Marktwirtschaft: der Tausch als Quelle der Bereicherung

DAS HANDELSKAPITAL

Ein Blogtext kann natürlich keineswegs all das abdecken, was zur Rolle des Handelskapitals heute zu sagen wäre. Er soll lediglich eine Anregung dazu sein, diese Rolle zu überdenken und gegebenenfalls einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen.

Das Handelskapital ist heute nicht mehr der bloße Handlanger der Realisierung des Mehrwerts, als der es im „Kapital“ dargestellt wird. Es ist nicht mehr das produktive Kapital, das bestimmt, welchen Teil des Profits es dem Handelskapital überläßt, damit dieses den „Salto mortale“ der Ware bewerkstelligt und den Kreislauf des Kapitals schließt, um einen neuen Produktionszyklus anleiern zu können.
Das Handelskapital ist heute – in einträchtiger Zusammenarbeit mit dem Finanzkapital – zum Herren über die Produktion geworden. Das Handelskapital entscheidet, ob es den Produzenten überhaupt einen Teil des Mehrwerts überläßt oder denselben gleich restlos mit dem Finanzkapital unter sich aufteilt.
Das Handelskapital entscheidet mit dem Finanzkapital, welche Produktion sich überhaupt noch rentiert. Es entscheidet über das Zusperren von Firmen, indem es deren Gewinnmarge gegen Null drückt und Produktionen damit zerstört. Dann macht es sich auf um Ersatz-Produktionen rund um den Globus, um damit weiterhin die Bedürfnisse der Konsumenten befriedigen zu können. Das Handelskapital entscheidet heute damit über die Standorte.

Das Handelskapital war entscheidend in der Eingliederung der ex-sozialistischen Staaten in den Weltmarkt. Es zerstörte den inneren Markt dieser Staaten, und nötigte ihnen den Import als einzige Form der Aufrechterhaltung der Warenzirkulation auf. Auch das wieder in trauter Eintracht mit dem Finanzkapital, das für Konvertibilität und Zahlungsfähigkeit durch Kredit sorgte.
Das Handelskapital war ebenso ein entscheidender Faktor in der „EU-Integration“: Es sorgte für die Zerstörung der nicht-wettbewerbsfähigen Produktion innerhalb der EU, verstärkt nach der Einführung des Euro.
Das Handelskapital war somit der Exekutor der negativen Handelsbilanzen innerhalb und außerhalb der EU und damit auch der Motor der Verschuldung. Dabei wurde es vom Finanzkapital beflissen assistiert: Das Handelskapital überschwemmte die diversen Märkte mit Importwaren, das Finanzkapital sorgte durch Kreditierung von Konsumenten, Gemeinden und Staaten für die entsprechende Zahlungsfähigkeit, mit der es diese Gegenden überhaupt erst als Markt brauchbar machte.

Das Handelskapital bemächtigte sich diverser Grundbedürfnisse der Menschen, wie Lebensmittel und Kleidung. Diese werden aufgrund der Entscheidungen des Handelskapitals bedient, das sehr eigenmächtig entscheidet, in welcher Form diese Bedürfnisse überhaupt befriedigt werden dürfen. Die Lebensmittelketten entscheiden darüber, welche Produkte in verschiedenen Gegenden auf den Markt kommen, und für welche Lebensmittel es seine Vermittlerdienste zur Verfügung stellt. Über die Konkurrenz des Preises werden einheimische Produkte aus dem Handel verdrängt und Produkte aus entlegenen Weltgegenden in den Geschäften der Handelsketten zu Dumpingpreisen angeboten.

