Klimawandel, Fortsetzung 3

RETTET DEN PLANETEN!

Der Klimawandel ist inzwischen von den verschiedensten Interessensgruppen als Rechtstitel entdeckt worden, um dem eigenen Anliegen mehr Nachdruck zu verleihen: Von der Autoindustrie über die Parteienkonkurrenz zu den Systemgegnern.

Alle möglichen Maßnahmen erhalten das Ettikett „Klimawandel“ aufgeklebt, von Hochwassermaßnahmen in Venedig über den Bau von Elektroautos bis hin zu Steuererhöhungen.

Es wäre gut, wenn man bei den geposteten Beiträgen ein bißl eine Struktur hineinbringen könnte …


24 Antworten auf „Klimawandel, Fortsetzung 3“


  1. 1 Neoprene 16. November 2019 um 18:08 Uhr

    Beispiel Venedig:
    Dort kam es zu einer Sturmflut. Das hat per se erstmal gar nichts mit Meeresspiegelanstieg sondern mit Atmosphäre und Winden zu tun, interessiert die Medien natürlich nicht die Bohne.
    Dort, wo die Küste an der Adria stabil ist (also keine vertikalen Bewegungstrends vorliegen, zum Beispiel GIA (postglaziale Anpassungsprozesse), steigt der Meeresspiegel seit hundert Jahren mit 1,2mm pro Jahr an. Venedig gehört aber letztlich zum Podelta, und das versinkt langsam im Meer, teils weil sich die Sedimente dort seit der letzten Eiszeit verdichten, teils weil dort in den letzten Jahrzehnten zuviel Grundwasser für die Landwirtschaft verbraucht wurde. In Venedig ist der relative Meeresspiegelanstieg mit 2,5 mm pro Jahr sogar noch gering (und in den letzten 20 Jahren hat es sogar gar keinen Anstieg sondern eher ein Absinken gegeben, sowas geht halt nicht linear von statten sondern wird von allerlei zyklischen Prozessen beeinflußt (NAO, schon mal gehört?)), bei Ravenna sind es sogar 8,5 mm.
    (habe ich gestern gefunden mit einer Suche nach „msl rise adriatic sea“: https://core.ac.uk/download/pdf/33155996.pdf)
    Mir rund 1,2 mm pro Jahr steigt der Meerespsiegel im Mittelmeer insgesamt übrigens ein bißchen weniger als global, wo es rund 1,5 mm sind.

  2. 2 Nestor 17. November 2019 um 10:44 Uhr

    Diese Kreuzfahr-Riesen beschädigen auch durch ihren Wellengang die Molen, spülen sie von unten aus, und haben möglicherweise auch auf diese Hochwasserschutzbauten bei dem Lido Auswirkungen.

    Irgendwelche Gründe muß es geben, warum an denen ewig gebaut wird und nix weitergeht.

  3. 3 Nestor 17. November 2019 um 10:47 Uhr

    Angesichts dessen fällt mir wieder einmal dieses Lied ein – hat zwar nicht direkt was mit dem Klimawandel direkt zu tun, aber mit der zerstörerischen Wirkung des Euro, der sich auch um Kulturgüter nicht schert:
    https://www.youtube.com/watch?v=CZLcD9cKk8o

  4. 4 Cilly 17. November 2019 um 10:52 Uhr

    Grünes kapitalistisches Wachstum soll ja mit Elektromobilität erfolgen. Dazu will die BRD erwartungsgemäß ihren Standort als Konkurrenzvorteil aufmöbeln.

