Klimawandel, Fortsetzung 3

RETTET DEN PLANETEN!

Der Klimawandel ist inzwischen von den verschiedensten Interessensgruppen als Rechtstitel entdeckt worden, um dem eigenen Anliegen mehr Nachdruck zu verleihen: Von der Autoindustrie über die Parteienkonkurrenz zu den Systemgegnern.

Alle möglichen Maßnahmen erhalten das Ettikett „Klimawandel“ aufgeklebt, von Hochwassermaßnahmen in Venedig über den Bau von Elektroautos bis hin zu Steuererhöhungen.

Es wäre gut, wenn man bei den geposteten Beiträgen ein bißl eine Struktur hineinbringen könnte …


131 Antworten auf „Klimawandel, Fortsetzung 3“


  1. 1 Neoprene 16. November 2019 um 18:08 Uhr

    Beispiel Venedig:
    Dort kam es zu einer Sturmflut. Das hat per se erstmal gar nichts mit Meeresspiegelanstieg sondern mit Atmosphäre und Winden zu tun, interessiert die Medien natürlich nicht die Bohne.
    Dort, wo die Küste an der Adria stabil ist (also keine vertikalen Bewegungstrends vorliegen, zum Beispiel GIA (postglaziale Anpassungsprozesse), steigt der Meeresspiegel seit hundert Jahren mit 1,2mm pro Jahr an. Venedig gehört aber letztlich zum Podelta, und das versinkt langsam im Meer, teils weil sich die Sedimente dort seit der letzten Eiszeit verdichten, teils weil dort in den letzten Jahrzehnten zuviel Grundwasser für die Landwirtschaft verbraucht wurde. In Venedig ist der relative Meeresspiegelanstieg mit 2,5 mm pro Jahr sogar noch gering (und in den letzten 20 Jahren hat es sogar gar keinen Anstieg sondern eher ein Absinken gegeben, sowas geht halt nicht linear von statten sondern wird von allerlei zyklischen Prozessen beeinflußt (NAO, schon mal gehört?)), bei Ravenna sind es sogar 8,5 mm.
    (habe ich gestern gefunden mit einer Suche nach „msl rise adriatic sea“: https://core.ac.uk/download/pdf/33155996.pdf)
    Mir rund 1,2 mm pro Jahr steigt der Meerespsiegel im Mittelmeer insgesamt übrigens ein bißchen weniger als global, wo es rund 1,5 mm sind.

  2. 2 Nestor 17. November 2019 um 10:44 Uhr

    Diese Kreuzfahr-Riesen beschädigen auch durch ihren Wellengang die Molen, spülen sie von unten aus, und haben möglicherweise auch auf diese Hochwasserschutzbauten bei dem Lido Auswirkungen.

    Irgendwelche Gründe muß es geben, warum an denen ewig gebaut wird und nix weitergeht.

  3. 3 Nestor 17. November 2019 um 10:47 Uhr

    Angesichts dessen fällt mir wieder einmal dieses Lied ein – hat zwar nicht direkt was mit dem Klimawandel direkt zu tun, aber mit der zerstörerischen Wirkung des Euro, der sich auch um Kulturgüter nicht schert:
    https://www.youtube.com/watch?v=CZLcD9cKk8o

  4. 4 Cilly 17. November 2019 um 10:52 Uhr

    Grünes kapitalistisches Wachstum soll ja mit Elektromobilität erfolgen. Dazu will die BRD erwartungsgemäß ihren Standort als Konkurrenzvorteil aufmöbeln.

    „Zum Klimaschutz: Nach Brandenburg kommt er nicht in Form von Verkehrswende, Baumpflanzungen oder neuen Bahnverbindungen, sondern in Form einer gigantischen Fabrik zur Herstellung von batteriebetriebenen Quasi-Geländewagen, dem SUV Model Y von Tesla, das in seiner »Performance«-Version immerhin auf 240 Stundenkilometer kommt. In den USA kostet das Modell bis zu 60 000 Dollar, seine Käufer dürften hierzulande daher von der E-Auto-Kaufprämie von 5000 Euro profitieren. Tesla-Chef Musk, laut Finanzdienst Bloomberg auf der Welt-Reichsten-Liste an Nummer 33, kann also damit rechnen, dass der deutsche Staat ihm bei der Verkaufsförderung finanziell beisteht.“

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1128711.tesla-von-der-wall-street-nach-gruenheide.html

  5. 5 Neoprene 17. November 2019 um 11:08 Uhr

    „Diese Kreuzfahr-Riesen beschädigen auch durch ihren Wellengang die Molen, spülen sie von unten aus, und haben möglicherweise auch auf diese Hochwasserschutzbauten bei dem Lido Auswirkungen.“

    Die Hauptschädigung liegt in der Vertiefung und Verbreiterung der Zufahrt durch die Lagune. Dadurch kann ein Sturmtief das Wasser besser reindrücken und die Maximalpegel sind tendenziell höher als früher.
    Das gleiche Problem hat Hamburg wegen der Elbmündung, die halt per se schon ganz schön breit ist.
    Das „MOSE“ nicht fertig ist liegt einerseits an dem gigantischen Umfang des Projekts (hat schon 6 Mrd Euro verschlungen) aber wohl hauptsächlich daran, daß die beteiligten Firmen wegen Korruptionsvorwürfen lange nicht weitermachen konnten oder wollten. Und wegen Kompetenzrangeleien in der Gegend hat man die angeblich schon zu 93 % fertigen Wehre jetzt erst gar nicht hochgefahren, was sicherlich auch nicht geholfen hat.

  6. 6 Nestor 17. November 2019 um 11:23 Uhr

    Die ganze Standortpolitik läuft langsam auf Grund, wenn die Infrastruktur verfällt.

    Eine Bekannte von mir reiste kürzlich mit Bahn und Flugzeug durch Deutschland, ihre Reisebeschreibung klang nach 3. Welt.

    Man merkt daran, wie verlogen das ganze Elektroauto-Getue ist und hier verzweifelt nach einer Sparte gesucht wird, wo man mit etwas Förderung noch ganz viel Kohle machen kann.

  7. 7 Cilly 17. November 2019 um 11:41 Uhr

    Das Argumentieren in so einem Blog kann man auf unterschiedliche Weise einstellen. Man zitiert Reiseberichte von sonstwem sonstwo, oder lässt YouTube-Liedchen trällern.

    Selber trällere ich nun erst einmal lieber in meiner eigenen Badewanne.

  8. 8 Nestor 17. November 2019 um 13:09 Uhr

    Ich muß dazu sagen, daß ich den Thread aus Gefälligkeit erstellt habe, für andere, und mich mit anderen Themen beschäftige.
    Daher auch keine besondere Argumentationsbemühung.

  9. 9 Kehrer 18. November 2019 um 9:08 Uhr

    „Man merkt daran, wie verlogen das ganze Elektroauto-Getue ist und hier verzweifelt nach einer Sparte gesucht wird, wo man mit etwas Förderung noch ganz viel Kohle machen kann.“
    Kann ich nur bestätigen. Ich hab sogar das Gefühl, die Politiker suchen nach einem Weg der Autoindustrie, von der sie Angst haben, dass sie an Bedeutung verliert, das Geld in den Hintern zu blasen. Für E-Autos in der BRD interessiert sich kein Schwein. Da müsste man die Ladeinfrastruktur mit viel Geld ausbauen. Das wird aber nicht gemacht – bis jetzt.

    Aber großmächtig Sanktionen gegen Russland verhängen bzw. nicht aufheben, das machen sie trotzdem, obwohl es nicht das bringt, was es bringen soll. Irgendwann macht sich das bemerkbar und jetzt ist es soweit. Us-Zölle, ausfallender Iranhandel, Schadensersatz im Ausland wegen Dieselskandal, usw. das sind alles kleine Dämpfer für das Wachstum und insgesamt summieren sie sich.

  10. 10 Nestor 18. November 2019 um 10:50 Uhr

    Ich muß vielleicht noch nachschieben, wie ich auf meine 2 Beiträge komme, die Cilly als zu assoziativ bzw. minderwertig bekrittelt hat.

    Wenn selbst die angemaßte Führungsmacht der EU nicht imstande oder willens ist, ihre Infrastruktur halbwegs in Schuß zu halten, wie sollen dann irgendwelche Maßnahmen gegen Klimawandel möglich sein, noch dazu in Zusammenarbeit mit imperialistischen Rivalen?
    Schon daher ist klar, daß alles, was unter Steuer/Förderung usw. „wegen des Klimas“ läuft, reine Standortförderung bzw. Abzocke sein muß. Und auch das ist widersprüchlich, weil des bis zur Krise DAS Credo in der EU war, daß die wichtigste Form der Standortpflege der Ausbau der Infrastruktur ist.
    Nicht ganz zu Unrecht, übrigens.

  11. 11 Neoprene 18. November 2019 um 10:56 Uhr

    „Ich hab sogar das Gefühl, die Politiker suchen nach einem Weg der Autoindustrie, von der sie Angst haben, dass sie an Bedeutung verliert, das Geld in den Hintern zu blasen.“
    Die Politiker sind doch keine Auto-Freunde per se. Die subventionieren den Einstieg/Umstieg in die E-Technologien doch in erster Linie, weil sie befürchten, daß sonst die deutsche Paradeindustrie, von der maßgeblich die Weltmarktstellung der BRD abhängt, abgehängt werden könnte. So Sprüche wie, „wer jetzt nicht in die Zukunft investiert, hat sie schon verloren“, rattert da doch noch jeder zweite Artikel runter.
    Ja, für E-Autos „interessiert“ sich kein Schwein. Weil sie halt doppelt so teuer sind wie die „normalen“ Autos. Die sind schon für die meisten zu teuer, die elektrischen natürlich erst recht.
    Und, ja, es gibt auch keine Lade-Infrastruktur für E-Autos. die Industrie sagt zurecht, wofür denn, wenn keiner die Autos will. Und die Regierung sagt, aber ihr wollt die doch verlaufen, dann müßt ihr auch den Strom liefern können. Der Staat will halt wieder mal eine profitable Weltmarktindustrie aber kosten darf die nicht allzuviel.

  12. 12 Nestor 18. November 2019 um 11:21 Uhr

    Aber das ganze hat auch etwas von einem Credo an sich, das aus der Verzweiflung geboren wird.
    Ja, wir wollen dabei sein, wenn alle E-Autos machen.
    Aber ob die sich dann weiter als Rückgrat der deutschen Industrie erweisen, also für den Erfolg derselben garantieren, ist noch keineswegs ausgemachte Sache.

    Weil erstens muß die einmal wer kaufen, und solange die Kraftsoffgetriebenen ausgereift und bewährt sind, werden die Leute die kaufen.
    Je mehr die mit Steuern und Abgaben belastet werden, um so mehr wird der Verkauf eben zurückgehen.
    Das kann man natürlich auch als luftverbessernden Beitrag zum Klima begreifen, ich bezweifle aber, daß das die Absicht der Politik ist.

  13. 13 Neoprene 18. November 2019 um 11:55 Uhr

    „das ganze hat auch etwas von einem Credo an sich, das aus der Verzweiflung geboren wird.Ja, wir wollen dabei sein, wenn alle E-Autos machen.“
    Ich finde „Verzweiflung“ falsch. Es ist halt immer so, wenn sich abzeichnet, daß eine neue Technologie Zukunft hat, das damit noch lange nicht feststeht, welche Firma, welcher Standort etwas von dieser Zukunft haben wird. Warren Buffett soll mal davon geredet haben, daß schon in den Dreißigern allen klar war, daß die Flugzeugindustrie Zukunft hat. Dann hat er eine Liste mit einigen Dutzend Flugzeugfirmen ins Publikum gehalten und erzählt, daß es von denen in den 60ern keine einzige mehr gegeben hat. „Ausgemachte Sache“ ist bei der erbitterten imperialistischen Konkurrenz der Staaten und Konzerne eben gar nichts.

  14. 14 Kehrer 19. November 2019 um 0:34 Uhr

    „Die Politiker sind doch keine Auto-Freunde per se.“ Da muss man sich aber schon ziemlich anstrengen, um meine Worte so misszuverstehen. Nein, die Politiker sind in erster Linie natürlich Deutschlandfreunde und weil Deutschland Autoland ist sind sie auch Freunde der Kapitalisten, die mit Autos ihr Geschäft machen. Dass sich für E-autos in Deutschland kein Schwein interessiert, hießt übrigens nicht, dass das Autokapital nicht in diese Sparte investiert und auch welche baut, aber halt nicht für den deutschen Markt in erster Linie, sondern für die internationale Nachfrage. Da ist die Einschätzung jetzt: Elektro kommt. Also muss man da mitmachen und am besten gleich in führender Position. Der Weltmarkt wird Elektroautos nachfragen. Ob in Deutschland in naher Zukunft Elektroautos in nennenswerten Umfang rumfahren, interessiert von diesem Standpunkt erst in zweiter Linie.

    „Schon daher ist klar, daß alles, was unter Steuer/Förderung usw. „wegen des Klimas“ läuft, reine Standortförderung bzw. Abzocke sein muß. „

    Kam auch in „die Anstalt“. Dort wurde erklärt wie die EEG-Umlage funktioniert. Anschaun.

    „Aber ob die sich dann weiter als Rückgrat der deutschen Industrie erweisen, also für den Erfolg derselben garantieren, ist noch keineswegs ausgemachte Sache.“

    Eher im Gegenteil. Es ist jetzt schon abzusehen, dass E-Autos mit noch weniger Arbeitskräften hergestellt werden können, weil die Technik mit den Elektromotoren einfach ist. Dann besteht so ein Auto großenteils aus Akkus, die bis jetzt aus dem Ausland kommen. Erst jüngster Zeit wurde in Deutschland eine Akkufabrik eröffnet.

    „Weil erstens muß die einmal wer kaufen, und solange die Kraftsoffgetriebenen ausgereift und bewährt sind,“

    Bewährt sind die E-autos auch. Da kann man gute 300 000 km und mehr mit fahren. Die Reichweite ist noch etwas niedrig.

    “ „Ausgemachte Sache“ ist bei der erbitterten imperialistischen Konkurrenz der Staaten und Konzerne eben gar nichts.“

    Das stimmt. Kapitalmacht(größe) ist zwar nach wie vor ein Vorteil, aber halt keine Garantie.

  15. 15 Nestor 21. November 2019 um 23:34 Uhr

    Die Zukunft der E-Autos scheint mir auch teilweise herbeigeredet zu sein: Wir wollen, daß sich das als Rettungsanker auf einem stagnierenden Markt erweist, und dann wollen wir vorne mit dabei sein!

  16. 16 Cilly 28. November 2019 um 7:48 Uhr

    Anlässlich des „Global Day of Climate Action“ am 29. November

    Unzufrieden mit der Klimapolitik?

    „Die Bundesregierung hat dem 1,5°-Ziel eine Absage erteilt. Das akzeptieren wir nicht!“
    Dann akzeptiert es nicht! Und stellt euch darauf ein, dass dann noch ein bisschen was anderes fällig ist, wenn ihr an dieser Verweigerung wirklich festhalten wollt.

    https://de.gegenstandpunkt.com/dossier/klima

    ---

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Fridays_for-Future-Bewegung-2019.html

    http://neoprene.blogsport.de/2019/06/09/klimawandel-fridays-for-future-gsp-und-kritik/#comment-126027

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/24/debatte-zum-klimawandel/#comment-37692

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/24/debatte-zum-klimawandel/#comment-37620

  17. 17 Nestor 29. November 2019 um 22:39 Uhr

    Ich zittere schon vor Cilly, was er/sie mir wieder an Themaverfehlung vorwerfen wird, aber seis drum:

    Ausgebrannter Tesla in Tirol: Entsorgung von Batterien ist ein Riesenproblem
    https://industriemagazin.at/a/ausgebrannter-tesla-in-tirol-entsorgung-von-batterien-ist-ein-riesenproblem

    Gibts eigentlich irgendwen, der ernsthaft dran glaubt, daß diese Art von Autos klimaschonend sein kann?

  18. 18 Cilly 30. November 2019 um 7:30 Uhr

    China hat beschlossen, dass, seines Umweltdrecks (Smog) wegen, zukünftig nur noch E-Autos in China herumfahren dürfen. (Das hat mit der ‚Planetenrettung‘ aus Sicht des chinesischen Staates also wohl eher weniger zu tun.)

    Obendrein wollen die chinesischen Kapitalisten so die Technologie der deutschen Autobauer mit dazu benutzen, dass Chinas Mobilität der Standard des 21. Jahrhunderts weltweit werden soll – anstatt dass China nur Autos auf den Weltmarkt bringt, die sich dort bisher nicht gut durchsetzen konnten. Mit E-Mibilität will China also Trendsetter für den zukünftigen Weltmarkt werden.

    „Mehr als siebeneinhalb Milliarden Menschen leben zurzeit auf der Erde. Zusammen besitzen sie über eine Milliarde Autos. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Kraftfahrzeuge weltweit verdoppeln.“
    https://programm.ard.de/?sendung=287242316318947&first=1

    Also wollen deutsche Autokonzerne, anstatt diesen riesigen Markt abzuschreiben (das würde diese Weltkonzerne, deren Geschäft in den USA gleichfals bedroht ist, nämlich vermutlich mittelfristig in die Insolvenz stürzen), dabei mittun.
    (Dafür werden staatlicherseits ein paar Köpfe ausgetauscht – was ehemals Herr Wissmann dem Publikum als nationale Autostrategie verdolmetschte
    https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Wissmann#Kritik
    - das besorgt ihm nun Frau Hildegard Müller.)

    So passt dann der früher verhasste Umsteg auf E-Mobilität anscheinend nun in ein neues Geschäftsmodell.

    Der Verbraucher darf sich das dann als Mittun bei der ökologischen Wende einleuchten lassen.

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Klimapaket-2019.html

  19. 19 Cilly 30. November 2019 um 8:22 Uhr

    Dass die systematische Reihenfolge den angeblichen ‚König Kunden‘ mit seinem Gefühl, er sei der Veursacher der Weltgeschichte (und nicht deren Produkt, mit all seinen neuesten Vorlieben) eines falschen Bewusstseins überführt, das erläutert Stephan Kaufmann am Fitness-Wahn der modernen aufgeklärten „selbst-regulierten“ Bürger

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1129352.hassliebe-trimm-dich-pfad-am-arbeitsplatz.html

    Dasselbe kann man auch bereits daran nachvollziehen, wie die Instrumente Schreibmaschine bzw. Bestellzettel inzwischen im Alltag als Gewohnheit des Gebrauchs von Internet und Handy nicht nur Mittel der Geschäftspilitik der Weltkonzerne geworden sind.
    [Sondern, wie auch der Fitness-Wahn, nicht selten zu Sinnsuche und Religionsersatz des Individuums geworden sind. Inklusive der Besprechung als moderne Suchtmittel.]

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/18/geldpolitik-ein-sehr-ueberschaetztes-vehikel-zur-steuerung-der-marktwirtschaft/#comment-37729

  20. 20 aktüll 05. Dezember 2019 um 11:22 Uhr

    Flugblatt anlässlich der Klimaproteste am 29.11.2019 von „Kritik im Handgemenge Berlin“, organisiert bei den Gruppen gegen Kapital und Nation:

    Klimapolitik – noch schlechter als ihr Ruf

    Der weltweite Protest von Fridays For Future fordert von der Politik ein, das einzuhalten, was sie sich vorgenommen hat. Dafür kriegt er viel Lob und Unterstützung. Komischerweise auch von denen, die der Protest kritisiert. Die Lage ist ernst. Da wäre es klug, sich damit auseinander zu setzen, an wen man da appelliert.

    30 Jahre Klimapolitik – deren Ergebnisse und Gründe – geben Aufschluss darüber, dass der Staat kein guter Ansprechpartner ist, wenn es darum geht, den Planeten zu retten. (…)

    Mensch und Natur – wofür sind sie gut?

    Die Wirtschaft – wofür ist die gut?

    Umweltschutz – was kostet der Abfall?

    Klimapolitik – was kostet die Welt? (…)

    Fazit – Mit Klimapolitik in die Klimakrise?

    So ging und geht die Klimapolitik voran. Maßnahmen, die Kostennachteile für die eigene Volkswirtschaft bringen, werden schlichtweg vermieden. Maßnahmen, die die eigene Volkswirtschaft voranbringen, zum Beispiel wenn sie Absatzmärkte für eigene „grüne“ Weltmarkt-Champions eröffnen, werden durchgezogen. Der technische Fortschritt ist dabei als Mittel für neues kapitalistisches Wachstum wie immer voll eingeplant – einmal als Mittel für Weltmarktexpansionen nationaler Produkte, und einmal als Hoffnungsträger für zukünftige technische Innovationen. So besteht in der Politik die leise Hoffnung, dass mit einer Erfindung „made in Germany“ der Klimawandel oder seine Folgen abgewendet werden können. Dann erübrigen sich auch Entscheidungen, die schwer fallen, zum Beispiel strenge Emissionsgrenzen.

    Das alles meint Merkel, wenn sie die Klimaproteste für ihr ehrenwertes Anliegen lobt und zugleich daran erinnert, dass Vieles zu bedenken ist. „Wir müssen Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft auf der einen Seite mit den Zielen des Klimaschutzes versöhnen.“ Und etwas anderes ist auch nicht abzusehen, wenn sich derzeit Bündnis90/Die Grünen fit für die Machtübernahme machen. Trittin als Umweltminister hat in dieser Hinsicht schon mal gezeigt, was zu erwarten ist (Atomausstieg mit langen Laufzeiten, Abwehr von Vorschlägen aus Frankreich für weitergehende Klima-Ziele).

    Klimapolitik geht also, aber sie geht in einer kapitalistischen Nationalökonomie eben so. Dass das ausreichen würde, um Kipppunkte zu vermeiden, ist nicht sehr wahrscheinlich. Von daher ist eine Umweltbewegung, die sich an die Politik wendet, verkehrt. Vielleicht werden durch die Klimapolitik dauerhaft klimaschädliche Stoffe reduziert. Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Und wenn, dann mit allen beschriebenen Nebenwirkungen moderner Politik. Es steht daher an, sich gegen die Zwecke und Ziele der herrschenden Politik zu richten. Appelle an Politik und Wirtschaft der Sorte „strengt euch bitte mehr an“ sind dagegen völlig fehl am Platze.

    http://www.trend.infopartisan.net/trd1219/t191219.html

    ---

    Guterres, Vorsitzender der „Vereinten Nationen“(UN) als ohnmächtiger klimapolitischer Mahner gegenüber mehr oder weniger machtvollen UN-Mitgliedstaaten auf der Madrider Klimakonferenz am 2.12.19

    (…) Ihm könnte geläufig sein, dass die Rücksichtslosigkeit gegen die natürlichen Bedingungen gezielt als internationaler Wettbewerbs- und Bereicherungshebel von den Nationen eingesetzt wird, denen sein klimamoralischer Zeigefinger gilt: die USA haben sich ausdrücklich verabschiedet von allen Konventionen zur Rücksichtnahme aufs Klima, weil die unbeschränkte Nutzung von Fossilem der nationalen und internationalen Geschäftsmächtigkeit der US-Kapitale ungeahnten Auftrieb geben soll; Australien denkt nicht daran, von seinem Exportschlager Kohle, eine entscheidende Quelle von Treibhausgasen, abzulassen oder die Förderung derselben auch nur einzuschränken, usw…

    Genauso wenig, wie es die Menschheit als Verantwortliche für Klimazerstörerisches gibt, genauso wenig gibt es einen Krieg gegen die Natur. Die Natur wird von kapitalistischen Nationalökonomien in einer Weise ihren Geldvermehrungsinteressen unterworfen, dass dies zwar mit einem Vergreifen an den gesellschaftlichen materiellen Lebensgrundlagen einhergeht, aber als Vorsatz regelrechter Naturvernichtung ist dies eher einer naturmoralischen Sicht eigen. (…)

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Guterres_auf_Madrider-Klimakonferenz-Dez_2019.html

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    https://www.magazin-auswege.de/data/2019/06/Schuster_Die_freitaeglichen_Klimastreiks.pdf

    http://NestorMachno.blogsport.de/2019/09/24/debatte-zum-klimawandel/#comment-37466

  21. 21 Jonathan 09. Dezember 2019 um 11:13 Uhr

    Das Etikett „Klimapolitik“ ist auch in Madrid nur das Label für imperialistisches Gerangel, wie zur Halbzeit der Klima-Konferenz aus Madrid berichtet wird:

    „Brasilien ist ein Vorbild für die Welt des Umweltschutzes“, sagte der brasilianische Umweltminister Ricardo Salles vor seiner Abreise zur UN-Klimakonferenz in Madrid. Aus dieser Selbsteinschätzung leitete Salles eine sehr konkrete Forderung ab: „Zumindest stehen uns jährlich etwa zehn Milliarden US-Dollar zu.“ Um sicherzustellen, dass das Geld kommt, verbringt Salles die vollen zwei Wochen der Konferenz in Madrid.

    Die zehn Milliarden sind aus Salles’ Sicht Brasiliens Anteil an den 100 Milliarden Dollar, die die Industriestaaten von 2020 an zugunsten der Entwicklungsländer „mobilisieren“ wollen. Ein großer Teil der Summe soll von privaten Investoren kommen, die selbst entscheiden, wo sie investieren. „Die Verhandlungen sind von einer dünnen Schicht Zynismus bedeckt“, sagte Sam van den Plas von der Umweltorganisation Carbon Market Watch der Badischen Zeitung.

    Damit nicht genug: Brasilien will im neu zu schaffenden Markt für den CO2- Ausgleich die Möglichkeit haben, Verschmutzungszertifikate zu verkaufen und dieselben Emissionsminderungen dann auf sein Klimaziel anrechnen. Damit würde jede eingesparte Tonne CO2 doppelt gezählt. Saudi-Arabien unterstützt die Forderung. Außerdem will Brasilien alte Zertifikate aus einem Mechanismus des Kyoto-Protokolls in den neuen Markt hinüberretten. Solche Papiere sind zurzeit fast wertlos, aber es gibt sehr viele davon: Zertifikate im Gegenwert von vier Milliarden Tonnen CO2, rund zehn Prozent der weltweiten Emissionen. Hier erfährt Brasilien Unterstützung von China und Indien, die viele Ramschpapiere besitzen. Manche Forderung dürfte Brasilien nur aus verhandlungstaktischen Gründen stellen. Nur welche? „Es ist noch unklar, welche Ziele Brasilien genau verfolgt“, sagte Franz Perrez, der Leiter der Schweizer Delegation.