Über den Internethandel werden die kleinen Händler aus dem Weg geräumt. Das Geschäftsleben vor Ort stirbt. Die Geschäfte, die die Bedürfnisse vor Ort befriedigt haben, müssen das Handtuch werfen.
Damit gehen eine Menge Jobs verloren, die aufgrund der schon vorher über die Bühne gegangenen Entwicklungen in Fabriken und Landwirtschaft wichtig waren. Die lokale Zahlungsfähigkeit sinkt also weiter, und die betroffene Region kann nur durch Kreditierung seitens des Finanzkapitals als Markt aufrechterhalten werden. Oder aber, was auch sehr wichtig ist, durch die Überweisungen der Arbeitsemigranten, die sich in den Metropolen für Dumpinglöhne verdingen und damit das Lohnniveau dort senken, was auch wieder Auswirkungen auf die dortige Zahlungsfähigkeit hat.
Die Entwicklung geht von West nach Ost, es wird sich erst weisen, inwiefern die ex-sozialistischen Staaten aufgrund der unzuverlässigen Postzustellung diesem Trend widerstehen können.

Große Produzenten, wie Inditex, setzen diesem Trend ein eigenes Vertriebsnetz entgegen. Sie richten eine Art von dezentral-vertikaler Produktion ein, wo auch von Sub-Firmen mit Sklavenarbeit produziert werden kann, aber den Vertrieb übernehmen sie selbst, um sich dem Würgegriff des Handelskapitals zu entziehen und ihre Gewinne selbst einstreifen zu können.

Marx schreibt im Kapital, Band I, daß die Ware A auf den Markt geht und auf die Ware B trifft, der gibt sie ihren Wert. Dann kommen andere Waren hinzu, und so kommt ein gewisses Preisniveau zustande. Das allgemeine Äquivalent, das alle Waren gleichermaßen mißt, muß von außen kommen, weil die einzelnen Marktteilnehmer nicht die Macht haben, dieses einander aufzunötigen. Ist es einmal hergestellt, so unterwirft es alle Waren seinem Maßstab.
Heute ist es so, daß die Ware A auf dem allgemeinen Äquivalent, dem tatsächlich von der imperialistischen Macht EU verordnetem Geld namens Euro, auf den Markt rutscht und allen anderen sagt: Ich bin Repräsentant von Wert, meßt euch an mir! – und die Waren B, C und D, sofern sie diesem Maßstab nicht entsprechen, aus dem Markt wirft.

Rückgang der Produktion, Rückgang von Zahlungsfähigkeit, Schaffung von überflüssiger Bevölkerung – wohin führt das, wenn wir dem nicht Einhalt gebieten? Wird aus Europa eine Variante von Afrika?


25 Antworten auf „Marktwirtschaft: der Tausch als Quelle der Bereicherung“


  1. 1 KHM 17. Mai 2016 um 11:02 Uhr

    Zur Vermeidung von Missverständnissen angesichts der Überschrift die Basics in Kurzform:

    Karl Marx: Das Kapital, Band I – VIERTES KAPITEL: Verwandlung von Geld in Kapital [MEW 23 | 170ff]

    „1. Die allgemeine Formel des Kapitals

    (…)

    Der Wert wird also prozessierender Wert, prozessierendes Geld und als solches Kapital. Er kommt aus der Zirkulation her, geht wieder in sie ein, erhält und vervielfältigt sich in ihr, kehrt vergrößert aus ihr zurück und beginnt denselben Kreislauf stets wieder von neuem.(13) G – G‘, geldheckendes Geld – money which begets money – lautet die Beschreibung des Kapitals im Munde seiner ersten Dolmetscher, der Merkantilisten.

    Kaufen, um zu verkaufen, oder vollständiger, kaufen, um teurer zu verkaufen, G – W – G‘, scheint zwar nur einer Art des Kapitals, dem Kaufmannskapital, eigentümliche Form. Aber auch das industrielle Kapital ist Geld, das sich im Ware verwandelt und durch den Verkauf der Ware in mehr Geld rückverwandelt. Akte, die etwa zwischen dem Kauf und dem Verkaufe, außerhalb der Zirkulationssphäre, vorgehn, ändern nichts an dieser Form der Bewegung. In dem zinstragenden Kapital endlich stellt sich die Zirkulation G – W – G‘ abgekürzt dar, in ihrem Resultat ohne die Vermittlung, sozusagen im Lapidarstil, als G – G‘, Geld, das gleich mehr Geld, Wert, der größer als er selbst ist.

