Das Privateigentum und die Natur

OPFERREKORD BEI WALDBRÄNDEN IM REICH DES GUTEN

Die EU hatte in den letzten Jahren auch schon einiges zu bieten in Sachen Opfer bei Waldbränden, wie in Portugal 2017 mit 56 Toten und heuer in Griechenland mit ca. 100 Totesopfern.
Aber die Waldbrände in Kalifornien werden diese Zahlen vermutlich locker toppen.

Auch die Symbolik hat es an sich.

In einem Ort namens „Paradies“ wurden mehr als 70 verkohlte Leichen geborgen, und die Anzahl der Vermißten läßt Böses ahnen für die makabren Entdeckungen, die noch auf die Feuerwehr und den Katastrophenschutz warten.

Das Paradies für Leute, die einen ruhigen Lebensabend genießen wollen, war offenbar aus leicht entflammbarem Material gebaut, und mit dem Brandschutz scheint es nicht zum Besten zu stehen.

Sehr unangemessene Vorbereitung

Obwohl die Website des US- Brandschutzes für Kalifornien 4 Stationen für Paradise aufweist, und 9 für die nächste benachbarte Stadt, Chico, die allerdings für Zugriff teilweise gesperrt sind (?!), so scheint es sich bei den Stationen hauptsächlich um Depots für Utensilien und Fahrzeuge zu handeln, aber nicht um bemannte und schnell einsatzfägige Einrichtungen. Zumindest ist den Berichten der Überlebenden nicht zu entnehmen, daß irgendwo eine Feuerwehr im Ort verfügbar gewesen wäre. Der Einsatzleiter, der als erster vor Ort war, brauchte jedenfalls zwischen Verständigung und Eintreffen eine Stunde.

Außerdem ist eine Feuerwehr-Website mit einem Firewall (!), der zuallererst die Zugriffsberechtigung des Surfers prüft, nicht die beste Adresse für Notsituationen.

Der neue kalifornische Fire Plan vom Sommer dieses Jahres versucht, gegensätzliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen:

„By placing the emphasis on what needs to be done long before a fire starts, the Fire Plan looks to reduce fire fighting costs and property losses, increase firefighter safety, and to contribute to ecosystem health.“

An erster Stelle steht die Kostenreduktion, der Rest muß sich offensichtlich daran orientieren.

Und das im nach dem Pro-Kopf-Einkommen reichsten Staat der USA, wo sich jede Menge Prominenz herumtreibt und ihre sicher nicht billigen Wohnsitze hingebaut hat.

Ein guter Teil der Feuerwehrleute scheint nur auf Zeit eingestellt zu werden:

„Fire Fighter I is a seasonal, temporary classification used by CAL FIRE. The Fire Fighter I application period occurs in November and hiring usually occurs between March and June, depending upon the year’s fire and weather conditions.“

Das heißt erstens, daß die solchermaßen eingestellten Leute keine professionellen Feuerwehrleute sind, sondern nur eine kurze Ausbildung durchlaufen und sich nach dem Ende des Anstellungsverhältnisses wieder am freien Arbeitsmarkt nach anderen Jobs umschauen müssen. Dadurch fehlt ihnen Routine und Berufserfahrung – etwas, was in Extremsituationen wie einer Feuersbrunst dringend vonnöten wäre.

Zweitens aber ist der November nur die Zeit, in der die Interessenten für diesen Job ansuchen dürfen, eingestellt werden sie dann zwischen März und Juni, weil das von der Feuerverwaltung in Kalifornien offenbar als die brandgefährlichste Zeit eingestuft wird. Das heißt also, daß die Feuerwehren des Staates die meiste Zeit des Jahres unterbesetzt sind.

Die Website ergeht sich dann auch in guten Ratschlägen an die Bürger, wie man Brände vermeiden könnte. Das spart ebenfalls Kosten für die staatliche Feuerwehr und gibt den Einwohnern das schöne Gefühl, zu einem guten Teil selbst für ihren Brandschutz verantwortlich zu sein.
(Yes we can …)

Die vom Himmel gefallenen Waldbrände

Dabei ist es nicht so, daß die Brandgefahr um diese Jahreszeit ein Geheimnis und die Brände eine große Überraschung gewesen wären.

Erstens treten um diese Jahreszeit, also im Herbst, extrem trockene und sehr starke Winde auf. Diese Santa-Anna-Stürme sind keine Erscheinung der neueren Zeit, sie werden bereits seit dem 19. Jahrhundert von Geographen und Metereologen beschrieben. Ihre Entstehung ist unklar, ob sie sich in den Wüstengebieten östlich von Kalifornien bilden oder durch spätere Erwärmung. Ihr Auftreten ist jedenfalls zeitlich bestimmt und auch die Verlaufsform ist seit Jahrzehnten bekannt.

Zweitens hat Kalifornien 5 Jahre Dürre hinter sich. „In dieser Zone Kaliforniens hat es seit 214 Tagen nicht mehr geregnet.“ Ansonsten gibt der Sprecher der kalifornischen Feuerwehr Widersprüchliches von sich: Die Ausbreitung des Feuers in Paradise sei nicht „normal“ gewesen. Dergleichen kam erst in den letzten Jahren vor.

Ja, dann ist doch wohl das die heutige Normalität, sollte man meinen.

Auch sonst beklagt der gute Mann, daß sich die Normalität leider geändert hat, während die staatliche Feuerwehr-Zentrale offenbar daran festhält, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, und man sich dort an einer anderen, weit konstengünstigeren „Normalität“ von vor 10-15 Jahren orientiert.

„Normalerweise ist die brennbare Masse beim Ausbruch eines Feuers teilweise feucht und wird erst im Verlaufe der Ausbreitung eines Feuers entlang eines Hanges von diesem getrocknet und verbrannt.
Jetzt enthält jedoch das Holz keinerlei Feuchtigkeit mehr … Das Feuer verbreitet sich sehr schnell. Und bei Wind noch schneller.“ (ebd.)

Surprise, surprise.

Fazit: Was lernen wir daraus?