    „Zum Klimaschutz: Nach Brandenburg kommt er nicht in Form von Verkehrswende, Baumpflanzungen oder neuen Bahnverbindungen, sondern in Form einer gigantischen Fabrik zur Herstellung von batteriebetriebenen Quasi-Geländewagen, dem SUV Model Y von Tesla, das in seiner »Performance«-Version immerhin auf 240 Stundenkilometer kommt. In den USA kostet das Modell bis zu 60 000 Dollar, seine Käufer dürften hierzulande daher von der E-Auto-Kaufprämie von 5000 Euro profitieren. Tesla-Chef Musk, laut Finanzdienst Bloomberg auf der Welt-Reichsten-Liste an Nummer 33, kann also damit rechnen, dass der deutsche Staat ihm bei der Verkaufsförderung finanziell beisteht.“

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1128711.tesla-von-der-wall-street-nach-gruenheide.html

  5. 5 Neoprene 17. November 2019 um 11:08 Uhr

    „Diese Kreuzfahr-Riesen beschädigen auch durch ihren Wellengang die Molen, spülen sie von unten aus, und haben möglicherweise auch auf diese Hochwasserschutzbauten bei dem Lido Auswirkungen.“

    Die Hauptschädigung liegt in der Vertiefung und Verbreiterung der Zufahrt durch die Lagune. Dadurch kann ein Sturmtief das Wasser besser reindrücken und die Maximalpegel sind tendenziell höher als früher.
    Das gleiche Problem hat Hamburg wegen der Elbmündung, die halt per se schon ganz schön breit ist.
    Das „MOSE“ nicht fertig ist liegt einerseits an dem gigantischen Umfang des Projekts (hat schon 6 Mrd Euro verschlungen) aber wohl hauptsächlich daran, daß die beteiligten Firmen wegen Korruptionsvorwürfen lange nicht weitermachen konnten oder wollten. Und wegen Kompetenzrangeleien in der Gegend hat man die angeblich schon zu 93 % fertigen Wehre jetzt erst gar nicht hochgefahren, was sicherlich auch nicht geholfen hat.

  6. 6 Nestor 17. November 2019 um 11:23 Uhr

    Die ganze Standortpolitik läuft langsam auf Grund, wenn die Infrastruktur verfällt.

    Eine Bekannte von mir reiste kürzlich mit Bahn und Flugzeug durch Deutschland, ihre Reisebeschreibung klang nach 3. Welt.

    Man merkt daran, wie verlogen das ganze Elektroauto-Getue ist und hier verzweifelt nach einer Sparte gesucht wird, wo man mit etwas Förderung noch ganz viel Kohle machen kann.

  7. 7 Cilly 17. November 2019 um 11:41 Uhr

    Das Argumentieren in so einem Blog kann man auf unterschiedliche Weise einstellen. Man zitiert Reiseberichte von sonstwem sonstwo, oder lässt YouTube-Liedchen trällern.

    Selber trällere ich nun erst einmal lieber in meiner eigenen Badewanne.

  8. 8 Nestor 17. November 2019 um 13:09 Uhr

    Ich muß dazu sagen, daß ich den Thread aus Gefälligkeit erstellt habe, für andere, und mich mit anderen Themen beschäftige.
    Daher auch keine besondere Argumentationsbemühung.

  9. 9 Kehrer 18. November 2019 um 9:08 Uhr

    „Man merkt daran, wie verlogen das ganze Elektroauto-Getue ist und hier verzweifelt nach einer Sparte gesucht wird, wo man mit etwas Förderung noch ganz viel Kohle machen kann.“
    Kann ich nur bestätigen. Ich hab sogar das Gefühl, die Politiker suchen nach einem Weg der Autoindustrie, von der sie Angst haben, dass sie an Bedeutung verliert, das Geld in den Hintern zu blasen. Für E-Autos in der BRD interessiert sich kein Schwein. Da müsste man die Ladeinfrastruktur mit viel Geld ausbauen. Das wird aber nicht gemacht – bis jetzt.

    Aber großmächtig Sanktionen gegen Russland verhängen bzw. nicht aufheben, das machen sie trotzdem, obwohl es nicht das bringt, was es bringen soll. Irgendwann macht sich das bemerkbar und jetzt ist es soweit. Us-Zölle, ausfallender Iranhandel, Schadensersatz im Ausland wegen Dieselskandal, usw. das sind alles kleine Dämpfer für das Wachstum und insgesamt summieren sie sich.

