Die mediale Aufarbeitung von terroristischen Anschlägen

ATTENTATE

Irgendwie gehören Anschläge in der EU inzwischen zum Alltag. Man gewinnt den Eindruck, sie können immer und überall passieren. Die meisten Medien berichten darüber, als handle es sich um Naturkatastrophen. Die Frage nach dem Warum? verbietet sich mehr oder weniger. Die Attentäter sind verrückt, unmenschlich, Fanatiker, ihre Motivation liegt im Dunkeln. Den Gerichten bleibt es überlassen, nach Motiven zu suchen, die mediale Öffentlichkeit will von ihnen nichts wissen. Barack Obama hat es anläßlich einer Schießerei in einer Schule seinerzeit programmatisch formuliert: die Tat sei unerklärlich. Damit war ein Befehl bzw. Verbot ausgesprochen: Nachforschungen nicht erwünscht! Sie könnten ein schlechtes Licht auf den Zustand der Gesellschaft, die Tätigkeit der Institutionen usw. werfen.

Seither folgt die Berichterstattung über Anschläge einer Art Drehbuch, das von verschiedenen Zeitungen, Radios und Fernsehsendern eingehalten wird. Mit Entsetzen und Aufregung wird berichtet, was geschehen ist. Die Wortwahl tropft vor Betroffenheit und moralischer Entrüstung. Dann werden Augenzeugen vors Mikrofon gebeten, die stammeln: Es war schrecklich! Wenn sie noch möglichst unter Schock stehen oder ihnen die Tränen herunterlaufen – um so besser! Das wirkt authentisch.
Der Rest der Berichterstattung ist den Opfern gewidmet. Ihre Nationalität, ihr Alter, ihre Lebensläufe werden aufgearbeitet, Angehörige interviewt. Man sieht Kerzen- und Kranzmeere – ganz fremde Leute zeigen ihre Ergriffenheit. Wie rührend!

Die Politik hat natürlich ihre Sternstunden. Verschiedene Politiker überbieten sich darin, den Anschlag / die Anschläge / alle Anschläge / alle Fanatiker zu verurteilen.
Was soll man sich davon kaufen? – wäre eine angebrachte Frage. Es hat ja wirklich niemand erwartet, daß sie Beifall klatschen. Dieses entrüstete Blabla ist völlig folgenlos und kann den aufmerksamen Beobachter nicht darüber hinwegtäuschen, daß die hohen Herrschaften jedenfalls keine ernsthaften Maßnahmen zur Vermeidung von dergleichen Anschlägen vorhaben.

Das ganze Theater, mit dem die mediale Aufarbeitung dann abgeschlossen ist, erspart jedem lästiges Stirnrunzeln über die Innen- und Außenpolitik der diversen EU-Staaten.

Ersteres betrifft den Zustand der Ökonomie, die immer mehr Leute für überflüssig erklärt, und die sozialstaatliche Behandlung der Betreffenden.
Die inzwischen auch medial abgesegnete Armutsverwaltung in der EU folgt der 3-Schritt-Betrachtungsweise: 1. ist jeder selber schuld, wenn er keinen Job und kein Geld hat. 2. kümmert sich die Demokratie dennoch vorbildlich um diese Nichtsnutze. 3. sind die dann oftmals so undankbar und verblödet, daß sie die falschen Herren wählen, den falschen Gott anbeten und weitere unerklärliche und störende Verhaltensweisen an den Tag legen. Eigentlich ein ziemlicher Abschaum, „gefährliche Klassen“, die sich hier „bei uns“ breitmachen, und zusätzlich auch noch diese ganzen Wirtschaftsflüchtlinge, die es auf „unseren Wohlstand“ abgesehen haben!

Aus diesem Konglomerat von Unerwünschten, die die reife Demokratie leider! leider! nicht einfach vernichten oder in die Wüste schicken kann, stammen dann auch die Attentäter, und jedes Attentat wird von den Medien dafür benützt, weiter gegen die Armen, die Banlieue, die bildungsfernen Schichten, islamische Mitbürger usw. zu hetzen.
Die Zeiten sind übrigens lang vorbei, als dergleichen Propaganda nur bei den bei Intellektuellen übel beleumundeten Massenblättern üblich war. Inzwischen konkurrieren die Intellektuellenblattln mit Bild und Krone und die staatlichen Medien mit den kommerziellen darum, wer hier die Nase vorn hat.

