Opiate in den USA

DROGEN

In den USA wurde der „sanitäre Notstand“ wegen der Welle der Abhängigkeit von Opiaten ausgerufen. Trump weigerte sich, einen nationalen Notstand auszurufen, obwohl er dergleichen im Sommer versprochen hatte. Der Unterschied liegt vor allem in den für die Bekämpfung der Notlage vorgesehenen Mittel, da im Falle eines nationalen Notstandes der Katastrophenfonds angezapft werden kann. Es ist also noch gar nicht klar, welche Folgen diese Erklärung haben wird und mit welchem Geld irgendwelche Maßnahmen finanziert werden sollen.

Der Gebrauch von Opiaten ist in den USA ständig gestiegen, besonders seit 2012. Im Jahr 2016 forderte er das Leben von 64 000 Personen. Viele andere überlebten nur aufgrund rechtzeitig rechtzeitig gegebener Spritzen mit einer Art Gegengift. In den USA wird die Abhängigkeit von Opiaten inzwischen als Epidemie bezeichnet. Sie betrifft keineswegs nur die Ghettos oder die Unterschicht, sondern hat längst die weiße Mittelklasse erreicht.

Es erscheint als Paradox, daß dasjenige Land, das seit Jahrzehnten einen Krieg gegen Drogen führt und es aufgrund dessen zu der höchsten Gefängnisbelegung pro Kopf der Bevölkerung auf der ganzen Welt gebracht hat, sich der Drogen und ihrer Folgen gar nicht erwehren kann.
Hier wiederholt sich die Erfahrung der „Prohibition“, der Zeit des Alkoholverbots, als sich herausstellte, daß Kontrolle, Strafe, Einsetzen von Agenten gegen den Alkohol nur den Konsum und die illegal gemachten Gewinne erhöhten und große Teile der Bevölkerung in die Kriminalität trieben.

Was ist der Unterschied und die Gemeinsamkeit zwischen illegalen und legalen Drogen? Beides sind Rauschmittel, oder Betäubungsmittel, je nachdem, die den Leuten notwendig erscheinen, um diese Gesellschaft auszuhalten. Der Gesetzgeber entscheidet sehr willkürlich darüber, welche davon erlaubt, welche unter Strafe gestellt werden.
Das ganze Verbotssystem von Drogen seit den 60-er Jahren war politisch motiviert:

„John Ehrlichman war von 1969 bis 1973 Nixons Chef-Berater für Innenpolitik und gehörte zu dessen innerem Zirkel. In einem Gespräch mit dem Journalisten Dan Baum im Jahre 1994 äußerte er sich über die innenpolitischen Motive für die spätere Proklamation des »War on Drugs«:
»Die Nixon-Kampagne 1968 und die folgende Regierung hatten zwei Feinde: Die linken Kriegsgegner und die Schwarzen. Verstehen sie, was ich damit sagen will? Wir wussten, dass wir es nicht verbieten konnten, gegen den Krieg oder schwarz zu sein, aber dadurch, dass wir die Öffentlichkeit dazu brachten, die Hippies mit Marihuana und die Schwarzen mit Heroin zu assoziieren und beides heftig bestraften, konnten wir diese Gruppen diskreditieren. Wir konnten ihre Anführer verhaften, ihre Wohnungen durchsuchen, ihre Versammlungen beenden und sie so Abend für Abend in den Nachrichten verunglimpfen. Wussten wir, dass wir über die Drogen gelogen haben? Natürlich wussten wir das!«“ (Wikipedia, War on Drugs)

Inzwischen entsteht der Eindruck, daß sich die Drogenbekämpfung irgendwie verselbständigt hat, und gar keinen politischen oder pseudo-gesundheitlichen Richtlinien mehr folgt. Sie dient der Polizei in Slumgegenden zur Rechtfertig ihrer Existenz durch Drangsalisierung der Slumbewohner und füttert das teilweise privatisierte Gefängniswesen mit neuem Frischfleisch. Auf den Konsum und Handel von illegalen Drogen selbst hat das alles wenig Einfluß.

Die andere Seite, die der legalen Drogen ist jedoch viel entscheidender. Die gescheiterte und in Obamacare gemündete Gesundheitsreform hat das grundlegende Problem des US-Gesundheitswesens nicht gelöst. Die Volksgesundheit ist ziemlich am Boden und kann aus den privaten Taschen des Proletariats nicht repariert werden. Eine Finanzierung via Sozialstaat ist in den USA von Haus aus nicht vorgesehen. Das führt dazu, daß viele Behandlungen unterbleiben. Vor allem Operationen werden hinausgeschoben, so lange es nur geht, oder unterbleiben ganz – lieber läßt man den Patienten einen natürlichen Abgang machen, das kommt billiger. Viele Gebrechen werden oft gar nicht richtig diagnostiziert, weil das bereits zu teuer käme. Krankenhäuser, Ambulanzen und andere öffentliche Einrichtungen müssen nämlich mit einem beschränkten Budget auskommen, was die Versorgung derer angeht, die ihre Behandlung nicht bezahlen können.
So werden Kranke aller Art mit Schmerzmitteln nach Hause geschickt, um sie loszuwerden. Und die wirksamsten Schmerzmittel sind nun einmal die Opiate. Die Pharmaindustrie freut sich, weil dadurch macht sie gute Geschäfte. Dazu trägt bei, daß es zum ordentlichen Behandeln der Patienten zwar nicht reicht, zum Subventionieren von Schmerzmitteln aber allemal.

In Folge dessen türmen sich in den amerikanischen Haushalten opiumhaltige Medikamente oder Opiumderivate aller Art und stehen der heranwachsenden Generation zur Verfügung, für die sie anscheinend als Einstiegsdrogen dienen.
Die zunehmende Verelendung und Perspektivlosigkeit, die inzwischen weite Teile der Mittelschicht ergriffen haben, tragen dazu bei, daß viele junge Leute bereitwillig diese Trostpflaster benützen und sich damit wegtörnen, so gut es geht.

Für weiteren Konsum stellt dann das Internet alles Gewünschte zur Verfügung. Sehr beliebt sind, was man so liest, Betäubungsmittel für Pferde und Elefanten. Die fahren anscheinend besonders ein. Und was das normale Internet an legalen Drogen nicht hergibt, kann man sich über das Darknet beschaffen, ein Netz von geheimen Websites, wo man sich alles Illegale beschaffen kann.

So präsentiert sich die Weltmacht Nr. 1 an dieser Front: Der ganzen Welt ihre Drogenpolitik aufnötigend, und mit höchster Rücksichtslosigkeit gegen die eigene Bevölkerung, deren Einsatzfähigkeit in Krieg und Frieden daher immer fraglicher wird.


50 Antworten auf „Opiate in den USA“


  1. 1 simply red 27. Oktober 2017 um 18:10 Uhr

    Die Nixon-Kampagne 1968 und die folgende Regierung hatten zwei Feinde: Die linken Kriegsgegner und die Schwarzen. Verstehen sie, was ich damit sagen will? Wir wussten, dass wir es nicht verbieten konnten, gegen den Krieg oder schwarz zu sein, aber dadurch, dass wir die Öffentlichkeit dazu brachten, die Hippies mit Marihuana und die Schwarzen mit Heroin zu assoziieren und beides heftig bestraften, konnten wir diese Gruppen diskreditieren. Wir konnten ihre Anführer verhaften, ihre Wohnungen durchsuchen, ihre Versammlungen beenden und sie so Abend für Abend in den Nachrichten verunglimpfen. Wussten wir, dass wir über die Drogen gelogen haben? Natürlich wussten wir das!

    Die sogenannten „Schwarzen“ waren damals die Handlanger der amerikanischen Mafia, das Bodenpersonal der großen Gangsterbosse, die in den Nachkriegsjahren noch gezögert haben ins Drogengeschäft einzusteigen. Handel und Vertrieb mit Drogen galt als viel zu gefährlich, allerdings waren die Gewinnmargen ins Geschäft einzusteigen verlockend. Das Kettenkarussel fuhr von den Drogenproduzenten in Südostasien nach Sizilien, wo das trockene Gewäsch von der einheimischen Cosa Nostra für den Verkauf aufbereitet, und auch bilanztechnisch von ihr für den Verkauf reingewaschen worden ist. Die „Schwarzen“, oder besser gesagt diejenigen in den USA die eigentlich nichts melden hatten, übernahmen den Verkauf in den Slums, und hatten mit Produktion und Vertrieb des „Schwarzen Goldes“ kaum einen direkten Berührungspunkt. Wenn schon nichts zu holen ist, dann zumindest mal mit dem Verkauf von Drogen ein paar Kröten einnehmen. Aber auf die „Schwarzen“ bzw. die Slumbewohner konnte wunderbar eingedroschen werden, wie es im Kapitalismus üblich ist.

  2. 2 Nestor 27. Oktober 2017 um 19:22 Uhr

    Es waren sicher nicht alle Schwarzen Dealer. Damals gabs ja eine Bürgerrechtsbewegung, und jede Menge Militanz gegen die Diskriminierung. Da kam das dann recht, daß manche Schwarze auch mit Drogen handelten.

    Die Cosa Nostra und verwandte Organisationen wurden im und nach dem 2. Weltkrieg auch für die Bekämpfung des Widerstands und der PCI eingesetzt, ähnlich wie das „Goldene Dreieck“ aufgrund der Unterstützung der Kuomintang mittels Drogenhandels eigentlich entstand und später dann seine Nützlichkeit im Vietnamkrieg zeigte.

    Es ist hier ähnlich wie mit dem Islam und seinen Fanatikern – solange sie den Interessen Amerikas dienen, werden sie benützt, auch wenn gleichzeitig in Medien gegen sie gewütet und mit der Justiz gegen sie vorgegangen wird.

  3. 3 simply red 27. Oktober 2017 um 22:01 Uhr

    Die Cosa Nostra und verwandte Organisationen wurden im und nach dem 2. Weltkrieg auch für die Bekämpfung des Widerstands und der PCI eingesetzt, ähnlich wie das „Goldene Dreieck“ aufgrund der Unterstützung der Kuomintang mittels Drogenhandels eigentlich entstand und später dann seine Nützlichkeit im Vietnamkrieg zeigte.

