienten Sekrete um die Ohren fliegen und ich erst dann einen Test machen darf, wenn ich bereits infektiös bin und mein halbes Team angesteckt habe und vielleicht noch viele andere Menschen, stellen sich Politiker aller Parteien vor die Kameras und erzählen was von guter Vorbereitung«, beschrieb der 24jährige die aktuelle Situation. »Ich kann eines garantieren: Wir sind nicht gut vorbereitet.«

    Die Reservisten sollen nun in den Bundeswehr-Krankenhäusern, die im Ernstfall auch Zivilisten aufnehmen, den Sanitätsdienst unterstützen. Zudem leiste das Beschaffungsamt der Bundeswehr Amtshilfe für das Bundesgesundheitsministerium bei der Bereitstellung von Schutzmaterialien, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Dr. Achim Kessler, am Dienstag gegenüber junge Welt. »Diese Maßnahmen halte ich für sinnvoll.«

    Rund 730 Freiwillige hatten sich nach dem Aufruf der Bundeswehr vom Freitag bis Anfang dieser Woche dafür gemeldet – darunter allerdings auch Fachpersonal, das vorher nicht bei der Bundeswehr gearbeitet habe, berichtete die Deutschen Presseagentur am Montag. 380 Reservistinnen und Reservisten könnten zeitnah beim Sanitätsdienst der Bundeswehr eingesetzt werden, hieß es. Andere Interessierte seien an zivile Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter oder die Malteser verwiesen worden.

    Aufgrund der Ausbreitung des Virus »und in besonderer Verantwortung für die Gesundheit der beteiligten Soldatinnen und Soldaten sowie der Zivilbevölkerung« werde das Großmanöver »Defender 2020« in Deutschland nicht weitergeführt, hatte die Bundeswehr am Montag mitgeteilt. Unterstützungsleistungen für die bereits in der BRD befindlichen Soldaten der Verbündeten würden aber sichergestellt. Das »Netzwerk Friedenskooperative« hatte bis dahin rund 5.700 Unterschriften für den Abbruch des Manövers gesammelt – unter dem Motto »Gefahr für Frieden, Klima und Gesundheit bannen« sowie unter Berufung auf das Gesundheitsministerium, das zur Eindämmung der Coronavirusinfektionen empfohlen hatte, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen. »Defender 2020« war ursprünglich mit 37.000 NATO-Soldaten geplant gewesen, davon rund 20.000 aus den USA.

    Die Zahl der tatsächlich mit dem Coronavirus infizierten Personen dürfte in Deutschland aufgrund des Mangels an Testkapazitäten weit über der Zahl derjenigen liegen, bei denen es nachgewiesen wurde. Am Dienstag war nach unterschiedlichen Quellen von 7.000 bis 8.000 solcher Menschen die Rede. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in der BRD erhöhte sich am Dienstag auf 20.

    US-Regierung kündigt kurzfristige Hilfszahlungen an

    Washington. US-Präsident Donald Trump hat angesichts der Coronapandemie weitere umfangreiche Maßnahmen zur Entlastung von Bevölkerung und Unternehmen in Aussicht gestellt. Trump sagte am Dienstag in Washington, er habe Finanzminister Steven Mnuchin beauftragt, noch im Laufe des Tages Verhandlungen mit dem Kongress zu führen. Mnuchin sagte, Ziel sei, den Bürgerinnen und Bürgern innerhalb der kommenden zwei Wochen finanzielle Hilfen zukommen zu lassen – und nicht erst verzögert, zum Beispiel durch Erleichterungen bei der Lohnsteuer. Sie bräuchten sofort Geld. Erwogen werde, Bürgern Schecks auszuhändigen. An wen genau welche Hilfen fließen sollten, ließ der Finanzminister offen.

    Auch Fluggesellschaften und Hotelindustrie sollen Unterstützung bekommen. Der US-Finanzminister sagte, für Airlines sei die aktuelle Krise härter als die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Trump erklärte, seine Regierung wolle nicht, dass Fluggesellschaften pleite gingen oder Menschen ihre Jobs verlören. Der US-Präsident hatte bereits mehrfach umfangreiche Programme in Aussicht gestellt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie abzufedern. Mehrere US-Medien berichteten, die Regierung arbeite an einem Paket im Umfang von 850 Milliarden US-Dollar. Washington hatte sich zuvor auf ein Milliardenpaket für Familien verständigt. (dpa/jW)

    Angst vor Corbynisierung
    Großbritannien: Kehrtwende der Regierung im Kampf gegen das Coronavirus. Unternehmerverbände fürchten Verstaatlichungen
    Von Christian Bunke, Manchester

    Lange hat die britische Regierung geschlafen, nun wird auf die »Coronakrise« reagiert – wenn auch auf typisch halbherzige, neoliberale Weise. Am Montag verkündete Premierminister Boris Johnson die »Empfehlung«, Kneipen, Restaurants und Kultureinrichtungen zu schließen. Es war kein Verbot, dennoch verkündeten im Anschluss die größten Museen, Kultureinrichtungen sowie Kinoketten die Einstellung des Betriebs. Auch die Einkaufsstraßen machen dicht. Nur Lebensmittelmärkte, Bäckereien, Apotheken und ähnliche Geschäfte bleiben offen.

    Zahlreiche Unternehmerverbände richten seither Hilferufe an die Regierung – sie solle Notpakete schnüren, um die Liquidität zu sichern. Der Gastronomieverband »UK Hospitality« geht beispielsweise davon aus, dass die meisten seiner Mitglieder spätestens in sechs Wochen zahlungsunfähig sind. Der Handelsverband »British Retail Consortium« äußerte am Dienstag »ernsthafte Sorgen« und forderte ein »Finanzpaket zur Rettung der Unternehmen«. Der Konzern Virgin Group des Milliardärs Richard Branson veranschlagte, dass zur Rettung der britischen Luftfahrtgesellschaften – unter anderem auch der eigenen Unternehmen – 7,5 Milliarden Pfund benötigt würden. Der Dachverband privater Eisenbahnkonzerne rief die Johnson-Regierung zu umfangreichen Subventionsmaßnahmen auf – ansonsten drohe eine »ungeplante Corbynisierung«, also Verstaatlichung.

    Noch bis Sonntag glaubte die britische Regierung, sich nicht weiter mit dem Coronavirus beschäftigen zu müssen. Der Plan: Über 60 Prozent der Bevölkerung stecken sich mit dem Virus an und entwickeln daraufhin eine sogenannte Herdenimmunität. Das würde dann auch denen zugute kommen, die sich nicht angesteckt haben. Der Haken daran: Bislang ist vollkommen unklar, ob auf eine Infektion auch eine dauerhafte Immunität folgt. Zudem wird diese Strategie der Handhabung von Epidemien meist verfolgt, wenn es bereits einen Impfstoff gibt. Das trifft aber auf das Coronavirus nicht zu.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb den britischen Ansatz in den vergangenen Tagen zunehmend kritisiert. Zur Kehrtwende fühlte sich die Regierung schließlich auch deshalb bewogen, weil ein über das Wochenende an die Öffentlichkeit gekommener Bericht der englischen Gesundheitsbehörde davon ausging, dass potentiell acht Millionen infizierte Menschen in ohnehin überlasteten Krankenhäusern versorgt werden müssten, wenn die Regierung mit ihrer bisherigen Strategie fortfahre.

    Schon ohne Coronaviren sind 80 Prozent der britischen Intensivstationen belegt. Außerdem verfügt das gesamte britische Gesundheitssystem (NHS) derzeit nur über 5.000 Atemschutzmasken. Die Tageszeitung Guardian veröffentlichte am Montag den Artikel eines namentlich nicht genannten Arztes, der über Anweisungen der Gesundheitsbehörde klagte, wonach Ärzte auf Schutzbekleidungen wie zum Beispiel Masken verzichten sollten. Die Behörde habe den Ärzten gesagt, die neue Erkrankung durch SARS-CoV-2 sei wie ein »grippaler Infekt im Herbst« zu betrachten. Es könne angenommen werden, dass das Virus sich unter dem Gesundheitspersonal schon stark ausgebreitet habe – dabei fehlen auch ohne »Coronakrise« bereits 100.000 Pflegekräfte in Großbritannien.

    Für die lohnabhängige Bevölkerung ist das Virus ohnehin eine Katastrophe. Einen Anspruch auf staatliches Krankengeld hat nur, wer mindestens 118 Pfund in der Woche verdient und außerdem nicht in einem prekären Arbeitsverhältnis steht. 900.000 Beschäftigte mit Null-Stunden-Verträgen haben somit keinen Anspruch auf Krankengeld. Dieses ist mit 18 Pfund pro Tag sowieso extrem niedrig. Insbesondere im Fall einer sich über mehrere Wochen hinziehenden Selbstisolation oder Quarantäne scheint fragwürdig, wie damit der Alltag bestritten werden soll.

    Die Labour-Partei fordert deshalb inzwischen ein Verbot von Zwangsräumungen, wenn Mieter aufgrund des Virus mit ihren Zahlungen in Verzug kommen. Viele britische Gewerkschaften, darunter die Großgewerkschaft Unite, fordern einen gesetzlichen allgemeinen Anspruch auf Krankengeld, unabhängig von Anstellungsverhältnis, sowie eine Erhöhung des Tagessatzes.

  70. 70 Nestor 17. März 2020 um 22:29 Uhr

    @Neoprene

    Wie kann man so ignorant sein bei einem der meistgebrauchten Arzneimittel in Deutschland? …

    Es kommt in diesen Fragen doch wirklich nicht darauf an, mit was du so persönlich „zu tun hast“.

    Ich wollte doch nur deine obige Frage beantworten. :D
    Woher sollte ich das Zeug kennen?

  71. 71 Neoprene 17. März 2020 um 22:46 Uhr

    „Woher sollte ich das Zeug kennen?“
    Na wie jeder andere auch: Aus Film Funk und Fernsehen oder der nächstgelegenen Apotheke. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, daß dir moderne Arzneimittel so wurscht sind, daß du da jeden Artikel, der selbst dir im Laufe der Jahre untergekommen sein muß, einfach überblättert hast.
    Und wenn du wirklich mal von irgendeinem Codewort hier oder anderswo keine Ahnung hast, geht mir ja regelmäßig auch so, dann kannst du wie jeder andere Mensch mit Internet-Anschluß in rund fünf Minuten soviel rauskriegen, um das grob eintüten zu können. Auf deiner persönlichen Ignoranz rumzureiten finde ich jedenfalls recht wenig weiterführend.
    Mein Punkt zu dieser Ibupfofen-Sache war zudem nicht, ob das nun schlechter ist als Paracetamol, das weiß ich natürlich noch weniger als die Fachwissenschaftler. Sondern daß in einer nicht unwichtigen Geschichte mit recht wenig wissenschaftlichem Fundament Hin wie Her in Nullkomma-Nichts ein Medien-Hype losging und nur sehr wenig Leute sich und uns gefragt haben, was denn eigentlich die Faktenlage ist, wenn man das überhaupt schon sagen kann (kann man im Augenblick wohl nur recht schwer). Der Medienhype war mir wichtiger als der Markt für Verschreibungsfreie Schmerzmittel. Dir offensichtlich nicht.

  72. 72 NN 18. März 2020 um 0:09 Uhr

    Robert Koch-Institut stuft Gesundheitsrisiko für Deutschland jetzt als hoch ein

    Die Covid-19-Fallzahlen in Deutschland entwickeln sich sehr dynamisch. Das Robert Koch-Institut hat nun seine Risikoeinschätzung für die Gesundheit der Bevölkerung verändert.

    Corona-Krise: Ausgangssperre auch in Deutschland? Welche gesetzlichen Hürden es gibt

    Coronavirus: Was bedeutet eine Ausgangssperre?

    Am Montag haben Bund und Länder Maßnahmen vereinbart, mit denen das öffentliche Leben in Deutschland heruntergefahren werden soll. Kitas und Schulen bleiben geschlossen, ebenso Restaurants, Sportstätten und Spielplätze. Anders als andere europäische Länder hat Deutschland bislang aber keine Ausgangssperre verhängt. Warum eigentlich nicht? Und was bedeutet es, wenn sie kommt?

    „Die Lebensmittelversorgung ist gesichert“

    Ob Nudeln, Konserven oder Toilettenpapier: Viele Menschen befürchten wegen der Corona-Krise offenbar Engpässe – und machen Hamsterkäufe. Für Ministerin Klöckner besteht dafür kein Anlass.

    ____________

    Die Solidarität der EU (II) (18.03.2020)
    Experten rechnen mit schweren Erschütterungen der EU in der Coronakrise. Zentrifugale Kräfte werden schon jetzt stärker.

    BERLIN (Eigener Bericht) – Experten rechnen mit ernsten Erschütterungen der EU durch die Coronakrise und spekulieren über einen möglichen Zerfall der Union. Die schweren menschlichen Kosten der Pandemie und das Gefühl, „dass die europäischen Institutionen nicht helfen“, könnten gerade in den am härtesten betroffenen Ländern wie Italien und Spanien, die zugleich in hohem Maß verschuldet seien, zentrifugale Tendenzen hervorbringen, urteilt ein US-Experte. Bereits jetzt steigen die Spannungen etwa zwischen Deutschland auf der einen und Frankreich und Italien auf der anderen Seite, nachdem Berlin im Alleingang die deutschen Außengrenzen geschlossen und damit das Schengener Abkommen ausgehebelt hat. Während der Élysée-Palast „die unilateralen Maßnahmen an den Grenzen“ verärgert moniert, heißt es in der EU-freundlichen italienischen Tageszeitung La Repubblica, Berlin sei, anstatt sich „mit den Partnern“ detailliert abzustimmen, in einer der schwersten Krisen der Union einer „nationalen Logik“ gefolgt. Faktisch habe damit das Covid-19-Virus die letzten „Illusionen“ über die EU „hinweggefegt“.

    Die deutsch-französische Freundschaft

    Heftigen Unmut hat die Bundesregierung mit der weitgehenden Schließung der deutschen Grenzen unter anderem in Frankreich hervorgerufen. Präsident Emmanuel Macron hatte sich bereits am Donnerstag in einer Fernsehansprache kritisch gegenüber einer Abriegelung der Grenzen innerhalb der Union gezeigt und bekräftigt, diese müsse, wenn sie denn vorgenommen werden solle, „auf EU-Ebene“ beschlossen werden.[1] Nur einen Tag später wurde gemeldet, die Bundesrepublik habe einseitig ihre Kontrollen an der Grenze nach Frankreich verstärkt. Gleichfalls am Freitag forderte der Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans, Pendler aus Frankreich auf, ihrer Erwerbsarbeit in Deutschland nicht mehr nachzugehen; den Vorstoß unterstützten Berichten zufolge Konzerne mit Standorten im Saarland wie Ford oder ZF.[2] Zuständige Stellen in Frankreich wurden von den Grenzkontrollen überrascht: „Ich bin von meinen eigenen Polizeibeamten darüber informiert worden“, protestierte etwa Josiane Chevalier, Präfektin der betroffenen französischen Region Grand Est; der Schritt sei gänzlich „ohne Absprache“ unternommen worden.[3] Die fehlende Abstimmung mit dem Nachbarland glich die Regierung des Saarlandes durch das Hissen der französischen Flagge vor saarländischen Behördengebäuden aus. Der saarländische Europaminister, Peter Strobel, ließ sich am Sonntag mit dem Ausruf zitieren: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“[4]

    Risikogebiet

    Auch die deutsche Grenzschließung von diesem Montag, von der neben Frankreich noch die Schweiz, Österreich, Luxemburg sowie Dänemark getroffen wurden, ist in Paris mit Verärgerung aufgenommen worden. Zwar gab Innenminister Christophe Castaner an, es habe diesmal zwischen beiden Seiten eine förmliche „Absprache“ über den Schritt gegeben. Dennoch verlautete aus dem Élysée-Palast – mit Bezug darauf, dass die Schließung einseitig von Berlin vorgenommen wurde –, es gebe erheblichen Unmut über „die unilateralen Maßnahmen an den Grenzen“.[5] Ausnahmen gelten dabei für Pendler, die – wie Ärzte oder Pflegepersonal – in Deutschland als „systemrelevant“ eingestuft und deshalb weiterhin als Arbeitskräfte benötigt werden.[6] Der Unmut in Paris wird dadurch verstärkt, dass das Robert-Koch-Institut in Berlin kurzerhand die gesamte Region Grand Est als ein „Risikogebiet“ eingestuft und damit die weitreichende Grenzschließung begründet hat. Tatsächlich sind mehr als 60 Prozent der Covid-19-Fälle in der Region im Département Haut-Rhin festgestellt worden; alle neun anderen Départements in Grand Est sind deutlich weniger stark betroffen. Das Robert-Koch-Institut steht auch anderweitig in der Kritik; unter anderem publiziert es seit Tagen veraltete, deutlich zu niedrige und damit geschönte Angaben über Infektions- und Todesfälle in Sachen Covid-19 in der Bundesrepublik.

    Rückendeckung durch die EU

    Rückendeckung erhält Berlin in Sachen Grenzschließung durch die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen. Die Kommission spricht sich zwar pflichtgemäß prinzipiell gegen Grenzschließungen aus, da diese dem Schengener Abkommen zuwiderlaufen. Doch wird etwa von der Leyens Sprecher Eric Mamer mit der Aussage zitiert, Brüssel müsse in der Praxis wählen, ob es die Grenzschließungen anprangere oder doch lieber für die Verbesserung der Lage kämpfe – und vor diese Wahl gestellt, entscheide sich die Kommissionspräsidentin für die zweite Option.[7] Entsprechend heißt es in Leitlinien, die jetzt in Brüssel abgefasst wurden, in einer „außerordentlich kritischen Lage“ seien Grenzkontrollen zulässig. Laut Auffassung von Beobachtern deckt die Formulierung der Leitlinien die deutschen Grenzschließungen ab, weil sie die Einreise aus besonderen Risikogebieten verhindern. Ob sich hingegen auch Tschechien und Dänemark bei ihren Grenzschließungen auf die aktuellen Leitlinien der EU-Kommission berufen könnten – beide haben gleichfalls ihre Grenzen geschlossen –, sei „zweifelhaft“; außerdem gelte: „Polen, Ungarn und Litauen können das nicht“.[8]

    Nur noch Rhetorik

    Steigender Unmut ist nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus Italien zu vernehmen. Es sei „kein unbedeutendes Ereignis“, dass in Berlin, in „der Hauptstadt der hegemonialen Nation in Europa“, dem „Angelpunkt der ökonomischen und institutionellen Architektur, auf die die Union sich stützt“, entschieden worden sei, mit der Grenzschließung das Schengener Abkommen zu sprengen, hieß es zu Wochenbeginn in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica, die – im Gegensatz etwa zur italienischen Rechten und zum Milieu der Cinque Stelle, die auch in der Coronakrise jeweils deutlich EU-kritische Positionen vertreten – als prinzipiell in hohem Maß EU-freundlich gilt. Berlin habe den Bruch mit Schengen im Alleingang beschlossen, in Verfolgung „einer nationalen Logik“, anstatt den Schritt – so hatte es in der vergangenen Woche auch Macron gefordert – „mit den Partnern“ zu diskutieren. Damit habe „das Virus in wenigen Wochen die Illusionen hinweggefegt“, für die Schengen – als Symbol der Freizügigkeit – stehe, hieß es in La Repubblica. Ähnliches habe man schon beobachten können, als Griechenland „um den Preis eines untragbaren sozialen Leidens saniert“ worden sei – als man „begriffen“ habe, „dass in der Union eine starre Hierarchie existiert“. All dies geschehe, während in Italien Hilfslieferungen aus dem „klugen China“ einträfen, nicht aber von den „misstrauischen europäischen Freunden“: „Das Virus hat die Heucheleien zertrümmert, es bleibt nur die Rhetorik.“[9]

    Mächtige Zentrifugalkraft

    Zu den politischen Spannungen um die deutschen Grenzschließungen kommen die ökonomischen hinzu, die die Union spätestens seit der großen Krise der Jahre 2007 und 2008 begleiten und die nach wie vor ungelöst sind. Daran hat jetzt ein Experte des American Enterprise Institute aus Washington erinnert. Die drei Länder, die – außer Deutschland – am stärksten von der Pandemie betroffen seien, seien Italien, Spanien und Frankreich, also diejenigen, die über die geringsten finanziellen Spielräume verfügten, konstatiert der US-Spezialist: Italiens Verschuldung liege zur Zeit bei 134 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, diejenige Spaniens und Frankreichs nahe bei 100 Prozent. Die menschlichen Kosten der Pandemie, die Ängste, die daraus entstünden, sowie das Gefühl – sei es berechtigt oder nicht –, „dass die europäischen Institutionen nicht helfen“, könnten sich durchaus „zu einer mächtigen Zentrifugalkraft aufsummieren“.[10] „Die Anführer der EU“ stünden vor der Wahl, „entweder mutig der Peripherie zu helfen, oder die Peripherie wird sich so helfen, wie sie kann – auch wenn das bedeutet, dass sich die Eurozone und die EU auflösen“.

    Hilfe aus Beijing

    Wie gestern bekannt wurde, hat inzwischen mit Spanien ein zweites großes EU-Land China um Hilfe im Kampf gegen den Covid-19-Virus gebeten. Demnach erfolgte die Bitte schon vergangene Woche, nachdem Deutschland ein Exportverbot für medizinische Schutzausrüstung verhängt hatte. War bereits am Donnerstag ein chinesisches Expertenteam mit 31 Tonnen Hilfsgütern in Rom eingetroffen, so bereitet Beijing mittlerweile laut Berichten eine Lieferung von Testkits, Atemschutzmasken und weiterer Schutzausrüstung vor. Außerdem ist die Entsendung chinesischer Ärzte nach Spanien im Gespräch; die Volksrepublik, heißt es, ziehe sie „positiv in Betracht“.[11]

  73. 73 Kehrer 18. März 2020 um 3:34 Uhr

    Solidarität der Eu: Als ob es da Illusionen gegeben hätte. Das war doch von Anfang an klar, dass sich in der EU Konkurrenten gegen größere Konkurrenten verbünden. Und jetzt tun sie so, als sei das eine Solidargemeinschaft oder sowas gewesen.

    Von der Formalie abgesehen, dass sich die Bundesregierung nicht abgestimmt hat, können die anderen doch froh sein, wenn der Virus nicht frei in Europa hin und herwandern kann. Ich bin übrigens sicher, dass für solche Fälle das Schengenabkommen ergänzt werden wird. Ich kann darin nicht mehr sehen als dass der Führungsnation ans Bein gepisst werden soll. Jedenfalls kann ich kein materielles Interesse entdecken, das durch die einseitigen deutschen Grenzschließungen beeinträchtigt wird. Ich glaube eher die Grenzschließungen sind nicht so sehr das Thema wie die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Virus, die für einige Staaten vielleicht nicht zu stemmen sind.

  74. 74 Nestor 18. März 2020 um 10:32 Uhr

    AKH hat jetzt 90-Minuten-Tests
    Tests auf Sars-CoV-2 können jetzt wesentlich schneller durchgeführt werden: Das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) hat mittlerweile Tests, die nur mehr 90 Minuten dauern, berichtete Florian Thalhammer von der Abteilung für Infektionen der Med-Uni Wien/AKH sm Dienstag in der „ZiB 2″. Und: Derzeit sei auch Tirol Risikogebiet – und der Aufenthalt in einem Risikogebiet ist die Voraussetzung für einen Test.

    Bisher dauerte es mehr als vier Stunden an reiner Laborzeit, bis nach einem Abstrich ein Ergebnis vorlag. Mit 90 Minuten Dauer können wesentlich mehr Verdachtsfälle überprüft werden. Dennoch bleibt es laut Thalhammer dabei, dass neben entsprechenden Symptomen auch ein Aufenthalt in einem Risikogebiet samt Risikokontakten gegeben sein muss, damit getestet wird. Das waren bisher Aufenthalte in Italien und im Iran. Und jetzt zählt auch Tirol dazu, sagte Thalhammer auf Nachfrage.

    Kritik, dass es zu wenig Tests gebe oder man zu lange warten müsse, hielt er entgegen, dass die Testkapazitäten generell hochgefahren worden seien. Mittlerweile gebe es viele Anbieter und so stünden ausreichend Tests zur Verfügung.
    -----

    VW: Lieferkette vor Zusammenbruch

    Volkswagen geht davon aus, dass die Versorgung seiner Werke mit Teilen schon bald abreißen wird. „Durch die zunehmend herausfordernde und dynamische Situation im Bereich der Zulieferer und Logistik kann eine stabile Versorgung der Werke nicht mehr dauerhaft gewährleistet werden“, teilte die Marke VW am Mittwoch bei der Präsentation der Bilanz 2019 mit. Gleichzeitig zeichne sich ab, dass der Absatz in Europa einbreche. VW werde deshalb die Produktion in seinen europäischen Werken für zunächst zehn Werktage aussetzen.

    Am Vortag hatte Volkwagen mitgeteilt, die Hauptmarke des Wolfsburger Konzerns wolle die Produktion in den europäischen Werken sukzessive herunterfahren und die Fertigung dann zwei Wochen aussetzen. In den deutschen Werken soll die Arbeit bereits am Donnerstagabend nach der Spätschicht weitgehend zum Erliegen kommen.

    https://www.derstandard.at/jetzt/livebericht/2000115867752/coronavirus-auch-soelden-und-st-christoph-unter-quarantaene-eu-beschliesst

  75. 75 Kehrer 18. März 2020 um 11:17 Uhr

    Da kein Kommentar von dir bei Text nr.1 steht, schreibe ich den. Ich nehme an du postest das, weil der Text ziemlich widersprüchlich ist. 1. Natürlich ist es auch in Wien bzw. Österreich verkehrt, wenn man den überholten Unsinn des RKI immer noch nachbetet, dass Symptome für einen Test nicht ausreichen, sondern man aus einem Risikogebiet kommen muss. Mittlerweile ist ganz Europa Risikogebiet. Wenn man mal die Einwohnerzahl von Österreich dazunimmt zu den Infiziertenzahlen. Dann liegt Österreich zwischen Bayern und Baden Württemberg. So über den Daumen ist ganz Westeuropa gleichmäßig durchseucht (soll nicht heißen, dass es schon vollständig durchseucht ist).

    Also ist das zweite Kriterium bloß eine Verschleierung der Tatsache, dass immer noch zu wenige Testkapazitäten vorhanden sind. Man tut so als seien sie gar nicht zwingend erforderlich. Da fragt man sich doch, warum die Testkapazitäten dann hochgefahren, werden. (Was ich für richtig halte.) Ich denke man will nicht offen sagen, dass zu wenige Tests zur Verfügung stehen.

  76. 76 Neoprene 18. März 2020 um 12:42 Uhr

    „Ich denke man will nicht offen sagen, dass zu wenige Tests zur Verfügung stehen.“
    Nicht nur in diesem Fall, Prof. Wieler als der staatlich bestellte Abwiegler hat heute morgen in seiner täglichen Pressekonferenz noch nicht mal sagen können, ob es wie in anderen Staaten Reserven an Schutz-Zeugs gibt für Gesundheitserbeiter. Ich vermute, er wußte es (Nein, sowas haben wir hier nicht, das wäre ja ins Geld gegangen), traute sich aber nicht, das zuzugeben.
    Ähnlich ist es ja auch bei der Bewertung der Bettenkapazitäten in den Krankenhäusern, insbesondere in Bezug auf Intensivstationsbetten und Beatmungsgeräte: Erst hat es bei jeder Pressekonferenz von Wieler bis Spahn geheißen, daß Deutschland gut aufgestellt sei, jetzt läßt die Berliner Gesundheitssenatorin ein Zusatz/Reserve-Krankenhaus aufs Messegelände stellen, weil absehbar ist, daß italienische Zustände nur ein paar Wochen weg sind.
    In Großbritannien hat die anfangs ja total abwieglerische Regierung von Johnson jetzt High-Tech-Unternehmen wie Rolls Royce gebeten, doch auf die Schnelle die auch dort dringend benötigten Geräte herzustellen. Sowas habe ich bisher von Spahn oder Merkel noch nichtgehört.

  77. 77 Kehrer 18. März 2020 um 13:47 Uhr

    Kann eigentlich jemand erklären, warum Deutschland z.B. im Vergleich zu Spanien, relativ wenig Tote hat, aber auch wenig geheilte, während Spanien 1000 geheilte hat, aber auch 500 Tote. Meines Wissens ging die Entwicklung parallel in Deutschland und Spanien, sodass es nicht sein kann, dass eine zeitliche Verschiebung des Krankheitsverlaufs in den beiden Ländern der Grund ist. Falls z.B. Spanien eine Woche früher infiziert worden wäre, gäbe es bei hypothetischen 3 Wochen Krankheit dann eben auch eine Woche früher geheilte und Tote.
    Aber vielleicht stimmt meine Annahme auch nicht und die Spanier wurden wirklich früher angesteckt.

    Oder hängt das daran, dass in Deutschland sozusagen alle Todeskandidaten an der Beatmungsmaschine hängen und deshalb nicht sterben, sollten dann die Kapazitäten solcher Maschinen ausgeschöpft sein, hagelt es Todesopfer? Vielleicht hat jemand eine einleuchtende Theorie.

  78. 78 Neoprene 18. März 2020 um 14:54 Uhr

    Ich denke, daß es noch viel zu früh ist, um Ausbreitungsraten, Anteile von Krankenhausbedürftigen und letzltich auch Sterberaten genau zu bestimmen. Das wird schon in sagen wir mal vier Wochen klarer sein, weil es dann in ganz Europa um Zehnerpotenzen mehr Fälle geben wird.
    Bei einer Krankheit wie Covid-19, wo es erstens einige Tage dauert, bis man überhaupt was merkt und zudem die meisten Infizierten nicht sonderlich geschwächt werden, ist es im Augenblick schwierig mit Bestimmtheit anzugeben, wo sich ein Herd entwickelt hat, welche Gegend schon weiter ist oder noch nachhinkt. Wenn dann noch dazu kommt, daß in den Staaten unterschiedlich getestet wird, dann macht das Vergleiche erst recht schwierig.
    Grundsätzlich dürften die Bevölkerungen der Staaten in Europa ungefähr ähnlich von dem Virus befallen werden, Staaten mit einer durchschnittlich älteren Bevölkerung wie z.B. Norditalien, werden schlimmer betroffen sein. Das Gesundheitswesen scheint mir überall nicht in der Lage zu sein, wirklich viele Patienten optimal zu betreuen, die Lombardei wird wohl, befürchte ich, nicht das einzige Gebiet in Europa sein, wo die Krankenhäuser das nicht mehr schaffen.

  79. 79 PK 18. März 2020 um 15:24 Uhr

    In Spanien gibt es 3 Krankenhausbetten pro 1000 Menschen

    Auch in Spanien wurde stark abgewiegelt. Z.B.: Am 8ten März fand der Frauentag mit großen Demos statt (Zur Erinnerung: Spahn warnte am 8ten vor Events mit über 1000 Besucher – entsprechend wurde hier viel abgesagt). Am 9ten März explodierten die Infizierten-Zahlen und nochmal am 13ten (gibt immerhin eine Inkubationszeit). Das erklärt den Knick in der Kurve: https://www.worldometers.info/coronavirus/country/spain/

    Auch getestet wurde spät und wenig – eigentlich nur, wenn es ernste Symptome gab – und Spanien ist ein beliebtes Reiseland. Wer weiß wie viele Angesteckte es in der Tat gibt – wie Neo schon allgemein angesprochen hat.

    Deutschland hat 8 Betten pro 1000 Menschen und das Gesundheitssystem ist stark verästelt und verteilt. Die Bevölkerung ist in Deutschland ebenso stärker gestreut.
    Die Infiziertenzahl ist viel gleichmäßiger angestiegen – besser zu beherrschen und das medizinische Personal wird nicht so schnell angesteckt:
    https://www.worldometers.info/coronavirus/country/germany/

    „Die deutsche Messmethode: weitere Diagnose
    Obwohl die Tests zur Bestimmung, wer ein Coronavirus hat und wer nicht, dieselben sind, ist die Art und Weise, wie jedes Land der Europäischen Union sie anwendet, nicht koordiniert. Die deutsche Methode unterscheidet sich von der Spaniens und anderer Länder: Es gibt eine bessere Diagnose, so Margarita del Val, Forscherin am Severo Ochoa-Zentrum für Molekularbiologie (CSIC-UAM).

    „Es werden mehr Menschen aufgrund ihres potenziellen Risikos für die Diagnose ausgewählt, und deshalb werden mehr positive Koronaviren entdeckt. Das heißt, Menschen mit leichten Symptomen oder Menschen, die keine Symptome haben und Kontakte eines Positivs sind, werden einbezogen. Es werden viele Menschen gezählt, die hier in Spanien nicht diagnostiziert werden, und deshalb ist der Anteil der Todesfälle in Deutschland geringer“, erklärt del Val.

    Diese Methode wurde angewandt, seit der erste Fall von Coronavirus in Deutschland am 28. Januar 2020 bekannt wurde. Und, so del Val, einer der Schlüsselpunkte, die diese geringere Sterblichkeitsrate erklären können.

    Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)“

    https://www.newtral.es/el-coronavirus-en-alemania-aumentan-los-casos-pero-hay-muy-pocas-victimas/20200317/

    „Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ermöglichen die deutschen Ressourcen 160.000 Tests pro Woche, eine Zahl, die bei Bedarf noch erhöht werden könnte. In Spanien hingegen wurden bisher nur etwas mehr als 30.000 Tests durchgeführt, und die Politik ist das Gegenteil: Seit der Eskalation der Epidemie wurde beschlossen, nicht mehr systematisch zu testen, ob nur leichte oder asymptomatische Symptome vorliegen.

    Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)“
    https://www.libertaddigital.com/ciencia-tecnologia/salud/2020-03-18/coronavirus-alemania-por-que-menos-muertos-1276654175/

    Das hatte ich irgendwo schon gepostet, wurde aber vom System verschluckt, falls die Nachricht doch auftauchen sollte, einfach löschen @Nestor. Sorry für Umstände

  80. 80 PK 18. März 2020 um 16:25 Uhr

    Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ermöglichen die deutschen Ressourcen 160.000 Tests pro Woche, eine Zahl, die bei Bedarf noch erhöht werden könnte. In Spanien hingegen wurden bisher nur etwas mehr als 30.000 Tests durchgeführt, und die Politik ist das Gegenteil: Seit der Eskalation der Epidemie wurde beschlossen, nicht mehr systematisch zu testen, ob nur leichte oder asymptomatische Symptome vorliegen.

    Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)
    Quelle:
    https://www.libertaddigital.com/ciencia-tecnologia/salud/2020-03-18/coronavirus-alemania-por-que-menos-muertos-1276654175/

  81. 81 Neoprene 18. März 2020 um 17:58 Uhr

    Hier eine Übersicht über die Dichte von Intensivbetten in den verschiedenen europäischen Staaten 2012:
    https://link.springer.com/article/10.1007/s00134-012-2627-8/figures/1
    Das streute also von 4 pro 100.000 Einwohnern in Portugal bis zu 29 in Deutschland. Soviel mehr werde ndas seitdem nicht geworden sein.
    Es gibt nun Modell-Rechnungen, z.B. vom Imperial College London, daß selbst bei optimistischen Annahmen über den Erfolg von Abflachungsmaßnahmen auf dem Höhepunkt der Epidimie leider mindestens 100 Intensivbetten nötig wären.
    https://www.vox.com/policy-and-politics/2020/3/17/21183263/coronavirus-us-hospitals-elective-surgeries-icu-masks
    Wenn das wahr werden würde, wären selbst in Deutschland die Krankenhäuser hoffnungslos überlastet.

    Dazu ein aktueller Bericht aus der Lombardei:
    Doctors: COVID-19 pushing Italian ICUs toward collapse
    http://www.cidrap.umn.edu/news-perspective/2020/03/doctors-covid-19-pushing-italian-icus-toward-collapse

  82. 82 Gustavo 18. März 2020 um 18:05 Uhr

    Vertrauen statt Krankenhausbetten

    Vertrauen in die Politiker ist erste Bürgerpflicht
    Scholz feuert aus der Bazooka (wer zahlt die Miesen eigentlich am Ende des Tages?), Spahn tischt Maßnahmen auf, die all unser Leib und Leben schützen. Ist das glaubhaft und was machen die Politiker außer solchen verdienstvollen Dingen und was haben sie eigentlich sonst so gemacht.
    Mit viel Fleiß zum Beispiel das Gesundheitswesen zu einer Profitmaschine umgerüstet, wobei dann naturgemäß etliche dringend notwendige Arbeitsbereiche unter den Tisch fallen, was man jetzt besichtigen kann.

    Dazu das Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“
    „-Unsere Krankenhäuser sind auf ökonomische Effizienz getrimmt. Und da das Finanzierungssystem über Fallpauschalen nur erbrachte Leistungen bezahlt, für das Vorhalten von Betten und Therapiekapazitäten für den Not- oder Katastrophenfall aber keine Mittel bereitstellt, werden solche Situationen in der Planung der Klinikabläufe auch nicht ausreichend berücksichtigt.
    - Landauf landab werden in zunehmenden Ausmaß in vielen Krankenhäusern Betten – auch auf Intensivstationen – gesperrt, weil – schon ohne den Andrang von zusätzlichen Covid-19-Erkrankten – nicht genügend Pflegekräfte zur Verfügung stehen, um die Patienten bei den vorhandenen Bettenkapazitäten angemessen zu versorgen. Für die Versorgung schwer kranker Covid-19-PatientInnen stehen also in Wirklichkeit weniger Betten zur Verfügung als dies aus den Krankenhausstatistiken herauszulesen ist.“ (1)
    So geht also Gesundheitspolitik in einem der reichsten Länder der Welt

    »Wir müssen der Pandemie mit einer globalen Vision entgegentreten« (Außenministerium Kuba)
    Die vielfach beschworene europäische Solidarität, die ja angesichts eines nicht an Ländergrenzen zu stoppenden Virus, was zwingend etwas sachlich Gebotenes hätte, sieht dagegen so aus:
    Europäische Solidarität zeigt sich darin, dass Deutschland sich federführend für ein Ausfuhrverbot medizinischer Hilfsmittel gegen den Corona Virus einsetzt, auch Italien ist von diesem Verbot betroffen und auch Serbien.
    Global ist ein Fremdwort – Nachbarschaftshilfe aber genauso
    Der Exportweltmeister Deutschland kann nicht genügend Atemschutzmasken und ähnliche Hilfsmittel herstellen, ist das wirklich glaubhaft. Wie wäre es denn, wenn Spahn sich dafür mal die Bazooka von Scholz ausleihen würde?
    Dass es auch anders geht, hat China gezeigt. Am 12.03. 2020 trafen 9 chinesische Experten mit 31 Tonnen Hilfsmittel im Gepäck in Italien ein. So viel – an dem eben genannten Gedanken zurückgebunden -zu unseren treusorgenden Politikern, die stets nur das Beste wollen.(2)
    In diesem Zusammenhang kommt auch Kuba ins Blickfeld:
    Hilfe aus Havanna
    Zahlreiche Staaten setzen bei Bekämpfung der Coronapandemie auf Unterstützung aus Kuba. Gesundheitssysteme in Brasilien und Bolivien vor Kollaps
    Von Volker Hermsdorf

    „Mehrere Länder Lateinamerikas und der Karibik – aber auch Italien – hoffen auf die Unterstützung Kubas im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus. Wie der Premierminister von Jamaika, Andrew Holness, am Wochenende mitteilte, werden am 24. Märzzunächst 21 speziell ausgebildete kubanische Krankenschwestern auf der zum Katastrophengebiet erklärten Nachbarinsel eintreffen, insgesamt sollen es 100 werden. Auch die Regierungen von St. Kitts und Nevis sowie St. Vincent und den Grenadinen bestätigten, dass sie Hilfe aus Kuba in Anspruch nehmen werden oder bereits erhalten haben. In Italien informierte die kubanische Botschaft am Wochenende über eine mögliche Zusammenarbeit beider Länder, nachdem der Gesundheitsminister der Lombardei, Giulio Gallera, Kuba, Venezuela und China offiziell um Hilfe gebeten hatte.“
    . Kuba und China hatten dem südamerikanischen Land (Venezuela) in der vergangenen Woche bereits Diagnosesets zum Feststellen von Coronainfektionen zur Verfügung gestellt. Die USA hatten mit Verweis auf bestehende Sanktionen versucht, deren Lieferung zu verhindern. »Wir müssen der Pandemie mit einer globalen Vision entgegentreten«, erklärte das Außenministerium in Havanna zu den Anfragen aus verschiedenen Teilen der Welt und verwies zugleich auf die »soziale Verantwortung und den Beitrag aller in der internationalen Zusammenarbeit«. (3)
    Wie nicht selten schießen die USA wieder einmal den Vogel ab: Die beste Bekämpfung des Corona Virus besteht drin, ein zum Feind erklärtes Land niederzuzwingen

  83. 83 Kehrer 18. März 2020 um 19:00 Uhr

    Vielen Dank PK und neo für die Links. Da schimpfe ich, dass in Deutschland zu wenig getestet wird, und in Spanien sieht es noch schlechter aus. Aber das hat man davon, wenn man vergleicht, plötzlich steht Deutschland vergleichsweise gut da, obwohl auch hier nicht genug getestet wird. Also ist die spanische Situation eine Mischung aus zu wenigen Intensivbetten und zu wenigen Tests und zu langsamer Reaktion auf die Seuche.