  10. 10 Nestor 18. November 2019 um 10:50 Uhr

    Ich muß vielleicht noch nachschieben, wie ich auf meine 2 Beiträge komme, die Cilly als zu assoziativ bzw. minderwertig bekrittelt hat.

    Wenn selbst die angemaßte Führungsmacht der EU nicht imstande oder willens ist, ihre Infrastruktur halbwegs in Schuß zu halten, wie sollen dann irgendwelche Maßnahmen gegen Klimawandel möglich sein, noch dazu in Zusammenarbeit mit imperialistischen Rivalen?
    Schon daher ist klar, daß alles, was unter Steuer/Förderung usw. „wegen des Klimas“ läuft, reine Standortförderung bzw. Abzocke sein muß. Und auch das ist widersprüchlich, weil des bis zur Krise DAS Credo in der EU war, daß die wichtigste Form der Standortpflege der Ausbau der Infrastruktur ist.
    Nicht ganz zu Unrecht, übrigens.

  11. 11 Neoprene 18. November 2019 um 10:56 Uhr

    „Ich hab sogar das Gefühl, die Politiker suchen nach einem Weg der Autoindustrie, von der sie Angst haben, dass sie an Bedeutung verliert, das Geld in den Hintern zu blasen.“
    Die Politiker sind doch keine Auto-Freunde per se. Die subventionieren den Einstieg/Umstieg in die E-Technologien doch in erster Linie, weil sie befürchten, daß sonst die deutsche Paradeindustrie, von der maßgeblich die Weltmarktstellung der BRD abhängt, abgehängt werden könnte. So Sprüche wie, „wer jetzt nicht in die Zukunft investiert, hat sie schon verloren“, rattert da doch noch jeder zweite Artikel runter.
    Ja, für E-Autos „interessiert“ sich kein Schwein. Weil sie halt doppelt so teuer sind wie die „normalen“ Autos. Die sind schon für die meisten zu teuer, die elektrischen natürlich erst recht.
    Und, ja, es gibt auch keine Lade-Infrastruktur für E-Autos. die Industrie sagt zurecht, wofür denn, wenn keiner die Autos will. Und die Regierung sagt, aber ihr wollt die doch verlaufen, dann müßt ihr auch den Strom liefern können. Der Staat will halt wieder mal eine profitable Weltmarktindustrie aber kosten darf die nicht allzuviel.

  12. 12 Nestor 18. November 2019 um 11:21 Uhr

    Aber das ganze hat auch etwas von einem Credo an sich, das aus der Verzweiflung geboren wird.
    Ja, wir wollen dabei sein, wenn alle E-Autos machen.
    Aber ob die sich dann weiter als Rückgrat der deutschen Industrie erweisen, also für den Erfolg derselben garantieren, ist noch keineswegs ausgemachte Sache.

    Weil erstens muß die einmal wer kaufen, und solange die Kraftsoffgetriebenen ausgereift und bewährt sind, werden die Leute die kaufen.
    Je mehr die mit Steuern und Abgaben belastet werden, um so mehr wird der Verkauf eben zurückgehen.
    Das kann man natürlich auch als luftverbessernden Beitrag zum Klima begreifen, ich bezweifle aber, daß das die Absicht der Politik ist.

  13. 13 Neoprene 18. November 2019 um 11:55 Uhr

    „das ganze hat auch etwas von einem Credo an sich, das aus der Verzweiflung geboren wird.Ja, wir wollen dabei sein, wenn alle E-Autos machen.“
    Ich finde „Verzweiflung“ falsch. Es ist halt immer so, wenn sich abzeichnet, daß eine neue Technologie Zukunft hat, das damit noch lange nicht feststeht, welche Firma, welcher Standort etwas von dieser Zukunft haben wird. Warren Buffett soll mal davon geredet haben, daß schon in den Dreißigern allen klar war, daß die Flugzeugindustrie Zukunft hat. Dann hat er eine Liste mit einigen Dutzend Flugzeugfirmen ins Publikum gehalten und erzählt, daß es von denen in den 60ern keine einzige mehr gegeben hat. „Ausgemachte Sache“ ist bei der erbitterten imperialistischen Konkurrenz der Staaten und Konzerne eben gar nichts.

