Das syrische Schlachtfeld – Fortsetzung

WER GEGEN WEN?

Eine Zeitlang sahen sich die Medien nolens volens zu dem Eingeständnis genötigt, daß dank des Eingreifens Russlands die Tage des IS in Syrien gezählt zu sein scheinen.

Aber der syrische Bürgerkrieg hat ja noch andere Akteure, und die halten die Sache spannend.

Die USA hat ihre Militärpräsenz in Syrien kräftig ausgebaut und zwar anscheinend die Dschihadisten fallen gelassen, aber sich in den „autonomen“ Kurdenbezirken breit gemacht.
Während hierzulande linke Sympathisanten die Selbstverwaltung in Rojava feiern, findet dieses soziale Experiment inzwischen unter einer Art Besatzung der US-Streitkräfte statt.

Die USA hat offensichtlich nie ihr Ziel einer Teilung Syriens aufgegeben. Als sich der IS und andere islamistische Gruppierungen entweder zusehends als Ärgernis für die US-Interessen erwiesen, oder als kriegerische Fraktion nicht bewährten – wozu natürlich auch Russlands militärische Präsenz beitrug – wurden die Kurden Nordsyriens zusätzlich wichtiger. Als nützliche Idioten für US-Präsenz und -Einmischung.

Zu der Kurdenfrage an sich sei auch noch an das in die Hose gegangene Referendum im Nordirak erinnert. Gegen alle Ratschläge aus den eigenen Reihen, und unmißverständliche Drohungen aus Bagdad und Teheran, ein unabhängiges Kurdengebiet im Nordirak nicht zuzulassen, zogen die Barzani-Partie und ihre Klientel das Referendum durch. Sie verließen sich dabei offensichtlich auf die zugesicherte Unterstützung Israels und auf das Wohlwollen der USA, das sie als gegeben voraussetzten.
Das führte zum Verlust Kirkuks und der angrenzenden Ölfelder an die schiitische Allianz und die irakische Armee, einer de-facto Aufhebung der Selbstverwaltung im Norden und einer ziemlich bösen Diskreditierung der Führungsclique um Barzani, die auch von der Türkei fallengelassen wurde.
Die Führung der syrischen Kurden, die sowieso starke Differenzen mit Barzani & Co. hatte, las zwar vielleicht die Zeichen an der Wand, verließ sich aber weiterhin auf den Schutzschirm der USA – gegen die Beschwerden aus Damaskus, und die Drohungen aus Ankara.

Der syrischen Regierung und ihren Verbündeten Russland und Iran können diese Abspaltungstendenzen eines Teiles des Staatsgebietes und das militärische Sich-Festsetzen der USA nicht recht sein, so viel ist klar. Solange es aber um den IS und um seine Liquidierung ging, wurde diese Problematik in die zweite Reihe verdrängt.

Der IS ist inzwischen großflächig geschlagen und hat auch jegliche finanzielle Unterstützung verloren. Weder Saudi-Arabien noch Katar noch die USA lassen mehr etwas springen, seit Mosul und Raqqa gefallen sind. Der IS hat sich durch seine Taten und Propaganda bei allen beteiligten Akteuren unmöglich gemacht und ist als Karte im Nahost-Spiel wertlos geworden. Seinen Kämpfern bleibt nichts anderes übrig, als sich neue Aufgabengebiete zu suchen und in eine der anderen Söldnertruppen in oder außerhalb Syriens einzutreten, die sich noch einer Unterstützung erfreuen – sei es aus den Golfstaaten, der USA oder der Türkei.

Die syrische Regierung und Vertreter Russlands haben die Kurden wiederholt aufgefordert, ihre Autonomie-Erklärung zurückzuziehen und sich ausdrücklich als Teil des syrischen Staatsgebietes zu definieren, mit Damaskus als politischem Zentrum. (Das impliziert natürlich auch im weiteren, daß die USA hinauszukomplimentieren gewesen wären.) Für diesen Fall wurde Afrin auch Waffenhilfe angeboten.
Das wurde von den kurdischen Vertretern abgelehnt.