Der zweite Themenkomplex, der bei dergleichen Betroffenheitsgedusel fein heraußen ist, ist die Außenpolitik der EU. Unterstützung von Regimes, die ihr Nachbarland mit Krieg überziehen, den islamischen Terror unterstützen, bei sich zu Hause die Todesstrafe für Ehebruch anwenden usw., wie Saudi Arabien – kein Problem für die europäische Wertegemeinschaft! Ein Kniefall vor dem Sultan, der einen Teil des eigenen Landes mit Krieg überzieht, jahrelang die Plünderung und Zerstörung Syriens aktiv betrieben hat – eine realpolitische Notwendigkeit angesichts des „Flüchtlingsproblems“, das die EU tatkräftig in die Wege geleitet hat, und wo nur Erdogan helfen konnte. Die Zerstörung Syriens und Libyens, der Ende-Nie-Krieg in Afghanistan – da wollte und will die EU unbedingt dabei sein. Aber wenn die Geschädigten all dieser Unternehmungen bei ihr an die Tür klopfen, dann hat sie ein Problem.
Afrika wiederum wird seit Jahrzehnten als Rohstoff- und Agrarlieferant zugerichtet, bei großer Rücksichtslosigkeit gegen Mensch und Natur. Aber die Hungerleider, die wir geschaffen haben, die wollen wir nicht! Das sind doch nur faule Hunde, die es auf unsere Frauen abgesehen haben!

So schließt sich der Kreis. Das unerklärliche Böse, der per se aggressive Islam, die fremde Kultur verbündet sich mit der gemeinen Berechnung und kriminellen Energie der armen Leute und gefährdet unseren Wohlstand und unsere Lebensart.

Die Bewohner Barcelonas, oder zumindest einige von ihnen, spielen auch brav ihren Part. Sie geben ihr Einverständnis in die ganze Berichterstattung, marschieren auf und verkünden: Wir haben keine Angst!!


31 Antworten auf „Die mediale Aufarbeitung von terroristischen Anschlägen“


  1. 1 stankovic 19. August 2017 um 23:59 Uhr

    Kannst Du vielleicht in 2 oder 3 Sätzen zusammenfassen, worauf der Text hinaus will? Ich komme nämlich nicht drauf!

    Irgendwie gehören Anschläge in der EU inzwischen zum Alltag. Man gewinnt den Eindruck, sie können immer und überall passieren. Die meisten Medien berichten darüber, als handle es sich um Naturkatastrophen. Die Frage nach dem Warum? verbietet sich mehr oder weniger. Die Attentäter sind verrückt, unmenschlich, Fanatiker, ihre Motivation liegt im Dunkeln. Den Gerichten bleibt es überlassen, nach Motiven zu suchen, die mediale Öffentlichkeit will von ihnen nichts wissen

    Ich komme auch nicht darauf, wie Du auf sowas kommst!

  2. 2 Krim 20. August 2017 um 10:49 Uhr

    „daß die hohen Herrschaften jedenfalls keine ernsthaften Maßnahmen zur Vermeidung von dergleichen Anschlägen vorhaben.“
    Doch natürlich wollen sie Anschläge vermeiden – durch Einsatz der Polizei, durch Ergreifung der „Hintermänner“. Durch Überwachung, durch Ermittlungsarbeit und sonstige Maßnahmen.

    Aber eben nicht durch Beseitigung der Ursachen des Attentats, denn das ist ja wahnsinniger Terror. Sozusagen grundlos böse.

  3. 3 Nestor 20. August 2017 um 16:53 Uhr

    Krim hat durchschaut, was ich meine.

    Natürlich wird nach mehr Polizei geschrien, und der Gewaltapparat aufgestockt, und/oder der Ausnahmezustand eingeführt.
    Siehe:
    Bad news:TERRORISMUSBEKÄMPFUNG
    http://nestormachno.blogsport.de/2016/03/23/bad-news/

    Aber es gibt inzwischen ein gewisses Bewußtsein, daß sich Anschläge durch Überwachung nicht vermeiden lassen, und deshalb wird die Öffentlichkeit darauf vorbereitet, daß sowas halt passiert und man sich dran gewöhnen muß.

