Großbritannien und die EU

BREXIT OHNE ENDE

Man erhält den Eindruck, daß die EU-Politiker Deutschlands und Österreichs, und auch die Medien dieser Länder, sich so richtig weiden an den Debatten im britischen Parlament und an den Schwierigkeiten, die den Austritt – oder Nicht-Austritt? – Großbritanniens begleiten.

Die Szenarien, die in der deutschsprachigen Presse ausgemalt werden, sind düster: Womöglich brauchen die Briten ein Visum, sobald sie europäischen Boden betreten, und überall bricht der Warenverkehr zusammen. Die City geht unter, außer sie übersiedelt rechtzeitig nach Frankfurt.

Man merkt all diesen Bildern das Wunschdenken an, doch endlich einen imperialistischen Konkurrenten auszuschalten und ihn ohne Krieg besiegen zu können.
Mit der Wirklichkeit hat das allerdings wenig zu tun.

Es ist gut, sich an die Zeit vor der EU, also vor 1992 zurückzuerinnern: Da gab es keinen Euro, das Umwechseln von Geld – wie es nach GB bis heute nötig ist – war gang und gäbe. Überall gab es Wechselstuben.
Die Briten brauchten wie alle Bürger Westeuropas kein Visum, um irgendwo hin zu reisen. Die einzigen Staaten, die bis 1990 Visa verlangten, waren einige sozialistische Staaten, keineswegs alle.
Überall an den Grenzen gab es Grenzkontrollen und Zollstationen. Rund um die Flüchtlingskrise wurden von einigen Staaten Forderungen erhoben, die Grenzstationen zu rehabilitieren und wieder Grenzkontrollen durchzuführen. Das hätte aber den freien Warenverkehr behindert und wurde deswegen verhindert – vor allem von Deutschland, das am meisten von dieser Zollfreiheit des Schengenraums profitiert.

1. Der Freihandel

Freihandel ist Forderung und Vorteil der Staaten mit erfolgreicher Kapitalakkumulation. Sie können mit ihren Waren fremde Märkte erobern und deren Kapitale an die Wand drücken, weil sie sie im Preis unter- und in der Qualität überbieten können. Freihandelszonen einzurichten, ist daher ein Dienst der Regierungen der potenteren Staaten an ihrem Kapital, den dieses Kapital gerne ausnützt, um seine Marktanteile im Ausland zu Lasten der Konkurrenten zu erhöhen.
Man kann sich dabei natürlich auch verkalkulieren. Viele Politiker von EU-Staaten waren für den Abbau aller Schranken des Warenverkehrs, weil sie dachten, daß ihr einheimisches Kapital diesen Wettbewerb bestehen könnte. Später, als sich diese Annahme als Irrtum herausstellte, hatten sie nicht mehr die Mittel, den Konkurrenznachteil wieder wettzumachen. Selbst wenn sie auf Protektionismus gesetzt hätten, hätten sie gar kein Kapital mehr gehabt, das unter dem Schutz der Zollschranken zumindest den inneren Markt bedienen hätte können. Verschiedene Unternehmen der Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie Griechenlands oder Spaniens oder anderer Staaten waren bereits der Konkurrenz mit potenteren Marktbeherrschern zum Opfer gefallen.

Es wäre aber auch gar nicht möglich gewesen, weil schon allein mit dem Euro ein Sachzwang geschaffen worden war, der Abschottung nach außen verunmöglicht.

2. Pfund und Euro

Die Briten wollten den Euro nie, weil sie nicht bereit waren, die mit der nationalen Geldschöpfung verbundene Souveränität aufzugeben. Sie wollten im Gegenteil das Pfund als Partner, aber auch Konkurrenten des Euro stark machen. Und als die Eurokrise losging, so wollten sie nicht für die Stützung dieser Währung geradestehen. Das ist der ökonomische Hintergrund des Brexit. Die britischen Eliten waren und sind gespalten in der Frage, wie sie der Eurokrise entkommen könnten. Und welcher Art ihr Austritt sein könnte/sollte und wie er nicht aussehen sollte.