    Verflogen ist jedenfalls die anfängliche Begeisterung über die Ankündigung der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Europa bis zum Jahr 2050 „zum ersten klimaneutralen Kontinent“ zu machen. Ein Entwurf für den sogenannten European Green Deal zeigt, dass die EU wohl erst im Oktober über ihr neues Ziel für das Jahr 2030 entscheiden wird. Das ist zu spät für den EU-China-Gipfel, der im September 2020 in Leipzig stattfinden wird. In Leipzig sollten eigentlich die EU und China neue Klimapläne ankündigen. Doch wenn die EU sich kein neues Ziel setzt, wird China kaum in Vorlage gehen. „Diese Gelegenheit wird verschwendet ohne ein neues EU-Klimaziel“, sagt Li Shuo von der Umweltorganisation Greenpeace China. Dabei sei der Gipfel besonders wichtig: „Das ist keine EU-interne Angelegenheit, sondern von globaler Bedeutung.“

    Die Entwicklungsländer fordern, dass ein Fonds geschaffen wird, der für die Schäden und Verluste durch künftige Naturkatastrophen aufkommt. Insbesondere die USA und Australien, aber auch Russland lehnen einen solchen Fonds ab. Eine Einigung ist daher schwierig. Ob sich das auf die anderen Verhandlungsthemen bei der Klimakonferenz auswirken wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Das Thema Verluste und Schäden sei „sehr emotional“, Prognosen daher schwierig, sagte ein europäischer Delegierter der Badischen Zeitung.“ 7.12.19

    https://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/unklar-welche-ziele-brasilien-genau-verfolgt--180304126.html

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    Dünn ist die Schicht Zynismus über der „Verhandlungsmasse“ wohl deswegen, weil allenthalben breit hervorscheint, dass der Klimawandel so nicht verlangsamt werden wird. Dass auch ein brasilianischer Minister dieses Label so berechnend im Munde führt, scheint allenthalben als ganz normal zu gelten. Oder ist das überhaupt gar die Wahrheit über den Klimaprotest der Jugend?

    Bitter ist es nämlich schon, dass selbst die jugenlichen Klimaaktivisten zu derartigen imperialistischen Konferenzen reichlich friedlich gesinnt anreisen, um sich dort ausgerechnet als (un-?) passende Highlights für die statlichen Händel von den Staatschefs feiern und so ablichten zu lassen …

    https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/uno-2010-bis-2019-das-wohl-heisseste-jahrzehnt-der-geschichte/

  22. 22 Jonathan 09. Dezember 2019 um 12:13 Uhr

    Resümee von euractiv:

    Der verlangsamte Anstieg (!) der CO2-Emissionen im Jahr 2019 ist nach Einschätzung der Forscher vom Global Carbon Project unter anderem auf das verlangsamte Wirtschaftswachstum und eine geringere Kohlenutzung in den USA und der EU zurückzuführen. Stattdessen sei aber mehr Erdöl und vor allem mehr Erdgas genutzt worden.

    Wirtschaftliche Stagnation bzw. Krise – führen nicht mal zum Rückgang der CO2-Emissionen. Sondern zu einem Anstieg. So viel zur Lage.

  23. 23 Neoprene 09. Dezember 2019 um 12:23 Uhr

    „Wirtschaftliche Stagnation bzw. Krise – führen nicht mal zum Rückgang der CO2-Emissionen. Sondern zu einem Anstieg. So viel zur Lage.“

    Da würde ich mir wirklich keine sorgen machen. Wenn es zu einem richtigen Crash kommt, was ja viele für nicht allzuweit in der Zukunft liegend halten, ich ja auch, dann werden die CO2-Emissionen schon sinken. Ob wenigstens das was Positives sein wird, scheint mir zudem fraglich ist dann aber praktisch unerheblich.

  24. 24 Neoprene 09. Dezember 2019 um 12:27 Uhr

    „Ramschpapiere“ im Zusammenhang mit CO2-Emissionen ist eine besondere Blüte:
    Auch diese Papiere sind nur so viel wert, wie diejenigen, bei denen man mit dem Vorzeigen solcher Papiere meint, einen Punkt machen zu können, das auch so sehen. Da es aber um lauter unabhängige Staaten geht, deren Konsens in Umweltfragen de facto ja gegen Null geht, geht eben auch der „Wert“ von Papieren, die auf früheren Übereinkünften beruhen, gegen Null.

  25. 25 Paule 09. Dezember 2019 um 22:21 Uhr

    Ein umweltschützerischer Irrsinn der besonderen Art
    Emissionshandel:
    Das Recht auf Luftverschmutzung wird vermarktet, um die Emission von Klimaschutz zu stimulieren

    Die internationale Staatengemeinschaft hat sich darauf verständigt, dass die Abgase des kapitalistischen Wirtschaftswachstums in letzter Instanz auch noch das Weltklima durcheinander bringen. Deutschland will eine Reduktion ausgerechnet durch den Handel mit Emissionsrechten erreichen.

    Der Handel mit den Verschmutzungsrechten basiert auf dem Kauf und Verkauf von Kohlendioxid-Zertifikaten. Firmen, die durch umweltfreundliche Technologien Kohlendioxid (CO2) einsparen, können CO2-Zertifikate verkaufen und damit bares Geld machen. Umweltsünder müssen sich hingegen das Recht zum erhöhten CO2-Ausstoß teuer erkaufen.

    Dank Kanzler Schröders (!) Machtwort 2004 ist im damaligen „Klimastreit“ zwischen Trittin (Grüner) und Clement (SPD) um die standortgemäße Mengenausstattung und Zuteilung von kostenlosen Verschmutzungszertifikaten an die verschiedenen Abteilungen des umweltversauenden Gewerbes der „Kompromiss“ gefunden, der deutsche Arbeitsplätze vor zu viel ungesunder CO2-Minderung schützt und trotzdem dem Weltklima nützt. Mit einem nationalen Emissionsbudget, das in etwa dem Ausstoß an Treibhausgasen entspricht, den Industrie und Energiewirtschaft im Moment so hinkriegen, beteiligt sich der „Klimaschutzvorreiter“ ab nächstem Jahr an dem grenzübergreifenden Handelsprojekt zur Säuberung der Atmosphäre. Ab 2007 wird dann die Versorgung der industriellen Luftverschmutzer mit kostenlosen Emissionsrechten politisch verknappt, damit „die gute Idee“ dem „Reduktionsweltmeister“ bis 2012 die noch fehlenden 1,6% CO2-Minderung einspielt. (Forts.):

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/klimaschutz-durch-emissionshandel

    ---

    Das Intelligente an dieser „intelligenten Lösung“, die er damit auf den Weg bringt, besteht nach allgemeiner Auffassung darin, dass er nicht mit dem „Instrumentarium der Politik“ doch wieder nur beschränkend und kostenträchtig in den wunderbaren Gang der Wirtschaft eingreift, sondern das kapitalistische Interesse seiner Geschäftswelt als Instrument dafür einspannt, dass es sich in Zukunft klimaschonender betätigt: Klimasünder können sich an der Einsparung von kostenlos zugeteilten Emissionszertifikaten bereichern, weil sich für andere industrielle Luftverschmutzer der Zukauf zusätzlicher Verschmutzungsrechte für ihre Emissionsbedürfnisse mehr rechnet als eine Emissionsminderung. Damit diese Kalkulation vermehrt zugunsten einer Umstellung der Produktion auf kohlendioxidarme Technik ausfällt, müsste der Verschmutzungspreis pro Tonne CO2-Ausstoß freilich genügend hoch liegen. An der dafür nötigen Knappheit an vermarktungsfähigen Emissionszertifikaten mangelt es zur Zeit noch, weil Europas Standorthüter bei der Erstausstattung ihrer nationalen Geschäftswelten mit Verschmutzungslizenzen sehr großzügig gewesen sind. Ihre eigenen industriellen Klimasünder wollten sie nämlich verständlicherweise mehr auf der Seite des Angebots angesiedelt wissen denn auf der Seite der kostenwirksamen Nachfrage auf dem european emission market. Unisono haben die europäischen Standorthüter im Zuge des Emissionshandels, mit dem der Absicht nach eigentlich das europäische „Klimadefizit“ abgebaut werden sollte, ihre Wirtschaft mit Rücksicht auf deren Geschäftemacherei so üppig mit kostenlosen Verschmutzungsrechten zugeschüttet, dass inzwischen der europäische Emissionsrechtemarkt zur Stimulierung von Treibhausgasminderung dank dieser staatlichen Überversorgung restlos zusammengebrochen ist…

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/menschheitskatastrophe-klimawandel#section10

  26. 26 Paule 10. Dezember 2019 um 22:58 Uhr

    Kritikpunkte an der grandiosen Konzeption von „Emissionspreis-Zertifikaten“ finden sich hier:

    https://background.tagesspiegel.de/warum-der-europaeische-emissionshandel-wirksamen-klimaschutz-nicht-garantiert

    https://www.oeko.de/forschung-beratung/themen/energie-und-klimaschutz/eu-emissionshandel-weniger-zertifikate-fuer-mehr-klimaschutz/

    https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/zertifikate/nachrichten/emissionszertifikate-das-milliardengeschaeft-mit-dem-abgashandel-seite-2/3531832-2.html

    ---

    Selbst aus Sicht der Befürworter des Emissionshandels verstopfen derzeit zu viele Gratis-Zertifikate den Markt – und aus welchen nationalen Konkurrenzgründen das so geworden ist, das erläutern die zwei obigen GSP-Artikel.

    W i e das vonstatten ging, das stellte Martin Steinmüller für ORF bereits 2016 so dar:

    Laut CEO wurden am häufigsten der Mineralölkonzern Shell, der Stahlkonzern ArcelorMittal und der europäische Stahlverband EUROFER bei der Kommission lobbymäßig vorstellig. Tatsächlich gehört die Stahlindustrie zu jenen Industriezweigen, die vehement auf eine Beibehaltung der Gratiskontingente pochen. Ähnlich stark setzen sich dafür noch die Chemieindustrie sowie die Produzenten von Zement, Dünger, Glas und Papier ein.

    Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie für die Herstellung ihrer Produkte sehr viel Energie benötigen, aber dafür keinen Strom verwenden können. Bestes Beispiel ist der Hochofen in der Roheisenproduktion. Er wird mit Koks betrieben – und stößt entsprechend viel CO2 aus.

    In ihrer Argumentation führen die Industrievertreter gerne einen Umstand ins Feld. Sollten sich die Klimamaßnahmen weiter verschärfen, könnte das zur Abwanderung von Unternehmen führen. Erst vor Kurzem knüpfte etwa voestalpine-Konzernchef Wolfgang Eder die Möglichkeit für ein neues Stahlwerk im steirischen Mürztal an „grundsätzliche Entscheidungen auf EU-Ebene“.

    Würden Unternehmen ihre Produktion in Länder mit weniger strengen Emissionsauflagen verlegen, gingen zum einen Arbeitsplätze in der EU verloren. Zugleich könnte die Produktion am neuen Standorten aber womöglich sogar mehr CO2 freisetzen als zuvor in der EU. (…)

    Tatsächlich hat die Kommission ihre Position merklich abgeändert. Noch 2008 erklärte sie, dass die EU ab 2020 keine Emissionszertifikate mehr gratis vergeben sollte.

    In dem Richtlinienvorschlag, der nun von Parlament und Rat behandelt wird, ist davon aber nichts mehr zu lesen. Vielmehr hält der Text nun fest, dass es auf jeden Fall bis 2030 Gratiskontingente für bestimmte Industriezweige geben soll. Allerdings: Alleine traf die Kommission diese Entscheidung nicht. Vor zwei Jahren beschlossen die Mitgliedsstaaten den „Rahmen für die Klima- und Energiepolitik 2030“. Die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten in den kommenden 15 Jahren findet sich bereits dort.

    https://orf.at/v2/stories/2369750/2369749/

    Unwidersprechlich ist vermutlich erst recht das Argument, dass mit diesen Zertifikaten zukünftig wie mit sonstigen Wertpapieren auch in anderen Sektoren munter gehandelt werden kann. (Vgl. oben die Hinweise im Handelsblatt-Artikel). Da locken also weitere Casinos mit Derivaten, Papiere auf Papiere, auf Papiere auf Papiere: also Spekulation auf Börsengewinne.

    Dass ein Wirtschaftsabschwung derlei Zertifikate gleichfalls entwertet, hat dem Crash wirklich gerade noch gefehlt…

  27. 27 Cilly 11. Dezember 2019 um 8:31 Uhr

    Was Deutschland bewegt: Die „Klimakatastrophe“
    Ein Bündel guter Gründe, so weiterzumachen wie bisher!

    In der harten Wirklichkeit kümmert sich die Politik – schon immer und jetzt wieder mit frischem Wind – um ‚die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie‘ und lässt dabei keinen Zweifel aufkommen, was das heißt: Ohne Wachstum geht gar nichts, und der Rest hat nur sein Recht, wenn er Beitrag dazu ist, unter anderem mit schönen Produkten zur industriellen Energieerzeugung und schicken neuen – garantiert CO2-freien – Autos für den Weltmarkt. Die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft lassen sich gerne von der Bewegung dazu ermahnen und beauftragen, ihre Sache – mit Klimaschutz im Herzen – weiterzumachen. So hat der gutgemeinte Idealismus in der harten Welt der Politik seinen Platz.

    Seine wirkliche Heimat hat er aber – wie immer schon – ganz woanders: im Bereich des privaten Konsums und der privaten Lebensführung, wo „ein jeder von uns“ einen Beitrag zum Gelingen der „Menschheitsaufgabe“ Klimawandel leisten kann. Mit freundlichen Grußadressen von ganz oben bekommen „wir alle“ die Verantwortung für die Rettung der Erde übertragen und sollen ausgerechnet im Privaten, wo alle wesentlichen Entscheidungen über die hiesigen Lebensverhältnisse längst getroffen sind, das Unmögliche mit der nötigen Verzichtsbereitschaft möglich machen. Dafür bekommt die Nation auch gleich die passenden moralischen Maßstäbe mit auf den Weg: „Flugscham“ ist das Wort des Jahres und der SUV-Fahrer droht kurzzeitig das neue Feindbild der BRD zu werden. Spätestens da sind die Grenzen der Menschheitsverantwortung endgültig erreicht. Deutschland ohne Verbrennungsmotor? Was ist das überhaupt für eine, die hier …

    so resümiert es der GSP, unweihnachtlich …

    Was hat Deutschland bewegt im zweiten Halbjahr 2019? Was waren die Aufreger, mit denen die Nation sich befasst hat? Was hat sie wichtig genommen? Fünf Antworten …

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/was-deutschland-bewegt

    … Weitere Kritik daran, was D aktuell bwegt, ist dort abrufbar:

    Der Bundesinnenminister erschreckt seine christliche Basis mit einem Anfall von Mitleid

    Der demokratisierte Zoni: Nach der Wiedervereinigung nach rechts falsch abgebogen?

    EZB und Wohnungsmarkt: Aktuelle Hindernisse im immerwährenden Kampf ums Zurechtkommen

    AKK schockt die Nation mit mehr Militarismus – aber so ernst war’s nicht gemeint …

    … vorab online aus dem GS 4-19, erscheint am 20.12.2019.

    https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/zeitschrift/gegenstandpunkt-4-19

  28. 28 Neoprene 11. Dezember 2019 um 10:13 Uhr

    Folgende schöne Liste habe ich bei Facebook gefunden:

    „Dass die Temperaturen im Durchschnitt weltweit ansteigen muß man nicht diskutieren. Dass der Planet durch die vorherrschende Reproduktionsweise seiner dominierenden Spezies in einem wahnwitzigen Ausmaß versaut wird, auch nicht.
    Was man allerdings dringend diskutieren müsste, ist das Ausmaß der Desinformation, der Panikmache und der Massenmanipulation und -Verblödung, mit der die Medien DERSELBEN Eliten, zu deren Vorteil die globale Naturzerstörung erfolgt, die Bevölkerung zu DEREN Nachteil für noch härtere Einschränkungen beim Überleben im kapitalistischen Konkurrenzkampf sturmreif schießen möchten:

    Via Mike Burmester [???, habe ich nicht gefunden]:
    „Es ist ja sehr deutlich, dass von verschiedenen „Klima-Stiftungen“ weltweit Pressemeldungen herausgegeben werden, die im jeweiligen Land de Eindruck erwecken sollen, dass die Situation besonders drastisch wäre. Hiermit möchte ich die Gruppe auffordern, derartige Meldungen weltweit zu sammeln, zu tauschen und zu teilen. Mit folgenden Meldungen sei einmal ein Anfang gemacht:
    Sorry, falls zu viele Informationen.

    Das Klima erwärmt sich inzwischen in der ganzen Welt überdurchschnittlich!
    Europa erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt.
    https://www.theguardian.com/environment/2013/oct/02/ipcc-europe-warming-faster-global-average
    Irland erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    https://www.irishtimes.com/news/ireland-warming-twice-as-fast-as-rest-of-world-report-finds-1.959004
    Norwegen erwärmt sich schnell
    https://www.norwegianamerican.com/news/norway-warming-fast/
    Die Schweiz erwärmt sich 2x so schnell wie der Durchschnitt
    https://lenews.ch/2018/11/07/global-warming-to-impact-switzerland-at-twice-average-speed-researcher-warns/
    Die Mittelmeerländer erwärmen sich schneller als der Rest der Welt
    https://elpais.com/elpais/2019/10/10/inenglish/1570692096_073306.html
    Das IPCC Afrika sagt für Afrika eine überdurchschnittlich schnelle Erwärmung gegenüber dem Rest der Welt voraus.
    https://www.hoover.org/research/climate-change-and-africas-future
    Süd Afrika erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    http://www.csag.uct.ac.za/2019/09/25/twice-the-global-rate/
    Die russische Arktis erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    https://thebarentsobserver.com/ru/node/158
    Die Mongolei erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    https://www.treehugger.com/clean-technology/mongolia-on-the-verge-of-ecological-collapse-warming-twice-as-fast-as-global-average.html
    Tibet erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    https://www.newscientist.com/article/dn12335-tibet-is-warming-at-twice-global-average/
    China erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    http://www.chinadaily.com.cn/china/2015-03/24/content_19894676.htm
    Auch Singapur erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    https://www.channelnewsasia.com/news/cnainsider/singapore-hot-weather-urban-heat-effect-temperature-humidity-11115384
    Korea erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    http://www.hani.co.kr/arti/english_edition/e_national/353845.html
    Indien erwärmt sich wird die 1,5°K schneller erreichen als der Rest der Welt
    https://www.theweek.in/news/sci-tech/2019/07/05/india-might-reach-estimated-rise-one-point-five-degree-celsius-faster-than-any-other-country.html
    Ganz Asien erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt
    https://www.tasnimnews.com/en/news/2019/10/29/2129372/asia-s-vast-landmass-warming-faster-than-global-average-fao-warns
    Australia warming faster than world
    https://www.ft.com/content/d15bc650-9b0c-11db-aa70-0000779e2340
    Die Arktis erwärmt sich 2x schneller als der globale Durchschnitt
    https://www.npr.org/2014/12/18/371438087/arctic-is-warming-twice-as-fast-as-world-average?t=1574794133783&t=1576054971119
    Canada Warming Twice as Fast as World, Report Warns
    https://www.usnews.com/news/best-countries/articles/2019-04-05/global-warming-is-twice-as-fast-in-canada-as-rest-of-the-world-report-says
    Die Nordhalbkugel erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    https://www.enn.com/articles/5660-northern-hemisphere-warming-twice-as-fast-as-south
    Alaska erwärmt sich 2x schneller als der Rest der Welt
    https://www.ktuu.com/content/news/Leaked-climate-change-report-outlines--439353963.html
    Parts of United States are heating faster than globe as a whole
    https://www.theguardian.com/environment/climate-consensus-97-per-cent/2017/jan/17/parts-of-united-states-are-heating-faster-than-globe-as-a-whole
    The U.S. West is heating up at nearly twice the rate of the rest of the world
    https://www.enn.com/articles/33723
    Noch schlimmer: Die US-Nationalparks erwärmen sich sogar 2x so schnell wie der Rest der USA
    https://nypost.com/2018/09/25/national-parks-are-warming-twice-as-fast-as-rest-of-us/
    Die Antarktis erwärmt sich schneller als der Rest der Welt
    https://www.thetimes.co.uk/article/antarctic-air-is-warming-faster-than-rest-of-world-wddj79gmb0z
    Red Sea Warming Faster Than Global Average
    https://www.thetimes.co.uk/article/antarctic-air-is-warming-faster-than-rest-of-world-wddj79gmb0z
    Die Temperaturen im Nord-West-Atlantik steigen 2x schneller als die Modelle anzeigen und 3x schneller als der globale Durchschnitt.
    https://www.researchgate.net/publication/286904024_Enhanced_warming_of_the_Northwest_Atlantic_Ocean_under_climate_change
    Der Ozean vor Argentinien erwärme sich schneller als der globale Durchschnitt
    https://www.batimes.com.ar/news/argentina/climate-emergency-threatens-latin-americas-oceans-and-glaciers.phtml
    Der Pazifik erwärmt sich 15x schneller als früher
    https://eu.usatoday.com/story/weather/2013/10/31/global-warming-pacific-ocean/3324251/
    Auch die südlichen Ozeane um die Antarktis erwärmen sich 2x schneller als alle anderen Meere
    https://insideclimatenews.org/news/23092018/antarctica-warming-southern-ocean-human-greenhouse-gas-ozone-ice-loss-study
    Die See um Grönland erwärmt sich schneller als der Rest der Meere
    https://www.constantinealexander.net/climate-change/page/44/
    Auch der deutsche Wetterdienst meldet, dass sich die Nordsee 2x so schnell erwärmt wie alle anderen Meere.
    https://www.dw.com/en/north-sea-warming-twice-as-fast-as-worlds-oceans/a-40427339
    Die Kipppunkte sind bald überschritten.
    https://www.theguardian.com/environment/2019/nov/27/climate-emergency-world-may-have-crossed-tipping-points?CMP=fb_gu&utm_medium=Social&utm_source=Facebook#Echobox=1574879050
    Und nochmal.
    https://www.smh.com.au/environment/climate-change/dangerously-close-tipping-points-may-trigger-climate-cascade-20191127-p53ej7.html
    Und wieder der Meeresspiegel.
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/11/forscher-berlin-brandenburg-klima-anstieg-meeresspiegel.html
    Aktuell:
    https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/klima-risiko-index-2018-deutschland-weltweit-unter-den-drei-am-staerksten-von-extremwetter-betroffenen-staaten/25295664.html?ticket=ST-36295821-1xU0SxZHFQK2REXbgucJ-ap5″

  29. 29 nestormachno 11. Dezember 2019 um 19:02 Uhr

    Diese „Hannibal ante portas!“-Meldungen sind offenbar deshalb so populär, weil sie keine Klassen kennen: „Wir alle“ sind betroffen! – und außerdem doch die eigene Nation als noch mehr betroffen hinstellen können. Es gibt also eigentlich nach dieser Meldungsübersicht nur Opfer, keine Täter. Die wiederum können mit ihrer Betroffenheit dann hausieren gehen und Forderungen stellen …

  30. 30 Neoprene 11. Dezember 2019 um 22:14 Uhr

    Eine wie mir scheint immer bedeutendere Schiene bei alarmistischen Wissenschaftlern ist die „Kipphebel“-Theorie als die moderne Version des altmodischen „Hannibal ante portas!“-Getöse:
    „Als Kippelement (englisch Tipping Element) wird in der Erdsystemforschung ein überregionaler Bestandteil des globalen Klimasystems bezeichnet, der bereits durch geringe äußere Einflüsse in einen neuen Zustand versetzt werden kann, wenn er einen „Kipp-Punkt“ bzw. „Tipping-Point“ erreicht hat. Diese Änderungen können sich abrupt vollziehen und zum Teil unumkehrbar sein.[2] Sie können zudem Rückkopplungen in Gang setzen, Änderungen in anderen Subsystemen des Systems Erde hervorrufen und so Kaskadeneffekte auslösen.[3″
    https://www.pik-potsdam.de/services/infothek/kippelemente
    https://globalchallenges.org/wp-content/uploads/2019/07/Global-Catastrophic-Risks-2017.pdf
    In Deutschland sind Schellnhuber und Rahmstorf damit berühmt (und bei wenigen auch berüchtigt) geworden.
    Diese Theorien haben den Charme, daß bisher noch gar nichts wirklich Schlimmes passiert sein muß, aber trotzdem Ungemach droht, wenn man nicht „gleich“ massiv gegensteuert: Wenn nämlich durch was auch immer demnächst irgendein „Kippelement“ umkippt, dann wird danach alles schnell schlimmer.

  31. 31 Cilly 12. Dezember 2019 um 0:23 Uhr

    Die Theorie der Kippelemente beim Klima ist nicht Privatmeinung eines einzelnen Gelehrten. Sie wird u.a. hier vorgestellt:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kippelemente_im_Erdsystem

    Auch bei sonstigen Phänomenen gibt es übrigens gelegentlich nicht komplett prognostizierbare Kettenreaktionen o.ä. weitere Folgen oder Auswirkungen, ob es sich nun z.B. um einen Vulkanausbruch oder um ein Erdbeben handelt. Solche Möglichkeiten weiterer Folgen zu bedenken – das ist kein Alarmismus.

    Nestor habe ich übrigens anders verstanden: Die kapitalistischen Staaten inszenieren sich als Opfer der anthropogenen Erderwärmung. Anstatt als Macher.

  32. 32 Neoprene 12. Dezember 2019 um 5:41 Uhr

    Cilly, ist dir gar nicht aufgefallen, daß ich auch schon Wikipedia zitiert habe? Und daß das Zeugs keine „Privatmeinung“ darstellt, ist offensichtlich, so renommiert wie die deutschen Spitzenwissenschaftler dieses Felds nun mal sind. Ich will auch gar nicht bestreiten, daß es auch im „Erdsystem“ sowas gibt. Sondern „nur“ daruf hinweisen, warum gerade solch eine Wissenschaftsversion so attraktiv für Klimawandel-Leute ist.

  33. 33 Cilly 12. Dezember 2019 um 7:27 Uhr

    Genau so könnte ich unschuldig darauf hinweisen, dass Klima-Skeptizissmus „attraktiv für…“ die AFD ist.

    Eine Widerlegung oder ein Argument zur Befürwortung ist nämlich das eine so wenig wie das andere. Sondern – meist… – ein ungeachtet der eigentlichen Sache eher argumentloses Hinweisen auf deren ‚finstere Hintergründe‘.

    [Dass die Wahrheit „attraktiv für“ Kommunisten ist, ist übrigens auch kein Gegenargument gegen die eine – oder das andere…]

    Nestor wollte nicht über Klimaskeptizismus etwas sagen. Sondern über die Politik. Und der geht es anscheinend darum, mit dem Klimawandel den europäischen kapitalistischen Standort weltweit voranbringen zu wollen.
    Incl. der Botschaft: Die kapitalistischen Staaten inszenieren sich als Opfer der anthropogenen Erderwärmung. Anstatt als Macher. Und darin seien sie geradezu Beauftragte – wofür:
    Für ein grün angestrichenes „Weiter so“. Und zwar verschärft.

    Dass dieses Projekt kapitalistisches Wachstum in und so „für (Gesamt-) Europa“ generiert, das ist übrigens erst einmal nur der Plan der neuen EU-Kommissionspräsidentin. Europäische Pläne hatte die Vorgänger-Kommission ja auch einige…

  34. 34 Neoprene 12. Dezember 2019 um 12:22 Uhr

    „Genau so könnte ich unschuldig darauf hinweisen, dass Klima-Skeptizissmus „attraktiv für…“ die AFD ist.“
    Das brauchst du wirklich nicht mehr, das machen schließlich fast alle Medien und Nicht-AfD- Politiker rund um die Uhr.

  35. 35 Nestor 12. Dezember 2019 um 22:22 Uhr

    Nicht nur die Politiker haben das Klima als imperialistisches Konkurrenz-Werkzeug entdeckt, sondern offensichtlich auch jede Menge Ideologen, die sich geradezu darin überbieten, ihren Politikern da Argumente zu liefern, um die Nation bzw. deren Gschaftlmacher vor Klimaschützern zu schützen.

