Nachrichten vom Tag der Arbeit

DER 1. MAI IN DORTMUND

Die Genossen im Ruhrgebiet hatten was vor und forderten Verstärkung an und wir eilten herbei.

Wir nahmen an der DGB-Demo in Dortmund teil.
Der DGB wollte sich feiern als Vertreter und Schutzmacht der arbeitenden Menschheit. Das hatte seinen Pferdefuß darin, daß diese ehrenwerte Institution für diesen schönen Zweck kaum Leute gewinnen kann und auch die, die dennoch kommen, eher älter sind. Als nicht aus dem Ruhrgebiet stammender Zaungast kann ich nicht beurteilen, ob das an der unerfreulichen Arbeitsmarktsituation liegt, dem geringen Organisationsgrad der dortigen Arbeiterschaft oder einer allgemeinen Sattheit mit dieser Gewerkschaft. Vermutlich allem zusammen.
Um dennoch irgendeine Masse zu erreichen, die dem 1. Mai entspricht und das Polizeiaufgebot rechtfertigt, das eine solche 1. Mai-Demo begleitet, ist der Veranstalter deshalb darauf angewiesen, lauter unsichere Kantonisten wie uns, die MLPD, die „Linke“ und andere Organisationen bzw. Grüppchen bei sich aufzunehmen. Gerne macht der örtliche DGB das nicht, das merkte man von Anfang an, aber in der Not frißt eben der Teufel Fliegen.

Irgendwann ging es dann los, und schon begann unsere Partie ihre provokanten Transparente zu enthüllen und mit Sprüchen wie: „Stress, kaum Geld und keine Zeit – das ist die freie Lohnarbeit!“ oder sogar: „Hartz IV – das wart ihr!“ die DGB-Funktionäre zu nerven, deren Ordnerdienst uns gerne hinausgeschubst hätte.

DemoStrasse

In so einem Fall ist es wichtig, kräftige und entschlossene Transparent-Träger zu haben, die sich nicht abdrängen lassen. Und auch einen entschlossenen Trupp, der seine Bannerträger befeuert und schützt.

Dann gab es noch einen Versuch, uns alle geschlossen aus der Demo hinauszudrängen, da fanden wir Unterstützer bei einer kurdischen Gruppe – auf die Kurden kann man sich einfach verlassen, spas û hevalbend! – und bei den Vertretern der Linkspartei, die nicht das Feigenblatt für den DGB abgeben wollten.

Außerdem hatten wir einen anderen Trupp, eine Vorhut, die einen strategisch wichtigen Punkt auf derjenigen Brücke besetzt hat, unter der dann der Demonstrationszug durchging.
Für diese Aufgabe sollte man Leute suchen, die möglichst harmlos ausschauen, keine roten Fahnen schwingen und auch das Transparent bzw. die Transparente dezent im Hintergrund halten, bis der günstige Augenblick der Entfaltung naht.
Der DGB hatte nämlich auch dort Pensionisten geparkt, die diesen strategischen Ort besetzen und gegen Störer verteidigen sollten, aber wir haben sie ausgetrickst.

Als die Demo dann oben auf der Brücke war und unsere Transparente, Fahnen und Chöre so richtig zum Zug kamen –
„Rücken krumm, Taschen leer, DGB – danke sehr!“
wurde es den Veranstaltern zu bunt und sie wollten uns von der Polizei in die Zange nehmen und abservieren lassen.
Man muß an dieser Stelle bemerken, daß die Vollstrecker der Klassenversöhnung, die das Proletariat bei jeder Tariflohnrunde relativ günstig von neuem an die Unternehmerschaft verkaufen, um einiges gewaltbereiter waren als die Vertreter der Staatsgewalt selbst. Letztere waren nicht besonders scharf auf Krawall und Ärger, da ja gar nichts passiert war – außer dem gestörten Feierbedürfnis von DGB-Funktionären.