  14. 14 Kehrer 19. November 2019 um 0:34 Uhr

    „Die Politiker sind doch keine Auto-Freunde per se.“ Da muss man sich aber schon ziemlich anstrengen, um meine Worte so misszuverstehen. Nein, die Politiker sind in erster Linie natürlich Deutschlandfreunde und weil Deutschland Autoland ist sind sie auch Freunde der Kapitalisten, die mit Autos ihr Geschäft machen. Dass sich für E-autos in Deutschland kein Schwein interessiert, hießt übrigens nicht, dass das Autokapital nicht in diese Sparte investiert und auch welche baut, aber halt nicht für den deutschen Markt in erster Linie, sondern für die internationale Nachfrage. Da ist die Einschätzung jetzt: Elektro kommt. Also muss man da mitmachen und am besten gleich in führender Position. Der Weltmarkt wird Elektroautos nachfragen. Ob in Deutschland in naher Zukunft Elektroautos in nennenswerten Umfang rumfahren, interessiert von diesem Standpunkt erst in zweiter Linie.

    „Schon daher ist klar, daß alles, was unter Steuer/Förderung usw. „wegen des Klimas“ läuft, reine Standortförderung bzw. Abzocke sein muß. „

    Kam auch in „die Anstalt“. Dort wurde erklärt wie die EEG-Umlage funktioniert. Anschaun.

    „Aber ob die sich dann weiter als Rückgrat der deutschen Industrie erweisen, also für den Erfolg derselben garantieren, ist noch keineswegs ausgemachte Sache.“

    Eher im Gegenteil. Es ist jetzt schon abzusehen, dass E-Autos mit noch weniger Arbeitskräften hergestellt werden können, weil die Technik mit den Elektromotoren einfach ist. Dann besteht so ein Auto großenteils aus Akkus, die bis jetzt aus dem Ausland kommen. Erst jüngster Zeit wurde in Deutschland eine Akkufabrik eröffnet.

    „Weil erstens muß die einmal wer kaufen, und solange die Kraftsoffgetriebenen ausgereift und bewährt sind,“

    Bewährt sind die E-autos auch. Da kann man gute 300 000 km und mehr mit fahren. Die Reichweite ist noch etwas niedrig.

    “ „Ausgemachte Sache“ ist bei der erbitterten imperialistischen Konkurrenz der Staaten und Konzerne eben gar nichts.“

    Das stimmt. Kapitalmacht(größe) ist zwar nach wie vor ein Vorteil, aber halt keine Garantie.

  15. 15 Nestor 21. November 2019 um 23:34 Uhr

    Die Zukunft der E-Autos scheint mir auch teilweise herbeigeredet zu sein: Wir wollen, daß sich das als Rettungsanker auf einem stagnierenden Markt erweist, und dann wollen wir vorne mit dabei sein!

  16. 16 Cilly 28. November 2019 um 7:48 Uhr

    Anlässlich des „Global Day of Climate Action“ am 29. November

    Unzufrieden mit der Klimapolitik?

    „Die Bundesregierung hat dem 1,5°-Ziel eine Absage erteilt. Das akzeptieren wir nicht!“
    Dann akzeptiert es nicht! Und stellt euch darauf ein, dass dann noch ein bisschen was anderes fällig ist, wenn ihr an dieser Verweigerung wirklich festhalten wollt.

    https://de.gegenstandpunkt.com/dossier/klima

    ---

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Fridays_for-Future-Bewegung-2019.html

    http://neoprene.blogsport.de/2019/06/09/klimawandel-fridays-for-future-gsp-und-kritik/#comment-126027

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/24/debatte-zum-klimawandel/#comment-37692

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/24/debatte-zum-klimawandel/#comment-37620

  17. 17 Nestor 29. November 2019 um 22:39 Uhr

    Ich zittere schon vor Cilly, was er/sie mir wieder an Themaverfehlung vorwerfen wird, aber seis drum:

    Ausgebrannter Tesla in Tirol: Entsorgung von Batterien ist ein Riesenproblem
    https://industriemagazin.at/a/ausgebrannter-tesla-in-tirol-entsorgung-von-batterien-ist-ein-riesenproblem

    Gibts eigentlich irgendwen, der ernsthaft dran glaubt, daß diese Art von Autos klimaschonend sein kann?