  4. 4 stankovic 20. August 2017 um 23:04 Uhr

    Nirgendwo wird der islamische Terror als das unerklärliche oder grundlos Böse vorstellig gemacht. Das muss irgendwie Eurer Phantasie entsprungen sein, die gefordert wird, wenn man sich über die mediale Aufarbeitung des Terrors auslassen will, ohne sie richtig zur Kenntnis zu nehmen. Die geringsten Anzeichen gerade bei den als einsame Wölfe zuschlagenden Moslems dafür, eine psychische Krankheit hätte sie zur Tat getrieben, dienen als Kriterium der Abgrenzung: Wer wahnsinnig ist, hat nicht Allahs Ruf gehört, sondern bloß die Stimmen im Kopf, weswegen der Tat dann auch die terroristische Qualität abgesprochen wird. Auf dem rechten Spektrum der Meinungsvielfalt wird solch eine Motivationsforschung als Verharmlosung des Terrors gedeutet. Dabei ist Verharmlosung des Terrors hier nicht der Zweck: Indem die Tat dem Wahnsinn des Täters zugeschlagen wird, hofft man, der rechten Kritik an der eigenen Flüchtlingspolitik, wonach Terror und Zuwanderung der letzten Jahre zusammenhängen, den Wind aus den Segeln nehmen zu können, indem man Terror wegdefiniert, wo es geht. So sehr scheint der offiziellen Politik selbst also ein etwaiger Zusammenhang plausibel, wenn denn die Zahl der Anschläge noch zunimmt.

    „Aber eben nicht durch Beseitigung der Ursachen des Attentats, denn das ist ja wahnsinniger Terror.“ Ein schöner Euphemismus: Nicht der Angreifer ist verantwortlich zu machen für seine Taten, sondern der Angegriffene. Das ist die keller-kommunistische Verharmlosung des Terrors.

  5. 5 joszef 21. August 2017 um 2:13 Uhr

    http://www.ccma.cat/catradio/alacarta/el-suplement-destiu/mireia-boya-ens-hauria-agradat-que-fos-la-societat-civil-qui-hagues-convocat-la-manifestacio/audio/972485/

    -> der Kaiser bzw. die spanische Monarchie ist nackt und nicht willkommen: ihre Mitverantwortung, ihre Verbindungen und Geschäfte v.a. mit Saudi-Arabien und wiederum mit dem Wahhabismus und Finanzierung des islamistischen Terrorismus gehören in die Öffentlichkeit.

    -> die ganzen Gedenk- und Trauerveranstaltungen müssen von der Zivilgesellschaft ausgehen, die ganze Aufmerksamkeit ist dem medizinischen Personal, den Rettungs- und Sicherheitskräften zu widmen. Politiker oder gar Monarchen haben da wenig bis nix verloren.

    Dass es überhaupt in die Richtung medienwirksam angesetzt wurde ist erst mal erfreulich, zumal wenn das, was du in deinem Posting schilderst allgegenwärtig wird. Wie es ja nicht anders zu erwarten war.

    Die Frage ist eher – kann man wirklich was daraus machen?
    Sich zu Hunderttausenden auf dem geplanten Trauermarsch hinter Felip IV hinstellen, „no tinc por!“ zurufen – es noch hinkriegen, dass er, das Regime, dass er verkörpert, als Mitverantwortlicher erkannt und aus der offiziellen Demo gejagt wird? Die wohl aufgetane Risse aufklärerisch so ausnutzen, dass die richtigen Schlüsse gezogen werden können? Wohl kaum. Grüße aus Barcelona jedenfalls.

  6. 6 Nestor 24. August 2017 um 12:31 Uhr

    @stankovich

    Genau das, daß die Attentäter als Verrückte dargestellt werden, entzieht doch ihre Tat jeder Erklärung und das ist es genau, worauf ich hinweisaen will.

    Der Rest ist etwas wirr, es wäre gut, wenn du dich etwas deutlicher ausdrücken würdest.