Naturkatastrophen sind gerade im Falle von Feuer relativ leicht vorhersehbar. Aber die Eigentumsordnung und die Geschäftskalkulationen verhindern, daß vom Wissen um die Natur der angemessene Gebrauch gemacht wird. So etwas wie die Feuerwehr ist kein Geschäft. Das Betreiben derselben kostet nur Geld, ist Abzug von Reichtum.

Während in der EU erstens durch die Freiwilligkeit der Bürger und zweitens durch eine halbwegs gute Dotierung von Gemeindebudgets die Sache lange Zeit einigermaßen im Griff war und nur jetzt durch Sparbudgets und -maßnahmen immer mehr außer Kontrolle gerät, so ist die Feuerwehr in den USA offensichtlich Geschäftskalkulationen unterworfen, die die Funktionalität dieser Körperschaft sehr einschränken.

Trump ist vorgeworfen worden, daß er gleich Schuldige dingfest machte, anstatt in das allgemeine Lamento einzustimmen und vor Mitleid mit den Opfern zu zerfließen.
Ganz unrecht hat er aber dabei nicht. Nicht der Brand, aber die Opfer und auch einiges an Zerstörung von Sachwerten wären vermeidbar gewesen, wenn nicht der Staat Kalifornien hier den Sparstift angesetzt hätte.
Das ganze Mitleidsgedusel hingegen dient nur dazu, das ganze zu „höherer Gewalt“ zu erklären, der man als kleiner Menschenwurm hilflos gegenübersteht.

Man erinnere sich: Kalifornien war vor einigen Jahren zahlungsunfähig …

Sowohl die Pensionisten, die einen geruhsamen Lebensabend verbringen wollen, als auch die Stars, deren Villen weiter südlich zu Schaden gekommen sind, waren schlecht beraten, sich in einem Staat niederzulassen, der sich seinen Brandschutz nicht leisten kann, oder will.

Übrigens hier einiges zu Waldbränden anderswo:

Wieder einmal Waldbrände
DIE LÄSTIGE NATUR
11.8. 2012

Waldbrände und Privateigentum
RUSSLANDS HOLPRIGER WEG IN DIE MARKTWIRTSCHAFT
22.8. 2010

und die Nutzbarmachung von Naturkatastrophen durch die Medien, sofern sie das für nötig halten:

Die mediale Aufbereitung einer Naturkatastrophe
EIN ORKAN, DER NEUE MEDIENSTAR
1.11. 2012


23 Antworten auf „Das Privateigentum und die Natur“


  1. 1 Nestor 21. November 2018 um 0:12 Uhr
  2. 2 Samson 21. November 2018 um 12:19 Uhr

    Das ganze Mitleidsgedusel hingegen dient nur dazu, das ganze zu „höherer Gewalt“ zu erklären, der man als kleiner Menschenwurm hilflos gegenübersteht.

    Das wird schon so sein, allerdings würde ich nicht den Staat als Bösewicht bezichtigen, der den Sparstift beim Brandschutz ansetzt, sondern wenn schon, dann die herrschende ökonomische Denke als ursächlich ansehen.

    Vor paar Monaten, als einerseits das Publikum sich über den Sommer freute, andererseits die privatwirtschaftlich wurschtelnden Bauern über ausbleibenden Regen jammerten, infolge dessen Ernteausfälle prognostiziert wurden, brachten die regionalen Fernsehnachrichten einen Bericht von einem Golfplatz, welcher zweimal täglich bewässert wurde, um den Rasen schön grün zu halten. Und am nächsten Tag wurde ein Obstbauer bejammert, dessen Bäume infolge Trockenheit weniger Früchte trugen als sonst. Bemerkenswert war daran lediglich, dass sich der Bauer, offenbar ganz bewusst, weigerte, in Bewässerungsanlagen bzw. -technik zu investieren.

    Die Investition wäre ökonomisch Teil des konstanten Kapitals, ganz egal, ob sich ein Bauer oder mehrere zusammen dergleichen ‚leisten‘ könnten. Vom Staat stattdessen ‚Beihilfen‘ wg. Ernteausfällen zu verlangen ist genauso Blödsinn (obschon der das selbstverständlich macht, um ’seine‘ Bauern vor dem ‚Ruin‘ zu bewahren) wie diesem ‚Einsparungen‘ beim Brandschutz vorzuwerfen.

  3. 3 Nestor 21. November 2018 um 12:43 Uhr

    Der Brandschutz ist privatwirtschaftlich nicht zu bewältigen. Der kann nur vom Staat organisiert werden. Wenn der die Kosten scheut und spart, so kommen eben Opfer zustande.
    Mir ist nicht ganz klar, was das mit Obstbäumen zu tun hat.

  4. 4 Samson 21. November 2018 um 23:24 Uhr

    Der Brandschutz ist privatwirtschaftlich nicht zu bewältigen.

    Das ist deine Annahme, belegen kannst du das nicht. Alles kann ‚privatwirtschaftlich‘ betrieben werden, auch eine Feuerwehr. Immerhin werden sämtliche Gerätschaften, die zur Brandbekämpfung erforderlich sind, ‚privatwirtschaftlich‘ produziert. Uns selbst die Versicherungen, die im (Brand)Schadensfall den Betroffenen das verlorengegangene ‚Hab und Gut‘ in Geld ersetzen sollen, sind privatwirtschaftlich organisiert.

    Mir ist nicht ganz klar, was das mit Obstbäumen zu tun hat.

    Es ist egal ob privat bewirtschaftete Natur vertrocknet oder nur darin errichtete Immobilien samt dieser verbrennen. Das Spiel ist jedesmal dasselbe. Der Staat soll sich gefälligst aus privater Plusmacherei raushalten, wird aber als Instanz angerufen, wenn diese schiefgeht.

  5. 5 Nestor 22. November 2018 um 2:09 Uhr

    Irgendwie weiß ich nicht mehr, um was es geht.
    Belegen kann man Brote, ich halte mich damit nicht auf.

    Eine Feuerwehr ist kein Geschäft, man verdient dabei nix. Irgendwer muß die Kosten tragen. Ähnlich ist es auch bei anderen Naturkatastrophen. Da lassen sich vorbeugende Maßnahmen treffen. Man erdbebensicher bauen, Schutzräume gegen Hurrikane anlegen, usw.
    Wenn aber da gespart wird, weil das jetzt ja überhaupt in Mode ist und als der Weisheit letzter Schluß gilt, so gibt es eben jede Menge Schaden und Tote.