Jetzt hat die Türkei, die keinen Kurdenstaat an ihrer Grenze will, mit dem Aufräumen der kurdischen Autonomie begonnen.

Die USA hat zwei Optionen: Entweder weiter mit den Kurden packeln und eine Konfrontation mit der Türkei in Kauf nehmen, was erstens ernsthafte Kriegshandlungen und zweitens das Ausscheiden der Türkei aus der NATO zur Folge haben könnte.
Oder aber die Kurden fallenzulassen und versuchen, das ganze Kurdengebiet samt US-Stützpunkten der Türkei anbieten, als Pufferzone oder gleich als neue Provinzen.

Es sieht so aus, als ob gerade letzteres in Washington erwogen wird:
USA wollen mit türkischer Armee kooperieren
USA will Kurden entwaffnen, die gegen die Türkei kämpfen


24 Antworten auf „Das syrische Schlachtfeld – Fortsetzung“


  1. 1 Hinweis 26. Januar 2018 um 9:14 Uhr

    Neue Runde im »großen Spiel«

    Die lange angekündigte türkische Operation »Olivenzweig« mit ungewissen Fronten zeigt, dass der Krieg um Syrien noch lange nicht beendet ist.
    jw-Artikel von Karin Leukefeld

    https://www.jungewelt.de/artikel/326128.neue-runde-im-gro%C3%9Fen-spiel.html

  2. 2 Wal Buchenberg 28. Januar 2018 um 16:53 Uhr
  3. 3 Nestor 28. Januar 2018 um 17:19 Uhr

    Daß die Luft kriegsträchtig ist, wird niemand bestreiten.

    Der Vergleich mit Großbritannien hinkt aber. In beiden Weltkriegen war es Deutschland, das Weltmachambitionen hatte und deshalb den Krieg vom Zaun brach. GB wollte Weltmacht bleiben und nahm deshalb den Fehdehandschuh an.

    Heute ist es so, daß die Rivaen der USA zwar stärker werden, es aber die USA sind, die die militärische Entscheidung suchen.

    Unter Bush waren Direktinteventionen gefragt, Obama setzte auf Stellvertreterkriege, es könnte sein, daß Trump die unmittelbare Entcheidung sucht, wobei er da nur der vom Pentagon bereits vorgegebenen Eskalation zustimmt.

  4. 4 Jacko 28. Januar 2018 um 19:12 Uhr

    Da man sich bei Kriegsfragen als Linker mit der eigenen Herrschaft anlegt (nach dem Motto: ‚Der Hauptfeind steht im eigenen Land‘…), „ergänze“ ich mal Wal Buchenbergs Darstellung, indem ich zu bedenken gebe, was der deutsche Außenminister im Dezember als „Kritik“ an US-Kriegen formuliert hat:

    „Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Um beim Beispiel Syrien zu bleiben – es ist gut und richtig, dass wir auf einen politischen Prozess für eine wirklich nachhaltige Befriedung pochen, dass wir uns mit Hilfe der Instrumente des internationalen Systems für die essentielle humanitäre Hilfe und völkerrechtliche Prinzipien einsetzen. Das steht muss auch weiter außer Frage stehen. Dennoch: Nach fast sieben Jahren Krieg können wir nicht die Augen davor verschließen, dass andere Akteure währenddessen am Boden Fakten geschaffen haben – oftmals jenseits aller etablierten Normen, im Widerspruch zu unserer Moral, aber leider mit einer hohen Effektivität.
    Was also ist zu tun? Wir müssen diese Lage zuerst einmal nüchtern analysieren. Wir brauchen einen klaren und realistischen Blick auf die Welt – wie sie eben ist. Und nicht nur eine Vision, wie sie eigentlich sein sollte. Auf dieser Basis und mit einem klaren Wertekompass sollten wir dann beherzt für das kämpfen, was wir bewahren und was wir erreichen wollen. Und zwar ohne überdimensionierte moralische oder normative Scheuklappen…“

    Ein Plädoyer für deutsche bzw. europäische Aufrüstung
    - das ist die Quintessenz, die hiesige Politiker aus den div. US-Kriegen ziehen.