    Die „Cosa Nostra“ ist eine Bezeichnung für die amerikanische Mafia, eigentlich eine Bezeichnung die sie sich selbst zugelegt (möglicherweise sinngemäß übersetzt „unsere Sache“) haben sollte. Die sizilianische Mafia scheint dieses Selbstbekenntnis zur „eigenen Sache“ (Cosa Nostra) erst nach dem 2. Weltkrieg von den amerikanischen Brüdern zugelegt zu haben. Möglicherweise ist die Wurzel dieser Tradition/Selbstbezeichnung aber älter, und sogar von einer älteren sizilianischen Tradition übernommen worden. Wie dem auch sei, Belege für die Existenz der sizilianischen Mafia deuten auf das 19. Jahrhundert zurück, möglicherweise ist sie sogar früher entstanden. Die Existenz der Mafia ist zugleich mit dem Scheitern des italienischen Staates in Sizilien ein (allgemein anerkanntes) Gewaltmonopol zu etablieren zu erklären. Und nicht umgekehrt, die Mafia ist gerade nicht von staatlichen Strukturen instrumentalisiert/ins Leben gerufen worden. Dort wo der Staat scheitert oder schwach ist, hat die Mafia die Oberhand gewonnen. In gewissen Grenzen war dies dem Staat sogar nicht Unrecht, vor allem weil die Mafia in gewisser Hinsicht für die Existenz von Ordnungsstrukturen gesorgt hat, wo der Staat gescheitert ist bzw. drohte zu scheitern.

  4. 4 Nestor 27. Oktober 2017 um 23:30 Uhr

    Also wenn wir schon bei der Mafia sind: Die Mafia heißt ja in Italien auch „Sottogoverno“, Sub-Regierung.

    Ich würde es nicht so sehen, daß dort der Staat „gescheitert“ wäre, oder „schwach“ war. Der italienische Mezzogiorno ist vielmehr ein Ergebnis der Einigung Italiens und des Beschlusses derer, die sie betrieben haben, Cavour, Vittorio Emanuele und die ganze Bande, sich sozusagen ein Arbeitskräfte- und Rohstoffreservoir zu schaffen zur Entwicklung des Piemont. Sie haben sich gegen andere Konzepte Mazzinis und Garibaldis durchgesetzt, die auf republikanischer Grundlage ganz Italien irgendwie modernisieren bzw. entwickeln wollten. (Ob das überhaupt möglich gewesen wäre, sei hier dahingestellt.)

    Es ist eine gängige Ansicht, daß Süditalien etwas fehlt oder dort etwas „schiefgegangen“ ist. Aber das ist eine gewisse Blauäugigkeit gegenüber dem Kapitalismus, der immer schon regional orientiert war. Das ganze Land braucht es bloß als Markt, aber produziert wird dort, wo die Gegebenheiten günstig sind oder wo schon etwas ist.

  5. 5 Michael Hübner 28. Oktober 2017 um 4:12 Uhr

    Schön wär`s,
    wenn z.B. in den USA allmählich die Arbeitskräfte bzw. Soldaten ausgingen.
    Allerdings rekrutieren sich die Drogenabhängigen meist aus den kapitalistisch „Überflüssigen“, die weder für die Produktion noch den Krieg gebraucht werden.
    (Deshalb sind beim Militär bereits seit einiger Zeit vor allem besser ausgebildete Spezialisten gefragt, da heutzutage eine relativ kleine Einheit z.B. mit einer Rakete mehr Schaden anrichtet als früher Tausende von Soldaten.)

    Daran wird weder der Kapitalismus noch der Imperialismus scheitern.
    Am sog. Wertgesetz allerdings schon.
    Doch nicht derart, daß der Kapitalismus einfach zusammenbricht, sondern die heutige Finanz- und Weltwirtschaftskrise in einem 3.Weltkrieg endet.
    (Ähnlich wie bereits vorher der 1. und etwas später vor allem der 2.Weltkrieg, denen bekanntlich auch eine kapitalistische Krise vorausgegangen ist.)

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Dann gibt es übrigens auch wieder „Vollbeschäftigung“.
    Nur was für eine.
    (Ironie aus.)

  6. 6 Frage 28. Oktober 2017 um 7:52 Uhr

    Die Neuausrichtung der US-Außenpolitik unter Trump überprüft alle Elemente der Außenpolitik. In Bezug auf das Militärpersonal sowohl z.B. die Rekrutierung mittels militärischem kindergarten- und College-mäßigem Begleiten der demokratischen Aufzucht – und auch eben das sonstige Militär-Personal, das benutzbar sein muss. Auch die High-Tech-Spezialisten kann der Staat nicht selber genmäßig herselektieren und ausbrüten lassen, sondern er benutzt bekanntlich das vorhandene Menschenmaterial der vorhandenen US-Bevölkerung.

    Gibt es in den USA also so etwas wie eine Unzufriedenheit mit dem Militärpersonal (die einen wichtigen, wenn ncht d e n, Anlass für Trumps Debatte bieten würde)?
    America First – ist ja ein Programm, das erarbeitet sein will (und sind nicht bloße Worte).

  7. 7 Michael Hübner 28. Oktober 2017 um 9:07 Uhr

    Hallo „Frage“,
    mir ist nicht bekannt, daß es in den USA eine größere Unzufriedenheit mit dem Militärpersonal gibt.

    Zumindest TRUMP lobt das US-Militär in den höchsten Tönen und ist – wie auch bereits seine Vorgänger – der Ansicht, daß das amerikanische Militär das Beste ist, was die USA haben.

    Zudem ist das US-Militär wie eine „Familie“ aufgebaut, die rundherum für die Angehörigen (auch nach deren Dienstzeit) sorgt.
    Deshalb ist das Militär für viele Amis attraktiv, auch wenn die meisten oftmals gar nicht wissen, um was es geht und etliche nicht gerade die tollsten „Patrioten“ sind.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Die einzige Kritik war bislang, daß die Vorgänger-Regierungen das US-Militär vernachlässigt hätten, weshalb eine der ersten Amtshandlungen von Trump und den Seinen bekanntlich war, den sowieso schon enormen Militäretat nochmals kräftig zu erhöhen.

    PS2: Selbst der derzeit noch gelegentliche Rückflug in einem Plastiksack mit anschließender Beerdigung auf einem amerikanischen Soldatenfriedhof ist „all inklusive“.
    (Während so manche amerikanische Witwe sich über die ihr zustehende Pension freut.)

  8. 8 Frage 28. Oktober 2017 um 9:47 Uhr

    Mag sein, dass Ausgangspunkt nicht die strengere Messlatte, angelegt an das US-Militärpersonal, war. (Auch hierzulande wird ja schärfer nachgeschaut, wie die Soldaten insgesamt aufgestellt sind.)

    In der hiesigen Presse wird es so dargestellt, dass Medikamentengebrauch, Drogengebrauch und Alkoholismus zu einer Form der Verwahrlosung in den USA geworden sei, die auch die „Familienarbeit“ und Reproduktion der US-Bürger dermaßen übermäßig strapaziere, dass deren Benutzungsfähigkeit für Staat und Ökonomie darunter leide. Ist das nun ein wirkliches US-Problem – oder nur vorweihnachtliches Gewäsch?

  9. 9 Michael Hübner 28. Oktober 2017 um 10:10 Uhr

    Hallo „Frage“,
    das in der hiesigen Presse geschriebene ist oftmals mit einer (zumal seit Trump Präsident ist) „anti-amerikanischen Brille“ gefärbt.
    (Bekanntlich ist es für deutsche NationalistInnen – und das sind die meisten JournalistInnen in den sog. Leitmedien – nirgends so schön wie in Deutschland.)

    Als neulich z.B. Amazon einige Arbeitskräfte suchte (die zwar besser als der derzeitige amerikanische „Mindestlohn“, aber nicht sonderlich gut bezahlt wurden), haben sich derart viele BewerberInnen gemeldet, daß die Polizei einen ganzen Straßenzug absperren mußte.
    Von kaum mehr arbeitsfähig war jedenfalls nichts zu sehen.

    Grüße
    Michael Hübner

    Und nicht zu vergessen:
    Die USA haben derzeit über 300 Millionen Einwohner.
    Selbst wenn ein Drittel ausfallen würde, blieben immer noch mehr als genügend übrig.
    Zumal bereits Millionen andere warten (z.B. an der mexikanischen Grenze und auch weltweit), ein Arbeitsvisum in den USA zu erhalten.
    So schnell geht der Nachschub an brauchbaren und auch willigen Arbeitskräften nicht aus.

    PS: Heutzutage ist (auch in den USA) mehr das Gegenteil das Problem.
    Es gibt weltweit zuviele Menschen, die für die Kapitalverwertung nicht mehr gebraucht werden, die „kapitalistisch Überflüssigen“.
    (Deshalb auch die zunehmenden Drogenabhängigen und sonstige Verwahrlosungen bzw. Verelendungen.)

  10. 10 simply red 28. Oktober 2017 um 10:22 Uhr

    Ich würde es nicht so sehen, daß dort der Staat „gescheitert“ wäre, oder „schwach“ war. Der italienische Mezzogiorno ist vielmehr ein Ergebnis der Einigung Italiens und des Beschlusses derer, die sie betrieben haben, Cavour, Vittorio Emanuele und die ganze Bande, sich sozusagen ein Arbeitskräfte- und Rohstoffreservoir zu schaffen zur Entwicklung des Piemont.

    Staat und Mafia haben sind schon von Anfang an in Sizilien, aber nicht nur dort in Italien, in eine Konkurrenzsituation zueinander gestanden. Aber dort wo das Zusammenleben miteinander unvermeidlich war, ist daraus auch eine Zusammenarbeit und manchmal auch eine (oft genug personelle) Symbiose entstanden. Natürlich befindet sich ein Staat in einer Konkurrenzsituation mit dem organisierten Verbrechen bzw. der Mafia, vor allem deswegen weil der Staat das Gewaltmonopol für sich beansprucht.