  36. 36 Neoprene 12. Dezember 2019 um 22:36 Uhr

    Das geht in beide Richtungen: Einerseits gibt es eine Menge Tam Tam um das bisherige Geschäft vor neuen Regelungen zu schützen, die die Klimaschützer vorschlagen. Aber andersrum gibt es ja eine eher noch breitere ideologische Kampagne, die Projekte für die neue nationale Größe als Projekte für den Klimaerhalt zu legitimieren.

  37. 37 libelle 13. Dezember 2019 um 14:30 Uhr

    Auch bei sonstigen Phänomenen gibt es übrigens gelegentlich nicht komplett prognostizierbare Kettenreaktionen

    Das hat mit Kippelementen nichts zutun, sondern damit ist gemeint, dass das chaotische System Atmosphäre an diesen Kipppunkten in ein neues Gleichgewicht übergeht d.h. das Klima sich weltweit schnell ändert.

    Die gibt es sicher, nur kennt sie keiner (das wäre ja gleichbedeutend mit z.B. einer analytischen Lösung der Navier Stokes Gleichung mit den atmosphärischen Anfangsbedingungen) und ob sie anthropogen beeinflusst sind, ist auch nochmal eine andere Frage.

    Aus dem Umstand folgt dann aber schon, dass man möglichst emissionsfrei produzieren sollte, da man ja nicht weiß, wie sich das Klima genau verhält. Der wirklich schädliche Dreck, der die Kohlekraftwerke verlässt ist auch nicht das CO2, sondern die anderen, mehr lokalen und regionalen Umweltbelastungen. CO2 ist sehr wahrscheinlich kein klimarelevantes Thema, sondern seine vermeintliche Klimaschädlichkeit ist (bisher auf jeden Fall) das Ergebnis unbewiesener Zuschreibungen. Was es gibt ist der Strahlungsantrieb. Was der aber für die Zustandsgrößen der Atmosphäre (Druck, Temperatur) heißt, kann man nicht beantworten.

    Man kann sogar die Motivation der Wissenschaftler verstehen. Es ist verrückt potentiell in so ein lebenswichtiges System wie die Atmosphäre klimaverändernde Stoffe zu emmitieren. Nur ist das dann die Kritik an dieser Gesellschaft und nicht die nahende Klimakatastrophe. Was man merkt (selbst an den Problemen, die sich Staaten wie Deutschland selbst stellen) ist, dass eine in konkurrierenden kapitalistischen Nationen verfasste Welt eben nicht in der Lage ist potentiell klimaschädliche Enissionen weltweit einzustellen. Wenn man so will, werden die Produktionsverhältnisse (Staaten, Kapitalverhältnis) zur Schranke der Produktivkraftentwicklung (Kapital, Menschen usw…). Eine Möglichkeit, wie dieser Widerspruch sich lösen kann ist die Aufhebung der Nationalstaaten. Sehr wahrscheinlich wird er aber noch eine ganze Weile weiterbestehen.

  38. 38 Nestor 13. Dezember 2019 um 14:42 Uhr

    ist, dass eine in konkurrierenden kapitalistischen Nationen verfasste Welt eben nicht in der Lage ist potentiell klimaschädliche Enissionen weltweit einzustellen.

    Die Nationen bzw. ihre Regierungen und Unternehmer sind doch nicht einmal willens, sie auf dem eigenen Territorium einzustellen.

    Anderen vorschreiben, ihre Industrie und Landwirtschaft zurückzufahren würden sie natürlich gerne, das geht aber nicht so einfach.

  39. 39 libelle 13. Dezember 2019 um 14:47 Uhr

    Die Nationen bzw. ihre Regierungen und Unternehmer sind doch nicht einmal willens, sie auf dem eigenen Territorium einzustellen.

    Ja, weil die Mengenreduktion eben immer bei den anderen stattfinden soll und die eigene das Ergebnis gewachsener Konkurrenzfähigkeit als Technologieführer etc.. zu sein hat. Unter dem machen sie es nicht.

  40. 40 Neoprene 13. Dezember 2019 um 23:08 Uhr

    Die EU hat ja gerade mit viel Mühe den Beschluß gefaßt, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Polen hat dabei klar die Position bezogen, daß das Land allein die Umstellung der Energieversorgung durch Kohle nicht bezahlen könne. In diesem Zusammenhang war die Rede von einem Fonds mit einem Volumen von 100 Mrd. Euro, um Staaten wie Polen den Umstieg mitzufinanzieren. Nur, wo soll denn selbst dieser gemessen am Ziel ja eh vergleichsweise kleine Betrag herkommen, wenn der gesamte EU-Haushalt nur so rund 150 Mrd Euro pro Jahr beträgt? Und woher der sicherlich eher 10 oder zwanzig mal höhere Betrag für den gesamten EU-Umstieg?

    Fundstelle WDR:
    „Um den „Green Deal“ umsetzen, müssten laut EU-Kommission pro Jahr mindestens 260 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen aufgebracht werden – sowohl aus dem privaten als auch aus dem öffentlichen Sektor. Ein Weg sieht die EU in günstigen Krediten, die die Europäische Investitionsbank gewähren und so die Bereitschaft, zu investieren, steigern soll.

    EU-Mitgliedsstaaten sollen künftig besonders klimafreundlich arbeitende Unternehmen besser fördern können.

    Und die EU will Regionen, in denen sich die Umstellung auf die Klimaneutralität schwieriger gestaltet, finanziell unterstützen. Das betrifft etwa Gebiete, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind. Für die finanzielle Hilfe sieht der „Green Deal“ vor, einen „Just Transition-Fonds“ einzurichten. Bis zu 100 Milliarden Euro plant die EU hierfür ein.“

    Warum sollen eigentlich Banken und Firmen jedes Jahr diese 260 Mrd. Euro ausgeben, wenn bis dato gar nicht klar ist, ob das neben der CO2-Reduktion auch für Gewinne gut ist? Elektro-PKWs rechnen sich z.B. doch auch nur, wenn der Staat sie bezahlt und nicht der Kunde kaufen muß, wenn er da keinen massiven Kaufpreisanteil geschenkt bekommt, nimmt der doch so eine Teil gar nicht erst.

  41. 41 Kehrer 14. Dezember 2019 um 13:31 Uhr

    „Warum sollen eigentlich Banken und Firmen jedes Jahr diese 260 Mrd. Euro ausgeben, wenn bis dato gar nicht klar ist, ob das neben der CO2-Reduktion auch für Gewinne gut ist?“ Das halte ich für eine Untertreibung. Eigentlich ist längst klar, dass es n i c h t gut für die Gewinne ist. Wäre es gut für die Gewinne, hätte man von Anfang an ja nicht auf fossile Energieträger gesetzt.

    Zu den E-Pkw’s ist noch zu sagen, dass selbst mit staatlicher Unterstützung, die Ladesituation völlig ungeklärt ist. Für einen nennenswerten Anteil reichen die gar nicht aus. Zweitens sind e-Autos im Moment nicht umweltfreundlicher: 1. wegen dem aktueller Energiemix, 2. wegen der Herstellung der Batterien Der politische Beschluss ist allerdings, dass für Eautos ein Co2-Ausstoß von 0 angenommen wird. Das ist gelogen und wirklich jeder weiß es. Aber diese Lüge wird nicht zurückgezogen. Warum? Weil Emobilität politisch durchgesetzt werden soll. Für ein nennenswerten Anteil am Straßenverkehr muss zusätzlich Strom produziert werden, der auch regenerativ erzeugt werden müsste. Die EU hat anscheinend beschlossen, dass neue Autos bis 2021 nur noch einen CO2 Ausstoß von Aquivalent 4,1 Liter Benzin und 3,6 l Diesel haben dürfen. Bis 2030 wird das nochmal reduziert um 37,5%, das wären 2,5 l Benzin und 2,25 l Diesel. Man darf gespannt sein, wie das funktionieren soll.

    Das verursacht natürlich massive Kosten, die sich letzten Endes als Konkurrenznachteil niederschlagen. Wahrscheinlich wird versucht werden, diese Kosten auf die Bevölkerung abzuwälzen. Deshalb kann ich obigen Aussage nur unterstreichen: „Was man allerdings dringend diskutieren müsste, ist das Ausmaß der Desinformation, der Panikmache und der Massenmanipulation und -Verblödung, mit der die Medien DERSELBEN Eliten, zu deren Vorteil die globale Naturzerstörung erfolgt, die Bevölkerung zu DEREN Nachteil für noch härtere Einschränkungen beim Überleben im kapitalistischen Konkurrenzkampf sturmreif schießen möchten:“

  42. 42 Cilly 14. Dezember 2019 um 16:53 Uhr

    Stephan Kaufmann:

    Klimaschutz als Weltmarkteroberung

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1130119.green-deal-klimaschutz-als-weltmarkteroberung.html?sstr=Stephan|Kaufmann

    daraus:

    „Damit »grüne« Technologie zu einer Profitquelle wird, kümmert sich die EU-Kommission auch um die alten, »braunen« Industrien. Denn ihre Produktionsmethoden sind bislang vielfach kostengünstiger als die der neuen. Um Klimatechnologie konkurrenzfähig zu machen, wird daher die Anwendung alter Technik per politischem Beschluss unrentabler gemacht: Die Setzung von Preisen für CO2-Emissionen verteuert klimaschädlichere Industrieproduktion und schafft so überhaupt erst einen Markt für klimaneutrale Technologie. Damit dieser Markt ein Weltmarkt und Europas Klimatechnik zum Exportschlager wird, müssen CO2-Preise weltweit verankert werden.

    »Wie bei jeder Revolution wird es bei der Dekarbonisierung Gewinner und Verlierer geben«, stellt das Bruegel-Institut fest. Den Gewinnern winkt ein riesiges Geschäft, den alten Industrien dagegen eine riesige Entwertung von geschätzten 9000 Milliarden Dollar weltweit in den nächsten 15 Jahren: »Die anstehende Zerstörung des Kapitals ist sehr kostspielig«, so die Bank Natixis.“

    ---

    Den notwendigen Übergang zur Konkurrenzmacht auf dem Weltmarkt skizziert Kaufmann auch: China und die USA müssen es sich bieten lassen, dass ihre Produkte mit „Grenzsteuern“ verteuert werden, wenn sie „nicht nach Klima-Kriterien“ produziert seien.

    - Und das überwacht wer? Womit? Und setzt anschließend wer wie durch? – Und wie steht es da mit den inner-europäischen Zuständen?

    ---

    Ein Facebookler hatte irgendwo die message mit der von Kehrer zitierten riesigen „Desinformation“ gepostet. Vielleicht lässt es sich ja mittels der Kritik des Kaufmann-Artikels erhärten???

  43. 43 Nestor 14. Dezember 2019 um 17:45 Uhr

    @Kehrer

    Der politische Beschluss ist allerdings, dass für Eautos ein Co2-Ausstoß von 0 angenommen wird. Das ist gelogen und wirklich jeder weiß es. Aber diese Lüge wird nicht zurückgezogen. Warum? Weil Emobilität politisch durchgesetzt werden soll.

    Man fragt sich nur, warum eigentlich?
    Warum sehen verschiedene Politiker, Medien, Think Tanks und dergleichen die E-Mobilität entgegen aller Fakten als Schlüssel oder Rettungsanker zum Klimawandel?

    Die Idee muß sein, daß die E-Autos so produziert und später entsorgt werden, daß der ganze Umweltschaden woanders anfällt, und zu Hause nur atemlufterzeugende „saubere“ Autos herumfahren.
    Eine etwas unrealistische Annahme, weil diese Marktmacht hat die EU nicht, aber eine Art Strohhalm für Ertrinkende, d.h. in diesem Falle: stagnierende Nationalökonomien.

  44. 44 Neoprene 14. Dezember 2019 um 22:14 Uhr

    Ich denke auch, daß viele Staaten nicht in erster Linie wegen der eh bisher nur vermeintlichen CO2-Neutralität darauf drängen, daß Verkehrsfahrzeuge von Benzin und Diesel auf Stromantrieb umgestellt werden, sondern weil das vor allem nun wirklich massiv hilft, die Luft dort zu verbessern, wo eh schon die meisten Menschen leben, nämlich in den Städten, vor allem in den Großstädten.
    Für die VR China gilt das besonders „Der Krieg gegen die Umweltverschmutzung läuft auf Hochtouren“. „China leistet damit einen anfangs unbeabsichtigten Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels. Denn die Zentralplaner in Peking dachten nicht an die Erderwärmung, als sie das Ziel vorgaben, Chinas Automobilbranche zu elektrifizieren. Sie sahen in der Elektromobilität eine Technologie der Zukunft. Basta.“ „„Das erkennt man auch daran, dass das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) und nicht das Umweltministerium die Federführung in Sachen Elektromobilität besitzt“ „Ein weiterer Aspekt, meint Stephan Wöllenstein, VWs Geschäftsführer in China, sei geostrategisch. China wolle seine Abhängigkeit von Ölimporten reduzieren.“ (Handelsblatt) „Elektro-Fahrzeuge unterliegen weder Zulassungsbeschränkungen noch Fahrverboten, wie sie an manchen Tagen in chinesischen Mega-Citys für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gelten.“ (VW)

  45. 45 Nestor 15. Dezember 2019 um 12:36 Uhr

    Wenn man so nachdenkt, ist der Trend zur Urbanisierung auch schon klimaschädlich, zumindest unter kapitalistischen Bedingungen, weil er die Versorgung erschwert, den Energieverbrauch erhöht und die Transportwege verlängert.

  46. 46 Cilly 15. Dezember 2019 um 13:36 Uhr

    Neoprene hat darauf hingewiesen, dass es um den riesigen Markt China geht, der als Exportmarkt einfordert, dass zukünftig nur noch E-Autos dorthin exportiert werden dürfen, und so auch selber Weltmartführer dabei werden will.

    Weitere Ungereimtheiten in den Ideologien des Klimaschutzes finden sich auch bereits hier:

    https://www.contradictio.de/klimawandel.html

  47. 47 Kehrer 15. Dezember 2019 um 13:44 Uhr

    „»Wie bei jeder Revolution wird es bei der Dekarbonisierung Gewinner und Verlierer geben«, stellt das Bruegel-Institut fest. Den Gewinnern winkt ein riesiges Geschäft, den alten Industrien dagegen eine riesige Entwertung von geschätzten 9000 Milliarden Dollar weltweit in den nächsten 15 Jahren: »Die anstehende Zerstörung des Kapitals ist sehr kostspielig«, so die Bank Natixis.““

    Das ist ja noch gar nicht heraus, ob sich die Dekarbonisierung durchsetzt. Und wegen der Nationenkonkurrenz sehe ich auch nicht, dass sie sich weltweit durchsetzt, auch in China und den USA nicht. (Eautos, die mit Kohlestrom laufen sind ja keine Dekarbonisierung.)

    Einer Ware sieht man es schließlich nicht an, ob die Energie mit der sie produziert wurde aus fossilen oder regenerativen Quellen stammt. Die billigere Energie verschafft also einen Konkurrenzvorteil, der auf dem Weltmarkt nicht per staatlicher Gewalt zunichte gemacht werden kann. Wenn die Regenerativen von sich aus billiger wären, bräuchte es die staatliche Intervention nicht. Also sind sie teurer. Wenn sich die Dekarbonisierung nicht durchsetzt, sind die Staaten die Verlierer die auf Dekarbonatisierung setzen und bei ihnen steht Entwertung an.

    „China und die USA müssen es sich bieten lassen, dass ihre Produkte mit „Grenzsteuern“ verteuert werden, wenn sie „nicht nach Klima-Kriterien“ produziert seien.“

    Vom wem, frage ich mich? Von Europa? Wenn sich Europa da nicht ins eigene Bein schießt. Schließlich ist es Trump der Handelskriege anzettelt und nicht die EU.

    „Man fragt sich nur, warum eigentlich?“

    Genau. Das einzig rational nachvollziehbare Argument wäre die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern aus dem Ausland. Aber das scheint mir auch zu schwach, denn erstens hat man im Moment da kein großes Problem mit. USA und Russland wollen zb. ihr Gas verkaufen. Zweitens müssen die Rohstoffe für Batterien auch im Ausland gekauft werden. „China wolle seine Abhängigkeit von Ölimporten reduzieren.““ Für China ist das teilweise einleuchtend, weil die mit ihren seltenen Erden auch die Akkus im eigenen Land produzieren können.

    „aber eine Art Strohhalm für Ertrinkende, d.h. in diesem Falle: stagnierende Nationalökonomien.“

    Das scheint mir plausibel. Es ist eine Art Zockerei in das Wachstum einer sich entwickelnden Industrie mit der man den Weltmarkt dominieren will – der Absicht nach.

    „Wenn man so nachdenkt, ist der Trend zur Urbanisierung auch schon klimaschädlich, zumindest unter kapitalistischen Bedingungen, weil er die Versorgung erschwert, den Energieverbrauch erhöht und die Transportwege verlängert.“

    Und ob. Das die Arbeiter immer meilenweit von den Betrieben, in denen sie arbeiten entfernt wohnen, liegt auch am Kapitalismus.

  48. 48 Kehrer 15. Dezember 2019 um 14:01 Uhr

    „Sie sahen in der Elektromobilität eine Technologie der Zukunft. Basta.“ Es ist halt auch so. Das die chinesischen Autos mit Verbrennungsmotoren bis jetzt auf dem Weltmarkt keine Chance haben und selbst im Inland bevorzugen die Chinesen VW, BMW und Audi. So verordnen sie dem heimischen Markt einheimische eAutos und halten gleichzeitig die Ausländer draußen, die teilweise noch nicht so weit sind. Das mit den versmogten Städten stimmt aber auch. Bei den Chinesen ist das nachvollziehbar. Um den Klimawandel geht es aber auch denen nicht.

  49. 49 Kehrer 16. Dezember 2019 um 17:02 Uhr

    Durchbruch beim Klimapaket – CO2-Preis steigt deutlich Es wird immer verrückter, wenn man annimmt die Gesetze, seien für die Klimarettung da oder für die Erreichung der Klimaziele. Wenn man allerdings annimmt, dass es sich hier um Industriepolitik handelt, die Deutschland in der E-mobilität nach vorne bringen soll, macht das ganze einen Sinn:

    „Der geplante CO2-Preis im Verkehr und bei Gebäuden soll nach einem Bund-Länder-Papier bis 2025 deutlich stärker steigen als bisher geplant. Für 2021 ist ein Einstiegspreis von 25 Euro vorgesehen statt wie bisher zehn Euro. Der Preis soll dann schrittweise bis 2025 auf 55 Euro steigen, wie aus einem Papier hervorgeht, welches den Nachrichtenagenturen dpa und AFP vorliegt. Bisher war für 2025 ein Preis von 35 Euro vorgesehen.

    2026 soll ein Preiskorridor mit einem Mindestpreis von 55 Euro pro Emissionszertifikat und einem Höchstpreis von 65 Euro pro Emissionszertifikat festgelegt werden. Der CO2-Preis soll fossile Heiz- und Kraftstoffe verteuern, damit Bürger und Industrie klimafreundliche Technologien kaufen und entwickeln.
    Die zusätzlichen Einnahmen aus dem höheren CO2-Preis sind zur Senkung der EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms vorgesehen. Dies bedeutet für 2021 eine Senkung der EEG-Umlage von 5,4 Milliarden Euro, wie es aus Verhandlungskreisen hieß. Je höher der CO2-Preis dann steigt, desto höher sind die Entlastungen bei der EEG-Umlage.

    Pendlerpauschale steigt weiterhin“

    Der Strom soll billiger werden, auf Kosten von fossilen Energieträgern, damit der Anreiz ein Elektrofahrzeug zu kaufen vergrößert wird. Zahlen tut der Verbraucher. So ungefähr habe ich mir das schon vorgestellt. Ausgeschüttet wird natürlich nichts. Es wird auch öffentlich zugegeben, dass Mittel- bis Gutverdienende bevorzugt werden, und der Rest auf den Kosten sitzen bleibt. Aber das blöde Volk macht mal wieder nichts. Teilweise weil es nie was macht, teilweise weil es auf die Ideologie reinfällt, die Klimarettung läge am Verhalten des Einzelnen. Die CO2 Steuern werden ja damit begründet, dass man das Konsumverhalten ändern muss. Es wird also so getan, als sei der Privatkonsum das was das Klima versaut. Deswegen muss man die Leute zwingen ihr Verhalten zu ändern.

    Gibt es eigentlich noch FFF oder hat die Bewegung jetzt ihre Schuldigkeit getan, dem Volk ein Klimagewissen einzureden, als dessen Erfüllungsgehilfe dann der Staat fungiert.

  50. 50 Cilly 16. Dezember 2019 um 20:57 Uhr

    A) Anlässlich der Vorstellung des Entwurfs eines sog. ‚Green Deals‘ durch die EU-Kommission am 11.12.19:

    Der kapitalismusdienliche europa- und weltweite klimapolitische Umbau kommt voran: Klimapolitik als „Wachstumsmotor für Europa“ (EU-Kommissionspräsidentin v.d. Leyen) – dagegen der x-te Aufwasch der Thunbergschen absurden und verharmlosenden Schelte auf der Madrider Klimakonferenz von wegen „Untätigkeit“, namentlich der „wohlhabenden Staaten“ …

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/EU-Green_Deal-11._Dez_2019.html

    ----

    B) Zum Antrag der Grünen in Bundestag: „Ökologischere Digitalisierung“ – nach Meldungen v. 12.12.19:

    Nicht was Digitalisierung und Umweltpolitik als Insignien kapitalistischer Standorte ausmachen, sondern verkehrt interessierte Auseinanderdividierung in gute und schlechte Seiten des Kapitalismus – und ein Räsonieren darüber, wie das eine für das andere brauchbar(er) gemacht werden könne. …

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Gruenenantrag-Oekologischere_Digitalisierung-12.12.2019.html

  51. 51 Nestor 17. Dezember 2019 um 13:27 Uhr

    @Kehrer

    Ja, das mit den CO2-Steuern und dem Konsumverhalten ist zwar sicherlich die Absicht, was aber absehbarerweise herauskommen wird, ist ein Rückgang der zahlungsfähigen Nachfrage, und nicht ein Run auf Elektroautos. Die Gehälter steigen ja nicht automatisch, weil die Autos teurer werden.

    Das blöde Volk macht, wenn überhaupt, Proteste gegen Preissteigerungen – eher im Ausland, zugegeben. Man wäre ja froh, in Österreich auch, wenn es wenigstens Gelbwesten gäbe und nicht nur AfD- oder FPÖ-Wähler. (Inzwischen sind ÖVP und Grüne auch gut unterwegs im Sammeln von Protestwählern!)

    Aber genauso wie die Gelbwesten sind auch die FFF m.E. daran gescheitert, daß sie eigentlich kein gesellschaftliches Konzept haben. Die einen forderten Macrons Rücktritt, die anderen appellieren an die Regierenden, doch was fürs Klima zu tun, aber in beiden Fällen ist doch die Zuständigkeit der gewählten Berufspolitiker anerkannt, und das ist als Demonstrationsgrund irgendwie unergiebig.
    Ähnlich war es mit den „Empörten“, die von der Politik gehört und vom Kapital benützt werden wollten, und dann gemündet haben in der trostlosen Podemos-Partei, die ihren Anhängern ständig die politologisch aufgemachten Demokratie-Ideale vorbetet und sich als Hüter der Demokratie aufspielt.

    Ich nehme an, beide Bewegungen – Gelbwesten und FFF – werden sich aufspalten in verschiedene Gruppierungen, die aus der Folgenlosigkeit ihrer Proteste verschiedene Schlüsse ziehen werden.

  52. 52 Nestor 17. Dezember 2019 um 14:40 Uhr

    @Cilly

    Man muß sich fragen: Was leisten solche Veranstaltungen wie die Madrider Klimakonferenz?

    Herausgekommen ist ja wenig, was irgendwie bindend für Staaten, also Gesetzgeber, und Unternehmen wäre.
    Also muß es das bloße Zusammensitzen und Sich-Verständigen darüber, was wünschenswert wäre und wohin die Klimapolitik gehen soll, die Essenz solcher Veranstaltungen sein.

    Abgesehen davon, wie sich Staaten darüber profilieren, daß dieses Wandertheater bei ihnen stattfindet.
    Obwohl Chile den Event auslagern mußte, weil bei ihnen gerade der Schuppen brennt, hat es sich dennoch als Gastgeber aufgeführt.
    Und die spanische Regierung, die noch immer keine Mehrheit zusammenkriegt, glänzt darüber, daß sie Madrid als Ausweichdestination angeboten hat.

    Es wurde z.B. wieder einmal betont, daß man die CO2-Emissionen reduzieren muß, womit andere mögliche Ursachen des Klimawandels wieder einmal vom Tisch sind.
    Fällt sonst noch wem was auf?

  53. 53 Kehrer 17. Dezember 2019 um 16:54 Uhr

    „Ja, das mit den CO2-Steuern und dem Konsumverhalten ist zwar sicherlich die Absicht, was aber absehbarerweise herauskommen wird, ist ein Rückgang der zahlungsfähigen Nachfrage, und nicht ein Run auf Elektroautos.“

    Ja. Richtig, aber sehr vornehme ausgedrückt. Mit anderen Worten: Die Leute werden noch weiter verarmt zu Gunsten von Kapitalen, die, ja was eigentlich? e-autos bauen? Wobei die Plus-Seite sehr unsicher, die Verarmung aber sicher ist.

    „Die Gehälter steigen ja nicht automatisch, weil die Autos teurer werden.“

    Na eben. Ich hoffe du erinnerst dich daran, dass du meintest, die Leute schröpfen ginge nicht (unendlich). Es geht anscheinend doch immer noch ein bisschen mehr.

    „(Inzwischen sind ÖVP und Grüne auch gut unterwegs im Sammeln von Protestwählern!)“

    Und beide taugen nichts. Die einen ziehen einen nationalistischen Schluss, die grünen Idealisten stacheln die Politik immer weiter Richtung Klimarettung auf – was die Politik nur als Aufforderung versteht ihr Schröpfprogramm noch zu verstärken, „Nachschärfen“ heißt das auf neudeutsch. So hat die Reaktion auf das erste Klimapaket zu dem öffentlichen Echo geführt,man müsse mehr tun. Und „mehr“ tun sie jetzt ohne Zweifel.

    „Ich nehme an, beide Bewegungen – Gelbwesten und FFF – werden sich aufspalten in verschiedene Gruppierungen, die aus der Folgenlosigkeit ihrer Proteste verschiedene Schlüsse ziehen werden.“

    Sehe ich genauso. Die ständige Rumjammerei, dass die Politik angeblich nichts tut, muss denen doch selbst irgendwann als Widerspruch unterkommen. Denn die Politik tut ja was, bloß eben nicht das, was FFF sich vorstellt.