    Folgendes aus dem VOX Artikel aus den USA, der aber genauso in einem deutschen Krankenhaus stattfinden könnte:

    “; Der Patient wurde negativ auf Grippe getestet, erfüllte jedoch nicht die CDC-Richtlinien für Coronavirus-Tests. Die Krankenschwestern mussten daher keine Maske tragen, wenn sie nach diesem negativen Test mit dem Patienten interagierten.

    Später wurde bekannt, dass eines der Familienmitglieder des Patienten kürzlich in Wuhan, China, gewesen war und bestätigt wurde, Covid-19 zu haben. Nachdem diese Informationen enthüllt worden waren, wurde der Patient schließlich für einen Test eingeplant und die Masken wurden erneut verwendet. Zwischen dem negativen Grippetest und der Entdeckung, dass der Patient ein Covid-19-Fall sein könnte, wenn keine Schutzausrüstung verwendet wurde, lagen mehrere Stunden.

    Der Patient hustete die meiste Zeit der Nacht und setzte möglicherweise Krankenschwestern und andere Patienten auf der Intensivstation aus. Doch selbst nachdem die Krankenschwester über die mögliche Exposition informiert hatte, sagten ihre Vorgesetzten, sie könnten weiterarbeiten und müssten keine Maske tragen, „weil wir Mangel haben“. Die Krankenschwestern wurden angewiesen, dass sie, selbst wenn sie die Exposition bestätigt hatten, zur Arbeit kommen sollten, es sei denn, sie haben Symptome.

    „Sie beschützen uns nicht. Sie nehmen unsere Masken weg “, sagte die Krankenschwester. „Das einzige, worüber wir uns alle Sorgen machen, ist, dass wir das Virus an die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen abgeben.“

    Diese Abwiegelei durch die Vorgesetzten ist grob fahrlässig.

  84. 84 Neoprene 18. März 2020 um 19:02 Uhr

    Zu den Kapazitäten für Covid-19-Behandlungen:

    „In zwei oder drei Monaten sei es möglich, die Zahl der Intensivbetten von derzeit 28.000 auf rund 34.000 aufzustocken. Auch die Zahl der Beatmungsgeräte von derzeit 20.000 Stück müsse erhöht werden.“
    „Das Familienunternehmen hat von der Bundesregierung den Auftrag über 10.000 Beatmungsgeräte bekommen – ein Vielfaches der üblichen Jahresproduktion. Die meisten Apparate sollen schon bis zum Jahresende zum Beispiel bei der stationären Behandlung von Covid-19-Patienten eingesetzt werden.
    Offensichtlich verfolgt die Bundesregierung mit dem Riesenauftrag die Absicht, die Zahl von derzeit 28.000 Betten auf Intensivstationen in deutschen Krankenhäusern um mehr als ein Drittel erhöhen zu können. Derzeit existiert ein sogenannter Schlüssel von 0,8 Beatmungsgeräten pro Krankenbett auf diesen Stationen.

    „5,000. That’s the total of available ICU beds in Great Britain in surge capacity mode. Excess deaths start to ramp up when these beds hit capacity as those who need critical care are not able to access it – which is exactly what has happened in Italy. The Imperial report estimates that around 4.4 per cent of people infected with Covid-19 will need to be hospitalised, with 40 per cent of those people requiring critical care. For the most vulnerable people that figure is much higher. Around 27.3 per cent aged 80-plus who show symptoms will require hospitalisation, with 70.9 per cent of that number require critical care.
    https://www.wired.co.uk/article/coronavirus-uk-suppression-response

    The Paris hospitals have a supply of around 2.5m masks. If these are used according to the health ministry’s current guidelines, Paquet says, they will last about two weeks.
    At the national level, the total number of infected cases is expected to range from 22,872 in the best case (R0= 1.5) to 161,832 in the worst case (R0= 3), while the total number of deaths would vary from 1,021 to 11,032, respectively.At the regional level, all ICU capacities may be overrun in the worst scenario. Only seven Regions may lack ICU beds in the mild scenario (R0= 2.25) and only one in the best case. In the three scenarios, Corse may be the first Region to see its ICU capacities overrun. The two other Regions, whose capacity will be overrun shortly after are Grand-Est and Bourgogne-Franche-Comté. Our analysis shows that, even in the best case scenario, the French healthcare system will very soon be overwhelmed. While drastic social distancing measures may temper our results, a massive reorganization leading to an expansion of French ICU capacities seems to be necessary to manage the coming wave of critically affected COVID-19 patients.
    https://www.ea-reperes.com/wp-content/uploads/2020/03/PredictedFrenchHospitNeeds-EHESP-20200316.pdf

  85. 85 Nestor 18. März 2020 um 20:44 Uhr

    @Kehrer

    Das war doch von Anfang an klar, dass sich in der EU Konkurrenten gegen größere Konkurrenten verbünden.

    Damals, als diverse Staaten beitraten, sind sie von der Illusion ausgegangen, daß das Bündnis die Konkurrenz ein Stück weit aussetzt und ihnen nützt.
    Es sah bis zur Finanzkrise 2007 ff. auch so aus, als ob das hinhaut, und das gemeinsame Geld und der damit ermöglichte Kredit sie alle voranbringt.
    Seither versuchen sie, in der Zwangsjacke, als die sich der Euro inzwischen erwiesen hat, weiterzuwurschteln, aber es kann eben sein, daß die jetzige Situation ein Auseinanderfliegen der Eurozone zur Folge hat. Genauso, wie GB während der Brexit-Verhandlungen und auch nach dem vorläneue Handelsbeziehungen zu knüpfen versucht, können sich auch andere Staaten bemühen, andere Bündnisse zu knüpfen, z.B. Sonderbeziehungen zu China entwickeln.

    @Neoprene

    Ich verstehe ja deinen Unmut wegen meiner Ignoranz :D und möchte das alles nicht so stehen lassen.
    Natürlich hätte ich nachschauen können, was das für ein Zeug ist, das habe ich nicht gemacht, weil mir andere Informationen wichtiger waren.

    Aber ein Medikament nicht zu kennen empfinde ich als völlig normal.
    Es gibt nämlich nur 3 Gründe, es zu kennen: Entweder man ist im medizinischen Bereich oder in einer Apotheke tätig, oder man nimmt es selber, oder man kennt im näheren Umfeld Leute, die es nehmen.
    Es gehört nicht zur Bürgerpflicht und auch nicht zur Allgemeinbildung, darüber Bescheid zu wissen, was andere Leute an Medikamenten zu sich nehmen.

    Mir fällt immer wieder auf, daß es für viele Leute inzwischen offenbar zur Existenzbewältigung gehört, dauernd irgendwelche Pulverln zu schlucken.
    Es werden einem auch gerne in Krankenhaus und beim Arzt wegen jedem Kratzer – beinahe schon auf aufdringliche Weise – Schmerzmittel-Rezepte angetragen.

    Das weist auf einen schlechten Zustand der Volksgesundheit hin.
    Auf eine Medizin, die gerne Medikamente verschreibt, um die Leute aus den Ordinationen hinaus und an die Arbeitsplätze zu bringen – egal, ob das der individuellen Gesundheit dient.
    Aber auch auf die Gewohnheit, Pulverln zu schlucken, um nicht einschneidende Veränderungen in der Lebensführung vornehmen zu müssen – mit anderen Worten, um das Hamsterrad auszuhalten.

    Mit dem Ergebnis, daß offenbar inzwischen in ganz Europa das Immunsystem der Menschen am Boden ist und nicht erst das Coronavirus, sondern auch andere Grippeviren solche Folgen zeitigen, wie sie heute zu beobachten sind.

  86. 86 Nestor 18. März 2020 um 20:58 Uhr

    Was die anderen hier aufgeworfenen Fragen angeht, so bin ich ebenfalls überfragt.
    Mir fällt z.B. im Vergleich von Österreich und Holland auf der Virus-Landkarte
    https://earth3dmap.com/coronavirus-interactive-global-map/
    eine weitaus höhere Sterblichkeit auf, bei etwas mehr bestätigten Fällen.

    Es scheint der Zustand des Gesundheitswesens eine Rolle zu spielen, aber offenbar auch noch andere Faktoren, wie z.B. der oben von mir angesprochene nationale Zustand des Immunsystems oder die Verteilung der Bevölkerung auf städtische und ländliche Bereiche.
    Wobei „Land“ auch relativ ist, wenn man zwar wie ich am Land lebt, dort aber in der Saison Zehntausende von Touristen einfallen.

    Auch mit den Tests bin ich verunsichert.
    Erst hieß es, es gäbe zuwenig verläßliches Testmaterial.
    Jetzt heißt es, es sei genug da und ginge auch schneller.
    Gleichzeitig heißt es wieder, erst ab einem gewissen Stadium wäre der Test sinnvoll.
    Dann kommen wieder andere und sagen, die Testerei bringt gar nichts, wichtig sei der Ausbau der Krankenhaus- und Pflegekapazitäten.

  87. 87 Peer 18. März 2020 um 21:05 Uhr

    Dass viele Menschen diverse Chemie-Produkte nahezu selbstverständlich ziemlich regelmäßig einpfeifen, damit sie körperliche Schmerzen nicht mehr bemerken, oder damit sie z.B. überhaupt regelmäßig einschlafen können – das erstaunt und erschreckt mich schon auch immer wieder.

    Dass man besser aber alles sollte aushalten können, ohne solche Medikamente, das soll jetzt nicht meine Botschaft sein. Die Medizinmänner der Nation entdecken aber hier allerhand latentes oder manifestes Suchtpotential bzw. körperliche Abhängigkeiten. Und die Ruinierung der Physis. Mancher Kopfschmerz begründet sich nach gewisser Zeit vor allem in der regelmäßigen Einnahme der Tabletten dagegen. (Von den diversen eigentümlichen Varianten des Gebrauchs von Alk., Drogen, Aufputschmitteln im stinknormalen Berufsalltag, incl. Erholung für ihn, mal ganz zu schweigen.)

    Das gehört zum Aushalten-Wollen des Kapitalismus. Und den Standpunkt der Volksgesundheit tangiert das deswegen eben auch nur dann, wenn es dysfunktionale Auswirkungen hat, der einzele sich damit also ruiniert (anstatt besser zu funktionieren).

    Dem kapitalistischen Standpunkt der Volksgesundheit ist dgl. erst einmal egal bzw. ist er ja sogar erst einmal begrüßenswert, wenn man so die ganze Scheiße anscheinend besser aushält. Kann man z.B. wechselnden Schicht-Betrieb als kapitalistische Regelmäßigkeit denn überhaupt aushalten??? ‚Mothers little helper‘ sind daher nicht erst seit den Zeiten der Pop-Kultur sehr weit verbreitet.

    (Dass ‚Volksgesundheit‘ im Mittelalter oder nach dem 1. Weltkrieg ganz prinzipiell noch ganz anders ausschaute, ist übrigens kein gutes Argument fürs Heutige, wo es inzwischen nämlich eine weitgehend wissenschaftliche Medizin gibt.)

    So viel nur als Abschweifung. Mit dem neuen Virus hat das aber, da stimme ich neoprene zu, wohl eher nicht zentral zu tun.

  88. 88 Neoprene 18. März 2020 um 21:09 Uhr

    „Mit dem Ergebnis, daß offenbar inzwischen in ganz Europa das Immunsystem der Menschen am Boden ist und nicht erst das Coronavirus, sondern auch andere Grippeviren solche Folgen zeitigen, wie sie heute zu beobachten sind.“
    Nein, die üblichen Grippeviren zeitigen dieser Tage gerade *keine* solchen Folgen. In diesem Winter ist in Deutschland praktisch niemand an Grippe gestorben. Gemäß RKI waren es in der 10. Meldewoche des Jahres 22.920 bestätigte Influenzafälle und 247 (!) an Grippe Gestorbene. (Was mich etwas irritiert, denn noch 2017/2018 hat es nach der Schätzung des RKI 20.000 bis 25.000 mehr Tote = durch Grippe gegeben als in normalen Jahren.) Die Hauptgrippeerreger haben die Bevölkerung in Europa schon lange weitgehend „durchseucht“, bei vielen Menschen soll es daraufhin wirklich eine Grundimmunität geben. Seit der fälschlicherweise „Spanisch“ genannten Grippewellle aus den USA hat es nie wieder einer solch verheerende Pandemie gegeben. Das weist eher *nicht* auf einen schlechten Zustand der Volksgesundheit hin.
    Leider ist das SARS-CoV-2 halt eine neue bisher nicht bekannte Virusart. Die trifft auf eine völlig unimmunisierte Bevölkerung. Und leider ist dieses Zeugs wohl merklich ansteckender als die üblichen Grippeerreger. So daß sich Covid-19 viel schneller verbreiten kann, wenn keine Maßnahmen getroffen werden, von denen man erwarten kann, daß die das eindämmen und verlangsamen können. Ob die Leute nun irgendwelche Pulverln schlucken oder nicht scheint mir für die Ausbreitungsgeschwindigkeit, die Schwere der Erkrankungen und die Sterberate der Infizierten ohne Belang zu sein.

  89. 89 Nestor 18. März 2020 um 21:16 Uhr

    @Neoprene

    Die sogenannte Spanische Grippe traf halt – zumindest in Europa – auf eine durch Weltkrieg und Hunger geschwächte Bevölkerung.
    Was genau in Indien los war, wo es die meisten Opfer gab, weiß ich nicht, aber ich nehme einmal an, unter den Bedingungen des britischen Kolonialismus hatte so eine Pandemie dort leichtes Spiel.

    Was die gewöhnliche Grippe betrifft, so habe ich wieder einmal keine Ahnung, wieviele Opfer die in den letzten Jahren gefordert oder nicht gefordert hat, erinnere mich aber dunkel an Impfaufrufe, die regelmäßig in den Medien an ältere Menschen ergehen.

  90. 90 PK 18. März 2020 um 21:26 Uhr

    Die spanische Grippe raffte ungewöhnlich viele fitte junge Männer dahin. Es gibt deshalb Theorien der Sorte:

    „Ließ die Spanische Grippe das Immunsystem verrücktspielen?
    Ein amerikanisch-japanisches Forscherteam veröffentlichte bereits im Jahr 2007 die Vermutung, dass die Spanische Grippe das Immunsystem der Erkrankten überreagieren ließ, sodass sich ihre Abwehrkräfte gegen den eigenen Körper richteten und unter anderem das Lungengewebe zerstört wurde. Nachweisen konnten sie dies an Menschenaffen mit dem nachkonstruierten Virus von 1918. Dies könnte ebenfalls erklären, warum so viele junge, eigentlich robuste Menschen starben. Deren starke Abwehrkräfte könnten ihnen mehr geschadet als genutzt haben.“
    https://www.br.de/themen/wissen/spanische-grippe-influenza-virus-pandemie-100.html

    Es wird übrigens befürchtet, Corona könnte ähnlich zurückkommen wie die spanische Grippe:

    „Heute weiß man, dass die Grippe von 1918 als gewöhnliche Influenza begann, sich dann jedoch veränderte. Wilfried Witte sagt, dass die Spanische Grippe anfangs noch relativ harmlos verlaufen ist: In der ersten Ansteckungswelle im Frühjahr 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, erkrankten sehr viele Menschen, bekamen etwa drei Tage lang Schüttelfrost und Fieber, aber nur wenige starben daran. Im Herbst folgte jedoch eine zweite, diesmal tödliche Welle. Die entfaltete vor allem dort, wo viele Menschen zusammenkamen, ihre große Wucht. In Rekruten- und Kriegsgefangenenlagern steckten sich auf einen Schlag viele Menschen an. „Die meisten sind an einem akuten Lungenversagen gestorben. Das ging rapide schnell vonstatten“, erzählt Witte. Therapien wie invasive Beatmung standen Ärzten noch nicht zur Verfügung. Wenn überhaupt, hätten Kranke Mittel zur Kreislaufstärkung bekommen. „So etwas hat natürlich nicht geholfen.“
    Gleiche Quelle wie oben.

    In diesem Fall wären Amerikaner und Briten, die der Durchseuchung quasi freien Lauf lassen, wegen der resultierenden Teilimmunisierung vielleicht sogar am Ende besser dran als die Chinesen.

    Oh, die Strategie wurde gedropped. Aber vielleicht schon zu spät:
    https://foreignpolicy.com/2020/03/17/britain-uk-coronavirus-response-johnson-drops-go-it-alone/

  91. 91 Nestor 18. März 2020 um 21:38 Uhr

    Ich kenne mich mit Medizin und Krankheiten wirklich nicht gut aus.
    Das sage ich nur prophylaktisch, damit ich nicht wieder Schimpf von Neoprene krieg, wenn ich mich auf dieses unbekannte Terrain vorwage.

    Was die Spanische Grippe angeht, so hat ein Freund mir gegenüber vor Jahren einmal die These geäußert, daß sie ursprünglich das Ergebnis eines schiefgegangen Impf-Versuchs in den USA gewesen sei.
    Damals war das ganze Impfsystem erst am Anfang, also erstens die Entwicklung einer Schutzimpfung, zweitens die flächendeckende Verabreichung derselben.
    Das wäre eine These für die fitten jungen Männer, die es (auch) erwischte.
    Soviel ich weiß, verschonte die weder nach Geschlecht noch nach Alter irgendwen.

  92. 92 Neoprene 18. März 2020 um 21:55 Uhr

    Zur Geschichte der Grippe in Österreich:
    „die neuesten Berechnungen der Wiener Virologen in Zusammenarbeit mit der AGES: 2007/2008 waren es in Österreich etwa 200 zusätzliche Todesfälle durch die Influenza. Die Berechnungen erfolgen jedes Jahr zwischen der Kalenderwoche 40 des zu Ende gehenden Jahres und der Kalenderwoche 20 des beginnenden Jahres. 2008/2009 gab es knapp 2.000 Todesfälle durch die Influenza, in den darauffolgenden beiden Grippe-Saisonen wurde keine erhöhte Mortalität registriert. Das Interessante daran: 2009/2010 kam es ja zu der Influenza-Pandemie durch neue Viren vom Typ A(H1N1). Trotz auch schwerer Verlaufsformen machte sich die „Schweinegrippe“ in der Mortalität statistisch offenbar nicht bemerkbar.

    Dafür gab es 2011/2012 wieder etwas mehr als 1.000 Todesfälle durch die Influenza, im Jahr darauf waren es knapp 1.500. 2013/2014 wurde wiederum keine Influenza-assoziierte zusätzliche Sterblichkeit in Österreich registriert. 2014/2015 lag sie hingegen sogar bei fast 3.000 Fällen.“
    https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5140017/Unterschaetzte-Gefahr_Jedes-Jahr-ueber-1000-GrippeTote-in-Oesterreich

  93. 93 Neoprene 18. März 2020 um 22:22 Uhr

    Zur Entwicklung der Grippetoten in Deutschland eine Schätzung des AGI des RKI (einer Lobbystelle für Schutzimpfungen):
    https://www.br.de/extra/br-data/grippe-todesfaelle-schaetzung-100.html
    Zumindest in den dort erfaßten 25 Jahren gibt es keinen Trend sondern ein Schwanken von unter 1000 Toten pro Saison bis 25.000.
    Weltweit waren Wikipedia folgende Wellen eine Erwähnung wert:
    1968-1970 die Honkonggrippe mit geschätzen 1 Mio Toten.
    1977-1978 die Russische Grippe mit 0,7 Mio Toten.
    2004-2005 Eine Virusgrippe mit wohl ähnlichen Opferzahlen (In Deutschland geschätzte 30.000 Tote)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Epidemien_und_Pandemien

  94. 94 Neoprene 18. März 2020 um 22:36 Uhr

    Ein Facebook-Post:

    „Ein Faktor, der, wie mir scheint, dazu beiträgt, dass sehr viele Menschen in Deutschland das Virus immer noch massiv unterschätzen, ist die viel zu tiefe Angabe von Infektionszahlen in Deutschland. Das ist auch die Schuld der allermeisten großen Medien, die regelmäßig mit Überschriften wie „In Deutschland gibt es jetzt 9.000 mit Covid19 Infizierte“ daherkommen. Nein, in Deutschland gibt es nicht 9.000 Infizierte. In Deutschland gibt es 9.000 Infizierte, die bei den gelegentlichen Stichproben, die man hier und da vornimmt, getestet worden sind. Die tatsächliche Zahl der Infizierten liegt auf jeden Fall dramatisch höher. Mindestens wohl bei aktuell etwa 50.000-100.000, eventuell schon bei vielen hunderttausend. Warum ist die sehr große Mehrheit der Infizierten nicht registriert? Erstens, weil es in Deutschland keine zwangsweisen Tests gibt. Die Mehrheit der Infizierten hat durch die Krankheit nur mäßig starke Symptome, landet nie in einem Krankenhaus und wird ergo auch nie getestet. Zweitens, weil das total überforderte deutsche Gesundheitssystem zu Tests in größerem Umfang gar nicht fähig ist, selbst wenn Leute explizit um einen Test bitten. In Hubei mit einer etwas geringeren Bevölkerungszahl als Deutschland wurden auf dem Höhepunkt der Epidemie wöchentlich etwa eine Million Tests durchgeführt. Jeder, der irgendwelche Symptome zeigte, in engem Kontakt mit Infizierten stand oder in einem sensiblen Bereich arbeitete, wurde zwangsweise getestet und bei positivem Ergebnis bis zur Ausheilung in Krankenhausquarantaene genommen. In Deutschland soll es pro Woche maximal 100.000 Tests gegeben haben, ein Zehntel der Zahlen von Hubei. Und diese Zahl ist wahrscheinlich erstens noch eine erheblich zu hoch gegriffene Schätzung – und zweitens scheint die Zahl der Tests jetzt zu SINKEN statt zu steigen. Meldungen wie die untere habe ich in den letzten Tagen viele gesehen. Im Wetteraukreis werden überhaupt keine Tests mehr durchgeführt. Düsseldorf kündigte an, nur noch in bestimmten Ausnahmefällen gelegentlich noch zu testen. In Berlin scheinen, nachdem es in der Stadt schon über 200 bestätigte Infektionen gegeben hatte, 48 Stunden lang gar keine neuen Tests mehr durchgeführt worden zu sein und jetzt nur sehr wenige. Meine Timeline ist voll von Berichten von Leuten, die dringende Symptome haben, um einen Test bitten – und von einer Behörde und einem Arzt nach dem anderen abgewiesen werden. Ein Covid19-Test ist in Deutschland offensichtlich eine seltene Gnade, der kaum jemand teilhaftig wird. Und nicht nur das: Selbst die paar Testergebnisse, die es gibt, werden im Schnitt mit zwei bis drei Tagen Verzögerung kommuniziert – eine Ewigkeit in der Anfangsphase einer Pandemie. Die erhobenen Testdaten werden per Fax(!) von einer Behörde zur anderen weitergeleitet, bis sie nach einigen Tagen abgesegnet und veröffentlicht werden. Ebenso werden in Deutschland mit eindeutigen Symptomen, aber ohne Diagnose zu Lebzeiten Verstorbene so gut wie nie post mortem getestet – eine mögliche Erklärung, warum die gemeldeten deutschen Todesraten bisher so extrem unter denen aller anderen betroffenen Länder liegen.
    Kurz: Anhand der auf gelegentlichen Stichproben beruhenden gemeldeten Fallzahlen in Deutschland kann man zwar gewisse Tendenzen darüber erkennen, ob sich die Krankheit schneller oder langsamer ausbreitet. Über die Zahl tatsächlich Infizierter kann man aber überhaupt nichts Gesichertes aussagen. Niemand weiß, ob die fünfmal, zehnmal oder hundertmal so hoch wie die der gemeldeten Ziffern ist. Deutschland liegt in Sachen Datenerhebung, Kommunikation und Transparenz so ungefähr auf dem Niveau des Iran.
    Zum Vergleich: In Chinas betroffenen Provinzen, wo jetzt langsam wieder die industrielle Aktivität hochgefahren wird, muss sich nach diversen Berichten JEDER Arbeiter einem Test unterziehen und darf das Werk erst betreten, wenn sein bestätigtes negatives Ergebnis da ist.“

  95. 95 PK 18. März 2020 um 23:21 Uhr

    Was ist die Theorie des Facebook-Posters? Panik vermeiden? Der Exportweltmeister will nichts Schlechtes auf die Globalisierung kommen lassen?

    Woher weiß man eigentlich, dass die Chinesen nicht über ihre Zahlen lügen? Diplomatisch wird derzeit so viel Schuld und Schande verteilt, dass man bei einer solch schwer kontrollierbaren Seuche den Verlauf so darbieten könnte, dass der chinesische Staat die Seuche unter Kontrolle bekommen hat, die Amerikaner – die noch weniger als die Deutschen testen – oder Europäer sie später aber wieder reimportiert haben, weil die ja ihren Laden nicht so formidabel unter Kontrolle kriegen, wie der große Vorsitzende zusammen mit seiner Leistungs-Clique.

    They limit the number of coronavirus test kits that hospitals are given each day, thus reducing the number of “proven cases” that can be diagnosed. They deliberately underreport the number of deaths, while keeping the crematoria furnaces going day and night to destroy the evidence of their deceit.
    https://nypost.com/2020/02/08/chinas-culture-of-lies-has-helped-spread-the-coronavirus/

    @Nestor unten: Ja, hast recht, irgendwie weiß man insgesamt noch zu wenig. Für möglichst viele Tests bin ich auch, ist glaub jeder.

  96. 96 Nestor 18. März 2020 um 23:51 Uhr

    Ach ja, wie schauts im Iran aus?

    Über 17.000 bestätigte Fälle, über 1000 Tote.
    Über 5.000 Geheilte, darunter eine 103-jährige.
    Die Todesrate ist besser als die von Italien.
    Der Vizepräsident ist am CV erkrankt.
    Mindestens 23 Parlamentarier sind erkrankt.
    Auch der Vize des Gesundheitsministers ist erkrankt und außer Gefecht, der von Anfang an die Maßnahmen in Teheran geleitet hatte.
    Gestorben sind bereits 2 ehemalige Botschafter und ein Mitglied des Expertenrates, eines der Führungsgremien des Iran.
    Auch den ehemalige Außenminister Velajati scheint es erwischt zu haben.

    Der Iran hat sehr schnell alle möglichen Maßnahmen ergriffen, wie Einstellung des Verkehrs zwischen Städten und in den Städten, Schließung von Schulen und Unis, Einstellung der Freitagsgebete, Verhängung von Quarantänen, Schließung von Pilgerstätten und Urlaubsorten.

    Das Gesundheitswesen des Iran ist zwar nicht das Beste, aber immer noch ein Hit im Vergleich zu den meisten seiner Nachbarstaaten.

    (Die meisten Infos aus der ukrainischen Website Slovo i dilo, 17.3.)

  97. 97 Nestor 18. März 2020 um 23:58 Uhr

    Bis zu einer Theorie würde ich mich rund um diesen Facebook-Post nicht versteigen.

    Panik vermeiden will jeder, aber man kann eben nur die Infektionszahlen melden, die es gibt.
    Warum nicht mehr getestet wird? Ich nehme an, es fehlt an Personal, an Testmaterial, und an Auswertern.

    Man darf doch nicht aus den Augen verlieren, daß kein Mensch eine Ahnung hat, wie es morgen, geschweige denn übermorgen aussehen wird, und das die Politiker aber nicht zugeben können.

    Außerdem würde das auch nix helfen.

  98. 98 Kehrer 19. März 2020 um 0:00 Uhr

    „Damals, als diverse Staaten beitraten, sind sie von der Illusion ausgegangen, daß das Bündnis die Konkurrenz ein Stück weit aussetzt und ihnen nützt.“

    Das ist irgendwie so ähnlich wie ein Zocker oder ein Aktienhändler, der sich wie der Meister des Universums vorkommt, solange die Kurse steigen bzw. solange er Glück hat. Und wenn sich das dann umkehrt und er sein Geld verliert, dann sind die anderen schuld. Dabei wissen die doch worauf sie sich einlassen, bzw. hätten es wissen können wenn sie gewollt hätten. Ein Stück weit wurde die Konkurrenz ja auch ausgesetzt. Aber ausgerechnet bei einer Pandemie zu monieren, dass ungefragt die Grenzen dicht gemacht werden, das ist schon etwas schräg, denn in dieser Situation hat es mal ausnahmsweise nichts mit Konkurrenz zu tun.

    „Aber ein Medikament nicht zu kennen empfinde ich als völlig normal.“

    Ibuprofen ist kein Medikament, sondern ein Wirkstoff, der von vielen Herstellern vertrieben wird. Also wenn man e i n e n Wirkstoff kennen muss, dann ist das wirklich Ibuprofen. „Es gehört nicht zur Bürgerpflicht und auch nicht zur Allgemeinbildung“ Doch das gehört in der Tat zur Allgemeinbildung, wie du ja an der Reaktion gemerkt hast.

    „Mir fällt immer wieder auf, daß es für viele Leute inzwischen offenbar zur Existenzbewältigung gehört, dauernd irgendwelche Pulverln zu schlucken.“

    Das ist ja nichts neues. Aber ibuprofen gehört nunmal wirklich in jede Hausapotheke. Prinzipielle Schmerzmittelabstinenz ist nämlich auch nicht sinnvoll. Schmerzen können nämlich auch chronisch werden, wenn man nichts tut. Da werden die Nerven überempfindlich und melden Schmerz, obwohl die Ursache längst weg ist. Außerdem lindert ibuprofen nicht nur die Schmerzen, sondern dämpft auch die Entzündung. Natürlich sollte man die Teile nicht einwerfen wie TicTacs.

    „Dann kommen wieder andere und sagen, die Testerei bringt gar nichts, wichtig sei der Ausbau der Krankenhaus- und Pflegekapazitäten.“

    So wurde das nicht behauptet. Es wurde die These aufgestellt, dass das Virus schon soweit verbreitet ist, dass es mit Tests nicht mehr gestoppt werden kann, indem man die Kranken aussortiert. Da ist auch was dran. Das heißt aber nicht, dass Test überflüssig sind. z.B. Muss man das medizinische und anderes Personal ständig testen, damit die nicht das Virus verbreiten (die sind ja nicht in Quarantäne). Das war nur ein Argument dafür, dass die Verfügbarkeit von Krankenhaus und Intensivbetten vordringlich sind. Meiner Meinung nach ist das Testen aber mindestens genauso wichtig. Man kann es nicht vergleichen. Intesivbetten flachen die Kurve nicht ab, vermindern die Anzahl der Infizierten nicht – das Testen mit anschließender Quarantäne schon.

    „Ein Covid19-Test ist in Deutschland offensichtlich eine seltene Gnade, der kaum jemand teilhaftig wird. „

    Danke. Den Satz sollte man sich rot anstreichen.

    „Niemand weiß, ob die fünfmal, zehnmal oder hundertmal so hoch wie die der gemeldeten Ziffern ist. Deutschland liegt in Sachen Datenerhebung, Kommunikation und Transparenz so ungefähr auf dem Niveau des Iran.
    Zum Vergleich: In Chinas betroffenen Provinzen, wo jetzt langsam wieder die industrielle Aktivität hochgefahren wird, muss sich nach diversen Berichten JEDER Arbeiter einem Test unterziehen und darf das Werk erst betreten, wenn sein bestätigtes negatives Ergebnis da ist.““

    Eben. Was ist da los in Deutschland. Wie dumm kann man sein?

    „Ich nehme an, es fehlt an Personal, an Testmaterial, und an Auswertern.“ Klar. Für einen Abstrich im Mund muss man ja auch ein abgeschlossenes Medinzinstudium haben. Das Testmaterial wird ja sogar exportiert. Mit Testkits muss man auch nichts groß auswerten. Meiner Meinung fehlt es einfach an der klaren Einschätzung, dass nichts anderes die Seuche besser verlangsamt als testen, testen, testen. Das soll mal ein Politiker deutlich sagen und gleich mal 40 Millionen Testkits in Auftrag geben.

  99. 99 PK 19. März 2020 um 0:38 Uhr

    „Aber ausgerechnet bei einer Pandemie zu monieren, dass ungefragt die Grenzen dicht gemacht werden, das ist schon etwas schräg, denn in dieser Situation hat es mal ausnahmsweise nichts mit Konkurrenz zu tun.“

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn Deutschland auf sein Recht besteht, Beatmungsgeräte und sonstiges Material nicht „solidarisch“ mit seinen europäischen Nachbarn zu teilen, dann pochen diese wiederum darauf, dass ihnen die Union entweder etwas bringt, oder sie orientieren sich eben nach China um.

    Italien wurde heute sogar schon großzügig von China beliefert. 1000 Beatmungsgeräte u.a.. Während Deutschland und Italien in einem Bieter-Wettbewerb landeten.

    Der Druck auf Deutschland – dem Exportweltmeister – scheint umgekehrt Früchte zu zeitigen:
    „Nun will die Bundesregierung gegensteuern und zumindest eine stärkere europäische Solidarität zeigen – eine Art Schadensbegrenzung, wie von der Regierung eingeräumt wird.“
    https://de.reuters.com/article/virus-ressourcen-idDEKBN21319K

    Es gibt keine EU-Gesetze die Deutschland verbieten würden sich mit der benötigten Gerätschaft einzudecken und wenn es auf Kosten der anderen EU-Mitglieder geht. Es gibt aber Gesetzesbrüche die Deutschland gerne für sich in Anspruch nehmen würde, bei denen die anderen Nationen sich quer stellen können um Druck auszuüben, um Deutschland zu mehr „Solidarität“ zu bewegen. Wenn sich der Konflikt auch noch symbolträchtig am Schengener-Abkommen abspielt, dann ist die Drohung auch noch um ein Wink mit dem Zaunpfahl ergänzt. Wenn Deutschland sich nicht mal mehr an die Spielregeln halten will, von denen es selbst am meisten profitiert hat, dann eben nicht – dann blickt man eben nach China. Formalie hin oder her: Mit dem Finger kann man später immer noch darauf zeigen! Deutschland – du hast damit als erstes gebrochen – selbst schuld.

  100. 100 Kehrer 19. März 2020 um 9:31 Uhr

    https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-test-wie-funktioniert-der-test/

    „Bis Mitte März war die Probenentnahme für mehr rund 35 000 Menschen gemeldet worden, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilte. Viele Menschen konnten nicht getestet werden. Anschließend wurde die Testkapazität von anfangs 12 000 auf mittlerweile mehr als 160 000 Tests pro Woche erhöht. Seitdem ist nicht bekannt, wie viele Tests insgesamt durchgeführt worden sind.

    Wie viele Tests in Deutschland derzeit durchgeführt wurden, dazu gibt es keine offizielle Zahl. Das Robert-Koch-Institut sammelt diese Informationen derzeit selbst. Im Gegensatz zu anderen Ländern werden die negativen Labortests nicht direkt in ein zugängliches System eingespeist.

    Bei den 12 000 Tests pro Woche und aktuellen Methoden können gar nicht alle Personen gleichzeitig getestet werden. Neuere Testverfahren könnten die Testkapazitäten in den kommenden Wochen erhöhen.

    Hinzukommt, dass schon jetzt ein Meldeverzug vorhanden ist. Das bedeutet, dass die Gesundheitsämter die positiven Labornachweise eintragen und weitergeben müssen. Dieser Verzug beläuft sich derzeit auf zwei bis vier Tage.“

  101. 101 libelle 19. März 2020 um 9:45 Uhr

    Zum Facebookschreiber: Bei 50-100k Infektionen hätte man irgendwas zwischen 250 und 2000 Toten.

    Man kann daraus schließen, dass die Dunkelziffer in Italien und Frankreich relativ groß ist, in Deutschland eher nicht, es sei denn hier würde sich ein anderer Stamm ausbreiten als in den letztgenannten Ländern. Die aktuelle Mortalitätsrate ist nicht ganz korrekt, weil es eine gewisse Zeit braucht, bis ein Erkrankter auch stirbt.

    Aktuell hat man 28 Tote (https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/). Nimmt man mal an, dass schwer Erkrankte in einer Woche sterben, dann kann man jetzt vielleicht mit 200 Toten rechnen, was bei einer Mortalität von 1% 20.000 derart Infizierte bedeuten würde, wie sie in Wuhan erfasst worden sind (auch dort gab es ja Fälle, die nicht erfasst worden sind, weil so gut wie keine Symptome vorlagen – aber über die Dunkelziffer weiß man nach Voraussetzung nichts)

    Genauer könnte man rückrechnen, wenn man wüsste wieviele Erkrankte durchschnittlich medizinische Betreuuung brauchen (vorausgesetzt die Kriterien dafür sind in China und Deutschland die selben).