    Sizilien ist in einem Gewaltakt mehrfacher militärischer Interventionen Italien einverleibt worden, und keineswegs in einem „Einigungsprozess“ friedlich zustande gekommen. Es gab über Jahrhunderte hinweg in mehr oder minder kurzen oder längeren Abständen Rebellionen, die teilweise sogar sozialistisch gefärbt waren. Die Wirtschaft war zum Zeitpunkt der gewaltsamen Einverleibung Siziliens in erster Stelle primitive landwirtschaftliche Produktion, und lag nieder. Eine ursprüngliche Akkumulation war in Sizilien gerade erst im Entstehen begriffen. Und gerade unter diesen Bedingungen hat der neue Staat Italien die Zusammenarbeit mit der Mafia gebraucht. Eine Organisation, die wieder Ordnung, Unterordnung und gewaltsame Niederschlagung sozialistischer Tendenzen, in Zusammenarbeit mit den Staatsorganen, zustande bringen könnte. Der neue Gewaltmonopolist sah seinen monopolistischen Verfügungsanspruch bestritten, stand einem feindlichen Volk gegenüber, der sich mit diesem Staat nicht identifizieren bzw. arrangieren wollte. Die Mafia wiederum bzw. das organisierte Verbrechen war an einer florierenden Geschäftsgrundlage interessiert. Was wiederum eine Absage an Sezession, Unabhängigkeitskriegen oder Sozialismus und in einem (zeitweilig) geduldeten Arrangement mit der politischen Macht (wie immer sie ausgesehen hat) gemündigt hat.

  11. 11 Frage 28. Oktober 2017 um 10:24 Uhr

    Also – why?

  12. 12 simply red 28. Oktober 2017 um 10:44 Uhr

    Zumindest TRUMP lobt das US-Militär in den höchsten Tönen und ist – wie auch bereits seine Vorgänger – der Ansicht, daß das amerikanische Militär das Beste ist, was die USA haben.

    Ja Trump lobt das amerikanische Militär, weil er eben der Ansicht ist, dass in der politischen Konfrontation bzw. Zusammenarbeit, in der Diplomatie, in der jüngeren Vergangenheit die Schlagkraft des US-Militärs nicht genügend in die Waagschale gegen andere Mächte geworfen worden ist. Das sie seiner Ansicht nach nicht genügend Erfolge erzielt haben sieht man schon daran, dass er eine große Anzahl an Personal des politischen Establishments schon von Anfang an entlassen hat, und nach neuen Personal Ausschau hält.

    Jetzt merkt Trump, dass die aus seiner Sicht unzureichenden Erfolge nicht der mangelhaften Durchschlagskraft der USA zu verdanken hat, sondern dass sich ganz einfach das Machtpotential der USA sich verändert, vielleicht sogar im Vergleich zu Anderen gesunken ist (Stichwort Verlagerung der Wirtschaftskraft der USA in den Finanzsektor, Aufstieg neuer Wirtschaftsmächte, Verlagerung internationaler Machtstrukturen und Zusammenarbeit)

    Ich bin mir allerdings auch überhaupt nicht sicher, ob das amerikanische Militär den politischen und kriegsträchtigen Herausforderungen gewachsen ist. Gefragt ist immer öfter eine Art der Dezentralisierung, eine höhere Flexibilität und Mobilität, im Denken und auch in der militärischen Ausrichtung der Soldaten. Ob da ein schwerfälliger, mit allem möglichen technischen Rüstzeug ausgestatteter GI, dem eingebläut worden ist, dass er in der „besten aller möglichen Welten“ lebt damit zurecht kommt, möchte ich mal in Frage stellen.

  13. 13 Michael Hübner 28. Oktober 2017 um 11:38 Uhr

    Hallo „Frage“,
    ich rate einfach `mal, was Du mit „why?“ gemeint haben könntest.

    Der Grund für den von Trump ausgerufenen „sanitären Notstand“ ist weniger, daß in den USA aufgrund der Drogenproblematik die Arbeitskräfte bzw. Soldaten ausgehen würden.

    Sondern vielmehr die Sorge um die „öffentliche Ordnung“, da sich weitgehend „ausgemusterte“ Menschen meist nicht einfach ihrem kapitalistischen Schicksal ergeben und sterben.
    Sondern z.B. kriminell werden oder ähnliches und damit auch das „normale“ Leben durcheinander bringen können.
    (Von gelegentlichen sog. Amokläufern usw. einmal abgesehen.)

    Zudem ist es auch in den USA derzeit noch nicht üblich, Menschen einfach z.B. auf der Straße verrecken zu lassen.
    Was wiederum Kosten verursacht, welche den amerikanischen Staatshaushalt belasten.
    Das alles möchten Trump und die Seinen „eindämmen“.

    Grüße
    Michael Hübner

    An „simply red“:
    Ja, bislang hat Trump vor allem die vorherige Regierung unter Obama und auch deren Vorgänger für die – zumindest aus seiner Sicht – Fehler der Vergangenheit verantwortlich gemacht und nicht das Militär.

    Um die von Dir sonst aufgeworfenen Fragen, würde ich mir weniger Gedanken machen.
    Jedenfalls sind die USA weiterhin entschlossen, ihre bisherige globale Vormachtmachtstellung keinesfalls aufzugeben.

    Zumal aufgrund von deren riesiger Verschuldung schon allein ökonomisch kein „zurück“ bzw. eine (vor allem von Russland und China, aber auch anderen Staaten vertretene) „multipolare Welt“ möglich ist.
    Ansonsten würde deren Ökonomie, die im wesentlichen noch auf den US-Dollar als weltweite sog. Leitwährung basiert, endgültig zusammenbrechen.
    Und um die Welt weitgehend in Schutt und Asche zu legen, haben die USA noch immer (trotz eines wirtschaftlichen Niedergangs) genügend – notfalls auch atomare – Mittel.

  14. 14 simply red 28. Oktober 2017 um 11:56 Uhr

    Zumal es aufgrund von deren riesiger Verschuldung schon allein ökonomisch kein „zurück“ bzw. eine (vor allem von Russland und China, aber auch anderen Staaten vertretene) „multipolare Welt“ gibt.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht was du mit „zurück“ meinst. Du meinst, dass hier eine historische Komponente ausgespielt wird. Das wird schon so sein, allerdings glaube ich nicht an einen finalen Zusammenbruch oder an einem finalen „wir oder die Anderen“. Dafür haben auch die Staaten eine Menge Geld in die Märkte gepumpt. Genauso wie Kapital nach einer Überproduktion vernichtet, sich neu bildet und verwertet, transformieren sich die zwischenstaatlichen ökonomischen Verhältnisse und Beziehungen zwischen den Staaten. Ja, Krieg gibt es, kriegsträchtige Zwecke, Anlässe und Gefahren lauern überall. Der Weltmarkt, den die USA mit Freihandel in Fahrt gebracht haben, verträgt sich aber immer seltener mit „Weltkriegen“ und schon gar nicht sehe ich ein, was sich die USA davon versprechen bzw. haben könnten einen Weltkrieg vom Zaun zu brechen.

  15. 15 simply red 28. Oktober 2017 um 12:03 Uhr

    Nochmal zum obigen Kommentar, die USA sind natürlich permament dabei die internationalen Markt- und Staatsbziehungen neu zu ordnen, neu zu organisieren, andere Staaten zu erpressen, führen Kriege usw.. Aber einige Linke sollten nicht immer so tun, als ob die USA permanet untätig sind, und dann irgendwann die Initiative ergreifen werden, um einen neuen Zustand bzw. Zweck zu etablieren.

  16. 16 Michael Hübner 28. Oktober 2017 um 12:28 Uhr

    Hallo „simply red“,
    mit „zurück“ meinte ich ein „Schrumpfen“.
    Was zwangsläufig wäre, falls die USA ihre bisherige Hegemonie aufgeben würden.

    Vereinfacht ausgedrückt befinden diese sich in der Lage eines „Junkies“, der laufend neuen „Stoff“ braucht, um nicht durchzudrehen bzw. zu sterben.
    Während der „Stoff“ im Kapitalismus nunmal das Kapital ist, das sich weiterhin gerne (trotz des offensichtlichen Niedergangs und auch mangels Alternativen) in den USA bzw. an der „Wall Street“ anlegt.
    Letztlich ist der US-Dollar heutzutage „Plutonium-gedeckt“, d.h. die sog. Finanzmärkte verlassen sich einfach darauf, daß es die USA schaffen werden (wie bereits nach dem 1. und vor allem auch 2.Weltkrieg), die Welt erneut derart einzurichten, daß die Geschäfte wieder florieren.
    Nur noch deshalb können sich die USA weiterhin verschulden.

    Zudem empfehle ich Dir, den Vortrag von Peter Decker (z.B. auf „youtube“) zum Thema „Krise, Krisenkonkurrenz, Gewaltkonkurrenz, Krieg“ anzuhören, in dem sehr gut die Zusammenhänge erklärt werden.

    Derart rational (wie Du anscheinend meinst) ist das alles nicht, zumal wenn es sich um die Frage von „Krieg und Frieden“ dreht.
    Spätestens dann wird nicht mehr gerechnet, ob sich das lohnt.
    Zumal sich – wie die allermeisten heutigen Menschen – auch Trump und die Seinen gar keine andere Welt vorstellen können.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Würden die großen „Führer“ (zu denen sich auch Trump zählt) wirklich klug und vernünftig sein bzw. rational handeln, hätte es keinen 1. bzw. 2.Weltkrieg und auch die meisten anderen Kriege nicht gegeben.

    PS: Während Russland zwar eine Atommacht ist, aber wirtschaftlich wenig zu bieten hat.
    Umgekehrt bei China.
    Diese hätten zwar wirtschaftlich mehr zu bieten, liegen aber rüstungstechnisch noch um einiges hinter den USA.
    Und auch der EURO sowie der japanische YEN sind bekanntlich nicht mehr sonderlich solide.