    Darauf wollte ich hinweisen: Es ist nicht so, daß man mit den Naturkatastrophen nicht umgehen könnte. Aber die Marktwirtschaft stellt da ein ernstes Hindernis dar.

  6. 6 simply red 22. November 2018 um 17:05 Uhr

    Ich glaube, dass Umweltpolitik den Erfordernissen einer vom Staat unter doppelten Charakter gehandelten Abteilung von Wissen und Klimapolitik untergeordnet ist. Einmal als Schutz natürlicher, klimatischer und sonstiger naturwissenschaftlich zu erfassenden Gegebenheiten (wobei der Begriff „Klimaschutz“ mir als absurd oder bestenfalls als Euphemismus erscheint, kann man denn überhaupt das Klima schützen?), sowie als eine Abteilung, von der sich der Staat eine umfassendere Leistung für andere Abteilungen des Staates, der Wirtschafts-, Energie- und Geopolitik, als ihnen untergeordnete Abteilung, erwartet. Z.B. soll die Leistung von Klimaschutz, mit dem Ziel eine Absenkung von CO2-Elementen in der Atmosphäre zu bewirken, zugleich ein gesellschaftliches Klima erzeugen, welches Reorganisation, Neugestaltung und Ökonomisierung von Brennelementen auf Grundlage industrieller Produktionsstrukturen, in Gang setzen und zugleich legitimieren soll. Denn der Staat handelt sich mit der Inanspruchnahme von Klimaschutz für andere Abteilungen wie z.B. Wirtschafts- und Energiepolitik den Widerspruch ein, den Anspruch an eine Ökonomisierung industrieller Produktionsstrukturen orientierte Energiepolitik mit einer wachsenden ökonomischen Belastung von gewinnorientierten Unternehmen für Neuinvestitionen in Produktionsanlagen konfrontieren zu müssen (zugleich sind in der Automobilindustrie über die vergangenen Jahrzehnte hinweg Überkapazitäten aufgebaut worden). Ich glaube dass die Widersprüche im Waldbrandschutz, an denen sich der Staat in Kalifornien entlang misst, an ähnlich gelegenen Widersprüchen entlang bewegen muss. Kostenersparnis vs. die Reichen in Kalifornien halten/Waldbrandschutz.

  7. 7 Samson 22. November 2018 um 21:13 Uhr

    @Nestor

    Eine Feuerwehr ist kein Geschäft, man verdient dabei nix. Irgendwer muß die Kosten tragen.

    Ja und, der Betreiber der Feuerwehr verschickt eben hinterher Rechnungen, wo ist das grundsätzliche Problem? Die ‚potentiell‘ Betroffenen, also alle schließen vorher eine Versicherung ab, zahlen regelmäßig brav ihre Prämien etc. pp. Sowas gibts für jeden Scheißdreck, weshalb nicht auch für ‚Natur-/Katastrophenschutz‘ resp. -schadenbeseitigung incl. meinetwegen „vorbeugende Maßnahmen“?

    Wenn aber da gespart wird, weil das jetzt ja überhaupt in Mode ist und als der Weisheit letzter Schluß gilt …

    Mit demselben Argument könntest du jede vormals unter staatlicher Aufsicht/Protektion betriebene Infrastruktur, die in den letzten 30 Jahren entweder ‚privatisiert‘ wurde oder jetzt vom Staat selber nach den Kriterien der Plusmacherei betrieben wird, auf steigende Opferzahlen untersuchen. Ich würde aber nicht davon ausgehen, dass der Grund dieser Steigerung eine meinetwegen ‚Mode staatlichen Sparens‘ o.s.ä. ist, eher war der Zweck der Plusmacherei der Grund für die Privatisierungen.

    Es gibt auf dieser Welt Gegenden, wo sog. Naturkatastrophen periodisch passieren und jedesmal hinterher Opfer aufgezählt werden, nur kräht in der ‚westlichen freien Welt‘ kein Hahn danach kommt niemand auf die Idee, als Ursache mangelhafte oder ganz fehlende staatliche Vorsorge o.s.ä. anzugeben. Ganz im Gegenteil, um die Opfer ‚kümmern‘ sich regelmäßig allerhand ‚caritative‘ Vereine, die prinzipiell nur aus diesem Grund überhaupt existieren.

    @simply red

    Denn der Staat handelt sich mit der Inanspruchnahme von Klimaschutz für andere Abteilungen wie z.B. Wirtschafts- und Energiepolitik den Widerspruch ein, den Anspruch an eine Ökonomisierung industrieller Produktionsstrukturen orientierte Energiepolitik mit einer wachsenden ökonomischen Belastung von gewinnorientierten Unternehmen für Neuinvestitionen in Produktionsanlagen konfrontieren zu müssen

    Den Satz verstehe ich nicht, was willst du damit ausdrücken resp. was ist der Widerspruch darin, welche ökonomische ‚Belastung‘ halst der Staat den Unternehmen durch welche Politik auf?

  8. 8 simply red 22. November 2018 um 23:23 Uhr

    @ Samson

    simply red der Staat handelt sich mit der Inanspruchnahme von Klimaschutz für andere Abteilungen wie z.B. Wirtschafts- und Energiepolitik den Widerspruch ein, den Anspruch an eine Ökonomisierung industrieller Produktionsstrukturen orientierte Energiepolitik mit einer wachsenden ökonomischen Belastung von gewinnorientierten Unternehmen für Neuinvestitionen in Produktionsanlagen konfrontieren zu müssen

    SamsonDen Satz verstehe ich nicht, was willst du damit ausdrücken resp. was ist der Widerspruch darin, welche ökonomische ‚Belastung‘ halst der Staat den Unternehmen durch welche Politik auf?