Die britische Wirtschaft und das Pfund beruhen nämlich zu einem beachtlichen Teil auf der EU und auf dem mit der EU betriebenen Freihandel. Erstens als Finanzzentrum und Warenbörse. Viele der Rohstoffe, die ihren Preis an der Londoner Börse erhalten, werden nämlich in der Kontinental-EU nachgefragt. Die City ist somit das Tor, durch das diese Materialien in die EU gelangen. Selbst wenn sie irgendeinen Hafen auf dem Kontinent anlaufen – ihr Preis wurde in London festgelegt, und oftmals auch der Vertrag dort abgeschlossen. Die City bedarf also der EU als Absatzmarkt. Darauf beruht ein großer Teil ihrer Bedeutung.

Auf der anderen Seite hat Großbritannien seit Thatchers Zeiten zwar einiges an produktiver Basis eingebüßt, geblieben ist jedoch seine Bedeutung als Handelsplatz. Viele Fertigprodukte der EU-Unternehmen wandern über Großbritannien in alle Ecken des Commonwealth. Hier kommt der Freihandel in die andere Richtung ins Spiel: GB importiert zollfrei und günstig und seine Unternehmen können einiges aufschlagen, wenn das Zeug über bilaterale Zollfrei-Verträge in die Zentren und Ränder des einstigen Empire verscheppert wird.

GB hat also bei einem EU-Austritt wirtschaftlich einiges zu verlieren bzw. müßte sich durch diesen Schritt sozusagen neu erfinden.

3. Die Souveränität und ihre Außenposten

Ansonsten wird es teilweise von den Schatten seiner kolonialen Vergangenheit eingeholt: Der Status von Gibraltar und von Nordirland wird fraglich: Teil der EU oder Teil Großbritanniens? Es ist nicht ausgeschlossen, daß der nordirische Bürgerkrieg wieder losgeht und eine Art Besatzungsregime nötig wird, um das Territorium beim Vereinigten Königreich zu halten.

Gibraltar ist zwar ein leichterer Fall, weil es dort von innen kein Interesse gibt, den Status als Offshore-Paradies zu verlieren. Hier ist es aber vor allem Spanien, das den Felsen gerne heim ins Reich holen möchte und durch Blockaden zu Land und Wasser den Bewohnern und der britischen Regierung das Leben schwer machen kann.

Schließlich hat Schottland angekündigt, bei der EU bleiben zu wollen und damit separatistische Begehrlichkeiten in Aussicht gestellt, falls GB die EU verläßt.
GB hat zwar ein sehr hochgerüstetes Militär, das aber nicht für den Einsatz gegen die eigene Bevölkerung vorgesehen ist. Verlust vieler bisheriger Einkommensquellen und dazu eine Art Militärregierung in verschiedenen Landesteilen – das erinnert an die Regimes von Salazar und Franco, die auch ein Eingeständnis von wirtschaftlicher Schwäche waren, sodaß der Staat bzw. das Kolonialreich nur mit Gewalt und Krieg zusammengehalten werden konnte.

4. Klamauk aus dem Parlament

Diesen ganzen – von den britischen Politikern gewußten – Widersprüche bringen das seltsame Schauspiel hervor, das die britische Regierung und ihr Parlament seit der Brexit-Abstimmung bieten und das mehr an Monty Pythons Flying Circus erinnert als ein Musterland der demokratischen Entscheidungsfindung:
Erst tritt der Regierungschef zurück, der die Abstimmung angesetzt hat und gesteht damit ein, daß er sich verkalkuliert hat.
Die Politiker, die den Austritt befürwortet haben, treten zurück, weil sie von ihrem eigenen Erfolg überwältigt sind.
Dann kommt eine Dame, die verkündet, den Brexit durchführen zu wollen und kassiert eine Niederlage nach der anderen:
Wollt ihr mit einem Freihandelsabkommen austreten?
Nein!
Wollt ihr ohne ein Freihandelsabkommen austreten?
Nein!
Wollt ihr in der EU bleiben?
Nein!

Bleibt noch die Möglichkeit, noch einmal abstimmen zu lassen und zu hoffen, daß es für die EU ausgeht.
Erstens hätte das aber eine schiefe Optik, solange abstimmen zu lassen, bis man das erwünschte Ergebnis hat.
Zweitens könnte es aber noch einmal mit Nein! ausgehen, und was dann?