  17. 17 simply red 28. Oktober 2017 um 13:11 Uhr

    Zudem empfehle ich Dir, den Vortrag von Peter Decker (z.B. auf „youtube“) zum Thema „Krise, Krisenkonkurrenz, Gewaltkonkurrenz, Krieg“ anzuhören, in dem sehr gut die Zusammenhänge erklärt werden.

    Ehrlich gesagt habe ich mir den Vortrag schon zugeführt, und ich fand ihn trotz einiger guter Ausführungen eher enttäuschend. Habe ihn allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr angehört.

    „PS: Würden die großen „Führer“ (zu denen sich auch Trump zählt) wirklich klug und vernünftig sein bzw. rational handeln, hätte es keinen 1. bzw. 2.Weltkrieg und auch die meisten anderen Kriege nicht gegeben.

    Naja, ein Zweck kann im Sinn wie er üblicherweise verwendet wird „unvernünftig“ sein oder auf dessen Grundlage hin Schaden verursachen. Aber auch in schädlichen oder unvernünftigen Zwecken haust oft eine im Sinne einer nachzuvollziehenden Verlaufsform Logik oder Rationalität (z.B. Kapitalakkumulation auf Grundlage der Zwecks des Profits). Jedenfalls haben die Staaten nach Ende des 2. Weltkriegs sich eine Strategie angelegt (in erster Linie die USA), welche den Handel überspitzt formuliert freigegeben hat. Im Grunde genommen haben sie sich damit Grenzen der Ausübung von Staatsgewalt auferlegt, und deutlich herausgestellt auf welcher ökonomischen Grundlage sie darüber hinaus Gewalt ausüben.

  18. 18 Michael Hübner 28. Oktober 2017 um 13:40 Uhr

    Hallo „simply red“,
    das Problem ist, daß die meisten heutigen Menschen (auch „Linke“) nicht verstanden bzw. begriffen haben, daß der Kapitalismus nicht (wie im Buddhismus) die ewige Wiederkehr des Immergleichen ist (wie z.B. auch der GSP meint), sondern sich seit seinen Anfängen vor ca. 2-300 Jahren bis heute entwickelt hat.
    (Auch wenn dieser „im Kern“ weitgehend derselbe geblieben ist.)

    Es ist wirklich absurd, in der seit 2007 offensichtlich gewordenen und sich seitdem weiter verschärfenden Finanz- und Weltwirtschaftskrise eine der üblichen Krisen zu sehen, denen – vor allem nach der Entwertung des überschüssigen Kapitals – wieder ein Aufschwung folgt bzw. anschließend alles wieder von vorne beginnt und im wesentlichen so weitergeht wie bisher.
    (Obwohl es bereits bei der vorherigen Finanz- und Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren nicht mehr weiterging und es erst einen 2.Weltkrieg gebraucht hat, um aus der Krise wieder herauszukommen.)

    Bekanntlich wäre der Kapitalismus bereits zusammengebrochen, wenn nicht die Staaten (sei es mittels der Notenbanken, Bankenrettungen, sog. Rettungsschirmen zur Abwendung von drohenden Staatsbankrotten usw.) massiv mit Unsummen von Geld (bislang einige Billionen) eingegriffen hätten.
    (Und übrigens bis heute laufend „frisches Geld“ vor allem in die Finanzmärkte pumpen, um einen Zusammenbruch zu verhindern.)

    Das allerdings hat bereits längst nichts mehr mit der kapitalistischen Ökonomie als solche zu tun, sondern ist eine „außer-ökonomische“ Notmaßnahme.
    (Die zudem bislang zwar den Zusammenbruch weitgehend verhindert, aber kein neues kapitalistisches Wachstum, ohne das der Kapitalismus auf Dauer nicht existieren kann, geschaffen hat.)

    Kurzum:
    Natürlich haben wir es heute mit der finalen Krise des Kapitalismus zu tun, aus der es innerhalb der bestehenden Verhältnisse keinen Ausweg mehr gibt.
    Was allerdings nicht in einem Zusammenbruch, sondern in einem 3.Weltkrieg endet.

    Obwohl es zu diesem Thema noch viel zu schreibe gäbe, belasse ich es erstmal dabei.
    Jedenfalls ist das der Grund, warum die Welt zunehmend irrationaler wird.

    Grüße
    Michael Hübner

  19. 19 Ohnmacht 28. Oktober 2017 um 19:11 Uhr

    M.H., ich lese hier ab und an rein und dann stolpere ich immer wieder über deine Textbausteine zum Untergang der Welt und den Niedergang der letzten Kommunisten, die man notgedrungen mitliest, weil man der Diskussion folgen will. Das ist einfach nur lästig. Nimm zur Kenntnis, dass deine Message angekommen ist, und verschone uns in Zukunft mit diesen Hiobsbotschaften. Das braucht kein Mensch.

  20. 20 Nestor 28. Oktober 2017 um 21:45 Uhr

    Lassen wir einmal den Weltuntergang weg, seids so gut.

    Zu der Debatte wegen des Militärs:
    Es gab vor ein oder 2 Monaten Berichte über die Flotte, nachdem ein US-Militärschiff irgendwo bei der Straße von Malakka mit einem zivilen Frachter zusammengekracht ist. Darauf wurde irgendein höherer Kommandant abgelöst, und es kommt heraus, daß es zumindest bei der Flotte gröbere Nachwuchsprobleme gibt.
    Irgendwelche Underdogs kann man immer anwerben, so wird an Schulen für Unterschichtler massiv Propaganda gemacht, doch zum Heer zu gehen. Nur scheint das Menschenmaterial, das auf diese Art und Weise gedungen wird, mit den komplexen Aufgaben bezüglich Bedienung von Gerät und Erkennen von komplexeren Zusammenhängen etwas überfordert zu sein.
    Vorige Woche wurden Piloten aus der Reserve bzw. Pension zurückgerufen, weil das Militär einen extremen Pilotenmangel hat.
    Also auch die Luftwaffe kämpft mit Personalproblemen.

    Weiters erinnere ich mich an Berichte von Veteranen und Krüppeln, wo die einen auf der Straße als Obdachlose und die anderen in einem schleißig geführten Militärspital vor sich gammeln. Daß sich das Militär so rührend um seine Angehörigen kümmert, kann also nicht ganz stimmen.
    Ich nehme an, es gibt hier zwei verschiedene Abteilungen. Das eine sind diejenigen, die sich für eine Militärkarriere entscheiden und Berufssoldaten werden. Die machen eine mehrjährige Ausbildung zu irgendwelchen Spezialisten und werden auch entsprechend entlohnt und versorgt.
    Die anderen sind eine Art Söldner, die sich auf Zeit verpflichten und nachher vom Apparat irgendwie ausgespien werden.
    Letztere gibt es vermutlich zum Saufüttern, bei ersteren scheint es aber inzwschen Engpässe zu geben.

    Daß Trump das Militär „großartig“ findet, besagt gar nichts über dessen Zustand. Erstens findet der Mann ja sehr viel großartig. Zweitens will er sich mit dem Militär nicht verscherzen, da er von anderer Seite aus den Institutionen viel Gegenwind kriegt – Geheimdienste, Justiz, eigene Partei – und sich wenigstens mit dem Pentagon gutstellen will. Drittens ist es aber wirklich nicht Sache des Präsidenten, sich mit der Rekrutierung und Ausbildung der Soldaten herumzuschlagen.

    Man muß also die zwei Dinge auf jeden Fall trennen. Also was beim Militär los ist und ob die wirklich Personalprobleme hat, und zweitens, wie der Präsident das kommentiert.

  21. 21 Nestor 28. Oktober 2017 um 21:58 Uhr

    @simply red

    Ich wäre dafür, die Debatte über Italien zu schließen, weil sie nicht hierher gehört.

    Wir sind ja nicht so weit auseinander. Natürlich war der Einigungsprozeß Italiens holprig. Welcher nicht? Auch derjenige Deutschlands war es. Von Polen ganz zu schweigen. Andere Staaten wiederum sind aus Abspaltungsprozessen entstanden

    Worauf ich hinaus wollte, ist, daß der Zustand Süditaliens sich einem Beschluß der wesentlichen Subjekte der Einigung schuldet. Sie sagten damals: der Süden soll für uns nützlich sein.Es mag sein, daß der ganze Zustand des Südens – Feudalismus, Mafia, rebellische Untertanen, Analphabetismus usw. – sie dabei beeinflußt hat. Wir holen dort heraus, was wir können, sagten sie. Und so ging es geraume Zeit weiter.
    Nach dem 2. Weltkrieg gab es Versuche verschiedener italienischer Regierungen, den Süden industriell zu entwickeln, die alle im Sand verlaufen sind. Aber da waren eben alle Züge schon abgefahren. Die internationale kapitalistische Konkurrenz machte diese Versuche zunichte. Der Weltmarkt hatte keine Absorptions-Kapazitäten für eine zusätzliche Industrie im Mezzogiorno.

  22. 22 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 0:10 Uhr

    Hallo Ohnmacht,
    noch eine Erwiderung auf Deine Antwort auf meinen obigen Kommentar:
    Du gehörst anscheinend auch zu den Menschen, die meinen, sonderlich klug zu sein, allerdings kaum etwas von der Welt, in der wir leben, wirklich verstanden bzw. begriffen haben.

    Während Deine eigene Webseite bereits längst tot ist, da mit solchen Menschen kaum noch jemand etwas zu tun haben möchte.
    Und dann schreibst Du auch noch von „uns“, obwohl Du in Wirklichkeit nur Deine Meinung vertrittst.
    Das ist Unwissenheit bzw. Dummheit, die wie meist mit einer Arroganz bzw. Überheblichkeit gepaart ist.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Zumal Du anscheinend nicht einmal zwischen der kapitalistischen bzw. bürgerlichen Welt (die nur eine von mehreren möglichen Welten ist und tatsächlich kaum mehr eine Zukunft hat) und der Welt als solche unterscheiden kannst.
    (Ansonsten würdest Du nicht einen derartigen Unsinn schreiben, daß ich von einem „Untergang der Welt“ geschrieben hätte.)
    Zudem bleibt es Dein Geheimnis, warum das eine „Hiobsbotschaft“ sein soll.
    Außer, Dir liegt am Kapitalismus derart viel, daß Du diesen unbedingt erhalten möchtest.