  102. 102 Neoprene 19. März 2020 um 10:53 Uhr

    Es scheint mir im Augenblick nicht so wichtig zu sein, wie viele Menschen schon gestorben sind oder auch nur abzuschätzen, wieviele Menschen schon infiziert wurden. In erster Linie müssen die diversen Präventionsmaßnahmen doch eine weitere Ausbreitung (und damit eine weitere Erhöhung der schweren Krankheitsverläufe bis hin zu darauf zurückzuführenden Todesfällen) einzuschränken versuchen. Und da ist ein ganz wichtiger Baustein das Testen aller Menschen, die von einer Ansteckung betroffen sein könnten. Natürlich kann man nicht alle BRD-Bewohner alle 14 Tage durchtesten. Aber wenn es stimmt, was der Facebookler kritisiert hat, dann gibt es erstens viel weniger Tests als bisher schon möglich wären und zweitens wahrscheinlich auch viel zu wenig Produktionskapazitäten für Test-Kits und sicherlich auch zu wenig Laborkapazitäten für eine solide Auswertung.
    Wenn es aber nicht gelingt, frühzeitig Infizierte zu identifizieren, hat man schlechte Karten, die Kontakte nachverfolgen zu können und die „richtigen“ Menschen in Total-Quarantäne zu stecken. Wenn man das nicht machen will, bliebe ja nur der total lockdown, also präventiv alle Menschen zu Hause einzuschließen (oder die Variante, die ja in Gb ernsthaft erwogen wurde und sogar eine Weile Regierungspolitik war, die Epidemie einfach durchlaufen zu lassen, weil man meinte, die Verbreitung eh nicht mehr stoppen zu können, dann kalkuliert man aber gleich erheblich größere Todesraten mit ein, denn selbst wenn man die besonders gefährdeten ganz alten Menschen in Isolation halten könnte (für Wochen, füe Monate??), wären die Sterberaten in den restlichen Altersgruppen normaler Erwachsener wahrscheinlich recht hoch). Aber das geht ja eh nicht, weil eine ganze Menge Menschen gebraucht werden, die das gesellschaftliche Leben, die Produktion der lebensnotwendigen Güter, deren Verteilung und in unserem System deren Verkauf aufrecht erhalten müßten. Wenigstens die müßte man also permanent testen, sonst fallen die ja auch aus und müssen in Quarantäne oder gleich ins Krankenhaus.

  103. 103 NN 19. März 2020 um 13:06 Uhr

    Merkel sieht Coronakrise als größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg

    Mit dramatischen Worten wendet sich Angela Merkel in einer Fernsehansprache an die Nation – und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen im Land: „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“

    „Mehr Kraft als eine Höllenpredigt“

    In ihrer TV-Ansprache appellierte die Bundeskanzlerin an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung in der Coronakrise. Vielen ging das nicht weit genug. Höchstes Lob kommt vor allem von internationalen Medien.

    Epidemiologen empfehlen monatelange Einschränkungen des öffentlichen Lebens

    Ein paar Wochen Ausnahmezustand, dann ist die Covid-19-Epidemie unter Kontrolle? So einfach wird die Sache nicht, sagen Forscher. Wir werden unsere Kontakte über lange Zeit reduzieren müssen.

    Auf Spenden angewiesen
    Polens Gesundheitswesen arbeitet in der Coronaviruskrise an der Kapazitätsgrenze. Private Helfer verhindern den Zusammenbruch
    Von Reinhard Lauterbach, Poznan

    Um ein paar notwendige Einkäufe zu machen, ziehe ich seit ein paar Tagen Latexhandschuhe an. An der Tür des Tante-Emma-Ladens in meinem Dorf hängt ein handschriftlicher Zettel: Im Laden dürfen sich maximal drei Personen aufhalten. An der Theke hat sich die Verkäuferin eine Trennscheibe aus Glas montieren lassen, unter der sie die Ware hindurchschiebt. Hefe – um sich zu Hause Brot zu backen und so Wege zur Bäckerei zu vermeiden – gibt es nicht mehr. Im Großhandel hat die Inhaberin seit Tagen keine mehr gesehen.

    Noch kann von einer allgemeinen Versorgungskrise keine Rede sein. Aber Innenminister Mariusz Kaminski hat angekündigt, die Schließung einiger Grenzübergänge zu Deutschland rückgängig zu machen. Der Grund ist, dass der von der Grenzsperrung ausgenommene Güterverkehr sich inzwischen erheblich zurückstaut. Polnische Medien berichten von bis zu 30stündigen Wartezeiten bei der Einreise nach Polen. Anders als Privatreisende unterliegen Lkw-Fahrer nicht der 14tägigen Pflichtquarantäne, de facto einem Hausarrest. Eine potentielle Infektionsquelle, die zugunsten des freien Warenverkehrs nicht verstopft wird.

    Die offiziellen Zahlen in Polen liegen – Stand Mittwoch morgen – mit 246 Infizierten und bisher fünf Todesfällen durch das Coronavirus vergleichsweise niedrig. Allerdings sind sie mit denen in anderen Ländern auch nur bedingt vergleichbar. Denn es wird nur sehr zurückhaltend getestet, und die Auswertung der Proben dauert mit bis zu vier Tagen vergleichsweise lange.

    In den Krankenhäusern arbeiten die Ärzte und Pflegekräfte seit Tagen an der Grenze der Belastbarkeit. Es sei wie im Krieg, sagte eine Ärztin im Fernsehen. Eine Patientin, die sich mit Husten zur Untersuchung gemeldet hatte und vier Tage auf der Isolierstation verbrachte, berichtete, die Patienten bekämen teilweise nicht einmal Wasser. Sie alarmierte Bekannte, die über Facebook eine Sammlung von Wasser in kleinen Flaschen organisierten und dieses dem Krankenhaus vor die Tür stellten.

    Die zentrale Aufnahmestation für Coronavirusverdachtsfälle in Poznan steht nach Angaben ihrer Leitung kurz vor dem Ende ihrer Vorräte an Schutzhandschuhen, Masken und Schutzanzügen. Es sollte aus strategischen Reserven der Regierung nachgeliefert werden, so das Versprechen, bis Dienstag dieser Woche ist allerdings nichts geschehen. Der regionale Rettungsdienst rief Bürger und Unternehmen auf, Schutzkleidung zu spenden. Ein paar hundert Masken und einige Schweißerhelme kamen zusammen. Ein Bürger bot an, aus Vorräten in seiner Garage 20 Liter Desinfektionsmittel zu mischen und vorbeizubringen. Die Hilfsbereitschaft ist generell groß, und dank ihrer ist die Situation bislang beherrschbar.

    Stärker noch als in anderen EU-Staaten ist die Coronaviruskrise in Polen ein Stresstest für das öffentliche Gesundheitswesen. Es leidet seit der kapitalistischen Restauration vor 30 Jahren an chronischer Unterfinanzierung und Ärztemangel. Die schlechten Gehälter und Arbeitsbedingungen im öffentlichen Gesundheitswesen haben viele jüngere Mediziner veranlasst, Jobangebote in anderen Ländern Europas anzunehmen: in Deutschland, der Schweiz oder Skandinavien. Die Folge ist, dass es nach Angaben des zuständigen Fachverbandes im ganzen Land nur 1.100 Fachärzte für Infektionskrankheiten gibt, davon 98 unter 40 Jahren, aber 200, die 70 Jahre und älter sind.

    In der Wojewodschaft Wielkopolska, der Region um Poznan, ist das Verhältnis noch ungünstiger. Professor Robert Flisiak, Vorsitzender des Verbandes der Epidemiologen und Infektionsmediziner, nannte der Gazeta Wyborcza die Zahlen: 57 Fachärzte für eine Region von der Größe Brandenburgs, davon 18 jenseits des Rentenalters. Im ostpolnischen Lomza bereitete die Regierung ein Krankenhaus als Zentralklinik für Coronavirusfälle vor – mit genau zwei Fachärzten für Epidemiologie.

    Das Missverhältnis lässt sich erklären. Auch Mediziner wählen lieber Spezialisierungen, in denen man nebenher eine Privatpraxis aufmachen und dazuverdienen kann. Epidemiologie gehört nicht zu diesen Fachrichtungen. Denn Epidemien können nur durch ein öffentliches Gesundheitswesen bekämpft werden. Insofern bekommt Polen in diesen Tagen auch die Quittung für 30 Jahre Vernachlässigung der öffentlichen Daseinsvorsorge.

    Ausgangssperre und Disziplin
    Öffentliches Leben in Serbien wegen Ausbreitung von Coronavirus zum Erliegen gebracht. Hilfe aus China erwartet
    Von Roland Zschächner

    Alte Menschen müssen zu Hause bleiben: In Serbien ist seit dem gestrigen Mittwoch eine Ausgangssperre für alle über 65jährigen in Städten und über 70jährigen in ländlichen Gebieten in Kraft. Allgemein gilt – bis auf wenige Ausnahmen – eine Ausgangssperre zwischen 20 Uhr und fünf Uhr morgens. Diese Maßnahmen sind Teil des am Sonntag von Präsident Aleksandar Vucic verhängten Ausnahmezustands in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik, um die Ausbreitung der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 einzudämmen. Insgesamt waren am Mittwoch morgen laut Gesundheitsministerium 83 Infizierte registriert worden.

    Noch am Montag hatte sich die serbische Premierministerin Ana Brnabic darüber beschwert, dass es der Bevölkerung an Disziplin mangele. Weiterhin seien Menschen, auch ältere, auf den Straßen unterwegs. So ließe sich das Virus nicht eindämmen. Die Ausgangssperre ist nun eine Reaktion darauf.

    Serbien wurde wie viele andere Ländern von der Coronaviruspandemie überrollt. Zwar gab es schon frühzeitig Infizierte im benachbarten Kroatien, doch wurden Maßnahmen verstärkt erst in der vergangenen Woche ergriffen. Zuvor hatte Vucic noch erklärt, dass Land sei gut auf das Virus vorbereitet. Ob das jemals der Fall war, darf bezweifelt werden. Denn das Gesundheitssystem ist chronisch unterfinanziert, gut ausgebildete Ärzte verlassen das Land in Richtung Westeuropa, weil ihnen in ihrer Heimat keine Zukunft ermöglicht wird. Tausende Menschen aus dem Gesundheitsbereich haben in den vergangenen Jahren ihrer Heimat den Rücken gekehrt, sie arbeiten nun unter anderen in deutschen Krankenhäusern und fehlen somit in den serbischen Kliniken.

    Um der Ausbreitung des Coronavirus Herr zu werden, wird nun auch das Militär eingesetzt. Soldaten sollen unter anderen in Krankenhäuser dabei helfen, Tests bei mutmaßlich Infizierten durchzuführen, oder die Polizei bei der Grenzsicherung unterstützen. Armeeangehörige sollen zudem dort eingesetzt werden, wo viele Menschen zusammenkommen – wie an Busbahnhöfen, in Post- und anderen Ämtern. Das gab das Verteidigungsministerium am Montag bekannt.

    Aus dem Ausland wird Serbien Hilfe von China erhalten, wie die Botschafterin Beijings in Belgrad, Chen Bo, am Dienstag gegenüber Vucic erklärte. Dieser sagte: »Wir bitten um viel mehr als nur um Geld, wir bitten um die Liebe der Chinesen, wir bitten um die Hilfe Ihres Volkes.« Neben medizinischem Material, das Ende der Woche eintreffen soll, werde die Volksrepublik auch Experten nach Serbien schicken, hieß es.

    Am Sonntag hatte Vucic die Europäische Union kritisiert, deren Solidarität lediglich auf dem Papier existiere. Damit spielte er auf die unter anderem von Deutschland erlassenen Ausfuhrverbote für medizinische Ausrüstung wie Schutzmasken und -anzüge an. Gleichwohl wurde eine solche Beschränkung nun auch in Serbien erlassen. Medikamente dürfen nun nicht mehr exportiert werden.

    Am Dienstag wies die Sprecherin der EU-Kommission, Ana Pisonero, Vucics Äußerung als »haltlose Vorwürfe« zurück. In Brüssel werde nun darüber nachgedacht, die Gelder, die für die »Heranführung« von Mitgliedsaspiranten wie Serbien vorgesehen sind, dafür zu nutzen, die Folgen der Pandemie aufzufangen. Dies war bereits zuvor von Belgrad gefordert worden.

    Wie auch in Deutschland sind in Serbien die Arbeiter von der aufziehenden ökonomischen Krise betroffen. Die ­FIAT-Fabrik in Kragujevac ist vorerst bis zum 27. März geschlossen. Auch die Munitionsfabrik Prvi Partizan in Uzice hat bereits 500 der mehr als 1.600 Beschäftigen nach Hause geschickt. Die Regierung hat zudem dazu aufgerufen, wo möglich die Angestellten im Homeoffice arbeiten zu lassen. Das ist auch deswegen notwendig, weil alle Schulen und anderen Bildungseinrichtungen bis auf weiteres geschlossen sind. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk RTS hat deswegen zwei seiner Fernsehprogramme umgestellt und sendet dort sechs Tage in der Woche für mehrere Stunden Unterrichtsinhalte.

    Es geht auch anders
    Vietnam entwickelt schnelles Testkit für Coronavirus. Viele internationale Anfragen
    Von Stefan Kühner

    Auch die Menschen in Vietnam stehen unter dem Bann der Coronaviruspandemie. Am Mittwoch lag die Zahl der nachgewiesenen Infektionen laut der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität bei 68, die Zahl der Todesfälle bei null. Die Regierung der Sozialistischen Republik Vietnam hatte, nachdem das Ausmaß der Erkrankungen im Nachbarland China bekannt geworden war, sehr schnell und konsequent reagiert. Bereits Ende Januar wurde nach dem vietnamesischen Neujahresfest am 25. Januar der Schulbetrieb nicht wieder aufgenommen. Die Schließungen wurden in der Folge mehrfach verlängert, die Sommerferien nach hinten verschoben, ebenso die Abitur- und Abschlussprüfungen. Seit der zweiten Märzwoche laufen Teile des Unterrichts über das Fernsehen.

    Auch in Bezug auf SARS-CoV-2-Tests ist Vietnam offensichtlich gut vorbereitet. Eine dem Militär angegliederte medizinische Universität hat zusammen mit dem Unternehmen »Viet A Corporation« Testkits entwickelt, die das neuartige Coronavirus in Tröpfchenproben aus den Atemwegen und in Blutproben nachweisen. Es wurde vom vietnamesischen Institut für Hygiene und Epidemiologie validiert und liefert zuverlässige Ergebnisse in weniger als zwei Stunden, wie die Zeitung der KP Vietnams Nhan Dan am 5. März berichtete.

    Das innerhalb von nur einem Monat entwickelte Untersuchungskit umfasst jeweils 50 Einheiten und kostet pro Test zwischen 17 und 26 US-Dollar – deutlich weniger als die durchschnittlich 200 Euro, die in Deutschland im Verdachtsfall von den Krankenkassen, ansonsten von Selbstzahlern übernommen werden müssen. Seine Genauigkeit entspricht jener der Tests der Weltgesundheitsorganisation und des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention. Zudem sieht sich die in Ho-Chi-Minh-Stadt ansässige Herstellerfirma in der Lage, bis zu 10.000 Testkits pro Tag herzustellen und bei Bedarf die Menge noch deutlich zu erhöhen. Mehr als 20 Länder, darunter Italien, Deutschland und die Türkei, haben bereits Lieferanfragen an Hanoi gerichtet, wie das Nachrichtenportal Vietnam Insider am Dienstag schrieb.

    Nach drei Wochen ohne Neuinfektionen hatte das Land Anfang März bereits gehofft, dass die Ausbreitung gestoppt sei, jedoch wurden neue Fälle bei Touristen festgestellt. Die Regierung des Landes und der Provinzen reagierten erneut konsequent. Seit dem 15. März gibt es umfangreiche Einreisebeschränkungen für etliche Länder unter anderem aus dem EU- Schengen-Raum und Großbritannien. Betroffen sind auch Reisende aus den Nachbarländern Vietnams. Ausländer als auch Überseevietnamesen, die in den vergangenen zwei Wochen in den ASEAN-Ländern gelebt haben oder sich auf der Durchreise befanden, müssen sich in eine 14tägigen Quarantäne in zentralisierten Einrichtungen begeben, so das vietnamesische Verkehrsministerium.

    Im Zuge der Maßnahmen ist unter anderem ein 500 Meter langer Abschnitt der bei Touristen beliebten Truc-Bach-Straße in Hanoi komplett abgeriegelt worden, nachdem in der Nachbarschaft eine aus Italien oder Großbritannien eingeschleppte Coronavirusinfektion festgestellt wurde. Die mehr als 1.000 Menschen, die dort noch mindestens eine Woche unter Quarantäne stehen, erhalten nach lokalen Angaben gegenüber jW täglich kostenlose Mahlzeiten.

    Ministerpräsident Nguyen Xuan Phuc, der die Koordinierung der Maßnahmen an sich gezogen hat, erließ am 11. März eine Direktive, in der er angesichts der neuen Infektionen Ministerien, Behörden und die Volkskomitees auf Provinzebene dazu anhielt, die schnelle Erkennung und strenge Kontrolle von Infektionsquellen sowohl in Vietnam als auch in anderen Ländern voranzutreiben. Die im Ausland lebenden Vietnamesen rief er zu Spenden auf. Eine der führenden vietnamesischen Geschäftsbanken, die Viet Die Nam Prosperity Joint Stock Commercial Bank, stellte unterdessen knapp 650.000 US-Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus bereit.

    Ausdruck von Haltung
    Konträr zum Fußballgeschäft: Ultras beweisen Moral im Kampf gegen Corona
    Von Oliver Rast

    Vor zwei Wochen wurden sie von Klub-, Liga- und Verbandsbossen noch als »hässliche Fratze des Fußballs« beschimpft, die aktivsten Fans in den Arenen – und der Sinsheimer Mäzen Dietmar Hopp als ihr Schmähopfer hofiert. Nur wenige Tage später forderten die Ultras die Einstellung des Spielbetriebs und starteten karitative Initiativen gegen das pandemische Coronavirus – vor allen anderen in der Parallelwelt Fußballsport.

    Der Reihe nach: Anfang vergangener Woche verkündete die Deutsche Fußballiga (DFL), die Partien des kommenden Spieltags würden wie geplant ausgetragen, zwar ohne Zuschauer in den Stadien, dafür gebe es aber eine Konferenzübertragung im Free-TV. Daraus wurde nichts, der Ball ruhte. Der öffentliche Druck war zu groß geworden, Meldungen über Verdachts- und Infektionsfälle bei Bundesligaspielern häuften sich. Man kann da wohl von Glück sagen. Nur zu gern nämlich hätte die DFL den »Geisterspieltag« durchgezogen – gegen alle »Bedenkenträger« aus Wissenschaft und (Sport-)Politik. DFL-Boss Christian Seifert hatte an jenem Montag einen »Existenzkampf« ausgerufen und damit den Milliardenpoker um die Übertragungsrechte gemeint. Auf dieses umkämpfte Terrain konzentrierten Seifert, Sky und Co. ihr Krisenmanagement.

    Und die Kurvenrebellen? So öffentlichkeitsscheu, beinahe klandestin agierend die Ultras in der Vergangenheit oft wirkten, so mitteilungsbedürftig erschienen sie in dieser Situation. Den Auftakt machte am vergangenen Donnerstag ein Statement des Fanbündnisses »Südkurve«, dem auch die Ultras der »Schickeria« des FC Bayern München angehören. Geisterspiele wurden darin kategorisch abgelehnt: »Fußball ohne Fans ist wertlos«, hieß es. Im selben Atemzug wurde die sofortige Absage aller (!) Spiele gefordert: »Womit wir uns auskennen ist Solidarität.«

    Das Team vor geschlossenen Stadiontoren zu unterstützen, kam für die allermeisten nicht in Frage. Stuttgarter VfB-Ultras vom »Commando Cannstatt 97« erklärten: »Wir werden im Umfeld der Austragungsorte nicht als Gruppe präsent sein.« Es gebe weder Ersatzveranstaltungen noch »sonstige Happenings«. Auch die »Caillera Ultras« von Werder Bremen meldeten sich zu Wort: »Die einzig richtige Lösung kann nur der Abbruch der aktuellen Saison sein.« Die Gesundheit aller sei wichtiger als eine bunte Kurve oder »Gelder aus TV-Verträgen und Sponsorendeals«.

    Stimmen aus dem Osten gab es auch: »Zeigt, dass unsere Solidarität sich nicht auf Fanthemen beschränkt!« appellierte der »Block U« aus Magdeburg: »Beweist, dass wir Fußballfans mehr als nur das nächste Spielergebnis im Blick haben!« Und die »Diablos« vom Regionalligisten Chemie Leipzig nahmen die Beschäftigten der Vereine in den Blick, die einen Ausfall ihrer geringen Verdienste in größte Nöte bringt: »Das müssen wir gemeinschaftlich abfedern.«

    Noch sind nicht alle kampagnenfähig, einige stehen noch im Startblock. Die Unterstützung für Betroffene der Pandemie laufe rund um den Bökelberg »eher informell«, sagte ein Vertreter der Fanhilfe Mönchengladbach auf jW-Nachfrage. Das werde sich aber bald ändern. Die Kurvenhilfe Leverkusen hingegen ist schon im Praxistest. Über »soziale Medien« boten Fans des Werksklubs einen Einkaufsdienst für Menschen aus »Risikogruppen« an. »Das ist unsere Direkthilfe vor Ort«, sagte ein Fanaktivist gegenüber jW.

    Woher kommt die Moral? »Ultras hatten schon immer eine soziale Ader«, sagt Tim Berg (Name geändert), der einst in einer ostdeutschen Großstadt eine Ultragruppe mitgegründet hat. Die Pandemie habe man als »Motivationsschub« nicht gebraucht. Man könne den Ultras jedenfalls nicht vorwerfen, aus Imagegründen ad hoc Nachbarschaftshilfe zu organisieren. »Das ist Ausdruck einer Haltung.« Und die stehe nun mal konträr zu der von Unternehmen, die etwa Antirassismuskampagnen mit Firmenlogo präsentieren würden – aus blankem Opportunismus.

    Ultras sind hierzulande die größte Subkultur, und sie bekämen einiges auf die Beine gestellt, meint Berg, nicht nur spontan und temporär. Aber ist es nicht problematisch, dass aktive Fans nun Aufgaben übernehmen, für die der Staat zuständig wäre? So werde das in Ultrakreisen in der Regel nicht diskutiert, sagt Berg. Warum nicht? »Ultras sind eh mehrmals im Jahr mit sozialen und wohltätigen Aktionen unterwegs.« Da bei Bedarf noch eine Schippe draufzulegen, sei kein Thema.

    Wie ausdauernd die aktiven Fans sich außerhalb des Spielbetriebs sozial engagieren werden, weiß Berg nicht. »Einen Fall wie die Coronakrise hatten natürlich auch Ultras noch nicht«, sagt er. Der Zusammenhalt, die Gemeinschaft sei bei ihnen indes stärker ausgeprägt als bei »normalen Fans«, und die karitative Solidarität kein bloßer Zeitvertreib in der spielfreien Phase. Aber klar, gibt er zu: Dauerhaft sei das kein Ersatz für das Stadionerlebnis.

    Träume vom Ausnahmezustand
    Die deutsche Rechte nutzt die Coronapandemie zur Verbreitung von Panik und für rassistische Hetze
    Von Markus Bernhardt

    Kaum überraschend laufen Rechte aller Schattierungen anlässlich der Coronapandemie zur Höchstform auf. In »sozialen Medien« und auf verschiedenen Blogs häufen sich die Beiträge, in denen die Gefährlichkeit des Virus bestritten oder Flüchtlinge für dessen Verbreitung verantwortlich gemacht werden. Derweil widmet sich etwa die sächsische AfD Gedankenspielen über den Ausnahmezustand. Sie forderte, dass die Landesregierung den Katastrophenalarm ausrufen müsse. Die anderen im Dresdner Landtag vertretenen Fraktionen wiesen das zurück. Rico Gebhardt, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, bezeichnete diese Forderung am Mittwoch »in zweierlei Hinsicht« als »Blödsinn«. Erstens sei es in Sachsen anders als in Bayern gar nicht möglich, dass die Landesregierung den Katastrophenalarm auslöse. Dies obliege den Landkreisen und kreisfreien Städten. Außerdem habe die Auslösung des Alarms im Falle der Pandemie weit weniger praktische Folgen, als die AfD glauben machen wolle. Gebhardt empfahl der AfD, weniger Katastrophenfilme zu schauen und »auch mal andere Gesetze zu lesen als das Ermächtigungsgesetz von 1933«.

    Auf Bundesebene konzentrieren sich eine Reihe von AfD-Politikern aktuell darauf, die Maßnahmen zur Eingrenzung der Pandemie unter dem Gesichtspunkt gängiger AfD-Themen zu diskutieren. So sprach sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth dafür aus, die freien Kapazitäten von Luftfahrtunternehmen nun zu nutzen, um möglichst viele Ausländer abzuschieben. »Anstatt die größtenteils stillgelegte Luftfahrtbranche ohne Gegenleistung mit Steuergeld über Wasser zu halten, sollte für die staatlichen Zuwendungen zumindest teilweise eine Gegenleistung eingefordert werden. Die 250.000 Ausreisepflichtigen in Deutschland sind illegal hier und belasten unser Sozialsystem, das derzeit eine der schwersten Krisen der Nachkriegsgeschichte zu meistern hat«, forderte der Innenpolitiker.

    Auch Wirths Fraktionschef, Alexander Gauland, versuchte die Gunst der Stunde zu nutzen. Angesichts der am Montag eingerichteten Grenzkontrollen sprach Gauland sich dafür aus, diese auch nach dem Ende der Pandemie beizubehalten. Künftig könne keine Bundesregierung mehr eine »unverantwortliche Politik der offenen Grenzen« damit begründen, dass eine Kontrolle unmöglich sei. »Die Grenzkontrollen müssen daher auch nach dem Ende der Coronapandemie beibehalten werden, solange es keine wirksame Kontrolle der EU-Außengrenzen gibt«, sagte der AfD-Kofraktionschef am Montag.

    Am Dienstag beschwerte sich die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch darüber, dass die Bundesregierung sich weigere, »die Grenzen für Asylbewerber zumindest für die Zeit der Coronakrise zu schließen«.

    Auch die faschistischen Kleinparteien sind aktuell umtriebig. Während »Der III. Weg« auf seiner Internetseite ein angeblich mit einem Virologen geführtes Gespräch veröffentlichte, versucht die Partei »Die Rechte« sich als Kämpferin für die Interessen von Hilfsbedürftigen zu inszenieren. »Als Zeichen der nationalen Solidarität« hat die Partei eigenen Angaben zufolge »für den Bereich Dortmund« »ab sofort einen Einkaufslieferdienst eingerichtet«, der betagten Personen beim Einkauf behilflich sein soll. Das Angebot richte sich »ausschließlich an ältere Menschen, vor allem an solche, denen eine familäre oder soziale Bindung fehlt, die Einkäufe übernehmen kann«, so die Neonazis.

    Die Wochenzeitung Junge Freiheit nutzte einen bei »Indymedia« von angeblichen Linken anonym veröffentlichten Aufruf zu Plünderungen für Stimmungsmache gegen die politische Linke. Auf der rassistischen Internetplattform »PI News« wird derweil systematisch versucht, die Verunsicherung der Bevölkerung anzustacheln, etwa indem in apokalyptischem Tonfall die Frage aufgeworfen wird, was denn passieren würde, wenn die Versorgung mit Lebensmitteln doch nicht mehr funktioniere. »Was, wenn alles kollabiert und wir auf Schwarzmärkte ausweichen müssen? Womit kann man da handeln? Was bekommt man alles?«, fragt man sich dort. Glatte Erfindungen, sachfremde Spekulationen, Rassismus, Panikmache, Träume vom Ausnahmezustand und für immer geschlossenen Grenzen: Es gibt Leute, denen die Pandemie nicht ungelegen kommt, um die Propagandamaschine auf Hochtouren zu halten.

  104. 104 Neoprene 19. März 2020 um 13:26 Uhr

    Wolfgang Wodarg, der wahrscheinlich hierzulande bekannteste Kritiker der Corona-Warner, hat auf seiner Webseite auf einen italienischen Artikel vom 13.3.2020 hingewiesen:
    https://www.agenzianova.com/a/5e6bcf1da7fbe3.23491954/2851060/2020-03-13/coronavirus-iss-in-italia-i-decessi-accertati-finora-per-causa-del-covid-19-sono-solo-due
    Hier die Automatic-Übersetzung:

    „Rom, 13. März 19:12 – (Agenzia Nova) – Die Menschen, die in Italien am Coronavirus gestorben sind, die keine anderen Krankheiten hatten, konnten nur zwei sein. Nach den bisher vom Höheren Institut für Gesundheit untersuchten medizinischen Unterlagen, so der Präsident des Instituts, Silvio Brusaferro, während der Pressekonferenz, die heute im Zivilschutz in Rom stattfand. „Die positiv verstorbenen Patienten haben ein Durchschnittsalter von über 80 Jahren – 80,3, um genau zu sein – und sind im Grunde überwiegend männlich“, sagte Brusaferro. „Der Frauenanteil beträgt 25,8%. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen ist deutlich höher als die anderen positiven Werte. Die Altersgruppen über 70 Jahre, mit einer Spitze zwischen 80 und 89 Jahren. Die meisten dieser Menschen sind Träger chronischer Krankheiten. Nur bei zwei Personen wurde bisher keine Pathologie festgestellt“, aber selbst in diesen beiden Fällen ist die Untersuchung der Unterlagen nicht abgeschlossen, so dass sich andere Todesursachen als Covid-19 ergeben können. Der Präsident der Ausgabe hat angegeben, dass bisher „etwas mehr als hundert medizinische Unterlagen“ aus Krankenhäusern in ganz Italien eingegangen sind.

    Dies sind die ersten detaillierten Daten, die der Zivilschutz bisher über die Todesursachen von Coronavirus-Patienten zur Verfügung gestellt hat. Derzeit sind die Behörden nämlich nicht in der Lage, diejenigen, die an dem Virus gestorben sind, von denen zu unterscheiden, die stattdessen täglich der öffentlichen Meinung mitgeteilt werden, die aber meist Träger anderer schwerer Krankheiten waren und daher nicht an Covid-19 gestorben wären. Auf eine Frage der „Agenzia Nova“ hin konnte Brusaferro die genaue Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus nicht angeben. Der Professor stellte jedoch klar, dass nach den analysierten Daten die grosse Mehrheit der Opfer „schwerwiegende Pathologien aufwies und in einigen Fällen der Beginn einer Infektion der Atemwege leichter zum Tod führen kann“. Um diesen Punkt zu klären und echte Daten zu liefern, „werden wir bei der Beschaffung der Aufzeichnungen detailliertere Angaben machen. Die am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen sind jedoch die zerbrechlichen, die Träger von mehr Pathologien sind“.

    Das mag ja sein, daß die älteren Menschen nicht an Covid-19 sterben. Aber sie sterben offensichtlich in diesen Tagen in einigen Gebieten der Lombardei in ungewöhnlich hoher Zahl.
    Trotzdem wären natürlich Antworten auf die diesbezüglichen Fragen von Wodarg interessant:
    “ Wieviel Krankenhausbetten pro Einwohner gibt es in den zu vergleichenden Regionen?
    Wie war die Belegung der Betten im Vorjahr?
    Wie hat sich in Italien die Inzidenz der akuten Atemwegserkrankungen in diesem Winter im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt?
    Gibt es eine ambulante Mangelsituation, sodass die Menschen vermehrt gezwungen sind die Krankenhäuser in Anspruch zu nehmen?
    Spielen die in Aussicht gestellten europäischen Finanzhilfen für Italiens Kliniken eine Rolle bei der medialen Darstellung der Lage durch einzelne Krankenhäuser?
    Wie hoch ist die Rate der nosokomialen Atemwegsinfektionen in den im Focus stehenden Kliniken im Vergleich mit anderen? (Eine vielfach höhere Rate von Antibiotikaresistenzen ist bekannt.)
    Stimmt es, dass die Krankenhausversorgung in Regionen Italiens schon länger zu Problemen geführt hat? (Personal, Beatmungsplätze, etc?)“
    https://www.wodarg.com/fragen-und-antworten-zu-corona-virus-covid-19/

  105. 105 Neoprene 19. März 2020 um 13:36 Uhr

    „Scientists say mass tests in Italian town have halted Covid-19 there“

    https://www.theguardian.com/world/2020/mar/18/scientists-say-mass-tests-in-italian-town-have-halted-covid-19

  106. 106 Nestor 19. März 2020 um 14:24 Uhr

    @neoprene

    Soweit ich die Situation durchschaue, sind das Problem ja nicht nur die Leute, die sterben.
    Viele von denen, die überleben, wären ohne intensive medizinische Behandlung auch gestorben.

    Ich nehme auch an, daß mehr testen eine gute Idee wäre. Die Gegenmeinungen, die sagen, daß negative Tests nicht verläßlich seien, haben aber kein Argument, daß positive nicht verläßlich seien. Und wenn man die sicher Infizierten einmal isolieren könnte, so wäre doch etwas gewonnen.
    Die Studie aus dem italienischen Ort behandelt eben ein Dorf. Ich glaube auch, daß sich bei kleineren Ortschaften bessere Ergebnisse erzielen lassen.
    In Städten ist schon ein Problem, daß sich bei den Teststellen keine Ansammlungen bilden sollen.

    @Kehrer

    Dabei wissen die doch worauf sie sich einlassen, bzw. hätten es wissen können wenn sie gewollt hätten.

    Ich weiß nicht, wofür solche Meldungen gut sind.
    Die Politiker wissen sehr wenig, wie sich nicht erst in Zeiten der Seuche herausstellt. Sie gehen davon aus, daß ihre Regierungsgewalt genügt, um die von ihnen angestrebten Ergebnisse zu erzielen.
    Griechenland wäre doch z.B. nie der EU und dem Euro beigetreten, wenn sich die Politiker damals auch nur die entfernteste Vorstellung davon gemacht hätten, daß ihnen einmal der Kredit abhanden kommen könnte.
    Im Gegenteil, sie dachten, mit der Einführung des Euro hätten sie sich unbeschränkten Kredit gesichert.

    Den Unsinn mit den Schmerzmitteln habe ich schon öfter gehört.
    Wenn man Schmerzen hat, so muß man die Ursache erforschen und bekämpfen, nicht ein Pulverl schlucken. Es ist eben der Unwille und die Zusammenarbeit von Gesundheitswesen und Arbeitswelt, die den Leuten lieber die Einnahme von Schmerzmitteln empfiehlt, mit der Begründung, das sei gut für sie. So wird eine arzt- und medikamentenabhängige kranke Gesellschaft hergestellt, die volle Hausapotheken hat und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit eine Tablette einwirft.

    Vor einem Jahrzehnt hat mich in Anwesenheit dreier Personen in einem Garten eine Wespe gestochen. Man hätte meinen können, eine Tarantel hätte die 3 anderen gestochen. Alle sprangen auf und rieten mir, was zu tun sei. Saugen! saugen! schrie eine. Eine andere lief ins Haus und holte eine Rheumasalbe mit der Entschuldigung, sie hätte nichts anderes da.
    Ich fragte alle, ob sie eigentlich verrückt geworden seien? Es brauchte eine Viertelstunde, um alle zu beruhigen.
    Zu Hause schmierte ich Arnika drauf und am nächsten Tag war alles futsch.

    Natürlich ist das individuell abhängig, aber bei einem Menschen, der jahrzehntelang Wespen ausgesetzt war und auch pumperlgsund ist, kann man wohl annehmen, daß er einen Wespenstich aushält.

    Die Allergien, die so überhandnehmen, entstehen nicht ohne Grund. Anstatt da genau nachzuforschen und gegebenenfalls in Sachen Lebensmittel einmal staatliche Verbote zu erlassen bezüglich verscheidener Substanzen, schreibt man auf den Speisekarten der Gasthäuser gesetzmäßig Allergen-Hinweise vor. Und das wars dann.

  107. 107 Kehrer 19. März 2020 um 14:52 Uhr

    Sehr interessant. Die gehen also sogar noch weiter und sagen nicht nur Leute mit Symptomen (egal ob Kontakt bestanden hat oder aus Risikogebieten) sollen getestet werden, sondern alle um asymptomatische zu identifizieren, die es offenbar nicht selten gibt. Vom Standpunkt der Vernunft her müsste man das so machen.

    Als wäre es eine „Ausbreitungsstrategie“ des Virus, der so gestrickt ist, dass nicht alle krank werden, um eine größtmögliche Verbreitung zu entfalten. Vom Evolutionsstandpunkt „nützt“ es einem Virus ja nichts, wenn der Wirt stirbt. Bzw. das stoppt ihn eher, macht ihn unbeweglich und verhindert seine Verbreitung. Evolution ist ja eine geistlose Entwicklung, die ohne Bewusstsein, aber mit Versuch und Irrtum voranschreitet.

  108. 108 Neoprene 19. März 2020 um 14:53 Uhr

    Das schöne Testbeispiel Vo habe ich gebracht, weil es, wenn auch buchstäblich nur im Kleinen, widerlegt, daß Testen erstens nichts hilft und zweitens nur Panikmache sei.
    Ja, es würde sicherlich schwieriger in Wien oder auch nur Potsdam alle Menschen bei Beginn einer eventuellen Epidemie durchzutesten. Es gab aber überhaupt keine Überlegungen in diese Richtung, deshalb Null Vorbereitung und Depotbildung, um sowas, wenn es denn angesagt sein sollte, auch nur in einer kleineren Region tatsächlich durchführen zu können.
    Ich habe gerade mal reingelesen, was Bill Gates & Co. bei dem jetzt ja von Verschörungstheoretikern gern zitierten „Even 201″, dem Durchspielen am Tisch einer weltweiten Virus-Epidemie letzten Oktober, so für Empfehlungen erarbeitet haben:
    http://www.centerforhealthsecurity.org/event201/recommendations.html
    1. Governments, international organizations, and businesses should plan now for how essential corporate capabilities will be utilized during a large-scale pandemic.
    2. Industry, national governments, and international organizations should work together to enhance internationally held stockpiles of medical countermeasures (MCMs) to enable rapid and equitable distribution during a severe pandemic.
    3. Countries, international organizations, and global transportation companies should work together to maintain travel and trade during severe pandemics. Travel and trade are essential to the global economy as well as to national and even local economies, and they should be maintained even in the face of a pandemic.
    4. Governments should provide more resources and support for the development and surge manufacturing of vaccines, therapeutics, and diagnostics that will be needed during a severe pandemic.
    5. Global business should recognize the economic burden of pandemics and fight for stronger preparedness.
    6. International organizations should prioritize reducing economic impacts of epidemics and pandemics.
    7. Governments and the private sector should assign a greater priority to developing methods to combat mis- and disinformation prior to the next pandemic response.

    Wenn ich das richtig sehe, ist sowas in den letzten Jahrzehnten in den meisten Staaten gerade nicht gemacht worden.

  109. 109 Neoprene 19. März 2020 um 15:07 Uhr

    Nein, Viren haben keine Ausbreitungsstrategie, es gibt nur welche, die sich erfolgreich vermehren können und andere die aussterben, weil sie das nicht können. Entwicklungsgeschichtlich haben die Viren die Eigenschaft bekommen, sich von Jahr zu Jahr zu verändern. Mal mehr, mal weniger, das ist ja nichts Geplantes sondern Zufall. Und dann kommt eben alle naselang ein Virus zustande, bei dem die Infizierten relativ lange symptomfrei bleiben, manche überhaupt nichts merken. Das gibt es ja häufig, das Lebewesen nur Zwischenträger sind, selber völlig unbeeinflußt bleiben, nur andere Spezies anstecken können.
    Zur Identifikation aller Infizierten wäre es also sinnvoll, möglichst viele Menschen zu testen, wenn man annehmen muß, daß relativ viele Menschen das erst nicht merken. Nur dann kann man hoffen „alle“ zu erwischen, die selber eventuell krank werden und eventuell andere anstecken könnten und zudem zurückzuverfolgen, mit wem die in den eltzten Tagen Kontakt gehabt haben und diese Menschen deshalb angesteckt haben könnten. Die kann man dann in Quarantäne nehmen und hoffen, daß die Ausbreitung dadurch verlangsamt wird, in manchen Gebieten eben auch mal gestoppt werden kann.

