Kritik des Gegenstandpunkt-Artikels aus GSP 2/17

DIE OKTOBERREVOLUTION

Einleitung

Ich habe mich entschlossen, den Artikel zu kritisieren, aus folgenden Gründen:

1. wurde mir immer vorgeworfen, daß ich keine inhaltliche Kritik an den Positionen des GegenStandpunktes mache, obwohl ich doch nicht überall mit ihm übereinstimme.
Der Grund dafür war, daß ich mich nicht wegen – von mir als solchen wahrgenommenen – Kleinigkeiten mit alten Mitstreitern in die Haare kriegen wollte. Meine Einstellung war: Wir ziehen doch alle am gleichen Strang. Die marxistische, staatskritische, analytische Linke ist seit dem Zusammenbruch der SU sehr geschrumpft, man sollte sich doch nicht untereinander zerfleischen.
Meine Gegner sind Staat und Kapital, nicht andere Linke. Wenn ich mich auf eine Veranstaltung, eine Diskussion, die Publikation eines Artikels usw. mit anderen einigen kann, so sind mir Anarchisten genauso recht wie Trotzkisten, Stalinisten, Maoisten, Autonome und was es sonst noch gibt im radikalen linken Spektrum.
Dieser pragmatische Standpunkt ist mir vom Gegenstandpunkt offenbar übel genommen worden, und das war der Hauptgrund, warum seine maßgeblichen Vertreter (wer ist das eigentlich?) Wert darauf gelegt haben, sich von mir zu distanzieren.
Also sehe ich mich jetzt genötigt, auch einmal eine inhaltliche Kritik zu formulieren. Ich hätte das vielleicht früher schon tun sollen, habe es aber aus den oben erwähnten Gründen unterlassen.

2. scheint es mich auch in den Brennpunkt der Kritik der Zuständigen gerückt zu haben, daß ich – zusammen mit anderen – die MSZ der 70-er Jahre aufs Netz gestellt habe.
Der Gegenstandpunkt, so mein Eindruck, hat ein Problem mit seiner Vergangenheit. Schon die MSZ der 80-er Jahre wurde nicht vollständig aufs Netz gestellt. Rubriken wie „Der ganz normale Wahnsinn“ oder „Nachrichten aus der Marktwirtschaft“, und anderes wurden fallengelassen. Man kann das immer mit „mangelnden Ressourcen“ begründen, aber meiner Ansicht nach ist das hier wie auch anderswo ein vorgeschobener Grund. Man möchte offenbar Positionen, die man einmal eingenommen hat, aber nicht mehr vertritt, solchermaßen unter den Teppich kehren.
Und da ist es natürlich lästig, wenn dann jemand wie ich und Gleichgesinnte daherkommen und einiges wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Übrigens gibt es das MAO-Projekt, das viele alte MSZ-Nummern und auch viele der Münchner Studentenzeitung aufs Netz stellt, als JPG. Also dort kann man sich auch informieren über die MSZ, sofern das wen interessiert.
Ich weiß weder, inwiefern das MSZ-Archiv der vorigen Homepage des GSP halbwegs vollständig war – mit Ausnahme der erwähnten Rubriken – noch, was von der alten Homepage auf die neue, sehr unübersichtliche, geraten ist.
Auch die Umstellung auf PDF ist seltsam. PDF braucht mehr Webspace, ist schwerfälliger zu laden und wird von den Google-Suchmaschinen schwerer gefunden als HTML. Auch innerhalb einer Seite ist die Suchfunktion nach Stichworten langsamer. Deswegen betreibe ich die MSZ-Homepage auch als HTML.
Falls irgendwer Infos zu dieser Umstellung hat, und warum auf PDF, und ob da auch wieder etwas hinausgeworfen wurde, so bitte an meine Webadresse auf meiner Homepage schreiben. Ich würde das dann irgendwo veröffentlichen, selbstverständlich anonym.