    (zit. aus einem Vortrag von Sigmar Gabriel am 5.12.17 in Brüssel
    http://www.bruessel-eu.diplo.de/Vertretung/bruessel__eu/de/00-startseite/EU-Rede__Gabriel.html )

    Die gerade bekannt gewordenen Zahlen zum Rüstungsexport erläutern ja gleichfalls, welche Sorte Krieg und Frieden die Bundesregierung befördert – „ganz ohne moralische oder normative Scheuklappen“…

    Der Gipfel des Vertrauens in die hiesige Politik wird aber leider von alternativen Umweltfreunden erklommen:

    „Der Welterschöpfungstag, an dem die biologische Regeneration eines Jahres verbraucht ist, wird schon Ende Juli erreicht, danach leben wir von der Substanz. Die Umweltbewegung fordert deshalb eine sozial-ökologische Transformation. Das ist Friedenspolitik. Der Umbau wird aber nur möglich, wenn der öffentliche Sektor auf allen Ebenen gestärkt wird. Wir sind nicht naiv und glauben nicht, dass alle Menschen und alle Gesellschaften nur friedlich sind. Aber der entscheidende Punkt sind gesellschaftliche Ordnungen, die eine Vorbildfunktion für den inneren und äußeren Frieden entwickeln und die zur Kooperation und Entspannung der Konflikte fähig sind. Das kommt nicht von selbst. Dafür müssen Strukturen der Partnerschaft und der Nachhaltigkeit geschaffen werden. Das muss zum Schwerpunkt werden und kostet Geld. Von daher geht es bei der Erhöhung der Rüstungsausgabe um eine Grundsatzentscheidung.“

    https://www.heise.de/tp/features/Es-findet-eine-schleichende-Militarisierung-der-Aussenpolitik-statt-3909243.html

  5. 5 Wal Buchenberg 28. Januar 2018 um 20:11 Uhr

    Nestor schrieb:
    „Der Vergleich mit Großbritannien hinkt aber. In beiden Weltkriegen war es Deutschland, das Weltmachambitionen hatte und deshalb den Krieg vom Zaun brach. GB wollte Weltmacht bleiben und nahm deshalb den Fehdehandschuh an.
    Heute ist es so, daß die Rivalen der USA zwar stärker werden, es aber die USA sind, die die militärische Entscheidung suchen.“
    Kein Widerspruch.
    Der Vergleich mit Großbritannien (ich hätte ebenso den Vergleich mit der Bundesrepublik ziehen können) sollte aufzeigen, wie schwer einer herrschenden Klasse die Einsicht fällt, dass sie nur noch zweite Geige spielen darf.
    Die Mächtigen der USA sind noch meilenweit von dieser Einsicht entfernt. Das macht sie so gefährlich.

  6. 6 Krim 28. Januar 2018 um 20:11 Uhr

    „Heute ist es so, daß die Rivalen der USA zwar stärker werden, es aber die USA sind, die die militärische Entscheidung suchen.“ Ja, aber warum sucht die USA die militärische Entscheidung? Weil sie die ökonomische Konkurrenz gegen China nicht gewinnen kann.

    Und in dieser Beziehung gibt es dann schon eine Parallele zu Deutschland. Ökonomisch war Deutschland unterlegen und hätte allein auf dem Gebiet der ökonomischen Konkurrenz keine Entscheidung gegen die anderen imperialistischen Konkurrenten herbeiführen können.