  23. 23 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 2:05 Uhr

    Noch an Nestor:
    Was Du zum US-Militär zuletzt geschrieben hast, stimmt schon.
    Natürlich richten sich die Versorgungsansprüche der Soldaten und deren Angehörige nach der Dienstzeit, Dienstgrad usw.

    Allerdings sind diese relativ umfassend.
    So unterhält das amerikanische Militär z.B. eigene Altersheime für sog. Veteranen, während die Soldaten und deren Angehörige auch noch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst die militäreigenen Einrichtungen wie Krankenhäuser usw. nutzen können.
    Zudem stellen viele US-Unternehmen bevorzugt Leute ein, die beim Militär gedient haben.

    Wie auch immer.
    Jedenfalls würde ich mich nicht darauf verlassen, daß der nächste Krieg an einer mangelnden Einsatz- bzw. Kampfbereitschaft des Militärs scheitert.
    (Diese haben weiterhin – vor allem auch im Staatshaushalt bzw. der Verteilung der Mittel – absolute Priorität.)

    Während die Zerschlagung Jugoslawiens wirklich nicht mit der derzeitigen Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien zu vergleichen ist.
    Einerseits hatten damals z.B. Kroatien, Slowenien usw. bekanntlich mächtige Unterstützer im Ausland (an vorderster Front Deutschland und noch einige andere Staaten) – ansonsten hätten kaum Waffen im Kofferraum von Autos über die österreichische bzw. ungarische Grenze eingeführt werden können – und andererseits brauchte es sogar noch einen Krieg der USA bzw. NATO, um das heutige Ergebnis herzustellen.

    Zudem gab es im damaligen Jugoslawien eine Besonderheit, daß nicht nur der Staat, sondern auch das Militär förderal gegliedert war.
    Was wiederum heißt, daß die früheren Teilrepubliken nicht nur eine eigene regionale Polizei, sondern – nach der Erklärung der Unabhängigkeit – auch ein eigenes Militär hatten.
    (Das zudem noch massiv aus dem Ausland unterstützt wurde.)
    Das alles hat Katalonien nicht.

    Grüße
    Michael Hübner

  24. 24 Jacko 29. Oktober 2017 um 8:50 Uhr

    Die Linie von Trump ist ja wohl, dass staatliche Zahlungen für „sozial Schwache“ zurückgefahren werden sollen, weil, das würde andernfalls nur die segensreiche Konkurrenz schwächen, und der US-Staat solle sich stattdessen auf seine wichtigen Aufgaben konzentrieren.
    (Das sei dadurch dann auch – das Beste für die Armen…)

    http://www.taz.de/Donald-Trumps-Erlass-zu-Obamacare/!5454974/

    Da es angesichts der Debatte um Rassismus in den USA auch Haltung des Präsidenten ist, demgegenüber den Patriotismus hochhalten zu wollen, ist es auch ein Fingerzeig auf einen anderen Verursacher:
    Drogen, Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch, die sind es, die machen unser Land kaputt.

    [Und wo kommen die her: aus den Latino-Ländern.
    Dort stehen also Aufgaben an.
    Für die dortigen Regierungen…
    Ansonsten gilt es: die heimische US-Moral zu stärken.]

    Die „sozial Schwachen“ in den USA kriegen jedenfalls kein Geld.
    Sondern einen Gedanktag 2017 ausgerufen.
    (Denn was ist es sonst, wenn der „nationale Notstand“ ausgerufen wird, aber explizit kein Geld deswegen von der Regierung mehr ausgegeben werden soll???)

  25. 25 Ohnmacht 29. Oktober 2017 um 10:51 Uhr

    Trump bemüht die Klassiker der volksmoralischen Erbauung, wenn er neben den äußeren auch die inneren Feinde seines nationalistischen Programms „Make America Great Again“ festmachen will.

    Zynisch zu seiner Ausrufung des Gesundheitsnotstandes und der großangekündigten Bekämpfung der landesweiten Medikamenten- und Drogensucht verhält er sich nicht nur dadurch, dass er keine zusätzlichen Haushaltsmittel dafür bereit stellen will, sondern auch, dass er bisher immer damit angegeben hat, so viele Vorschriften zu streichen wie kein Präsident vor ihm, um sein Versprechen des Jobwunders einzulösen. Im Zuge dessen kündigte er auch die Lockerung der bislang recht strengen Medikamentenzulassung an.

    Ein weiterer praktizierter Zynismus ist, wie Nestor eingangs schildert, dass die Verschreibung von Opiaten bisher eine probate Methode war, die kostenträchtige Diagnose und Behandlung der körperlichen Wehwehchen durch Schmerzunterdrückung einzusparen. Da Trump nach wie vor gegen die Gesundheitsreform der Vorgängerregierung wettert und Obamacare durch die Streichung staatlicher Zuschüsse an Krankenkassen untergräbt, offenbart er doch, dass er an diesem medizinischen Verfahren der oberflächlichen Versorgung eigentlich nichts auszusetzen hat.

    Trump will nur die Schuld an dem Dilemma ausgerechnet auf die Opfer schieben.

  26. 26 Nestor 29. Oktober 2017 um 14:08 Uhr

    Es gibt ja auf den Philippinen ein Modell, wie man Drogenbekämpfung nach dem Spruch der Tscheka „Ist der Mensch weg, ist das Problem weg“ gestaltet.
    In den USA hat schon irgendein Bürgermeister oder Provinzgouverneur dazu aufgerufen, daß die Polizei das Mittel, mit dem man die Überdosis bekämpft, nicht mehr mit sich führen darf.
    Die Perspektiven sind also rosig für die Drogenkonsumenten.

    @M. Hübner

    Das Katalonien-Thema bitte beim entsprechenden Beitrag abhandeln, da steht nämlich auch alles Nötige zu den Paten.

  27. 27 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 15:17 Uhr

    Nur ´mal am Rande:
    (Da mir das „Täter-Opfer-Weltbild“ etwas zu simpel ist.)

    Einmal abgesehen davon, daß Trumps Bruder selbst in relativ jungen Jahren an Alkoholismus gestorben ist, war dessen Kritik an „Obamacare“ weniger, daß auch ärmere Menschen eine Krankenversicherung haben sollen, sondern vielmehr die (unbestreitbar) „explodierenden“ Kosten.

    Wofür er nicht die Armen, sondern vor allem die Pharmaindustrie verantwortlich machte, die aus „Obamacare“ ein „big business“ gemacht hätte.
    Weshalb er während des Wahlkampfs angekündigt hat, die Pharmaindustrie zur Senkung der Arzneimittelkosten zu verpflichten.
    (Deshalb wollte Trump „Obamacare“ auch nicht abschaffen, sondern durch ein – zumindest aus seiner Sicht – besseres Gesundheitssystem ersetzen.)

    Nicht, daß es an Trump mehr als genügend zu kritisieren gibt.
    Allerdings sollte eine Kritik schon ihren Gegenstand möglichst richtig treffen.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: In den USA gibt es übrigens inzwischen mehr Psychologen als alle sonstigen Ärzte und Krankenschwestern zusammen.

  28. 28 Jacko 29. Oktober 2017 um 15:38 Uhr

    a) Es stimmt, dass Trump die Kosten von Obamacare ärgern.
    Das nicht deswegen, weil die „hoch“, oder „explodierend“ sind.
    Das waren sie vorher auch. Trump will einfach nicht, dass der Staat diese Kosten übernimmt, grenzt seine Position damit von seinem Vorgänger ab, kriegt damit dann aber auch in seiner eigenen Partei keine Reform von Obamacare mehr hin.

    b) Daher will er Obamacare gegen die Wand fahren lassen. Ersatzlos. Entweder dadurch, dass er massig Konkurse der Kassen bewirkt, was er damit unterstützen will, dass man auch in die Kassen anderer US-Bundesländer wechseln können soll, wenn die günstiger sind.

    c) Verschärft er das dadurch, dass Zuschüsse zu den Schulden der Krankenkassen nicht vom Staat mehr gedeckt werden (s.o. der taz-Bericht).
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-10/gesundheitssystem-usa-donald-trump-obamacare-krankenversicherung

    d) Dass er die Pharmafirmen an die Kandare nehmen wolle, kontrastiert zumindestens nicht nur mit seinem sonstigen politischen Programm, sondern praktisch auch damit, dass er, wie Ohnmacht schreibt, deren Regularien nicht verschärft, sondern zynischer- und passender Weise ganz umgekehrt öffnet.

    e) „Trump bezeichnete sein Vorhaben bei einer Zeremonie im Weißen Haus als großen, bedeutenden Schritt. Die Regierung müsse faktisch nicht dafür zahlen, sagte der US-Präsident. Auch würden weitere Schritte zur Entlastung der Amerikaner folgen.“ (ZEIT, s.o.)
    - D a s ist nämlich sein Kriterium!

    f) ebenst, dein letzter Satz:

    „Allerdings sollte eine Kritik schon ihren Gegenstand möglichst richtig treffen.“

    g) Die Psychologen sind mir grad wurscht. Passen aber ja auch in das US-Bild der Konkurrenz, dass jeder bedingungslos und absolut Herr seines eigenen Schicksals sein solle. Zu viel staatliche Hilfe schadet nur.
    Und – nur – das sei der Weg – zum Erfolg…

  29. 29 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 16:03 Uhr

    Hallo „Jacko“,
    die ideologisch gefärbte „taz“ ist nun wirklich keine seriöse Quelle, auf die ich mich verlassen würde.