    Als Unterabteilung von Wirtschafts- und Energiepolitik wird als Klimaziel z.B. ins Auge gefasst, den Ausstoß an CO2 Emmissionen zu reduzieren, und damit den wachsenden Bedarf an Gütern der Energieerzeugung, politische Grenzen aufzuerlegen. Z.B. wird die Automobilindustrie dazu verpflichtet Autos zu produzieren, die bestimmte Grenzwerte an CO2-Emmissionen nicht überschreiten dürfen. Damit greift die Politik ins bisher erfolgreiche Geschäftsmodell der Automobilindustrie ein, gibt neue Umweltstandards vor usw.. Die Automobilindustrie muss gegebenenfalls ihr Geschäftsmodell neu ausrichten z.B. eine neue Modellausrichtung, neue Produktionsmethoden entwickeln usw.. Der Widerspruch besten nun darin ein neues oder erneuertes Geschäftsmodell der Automobilindustrie aufzustellen, ohne dabei den bisherigen Erfolg der Automobilindustrie selbst dauerhaft zu gefährden. Diesen Widerspruch hat der Staat bemerkt, und deswegen eiert er rum wenn rauskommt, dass einige Automobilhersteller bei der technischen Reglementierung von CO2-Emmissionnen Betrugssoftware einbauen, Hardwarekomponenten erneuert werden müssen usw.. Die gleichen oder ähnliche Widersprüche leistet sich der Staat bezogen auf den Industriestandort insgesamt, wenn er wieder mal zur Kenntnis nehmen muss, dass die Emmissionsziele für die kommenden Jahre jetzt doch nicht erreicht werden können.

  9. 9 Samson 24. November 2018 um 14:52 Uhr

    @simply red

    Z.B. wird die Automobilindustrie dazu verpflichtet Autos zu produzieren, die bestimmte Grenzwerte an CO2-Emmissionen nicht überschreiten dürfen.

    Ja und, wo ist das ökonomische Problem, welches du dabei herausgefunden hast?

    In anderen Branchen heißt dergleichen ggf. EU-‘Qualitätsstandard‘ o.s.ä. und dient via sog. ‚Verbraucher-Schutz‘ o.s.ä. als protektionistische Maßnahme, um billiger produzierende ‚auswärtige‘ Konkurrenz ‚draußen‘ zu halten. Vor 30 Jahren waren medial aufgeblasene ‚Umweltstandards‘ ein Mittel staatlicher Wirtschaftspolitik, um den vermeintlich ‚rückständigen‘ Produzenten aus dem früheren RGW den Zugang zum sog. ‚gemeinsamen Markt‘ erst der EG, dann der EU zu verweigern.

    Das Resultat waren Konzentrationsprozesse dergestalt, dass große Kapitale aus dem Westen relativ leichtes Spiel hatten, die brauchbaren Produktionsstätten kostengünstig zu übernehmen. Der meinetwegen ‚Rest‘ wurde irgendwie ‚abgewickelt‘, d.h. dichtgemacht. Und zwar i.d.R. auf Kosten bspw. zu Lasten der jeweiligen Staaten, die mit den Arbeitslosen nichts anfangen konnten/wollten.

  10. 10 Nestor 24. November 2018 um 16:51 Uhr

    @simply red

    Um den Klimaschutz geht es hier aber gar nicht, sondern um die Katastrophenvorsorge, zu der eben die Feuerwehr auch gehört.
    Das gehört, ähnlich wie die
    Infrastruktur, zu den „faux frais“, den toten Kosten des Kapitals, die der Staat übernimmt, um sein Territorium für das Kapital attraktiv zu machen. Er gehört zu den Rahmenbedingungen, unter denen Klassengesellschaft und Ausbeutung funktionieren, ähnlich wie der ganze Sozialstaat, das Ausbildungswesen usw.
    Dafür wendeten die Regierungen einen Teil des Geldes auf, das sie aus ihrer Gesellschaft in Form von Abgaben und Steuern einsammeln oder über ihren Staatskredit einnehmen. Das gehört also zu den budgetmäßig verbuchten Staatsausgaben.

    Zumindest, muß man sagen, war das bislang so.

    Die ganzen Sparprogramm und Schuldenberge führen aber dazu, daß verschiedene Staaten jetzt ihre Ausgaben neu überdenken müssen, und da wird eben eingespart, was nur geht. Deshalb ist auch in der EU zu beobachten, daß es in den südlichen Staaten immer mehr Tote und gröbere Sachschäden durch Brände gibt.

    In den USA ist diese ganze Angelegenheit bundesstaatlich geregelt, und da ist es eben zunächst einmal die Regierung Kaliforniens, die da zuständig ist, und nicht der Bund.
    Dazu gehört natürlich die Verteilung der Lasten in den USA, wie sie aber lange vor Trump verteilt wurde ist, und die Selbständigkeit der Einzelstaaten, die in der US-Verfassung festgelegt ist.

    Der Klimaschutz kommt hier auf eigenartige und nicht ganz angemessene Weise ins Spiel.
    Erstens ist es sicher so, daß sich die Naturkatastrophen rund um den Globus häufen, daß Dürreperioden, Stürme und Regen heute mehr toben als vor 20 oder 30 Jahren. Ich bin mir nicht sicher, ob und wie Erdbeben und Vulkanausbrüche auch durch den Klimawandel zu erklären sind.

    Eine Sache ist, den Klimawandel festzustellen.
    Eine zweite ist, die Ursachen dafür dingfest zu machen.
    Eine dritte ist es, dagegen Maßnahmen zu ergreifen.
    Ich bin z.B. nicht überzeugt, daß der CO2-Ausstoß und das Ozonloch für das alles verantwortlich zu machen ist. Es gibt ja auch noch eine ganze andere Menge von umwelt- und klimaschädlichen Folgen der kapitalistischen Vernutzung von Natur und Menschen.

    Trump wird immer vorgeworfen, er leugne den Klimawandel.
    Das stimmt aber gar nicht. Das ginge auch gar nicht. Der Klimawandel ist ein Faktum, er läßt sich nicht wegreden.
    Trump hingegen bestreitet nur die Ursachenforschung und den Nutzen der CO2-Beschränkungen.

    Außerdem hat sich diese Klimaschutz-Politik der CO2-Beschränkungen zu einem Moment der Konkurrenz der Nationen entwickelt, und Trump ist der Meinung, die richten sich gegen sein Programm des „Let’s make America great again!“
    Deswegen sagt er, er schert sich nicht darum.