  18. 18 Cilly 30. November 2019 um 7:30 Uhr

    China hat beschlossen, dass, seines Umweltdrecks (Smog) wegen, zukünftig nur noch E-Autos in China herumfahren dürfen. (Das hat mit der ‚Planetenrettung‘ aus Sicht des chinesischen Staates also wohl eher weniger zu tun.)

    Obendrein wollen die chinesischen Kapitalisten so die Technologie der deutschen Autobauer mit dazu benutzen, dass Chinas Mobilität der Standard des 21. Jahrhunderts weltweit werden soll – anstatt dass China nur Autos auf den Weltmarkt bringt, die sich dort bisher nicht gut durchsetzen konnten. Mit E-Mibilität will China also Trendsetter für den zukünftigen Weltmarkt werden.

    „Mehr als siebeneinhalb Milliarden Menschen leben zurzeit auf der Erde. Zusammen besitzen sie über eine Milliarde Autos. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Kraftfahrzeuge weltweit verdoppeln.“
    https://programm.ard.de/?sendung=287242316318947&first=1

    Also wollen deutsche Autokonzerne, anstatt diesen riesigen Markt abzuschreiben (das würde diese Weltkonzerne, deren Geschäft in den USA gleichfals bedroht ist, nämlich vermutlich mittelfristig in die Insolvenz stürzen), dabei mittun.
    (Dafür werden staatlicherseits ein paar Köpfe ausgetauscht – was ehemals Herr Wissmann dem Publikum als nationale Autostrategie verdolmetschte
    https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Wissmann#Kritik
    - das besorgt ihm nun Frau Hildegard Müller.)

    So passt dann der früher verhasste Umsteg auf E-Mobilität anscheinend nun in ein neues Geschäftsmodell.

    Der Verbraucher darf sich das dann als Mittun bei der ökologischen Wende einleuchten lassen.

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Klimapaket-2019.html

  19. 19 Cilly 30. November 2019 um 8:22 Uhr

    Dass die systematische Reihenfolge den angeblichen ‚König Kunden‘ mit seinem Gefühl, er sei der Veursacher der Weltgeschichte (und nicht deren Produkt, mit all seinen neuesten Vorlieben) eines falschen Bewusstseins überführt, das erläutert Stephan Kaufmann am Fitness-Wahn der modernen aufgeklärten „selbst-regulierten“ Bürger

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1129352.hassliebe-trimm-dich-pfad-am-arbeitsplatz.html

    Dasselbe kann man auch bereits daran nachvollziehen, wie die Instrumente Schreibmaschine bzw. Bestellzettel inzwischen im Alltag als Gewohnheit des Gebrauchs von Internet und Handy nicht nur Mittel der Geschäftspilitik der Weltkonzerne geworden sind.
    [Sondern, wie auch der Fitness-Wahn, nicht selten zu Sinnsuche und Religionsersatz des Individuums geworden sind. Inklusive der Besprechung als moderne Suchtmittel.]

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/18/geldpolitik-ein-sehr-ueberschaetztes-vehikel-zur-steuerung-der-marktwirtschaft/#comment-37729

  20. 20 aktüll 05. Dezember 2019 um 11:22 Uhr

    Flugblatt anlässlich der Klimaproteste am 29.11.2019 von „Kritik im Handgemenge Berlin“, organisiert bei den Gruppen gegen Kapital und Nation:

    Klimapolitik – noch schlechter als ihr Ruf

    Der weltweite Protest von Fridays For Future fordert von der Politik ein, das einzuhalten, was sie sich vorgenommen hat. Dafür kriegt er viel Lob und Unterstützung. Komischerweise auch von denen, die der Protest kritisiert. Die Lage ist ernst. Da wäre es klug, sich damit auseinander zu setzen, an wen man da appelliert.