    Zudem wollte ich Trump keineswegs verteidigen.
    Allerdings halte ich nichts von derart simplen „Weltbildern“ wie z.B. von „Ohnmacht“, die meinen zu wissen, wo „die schlechten bzw. bösen Täter“ (meist oben) und „die armen Opfer“ (unten) sind.
    Unter einer Kapitalismus-Kritik verstehe ich etwas anderes.
    (Ansonsten würden einige Micky-Mouse-Hefte zur Erklärung genügen, in denen sich bekanntlich Dagobert Duck am liebsten in seinen Goldstücken gebadet hat.)

    Zumal sich die (heutzutage aussterbende) „tradionelle Linke“ mit diesem m.E. falschen Weltbild in der Vergangenheit weitgehend blamiert hat und inzwischen kaum mehr ernstgenommen wird.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Ohne die vielen sog. MitläuferInnen, welche die kapitalistischen bzw. bürgerlichen Verhältnisse befürworten (und das sind die allermeisten) wäre das alles gar nicht zu machen.

    PS2: Deshalb spreche ich z.B. auch nicht von Opfern (was ein moralisierender Begriff ist), sondern allenfalls von Geschädigten des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

  30. 30 Jacko 29. Oktober 2017 um 16:30 Uhr

    Jetzt ist es schon von a bis g hübsch durchnummeriert.

    Dann streng doch mal deinen kritischen Geist etwas an …

  31. 31 Ohnmacht 29. Oktober 2017 um 16:50 Uhr

    Jacko hat das Nötige gesagt.

    M.H., du musst jetzt nicht den Gekränkten mimen, nur weil ich dich oben kritisiert habe. Das Fass, das du jetzt aufmachen willst (Mitläufer), solltest du in den Nachbarthread „Staat, Nation, abstrakt freier Wille“ rüber rollen. Rechne aber nicht mit meiner Beteiligung, weil das Ding für mich durch ist.

    PS, aber echt nur ein PS und kein Anheizer für themenfremde Diskurse: „Opfer“ ist nicht gleich eine moralische Kategorie, siehe z.B. Kriegsopfer

  32. 32 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 16:52 Uhr

    Hallo „Jacko“,
    ich halte es gar nicht derart wichtig, wer es macht.
    Das wäre mit jedem anderen US-Präsidenten ähnlich gekommen.
    Das meiste von dem, was Trump umzusetzen versucht, wurde bereits von der vorherigen Obama-Administration eingeleitet.
    (M.W. waren z.B. die Beitragszahlungen für „Obamacare“ zuletzt bereits derart hoch, daß sich diese viele Amis schon vor Trump nicht mehr leisten konnten.)

    Und was erwarten die Menschen in der finalen kapitalistischen Krise?
    Das ist doch schon längst mehr als offensichtlich, daß es zunehmend bergab geht.
    Sollen sich diese doch ´mal mit dem Kapitalismus auseinandersetzen.
    Oder mit dem ganzen Mist untergehen.
    Mein Leben ist das nicht.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Und hätte Hillary Clinton (die sich bekanntlich während ihrer früheren Amtszeit als US-Außenministerin als „Killary“ einen Namen machte) die Wahl gewonnen, hätten wir wahrscheinlich schon den 3.Weltkrieg.

    Während Trumps voraussichtlicher Nachfolger (im Falle eines sog. Amtsenthebungsverfahrens) Mike Pence zwar weniger pöbelt und „diplomatischer“ erscheint, aber in seinen Ansichten noch schlimmer ist.
    (Als praktizierender Evangelikale sieht dieser allen Ernstes in einem 3.Weltkrieg keine Katastrophe, sondern die Erlösung und glaubt an die „Wiederkehr Jesu Christi“, nachdem alle ungläubigen SünderInnen vernichtet wurden.
    Das ist kein Witz, sondern bitterer Ernst.)

  33. 33 Ohnmacht 29. Oktober 2017 um 17:12 Uhr

    „Das ist kein Witz, sondern bitterer Ernst.“ (M.H.)

    Wildschweinplage im Schrebergarten

  34. 34 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 17:22 Uhr

    Ach Ohnmacht,
    das ganze Opfer-Getue.
    Bekanntlich sind die meisten sowohl in den 1. und vor allem auch 2.Weltkrieg mehr oder weniger freudig gezogen.
    (Zumindest sahen diese einen Sinn darin, sich wechselseitig umzubringen.)

    Und natürlich ist Opfer ein moralischer Begriff.
    Und wie jede Moral verlogen.

    Grüße
    Michael Hübner

    Übrigens:
    Selbst die bürgerliche Justiz, die anscheinend sogar schon etwas weiter ist als manche „Linke“ – und das will etwas heißen, hat den Opfer-Begriff weitgehend entsorgt und durch Geschädigte ersetzt.

  35. 35 Nestor 29. Oktober 2017 um 17:24 Uhr

    Zu Obamacare ist nur in Erinnerung zu Rufen, daß ja schon diese Form der Krankenversorgung des Ergebnis des Scheiterns einer grundlegenderen Reform war, die er nicht durch die beiden Kammern des Parlaments gebracht hat.
    Was Trump genau sich vorgestellt hat, weiß ich nicht. Der Typ ist halt recht voluntaristisch und nimmt oft den Willen fürs Werk, um dann zu merken, daß das Ganze entweder nicht machbar ist oder von irgendwo im Apparat blockiert wird.

    Tatsache ist, daß das US-Gesundheitswesen nur mit einer ordentlichen Geldspritze halbwegs funktional gemacht werden könnte, und genau das solls auf keinen Fall geben. Deshalb jetzt auch „sanitärer“ und nicht „nationaler“ Notstand.

    Mit seiner Ablehnung eines Umlagesystems nach europäischem Modell ist Trump wirklich nichts besonderes, die ist US-weit durchgesetzt, wie man auch bei den Protesten gegen Obamas Gesundheitsreform gesehen hat.

    Zu der Debatte um das Militär will ich nur daran erinnern, daß laut Marx der britische Staat so draufgekommen ist, daß er irgendwelche Arbeitsschutzgesetze erlassen und Sozialmaßnahmen ergreifen muß, weil das zum Militär angelieferte Menschenmaterial immer schlechtere Qualität hatte.
    http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_245.htm

  36. 36 Ohnmacht 29. Oktober 2017 um 17:52 Uhr

    M.H., hast du den Schuss nicht gehört? Warum sollte ich mich auf deine Schiene der Diffamierung von Argumenten einlassen, wenn mein Zug in eine ganz andere Richtung fährt? Mir im Gegenzug deine Sittlichkeitsvorstellung vom „Volk der Täter“ entgegenzuhalten, entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Ironie.

    Schmerzmittelabhängige sind Opfer einer Einsparpolitik, die Ärzte dazu verdammt, an den Symptomen statt an den Ursachen des Leids herum zu doktern. Glaubst du nicht, dass viele dieser Ärzte lieber ihre erlernte Heilkunst anwenden möchten statt nach wenigen Minuten Konsultation gleich den Rezeptblock zu zücken?

  37. 37 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 18:11 Uhr

    Hallo Nestor,
    in Deinen Ausführungen zu Obamacare, Trump usw. stimme ich mit Dir überein.

    Zu den beiden letzten Absätzen sollte allerdings folgendes beachtet werden:
    Bis in die späten 1970er-Jahre brauchten die USA kein umfassendes Sozialversicherungssystem, da der Lebensstandard damals selbst für ärmere Amis höher war als z.B. hierzulande.
    (Als ich z.B. zur damaligen Zeit in den USA war, hatten selbst die meisten Schwarzen in den schlechteren Wohngegenden bereits ein eigenes Auto, während hierzulande die Leute noch auf ihren ersten VW-Käfer warteten.)
    Während es sog. Hilfsprogramme z.B. für die Obachlose vor allem in den Großstädten auch schon damals gab, die entweder privat oder staatlich (manchmal beides) finanziert wurden.

    Zudem gab es auch in den USA eine Sozialversicherung (z.B. bei Krankheit, Rente usw.)
    Allerdings war diese weniger an den Staat, sondern an die Unternehmen gebunden.
    (So erhielten z.B. früher die Werktätigen von General Motors ihre spätere Rente von GM.)

    Akut wurde das erst mit dem stetigem Anstieg der Arbeitslosigkeit bzw. der kapitalistischen Globalisierung, die vor allem auch die „Mittelschicht“ zunehmend in Bedrängnis brachte.
    Und natürlich seit 2007 mit der Finanz- und Weltwirtschaftskrise.

    Während ich Deinen Hinweis mit dem damaligen britischen Militär kenne.
    Allerdings hat sich der Kapitalismus seit damals entwickelt, auch wenn dieser im „Kern“ weitgehend derselbe geblieben ist.
    Heutzutage ist die Produktivität (z.B. der Landwirtschaft auch in den USA) derart hoch, daß zumindest für diejenigen, die von Staat und Kapital gebraucht werden, mehr als genügend vorhanden ist.
    Zumal sich die kapitalistisch führenden Staaten (im Unterschied zu den anderen) weiterhin verschulden können, d.h. im Ernst- bzw. Notfall nur diejenigen hungern müssen, die nicht gebraucht werden.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Während das Bild, daß vor allem früher in den hiesigen Medien gemalt wurde, mehr Propaganda als Wahrheit ist.
    Um „unseren“ angeblich vorbildlichen sog. Sozialstaat ins rosige Licht zu rücken.
    Während andere nicht in diesen Genuß kommen.

    PS2: Zumindest habe ich damals keinen einzigen Ami getroffen, der mit mir aus Deutschland tauschen wollte.

  38. 38 Nestor 29. Oktober 2017 um 19:14 Uhr

    Ja, so etwas wie eine staatliche Pensionsversicherung gab es zumindest einmal. Meine Mutter hat daraus eine Rente bezogen. Um das geht es aber hier nicht.
    Einer der Gründe, vielleicht der wichtigste für Obamas Gesundheitsreform war, daß sich aufgrund der Krise bei den amerikanischen Autoherstellern zeigte, daß dieses System der betrieblichen Sozialversicherung die Betriebe belastete und ihre Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigte. Es war ein Versuch, ihnen das staatlicherseits anzunehmen, und dagegen gab es Widerstand aus allen Richtungen.

