Was ist los bei VW?

SELBSTZERFLEISCHUNG?

VW bietet seit geraumer Zeit, verstärkt seit dem Bekanntwerden der Manipulationen bei Abgastests, das seltsame Bild eines Unternehmens, das am eigenen Erfolg zu ersticken droht. Das ist bemerkenswert angesichts des akkumulierten Kapitals und der politischen Rückendeckung dieses Konzerns.

Karl Marx beschreibt im 3. Band des „Kapital“ die Trennung von Management und Besitzern eines Unternehmens bei den Aktiengesellschaften:

„Der Verwaltungslohn, sowohl für den merkantilen wie den industriellen Dirigenten, erscheint vollständig getrennt vom Unternehmergewinn (…) in den kapitalistischen Aktienunternehmungen. Die Trennung des Verwaltungslohns vom Unternehmergewinn, die sonst zufällig erscheint, ist hier konstant. (…) Die Aktienunternehmungen überhaupt – entwickelt mit dem Kreditwesen – haben die Tendenz, diese Verwaltungsarbeit als Funktion mehr und mehr zu trennen von dem Besitz des Kapitals, sei es eignes oder geborgtes (…). Indem aber einerseits dem bloßen Eigentümer des Kapitals, dem Geldkapitalisten der fungierende Kapitalist gegenübertritt und mit der Entwicklung des Kredits dies Geldkapital selbst einen gesellschaftlichen Charakter annimmt, in Banken konzentriert und von diesen, nicht mehr von seinen unmittelbaren Eigentümern ausgeliehen wird; indem andrerseits aber der bloße Dirigent, der das Kapital unter keinerlei Titel besitzt, weder leihweise noch sonstwie, alle realen Funktionen versieht, die dem fungierenden Kapitalisten als solchem zukommen, bleibt nur der Funktionär und verschwindet der Kapitalist als überflüssige Person aus dem Produktionsprozeß.“ (Kapital, Band III., 23. Kapitel: Zins und Unternehmergewinn, S. 401)

Er verschwindet jedoch nicht aus der Unternehmensstruktur, und das ist eine der Triebfedern der jüngeren Entwicklungen um VW.
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Das ist nur die Einleitung zu einem ausführlichen Artikel über die Vorgänge bei und die Perspektiven von VW, der hier nachgelesen werden kann.


10 Antworten auf „Was ist los bei VW?“


  1. 1 Paquito 18. April 2017 um 8:24 Uhr

    Zur Analyse der Konkurrenzlage in der Automobil-Industrie
    diese gelisteten Links zur Empfehlung

    http://Neoprene.blogsport.de/2015/05/27/spartengewerkschaften-erpressung-fuer-partikularinteressen-kuenftig-verboten/#comment-121595

    ---

    (Schön, von dir mal wieder was zu hören!!!)

    Die „Unternehmensstrukur bei VW“ – das meint ja wohl,
    dass der BRD-Staat dort dick eingemischt ist, oder?

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    Zum Boom (dem relativen) der BRD-Wirtschaft
    http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/wirtschaftswachstum-die-industrie-ist-das-zugpferd-der-konjunktur-26678294

  2. 2 Petra 19. April 2017 um 4:57 Uhr

    Zu den Details der fälligen „Abwicklungen“ – nun bei Opel:

    „Bislang wurde immer eine Auffanggesellschaft mittels eines Sozialtarifvertrages gegründet, in denen dann die Überflüssigen und Nutzlosen 1 ½ Jahre üben, Bewerbungen zu schreiben. Der Übergang in das Heer der Arbeitslosen wird fließend gestaltet. Wie wenig im Übrigen das sozialverträgliche Ausschluss-Verfahren taugt, zeigt die Abwicklung des Werkes Bochum:

    „Ihr Arbeitslosengeld fällt offenbar deutlich geringer aus als ursprünglich von Opel berechnet, d.h. sie erreichen nicht die im Sozialvertrag vereinbarten 80 Prozent des letzten Nettolohns. Von Summen zwischen 150 und 300 Euro ist die Rede…“
    http://www.derwesten.de/staedte/bochum/ex-opelaner-wundern-sich-ueber-hoehe-des-arbeitslosengeldes-id11481780.html

    Solange der Gesamt-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug begeistert verkündet:

    „Wir sind wieder die Gewinner“
    http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/opel-gesamtbetriebsratschef-schaefer-klug-wir-sind-wieder-die-gewinner-13381841.html

    und in den Nachrichten ausgewählte Arbeiter ihre Situation als Hoffen und Bangen auf sichere Arbeitsplätze beschreiben, ist eines klar: zu den Opelanern zu gehören, wäre ein Fluch. Ein bekannter Theoretiker der Arbeiterbewegung schrieb einst: es ist ein Pech, produktiver Arbeiter zu sein. Die Dummheit, die Betriebsangehörigkeit schmiede eine besondere verschworene Gemeinschaft, macht es zur Hölle.

    Ob der Kaufpreis von 1,3 Mill Euro ein Schnäppchen war oder nicht und welche Auswirkungen dieser Zusammenschluss auf VW hat – diese Art von Überlegungen sind jenseits von einem Interesse, das eine Welt ohne Ausbeutung will.“

    http://projektk.blogsport.de/2017/03/18/opel-das-rad-wird-nicht-neu-erfunden/

  3. 3 Nestor 19. April 2017 um 7:49 Uhr

    @Paquito

    Der Artikel ist zu lang für einen Blog, man muß halt dem Link folgen und den ganzen Artikel lesen. Da wird das mit der „Unternehmensstruktur“ genauer erläutert.

