Pressespiegel El País, 16.3.: Deutschlands Banksektor

„IN PLANUNG: EINE SCHWACHE DEUTSCHE GROSSBANK

Seit geraumer Zeit sind die privaten Großbanken in Deutschland am Boden. Das vergißt man gerne, wenn sich die Blicke auf den italienischen oder griechischen Banksektor richten.

Aber die Realität läßt sich nicht wegwischen. Seit der Großen Rezession kommen die beiden führenden deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, nicht mehr auf die Füße. Deshalb häufen sich nun die mehr oder weniger informellen Sondierungen für ein mögliches Zusammengehen.

Die Operation wird von der Bundesregierung und ihrem Finanzminister, dem Sozialdemokraten Olaf Scholz betreut, um einen nationalen Champion zu küren, der dem internationalen Wettbewerb gewachsen ist – da sie bereits im nationalen nicht so recht vorankommen.“
(Die Wortwahl und das Bild sind schon recht frech von dem spanischen Journalisten, der es sich nicht verkneifen kann, zu zeigen: Auch in Deutschland, das uns immer als Vorbild vorgehalten wird, ist nicht alles in Ordnung!)

„Sie wird von einigen großen US-Fonds wie Cerberus – Aktionär beider Banken – unterstützt. Aber andere Geschäftspartner und Analysten haben ihre Bedenken.

Die jüngste Wende“ (eigentlich das Gegenteil einer Wende) „in der Geldpolitik der EZB, die eine Verlängerung der Ära der Zinssätze um null oder sehr niedrig vorsieht, ist ein gewisser Ansporn für die Fusion.

Die Banken im allgemeinen und vor allem die beiden vor sich hin schlingernden deutschen Flaggschiffe tun sich schwer beim Gewinnemachen, wenn der Preis der Ware, mit der sie handeln – dem Geld – sehr niedrig ist.

Der Ausgangspunkt für den Zusammenschluss von Commerz und Deutsche ist die extreme strukturelle Schwäche von beiden. Die Commerzbank musste 2009 mit einer staatlichen Beihilfe gerettet werden, die fast der von Bankia entsprach: 18.000 Millionen.“
(Der gescheiterte Börsengang von Bankia 2012 und die Rettungsaktion des Staates erschütterten den spanischen Banksektor bis in die Grundfesten.)

„In diesem Fall stammten sie jedoch aus der deutschen Staatskasse, die noch 15% ihres Kapitals hält. Die Commerzbank humpelt (sie erzielte eine niedrige Kapitalrendite von 3,4%, 8% mehr als im Vorjahr), schafft es jedoch gerade noch über die Linie.

Der Deutschen Bank geht es viel schlechter. Sie war eine der am stärksten von der Krise der gescheiterten Hypothekarkredite in den USA betroffenen Banken. Sie saß in fast allen Verfahren wegen Korruption bei großen Banken auf der Anklagebank und wurde wiederholt wegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Manipulation von Zinssätzen und dergleichen mit hohen Geldstrafen belegt. Im Jahr 2015 verlor sie satte 6.890 Millionen Euro.

Nach verschiedenen Maßnahmen wie der Entlassung von Mitarbeitern (mehr als 6.000 Stellen) und Geldspritzen (mehr als 100.000 Millionen von der EZB) wurde 2018 – erstmals seit 2014 – ein positives Ergebnis von 267 Millionen erzielt.

Es ist nicht sicher, ob die Kombination zweier solcher Bausteine eine richtige Festung hervorbringt.“

Quelle
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Man erinnere sich, vor Jahren wollten Unicredit und Intesa Sanpaolo fusionieren, daraus wurde dann doch nichts.

Siehe hierzu auch:

Europas Bankensektor 2016
DIE BANKENKRISE KEHRT ZURÜCK, BZW. WIRD WIEDER MANIFEST

Der Triumph des abstrakten über den konkreten Reichtum
DIE ZINSPOLITIK DER EZB

Kapitalvernichtung steht an, es fragt sich nur: wo?
PLEITEBANKEN ZUSPERREN!


7 Antworten auf „Pressespiegel El País, 16.3.: Deutschlands Banksektor“


  1. 1 Samson 19. März 2019 um 19:53 Uhr

    Ob es gut für die Bilanzen der Banken ist, sei dahingestellt, im Sinne der Profitratensteigerung in der Produktionssphäre ist es in jedem Fall (und daran haben die Banken nicht nur wegen der Kredite ein Interesse).
    Stahlindustrie: IG Metall vereinbart Reallohnkürzungen
    „Die Gewerkschaft hat sich in der Nacht zum Sonntag mit den Vertretern der nordwestdeutschen Eisen- und Stahlindustrie auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Danach steigen die Löhne für die rund 72.000 Beschäftigten ab März 2019 um 3,7 Prozent und bleiben anschließend bis Ende Februar 2021 konstant. Für die beiden ersten Monate des Jahres 2019 gibt es eine Einmalzahlung in Höhe von 100 Euro. Auszubildende erhalten in zwei Stufen je nach Ausbildungsjahr eine Erhöhung ihrer Vergütung von 88 Euro bis 188 Euro.