Nachdem auch diese Klippe durch Rückkehr ins Kuddelmuddel der Gesamtdemo umschifft war, hätte uns der werte DGB noch gerne am Betreten des Festgeländes gehindert, mußte aber wiederum von der Polizei daran gehindert werden, die die Veranstalter darauf aufmerksam machte, daß es sich hier um eine öffentliche und nicht eine geschlossene Veranstaltung handelte.

Man hat ja nicht oft die Gelegenheit, lobende Worte über die Polizei zu verlieren, aber im Falle von Dortmund muß ich anmerken, daß sie ihr Amt als Ordnungshüter ernst nahmen und sich nicht zum Büttel des DGB machten.
Über den DGB ist zu sagen, daß es kein Wunder ist, wenn ihm die Mitglieder davonlaufen. Diese Gewerkschaft bietet nämlich ihren Mitgliedern gar nichts, weder an der Arbeitsfront noch beim Feiern.
Was soll man von einer Arbeitervertretung halten, die schreit „Polizei!“, wenn sie solche Sprüche hören muß wie: „Gegen das Konstrukt aus Volk, Nation und Rasse – Für uns gibt es nur eins: Klasse gegen Klasse!“ – ?!
Ein Horror für einen DGB-Gewerkschaftler! Wo kommen wir denn da hin?!

Falls jemand Appetit bekommt auf ähnliche Aktionen, so noch ein paar Tips: Keine allzu auffälligen Kleidungsstücke tragen, das ist schon Josef S. nicht gut bekommen.
Alle Utensilien, die man braucht, rechtzeitig besorgen. Es macht Streß, wenn man auf wesentliche Bestandteile bis zum letzten Moment warten muß.

Zum DGB und wie er sonst den ersten Mai begeht, folgen noch ein paar Beobachtungen.


8 Antworten auf „Nachrichten vom Tag der Arbeit“


  1. 1 NN 04. Mai 2018 um 9:36 Uhr

    Kommunistisches Kollektiv Ruhr (KKR)

    „Wir haben zum 1. Mai gemeinsam mit Anarchistische Gruppe Dortmund und Gruppe K einen Block auf der Demonstration des DGB gebildet und damit unsere Kritik an der Politik und Praxis des DGB öffentlich gemacht.

    „Deutschlands Erfolg auf unsere Kosten – dabei hilft der DGB“

    Unsere Kritik gilt der Sozialpartnerschaft und dem Standortnationalismus des DGB. Er hilft dem Kapitalwachstum und macht sich durch seine Politik als Interessenvertretung zunehmend überflüssig.

    Er vereinnahmt Linke Aktivisten für seinen Kurs des Klassenkompromiss, was die Vorsitzende des DGB Dortmund durch ihre Aufforderung klar gemacht hat: Wenn wir unser Transparent einrollten, so könnten wir unbehelligt weiter mit in der Demo laufen. Solange linke Kritik nicht hörbar ist, dienen die Linken als gute Lückenfüller in den Demonstrationen einer immer weiter schrumpfenden Gewerkschaft. Ein Schrumpfen, für das sie selber mit verantwortlich ist!

    Dieser Aufforderung sind wir nicht nachgekommen, sodass sich der DGB nicht zu schade war, die Polizei gegen uns zu rufen. Durch die Solidarisierung vieler anderer Demonstrationsteilnehmer und Passanten ist die Polizei jedoch wieder abgerückt, und wir konnten weiter als Teil der Demonstration laufen.

    Solidarität heißt für uns: Arbeitskampf der Arbeitenden hier und Austragen des Klassengegensatzes mit der Absicht das Lohnsystem zu überwinden.