3. – zum Inhalt.
Von verschiedenen Seiten wurde ich auf den Artikel angesprochen: Was wollen die vom GSP eigentlich?
Ein russischer Bekannter hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß eigentlich nur das alte Perestroika-Buch neu aufgewärmt und in gekürzter Form publiziert wurde.
Er hat beanstandet, daß die Oktoberrevolution selbst eigentlich nicht Thema des Artikels war, sondern nur die Sowjetunion und ihr Ende.
Aber was wollten die Bolschewiken eigentlich?
Mit was für Zielen, Parolen, Absichten sind sie angetreten?
Immerhin waren sie Sozialdemokraten. Sie hielten die Erringung der Macht im Namen der Arbeiterklasse für die richtige Vorgangsweise, um den Sozialismus voranzubringen.
Was war für sie „Sozialismus“?
Das Recht auf Arbeit für alle?
Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums durch legitimierte Organe?
Was ist von den Idealen der Französischen Revolution zu halten, wie demjenigen der Gleichheit? Die war ihnen ja selber ein Anliegen. Oder der Solidarität/Brüderlichkeit? Ist das nicht ein Ideal der kapitalistischen Konkurrenz?
All das wäre einmal zu leisten in einem Artikel über die Oktoberrevolution. Derjenige des GSP bleibt das schuldig.

1. Die Überschrift: „Rückblick auf einen unverzeihlichen Fehler“

Liebe Leute – wir haben jahrzehntelang gelernt, daß negative Begriffe nix taugen. Was soll denn das, ein Un-Wort schon in die Überschrift zu stellen?! Und unverzeihlich – für wen? Wer verzeiht die Oktoberrevolution nicht? Das Subjekt bleibt unklar.
Ist es die imperialistische / bürgerliche Welt? Wenn ja, ist die Feindschaft gegenüber der Sowjetunion mit „unverzeihlich“ richtig beschrieben? Verzeihung gehört in die moralisch-religiöse Welt. Das Aufrüsten, die Kriegsdrohung, die Stellvertreter-Kriege und die Cocom-Listen, usw. – das alles ist doch keine Frage von Vergebung oder Strafe.
Die Natur, der Inhalt des imperialistischen Gegensatzes gegenüber diesem Betriebsunfall der Weltgeschichte ist damit ganz und gar nicht erfaßt.
Das alles unter der Bedingung, daß mit „unverzeihlich“ die bürgerliche Welt als Subjekt gemeint ist.

Wenn dem so wäre – was soll dann eigentlich das Wort „Fehler“? Wer macht hier einen Fehler?
Ein Fehler heißt immer, daß man auf ein vorgestelltes Ziel zugeht und dann was verkehrt macht und deshalb nicht weiterkommt. Zum Beispiel, wenn man von München nach Berlin will und in einen Zug nach Wien einsteigt, so hat man einen Fehler gemacht. Es ist also ein Ziel unterstellt, wenn man von „Fehler“ spricht. In Bezug auf dieses Ziel hat man etwas falsch gemacht.
Was wäre denn dann das Ziel der Bolschewiki gewesen? Und wer wäre berufen, ihnen hier „Fehler“ nachzuweisen? Sich also zum Oberlehrer zu machen und ihnen vorzubuchstabieren, daß sie ihre Hausübungen schlecht gemacht haben?
Oder war es der Fehler der zaristischen Eliten, daß sie erst die Februar- und dann die Oktoberrevolution zugelassen haben?
Oder war es ein Fehler der deutschen Regierung, Lenin & Co. im plombierten Eisenbahnwaggon nach Rußland zu schicken?

Wenn man diese Möglichkeiten durchgeht, wer denn hier einen Fehler gemacht haben könnte, so bleiben eigentlich nur die Bolschwewiki selbst als Subjekt übrig. Sie haben also einen Fehler gemacht, und der Gegenstandpunkt verzeiht ihnen den nicht.
Das würde auch passen zu den Überlegungen der 80-er Jahre, die es bei der MG tatsächlich gab, doch wen aus ihren illustren Kreisen in die SU zu schicken, damit er den dortigen Häuptlingen erzählt, was sie da alles falsch machen mit ihrer Perestroika.