    Das Ergebnis bedeutet auf das Jahr umgerechnet – ohne das einmalige Almosen von 100 Euro für die Monate Januar und Februar – eine Steigerung von gerade einmal 1,7 Prozent. Das liegt unter der Inflationsrate (1,9 Prozent im letzten Jahr). In die Verhandlungen war die IG Metall mit der Forderung von 6 Prozent gegangen, bei einer Laufzeit von 12, nicht wie jetzt vereinbart 26 Monaten.“

  2. 2 Nestor 20. März 2019 um 10:51 Uhr

    Für die Bilanzen der Banken sind die Gewinnaussichten der bei ihnen verschuldeten Betriebe insofern wichtig, als die Schulner damit solide sind und ihre Schulden verläßliche Aktiva für die Bank darstellen.

    Bei den Betrieben selbst ist es inzwischen so, daß gar nicht mehr der tatsächlich eingefahrene Gewinn ihren Erfolg ausmacht, sondern der prognoztizierte. Sie können aus Sichtweise der Banken und der Aktionäre sogar einen Verlust für das gelaufene Jahr vermelden – Hauptsache, sie können für das kommende Jahr einen schönen Gewinn voraussagen und das glaubhaft darstellen. Die Medien assistieren bereitwillig, und der Aktienmarkt boomt.

    Man merkt das auch bei den obigen Verhandlungen. Ob die Gewerkschaften und das Arbeitsvolk 2021 wirklich stillhalten und sich mit den mageren Lohnsteigerungen abfinden werden, steht in den Sternen. Das Wichtige ist, daß heute behauptet wird, morgen machen wir einen Gewinn!

    Deutlicher kann man gar nicht darstellen, daß die ganze Profitmacherei sich inzwischen in Spekulation aufgelöst hat und das reale Kapital immer mehr fiktiv wird.

    Klar, die Klein- und Mittelbetriebe, die nicht an der Börse notieren, müssen bei Verfallstag zahlen und reale Gewinne vorweisen. Dort steht die Welt noch auf dem Boden von Mehrwert und Profitmacherei.
    Das sind auch die Unternehmen, die die Hauptlast der Unternehmenssteuern zahlen. Die Multis haben andere Optionen.

  3. 3 Nestor 26. April 2019 um 16:28 Uhr

    Deutsche Banken-Hochzeit geplatzt

    Deutsche Bank und Commerzbank werden nicht fusionieren. „Es war sinnvoll, diese Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen“, erklärten die beiden Konzerne am Donnerstag in gleichlautenden Mitteilungen. Nach „gründlicher Analyse“ in den knapp sechswöchigen Gesprächen seien die Vorstände jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss „keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde“.

    Quelle: https://www.sn.at/wirtschaft/welt/deutsche-banken-hochzeit-geplatzt-69306838 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2019

    https://www.sn.at/wirtschaft/welt/deutsche-banken-hochzeit-geplatzt-69306838

  4. 4 Schnodder 30. April 2019 um 16:37 Uhr
  5. 5 Nestor 02. Mai 2019 um 14:17 Uhr

    Der Artikel weist auf einen Widerspruch hin, den es zwischen einer DEUTSCHEN Bank und dem Euro als Gemeinschaftswährung gibt.
    Das Finanzkapital bedarf immer noch einer nationalen Macht, die es schützt und der es dient.

    Außerdem ist es fraglich, inwiefern sich eine andere Bank aus dem EU-Ausland für die Deutsche Bank interessieren würde, deren Leichen im Keller bis heute nicht alle aufgedeckt sind und die in unzählige Rechtsstreitigkeiten verstrickt ist.

  6. 6 Historicus 12. Mai 2019 um 17:32 Uhr

    Was hierzulande mal als “ alternativ bzw. links“ sich hat labeln lassen – von wegen – andere Wirtschaftsplitik und so …
    … endet nunmehr damit, mehr Mitbestimmung und eine Pluralität von Eigentumsformen … sich als Ächt nun das Alleräußerste grad noch vorstellen zu wollen …

    https://gegenblende.dgb.de/artikel/++co++014b6afc-6dc1-11e9-9706-52540088cada

  7. 7 Nestor 12. Mai 2019 um 19:30 Uhr

    Ja, die Vorstellungskraft hat einen besseren Ruf, als sie eigentlich verdient.

    Aber allein andere Eigentumsformen nur zu erwähnen wirkt revolutionär in einer Welt, wo es immer heißt, Markt, Geld, Profit seien alternativlos.

    Das ist natürlich zu unterscheiden von dem eigentlichen Thema dieses Threads, der Bankenfusion.
    Da ging es nur um eine Neuorganisation des nationalen Finanzkapitals.

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