    Und wenn der DGB das nicht will, muss man eben mal laut machen, was man von seiner Linie hält!“

    Die AGDo hat ein Video der Demonstration erstellt, das die Ergeignisse gut zusammenfasst. Es gibt Untertitel, die man zuschalten kann:

    „Schwarz-Roter Block auf der 1. Mai DGB Demo in Dortmund“

    Gemeinsame Pressemitteilung von Gruppe K und Kommunistisches Kollektiv Ruhr:

    „DGB ruft Polizei gegen linke Kritiker“

    „Die diesjährige DGB-Demonstration zum 1.Mai in Dortmund lief nicht ohne Störung ab. Ein roter Block äußerte vernehmbar seine Unzufriedenheit mit der Gewerkschaft: „Deutschlands Erfolg auf unsere Kosten – dabei hilft der DGB“. Auf Flyern und Transparenten wurde der Standortnationalismus der Gewerkschaft kritisiert und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel gefordert.

    Auf diese Kritik reagierten die Organisatoren mit Härte – um den Roten Block von der Demo zu verweisen, setzten demonstrationseigene DGB-Ordner körperliche Gewalt ein. Als die DGB-Führung die Polizei hinzurief, solidarisierten sich Teilnehmer der Demonstration mit dem Roten Block. Im Resultat konnte der Block weiter in der Demo laufen.

    Ihre Kritik wendet sich gegen die sozialpartnerschaftliche Orientierung des DGB, den Nationalismus seiner Standortpolitik und macht den DBG mitverantwortlich für die Umsetzung der Agenda 2010, Hartz 4 und den Ausbau des Niedriglohnsektors. Sie sprechen sich gegen die Vereinnahmung linker Gruppen durch den DGB aus und fordern die Abschaffung des Lohnsystems.

    Die Kritiker stellen ein Diskussionsangebot am Mittwoch den 2.Mai, in Bochum, 19 Uhr im Bahnhof Langendreer, Raum 6. Veranstaltungstitel: “Deutschlands Erfolg auf unsere Kosten”“

    Flugblatt von Gruppe K / KKR zum 1. Mai 2018:

    „Deutschlands Erfolg auf unsere Kosten – dabei hilft der DGB!“

    - Der DGB steht programmatisch für Sozialpartnerschaft: Er weiß zwar „theoretisch“irgendwo um den Gegensatz der Interessen von Kapital und Arbeit, meint aber, dass die- ser Gegensatz vereinbar sei – solange er selbst nur überall mitverhandeln darf.

    - Der DGB steht programmatisch für Standortnationalismus: Er erkennt an, dass es Arbeitsplätze nur gibt, wenn die Kapitalisten hier mit der Arbeit Gewinn machen können. Er tritt deshalb offensiv für deutsches Wirtschaftswachstum zum Schaden der Beschäftigten und der Umwelt hier und zum Nachteil anderer Länder ein.

    - Der DGB hilft dem Kapitalwachstum auf die Sprünge: Er trägt Reallohnsenkungen mit, stimmt Entlassungen zu, hat die Agenda 2010 mit verabschiedet und damit prekäre Beschäftigungsverhältnisse ermöglicht – auf Kosten ALLER Lohnabhängigen.

    - Der DGB macht sich mit dieser Politik als Interessenvertretung zunehmend überflüssig: Er hat zunächst aus AktivistInnen einer Arbeiterbewegung Karteileichen seiner Organisation gemacht, die inzwischen auch nicht mehr wissen, was sie von ihm haben. Mitgliederzahlen 1990: 11,8 Mio. / 2017: 5,9 Mio.

    - Der DGB definiert Solidarität um: Aus dem Kampfmittel der internationalen Arbeiterbewegung hat er einen Wert des nationalen Zusammenhalts gemacht.

    Die Heuchelei des DGB ist offensichtlich:

    - Er vereinnahmt linke AktivistInnen für sich und seine Aktivitäten und bekämpft deren Ziele und Organisationen zugleich mit
    Unvereinbarkeitsbeschlüssen.

    - Er gibt sich parteipolitisch unabhängig und ist doch faktisch ein SPD-geführter Haufen.