Die Ignoranz und Selbstüberschätzung ist beachtlich. Wir wissen, wo es lang geht, und diese Deppen dort drüben haben alles falsch gemacht.
Daraus kann man auch schließen, daß die Verfasser des Artikels sich nicht mit den tatsächlichen Zielen der russischen Revolutionäre befassen, sondern ihnen andere unterschieben und dann daran messen, inwiefern sie denen gegenüber gefehlt haben.
Nur zur Erinnerung, weil das auch schon in Vergessenheit zu geraten scheint: ein solches Vorgehen nennt man Idealismus, und wer ihm anhängt, bedient sich des Maßstabes des Sollens:

„Aber die Abtrennung der Wirklichkeit von der Idee ist besonders bei dem Verstande beliebt, der die Träume seiner Abstraktionen für etwas Wahrhaftes hält und auf das Sollen, das er vornehmlich auch im politischen Felde gern vorschreibt, eitel ist, als ob die Welt auf ihn gewartet hätte, um zu erfahren, wie sie sein solle, aber nicht sei; wäre sie, wie sie sein soll, wo bliebe da die Altklugheit seines Sollens?“ (HEGEL, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften I, Suhrkamp tw, Werke Band 8/48)

Wenn man sich zu diesen unerfreulichen Schlüssen über die Überschrift durchgearbeitet hat, erwartet man nicht mehr viel vom Artikel selbst.

Fortsetzung folgt.


18 Antworten auf „Kritik des Gegenstandpunkt-Artikels aus GSP 2/17“


  1. 1 masters of the universe 03. August 2017 um 17:17 Uhr

    Du solltest den Titel in „Kritik des Gegenstandpunkt-Artikel-Titels aus GSP 2/17″ abändern.

  2. 2 Neoprene 03. August 2017 um 17:35 Uhr

    (Ich möchte hier auf einen schon beinahe enzyklopädischen Artikel aus der MSZ 19 verweisen, der demnächst auf der Archivseite erscheinen wird: „60 Jahre nach der Oktoberrevolution: Sowjetunion heute“)

    „Schon“ ist er online: http://msz1974-80.net/SU77.html

  3. 3 Neoprene 03. August 2017 um 17:42 Uhr

    Ein weiterer Verweis auf altes MG-Zeugs:

    Ein Genosse hat mir die folgende Abschrift der Einleitung des Vortrags von Konrad Hecker von der damaligen Marxistischen Gruppe aus 1987 „70 Jahre Oktoberrevolution – Der Weg der KPdSU – Von der Verwirklichung einer Kritik an Staat und Kapital zum Bekenntnis, keine Revolution mehr zu wollen“ geschickt:

    http://neoprene.blogsport.de/2012/09/19/klarstellungen-ueber-die-sozialistische-revolution/

  4. 4 Krim 03. August 2017 um 17:46 Uhr

    Angenommen es stünde da „Rückblick auf einen Kardinalfehler.“ wäre m.E. dasselbe ausgedrückt. Es meint halt einen „einen grundsätzlichen und schwerwiegenden Fehler“. Und das vom Standpunkt aus, dass es um die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft geht. Ob das so war, ist eine andere Frage. Aber man kann ja schon mal festhalten, dass das was die SU gemacht hat vom Standpunkt aus, dass es um Kommunismus geht falsch war.

    „Die Ignoranz und Selbstüberschätzung ist beachtlich. Wir wissen, wo es lang geht, und diese Deppen dort drüben haben alles falsch gemacht.“

    Warum soll das eine ignorante Selbstüberschätzung sein? Wahrscheinlich wusste die MG, dass es in der SU nicht mehr um Kommunismus ging und haben deshalb niemand hingeschickt.

