Gold und Geld

DAS MASS DER WERTE

„“Der Goldpreis schleicht sich langsam nach oben“, sagt Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle bei der Präsentation seines Überblicks zum Goldmarkt. Die Notenbanken kaufen demnach gerade Gold wie zuletzt vor einem halben Jahrhundert. Auch gebe es mehr Signale für eine Rezession in den USA.“ (Industrie-Magazin, 28.5.)

Worauf beruht eigentlich der Wert einer Währung? Er wird im allgemeinen im Verhältnis zu anderen Währungen gemessen. a Euro = b Dollar = c Pfund = d Yen usw.
Sie haben also kein gemeinsames Bezugselement, sondern die eine Währung stützt sozusagen die andere, verleiht ihr ihren relativen Wert. Natürlich spielt die Wirtschaftsleistung eines Landes eine Rolle, die in BIP und Wirtschaftswachstum gemessen wird.
Aber heute spielen die Schulden eines Landes eine wichtige Rolle. Alle international wichtigen Währungen, die auch außerhalb der Landesgrenzen zirkulieren, schieben gewaltige Schuldenberge vor sich her und ihre Regierungen tun einiges, um diese Schulden zu beglaubigen. Das heißt, sie garantieren, daß diese Schulden bedient werden. Deshalb müssen Banken gerettet und die Schulden zahlungsunfähiger Staaten wie Griechenland durch die anderen Staaten der Eurozone durch speziell dafür eingerichtete Fonds anderer Eurostaaten gültig gehalten und bedient werden.
Das heißt also, daß der Wert einer Währung heute darauf beruht, wie sehr es den Regierungen, den Nationalbanken und den Wirtschaftstreibenden als Gemeinschaftswerk gelingt, die Bedienung der Schulden glaubwürdig zu halten. Also die Überzeugung zu verbreiten, daß diese ständig wachsenden Schulden morgen und übermorgen auch bedient werden können.

Zurückgezahlt können sie niemals werden, das ist inzwischen klar. Es geht nur darum, daß sie durch Zinsenzahlung und Umschuldungen, also durch neue Schulden gültig gehalten werden.)

Es gab einmal einen Regierungschef im kommunistischen Rumänien, der beschloß, alle Schulden Rumäniens zurückzuzahlen. Er wurde gestürzt und hingerichtet. Jugoslawien ist unter anderem deswegen auseinandergebrochen, weil es seine Schulden nicht mehr bedienen konnte. Der ganze Realsozialismus ist unter anderem aufgrund der Schulden gescheitert, die die Staaten des Ostblocks bei westlichen Banken aufgenommen hatten.

Es gibt heute offenbar Zweifel, ob die wichtigen Mächte dieser Welt weiterhin für die Gültigkeit ihrer Schulden geradestehen können.
Zuallererst haben diese Bedenken offenbar die Notenbanken dieser Staaten selbst.

Dazu kommt China, das selber in diesem Schuldenkarussell nur insofern beteiligt ist, als es viele Schuldtitel anderer Staaten in seinem Staatsschatz hat. Die eigene Währung ist bis heute nicht freigegeben, was soviel heißt, daß niemand außerhalb Chinas Schuldtitel in Renminbi hält. China steht also für seine Schulden auf jeden Fall, aber auch für die Schulden anderer Staaten gerade. Würde es auf einen Satz alle auf Euro lautenden Anleihen aus seinem Staatsschatz auf den Markt werfen, so könnte es damit den Euro zu Fall bringen. Genauso wäre es mit dem Dollar.

In dieser Situation beginnen also die Notenbanken Gold zu kaufen.

Gold war neben Silber lange das Maß der Werte, bis beide vom Papiergeld abgelöst wurden. Dann diente es als Deckung der nationalen Währungen, bis auch diese Funktion verlorenging. Erst mit dem Bretton Woods-System, das alle Währungen auf den Dollar als Leitwährung verpflichtete, und dann 1971, als die USA unter Nixon die Bindung des Dollar zum Gold aufgaben, weil sie sich als beengendes Korsett bei der Finanzierung des Vietnamkriegs erwies.