    Heutzutage ist die Produktivität (z.B. der Landwirtschaft auch in den USA) derart hoch, daß zumindest für diejenigen, die von Staat und Kapital gebraucht werden, mehr als genügend vorhanden ist.

    Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?

    Ansonsten erinnere ich daran, daß ein beträchtlicher Teil der US-Bürger auf dem Lebensmittelmarkenprogramm registriert und über dieses ernährt wird:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Supplemental_Nutrition_Assistance_Program
    Es sind keineswegs nur Arbeitslose, wie der Wikipedia-Artikel behauptet, sondern auch solche, „die von Staat und Kapital gebraucht werden“, aber zu solchen Löhnen, daß sich das Essen nicht mehr ausgeht.

  39. 39 Nestor 29. Oktober 2017 um 19:15 Uhr

    Zumindest habe ich damals keinen einzigen Ami getroffen, der mit mir aus Deutschland tauschen wollte.

    Was soll man mit diesem Nonsens anfangen?

  40. 40 Ohnmacht 29. Oktober 2017 um 19:23 Uhr

    Zudem gab es auch in den USA eine Sozialversicherung (z.B. bei Krankheit, Rente usw.) Allerdings war diese weniger an den Staat, sondern an die Unternehmen gebunden. (M.H.)

    Tja, wenn Opa ins Erzählen kommt… Das ist ja die Neuerung von Obamacare, dass jeder, unabhängig von Betriebszugehörigkeit oder überhaupt einer Beschäftigung, pflichtversichert ist.

    Nestor, könntest du mir erklären, wie Obamecare sich finanziert wenn nicht über Umlagen? Keine Ahnung. Das Medicaid-System (für jene, die sich die Beiträge nicht leisten können) finanziert sich über die Steuereinnahmen (das ist ja gewissermaßen umlagefinanziert). Im Normalfall erbringen sowohl die öffentlichen wie auch die privaten Sozialkassen ihre einzelnen Leistungen aus dem Gesamtaufkommen der Prämien aller Mitglieder. Ist es in den USA ein Kapitaldeckungsverfahren? Klär mich bitte auf.

  41. 41 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 19:44 Uhr

    Hallo Ohnmacht,
    Du brauchst Dich nicht auf meine Argumente einlassen.
    Schließlich ist das Dein Leben, weshalb letztlich nur Du selbst entscheiden kannst, was Du für richtig bzw. falsch hälst.

    Was mich gestört hat war, daß Du Deine Meinung zur allgemein gültigen machen (und deshalb aus Dir ein „uns“ gemacht hast, als würdest Du für alle Beteiligten sprechen) und meinen Standpunkt „verbannen“ wolltest.
    Ohne Dich auch nur im geringsten zu bemühen, das eine oder andere zu widerlegen.
    (Oder es einfach stehen zu lassen, falls Dich das nicht interessiert.)

    Während das mit den „Tätern“ und „Opfern“ im wirklichen Leben tatsächlich meist nicht derart einfach ist.
    Nimm z.B. nur ´mal den 2.Weltkrieg.
    Zuerst waren die Deutschen mehrheitlich Täter als diese andere Länder überfallen haben.
    Später wiederum waren diese Opfer, als die Bomben deutsche Städte zerstörten usw.
    Wobei diejenigen, die damals im Rahmen der Kriegsverbrecher-Prozesse über die Nazis urteilten, heutzutage ein Kriegsverbrechen nach dem anderen begehen, siehe die USA.

    Und derart ist es meist auch, wenn es nicht gleich um „Krieg und Frieden“ geht.
    Ein aktuelles Beispiel ist die sog. Sexismus-Debatte (siehe Weinstein in den USA, Jörg Kachelmann in Deutschland usw.), die vor Moral und deshalb auch Verlogenheit nur so strotzt.
    (Falls Du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, sind auf der Webseite „1-euro-blog“ zu einem verwandten Thema mit dem Titel „avendidas…und der verlust von verstand“ einige Kommentare erschienen, die zumindest das Wichtigste erklären.)

    Grüße
    Michael Hübner

  42. 42 Nestor 29. Oktober 2017 um 20:17 Uhr

    Was ist denn das jetzt für eine blöde Debatte mit Tätern und Opfern?

    Ohnmacht weist drauf hin, daß es so etwas objektiv gibt und nicht nur in seiner moralischen Überhöhung, z.B. im Strafrecht, aber auch bei Unfällen und natürlich auch im Krieg.
    Worauf M. Hübner wieder mit einem Moralgeschwätz ankommt und meint, daß alles nicht so einfach sei!

    Obamacare finanziert sich, soweit ich das aus dem Wikipedia-Artikel mitkriege, aus der dabei eingeführten Zwangsversicherung, was einem Umlagensystem gleichkommt, aus Sondersteuern für Betriebe und Individuen, und aus dem Budget, weil das andere gar nicht reicht. Und die Leistungen sind eben so, wie im Beitrag oben beschrieben.
    Es ist also jeder damit unzufrieden: die Beitragszahler, die Steuerzahler, die Leistungsbezieher und der Staat als Zuschußzahler. Und vermutlich auch das medizinische Personal, das den erreichten Fortschritt ihres Faches gar nicht adequat an die Patienten weitergeben kann.

  43. 43 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 20:34 Uhr

    Hallo Nestor,
    zu Deinem Einwand:
    Die sog. Lebensmittelkarten (bzw. Food-stamps) bekommen in den USA klar nur diejenigen, die bedürftig sind.
    Und wahrscheinlich auch einige „working poor“, die zu wenig verdienen, um davon leben zu können.
    (Ähnlich wie hierzulande die sog. Aufstocker, bei denen der Staat die Differenz zum staatlich geregelten Minimum zahlt.)

    Doch solange das nicht die Mehrheit ist, macht das insgesamt weder den Staat noch das Kapital kaputt.
    Zumal die Militärs davon nicht betroffen sind.

    Und nicht zu vergessen:
    Das Problem vor allem auch in den USA sind nicht (wie früher beim britischen Militär) abgehungerte Elendsgestalten, sondern Übergewichtige.
    Die kaum noch in eine Uniform passen.

    Grüße
    Michael Hübner

    Übrigens:
    Solange die meisten Menschen noch ein Auskommen haben (und sei es auch bescheiden) bzw. eine Perspektive sehen, machen diese mehrheitlich keine Revolution.
    Das wußten bereits die damaligen Nazis, weshalb es ein großes Anliegen von denen war (damit sich 1917 in Russland hierzulande nicht wiederholt), daß während des 2.Weltkriegs genügend Vorräte (vor allem an Lebensmitteln) zur Versorgung der Bevölkerung vorhanden waren.
    Und die heutigen Regierungen wissen das erst Recht.
    (Schließlich verfügen diese inzwischen bereits über eine lange Erfahrung und haben aus früheren Fehlern etwas gelernt.)

    PS: Hallo Nestor, habe ich – was Du gerne und öfters machst, siehe oben, obwohl Du anscheinend gar nicht verstanden hast, worum es geht bzw. was ich als Antwort auf „Ohnmacht“ ausdrücken wollte – schon einmal eine Aussage von Dir als ein „Geschwätz“ oder ähnlich abwertend bezeichnet?
    (Obwohl Du m.E. zwar manches richtige, aber auch einigen Unsinn verbreitest.)
    Wenn das die Welt bzw. der zwischenmenschliche Umgang ist, wo Du Dich wohlfühlst, dann ohne mich.
    Zumindest solltest Du Dich nicht wundern, warum eine „linke“ Webseite nach der anderen inzwischen weitgehend tot ist.
    (Wobei Du noch eine „gemäßigte“ bist.
    Andere „linke“ Weseiten waren noch schlimmer und waren wirklich abschreckend.
    Deshalb existiert Deine noch, während die meisten anderen bereits tot sind.)
    Zumindest etwas klügere Menschen lassen sich eine derartige Überheblichkeit nicht gefallen und ergreifen die Flucht.

  44. 44 Nestor 29. Oktober 2017 um 21:56 Uhr

    Das ist hier kein Ort der Höflichen, und du schwätzt halt wirklich viel herum. Zum Beispiel diese wiederholten Dementis, daß bei irgendetwas keine Revolution herauskäme oder der Staat nicht zugrundeginge.
    Erstens hat das niemand behauptet, und zweitens sind negative Urteile per se überflüssig. Das, was nicht ist, tut niemandem weh.

    Oder was soll die Bemerkung, damals seien die Leute zu dünn gewesen, heute zu dick? Und? Die Armut äußert sich halt heute am Sich-Vollstopfen mit Kohlehydraten, weil das die billigste Art ist, den Magen vollzukriegen.

    Was die Lebensmittelmarken angeht, so tritt im Film von Michael Moore Fahrenheit 9/11 ein Pilot auf, der auf dem Lebensmittelmarkenprogramm ist. Die „working poor“ wurden ja offenbar in den USA erfunden und von dort wurde das Modell hierher übernommen.
    Ein guter Teil der Arbeiterklasse fristet seine bürgerliche Existenz nur mit Hilfe enormer Verschuldung, also mit diesen Märchen vom tollen US-Lebensstandard könntest du uns auch langsam einmal verschonen.

  45. 45 Michael Hübner 29. Oktober 2017 um 22:15 Uhr

    Naja Nestor,
    obwohl mir bekanntlich auch `mal der „Kragen geplatzt“ ist (wofür ich mich allerdings bei Dir entschuldigt habe), bin ich einen solchen Umgang nicht gewohnt.
    Und sehe darin auch keinen Sinn.
    Schließlich lassen sich Meinungsverschiedenheiten auch in einer etwas angenehmeren Atmosphäre austragen.

    Zumal es doch letztlich darum geht, der Wirklichkeit bzw. Wahrheit möglichst nahe zu kommen und nicht um persönliche Streitereien.
    Doch gerade das scheinen manche „Linke“ besonders zu mögen.
    (Was ich weniger auf Dich beziehe, sondern allgemein meine.)
    So jedenfalls ist keine bessere Welt zu schaffen.