    Noch ein Argument für möglichst breites Testen:
    „According to a report out Monday, people in China with undocumented illness were the source of 79 percent of transmissions. Most people got infected from others who felt perfectly healthy.“
    http://nautil.us/blog/the-good-and-bad-news-of-a-coronavirus-pandemic-model

  110. 110 Nestor 19. März 2020 um 17:05 Uhr

    Im El País lese ich, daß es in Spanien mit den Tests ganz schlecht ausschaut, weil die, die es gibt, sowohl bei Positiv als auch bei Negativ sehr unverläßlich sind.

    Außerdem gibt es eine einzige Fabrik, die Gesichtsmasken herstellt, in Andalusien, da kommt jetzt schon die Guardia Civil hin, um sie zu beschlagnahmen, damit nicht womöglich lokale Spitäler Vorrang genießen.

    Bisher wurden die Masken größtenteils aus China importiert, viel billiger als von der andalusischen Firma.
    Jetzt wiederum darf man dort nur nach sehr vielen Behörden-Hürden einkaufen.
    Die Chinesen haben gleich einmal einen Haufen Masken und andere Schutzkleidung als Geschenk geschickt.
    Die werden jetzt geprüft, ob sie sanitär vertretbar sind.
    Derweil steckt sich täglich jede Menge Personal an, weil sie weder Handschuhe noch Masken haben.

    Vor ein paar Jahren wurde gegen Grippe A mobilisiert. Da wurden Medikamente eingekauft, die nicht gebraucht wurden. Bis heute wird diese „Verschwendung“ und „Hysterie“ angeprangert, deshalb traut sich seither niemand, kein Spital und keine Behörde, Reserven für Grippe-Ernstfälle anzulegen.

    (El País, 19.3.)

  111. 111 Neoprene 19. März 2020 um 18:32 Uhr

    Was mir bei den Reaktionen der von Covid-19 Wellen betroffenen Staaten, vor allem in Europa, auffällt, ist das fast völlige Fehlen von gemeinsamen, abgestimmten Aktionen. Die EU ist praktisch wieder zerfallen zu einem nur noch formell zusammengehaltenen Haufen bedingungslos nationalistisch agierender Staaten. Da werden z.B. keine Ressourcen in allen Staaten ermittelt um dann festzulegen, wo die am dringendsten gebraucht werden, nein jeder Staat beansprucht den maximalen Zugriff auf die Sachen, die es auf seinem Gebiet gibt.

    Dazu paßt dann der Hohn von Frau Merkel, die an die Verantwortung aller appelliert, vernünftig soziale Distanzierung einzuhalten, (weil man sonst den Menschen die Quarantäne per Verordnung aufzwingen müßte) wo jeder weiß, daß Moria nur darauf wartet, zu einem lokalen Massenausbruch der Epidemie zu werden.

  112. 112 Nestor 19. März 2020 um 18:47 Uhr

    Die Grenzsperre Ungarns z.B. ist ein typisches Beispiel für dieses Florianiprinzip (Verschon mein Haus, zünd dem Nachbarn seins an!): Da bildet sich ein Stau von 40 km, seuchentechnisch ganz verkehrt, abgesehen von den Unannehmlichkeiten für die Betroffenen – anstatt Transitvorschriften auszugeben und Punkte zur Verfügung zu stellen, wo die Leute aufs Klo gehen und gegebenenfalls Wasser und etwas zum Essen kaufen können.
    Immerhin sind es von Hegyeshalom bis Ártánd 500 km, wie ich weiß, da ich diese Strecke schon oft gefahren bin.

    Ein Ergebnis der Sichtweise des Oberhäuptlings eines Staates, der gerade im letzten Jahrzehnt Hunderttausende Gastarbeiter produziert hat und in einem fort, zuletzt auch jetzt, aus vollem Halse verkündet, an allem Übel Ungarns seien die Migranten und Soros schuld.

  113. 113 Kehrer 19. März 2020 um 20:34 Uhr

    „Dazu paßt dann der Hohn von Frau Merkel, die an die Verantwortung aller appelliert, vernünftig soziale Distanzierung einzuhalten, (weil man sonst den Menschen die Quarantäne per Verordnung aufzwingen müßte)“

    Gerade wird in den Nachrichten diskutiert, dass die Leute ja teilweise ach so unvernünftig sind und sich draußen weiter treffen und das deswegen wohl mit einer Ausgangssperre zu rechnen sein wird. Das Problem ist, dass den Politikern immer bloß Gewalt einfällt. Das ist ihr Job. Mit Vernunft an eine Sache heranzugehen scheint ihre Sache nicht zu sein. Erstmal ist der Name schon unangemessen. Denn wer bloß draußen unter freiem Himmel sich bewegt, der gefährdet niemand. Erst der soziale Kontakt ist problematisch. Aber das muss man den Leuten erklären. Man muss sagen, aus den und den Gründen ist es gefährlich weiterhin soziale Kontakte zu pflegen (außer Familie, bzw. Wohngenossen). Und das muss nicht nur einmal irgendwo veröffentlicht werden, sondern alle drei Stunden oder so in allen Medien. Sone Art Corona-etiquette.

    Man muss den Leuten sagen, auch wenn ihr euch nicht krank fühlt könnt ihr Corona haben. Eine Sicherheit, dass man es nicht hat gibt es nicht, nur eine, dass man es hat, wenn man getestet wurde. Aber wenn man es so sagen würde, wäre sofort die Frage auf dem Tisch warum nicht mehr getestet wird.

    Gibt es eigentlich einen Krisenstab? Wie groß ist der, was kann der umsetzen.

    „anstatt Transitvorschriften auszugeben und Punkte zur Verfügung zu stellen, wo die Leute aufs Klo gehen und gegebenenfalls Wasser und etwas zum Essen kaufen können.“
    Genau. Vor der polnischen Grenze angeblich 63 km Stau am Mittwochabend. Inzwischen nur noch 25km.

  114. 114 Neoprene 19. März 2020 um 20:50 Uhr

    „Vor der polnischen Grenze angeblich 63 km Stau am Mittwochabend. Inzwischen nur noch 25km.“ (angeblich ist natürlich zu vorsichtig formuliert gewesen, die Rückstaus reichten tatsächlich bis zum Berliner Ring, wie die Verkehrsnachrichten permanent berichtet haben.)

    Das ist so ein typisches Beispiel für den Zusammenbruch der EU, zumindest des Schengen-Raumes. Offensichtlich hat Polen keine fünf Minuten mit Deutschland darüber geredet, wie man die Grenzschließung ohne Staus zu produzieren abwicklen kann. Die vielen LKW-Fahrer wurden einfach von beiden Seiten erstmal im Stich gelassen.

  115. 115 NN 19. März 2020 um 21:09 Uhr

    Pandemie ein Fall für das Militär
    Coronakrise: Kramp-Karrenbauer mobilisiert Reservisten. Söder droht mit Ausgangssperre. Wirtschaftsforscher rechnen mit Rezession

    Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bereitet die Bundeswehr auf eine größere Mobilisierung ihrer Reserve für den Einsatz wegen der Coronaviruspandemie vor. Die Kapazitäten der Reservisten sollten sinnvoll genutzt werden, schrieb die Ministerin am Donnerstag in einem Tagesbefehl an die Truppe, der dpa vorlag. Die CDU-Politikerin nennt darin auch Einsätze zur »Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung« – wenn nötig. Der Reservistenverband der Bundeswehr hat 115.000 Mitglieder.

    Unterdessen drohten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) am Donnerstag offen mit Ausgangssperren im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. »Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die Ausgangssperre als einziges Instrumentarium, um darauf zu reagieren«, sagte Söder in einer Regierungserklärung am Donnerstag im Landtag in München.

    Die Bundesregierung rechnet in der Coronakrise mit rund 2,35 Millionen Beschäftigten, die aus konjunkturellen oder saisonalen Gründen Kurzarbeitergeld beziehen werden. Dies geht aus einem Verordnungsentwurf des Bundesarbeitsministeriums hervor, worüber zuerst das Handelsblatt am Donnerstag berichtete.

    Des weiteren plant die »große Koalition« ein Hilfspaket mit einem Volumen von insgesamt über 40 Milliarden Euro für Soloselbständige und andere Kleinstfirmen. Das meldete dpa mit Verweis auf Regierungskreise. Zuvor hatte bereits der Spiegel darüber berichtet. Zunächst war die Rede von bis zu 50 Milliarden Euro gewesen; das wurde nach unten korrigiert.

    Die deutsche Wirtschaft könnte nach Prognose des unternehmernahen Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo-Institut) in diesem Jahr wegen der Auswirkung der Pandemie erheblich schrumpfen. Bei größeren Produktionseinschränkungen sei ein Einbruch der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent denkbar, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Donnerstag. Wenn es nicht ganz so dramatisch werde, könne das Minus bei nur 1,5 Prozent liegen. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet eine Rezession. Claus Michelsen, Leiter der DIW-Abteilung Konjunkturpolitik, sagte, ein Abschwung sei sicher. (dpa/AFP/jW)

    »Wie in einem Zombiefilm«

    US-Präsident Donald Trump sieht sein Land wegen der Coronavirusepidemie im Kriegszustand. Er selbst sei gewissermaßen »Präsident in Kriegszeiten«, sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington. Die US-Bevölkerung trifft dementsprechende Vorkehrungen. In den »sozialen Medien« machten Anfang der Woche Bilder die Runde, die lange Schlangen vor Waffenläden zeigen, wie hier in Culver City in Kalifornien. Auch die New York Times griff das Phänomen auf. Ein Ladenbesitzer berichtete von einem Anstieg der Verkäufe um 30 bis 40 Prozent seit Ende Februar. Nach den Gründen für den Kauf einer Waffe gefragt, gab ein 29jähriger gegenüber der Tageszeitung an, er sei besorgt, das Virus könnte zu einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung führen, mit Plünderungen und Raubüberfällen – »alles steht still, wie in einem Zombiefilm«. (jW)

    Alles im Griff?
    Russland erklärt, gut auf die Coronaviruspandemie vorbereitet zu sein. Grenzen weitgehend geschlossen, Massentestprogramm in Vorbereitung
    Von Reinhard Lauterbach

    In Russland gibt es nach amtlichen Angaben derzeit 147 offiziell festgestellte Fälle von Coronavirusinfektionen. Dieser Stand vom Donnerstag ist in absoluten Zahlen nicht besonders hoch; für Befürchtungen sorgt aber die seit Anfang dieser Woche starke Dynamik der Fälle. So stieg die Zahl der Infizierten seit Dienstag innerhalb von zwei Tagen um 30 Prozent. Gestorben ist bisher nach offiziellen Angaben niemand an der Infektion. Geographisch konzentrieren sich die neuen Erkrankungsfälle offenbar stark auf Moskau und einige Regionen des europäischen Russlands.

    Als Reaktion hat die Regierung die Grenzen des Landes faktisch für alle Ausländer gesperrt. Das Einreiseverbot gilt seit Mittwoch und umfasst alle Bürger Europas inner- und außerhalb der EU, außerdem die USA, die Ukraine und Belarus sowie Iran, China und Südkorea. Alle, die noch über die Grenze kommen – russische Bürger und Ausländer mit langfristiger Aufenthaltserlaubnis –, müssen sich einer 14tägigen Quarantäne in der eigenen Wohnung oder im Hotel unterziehen. Gleichzeitig will die Regierung, nach anfänglichem Zögern, jetzt ein umfassendes Testprogramm starten. Alle Einwohner, die seit dem Ausbruch der Pandemie im Ausland waren, sollen auf das Virus untersucht werden, ob sie wollen oder nicht. Wie das in Murmansk ansässige Portal severpost.ru berichtete, hat der Gouverneur des Gebiets den Geheimdienst FSB um Amtshilfe bei der Suche nach Russen mit kürzlichen Auslandskontakten gebeten. Allein im Februar sollen nach Angaben des norwegischen Portals Barentsobserver im kleinen Grenzverkehr mit der arktischen Region Norwegens über 20.000 Russen die Grenze überschritten haben.

    Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa berichtete Präsident Wladimir Putin am Mittwoch, bisher seien 110.000 Personen im Land auf das Virus getestet worden. Innerhalb weniger Tage werde sich die Zahl der Untersuchten verdoppeln, so Golikowa. Damit scheint sich die Testpolitik der russischen Behörden kurzfristig umzukehren. Noch Anfang der Woche hatte das Portal rbc.ru über eine Direktive der Moskauer Stadtregierung berichtet, die die Bewohner in vier Risikokategorien aufgeteilt hatte. Damit sollte offenbar ein zu großer Andrang auf die Testlabors verhindert werden: Personen mit Auslandskontakten und Atemwegserkrankungen standen an erster Stelle, anschließend Personen mit Atemwegserkrankungen ohne Auslandskontakt, Bürger mit sonstigen langfristigen Gesundheitsproblemen und schließlich Leute ohne Symptome und Vorgeschichte. Insbesondere musste der Test bisher ärztlich verordnet sein; dies fällt nun offenbar weg.

    In ihrem Vorgehen orientieren sich die russischen Behörden augenscheinlich am chinesischen Vorbild, das sich als effizient erwiesen hat: rigorose Absperrungen, manchmal über ein Maß hinaus, das dem europäischen Verstand einleuchtet. So berichteten russische Medien über den Fall eines in Hausarrest gesteckten Moskauers. Er bekam eine Geldstrafe aufgebrummt, weil er gewagt hatte, seinen Müll zum Container zu tragen und dabei von der Überwachungskamera im Eingangsbereich seines Hauses erfasst worden war. Generell setzen die russischen Behörden zur Kontrolle der Ausgangsbeschränkungen auf eine Gesichtserkennungssoftware, die ursprünglich zur Verbrechensbekämpfung entwickelt worden ist und die mit den zahlreichen Überwachungskameras im öffentlichen Raum zusammengeschaltet wird.

    Unterdessen sagte die russische Anti-Putin-Opposition ihre Demonstrationen gegen die geplanten Verfassungsänderungen wegen der Infektionsgefahr ab. Gleichzeitig rief sie den Präsidenten auf, die Volksabstimmung über das Projekt, die am 22. April stattfinden soll, zu verschieben. Einstweilen machte Putin keine Anstalten, dieser Forderung nachzukommen. Im Gegenteil unterzeichnete er am Mittwoch den Erlass, mit dem die Abstimmung angesetzt wird. Allerdings kann diese nach seinen Worten notfalls auch kurzfristig noch abgesagt werden, wenn es die Pandemiesituation erfordere. Zentraler Punkt der Änderungen ist, dass Putin die Option erhält, sich 2024 nochmals für zwei Amtszeiten um das Präsidentenamt zu bewerben.

  116. 116 Kehrer 19. März 2020 um 23:37 Uhr

    Ich habe das aus einem Artikel. 63 km ist übrigens ungefähr die Entfernung von der polnischen Grenze bis zum Berliner Ring, laut Routenplaner.

  117. 117 Nestor 20. März 2020 um 12:51 Uhr

    „Nach den Gründen für den Kauf einer Waffe gefragt, gab ein 29jähriger gegenüber der Tageszeitung an, er sei besorgt, das Virus könnte zu einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung führen, mit Plünderungen und Raubüberfällen“

    Das wird der Menschheit vor allem in den USA ja seit Jahren nahegelegt: Wenn die öffentliche Ordnung zusammenbricht, muß man sich bis auf die Zähne bewaffnen, weil jeder andere ist ein Feind!
    Daß man irgendwie zusammenarbeiten muß, um aus irgendeiner Scheiße wieder herauszukommen, wird den Menschen in der Konkurrenzgesellschaft systematisch ausgetrieben (schon die Schulbuchliteratur zu meiner Zeit war darauf ausgelegt) und so ist ja auch die Prepper-Industrie schon zu einem beachtlichen Wirtschaftszweig geworden.

    Das mit den Nicht-Hinausgehen wird auch sehr blöd kommuniziert. Es stellt ja nur in Städten mit Parkanlagen ein Infektionsrisiko dar. Ansonsten ist frische Luft gesund, wie immer.
    Bei uns hat die Wetterfröschin kürzlich davor gewarnt, auf den Berg zu gehen – trotz des guten Wetters! Die Gute dürfte da etwas durcheinandergebracht haben.

  118. 118 Krim 20. März 2020 um 15:59 Uhr

    „Ansonsten ist frische Luft gesund, wie immer.“ Ganz genau. Es stellt sich immer klarer heraus, dass hier einiges schief läuft. Vor allem die Jungen denken oft, wenn ich keine Symptome habe, dann habe ich auch kein Corona und wenn ich kein Corona habe, muss ich mich nicht an die Abstandsregel halten. Das Problem ist, dass auch niemand widerspricht. Die Leute wissen zum großen Teil nicht, dass sie ohne Symptome Corona haben können. Eben lese ich, dass immer noch nur getestet wird, wenn man Symptome hat und zweitens man aus einem Risikogebiet kommt oder Kontakt zu einem Coronafall hatte. Das ist ein Witz bei zur Zeit fast 18 000 bestätigten Fällen in Deutschland.

    Immerhin hat der Spiegel den „umstrittenen deutschen Weg“ zum Thema gemacht. https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-testet-deutschland-zu-wenig-im-vergleich-zu-suedkorea-a-4fb86f9e-1a5f-4434-b05f-7fad3dda34f4

    Die Zahlen sprechen ja eine deutliche Sprache, Südkorea scheint es besser zu machen. Wenn ich dann aber wieder lese, das Testroboter teuer sind, dann fällt mir nichts mehr ein. Im Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Schaden, der durch exponentiell zunehmende Infiziertenzahlen entstehen, ist das nichts.

    Russland scheint es auch besser zu machen.

  119. 119 Kehrer 20. März 2020 um 19:00 Uhr

    „Ansonsten ist frische Luft gesund, wie immer.“ Ganz genau. Es stellt sich immer klarer heraus, dass hier einiges schief läuft. Vor allem die Jungen denken oft, wenn ich keine Symptome habe, dann habe ich auch kein Corona und wenn ich kein Corona habe, muss ich mich nicht an die Abstandsregel halten. Das Problem ist, dass auch niemand widerspricht. Die Leute wissen zum großen Teil nicht, dass sie ohne Symptome Corona haben können. Eben lese ich, dass immer noch nur getestet wird, wenn man Symptome hat und zweitens man aus einem Risikogebiet kommt oder Kontakt zu einem Coronafall hatte. Das ist ein Witz bei zur Zeit fast 18 000 bestätigten Fällen in Deutschland.

    Immerhin hat der Spiegel den „umstrittenen deutschen Weg“ zum Thema gemacht. https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-testet-deutschland-zu-wenig-im-vergleich-zu-suedkorea-a-4fb86f9e-1a5f-4434-b05f-7fad3dda34f4

    Die Zahlen sprechen ja eine deutliche Sprache, Südkorea scheint es besser zu machen. Wenn ich dann aber wieder lese, das Testroboter teuer sind, dann fällt mir nichts mehr ein. Im Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Schaden, der durch exponentiell zunehmende Infiziertenzahlen entstehen, ist das nichts.

    Russland scheint es auch besser zu machen.

    Eben Mai Brit Illner Talk geschaut: Mit Hirschhausen, Arbeitsminister Heil, Christian Drosten, Susanne Johna

    Der Arbeitsminister hat Existenzsicherung für alle möglichen versprochen. Meiner Einschätzung nach ist das Abwiegelung, Beruhigungspflaster, damit die Leute nicht durchdrehen. Zum Testen sagt Drosten, dass die Fallzahlen exponentiell ansteigen, dass aber die Testkapazitäten höchstens linear erhöht werden können.

  120. 120 NN 21. März 2020 um 0:21 Uhr

    Die Entwicklungen zum Coronavirus am Freitag

    Mehr als 600 Menschen sind in Italien innerhalb eines Tages durch das Coronavirus gestorben. Dort gibt es so viele Tote wie in keinem anderen Land. Die Regierung lässt nun alle Parks schließen. Der Überblick.

    Eine Frage von Monaten

    Wie lange der Corona-Lockdown anhält, hängt vor allem davon ab, wie konsequent er umgesetzt wird. Dies zeigen Rechenbeispiele mit Pandemiemodellen.

    Bundesinstitut schränkt Arzneimittelversorgung ein

    Die Arzneimittelversorgung in Deutschland ist seit Jahren von Engpässen und Ausfällen geprägt. Das neuartige Coronavirus verschärft die Situation – die zuständige Behörde ergreift drastische Maßnahmen.

    „Wir haben gemahnt, und keiner hat uns gehört“

    Wegen der Corona-Epidemie wird Schutzkleidung für Ärzte, Pfleger und Sanitäter knapp. Einigen Kliniken gehen schon jetzt die Vorräte aus. Ein Lieferant der Produkte wirft dem Bundesgesundheitsminister schwere Versäumnisse vor.

    Polizei rechnet mit mehr Einsätzen wegen häuslicher Gewalt

    In der Coronakrise bereiten sich die Sicherheitsbehörden auf neue Anforderungen vor: Möglicherweise steigen die Fälle von Betrug und häuslicher Gewalt. Auch die Prepperszene wird verstärkt beobachtet.

    Die gefährlichen Falschinformationen des Wolfgang Wodarg

    Coronaviren habe es schon immer gegeben, die aktuellen Maßnahmen seien nur Panikmache: Auf YouTube wettert ein Mediziner gegen den Umgang mit Sars-CoV-2. Seine Argumentation wirkt schlüssig – ist sie aber nicht.

    Berliner Prioritäten (III) (20.03.2020)
    Britische Studie: Festhalten am Versuch, in der Coronakrise kurzfristige Interessen der Wirtschaft zu wahren, hätte zu Hunderttausenden Todesopfern geführt.

    BERLIN (Eigener Bericht) – Die EU hat in dieser Woche China bei der Zahl der Covid-19-Infektionen sowie bei der Zahl der Covid-19-Todesfälle überholt. Die Zahl der Infizierten lag am gestrigen Donnerstagabend in den 27 EU-Staaten bei 99.152, die Zahl der Todesopfer bei 4.671. China hingegen konnte gestern erstmals bekanntgeben, die Zahl der Neuinfektionen auf Null gesenkt zu haben. Ursache sind unterschiedliche Strategien im Umgang mit der Pandemie: Während die Volksrepublik wie weitere Staaten Ost- und Südostasiens, etwa Südkorea und Singapur, alles daran setzt, die Ausbreitung des Covid-19-Virus zu stoppen, waren die führenden europäischen Staaten bis vor kurzem darauf aus, im kurzfristigen Interesse ihrer Wirtschaft auf drastische Maßnahmen wie Schulschließungen zu verzichten und die Pandemie lediglich zu verlangsamen. Einer Studie des renommierten Imperial College London zufolge würde das allein im Vereinigten Königreich zu 250.000 Todesopfern führen. Auch Berlin hat einen Kurswechsel eingeleitet, allerdings wertvolle Zeit verloren. Die Folgen wiegen schwer.

    Mehr Opfer in der EU als in China

    Die EU hat in dieser Woche China bei der Zahl der Infektionen mit dem Covid-19-Virus wie auch bei der Zahl der Covid-19-Todesfälle überholt. Während die Volksrepublik gestern Abend 81.155 Infizierte verzeichnete, von denen 70.535 inzwischen wieder gesundet, 3.249 hingegen verstorben waren, lag die Zahl der Infizierten in der EU bei 99.152, diejenige der Gesundeten bei 5.798, diejenige der Todesopfer bei 4.671.[1] Dabei wurde über eine EU-weite Dunkelziffer in wohl sechsstelliger Höhe diskutiert, auch weil in vielen EU-Ländern – Deutschland inklusive – immer noch zahlreiche Erkrankte nicht getestet werden und sogar bei der Zahl der Todesfälle prinzipielle Unklarheiten nicht ausgeräumt sind. So werden etwa Verstorbene in Italien auf eine mögliche Covid-19-Erkrankung untersucht, während dies in Deutschland zumindest zeitweise nicht der Fall war, was die Statistik klar zugunsten der Bundesrepublik verfälscht. Dies ist auch deshalb keine Marginalie, weil in der deutschen Öffentlichkeit bis heute regelmäßig unterstellt wird, die chinesischen Statistiken seien – im Gegensatz zu den deutschen – geschönt.

    Beijings früher Start

    Dabei ist die EU – im Unterschied zu China, das gestern erstmals null Neuinfektionen im eigenen Land vermeldete, 34 freilich bei Neuankömmlingen aus dem Ausland – noch längst nicht auf dem Gipfelpunkt der Pandemie angelangt. Das liegt daran, dass die Volksrepublik schon viel früher begonnen hat, die Ausbreitung des Virus mit dramatischen Maßnahmen zu bekämpfen. Als am 23. Januar die Metropole Wuhan abgeriegelt wurde, waren in ganz China 634 Covid-19-Infektionen und 18 Covid-19-Todesfälle bekannt. Das ist der Stand, den Europa am 27. Februar erreichte – vor mehr als drei Wochen, zehn Tage, bevor Italien als erstes Land der EU Ausgangsbeschränkungen einführte und der Bundesgesundheitsminister sich erstmals für Verbote von Großveranstaltungen aussprach. In der Tat hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO schon Ende Februar explizit gefordert, auch die westlichen Staaten sollten entschlossene Maßnahmen starten (german-foreign-policy.com berichtete [2]).

    „Zeit gewinnen“, „Herdenimmunität“

    Tatsächlich hat die Bundesregierung wie andere Staaten Europas – aber im Unterschied nicht nur zu China, sondern auch zu einigen weiteren Staaten Ost- und Südostasiens wie Südkorea und Singapur – zu Beginn dezidiert nicht darauf gesetzt, die Epidemie durch strikte Ausgangsbeschränkungen zu stoppen, sondern lediglich darauf, ihren Verlauf nach Möglichkeit zu verlangsamen. „Es geht um das Gewinnen von Zeit“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch am 11. März erklärt und darauf hingewiesen, dass sich nach Schätzungen von Experten voraussichtlich „60 bis 70 Prozent“ der Bevölkerung anstecken würden.[3] Die Verlangsamung der Epidemie sei notwendig, um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. Die Strategie, die Infizierung von zwei Dritteln der Bevölkerung hinzunehmen, um eine Art Grundimmunität zu schaffen, ist am offensivsten vom britischen Premierminister Boris Johnson vertreten worden. Darauf hinweisend, die meisten Covid-19-Patienten würden lediglich „eine milde Grippe“ erleiden – mit denselben Worten hatten Berliner Regierungsstellen ebenfalls immer wieder das Ausbleiben strikter Maßnahmen rechtfertigt –, war in London regelmäßig von „Herdenimmunität“ die Rede.[4] Selten wurde, wie kürzlich von Gesundheitsminister Spahn [5], offen darauf hingewiesen, wer letztlich von der Strategie profitiert: Unternehmen, deren Angestellte weiterhin arbeiten und sich nicht etwa wegen Schulschließungen um ihre Kinder kümmern müssen.

    Eine Viertelmillion Tote

    Die Strategie, den Verlauf der Pandemie lediglich zu verlangsamen, ist seit Ende vergangener Woche unter dem Druck der eskalierenden Opferzahlen zusammengebrochen. Zur Begründung des Strategiewechsels hin zu dem Versuch, die Ausbreitung des Covid-19-Virus nun doch noch zu stoppen – wenngleich mit großer Verspätung –, ist in den vergangenen Tagen auf eine neue Studie hingewiesen worden, die am renommierten Imperial College London erstellt wurde, dabei aber vor allem bestätigt, wovor die WHO unter Auswertung der Erfahrungen aus China spätestens seit Ende Februar warnt: Unterbleiben strikte Maßnahmen wie etwa Schulschließungen, dann lässt sich ein Massensterben nicht verhindern. Experten des Imperial College London schätzen die Zahl der Covid-19-Todesopfer allein in Großbritannien für diesen Fall auf 250.000.[6] Ausgehend von der zahlenstärkeren Bevölkerung läge sie in Deutschland noch deutlich darüber.

    Wertvolle Zeit verloren

    Mit ihrem Experiment, zum Nutzen der Wirtschaft auf harte Maßnahmen zum Stopp der Pandemie zu verzichten, haben London, Berlin und weitere westliche Hauptstädte nicht nur zahllose Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Sie haben auch einen Zustand herbeigeführt, in dem das Covid-19-Virus stark verbreitet ist und der Versuch, die Pandemie jetzt doch noch zu stoppen, vermutlich erheblich längere Zeit benötigen wird als in China. Auch der Wirtschaft, deren kurzfristigen Interessen Berlin zunächst zu entsprechen suchte, steht nun eine wohl noch schwerere Krise bevor. Der Dax, der sich vor nur einem Monat noch der Schwelle von 14.000 Punkten zu nähern schien, stürzte seit Ende Februar in mehreren Schüben ab und fiel gestern zeitweise unter 8.300 Punkte. Zum ökonomischen Einbruch kommen gravierende außenpolitische Folgen hinzu, deren Ausmaß gleichfalls nicht absehbar ist. Schon jetzt vertiefen sich die Risse in der EU so stark, dass Beobachter den Zerfall der Union nicht mehr ausschließen wollen.[7]

    Ins Wanken geraten

    Hinzu kommt, dass China – nach der offenbar erfolgreichen Eindämmung der Pandemie – womöglich gestärkt aus der Krise hervorgeht. So hat nach ersten EU-Mitgliedstaaten inzwischen auch die EU-Kommission im Kampf gegen das Covid-19-Virus Hilfe aus Beijing annehmen müssen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich am Mittwoch ausdrücklich beim chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang für eine bevorstehende chinesische Lieferung von zwei Millionen Operationsmasken, 200.000 N95-Schutzmasken sowie 50.000 Covid-19-Testkits bedankt.[8] Die einstige ökonomische und politische Überlegenheit der früheren europäischen Kolonialmächte gerät für alle sichtbar ins Wanken.[9]

  121. 121 NN 21. März 2020 um 0:33 Uhr

    Sonderregeln für Kliniken und Pflege
    Im Kampf gegen Coronapandemie Personaluntergrenzen und Teile der Qualitätskontrolle ausgesetzt

    Wegen der Coronaviruspandemie werden Qualitätsstandards und deren Kontrolle im Gesundheitswesen der Bundesrepublik außer Kraft gesetzt. Davon betroffen sind nun pflegebedürftige Kinder und Erwachsene. So sollen die Kliniken mehr »Freiraum« beim Einsatz von Intensivpflegekräften erhalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen hat am Freitag »Abweichungsmöglichkeiten« von Vorgaben bei komplexen Behandlungen beschlossen, die nicht im Zusammenhang mit der Pandemie stehen.

    Demnach können nun Ausnahmen von bestehenden Regelungen bei der Versorgung von Frühgeborenen, in der Kinderherzchirurgie und bei bestimmten Eingriffen an der Bauchaorta gemacht werden. Kliniken sollen vorhandenes Intensivpflegepersonal »flexibel« einsetzen dürfen. Dies erweitere die Möglichkeiten zum Unterschreiten von Personaluntergrenzen auch für sehr personalintensive Bereiche, ohne »die gebotene fachliche Qualität der Patientenversorgung« zu gefährden, sagte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken am Freitag.

    Für Pflegeheime hat die Bundesregierung die Qualitätskontrolle, den sogenannten Pflege-TÜV, bis Ende September ausgesetzt. Hinweisen auf Missstände soll aber weiter nachgegangen werden. Um die Arbeitsbelastung der Pflegerinnen und Pfleger zu reduzieren, sollen Bewohnerinnen und Bewohner sowie Pflegekräfte »von jeder Form nicht notwendiger Bürokratie« entlastet werden, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin. Dies sei mit Pflegekassen und Pflegeverbänden vereinbart worden. Pflegebedürftige sollen zudem zur Einstufung des Pflegegrads bis September nicht mehr körperlich untersucht werden, wie Spahn sagte. Entschieden werden solle dies nach Aktenlage und einem Telefongespräch. Verbindliche regelmäßige Besuche von Pflegediensten, um Heimpflege zu begutachten, werden ebenfalls vorerst ausgesetzt.

    Personalvorgaben sollen auch in den Pflegeeinrichtungen vorerst wegfallen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Dabei sollen die Vergütungen durch die Pflegekassen für die Einrichtungen nicht gekürzt werden. Die Heime sollen sich bei den Kassen melden, sofern sie wegen mit dem Coronavirus infizierter Bewohner oder Pflegekräfte in Schwierigkeiten kommen. Dann solle auch dafür gesorgt werden, dass anderes Personal als Ersatz organisiert wird. So sollen Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Kassen mit seinen bis zu 4.000 Pflegekräften und 2.000 Ärzten an Pflegeheime, Kliniken und Ämter abgestellt werden können. (dpa/jW)

    Helden ohne Tarifvertrag
    Regierung lässt Kapazitäten zur Patientenversorgung aufstocken. Beschäftigte setzen Streik wegen Coronakrise aus. Chefs kündigen Jobvereinbarung
    Von Simon Zeise

    Um Patienten mit Covid-19-Erkrankungen versorgen zu können, stocken Bund und Länder die Kapazitäten in Kliniken auf. Die nun vereinbarte Verdopplung der Intensivkapazitäten sei ein erster Schritt, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Mittwoch in Berlin. Bisher gibt es in Deutschland 28.000 Plätze in der Intensivpflege, bei 25.000 können die Patienten künstlich beatmet werden.

    Doch schon jetzt arbeiten die Beschäftigten in den Krankenhäusern am Anschlag. Seit Juli 2019 kämpfen die Mitarbeiter der Asklepios-Klinik im niedersächsischen Seesen für einen Tarifvertrag und gegen die Ausgliederung von 120 Therapeutinnen und Therapeuten. Aufgrund der Coronaviruspandemie kündigten die Streikenden am Mittwoch ein Streikmoratorium an. Der Widerstand gegen die Kürzungsmaßnahmen der Klinikleitung werde bis auf weiteres ausgesetzt. Der Betriebsratsvorsitzende Oliver Kmiec erklärte: »Die Zuspitzung der Situation in den letzten Tagen macht uns große Sorgen. Das Wohl der Patienten steht für uns an erster Stelle. Genau deshalb streiken wir seit einem halben Jahr.« Krankenschwester Linda Bohmhauer ergänzte: »Wir standen kurz davor, unsere Streikmaßnamen auszuweiten, um den Druck auf Asklepios zu erhöhen und fünf Tage am Stück zu streiken. Aber das muss jetzt warten.« Die Botschaft der Tarifkommission in Seesen an die Patienten laute: »Wir stehen an eurer Seite, mit all unserer Kraft, bis diese Krise gemeistert ist.« An die Asklepios-Chefs gerichtet heiße es hingegen: »Unser Kampf ist nicht vorbei! Wenn sich die Lage entspannt hat, werden wir umso entschlossener für die Zukunft unserer Klinik streiken!«

    Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand, wies am Mittwoch darauf hin, dass in Krankenhäusern zudem rigoros an Reinigungskräften gespart wurde. So müsse eine Arbeitskraft inzwischen doppelt so viele Zimmer in der gleichen Zeit reinigen wie vor 15 Jahren.

    Während die Beschäftigten sich in der Krise aufopfern, nutzen die Klinikbetreiber die Gunst der Stunde. Wie die Ärztevereinigung Marburger Bund am Dienstag mitteilte, habe der Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung (BG-Kliniken) einseitig die Tarifeinigung aufgekündigt, die beide Verbände am 19. Februar ausgehandelt hatten. Die Unternehmerseite habe plötzlich unterschiedliche »Lesarten« der Vereinbarung ausgemacht. Grund dafür sei offenbar der in dem Eckpunktepapier neu geregelte Umgang mit Arbeitsstunden im Anschluss an Bereitschaftsdienste, die wegen der gesetzlichen Pflicht zur Gewährung der Ruhezeit nicht angetreten werden können.

    Noch am 21. Februar hätten die BG-Kliniken bestätigt: »Durch die neue Berechnung der Bereitschaftsdienstzeiten wird es von nun an für die arbeitszeitrechtliche Ruhezeit keinen Zeitabzug mehr für den Folgetag geben.« Der Marburger Bund erklärte dazu am Mittwoch: »Offenbar wollen die Arbeitgeber davon heute aber nichts mehr wissen und senden damit ein – gerade angesichts der momentanen Situation in den Kliniken – verheerendes Zeichen in die eigene Ärzteschaft.« Mit dem Widerruf sei die gesamte Tarifeinigung vom Tisch, so dass die Verhandlungen erneut von vorn beginnen werden. »Es kann kaum ein schlechteres Timing für ein derartiges Verhalten der BG-Kliniken geben«, teilte der Marburger Bund mit. »Jede Ärztin und jeder Arzt in den Kliniken ist derzeit darauf konzentriert, sich auf eine steigende Anzahl von Patienten mit Covid-19-Erkrankungen vorzubereiten.« Überstunden und Zusatzdienste seien an der Tagesordnung. Das »beispiellose Vorgehen der BG-Kliniken« hinterlasse »mehr als nur einen faden Beigeschmack«.

    EU verlässt Italien
    Mehr Tote durch Covid-19 als in China. Solidaritätsbekundungen aus Berlin. Beijing und Havanna schicken Mediziner
    Von Gerhard Feldbauer

    In Italien sind bereits mehr Menschen an der Erkrankung Covid-19 gestorben als in der Volksrepu­blik China. 3.405 Todesfälle wurden am Freitag von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA gemeldet. Das sind 475 mehr als am Donnerstag. Insgesamt seien 33.190 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

    Premierminister Giuseppe Conte sagte am Donnerstag, dass die Ausgangssperre über den bislang festgelegten 3. April hinaus verlängert werde. Neben der Schließung von Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften erwägt die Regierung in Rom sogar ein Verbot aller Freizeitaktivitäten im Freien.

    Ein beispielloses Drama spielt sich in der Lombardei, dem Epizentrum der Pandemie in Italien, ab. Regionalpräsident Attilio Fontana von der ultrarechten Lega forderte angesichts der steigenden Todeszahlen am Freitag die Regierung in Rom auf, das Militär einzusetzen, um die Ausgangssperre durchzusetzen. Das berichtete das Nachrichtenportal stol.it.

    Bereits am Donnerstag hatte der in der Lombardei für Gesundheit zuständige Regionalkommissar Giulio Gallera laut ANSA am Donnerstag gesagt, die Krankenhäuser stünden vor dem Kollaps. In der rund 122.000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Bergamo sind bisher fast 400 Menschen gestorben. Armeelastwagen mussten am Donnerstag weitere Särge in die Stadt liefern. Da die Friedhöfe überfüllt sind, würden die Lastwagen die Särge zum Teil auch gleich abtransportieren. Die Bestattungsunternehmen kämen laut Medienberichten nicht mehr hinterher. Wenn Beerdigungen stattfänden, dann im Abstand von 30 Minuten, damit die Trauernden sich nicht anstecken.

    Die Bundesregierung sichert Italien unterdessen ihre »Solidarität« zu, so Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Deutschland nehme Anteil am Leid der Menschen in Italien und trauere mit dem italienischen Volk um die Toten. Dem tapferen und unermüdlichen Einsatz im italienischen Gesundheitswesen und Beispielen des Bürgersinns gälten Respekt und Bewunderung, so Seibert.