  4. 4 Krim 19. April 2017 um 19:47 Uhr

    Ist das Absicht einen Artikel vom 21.01.2015 zu verlinken
    „Wir sind wieder die Gewinner“

  5. 5 Petra 19. April 2017 um 20:32 Uhr

    Die Leute um „Herr Keiner“ haben den Artikel aktuell verfasst:
    „Hoch-Zeit für Automobil-Experten, Wirtschaftsprofessoren und Börsen-Spekulanten der buntscheckigsten Art: Ihre Prophezeiungen sind gefragt anlässlich der Übernahme von Opel durch den französischen Konzern PSA.“

    Warum sie zwecks Darstellung der „Betriebszusammengehörigkeitsgefühle“ auf Stellungnahmen von Anfang 2015 zurückgreifen, weiß ich nicht, vermute, dass der Gestus sein soll: Schaut zurück, nutzt nix für eure Interessen, dieses „Betriebszusammengehörigkeitsgefühl“.

    Wenn es so gemeint wäre, dann wäre es krumm, denn der Misserfolg solch idiotischer Kalkulationen (die sind nämlich die Basis für die Gefühle!), widerlegt diese gar nicht.

  6. 6 Nestor 19. April 2017 um 22:40 Uhr

    @Krim

    ???
    Ist das so schwierig, oben auf „hier“ zu drücken?

    @Petra

    Um welchen Artikel geht es?

    Irgendwie verstehe ich aus euren beiden Bemerkungen nur Bahnhof.
    Mein Artikel ist jedenfalls hier.

  7. 7 Krim 20. April 2017 um 12:55 Uhr

    „Hier“ drücken? Moment bitte, da muss ich erst meinen Stringpartikelstrahler bläuen. Du weiß nicht was das soll? Genau.

  8. 8 Nestor 21. April 2017 um 7:03 Uhr

    ???

    Mein Artikel war zu lang für den Blog. Kommentieren kann man ihn aber auf dem Blog.
    Hab ich damit gegen irgendeine Konvention verstoßen?

  9. 9 Jacko 21. April 2017 um 8:50 Uhr

    @ Nestor

    Was mich betrifft, so habe ich einfach keine Lust, mich mit Prognosen weiter zu beschäftigen, und finde dergleichen nicht sinnvoll…

    “ (…) Das alles wird aber ihm und VW nicht nützen, denn die ausländische Konkurrenz schläft nicht. (…) Die Tage des „Modells“ VW sind gezählt.
    (…) Erfolgsgarantie ist die Umstellung auf die rücksichtslose Vernutzung und Entlassung von Menschen natürlich keine – um so mehr, als das alle machen. (…) Es mag sein, dass sogar VW selbst ein Auslaufmodell ist. Die Folgen eines Bankrotts von VW würden das ganze europäische System neu aufmischen: die Autoindustrie, den Finanzsektor, Deutschland als Industriestandort, und die EU sowieso.“

    Zweiter großer Bestandteil deines Textes ist der Kredit:

    „Das Finanzkapital in Form von Banken und Investmentfirmen leert große Mengen Kredit in die Autofirmen, diese investieren in neue Konstruktionen und Produktionstechniken, erhöhen den Arbeitsstreß, und verringern den Wert der Ware Arbeitskraft ebenso wie die Anzahl der Leute, die noch an dieser Art von Maschinerie arbeiten dürfen.
    Auf dem durch dieses – nicht nur von den Autokonzernen praktizierten – Verfahren geschrumpftem Markt stellt das Finanzkapital für Konsumenten Kredite zur Verfügung, damit sich diese die Autos auch kaufen können.
    Der ganze marktwirtschaftliche Kreislauf von Produktion, Verkauf und Konsum funktioniert nur auf Basis ständig anwachsender Verschuldung auf beiden Seiten, derjenigen der Produzenten und denjenigen der Käufer.“

    Wichtig wäre hier, ob Trump die Internationalität des Euro-Kredites wirklich beschädigen will – und was das dann bedeutet für die gesamte europäische Ökonomie…

    Aber was auf der kapitalistischen Oberfläche das „Modell“ VW als Industriemodell betrifft, so gibt es vermutlich darüber innerhalb der staatlichen, gewerkschaftlichen und eigentumsmächtig sonstigen Macher diverse Zukunftsmodelle, die man – stimmt – ja auch nicht lesen muss. Solche Konzepte täten mich dann aber im Detail doch schon mehr interessieren, also wie VW damit umgeht, Teile auszulagernn zu Subfirmen mit Eigenständigkeit; Subfirmen einerseits zu beteiligen, andererseits zu erpressen, etc….

    Du hast ja gefragt, warum keiner deinen Text diskutieren mag.
    Das ist meine Antwort (für mich).

  10. 10 Nestor 22. April 2017 um 19:52 Uhr

    @Jacko

    Ich habe nicht verstanden, warum den Text keiner LESEN will. Diskutieren muß ihn ja niemand.
    Trump ist gar nicht Thema des Artikels.
    (Was Trump will, ist eine Sache, was er wirklich macht, eine andere.)

    In dem Artikel geht es um VW und dessen Stellung in der weltweiten Konkurrenz.
    Wenn euch das alles nicht interessiert, kann ich nix machen.

    Ich suche mir meine Themen immer nach meinem eigenen Gutdünken – also danach, was ich für mitteilenswert/analysierenswert halte und nicht danach, was gerade aktuell und in aller Munde ist.

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