  7. 7 Jacko 28. Januar 2018 um 20:31 Uhr

    „… sollte aufzeigen, wie schwer einer herrschenden Klasse die Einsicht fällt, dass sie nur noch zweite Geige spielen darf.
    Die Mächtigen der USA sind noch meilenweit von dieser Einsicht entfernt. Das macht sie so gefährlich.“ (Wal)

    Wieso sind Politiker meilenweit oder auch nah von Wal Buchenbergs Meinungen oder Erkenntnissen „entfernt“? Wieso dürfen sie nur noch zweite Geige spielen? Wäre es besser, sie würden die erste spielen? Haben bürgerliche Politiker nicht ganz andere Kriterien, mit denen sie die Welt anschauen – als Sozialisten wie Wal Buchenberg?
    Oder wollte Wal Buchenberg unterstreichen, dass für ihn im Prinzip dieselben Maßstäbe und Kriterien – eigentlich – gelten, wie sie – vermutlich ebenfalls auch nur höchst eigentlich – auch für bürgerliche Politiker gelten (’sollten‘)?

  8. 8 Krim 28. Januar 2018 um 22:47 Uhr

    Die herrschende Klasse einer Nation sieht das sowieso nie ein, zweite Geige zu spielen. Wenn sie von sich aus ihre Rolle als untergeordnete Macht akzeptieren würde, wäre das wie die Negation der Staatenkonkurrenz. Eine Supermacht will immer Supermacht bleiben und eine Mittelmacht will Weltmacht werden. Wäre das anders wären sie keine Imperialisten.

    Kriegs- und weltkriegsträchtig ist das schon immer, womit ich nicht den aktuellen Gegensatz zwischen China/Russland und den USA kleinreden will.

  9. 9 Jacko 29. Januar 2018 um 7:44 Uhr

    Die Sozialdemokraten und die Grünen der Bundesrepublik Deutschland haben bekanntlich ihren Einstand in die neue weltpolitische Rolle der neuen Berliner Republik auch damit gefeiert, dass sie den Krieg gegen Ex-Jugoslawien mit angeschoben und ihn erst so richtig ins Rollen gebracht haben.
    Die derzeitige Bundesregierung will ja auch zu neuen Ufern aufbrechen. Wieso eigentlich soll ein Deutscher immerzu nur die anderen Mächte in der Welt für Kriege verantwortlich machen? Weil bei uns, sei, im Unterschied zu den USA, Politik ein so sehr viel besseres Machwerk?

    [Der Sozialdemokrat Gerhard Schröder hat übrigens damals seine Politik damit begründet, Deutschland müsse nun „mehr Verantwortung in der Welt übernehmen“. Dazu müsse die EU in ihrer Außenpolitik geändert werden. Und das funktioniere nun mal nicht durch das bloße Schreiben von Memoranden oder sonstigen Papieren …]

    Bundeskanzler Schröder im Originalton:

    „Mit dem Einsatz auf dem Balkan hat Deutschland in den letzten Jahren bewiesen, dass es bereit und in der Lage ist, seine Rolle in Europa und im Rahmen des transatlantischen Bündnisses umfassend und verantwortungsbewusst wahrzunehmen. Wenn KFOR heute von einem deutschen General geführt wird – wenn man sich die nationale und die internationale Presse anschaut, stößt man auf großen Respekt vor seiner Leistung, auf einen Respekt, den wir alle miteinander teilen –, dann ist dies auch ein deutlicher Beweis dafür, dass die Leistungen der Bundeswehr insgesamt bei unseren Partnern Anerkennung erfahren. (…)

    Die Konflikte in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo haben in dramatischer Weise gezeigt, dass Europa auch in Krisen international handlungsfähig sein muss. Dafür müssen wir die Europäische Union mit den nötigen politischen und militärischen Entscheidungsstrukturen, mit den Instrumenten zur Krisenerkennung und zum Krisenmanagement ausstatten.