    „womit andere mögliche Ursachen des Klimawandels wieder einmal vom Tisch sind.“

    Welche sollen das denn sein? Die Klimaskeptiker bringen Alternativen zwar immer wieder zur Sprache ohne aber zu sagen welche Ursachen das sein sollen. Mir ist jedenfalls noch keine alternative einleuchtende Theorie untergekommen. (Mir geht der in den Medien omipräsente Klimawandel zur Zeit ziemlich auf die Nüsse. Kaum macht man die Glotze an – egal ob es um Afrika, Südamerika oder sonstwas geht – nur noch Klimawandel)

    „Also muss es das bloße Zusammensitzen und Sich-Verständigen darüber, was wünschenswert wäre und wohin die Klimapolitik gehen soll, die Essenz solcher Veranstaltungen sein.“

    Die wollen sich eben immer gegenseitig verpflichten. Am besten ist es der Klimaschutz findet anderswo statt, damit dann dort die Kosten anfallen. Und deshalb kommt da naturgemäß nichts bei rum. Da wird eben auch die Konkurrenz der Staaten ausgetragen. In einer Welt von konkurrierenden Nationalstaaten geht Klimaschutz eben nicht.

    Bei dem ersten Link von Cilly hätte ich mir noch gewünscht, dass darauf hingewiesen wird wie schamlos der grüne „Umbau der Energieversorgung“ auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen wird.

    „so ist die Erhebung einer gesonderten CO2-Steuer im grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr ein Mittel, von der Produktion und Handel mit Produkten, die nicht Standards grüner Bewirtschaftung entsprechen, abzulassen – oder die betreffenden Staaten sehen sich einem verlustreichen Niedergang ihrer Wirtschaftspotenzen ausgesetzt.“ Unter dem Titel Klimaschutz wird hier Tür und Tor für einen neuen Protektionismus auch innerhalb von Europa aufgestoßen. Vor allem ist es völlig unsicher, ob nicht die „rückständigen Staaten“ dabei als Gewinner hervorgehen.

  54. 54 Neoprene 17. Dezember 2019 um 17:21 Uhr

    „Die Leute werden noch weiter verarmt zu Gunsten von Kapitalen, die, ja was eigentlich? e-autos bauen?“
    Noch bauen die meisten Autofirmen weltweit klassisch Benziner und Diesel-Karren. Und obendrein noch ein paar Hybrid-Karren. Natürlich werden zukünftig in den meisten Staaten, selbst in relativ reichen imperialistischen Staaten, die meisten Leute sich keine neuen E-Autos leisten können. So wie bisher auch sich die meisten Normalos noch nicht mal einen vernünftigen neuen Diesel- oder Benzin-Wagen leisten können sondern eine ältere gebrauchte Karre kaufen müssen.
    Mir scheint es aber den Staaten und ihren großen Autokonzernen darum zu gehen, wer die weltweit sicherlich stark ansteigende Nachfrage nach guten E-Autos in Zukunft bedient und damit Geld verdient. Wenn deutsche Firmen sowas in China oder Kalifornien verkaufen können, dann interessiert es die sicher nicht so, was die Leute in Köln oder Bochum kaufen (können). Der Kampf um diesen Markt, der ja ganz offensichtlich erst einer werden muß und deshalb hoffnungsfroh „Zukunftsmarkt“ heißt, der hat gerade erst angefangen und es ist überhaupt nicht raus, wer da die Siegerkonzerne sein werden. Zu einem großen Teil deshalb, weil es eben nicht nur um so profane Sachen geht, wer zukünftig den billigeren oder reichweitenstärkeren Karren baut, sondern was in den jeweiligen Staaten die Regierungen den Märkten vorschreiben.
    Mit Sicherheit ist dieser Luxusmarkt, der auf die Kaufkraft der Normalos nicht sonderlich viel Rücksicht nehmen braucht, für eine Industrie, die seit Jahrzehnten an weltweiten Überkapazitäten leidet und an den Normalos wegen der erbitterten Konkurrenz nicht mehr sonderlich viel verdienen kann, vom Profitinteresse her enorm wichtig und interessant.

  55. 55 Kehrer 17. Dezember 2019 um 19:36 Uhr

    „Mit Sicherheit ist dieser Luxusmarkt, der auf die Kaufkraft der Normalos nicht sonderlich viel Rücksicht nehmen braucht…“

    Das ist mir viel zu defensiv formuliert. Nicht nur, dass auf die Normalos bei Neuwagen keine Rücksicht genommen wird. Es ist ja eigentlich umgekehrt, dass der Normalo, weil er arm ist und sich nur eine Benzinkutsche leisten kann mit seinen EEG-Umlagen, CO2-Steuern und Benzin-Steuern die E-Autos der Reichen finanzieren soll. Das ist eine Sauerei. Und den Leuten wird dann noch nachgerufen: Geschieht euch recht, ihr Klimasünder. Wenn ihr kein e-Auto kauft, müsst ihr eben blechen. Denn die Steuern sollen ja das Konsumverhalten ändern, wird zumindest behauptet. „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“ Das ist hochgradig zynisch und niemandem will das auffallen. Wahrscheinlicher ist, dass es den Machern durchaus klar ist, es sie aber einen Scheißdreck interessiert.

  56. 56 Nestor 17. Dezember 2019 um 21:41 Uhr

    @Kehrer

    Ich hoffe du erinnerst dich daran, dass du meintest, die Leute schröpfen ginge nicht (unendlich). Es geht anscheinend doch immer noch ein bisschen mehr.

    Ich halte natürlich an meinem Urteil fest.
    Daß man bescheidene Gehälter zahlt, heißt in diesem Fall, daß die Betroffenen als Konsumenten ziemlich flach fallen, und das wiederum heißt, daß es mit dem Wachstum, also den Gewinnen der Unternehmen, schlecht ausschaut.

    Auch das mit dem Protektionismus stimmt, aber unter den gegebenen Bedingungen führt Protektionismus auch zur Verringerung von Gewinn auf nationaler Ebene, weil Ein- und Verkauf von Waren und Vorprodukten umgestellt werden müssen, und das führt zu Rückgang bei Produktion und Konsum.

    -----

    Was den Luxusmarkt betrifft, so ist der klein. Der kann das Wegbrechen der Prolo-Märkte nicht auffangen.

    Der Reichtum der Nationen beruht auf der Kaufkraft der Massen, je mehr die wegbricht, um so mehr Geschäft geht eben auch den Bach hinunter.

    Die Klimaskeptiker bringen Alternativen zwar immer wieder zur Sprache ohne aber zu sagen welche Ursachen das sein sollen.

    Ich weiß jetzt nicht, welche „Klimaskeptiker“ von dir gemeint sind.
    Ich – und auch andere – halten daran fest, daß das Verkleinern der Waldflächen zum Klimawandel mehr beiträgt als der CO2-Ausstoß, und darüber fiel ja am Madrider Klimagipfel kaum ein Wort.
    Dazu gäbe es auch in unseren Breiten viel zu sagen – und zu tun! – das ist aber eben nicht Thema.

  57. 57 Neoprene 17. Dezember 2019 um 22:01 Uhr

    Wenn Nestor meint:
    „Daß man bescheidene Gehälter zahlt, heißt in diesem Fall, daß die Betroffenen als Konsumenten ziemlich flach fallen, und das wiederum heißt, daß es mit dem Wachstum, also den Gewinnen der Unternehmen, schlecht ausschaut.“
    dann stimmt das so halt nur für die armen Proleten. Die Wirtschaft hat aber alle als Kunden, sich selber nicht zuletzt, das Ausland, den Staat. Jedenfalls sind die kapitalistischen Reichtümer historisch auch durch die Krisen hindurch (wo sich natürlich immer wieder zeigt, daß wegen der Armut der Massen, die kaufkräftige Nachfrage doch nicht ewig in den Himmel steigen kann) auch bei daran gemessen immer armen Proleten gewachsen.
    Der Protektionismus war schon immer die Waffe der Staaten, die sich auf einem „freien“ Weltmarkt, also einem nach ihren Regeln, schlechte Karten ausgerechnet haben. Dann wurden innere Märkte vor der unliebsamen Konkurrenz abgeschirmt, um sie derweil so stark zu machen, daß es dann wieder freier weiter gehen kann. Oder um zu verhindern, daß eigenen Bereiche, die nicht mehr mithalten können. allzu schnell von der ausländischen Konkurrenz fertig gemacht werden. Die EU jedenfalls ist in ihrem Kernbereich der Agrarwirtschaft bis zum heutigen Tag ein beinharter Vertreter von protektionistischer Abschirmung der europäischen Agrarmärkte (hatten wir ja gerade hier am Beispiel Mercosur und Rindfleischmarkt)
    „Was den Luxusmarkt betrifft, so ist der klein. Der kann das Wegbrechen der Prolo-Märkte nicht auffangen.“
    Nein ist er, jedenfalls bei den PKWs nicht. Es wird z.B. für den Markt in Deutschland vorhergesagt, daß die großen „luxuriösen“ SUVs schon bald die Hälfte aller verkauften Neuwagen ausmachen werden:
    „Markanteil seit 2014 mehr als verdoppelt
    Der SUV-Marktanteil stieg auf 21,2 Prozent, der der Geländewagen auf 9,4 Prozent. Das KBA unterscheidet zwischen den Segmenten SUV und Geländewagen, dies hat mit optischen und technischen Merkmalen zu tun. Die Hersteller vermarkten die Fahrzeuge aber meistens als SUV.
    Ein Vergleich mit den Zulassungen vor fünf Jahren zeigt, wie sehr SUVs zugelegt haben. Im Juni 2014 hatten sie noch einen Marktanteil von 9,8 Prozent, Geländewagen von 7,4 Prozent. Demgegenüber lag die Kompaktklasse mit Modellen wie dem VW Golf oder dem Opel Astra vor fünf Jahren noch bei einem Marktanteil von 26,8 Prozent. Dieser Anteil ist im Juni 2019 auf 20,7 Prozent geschrumpft.“ https://www.focus.de/finanzen/boerse/unternehmen-suv-boom-in-deutschland-haelt-an-marktanteile-steigen-weiter_id_10899835.html
    Zudem erhoffen sich ja die Autokonzerne, die auf E-Mobilität umsteigen wollen, sich gerade von ihren armen Heimatkäufern unabhängig zu machen und an alle einkommensstarken Menschen weltweit ihre teuren Karren verkaufen zu können.

    „Der Reichtum der Nationen beruht auf der Kaufkraft der Massen“
    Nein, der Reichtum der Staaten ergibt sich aus der erfolgreichen Kapitalakkumulation. Und da ist es einem Kapitalisten egal, ob seine Waren von den armen Schluckern oder seinesgleichen gekauft werden. Der enorme Anstieg des Reichtums in der VR China liegt zu einem großen Teil daran, daß über Jahrzehnte hinweg die Arbeiter knapp gehalten wurden und die Investitionsrate ein Vielfaches der anderen Konkurrenten betragen hat.

  58. 58 Kehrer 17. Dezember 2019 um 23:21 Uhr

    „Ich halte natürlich an meinem Urteil fest. Daß man bescheidene Gehälter zahlt, heißt in diesem Fall, daß die Betroffenen als Konsumenten ziemlich flach fallen“

    In dem Fall wird ihnen aber nicht durch bescheidene Gehälter zusätzlich was weggenommen, – um Gehälter ging es oben auch nicht – sondern durch Sonderabgaben auf Energieträger, wie Benzin und Strom. Also kann man ihnen noch was wegnehmen. Deine These hieße ja, dass der Klassenkampf von oben nicht mehr geht, weil die Proleten schon nichts mehr haben. Der Klassenkampf von oben geht immer weiter, Da gibt es keine Grenze. Und das erleben wir gerade und das sollte man zum Thema machen. Also zum Thema machen, dass unter dem Titel Klimaschutz die Leute verarmt werden. Vorhin habe ich kurz durchs TV gezappt Servus TV oder Arte. Da wurde zum Thema gemacht, dass sich einige Reiche in Australien die Verfügung über Wasser kaufen und ihr Wasser an die Landwirte verpachten und damit riesige Gewinne erwirtschaften, weil sie sie erpressen können. Die Spekulanten und Banker hätten eine unheilige Allianz mit den Klimaschützern geschmiedet. Bestimmte Wasserreserven dürfen nämlich wegen Umwelt und Klimaschutz nicht angetastet werden und das verknappt das Angebot weiter. Also Klimaschutz wurde als Kampfbegriff entdeckt in Australien, um mittels Erpressung Gewinne aus der Landwirtschaft zu ziehen und in Deutschland, um die Proleten zu veranlassen für die Kosten der Klima/Energiewende aufzukommen.

    “ und das wiederum heißt, daß es mit dem Wachstum, also den Gewinnen der Unternehmen, schlecht ausschaut.“

    Nicht „der“ Unternehmen, sondern es sieht nur mit dem Wachtum der Unternehmen die Konsumtionsmittel herstellen, schlecht aus und zwar zu Gunsten derjenigen Unternehmen, die in E-mobilität machen. Aber was ist das für eine Perspektive. Juckt mich doch nicht wenn da eine Umschichtung der Gewinne zwischen verschiedenen Unternehmerfraktionen stattfindet. Was mich aber juckt ist, dass die Proleten noch weiter runtergedrückt werden in ihrem Konsum.

    „Ich – und auch andere – halten daran fest, daß das Verkleinern der Waldflächen zum Klimawandel mehr beiträgt als der CO2-Ausstoß, und darüber fiel ja am Madrider Klimagipfel kaum ein Wort.“

    Ok. Ich wusste nicht was du meinst. Es ist ja auch keine andere Ursache, sondern eine die Ursache kompensierender Zusammenhang/Mechanismus, die/der wegfällt.

    „Jedenfalls sind die kapitalistischen Reichtümer historisch auch durch die Krisen hindurch… gewachsen“

    In Krisen wird massenhaft Reichtum vernichtet, auch konkreter Reichtum in Form von Fabriken und Waren.

  59. 59 Neoprene 18. Dezember 2019 um 1:58 Uhr

    Ja, „In Krisen wird massenhaft Reichtum vernichtet, auch konkreter Reichtum in Form von Fabriken und Waren.“ Das habe ich ja auch gar nicht bestritten. Ich habe nur darauf hingewiesen, daß die Armut der Massen das Kapital nicht daran gehindert hat, in riesigem Ausmaß zu wachsen. Das vor allem die jetzt bevorstehende Krise nicht in der grundlegenden Armut der Massen sondern an der Überakkumulation des Kapitals ihren Grund hat, möchte ich noch nachreichen.

  60. 60 Kehrer 18. Dezember 2019 um 13:21 Uhr

    „Ich habe nur darauf hingewiesen, daß die Armut der Massen das Kapital nicht daran gehindert hat, in riesigem Ausmaß zu wachsen.“ Ja, aber nicht in der Krise, sondern vor der Krise, weitet das Kapital mit Kredit auf Teufel komm raus die Produktion aus, und konkurriert um die zahlungsfähige Nachfrage.

    „Das vor allem die jetzt bevorstehende Krise nicht in der grundlegenden Armut der Massen sondern an der Überakkumulation des Kapitals ihren Grund hat, möchte ich noch nachreichen.“

    Dein Nicht-Sondern-Argument ist verkehrt, weil beides in einem Zusammenhang steht. Es ist ein Verhältnis mit zwei Seiten: 1. Die beschränkte Zahlungsfähigkeit der Massen und 2. Die Akkumulation, die als „über“ unabhängig, getrennt von dieser Zahlungsfähigkeit akkumuliert. Dennoch ist die Akkumulation auf die beschränkte Zahlungsfähigkeit bezogen, weil die Waren ja versilbert werden müssen.

    J e d e Krise hat also ihren Grund in der Überakkumulation des Kapitals im Verhältnis zur „grundlegenden Armut“ (also beschränkten zahlungsfähigen Nachfrage). „Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.“

  61. 61 Nestor 18. Dezember 2019 um 14:23 Uhr

    @Neoprene

    historisch auch durch die Krisen hindurch … auch bei daran gemessen immer armen Proleten gewachsen.

    Eben nicht. Es gab zwei Weltkriege, die die gesamten Verhältnisse neu aufmischten. Die USA kam nur durch den 2. Weltkrieg aus der Great Depression heraus, nicht durch den New Deal.

    Was das Verhältnis zwischen Massen- und Proletenproduktion betrifft:
    Die SUVs haben genau darin ihre Wichtigkeit für die Kapitalakkumulation, daß sie einen ansonsten stagnierenden Automarkt noch einmal vorangebracht haben. Aber erstens wäre es verfehlt, den Blick hier rein auf den EU-Markt zu richten. Die haben auch in China eingeschlagen, und dieser Markt ist durch die chinesische Entscheidung zur E-Motoren-Umstellung gefährdet.

    Zweitens: Was die EU selbst betrifft, so ist es fraglich, wie weit der SUV als „Luxusprodukt“ gelten kann. Viele Prolos verschulden sich doch bis über die Ohren, nur um mit einem solchen Auto zeigen zu können, daß sie wer sind.
    SUV-Zulasseungen sind also nicht gleichzusetzen mit „Reiche kaufen SUV-Luxusautos und Arme fahren Gebrauchtwagen von Ford (oder ähnliches)“.

    Bei den Autokäufen muß man sich doch das Kreditwesen, besonders die Konsumentenkredite, vor Augen halten, um zu verstehen, wie der Absatz heute überhaupt noch funktioniert.
    Und auch die Lage der Banken, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, und es deshalb in durchaus fragwürdige Kreditgeschäfte mit armen Schluckern stecken, in Ermangelung von soliden Alternativen. (Man wüßte ja sonst nicht, wie z.B. die Ukraine und Argentinien sonst noch Kredit aufnehmen könnten.)

  62. 62 Neoprene 18. Dezember 2019 um 16:24 Uhr

    „Es gab zwei Weltkriege, die die gesamten Verhältnisse neu aufmischten. Die USA kam nur durch den 2. Weltkrieg aus der Great Depression heraus, nicht durch den New Deal.“
    Wenn selbst die gigantischen Vernichtungen von Reichtum jeglicher Art, von Millionen Menschen sowieso, dem historischen Trend des Kapitalwachstums kein Ende setzen konnten, dann möchte ich doch darauf beharren, daß die Versorgung von Proleten mit dem Zeugs, das die fürs Zurechtkommen in den kapitalistischen Verhältnissen brauchen, wohl nie der Grund oder die Triebkraft für die Kapitalakkumulation gewesen sein können. Ich wollte übrigens auch gar nicht behauptet haben, daß man nur ordentlich Staatsschulden machen bräuchte, um noch aus den größten Krisen wieder in einen Aufwärtstrend zu kommen. Die Keynesianer, die das nach dem zweiten Weltkrieg ja in vielen Staaten behauptet und zum Teil auch politisch durchgesetzt haben, sind ja nicht von ungefähr dann von den politischen Kreisen abgeräumt worden, die damit Schluß gemacht haben und die Monetaristen toll fanden.
    Zu den Autos: Ja, es geht dabei schon länger nicht mehr nur um die bisherigen Hauptmärkte Europa und Nordamerika sondern zunehmend um China. Es stimmt, gerade die neue Mittelklasse in China fährt besonders auf SUVs ab (und die USA sowieso schon länger, wo es ja auch schon immer billige einfache große Autos gegeben hat, die mit Luxus überhaupt nichts am Hut hatten). Die Entscheidung der chinesischen Regierung für einen Umstieg auf Elektroantriebe trifft deshalb natürlich auch das (Luxus-)SUV-Segment. Wie alle anderen Autoklassen auch.
    Mir scheint es angesichts der Preise europäischer und vor allem deutscher SUV müssig zu bestreiten, daß sowas ein „Luxusprodukt“ ist. Von rund 130 hier angebotenen Modellen sind mal gerade 40 für weniger als 25.000 EUR zu haben. Ein typischer SUV, der VW Tuareg ist erst ab 57 TEUR zu haben. (Der meistverkaufte Tiguan hingegen schon ab 25 TEUR, der T-Roc ab 20 TEUR, der dritte, der BMW X1 kostet schon mindestens 33 TEUR) Daß sich in der Tat viele Proleten verschulden, um auch so eine Kiste fahren und vorzeigen zu können, spricht auch eher für Luxus als für Gebrauchsgut.
    Ja, wie beim Wohnungsmarkt auch, lebt der Automarkt von Krediten. Mittlerweile sind ja die Autofirmen selber mit ihren Kreditbanken groß im Geschäft. Das „funktioniert“ natürlich nur so lange, wie es keine weitere Krise gibt (ja, das ist platt tautologisch, zeigt aber, das es auch hier nicht „ewig“ so weitergehen kann wie bisher).

  63. 63 Kehrer 18. Dezember 2019 um 17:07 Uhr

    https://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article153257286/Finanzierungswege-zum-neuen-Auto.html

    „Rund 75 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in Deutschland werden über Leasing- und Finanzierungsmodelle möglich gemacht. Das geht aus der neuen Automobilbankstudie 2016 des Arbeitskreises Autobanken (AKA) und des Marktforschungsinstituts Puls unter 1400 Autokäufern hervor.

    Kein Wunder also, dass viele Autofahrer einen Neuwagen auf Kredit oder per Leasing kaufen. Während die Markenhändler oft auf konzerneigene Finanzinstitute zurückgreifen können, arbeiten freie Händler in der Regel mit verschiedenen Kreditinstituten zusammen.

    Für Barzahlungen ist in der Regel nicht genug Geld auf der hohen Kante.“

  64. 64 Guurd 20. Dezember 2019 um 13:32 Uhr
  65. 65 Kehrer 20. Dezember 2019 um 15:42 Uhr

    “ Solange euer Protest sich ausgerechnet an
    die Macher, an die „politischen Führungen“ richtet, die ihr fälschlich mit dem Possessivpronomen „unsere“ verseht, solange wird Euer Protest ohnmächtig bleiben.“

    an die Macher – statt gegen die Macher
    Der Adressat ist schon korrekt, bloß die Intention bzw. das Verhältnis in das sich die Klimabewegung zu ihnen setzt, ist es nicht. Ansonsten wirklich gut gemacht. Kann ich unterschreiben.

    Gestern kam im TV, dass die Grünen planen, das Fleisch, das jetzt „Billig“ -Fleisch heißt so teuer zu machen wie das Biofleisch, damit die Kunden zum Biofleisch greifen. Offenbar hat dieser Code 1, 2 , 3, 4 von Konventionell bis Bio nichts gebracht und die Kunden kaufen trotzdem Kategorie 1. Statt sich zu fragen warum die „dummen Kunden“ eigentlich das schlechtere Fleisch kaufen, obwohl es auch gutes gibt, machen die Grünen umstandlos den Übergang zur Gewalt.
    Wenn Aufklärung und Indoktrination mit grüner Ideologie nichts bringt und sie nicht freiwillig mehr zahlen, dann muss man sie eben dazu bringen mehr zu zahlen, damit sie sich dann für das gute Fleisch entscheiden und die bösen Fleischproduzenten ebenfalls gut/Bio produzieren. Dann wird in der Fußgängerzone noch rumgefragt, was „die Leute“ davon halten. Und die sagen natürlich, dass sie das gut finden würden, wenn kein „Billig“/Bösefleisch mehr angeboten wird. Dabei könnte ich wetten, dass es sich um ausgesuchte Meinungen handelt und die übrigen unter den Tisch fallen. So geht demokratische Propaganda. Der Bürger darf bestätigen was die Politik ihm einbrokt. Das große Hallali auf den Geldbeutel der Lohnabhängigen unter dem Deckmantel des Umwelt und Klimaschutzes hat begonnen. Der Prolet soll alles zusätzlich und doppelt und dreifach finanzieren, was der Kapitalismus ihm zumutet. Er soll ausgleichen, was die Konkurrenz notwendig hervorbringt. Wenn Energieunternehmen nur billige Energie produzieren zu Lasten von Umwelt und Naturschutz, soll der Prolet mit allerlei Steuern den Umbau auf regenerative Energienfinanzieren. Wenn die Landwirtschaft international konkurrenzfähiges Fleisch produziert, soll der Kunde entweder den Umbau auf kostspieligere Fleischproduktion finanzieren oder direkt den Export sponsorn. Denn wie die Zusatzeinnahmen auf das Künstlich teuer gemachte „Billig“-Fleisch verwendet werden, entzieht sich vollständig seiner Kontrolle.

    Solchen Bezeichnungen wie „Billig“-Fleisch entnimmt die Politik, dass Fleisch für Proleten zu billig zu haben ist. Dem entnimmt sie die Notwendigkeit den Proleten zu schröpfen, jedenfalls dass hier eine Einnahmequelle der Nation ungenutzt brach liegt. Es ist ein Denken, wie im Feudalismus der schlimmsten Sorte. Wo kann ich meinen Untertanen noch mehr abpressen. Widerlich ist diese Einstellung der Grünen, die Schäden des Kapitalismus auf dem Rücken seiner Opfer, reparieren zu lassen. Versöhnt wird dabei bloß eines. Das gute Gewissen grüner Zeitgenossen mit den Schönheiten des Kapitalismus.

  66. 66 Nestor 20. Dezember 2019 um 17:33 Uhr

    @Neoprene

    Ich weiß jetzt nicht mehr ganz, was das Thema ist.

    Wenn selbst die gigantischen Vernichtungen von Reichtum jeglicher Art … dem historischen Trend des Kapitalwachstums kein Ende setzen konnten

    Ich weiß nicht, wie der Trend hier hereinkommt.

    Ich meinte, das Wachstum stößt irgendwann einmal an seine Grenzen, weil keine zahlungsfähige Nachfrage mehr da ist. Das heißt dann Krise. Wenn das überall auftritt, so heißt das Weltwirtschaftskrise. Und so etwas haben wir heute auch.

    Das ist ziemlich kriegsträchtig, weil dann eine Neuaufteilung der Welt ansteht, um die Kapitalakkumulation wieder national auseinanderzusortieren.

    Das mit dem Trend klingt ja so, als gäbe es einen Rechtstitel auf Wachstum, und als wäre Kriege da eine Art holpriges Hindernis, so eine Art Kleinigkeit.
    Dabei ist doch der Krieg ein angestrebtes Mittel, die Kapitalakkumulation auf dem eigenen Territorium wieder voranzubringen, indem fremde Standorte, Rivalen, unterworfen werden.

    daß die Versorgung von Proleten mit dem Zeugs, das die fürs Zurechtkommen in den kapitalistischen Verhältnissen brauchen, wohl nie der Grund oder die Triebkraft für die Kapitalakkumulation gewesen sein können

    Das hat auch niemand behauptet.

    Aber die Zahlungsfähigkeit der Massen ist nun einmal die Bedingung der Kapitalakkumulation insofern, als die Waren ja irgendwohin abgesetzt werden müssen. Und da geht es wirklich um die Proleten, und um die Massenproduktion, nicht um Luxusjachten.

    SUVs, noch einmal, sind keine Luxusprodukte. Sie werden von den Medien und der öffentlichen Meinung inzwischen zu solchen stilisiert, um zu zeigen, daß 1. wir in Wohlstand leben, und 2. das Proletariat über seine Verhältnisse lebt.
    Das Sich-Verschulden ist inzwischen bereits so üblich geworden, daß – im Vergleich zur Verschuldung für Immobilien – so ein Auto schon fast wie ein Schnäppchen wirkt. ;-)

    Das „funktioniert“ natürlich nur so lange, wie es keine weitere Krise gibt

    Es braucht ja keine weitere – die vorige ist nicht vorbei.
    Durch ständiges Ausdehnen des Kredits für Staaten und für Konsumenten wird die nur immer weiter vor sich her geschoben.