    „ein solches Vorgehen nennt man Idealismus, und wer ihm anhängt, bedient sich des Maßstabes des Sollens:“

    Ich denke es ist nur ein Auftakt, um am Anfang zu sagen: Um Kommunismus geht es jedenfalls nicht. Also worum geht es? Ich finde als Einleitung kann man das schon machen. Wenn natürlich im weiteren Text der Idealismus durchgezogen wird, dann wäre es kritikabel.

  5. 5 Nestor 03. August 2017 um 18:07 Uhr

    @Krim

    Ignorant war es gegenüber den Zielen der SU-Politiker, weil wenn diejenigen, die diesen Gedanken gewälzt haben, der Ansicht gewesen wären, daß es denen da drüben nicht um Kommunismus geht, so hätten sie ja nicht gemeint, ihnen Tipps geben zu können.

    Selbstüberschätzung war es deshalb, weil wieso hätte wer auf den Senf unserer Genossen Wert legen sollen?

    Was den „Fehler“ betrifft, steht doch alles im Text: Fehler in bezug auf was?

    Auftakt, um am Anfang zu sagen: Um Kommunismus geht es jedenfalls nicht

    Na das wäre eine Auskunft! Und sonst weisen wir doch immer – meiner Ansicht nach korrekterweise – darauf hin, daß ein negatives Urteil nichts über die Sache aussagt, sondern nur über die Zwecke der Person, die es ausspricht. Es ist also ebenso uninformativ, wie es parteilich ist.

  6. 6 Krim 03. August 2017 um 19:49 Uhr

    „Selbstüberschätzung war es deshalb, weil wieso hätte wer auf den Senf unserer Genossen Wert legen sollen?“ Deshalb sind sie ja nicht hingegangen, um denen zustecken welche Fehler sie machen, weil sie ja wissen, dass sie was anderes wollen.

    Das theoretische Urteil, es geht in der SU nicht um Kommunismus ist keine Selbstüberschätzung.

    „Fehler in Bezug auf was?“ Sagte ich doch. Fehler vom Standpunkt aus es ginge irgendwie um Kommunismus.

    „daß ein negatives Urteil nichts über die Sache aussagt“ Kommt halt auch drauf an zu wem man es sagt. Wer die SU für Kommunismus hält, wie viele Linke heute und auch zu MG-Zeiten, zu denen kann man schon mal sagen – nein ist keiner.

    Wie gesagt mach mal weiter im Text es würde mich wundern, wenn der idealistische Standpunkt durchgezogen wurde.

  7. 7 Nestor 03. August 2017 um 20:13 Uhr

    @Krim

    Deshalb sind sie ja nicht hingegangen

    Keine Ahnung. Ich glaube auch nicht, daß du so eine Aussage treffen kannst. Allein der Gedanke war vermessen, auf das wollte ich hinaus, weil das Verhältnis von Geist und Macht hier völlig falsch interpretiert wurde.

    Ich würde übrigens den oben von Neoprene geposteten MSZ-Artikel von ’77 dem jetzigen GSP-Artikel, der auf dem Polen-Buch von 1982 beruht, vorziehen, oder zumindest als Ergänzung auf jeden Fall empfehlen.
    Man weiß dann zwar wenig über die Oktoberrevolution, aber immerhin etwas über das Selbstverständnis und die Ökonomie der SU in ihrer für die Bewohner besten Zeit, die absurderweise als „Stagnation“ bezeichnet wurde.

  8. 8 Neoprene 03. August 2017 um 21:08 Uhr

    Von Facebook:
    „Was ist jetzt am Prolog eines mit seiner eigenen Subjektivität hadernden Moralisten, der selbst im als „zum Inhalt“ gekennzeichnetem Teil nicht über eine Begriffsausdeutungsakrobatik hinaus kommt, so spannend, dass die Welt davon erfahren muss? Bleiben die Vorwürfe bezüglich des unvollständigen Archivs & ff. auf die sich sicher schnell und sachlich erwidern lässt. Die eventuell vorhandenen internen Querelen auf die sich der Autor spekulativ denunzierend bezieht, sind so für Außenstehende ohnehin nicht nachvollziehbar. Schade um die vertane Zeit, ohne auch nur einen Punkt essentieller Kritik an den Aussagen des Artikels. Fragen über Fragen und nur das indirekt autoanalytische Psychogramm einer beleidigten Leberwurst im Angebot.“

  9. 9 Krim 03. August 2017 um 21:26 Uhr

    Welcher Gedanke? „Wir wissen, wo es lang geht, und diese Deppen dort drüben haben alles falsch gemacht.“ – Kommt doch auf die Begründung an, ob das vermessen und selbstüberschätzt ist. Und außerdem ist das ja deine Darstellung des Standpunkts der MG.