    So.

    Und jetzt ist eine ganz eigenartige Konkurrenz um die Schuldfrage entstanden. Die Demokraten und die Presse sagen: Schuld an der Katastrophe ist die Politik Trumps, die den Klimawandel leugnet. Deswegen gibt es Dürre und Brandgefahr.
    Man muß da fragen: Würden die USA kein Fracking machen und weniger CO2 emittieren, gäbe es dann keine Dürre und keine Hurrikane mehr?!
    Glaubt das wirklich irgendwer ernsthaft?

    Trump wiederum meint, der Katastrophenschutz in Kalifornien habe versagt, und da meine ich, da hat er recht.

  11. 11 simply red 24. November 2018 um 20:23 Uhr

    Um den Klimaschutz geht es hier aber gar nicht, sondern um die Katastrophenvorsorge, zu der eben die Feuerwehr auch gehört.
    Das gehört, ähnlich wie die Infrastruktur, zu den „faux frais“, den toten Kosten des Kapitals, die der Staat übernimmt, um sein Territorium für das Kapital attraktiv zu machen.

    Es ist umstritten, inwiefern Privatisierungsmaßnahmen zum Wachstumserfolg eines Kapitalstandorts beitragen. Im Einzelfall können Unternehmen mit der Übernahme von Staatsaufgaben, wie z.B. den Bau von Infrastruktureinrichtungen (z.B. Straßenbau, Bahn) Geld verdienen und damit Gewinn abwerfen. Was der Staat bei Privatisierungsmaßnahmen darüber hinaus in Erwägung zieht ist, ob ein privates Unternehmen die Aufgabe genauso gut oder sogar besser bewältigt als der Staat bzw. eine staatliche Behörde (z.B. Straßenbau, Schienenverkehr). Es gab früher mal öffentlichkeitswirksame Debatten über die Segnungen und Erfolgsaussichten von Privatisierungsmaßnahmen, viele davon haben sich als feuchte Träume erwiesen (z.B. Schienenverkehr in Großbritannien). Die Frage ob Katastrophenschutz bzw. Feuerwehr dazu gehört, muss deswegen im Einzelfall überprüft werden, und damit bist du dran diesen Nachweis zu erbringen.

    Die ganzen Sparprogramm und Schuldenberge führen aber dazu, daß verschiedene Staaten jetzt ihre Ausgaben neu überdenken müssen, und da wird eben eingespart, was nur geht.

    Die Frage aber ist was der Staat davon hat, wenn hunderte von Wohnungen abgefackelt werden, da überlegt sich die Prominenz zweimal, ob sie dort eine Wohnung baut oder ein Grundstück gekauft wird. In Rafina (Griechenland) war es doch ein ähnlich gelagerter Fall, da haben wohlhabende Bürger Wohnungen in einer bewaldeten Region gebaut, in denen regelmäßig ein starker Wind weht, und daher erhöhte Waldbrandgefahr herrscht. Es bleibt deswegen eine Abwägung, wie hoch die Ausgaben für Katastrophenschutz gehalten werden, ein Restrisiko bleibt allemal.

    Sparprogramme haben generell den Effekt dass Anspruch und Wirklichkeit oft auseinanderklaffen (siehe z.B. Abbau des Sozialstaats, Sparmaßnahmen bei Infrastruktur z.B. bei Schulen).

    Eine Sache ist, den Klimawandel festzustellen.
    Eine zweite ist, die Ursachen dafür dingfest zu machen.
    Eine dritte ist es, dagegen Maßnahmen zu ergreifen.
    Ich bin z.B. nicht überzeugt, daß der CO2-Ausstoß und das Ozonloch für das alles verantwortlich zu machen ist. Es gibt ja auch noch eine ganze andere Menge von umwelt- und klimaschädlichen Folgen der kapitalistischen Vernutzung von Natur und Menschen.

    Dann sind wir uns offensichtlich einig. Dazu dieses Video: Wissenschaftler entlarvt restlos Klimaschwindel Den Staat interessiert doch sowieso nur aus politökonomischer Hinsicht die Reduzierung von CO2-Emmissionen,, ob damit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird, ist eher von nachrangiger Bedeutung.

  12. 12 simply red 24. November 2018 um 20:26 Uhr

    @ Samson

    Antwort erfolgt später.

  13. 13 Nestor 24. November 2018 um 22:46 Uhr
  14. 14 Nestor 24. November 2018 um 22:58 Uhr

    @simply red

    Es ist umstritten, inwiefern Privatisierungsmaßnahmen zum Wachstumserfolg eines Kapitalstandorts beitragen.

    Das mit dem Wachstum ist vielleicht eine Rechtfertigung für Privatisierungen, der Grund dafür es nicht.

    Privatisierungen dienen zunächst dazu, dem Kapital neue Geschäftssphären zu erschließen. Da wird dann noch eine Menge Blabla nachgeschoben, daß der Staat nicht wirtschaften kann und nur das Kapital wirklich innivativ ist. Aber in erster Linie wird, wie soll man sagen, dem unternehmerischen Geist eine neue Spielwiese eröffnet, Profitmöglichkeiten geboten. Ein schönes Beispiel dafür ist der ganze Telekommunikationsbereich. Früher hatte man ein Festnetztelefon, und auf der Straße standen Telefonhüttln, die von den Gemeinden betrieben und gewartet wurden.

    Bei Pleitestaaten, denen Bedingungen von IWF oder Troika oder ähnlichen menschenfreundlichen Institutionen gesetzt werden, wird Privatisierung vorgeschrieben, angeblich um Geld in die Staatskasse zu spülen. Aber vor allem sollen eben auch da Profitquellen für das internationale Kapital erschlossen werden.
    Daß z.B. die griechische Wirtschaft wachsen würde, wenn möglichst viel an Infrastruktur privatisiert wird, glaubt m.E. niemand ernsthaft.

    Ich weiß aber gar nicht, wie die Privatisierung hier hereinkommt. Brand- und sonstiger Katastrophenschutz ist staatlich, der geht privatwirtschaftlich nicht.