    - Er behauptet gegen Niedriglöhne und Altersarmut anzukämpfen, und hat doch alle diese Zustände politisch mitverantwortet. Hartz IV – Das wart Ihr!

    - Er beschwört Solidarität mit Protesten weltweit und steht doch fest an der Seite deutscher Unternehmen und der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik.

    Der DGB hat aus Gewerkschaften als Instrumente des Klassenkampfes die nationale Verwaltung der Lohnabhängigen gemacht. Hand in Hand mit Staat und Kapital will er die sozialen Folgen der Ausbeutung von Mensch und Natur sozial / gerecht / fair und solidarisch mitgestalten. Er kämpft gegen Wirkungen – nicht gegen Ursachen!

    Wer mit den Resultaten dieser Linie unzufrieden ist, der sollte auch mit der Illusion brechen, von der sie getragen ist – nämlich mit der unbegründeten Hoffnung, dass die Interessen der Lohnabhängigen doch irgendwann, irgendwo, irgendwie mit der kapitalistischen Benutzung dieses Landes vereinbar werden.

    Wir sind für eine Gewerkschaft, die den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit offensiv in der Absicht austrägt, dass wir die Wirkungen nur dauerhaft beseitigen können, wenn wir die Ursachen angehen:

    Nieder mit dem Lohnsystem!

    Selbstverständnis
    Kommunistisches Kollektiv Ruhr (KKR), Mai 2018

    Wir sind ein Kollektiv von KommunistInnen aus dem Ruhrgebiet, die im Anblick der Zustände dieser Welt zu den gleichen theoretischen und praktischen Schlußfolgerungen gekommen sind:

    Die Mehrheit dieser Gesellschaft leidet unter ähnlichen Notlagen: unter einem geringen Lohn, der kaum etwas mehr abwirft als das tägliche Zurechtkommen, oft genug nicht einmal das; unter einem stressigen Arbeitsalltag und Konkurrenzdruck und allerlei psychischen und körperlichen Belastungen; unter Lebensmittelskandalen, Umweltverschmutzung, Kriegsbedrohung, Militarisierung. Die Liste der hässlichen Seiten dieses Landes im Jahr 2018 ist endlos.

    Das alles halten wir nicht für Ausdruck eines neoliberalen Zeitgeistes, der die Wirtschaft und die Individuen ergriffen hat; nicht für das Resultat der Gier von Managern und Politikern und auch nicht einfach nur für das Ergebnis einer ‚verfehlten’ Politik. Diese Zumutungen haben System. Sie sind notwendiger Teil einer Ökonomie, in der für die Vermehrung von Geld gewirtschaftet wird, und in der diejenigen, die zu arm sind um alleine von ihrem Hab und Gut zu leben, dazu verdammt sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen; und zwar an diejenigen, die hierzulande Arbeitgeber heißen, und die mit der Arbeit der Massen Profite erwirtschaften. Im Klartext heißt das: wir leben in einer Klassengesellschaft, in der sich Proletariat und Kapitalistenklasse unversöhnlich gegenüberstehen.

    In diesen Verhältnissen halten wir es für illusionär, seine Hoffnungen in einen Staat zu legen, der mit seinen Gesetzen diese ganze Scheiße verwaltet. Denn wir haben festgestellt, dass die Bundesrepublik Deutschland alles dafür tut, dass auf diesem Staatsgebiet gute Bedingungen für Kapitalwachstum herrschen. Das ist nicht zuletzt deshalb möglich, weil der Staat das Eigentum als Grundrecht garantiert, und das verpflichtet bekanntermaßen (zur Vermehrung).

    Da dieser Gesichtspunkt immer der letzte Zweck dieses Staates ist, bedeutet das für die Masse der Bevölkerung notwendigerweise, dass sie nicht mehr ist als eine Größe in dieser Rechnung, die nicht viel kosten darf, verwertbar und möglichst angepasst sein muss. Wir sind gegen diese Verhältnisse, in denen die Arbeiterklasse dem Profitstreben unterworfen ist, statt dass die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen Ziel und Zweck der gesellschaftlichen Produktion ist.