„Ein wesentlicher Trend sei auch die De-Dollarization, also die Abkehr vom US-Dollar als Weltwährung, meint Stöferle. „Die massiven Goldkäufe durch Notenbanken seitens der Russen, aber auch der Chinesen – wobei China da ein bisschen verdeckt agiert –- zeigen, dass sich die Welt sukzessive vom US-Dollar emanzipiert.“ 2018 habe es die meisten Goldkäufe durch Notenanken seit dem Jahr 1971 gegeben. „Seit dem Ende von Bretton Woods haben Notenbanken noch nie so viel Gold gekauft, das waren mehr als 650 Tonnen Gold.“ Auch heuer werde es ähnlich aussehen. „Ungarn hat seine Goldbestände zuletzt verzehnfacht, auch Polen hat massiv zugekauft.“ Russland wolle sich durch Gold gegen seine Abhängigkeit vom Ölpreis und von Ölexporten absichern, und auch der Iran baue seine Goldbestände auf, um den US-Dollar als zentrale Verrechnungswährung zu umgehen.“ (ebd.)

Während der Euro dem Dollar im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr (ca. 41:39 %) dicht auf den Fersen ist, dümpelt er als Reservewährung bei 20 % herum, gegenüber dem Dollar bei 65 %.
Das heißt, daß zwar viele Geschäfte in Euro gemacht werden, er aber nach wie vor wenig Vertrauen als Leitwährung genießt. Die Geldhändler und Notenbanken der Welt trauen dem Dollar immer noch mehr Durchhaltevermögen zu, wenn es hart auf hart kommt.
Aber auch dieses Vertrauen hat seine Grenzen, wie die zunehmenden Goldkäufe zeigen. Wenn auch der Dollar eingeht, so denken offenbar viele Notenbanker und Regierungen, so haben wir immerhin Gold als Reserve.
Zu dieser Entwicklung tragen auch die niedrigen Zinsen bei, die auf Staatsanleihen gezahlt werden. Während Anleihen als Staatsschatz Zinsen erbringen, kann Gold nur durch Wertsteigerung die Staatsschätze anwachsen lassen. Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund: Wenn mehr Gold gekauft wird, steigt der Goldpreis, und damit kann Gold die niedrig verzinsten Staatsanleihen in den Staatsschätzen – und auch Bankschätzen, wenn die Banken Gold ankaufen – überholen.

Auch die Goldkäufe von Polen und Ungarn sollten gewürdigt werden.

Als diese Staaten der EU beitraten, mußten sie den Währungskorb aufgeben, mit dem sie ihre nationale Währung bisher an die Weltwährungen gebunden hatten, und sich ausschließlich an den Euro binden. Sie müssen seither Anleihen in Euro an den Börsen der Euro-Staaten begeben, um ihren Wechselkurs zum Euro stabil zu halten. Das heißt, sie müssen sich in Euro verschulden, um den Wert ihrer Währung zu erhalten.

Und wenn sie jetzt massiv Gold kaufen, so heißt das, daß sie dem Euro nicht trauen und sich von ihm emanzipieren wollen.

„Auch würde die Notenbanken ihre Goldbestände repatriieren. „Das haben wir bei den Holländern gesehen, das haben wir bei den Deutschen gesehen, zuletzt Rumänien und natürlich auch Österreich.““ (ebd.)

Warum haben eigentlich Staaten ihre Goldbestände im Ausland gelagert?
Das war deshalb, weil diese Staaten sich gegen den sozialistischen Block verbündet hatten und deswegen ihr Allerheiligstes anderen Staaten anvertrauten, die dafür die nötigen Sicherheitseinrichtungen aufgebaut hatten. Außerdem war es auch für den damaligen Welthandel wichtig, sein Gold nahe den Metropolen desselben zu parken.

Diese Einheit ist dahin und die neue Feindschaft gegenüber Rußland kann diese einigende Klammer nicht ersetzen. Um so weniger, als im westlichen Lager Zwist herrscht, Rußland inzwischen Handelspartner ist und die Stellung zu China ökonomisch anders verläuft, als die militärischen Bündnisse.