    30 Jahre Klimapolitik – deren Ergebnisse und Gründe – geben Aufschluss darüber, dass der Staat kein guter Ansprechpartner ist, wenn es darum geht, den Planeten zu retten. (…)

    Mensch und Natur – wofür sind sie gut?

    Die Wirtschaft – wofür ist die gut?

    Umweltschutz – was kostet der Abfall?

    Klimapolitik – was kostet die Welt? (…)

    Fazit – Mit Klimapolitik in die Klimakrise?

    So ging und geht die Klimapolitik voran. Maßnahmen, die Kostennachteile für die eigene Volkswirtschaft bringen, werden schlichtweg vermieden. Maßnahmen, die die eigene Volkswirtschaft voranbringen, zum Beispiel wenn sie Absatzmärkte für eigene „grüne“ Weltmarkt-Champions eröffnen, werden durchgezogen. Der technische Fortschritt ist dabei als Mittel für neues kapitalistisches Wachstum wie immer voll eingeplant – einmal als Mittel für Weltmarktexpansionen nationaler Produkte, und einmal als Hoffnungsträger für zukünftige technische Innovationen. So besteht in der Politik die leise Hoffnung, dass mit einer Erfindung „made in Germany“ der Klimawandel oder seine Folgen abgewendet werden können. Dann erübrigen sich auch Entscheidungen, die schwer fallen, zum Beispiel strenge Emissionsgrenzen.

    Das alles meint Merkel, wenn sie die Klimaproteste für ihr ehrenwertes Anliegen lobt und zugleich daran erinnert, dass Vieles zu bedenken ist. „Wir müssen Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft auf der einen Seite mit den Zielen des Klimaschutzes versöhnen.“ Und etwas anderes ist auch nicht abzusehen, wenn sich derzeit Bündnis90/Die Grünen fit für die Machtübernahme machen. Trittin als Umweltminister hat in dieser Hinsicht schon mal gezeigt, was zu erwarten ist (Atomausstieg mit langen Laufzeiten, Abwehr von Vorschlägen aus Frankreich für weitergehende Klima-Ziele).

    Klimapolitik geht also, aber sie geht in einer kapitalistischen Nationalökonomie eben so. Dass das ausreichen würde, um Kipppunkte zu vermeiden, ist nicht sehr wahrscheinlich. Von daher ist eine Umweltbewegung, die sich an die Politik wendet, verkehrt. Vielleicht werden durch die Klimapolitik dauerhaft klimaschädliche Stoffe reduziert. Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Und wenn, dann mit allen beschriebenen Nebenwirkungen moderner Politik. Es steht daher an, sich gegen die Zwecke und Ziele der herrschenden Politik zu richten. Appelle an Politik und Wirtschaft der Sorte „strengt euch bitte mehr an“ sind dagegen völlig fehl am Platze.

    http://www.trend.infopartisan.net/trd1219/t191219.html

    ---

    Guterres, Vorsitzender der „Vereinten Nationen“(UN) als ohnmächtiger klimapolitischer Mahner gegenüber mehr oder weniger machtvollen UN-Mitgliedstaaten auf der Madrider Klimakonferenz am 2.12.19

    (…) Ihm könnte geläufig sein, dass die Rücksichtslosigkeit gegen die natürlichen Bedingungen gezielt als internationaler Wettbewerbs- und Bereicherungshebel von den Nationen eingesetzt wird, denen sein klimamoralischer Zeigefinger gilt: die USA haben sich ausdrücklich verabschiedet von allen Konventionen zur Rücksichtnahme aufs Klima, weil die unbeschränkte Nutzung von Fossilem der nationalen und internationalen Geschäftsmächtigkeit der US-Kapitale ungeahnten Auftrieb geben soll; Australien denkt nicht daran, von seinem Exportschlager Kohle, eine entscheidende Quelle von Treibhausgasen, abzulassen oder die Förderung derselben auch nur einzuschränken, usw…