  15. 15 Samson 24. November 2018 um 23:42 Uhr

    @simply red

    Im Einzelfall können Unternehmen mit der Übernahme von Staatsaufgaben, wie z.B. den Bau von Infrastruktureinrichtungen (z.B. Straßenbau, Bahn) Geld verdienen und damit Gewinn abwerfen.

    Ich meine mich zu erinnern, dass Wal Buchenberg vor paar Jahren mal nachgerechnet oder zugängliche Statistiken durchgesehen hatte und drauf kam, dass das deutsche Baugewerbe zu ca. 2/3 von Staatsaufträgen abhängt. Von ‚Einzelfall‘ täte ich diesbezüglich nicht (mehr) reden.

    Was ich aus eigener Anschauung weiß ist, dass inzwischen alle staatlichen Aufträge entweder an private Unternehmen ‚vergeben‘ werden oder an Staatsbetriebe, die eben nach Kriterien der Plusmacherei, d.h. ‚marktwirtschaftlich‘ strukturiert sind. Formal erfolgt die ‚Vergabe‘ per ‚Ausschreibung‘, ganz egal ob für Dorfstraße oder Großflughafen, allerdings bekommt i.d.R. der Anbieter mit dem ‚kostengünstigsten‘ Angebot den Zuschlag. Gut möglich, dass dergleichen Prozedere von den staatlichen Budget-Verwaltern jeweils mit ‚Sparzwängen‘ etc. gerechtfertigt wird, nur erklärt das natürlich nix.

    @Nestor

    Eine Sache ist, den Klimawandel festzustellen.
    Eine zweite ist, die Ursachen dafür dingfest zu machen.
    Eine dritte ist es, dagegen Maßnahmen zu ergreifen.

    Unter den Skeptikern wird m.W. der sog. Klimawandel gar nicht bestritten, weil Klima an-und-für-sich entweder apriori ein statistischer Wert i.d.S. ist, dass da eben Wetterdaten erfasst, ausgewertet etc. werden, um Prognosen zu erstellen, wie das Wetter die nächsten Tage, Wochen, Jahre wahrscheinlich wird. Oder Klima wird als Durchschnittswert von Temperaturen aufgefasst. Umstritten ist allerdings 1) dass Naturkatastrophen heute häufiger sind als noch vor paar Jahrzehnten und 2) ein Zusammenhang zwischen diesen und Klimaveränderungen nachweisbar wäre.

    Ursachen dingfest machen zu wollen hieße demgemäß über die Ursachen von Wetter zu diskutieren.

    Daher ist ausgesprochen fragwürdig, welche Maßnahmen überhaupt realisierbar sind, außer Verbesserung von Systemen zur Datenmessung -resp. erfassung und Bereitstellung von Hilfs- und Rettungstechnik bzw. -personal für den sog. ‚Ernstfall‘.

  16. 16 Nestor 25. November 2018 um 0:03 Uhr

    Es stellt sich heraus, daß die Behörden Kaliforniens nicht nur bei den Baugenehmigungen für die betuchtere (weiße) Oberschicht, die sich an den Hängen Kaliforniens niederlassen wollen, sehr großzügig waren und man an vielen dieser Plätze vom Standpunkt des Schutzes vor Waldbränden und Erdrutschen nie hätte bauen dürfen. Außerdem wurden sehr viele recht günstige Feuerschutzversicherungen angeboten (bin neugierig, was die jetzt zahlen werden …) Es gab auch Tag- und Nacht-Notfalleinrichtungen, die für wirkliche Notfälle viel zu schwach besetzt waren, aber das Gefühl der Sicherheit gaben: Es ist ja wer da.

    Das Schärfste aber ist:

    „»Von den 13.000 Feuerwehrleuten, die gegen die Brände in Kalifornien kämpfen, sind 2.500 Häftlinge. … Während die bezahlten Feuerwehrleute im Schnitt 74.000 $ (65.000 €) plus Zulagen verdienen, erhalten die Sträflinge 1 (in Worten: einen) Dollar pro Stunde für ihren Einsatz. Man kalkuliert, daß sich Kalifornien jährlich 100 Millionen Dollar durch den Einsatz dieser Häftlinge erspart.« Das berichtet die Jounalistin Amy Goodman im Nachrichtenmagazin »Democracy Now!«.“ (El Pais, 24.11.)

    Man muß sich das einmal vorstellen: Da werden Leute im Gefängnis zusammengetrommelt und ihnen gesagt: „Es brennt, Leute! Wer will sich was dazuverdienen? Freiwillige vor!“ und dann werden Leute, die keine Ahnung von Feuerwehrtätigkeit haben, in Schutzanzüge gesteckt und – laut dem Artikel – an vorderster Front eingesetzt.
    Abgesehen von der Gefährdung, der diese unerfahrenen Leute ausgesetzt sind, ist es klar, daß die nie und nimmer die gleiche Arbeit leisten können wie ausgebildete Feuerwehrleute, also die Brandbekämpfung notgedrungen dadurch unter den technischen Möglichkeiten bleiben muß, die heutzutage zur Verfügung stehen.

  17. 17 simply red 25. November 2018 um 12:32 Uhr

    @ Nestor

    smply red Es ist umstritten, inwiefern Privatisierungsmaßnahmen zum Wachstumserfolg eines Kapitalstandorts beitragen.

    Nestor Das mit dem Wachstum ist vielleicht eine Rechtfertigung für Privatisierungen, der Grund dafür es nicht.

    Privatisierungen dienen zunächst dazu, dem Kapital neue Geschäftssphären zu erschließen.

    Das ist doch kein Widerspruch. Die Erschließung eines (ehemals) ökonomischen Betätigungsfeldes des Staates für das Kapital soll ja, aus dem Blickfeld den Staates, den Kapitalstandort insgesamt nützlich erscheinen (z.B. Post, Schienenverkehr). Und das erscheint bei mancher Privatisierung eine zweifelhaftes Unterfangen gewesen zu sein.

  18. 18 Samson 25. November 2018 um 13:12 Uhr

    Da werden Leute im Gefängnis zusammengetrommelt und ihnen gesagt: „Es brennt, Leute! Wer will sich was dazuverdienen? Freiwillige vor!“ und dann werden Leute, die keine Ahnung von Feuerwehrtätigkeit haben, in Schutzanzüge gesteckt und – laut dem Artikel – an vorderster Front eingesetzt.