  67. 67 Nestor 20. Dezember 2019 um 17:52 Uhr

    @Kehrer

    Ich verstehe ja, daß du die Grünen eklig findest. Geht mir genauso.
    Aber du überschätzt sie meiner Ansicht nach ein wenig.

    dass die Grünen planen, das Fleisch, das jetzt „Billig“ -Fleisch heißt so teuer zu machen wie das Biofleisch, damit die Kunden zum Biofleisch greifen.

    Daß sie so etwas planen, glaube ich ja sofort. Aber daß sie damit durchkommen, bezweifle ich. Immerhin gibt es ja eine Lebensmittelindustrie, die das ganze Billig-Zeug herstellt, und die wird sich dagegen wehren, daß man ihre Kunden verprellt. Weil wenn Hormonfleisch so viel kostet wie Bio-Fleisch, dann kauft es tatsächlich niemand.

    Deswegen bezweifle ich auch, daß deine düstere Prophezeiung:

    Das große Hallali auf den Geldbeutel der Lohnabhängigen unter dem Deckmantel des Umwelt und Klimaschutzes hat begonnen.

    wahr wird.

    Aber lassen wir uns überraschen.
    Vielleicht werden die Proleten tatsächlich über den Preis zu Vegetariern gemacht.
    Für die Grünen auf jeden Fall ein Win-Win-Szenario.

    Dem entnimmt sie die Notwendigkeit den Proleten zu schröpfen, jedenfalls dass hier eine Einnahmequelle der Nation ungenutzt brach liegt. Es ist ein Denken, wie im Feudalismus der schlimmsten Sorte.

    Der Zugriff der zentralen Staatsgewalt auf den Geldbeutel der arbeitenden Menschheit beginnt erst mit der Bauernbefreiung, also nach dem Ende des Feudalismus. Vorher war der Bauer dem Grundherrn tributpflichtig, nicht dem Staat, und auch das größtenteils in Naturalien, nicht in Geld.
    Ein guter Teil der Bevölkerung Europas lebte bis ins mittlere 19.Jahrhundert außerhalb der Geldwirtschaft.

    Mit scheint, daß inzwischen generell verkehrte Vorstellungen über den Feudalismus kursieren, die an verkehrte Vorstellungen über das Verhältnis von Staat und Kapital anknüpfen.

  68. 68 Neoprene 20. Dezember 2019 um 18:11 Uhr

    „Ich weiß nicht, wie der Trend hier hereinkommt.“ Ich hab das deiner folgenden These entnommen: „Ich meinte, das Wachstum stößt irgendwann einmal an seine Grenzen.“
    Das tut es „nur“ nach jedem Boom, das gehört zu der für die Betroffenen Menschen (und Kapitale) verheerenden Art und Weise, wie sich das Kapital weiterentwickelt. Und eben über und durch die Krisen hindurch, ja gerade wegen der Ergebnisse der Krise, sich wieder auf den Weg macht, noch mehr zu werden.

    „Das ist ziemlich kriegsträchtig, weil dann eine Neuaufteilung der Welt ansteht, um die Kapitalakkumulation wieder national auseinanderzusortieren.“
    Ja nun, wer hier wollte das schon bestreiten. Man hat sich ja auch hier schon ernsthaft gefragt, ob die Vorkriegszeiten nicht schon einer neuen kriegerischen Epoche gewichen sind.

    „Das mit dem Trend klingt ja so, als gäbe es einen Rechtstitel auf Wachstum, und als wäre Kriege da eine Art holpriges Hindernis, so eine Art Kleinigkeit.“
    Ja, so unerbittliche ist der Kapitalismus eben leider ganz offensichtlich, daß er – koste es was es wolle – auf dem Wachstum seiner Kapitale besteht bezw. dieses herzustellen versucht. Aus der Sicht der Konzerne, jedenfalls der meisten, sind Kriege in der Tat ein Hindernis. Es ist doch ein altes reformistisches Märchen, daß es der militärindustrielle Komplex sei, also gerade nicht die Staaten, die diese unschuldigen Lämmer in die Kriege drängen.
    Es stimmt schon, „Dabei ist doch der Krieg ein angestrebtes Mittel, die Kapitalakkumulation auf dem eigenen Territorium wieder voranzubringen, indem fremde Standorte, Rivalen, unterworfen werden.“ Nur kann das halt vorher kein Kapitalist wissen, ob „sein“ Staat so einen Krieg überhaupt gewinnt und ob er dann zu den Profiteuren zählen wird. Auf einen weiteren Weltkrieg, um aus dem Tal der Profite herauszukommen, haben sich z.B. in Deutschland die Konzerne erst kurz vor Hitlers Sieg geeinigt, bis dahin war „nur“ die Schwerindustrie dafür.

    „die Zahlungsfähigkeit der Massen ist nun einmal die Bedingung der Kapitalakkumulation“
    Nein, das ist die zahlungsfähige Gesamtnachfrage. Wenn da die Staaten und die Firmen selber massiv mitmachen, dann zählt der daran gemessen schmale Geldbeutel der Arbeiterklasse eben nicht so viel. Mein Beispiel hierzu war die VR China, die ein grandioses Wirtschaftswachstum hingelegt hat, indem sie den Lebensstandard der Arbeiterklasse über Jahrzehnte weg nicht sonderlich hat ansteigen lassen und stattdessen in irrem Maße investiert hat, sei es in moderne Infrastruktur, sei es in moderne Technologie für die Firmen.

    „da geht es wirklich um die Proleten, und um die Massenproduktion, nicht um Luxusjachten“
    Nein geht es nicht: China ist nicht zu einem der größten Stahl- und Zementproduzenten der Welt geworden, weil sich die chinesischem Massen so viele Autos oder Eigentumswohnungen gekauft hätten.

    „SUVs, noch einmal, sind keine Luxusprodukte. Sie werden von den Medien und der öffentlichen Meinung inzwischen zu solchen stilisiert, um zu zeigen, daß 1. wir in Wohlstand leben, und 2. das Proletariat über seine Verhältnisse lebt.“
    Nun gut, wenn eine normale Familie sich statt einem Golf lieber einen Tiguan kauft, dann ist das noch kein „Luxuskonsum“. Die teurere Hälfte aller angebotenen SUVs gehören aber schon in diese Kategorie. Ob eine Familie, die mit einem Tiguan in Urlaub fährt, damit schon in Wohlstand lebt, bezweifele ich auch. Daß aber all die proletarischen Existenzen, die sich solche Autos nur mit Ach und Krach auf Pump leisten können, damit „über ihre Verhältnisse leben“, merken die ja sofort an dem durchgesetzten „Eigentumsvorbehalt“, denn ihre Autobank geltend macht, wenn in der Krise die Raten nicht mehr bezahlt werden können. Daß die Verschuldung für die eigene Wohnung oder das eigene Häuschen noch gravierender ist, will ich gar nicht bestreiten. Damit werden sich in der Krise halt auch die „kleinen Leute“ verheben und ihr ganzes Vermögen verlieren. Um „Schnäpchen“ geht es dabei also gar nicht, sondern um das finanzielle Überleben der Familien, die sich so engagiert haben.

    „Es braucht ja keine weitere – die vorige ist nicht vorbei.
    Durch ständiges Ausdehnen des Kredits für Staaten und für Konsumenten wird die nur immer weiter vor sich her geschoben.“
    Ja, so wird das sein. Und wenn es dann kommt, wird es gerade für Millionen von proletarischen Existenzen das Aus bedeuten, was auch immer das dann darüber hinaus für die Staaten bedeuten wird, in denen sie leben.

  69. 69 Kehrer 20. Dezember 2019 um 19:49 Uhr

    „Ich meinte, das Wachstum stößt irgendwann einmal an seine Grenzen, weil keine zahlungsfähige Nachfrage mehr da ist.“ In der Krise ist nicht keine zahlungsfähige Nachfrage mehr, sondern die zahlungsfähige Nachfrage reicht nicht, um die Ansprüche auf Versilberung der produzierten Waren zu bedienen.
    Es ist wie oben schon ausgeführt ein Verhältnis mit zwei Seiten.

    „Dabei ist doch der Krieg ein angestrebtes Mittel, die Kapitalakkumulation auf dem eigenen Territorium wieder voranzubringen, indem fremde Standorte, Rivalen, unterworfen werden.“ Hm. Allgemein kann das aber nicht gelten, denn das hieße ja dass Kriege nur geführt werden, wenn die Kapitalakkumulation am Boden liegt. Das wäre auch keine gute Voraussetzung zu gewinnen. Es ist zwar so, dass das Kommando über das eigene Territorium die Bedingung der Kapitalakkumulation ist. Krieg wird aber nicht für die Kapitalakkumulation gemacht. In der Krise verschärfen sich vielmehr die Gegensätze zwischen den Staaten und das kann dann zu einem Krieg führen.

  70. 70 Cilly 21. Dezember 2019 um 6:18 Uhr

    Ökonomen und Politiker beklagen sich bei der Bevölkerung, dass sie zu wenig gebiert und dies dem Wirtschaftswachstum schadet. Nun könnte man einwenden: Ginge es um die Versorgung der Menschen, so könnte bei schrumpfender Bevölkerung die Wirtschaftsleistung ja problemlos sinken. Doch angesichts der Tatsache, dass das Bruttoinlandsprodukt steigen muss, wird die abnehmende Zahl von Beschäftigten zum Problem – zu wenig sind sie, nicht um sich mit Gütern zu versorgen, sondern um den Wachstumszwang zu bedienen.

    (…) Das Bruttoinlandsprodukt ist nicht ein »Kuchen«, der gemeinsam produziert und dann verzehrt wird. Stattdessen lebt der Großteil der Bevölkerung – inklusive ihrer »überzähligen« Teile – von einer Lohnsumme. Gezahlt wird sie ihnen, um das Wachstum der Wirtschaft voranzubringen. Dafür muss sie möglichst niedrig sein, damit die Unternehmen wettbewerbsfähig sind und das Bruttoinlandsprodukt dadurch steigt. Für diesen Zweck müssen immer ausreichend gut ausgebildete Menschen vorhanden sein. Sind es zu viele, ist das für die Wirtschaft nicht unbedingt ein Problem – solange die Überbevölkerung ruhig bleibt.

    Stephan Kaufmann über Wachstum. Krise und ‚Nachwuchssorgen‘ der Wirtschaft, ND, 21.12.2019

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1130436.nachwuchssorgen-der-wirtschaft-gebaeren-fuer-das-wachstum.html

  71. 71 Groock 21. Dezember 2019 um 9:02 Uhr

    Zu dem Themenbereich wg. Krieg etc:

    https://www.contradictio.de/blog/archives/7910

    dort u.a. Ausführungen zu:

    “ 3. Die Gewalt des Imperialismus ist nicht die Tat des Kapitals, sondern die des kapitalistischen Staats, der seine Bereicherung an anderen Nationen erzwingt!“

    http://Neoprene.blogsport.de/2019/01/17/peter-decker-imperialismus-ist-kein-notbehelf-fuer-wachstumsunfaehiges-kapital/

    sowie Krims Verdeutlichungen im Thread bei Neoprene:

    http://Neoprene.blogsport.de/2019/01/17/peter-decker-imperialismus-ist-kein-notbehelf-fuer-wachstumsunfaehiges-kapital/#comment-125659

  72. 72 Kehrer 21. Dezember 2019 um 15:48 Uhr

    „Auch das Problem der »Überalterung« – quasi einer »Rentner-Überbevölkerung« – ist wohl kein biologisches.“ Das Kapital hat eben einen Heißhunger nach frischen, ausgebildeten hoch leistungsfähigen Arbeitskräften. Da wird jemand mit 50+ schon mal aussortiert, weil er zu viel verdient und junge Arbeitskräfte einfach billiger zu haben sind. Auch so entsteht „Über“-Alterung. Das „Über“ besteht im Anspruch des Kapitals, die Arbeitskraft gar nicht ein ganzes Arbeitsleben lang nutzen zu wollen, sondern sich die Sahnejahre höchster Produktivität bei niedrigstem Lohn aussuchen zu wollen. Nur solche sind gefragt, der Rest ist „Über“ und ein Problem. Aber halt mal wieder kein Problem fürs Kapital, sondern für die aussortierten Arbeiter.

  73. 73 Groock 23. Dezember 2019 um 7:29 Uhr
  74. 74 Kehrer 24. Dezember 2019 um 16:35 Uhr

    Gut. Auch im Tonfall sehr treffend. Wenn man was zu kritisieren hat, dann muss man Klartext reden und darf keine Angst haben jemanden zu verschrecken. Das tut man nämlich ohnehin.

  75. 75 Nestor 27. Dezember 2019 um 11:08 Uhr

    @Kehrer

    In der Krise verschärfen sich vielmehr die Gegensätze zwischen den Staaten und das kann dann zu einem Krieg führen.

    Das würde ich nie bestreiten.
    Aber warum verschärfen sie sich?
    Es liegt nicht – wie einen die Medien glauben machen wollen – an durchgeknallten Führungspersönlichkeiten, die dann mit dem roten Knopf spielen, weil sie in der Früh mit dem linken Fuß aufgestanden sind.

    Warum ist Trump so satt auf die EU? Er meint, die USA zahlen die Zeche in Form von militärischen Einsätzen rund um die Welt, und die EU kommt nachher und streift den Gewinn ein.
    Das ist natürich ein Zerrbild, entsteht aber daraus, daß es mit dem Gewinne-Machen, also dem Wachstum, also der Kapitalakkumulation nicht mehr so ganz hinhaut.

    Aus ähnlichen Gründen wollte sich die EU in der Ukraine breitmachen – noch einmal einen auf Kredit gegründeten Wachstumsschub fertigbringen – und war sauer, daß Rußland da nicht so recht mitspielte.

  76. 76 Nestor 27. Dezember 2019 um 11:50 Uhr

    Die ganze Debatte um das Bevölkerungswachstum ist ebenso widersprüchlich wie verlogen.

    Zunächst einmal, sie besteht nicht nur darin, daß den Frauen vorgeworfen wir, zuwenig zu gebären. Alleinerziehende Mütter mit 5 Kindern, auf Sozialhilfe und unter der Armutsgrenze sind ja auch nicht der Traum der Demographen, Pädagogen usw.
    Die ganze Art, wie sich die Bevölkerung reproduziert, gefällt den tatsächlich Verantwortlichen, also den Politikern, nicht.
    Die Männer sind genauso schuld, sie zeugen und zahlen vor allem zuwenig.
    Keiner will „Verantwortung“ übernehmen!

    Dabei ist inzwischen die Einkommenssituation vieler Leute im fortpflanzungsfähigen Alter so, daß sich Nachwuchs weder vom finanziellen noch vom Zeitbudget ausgeht. Stichworte Niedriglohnsektor und Flexibilisierung, 60-Stundenwoche usw.

    Das alles stört aber die Produzenten dieses Geschwätzes von den „zu bequemen Wohlstandsbürgern“ nicht, die von gut dotierten Beamten oder sonstigen, oftmals imaginären Personen faseln, die auf der faulen Haut liegen und zu wenig Kinder machen.

    Es geht nämlich nicht nur um die Produktion von Kindern, sondern um deren verantwortungsvolle Aufzucht. Sonst könnte der Staat ja selber aus der Retorte Kinder produzieren wie in Huxleys „Schöner Neuer Welt“, die Technik dazu gäbe es inzwischen.

    Gleichzeitig ist das Gerede von der „Überbevölkerung“ woanders nicht verstummt, Kairo hin oder her.

    Also, sollte man meinen, wenn hier zu wenige und in Afrika oder Südostasien zu viele – her damit!

    Das ist aber auch wieder nicht recht, sodaß man sieht, daß es für die wirklich Verantwortlichen bei ihrer Bevölkerungspolitik auch andere Gesichtspunkte gibt als den des Kapitalwachstums.

    Schließlich sind die 1,4 Millionen Arbeitskräfte, die heute in Deutschland fehlen, nicht durch mangelnde Reproduktion oder mangelnden Zuzug zustande gekommen, sondern durch elende Gehälter und dadurch bedingte Unattraktivität vieler Berufe, weswegen dort tatsächlich inzwischen Mangel herrscht.

    Der wäre auch durch einen plötzlichen Babyboom nicht zu beheben.

    Nicht daß jetzt hier wer meint, ich wollte gegen Stephan Kaufmann was sagen – nichts läge mir ferner! – ich wollte ihn nur ergänzen.

  77. 77 Cilly 27. Dezember 2019 um 12:58 Uhr

    Schon recht, das mit den Ergänzungen … :-)

    Die Auguren des hiesigen Wachstums für 2020 klagen immerzu die eierlegende Wollmilchsau ein, o.ä. Das ist und war hierzulande auch früher schon so, „dass fachkundige Kritiker wie etwa der Karlsruher Kybernetik-Professor Karl Steinbuch fürchten, Westdeutschland könnte sich bis zum Jahre 2000 „dem Zustand eines unterentwickelten Landes“ genähert haben.“ (Spiegel 1999) https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45562546.html

    ---

    Für hiesiges Wachstum sind die Vorstellungen z.B. über Afrika irgendwie vielleicht schon auch darin widersprüchlich, dass man China verdächtigt, dass ihr Werken in Afrika irgendwie doch das zukünftige Wachstum von China befördern könne …

    Andererseits habe ich eine solche Botschaft (für mehr Geschäft mit Afrika…) aber das letzte Mal vom damaligen Außenminister Gabriel vernommen.
    Und ansonsten stattdessen andere Auskünfte:

    http://nestormachno.blogsport.de/2019/09/24/debatte-zum-klimawandel/#comment-37692

  78. 78 Cilly 28. Dezember 2019 um 0:37 Uhr

    ‚Der gläserne Patient‘ – so skandalisiert gerade aktuell der Chaos-Computer-Club in seiner Sichtweise wesentliche Teile der Gesundheitspolitik der BRD.
    Kritisch dazu passt ein Kommentar vom 28.12.2019 im ND:
    Überwachung – Gläserner Spagat
    Stephan Kaufmann prüft die Motive der Überwachung

    „(…) Die digitale Technik, so heißt es, macht uns alle zu frei herumlaufenden und frei zugänglichen Informationsquellen. Der Staat, so die Warnung, entwickele sich zum »Überwachungsstaat« und die Internetkonzerne zu »Datenkraken«, die über Handys und Computer unsere Seele, Wünsche und Ängste ausspähen.

    »Ausspähen« ist dabei ein vielsagendes Wort. Es kommt aus dem Berufsfeld der Spionage. Unterstellt dabei ist ein Gegensatz zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten, weswegen der Beobachter im Geheimen operiert. Der Spion sucht nach Informationen, die sein Zielobjekt nicht herausrücken will, weil es – anders als in der Arztpraxis – davon ausgeht, dass die Gegenseite Ziele verfolgt, die den eigenen widersprechen. Ausspioniert zu werden ist selbst jenen unangenehm, die von sich glauben, eigentlich nichts zu verbergen zu haben. Denn angesichts des unterstellten gegnerischen Interesses wird jedes Geheimnis zu einem wertvollen Stück Autonomie. Man kann ja nie wissen.

    Bemerkenswerterweise setzt die öffentliche Kritik gar nicht an den unterstellten gegnerischen Zielen der Beobachter an – etwa daran, dass die Regierung unser Verhalten lenken will oder die Internetwirtschaft es nur auf unser Geld abgesehen hat. Stattdessen zielt die Kritik auf das Instrument, dessen sich die Gegenseite bedient, um ihre Ziele zu erreichen: Kontrolle und Überwachung, die Überwachte bestenfalls als verdächtig empfinden, schlimmstenfalls als mittelbaren Zwang.

    Nicht die Motive der überwachenden Institutionen zu kritisieren, sondern bloß die – an sich neutralen – Akte von Kontrolle und Überwachung selbst, ermöglicht einen gedanklichen Spagat: So kann man auf der einen Seite sein prinzipielles Misstrauen oder seine prinzipielle Ablehnung der gesellschaftlichen Zustände ausdrücken und sich auf der anderen Seite den Glauben erhalten, eigentlich sei doch alles in Ordnung. Wenn man bloß nicht ständig überwacht würde …“

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1130628.ueberwachung-glaeserner-spagat.html

    ---

    Ja – der Kommentar bezieht sich, vor allem zu Beginn des Originaltextes, was hier weggelassen wurde, ein wenig affirmativ auf den Idealismus des ärztlichen Helfens (‚anders als in der Arztpraxis‘), und unterstreicht, dass digitale Mittel dem Arzt beim „Gesundmachen oder Reparieren“ pur und nur nützlich sind. Oder es – eigentlich – sein sollten …
    Aber merke: Gesundheit hierzulande ist – doch auch – als Geschäft organisiert, mit handfesten Interessen an der Geldvermehrung der dortigen diversen Unternehmer und Kassenvereinigungen, was der Patient und seine Gesundheit als „Sparpolitik“ im gesamten Gesundheitswesen aushalten darf.

    D i e s e kapitalistischen Zwecke der staatlichen Gesundheitspolitik sollten kritische Geister oder CCC-Nerds mal in Frage stellen …

    Das wird am Beispiel einer Debatte bei Plasbergs „Hart aber fair“ hier dargelegt:
    https://www.magazin-auswege.de/data/2019/12/Cechura_Krankenhaus.pdf

  79. 79 Kehrer 28. Dezember 2019 um 2:21 Uhr

    „Aber warum verschärfen sie sich?“ Die Gegensätze verschärfen sich in der Krise, weil es darum geht, wo die Entwertung stattfindet. Wer es schafft, dass die Konkurrenten zuerst bankrott gehen überlebt die Krise vielleicht, weil sich der Markt dann auf weniger Konkurrenten verteilt. Deshalb geht es darum die anderen zu schädigen, ihnen soviel wie möglich Kosten aufzubürden(Zölle, Verteidungsausgaben, Sanktionen gegen Russland, sogar Nordstream 2, das für billige Energie steht, Schädigung deutscher Kapitale durch Entschädigung, Schließung europäischer Markte z.B. Iran…), damit sie weniger konkurrenzfähig sind. Genau das macht die USA auf den unterschiedlichsten Ebenen mit der EU und anderen Konkurrenten wie China.

    „Das ist natürich ein Zerrbild, entsteht aber daraus, daß es mit dem Gewinne-Machen, also dem Wachstum, also der Kapitalakkumulation nicht mehr so ganz hinhaut.“ Oder anders. Mit dem Wachstum im eigenen Land haut es nur noch auf Kosten des Wachstums anderswo hin. Also muss man dazu übergehen diese zu schädigen, damit die eigenen Kapitale überleben und weiter wachsen können.

  80. 80 Cilly 01. Januar 2020 um 6:27 Uhr

    Schäuble: ‚Klimaschutz‘ ist Verzicht und keine „soziale Wohltat“ – 24.12.19

    Wie unter ‚Klimaschutz‘ ein Verarmungsprogramm gegen das werktätige und erwerbslose Volk gelabelt wird und zugleich mit der ‚frohen Botschaft‘ von dessen Zumutungen Lügenhaftes verbreitet wird

    „Die Deutschen müssten sich auf Abstriche in ihren Lebensgewohnheiten zugunsten des Klimaschutzes einstellen. Es gäbe Klimaschutz nicht zum Nulltarif. Das Klimapaket dürfe nicht als „soziale Wohltat“ verkauft werden [wer hat denn das verbrochen: zwar war angesichts der feststehenden materiellen Angriffe über die CO2-Bepreisung von „Belohnungen“ unter dem wohlklingenden Namen „Klimaprämie“ die Rede; aber das war die schönfärberische Zutat zur Hauptsache, dass der Nationalwert Klimaschutz die Bürger teuer zu stehen kommt! – Anm. d. Verf.], Heizen und Tanken würden teurer werden.“

    Dies ist doch mal eine Ansage zum Kern dessen, was unter Klimaschutz als nationalwirtschaftliches Aufbruchprogramm proklamiert wird: v.a. materielle Beschänkungen für diejenigen, die ohnehin als Benutzte und Ausgenutzte für die Bereicherungsschmieden der Nation eingeplant sind. So werden die Werbesprüche fürs Klimapaket, von wegen ‚klimafreundliches‘ Verhalten würde mit irgendwelchen Prämien belohnt werden, zurechtgerückt, dass ihr Klimaprogramm auf breiter Front Armut und Not potenziert – wobei es dreiste Lüge ist, es liege in der Macht armer Leute, auf ‚Klimafreundliches‘ umzusatteln, weil die Entscheidung darüber, ob und was man sich statt der CO2-Ablasser leisten kann, ganz in den Händen der polit-ökonomischen Subjekte ist – nicht zuletzt betreffend der Bezahlung von Lohnarbeit, die möglichst armselig wegen des Profits auszufallen hat!

    Aber man lässt mit seiner Weihnachts- und Neujahrsbotschaft dem Aussprechen der Gemeinheiten unter klimapolitischen Titeln nicht nur freien Lauf, sondern offenbart auch einige polit-professionelle Dummheit:
    Mal dahingestellt, dass die meisten nichts als Betroffene der systematisch kapitalistisch hergestellten Klimaruinierung sind: Wie soll es denn geradewegs einen Übergang von Klimaschutz zum Verzicht geben? Letzteres ist Beschluss der Politik, nämlich dass die armen Massen zu blechen haben für die zerstörerischen Wirkungen, die von den Veranstaltern einer Produktionsweise ausgehen, der eben wegen der geldlichen Bereicherung einige Rücksichtslosigkeiten gegen das sachliche und personelle Material derselben eigen ist.
    Als ‚Dank‘ dafür, dass die Massen die lohnende Kundschaft für allerlei (Klima-)Schädliches abgegeben haben (an erster Stelle der Verkaufsschlager Auto) und schadstoffbedingt einiges an Krankheiten und frühzeitigem Tod (auch wegen der fürs Industriekapital kostengünstigen Benutzung von Luft und Wasser als Müllhalde für ihre Geschäftemachereien) abgekriegt haben, dürfen sie nun einen Extra-Obolus abliefern dafür, dass aus einem Umstieg weg von CO2-Scheudern demnächst ein Bombengeschäft für die Verfüger über die miese Lebenslage von Lohnabhängigen wird, die sie dann schon wieder prächtig anheizen über die Verscherbelung ihrer ach so sauberen Artikelneuerfindungen.

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Schaeuble_zu_Klimaschutz-24.12.2019.html

  81. 81 Kehrer 01. Januar 2020 um 13:21 Uhr

    „Dies ist doch mal eine Ansage zum Kern dessen, was unter Klimaschutz als nationalwirtschaftliches Aufbruchprogramm proklamiert wird: v.a. materielle Beschänkungen für diejenigen, die ohnehin als Benutzte und Ausgenutzte für die Bereicherungsschmieden der Nation eingeplant sind.“
    Man soll ja nicht sagen: Hab ich’s nicht gesagt, aber: Hab ich’s nicht gesagt. Ganz am Anfang als wegen, Fridays for Future die Klimadebatte richtig heiß wurde, hatte ich schon den Riecher, dass das Klima über die Ideologie, wir alle sind verantwortlich, dazu benutzt wird der (lohnarbeitenden) Bevölkerung noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen und dazu müssen noch nicht mal Steuern erhöht oder gesenkt werden. Das wird einfach auf die Energiekonsumtionsmittel aufgepreist.