    @Joszef

    Was die Politik angeht, so sehe ich eine gewisse Konkurrenz zwischen der Regierung und dem König als Vertreter des Gesamtstaates einerseits und der katalanischen Regierung andererseits, wer mehr Betroffenheit und Distanzierung an den Tag legen kann. Eine ziemlich eklige Show.
    „Draus machen“ kann man wenig – es ist ja alles schon passiert, was passieren konnte.
    Jetzt geht die „Aufarbeitung“ los, wer schuld ist, und da versuchen sich Zentralismus und Separatismus gegenseitig ins Eck zu stellen.

  7. 7 stankovic 24. August 2017 um 13:31 Uhr

    Also in deutlich:

    Die Täter, so denn der islamisch-terroristische Hintergrund der Tat feststeht, werden NICHT als verrückt dargestellt. Wie Ihr darauf kommt: Keine Ahnung! Andersrum: Gilt einer als verrückt, weil beispielsweise bei einem Einzeltäter eine Depression diagnostiziert wurde, dann war es kein Terrorismus, sondern eben die Tat eines Bekloppten. Bei verrückten Einzeltätern, die auch „Allah ist groß“ gerufen haben, fängt dann die große Diskussion an, ob es denn Terror war oder nicht. In solchen Diskussionen wird von rechter Seite der Vorwurf geäußert, die Pathologisierung der Tat solle die Gefahr islamischen Terrors relativieren und verheimlichen, dass die vermehrte Zuwanderung der letzten Jahre zu einer Erhöhung des Terrors geführt habe. Die offizielle Seite kann diesem Argument im Prinzip nichts entgegenhalten, sondern hofft stattdessen bei jedem Anschlag eines Einzeltäters, dass er nicht im Namen Allahs zu Werke gegangen ist – verrückt und islamisch aufgehetzt scheint bei beiden Seiten nicht zusammenzugehen.

  8. 8 stankovic 24. August 2017 um 13:34 Uhr

    Und wenn die Tat als die eines Verrückten dargestellt wird, dann wird sie nicht einer Erklärung entzogen, sondern mit der Verrücktheit des Täters erklärt. Wobei die Erklärung, egal wie falsch sie auch sein mag, mehr versucht, als nur auf die diagnostizierte psychische Erkrankung hinzuweisen. Ist das jetzt zu kleinlich von mir?

  9. 9 Nestor 24. August 2017 um 16:26 Uhr

    Na ja, ich gebe zu, daß die Untersuchung noch im Gange ist, was die Motivation war. Aber es zeichnet sich bereits ab, daß es für alle, die sich dazu äußern, unerklärlich ist, wie sich diese Leute so „radikalisieren“ konnten, ohne daß es wer bemerkt hat.
    Es ist ähnlich wie bei nicht als terroristisch eingestuften Amokläufern. Wer hätte das gedacht, daß X sowas machen könnte!

    Verrücktheit ist natürlich nie eine Erklärung. Es wird festgestellt, daß die Gedankengänge des Betreffenden von dem abweichen, was begreifbar ist.
    Daran scheitern übrigens die Behandlungen aller Leute, die als narrisch eingestuft werden, bzw. so sehen sie dann auch aus. Das Abweichende wird mit Therapien und Pillen behandelt, die versuchen, das Individuum wieder funktional zu machen.

    Was den von rechter Seite gerne strapazierten angeblichen Zusammenhang von Zuwanderung und Terrorismus betrifft, so kommt als Begründung meistens nicht viel mehr als die Gleichzeitigkeit und die Behauptung des Kampfes der Kulturen. Letzteres ist eine theoritisch ziemlich hilflose Reaktion auf die Globalisierung und die damit einhergehende Verarmung der Massen. Weil verschiedene Kulturen sind kein Grund für Gegensätze – es werden ja nicht alle Leute aus der muslimischen Welt zu Attentätern, und es sind auch die meisten Opfer des IS Muslime.

  10. 10 stankovic 24. August 2017 um 22:09 Uhr

    „Aber es zeichnet sich bereits ab, daß es für alle, die sich dazu äußern, unerklärlich ist, wie sich diese Leute so ‚radikalisieren‘ konnten, ohne daß es wer bemerkt hat.“
    Bei allen Phänomenen, die recht neu sind und der Erklärung ausharren, stellt sich selbstverständlich erst einmal Verwunderung ein. Oder hast Du aus dem Nichts heraus eine plausible Erklärung dafür, warum selbst pubertierende Teenies den Wunsch verspüren, als Kämpfer nach Syrien reisen und schlachten zu wollen? Die Schwierigkeiten, die in Politik und Medien zu beobachten sind, gehen auf einen banalen Grund zurück: den Islam mag man nicht als Grund des Terrors anerkennen.