    In Italien kann man mit den netten Worten aus Berlin nicht soviel anfangen. Der Mailänder Corriere della Sera kritisiert die fehlende Zusammenarbeit in der EU, insbesondere den Alleingang der BRD in der gegenwärtigen Situation. Angesichts der »Weigerung der Deutschen, den Euro wie eine wirklich gemeinsame Währung zu steuern«, würde »eine Rettungsaktion für Italien mit von außen diktierten Bedingungen aus moralischer Sicht wie Gift und politisch destabilisierend wirken«. Das könne bei der nächsten Gelegenheit, also Neuwahlen, »eine nationalistische, antieuropäische Regierung hervorbringen, die bereit ist, die gemeinsame Währung zu verlassen«.

    Zumindest auf Hilfe aus Havanna kann man sich in Italien verlassen. Am Samstag werden 53 Ärzte und Krankenschwestern aus Kuba in der Lombardei erwartet, wie das Nachrichtenportal Cubadebate am Donnerstag berichtete. Wegen des Personalmangels hatte die Region die Unterstützung angefordert. Am Donnerstag war bereits ein Team von 37 chinesischen Ärzten und Sanitätern mit 20 Tonnen Material in Mailand eingetroffen, in den kommenden Tagen sollen weitere folgen.

    Bereits am 12. März war eine neunköpfige Gruppe von Experten aus der Volksrepublik in Italien angekommen. Um die Hilfe hatte Außenminister Luigi Di Maio bei seinem Amtskollegen Wang Yi gebeten. Di Maio bedankte sich in den »sozialen Medien« noch am selben Abend in einem Video für diese Form der Solidarität: »Wir sind nicht allein. Es gibt Menschen in der Welt, die Italien helfen.«

    Kampf gegen Sanktionen
    Damaskus bereitet sich auf Coronapandemie vor. Teheran meldet immer mehr Todesopfer und Infizierte
    Von Karin Leukefeld

    Syrien und der Iran haben in den vergangenen Tagen wiederholt die USA und die Europäische Union aufgefordert, die einseitigen wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegen ihre Länder aufzuheben. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait haben unterdessen begonnen, die ersten Hilfslieferungen in den Iran zu schicken.

    »Ab morgen werde ich eine Gesichtsmaske und Handschuhe tragen«, erklärt Hussam gegenüber jW. Er arbeitet in Damaskus in einem kleinen Hotel. »Täglich habe ich mit so vielen Gästen zu tun, gebe Ihnen die Schlüssel und nehme sie zurück. Nehme ihr Geld, lade ihre Handys auf, helfe mit ihrem Gepäck.« Seine Familie achte auf die Anordnungen der Regierung und verfolge die Informationen aus aller Welt, fährt der 60jährige fort. Die meisten Hotelgäste seien aus den ländlichen Gebieten in Deir Al-Sor, Hasaka oder Kamischli und schlecht gebildet: »Sie verstehen den Ernst der Lage nicht.«

    Offiziell gibt es in Syrien keine Infektionen mit dem Coronavirus. Das bestätigte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem syrischen Gesundheitsminister Nisar Jasigi. Die bisher ergriffenen Schutzmaßnahmen seien gut, so WHO-Vertreterin Nima Said Abid. Das Referenzlabor des syrischen Gesundheitsministeriums sei in der Lage, eine Infektion mit dem Coronavirus festzustellen. Es fehle allerdings insgesamt an Tests und Labors.

    Damaskus hat die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft. Schulen und Universitäten, Parks, Cafés, Restaurants und Internetcafés wurden geschlossen, ab Sonntag wird das Transportministerium landesweit die Arbeit einstellen. Bei Al-Dweir wurde ein Quarantänezentrum eingerichtet. Am Freitag erklärte das Innenministerium, dass bestimmte Ausländer für zwei Monate nicht mehr einreisen dürften. Betroffen sind demnach China, Italien, Iran, Südkorea, Spanien, Deutschland, Frankreich, die USA, Japan, Belgien, Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland. Für arabische Reisende aus Katar, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Ägypten, Irak, Libanon, Saudi-Arabien, Tunesien und Marokko gilt ein einmonatiges Einreiseverbot.

    Angesichts der Coronaviruspandemie müssten alle Sanktionen gegen Syrien sofort und bedingungslos aufgehoben werden, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Außenministeriums in Damaskus. Die einseitig verhängten Sanktionen verschärften die Lage und gefährdeten das Leben der Bevölkerung, besonders betroffen sei das Gesundheitswesen. Die USA und ihre Verbündeten, die an den Sanktionen festhielten, seien verantwortlich für jedes Opfer, das diese Pandemie fordere. Die »Weltgemeinschaft« müsse die völkerrechtswidrigen Maßnahmen stoppen.

    Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnte, eine Ausbreitung des Coronavirus im Norden Syriens könne ohne zusätzliche Hilfe zu einer kritischen Lage führen. Sollte das Coronavirus sich unter den Inlandsvertriebenen im Nordwesten Syriens ausbreiten, müsse man »fast schon mit einem Massensterben rechnen«, sagte Dirk Hegmanns, für Syrien zuständiger Direktor der von der Bundesregierung mitfinanzierten Welthungerhilfe, wie dpa am Mittwoch berichtete. »Da die russische Luftwaffe systematisch Klinken zerstört hat, gibt es dort keine Gesundheitsversorgung.«

    Russland hat diese Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Bei einer Debatte im UN-Sicherheitsrat wies der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia Mitte Februar darauf hin, dass die Dschihadisten Krankenhäuser und Schulen in Waffenlager und Hauptquartiere umfunktioniert hätten. Westliche Botschafter und Medien nennen das eine »russisch-syrische Täuschungs- und Ablenkungsstrategie«.

    Besonders betroffen von der Coronapandemie ist der Iran, wo derzeit das Neujahrsfest Nouroz gefeiert wird. 1.433 Personen sind bislang gestorben, wie das Gesundheitsministerium laut der Nachrichtenagentur AFP am Freitag mitteilte. Die Zahl der Infizierten sei auf 19.644 gestiegen, 6.745 Personen hätten sich von der Krankheit erholt.

    Öffentliche Einrichtungen, Moscheen und Parks, Schulen und Universitäten sind geschlossen, die Bevölkerung ist aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Der iranische Außenminister Dschawad Sarif hatte sich bereits am 12. März in einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres gewandt und ihn aufgefordert, alles zu tun, um die US-Sanktionen gegen Iran zu stoppen. Er bezeichnete diese als »Kampagne von wirtschaftlichem Terrorismus«, die es dem Iran zunehmend schwerer mache, Öl zu exportieren. Gleichzeitig sei es so gut wie unmöglich, Medikamente und medizinische Geräte zu importieren, die benötigt würden, um Coronaviruspatienten identifizieren und behandeln zu können, so Sarif.

    Der erste Corona-Diktator

    Israels Regierungschef Netanyahu regiert in der Coronakrise per Notdekret, stärkt den Geheimdienst und greift massiv in die Persönlichkeitsrechte der Bürger ein – ohne Kontrolle des Parlaments.

    Protest ist möglich
    Israels Opposition wehrt sich gegen Notstandsmaßnahmen der Netanjahu-Regierung und gegen Ausschaltung des Parlaments
    Von Knut Mellenthin

    Im autoritären Zeitalter des Coronavirus ist Israel eines der wenigen Länder, in denen noch Protestaktionen stattfinden. Vorwiegend linke Kräfte haben am Freitag mittag zu Demonstrationen aufgerufen. Ziele waren die Wohnungen von Parlamentssprecher Juli Edelstein, des Abgeordneten Gideon Sa’ar, von Sicherheitsminister Gilad Erdan – alle drei Mitglieder der rechten Regierungspartei Likud – und von Oppositionsführer Benny Gantz vom Wahlbündnis Blau-Weiß.

    Edelstein hat in den vergangenen Tagen versucht, die parlamentarische Demokratie außer Kraft zu setzen, indem er sich mit Berufung auf den Staatsnotstand weigerte, die Knesset zusammentreten zu lassen. Sa’ar wird seit einiger Zeit als möglicher Nachfolger von Premierminister Benjamin Netanjahu gehandelt, falls dieser aufgrund des Prozesses zurücktreten muss, der gegen ihn wegen Betrugs und Korruption demnächst eröffnet werden soll. Gantz steht im Verdacht, er wolle sein Wahlversprechen brechen und eine gemeinsame Regierung mit Netanjahu bilden. Der Oppositionsführer scheint nach der Kritik aus anderen Teilen des Wahlbündnisses seine ersten Äußerungen zu diesem Thema abgeschwächt zu haben.

    Schon am Donnerstag war die Polizei gegen einen Konvoi von rund hundert Fahrzeugen vorgegangen, der sich von Tel Aviv nach Jerusalem bewegt hatte, um für die Arbeitsfähigkeit der Knesset zu demonstrieren. In der Nähe des Parlamentsgebäudes wurden anschließend mehrere Personen festgenommen. Während der Fahrt wurden blau-weiße Staatsflaggen und schwarze Fahnen aus den Autofenstern geschwenkt. Letztere scheinen zum Symbol der Proteste zu werden.

    In Israel haben am 2. März zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten vorgezogene Neuwahlen stattgefunden. Am Montag wurden die 120 Abgeordneten der neuen Knesset in Kleingruppen von jeweils drei Personen vereidigt. Die Opposition hatte eine Sitzung verlangt, um einen anderen Sprecher zu wählen und über die Neubesetzung der Ausschüsse zu entscheiden. Voraussichtlich hätte sie mit 61 Abgeordneten die nötige Mehrheit erreicht. Edelstein weigerte sich jedoch, darüber abstimmen zu lassen. Damit ist das Parlament zu einer Zeit lahmgelegt, in der die geschäftsführende alte Regierung im Alleingang über einschneidende Notstandsmaßnahmen entscheidet. Auch ein gemeinsamer Gesetzentwurf der Blau-Weißen und der ultrazionistischen Partei Israel Beitenu von Avigdor Lieberman liegt durch Edelsteins Blockade vorläufig auf Eis. Das Gesetz sieht vor, dass die Knesset einen Regierungschef, gegen den Anklage erhoben worden ist, in geheimer Abstimmung absetzen kann.

    Indessen hat die Regierung am Donnerstag abend ohne Beteiligung des Parlaments oder der Opposition eine allgemeine Ausgangssperre beschlossen, die mit Polizeigewalt durchgesetzt werden kann. Zu den erlaubten Ausnahmen gehören, über die auch in anderen Ländern erlaubten Tätigkeiten hinaus, die Teilnahme an Hochzeiten, Begräbnissen und gemeinsamen Gebeten, »unorganisierte« sportliche Tätigkeiten in Gruppen von bis zu fünf Menschen, und sogar die Beteiligung an Demonstrationen. Für diese gilt aber offenbar, wie für die religiösen Feierlichkeiten, die schon früher angeordnete Begrenzung der Teilnehmerzahl auf zehn Personen.

    Seit Donnerstag überwacht der Inlandsgeheimdienst Schin Bet die Mobiltelefone von Personen, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert sind, um deren Bewegungsprofil zu erstellen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurden am ersten Tag 400 Menschen, mit denen sie in Kontakt gekommen waren, dazu verpflichtet, ihre Wohnungen nicht mehr zu verlassen. Einem Antrag der Opposition gegen diese Regierungsmaßnahme gab der Oberste Gerichtshof am Donnerstag teilweise statt: Die Überwachung muss eingestellt werden, falls nicht innerhalb der nächsten fünf Tage eine parlamentarische Kontrolle durch den zuständigen Ausschuss der Knesset eingerichtet wird.

    Unbeschränkte Haftung
    Von Arnold Schölzel

    Unter der Schlagzeile »Jetzt!« wandelt FAZ-Mitherausgeber Berthold Kohler in der »Zeitung für Deutschland« am Freitag die Ansprache der Bundeskanzlerin vom Mittwoch in Befehlsgebell: »Konfrontiert mit der Coronakrise, müssen die Deutschen aus der seit Jahrzehnten haussierenden Ich-AG in die Wir-GmuH, die Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung, wechseln. Das scheint in Zeiten, in der kompromisslose Selbstverwirklichung und grenzenloser Mallorca-Hedonismus erst durch die Fridays-for-Future-Bewegung lautstark hinterfragt wurden, noch nicht jeder verstanden zu haben.«

    Nur zur Erinnerung: Der Terminus »Ich-AG« war eine Erfindung jener in sozialen Fragen tollgewordenen Allianz aus Kapital, SPD und Grünen, die nach dem Platzen der sogenannten Internetblase im März vor 20 Jahren die Hartz-Gesetze ersann. Die Börsenwerte der meisten deutschen Internetfirmen, die laut Propaganda das Ende der »alten«, produzierenden Ökonomie besiegelt hatten, rauschten in den Keller. So hohl die »New Economy« war, so hohl, aber schlimm für Arbeitslose, Rentner und Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen, war die von Schröder verkündete »Agenda 2010«. Wenn heute zaghaft daran erinnert wird, dass der Mangel an Pflegepersonal bewusst herbeigeführt wurde, dann hat das mit dem damaligen Diktat des Finanzkapitals und dessen willigen Helfern bei der Privatisierung des Gesundheitswesens zu tun. Die dabei besonders aktive Ministerin Ulla Schmidt (SPD) sitzt noch immer im Bundestag und hat laut einer Meldung der Stuttgarter Nachrichten im Jahr 2018 mit die höchsten Nebeneinkünfte. Der Großteil davon sei ihr »von dem Schweizer Pharmaunternehmen Siegfried Holding AG überwiesen, in dem Schmidt als Verwaltungsrätin tätig ist.« Dem »grenzenlosen Mallorca-Hedonismus« frönte sie auch: 2009 bestellte sie ihren Dienstwagen in ihren spanischen Urlaubsort und erstattete die Kosten erst, als das aufflog.

    Selbst die sozialliberale Jury »Sprachkritische Aktion« erklärte »Ich-AG« zum Unwort des Jahres 2002. In der Begründung hieß es, die Wortschöpfung stufe menschliche Schicksale auf sprachliches Börsenniveau herab. Auf dem bewegt sich auch Kohler 18 Jahre danach. Es ist die einzige Ebene, von der aus seinesgleichen die da unten zur Kenntnis nehmen.

    Der Rest seines Artikels besteht im Diktieren dessen, was bei der Kanzlerin, der er »Trittsicherheit« bescheinigt, fehlte: »uns« keinerlei persönliche Haftung in jeder Hinsicht zu garantieren. Milliardär und Obdachlosen hatte Merkel schon wie Kohler im nationalen »Wir«-Kollektiv demagogisch zusammengeworfen. Der FAZ-Mann steigert aber ihre Rede exponentiell: Es droht mal wieder der Untergang des Ganzen und so schreibt er von »massiven Unruhen und militärischen Konflikten« durch das Coronavirus. Und droht: Verlangsame sich die Ausbreitung der Seuche nicht, »dann werden sich auch in Deutschland die Fragen von Leben und Tod in einer Brutalität stellen, die man hierzulande tatsächlich zuletzt im Zweiten Weltkrieg erlebte«. Als sei der ein Naturereignis gewesen. Er fragt, wie die Republik reagieren würde, wenn »wegen Betten-, Geräte- und Personalnot ›selektiert‹ werden müsste«. Das kennen die Herrschenden dieses Landes, das haben sie im Zweiten Weltkrieg gezeigt. Kohler alarmiert so auch wie einst: »Ökonomische Verwerfungen dieser Größenordnung haben, wie die Geschichte vielfach zeigt, auch politisches Zerstörungspotential, das man kaum überschätzen kann.« Da ist, lässt sich daraus schließen, auch jedes Mittel erlaubt.

    Scharfmacher wie Kohler gehören zu jeder Krise des Kapitalismus. Sein Text zeigt: Nach 30 Jahren antisozialer Konterrevolution sind er und seine Stichwortgeber wieder zum äußersten bereit.

    Prüfungskommission des Tages: Kanzleramt
    Von Reinhard Lauterbach

    Um große Worte und kühne Vergleiche sind EU-Politiker in diesen Tagen generell nicht verlegen. Frankreich sei »im Krieg«, erklärte Emmanuel Macron mit Bezug auf die Coronaviruspandemie, nicht etwa auf die »Stabilisierungsmission« seines Landes in Teilen des ehemaligen Kolonialreichs in Afrika. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki umschrieb dasselbe, als er erklärte, das Land habe es mit einer »seit zwei Generationen nicht erlebten Situation« zu tun. Da konnte auch die Kanzlerin nicht hintanstehen. In ihrer Fernsehansprache vom Mittwoch sagte sie, seit dem Zweiten Weltkrieg habe es keine vergleichbare Herausforderung mehr gegeben, »bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln« ankomme.

    Soso. Ein verbrecherischer Raubkrieg des faschistischen Deutschland eine »Herausforderung an das gemeinsame solidarische Handeln«. Und das Aushalten dieses Krieges im »gemeinsamen solidarischen Handeln« der deutschen »Volksgemeinschaft« bis fünf nach zwölf, das hält die Kanzlerin offenbar für vorbildlich: mitmachen und keine Fragen stellen.

    Es wird von Tag zu Tag deutlicher, dass die Pandemie zu einer gigantischen Notstandsübung genutzt wird. Zur Behebung eines Notstands, den die Herrschenden in dieser Schärfe selbst herbeigeführt haben: durch eine Kette von »Reformen«, die das Gesundheitssystem unter genau jenen Dauerstress gesetzt haben, den es jetzt nicht auszuhalten droht. Das sollen wir jetzt vergessen und den Regierenden guten Willen zubilligen. Der Sonnabend dieses Wochenendes ist vom Kanzleramt zum »Tag der Prüfung« erklärt worden, ob sich die Leute auch freiwillig an das zu halten bereit sind, was man ihnen ansonsten zu befehlen gedenkt. Mit höherem Aufwand für die Kontrolle – und auch höherem Ansteckungsrisiko für die Kontrollierenden übrigens. Das wird in Kauf genommen. Denn es geht um Herrschaft.

  122. 122 Kehrer 21. März 2020 um 2:06 Uhr

    Klasse: „Es wird von Tag zu Tag deutlicher, dass die Pandemie zu einer gigantischen Notstandsübung genutzt wird.“ Ganz genau dieses dumpfe Gefühl habe ich auch. Notstandsübung ist der richtige Begriff, als wüssten sie dass da noch was ähnliches nachkommt, weil sie selbst es beabsichtigen. – Crash des Euro, Crash der EU, Krieg gegen Russland und China.

    „Der Sonnabend dieses Wochenendes ist vom Kanzleramt zum »Tag der Prüfung« erklärt worden, ob sich die Leute auch freiwillig an das zu halten bereit sind, was man ihnen ansonsten zu befehlen gedenkt.“ Bayern macht es wieder einmal vor und macht sich von einem Tag der Prüfung nicht abhängig: https://www.rnd.de/politik/gegen-ausgangssperre-verstossen-bis-zu-25000-euro-strafe-drohen-EYS32HOBLRDJPJEPH53C5SXECE.html

  123. 123 Nestor 21. März 2020 um 5:07 Uhr

    Über die Einschränkung der Freiheitsrechte wird ja allerorten geschrieben und sich beschwert – meistens von Leuten, die außer dem Pochen auf diese Rechte nicht viel an Gesellschaftskritik zu bieten haben.

    Man muß zwei Dinge trennen.

    1. Was ist seuchenpolitisch sinnvoll?
    Und da sind alle Maßnahmen, die zur Vermeidung von Ansteckung führen, wohlbegründet.
    Daß man das Haus nur in Notfällen verlassen soll, ist vor allem auf Städte zu beschränken. Am Land ist es völlig absurd. Diesbezüglich Einschränkungen zu verkünden, ist Unsinn.
    Aber da sind eben die Institutionen und Behörden und Nachrichtensprecher oft überfordert, die sitzen in den Hauptstädten und plappern das nach, was sie von oben zugereicht bekommen.
    Das sollte man daher nicht politisch-ideologisch überbewerten.

    Eine zweite Sache ist, wie sehr die außergewöhnliche Lage für politisch sowieso in der Schublade befindliche Einschränkungen verwendet wird.
    Da muß man nachschauen, was genau verordnet und verboten wird und wie weit das seuchenpolitisch begründet ist.

    Worauf ich nur hinweisen möchte: In Österreich scheint die Lage halbwegs im Griff zu sein. Aber was ist mit Italien?
    Die EU löst ihre Probleme sehr national oder mit Hilfe von China und Kuba.
    Selbst wenn ein Land die Seuche irgendwie bewältigt, seine Nachbarländer aber nicht – was heißt das eigentlich für den wirtschaftlichen Kreislauf und das ganze EU-Projekt? Z.B. für die „Lieferketten“?

    Was weiterführt zur Frage:

    2. Was sind die ökonomischen Maßnahmen, um den Kapitalismus – das Geld, die Banken, die Unternehmen – zu retten, und was ist geboten, um den Kreislauf der Versorgung aufrechtzuerhalten?

    Dafür möchte ich alle an den anderen Thread zur Wirtschaft verweisen.

  124. 124 Nestor 21. März 2020 um 5:15 Uhr

    @Kehrer

    Da werden wohl Dinge in einen Topf geworfen, die dort nicht hineingehören:

    „weil sie selbst es beabsichtigen. – Crash des Euro, Crash der EU, Krieg gegen Russland und China.“

    Es ist schon einmal nicht klar, wer das Subjekt ist.

    Aber wenn du die Politiker der EU meinst: Die beabsichtigen keines von den 3 Dingen.
    Ersteres beides würde sie selbst, also ihre Nationen, nämlich sehr schwächen.
    Letzteres können sie sich nicht leisten, und wollen sie eigentlich auch nicht.

  125. 125 Kehrer 21. März 2020 um 10:16 Uhr

    Genau. – Es ist ein dumpfes Gefühl von mir. Wenn es eine Notstands-übung ist, dann ist der eigentliche Notstand ein anderer. Sonst wäre es einfach ein Notstand. Ich kann es aber nicht begründen. Es kommt mir so vor als würde das Volk auf bittere Zeiten vorbereitet. Möglicherweise auch auf welche, die sich folgerichtig aus Corona ergeben. Ich weiß es nicht.

    Davon zu trennen ist die Kritik an der Politik, die bei mir ungefähr mit der Ansicht von German Foreign Policy zusammenfällt. Politisches ziel: Abflachen er Kurve, statt Stop der Epidemie. Im Prinzip, ein Abwarten wie schlimm es wird, um der Wirtschaft Kosten zu ersparen, was dann aber erst so richtig teuer wird. Also eine bis zwei Wochen zu späte Reaktionen. Nichterkennen der Wichtigkeit von Tests und der Wichtigkeit sofort Testkapazitäten aufzubauen. Auch wenn Tests nur linear wachsen können, sind sie der Schlüssel zu Bewältigung der Krise. Gleichzeitig lügt die Politik, damit die Leute nicht durchdrehen.

    Ich bin übrigens schon der Meinung, dass man sich einen mäßigen Vorrat anlegen sollte, um Versorgungslücken überbrücken zu können. Die Klöckner hat natürlich wieder übertrieben als sie sagte, man soll sich keine Sachen kaufen, die man hinterher wegschmeißt, weil man sie nicht mag. Klar sollte man nicht. Je länger die Krise dauert um so sicherer gibt es auch im Lebensmittelbereich Versorgungsschwierigkeiten. Ein bisschen mehr haltbare Sachen zu kaufen, kann nicht schaden.

  126. 126 Neoprene 21. März 2020 um 11:05 Uhr

    „Ein bisschen mehr haltbare Sachen zu kaufen, kann nicht schaden.“
    Leider ist dieser ja nicht mal falsche Gedanke so ungefähr das Einzige, was den Menschen dieser Tage durch den Kopf geht. Wo doch eine ganz andere Frage überlegenswert wäre, was das denn für eine Gesellschaft ist, wo selbst elementare vernünftige Regelungen auf allen Gebieten keine Selbstverständlichkeit sind, weil sie nicht zum Zweck passen, um denn sich recht buchstäblich alles dreht, die Wirtschaft muß wachsen, aus ihrem Geld muß noch mehr werden.

  127. 127 NN 21. März 2020 um 14:11 Uhr

    So unterschiedlich sind die Maßnahmen der Bundesländer

    Bayern spricht als erstes Bundesland Ausgangsbeschränkungen aus. Andere Bundesländer wenden weniger drastische Regelungen an. Hier ein Überblick, wer was wie handhabt.

    Russland versorgt Iran und weitere Staaten mit Corona-Testsystemen

    Russland versorgt Iran und weitere Staaten mit Corona-Testsystemen

  128. 128 Neoprene 21. März 2020 um 14:45 Uhr

    „Russland versorgt Iran und weitere Staaten mit Corona-Testsystemen“
    Das Testen ist sicherlich nicht unwichtig. Aber nur hilfreich, wenn sich dann eine entsprechende Behandlung der Getesteten anschließt. Dann müssen natürlich vor allem die Behandlungskapazitäten für Infizierte, die heftigere Symptome an den Tag legen, vorhanden sein. Also genügend qualifiziertes Personal bis hin zu Mitarbeitern für die Intensivstationen und genügend Schutzmittel für alle Gesundheitsarbeiter, vor allem natürlich in den Krankenhäusern, von Intensivbetten gar nicht zu reden. Wenn ein Staat aber nicht genügend Intensivbetten einschließlich der notwendigen Beatmungsgeräte für so eine Epidemie hat, dann kann er eben auch keine schwer Erkrankten am Leben erhalten.

  129. 129 Neoprene 21. März 2020 um 15:09 Uhr

    Die Beschäftigten der Labor Berlin GmbH die die Corona-Untersuchungen für Charité und Vivantes machen, sind übrigens outgesourct und werden 30-40% unterhalb Tarif bezahlt. #vonwegenDanke

    https://gesundheit-soziales-bb.verdi.de/++file++564893e0aa698e68b50006a0/download/Labor_Berlin_Flugi_Lohnvergleich.pdf

  130. 130 Nestor 21. März 2020 um 16:43 Uhr

    @Kehrer

    Es kommt mir so vor als würde das Volk auf bittere Zeiten vorbereitet.

    Die werden auch kommen. Und zwar einfach deshalb, weil man nicht an irgendeinem vorgestellten Tag X zum status quo ante wird zurückkehren können.
    In Österreich scheint die Angelegenheit, zumindest was die gesundheitliche Betreuung betrifft, halbwegs im Griff zu sein, aber Italien ist davon weit entfernt.
    Und damit sind die wirtschaftlichen Folgen noch nicht einmal erahnt.

    Ich bin übrigens schon der Meinung, dass man sich einen mäßigen Vorrat anlegen sollte, um Versorgungslücken überbrücken zu können.

    Das weist darauf hin, daß die meisten Haushalte anscheinend gar nix zu Hause haben, weil dort schon lange nichts mehr gekocht wird. Haltbare Getreideprodukte oder getrocknete Hülsenfrüchte, Öl und Essig, Gewürze und Ähnliches hat man ansonsten sowieso zu Hause und muß sich nicht erst groß damit eindecken.

    Je länger die Krise dauert um so sicherer gibt es auch im Lebensmittelbereich Versorgungsschwierigkeiten.

    Aber die werden vermutlich Lebensmittel betreffen, die frisch sind.

  131. 131 Nestor 21. März 2020 um 16:54 Uhr

    Die Sache mit den Intensivbetten und den Behandlungskapazitäten ist nicht einfach eine quantitative Frage, im Sinne von „genug“.

    Sogar in Österreich, das sich was auf sein Gesundheitssystem einbildet und im europäischen Vergleich zu Recht, steigt im letzten Jahrzehnt der sogenannte Hospitalismus an. Das heißt, die Menschen sterben in den Krankenhäusern nicht an dem, weswegen sie eingeliefert wurden, sondern an einer Krankheit, mit der sie sich dort erst angesteckt haben.
    Der Hauptgrund dafür ist, daß in den Spitälern seit Jahren Reinigungskräfte abgebaut werden, weil man muß ja sparen! Die immer herabgestufte und schlecht bezahlte Putzfrau wäre nämlich im Gesundheitsbereich hochwichtig.
    Ein weiterer Grund ist eben das schlechte Immunsystem, über das die EU-Bürger inzwischen verfügen, was ja schon weiter oben Thema war in der Diskussion.

    Das heißt, wenn man nicht zu Hause behandelt werden kann, sondern ins Spital muß, hat man schon deswegen schlechtere Überlebens-Karten, weil man dort an einen Erreger-Hotspot gerät. Dort schwirren noch viele andere Keime herum, nicht nur der Coronavirus.
    Das dürfte auch in Italien ein Grund für die hohe Todesrate sein.

  132. 132 libelle 21. März 2020 um 17:04 Uhr

    Mit den Vorräten würde ich noch etwas warten. Die wird man auch nicht WG. Corona brauchen, sondern um die Bankferien zu überbrücken. Es gibt keine Krise wegen Corona, sondern die Seuche löst die längst fällige große Krise aus. Solange es nur die Seuche ist wird man satt und muss vielleicht mal früher aufstehen, um Klopapier,Mehl usw. zu bekommen. Bis das Einfrieren der Gesellschaft wg. Corona auf die Lebensmittelproduktion durchschlägt dauert es ein paar Monate. Kidney Bohnen, Mais,Nudeln usw geht natürlich immer. Hält sich ja ewig das Zeug. Wenn man über Rücklagen verfügt sollte man über Sachwerte ( Gold, Silber usw.) nachdenken.

  133. 133 Neoprene 21. März 2020 um 17:06 Uhr

    In Italien sterben dieser Tage reihenweise Menschen an Covid-19 und nicht an Krankenhauskeimen z.B. den wegen der Antibiotika multisesistenten Erregern. Die kommen ja gar nicht erst auf die eventuell nicht gut gesäuberten Intensivstationen, weil die schon voll sind. Zuhause ist bei der Notwendigkeit der maschinellen Beatmung oder gar Intubation ein Auskurieren von Covid-19 nicht möglich, da sterben schwer Erkrankte also mit Sicherheit.

  134. 134 Neoprene 21. März 2020 um 17:12 Uhr

    „Wenn man über Rücklagen verfügt sollte man über Sachwerte ( Gold, Silber usw.) nachdenken.“

    Bekanntlich gibt es selbst im reichen Europa in jedem Staat Millionen von Menschen, deren „Rücklagen“ so gerade für die nächste Miete reichen und mit einigen Anstrengungen bei jungen Leuten zu einem paar Eheringe aus Gold.

  135. 135 Chantal 21. März 2020 um 18:59 Uhr

    Wie S t a a t e n Probleme der Insolvenz „Lösen“, also weiter verschieben, kann man rückblickend an mancherlei Varianten neuer Kreditierung nach der Finanzkrise 2008 studieren.
    Ob das gesamte kapitalistische System derlei Verfahren in noch größeren Ausmaßen überhaupt – und wie – aushält – oder ob genau dieses Aushalten sich dann wieder neu durchsortiert, das kann Mensch nicht prognostizieren.

    http://tages-politik.de/Wirtschaftspolitik/Special%20Arcandor09.html

    Ich tippe aber mal auf die Unverwüstlichkeit dieses Systems – selbst Weltkrieg 2 hat es schließlich ja überstanden. (Und von einer sozialistischen Revolution zwecks Beendigung des Kapitalismus – ist nirgends gar nichts nirgendwo zu sehen…)

    [edit 1: Der Hinweis auf WK II war übrigens keiner aufs Zuckerschlecken. Dass das kapitalistische System unverwüstlich ist, das meint ja gerade, dass es dafür die Leute verwüstet. – Und diese das mit sich machen lassen.]

    [edit 2: Die Eröffnung der neuen Form der Standortkonkurrenz nach Corona – passiert übrigens, wen wunderts, gerade ganz furchtbar gesetzlich. Auf Ebene der BRD und auf Ebene der EU wird die ‚Schuldengrenze‘ bzw. sämtliche ‚Stabilitätskriterien‘ – gesetzlich – ad acta gelegt.
    Und – gesetzlich – wird die Geldschleuse aufgemacht, um alle Folgen – sorry: um alle als ’systemrelevant‘ eingeschätzten Folgen – von Corona – erst einmal – ??? – mit neuen anscheinend ziemlich schrankenlosen Geldzuflüssen gesetzlich – nach welchen gesetzlichen Modalitäten passiert übrigens hier ‚gesetzlich‘??? – zu fluten. – Hierzulande zumindestens…]

    [edit 3: Der Vorwurf der Rechtspopulisten, dass Gesetzlichkeiten, Teilung der Gewalt etc. das machtvolle Wirken der Staatsgewalt behindere, erweist sich so, in dieser anscheinenden Leichtigkeit des kapitalistischen Regierens, einerseits hierzulande nur noch als lachhaft.
    Andererseits sieht die Regierung im Notstand die Chance, längst vor seiner öffiziellen Verkündigung etliche Gewohnheiten des Regierens zu ihrem Vorteil beim Regieren etwas zentral(er) ‚auszugestalten‘.]

  136. 136 Neoprene 21. März 2020 um 19:36 Uhr

    Ich tippe aber mal auf die Unverwüstlichkeit dieses Systems

    Das System mag nicht zerstört werden durch diese Krise. Aber ganze Volkswirtschaften könnten in den Abgrund driften. Es könnte die Hölle auf Erden für Hunderte von Millionen wenn nicht gar Millarden Menschen werden.

  137. 137 Kevin 21. März 2020 um 19:50 Uhr

    Chantal: du bringst Währungsreformen mit dem kapitalistischen System durcheinander. Solange die Eigentumsordnung besteht und Leute sich verdingen müssen, wird das System bestehen bleiben und es wird weiterhin darum gehen sich möglichst schnell zu bereichern, Maschinen und Grundeigentum werden schon noch nach wie vor jemandem gehören. Was Kehrer anspricht, besorgt mich auch. Bei 20% Arbeitslosigkeit, deren Ursache dann in den begünstigenden Bedingungen (Globalisierung) gefunden wird, könnte das Europa der Vaterländer eine „antizyklische“ Konjunktur erleben. Der sich herausbildende Populismus könnte dann vielleicht doch eine Nummer schärfer werden. Bei Trump ist bereits auch immer jemand anderes Schuld, obwohl die WHO am 16ten Januar einen Test entwickelt, China Whuan am 22ten Januar abgeriegelt hat und er selbst – der Dauerwahlkämpfer – noch am 27ten Februar seine Großgatherings für seine „blame the swamp“ Reden halten musste, bei denen er sich direkt an sein populus richten kann, statt durch die fake media – in Amerika wird den Plebs gerade richtig gegen die Chinesen eingeheizt. Dort heißt es, die würden niemals Schlangen, Fledermäuse etc aufhören zu essen (liegt nicht etwa an der Armut der Sitten eines Landes, das vor allem durch Billigstlöhnen etwas am Weltmarkt reißt). Tja, Reaktionäre kennen sich aus mit Traditionen: Rentable Massentierhaltung, die uns u.a. BSE beschert hat, haben die ja auch keine Eile loszuwerden. Mal sehen, welche Länder sich dann wieder für viel größer halten werden als sie dann noch sind und sich zu viel mehr berechtigt und darum betrogen sehen werden.

  138. 138 NN 21. März 2020 um 20:26 Uhr

    „Wir haben alle ein Bedürfnis nach frischer Luft“

    In Bayern wurde für die Menschen wegen der Coronakrise eine verschärfte Ausgangsbeschränkung erlassen. Nun wird debattiert, ob es bundesweite Regeln geben soll. Am Sonntag könnte eine Entscheidung fallen.

    Bund strebt in der Coronakrise mehr Einfluss an – teils auf Kosten der Länder

    Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus beansprucht der Bund laut einem „FAZ“-Bericht mehr Kompetenzen für sich. Demnach will Gesundheitsminister Jens Spahn Befugnisse der Länder teilweise beschneiden.

  139. 139 Nestor 21. März 2020 um 23:12 Uhr

    @Neoprene

    Ich bestreite ja nicht, daß Leute auch ohne Krankenhausbehandlung sterben, das passiert ja dauernd.
    Ich meinte nur, daß diejenigen, die auf Krankenhausbehandlung angewiesen sind, eben aus mehreren Gründen schlechte Karten haben – selbst wenn die Krankenhäuser nicht so überlastet sind wie in Italien.

  140. 140 Kehrer 21. März 2020 um 23:47 Uhr

    „Haltbare Getreideprodukte oder getrocknete Hülsenfrüchte,“ Wer hat denn bitteschön getrocknete Hülsenfrüchte zu hause. Ich jedenfalls nicht. Das hat man nicht eh. Eins zwei Packungen reichen ja auch im Normalfall, wenn man an das Zeug kommt.

    „Aber die werden vermutlich Lebensmittel betreffen, die frisch sind.“ Und wenn die frischen Sachen weg sind, dann kaufen die Leute die anderen haltbaren Sachen und die sind dann auch schnell weg. Man hat doch gesehen, dass es ein sich selbst verstärkender Effekt ist. Deshalb nicht warten bis es soweit ist. Kauft einfach öfter ein bisschen über eurem Bedarf an haltbaren Sachen ein. Nicht den Keller füllen für ein halbes Jahr. Aber so 6 Wochen sind schon nicht schlecht.

    „Kidney Bohnen, Mais,Nudeln usw geht natürlich immer. Hält sich ja ewig das Zeug.“ Genau.

  141. 141 Paco 22. März 2020 um 8:40 Uhr

    Härteres staatliches Durchgreifen an vielerlei Fronten (!) ist geplant

    https://www.heise.de/tp/features/Gesundheitsnotstand-Jede-geeignete-Person-soll-zur-Erbringung-von-Leistungen-herangezogen-werden-4687583.html

    So ein Notstand, der lässt sich trefflich nutzen…

    Die dazu passende Moral von Schweiß und Blut, und alles für unser aller Überleben, die stellt unten sich anscheinend automatisch ein, von Podcasts für die Omi bis zu Einkaufslisten für den veeblödeten Auskenner.

  142. 142 Neoprene 22. März 2020 um 10:36 Uhr

    Zu Chantal:
    In jeder Krise gibt es massenhaft Ratschläge, mit welchen schlauen Anlageschachzügen man glimpflich daraus hervorgehen könnte. Sowas gibt es jetzt natürlich auch. An den Börsen gibt es jetzt z.B. eine massive Welle von Wetten auf einen weiteren Kurseinbruch, Bridgewater, der größte Hedgefonds der Welt, hat umgesteuert und setzt Milliarden auf die Verschärfung der Krise.
    Das sind aber nur Überlegungen, die sich die Vermögenden dieser Welt machen. Für die allermeisten hierzulande gilt doch ,was ich oben schon zum Horten von Gold geschrieben habe:
    „Bekanntlich gibt es selbst im reichen Europa in jedem Staat Millionen von Menschen, deren „Rücklagen“ so gerade für die nächste Miete reichen und mit einigen Anstrengungen bei jungen Leuten zu einem paar Eheringe aus Gold.“
    Arme Menschen können bei allen Tricks, die sie sich einfallen lassen, eben praktisch einer schweren gesellschaftlichen Krise nicht entkommen.