    Deshalb war ich damals schon so stinkig auf FFF, weil sich das eben wunderbar missbrauchen lässt und die blöden Schüler checken das nicht. So ist es eben, wenn man einen dämlichen Protest veranstaltet. Und wer will schon gegen Klimaschutz was sagen oder gar Protest dagegen anzetteln. Es ist ja für den Klimaschutz. Da müsste man ja ein paar sachliche Argumente unters Volk bringen. Erst wird ein neuer Höchstwert namens Klima etabliert und dann wird im Namen dieses Höchstwerts die Bevölkerung geschröpft, um aus der Krise zu kommen. Dabei ist das keineswegs sicher. Es fehlt ja nicht an Kapital, um konkurrenzfähige Industrien zu schmieden. Das haben sich die Thinktanks sauber ausgedacht. Ich vermute sogar das die Dialektik der Klimapakete inszeniert war. Erst ein Klimapaket schnüren das ganz handzahm daherkommt, um dann die öffentliche Hetze dagegen auszunutzen „nachzuschärfen“ und einen richtigen Hammer loszulassen.

    „wobei es dreiste Lüge ist, es liege in der Macht armer Leute, auf ‚Klimafreundliches‘ umzusatteln,“ Richtig. Das ist zynisch und fies.

  82. 82 Cilly 07. Januar 2020 um 6:44 Uhr

    FFF – Keine Akzeptanz fürs „Klimapäckchen“ und die Antwort der Politik Rettung der Lebensgrundlagen = „1,5 Grad Ziel“ ≠ Wirtschaftspolitik!

    Ein Kommentar von Frank Bernhardt und Rudolf Gospodarek

    Nach den sehr großen Streikdemos Ende September bei gleichzeitiger Verabschiedung des „Klimapakets“ der Regierung, sowie den erneuten Großdemos Ende November, heißt die Stoßrichtung der FFF „Das akzeptieren wir nicht“ (fridaysforfutureffm.de). Und man ist versucht gleich zu fragen: Was folgt dann?

    Dazu einige mögliche Szenarien…

    https://www.gew-ansbach.de/data/2020/01/Bernhardt_FFF_Rettung_des_Klimas_durch_die_Politik_aber_wie.pdf

  83. 83 Nestor 07. Januar 2020 um 18:01 Uhr

    @Kehrer

    Wer es schafft, dass die Konkurrenten zuerst bankrott gehen

    Hier findet ein Gegenstandswechsel statt, und im Weiteren geht es bei dir immer hin und her. Gegensätze zwischen Staaten oder zwischen kapitalistischen Konkurrenten?

    Eine Firma kann bankrott gehen, ein Staat nicht, auch wenn sich für staatliche Zahlungsunfähigkeit etwas flapsig die Bezeichnung „Staatsbankrott“ eingebürgert hat.
    Der Unterschied besteht darin, daß sich bei einem Konkursverfahren die Firma auflöst, der Staat hingegen nicht.

    Mit dem Wachstum im eigenen Land haut es nur noch auf Kosten des Wachstums anderswo hin.

    Das ist eben keine Besonderheit der Krise, sondern gängige Praxis der imperialistischen Konkurrenz.
    Die von manchen Ökonomen behauptete Win-Win-Situation gibt es nicht.
    Irgendwer zahlt immer die Zeche für die Exporterfolge – in Form von flöten gegangener heimischer Produktion, infolgedessen negativer Handelsbilanz und dann höherer Verschuldung.

  84. 84 Samson 07. Januar 2020 um 19:47 Uhr

    Irgendwer zahlt immer die Zeche für die Exporterfolge – in Form von flöten gegangener heimischer Produktion, infolgedessen negativer Handelsbilanz und dann höherer Verschuldung.

    Oder inländische Produzenten gehen reihenweise pleite, weil die garstigen Ausländer mittels Umlenkung von Profiten ihrer Kapitalisten in die Produktion von bspw. Solarzellen investieren und die u.a. wg. niedrigerer Löhne billiger verkaufen als die vormaligen Exportweltmeister.

    Im Übrigen, wenn es nicht am Kapital fehlt „l, um konkurrenzfähige Industrien zu schmieden“, dann vielleicht an Märkten, um den produzierten Krempel profitebel loszuschlagen. In ganz alten Büchern findet man für solches Szenario noch Begriffe wie Überakkumulation

  85. 85 Nestor 07. Januar 2020 um 20:48 Uhr

    Mag ja alles sein, aber darum ging es nicht, sondern um die Frage, warum Krise die Gegensätze zwischen den Staaten wachsen läßt.

    Irgendwie geht jetzt hier langsam alles durcheinander: Krise, Akkumulation, Staatengegensatz, Märkte – könnte man da einmal wieder bei einem Thema bleiben?

  86. 86 Cilly 09. Januar 2020 um 19:00 Uhr

    Anlässlich der klimabewegten Frage, ob und wie so was wie „grünes Wachstum“ fürs oder gegens Klima zu Buche schlage, erläutert Stephan Kaufmann in der FR von morgen, wieso es überhaupt einen Drang zu immer mehr „Wachstum“ gibt.
    Er beginnt mit der Frage nach Gütern und Bedürfnissen. Der Text endet dann so:

    „(…) Das Wachstum, das Unternehmen anstreben, ist nicht notwendig eines der materiellen Güter. Ein Konzern wie VW muss nicht immer mehr Autos produzieren. Was er anstrebt, ist das Wachstum von Umsatz und Gewinn. Wenn das mit weniger oder saubereren Autos geht – was unwahrscheinlich, aber zumindest denkbar ist – dann reicht das aus. Steigende Gewinne bedienen den Willen der Unternehmenseigner am Wachstum.

    Der Zwang zum Wachstum wiederum ergibt sich aus der Konkurrenz der Unternehmen um Marktanteile. Wer seinen Umsatz nicht erhöht, wer sein Kapital nicht verwertet, der fällt zurück und wird von den wachsenden Wettbewerbern früher oder später aus dem Markt gedrängt. Um dieses Wachstum ihrer Bilanzkennzahlen zu produzieren, nutzen die Unternehmen die Umwelt als billige Ressourcenquelle und Schadstoffdeponie. Der Klimawandel ist Ergebnis dieser Kalkulation – und nicht der notwendigen Produktion von immer mehr Gütern.“

    https://www.fr.de/wirtschaft/wachstum-unendliche-beduerfnisse-13429377.html

  87. 87 Neoprene 14. Januar 2020 um 20:37 Uhr

    Jetzt kann man es wieder allenthalben lesen: Es wird immer wärmer, die letzten Jahre waren im Schnitt die wärmsten, die es je gab. Das wird so weitergehen und dann werden die Extremereignisse wie Stürme und Massivregen ebenfalls stark zunehmen.
    Kann sein, wir werden es sehen. Aber zumindest die Rückschau läßt das nicht unbedingt naheliegen:

    „Storm trends derived from reanalyses data and climate model data for the past are mostly limited to the last four to six decades. The majority of these studies find increasing storm activity north of about 55–60 ◦ N over the North Atlantic with a negative tendency southward. This increase from about the 1970s until the mid-1990s is also mirrored by long-term proxies and the North Atlantic Oscillation and constitutes apart of their decadal variability. Studies based on proxy and measurement data or model studies over the North Atlantic for the past which cover more than 100 years show large decadal variations and either no trend or a decrease in storm numbers. Future scenarios until about the year 2100 indicate mostly an increase in winter storm intensity over the North Atlantic and western Europe. However, future trends in total storm numbers are quite heterogeneous and depend on the model generation used.“

    Oder auf Google-Deutsch:
    „Die aus Reanalyse-Daten und Klimamodelldaten der Vergangenheit abgeleiteten Sturmtrends beschränken sich meist auf die letzten vier bis sechs Jahrzehnte. Die Mehrzahl dieser Studien findet eine Zunahme Sturmaktivität nördlich von ca. 55–60 ° N über dem Nordatlantik mit negativer Tendenz nach Süden. Dieser Anstieg von etwa den 1970er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre spiegelt sich auch in den langfristigen Vertretern und der nordatlantischen Oszillation wider und macht neben ihrer dekadischen Variabilität auch deren Schwankungsbreite aus. Studien, die auf Proxy- und Messdaten basieren, oder Modellstudien über den Nordatlantik in der Vergangenheit, die mehr als 100 Jahre umfassen, zeigen große dekadische Variationen und entweder keinen Trend oder eine Abnahme der Sturmzahlen. Zukunftsszenarien bis etwa zum Jahr 2100 deuten vor allem auf eine Zunahme der Wintersturmintensität über dem Nordatlantik hin Westeuropa. Die zukünftigen Trends der Gesamtsturmzahlen sind jedoch recht heterogen und hängen von der verwendeten Modellgeneration ab.“

    Aus einer Studie von 2015, die ich gerade angeboten bekommen habe:
    https://www.academia.edu/14599734/Storminess_over_the_North_Atlantic_and_northwestern_Europe_A_review?auto=download

  88. 88 Nestor 14. Januar 2020 um 21:13 Uhr

    Ich habe gerade die ORF-Nachrichten geschaut und diese Vorstellung vom „klimaneutralen Europa“ vernommen.

    Das ist eine Kampfansage an diverse EU-Staaten, z.B. an Polen. Über die Klimafrage sollen da diverse nationale Energieträger stillgelegt werden und die entsprechenden Staaten auf die von Deutschland und anderen Ländern geförderten Energieträger verpflichtet werden.

    Daß es dabei überhaupt nicht ums Klima geht, ist. m.E. daraus ersichtlich, daß es überhaupt keine Überlegungen über den Energieverbrauch gab – wie man den vernünftig reduzieren könnte.
    (Weniger Transport, Verlegung auf die Schiene, Tourismus und Agrarproduktion mehr in der Nähe, usw.)

    Man merkt also, daß die ganzen Überlegungen nur Rechtstitel für die Konkurrenz schaffen, und staatliche Investitionen in nationale Geschäftszweige befördern sollen.
    Diejenigen Staaten, die noch über eigenständigen Kredit verfügen, wollen diesen zum Plattmachen ihrer Konkurrenten benützen. Innerhalb der EU, weil weltweit hat dieses Programm sowieso keine Chance.

  89. 89 Neoprene 14. Januar 2020 um 21:54 Uhr

    Ich hatte oben ungläubig gefragt:

    „Die EU hat ja gerade mit viel Mühe den Beschluß gefaßt, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Polen hat dabei klar die Position bezogen, daß das Land allein die Umstellung der Energieversorgung durch Kohle nicht bezahlen könne. In diesem Zusammenhang war die Rede von einem Fonds mit einem Volumen von 100 Mrd. Euro, um Staaten wie Polen den Umstieg mitzufinanzieren. Nur, wo soll denn selbst dieser gemessen am Ziel ja eh vergleichsweise kleine Betrag herkommen, wenn der gesamte EU-Haushalt nur so rund 150 Mrd Euro pro Jahr beträgt? Und woher der sicherlich eher 10 oder zwanzig mal höhere Betrag für den gesamten EU-Umstieg?“

    Jetzt stellt sich heraus, daß das natürlich nur viel heiße Propagandaluft gewesen ist:

    „Die EU-Kommission will den betroffenen Regionen dabei helfen, die sozialen Folgen zu bewältigen, und legt dafür einen neuen Hilfsfonds auf. 30 bis 50 Milliarden Euro will die Brüsseler Behörde dafür im neuen mehrjährigen Finanzrahmen (2021 bis 2027) bereitstellen. Der größte Teil davon wird mit Umschichtungen aus anderen Haushaltstiteln erwirtschaftet, etwa aus den milliardenschweren Strukturfonds.
    Neu hinzu kommen nur 7,5 Milliarden Euro. Der Betrag müsse „aufgeschlagen werden“ auf den bereits vorliegenden Entwurf des neuen mehrjährigen EU-Finanzrahmens (MFR), forderte die EU-Kommission.
    Wie bescheiden diese Forderung ist, zeigt ein Vergleich mit dem gerade erzielten deutschen Haushaltsüberschuss von 13 Milliarden Euro. Das Geld blieb in einem einzigen Jahr übrig. Dagegen müssen die 7,5 Milliarden Euro im neuen Klimaschutzfonds der Kommission für sieben Jahre und alle 27 EU-Staaten reichen.
    Selbst der kleine Aufschlag kommt womöglich am Ende nicht. Denn der noch von der alten EU-Kommission vorgelegte MFR-Entwurf geht den Mitgliedstaaten schon zu weit. Die Kommission hatte gefordert, den siebenjährigen Etat auf 1,11 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aufzustocken.“

    https://www.handelsblatt.com/politik/international/green-deal-bruessels-billionen-plan-fuer-die-umwelt-der-ungedeckte-scheck/25430686.html?ticket=ST-1983313-YfIQk9r7zOpweVrmIgWJ-ap4
    (ich hatte das anderswo noch akribischer aufgedröselt gelesen, den Artikel aber auf die Schnelle nicht mehr wiedergefunden.)

    Und Deutschland allen voran ist nicht bereit, auch nur einen Euro mehr in den EU-Topf zu schmeißen.

  90. 90 Nestor 15. Januar 2020 um 10:52 Uhr

    Ich frag mich, wo kommen die 13 Milliarden in Deutschland her?

    Die müssen doch irgendwie ihre Entsprechung oder Gegenseite haben in der Überschuldung der Kommunen und der vernachlässigten regionalen Infrastruktur, von der man allerorten liest.
    Also ein Ausweis des gelungenen Sparprogramms, wo man Teile seiner Gesellschaft einfach abschiffen läßt, um für wichtigere Dinge Geld zu „erwirtschaften“.

    Da können irgendwelche großzügig geförderten „Zukunftsindustrien“ genauso dazugehören, wie Militär, Polizei und andere Teile des Staatsapparates, wie Justiz oder Geheimdienste.

  91. 91 Nestor 15. Januar 2020 um 20:26 Uhr

    Klima – die neue Devise des Kapitals:

    Blackrock fordert Konzerne zu mehr Klimaschutz auf

    https://www.nau.ch/news/wirtschaft/blackrock-fordert-konzerne-zu-mehr-klimaschutz-auf-65644309

  92. 92 Holgi 16. Januar 2020 um 8:43 Uhr

    „Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock drängt Konzerne zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel. Andernfalls würden sich die Anleger zunehmend abwenden, warnte Blackrock-Chef Larry Fink in seinem jährlichen Brief an Konzernchefs. (…) Auch der Konzern selbst ist zuletzt in das Visier von Klimaschützern geraten. Sie werfen dem Vermögensverwalter vor, nicht genug zu tun, um Konzerne zu mehr Nachhaltigkeit zu drängen. Fink fordert von den Unternehmen, in den der Vermögensverwalter investiert, nun detaillierte Informationen zur Nachhaltigkeit und zu Klimarisiken. Sollten die Konzerne hier nicht genügend Fortschritte vorweisen, sei der Vermögensverwalter ‚zunehmend geneigt, Vorständen und Aufsichtsräten unsere Zustimmung zu verweigern‘.“

    Mit der Begründung, man müsse den Sinneswandel der Anleger bedenken, könnte man bei sinnesgewandelten Neu-Evangelikalen oder bei Neunazis ja auch bei der Devise landen, da die Anleger das so sähen, müsse man nun größere Anstrengungen unternehmen, öffentlich den Balkensepp oder gar den Adolf stärker vor sich herzutragen … In AFD-Regionen (vulgo: ‚Dunkeldeutschland‘) könte man vermutlich sowieso eher mit der Leugnung des Klimawandels Neu-Anleger einfangen.
    Solcher Opportunismus ist in dieser Sphäre geradezu Geschäftsmodell.

    Dass die EU mit ihrem Klimapaket anscheinend öffentliche Gelder bevorzugt in Geschäfte umleiten will, die gelabet werden als „Grünes Wachstum“, das soll diesen Geschäften vermutlich neben Seriosität auch Anlagesicherheit verleihen (so wie früher den ‚Bundesschätzchen‘ in D). Und wegen dieser staatlichen Propaganda sieht Blackrock in Geschäften mit „Grünem Wachstum“ Geschäftsfelder sowohl für anlagesuchendes Risikoksapital als auch für ’sichere‘ Anlegestrategien.

    Aber vor allem möchten die ansonsten eher klammheimlichen Vermögensverwalter vermutlich wirklich nur ungern ins Licht der Öffentlichkeit (z.B. bei FFF) gestoßen werden, wer weiß, was die dann so alles dort auch noch entdecken…

  93. 93 Holgi 16. Januar 2020 um 9:31 Uhr

    Die Parolen, unter denen die Staaten ihre Bündnisbereitschaft und ‚Multilateralität‘ vor allem diplomatisch-propagandistisch z.B. im Zusammenhang mit Neueinführungen in Ämter oder entspr. weltweite Konferenzen auf die Weltbühne aufstellen [also der Jargonsprech der höheren Staaten-Diplomatie] sind eben unterschiedliche: die USA will man versuchen zu „domestizieren“, indem man mit ihnen auf den Floskeln der „weltweiten Zusammenarbeit gegen den Islamismus und Terrorismus“ herumreitet.

    Und die europäischen Nationen sollen den Bemühungen Deutschlands und Frankreichs, stärkere EU-Zusammenarbeitsgebiete zu gestalten (viel ist derzeit davon sowieso kaum zu sehen…) unter der Parole „Klimaschutz“ nachfolgen.

  94. 94 Cilly 21. Januar 2020 um 15:19 Uhr

    Vermögensverwalter Blackrock will stärker in den Klimaschutz investieren. Doch was sind die Motive, wie ernst ist das zu nehmen?

    FR-Analyse von Stephan Kaufmann

    In der Finanzszene ist man ganz aufgeregt: Der größte private Vermögensverwalter der Welt, die US-Gesellschaft Blackrock, will ihre Geldanlagen künftig mehr am Klimaschutz ausrichten. Als gute Nachricht wird das gefeiert, weil man weiß: Gesellschaften, die Milliardengelder verwalten und verteilen, haben mehr Einfluss auf die Unternehmen als noch so viele Demonstrationen für den Klimaschutz. Nun ist es immer begrüßenswert, wenn Stimmen aus der Finanzwelt sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Die Ankündigung von Blackrock zeigt jedoch gleichzeitig die engen Grenzen dieses Einsatzes. … (Forts.):

    https://www.fr.de/wirtschaft/wenn-sichs-lohnt-13456223.html

    Kaufmann kolportiert außerdem: „Larry Fink schreibt Briefe darüber, wie schlecht Kohle ist, denn das ist sein Hobby, – und er wird euer Geld in Kohle investieren, denn das ist sein Job“, mokiert sich Bloomberg-Autor Matt Levine. Anzumerken ist auch, dass Blackrock laut Bloomberg neben der saudischen Regierung der größte Aktionär des größten Ölkonzerns der Welt, Saudi Aramco, ist…“

  95. 95 Nestor 22. Januar 2020 um 12:50 Uhr

    Bei dem Blackrock-Kaufmann-Artikel ebenso wie bei der Klimakonferenz wird der Schwerpunkt auf die Kohle gelegt, also auf eine Form der Energiequellen. Die anderen Energiequellen – man beachte die Rückkehr der Atomenergie als „saubere“ Energiequelle – werden als mehr oder weniger sauber attestiert und sollen deshalb gefördert werden.

    Was anscheinend sakrosankt ist, ist der Energieverbrauch – also wie die Energie dann eingesetzt wird.
    Falls der doch Thema wird, so nur in der der Gegenüberstellung Diesel-(SUVs) zu Elektroautos. Wieviel Energie der Bau und die anschließende Entsorgung eines solchen Elektroautos braucht, interessiert wiederum niemanden.

  96. 96 Cilly 27. Januar 2020 um 8:32 Uhr

    Angesichts der verlogenen Zerknirschung des Grünen Habeck über mangelnde eigene Staatsmannsqualitäten bei der Öffentlichmachung seines Verdrusses in Davos über die Klimapositionen von Trump (‚Inkompetenz‘ bei so viel ‚Kompetenz unserer Wirtschaft‘ dort …) – sei daran erinnert, was denn eigentlich das spezifisch Grüne bei der Klimabewegung ausmacht:

    ---

    „Grüne fordern neue Vorgaben und Konzepte gegen Umweltprobleme der Digitalisierung – etwa den hohen Stromverbrauch und den Rohstoffbedarf von Handys und PCs. Digitalisierung könne beim Klima- und Umweltschutz helfen, heiße es in einem Antrag der Grünen im Bundestag. Ohne Leitplanken könne sie aber Ressourcenverbrauch und Treibhausgas-Emissionen beschleunigen. Bis 2030 könnte der Anteil der Digitalisierung am weltweiten Stromverbrauch auf 20 bis 50 Prozent steigen.“

    Was einzig sachgerecht wäre, sich zu fragen, was Digitalisierung sein soll oder ist (eigentlich für sich schon die Vorstellung der Ausbreitung subjektloser computertechnischer Verfahren), wie diese unter den herrschenden marktwirtschaftlichen Verhältnissen vorkommt, und was Umweltschutz unter kapitalistischen Vorzeichen heißt – diese Fragestellungen interessieren Grüne gar nicht erst. Sie gehen beides von einer verkehrten, parteilichen Interesse an, wie es Politikern eigen ist, entdecken lauter Gesichtspunkte, wie das eine in Dienst genommen werden könne für das andere und sortieren es nach negativen und positiven Seiten.

    Wobei es schon absurd anmutet, Rohstoffverbrauch für sich der Digitalisierung anzukreiden. Handys und PCs lassen sich nun mal ohne irgendwelche metallischen Materialien nicht betreiben. Dass sich die Gewinnung solcher Rohstoffe als billige, für die darin Tätigen als ausbeuterische und gesundheitsgefährdende Belieferung für Weltkonzerne auszeichnet – dies zu kritisieren, wäre das einzig Senkrechte, nämlich wie hier „Rohstoffverbrauch“ als Anhängsel der maßgeblichen geldlichen Ertragserwirtschaftung in den Metropolen des Weltkapitalismus hergerichtet ist. Dabei gehören Emissionen als Wirkungen ihrer Geschäftemachereien untrennbar zusammen, während sich Grüne die Verwaltung des Kapitalismus ohne die ihm eigenen Schäden oder jedenfalls als Einebnung derselben als politisches Programm vornehmen – im Unterschied zu früher alles Anfeindende in Bezug auf den bürgerlichen Laden, ihre ökologische Rigorosität gegen dessen nationalökonomische Usancen längst abgelegt zu haben, und seit längerem als verantwortungsbewusster Politikerschlag gehandelt zu werden, unter der Flagge ökologische Modernisierung den geschäftsmäßigen Aufbruch der Nation, die Geldscheffelei mit grünen Produkten, Verfahren und Technologien vollends mittragen.

    Albern ist es, dass der Verbrauch von Rohstoffen oder Strom das Kritikable sein soll – wenn, dann spielt dies gleich als Kostenfrage, nämlich für das alles beherrschende Profitprinzip eine Rolle, was die Betriebsrechner immerzu als Effizienzsteigerung beim Ressourceneinsatz auf dem Schirm haben. Ansonsten kommt es ja wohl entscheidend auf die gesellschaftliche Zweckbestimmung des Digitalen an: Es ist modernes Rationalisierungsmittel kapitalistischer Wirtschafterei; Beschaffungs-/Produktions-/Bevorratungs- und Verkaufsprozesse beschleunigend aufeinander abstimmen oder ineinandergreifen lassen, darüber den Kapitalumschlag gewinnsteigernd vervielfachen, Kostenvorteile ganz anderer Größenordnungen herausholen durch Kooperation mit spezialisierten Digitalunternehmen – Hardware/Software betreffend; hard-/softwaremäßige Durchrationalisierung aller betrieblichen Vorgänge per Erstehung der digitalen Mittel oder noch besser gleich als Auftragsarbeit an Digitalunternehmer, um den Kapitalvorschuss für die teure Technik gleich ganz los zu werden. Diese revolutionäre Hebung von Wirtschaftlichkeitsreserven nicht nur innerbetrieblich und überbetrieblich ins Werk setzen, sondern gleich über ganze Wirtschaftszweige hinweg (Vernetzung), das sind die Perspektiven des ‚Wundermittels‘ Digitalisierung – wobei nicht zuletzt massig Personal oder gleich ganze Berufsfelder überflüssig werden.

    Was für ein Unfug von den Grünen in Bezug auf die schlechten Seiten des Digitalen Zeitalters auch von sich gegeben wird, es ist die Manier, die gültigen marktwirtschaftlichen Zwecke und Interessen abzusegnen, und dann – in Absonderung von denen – sich den mit diesen notwendig einhergehenden tatsächlichen oder unsinnigen Wirkungen zuzuwenden. Es ist dies eine Art konstruktiver Bearbeitung der kapitalistischen Sch…, die deswegen nicht ausstirbt, solange man die machen lässt, die von den Fortschritten des Kapitals als bürgerliche Politiker zu immer neuen Betreuungsleistungen herausgefordert werden.

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/Gruenenantrag-Oekologischere_Digitalisierung-12.12.2019.html

    ---

    Dass die Grünen „sich die Verwaltung des Kapitalismus ohne die ihm eigenen Schäden oder jedenfalls als Einebnung derselben als politisches Programm vornehmen“, ist als Negativ-Formulierung sehr vorsichtig formuliert. Sie vertreten doch einen offensiven prokapitalistischen Standpunkt, fühlen sich inmitten der kapitalistischen Wirtschaftselite in Davos übermäßig wohl und stellen sich als Idealbild vor, dass Europa Weltmacht Nummer eins werden soll – und das dann auch nicht nur beim Klimaschutz. Dieser taugt so nämlich als Titel für imperialistische Einmischung und für die Labelung weltweiter deutscher Grün-Wirtschafts-Interessen. Dass auch für diese stinkordinär kapitalistisch malocht werden muss, interessiert Grüne nicht, weil sie dasselbe stattdessen nämlich lieber als ‚Digitalisierung‘ abfeiern wollen.
    Auch deutsche Weltmacht-Ambitionen lesen sich fürs grüne Gemüt einfach besser, wenn sie im europäischen Gewand und dann als Klimapolitik vorgetragen werden.

  97. 97 Nestor 27. Januar 2020 um 13:48 Uhr

    Bei dem ganzen Geschwätz um „Digitalisierung“ fällt auf, daß die Analog-Welt als eine Art lästiges Überbleibsel der Vergangenheit betrachtet wird und handwerkliche Tätigkeiten oder überhaupt Handarbeit so mies bezahlt werden, daß sich keine Leute mehr dafür finden.
    Ich frage mich, ob so Digitalisierungs-Fans in virtuellen Häusern leben und virtuelles Essen zu sich nehmen?

  98. 98 sherlock 28. Januar 2020 um 7:12 Uhr

    Wenn sie keine Leute dafür finden würden, würde es nicht so mies bezahlt.

  99. 99 Cilly 28. Januar 2020 um 8:10 Uhr

    Toiletten-Reinigungsfachkräfte, Pfleger, KindergärtnerInnen, verdienen gleichfalls nicht übermäßig viel, obwohl sie gesellschaftlich gebraucht werden bzw. ggf. sogar sehr gesucht sind. (Pfleger-Teams für 24-Std-Betreuungen für schwerkranke Menschen können oft gar nicht eingerichtet werden, weil es nicht genügend viele Pflegefachkräfte gibt.)