    Genauso wenig, wie es die Menschheit als Verantwortliche für Klimazerstörerisches gibt, genauso wenig gibt es einen Krieg gegen die Natur. Die Natur wird von kapitalistischen Nationalökonomien in einer Weise ihren Geldvermehrungsinteressen unterworfen, dass dies zwar mit einem Vergreifen an den gesellschaftlichen materiellen Lebensgrundlagen einhergeht, aber als Vorsatz regelrechter Naturvernichtung ist dies eher einer naturmoralischen Sicht eigen. (…)

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Guterres_auf_Madrider-Klimakonferenz-Dez_2019.html

    ---

    https://www.magazin-auswege.de/data/2019/06/Schuster_Die_freitaeglichen_Klimastreiks.pdf

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/24/debatte-zum-klimawandel/#comment-37466

  21. 21 Jonathan 09. Dezember 2019 um 11:13 Uhr

    Das Etikett „Klimapolitik“ ist auch in Madrid nur das Label für imperialistisches Gerangel, wie zur Halbzeit der Klima-Konferenz aus Madrid berichtet wird:

    „Brasilien ist ein Vorbild für die Welt des Umweltschutzes“, sagte der brasilianische Umweltminister Ricardo Salles vor seiner Abreise zur UN-Klimakonferenz in Madrid. Aus dieser Selbsteinschätzung leitete Salles eine sehr konkrete Forderung ab: „Zumindest stehen uns jährlich etwa zehn Milliarden US-Dollar zu.“ Um sicherzustellen, dass das Geld kommt, verbringt Salles die vollen zwei Wochen der Konferenz in Madrid.

    Die zehn Milliarden sind aus Salles’ Sicht Brasiliens Anteil an den 100 Milliarden Dollar, die die Industriestaaten von 2020 an zugunsten der Entwicklungsländer „mobilisieren“ wollen. Ein großer Teil der Summe soll von privaten Investoren kommen, die selbst entscheiden, wo sie investieren. „Die Verhandlungen sind von einer dünnen Schicht Zynismus bedeckt“, sagte Sam van den Plas von der Umweltorganisation Carbon Market Watch der Badischen Zeitung.

    Damit nicht genug: Brasilien will im neu zu schaffenden Markt für den CO2- Ausgleich die Möglichkeit haben, Verschmutzungszertifikate zu verkaufen und dieselben Emissionsminderungen dann auf sein Klimaziel anrechnen. Damit würde jede eingesparte Tonne CO2 doppelt gezählt. Saudi-Arabien unterstützt die Forderung. Außerdem will Brasilien alte Zertifikate aus einem Mechanismus des Kyoto-Protokolls in den neuen Markt hinüberretten. Solche Papiere sind zurzeit fast wertlos, aber es gibt sehr viele davon: Zertifikate im Gegenwert von vier Milliarden Tonnen CO2, rund zehn Prozent der weltweiten Emissionen. Hier erfährt Brasilien Unterstützung von China und Indien, die viele Ramschpapiere besitzen. Manche Forderung dürfte Brasilien nur aus verhandlungstaktischen Gründen stellen. Nur welche? „Es ist noch unklar, welche Ziele Brasilien genau verfolgt“, sagte Franz Perrez, der Leiter der Schweizer Delegation.