    „Verrücktheit ist natürlich nie eine Erklärung.“
    Nie? Wenn der Depressive sich aus dem Leben reißt oder der Paranoide seinen Stimmen im Kopf folgend mit seiner feindlichen Umgebung abrechnet, dann sind die Taten Konsequenzen der Verrücktheit. Der bloße Verweis auf die Verrücktheit erklärt natürlich gar nichts, die zu erklärende Tat oder Handlung eines Verrückten muss schon aus dem Inhalt seines Wahnsinns abgeleitet werden. Selbst in Zweigen der Psychiatrie wird das Verrückte nicht immer als unbegreiflich bestimmt: dann gäbe es nämlich nur Pillen, aber keine Therapien.

    „Weil verschiedene Kulturen sind kein Grund für Gegensätze“
    Wenn Menschen sich schon als Repräsentanten einer Kultur begreifen, die sie erst zu dem machen soll, was sie als Menschen auszeichnet, dann sind Konflikte unter Botschaftern verschiedener Kulturen normal.

  11. 11 Krim 25. August 2017 um 9:45 Uhr

    „Aber es zeichnet sich bereits ab, daß es für alle, die sich dazu äußern, unerklärlich ist, wie sich diese Leute so „radikalisieren“ konnten,…“

    „Es wird festgestellt, daß die Gedankengänge des Betreffenden von dem abweichen, was begreifbar ist.“

    Solche Diagnosen von „Verrücktheit“ sind ja auch keine medizinischen oder psychiatrischen Diagnosen, sondern moralische Urteile. Wer so von den üblichen moralischen Maßstäben abweicht, kann nur verrückt sein. Nach dem selben Muster wird auch Hitler als Wahnsinniger hingestellt. Damit will ja niemand sagen, dass Hitler an einer psychischen Krankheit litt, sondern dass sein Tun von der heute herrschenden Moral soweit abwich, dass nur noch die Abweichung wahrgenommen wird. Daher redet ihr aneinander vorbei.

  12. 12 stankovic 26. August 2017 um 0:04 Uhr

    „daher redet ihr aneinander vorbei“

    Sicher?

    „Das Abweichende wird mit Therapien und Pillen behandelt, die versuchen, das Individuum wieder funktional zu machen.“

  13. 13 joszef 26. August 2017 um 10:30 Uhr

    „Draus machen“ im Sinne von einer Gegenöffentlichkeit, die imstande ist, in diese Aufarbeitung gewisse Inhalte einfließen zu können – oder eben nicht.

    z. B. findet heute die Demo „Ihre Politik – unsere Tote“ statt, veranstaltet von über 170 Vereinen und NGOs, die parallel zur offiziellen Demo läuft und diese auch blockieren soll. Ob dies von der Berichterstattung ignoriert werden kann bzw. ihre Motive sich beiseite schieben lassen?

  14. 14 Krim 26. August 2017 um 11:18 Uhr

    stanko: Nochmal. Die Diagnose von Verrücktheit bei Terroranschlägen ist eine Art und Weise der Demonstration von moralischer Betroffenheit und in den allermeisten Fällen nicht als „psychologisch medizinische“ Diagnose von Geisteskrankheit misszuverstehen. Es sind ja auch keine Psychiater, die solche Urteile fällen.

    Natürlich mag es auch den einen oder anderen Amokläufer mit Stimmen in seinem Kopf geben, das ist dann aber was anderes. Und natürlich ist auch die psychiatrische Diagnose von Verrücktheit recht nah an solchen moralischen Urteilen, wenn einfach abweichendes Verhalten als geistige Krankheit diagnostiziert wird und mit Pillen die Funktionalität für den Kapitalismus wieder hergestellt werden soll. Trotzdem sind es zwei paar Stiefel, ob ein Journalist seiner moralischen Betroffenheit Ausdruck verleiht, indem er sein Unwissen (unbegreiflich) dem Täter als Eigenschaft anhängt, oder ob ein Arzt eine Abweichung vom normalen (bürgerlichen) Verhalten untersucht.