    Auf der anderen Seite der Hierarchie der Berufe sind die Manager angesiedelt. Denen geht es im Regelfall gar nicht mehr um die Bearbeitung von Natur- bzw. Werkstoffen oder um Sorgfalt und Pflege beim Umgang mit Menschen, sondern pur nur noch darum, Geld als Geschäftsmittel einzusetzen und so damit umzugehen, dass aus Geld mehr Geld wird. Dort wird meist sehr gut verdient. Aber braucht so einen Job irgendwer?

    Anscheinend schon. Anscheinend hat der Lohn, auch in seiner Höhe, grundlegend damit zu schaffen, wofür er taugen soll: die Verwertung des Werts zu befördern. Da wird die eine Tätigkeit als wichtig erachtet, der andere Job gilt als billig wie Dreck.

    Anscheinend geht es hierzulande weder bloß um Bezahlung für anstrengende Jobs. Noch geht es pur um das Gesuchtsein bei Jobs.

    Wer verdient warum wieviel?

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/wer-verdient-warum-viel

    http://versust.blogsport.de/dies-archiv/vs_20_1/

    http://versust.blogsport.de/dies-archiv/das-studium/

  100. 100 Peer 28. Januar 2020 um 10:55 Uhr

    Suitbert Cechura: „Was ist wichtiger: Wirtschaft oder Klimaschutz?“

    Bild am Sonntag stellt die Systemfrage

    Was als Frage daherkommt, ist für die Zeitung natürlich keine. Doch mit dem Kunstgriff will das meistgelesene Sonntagsblatt die Vertreter des Klimaschutzes auf die im Lande herrschende wirtschaftliche Vernunft verpflichten. Dabei verraten die Frage wie die darauf gegebenen Antworten einiges über diese Sorte Vernunft und entwerfen alles andere als ein positives Bild der betreffenden Wirtschaft…. (Forts.):

    https://www.heise.de/tp/features/Was-ist-wichtiger-Wirtschaft-oder-Klimaschutz-4645902.html

    ---

    Übrigens: Für die 24-Std-Pflege findet man in D oft keine Pfleger. Werden deswegen dort die Löhne angehoben?
    Nein. Es gibt dann eben einfach für Schwerkranke in etlichen Städten und Dörfern keine 24-Std-Betreuung.
    Und fertig.
    Auch das Gesundheitswesen ist als kapitalistisches Geschäft eingerichtet. Der Einsatz von Pflegedienstkräften muss sich also insgesamt für den jeweiligen Gesundheitsbetrieb, der die Pflegekräfte einstellt, lohnen. Wenn nicht, dann entfällt das Geschäft. Geld lässt sich schließlich auch andernorts (bzw. in anderen Geschäftssparten) verwerten.

  101. 101 Nestor 28. Januar 2020 um 18:45 Uhr

    Nach Fridays for Future nun Fridays gegen Altersarmut

    Die Jugendklimabewegung geht längst nicht mehr jeden Freitag auf die Straße. Es war klar, dass ein wöchentlicher Protestevent irgendwann an Dynamik verliert. Dafür wollen am heutigen Freitag, den 24. Januar, in über 200 Städten Senioren auf die Straße gehen, und auch sie mobilisieren sich – unter dem Namen Fridays gegen Altersarmut – über soziale Medien. Kopiert jetzt also die ältere Generation die Aktionen der Jüngeren?

    Das Anliegen scheint auch verständlich. Schließlich ist Altersarmut ein Problem, über das bereits seit Jahren geredet wird. Was also spricht dagegen, wenn sich Betroffene jetzt selbst organisieren? Einer der Organisatoren schreibt auf Facebook:

    Wir können uns selbst zur Lobby machen, in dem wir so viele Menschen wie möglich für unsere Bewegung gewinnen, um gemeinsam gegen Altersarmut zu kämpfen. Unsere Bewegung fühlt sich nur dem kleinen Mann (Bürgern) verpflichtet, deswegen bleiben wir politisch unabhängig, Wir lassen uns von keiner einzigen Partei, Gruppierung oder Politikern instrumentalisieren.

    https://www.heise.de/tp/features/Nach-Fridays-for-Future-nun-Fridays-gegen-Altersarmut-4644978.html

    In beiden Fällen Klima und Altersarmut – war bzw. ist eigentlich nicht klar, wogegen sich dieser Protest richtet.
    Die Logik des Sozialstaats, wo man das kriegt, was einem aufgrund der Einzahlungen zusteht, und nicht das, was man braucht, scheint jedenfalls nicht Thema zu sein.

  102. 102 Peer 28. Januar 2020 um 19:14 Uhr

    „Der Herausgeber des rechten Magazins Compact, Jürgen Elsässer, hat die AfD aufgefordert, das Thema Altersarmut zu besetzen. Auf einer sozialpolitischen Konferenz der AfD am 1. September 2018 in Brandenburg warnte Elsässer die AfD davor, sich wegen der unterschiedlichen Ansätze in der Rentenpolitik zu zerstreiten.“

    Was passt dir an deser vorgetragenen Deutung nicht?

    Schon recht, die Logik des Sozialstaates verfehlt der Höcke-Flügel damit. Das wird dem aber wohl wurscht bzw. recht sein, denn die wollen ja für eine angebliche deutschrassige deutsche Arbeitsfront sich ins Zeug legen. Und dafür soll die AFD auf eine größere Nähe zu einem nationalsozialistisch-ähnlichen Programm festgelegt werden. Dass das dann der Logik des derzeitigen Sozialstaates widerspricht, ist ja Konzeption der Höckeschen Neo-Faschisten.
    (Während der konservative Flügel der AFD in der Rentenfrage eher wie die FDP argumentiert: noch mehr Kürzungen bei der staatlichen Rente, für einen darin ’schlankeren Staat‘ und stattdessen für mehr privat-kommerzielles Versicherungsgewese-Geschäft.)

    Übrigens ist dieser Beitrag bei Heise das erste Mal, dass ich überhaupt davon was vernommen habe, dass es eine gezielte Rentnermobilisierung von rechtsaußen in der BRD geben täte. Man muss auch nicht jeden einzelnen Furz zu einem riesigen Gewitterdonner aufblasen.

    ---

    Den faktischen „Zusammenhang mit dem Klima“ – Thema – … hat übrgens die FR aufgedeckt: „Werbung dafür betreibt auch die „Deutsche Mitte“, eine Russland-affine Seite, die sich mit der organisierten Klimaleugnerszene um „EIKE“ gemein macht.“
    https://www.fr.de/politik/fridays-gegen-altersarmut-heinrich-madsen-rechts-unterwandert-13431675.html

  103. 103 Nestor 28. Januar 2020 um 22:06 Uhr

    @Peer

    Was passt dir an deser vorgetragenen Deutung nicht?

    Welche Deutung?

    Man muss auch nicht jeden einzelnen Furz zu einem riesigen Gewitterdonner aufblasen.

    ???
    Ich kann dir nicht ganz folgen.

    Ich habe den Beitrag deswegen gepostet, weil ich darauf hinweisen wollte, daß diese Art von Protest – sofern er überhaupt stattfindet – genauso inhaltsleer daherkommt wie der Klimaschutz.
    Es scheint die derzeitige Bewegungs-Mode zu sein.
    Wenn Ursachen dingfest gemacht werden, so die falschen.
    Der Haupt-Appell an verschiedene – nicht klar definierte – Subjekte lautet: Tut doch was!

    Daß die AfD und Elsässer dergleichen Proteste „besetzen“ wollen, ist nicht überraschend, macht aber nicht das Wesentliche dieser Art von Mobilisierung aus.

  104. 104 Nestor 29. Januar 2020 um 18:02 Uhr

    @sherlock

    Nein, so ist es nicht.
    Die Jobs bleiben unbesetzt, und die, die noch dort arbeiten, müssen die Arbeit von 2 machen.
    Das gilt z.B. für verschiedene Handwerker und für Köche.
    Das sind ja Berufe, die gelernt werden müssen, für die kann man nicht irgendwelche Taglöhner einsetzen.

    Ich sehe da eine sehr unerfeuliche Entwicklung.

    Da immer weniger Leute Wohnraum bezahlen können, steigt erstens die Obdachlosigkeit,und zweitens wird auch der Wohnbau verändert. Für die Armen gibt es dann Schlaf-Schachteln oder Schlaf-Kojen. Es werden Kleinwohnungen ohne Küchen gebaut, und der minderbemittelte Teil der Menschheit ernährt sich von belegten Broten und Pizzas.
    So schließt sich der Kreis: Überflüssige Bevölkerung, keine Zahlungsfähigkeit, und Reduzierung der Grundbedürfnisse.
    Es gibt schon das Phänomen, daß Kinder barfuß in die Schule kommen, weil sich die Eltern keine Schuhe mehr leisten können – z.B. im angeblich so wohlhabenden Bayern.
    Es werden dann eben weniger Schuhe benötigt.

  105. 105 sherlock 29. Januar 2020 um 19:23 Uhr

    Dann haben sie entweder nur halb gearbeitet, ihren bezahlten Arbeitstag verlängert oder machen Abstriche am Gebrauchswert? Das ist kein theoretisches Problem, sondern ein praktisches. Zurück zur Theorie: Wie ist allgemein der Preis der Ware Arbeitskraft bestimmt? Das war mein Einwand. IT Jobs werden übrigens mittlerweile auch schon ziemlich mies bezahlt, besonders seit man in der Schule schon grundlegende Informatik lernt.

  106. 106 Nestor 30. Januar 2020 um 14:42 Uhr

    Das ist alles ok, da habe ich keinen Einwand.

    Ich wollte darauf hinweisen, daß gewisse Jobs, wenn sie unter den irgendwie erträglichen Lohn gedrückt werden, einfach wegfallen. Und dann die Gesellschaft ohne diese Fertigkeiten auskommen muß.

    Das kann auch bei IT-Jobs einmal so sein.

    Weil noch einmal, es handelt sich um Berufe, wo Armut und Willigkeit nicht die einzigen Kriterien sind, sondern wo es eine gewisse Ausbildung – bei Marx: Geschicklichkeit – auch braucht.

    Marx meinte, daß sich früher oder später nur 2 Klassen gegenüberstehen werden und daß sich alle Geschicklichkeit durch den Einsatz von Maschinerie in einfache Arbeit verwandeln wird, die jeder machen kann – und das ist eben nicht richtig.

  107. 107 Kehrer 30. Januar 2020 um 14:50 Uhr

    Welche Handwerker werden den mies bezahlt? Wenn ich mal einen Handwerker brauche, dann ist das in der Regel nicht ganz billig. Es kann schon sein, das Angestellte und Gesellen nicht übermäßig verdienen. Das war aber schon immer so, was keine Rechtfertigung sein soll, sondern die Frage aufwerfen, was sich den da verändert haben soll?

    Bei Köchen kann ich mir vorstellen, dass es stark vom Umsatz abhängt was die verdienen. Es gibt eben einen Haufen Klitschen, die bald wieder zumachen. Dann gibt es auch einen Haufen Quereinsteiger, die sich ungelernt hinter den Herd stellen. Das drückt natürlich die Preise für die Gelernten. Also ist da ein Überschuss da, der den Preis der Arbeit drückt.

    Bei den Handwerkern könnte ich mir vorstellen, dass onlineportale wie aroundhome, myhammer…, die Handwerkerleistungen überregional vergleichen, den Preis dadurch drücken, dass sie eine Konkurrenz veranstalten, die es vorher wegen der Regionalität gar nicht gab. Zweitens wollen die natürlich eine Gebühr kassieren, die weiteren Kostendruck erzeugt. Überhaupt schalten sich in allen Bereichen immer mehr „Verkäufer, Vermittler, Händler“ zwischen Endkunde und ausführenden Dienstleister. Bekannt sind ja auch die Verhältnisse bei den Paketzustellern, wo die eigentliche Tätigkeit an Sub, Sub, Subunternehmer weitergereicht wird und jeder hält die Hand auf und für die die die Arbeit machen bleibt nichts. Das sind Leute aus irgendeinem Ostblockland, die im Auto auf dem Parkplatz schlafen. Dann die Branche der Leiharbeit. Das selbe Lied. Die Arbeiter werden in unerträgliche Lebensverhältnisse gedrückt und andere werden reich. So wird quasi das historisch moralische Element des Arbeitslohns zusätzlich ausgebeutet. Das geht solange bis dieses historisch moralische Element ganz verschwindet und der Niedriglohn zur Normalität wird.

  108. 108 Nestor 01. Februar 2020 um 16:45 Uhr

    @Kehrer

    Na ja, du hast offenbar wenig Bekannte in Baugewerbe und Gastronomie. Dort gibt es seit Jahren Klagen über Mangel an Fachkräften, was das Baugewerbe angeht, übrigens auch in den USA. Beim Essen sind die ja schon weiter in Sachen Fastfood.

    Ich sehe die Entwicklung so, daß entweder die Gehälter in die Höhe schnellen müssen, das gäbe aber dann eine Konkurswelle bei Kleinbetrieben und eine ziemliche „Marktbereinigung“.

    Oder aber, es gibt eine Umstellung auf Fertigfutter, maschinell gefertigt, mehr als bisher. Da ist ja schon viel passiert, wie man verschiedenen Gastro-Messen entnehmen kann.

    Wie das Baugewerbe damit umgeht, wird man sehen. Vielleicht stürzen öfter einmal Neubauten zusammen. Altbauten auch, weil sanieren kann und will auch kaum wer.

  109. 109 sherlock 02. Februar 2020 um 10:29 Uhr

    Nestor, hast du schon mal von denselben Kreisen Klagen über Fachkräfteüberfluss vernommen? Natürlich herrscht IMMER Fachkräfte-Mangel, weil die können ja nicht billig genug sein, und wenn sie zu teuer sind gibt es davon offenbar zu wenig für die Unternehmen. Das Gejammere ist überhaupt nicht ernst zu nehmen, das ist nämlich real ein Jammern über den Preis und nicht über das Vorhandensein. An Leuten mit den entsprechenden Qualifikationen fehlt es praktisch nie, zudem sind diese Qualifikationen von den Unternehmen praktisch durchaus möglich selbst herzustellen, aber das fällt auch niemandem im Traum ein.

  110. 110 Nestor 02. Februar 2020 um 12:05 Uhr

    Über Überfluss brauchte man ja nicht klagen, der stört ja niemanden. Das gilt übrigens nicht nur für den Arbeitsmarkt.

    Aber diese Beschwerden über den Fachkräftemangel sind in den letzten Jahren aufgekommen. Natürlich sind die Gehälter elend, aber eine Zeitlang ging das mit billigen Osteuropäern, und die sind jetzt auch Mangelware.
    Es liegt daran, daß aufgrund der niedrigen Gehälter niemand mehr diese Ausbildungen gemacht hat. In den ex-sozialistischen Staaten wurde nach der Wende oftmals überhaupt das ganze Berufsschul-Wesen zugesperrt und die Leute auf private Ausbildungs-Wirtschaft verwiesen. Man konnte also Kurse zum Koch, Schweisser, usw. belegen.
    Das scheint inzwischen auch an sein Ende gekommen zu sein.

    Ich weiß nicht, warum diese Erkenntnis so schwer anzunehmen ist.
    Ihr tut alle so, als müßte man nur mehr zahlen, und schon kommen die ganzen Berufsgruppen aus ihren Verstecken.

  111. 111 sherlock 02. Februar 2020 um 12:46 Uhr

    „Lars Niggemeyer sieht in der Diskussion über den angeblichen Fachkräftemangel eine Phantomdebatte, die dem Interesse der Arbeitgeber nach einem Überangebot an Arbeitskräften, längerer Lebensarbeitszeit, Wochenarbeitszeit, Ausweitung der Zuwanderung und niedrigen Löhnen dient.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Fachkr%C3%A4ftemangel

  112. 112 Kehrer 02. Februar 2020 um 18:54 Uhr

    Die Frage war doch welche Handwerker mies bezahlt werden, da deine Theorie ja war, dass Jobs wegfallen, wenn sie unter einen erträglichen Lohn gedrückt werden. Welche Handwerker sind denn das, die so mies bezahlt werden, dass Jobs nicht mehr besetzt werden? Denn nach meinem Empfinden ist das nicht so. Deshalb hab ich zwei Angebote gemacht. (von Pflegekräften im medizinischen Bereich mal abgesehen)

    Fachkräftemangel herrscht übrigens dann, wenn sich nur 10-15 Leute auf eine Stelle bewerben statt 50. Das ist nur ein anderer Ausdruck dafür, dass sie fürs Kapital zu teuer sind. Da kann ich Sherlock nur zustimmen.

  113. 113 Guurd 03. Februar 2020 um 15:26 Uhr

    DGB-Gewerkschaft: „Digitales und Klima“
    Der DGB als aktiver Mitbetreuer der „Herausforderungen“ von ‚Digitalisierung‘ und den kapitalistischen Geschäftsoffensiven unter dem Titel ‚Klimaschutz‘ – 2019/20

    Pünktlich zum Einläuten der Tarifrunde 2020 gibt die IG Metall Anschauungsmaterial für konstruktives Mitmachen bei der Bewältigung der von den Staats- und Wirtschaftsmächtigen angesagten und tatkräftig in die Tat umgesetzten sog. Herausforderungen unter den Titeln Digitales und Klima.
    Irreführend insofern, dass Staat und Kapital den Erfordernissen neuer Konkurrenztechniken und Geschäftssphären nicht einfach hinterherhinken oder einfach so ausgesetzt sind, sondern zielstrebig als Inhalt ihres Interesses sich zu eigen machen. Und was da als zu Bewältigendes angemahnt wird, ist von von sehr gegensätzlicher Natur. (Forts.):

    http://tages-politik.de/Gewerkschaftliche_Fauxpas.html

  114. 114 Nestor 03. Februar 2020 um 20:29 Uhr

    @sherlock

    Ich weiß nicht, wer der Herr Niggemeyer ist, teile jedoch seine Meinung nicht.
    Daß er nicht sehr viel nachgedacht hat, sieht man schon daran, daß er das Interesse nach längerer Lebensarbeitszeit den Arbeitgebern zuschreibt. Dabei ist das ein Interesse des Staates, um seine Pensionskassen zu entlasten. Die Arbeitgeber wollen nicht Alte und Ausgepowerte.

    @Kehrer

    Es bewerben sich eben gar keine Leute mehr, und die Stellen bleiben unbesetzt. Das Ergebnis ist, daß Leute aus der Pension zurückgeholt werden, die Verbliebenen länger arbeiten müssen, und die Wartezeiten für Aufträge sich erhöhen.

    Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist, aber Österreich hat eben einen Haufen Klein- und Mittelbetriebe, die erstens nicht sehr viel Spielraum bei den Löhnen haben, weil ihre Umsätze und Gewinne auch nicht so berauschend sind. Zweitens würden sie sogar mehr zahlen, um selber weniger Stress zu haben, es findet sich aber niemand. Gelernte Buchhalter oder Förster aus Osteuropa kann man zur Not als Kellner und Barmann anlernen, aber als Koch oder Elektriker schon nicht mehr.
    Dazu kommt das Problem der Unterbringung, das sich durch die Immobilienspekulation sehr verschärft hat, weil Wohnraum immer unerschwinglicher wird.

  115. 115 Kehrer 03. Februar 2020 um 22:34 Uhr

    Eben höre ich Nachrichten auf Phönix (Tagesschau), wo die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Klage über zu niedrige Lebensmittelpreise führen darf. Anscheinen sind heute Vertreter von Lebensmittelketten von der Bundesregierung eingeladen worden, um ihnen ins Gewissen zu reden die Erzeuger fair zu bezahlen. Was daraus mehr resultieren soll als ein moralischer Aufruf wurde im Dunkeln gelassen.

    Die Landwirtschaftsministerin hat das aber zum Anlass genommen Stimmung zu machen, weil sie offenbar dachte, der Zeitpunkt ist günstig nach den Klimaprotesten, wo anscheinend zum Konsens gemacht wurde, dass das normale Fleisch vom Discounter „Billigfleisch“ ist und in den Fußgängerzonen einige Leute die Ansicht ins Mikrofon sprechen durften, das gutes Fleisch auch teuerer sein darf und wegen Geldknappheit dann nur noch selten konsumiert werden soll.

    Jedenfalls meinte die Klöckner es sei doch ein Skandal, dass zwei Kilo Äpfel 1,11€ kosten und Hähnchenschenkel 20ct pro 100g. Preise hätten auch was mit Wertschätzung zu tun und der Verbraucher solle doch diese Lebensmittel mehr wertschätzen und mehr bezahlen. Die Kritik an den Lebensmittelketten wurde also sofort wieder umgebogen in eine Kritik des knickerigen Verbrauchers, der nicht bereit sei für Lebensmittel mehr Geld auf den Ladentisch zu legen als er muss. Übel, übel – wenn ich sowas höre, dann werde ich stinksauer.

    1. Ohne Lüge geht es wohl nicht. Wo hat denn die Ministerin die 1.11 € her. Ich habe dieses Jahr noch keine Äpfel zu diesem Preis gefunden. d.h. wenn es sowas überhaupt gibt, dann ist das ein Supersonderangebot, also eine Ausnahme und nicht die Regel. Hähnchenschenkel kosten auch keine 20 ct das Kilo, sondern 1100g kosten 2,99 also 27 ct das Kilo, was ja 35% mehr sind. Also wird 1. rumgelogen. Außerdem sind Hähnchenschenkel sowieso das was übrigbleibt und wenn’s im Supermarkt nicht verkauft wird, wird es nach Afrika exportiert.

    Ganz böse das Argument, die Lebensmittelkosten würden meistens bloß 10% des Haushaltseinkommens ausmachen, was auch wieder einerseits gelogen ist, andererseits eine Unverschämtheit. Dass die Energiekosten ständig steigen, weil der Staat EEG Umlage abzockt und co2 bepreist, dass die Mieten steigen, die Beiträge für Krankenkassen usw. sowieso, soll jetzt eine Rechtfertigung abgeben, dass man auch bei den Lebensmittelpreisen diese Abzocke weitertreiben darf. Eine Dreistigkeit ohne Gleichen. Und das von einer Landwirtschaftsministerin, die mit ihren Kollegen jahrzehntelang einen Preisdruck im Landwirtschaftssektor erzeugt hat, damit die Landwirtschaft produktiver wird und nur hoch effiziente Betriebe der Konkurrenz standhalten. Jetzt verdrückt sie Krokodilstränen über die unfaire Behandlung der Erzeuger und schiebt den Preisdruck, den sie selbst erzeugt, den Verbrauchern in die Schuhe, die tatsächlich zugreifen, wenn es mal ein Sonderangebot gibt. Wie abgefuckt muss man sein, in welcher Welt muss man leben, um sowas in die Kamera zu sagen.

    Aber offenbar war die Journalistin von der Tagesschau auch nicht ganz einverstanden, da sie die Klöckner ständig unterbrochen hat. Zwar nicht mit den besten Argumenten, aber immerhin konnte die Klöckner ihren Versuch der Meinungsmache nicht unbehelligt durchziehen.

  116. 116 Kehrer 04. Februar 2020 um 1:22 Uhr

    „Den moralischen Aufruf gibts ja genau weil daraus nicht mehr resultieren soll.“ Ja, kann durchaus sein. Allerdings befürchte eigentlich immer das schlimmste, wenn nicht Journalist xy oder Aktivist xy sowas vertritt, sondern die amtierende Ministerin bzw. die Regierung. „Nachtigall, ick hör dir trapsen.“ Denen fällt doch immer noch eine Gemeinheit ein. Habeck hat z.B. eine Tierschutzcent auf tierische Produkte vorgeschlagen. Dass es nicht bei einem cent bleiben wird, ist ja auch klar. Der heißt bloß so, wie der Kohlepfennig. Die haben eben neuerdings entdeckt, dass man jeden Scheiß nochmal extra besteuern kann, genauso wie bei der Energie, kommen jetzt die Lebensmittel ins Blickfeld. Wenn da mal ein Damm gebrochen ist, dann machen diese Schweinehunde das auch, wenn sich’s irgendwie durchsetzen lässt und keiner was dagegen sagt. Würde jetzt ein öffentlicher Sturm der Entrüstung losgehen, würden sie sagen: War ja nicht so gemeint. So wie bei den Geschwindigkeitsbegrenzungen. Erst Versuchsballon starten, öffentliche Reaktion abwarten und wenn es keine gibt, wird früher oder später ein Gesetz erlassen.

  117. 117 Kehrer 04. Februar 2020 um 12:05 Uhr

    Nochmal zur Verdeutlichung, obwohl eigentlich dasteht warum ich mich aufrege. Mich stört eigentlich weniger der moralische Aufruf an die Lebensmittelhändler als dass die LW Ministerin daraus eine Schuldfrage an die Adresse der Verbraucher bastelt. Sowas hat normalerweise Folgen in Form eines Preisaufschlags bzw. weiterer Staatsabzocke. Griffe in mein Portemonnaie stören mich eben, falls das nicht klar sein sollte.

    2. Aber es gibt schon noch weiteres was mich stört. z.B. ist es makaber auf Packungen von Hähnchenteilen „Tierschutz“ drauf zu schreiben als wäre das Mästen und Schlachten von Hähnchen ein Schutz. Den Hühnern kann man noch soviel Streicheleinheiten zukommen lassen, Schlachtvieh sind sie trotzdem. Aber dem Umweltbewusstsein von heute stößt, sowas wohl gar nicht mehr als Widerspruch auf.

    3. Stört mich das Argument man könne etwas bloß wertschätzen wenn es teuer ist. Das ist pervers. Aus den Preisen die die Händler verlangen, wird eine Wertschätzung der Kunden abgeleitet. Das ist die erste Verrücktheit. Zweitens wird hier den Leuten der Warenfetisch als das natürlichste von der Welt angedichtet. Was teuer ist, ist wertvoll und was billig ist, ist Schrott. Und auf diesen Warenfetisch beruft sich eine Ministerin, um die Leute zu schröpfen. Dann braucht es wohl eine Zwangsabgabe, um die Leute zu mehr Wertschätzung zu veranlassen. Als könne man günstige Lebensmittel nicht wertschätzen und als würde es überhaupt um Wertschätzung von Lebensmitteln gehen. Das ist so verrückt. Warum nicht die Reichen besteuern, denn die Wertschätzung nimmt ganz sicher mit steigendem Einkommen ab. Wäre da nicht eine saftige Reichensteuer fällig, um die Wertschätzung von Lebensmitteln durchzusetzen. Werden im Umkehrschluss Arme von der Wertschätzungssteuer befreit, weil sie wegen niedrigem Einkommen die Lebensmittel so schon wertschätzen. Da kann man lange warten. Alles bloß Heuchelei und Lüge.

  118. 118 Nestor 04. Februar 2020 um 13:09 Uhr

    sherlock habe ich einmal gesperrt, weil die Pöbelei dulde ich auf meinem Blog nicht.