17 Antworten auf „Großbritannien und die EU“


  1. 1 Neues_Protok 16. Juli 2019 um 13:05 Uhr

    Die Ergebnisse der Europa-Wahl, der Streit zwischen ‚Souveränisten‘ und ‚Pro-Europäern‘, sowie Formen und Inhalte des Wahlkampfes 2019 waren Thema beim Jourfixe München am 08.07.2019, hier protokolliert:

    https://de.gegenstandpunkt.com/sites/default/files/jf-protokolle/jf190708-wahlen-eu.pdf

    Gegenstand der Debatte war der neue Artikel im Gegenstandpunkt 2/2019:
    Die Wahlen zum EU-Parlament 2019
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/wahlen-zum-eu-parlament-2019
    (Dieser Artikel ist insgesamt online frei verfügbar!)

    Zu Beginn des Artikels wird darauf hingewiesen, dass die Art und Weise, wie dieses Mal für die EU-Wahl geworben wurde, sich deutlich von früheren EU-Wahlkämpfen unterschieden hat. Unter Titeln wie ‚Ausbau oder Rückbau der EU?‘ oder ‚mehr oder weniger Brüssel?’ wurde von zwei gegnerischen Lagern eine Schicksalswahl ausgerufen und die Frage aufgemacht, ob und wie es mit der EU überhaupt weitergehen könne.

    Was sind das für Alternativen…???
    (…)

    ---

    Neoprene hat übrigens in einen Thread die Abschrift eines Vortrages von Peter Decker am 4. Mai 2017 in Nürnberg eingestellt …

    Europa hat heute viele Feinde…
    … so beginnt der Vortrag von Peter Decker über die aktuelle Lage Europas und über die Deutungen der expliziten ‚Freunde Europas‘:
    Die europäische Einigung – Ein deutsches Weltmachtprojekt

    https://www.argudiss.de/node/414

    https://www.argudiss.de/sites/default/files/doku/gesamtaufnahmen%28mp3%29/europa_nbg_0517_ges.mp3

    Zu sehen und zu hören ist der Vortrag und die Diskussion unter:

    https://www.youtube.com/watch?v=VMKyLM2XkBQ

    http://Neoprene.blogsport.de/images/DeckerzuEuropa20170504NbgMitschrift_01.rtf

    … wobei die ‚Fragilität‘ des europäischen Weltmachtprojektes seit 2017 erhebliche weitere ‚Kratzer‘ abgekriegt hat, sowohl von Seiten der USA als auch direkt aus dem Inneren der EU ….

  2. 2 Jorge 19. Juli 2019 um 6:38 Uhr

    Aus einer eher ‚linkskeyniastischen Sicht‘, der Zeitung FR vermutlich gemäß, stellt Stepha Kaufmnn einige Eigentümlichkeiten des EURO-Schuldenregimes der EZB heraus – und landet auch bei dem entsprechenden Fazit, dass die ‚Schwarze Null‘ kontraproduktiv sei …

    https://www.fr.de/wirtschaft/absurde-angst-vorm-defizit-12830160.html

    Nicht zur Sprache kommt das widersprüchliche Konstrukt des EURO, der, aus Sicht der europäischen konkurrierenden Nationalstaaten für sie ein Mittel zwecks Verbesserung ihrer weltweiten nationalen Konkurrenzsituation sein soll – dies aber ja nur dann auch möglich machen kann, wenn er ein stabiles Weltgeld ist.

  3. 3 NN 31. Juli 2019 um 23:02 Uhr

    Johnsons Ankunft in der Brexit-Realität

    Nach der Machtübernahme droht der Brexit-Kater: Großbritanniens neuer Premier Boris Johnson spürt heftigen Gegenwind für seinen harten Kurs gegenüber der EU – sogar in Washington.

    Boris Johnson: Politologe über britische „Schwäche“ und ein „Gespenst im Hintergrund“

    Der neue britische Premier Boris Johnson würde sein Land auch ohne Deal aus der Europäischen Union (EU) austreten lassen. „Die Folgen für den Handel Großbritanniens könnten verheerend sein“, warnt Politologe Thomas Jäger im Sputnik-Interview. Der Experte für internationale Beziehungen sieht „außenpolitische Schwächung“ Londons durch den Brexit.

  4. 4 Nestor 01. August 2019 um 11:27 Uhr

    Man bedenke auch: Das Pfund hat im Laufe der Zeit mit dem Yen gleichgezogen, und ca. 5% der Währungsreserven sind in £ bzw. des Volumens des Welthandels entfallen darauf.
    Wenn jetzt Großbritannien abschifft, und auch der Euro an Volumen verliert, so dürfte dieses Loch durch den Dollar aufgefüllt werden, und er gewinnt wieder Marktanteile zurück.