    In der Tat also ist G – W – G‘ die allgemeine Formel des Kapitals, wie es unmittelbar in der Zirkulationssphäre erscheint.

    2. Widersprüche der allgemeinen Formel

    (…)

    Es ändert nichts an der Sache, wenn das Geld als Zirkulationsmittel zwischen die Waren tritt und die Akte des Kaufs und Verkaufs sinnlich auseinanderfallen.(16) Der Wert der Waren ist in ihren Preisen dargestellt, bevor sie in die Zirkulation treten, also Voraussetzung und nicht Resultat derselben.(17)

    Abstrakt betrachtet, d.h. abgesehn von Umständen, die nicht aus den immanenten Gesetzen der einfachen Warenzirkulation hervorfließen, geht außer dem Ersatz eines Gebrauchswerts durch einen andren nichts in ihr vor als eine Metamorphose, ein bloßer Formwechsel der Ware. Derselbe Wert, d.h. dasselbe Quantum vergegenständlichter gesellschaftlicher Arbeit, bleibt in der Hand desselben Warenbesitzers in Gestalt erst seiner Ware, dann des Geldes, worin sie sich verwandelt, endlich der Ware, worin sich dies Geld rückverwandelt. Dieser Formwechsel schließt keine Änderung der Wertgröße ein. (…)

    Hinter den Versuchen, die Warenzirkulation als Quelle von Mehrwert darzustellen, lauert daher meist ein Quidproquo, eine Verwechslung von Gebrauchswert und Tauschwert. (…)

    Dennoch wird Condillacs Argument häufig bei modernen Ökonomen wiederholt, namentlich wenn es gilt, die entwickelte Gestalt des Warenaustausches, den Handel, als produktiv von Mehrwert darzustellen.

    „Der Handel“ heißt es z.B. „fügt den Produkten Wert zu, denn dieselben Produkte haben mehr Wert in den Händen des Konsumenten als in den Händen des Produzenten, und er muß daher wörtlich (strictly) als Produktionsakt betrachtet werden.“(23)

    Aber man zahlt die Waren nicht doppelt, das eine Mal ihren Gebrauchswert und das andre Mal ihren Wert. Und wenn der Gebrauchswert der Ware dem Käufer nützlicher als dem Verkäufer, ist ihre Geldform dem Verkäufer nützlicher als dem Käufer. Würde er sie sonst verkaufen? Und so könnte ebensowohl gesagt werden, daß der Käufer wörtlich (strictly) einen „Produktionsakt“ vollbringt, indem er z.B. die Strümpfe des Kaufmanns in Geld verwandelt.

    Werden Waren oder Waren und Geld von gleichem Tauschwert, also Äquivalente ausgetauscht, so zieht offenbar keiner mehr Wert aus der Zirkulation heraus, als er in sie hineinwirft. Es findet dann keine Bildung von Mehrwert statt. In seiner reinen Form aber bedingt der Zirkulationsprozeß der Waren Austausch von Äquivalenten. Jedoch gehn die Dinge in der Wirklichkeit nicht rein zu. Unterstellen wir daher Austausch von Nicht-Äquivalenten. (…)

    Die Bildung von Mehrwert und daher die Verwandlung von Geld in Kapital, kann also weder dadurch erklärt werden, daß die Verkäufer die Waren über ihrem Werte verkaufen, noch dadurch, daß die Käufer sie unter ihrem Werte kaufen.(26) (…)

    Man mag sich also drehen und wenden, wie man will, das Fazit bleibt dasselbe. Werden Äquivalente ausgetauscht, so entsteht kein Mehrwert, und werden Nicht-Äquivalente ausgetauscht, so entsteht auch kein Mehrwert.(31) Die Zirkulation oder der Warenaustausch schafft keinen Wert.(32)

    Man versteht daher, warum in unsrer Analyse der Grundform des Kapitals, der Form, worin es die ökonomische Organisation der modernen Gesellschaft bestimmt, seine populären und sozusagen antediluvianischen Gestalten, Handelskapital und Wucherkapital, zunächst gänzlich unberücksichtigt bleiben.