    Du kritisierst doch auch. Ist das auch vermessen und selbstüberschätzt. Zumal deine Kritik des eigentlichen Artikels ja noch aussteht.

  10. 10 Michael Hübner 04. August 2017 um 8:23 Uhr

    Der oben von „Neoprene“ verlinkte Artikel „60 Jahre nach der Oktoberrevolution: Sowjetunion heute“ aus einer früheren MSZ ist irreführend und entspricht m.W. auch nicht deren späteren (besseren) Erklärungen.

    Dieser suggeriert unter dem Stichwort „Staatskapitalismus“, daß es in der damaligen Sowjetunion zwar keine Kapitalisten bzw. Reiche und Vermögende mehr gab, dafür aber die Werktätigen vom Staat ausgebeutet wurden.
    (Beinahe, als ob der ganze „realsozialistische“ Aufwand letztlich deshalb betrieben worden wäre, damit z.B. Breshnew und die Seinen eine Party nach der anderen feiern können.)

    Wenn schon, dann sollte deren Staatsprogramm bzw. dessen Zwecke kritisiert werden, für das die Werktätigen „eingespannt“ wurden.

    Grüße
    Michael Hübner

  11. 11 Nestor 05. August 2017 um 2:25 Uhr

    Also der von Neoprene verlinkte Facebook-Eintrag ist so verschwurbelt, daß ich nicht so recht weiß, um was es geht. Mit so einem Nonsens befasse ich mich nicht.

    @Krim

    Was soll ich an dem Artikel noch groß kritisieren? Die Einleitung ist dürftig, dazu habe ich einiges gesagt.
    Der Rest ist ein fertiger Text von 1982, der nicht groß redigiert wurde.

    Was soll man jetzt daran kritisieren?

    Ich finde die ganze Vorgangsweise des GSP eigenartig. Man tut sich keine Arbeit an, schreibt einen Blabla-Text als Einleitung und stellt einen alten Text hin.
    Meiner Auffassung nach intellektuell dürftig, also von mir ist keine weitere Kritik zu erwarten.

  12. 12 Nestor 05. August 2017 um 2:31 Uhr

    @Michael H.

    Deine Interpretation des 77-er Artikels ist recht einseitig. Natürlich triffst du was, wenn du den Begriff des „Staatskapitalismus“ verwirfst. Das war halt damals ein gängiger Topos, ich halte den für falsch.
    Ich habe vor Jahren auch einmal was dazu verzapft, das gibts leider nur auf Englisch:
    https://communistobjections.wordpress.com/2009/09/17/critique-of-state-capitalism-theory/

  13. 13 Nestor 05. August 2017 um 2:37 Uhr

    Um die Oktoberrevolution richtig zu erfassen, zu beschreiben und zu kritisieren, wäre es meiner Auffassung nach notwendig, sich mit den theoretischen Schriften der Bolschewiki vor der Oktoberrevolution zu befassen. Also man müßte schauen, was die vor 1917 verzapft haben, um ihr wirkliches Programm, oder ihre Anliegen erstens zur Kenntnis zu nehmen, und zweitens zu analysieren.

    Die MG hat sich der Imperialismustheorie Lenis in einem alten MSZ-Artikel angenommen, aber zu mehr reichte es nicht – offenbar bis heute!

  14. 14 Risse 05. August 2017 um 6:36 Uhr

    Den realsozialismus als unverzeihlichen Fehler zu bezeichnen, ist aus den von dir geschrieben Gründen ein Fehler.