  5. 5 NN 06. August 2019 um 22:36 Uhr

    EU verliert Glauben an Brexit-Deal

    Die EU und Großbritannien steuern auf den Chaos-Brexit zu. London ist aus Brüsseler Sicht nicht mehr an Verhandlungen interessiert. Der Schaden für das Land wäre groß – der Nutzen für Premier Johnson wohl auch.

    Konstruiert und ausgeschlachtet
    Innerparteiliche Antisemitismusvorwürfe gegen linken Flügel von Labour
    Von Christian Bunke, Manchester

    Die politische Atmosphäre in Großbritannien bleibt trotz parlamentarischer Sommerpause fiebrig. Vor allem die Angriffe auf den linken Flügel der oppositionellen Labour-Partei und deren Parteichef Jeremy Corbyn gehen täglich weiter. Die Kampagne ist gut koordiniert und läuft über unterschiedliche Kanäle. Es gibt zwei Hauptziele: Labour soll wieder zu einer bürgerlich-liberalen Kraft werden, wie es die Partei unter Anthony Blair war; und Labour muss sich mit Haut und Haaren dem Kampf gegen den Brexit verschreiben, selbst wenn es der Partei den Sieg bei kommenden Parlamentswahlen kosten könnte.

    Ein bisheriger Höhepunkt der Kampagne gegen Corbyn und seine Unterstützer war die Ausgabe des BBC-Magazins »Panorama« vom 10. Juli mit dem Titel: »Ist Labour antisemitisch?« Die Frage wurde enthusiastisch mit »ja« beantwortet. Als Hauptzeuge wurde der stellvertretende Parteichef Thomas Watson herangezogen. Watson gehört zum blairistischen Parteiflügel, unterstützte die Invasion des Irak und Afghanistans durch US-amerikanische und britische Truppen und führte Wahlkämpfe mit Slogans wie: »Wer Liberaldemokraten wählt, stimmt für den ungezügelten Zuzug von Asylanten.«

    Generell haben Corbyns innerparteiliche Kritiker kein Problem, mit dem rechtskonservativen Lager zusammenzuarbeiten. Am 4. August veröffentlichte die Tageszeitung Daily Mail, die mittlerweile das »Remain«-Lager unterstützt, ein Interview mit Alan Johnson, der von 2009 bis 2010 britischer Innenminister war und zum inneren Kreis des neoliberalen Parteiflügels gehört. Für ihn würde Yvette Cooper einen besseren Job als Parteichefin machen als Corbyn. Cooper war Innenministerin unter Blair und für Wahlkampfslogans wie »Nur Labour kann die illegale Migration eindämmen« verantwortlich. Heute gehört sie zu jenen, die wie auch Thomas Watson dem linken Flügel der Labour-Partei die Tolerierung antisemitischer Positionen vorwerfen.

    Anfang August schließlich erschien eine Studie des Community Security Trust (CST), einer Organisation, die sich der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung in Großbritannien verschrieben hat. In dem »Triebwerke des Hasses – Die Onlinenetzwerke hinter Labours Antisemitismuskrise« betitelten Dokument wird behauptet, es gebe ein Onlinenetzwerk, das den Antisemitismus in der Partei befeuern würde. Laut dem CST äußert sich dieser folgendermaßen: 36 Twitter-Accounts forderten die Abwahl von Watson, beschäftigten sich »überproportional« mit Israel und versuchten, Angriffe auf Corbyn abzuwehren.

    Scharf zurückgewiesen werden derlei Analysen von der »Jüdischen Stimme für Labour« (JVL), einem Zusammenschluss linker jüdischer Parteimitglieder. In zahlreichen Dokumenten aus den vergangenen Wochen hält die Organisation fest, dass es natürlich Antisemitismus in der Labour-Partei gebe, dieser aber weniger ausgeprägt sei als in der übrigen britischen Gesellschaft. Außerdem sei die Zahl jüdischer Parteimitglieder in den letzten Jahren gestiegen und viele von ihnen seien überzeugte Linke. Zudem gebe es Beweise, dass überproportional viele jüdische Parteimitglieder vom blairistischen Flügel mit dem Antisemitismusvorwurf überzogen würden, die gleichzeitig Corbyn-Unterstützer seien. Hier zeige sich, dass der Antisemitismusvorwurf zur Bekämpfung des linken Parteichefs missbraucht werde.