    Wir treten deshalb dafür ein, die Westeuropäische Union in die Europäische Union zu integrieren. Nur wenn es der Europäischen Union gelingt, ihre Kräfte zukünftig so zu bündeln, dass sie auf der internationalen Bühne mit einer einheitlichen Politik, also als ein Akteur auftritt, wird sie im internationalen Konzert der Mächte gehört und ihrer Verantwortung gerecht werden können. Ich erinnere an unsere Entscheidung von Köln, das Eurokorps zu einem schnellen Reaktionskorps umzuwandeln. Neueste britische Vorschläge gehen in die gleiche Richtung.

    Die künftige Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik – auch dies möchte ich erneut klarstellen – ist kein Ersatz und auch keine Konkurrenz zur Nato. Mit ihr ziehen wir vielmehr die Schlussfolgerung aus den europäischen Schwächen und Defiziten, die sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt haben. Europa muss innerhalb und in engem Zusammenwirken mit seinen Partnern in der Nato in der Lage sein, künftig mehr Verantwortung zu übernehmen. „(…)

    Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder bei der 37. Kommandeurstagung der Bundeswehr am 29. November 1999 in Hamburg
    http://adrien.barbaresi.eu/corpora/speeches/BR/t/64.html

  10. 10 Samson 29. Januar 2018 um 20:16 Uhr

    Ja, aber warum sucht die USA die militärische Entscheidung? Weil sie die ökonomische Konkurrenz gegen China nicht gewinnen kann.

    Mich täte ja mal interssieren, woher du das so genau wissen willst. Mindestens seit dem Ende von WK II haben die USA haufenweise politische Instrumente entwickelt, um ihre ökonomischen Interessen, d.h. streng genommen die ihrer herrschenden Klasse durchzudrücken, notfalls mittels Staatsstreich und / oder Militär. Und das funktioniert derzeit nicht, weil 1) ihr Militär offenbar mit dem der Russen nicht wirklich ‚mithalten‘ kann und 2) Rußland, China und ggf. noch paar andere alles dran setzen, ihren ‚internen‘ Warentausch ohne Rückgriff auf den Dollar abzuwickeln. Die US-‘Eliten‘ sind sich halt nicht einig darüber, wie sie darauf reagieren sollen.

    Ob Trump einen Plan hat, lässt sich schwer sagen, aber alles was das US-Militär seit seinem Antritt unternommen hat, sieht für mich eher nach ‚Rückzug-Gefechten‘ aus, weil sich das US-Militär eine Blamage nach der anmderen einhandelt. Kann sein, dass Trump dabei seine eigene ‚Rolle‘ als Pausenqlown einkalkuliert hat, um ein paar missliebige Militärs, Geheimdienstler etc. loszuwerden. Nur nach Weltkrieg resp ‚Entscheidungsschlacht‘ o.s.ä. sehen die Drohgebärden gegenüber Nordkorea für mich gerade nicht aus …

  11. 11 Nestor 29. Januar 2018 um 21:11 Uhr

    Die herrschende Klasse einer Nation sieht das sowieso nie ein, zweite Geige zu spielen.

    So ist es.
    Es gibt höchstens den Realismus nach einem verlorenen Krieg, daß man froh sein muß, irgendeine Geige spielen zu können, aber mit jedem Erfolg in der Konkurrenz wächst die Unzufriedenheit darüber, daß man nicht ganz vorne dabei ist.

    Was die Aufrüstung der Bundesrepublik betrifft, so haben die Ereignisse in Libyen und Syrien und überhaupt der ganze arabische Frühling und der Krieg gegen den islamischen Terror gezeigt, daß man als EU im Imperialismus nicht weiterkommt, wenn man die wichtigen Weltordnungfragen immer den USA überläßt.
    Insofern ist das nur konsequent im Programm der EU, daß jetzt bei den ambitionierten Staaten aufgerüstet wird, und die Bundeswehr inzwischen sogar Kindersoldaten anwirbt, um sicherzustellen, daß die jetzt heranwachsende Generation genug wehrfähig ist.

    „Weil sie die ökonomische Konkurrenz gegen China nicht gewinnen kann.“
    Mich täte ja mal interssieren, woher du das so genau wissen willst.