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: Wobei ich Dich bekanntlich nicht wirklich kenne und das nicht überbewerten möchte.
    Vielleicht ist das auch nur Deine besondere Art, während Du ansonsten ganz o.k. bist.
    Oder in Österreich ist das üblich bzw. ganz normal.

    PS2: Dementi – wie Du das nennst – mache ich deshalb gelegentlich, da ich in vielen Jahren bemerkt habe, welche Illusionen vor allem auch „Linke“ haben.
    Und in der Regel scheitern.
    (Nimm z.B. nur ´mal die früheren sog. K-Gruppen, die meist untereinander völlig zerstritten waren und allen Ernstes hierzulande eine Revolution anzetteln wollten.
    Und als „Bettvorleger“ gelandet sind, während sich zunehmend mehr Leute verabschiedet haben.
    Während die „Marxistische Gruppe“ noch die Klügsten innerhalb der bisherigen „Linken“ waren, bei anderen war es noch schlimmer.)

    Sowas frustriert die meisten Menschen bis der bzw. die letzte „Linke“ das Licht ausmacht.
    Deshalb plädiere ich für mehr Realismus.
    (Auch wenn die Tatsachen manchmal nicht ins „eigene Weltbild“ passen und gelegentlich auch ´mal unangenehm erscheinen.)

  46. 46 Michael Hübner 30. Oktober 2017 um 2:44 Uhr

    Hallo Nestor,
    noch der Vollständigkeit wegen zu Deiner obigen Erwiderung:

    Einmal abgesehen davon, daß ich Michael Moore mehr für einen „Politclown“ halte, der zwar einige Mißstände in den USA aufzeigt (und selbst gut davon lebt, da das vor allem im Ausland gerne gesehen wird), ohne allerdings etwas zu erklären (ganz zu schweigen von einer Kapitalismus-Kritik), habe ich nichts von einem „tollen US-Lebensstandard“ geschrieben, sondern etwas anderes.

    Zudem wurden die „working poor“ in den USA nicht „erfunden“ und später als „Modell hierher übernommen“, sondern ergeben sich zwangsläufig aus der kapitalistischen Entwicklung.
    (Auch ganz ohne die USA.)

    Derzeit ist es noch so, daß etliche zwar bemerken, daß es zunehmend schlechter wird, aber für die meisten noch erträglich ist.
    Während sich die zunehmende Unzufriedenheit vor allem in der Wahl von Trump äußerte, d.h. sich viele Amis nach „rechts“ radikalisieren.

    Grüße
    Michael Hübner

    Übrigens kein Witz:
    Der damalige Wahlkampf-Manager und spätere Berater von Trump, Steve Bannon, beruft sich tatsächlich auf Lenin, da dieser angeblich dieselben Ziele wie er verfolgte, d.h. den Staat zu zerstören.
    (Wahrscheinlich hatte er auch die Idee, daß sich Trump zuletzt im Wahlkampf als der Führer der „amerikanischen Arbeiterklasse“ präsentierte.)
    Der Irrsinn kennt anscheinend keine Grenzen, wie bereits Albert Einstein bemerkte.

  47. 47 Jacko 30. Oktober 2017 um 8:15 Uhr

    Etwas Off-Topic

    „Übrigens kein Witz:
    Der damalige Wahlkampf-Manager und spätere Berater von Trump, Steve Bannon, beruft sich tatsächlich auf Lenin, da dieser angeblich dieselben Ziele wie er verfolgte, d.h. den Staat zu zerstören.
    (Wahrscheinlich hatte er auch die Idee, daß sich Trump zuletzt im Wahlkampf als der Führer der „amerikanischen Arbeiterklasse“ präsentierte.)
    Der Irrsinn kennt anscheinend keine Grenzen, wie bereits Albert Einstein bemerkte.“

    Michael, in dem Thread geht es um die Verelendung der amerikanischen Arbeiterklasse, anhand von deren staatlichem Gesundheitssystem bzw. den aktuellen Trump-Äußerungen darüber. Dass Herr Bannon sich so oder so mal geäußert hat, das weiß außer dir auch der eine oder andere hier. (Das ist ja ein politisches Forum.) Mag ja sein, dass das Eine für das Andere beim Argumentieren wichtig ist. Das erklärst du aber nicht, sondern zählst Sachen auf, die du unter „Irrsinn“ zusammenfasst.

    Diese Sichtweise auf dir absonderlich erscheinende Tatsachen oder Meinungen ist aber eher nur dazu geeignet, mit dem Erklären aufzuhören und das Diffamieren zu beginnen. Der Sache nach wird in der bürgerlichen Welt ein absonderlicher Gedanke dann als Irrsinn abgebucht, wenn er kapitalistisch zu Dysfunktionalität führt. Jemand, der mit Spinnenangst oder Brücken-Höhen-Angst seinen Arbeitsplatz schweißgebadet trotzdem erreicht, und seine Ideen verschweigt, ist angeblich nicht irre. Wer mit denselben Gedanken und wegen ihrer zu Hause bleibt, der ist angeblich aber irre. Die Gedanken beider mögen übrigens dieselben sein. Die ganze Religion ist m.E. ein einziger Irrsinn. Gilt aber viel hierzulande. Aber wenig, wenn es die falsche ist. Oder eine völlig selbst ersponnene. Mitzuteilen, dass man einen Gedanken irre findet, das mag einem mal unterlaufen. Wie mir grad beim Beispiel Religion. Zu einem Hauptpunkt bei Überzeugungsarbeit sollte man diese Einsortierung deswegen nicht ausgestalten, weil man sich selber damit als Anhänger der Funktionalität outet: Hierzulande kann man nämlich eigentlich normal funktionieren; und jeder, der hier komisch-verdrehte ver-rückte Gedanken hat, der ist – nicht ganz der kapitalistischen Norm entsprechend, – also „nicht normal“, also irre.
    Diese Einsortierung sollte man als Kritiker des hiesigen Scheißhaufens lieber lassen, den als Normalität zu bejubeln.

    Das habe ich jetzt extra mal aufgeschrieben, weil du das Atgument des „Irrsinns“ reichlich inflationär einsetzt. (Dass ich auch oft eine andere Sichtweise auf die Welt habe, und mir daran auch manches „irre“ vorkommt, mag ich nicht bestreiten. Irrenwitze funktionieren immerzu so, dass der Zuhörer am Schluss rätselt, wer denn nun de größere Irre ist…)

    Off-Topic aus. Diskutieren will ich darüber nicht.
    Sondern dazu auffordern, – auch – auf das eigene Argumentieren aufzumerken.
    Und bin erstmal weg. Ich bin nämlich gleich zum Brunchen mit der Liebsten verabredet, Brückentag, nicht Arbeiten, und so…

  48. 48 Nestor 30. Oktober 2017 um 11:24 Uhr

    M. Hübner

    Ja, das meine ich eben mit Geschwätz.

    Anstatt beim Thema zu bleiben und daran weiterzumachen, machst du Schlenker auf andere Linke, forderst andere Umgangsformen ein und bringst auch sonst alles mögliche, was dir gerade einfällt.
    So absoluten onkelhaften-tantigen Blödsinn wie „es zunehmend schlechter wird, aber für die meisten noch erträglich ist“ sind ja schon an der Grenze zur Debilität.

    Und das ist nervig.

    Ob der Bannon jetzt den Lenin als Vorbild hat oder nicht, ist doch völlig wurscht. Der Typ ist inzwischen eh abgehalftert worden.
    Moore kann man mögen oder nicht, aber es ist doch nicht so, daß er Sachen erfindet.

    Ansonsten hat Jacko doch auch recht, daß du dich mit so Skurrilitäten letztlich immer selbst darin selbst bespiegelst, daß die Welt verrückt ist, aber du drüber stehst.

    Diese Art von Sichtweise gefällt mir nicht, und ich will nicht, daß sich die auf meinem Blog breitmacht.

  49. 49 Michael Hübner 30. Oktober 2017 um 12:08 Uhr

    Hallo Nestor,
    Euere Ausführungen erinnern an die dunkle Seite von „Linken“ als eine Art „Gedanken-Polizei“.
    (Aus einer Nebenbemerkung zu Steve Bannon einen derartigen Abriß zu machen, ist wirklich absurd.)

    Sieh` lieber ´mal z.B. auf den Thread „Staat, Nation, abstrakt freier Wille“, wo einige „Linke“ den größten Blödsinn verzapfen und mit Begriffen wie z.B. Arschloch usw. argumentieren.
    Ihr lernt`s nimmer.

    In diesem Sinne verabschiede ich mich und verbleibe
    mit Grüßen
    Michael Hübner

    PS: Zudem wurde Bannon zwar von seinen Ämtern im „White House“ entlassen, scheint aber weiterhin einflußreich zu sein.
    (Und während „linke“ Webseiten heutzutage meist tot sind und kaum noch jemand interessieren, erreicht die von Bannon und den Seinen betriebene Webseite „breitbart.com“ in den USA ein Millionenpublikum, wobei pro Artikel einige Tausend Kommentare erscheinen.
    Übrigens weitgehend unzensiert.)

    Macht Euch besser ´mal darüber Gedanken, warum die „Linke“ derart „auf den Hund“ gekommen ist.
    Das wäre weitaus sinnvoller als solche klein-karierten Streitereien.

    Abschließend noch eine Ironie:
    Nestors Webseite heißt übrigens „Der ganz normale Wahnsinn“.
    Und mir vorwerfen, daß ich manches als einen Irrsinn (was auch Wahnsinn heißen könnte) bzw. verrückt bezeichne.
    Schlichtweg deshalb, da wir nunmal nicht in einer rationalen, d.h. vernünftigen, Welt leben.
    (Ansonsten gäbe es schon längst keinen Kapitalismus mehr.)

  50. 50 Nestor 01. November 2017 um 20:21 Uhr

    Ja, und mach bitte ernst mit deiner Ankündigung, uns dein arrogantes und psychologisch verbrämtes Geschwätz in Zukunft zu ersparen.
    Weiteres von dir wird gelöscht.

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