  119. 119 Paco 07. Februar 2020 um 20:50 Uhr

    Suitbert Cechura am 6.2.2020

    So einzigartig ein [jeder… ] Mensch auch sein mag, seine Bedeutung relativiert sich praktisch an einem übergeordneten Kriterium, dem alles in dieser Gesellschaft untergeordnet ist – am Geld. Um das dreht sich in dieser Gesellschaft eben alles. Oder um diese triviale Erkenntnis etwas genauer zu fassen: Um die Vermehrung von Geld dreht sich das ganze Wirtschaftsgeschehen, darauf ist alles ausgerichtet, eben auch das (Über-) Leben der Menschen. Praktisch und augenfällig erweist sich dies im Arbeitsverhältnis, bei dem Arbeitgeber Menschen die Verfügung über ihre Lebenszeit abkaufen, indem sie ihnen Lohn oder Gehalt zusagen. Für einen bestimmten Betrag kann man sich eben hierzulande die Verfügung über das Leben anderer Menschen verschaffen und damit bestimmen, was sie in dieser Zeit zu tun oder zu lassen haben.

    https://www.heise.de/tp/features/Was-kostet-ein-Leben-was-darf-es-kosten-4653544.html

    Dieser Skandal hat seine Rücksichtslosigkeit nicht nur in Millionenbeträgen für selten-teure, daher im Regelfall nicht bezahlte Medikamente im Medizinbereich. Sondern doch auch darin, dass die dargelegte Rücksichtslosigkeit des Gebrauches der Arbeitskraft innerhalb der Ausbeutungszeit diese verschleißt und ruiniert. Und zwar nicht nur darin, dass das produktive Leben im Job auf das Funktionieren für ihn stur festgelegt wird, und so den Anforderungen des Arbeitsplatzes tagtäglich unterworfen wird, sondern auch darin, dass die damit einhergehende physische und psychische Ruinierung den Leuten noch einmal als deren mangelhafte Tauglichkeit z.B. im Krankheitsbild des ‚Burn Out‘ vorgeworfen wird. Leider ziehen die Betroffenen sich diese Sichtweise oft auch noch selber an. Anstatt darin die Ausbeutung zu bemerken, gehen sie selbst von dem Spruch aus, dass ein ‚Guter‘ (oder ein ‚Brauchbarer‘) auch noch jede Scheiße aushalten müsse. Und daher wolle. Und (ver)zweifeln so glatt an sich selbst.

  120. 120 Nestor 10. Februar 2020 um 10:59 Uhr

    So klimafreundlich sind Elektroautos wirklich

    Eine Studie des Schweizer Paul Scherrer Instituts (PSI) hat die Klimabilanz verschiedener Antriebe während des gesamten Lebenszyklus von Personenwagen untersucht. Demnach schneiden Elektroautos in Sachen Klimabilanz vor den ersten Kilometern noch schlechter ab als andere Fahrzeuge. Je weiter man jedoch damit fährt, desto besser wird diese Bilanz.

    https://industriemagazin.at/a/so-klimafreundlich-sind-elektroautos-wirklich

  121. 121 Chantal 10. Februar 2020 um 15:41 Uhr

    GLOBALE EMISSIONEN: Deutschland – dein CO2

    Wer Klimaschutz ablehnt, weil Deutschland allein die Katastrophe nicht aufhalten kann, hat vergessen, wie international die Wirtschaft agiert.
    FR-Analyse von Stephan Kaufmann, 10.02.2020

    Gegen schärfere Maßnahmen zur Reduktion von CO2-Emissionen hierzulande wird oft eingewandt, diese Maßnahmen seien nicht zielführend, weil Deutschland alleine den Klimawandel nicht aufhalten könne. „Wir werden den Planeten nicht retten, indem wir einen Morgenthau-Plan für Deutschland umsetzen“, mit diesen Worten warnte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner neulich vor einer Deindustrialisierung in Deutschland in Folge höherer Kosten für CO2-Emissionen. Diese Argumentation hat einige Schwächen.

    Zunächst ist es zutreffend, dass Deutschland alleine den Anstieg der CO2-Konzentration in der Weltatmosphäre nicht stoppen kann, schließlich sind die größten Emittenten von Klimagasen die USA und China. Als Argument für eine fortgesetzte Belastung der Umwelt taugt dieser Fakt allerdings nicht, da der Satz „Wir schaffen das nicht allein“ für jedes Land der Erde gilt. „Wir verschmutzen weiter das Ökosystem, weil die anderen das auch tun“ – nach dieser Logik ist die Umwelt bald ruiniert. Irgendwer muss halt mal anfangen mit dem verstärkten Klimaschutz.

    Vor allem aber tut das Argument „Deutschland allein kann den Klimawandel nicht aufhalten“ so, als hätte die hiesige Wirtschaft mit den CO2-Emissionen des Auslands nichts zu tun. Das ist nicht korrekt.

    Zum einen ist Deutschland einer der größten Auslandsinvestoren weltweit. Unternehmen haben Produktionsstätten rund um den Globus errichtet, zum Beispiel in Osteuropa, China und den USA. Die deutsche Autoindustrie produziert mehr Fahrzeuge im Ausland als im Inland. Die Produktion jenseits der deutschen Grenzen füllt nicht nur die Kassen der multinationalen Konzerne, sondern trägt auch zum CO2-Ausstoß des Auslands bei. Als einen der wesentlichen Gründe für Investitionen im Ausland nennen deutsche Industrieunternehmen die hohen Kosten für Energie in Deutschland, und das bedeutet: Sie investieren global, um ihren Energieverbrauch nicht senken zu müssen. Zu den ausländischen Direktinvestitionen der Unternehmen kommen auch noch Abermilliarden, die in hiesige USA-, China-, oder Schwellenländer-Investmentfonds angelegt sind und die vom – schmutzigen – Wirtschaftswachstum dort profitieren wollen.

    Die deutschen Unternehmen investieren und produzieren nicht nur im Ausland – sie beziehen von dort auch große Teile ihrer Zulieferungen und haben globale Wertschöpfungsketten geknüpft, um ihre Kosten zu senken. Zudem werden massenhaft Konsumgüter nach Deutschland eingeführt. Mit einer Importquote von 41 Prozent seiner Wirtschaftsleistung ist Deutschland abhängig von Einfuhren aus aller Welt, die unter anderem deswegen so preiswert sind, weil die Umweltauflagen häufig schwach sind.

    Und schließlich ist Deutschland mit einer Exportquote von 47 Prozent seiner Wirtschaftsleistung abhängig davon, dass die Konjunktur in Amerika und Asien rund läuft. Vereinfacht gesagt: Chinas schmutzige Industrie muss erstmal Güter produzieren und im Ausland absetzen, um die Dollars zu verdienen, mit denen China dann deutsche Autos importiert, die dort die Atmosphäre belasten. Davon hängt die hiesige Konjunktur ab: Die 30 Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex machen nur noch 21 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland, den Rest in aller Welt, auch in den Schwellenländern, deren CO2-Emissionen sich seit 1996 verdoppelt haben.

    https://www.fr.de/wirtschaft/deutschland-dein-13532037.html

  122. 122 Kehrer 11. Februar 2020 um 20:15 Uhr

    „Vor allem aber tut das Argument „Deutschland allein kann den Klimawandel nicht aufhalten“ so, als hätte die hiesige Wirtschaft mit den CO2-Emissionen des Auslands nichts zu tun. Das ist nicht korrekt. Zum einen ist Deutschland einer der größten Auslandsinvestoren weltweit.“

    Deutschland ist überhaupt nicht einer der größten Auslandsinvestoren weltweit. Wenn dann ist es das deutsche Kapital. Ich frage mich aber, was die Emissionen deutschen Kapitals im Ausland, mit hiesigem Klimaschutz zu tun haben?
    Schließlich gelten im Ausland andere Gesetze und deutsche Klimaschutzgesetze gelten dort nicht. Oder soll man sich für deutsches Kapital irgendwie verantwortlich fühlen. Ich verstehe nicht, worauf dieser Artikel abzielt.

  123. 123 Kehrer 11. Februar 2020 um 20:29 Uhr

    Eben kommt in den Nachrichten, dass ominöse „Berater der Bundesregierung“ (Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung) empfohlen hätten die Fleischpreise durch eine „Zusatzsteuer“ zu verteuern. Kaum ausgesprochen, hält die Klöckner wieder ihre blöde Fresse in die Kamera und propagiert die Fleischsteuer.

    Wieder werden Umfragen erwähnt, in denen angeblich 80% der Leute für teures Fleisch sind. Nach dem Motto, wollt ihr teuer kriegt ihr teuer. Es ist die reine Abschöpfung von Zahlungsbereitschaft, denn ich glaube nicht, dass dadurch das Fleisch besser wird, denn wir haben Kapitalismus. Das macht nur einige noch reicher. Jetzt geistert ein Versuchsballon mit 40cent pro Kilo durch die Medien. Das bedeutet nichts, sondern soll bloß abtesten, wieviel geht ohne dass größeres Murren anfängt. Was mit dem Klimaschutzpaket gemacht wurde findet Nachahmer. Hab ich’s prophezeit oder hab ich’s prophezeit.

  124. 124 Nestor 14. Februar 2020 um 13:24 Uhr

    @Kehrer

    Na ja, also man soll doch nicht so tun, als hätten die deutsche Politik und die deutschen Unternehmen nichts miteinander zu tun – wo sich doch die Politik immer als Türaufsperrer und Schutzherr ihrer Lieblingsbürger im Ausland aufspielt – wie alle anderen Staaten auch, nur in diesem Fall mit größerem Erfolg.
    Man kann strengere Klimagesetze im Inland auch als Aufforderung an die Unternehmen verstehen, sich nach Ländern mit laxeren Auflagen für einen etwaigen Produktionsstandort umzusehen.
    Bzw. als Einmischungstitel in ebendiese Länder, sich durch Nachziehen in Sachen Umweltschutz für Investoren dieser Art unbrauchbar zu machen.

    Das mit dem Fleisch ist ein Probeballon. So eine Meinungsumfrage produziere ich dir mit geringen Kosten aus dem Stand.

    Wenn die Fleischpreise in die Höhe gehen, wird natürlich weniger Fleisch gegessen. Da ist dann die Wurst auf der Pizza das höchste der Gefühle für viele.
    Die Frage ist natürlich, wie sich das mit dem Preiskampf der Supermärkte und dem Import aus anderen EU-Staaten oder dem Mercosur verträgt.
    Deutschland kann eine spezielle Fleischsteuer einheben, so ähnlich wie eine Mineralölsteuer, aber was das für Auswirkungen hätte, läßt sich derzeit nicht absehen.

    Deswegen wird jetzt einmal das Terrain erkundet.

  125. 125 Guurd 21. Februar 2020 um 7:40 Uhr

    Zur gerichtlichen Verfügung eines vorläufigen Waldrodungsstopps im Zuge des Vorhabens eines Fabrikbaus des Autobauers Tesla.

    Wie nationalwirtschaftliche Ertragsaussichten dafür hergenommen werden und ein allseits geteilter Klimaschutztitel dafür taugt, die rücksichtslose Ansiedlung neuen (Auto-) Geschäfts zu fordern.

    (…) Sonst gebräuchliche Anhörungsverfahren werden als einzige Beeinträchtigung des Heiligsten kapitalistischer Nation, deren geldliche Bereicherung, hingestellt – und man bemüht zugleich einen hehren Titel wie den vom Klimaschutz für die zügig abzuwickelnde Industrieansiedlung in Brandenburg:. Wer für ‚klimafreundliche Produktion‘ wie die von Elektroautos sei, habe alle sonstige Rücksichten auf Umweltrelevantes fallen zu lassen – wobei diese Sorte Agitation und tatkräftige politische Unterstützung für Geschäftemacherei solchen Kalibers wie im Falle ‚Tesla‘ über die Verwechslung von primärem Geschäftsinteresse unter dem Signum des Klimafreundlichen mit letzterem als eigentliches Anliegen verfangen soll.

    Umgekehrt offenbart die Tangierung anderer Umweltbelange durch ein ach so umweltzugeneigtes Geschäftsvorhaben wie das von Tesla das Lügenhafte, Kapital und Staat seien bei ihren neuen geschäftlichen Aufbrüchen für nichts als Klima und Umwelt unterwegs.

    aus: http://tages-politik.de/Innenpolitik/Streit_um_Tesla_Fabrik-20.2.20.pdf

    „Klimaschutz“ ist eben die aktuelle Fassung, in die sich deutsches Weltmarktstreben kostümiert hat …

    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tesla-elon-musk-fabrik-gruenheide-protest-1.4802888

    … und daher ist der kurzzeitige Baustopp nun auch schon wieder aufgehoben worden …

  126. 126 Nestor 22. Februar 2020 um 23:04 Uhr

    Das wäre ja schon beeindruckend, wenn in Deutschland jede Menge Umweltschäden in Kauf genommen würde, damit die Leute in China einmal mit „sauberen“ Autos fahren können.
    Da würde sich die bisherige globale Arbeitsteilung umkehren …

  127. 127 Cilly 23. Februar 2020 um 23:26 Uhr

    Anmerkungen zu den Absurditäten und Gemeinheiten der CO2-Steuer – sowie zu den „Verschmutzungszertifikaten“, die ja hierzulande allgemein als allerhöchste Mittel marktwirtschaftlicher „Überzeugung“ und „Regulierung“ geltend gemacht werden …

    http://tages-politik.de/Energiepolitik-Umweltpolitik/CO2-Preis_2019.html

    Zum ziemlich prinzipiellen Irrsinn solcher „Instrumente“ vgl. einen älteren Artikel
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/klimaschutz-durch-emissionshandel

  128. 128 Leser 28. April 2020 um 15:29 Uhr

    Norbert Trenkle: Klimakrise und gesellschaftliche Transformation in Zeiten von Corona

    (…) Der vorübergehende Stopp der wirtschaftlichen Aktivitäten in großen Teilen der Welt hat nichts an der Grundlogik der kapitalistischen Produktionsweise geändert, die von dem Selbstzweck zur endlosen Vermehrung des abstrakten Reichtums, dargestellt im Geld, angetrieben wird. Der aus diesem Selbstzweck resultierende Wachstumszwang wird durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie keinesfalls ausgesetzt, sondern nur kurzzeitig abgebremst.

    Gleichzeitig tun die Regierungen und Zentralbanken alles dafür, um dieses Bremsmanöver abzumildern und die ökonomische Dynamik wenigstens prekär in Gang zu halten und nach dem Ende der Eindämmungsmaßnahmen wieder so schnell wie möglich auf Touren zu bringen. (…)

    Die ‚ökologische Entlastung‘ ist nur die Kehrseite einer massenhaften Verarmung und Verelendung von großen Teilen der Bevölkerung. Denn da in der kapitalistischen Gesellschaft nun einmal tendenziell alle gesellschaftlichen Beziehungen die Warenform annehmen und daher der Zugang zu den Dingen ganz überwiegend über Geld erfolgt, führt eine Unterbrechung der Ware-Geld-Flüsse notwendigerweise zu einem mehr oder weniger großen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Versorgung: Unternehmen bankrottieren, Arbeitskräfte werden entlassen, und weil die Einkommensquellen versiegen, können sich Millionen Menschen nicht einmal mehr das Nötigste kaufen.

    Dabei wird selbstverständlich nicht danach gefragt, ob nun die betreffenden Produkte und Dienstleistungen gesellschaftlich notwendig sind oder nicht, wie ihre Ökobilanz aussieht und unter welchen Bedingungen sie produziert werden; denn diese Kriterien spielen in der Welt der Warenproduktion keine Rolle. Vielmehr zählt, ob die produzierten Dinge sich auf dem Markt absetzen lassen und dabei einen Gewinn abwerfen. (…)

    Es ist absehbar, dass nach der akuten Phase der Corona-Krise die ohnehin schon halbgaren klimapolitischen Maßnahmen der letzten Jahre allesamt unter Beschuss geraten werden. Schon jetzt fordern Wirtschaftsvertreter, man müsse nun Hindernisse wie Umweltschutzvorschriften aus dem Weg räumen, damit die Konjunktur nach dem Lockdown wieder schnell auf Touren komme.

    So üben etwa die großen deutschen Autokonzerne Druck auf die EU-Kommission aus, damit sie die ab 2020 gültigen CO2-Grenzwerte wieder außer Kraft setzt. Und der niedersächsische Ministerpräsident fordert gar eine Abwrackprämie für Autos, natürlich nur um eine Umstellung auf „umweltfreundliche Antriebe“ zu fördern, ganz so, als sei der Autoverkehr nicht an sich eines der größten Umweltprobleme überhaupt. Dabei wird es nicht bleiben.

    So wie die Ideologen der Marktwirtschaft jetzt die Folgen der Corona-Pandemie gegen die wirtschaftlichen Schäden des Lockdown aufrechnen, werden sie dann argumentieren, dass nicht nur die Erderwärmung eine Bedrohung für die Menschheit darstelle, sondern auch eine lahmende Wirtschaft, weil dadurch Millionen von Menschen ihre Existenzgrundlage verlören.

    Damit geben sie zwar im Grunde zu, dass der Kapitalismus die Menschheit in eine fatale Abhängigkeit von seiner destruktiven Akkumulationslogik bringt und vor die Alternative stellt, entweder aufgrund der ökologischen Zerstörung oder aus wirtschaftlicher Not zu sterben. Aber dennoch wird dieses Argument großen Anklang bei denjenigen finden, die angesichts der Krise um ihre Existenz bangen und keine Hoffnung auf eine andere Form von Gesellschaft hegen.

    Soll die „Klimafrage“ also nicht von der politischen Tagesordnung verdrängt werden, muss sie in einer Weise reformuliert werden, die der neuen gesellschaftlichen Krisensituation adäquat ist. (…)

    Im Unterschied zu 2008/2009 sind diesmal die geldpolitischen Instrumente der Zentralbanken schon sehr weitgehend ausgereizt, und außerdem ist auch auf weltpolitischer Ebene nicht zu erwarten, dass sich die großen Wirtschaftsmächte auf ein gemeinsames Vorgehen einigen werden.

    Vielmehr zeichnet sich ab, dass jede von ihnen ihre eigenen Interessen auf Kosten der anderen verfolgt und der ohnehin schon existierende Trend zur nationalistischen und regionalen Abschottung eine zusätzliche Dynamik gewinnt.

    Die deutsche Regierung macht das gerade vor, indem sie mit ihrer Ablehnung der Eurobonds den Sprengsatz an die EU legt, was nicht nur infam und schäbig ist, sondern auch noch borniert, weil die Bundesrepublik objektiv am meisten von der europäischen Einheit und dem Euro profitiert. Doch der Nationalismus folgt seiner eigenen, gefährlichen Logik, die keinesfalls funktional im ökonomischen Sinne sein muss.

    Die Rückkehr des Staates wird daher unter ganz anderen Vorzeichen stehen als in den hoffnungsfrohen linken und grünen Blaupausen. Zwar ist durchaus damit zu rechnen, dass unter dem Druck der Öffentlichkeit die Notverstaatlichung vieler Sektoren beibehalten oder sogar noch ausgeweitet wird.

    Aber zugleich werden die Regierungen unter Verweis auf die Kosten des Krisenmanagements eine rigorose Austeritätspolitik fahren und diese durch den nationalistischen Appell an die Opferbereitschaft der Bevölkerung sowie durch verschärfte Kontrollmaßnahmen, wie sie ja gerade im großen Stile erprobt werden, flankieren.

    Denn es ist nicht nur die Marktlogik, die sich angesichts der anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben kompromittiert, sondern das gesamte Bezugssystem der Produktion abstrakten Reichtums gerät aus den Fugen.

    Deshalb reduziert sich das staatliche Handeln in immer mehr Ländern zunehmend auf die autoritäre Krisen- und Notstandsverwaltung. Denn je weniger der Staat seine Legitimation als Hüter des Allgemeinen durch Sicherung der öffentlichen Versorgung sichern kann, desto deutlicher tritt sein herrschaftlicher Kern hervor. (…)

    https://www.heise.de/tp/features/Klimakrise-und-gesellschaftliche-Transformation-in-Zeiten-von-Corona-4708238.html?seite=all

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    Staat reduziere sich auf bloße Herrschaft. Früher habe er die öffentliche Versorgung sichern wollen – das aber nicht aus deren Gründen, sondern zwecks bloßer Legitimation als Hüter des Allgemeinen.

    Das ist mehr als krumm. Wenn unter „öffentliche Versorgung“ Infrastruktur gemeint ist, so ist das Infrastrktur für die kapitalistische Gesellschaft, und da hat er eben Unterschiede gemacht, – Masken für Pandemien vorzuhalten, das gehörte eben nicht dazu. Und dass er hierzulande ideologisch je seine „Legitimation“ als „Hüter des Allgemeinen“ irgendwo hat „sichern“ müssen, – ist allenfalls eine fromme Legende aus dem Sozialkunde-Unterricht.

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    Zu der offiziellen „Klimapolitik“ der Regierenden:

    https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/petersberger-klimadialog-deutsche-ambitionen-bleiben-verschwommen/

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    AfD-Chef Jörg Meuthen forderte die Abkehr vom Klimaschutz. »Wenn die deutsche Wirtschaft nach Corona jemals wieder auf die Beine kommen will, dann nur ohne die völlig überzogenen, wirtschaftsfeindlichen Klimaauflagen der EU«, erklärte der Abgeordnete am Montag. (AFP/jW)

    Da rennt er anscheinend offene Türen ein:
    https://www.handelsblatt.com/politik/international/coronakrise-eu-kommission-will-teile-des-green-deals-verschieben/25748146.html?ticket=ST-19785-LgnKrM3h9fdcpSaedfTO-ap1

  129. 129 Nestor 28. April 2020 um 21:12 Uhr

    Aber dennoch wird dieses Argument großen Anklang bei denjenigen finden, die angesichts der Krise um ihre Existenz bangen und keine Hoffnung auf eine andere Form von Gesellschaft hegen.

    … und glauben, daß es bis zum Big Bang noch eine Zeitlang dauern wird, bis dahin sind sie unter der Erde und Nach uns die Sintflut!

    Die deutsche Regierung macht das gerade vor, indem sie mit ihrer Ablehnung der Eurobonds den Sprengsatz an die EU legt, was nicht nur infam und schäbig ist, sondern auch noch borniert, weil die Bundesrepublik objektiv am meisten von der europäischen Einheit und dem Euro profitiert.

    Es ist natürlich nicht gesagt, daß die Einführung der Coronabonds nicht genauso ein Sprengsatz wäre. Wenn die „guten“ Schuldner für die „schlechten“ mitbürgen, so könnte sich das auf die Qualität der Schulden auswirken. Die Horrorvorstellung, daß die Finanzmärkte sich vom Euro abwenden könnten, existiert seit der Eurokrise.

    Denn je weniger der Staat seine Legitimation als Hüter des Allgemeinen durch Sicherung der öffentlichen Versorgung sichern kann, desto deutlicher tritt sein herrschaftlicher Kern hervor.

    Die Legitimation und das Allgemeine einmal geschenkt, aber die Aussage hat einen wahren Kern, es gibt ja so etwas wie Notstandsgesetze. Damit wird klargestellt: Alle anderen Regungen und Interessen haben zurückzustehen, wenn das Gewaltmonopol selber in Gefahr ist.
    Man muß sich aber auch klarmachen, was es heißt, wenn ein Staat oder die EU überhaupt in diesem Notstandsmodus verharren oder wieder auf ihn zurückgreifen würden: Es wäre das völlige Eingeständnis ihres Scheiterns als Verwalter und auch Nutznießer der Kapitalakkumulation. Denn die Freie Marktwirtschaft lebt eben von der Freiheit der Konkurrenz, wo die beschränkt wird, geht das mit dem G-G’ auch nicht mehr.

    Die Nationalsozialisten wollten mit dem Weltkrieg die Karten neu aufmischen, um ihren Verliererstatus abzuschütteln, dazu ist die Freie Welt aufgrund ihrer imperialistischen Gegensätze heute nicht fähig. Ein einzelner Staat noch weniger.

  130. 130 Leser 28. April 2020 um 22:53 Uhr

    Der Untertitel des Aufsatzes von Trenkle lautet: „Warum die kapitalistische Reichtumsproduktion zur Disposition steht.“
    Das ist deswegen eine Schieflage, weil der Kapitalismus nur dann abgeschafft wird, wenn die Menschen ihn abschaffen (stürzen) wollen. Für solche revolutionären Vorhaben umstürzlerischer und aufgeklärter Genossen hat der Kapitalismus nie etwas derart aktuell Besonderes an sich, demzufolge er gerade jetzt mal „zur Disposition“ stünde. (Wenn überhaupt, dann steht er – gedanklich leider nur – immerzu bereits „zur Disposition“.)
    Die gesamten objektiven Zusammenbruchszenarien sind magisches Denken: durch ihr Aussprechen würde ihnen Realität oder zumindestens Dispositions-Möglichkeit verschafft: Der Kapitalismus als System käme selber an die Grenze, die der Kritiker ihm ziehen möchte.

    Weder das Beschwören, die Klimakrise würde dem Prozess der Entstehung des revolutionären Subjekts auf die Sprünge helfen, oder die Coronakrise, noch das schlichte Absehen vom Normalzustand hilft weiter: „Was vielmehr ansteht, ist die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und der öffentlichen Versorgung im Rahmen einer allgemeinen und freien, gesellschaftlichen Selbstorganisation jenseits von Warenproduktion und staatlicher Verwaltungs- und Herrschaftslogik. Natürlich geht das nicht auf einen Schlag, sondern nur im Zuge eines längeren gesellschaftlichen Transformationsprozesses.“ (So endet der Aufsatz.)

    Das lässt sich allesamt magisch beschwören: was angeblich so alles „ansteht“. Was angeblich alles „zur Disposition“ steht. Als würde sich die Welt wirklich nach den revolutionären Wünschen von Herrn Trenkle richten: „Natürlich geht das nicht auf einen Schlag, sondern nur im Zuge eines längeren gesellschaftlichen Transformationsprozesses.“ Realität sei das Resultat magischer Beschwörungskünste. Langfristig gesehen. Irgendwann „transformiert“ „es“ „sich“ nämlich selber: das transformationsprozesshafte bessere gesellschaftliche Wesen …

  131. 131 Leser 29. April 2020 um 8:03 Uhr

    Am Ende eines Interviews über sein lesenswertes Buch über Karl Marx formulierte Thomas Steinfeld 2017:

    „All diese Versuche, sich, obwohl in elender Vereinzelung gefangen, zu einem Kollektiv zu verklären, dem die Zukunft schon irgendwie recht geben soll, weil man doch „progressiv“ zu sein meint, sind mir zuwider. Eine bessere Idee wäre es, sich hinzusetzen und sich Rechenschaft über Verhältnisse abzulegen, die einen stören – und darüber nachzudenken, warum sie einen stören.

    Das ist Arbeit, aber sie wird einem nicht erlassen. Dann kann man gucken, ob man andere Menschen findet, die wenigstens ähnlich denken – und darauf setzen, dass aus der Not trotz allem ein Bedürfnis nach Theorie erwächst, und nach einer Theorie, die weiß, dass sie eine ist. Das ist keine große Perspektive, ich weiß, aber die einzige, die ich kenne.“

    https://www.heise.de/tp/features/Herr-der-Gespenster-3918614.html

    Schlauerweise hat es jemand hingekriegt, dass es von Steinfelds Buch eine kostengünstigere Version gibt – die so vermutlich sogar als Klassensatz (z.B. für Oberstufenkurse oder für FFF-Lesekreise) bestellbar wäre …
    https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/281514/herr-der-gespenster

    Inhaltsverzeichnis dieses Buches hier S. 6 – 9:
    https://files.hanser.de/Files/Article/ARTK_LPR_9783446256736_0002.pdf

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