    Es genügt für die Entscheidungsträger in den USA ja schon, daß sie den Verdacht haben, daß China sie überholen wird, um es darauf gar nicht ankommen lassen zu wollen.

    Die Drohgebärden gegenüber Nordkorea sind m.E. einerseits ein Abtasten gegenüber Rußland und China, wie weit sie einen Angriff auf Nordkorea dulden würden.
    Außerdem, auch diese Möglichkeit sollte man im Betracht ziehen, ein Ablenkungsmanöver, um von einer gewissen, hmmm, Ratlosigkeit in Sachen Nahostpolitik abzulenken, wo im Augenblick überhaupt nicht absehbar ist, welche Interessen die USA wie erstens in Anschlag bringen wollen und zweitens durchdrücken können.

  12. 12 Neues_Protok 30. Januar 2018 um 23:15 Uhr

    Zum Thema Nordkorea / USA:
    Protokoll des Jour Fixe vom 22.01.2018

    Nordkoreanisch-amerikanische Fortschritte
    in Sachen Souveränität und Weltmacht (GS 4-17)

    I Nordkorea: Antiamerikanische Souveränität als Staatsräson.

    II. Der Störfall Nordkorea aus der Sicht der USA

    https://de.gegenstandpunkt.com/sites/default/files/jf-protokolle/jf180122.pdf

    ---

    vgl dazu auch den entspr. Artikel:

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/nordkorea-usa-fortschritte-sachen-souveraenitaet-weltmacht

  13. 13 Wal Buchenberg 31. Januar 2018 um 7:56 Uhr

    Aufgrund der hier vorgebrachten Einwände habe ich meinen Vergleich USA – Europa (Reaktion auf den eigenen Machtverlust) so angepasst:
    „Die Machthaber in Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben im 20. Jahrhundert zwei große und verlustreiche Kriege geführt und wollen trotz ihres Scheiterns nicht einsehen, dass sie keine Weltmächte mehr sind.
    Es sieht nicht so aus, als wären die Machthaber in den USA weiser als ihre Kolleginnen und Kollegen in Europa. Es sieht nicht so aus als könnten sie akzeptieren, dass sie über kurz oder lang nur noch die zweite Geige in der Welt spielen werden.“
    http://marx-forum.de/Forum/index.php?thread/774-die-nordkorea-drohung/&postID=4608#post4608

    Dieser Punkt ist von Wichtigkeit, weil nach „leninistischer“ Imperialismustheorie nur oder vor allem von dem aufstrebenden Land eine Kriegsgefahr ausgeht, während die imperialistischen Platzhirsche „defensiv“ seien.
    Schon Thukydides wusste das besser.

    Gruß Wal

  14. 14 Nestor 31. Januar 2018 um 11:04 Uhr

    @Wal Buchenberg

    Es ist etwas langweilig, die Leninsche Imperialismustheorie im 21. Jhd. mit heutiger Kriegsgefahr widerlegen zu wollen.

    Erstens war die schon damals verkehrt, als sie aufgestellt wurde, nicht nur wegen der von dir angeführten These.

    Zweitens ist Imperialismus keine Frage der „Weisheit“. Die Grundlage dafür ist nichts anderes als die ebenfalls fade und sehr untertänige Auffassung, daß die Philosophen die Welt regieren sollen und die immer von dem Gejammer begleitet ist, daß es leider nicht die Besten sind, die an die Macht kommen.

  15. 15 Nestor 31. Januar 2018 um 12:18 Uhr

    The Economist: Menschheit steht kurz vor dem Weltkrieg

    Das einflussreiche britische Wochenmagazin The Economist, das Karl Marx vor über 150 Jahren als das „europäische Organ der Finanzaristokratie“ beschrieben hat, widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem „nächsten Krieg“ und der „wachsenden Gefahr von Großmachtkonflikten“.