    Dafür würde ich den gsp Artikel jedoch nicht kritisieren. Warum? Der Titel ist eine Polemik die genau die Fehler die du beschreibst anprangert.

    Es steht ja im Text:

    Es macht am Elend des verschwundenen Systems deutlich, was Kommunisten an Kritik zu leisten und was sie an einer Welt auszusetzen und zu ändern haben, die den ‚realen Sozialismus‘ dort, wo er die Macht hatte, wie auch dort, wo er der Unzufriedenheit der Lohnabhängigen und „Abgehängten“ eine Heimat geboten hat, durch die Barbarei eines marschierenden Nationalismus ersetzt hat“

    Im Text kommt der von dir beschriebene Idealismus ja gar nicht vor oder?

  15. 15 Michael Hübner 05. August 2017 um 12:29 Uhr

    Warum sehen auch „Linke“ anscheinend den „Wald vor lauter Bäumen“ nicht?

    In der jüngeren Geschichte gab es im wesentlichen drei ökonomische „Modelle“:
    1. Den klassischen Kapitalismus, der zunehmend die Welt ruiniert und sich seinem Ende nähert, wenn auch mit dem Knall eines 3.Weltkriegs.
    2. Den sog. Realsozialismus, in dem der Staat der Eigentümer der Produktionsmittel war, allerdings auch nach kapitalistischen Kriterien (wenn auch in modifizierter Form) gewirtschaftet wurde.
    3. Die sog. Arbeiterselbstverwaltung im früheren Jugoslawien, in der zwar die ArbeiterInnen die Eigentümer der Produktionsmittel waren, allerdings weiterhin im „marktwirtschaftlichen Rahmen“ gewirtschaftet wurde.

    Alle drei „Modelle“ können als weitgehend gescheitert bezeichnet werden und haben nicht die ursprünglich erhofften Erwartungen der meisten Menschen erfüllt.
    (Bekanntlich ist auch die heutige kapitalistische bzw. bürgerliche Gesellschaft ursprünglich hoffnungsvoll gestartet – sogar mit Unterstützung des „Proletariats“ gegen die vorherigen feudalen Verhältnisse, während deren Parole „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ für viele damals noch keine Phrase war.)

    Zu lernen wäre daraus, daß die entscheidende Frage nicht ist, wem die Produktionsmittel gehören, sondern welchen Zwecken diese dienen.

    Entweder der Vermehrung des Geldes bzw. Kapitals (weitgehend egal, wer es macht) oder der Befriedigung des gesellschaftlichen Bedarfs.

    Deshalb bleibt nur noch eines:
    Eine vernünftige Planwirtschaft, in der nicht mehr für das Geld und dessen Vermehrung, sondern der Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse gearbeitet wird.
    Ansonsten wird das alles nichts.

    Grüße
    Michael Hübner

  16. 16 Krim 05. August 2017 um 12:34 Uhr

    Diese Sätze sind einfach beschissen kompliziert formuliert.
    „die den ‚realen Sozialismus‘“ wer „die“? die Welt?
    Die Welt hat den „realen Sozialismus“ durch „die Barbarei eines marschierenden Nationalismus ersetzt“. Ich bin verwirrt. Wer soll das sein?

    Warum ist das so geschrieben, dass man es sechs mal lesen muss, bevor man rauskriegt wer da was mit wem macht. Soll das guter Stil sein? Echt. Schmeißt mal die Autoren raus oder führt eine Wortobergrenze für Sätze ein. Jeder Satz über zwanzig Worte wird angestrichen und muss neu formuliert werden.

  17. 17 Krim 05. August 2017 um 12:39 Uhr

    „weitgehend gescheitert“ An welchem Maßstab denn? Das ist ungefähr dasselbe Denkmuster wie der „unverzeihliche Fehler“. Ein Idealismus, bloß ein anderer.

  18. 18 Nestor 06. August 2017 um 20:28 Uhr

    @Krim
    Genau so ist es. ;-)

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