    Das scheint mir aber jetzt schon bischen wild spekuliert. Womöglich ‚winken‘ den Leuten neben dem Geld paar ‚Hafterleichterunger‘, frühere Entlassung aus dem Knast etc. pp.

    Dass die Leute überhaupt keine Ahnung von Feuerbekämpfung haben, halte ich freilich für sehr unwahrscheinlich, das wäre für die Sache auch eher hinderlich. Bisschen trainieren werden die vorher schon auch müssen, nur findet derlei Training eben im Knast statt, und der dafür in Geld ‚berechenbare‘ Aufwand taucht in keiner kalifornischen Feuerwehr-Statistik auf.

    Ich weiß nicht wie das in Österreich gehandhabt wird, in Deutschland ist die Unterhaltung von Feuerwehren auch Länder- bzw. Gemeindesache. Und auch hier ist es so, dass nur sog. Großstädte (>100.000 Bewohner) über Berufsfeuerwehren verfügen, in allen anderen Gegenden kommen sog. freiwillige Feuerwehren zum Einsatz, die sich überwiegend aus ehrenamtlichen Mitgliedern zusammensetzen. Das heißt aber gerade nicht, dass die, von der Sache, die sie betreiben, keine Ahnung haben, weil sie keine Profis sind. Selbst die offizielle bundesweite, u.a. für den Katastrophen’schutz‘ zuständige Organisation THW arbeitet „mit beinahe ausschließlich ehrenamtlichen Einsatzkräften“.

  19. 19 simply red 25. November 2018 um 14:21 Uhr

    simpl red Z.B. wird die Automobilindustrie dazu verpflichtet Autos zu produzieren, die bestimmte Grenzwerte an CO2-Emmissionen nicht überschreiten dürfen.

    Samson Ja und, wo ist das ökonomische Problem, welches du dabei herausgefunden hast?

    In anderen Branchen heißt dergleichen ggf. EU-‘Qualitätsstandard‘ o.s.ä. und dient via sog. ‚Verbraucher-Schutz‘ o.s.ä. als protektionistische Maßnahme, um billiger produzierende ‚auswärtige‘ Konkurrenz ‚draußen‘ zu halten.

    Ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Mir scheint das dann doch so zu sein, dass die Automobilindustrie einen Großteil ihre Geschäftsbilanz der vergangenen Jahre und Jahrzehnte mit allerlei ökonomischen Finessen (nicht-Einhaltung gesetzlicher Umweltstandards) bewerkstelligt hat. Auf den ersten Blick fällt mir dabei der wachsende Aufbau von Überkapazitäten in der Automobilindustrie auf, der durch irgendwelche Bilanztricks verdeckt geblieben ist bzw. unter dem Teppich gekehrt werden sollte. Eine „ökologische Neuausrichtung“ der Automobilkonzerne in Deutschland fällt deswegen sehr schwierig aus. Schon deswegen weil eine Nachrüstung ihrer Modellausrichtung ziemlich teuer für sie werden könnte (z.B. Hardwarekomponenten). Die auswärtige Konkurrenz könnte in der Zwischenzeit mit neuen Modellausrichtungen (z.B. E-Autos) den deutschen Automobilkonzernen davonlaufen.

  20. 20 Samson 25. November 2018 um 21:04 Uhr

    @simply red

    Ich weiß gar nicht, warum du so versessen darauf bist, an der deutschen Autoindustrie was exemplarisch aufzuzeigen, das dann irgendwie fürs Kapital insgesamt verallgemeinerbar sein soll/kann/muss, um irgendeine neue Erkenntnis zu gewinnen.

    Mag ja sein, dass die mit irgendwelchen Tricks ihre Bilanzen aufgehübscht haben, nur erklärt das nix. Insbesondere dann nicht, wenn den angeblichen Erfolgsbilanzen des produzierenden Kapitals einerseits exorbitante Staatsschulden und andererseits anlagesuchendes Geldkapital in Größenordnungen gegenüberstehen, die offenbar nicht mal mehr mit Bilanztricksereien i.d.S. ‚unter einen Hut‘ zu bringen wären, dass Menschen und Natur bei der Produktion um des Tauschwerts Willen zukünftig weniger ruinös vernutzt würden.

    Dass Begriffe wie ‚Bio‘, ‚Natur‘–, ‚Umwelt‘–, ‚Klima‘schutz längst Marketinggags sind, eben um den Absatz von irgendwelchem Krempel ‚anzukurbeln‘, ist doch nun wirklich nix neues, und gehört inzwischen selbst in den exotischsten Branchen quasi ‚zum guten Ton‘.

    Vielleicht haben deutsche Autofirmen mit sog. E-Autos Erfolg, vielleicht auch nicht. An dem Umstand, dass zur Energiegewinnung zumeist irgendwas verbrannt werden muss, ändert das überhaupt nix. Falls das nun aber wg. ‚Luftverschmutzung‘ o.s.ä. ein irgendwie zunehmendes ‚globales Problem‘ darstellt, ist es gemessen daran m.E. lächerlich darüber zu spekulieren, wer wem warum irgendwann bilanzmäßig den Rang ab resp. davon läuft. Denn nicht nur die Konflikte zwischen Staaten drehen sich nach wie vor primär um ‚Ressourcen‘ als Verwertungsquellen fürs ‚Wachstum‘ von Kapital, obwohl diese Verwertung zwecks ‚Wachstum‘ längst fraglich ist, weil es die dazu erforderlichen Märkte offenbar nicht gibt und keine staatliche Intervention diese herbeizaubern kann.

  21. 21 simply red 26. November 2018 um 12:44 Uhr

    Dass Begriffe wie ‚Bio‘, ‚Natur‘–, ‚Umwelt‘–, ‚Klima‘schutz längst Marketinggags sind, eben um den Absatz von irgendwelchem Krempel ‚anzukurbeln‘, ist doch nun wirklich nix neues, und gehört inzwischen selbst in den exotischsten Branchen quasi ‚zum guten Ton‘.