    Unser Wille diese gesellschaftlichen Verhältnisse zu überwinden, resultiert aus dieser Einsicht: die Zustände haben ihre Ursache in der kapitalistischen Produktionsweise und ihren gewaltsam eingerichteten Eigentumsverhältnissen und sind nicht auf dem Reformweg veränderbar. Unser Ziel ist die sozialistische Revolution, weil sie mit der Zerschlagung des Staates, der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der Abschaffung des Privateigentums die eigentlichen Gründe für die Missstände beseitigt. Darunter ist das leider nicht zu haben!

    Als Lohnabhängiger leidet man unter der hiesigen Scheiße wohl am meisten. Gleichzeitig sitzt man als Arbeiter allerdings an der Lebensader dieser Gesellschaft und kann sie deswegen am effektivsten bekämpfen. Wir sind überzeugt davon, dass jede und jeder dazu fähig ist, seine Lage zu erkennen und wir nur gemeinsam die herrschende Gesellschaftsordnung zerschlagen können. Wir wissen aber auch, dass die Arbeiter gerade alles andere als begeisterte Kommunisten sind. Stattdessen herrschen Rassismus, Sexismus, Vereinsamung und Ohnmacht vor.

    Wir werfen aber unsere Theorie nicht weg, nur weil sie unpopulär ist. Den bestehenden kommunistischen Bewegungen und Organisationen werfen wir nicht vor, dass sie schwach sind und dass sie nicht dazu in der Lage sind die Arbeiterklasse für sich zu gewinnen. Wir sind aber der Meinung, dass sie die Gesellschaft nicht treffend analysieren und darum auch nicht treffend bekämpfen können.

    Diesen Mangel können wir alleine nicht beseitigen, aber wir haben uns immerhin zweierlei zum Ziel gesetzt: unsere Kritik und unsere politische Praxis schärfen und die marxistische Analyse dieser verkommenen bürgerlichen Gesellschaft populär machen – denn die Welt muss man begreifen, um sie zu verändern!

    Das heißt hier in der Region:

    - Wir wollen uns bisher ungeklärte Fragen vorlegen – über den bürgerlichen Staat, den Imperialismus, die herrschenden Ideologien – um uns und anderen die Gesellschaft treffend zu erklären

    - Wir wollen Mitstreiter für den Kommunismus gewinnen und uns mit Gleichgesinnten vernetzen

    - Wir mischen uns in sich entzündende Kämpfe ein, und werben dort für eine revolutionäre Lösung, und wollen sie initiieren in Betrieb, Schule, Stadtviertel und Uni.

    Wir haben uns neugegründet und freuen uns auf Kontakt, Kritik und Vernetzung: schreibt uns an kkruhr@riseup.net

  2. 2 NN 04. Mai 2018 um 14:52 Uhr

    Gruppe K

    1.-Mai-Demo in Dortmund: DGB will Gewerkschaftskritik stoppen und scheitert

    Der DGB versuchte während seiner 1. Mai-Demonstration durch die Dortmunder Innenstadt Kritik von links unter Berufung auf sein Hausrecht zu verhindern. Ordner hinderten den „rot-schwarzen Block“ am Weitergehen. Letzten Endes rief man sogar die Polizei. Hintergrund: Mehr als achtzig Demonstranten griffen die Linie des DGB auf Transparenten und Flyern scharf an. Den rotschwarzen Block bildete die Gruppe K mit Kommunistisches Kollektiv Ruhr und Anarchistische Gruppe Dortmund. Der Block lief unter dem Transparent „Deutschlands Erfolg auf unsere Kosten – dabei hilft der DGB“.