  15. 15 stankovic 26. August 2017 um 18:27 Uhr

    Nochmal

    Du musst dich nicht wiederholen. Nicht immer wenn Du dich unverstanden fühlst, bist Du auch missverstanden worden. Worüber reden wir hier eigentlich? Über den islamischen Terror der letzten 2 bis 3 Jahre? Du und Nestor schaffen es, genau darüber zu reden, ohne ihn zu erwähnen. Unterschiedslos wirfst Du islamischen Terror, Amokläufer und verrückte Gewalttäter über einen Haufen, um dann im Gegenzug der medialen Aufbereitung vorzuwerfen, sie würde auf alles immerzu mit der gleichen Erklärung reagieren, ohne dass Du die Berichterstattung selbst zur Kenntnis genommen hättest. Du kritisierst Produkte deiner Phantasiewelt, die Du dir zusammengestrickt hast, um neunmalklug eine öde Standardargumentation abzuspulen.

    Wir können ja gerne mal das Thema diskutieren, wenn du dich mit ihm vertraut machst.

  16. 16 Krim 26. August 2017 um 20:38 Uhr

    „Unterschiedslos wirfst Du islamischen Terror, Amokläufer und verrückte Gewalttäter über einen Haufen,“ Eigentlich habe ich genau für das Gegenteil plädiert, nämlich dafür medizinische Diagnosen und moralische Urteile auseinander zu halten. Mein Vorwurf war auch nicht, dass die Erklärung immer die selbe ist, sondern dass sie moralisch ist.also hat du mich eben doch nicht so gut verstanden, wie du behauptest.

  17. 17 stankovic 26. August 2017 um 21:17 Uhr

    Nö, da hast Du mich falsch verstanden. Ich formuliere genauer: Du wirfst alles in der BERICHTERSTATTUNG über einen Haufen.

  18. 18 Krim 26. August 2017 um 22:36 Uhr

    Was denn „alles“ z.B.? Meinst du es gibt nicht dieses Urteil in der Berichterstattung, dass Taten als unbegreiflich und wahnsinnig charakterisiert werden? Und wenn das so ist, dann ist dieses Standardargument doch wohl richtig. Oder?

    Wenn dir das zu wenig spezifisch ist, kannst du gerne eine solche Kritik versuchen. Aber mach doch bitte meine Kritik nicht runter, weil du behauptest eine andere zu haben. Vielleicht stimmen ja beide, aber dazu müsstest du deine erstmal vorstellig machen.

  19. 19 stankovic 26. August 2017 um 22:50 Uhr

    „Meinst du es gibt nicht dieses Urteil in der Berichterstattung, dass Taten als unbegreiflich und wahnsinnig charakterisiert werden? Und wenn das so ist, dann ist dieses Standardargument doch wohl richtig. Oder?“

    Tja, wenn das so ist, dann wird’s wohl so sein, aber auch nur dann. Und wenn es nicht so ist, dann auch egal, weil wenn’s so wäre, hätte man immerhin die passende Kritik im Standardrepertoire, das darauf wartet nur noch abgerufen zu werden. Hey, wie gesagt: Nimm einfach mal die Berichterstattung zur Kenntnis, anstatt ein Standardargument zum Besten zu geben, dass nur deswegen auf alles mögliche passt, weil es sich gierig auf das Moment des Entsetzens wirft, nachdem es gekonnt alles andere übersehen hat.

  20. 20 Ungläubiger 27. August 2017 um 9:00 Uhr

    Hauptzweck der derzeitigen IS-Terror-Anhänger scheint zu sein, auf dem Weg in den eigenen Tod noch „Ungläubige“ mit in den Tod zu nehmen, ansonsten den eigenen Tod als Hauptzweck anzustreben. Deswegen fallen manche mit Messern über Mitbürger her, rufen demonstrativ ihren Schlachtgesang, und zeigen Attrappen von Sprengstoffgürteln her, damit sie schnell erschossen werden. (Vermutlich rufen sie vorher bei der Polizei an, damit die sie dann auch wirklich töten möge.)