  143. 143 Neoprene 22. März 2020 um 11:05 Uhr

    Fabian Lehr („Er dürfte derzeit der wohl bekannteste Facebook-Kommunist im deutschsprachigem Raum sein und so gut wie jeder, der sich online im Dunstkreis linker Organisationen bewegt, hat wahrscheinlich schon etwas von ihm gehört.“) hat bei Facebook folgendes gepostet:

    „Was man in der aktuellen Krise leicht vergessen kann: Dass es auf dem Papier immer noch so etwas wie eine EU gibt. Wenn EU-ApologetInnen darlegen, trotz all ihrer Fehler und Schwächen sei die EU doch etwas im Grunde Gutes und Verteidigenswertes, weil sie besser sei als „Rückkehr zum Nationalstaat“, entgegne ich seit Jahren, dass diese Geschichte von der angeblichen Überwindung des Nationalismus durch die EU ein Märchen ist: Die EU ist ein aus ökonomischen Zweckmäßigkeitseewaegungen grschlossener, relativ lockerer Bund souveräner Nationalstaaten, deren Selbstständigkeit in allen essenziellen Punkten unangetastet bleibt. Es gibt in Wirklichkeit nicht einmal die vielbeschworene bedingungslose Freizügigkeit innerhalb der EU. EU-Staaten schieben zigtausendfach BürgerInnen anderer EU-Staaten ab. Und wie Großbritannien gerade bewiesen hat, behalten sie sich auch die Freiheit vor, jederzeit wieder auszutreten, wenn das ihrem nationalen Kapital zweckmäßiger erscheint. Die EU hebt den Nationalstaat nicht auf, sondern konserviert alle schlimmen Seiten der nationalstaatlichen Souveränität, stuelpt ihnen aber zusätzlich noch alle Übel einer zweiten, undemokratischen supranationalen Administration auf, deren Zweck auch gerade darin besteht, demokratische Freiheiten innerhalb der Gliedstaaten durch die Hintertür umgehen zu können. Mit „Überwindung von Nationalismus und Nationalstaat“ hat das nicht das Geringste zu tun.

    Und das zeigt sich jetzt eben mit krasser Deutlichkeit in der Krise. Die erste Reaktion fast aller EU-Staaten besteht darin, die Grenzen zu allen Nachbarländern mehr oder weniger dicht zu machen und die Reisefreiheit im Schengenraum auf unbestimmte Zeit auszusetzen außer in bestimmten Ausnahmefällen. Selbst da, wo überhaupt nicht mehr ersichtlich ist, was das medizinisch bringen soll. Grenzen schließen mag sinnvoll sein, wo es darum geht, ein bisher nicht oder kaum betroffenes Land vor der Einschleppung der Krankheit aus einem stark betroffenen Land zu bewahren. Vor drei Wochen wäre es nachvollziehbar gewesen, Italien zu isolieren. Heute ist quasi ganz West- und Mitteleuropa ungefähr gleichermaßen durchseucht, gibt es über hunderttausend bestätigte und vielleicht schon ein, zwei Millionen tatsächlich Infizierte. Was soll es in einem Land mit meinetwegen hunderttausend Infizierten noch bringen, durch ein riesiges Grenzschutzaufgebot die Einreise von fünf oder zehn Infizierten Ausländern zu verhindern (Der touristische Reiseverkehr ist ja eh tot – internationale Reisen unternimmt jetzt nur noch ein kleines Rinnsal von Leuten, die dafür ernstlich Gründe haben)? Warum soll eine Fahrt von Paris nach Frankfurt gefährlicher sein als eine von Köln nach Frankfurt? Es mag da einerseits um innenpolitisch motivierten Aktionismus gehen: Nachdem man es versäumt hat, rechtzeitig irgendwelche wirksamen Maßnahmen zu ergreifen, setzt man jetzt, nachdem die Epidemie schon in voller Breite wütet, aktionistische Scheinmassnahmen, indem man es als Erfolg der Seuchenbekaempfung darstellt, die Einreise von ein paar potenziell infizierten Franzosen oder Österreichern in ein bereits massiv durchseuchtes Land wie Deutschland verhindert zu haben. Andererseits wohl ein Reflex, der in Jahrzehnten „europäischer Einigung“ niemals verschwunden ist: „Europa“ mag bei Sonnenschein schön und gut sein, in Krisen braucht der Nationalstaat volle Autonomie und hat sich ausschließlich um die Angehörigen seiner Nation zu kümmern und alle anderen draußenzuhalten. Für Deutschland sind Franzosen oder Österreich innerhalb von Tagen einfach wieder: Ausländer, Fremde, potenzielle Gefahrenquellen.

    Und wie sieht es mit der Kooperation der EU-Regierungen untereinander aus? Die ist – nun ja, inexistent. Die gesamte restliche EU ignoriert die humanitäre Katastrophe Italiens quasi vollständig. Italien muss sich um Hilfe an China wenden. Seuchenschutzplaene werden nicht nur autonom von jedem einzelnen Staat unkoordiniert auf eigene Faust beschlossen, als hätte die Ausbreitung der Seuche bei ihnen keinerlei Auswirkungen auf die Nachbarländer, sondern innerhalb foederaler Staaten wie Deutschland sogar autonom von jedem Bundesland. Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg ist nicht nur egal, was nebenan in Frankreich, sondern auch, was nebenan in Hessen oder NRW passiert. Noch mehr als 2003 in der Außenpolitik bzgl. des Irakkrieges zeigt sich, dass das „gemeinsame Haus Europa“ eine Fiktion ist. Die EU ist ein vorläufiger Zweckbund souveräner Nationalstaaten, die im Krisenfall alle die Festungsmauern schließen und die Nachbarländer mit achselzuckender Gleichgültigkeit betrachten.
    Nur auf eines konnte „Europa“ sich rasch einigen: Die Freisetzung der nächsten gigantischen Geldlawine für die KapitalistInnen der ganzen Eurozone.“

  144. 144 Nestor 22. März 2020 um 13:26 Uhr

    Bitte etwas Disziplin beim Posten.
    Ich mußte jetzt einmal ein bißl ausmisten hier.
    Auf Unsinns-Postings bitte nicht antworten, ich lösche die 1x am Tag.

    @Kehrer

    Zur Vorratshaltung: Ich wollte nur feststellen, daß ein Teil der Hamsterei darauf zurückzuführen zu sein scheint, daß in diversen Haushalten von Haus aus nix da ist, weil meistens auswärts gegessen wird.
    Die Hamsterkäufe (das Klopapier bleibt weiter ein Rätsel ;-) ) werfen also ein bezeichnendes Licht auf die Ernährungsgewohnheiten einer Gesellschaft, in der ja auch der Bau von Wohnungen ohne Küchen erwogen oder schon praktiziert wurde.
    Da bricht dann eine gewisse Panik aus: Schluck, wie soll ich mich verköstigen?! – und dann wird recht wahllos alles zusammengekauft, was man sich halt gerade noch zutraut zu verarbeiten.

    Linsen, Bohnen und Kichererbsen hab ich z.B. immer zu Hause, weil ich sowas regelmäßig esse.

    Was die Notstandsmaßnahmen betrifft, so wurde in Österreich auch schon erwogen, ehemalige Zivildiener wieder einzuziehen.
    Der Zwang stößt natürlich hier an seine Grenzen. Was tun, wenn jemand nicht kommt?
    Solche Maßnahmen gehen nur mit einem gewissen Maß an Freiwilligkeit. Dann kann man vielleicht auf Unwillige sozialen Druck ausüben und die, die trotzdem nicht antanzen, einfach vergessen.
    Aber zu jedem die Polizei hinschicken geht einfach nicht.

    Außerdem wurde auch die Frage aufgeworfen, wie man denn bitte Zivildiener in der Altenpflege einsetzen könnte und die darauf verpflichten, alte Leute z.B. zu waschen? (Weitere Leistungen ähnlicher Natur wurden gar nicht erst erwähnt.)

    Es ist auch nicht so, wie manche Leute meinen, daß die Herrschenden und das Kapital nur darauf warten, Zwangsarbeit einzuführen.
    Die Marktwirtschaft lebt davon, daß sich alle freiwillig auf die Konkurrenz einlassen.
    Wenn das einmal gestrichen wird und Arbeitsdienst ansteht, so ist das das Eingeständnis eines Scheiterns und auch das Ende der EU.

    Ich will nicht ausschließen, daß so etwas mit Fortschreiten der Krise versucht wird umzusetzen, aber es ist nicht so, daß die Politiker eigentlich dauernd darauf lauern, dergleichen einzuführen.

  145. 145 Nestor 22. März 2020 um 13:37 Uhr

    Ja, Fabian Lehr hat recht und auch nicht.

    Es ist einfach verkehrt, die EU als ein rein ökonomisches Zweckbündnis im Sinne der Kapitalinteressen zu besprechen. Und die Regierungen als deren Vollstrecker.

    In ihrem Ausgangspunkt standen Weltmachtsambitionen, und deren Zuschandenwerden hat sie erst in diese durch Euro und andere Abhängigkeiten zusammengehaltenen Haufen verwandelt, der nur noch auf Schadensbegrenzung auf Kosten der anderen aus ist.

    Das hat mit der Finanzkrise angefangen und kommt vermutlich jetzt mit der Coronakrise an sein Ende.

  146. 146 Paco 22. März 2020 um 13:43 Uhr

    Suitbert Cechura: Was heißt hier Volksgesundheit?

    Die Corona-Pandemie – vom Fernost-Problem zum nationalen Notstand

    In der legendären deutschen Zivilgesellschaft konnten sich die Menschen so ihre Meinung bilden, was zu unterschiedlichen Resultaten führte: Einige finden die stattfindenden Maßnahmen und Aktivitäten übertrieben, feiern etwa – teils bewusst provokativ – Coronapartys, andere schließen sich ein und hamstern Vorräte, um jeden Kontakt mit der Umwelt zu vermeiden.

    Mittlerweile sind die traditionellen Medien, die Tageszeitungen, die „seriöse“ Presse, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, zu einer Art Verlautbarungsjournalismus übergegangen, der täglich die offiziellen nationalen Notstandsansagen in die Haushalte schickt und die Verhaltensregeln bekannt macht – auch mit den Konsequenzen droht, die die Politik noch ergreifen könnte. Das Volk wird aufgefordert, an den Volksempfängern zu bleiben, damit es weiß, woran es ist….

    https://www.heise.de/tp/features/Was-heisst-hier-Volksgesundheit-4687559.html

  147. 147 Chantal 22. März 2020 um 14:53 Uhr

    @ Kevin

    „Chantal, du bringst Währungsreformen mit dem kapitalistischen System durcheinander. Solange die Eigentumsordnung besteht und Leute sich verdingen müssen, wird das System bestehen bleiben…“

    a) Von einer Währungsreform (wie z.B. 1948) habe ich hier nirgends auch nur eine Zeile gelesen. Es ging darum, ob und wie die neuen Schulden als Anspruch auf Verwertung taugen können, wenn sie anscheinend derzeit ziemlich schrankenlos sind.

    b) Solange die Eigentumsordnung besteht, wird das System bestehen bleiben.
    Auch hier ist der Erklärungswert gleich null: Das System besteht, solange es besteht. Ächt jetzt?

    c) Was Trump mit der Pandemie anstellt, das ist mir in deinem Post gleichfalls nicht deutlich geworden. Verstanden habe ich, glaube ich, dass er die Pandemie nutzt, um den Nationalismus der ‚guten Amerikaner‘ noch einmal anzustacheln, gegen die bösen Chinesen.
    Ja, überall sei das Ausland schuld. Und die erste Maxime jeder Regierung weltweit scheint überll erst einmal die Grenzschließung zu sein.

  148. 148 Kevin 22. März 2020 um 15:47 Uhr

    a)Hatte deinen Hinweis auf den Zweiten Weltkrieg, den der Kapitalismus auch überstanden hat, so aufgefasst. Dein Edit stand da noch nicht.

    b)Hast recht – ich wollte nur deutlich machen, dass selbst wenn Nullen gestrichen würden, der Laden nicht zu macht (aber auch banal)

  149. 149 Neoprene 22. März 2020 um 15:58 Uhr

    „Solange die Eigentumsordnung besteht, wird das System bestehen bleiben.
    Auch hier ist der Erklärungswert gleich null: Das System besteht, solange es besteht. Ächt jetzt?“
    Der Vorwurf geht auch anders rum: Bloß weil die Welt von einer gewaltigen Krise erschüttert wird, soll es mit ihr auch zu Ende gehen?? Ächt jetzt?“

    Ich möchte wieder mal eine Qintessenz betonen:
    Es wird nicht besser für Gegner des Systems, wenn es den Menschen schlechter geht.
    Ich habe vor vielen Jahren mal hierzu Peter Decker zitiert (wiedergefunden habe ich das jetzt ausgerechnet auf einem MLPD-Forum!):
    „Peter Decker ist bei seiner Nürnberger Werbe-Veranstaltung (am 8.11.2007) für ein neues Kapitallesen zum Schluß auf ein Argument aus dem Publikum eingegangen, das auch mir immer wieder entgegengehalten wird: Muß das Ganze nicht irgendwann automatisch umkippen, zwingt nicht irgendwann die Erfahrung des Elends die Leute zum Aufruhr? Dazu antwortete Peter:

    „Das Lineare, wovon jetzt auch die Rede war von dir, produziert jetzt schon seit über Hundert Jahren Zumutungen für einen großen Teil der Bevölkerung, die sind enorm und nicht ganz neu, überhaupt nicht neu. Ich habe dann auch gesagt: Es gibt da eine Eskalation der Absurdität. Die Eskalation ist, dass die Armut zunimmt in dem Maße, in dem der Reichtum zunimmt. Die kapitalistische Gesellschaft, oder sagen wir noch mehr die kapitalistische Wirtschaftsweise hält das Alles prima aus! Wenn es die Arbeitslosen es aushalten, wenn es die Millionen aushalten, die heute, auf der jetzigen Stufe des materiellen Reichtums kapieren, wir müssen ärmer werden, damit es mit der Wirtschaft weiter geht. Ja und es ist ja so: Die Löhne müssen runter! Die Lokführer haben vorgerechnet, sie mussten zehn Prozent Reallohnsenkung in den letzten Jahren hinnehmen. Und andere kriegen gesagt: Wir brauchen einen Niedriglohnsektor, usw., wir müssen uns beschränken. Das bekommen sie alle gesagt, das ist ja nicht bloß bei der Eisenbahn so.

    Wenn die Leute sich die Zumutungen und die wachsenden Zumutungen oder die selbe Zumutung angesichts des noch größer gewordenen Reichtums, die dadurch auch eine noch größere Zumutung geworden ist, wenn sie sich die gefallen lassen, der kapitalistischen Wirtschaft ist das wurscht. Es hängt alles davon ab, ob die Leute sich das bieten lassen. Und ob die sich das bieten lassen oder nicht, das hängt alles davon ab, wie sie sich die Härten, die sie erleben, erklären. Das ist sehr wichtig, dieser Gedanke!

    Denn, wir leben heute nicht in einer Welt, wo alle rumlaufen und sagen, ich bin doch zufrieden, es ist alles bestens und ihr paar Kommunisten und Miesmacher, was wollt ihr denn eigentlich? So ist es doch nicht. Wo du hinkommst, alle sind unzufrieden. Aber wie? Die große Linie der Unzufriedenheit ist die, dass die Opfer dieser Wirtschaftsweise ihre Lasten und ihre Ärgernisse auf „Fehlverhalten“ anderer zurückführen. Wenn es Entlassungen gibt, schreit die Belegschaft: Missmanagement! Um wie viel weiter wären die, wenn sie schreien würden „Management“! Nicht: Der Unternehmer macht einen Fehler, sondern: Es ist sein Geschäft, so mit mir umzuspringen. Wenn sie das kapieren würden oder wenn sie diesen Standpunkt einnehmen würden, dann würden sie schon viel klarer sehen, wie es liegt. Jetzt schreien sie aber „Mismanagement!“, selbst wenn sie protestieren, dann äußern sie noch den tiefen Glauben, dass in dem System doch diese Unbill, denen sie ausgesetzt sind, dass die doch eigentlich in diesem System gar nicht beschlossen ist! Sie äußern ihren Glauben, dass es doch eigentlich nicht gegen sie gehen kann. Und wenn es gegen sie geht – und jetzt geht es ja gegen sie, das erleben sie – dann kann es dann nur davon kommen, dass irgendwer nicht seine Pflicht tut. Dann schimpft man auf die Ackermänner, die das Tausendfache von einem normalen Stundenlohn verdienen, und dann sagen sie, der kriegt zuviel! Und dieser Mensch will nicht einmal sagen, solche Banker bräuchte es nicht, sondern, der will sagen, täte nicht das Hundertfache meines Lohnes auch reichen? Der will ja noch nicht einmal den Lohn vom Ackermann! Der will nur sagen, das ist aber zuviel! Und dann kennt er die Politiker, die noch Nebenjobs haben und dann kennt er den Abzocker, der unversteuerte Zigaretten raucht, und und und, man kennt das doch. Man geht irgendwohin, z.B. in die Metzgerei, und stellst dich bloß hinter die Leute und hört denen eine Weile zu: Alle schimpfen sie auf Dritte. Sie sind davon überzeugt, es liegt quasi – und das ist schon ein schöner Widerspruch – eine universelle Pflichtverletzung vor. (Das ist deshalb absurd, weil es keine Pflicht ist, wenn alle sie verletzen.) Anyway, so schaut es aus. Und diese Unzufriedenheit, die mit allem, worauf die Leute stoßen, und worüber sie unzufrieden sind, immer gleich den Glauben verbinden, dass kann doch hier nicht vorgesehen gewesen sein! Diese Unzufriedenheit, wird leichter faschistisch als links. Die ruft nämlich leichter nach einen starken Staat, der endlich alle zu ihrer Pflicht zwingt. Der alle dran erinnert, dass das Gemeinwohl vor Eigennutz geht.

    Was wir bräuchten ist, dass die Leute sich eine andere Frage stellen: Mache nicht ich einen Fehler in der Erfüllung meiner Pflicht. Nicht, machen die anderen Fehler, weil sie ihre Pflicht nicht erfüllen, sondern ist nicht in meiner Pflicht, in dem Programm, das meine Pflicht ausmacht, liegt darin nicht der Fehler. Gebe ich mich nicht für etwas her, was für mein Wohl gar nicht gestrickt ist? Diese Umkehrung der Fragestellung braucht man. Und das hängt nicht von der Größe der Absurdität und der Größe der Leiden der Menschen ab. Sondern von der Weise, wie sie es sich erklären. Man kann ein Volk, dafür sind die Deutschen gerade ein schönes Beispiel, unglaublich niederdrücken und es muckt nicht auf. Wenn es davon überzeugt ist, dass das halt nötig ist, um die eigenen Lebensgrundlagen zu verteidigen. (Ich meine hier Hitler und den zweiten Weltkrieg.) Und am Schluß fressen sie nur noch Dreck und haben immer noch nichts gegen den Laden. Wenn sie davon überzeugt sind, dass das gegen ihr Leben und Überleben ist. Wenn sie sich davon überzeugen würden, was das für eine miese Sache ist, für die sie sich hergeben, dann würden sie es nicht tun. Und dies nicht erst, wenn sie soweit runtergedrückt sind.

    Das ist ganz wichtig: Von einem Automatismus, in zehn, fünfzehn Jahren, dann kippt alles um, kann keine Rede sein. Es ist einzig und allein abhängig von der Meinungsbildung derer, die die Lasten tragen müssen.“

  150. 150 Nestor 22. März 2020 um 18:25 Uhr

    Was Neoprene von Peter zitiert, kann man nur unterstreichen.

    „Das ist ganz wichtig: Von einem Automatismus … kann keine Rede sein. Es ist einzig und allein abhängig von der Meinungsbildung derer, die die Lasten tragen müssen.“

    Man muß einerseits drauf hinweisen, daß die Vorstellung des Automatismus schon auf Marx zurückgeht:

    „Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.“

    Das ist eben unrichtig, und zwar aus 2 Gründen.
    Erstens gibt es in gesellschaftlicher Hinsicht keine absoluten Notwendigkeiten, in der Art linearer Abläufe. Was von Menschen gemacht ist, wird auch von Menschen geändert werden, es gibt keinen Automatismus.
    Zweitens aber, weil die angestrebte „Schulung“ der Arbeiterklasse ein gescheitertes Projekt war. Auch bei der arbeitenden Menschheit handelt es sich um Individuen, die sich ihre Erklärung der Welt machen und nicht aufgrund ihrer Lage zu irgendwelchen notwendigen Urteilen und Schlüssen kommen.

    Einmal sehen, ob diese Krise zumindest einmal eines bewirkt: Daß sich durchsetzt, nach Gründen für alles zu suchen und nicht nach Schuldigen.

  151. 151 Kehrer 22. März 2020 um 20:09 Uhr

    „Einmal sehen, ob diese Krise zumindest einmal eines bewirkt: Daß sich durchsetzt, nach Gründen für alles zu suchen und nicht nach Schuldigen.“ Wenn die Krise das bewegen würde, dann wäre der Kommunismus nicht weit.

    Übrigens: Die Notstandsmaßnahmen, die im Moment von der Bundesregierung überlegt werden, laufen drauf raus, mit Gewalt und auf das Gesundheitswesen begrenzt, sowas wie eine Zentrale Planung der Krise einzurichten. Zwar nicht ohne Geld, aber es wird ein gesellschaftliches Kommando über systemnotwendige Produktionsmittel eingerichtet und der Staat will sich, wenn es um das Überleben seiner Gesellschaft und seiner Wirtschaft geht nicht durch die Schranken des Privateigentums an der Bewältigung der Krise hindern lassen. Wie Nestor weiter oben schon sagte: Man wundert sich was alles mitten im Kapitalismus möglich ist.

  152. 152 Neoprene 22. März 2020 um 20:19 Uhr

    „Man wundert sich was alles mitten im Kapitalismus möglich ist.“

    Nach zwei Weltkriegen wundere ich mich darüber nicht. Eher darüber, wie wenig zielführende Maßnahmen im Rahmen eine „zentralen Planung der Krise“ diesmal bisher eingeleitet wurden.

  153. 153 Neoprene 22. März 2020 um 22:18 Uhr

    Suitbert Cechura, der früher in NRW Soziale Arbeit im Bereich Gesundheitswesen/Sozialmedizin gelehrt hat, schreibt in letzter Zeit häufiger für telepolis. Sein letzter Artikel trägt den Titel
    „Was heißt hier Volksgesundheit?“
    https://www.heise.de/tp/features/Was-heisst-hier-Volksgesundheit-4687559.html

  154. 154 NN 22. März 2020 um 22:41 Uhr

    Aufatmen in Wuhan
    China kehrt langsam zur Normalität zurück. Hilfslieferungen an europäische Länder werden ausgeweitet
    Von Jörg Kronauer

    Nach einem gut zwei Monate währenden erbitterten Kampf gegen die Covid-19-Pandemie kehrt China Schritt für Schritt zum einst gewohnten Alltag zurück. Die Eindämmung des Covid-19-Virus scheint gelungen zu sein: Nach drei Tagen gänzlich ohne Neuinfektionen verzeichnete die Volksrepublik am Samstag einen einzigen neuen Fall in der südchinesischen Metropole Guangzhou.

    Lediglich einige Heimkehrer treiben die Zahl der mit dem Virus Infizierten noch in die Höhe; zahlreiche sich im Ausland aufhaltende Chinesen haben in der vergangenen Woche alles daran gesetzt, in die Volksrepublik zurückzufliegen, weil sie größeres Vertrauen in deren entschiedenes Vorgehen gegen die Pandemie haben als in die verspäteten Maßnahmen der westlichen Welt. Die Zahl der durch sie ins Land gebrachten Neuinfektionen stieg am Samstag auf insgesamt 314; sie wird wohl noch weiter zunehmen. Die Behörden hoffen, sie mit strikter Quarantäne unter Kontrolle zu halten, um eine zweite große Infektionswelle zu verhindern.

    Unterdessen heben die zuständigen Stellen nach und nach die Einschränkungen des Alltagslebens wieder auf. In der vergangenen Woche stellten erste Schulen von Online- auf normalen Unterricht um, öffneten also auch ihre Gebäude wieder, allerdings noch unter Wahrung strikter Vorsichtsmaßnahmen – so sind etwa Mundschutzmasken Pflicht.

    Die östliche Provinz Jiangxi, die mit fast 1.000 Fällen betroffen war, hob am Samstag die Einschränkung der Bewegungsfreiheit wieder auf. Die Metropole Hangzhou südwestlich von Shanghai stellte am Wochenende das Temperaturmessen auf öffentlichen Plätzen ein und lockerte die Pflicht, Mundschutzmasken zu tragen.

    Im am schwersten betroffenen Wuhan feierten Anwohner die Räumung der ersten Straßensperren mit Feuerwerken. Allerdings bleiben in der Stadt wegen anhaltender Ansteckungsgefahr vorerst noch zahlreiche Restriktionen bestehen.

    Und während am Wochenende zahlreiche Ärzte, die aus anderen Regionen zur Unterstützung eingeflogen worden waren, die Heimreise antreten konnten, musste sich in der vergangenen Woche auf öffentlichen Druck die Polizei in Wuhan offiziell entschuldigen, weil sie gegen den Augenarzt Li Wenliang vorgegangen war. Li hatte Ende Dezember das Auftreten des Covid-19-Virus als erster öffentlich gemacht.

    Erste Schritte in Richtung Alltag unternimmt auch die chinesische Wirtschaft. Betriebe beginnen, die Produktion wieder aufzunehmen; Geschäfte und Restaurants öffnen ihre Türen wieder. Klar ist, dass die Coronaviruskrise der chinesischen Wirtschaft erheblich geschadet hat. Das Ziel, das Pro-Kopf-Einkommen von 2010 bis 2020 zu verdoppeln, wird deshalb wohl nicht ganz zu erreichen sein. Unklar ist, wie sich der beginnende Kollaps der westlichen Wirtschaft auf Firmen in China auswirken wird: Chinesische Zulieferer werden ihre Waren auf absehbare Zeit nur eingeschränkt in Europa und Nordamerika absetzen können und wichtige Kunden verlieren.

    Dessen ungeachtet weitet Beijing seine Hilfslieferungen in europäische Länder und teilweise auch die Entsendung von Ärzteteams aus. Atemschutzmasken, medizinische Ausrüstung und Testkits wurden mittlerweile nach Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland und Serbien geliefert. Präsident Xi Jinping hat auch der BRD Unterstützung angeboten. Über eine etwaige Antwort der Bundesregierung war bis jW-Redaktionsschluss allerdings nichts bekannt.

    Annahme verweigert (23.03.2020)
    Deutschland lehnt als bislang einziges Land Europas chinesische Hilfsangebote im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie ab.

    BERLIN/BEIJING (Eigener Bericht) – Als bislang einziges Land Europas nimmt Deutschland ein chinesisches Hilfsangebot im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie nicht an. Wie Chinas Präsident Xi Jinping mitteilt, habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel mitgeteilt, die Volksrepublik sei bereit, „im Rahmen unserer Fähigkeiten Hilfe zu leisten“, sollte es „Bedarf“ geben. Beijing hat in den vergangenen Tagen mehreren Staaten Europas, darunter Italien, Spanien und Frankreich, Hilfslieferungen zukommen lassen und teilweise auch Ärzteteams zu praktischer Unterstützung vor Ort entsandt. Berlin ignoriert das Hilfsangebot, obgleich in der Bundesrepublik eklatanter Mangel etwa an Atemschutzmasken herrscht; so beklagen mehr als 80 Prozent aller niedergelassenen Ärzte, nicht genügend Schutzkleidung beschaffen zu können. Gegen die Bundesregierung, die stets betont hatte, „gut vorbereitet“ zu sein, werden schwere Vorwürfe wegen unterlassener Vorsorge laut. Deutsche Leitmedien denunzieren Chinas Hilfen als „Propagandakampagne“ und werfen dem Land vor, „Verursacher der Pandemie“ zu sein. Nur der Trump’sche Begriff „chinesisches Virus“ fehlt.

    „Seidenstraße der Gesundheit“

    China weitet seine Hilfslieferungen nach Europa im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie aus. Nach einem ersten Transport von 31 Tonnen Hilfsgütern – darunter Atemschutzmasken und andere medizinische Schutzausrüstung –, der am 12. März auf dem Flughafen Rom-Fiumicino eintraf, sind in den vergangenen Tagen weitere Lieferungen in Spanien, in Frankreich und in Griechenland angekommen. Auch Serbien, das von einem EU-Exportverbot betroffen ist, genießt Unterstützung aus der Volksrepublik. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat Beijing außerdem um die Entsendung eines Teams von Medizinern gebeten, die mit den chinesischen Erfahrungen aus dem Kampf gegen die Pandemie vertraut sind; solche Teams sind inzwischen etwa in Italien eingetroffen, zuletzt in der besonders hart von Covid-19 betroffenen Lombardei.[1] Laut Berichten sind weitere EU-Mitgliedstaaten an chinesischer Unterstützung interessiert, darunter Bulgarien, Slowenien und Litauen.[2] Zusätzlich zu praktischer Unterstützung vor Ort tauschen sich Experten aus China mit europäischen Kollegen über ihre Erfahrungen aus. Teilweise wird die chinesische Unterstützung von Nicht-Regierungsorganisationen wie der Alibaba Foundation sowie der Jack Ma Foundation organisiert. Mit Blick auf die zunehmende Dichte der Aktivitäten ist inzwischen von einer „Seidenstraße der Gesundheit“ die Rede.

    Angebot ignoriert

    Chinas Präsident Xi Jinping hat, wie berichtet wird, inzwischen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Hilfe im Kampf gegen das Covid-19-Virus angeboten. Hintergrund ist, dass Deutschland der Staat mit den drittmeisten Infektionen in Europa ist – nach Italien und Spanien. Sollte es in der Bundesrepublik „Bedarf“ geben, dann sei Beijing selbstverständlich „bereit, im Rahmen unserer Fähigkeiten Hilfe zu leisten“, teilte Xi mit: Krisen in der öffentlichen Gesundheit seien „gemeinsame Herausforderungen für die Menschheit“; „Einheit und Zusammenarbeit“ seien „die mächtigsten Waffen“ gegen sie.[3] Die Volksrepublik könne sich eine Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik auch auf weiteren Feldern vorstellen, etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen. Eine Antwort aus Berlin auf das Angebot liegt bislang nicht vor. Deutschland ist damit der einzige Staat Europas, der Unterstützung aus Beijing, zumindest bis heute, faktisch ausgeschlagen hat.

    „Nicht eine einzige Maske“

    Das ist bemerkenswert, weil in der Bundesrepublik ein eklatanter Mangel an wichtigen Materialien und an Schutzausrüstung herrscht. So beklagen inzwischen mehr als 80 Prozent der in Deutschland niedergelassenen Ärzte fehlende Schutzausrüstung wie Atemschutzmasken oder Schutzkittel. Da der Weltmarkt wie leergefegt sei, habe seine Organisation sich schon vor Wochen mit der Bitte um Unterstützung an die Bundesregierung gewandt, berichtete kürzlich der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Walter Plassmann: „Da ist nichts gekommen. Nicht eine einzige Maske haben wir gekriegt“.[4] Ähnlich verhält es sich in Krankenhäusern, wo ebenfalls Atemschutzmasken und Schutzanzüge fehlen. Zwar habe der Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens, Karl-Josef Laumann, vor kurzem eine Million Atemschutzmasken bestellt; davon seien allerdings erst 20.000 eingetroffen, hieß es Ende vergangener Woche. Nordrhein-Westfalen ist das von der Pandemie am härtesten getroffene Bundesland; allein in Heinsberg, dem Epizentrum der dortigen Covid-19-Erkrankungen, werden laut Berichten täglich 7.500 Mund-Nasen-Schutzmasken sowie 2.200 FFP2-Masken benötigt.[5] Mangel herrscht zudem an spezieller Ausrüstung wie etwa Beatmungsgeräten, darüber hinaus aber auch an einfachen Materialien wie Desinfektionsmitteln. Für diese gehen inzwischen den Herstellern die Grundstoffe aus.[6]

    „Gut vorbereitet“

    Längst werden schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung, speziell gegen Gesundheitsminister Jens Spahn laut. Spahn hatte bereits Ende Januar und auch später immer wieder verlauten lassen, die Bundesregierung sei auf alle denkbaren Fälle „gut vorbereitet“. Dennoch hat sein Ministerium gegen den absehbaren Mangel an Schutzkleidung, vor dem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits am 7. Februar offiziell warnte, nichts unternommen. Dokumentiert ist etwa der Fall eines Unternehmers, dessen Firma Atemschutzmasken und Schutzkleidung für Krankenhäuser herstellt. Der Mann hatte sich in mehreren Schreiben mit dem Hinweis auf den drohenden Mangel an das Gesundheitsministerium gewandt. Dabei bot er dem Ministerium an, trotz immenser globaler Nachfrage 1,5 Millionen Mundschutz- und 200.000 Atemmasken für deutsche Krankenhäuser zu reservieren, und versah sein Schreiben mit dem Hinweis: „Ich appelliere an Sie, unterschätzen Sie die Problematik dieses Virus nicht.“[7] Der Unternehmer gibt an, keinerlei Antwort aus Berlin erhalten zu haben. Das Ministerium wiederum weist jegliche Zuständigkeit zurück: „Die Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung“ werde in Deutschland über das Beschaffungsamt der Bundeswehr koordiniert.

    Propagandakampagne

    Während die Bundesregierung trotz eklatanten Mangels an Schutzausrüstung das chinesische Hilfsangebot ignoriert, haben deutsche Leitmedien begonnen, Beijings Hilfslieferungen an andere europäische Länder systematisch zu diskreditieren. So heißt es etwa in einer führenden deutschen Tageszeitung, „die mit großer Geste bereitgestellten Hilfen“ seien lediglich „Teil einer Propagandakampagne“, mit der Beijing davon ablenken wolle, dass es eigentlich „Verursacher der Krise“ sei.[8] In einem weiteren Blatt heißt es: „Das Bild des Verursachers der Pandemie soll nun durch das Bild des Retters ausgetauscht werden.“[9] Gezielt werden Kooperationspartner der Volksrepublik aus Europa attackiert. So heißt es etwa, wenn sich „das Narrativ von China als großem Helfer … durchsetz[e]“, dann liege dies „daran, dass die Chinesen in Europa Verbündete finden, die gerne am Mythos mitarbeiten“. Ein solcher „Verbündeter“ sei Italiens Außenminister Luigi Di Maio, der in seinem Land bereits „als ‚chinesischer Minister‘ tituliert“ worden sei.[10]

    Machtkampf gegen Beijing

    Tatsächlich sind die zitierten Medienkommentare und die bisherige Weigerung Berlins, Hilfen aus China anzunehmen, Teil des großen globalen Kampfs um die Weltmacht, den die Bundesrepublik auch in der Coronakrise nicht zurückstellt. Vielmehr bereitet die Bundesregierung ungeachtet der Krise zur Zeit Schritte vor, die dem Aufbau militärischer Bündnisse gegen Beijing in Asien und in der Pazifikregion dienen. german-foreign-policy.com berichtet in Kürze.

    KPF zur Pandemie: »Geübt wird der Ausnahmezustand«

    Der Bundessprecherrat der Kommunistischen Plattform (KPF) in der Linkspartei veröffentlichte am Sonnabend folgende »Überlegungen« zur Coronaviruspandemie:

    Die nachfolgenden Worte Bertolt Brechts könnten heute geschrieben worden sein: »Der Fortschritt war gewaltig. Das Elend schritt fort und der Reichtum schritt fort. Der Luxus wurde größer, ebenso die Entbehrung. Die Bildung verbreitete sich und die Verkommenheit nahm zu. Die Zivilisation breitete sich aus mit dem Imperium wie eine Seuche sich ausbreitet.«

    Genau das passiert gerade. Was sich abspielt, wenn der Ausnahmezustand herrscht – und das weltweit – erleben wir in diesen Wochen. Die Pandemie existiert zweifelsfrei. Und es existiert Hysterie. Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen darüber, ob das faktische Herunterfahren beinahe jeglichen gesellschaftlichen Lebens übertrieben oder notwendig ist. Darüber wollen wir nicht spekulieren. Spekulationen heute würden es uns morgen erschweren, ernst genommen zu werden, wenn der Gesamtprozess bewertet werden muss, der gerade abläuft, wie ein Horrorfilm. Dass die aktuelle Coronaviruspandemie eine völlig andere Behandlung erfährt als jede andere Pandemie der letzten 100 Jahre, und ob das angemessen ist, sollten wir also nicht zum Gegenstand unserer Beurteilung machen. Was wir allerdings beurteilen können und müssen, das ist die Fähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft, ein solch schlimmes Geschehen im Interesse des Kapitals zu instrumentalisieren und die bürgerliche Demokratie in Windeseile außer Kraft zu setzen. Momentan darüber zu sprechen, erfordert Fingerspitzengefühl, damit wir uns nicht lächerlich machen und das Gegenteil von dem erreichen, worum es uns geht: aufzuklären.

    Wenn aber diese Periode im wesentlichen abgeschlossen ist, ja, schon auf dem Weg dahin, gilt es, genauestens zu analysieren, was wir da gerade erlebt haben und was uns in ganz anderen Zusammenhängen bevorstehen könnte. Was wir gerade erleben, ist der Ernstfall und zugleich eine Übung bisher ungeahnten Ausmaßes. Geübt wird der Ausnahmezustand. Durchgeführt wird eine sogenannte Marktbereinigung, die es im zu erwartenden Ausmaß womöglich so noch nicht gegeben hat. Ob es danach noch eine nennenswerte Mittelschicht geben wird, ist fraglich. Das ist nur eine der unabsehbaren sozialen Folgen, die sich vor unseren Augen entwickeln. Die Ärmsten, auch in den Hauptländern des Kapitals, werden noch ärmer sein; gar nicht zu reden davon, dass die humanitäre Hilfe für die mehr als 100 Millionen Menschen, die sich auf die entsprechenden UN-Organisationen verlassen müssen, existentiell gefährdet ist. 45 Millionen Menschen sind derzeit allein im südlichen Afrika von Hunger bedroht.

    Schuld an all dem soll nicht der Kapitalismus sein, sondern ein Virus. Es sei Krieg, so Macron. Es ist der Krieg derer oben gegen die unten. Hendrik Leber, der Chef der Kapitalverwertungsgesellschaft Acatis Investment, erklärte im März im Focus: »Ich habe meinem Team gesagt: Lasst uns auf die Jagd gehen. Denn uns kommen reihenweise tolle Gelegenheiten entgegen.« Ein Marxist würde in diesem Kontext sagen: In der Krise nimmt die Kapitalkonzentration zu. Und ein Marxist weiß: Die Folgen dieses ungeheuren Crashs werden auf die Lohnabhängigen abgewälzt und auf diejenigen, die nicht einmal mehr ihre Arbeitskraft verkaufen können. Das, was wir gerade durchleben, was die Menschheit durchlebt, wird ungezählte Menschen sensibilisieren. Darauf müssen wir uns vorbereiten, wir, die Mitglieder der Partei Die Linke, wir, die Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei.

  155. 155 Kehrer 23. März 2020 um 2:48 Uhr

    „Nach zwei Weltkriegen wundere ich mich darüber nicht.“ Klar, du als alter Kriegsveteran wunderst dich über nichts mehr. Zum kapitalistischen Alltag gehört das ja wohl nicht, dass jetzt mit größter Selbstverständlichkeit die heiligsten Kühe des Kapitalismus zu Diskussion stehen.