    Diese Kritik an Sozialpartnerschaft und Standortnationalismus der Gewerkschaft wollten die DGB-Offiziellen in „ihrer Demonstration“ (so Jutta Reiter, Bezirksvorsitzende des DGB Dortmund) nicht dulden. Ohne das beanstandete Transparent, so ihre Aussage, dürften die linken Demonstranten unbehelligt mitlaufen.

    Der gewerkschaftskritische Block ließ sich allerdings nicht einschüchtern – weder durch die Rempeleien der DGB-Ordner und auch nicht, als Jutta Reiter dann tatsächlich die Polizei zu Hilfe rief. Diese rückte angesichts des deutlichen Protests vieler Demonstrationsteilnehmer und Passanten wieder ab. Der Block konnte weiter laufen und am Ende mit einer lautstarken Aktion unter der Parole „Klassenkampf statt Standortnationalismus“ von der Brücke vor dem Westfalenpark noch einmal auf sich aufmerksam machen.

    Die Vorfälle auf der Demonstration machen deutlich, wie der DGB es haben will:

    Als Lückenfüller auf seinen inzwischen ziemlich mickrigen Demonstrationen sind die Linken willkommen, solange sie ihre Kritik nicht hörbar machen. Ansonsten wirft die Führung den Linken mangelnde Solidarität vor. Das macht klar, wie der DGB Solidarität versteht: als Unterordnung. Die Gruppe K machte dagegen deutlich, was Solidarität für sie ist: die notwendige Vereinigung der Lohnabhängigen zur Austragung des Klassengegensatzes mit dem Ziel seiner endgültigen Überwindung. Ironie: Der DGB beschwört den heroischen Kampf alter Zeiten – und versucht schon im Vorfeld alles zu unterdrücken, was als Funke wieder auflodern könnte.

  3. 3 Halunke 04. Mai 2018 um 23:21 Uhr

    Hallo Nestor,

    besten Dank für deine (Eure?) geradezu internationale Unterstützung und den lustigen Reisebericht, ohne die der geradezu überwältigende Erfolg der kleinen Gruppe K gegen den DGB in Dortmund kaum denkbar gewesen wäre!

    Dank dieser Unterstützung ist die Aktion im Ruhrgebiet jedenfalls doch noch zu einem regionalen Erfölgchen geworden, musste sich die regionale DGB-Führung um Jutta Reiter öffentlich dazu bekennen, was er unter Solidarität versteht, wenn er mit der Parole „Klassenkampf statt Standortnationalismus“ und etwas mehr als 80 Leuten mit roten (und ein paar schwarzen) Fahnen und einem kurzen Flugblatt konfrontiert wird.

    Die starke Nachfrage der Demo-TeilnehmerInnen nach dem Anti-DGB-Flyer und den Standpunkten der Gruppe auf unserer website (http://gruppe-k.org/) wärend der Demo und vor allem danach lassen hoffen. Insofern fand ich die Aktion der Gruppe im Rahmen der Möglichkeiten dieser Leute sinnvoll und erfolgreich.

    Als besondere Pointe der Ereignisse sei noch mal hervorgehoben, dass die Polizei (!) den DGB unter Anteilnahme von mehreren tausend Demonstranten dazu ermahnen muss, dass sein Repressionsbedürfnis gegen Gewerkschaftskritik von links zumindest die rechtlichen Bahnen berücksichtigen muss. Das hat die Vereinnahmungsstrategien des DGB gegenüber Leuten, die sich von den DGB-Gewerkschaften mehr erhoffen sollen, als die proletarische Standortverwaltung der Nation zu sein, doch etwas blamiert.

    Wir sind schon gespannt, wie das Ereignis im GSP-Umfeld und bei Gewerkschafterinnen diskutiert wird. Am Maßstab „der reinen Vernunft“ möglicher Weise schon wieder gescheitert? Am Maßstab der DGB-Solidarität einfach nur eine Störung?