    Verflogen ist jedenfalls die anfängliche Begeisterung über die Ankündigung der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Europa bis zum Jahr 2050 „zum ersten klimaneutralen Kontinent“ zu machen. Ein Entwurf für den sogenannten European Green Deal zeigt, dass die EU wohl erst im Oktober über ihr neues Ziel für das Jahr 2030 entscheiden wird. Das ist zu spät für den EU-China-Gipfel, der im September 2020 in Leipzig stattfinden wird. In Leipzig sollten eigentlich die EU und China neue Klimapläne ankündigen. Doch wenn die EU sich kein neues Ziel setzt, wird China kaum in Vorlage gehen. „Diese Gelegenheit wird verschwendet ohne ein neues EU-Klimaziel“, sagt Li Shuo von der Umweltorganisation Greenpeace China. Dabei sei der Gipfel besonders wichtig: „Das ist keine EU-interne Angelegenheit, sondern von globaler Bedeutung.“

    Die Entwicklungsländer fordern, dass ein Fonds geschaffen wird, der für die Schäden und Verluste durch künftige Naturkatastrophen aufkommt. Insbesondere die USA und Australien, aber auch Russland lehnen einen solchen Fonds ab. Eine Einigung ist daher schwierig. Ob sich das auf die anderen Verhandlungsthemen bei der Klimakonferenz auswirken wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Das Thema Verluste und Schäden sei „sehr emotional“, Prognosen daher schwierig, sagte ein europäischer Delegierter der Badischen Zeitung.“ 7.12.19

    https://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/unklar-welche-ziele-brasilien-genau-verfolgt--180304126.html

    ---
    Dünn ist die Schicht Zynismus über der „Verhandlungsmasse“ wohl deswegen, weil allenthalben breit hervorscheint, dass der Klimawandel so nicht verlangsamt werden wird. Dass auch ein brasilianischer Minister dieses Label so berechnend im Munde führt, scheint allenthalben als ganz normal zu gelten. Oder ist das überhaupt gar die Wahrheit über den Klimaprotest der Jugend?

    Bitter ist es nämlich schon, dass selbst die jugenlichen Klimaaktivisten zu derartigen imperialistischen Konferenzen reichlich friedlich gesinnt anreisen, um sich dort ausgerechnet als (un-?) passende Highlights für die statlichen Händel von den Staatschefs feiern und so ablichten zu lassen …

    https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/uno-2010-bis-2019-das-wohl-heisseste-jahrzehnt-der-geschichte/

  22. 22 Jonathan 09. Dezember 2019 um 12:13 Uhr

    Resümee von euractiv:

    Der verlangsamte Anstieg (!) der CO2-Emissionen im Jahr 2019 ist nach Einschätzung der Forscher vom Global Carbon Project unter anderem auf das verlangsamte Wirtschaftswachstum und eine geringere Kohlenutzung in den USA und der EU zurückzuführen. Stattdessen sei aber mehr Erdöl und vor allem mehr Erdgas genutzt worden.

    Wirtschaftliche Stagnation bzw. Krise – führen nicht mal zum Rückgang der CO2-Emissionen. Sondern zu einem Anstieg. So viel zur Lage.

  23. 23 Neoprene 09. Dezember 2019 um 12:23 Uhr

    „Wirtschaftliche Stagnation bzw. Krise – führen nicht mal zum Rückgang der CO2-Emissionen. Sondern zu einem Anstieg. So viel zur Lage.“

    Da würde ich mir wirklich keine sorgen machen. Wenn es zu einem richtigen Crash kommt, was ja viele für nicht allzuweit in der Zukunft liegend halten, ich ja auch, dann werden die CO2-Emissionen schon sinken. Ob wenigstens das was Positives sein wird, scheint mir zudem fraglich ist dann aber praktisch unerheblich.

  24. 24 Neoprene 09. Dezember 2019 um 12:27 Uhr

    „Ramschpapiere“ im Zusammenhang mit CO2-Emissionen ist eine besondere Blüte:
    Auch diese Papiere sind nur so viel wert, wie diejenigen, bei denen man mit dem Vorzeigen solcher Papiere meint, einen Punkt machen zu können, das auch so sehen. Da es aber um lauter unabhängige Staaten geht, deren Konsens in Umweltfragen de facto ja gegen Null geht, geht eben auch der „Wert“ von Papieren, die auf früheren Übereinkünften beruhen, gegen Null.

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