  21. 21 Krim 27. August 2017 um 10:01 Uhr

    „ansonsten den eigenen Tod als Hauptzweck anzustreben.“ Sterben ginge auch mit Schlaftabletten. Es geht darum als Märtyrer im Heiligen Krieg zu sterben. Also muss man Ungläubige umbringen, damit man sich im heiligen Krieg befindet und man muss getötet werden. Denn wer sich selbst umbringt, kommt in die Hölle.

  22. 22 Ungläubiger 27. August 2017 um 12:17 Uhr

    Ein Kampfprogramm zwecks Errichtung eines weltweiten Kalifates – schaut jedenfalls vermutlich doch etwas anders aus, als solcherlei individuelle Aktionen, um möglichst schnell von der Erde weg und in den Himmel zu gelangen, lächerlicherweise selbst dabei noch frömmelnd und heuchlerisch, denn, sich möglichst mittels Sprengstoffattrappen und gefälschter nicht schießender Waffenattrappen von der Polizei erschießen zu lassen, das soll missionarischer Djihadismus und Märtyrertod im Heiligen Krieg sein?

  23. 23 Krim 27. August 2017 um 13:15 Uhr

    Man kann ja schlecht erwarten, dass jemand der an ein Paradies nach dem Tod glaubt, wenn man nur hilft den eigenen Glauben gegen Ungläubige zu verteidigen, plötzlich kritisch gegen die eigene Gedankenkonstruktion wird. So ein gläubiges Schaf soll sich ja kein eigenes Urteil über Sinn und Unsinn seines Märtyrertodes machen. Wo kämen wir denn da hin, wenn sein eigenes Urteil darüber entscheidet, ob sein Tod jetzt unumgänglich oder absichtlich herbeigeführt ist. Da könnte er es ja gleich lassen und bräuchte auch nicht mehr auf seine Glaubensführer zu hören. Heißt Islam nicht „Unterwerfung“ unter den Willen Allahs.

  24. 24 Nestor 29. August 2017 um 20:55 Uhr

    @stankovic

    Oder hast Du aus dem Nichts heraus eine plausible Erklärung dafür, warum selbst pubertierende Teenies den Wunsch verspüren, als Kämpfer nach Syrien reisen und schlachten zu wollen?

    Wieso aus dem Nichts heraus? Es gibt ja den islamischen Terror seit geraumer Zeit, und die Leute lassen sich ja auch nicht unbezeugt, sondern lassen alle, die es interessiert, in ihre Ideologie Einblick nehmen.
    Natürlich habe ich eine Erklärung dafür:
    DSCHIHAD – http://nestormachno.blogsport.de/2014/08/25/das-vorruecken-des-islamischen-staates/
    Ich weiß nicht, warum jetzt wieder die Pubertierenden herhalten müssen. Da sind ja auch Erwachsene dabei, Anstifter, Internet-Prediger usw. Junge Leute sind da vielleicht eher empfänglich, aber wie man auch sieht, nur eine Minderheit.
    Diese ganze Sehnsucht, über andere, Sündige und Ungläubige, Gericht zu halten entspricht dem Rechtsbewußtsein des Citoyen, des modernen Staatsbürgers, auf dessen Indienstnahme alle Institutionen und Ideologen scharf sind. Sie konkurrieren da mit den Rekrutierern des IS – darum, wer sich solche gehorsamen und überzeugten Soldaten, Lehrer und Ausbildner heranzüchten kann, für die Ziele ihrer übergeordneten Gewalt.

  25. 25 Nestor 29. August 2017 um 21:03 Uhr

    @joszef

    Auf die „Kleine Zeitung“ mit Sitz in Graz kann man sich halt verlassen!

    „Linksradikale Separatisten warfen der Regierung und dem König mit Schlachtrufen und Plakaten mit der Aufschrift „Eure Politik, unsere Toten“ sogar vor, mit Waffenlieferungen an Staaten wie Saudi-Arabien den internationalen islamistischen Terrorismus zu unterstützen.“

    Aber ohne Scherz: Diese Kritik wird völlig eingemeindet in die Konkurrenz zwischen der katalanischen Regierung und der in Madrid. Auch wenn es die Demonstranten nicht so meinen, so werden sie damit zu den Separatisten gerechnet, weil es eine Kritik an der Politik der der Zentralregierung ist.