  6. 6 Nestor 07. August 2019 um 8:23 Uhr

    Ja, überall herrscht die Haupt-Panik, daß Corbyn an die Macht kommen könnte – in der EU, in den USA und bei den britischen Eliten selbst.
    May hat ihm ja mehr oder weniger im Abgang ans Herz gelegt, doch gefälligst ihrem Beispiel zu folgen und zurückzutreten.

  7. 7 Nestor 20. August 2019 um 12:15 Uhr

    Ungewöhnliche Entwicklungen in der EU:

    Stahlriese British Steel insolvent: Die Armee der Türkei will übernehmen
    https://industriemagazin.at/a/stahlriese-british-steel-insolvent-die-armee-der-tuerkei-will-uebernehmen

  8. 8 Nestor 21. August 2019 um 10:02 Uhr

    Bitte hier nur Sachen posten, die sich auf GB und sein Verhaltnis zur EU beziehen.

    Zukünftig falsch plazierte Postings werden nicht mehr übersiedelt, – das ist zu zeitaufwendig –, sondern gelöscht.

  9. 9 Pedder 22. August 2019 um 14:25 Uhr

    Als Ausgleich zum Brexit verspricht sich Boris Johnson viel von einem Handelsabkommen mit den USA – wahrscheinlich zu viel.

    Der britische Premier Boris Johnson gibt sich entschlossen: Am 31. Oktober wird Großbritannien die EU verlassen, ob mit Austrittsregelung oder ohne. Ökonomen sagen den Briten für den Fall eines No-Deal-Brexit eine lange Rezession voraus, die Regierung in London entwirft bereits Notfallpläne für die ersten Novemberwochen. Als Ausgleich zum Brexit stellt Johnson ein Handelsabkommen mit den USA in Aussicht, das schon dieses Wochenende angekündigt werden könnte. Doch das wird die britische Wirtschaft nicht retten. Denn die Verhandlungen mit Washington dürften sich über Jahre hinziehen und Großbritannien am Ende wenig bringen… (Forts…)

    https://www.fr.de/wirtschaft/brexit-neuer-handelspartner-usa-eine-britische-illusion-12933264.html

  10. 10 Nestor 29. August 2019 um 13:27 Uhr

    Für Spannung ist gesorgt:

    Drohendes Brexit-Chaos: Rücktritte nach Johnsons Zwangsschließung des Parlaments

    London – Der britische Premierminister Boris Johnson hat mit der von ihm verordneten Zwangspause des Parlaments einen Sturm der Empörung auf der Insel ausgelöst – auch in der eigenen Partei. Die Chefin der schottischen Konservativen, Ruth Davidson, gab am Donnerstag ihren Rücktritt bekannt.

  11. 11 Boris 17. September 2019 um 9:55 Uhr

    Aus Sicht von Boris Johnson handelt es sich um einen Fall von nationalem Notstand und nationaler Selbstbefreiung – Unterschiede zwischen dem normalen Procedere der Institutionen und dem Kriegsfall (‚Notstand‘) werden eingeebnet.

    Das Procedere der Demokratie stört da nur noch weitgehend, das Aushandeln und Abwägen gilt für die Gutwetterzeiten der Demokratie, damit die Interessen sich allesamt dem Staatswohl als passend zur Verfügung stellen können. In Zeiten des Notstandes gilt solches Procedere eher als hinderlich (und nicht mehr als förderlich, wie ansonsten).

    https://www.deutschlandfunk.de/ringen-um-den-brexit-politologe-johnsons-taktik-geht-auf.694.de.html?dram:article_id=458957

  12. 12 Nestor 18. September 2019 um 19:05 Uhr

    Die Aussage des Herrn von der Ebert-Stiftung, der Brexit würde uns noch weiter begleiten, erscheint mir wohlbegründet.

    Die Vorstellung hingegen, mit einer zollmäßigen Abkopplung Nordirlands ließe sich die Angelegenheit lösen, ist absurd: Das käme ja einer Aufgabe Nordirlands gleich, und würde die Auflösung des Vereinigten Königreiches einleiten.