    Mit besten Grüßen aus dem Pott der Pötte,
    Halunke

  4. 4 NN 05. Mai 2018 um 12:02 Uhr

    „Am Maßstab „der reinen Vernunft“ möglicher Weise schon wieder gescheitert?“

    Keine Ahnung, wie man auf solche Vermutungen kommt. Was soll denn da warum gescheitert sein? Zu Zeiten, als dergleichen Politik (auf anderer Stufenleiter) betrieben wurde, waren die einschlägigen Erfahrungen mit den hiesigen Gewerkschaften jedenfalls sehr ähnlich:

    Manifest gegen den DGB: DGB – POLITIK AUF KOSTEN DER ARBEITER (MSZ 4-1982)

    EINE „REPLIK“ DES DGB (MSZ 4-1982)

    „GEGNERISCHE ORGANISATION: MARXISTISCHE GRUPPE“ (MSZ 10-1985)

  5. 5 Nestor 05. Mai 2018 um 12:44 Uhr

    @Halunke und NN

    Na na. Der „Maßstab der reinen Vernunft“ bezog sich auf mögliche Reaktionen von „Autoritäten“ und hatte nichts mit der Stellung des DGB zu tun.

    Abwarten und Tee trinken. Bzw. was die Ruhrgebiets-Aktivisten angeht: dran bleiben!

  6. 6 NN 05. Mai 2018 um 13:10 Uhr

    Apropos Aktivisten: Bemerkens/begrüßenswert ist doch vor allem, welche Koalitionen neuerdings möglich sind. Was wiederum dafür spricht, dass der Erosionsprozess von DKP/SDAJ wohl schon sehr weit fortgeschritten ist.

  7. 7 NN 09. Mai 2018 um 11:53 Uhr

    Nachbereitung des 1. Mai durch die Anarchistische Gruppe Dortmund:

    Das war der anarchistische 1. Mai 2018 in Dortmund

    „Unsere „Freund*innen“ von der trotzkistischen „Sozialistischen Alternative Voran (SAV)“ haben sich dieses Jahr ganz besondes ins Zeug gelegt. Auf der DGB-Demo sprach sich einer der ihren, der dort als Ordner tätig war, offen dafür aus, dass der schwarz-rote Block von DGB und Bullen entfernt werden soll – ja er freute sich sogar breit grinsend, dass gegen uns vorgegangen wurde. Mitglieder dieses Vereins treten sei Jahren gezielt in bürokratische Organisationen wie die Linkspartei oder eben die DGB-Gewerkschaften ein – angeblich mit dem Ziel, diese zu “radikalisieren” und die Basis zur Rebellion gegen die Funktionäre zu ermuntern. Wenn sich jedoch, wie jetzt am ersten Mai, tatsächlich zarte Ansätze einer solchen Revolte zeigen, stellen sie sich sofort auf die Seite der Bürokratie und gegen die “Nestbeschmutzer*innen”. Hier zeigt sich, dass sie in Wahrheit – weit entfernt davon, irgend etwas Rebellisches zu planen – einfach nur selbst gern stolze Anführer*innen einer möglichst zahlreichen und gehorsamen Schafsherde wären. Anstatt gegen die Herrschenden richtet diese lächerliche Truppe ihre Provokationen gegen wirkliche Kritiker*innen des Bestehenden, etwa, als sie uns am Rande unserer anarchistischen Demo mit “Lenin do it again”-Rufen ärgern wollten. Aber damit rufen sie bei uns nur ein müdes Lächeln hervor…“

    Das Verhalten der DGB-Ordner ist ja keine Überraschung – das kennt man ja seit Jahrzehnten (s.o.). An den SAV-Trotzkis ist allerdings zu studieren, welche Kollateralschäden deren Entrismus-Strategie offenkundig zeitigt.

  8. 8 Nestor 09. Mai 2018 um 14:30 Uhr

    Das „Lenin do it again“ aus dem Munde solcher Leute entbehrt nicht einer gewissen Ironie, weil eine Revo wollen die ja offenbar nicht …

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