    „Eher darüber, wie wenig zielführende Maßnahmen im Rahmen eine „zentralen Planung der Krise“ diesmal bisher eingeleitet wurden.“ Das kommt ja alles noch. Was ist denn das Ziel, das nicht erreicht wird.

    Guter Artikel von Suitbert Cechura: drei Absätze

    „Empfohlen werden jetzt vorwiegend Hygienemaßnahmen, die Vermeidung direkter Kontakte, Niesen in den Ellenbogen und regelmäßiges Händewaschen. Das soll bewirken, dass die Epidemie einen langsameren, damit nicht so dramatischen Verlauf nimmt. Während in anderen Ländern die Menschen aufgefordert werden, in der Öffentlichkeit einen Mundschutz zu tragen, um die Verbreitung durch Tröpfchen-Infektion einzuschränken, gibt es in Deutschland diese Empfehlung nicht, und zwar deshalb, weil keine Vorräte von diesem einfachen Mittel vorhanden sind. Weil der Gesundheitssektor wie ein Markt – gesteuert durch den Staat – funktionieren soll, gibt es weder eine Stelle, die Schutzkleidung für den Notfall vorhält, noch Laborkapazitäten, die es erlauben würden, Massentestungen auszuwerten. Also werden diese auch nur eingeschränkt durchgeführt.

    Wenn von der Vermeidung eines dramatisch Verlaufs der Epidemie die Rede ist, so ist nicht die Schwere der Erkrankung der Betroffenen gemeint, sondern die Zahl der Fälle, die medizinisch betreut oder gar in einer Intensivstation untergebracht und beatmet werden müssten. So soll das Gesundheitssystem, weil nicht für eine Epidemie gerüstet, durch die jetzt eingetretene nicht überfordert werden. Unterstützt wird diese Argumentation z.B. durch einen Virologen der Charité, wobei dessen Fachlichkeit, wie auch die der anderen Ärzte, zwar in der Kenntnis von Viren bestehen mag; die fachliche Argumentation ist aber statistischer Natur, stützt sich also auf Schätzungen und Hochrechnungen, bei denen man unterschiedliche Annahmen zu Grunde legen kann.

    Weil es dabei um Opportunitätsabwägungen geht, gibt es, wie gesagt, entsprechende Ungereimtheiten, die vielen Bürgern auffallen und sie am Sinn der ergriffenen Maßnahmen zweifeln lassen. Wenn die Produktion und der Handel um der profitablen Fortführung des Geschäfts willen weitergehen sollen, dann gelten die Gesundheitsvorschriften in diesem Bereich nur bedingt, dann ist der Platz an der Supermarkt-Kasse ein Hochrisikoplatz ebenso wie die Zusammenarbeit in der Kolonne oder am Band. Und weil alles dem Geschäft untergeordnet ist, können sich die Pendler nach Schließung von Schulen und Behörden nicht über mehr Abstand in den Öffentlichen Verkehrsmitteln freuen, diese schränken vielmehr – im Gegensatz zu China, wo die Taktzeiten verkürzt und so die Enge vermieden wurde – den Verkehr ein, um für eine wirtschaftliche Auslastung ihrer Fahrzeuge zu sorgen; und so schaffen sie es, dass die Infektionsgefahr aufrechterhalten wird.“

  156. 156 libelle 23. März 2020 um 11:50 Uhr
  157. 157 Kehrer 23. März 2020 um 12:32 Uhr

    Vielleicht als Reaktion darauf hat die Bundesregierung statt einer Ausgangsperre ein Kontaktverbot verhängt.

    Ein wichtiges Argument: „Was noch zu tun ist, ist Mundschutz. Viren sind klein, die können durch manches hindurchdringen. Ein Mundschutz schützt aber vor Tröpfcheninfektion – so nennt man das. Warum sollen Sie denn 1,5 Meter Abstand halten? Nur aus diesem Grund.“ Genau. Diese 1,5 bis 2 m sind nur erforderlich, weil von Anfang an vom Mundschutz abgeraten wurde.

    Diese 20 000 Tote muss man ein wenig relativieren. Im ersten, ältesten Podcast von Drosten erklärt er wie die ermittelt werden. https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684_page-2.html Das sind kein Falltoten wie bei Corona. Also jemand wird auf Corona getestet und stirbt dann. Bei den 20 000 oder mehr Toten, wird die Sterblichkeit in Deutschland in verschiedenen Monaten verglichen. Unfalltote und sowas abgezogen und alles was dann über dem Durchschnitt ist, wird der Grippewelle zugerechnet. Also so ähnlich. Jedenfalls ist das keine exakte Zahl, sondern eher statistische Schätzung.
    Siehe auch hier: https://www.aerzteblatt.de/archiv/170864/Influenza-Woher-kommt-die-Zahl-der-Todesfaelle

  158. 158 Neoprene 23. März 2020 um 12:32 Uhr

    Ernsthaft libelle, du teilst die Sicht von Wodarg und Mölling?

    „Ich empfinde, was im Moment läuft, ist das, was wir mehr oder weniger jeden Winter erleben.“

    Fahren denn auch an deinem Kreiskrankenhaus jeden Winter die Bundeswehr-LKWs vorbei, um die Leichen einzusammeln? Sind da auch immer 10 % der Gesundheitsarbeiter schon nach wenigen Wochen durch die Infektion außer Gefecht gesetzt? Hat da auch ein Infizierter die Chance in ein paar Wochen ein paar Hundert andere Menschen anzustecken? Laufen bei euch auch jeden Winter die Intensivstationen über und Triage wird schon in der Notaufnahme praktiziert?

  159. 159 libelle 23. März 2020 um 12:43 Uhr

    Ich empfehle zur Kenntnis zu nehmen, was es an kritischen Äußerungen gibt und so den Prozess der Objektivierung der Auffassung zur CoVid 19 Pandemie bei sich selbst zuzulassen. In Sachen Virologie kann ich nur glauben – wie ca. 99.99% der Menschheit.

    Bedenkenswert finde ich schon, dass es 2017/2018 eine Grippewelle mit 20.000 Toten gab, nach der kein Hahn gekräht hat und dass die Dame eher dafür ist Risikogruppen zu isolieren und nicht die Gesellschaft herunterzufahren.

    Ich habe auch irgendwo anders gelesen, dass Covid 19 eher eine kleine Pandemie ist (verglichen mit historischen Seuchen).

  160. 160 Neoprene 23. März 2020 um 12:45 Uhr

    „Die neuen Zahlen der von Dr. Wodarg erwähnten Momo-Sterbestatistik sind raus – Hier eine Analyse der neuen Werte“
    https://mannikosblog.blogspot.com/2020/03/die-neuen-zahlen-der-von-dr-wodarg.html?m=1
    Danach gehen die bekannten Katastrophen-Hotspots, z.B. Bergamo oder Madrid, unter in einem allgemeinen Trend, der bisher ungefähr so läuft wie im letzten Jahr (wo es nur wenig Influenza-Fälle gab, anders als 2017/2018).

  161. 161 Neoprene 23. März 2020 um 13:09 Uhr

    Mir geht es bei dieser Epidemie nicht um „kritische“ Äußerungen, sondern um wissenschaftlich fundierte richtige Äußerungen.
    Nicht nur 2017 gab es eine Grippewelle mit mehr als (geschätzten) 20.000 Toten allein in Deutschland. Bekanntlich kräht gesundheitspolitisch nur dann ein Hahn von denen oder deren Medien danach, wenn das für die gesamte Volksgesundheit so abträglich zu werden scheint, daß das normale gesellschaftliche Leben, also insbesondere das Einfahren von Gewinnen, beeinträchtigt werden könnte. Ansonsten geht das gesamte Gesundheitswesen mit all seinen Grenzwerten und Prophylaxe-maßnahmen davon aus, daß für ordentliche Gewinne schon mal ordentlich Menschen ins Grass beißen müssen. Hierzu habe ich ja weiter oben schon auf einen lesenswerten Artikel von Cechura hingewiesen.
    Mit Sicherheit ist es bei den Gesundheitsverantwortlichen ein wichtiger Punkt, ob das System eine Krankheitswelle „ordentlich“ abwicklen kann. Wenn die Intensivstationen eine ganze Grippewelle durch nicht überlaufen (auch weil die Verweildauer im Krnakenhaus bei schweren Fällen wohl merklich unter der Zeit bei Covid-19-Erkrankten liegt), dann gibt es für die keinen Grund zur Sorge, dann brüstet sich eben ein Gesundheitsminister, daß das deutsch Gesundheitssystem „gut aufgestellt“ sei. Das scheint aber schon jetzt vorbei zu sein, die Zahl der Infizierten und viel wichtiger, die Zahl der Menschen, die nur in Krankenhäusern betreut werden können (geheilt werden können sie ja eh noch nicht), steigt in vielen Infektionshotspots in Europa schnell an. Panisch geworden, wird allenthalben versucht, wenigstens in Großstädten ein paar Notlazarette hinzustellen (wo die die medizinisch geschulten Fachkräfte hernehmen wollen, erschließt sich mir noch nicht)
    Was Mölling vorschlägt, ist an ihrer unverantwortlichen Verharmlosung gemessen, sicherlich vernünftig: Wenn nicht genügend Intensivbetten für Corona zur Verfügung stehen werden, dann muß man halt dafür sorgen, daß diese Betten nicht von Menschen belegt werden, deren Unfälle z.B. vermeidbar gewesen wären.
    Ob die SARS-CoV-2-Pandemie sich nun als „eher kleine“ erweisen wird (wo in Deutschland dann „nur“ 30.000 oder 50.0000 Menschen sterben werden) oder ob es in Richtung Wiederholung der katastrophalen Grippewelle nach dem ersten Weltkrieg geht, das werden wir wissen, wenn es vorbei ist. Jetzt hat ja erst ein dummerweise weitgehned unbekannter Virus losgelegt, der wohl viel ansteckender ist als Influenza und wohl auch merklich mehr Todesfälle bewirkt.

  162. 162 TomGard 23. März 2020 um 13:20 Uhr

    Nicht OT, obwohl meine Einleitung das vermuten lassen muß!

    Der Unterschied und Gegensatz zwischen der politischen Ökonomie des Kapitalismus und historischen Vorläufern des „Gemeinwesens des Geldes“ besteht, schematisch ausgedrückt, darin, daß Geld im Kapitalismus Mittel der Ausbeutung ist, insofern es als Mittel einer Eigentumsvermehrung wirkt. In vorgängigen Ausbeutergesellschaften waren Geld und Kredit Umlaufmittel von Ausbeutergesellschaften, in denen es um Erhalt des Eigentums der herrschenden Klasse(n) ging.
    Deshalb behaupte ich, die Ära des Kapitalismus geht in den kommenden Monaten zu Ende. Die hoheitliche Erledigung der Revenuequelle Zins in den Metropolen des Weltmarktes, die in der Konkurrenz der Weltgelder $/€ nurmehr taktisch begrenzte Freiheit hoheitlicher Kreditgeldschöpfung wird nun ergänzt um die kriegswirtschaftlich unbeschränkte Ausgabe von Zahlungsmitteln. Hinter diese hoheitliche Freiheit – und die Folgen, die ihre Betätigung haben wird – werden die feindlichen Brüder und ihre Lieblingsbürger nicht mehr zurück
    können, anders, als in der sehr weitläufig ähnlichen Lage nach dem WK2, in der die USA die Rückkehr zu genuin kapitalistischen Verhältnissen dekretieren konnten.

    Es erscheint mir daher nur logisch, daß der institutionelle Widerstand gegen diesen Epochenwandel merklich in den Klassengesellschaften von Schwellenländern beheimatet und konzentriert sein wird, in denen seminationale Bourgeoisien, betreut und gezügelt von Militärregimen, ihren Aufstieg in die oberen Ränge der weniger als 200 Gesellschaften zählenden Oligarchie des transnationalen Geld- und Warenverkehrs suchen.

    Das scheint mir der Impuls zu sein, der die Redaktion von „Sputnik“ leitete, einer senilen und kenntnisfreien Fachidiotin das Wort zu erteilen, die klinische Unterschiede, die in den Unterschieden der Pathogenitätsfaktoren von SARS und Grippe einbegriffen sind, auf Letalitätsraten herunter bricht und dabei vorsätzlich vergißt, was sie mal an epidemiologischen Kenntnissen gehabt haben mag.

  163. 163 Neoprene 23. März 2020 um 14:01 Uhr

    Zur oben erwähnten Momo-Sterbestatistik hat Nestor auf Facebook gesschrieben:
    „An dieser Analyse ist m.E. krumm, daß eine gesamtitalienische Statistik hergenommen wird für den Vergleich, während es sich bei den CV-Toten um eine Häufung in bestimmten Regionen handelt.
    Aber letztlich, was ist die Moral von der Geschichte? Es ist normal, daß Leute an Krankheiten sterben, das war schon immer so?
    Bei dieser Logik fragt es sich, wofür es überhaupt Ärzte gibt.“

    Meine Antwort dort:
    „Letztlich ist die durch und durch prokapitalistische Moral von der Geschicht, daß die Leute sich nicht ins Hemd machen sollen, bloß weil – wie immer schon immer mal wieder – ne Menge Leute ins Grass beissen müssen. Ich befürchte, daß die meisten Kommentare von Leuten, die jetzt auf Influenza zeigen, das erst jetzt machen. Um damit Covid-19 runter zu spielen. natürlich gab es schon immer Gesundheitsinteressierte, die auch gegen Influenza mehr Maßnahmen gefordert haben. Aber jetzt zu sagen, man eh, ist halt business as usual, was regts ihr euch auf, ist eine weitgehend verrohte Sichtweise auf Gesundheit im Kapitalismus.“

  164. 164 libelle 23. März 2020 um 14:03 Uhr

    , wenn das für die gesamte Volksgesundheit so abträglich zu werden scheint, daß das normale gesellschaftliche Leben, also insbesondere das Einfahren von Gewinnen, beeinträchtigt werden könnte. Ansonsten geht das gesamte Gesundheitswesen mit all seinen Grenzwerten und Prophylaxe-maßnahmen davon aus, daß für ordentliche Gewinne schon mal ordentlich Menschen ins Grass beißen müssen. Hierzu habe ich ja weiter oben schon auf einen lesenswerten Artikel von Cechura hingewiesen.

    Ich bin mir nicht sicher, dass die Funktion des Kapitalismus beeinträchtigt wäre, wenn 3-4 (oder auch 5) Millionen ältere und kranke Menschen europaweit sterben. Was dann nicht mehr gegeben wäre, ist die Funktion des moralischen Elements des Lohnes. Wenn klar ist, dass man die Alten einfach sterben lässt, kündigt das einen wesentlichen Grund der Leute in diesen Verhältnissen mitzumachen – nämlich den als vernutztes v ein Gnadenbrot zu bekommen.

    Das halte ich (Stand jetzt) für den seuchenimmanenten Grund des Herunterfahrens der Gesellschaft. Daneben ist die Seuche die Gelegenheit die Gesellschaft in den Krisenmodus zu bringen, der schon längst fällig war. Was ansteht ist ein Neustart des Kapitalismus und die Seuche liefert den Schein, es wäre höhere Gewalt. Jede Insolvenz, Verstaatlichung, die jetzt stattfindet, findet in der Öffentlichkeit w e g e n CoVid19 statt und nicht, weil die Staaten die Krise nicht mehr länger mit Helikoptergeld in die Zukunft verschieben können.

  165. 165 Neoprene 23. März 2020 um 14:11 Uhr

    Auch auf Facebook hat jemand auf einen „Neustart“ des Kapitalismus verwiesen:
    „And it may also be a reset for capitalism as debts are writen off, businesses nationalised then privatised again, & the rate of profit restored. A post-virus boom like the post-war boom?
    We don‘t need it to give capitalism another lease of life.“

    Meine Antwort:
    „Of course it can lead to a „reset“ for capitalism. That happens in every big crisis. And the crisis can do this only when it goes very deep this time. Great Depression Mark II, so to say. There was only a post-war boom because beforehand everything was made to ruins literally.“

    Oder von jemand anderem:
    „When that debt network goes down, it’s going to make Weimar look like Monte Carlo.“

  166. 166 Kehrer 23. März 2020 um 14:36 Uhr

    2. Versuch zu libelles Rubikonartikel, der bisher in der Moderation hängt:

    Vielleicht als Reaktion darauf hat die Bundesregierung statt einer Ausgangsperre ein Kontaktverbot verhängt.

    Ein wichtiges Argument: „Was noch zu tun ist, ist Mundschutz. Viren sind klein, die können durch manches hindurchdringen. Ein Mundschutz schützt aber vor Tröpfcheninfektion – so nennt man das. Warum sollen Sie denn 1,5 Meter Abstand halten? Nur aus diesem Grund.“ Genau. Diese 1,5 bis 2 m sind nur erforderlich, weil von Anfang an vom Mundschutz abgeraten wurde.

    Diese 20 000 Tote muss man ein wenig relativieren. Im ersten, ältesten Podcast von Drosten erklärt er wie die ermittelt werden. https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684_page-2.html Das sind kein Falltoten wie bei Corona. Also jemand wird auf Corona getestet und stirbt dann. Bei den 20 000 oder mehr Toten, wird die Sterblichkeit in Deutschland in verschiedenen Monaten verglichen. Unfalltote und sowas abgezogen und alles was dann über dem Durchschnitt ist, wird der Grippewelle zugerechnet. Also so ähnlich. Jedenfalls ist das keine exakte Zahl, sondern eher statistische Schätzung.
    Siehe auch hier: https://www.aerzteblatt.de/archiv/170864/Influenza-Woher-kommt-die-Zahl-der-Todesfaelle

  167. 167 Peer 23. März 2020 um 14:53 Uhr

    1.) Dass es anscheinend vor allem sehr alte Leute trifft, wird heute ja erkenntlich daran, dass das ‚durchschnittliche‘ (!) Todesalter der Corona-Verstorbenen in D. derzeit bei 85 liegen soll.
    Vor drei Wochen war das so klar nicht.
    Ob das auch für Italien gilt, weiß ich nicht.
    Ob das in drei Wochen hier dann noch so ist, das ist auch nicht gesichert.
    (Überhaupt ist anscheinend etliches, was gestern vermutet wurde, morgen schon widerlegt: Weil es eine weitgehend unbekannte Krankheit ist.
    Die in den Nachrichten erscheinenden Bilder aus Italien, wo nachts Militärtransporter die Leichen klammheimlich wegschleppen, und das Medizinsystem der Lombardei kollabiert, das sind jedenfalls nicht alltägliche Bilder.)

    2.) Es trifft aber ja auch Jüngere, vor allem Vorerkrankte.

    3.) Dass es nach der Krise einen Neustart geben wird, ist etwas anderes als die drei Thesen a) diese Epidemie passe ihnen supi gut in ihre Pläne, oder b) sie hätten es geradezu darauf angelegt, dass so was passieren möge, oder c) sie hätten es sogar extra verursacht.

    4.) Der Haupteinwand dagegen ist, dass es so ein Gesamtsubjekt namens Superüberstaat, das dgl. veranstalte, real gar nicht gibt. Solch Subjekt ist so real wie der Heiligeseibeiuns oder ähnliche Täter.

  168. 168 Kehrer 23. März 2020 um 14:55 Uhr

    „Das halte ich (Stand jetzt) für den seuchenimmanenten Grund des Herunterfahrens der Gesellschaft.“ Da stimme ich zu. Es ist möglich, dass allein die Selbstmorde, die auf zusammengebrochene Existenzen wegen des verordneten Seuchenmodus der Wirtschaft, die Zahl der Coronatoten übersteigt.

    „Daneben ist die Seuche die Gelegenheit die Gesellschaft in den Krisenmodus zu bringen, der schon längst fällig war. Was ansteht ist ein Neustart des Kapitalismus und die Seuche liefert den Schein, es wäre höhere Gewalt. Jede Insolvenz, Verstaatlichung, die jetzt stattfindet, findet in der Öffentlichkeit w e g e n CoVid19 statt und nicht, weil die Staaten die Krise nicht mehr länger mit Helikoptergeld in die Zukunft verschieben können.“ Genau sowas habe ich gemeint, als ich oben über mein dumpfes Gefühl geschrieben habe, dass da eine Notstandsübung veranstaltet wird für einen Notstand der noch kommt und der nicht mit Corona identisch ist. Wie ein „Neustart“ des Kapitalismus aussehen kann ist fraglich. z.B. internationale Schuldstreichungen der Banken. Eine Währungsreform, Guthaben werden umgerechnet. Schwierig darüber eine Aussage zu treffen, aber wenn es so ist, muss es irgendjemand wissen und einen Plan haben.
    https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684_page-2.htmlr Hier nochmal der Podcast von Drosten. Die 20000 Grippetoten sind übrigens statistische Tote, die errechnet werden, wie Wodarg das vorführt und keine gezählten Toten.

  169. 169 Nestor 23. März 2020 um 15:18 Uhr

    @libelle

    Ich würde diese Debatte um den Vergleich von cV mit „gewöhnlicher“ Grippe gerne hier auf dem Blog abschließen
    Sie hat nämlich nur zwei Endergebnisse:

    1. Was soll die ganze Aufregung? Man soll die Leute doch sterben lassen, das ist der natürliche Gang der Dinge, gehört zum Kapitalismus dazu, usw.

    2. Das ist ein ganz gefinkelter Schachzug der weltweiten G20- oder Bilderberg-Clique, mit der sie ihre Gesellschaft noch besser kontrollieren können.

    Ersterer Schluß ist sehr unsympathisch, letzterer ist schwachsinnig.

    Es stimmt übrigens auch nicht, daß dem staatlichen Gesundheitswesen die gewöhnlichen Grippetoten wurscht sind. Jeden Herbst gibt es Impf-Aufrufe. Es gibt halt da auch eine Impfung, nach der sie für das CV noch suchen.
    Gegen Viren ist, soweit meine rudimentären medizinischen Kenntnisse reichen, ein Impfstoff schwerer herzustellen als gegen Bakterien.

  170. 170 Nestor 23. März 2020 um 15:21 Uhr

    Bitte etwas Geduld wegen der Moderation. Ich schaue die in der Moderationsschleife hängengebliebenen 1x täglich an, aber ich habe auch noch andere Dinge zu tun als den Blog zu betreuen.

  171. 171 Kehrer 23. März 2020 um 15:23 Uhr

    „a) diese Epidemie passe ihnen supi gut in ihre Pläne“ Möglichkeit a) wäre ja noch am wahrscheinlichsten. Aber was wären dann diese Pläne? Und zweitens ist es wegen der Staatenkonkurrenz tatsächlich so, dass von einer geplanten Aktion z.B. des Westens nicht auszugehen ist. Eher ist es so, dass die Staaten die Coronakrise als Konkurrenzmittel benutzen. Wer hält es aus, wer hat am meisten Kredit in der Welt, wer nicht.

    Jedenfalls halte ich es überhaupt nicht für ausgemacht, ob der Virus das größte Leid verursacht, oder die kapitalistischen Folgen durch Abwehrmaßnahmen. Bloß ist es um das Leid ja nie gegangen. Die Zwickmühle ist, ob der Virus die Reproduktion der kapitalistischen Gesellschaft in Frage stellt und nachhaltig beschädigt, oder ob das die wirtschaftlichen Folgen der Abwehrmaßnahmen erledigen. Im Moment glaub man noch an die zweite Alternative, da man diese noch besser im Griff zu haben meint.

  172. 172 Kehrer 23. März 2020 um 15:33 Uhr

    „Gegen Viren ist, soweit meine rudimentären medizinischen Kenntnisse reichen, ein Impfstoff schwerer herzustellen als gegen Bakterien.“ Leider zu rudimentär. Es ist ganz allgemein so. Gegen Viren gibt es keine Medikamente, weil das im Prinzip gar keine richtigen Lebenwesen sind, weil sie sich nicht selbst fortpflanzen können und keinen Stoffwechsel haben. Das sind Zellkerne, die in Zellen eines Wirtskörpers eindringen und diesen veranlassen, weitere Viren zu produzieren. Gegen Viren helfen bloß Impfstoffe, die das Immunsystem trainieren, gegen die Viren vorzugehen. Gegen Viren helfen deshalb auch kein Antibiotika.

    Antibiotika helfen nur gegen Bakterien. Bakterien sind vollständige Zellen und diese werden von Antibiotika abgetötet. Also Impfstoffe gegen Viren, Antibiotika gegen Bakterien.

  173. 173 TomGard 23. März 2020 um 16:01 Uhr

    @Peer
    Zitat:
    3.) Dass es nach der Krise einen Neustart geben wird, ist etwas anderes als die drei Thesen a) diese Epidemie passe ihnen supi gut in ihre Pläne, oder b) sie hätten es geradezu darauf angelegt, dass so was passieren möge, oder c) sie hätten es sogar extra verursacht.

    4.) Der Haupteinwand dagegen ist, dass es so ein Gesamtsubjekt namens Superüberstaat, das dgl. veranstalte, real gar nicht gibt (Ende)

    Wie stellst Du Dir einen „Reset“ unter der Bedingung vor, daß:
    a) Die Warenproduktion von der Kapitalzirkulation mittels staatlicher Zahlungsmittel abgekoppelt wird und gleichzeitig
    b) keine physische Zerstörung der Produktionsmittel vorliegt und
    c) die Zustandsbedingungen der suspendierten Überproduktionskrise nicht nur fortbestehen, sondern verstärkt werden?
    Und das unter
    d) globaler Vernetzung der Warenströme unter kriegerischer Konkurrenz nebst
    e) generelle Abhängigkeit des größten Teils dieser Warenströme von den digitalen Zirkulationsmitteln?

    Wie soll da ein „Reset“ gemäß Deiner Hypothese keinen „Superstaat“ unterstellen?
    Vielleicht stimmt die Unterstellung nicht? Vielleicht haben Militarisierung der Warenproduktion und Kreditzirkulation, nebst Eigentumskonzentration, gesellschaftliche und auch personelle Verhältnisse hervor gebracht, die einen „Schwachsinn“ (Nestor) ermöglichen und -nötigen, der – halb zog es sie, halb sanken sie hin – in wohlbekannten Kreisen immerhin als ein über Generationen gehegtes und gepflegtes Ideal existiert?

    Und warum sollten unter diesen Umständen gewisse militärische Player mit ihren speziellen Freunden in Wirtschaftskreisen nicht auch mal „handeln, bevor sie gedacht haben“? Was haben sie zu verlieren? Waren die Voraussetzungen für 9/11 nicht weitläufig ähnlich?

    Egal. Antworten kann ich auch nicht geben.

  174. 174 Peer 23. März 2020 um 16:35 Uhr

    Für einem „Neustart“, bezogen auf die EU, nach Brexit und Corona, mag aus deutscher Sicht wichtig sein, ob und wie die Zahlungen und die Kompetenzen der EU-Länder neu austariert werden können, und ob es so was wie Euro-Bands garantiert gar nicht geben möge.

    Da wird man vermutlich noch einiges zu hören kriegen.

    Und: insofern ist die Formel vom „Neustart“ – doch auch nur eine aktuelle Variante des ‚Weiter so‘…

    edit: Das Virus legt – nicht nur in derzeitigen „Skandalen“ – die Rede vom „Neustart“ natürlich nahe …

    https://www.heise.de/tp/features/Politikum-Masken-Schwere-Vorwuerfe-gegen-Tschechien-und-Polen-4688540.html

    ---

    Wenn schon Verschwörung – dann doch fürs eigene Portemonnaie …

    „…eine Tonaufnahme von Senator Burr zugespielt, der am 27. Februar bei einer Privatveranstaltung, bei der Vertreter beider Parteien anwesend waren, in Washington über das Virus sprach. Zuvor hatte Burr in öffentlichen Erklärungen das Risiko durch die Coronavirus-Pandemie bagatellisiert. In einem Beitrag für Fox News schrieb er beispielsweise, dass „die Vereinigten Staaten heute besser als je zuvor vorbereitet sind, um aufkommenden Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit zu begegnen“.

    In der Tonaufnahme war sein Ton jedoch deutlich ernster. „Eines kann ich Ihnen dazu sagen: Es ist viel aggressiver in seiner Übertragung als alles, was wir in der jüngsten Geschichte gesehen haben… Es ist wahrscheinlich eher mit der Pandemie von 1918 vergleichbar,” sagte er den Veranstaltungsteilnehmern.

    Später kam die Nachricht, dass Burr, der Mitglied des Gesundheitsausschusses und Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des Senats ist, am 13. Februar Aktien im Wert zwischen 628.000 und 1,3 Millionen Dollar in 33 Transaktionen verkauft hatte. Durch seine Ausschusspositionen erhielt er täglich aktuelle Informationen über den damaligen Stand der Dinge und die Ausbreitung des Coronavirus.

    In Reaktion auf die Berichterstattung des NPR kritisierte Burr die Sendeanstalt. Diese habe „Schlagzeilen im Stile einer Boulevardzeitung“ fabriziert. Seine Aktienverkäufe wollte er hingegen nicht kommentieren.

    https://www.euractiv.de/section/eu-aussenpolitik/news/aktien-verkaufen-risiken-herunterspielen-wie-us-senatoren-auf-coronavirus-informationen-reagierten/

    ---

    Zumindestens wird er darauf gesetzt haben, dass der ziemlich unbedingte Verkauf seiner Aktien damals richtiger gewesen sei als sie zu behalten. Vor einer ‚normalen Grippewelle‘ so zu kalkulieren, das scheint mir abwegig.

    Auch aktuell sieht es in den USA nicht nach einer normalen Grippesaison aus.
    https://www.welt.de/politik/ausland/article206733167/Coronavirus-USA-Zahl-der-Erkrankungen-schnellt-um-Faktor-20-in-die-Hoehe.html

    ---

    Sowohl für die Finanzkapitalisten als auch für die sogenannten angeblichen „Schwellenländer“ schaut die Welt mit und nach Corona noch ein wenig alternativ anders aus:

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1134277.coronakrise-die-stunde-der-spekulanten.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

    https://www.heise.de/tp/features/Schwellenlaender-auf-der-Kippe-4687731.html

    Aber auch hier gibt es nicht den Zweck, die Beziehungen zu den Schwellenländern ganz neu manifestieren zu wollen, „… und deswegen …“ – sei das Virus auf die Welt gekommen. Bzw. vermutlich dann wohl: angeblich auf die Menschheit berechnend losgelassen worden. Um so was zu glauben, muss man dann wohl auch vermutlich damit „argumentieren“, man habe so was irgendwie „im Gefühl“…

  175. 175 Neoprene 23. März 2020 um 17:56 Uhr

    Die Zeit behauptet folgendes:
    „während Italien und Deutschland alle Toten, die positiv auf Corona getestet wurden, in ihren Statistiken aufführen, scheinen die Russen einen anderen Weg einzuschlagen. Diabetes habe die Verstorbene gehabt; Herzprobleme, Bluthochdruck und verkalkte Arterien, verkündete der operative Stab der Stadt Moskau. Offizielle Todesursache: schwere Pneumonie. Die Statistik mit Corona-Todesfällen: bleibt sauber. Es gibt keine Corona-Toten in Russland. Punkt. Und von Präsident Wladimir Putin ist nur eins zu hören: Man habe die Lage im Griff.“
    https://www.zeit.de/politik/2020-03/russland-coronavirus-infektionen-zahlen-pandemie
    So ginge das natürlich auch. Jedenfalls eine Weile. Bis es den Behörden um die Ohren fliegen würde. Also nicht sehr lange.
    Man wird also sehen, was News und was Fake-News sind in dieser Frage. Wird einfacher zu beurteilen sein, als in anderen Fragen.

  176. 176 jana 23. März 2020 um 18:29 Uhr

    genauso wurds in d aber gehandhabt und erst vor einer woche, vielleicht eineinhalb geändert…..also dahingehend, daß verstorbene dann getestet und gelistet wurden :roll:

  177. 177 Nestor 23. März 2020 um 18:31 Uhr

    @libelle

    Ich bin mir nicht sicher, dass die Funktion des Kapitalismus beeinträchtigt wäre, wenn 3-4 (oder auch 5) Millionen ältere und kranke Menschen europaweit sterben.

    Weiter unten schreibst du dann, daß er es doch wäre.
    Warum also diese Bemerkung?
    Außerdem, und das zu wiederholen ist schön langsam fad: Es sterben ja nicht nur Alte, sondern sogar junge und wichtige Personen, wie der Arzt in China, der das Ganze aufgedeckt hat. Die Vorstellung, die Pensionskassen durch laissez-fare zu entlasten, ist also gar nicht praktizierbar.

    Was ansteht ist ein Neustart des Kapitalismus

    Was „ansteht“, ist das Einrichten einer markt- und geldlosen Gesellschaft, in der nicht getauscht und nach Bedürfnis produziert wird.
    Übrigens schon seit langem, nicht erst jetzt.

    Ich weiß nicht, sollen da historische Notwendigkeiten eingeführt werden oder hat sich der hegelsche Weltgeist ein marktwirtschaftliches Gewand angezogen?

    Daß es nicht mehr so weitergeht wie bisher, ist klar, aber ob die Fortsetzung der gleiche Scheiß in rosarot sein wird oder etwas anderes, das müssen schon die Menschen entscheiden.

  178. 178 Neoprene 23. März 2020 um 18:47 Uhr

    In der Berliner Zeitung stand am 23.3.2020 ein Artikel zur Situation an den Berliner Krankenhäusern. Schon der Titel ist nicht beruhigend: „Kliniken unter Druck“

    Daraus ein paar Zahlen: Die Zahl der Infizierten per 22.3. betrug 1071. Also wirklich noch nicht viel. Aber schon jetzt gibt es mehrere Kliniken, wo die Bestände an Schutzsachen „nur noch wenige Tage“ reichen.

    Insgesamt haben die 60 Berliner Krankenhäuser 22.500 Betten. Davon sind 1.450 auf Intensivstationen. Die Krankenhäuser, in denen Corona-Patienten behandelt werden sollen (sogenannte Level 1 und Level 2 Häuser, insgesamt 12 von den 60 insgesamt) haben für Corona „etwa 80 Isolationsbetten zur Verfügung. Falls der Platz nicht ausreicht, kann Platz in 180 Betten geschaffen werden.“ Ich nehme an, daß das die gesamten Kapazitäten an Betten mit Atemgeräten sind ,die Berlin hat. An der Charité gibt es (davon ?) 56 Betten im ECMO-Zentrum, wo die allerschwersten Atemwegserkrankungen betreut werden können.

    Klingt das nun beruhigend oder stockt einem da dann doch eher der Atem?

    (Die Berliner Zeitung kann man jetzt in der Corona-Krise übrigens in Android- und iOS-Apps kostenlos lesen.)

    Harald Lesch, der bekannte Klimaalarmist hat vor einigen Tagen mal vorgerechnet, wann das deutsche Krankenhauswesen mit neuen Covid-19-Patienten nicht mehr fertig werden wird:
    https://www.youtube.com/watch?v=Fx11Y4xjDwA&feature=youtu.be
    Bei einer weiteren ungehemmten Ausbreitung und einer Erhöhung der Zahl der Infizierten von Tag zu Tag von rund einem Drittel wäre in höchstens zwei Wochen die Maximalzahl von verkraftbaren Neuinfizierten pro Tag von 40.000 in ganz Deutschland erreicht (Bei 28.000 Tausend Intensivbetten kann man mit Mühe die Hälfte für Covid-19 freihalten. Wenn ein Patient jeweils rund eine Woche auf Intensivstation bleiben muß, dürfen pro Tag nur immer rund 2000 Menschen eingeliefert werden. Man schätzt zur Zeit die den Anteil der Infizierten, die so schwer krank werden, daß sie „intensivpflichtig“ sind auf 5 %. Also dürfen sich pro Tag 40.000 Menchen zusätzlich infizieren, damit die Krankenhäuser die verkraften.) Auf Berlin runtergerechnet dürfen sich also pro Tag nur rund 2000 Menschen maximal mit dieser Krankheit infizieren. Da sind wir im Augenblick noch lange nicht. Aber die bange Frage bleibt natürlich, wie lange noch, oder anders wie schnell gelingt es die Zunahme abzuflachen, zum Stillstand bringen läßt sich diese Welle ja wohl schon nicht mehr?

  179. 179 Leser 23. März 2020 um 18:53 Uhr

    Auf contradictio wurde ein FB-Kommentar der Gruppe K (Bochum) gespiegelt

    - Lehre aus der #Corona – Krise:

    über Krankenhäuser:

    Seit Jahren werden in Deutschland Krankenhäuser geschlossen, Krankenhausbetten reduziert. Am Pflegepersonal wird gespart, die Bevorratung mit Heil- und Desinfektionsmitteln sinkt in Praxen, Krankenhäusern und überall geht es um die Vollauslastung der Kapazitäten unter Normalbedingungen – alles gemäß dem gesundheitspolitisch gewollten „Wirtschaftlichkeitsgebot“. Ärzte, Schwestern und auch die Patienten finden das mehrheitlich mindestens lästig bis belastend und in vielen Fällen hinderlich bis gefährlich. Und mancherorts wurde an Kliniken und in Pflegeheimen protestiert und gestreikt für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Patientenversorgung – unter Normalbedingungen. Aber es gilt „nun mal“ und so wird in Deutschland immer wieder darüber diskutiert ob „wir“ nicht „zuviel Krankenhäuser“ haben. Jetzt ist die Corona-Welle im Land mit dem so hochgelobten Gesundheitssystem noch gar nicht richtig angelaufen, da ist die Kapazitätsgrenze schon erreicht (Bericht Monitor 12.3.).

    Die Gründe dafür liegen, wie gesagt, nicht darin, dass es in Deutschland zu wenig Krankenhäuser, (Intensiv-)Betten oder Menschen geben müsste, die im medizinischen Bereich arbeiten könnten. Die Gründe liegen vielmehr in politischen Entscheidungen, wie der medizinische Bereich ausgestaltet sein soll: der Vorgabe, dass auch Krankenhäuser profitabel arbeiten müssen. Deshalb ist es in Deutschland für Krankenhäuser heute ein Problem, Betten für solche Notfälle vorzuhalten (während in den Niederlanden bspw. die Betten in Krankenhäusern wesentlich geringer ausgelastet sind – was übrigens u.a. auch für die wesentlich geringere Ausbreitung von „Krankenhauskeimen“ sorgt). Deshalb wird dann auch dauernd und vor allem am medizinischen Personal gespart. Geringe Löhne und ständig steigende Arbeitsbelastung sorgen dafür, dass Arbeitsplätze in diesem Bereich nicht sonderlich beliebt sind, also „Fachkräfte fehlen“.

    Die schlichte Idee, dass entschieden mehr gezahlt, viel mehr Pflegekräfte ausgebildet und beschäftigt und pro Pflegekraft weniger gearbeitet werden muss in deutschen Kliniken, hilft für das Ziel „Wirtschaftlichkeit“ (Fachausdruck für „Profitablität“) natürlich nicht weiter. Da wirbt der Gesundheitsminister lieber billige Wanderarbeiter in Bosnien, Kosovo und Mexiko ab, die das Lohnniveau hier schön unten halten. Ob die Sprachschwierigkeiten, die die ausländischen Ärzte und Schwestern trotz aller Anstrengungen haben, für einen Krankenhausbetrieb mit geschwächten und alten Patienten vorteilhaft sind, ist dabei ebenso uninteressant wie die Tatsache, dass diese Leute mit ihrer Ausbildung in ihren Heimatländern fehlen.