  13. 13 Neoprene 18. September 2019 um 20:32 Uhr

    Ich habe bei den Brexit-Hardlinern noch nie verstanden, wieso sie einen Kurs fahren, der das Ende von Großbritannien bedeuten könnte: Sturgeon hat gerade wieder angekündigt, daß Schottland ein neues Referendum über die Unabhängigkeit haben will, wenn GB aus der EU ohne Deal austritt (und wie sollte der denn auch aussehen, es geht halt nur ohne Deal oder gar nicht). Wales hängt massiv an EU-Geldern für die Lanwirtschaft und Nordirland hätte entweder bei einem No-Deal-Brexit wieder recht schnell eine „harte“ Grenze zur Republik Irland oder es würde von GB abgehängt, wenn Johnson doch eine Zollunion von ganz Irland in der EU akzeptieren würde. Beide Irland-Varianten verheißen nichts Gutes für das Good-Friday-Abkommen und den Frieden in Nordirland. Was verspricht sich denn der Johnson von einem im worst case auf England zusammengeschnurrten Austrittsgebiet? Das soll neue imperiale Größe verheißen?

  14. 14 Boris 18. September 2019 um 22:12 Uhr

    Derzeit scheint es darum zu gehen, dass allseits Gesprächsbereitschaft geheuchelt wird, damit die Folgen des BREXIT der anderen Seite zugeschoben werden können.

    Da die EU neben der jahrelangen Knebelung der Briten dann auch noch schuld an deren Chaos-Lage ist, bräucht es danach erst recht einen starken Premier Boris Johnson.

    https://www.euractiv.de/section/europakompakt/news/harter-brexit-immer-wahrscheinlicher-eu-parlament-stimmt-verlaengerung-dennoch-zu/

    Schon beim Entscheid für den BREXIT ging es erst einmal darum, diesen zu erreichen, mit welchen Argumenten auch immer.

    Auch bei Trump war es erst einmal wichtig, gewählt zu werden und den Posten zu kriegen. Dafür wurden diverse Verheißungen versprochen, wie beim BREXIT, oder wie jetzt beim aktuellen Kurs von Boris Johnson.

    Die Macht erhalten zu wollen – das ist schon die gesamte Strategie. (Von Boris Johnson wurde doch berichtet, dass er für den Tag nach der BREXIT-Auszählung zwei Reden vorbereitet hatte: eine, in der er den gewonnenen REMAIN begrüßt hätte, und eine, in der er die BREXIT-Zustimmung begrüßt hat. Das würde gut passen.)

  15. 15 Nestor 18. September 2019 um 23:46 Uhr

    Die Brexit-Anhänger denken ähnlich wie die Brexit-Gegner: Was ist gut für GB? Also nicht, was haben Landwirte, alleinerziehende Mütter oder Erasmus-Studenten davon? (Die dienen auch bei den Anhängern nur zu Bebilderung der Wohltat, die die EU für GB hat.)

    Die Brexiteers meinen, die EU ist ein sinkendes Schiff, das man möglichst bald verlassen sollte, koste es, was es wolle.

    Was das dann alles für GB bedeutet, das läßt sich überhaupt nicht abschätzen.
    Die Folgen für die Rest-EU auch nicht.

    Was die Dame aus Schottland betrifft, so gibt es in der britischen Verfassung zwar die Möglichkeit eines solchen Austrittsreferendums – zum Unterschied von der deutschen, österreichischen, spanischen usw. – es muß aber von der Regierung oder dem Parlament genehmigt werden.

    Cameron hat das vorige anscheinend als Probegalopp für das Brexit-Referendum genehmigt, und als es gut ausging, gedacht, jetzt kann er die Brexit-Abstimmung auch wagen.

    Keine andere Regierung wird so ein Referendum genehmigen, und ob die Schotten und Waliser tatsächlich einen bewaffneten Aufstand wagen, bezweifle ich.
    Aber – wer weiß, heutzutage ist alles möglich.

  16. 16 Nestor 20. Oktober 2019 um 11:34 Uhr

    Der Brexit wird wieder einmal verschoben …

  17. 17 Nestor 28. Oktober 2019 um 10:54 Uhr

    … auf den 31.1. 2020.

    Mit frischem Elan weiter in der unendlichen Geschichte …

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