Also wollen alle ihr Gold zu Hause haben – für den Fall X, wenn, wie Peter Tosh sang, „the day the dollar die“.

Oder eben der Euro.

Warum erzähle ich euch das alles, liebe Leser?
Um ein Bewußtsein zu wecken, was sich an das Geld, das wir jeden Tag in der Hand halten, für imperialistische Interessen knüpfen. Die uns allen eines Tages auf den Kopf fallen werden, wenn wir nicht darüber nachdenken, dieses ganze System einmal gründlich in Frage zu stellen – theoretisch und praktisch.


4 Antworten auf „Gold und Geld“


  1. 1 Nestor 15. Juni 2019 um 10:34 Uhr

    @Neoprene

    daß all die in der Tat enorme imperialistische Gewalt keine nachhaltige Geldvermehrung durch Kapitalakkumulation garantieren kann.

    Mit der Leerformel „nachhaltig“ kann man sich halt immer über theoretische Verlegenheiten hinwegschummeln, oder aber gerade diese offenbaren.

    Was ist denn eine „nachhaltige Geldvermehrung“? Das kann man wohl dem „Kapital I“ entnehmen, daß jede Mehrwertproduktion sich am Markt bewähren muß und an dem Salto mortale auch scheitern kann.
    Das heißt, der in der Produktion in die Welt gesetzte Mehrwert ist erst einer, wenn er auf dem Markt realisiert wird.
    Erst dann kann wieder zum nächsten Zyklus geschritten, also akkumuliert werden.
    „Nachhaltig“, d.h. gesichert, falls mit dem blöden Wort das gemeint sein soll, kann Kapitalproduktion und -Akkumulation also nie sein.

    Auch zwischen den Staaten ist es nicht völlig ausgemacht, daß ein Kreditgeberstaat immer durchsetzen kann, daß er seine vergebenen Kredite von den Schuldnerstaaten wiederbekommt.

    Kein Staat und keine Bank wollen unbedingt ihre Kredite „wiederbekommen“, zum Teufel noch einmal!
    Das ist einmal zur Kenntnis zu nehmen.
    Ein Kredit, der abgezahlt, also getilgt wird, muß ja wieder neu vergeben werden, um dem Gläubiger Einnahmen zu generieren.

    Die Frage dreht sich auf diesen Ebenen nur darum, ob diese Bedienung gewährleistet ist. Bei Griechenland läuft das inzwischen, wie bei allen EU-Problemstaaten, über die EZB.
    Bei Argentinien habe ich so meine Zweifel, weil das hat eben keine EZB hinter sich.

    Wenn du mit dem Privatkonkurs daherkommst, so vermischt du hier eben Ebenen. Die Behandlung von Privatpersonen und überhaupt den Konsumentenkredit muß man gesondert betrachten.
    Ich verweise da auf ältere Schriften von mir:
    http://www.alanier.at/BankenOsterr.html
    http://nestormachno.blogsport.de/2016/08/05/die-neueste-absurditaet-des-kreditwesens/

    Was die Firmeninsolvenz angeht, so ist genau die der Grund, warum die Banken immer weniger Kredite an Firmen vergeben, weil dort noch eine Entschuldung auf Kosten der Gläubiger möglich ist.

    Hat es doch nun wirklich immer wieder gegeben.

    Natürlich.
    Und meiner Ansicht nach arbeitet die Gesetzgebung inzwischen dran, daß das immer unmöglicher wird. Und die ganzen Schulden irgendwo in einer Art staatlich garantiertem Kühlschrank gültig gehalten werden, auch wenn schon längst keine Mehrwertproduktion oder kein Wachstum mehr dahintersteht.

    Ob das ad infinitum geht, habe ich genauso wie du oder Samson ebenfalls meine Zweifel, aber wie schon öfters bemerkt, die diesbezüglichen Bemühungen der staatlichen Geldemittenten sind zunächst einmal zur Kenntnis zu nehmen.