  16. 16 Krim 31. Januar 2018 um 13:32 Uhr

    „und wollen trotz ihres Scheiterns nicht einsehen, dass sie keine Weltmächte mehr sind.“

    Wieso sollte das Scheitern sie auch belehren? Kommunisten scheitern bis jetzt ja auch fast immer und ich hoffe sehr, dass sie das nicht belehrt, es sein zu lassen.

    Klar wenn man unmögliches versucht, wie fliegen ohne Hilfsmittel, kann das Scheitern schon ein Hinweis sein. Man sollte sich vernünftigerweise schon darüber klar werden, warum man scheitert und Schlüsse daraus ziehen. Aber so ohne weiteres spricht Scheitern nicht für aufgeben. Klar Imperialisten analysieren nichts der Sache nach, sondern die haben einfach ein Interesse, das sie versuchen durchzusetzen.

    „Mindestens seit dem Ende von WK II haben die USA haufenweise politische Instrumente entwickelt, um ihre ökonomischen Interessen,“

    Gut. Genauer wäre gewesen: „Weil sie die ökonomische Konkurrenz gegen China [mit ökonomischen Mitteln] nicht gewinnen kann.“ Das ist einfach meine Einschätzung.

  17. 17 Wal Buchenberg 31. Januar 2018 um 15:41 Uhr

    Hallo Nestor,
    ich habe diese Ausgabe vom „Economist“ vor mir liegen, und sie gab mir Anlass, meinen Text zu verfassen.
    Meine Grafik über Anzahl und Verbreitung der Atomsprengköpfe ist aus dieser Ausgabe.
    http://marx-forum.de/Forum/gallery/index.php?image/1004-atomm%C3%A4chte-und-atomprengk%C3%B6pfe-2017/
    Im Economist wird die Kriegsgefahr jedoch nur abstrakt beschrieben und aus dem neuen Pentagonpapier entwickelt. Kriegsgefahr entsteht nicht daraus, dass irgendein Staatsmensch etwas Kriegerisches äußert.
    Der Konflikt mit Nordkorea wird vom Economist auch völlig getrennt von der US-Konkurrenz mit China und Russland aufgeführt. Ich denke aber, Nordkorea soll den „Grund“ abgeben für eine Auseinandersetzung mit China:
    „Das Huhn schlachten, um den Affen zu erschrecken.“

  18. 18 Nestor 31. Januar 2018 um 18:03 Uhr

    Na ja, ich vermute doch, daß China Nordkorea nicht schlachten lassen wird. Übrigens werden da auch Rußland und Südkorea Einspruch erheben.

  19. 19 Nestor 05. Februar 2018 um 21:37 Uhr

    Zurück zum Syrien-Thema. Ein schon fast komischer Artikel in der „Zeit“, wo die russische Führung als machiavellische Drahtzieher hingestellt und die Machtlosigkeit und Bedrängnis der USA und Deutschlands beklagt werden:
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-01/syrien-einsatz-afrin-tuerkei-offensive-bundesregierung/seite-2

  20. 20 Nestor 08. Februar 2018 um 15:13 Uhr

    Lawrow redet von US-Plänen zur Teilung Syriens
    Er meint, sie wollen sich ihre kurdische Enklave halten, um von dort sowohl Druck auf die Türkei, als auch auf den Irak und Syrien ausüben zu können, und dem Iran möglichst nahe zu sein.
    (Komsomolskaja Pravda, 7.2. https://www.kp.ru/daily/26792.4/3826216/)

    Die syrischen Kurdengebiete – eine Aufmarschbasis gegen den Iran?
    Dafür wird offenbar der Westteil des Kurdengebietes der Türkei zum Fraß vorgeworfen …

    Im Osten haben die USA offenbar genaue Vorstellungen über die Grenzen ihrer Enklave:

    62 Tote und 100 Verwundete bei US-Luftangriff auf syrische Armee bei Deir ez-Zor
    Am Samstag sind mindestens 62 syrische Soldaten getötet und 100 weitere verwundet worden, als amerikanische Kampfflugzeuge einen Stützpunkt der syrischen Regierung auf dem Berg Al-Tharda nahe Deir ez-Zor bombardierten. Bemerkenswerterweise hat sich das amerikanische Central Command noch immer nicht für den Angriff entschuldigt, obwohl der Luftangriff es dem Islamischen Staat (IS) ermöglicht hat, den Stützpunkt kurze Zeit später zu erobern.
    https://www.wsws.org/de/articles/2016/09/20/syri-s20.html

  21. 21 Frage 11. Februar 2018 um 13:03 Uhr

    Stressbedingt kann ich mich selber um Infos über die Region derzeit nicht recht kümmern. Was ist dran – an der Neuaufmischung und -ausrichtung der syrischen Massaker: Israel will Iran in Syrien bekämpfen, die Türkei anscheinend die USA – oder wie oder was?

  22. 22 Nestor 11. Februar 2018 um 20:23 Uhr

    Keine der beteiligten Parteien will offenbar auf Eroberungen in Syrien verzichten.
    Die syrische Regierung versucht die Kontrolle über ihr Staatsgebiet wiederzuerlangen.

    Die Türkei beruft sich auf „Terrorismusbekämpfung“.
    Die USA wollen ihre Stützpunkte behalten.
    Israel betrachtet die Golanhöhen offenbar bereits als sein Staatsgebiet.

    Die Kurden geraten wieder einmal zwischen alle Fronten.

    Mehr kann ich den Meldungen auch nicht entnehmen.

  23. 23 Samson 13. Februar 2018 um 20:27 Uhr

    Schwer zu sagen, was man davon halten soll, Propaganda oder Säbelrasseln oder ‚Pfeifen im Wald‘.
    Rodong Sinmun Warns U.S. against „Bloody Nose Operation“
    „Days ago, the members of the National Security Council of the White House said at a closed meeting of U.S. experts on the Korean peninsula affairs that Trump is seriously discussing the „bloody nose operation“ and the limited attack on the DPRK will help Trump’s off-year election. This created quite a stir after its disclosure to the public.

    Against this background, domestic and foreign media, relating the „operation“ to the facts that the appointment of a person informally designated as the U.S. ambassador to south Korea was withdrawn for his rejection of Trump’s tough military plan and that the nuclear strategic assets and special units of the U.S. are being massively deployed in and around Korean peninsula, estimated that a military conflict may break out on the Korean peninsula in late March or early April after the Winter Olympics.“

    Kaum vorstellbar andererseits, dass die Amis plötzlich an ‚talks without preconditions‘ tatsächlich interessiert sein sollten. Es sei denn, sie hätten keine andere Wahl o.s.ä. …
    Washington Is Willing to Talk With North Korea, the South’s President Says
    „Dialogue with the North has been used by successive American administrations as a carrot — paired with the stick of sanctions — in the hopes of getting the isolated nation to end its nuclear weapons program. Until recently, Trump administration officials insisted no such meetings would take place until the North had first taken steps toward disarmament.

    President Trump recently described Mr. Moon’s overtures to the North Koreans as “appeasement.” And when Secretary of State Rex Tillerson said in December that the United States was willing to hold a “meeting without precondition,” the White House insisted his comments were premature.

    But in an interview with The Washington Post after he left South Korea, Mr. Pence suggested that the United States was open to a meeting, even indicating that it would enter talks without preconditions.

    “So the maximum pressure campaign is going to continue and intensify,” Mr. Pence said of the punishing sanctions imposed on the North by the United Nations. “But if you want to talk, we’ll talk.”“

  24. 24 Nestor 14. Februar 2018 um 20:28 Uhr

    Die Seriositaet der Medien ist heute dergestalt, dass man bei solchen Meldungen nicht weiss: ist was dran, wurde es als Provokation von den Politikern an die Medien geleakt oder haben letztere es frei erfunden?

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