    Was merken wir uns? Eine ganze Menge sog. „Sachzwänge“ in dieser Welt sind Zwänge, die sich aus politischen Vorgaben und wirtschaftlichen Rechnungen der Nutznießer und „Sachwalter“ ergeben. Die politischen Vorgaben, die wirtschaftlichen Rechnungen und die darüber verbreiteten Vorstellungen dieser Gesellschaft zu verstehen und offenzulegen – das ist eine ganz eigene Aufgabe (über die man wenig in der Schule lernt!).

    https://www.facebook.com/grppk/

    ---

    Übrigens gab es vor nicht mal drei Monaten darüber eine „Debatte“ bei Plasberg, die damals bereits kritisiert wurde:

    https://www.magazin-auswege.de/data/2019/12/Cechura_Krankenhaus.pdf

  180. 180 Lambert 23. März 2020 um 19:11 Uhr

    Mit anderem Namen ging es jetzt.

    @nestor: Wenn du Beiträge schreiben kannst, dann kannst du auch mehr als einmal Beiträge aus der Moderation befreien. Es ist nicht ideal, wenn Beiträge erst erscheinen, wenn die Diskussion schon viel weiter ist und niemand mehr auffällt, dass weiter oben noch ein Beitrag eingefügt wurde.

    „Was „ansteht“, ist das Einrichten einer markt- und geldlosen Gesellschaft, in der nicht getauscht und nach Bedürfnis produziert wird.“

    Nur gibt es halt das Personal nicht, das tut was ansteht und deshalb steht auch nicht an, was ansteht, sondern real was ganz anderes meist ärgerliches systemimmanentes Zeug.

    „Daß es nicht mehr so weitergeht wie bisher, ist klar, aber ob die Fortsetzung der gleiche Scheiß in rosarot sein wird oder etwas anderes, das müssen schon die Menschen entscheiden.“

    Das tun sie auch. Aber weil diese Menschen meist keine Kommunisten sind, ist die Überlegung nicht aus der Welt, dass es wohl der gleiche Scheiß in rosarot sein wird.

    “ Es sterben ja nicht nur Alte, sondern sogar junge und wichtige Personen,“

    Ja schon. Ich glaube eher dass das ARgument ist, dass man es noch nicht recht weiß und nicht recht einschätzen kann. Deshalb ist die Kalkulation mit Menschenleben riskant und kann auch nach hinten losgehen.

  181. 181 Nestor 23. März 2020 um 21:20 Uhr

    Was die Moderation betrifft, so habe ich vor geraumer Zeit Krim, TomGard und Jana gesperrt, weil sie hier herumgepöbelt haben.
    Das hat eben zur Folge, daß sie jetzt in der Moderationsschleife warten müssen. :D
    Außer sie verwenden Decknamen. :D :D

    Ja, mit Prognosen würde ich mich zurückhalten. Also auch nicht darüber philosopheren, was „ansteht.“
    Was natürlich richtig ist, ist die Beobachtung, daß der ganze Kapitalismus bereits vor dem Virus in einem Zustand war, der ein Weiterführen fraglich gemacht hat.
    Aber was jetzt bei dem allen herauskommt, läßt sich eben nicht abschätzen.

    Wahrscheinlich wurde deshalb so viel Klopapier gekauft. Ein Nudelfabrikant aus dem Burgenland erklärt es mit Herdenverhalten: Der desorientierte Käufer sieht es in den Händen seines Vordermannes und denkt sich: Der wird schon wissen, was er tut, ich orientiere mich an ihm.
    Natürlich bleibt nach wie vor die Frage: Warum der Vordermann … ?

    Laßt uns positiv denken: Besser Klopapier als Waffen!

  182. 182 Neoprene 23. März 2020 um 22:07 Uhr

    Noch ein Statement, diesmal von Herrn Drosten, zu den Kapazitätsgrenzen in den deutschen Krankenhäusern:

    „Egal, wie man es rechnet und mit wem man spricht: Wir müssen jetzt unbedingt die Fälle senken. Sonst werden wir es nicht schaffen. Wir kriegen sonst innerhalb von ein paar Wochen genau dieselben Probleme wie in Italien. Wir haben zwar mehr Betten, vielleicht sind wir auch etwas besser ausgebildet. Aber wir haben von dieser guten Intensivmedizin immer noch viel zu wenig. Geht man von den jetzigen Zahlen aus, bräuchte man – selbst konservativ gerechnet – zu den jetzigen Intensiv-Kapazitäten noch mal das Doppelte, um auch nur einigermaßen alle beatmen zu können, die man müsste.“

    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/christian-drosten-coronavirus-pandemie-deutschland-virologe-charite/komplettansicht

  183. 183 Neoprene 23. März 2020 um 22:48 Uhr

    Zum Abschluß für heute noch eine richtig eklige Horrorgeschichte:
    https://www.n-tv.de/panorama/Soldaten-finden-tote-Senioren-in-Heimen-article21663661.html

  184. 184 Lambert 23. März 2020 um 22:51 Uhr

    „Das hat eben zur Folge, daß sie jetzt in der Moderationsschleife warten müssen.“ Das stimmt ja nicht, denn vorher habe ich Kehrer verwendet und da bin ich in der Moderationsschleife gelandet und habe erst dann Krim verwendet, was auch nicht ging. Aber Lambert ging dann auf einmal. Das ist ja auch nicht neu. Bloß einmal am Tag in die Moderation zu schauen ist in diesen Zeiten ein bisschen wenig. Aber egal ich versuch’s weiter mit den Namen, wenn ich gleich erscheinen will.

    „Was natürlich richtig ist, ist die Beobachtung, daß der ganze Kapitalismus bereits vor dem Virus in einem Zustand war, der ein Weiterführen fraglich gemacht hat.“

    Fraglich für wen? Für dich? Dass zuviele Ansprüche auf Verwertung in der Welt sind, und eine Krise oder Entwertung ansteht, darfst du nicht damit verwechseln, dass der Kapitalismus für irgendwen fraglich geworden ist. Sonst hätten wir hier ganz andere Klickzahlen.

    „Ein Nudelfabrikant aus dem Burgenland erklärt es mit Herdenverhalten: Der desorientierte Käufer sieht es in den Händen seines Vordermannes und denkt sich: Der wird schon wissen, was er tut, ich orientiere mich an ihm.“ Nein, das ist nicht der Grund. Oben habe ich das längst rationell erklärt.
    Der Grund ist: Die Leute kaufen das was knapp ist, weil sie denken und das zurecht, dass wenn es knapp ist, sie nichts mehr abkriegen. Es ging Bilder mit leeren Klopapierregalen durch die Medien und am Montag drauf, sind dann alle in die Läden gerannt um sich Klopapier zu sichern. Der Witz ist ja auch, dass ein Klopapierregal schnell leer ist, weil es so groß ist. Kaufen da 4 Leute vier Packungen muss das Regal aufgefüllt werden. ist doch klar, dass sich die Leute damit eindecken, wovon sie glauben, dass es knapp ist oder knapp werden könnte und wenn das durch die Medien geht, kaufen halt alle Klopapier.

    Habe ich das bei Wodard gelesen? Vorübergehend niedrigere Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr, damit es weniger Verletzte im Verkehr gibt und die Krankenhäuser dadurch entlastet werden. Wenn es was bringt – warum nicht?

    „Laßt uns positiv denken: Besser Klopapier als Waffen!“ In New York haben die Edelgeschäfte ihre Schaufenster verbarrikadiert, weil sie Angst vor Plünderungen haben. Die Alternative Waffen oder Klopapier gibt es ja eh nicht. So leicht kommt man nicht an Waffen, selbst auf das mitnehmen von Taschenmessern reagiert die Polizei in letzter Zeit ziemlich paranoid.

  185. 185 Mirko 23. März 2020 um 23:01 Uhr

    „Das hat eben zur Folge, daß sie jetzt in der Moderationsschleife warten müssen.“

    Das stimmt ja nicht, denn vorher habe ich Kehrer verwendet und da bin ich in der Moderationsschleife gelandet und habe erst dann Krim verwendet, was auch nicht ging. Aber Lambert ging dann auf einmal. Das ist ja auch nicht neu. Bloß einmal am Tag in die Moderation zu schauen ist in diesen Zeiten ein bisschen wenig. Aber egal ich versuch’s weiter mit den Namen, wenn ich gleich erscheinen will. Aber nach dem dritten Versuch nervt es ziemlich.

    „Was natürlich richtig ist, ist die Beobachtung, daß der ganze Kapitalismus bereits vor dem Virus in einem Zustand war, der ein Weiterführen fraglich gemacht hat.“

    Fraglich für wen? Für dich? Dass zuviele Ansprüche auf Verwertung in der Welt sind, und eine Krise oder Entwertung ansteht, darfst du nicht damit verwechseln, dass der Kapitalismus für irgendwen fraglich geworden ist. Sonst hätten wir hier ganz andere Klickzahlen.

    „Ein Nudelfabrikant aus dem Burgenland erklärt es mit Herdenverhalten: Der desorientierte Käufer sieht es in den Händen seines Vordermannes und denkt sich: Der wird schon wissen, was er tut, ich orientiere mich an ihm.“

    Nein, das ist nicht der Grund. Oben habe ich das längst rationell erklärt.
    Der Grund ist: Die Leute kaufen das was knapp ist, weil sie denken und das zurecht, dass wenn es knapp ist, sie nichts mehr abkriegen. Es gingen Bilder mit leeren Klopapierregalen durch die Medien und am Montag drauf, sind dann alle in die Läden gerannt, um sich Klopapier zu sichern. Der Witz ist ja auch, dass ein Klopapierregal schnell leer ist, weil eine Packung mit 8 Rollen so groß ist. Kaufen da 4 Leute vier Packungen muss das Regal aufgefüllt werden. Ist doch klar, dass sich die Leute damit eindecken, wovon sie glauben, dass es knapp ist oder knapp werden könnte und wenn das durch die Medien geht, kaufen halt alle Klopapier.

    Habe ich das bei Wodard gelesen? Vorübergehend niedrigere Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr, damit es weniger Verletzte im Verkehr gibt und die Krankenhäuser dadurch entlastet werden. Wenn es was bringt – warum nicht?

    „Laßt uns positiv denken: Besser Klopapier als Waffen!“

    In New York haben die Edelgeschäfte ihre Schaufenster verbarrikadiert, weil sie Angst vor Plünderungen haben. Die Alternative Waffen oder Klopapier gibt es ja eh nicht hierzulande. So leicht kommt man nicht an Waffen, selbst auf das mitnehmen von Taschenmessern reagiert die Polizei in letzter Zeit ziemlich paranoid.

  186. 186 Neoprene 23. März 2020 um 23:11 Uhr

    „Vorübergehend niedrigere Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr, damit es weniger Verletzte im Verkehr gibt und die Krankenhäuser dadurch entlastet werden.“
    Das war Frau Mölling.

  187. 187 Peer 24. März 2020 um 6:48 Uhr

    Wer einmal fassungslos erleben durfte, dass selbst im norddeutschen Gro0stadt-Umfeld eine Klinik eine Lungenembolie nicht erkannt hat [und das betrifft nur die Diagnostik…], der wird sich vermutlich etwas weniger darüber wundern, dass das massenhaftem Auftreten der Schädigung der Lunge durch das neue Virus in der Lage ist, jedes kapitalistische Krankenhaussystem kollabieren zu lassen. Da dürfte vermutlich Norditalien erst der Anfang gewesen sein. [Die deutsche Spezialität von Lungenfachkliniken existiert übrigens auch nicht allenthalben.]

    Und zwar ist der konkrete Krankheitsverlauf beim schweren Auftreten in der Lunge beim Pandemievirus ganz anders und viel „pflegepersonal-intensiver“ als beim bloßen Auftreten vieler Grippefälle, obwohl auch die bereits in der Lage sind, das Krankenhaussystem ordentlich durcheinander zu bringen.
    Wer also etwas Geduld beim Zuhören hat, das Spezifische solcher Lungenintensivbehandlungen wird auch hier deutlich
    https://www.ardmediathek.de/ndr/player/Y3JpZDovL25kci5kZS8yZTllNTM0Yi0zNTM2LTQzZmQtOGExYi01ODhmYTY5YjAxNTE/das-mit-dem-pneumologen-martin-ehlers

    Statistiken über Mortalitätsraten diverser Lungenerkrankungen (z.B. der Vergleich mit den Todesfällen bei der normalen Grippe) unterschlagen im Regelfall den enormen Personalaufwand, den die Beatmung beim schweren Auftreten des Pandemie-Virus beinhaltet. Dann geht nichts anderes mehr – und ein funktionierendes (sonstiges) Gesundheitssystem ist für das normale Funktionieren der hiesigen Scheiße zumindestens in der BRD notwendig. Dass ganze Länder am Umgang mit Seuchen kollabieren, mag ja beim Ebola-Virus in Afrika als Normalität gelten. Hierzulande ist das aber nicht so.

    [Im Original des NDR-DAS-Interviews mit dem Lungenfacharzt ist übrigens ein Einspieler zu sehen, dass gestern 50 Lungenfachörzte ausgerechnet aus dem armen Cuba ausgerechnet in die „reiche Lombardei“ geschickt worden sind. Das hätte sich die Blödmänner von der Lega Nord vermutlich auch nicht vorstellen mögen…]

  188. 188 Peer 24. März 2020 um 7:31 Uhr

    Wie der kapitalistische Staat mit Seuchen umgeht, das lässt sich gut nachlesen.

    a) Über Seuchen in Drittweltstaaten:
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/ebola

    b) Zu den staatlichen Seuchenvorschriften etcpp.
    in der BRD (Wie also gesetzlich diese Krankheitslage an den Betroffenen definiert wird)
    – vgl. die MSZ von 1987 zu einem anderen Virus
    „Vom Aufstieg einer Viruskrankheit zur Staatsaffäre“

    https://msz.gegenstandpunkt.com/sites/msz.gegenstandpunkt.com/files/artikel/pdf/87_7_aids.pdf

  189. 189 TomGard 24. März 2020 um 8:22 Uhr

    Nestor,
    ich gebe dir recht, ein Herumtappen in „Reset“-Debatten ist zumindest derzeit daneben, also lösch mein Zeug dazu, falls du’s noch nicht getan hast :)

  190. 190 libelle 24. März 2020 um 8:54 Uhr

    „Was natürlich richtig ist, ist die Beobachtung, daß der ganze Kapitalismus bereits vor dem Virus in einem Zustand war, der ein Weiterführen fraglich gemacht hat.“

    Fraglich für wen? Für dich? Dass zuviele Ansprüche auf Verwertung in der Welt sind, und eine Krise oder Entwertung ansteht, darfst du nicht damit verwechseln, dass der Kapitalismus für irgendwen fraglich geworden ist.

    Nur dass die Verwertungsansprüche, die in der Welt sind und die jetzt zusammengestrichen werden ein Ausmaß erreicht haben, dass der Zusammenbruch des Kapitalismus droht. Es wird also zu Zwangsbewirtschaftung kommen, die den Zweck hat die Kapitalakkumulation wieder in Gang zu bringen. Jetzt kann man sich streiten, ob das noch Kapitalismus ist oder nicht. Naja – Kapitalakkumulation wird keine mehr stattfinden (im Unterschied zu früheren Krisen).

    Solchen Aussagen entgegenzuhalten, dass eigentlich Kommunismus anstünde ist albern. Der steht nicht an, weil sich kein Schwein dafür interessiert. Das, was „ansteht“ ist eine Frage dessen, was sich an durchsetzungsfähigen Interessen in der Gesellschaft tummelt.

  191. 191 Scheißhausphilosoph 24. März 2020 um 8:58 Uhr

    Ich habe da eine These zum Klopapier: Das wird in normalen Zeiten regelmässig beim Arbeitgeber geklaut, in einem Umfang, dass das trotz der geringen Wertsumme von diesem bemerkt wird. Mit Homeoffice ist das nicht mehr möglich und grössere Arbeitgeber kaufen das auch nicht im Detailhandel ein – also eine Verschiebung.

  192. 192 Peer 24. März 2020 um 9:25 Uhr

    Nachdem in China bereits langsam wieder zur normalität zurückgekehrt wird, möchte ich dafür plädieren, mit Prognosen auch über Zusammenbrüche etc.pp sich zurückzuhalten. Das ist wirklich eine lästige Leier, die hier und bei Walgesang ununterbrochen seit zig Jahren angestimmt ist. Und diese Leier ist das Spiegelbild dazu. allenthalben Fortschrittsmomente aufspüren zu wollen (so wie im trotzkistisch bewegten „Funke“ typischerweise derzeit).

    Und eure Einkaufstipps: Die gibts doch sowieso bereits überall im Netz. (Eigentlich gibt es dort fast n u r so was.)

  193. 193 Neoprene 24. März 2020 um 9:52 Uhr

    „Solchen Aussagen entgegenzuhalten, dass eigentlich Kommunismus anstünde ist albern. Der steht nicht an, weil sich kein Schwein dafür interessiert. Das, was „ansteht“ ist eine Frage dessen, was sich an durchsetzungsfähigen Interessen in der Gesellschaft tummelt.“

    Mir geht es genau andersrum: Was jetzt die gesamte Linke an entweder unbedingt „notwendigen“ Maßnahmen oder realistisch noch „vernünftigen“ Sachen propagiert, das ist für mich albern.

  194. 194 Neoprene 24. März 2020 um 9:57 Uhr

    „Prognosen auch über Zusammenbrüche“ machen zur Zeit in erster Linie Börsianer, da fallen die paar Blogkommentare wohl kaumins Gewicht.

  195. 195 libelle 24. März 2020 um 10:10 Uhr

    @Peer – setz‘ die GSP Brille ab. Es steht ein Zusammenbruch an. Dafür braucht man ungefähr so viel Prognosefähigkeit wie dabei davon auszugehen, dass man nach dem Schlafengehen irgenwann wieder aufwacht. Und nein, kein Mensch verbindet das mit einem Fortschrittsglauben, wir stehen also nicht auf Seite 123 im GSP und du kannst aufhören daraus vorzulesen. Ausgenommen ist natürlich die Annahme, dass die Widersprüche in dieser Gesellschaft für ihren Fortschritt sorgen.

    Wie oben von TomGuard z.B. behauptet gibt es einen Widerspruch zwischen Weltmarkt und Nationalstaat (der übrigens in die aktuelle Überakkumulation hineingeführt hat, weil die Staaten eben unter Einsatz ihres Nationalkredits in allen bisherigen Krisen (seit Aufhebung des Goldstandards) dafür gesorgt haben, dass bei ihnen keine oder wenig Entwertung stattfindet, indem sie sich verschuldet-, d.h. Teile der in Krisen fehlenden Zahlungsfähigkeit erzeugt haben)).

    Die CoVid19 Krise steht damit in Verbindung. Sie ist willkommener Anlass Maßnahmen der Krisenbewältigung unter Berufung auf sie als Titel einzuleiten. Ob das der Politik bewusst ist, steht auf einem anderen Blatt. Sie nimmt einfach den Finanzierungsbedarf ihrer durch den Shutdown in Mitleidenschaft gezogenen nationalen Ökonomie zur Kenntnis und legt entsprechend große Programme auf. Und ich spekuliere, dass den politischen Eliten nicht entgeht, dass sie hier eine Möglichkeit geboten bekommen Maßnahmen, die wegen ihrer Verschuldung und ihres Geld Druckens fällig sind (und nicht wg. Corona) jetzt mit der Legitimation einer Naturkatastrophe (der Seuche) einzuleiten.

    edit:

    Und eure Einkaufstipps: Die gibts doch sowieso bereits überall im Netz. (Eigentlich gibt es dort fast n u r so was.)

    Na und?

  196. 196 Peer 24. März 2020 um 10:36 Uhr

    Außer Moralsprüchen, welche Brille man auf- oder absetzen solle, ist hier anscheinend nichts zu erwarten.

  197. 197 libelle 24. März 2020 um 11:30 Uhr

    Außer Moralsprüchen, welche Brille man auf- oder absetzen solle, ist hier anscheinend nichts zu erwarten.

    Was erwartest du? GSP Referate? Ewiges Wiederkäuen dessen, was der GSP für wichtig hält und was nicht, auf welcher Seite seiner Elaborate wir einsortiert gehören? Du hast uns doch in die Kritik der GSP-Fortschrittslinken einsortieren wollen.
    Du ziehst doch die Grenze zwischen Spekulation und Tatsache und dir fällt nichteinmal auf, dass auch du spekulierst.

  198. 198 Peer 24. März 2020 um 11:43 Uhr

    Nein.

    Ich habe nur darauf hingewiesen, dass in China wieder mehr poduziert wird. Welche Folgen das, weltwirtschaftlich betrachtet, haben wird, kann kein Mensch wissen.

    Besonders „spekulativ“ scheint es mir übrigens zu sein, wenn man damit argumentiert, angesichts von offiziellen Plänen zwecks Verschärfung von Notstandsbestimmungen damit zu argumentieren, man habe es schon im Gefühl gehabt, dass ein Anlass für einen Neustart gesucht werde. Hier ist die einzige Grundlage Krims Gefühlsleben.

  199. 199 Peer 24. März 2020 um 11:50 Uhr

    @ Neprene

    Dass Börsianer Zusammenbruchstheorien wälzen. Wen wunderts. Dass etliche Teile der „Realwirtschaft“ davon notwendig auch betroffen gemacht werden, erhellt schon dadurch, dass Realkapital und Finanzkapital ja gar nicht zu trennen sind.

    Also reißt ein Crash bei de Finanzern etliche weitere Abteilungen der Gesellschaft mit sich, und ob man dafür wieder „Rettungsschirme“ wird bauen können, wer weiß.

    Das ist übrigens n i c h t dieselbe Auskunft wie die von Krim, amgesichts von Spahns Plänen über einen zügigeren Katastrophenschutz habe man immer schon im Gefühl gehabt, das alles könne nicht gut gehen, dee Staat ersehne eine Katastrophe, gottseidank für den Staat sei sie nun da, und das habe man im Gefühl.

    Hier bekommt Krims Gefühlsleben eine Autorität, die Argumente aus grauen Heften vermutlich nie werden toppen können … :-)

    @ Libelle – ich wollte nur darauf hinweisen, dass unklar ist, wie es ausgeht. Falls du dich also in eine Linie mit Fortschrittslinken einsortiert siehst, nehme ich das explizit zurück.

    edit – die eine Einkaufsliste wird mit der Gesundheit und dem Virus begründet, die andere damit, dass der Zusammenbruch des Kapitalismus dohe und deswegen müsse man jetzt horten.
    Einem Tatort-Krimi vor einem Jahr habe ich entnommen, das dgl. als „Prepper“ schon eine richtige Gruppe bilde. Oh sorry, schon wieder habe ich was in Töpfe einsortiert.
    In Wahrheit kalkuliert also jedes freie Individuum jeden freien Einkauf. Ganz frei!
    (nestors jeweilige Anmerkungen über das Essverhalten haben mich eben einfach mehr interessiert als solche öden Listen.)

  200. 200 Neoprene 24. März 2020 um 11:57 Uhr

    „Dass Börsianer Zusammenbruchstheorien wälzen. Wen wunderts.“
    Natürlich nicht alle: Bei all den Riesenwetten von Bridgewater z.B. (und die sind sicher nur die bekanntesten) gibt es ja andere Börsianer, die die Position haben, man sind das Schißhasen, es wird doch alles gut und wir verdienen uns deshalb dumm und dämlich an den Pessimisten.

  201. 201 Phineas 24. März 2020 um 13:04 Uhr

    Das Virus als Trittbrett:

    Coronadämmerung
    24. März 2020 Mathias Bröckers

    https://www.heise.de/tp/features/Coronadaemmerung-4688132.html

  202. 202 bertram 24. März 2020 um 13:16 Uhr

    „Das ist wirklich eine lästige Leier, die hier und bei Walgesang ununterbrochen seit zig Jahren angestimmt ist“

    Bei Walgesang wird meines Wissens keine Zusammenbruchsdiskussion geführt.

    „Und eure Einkaufstipps: Die gibt’s doch sowieso bereits überall im Netz. „

    Alles gibt es irgendwo schon im Netz, so gesehen könnte man ganz die Klappe halten. Im Netz gibt es vielleicht Einkaufstips, aber sicher nicht „unsere Einkaufstips“, wie du das diffamierend nennst. Immer der gleiche Mist. Kein Gegenargument wissen – aber bäh schreien. Dabei ist im Netz viel Blödsinn unterwegs. Z.B. Man soll nicht hamstern. – Da sag ich: wenn nicht jetzt, wann dann. Ein gewisser, größerer Vorrat nicht verderblicher Lebensmittel ist durchaus rationell. Soll man sich mal nicht aufspielen, weil das Klopapier fehlt und es zusätzlich noch durch dumme Psychologen falsch erklären lassen – Herdentrieb usw., man lässt sich anstecken usw. (mit dem sogenannten Hamstervirus). Es gibt auch rationelle Erklärungen im Netz, interessiert aber offensichtlich nicht, deshalb verzichte ich auf das Zitat.

    „Es wird also zu Zwangsbewirtschaftung kommen, die den Zweck hat die Kapitalakkumulation wieder in Gang zu bringen.“

    Kommt bloß drauf an warum? Dass jetzt mit allerlei Zwangsmitteln, z.B. Beschaffung von 6 Mio. Atemmasken durch die Bundeswehr, die dann trotzdem in Kenia auf dem Flughafen verschwinden, Zwangsverpflichtung von Pensionären, Zivis usw. das Gesundheitssystem bewirtschaftet wird stimmt. Aber im Moment wird Geld in die Wirtschaft geblasen, damit es nicht zur Zwangsbewirtschaftung der restlichen Wirtschaft kommt.

    „Wie oben von TomGuard z.B. behauptet gibt es einen Widerspruch zwischen Weltmarkt und Nationalstaat“

    Dazu hat Tritin gestern bei „unter den Linden“ lediglich gesagt, dass man einerseits überprüfen muss was als systemrelevant anzusehen ist und im eigenen Land produziert werden muss und dass man gleichzeitig z.B. was Forschung betrifft international sich vernetzen muss und solche Fälle international managen muss.

    „Die CoVid19 Krise steht damit in Verbindung. Sie ist willkommener Anlass Maßnahmen der Krisenbewältigung unter Berufung auf sie als Titel einzuleiten. Ob das der Politik bewusst ist, steht auf einem anderen Blatt. „

    Ja richtig, das steht auf einem anderen Blatt. Im Moment ist es noch nicht so. Aber andererseits gebe ich dir recht. Murphys Gesetz wird auch da zuschlagen: Scheiße die passieren kann, passiert auch. Covid19 wird als unwidersprechlicher Titel zur Rechtfertigung von Härten benutzt werden. Andererseits sind der Phantasie bei der Erfindung von Ideologien sowieso keine Grenzen gesetzt, insofern wird sich immer eine besonders triftige Rechtfertigung für ein Gesetz finden lassen.

    “ das alles könne nicht gut gehen, dee Staat ersehne eine Katastrophe, gottseidank für den Staat sei sie nun da, und das habe man im Gefühl.“

    Das habe ich nicht gesagt, das entspringt deiner Phantasie. Hier bekommen Peers fantastische Ergüsse eine Autorität, die Argumente vermutlich nie werden toppen können … Meinst ich weiß nicht, dass ich mich durch solche Äußerungen angreifbar mache? Und dir fällt dazu nur ein, was eh offensichtlich ist, dass nämlich ein Gefühl kein Argument ist. Manchmal stellt sich eben raus, dass man mit dem Gefühl falsch gelegen hat manchmal aber auch nicht. Das zu ergründen, wäre dann angesagt. Aber nicht die dämliche Herablassung,gegen alles, was nicht nach GSP riecht.

    “ dass der Zusammenbruch des Kapitalismus dohe und deswegen müsse man jetzt horten.“

    Diese Begründung habe ich noch nie gehört. Da scheinst ja wohl du derjenige zu sein, entweder der zu viel Phantasie hat oder der sich auf zu viel Seiten mit Netzblödsinn rumtreibt. Dass der Kapitalismus im Unterschied zur Wirtschaft zusammenbricht, sagen ja eh bloß Linke.

  203. 203 Peer 24. März 2020 um 13:47 Uhr

    Libelles Antwort habe ich entnomme, dass manches Argumentieren sich hier auf Stellungnahme(n) von TomGard bezog, die ich anscheinend irgendwie verpasst habe, vielleicht war sie auch in den ellenlangen Hinweisen von NN aufgelistet.
    Mag auch in einem anderen Thread stecken.
    Hat hemand einen link zu einem aktuellen wichtigen Beitrag von TG, wenn ihr euch alle anscheinend schon darauf bezieht?
    Vielleicht nutzt es was, das mal ganz old school mäßig, Zeile für Zeile, zu überprpfen?

  204. 204 Neoprene 24. März 2020 um 15:07 Uhr

    „Dass jetzt mit allerlei Zwangsmitteln, z.B. Beschaffung von 6 Mio. Atemmasken durch die Bundeswehr, … das Gesundheitssystem bewirtschaftet wird stimmen“

    Nein, mich wundert andersrum, wie wenig „Zwangsmittel“ es gibt. Das Beschaffungsamt der Bundeswehr hat keine einzige Schutzmaske beschlagnahmt, sondern wie sonst auch immer einfach nur im Internet bestellt. Es fällt jedenfalls mir auf, daß selbst elemantarste Organisationsmaßnahmen gerade nicht durchgezogen werden: Gibt es einen Stab, der ermittelt, wer denn hierzulande (oder auch EU-weit, wir hatten ja bis gerade eben die europäische Einheit) zusätzlich dringend benötigtes Zeugs herstellen könnte? Nein gibt es nicht, da geht der blöde Trigema-Chef ins Fernsehen und bietet seine Produktionskapazitäten für Masken an, interessiert wohl Spahn & Co. kein bißchen. Da regt ein Hersteller von Desinfektionsmitteln an, 50 KG Tonnen Basisflüssigkeit an Abnehmer zu verschicken, die dann daraus benutzbare Portionen herstellen könnten (Schnapsbrennereien z.B.) und er stößt auf taube Ohren. In GB hat Johnson führende Industriekonzerne gefragt, ob die nicht zusätzliche Beatmungsgeräte produzieren könnten, in Deutschland habe ich von etwas Gleichwertigem noch kein Wort gehört.
    Und von Zwangsmaßnahmen, Fabrikbeschlagnahmen, Umwidmung von Einrichtungen, die für Corona-Tests in Frage kommen oder auch nur der Beschlagnahmung alle noch vorhandenen Gegenstände für den Personenschutz, um das dann geplant nach Dringlichkeit an die Praxen, Krankenhäuser und Pflegeheime usw. zu verteilen, ist überhaupt nichts zu sehen.

  205. 205 Paco 24. März 2020 um 15:10 Uhr

    Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat?
    Renate Dillmann, 24. März 2020

    Im Augenblick überschlagen sich sowohl die Nachrichten wie die Diskussionen. Es passiert viel und es passiert schnell – der Ausgang ist offen. Insofern ist klar, dass auch vieles schnell in Vergessenheit geraten wird. Entscheidungen, ihre Reihenfolge, ihre Gründe wie ihre Konsequenzen – all das geht unter in dem „dynamischen Geschehen“, in dem wir uns befinden. Es ist daher wichtig – auch im Hinblick auf eine spätere Analyse – einige „Scharnierstellen“ des bisherigen Verlaufs festzuhalten.

    Zugleich will der Artikel eine Frage aufwerfen: Wie ist die „ernste Lage“, die die Kanzlerin in ihrer Rede an das Volk zitiert hat, überhaupt zustande gekommen?

    Diese „Lage“ ist nämlich nicht – wie das Wort suggeriert – einfach „vorgefunden“, ganz ohne das Zutun der politischen Entscheider, die umgekehrt einzig und allein für das „Lösen der Probleme“ zuständig sein sollen… (Forts.):

    https://www.heise.de/tp/features/Angst-vor-dem-Virus-Vertrauen-auf-den-Staat-4688810.html?seite=all

    ---

    Vielleicht kannst du daraus einen neuen Thread aufmachen? Und die anderen Threads zu Corona zumachen?
    Oder liegt dir was an der Debatte über die Lage von Venedig oder Mailand, falls es die in diesen Threads überhaupt gab?

    --

    Ooops – den Thread gibt es schon, aber bei Walgesang, sehe ich gerade …
    http://neoprene.blogsport.de/2020/03/24/angst-vor-dem-virus-vertrauen-auf-den-staat-dillmann-bei-telepolis/

    Und dass die eigentlichen, hintergründigen, oberwichtigen, strukturellen, finanzkapitalistischen prioritären Gründe im Hintergrund noch sehr viel wichtiger seien – lässt sich doch nun superklasse bei Walgesang diskutieren ….

  206. 206 Gustavo 24. März 2020 um 16:32 Uhr

    Ein Literaturhinweis: Pflegekräfteimperialismus Deutschlands in Zeiten von Corona, Klaus Hecker, auf der Seite
    „labournet“

  207. 207 Nestor 24. März 2020 um 17:42 Uhr

    @Gustavo

    Hinweise bitte verlinken, sonst schaut sie keiner an.

    Die Moderationsschleife kann was! So leicht kommt keiner durch.

    @Krim

    Es ist ja ok, wenn du seriöse Sachen postest, irgendwann befreie ich deine Beiträge auch. Bitte nicht so ungeduldig. :-)
    Ein großer Influencer will ich gar nicht werden, dafür ist weder dieser Blog noch mein YouTube-Kanal geeignet.
    Ich habe übrigens einen:
    https://www.youtube.com/user/RadioVekks

    @Paco

    Ich habe nicht vor, irgendenen Thread „zuzumachen“, und behalte mir immer noch vor, zu was ich einen aufmache.
    Meine Praxis ist die, wenn es ca. 200 Posts zu einem Thread gibt, einen neuen zum gleichen Thema aufzumachen.

    Um zum Thema selbst etwas zu vermelden: Von 2 Seiten weiß ich, daß z.B. in Rehab-Zentren überhaupt nicht getestet wird. Es gibt offenbar kaum Test-Ausrüstung in Österreich, und China scheint be den Lieferungen andere Prioritäten zu haben.
    Außerdem sind die Fracht-Kapazitäten der AUA offenbar beschränkt, weil sie nur Passagiermaschinen haben.

    Angesichts dessen ist die Geschwindigkeit, mit der die Kurve der erfaßten Fälle bei uns in die Höhe geht, höchst beunruhigend, weil „die im Dunkeln sieht man nicht“.

  208. 208 bertram 24. März 2020 um 17:44 Uhr

    “ sondern wie sonst auch immer einfach nur im Internet bestellt. „

    Wo hast du das her, dass die Masken im Internet bestellt wurden.
    Das halte ich bei 6 Millionen Stück doch für unwahrscheinlich.

    „Der Krisenstab der Bundesregierung hatte das Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz beauftragt, den Einkauf von Schutzmaterial für das Gesundheitsministerium logistisch unterstützen.“

    Also wurde das nicht von der Bundeswehr bestellt, sondern vom Krisenstab und die Bundeswehr sollte das dann transportieren, wenn ich „logistische Unterstützung“ richtig verstehe.

    „Es fällt jedenfalls mir auf, daß selbst elemantarste Organisationsmaßnahmen gerade nicht durchgezogen werden: „

    Das fällt mir allerdings auch auf. Einerseits lassen sie sich allerlei Zwangsmaßnahmen genehmigen. Andererseits werden sogar freiwillige Lieferangebote ausgeschlagen. Das ist nicht zu begreifen. Da gebe ich dir völlig recht.

  209. 209 Neoprene 24. März 2020 um 17:55 Uhr

    „Wo hast du das her, dass die Masken im Internet bestellt wurden?“
    Gut, war eine Kurzform für: Da rufen die ein zwei weltweit agierende Großhändler an und das soll es gewesen sein??

    „Also wurde das nicht von der Bundeswehr bestellt, sondern vom Krisenstab“
    Nein, das Kriegsministerium schreibt stolz selber:
    „Das BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr leistet Amtshilfe für das Bundesgesundheitsministerium. Binnen zwei Wochen wurde medizinisches Material im Wert von 241 Millionen Euro beschafft.“
    https://www.bmvg.de/de/aktuelles/corona-pandemie-bundeswehr-beschafft-medizinisches-material-224904

  210. 210 Neoprene 24. März 2020 um 18:00 Uhr

    Der oben erwähnte Artikel von Klaus Hecker ist hierzu lesen:
    https://www.labournet.de/wp-content/uploads/2020/03/Hecker220320.pdf

  211. 211 Neoprene 24. März 2020 um 19:05 Uhr

    Hecker hat noch einen Artikel bei labournet:
    „Der böse Virus und die guten Krisenmanager“
    https://www.labournet.de/wp-content/uploads/2020/03/Hecker200320.pdf

  212. 212 bertram 24. März 2020 um 19:53 Uhr

    „Nein, das Kriegsministerium schreibt stolz selber:“ „In der Coronakrise zeigen sich nicht nur Bürgerinnen und Bürger solidarisch – auch die Bundesministerien unterstützen einander, wo es nur geht.“ LOL – Ja sapperlot, da arbeiten die Bundesministerien doch tatsächlich in der Krise zusammen. Das scheint ja dann im Normalfall nicht so zu sein. Oder wie soll man diese Erfolgsmeldung verstehen.

  213. 213 Neoprene 24. März 2020 um 22:00 Uhr

    ntv:
    „Das spanische Militär hat die Nato wegen der Corona-Krise um Hilfe gebeten. Spanien brauche Unterstützung bei der medizinischen Versorgung, erklärte das Militärbündnis. Demnach bat Madrid um 500.000 Test-Kits, 500 Beatmungsgeräte sowie 1,5 Millionen OP-Masken und 450.000 Atemschutzmasken.

    In Spanien steigen die Zahl der Neuansteckungen und der Todesopfer trotz einer vor zehn Tagen verhängten Ausgangssperre weiter an. Am Dienstag meldete das Land insgesamt fast 2700 Todesfälle. In den vergangenen 24 Stunden seien 514 weitere Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid mit. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen erhöhte sich den Angaben zufolge um fast 20 Prozent auf knapp 40.000.“
    https://www.n-tv.de/panorama/Spanien-bittet-Nato-um-medizinische-Hilfe-article21666399.html

    Zu Italien:
    „Im bisher am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Land war die Zahl der Todesopfer am Dienstag binnen eines Tages um 743 auf 6820 angestiegen. Damit ist die Zahl nach einem geringeren Anstieg am Montag (602 Tote) und Sonntag (650) wieder deutlich nach oben gesprungen. Am Samstag war mit 793 Todesfällen die höchste Zahl an einem einzigen Tag vermeldet worden. Mittlerweile wurde bei 69.176 Menschen das Coronavirus nachgewiesen. Am Montag lag die Zahl der bestätigten Infektionen noch bei 63.927.“
    https://www.n-tv.de/panorama/Italien-erhoeht-Strafen-fuer-Ausgangs-Verstoesse-article21666272.html

  214. 214 Neoprene 24. März 2020 um 22:22 Uhr

    Gute Übersicht über das Tempo der Ausbreitung in den unterschiedlichen Staaten:
    https://www.ft.com/coronavirus-latest
    Diesmal sogar umsonst!

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