  2. 2 Jörg 15. Juni 2019 um 12:09 Uhr

    Was den Euro, den EU-Haushalt, und die Banken betrifft, so ist sich die EU uneins wie selten zuvor.
    Bemerkenswert scheint zu sein, dass Macron seinen Franzosen als Kommissions-Oberhaupt durchdrücken will, und dann muss der Brexit ‚abgeschlossen‘ worden sein – und vermutlich gibt es erst ab November größere Klarheiten…

    https://www.euractiv.de/section/finanzen-und-wirtschaft/news/keine-einigung-ueber-das-euro-haushaltsinstrument-minister-schicken-heisse-kartoffel-an-die-regierungschefs-zurueck/

    https://www.fr.de/wirtschaft/europawahl-kann-eurozone-stabiler-gemacht-werden-12294230.html

    Angeblich soll es nun zwar erste Ansätze für Richtlinien für einen EU-Haushalt geben (das ist Macrons Idee, um die Gesamtstaatlichkeit Europas aufzuwerten), – aber quasi nur symbolisch: mit einem Mini-Haushaltsvolumen…

    Im Dtail müssen sich die Regierungschefs einigen, und dann die neue EU-Kommission beauftragen:

    „Wenn die Staats- und Regierungschefs sich darauf einigen, den Schutz der EU-Außengrenzen substanziell zu verbessern, so würde dies über einen Zeitraum von sieben Jahren 20 bis 25 Mrd. Euro kosten. Vor allem für Personal und Unterstützung nationaler Grenzschutzsysteme im Umland. Wenn aber ein umfassendes EU-Grenzschutzsystem mit allem Pipapo aufgebaut werden soll, macht das schon 150 Mrd. Euro.

    Ein anderes Beispiel ist der Rüstungsfonds, auf den sich die EU-Mitglieder bereits im vergangenen Jahr geeinigt haben. Da fließen bis 2020 knapp 600 Millionen Euro rein. Aber was passiert danach? Begrenzt man die EU-Kompetenz auf die Entwicklung bestimmter Rüstungstechnologien, den Kampf im Netz und einige weitere klar abgegrenzte Aufgaben, ist das für 3,5 Milliarden zu haben. Soll die EU sich aber wirklich strategisch unabhängig machen und dafür sorgen, dass die eigene Rüstungsindustrie global wettbewerbsfähig ist, müsste das ihren Mitgliedern schon zehn Milliarden wert sein.“

    Nur ist das mit der Einigung so eine Sache. Was z.B. die Unterstützung div. Gruppen in Libyen betrifft, so kämpfen in Libyen französisch unterstützte gegen italienisch unterstützte.
    Aber die Außengrenzen sollen jetzt mal wieder vordringlich gemeinsam geschützt werden.
    Und wenn die Rüstungskooperation beinhaltet, als wichtig geltende nationale Rüstungsschmieden zuzumachen, und stattdessen den EU-Nachbarstaat mit dessen Klitsche zu stärken, dann ist es mit der gemeinsamen Sache auch ratzfatz wieder rum…

  3. 3 Nestor 15. Juni 2019 um 12:23 Uhr

    Ja, erst war im Medienwald das Jubelgezwitscher groß, daß die rechten Parteien bei den Europawahlen doch nicht soooo stark wurden, wie befürchtet.

    Dann stellt sich heraus, daß die jetzt tatsächlich gewählten Knallköpfe auch keine Ahnung haben, wie denn das Projekt EU weitergebracht werden soll.

  4. 4 Nestor 25. Juni 2019 um 13:54 Uhr

    Ganz interessante Einblicke in die Politik der EZB und die Praxis des Geldschwemmen-Kritikers Weidmann:

    Kauf von Monsanto mit Steuergeldern finanziert
    Die Bundesbank unter Jens Weidmann, der EZB-Chef werden will, hat mit dem Wertpapierkaufprogramm der EZB die Monsanto-Übernahme mit finanziert
    https://www.heise.de/tp/features/Kauf-von-Monsanto-mit-Steuergeldern-finanziert-4453665.html

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