    Denn nicht nur die Konflikte zwischen Staaten drehen sich nach wie vor primär um ‚Ressourcen‘ als Verwertungsquellen fürs ‚Wachstum‘ von Kapital, obwohl diese Verwertung zwecks ‚Wachstum‘ längst fraglich ist, weil es die dazu erforderlichen Märkte offenbar nicht gibt und keine staatliche Intervention diese herbeizaubern kann.

    Ich versteh ehrlich gesagt jetzt nicht was dein Querverweis zum Unternehmensmarketing bedeuten mag. Mag ja sein, dass Klima- Natur- oder Umweltschutz für Unternehmen Stoff für Produktplatzierungs- oder Marketingaktivitäten hergibt. Staaten selbst nehmen Unterabteilungen wie „Klima-“, Umwelt-“ oder „Natur-“ Schutz jedenfalls sehr ernst, da als Verwertungsquelle für das Kapital der Stoffwechsel mit der Natur staatlicher Aufsicht und Betreuung badarf.

    Schließlich ist den Waldbränden in den USA eine Dürrekatastrophe vorangegangen. Klima- und Umweltpolitik gehören dementsprechend auch zusammen. Da du den Staat instrumentell bestimmst reicht dir das nicht, du vermutest eine noch dahinter stehende ökonomische Denke der herrschenden Klasse. Lächerlich geradezu empfinde ich deine Vergleiche von (staatlich betreuten) Waldbrandschutz mit Bewässerungsanlagen an Golfplätzen.

  22. 22 Samson 26. November 2018 um 21:13 Uhr

    Staaten selbst nehmen Unterabteilungen wie „Klima-“, Umwelt-“ oder „Natur-“ Schutz jedenfalls sehr ernst, da als Verwertungsquelle für das Kapital der Stoffwechsel mit der Natur staatlicher Aufsicht und Betreuung badarf.

    Der Nachweis wird dir kaum gelingen, weil zwischen dem Teil der Welt, über die so ein Staat gebietet, und Natur schon eine gewisse, nicht nur räumliche Differenz besteht. Wenn das einem Staat steuerpflichtige Kapital seine Gewinne ganz ohne ‚Stoffwechsel mit der Natur‘ zuwege bringt, muss der Staat diesbezüglich auch nix betreuen, und falls das Kapital beabsichtigt, irgendwo ‚außerhalb‘ einen gewinnträchtigen ‚Stoffwechsel mit der Natur‘ anzuleiern, dann schickt der Staat ggf. erstmal sein Militär los, um ‚auswärts‘ quasi den Boden für Investitionen vorzubereiten, selbst wenn dabei verhandene Natur samt ihren Bewohnern in Schutt und Asche gelegt werden muss.

    Schließlich ist den Waldbränden in den USA eine Dürrekatastrophe vorangegangen. Klima- und Umweltpolitik gehören dementsprechend auch zusammen.

    Die Frage ist halt, was derartige Politik, so sie denn keine PR ist, an Auswirkungen von Wetterkapriolen ändern soll. In anderen Weltgegenden gibt es periodisch Trockenzeiten, Überschwemmungen, Ernteverluste durch Insektenbefall etc. und kein Mensch kommt dort auf die Idee, daran mittels staatlicher Politik was ändern zu können.

    Da du den Staat instrumentell bestimmst reicht dir das nicht, du vermutest eine noch dahinter stehende ökonomische Denke der herrschenden Klasse.

    Ich bestimme den Staat nicht ‚instrumentell‘, aber für meine Begriffe ist der eben nicht Subjekt der Veranstaltung, sondern tatsächlich politisches Instrument der ökonomisch herrschenden Klasse. Die herrscht freilich nicht absolut wie in früheren Epochen, sondern ausschließlich durch die bestimmte Form der gesellschaftlichen Produktion. Die ist halt dem Tauschwert unterworfen. Wie du selbst schreibst, kommt unter solchen Bedingungen ‚Natur‘ überhaupt nur als „als Verwertungsquelle für das Kapital“ in Betracht.

    Hilfe für von Katastrophen betroffene Menschen wäre aber so ziemlich das Gegenteil von Stoffwechsel zwecks Kapitalverwertung. Nestor hat daher prinzipiell Recht mit dem Insistieren darauf, sowas sei ‚privatwirtschaftlich‘ nicht machbar und müsse im Grunde vom Staat organisiert werden. Nur ist m.E. aus ebenso prinzipiellen Erwägungen der kapitalistische Staat dafür der falsche Staat.

  23. 23 Nestor 30. November 2018 um 13:12 Uhr

    @simply red

    Ich habe ja auch nicht gemeint, daß Wachstum und Geschäftssphäre einen WIderspruch darstellen.
    Aber zunächst ist das gar nicht Thema, wenn es um den Katastrophenschutz geht.

    @Samson

    Na ja, wie das mit den Häftlingen gehandhabt wird, weiß ich natürlich nicht, und irgendeinen Schnellsiedekurs mag es schon geben.
    Aber darin sind wir uns doch hoffentlich einig, daß das eine Ausbildung für den Ernstfall aufgrund der Umstände nicht ersetzen kann.
    Das System der freiwilligen Feuerwehr wie bei uns oder in anderen Ländern der EU, wo das ja ein Teil der ländlichen Folklore ist, gibt es meines Wissens in den USA nicht.

    Warum das hier so ist und dort so, weiß ich nicht.

    Mir erscheint, daß diese freiwilligen Feuerwehren dort funktionieren, wo es hin und wieder kleinere Brände zu bewältigen gibt.
    In Südeuropa, wo öfters größere Flächen brennen, ist das mit den Feuerwehrleuten auch anders geregelt.
    Für größere Einsätze werden auch bei uns Profis aus der Stadt hingekarrt, bzw. bei anderen Katastrophen die Pioniere des Bundesheeres, die dafür eine eigene Ausbildung erhalten.

    In Ungarn z.B. macht die Feuerwehr einen recht beträchtlichen Teil der Gemeindebudgets aus, weil dort durch 1. den Sozialismus und 2. den Systemwechsel freiwillige Feuerwehren nicht zustande gekommen sind.

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