  26. 26 Nestor 29. August 2017 um 21:25 Uhr

    Denn wer sich selbst umbringt, kommt in die Hölle.

    Es war die Leistung Ayman Al-Zawahiris, in den frühen 90-er Jahren, den Selbstmord zu rechtfertigen, wenn er dem Dschihad dient. (Vorher war er, wie Krim anmerkt, dem stranggläubigen Muslim verboten.)
    Seither hat der Selbstmord eine beachtliche Karriere gemacht bei den islamischen Fanatikern: er gilt sozusagen als die Kür des aufopfernden Kämpfertums.
    Man merkt daran auch, wie elastisch die Interpretation des Koran ist, und wie willkürlich die Hierarchie im sunnitischen Islam, wenn ein ägyptischer Arzt in solcher Art ein Dogma in sein Gegenteil verkehren kann.

  27. 27 Nestor 29. August 2017 um 21:41 Uhr

    @Ungläubiger

    Ein Kampfprogramm zwecks Errichtung eines weltweiten Kalifates – schaut jedenfalls vermutlich doch etwas anders aus

    Wie die Recherchen der spanischen Polizei ergeben, gehörte der Mufti von Ripoll, der die anderen angeworben hat, einer salfitischen Sekte an, die auf Geheimhaltung größten Wert legt.
    Was die Politik des IS angeht, so scheint er inzwischen in Syrien und im Irak in Bedrängnis zu geraten. Um so wichtiger wird die Beschwörung des westlichen Kalifats, die Wieder-Errichtung von Al-Andalus.
    So Leute wie die Attentäter von Katalonien sehen sich als Blutopfer, die die anderen Muslime der Iberischen Halbinsel aufrütteln müssen, um Al-Andalus wieder auferstehen zu lassen.

  28. 28 Ungläubiger 30. August 2017 um 5:33 Uhr

    Im Westen wird Al-Andalus ja ganz anders rezipiert.
    (Mehr so im Sinne, da sei die Urform von Multikulti
    eigentlich bereits praktiziert worden.)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Andalus
    Averroes und Liebeslyrik von Zyryab sind hierzulande eher
    die gängigen ideologischen Referenzpunkte.
    https://books.google.de/books?id=zaEHRF7ZS7IC&pg=PA125&redir_esc=y

    Der IS hat aber vermutlich eine dazu ganz gegensätzliche Lesart.

  29. 29 Ungläubiger 30. August 2017 um 8:01 Uhr

    Oder hat der IS eher die Lesart,
    Al-Andalus, das sei schon OK gewesen.
    Aber die Kreuzritter des Westens,
    die wollten diesen idealen Zustand ja gar nicht?
    Damals wie heute?

  30. 30 Krim 30. August 2017 um 10:05 Uhr

    In dem Wikipediaartikel wird die Toleranz im islamischen Spanien als „multikultureller Mythos“ bezeichnet. Und wenn man dann so liest wie mit den Minderheiten umgegangen wurde, dann tendiere ich auch zu dieser Ansicht.

    Man darf als Maßstab auch nicht immer die Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus heranziehen und dann schließen: War ja gar nicht so schlimm. So ein mittelalterlicher Herrscher, brauchte ja Untertanen, damit sie Reichtum produzieren. Da ist es eher kontraproduktiv alle oder große Teile der Bevölkerung umzubringen. Versklavung, höhere Steuern, Behandlung als unterworfenes Volk mit geringeren Rechten usw. sind da nützlicher für die Herrschaft.

  31. 31 Nestor 01. September 2017 um 22:52 Uhr

    Toleranz ist ein schöner Titel, um die eigene Herrschaft zu bemänteln, der Zweck eines staatlichen Systems ist sie nicht, und war sie auch nie. Das gilt für Al-Andalus genauso wie für die EU.

    Für den IS war es ein islamisches Reich, eine Zeitlang sogar ein Kalifat, und damit ist der Rechtstitel da, um zu sagen: das wollen wir wieder errichten!
    Wie das seinerzeit im Inneren organisiert war, ist denen ganz wurscht. Wenn sie an der Macht sind, so würden sie sich so auffähren wie in Rakka oder Mossul. Das ist in ihren Augen rechtgläubig.

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