    Im eigentlichen Handelskapital erscheint die Form G – W – G‘, kaufen, um teurer zu verkaufen, am reinsten. Andrerseits geht seine ganze Bewegung innerhalb der Zirkulationssphäre vor. Da es aber unmöglich ist, aus der Zirkulation selbst die Verwandlung von Geld in Kapital, die Bildung von Mehrwert zu erklären, erscheint das Handelskapital unmöglich, sobald Äquivalente ausgetauscht werden (33), daher nur ableitbar aus der doppelseitigen Übervorteilung der kaufenden und verkaufenden Warenproduzenten durch den sich parasitisch zwischen sie schiebenden Kaufmann. In diesem Sinn sagt Franklin: „Krieg ist Raub, Handel ist Prellerei.“(34) Soll die Verwertung des Handelskapitals nicht aus bloßer Prellerei der Warenproduzenten erklärt werden, so gehört dazu eine lange Reihe von Mittelgliedern, die hier, wo die Warenzirkulation und ihre einfachen Momente unsre einzige Voraussetzung bilden, noch gänzlich fehlt. (…)

    Es hat sich gezeigt, daß der Mehrwert nicht aus der Zirkulation entspringen kann, bei seiner Bildung also etwas hinter ihrem Rücken vorgehn muß, das in ihr selbst unsichtbar ist.(36) Kann aber der Mehrwert anderswoher entspringen als aus der Zirkulation? Die Zirkulation ist die Summe aller Wechselbeziehungen der Warenbesitzer. Außerhalb derselben steht der Warenbesitzer nur noch in Beziehung zu seiner eignen Ware. Was ihren Wert angeht, beschränkt sich das Verhältnis darauf, daß sie ein nach bestimmten gesellschaftlichen Gesetzen gemessenes Quantum seiner eignen Arbeit enthält. Dies Quantum Arbeit drückt sich aus in der Wertgröße seiner Ware, und, da sich Wertgröße in Rechengeld darstellt, in einem Preise von z.B. 10 Pfd.St. Aber seine Arbeit stellt sich nicht dar im Werte der Ware und einem Überschuß über ihrem eignen Wert, nicht in einem Preise von 10, der zugleich ein Preis von 11, nicht in einem Wert, der größer als er selbst ist. Der Warenbesitzer kann durch seine Arbeit Werte bilden, aber keine sich verwertenden Werte. Er kann den Wert einer Ware erhöhn, indem er vorhandnem Wert neuen Wert durch neue Arbeit zusetzt, z.B. aus Leder Stiefel macht. Derselbe Stoff hat jetzt mehr Wert, weil er ein größeres Arbeitsquantum enthält. Der Stiefel hat daher mehr Wert als das Leder, aber der Wert des Leders ist geblieben, was er war. Er hat sich nicht verwertet, nicht während der Stiefelfabrikation einen Mehrwert angesetzt. Es ist also unmöglich, daß der Warenproduzent außerhalb der Zirkulationssphäre, ohne mit andren Warenbesitzern in Berührung zu treten, Wert verwerte und daher Geld oder Ware in Kapital verwandle.

    Kapital kann also nicht aus der Zirkulation entspringen, und es kann ebensowenig aus der Zirkulation nicht entspringen. Es muß zugleich in ihr und nicht in ihr entspringen.

    Ein doppeltes Resultat hat sich also ergeben.

    Die Verwandlung des Geldes in Kapital ist auf Grundlage dem Warenaustausch immanenter Gesetze zu entwickeln, so daß der Austausch von Äquivalenten als Ausgangspunkt gilt.(37) Unser nur noch als Kapitalisten- raupe vorhandner Geldbesitzer muß die Waren zu ihrem Wert kaufen, zu ihrem Wert verkaufen und dennoch am Ende des Prozesses mehr Wert herausziehn, als er hineinwarf. Seine Schmetterlingsentfaltung muß in der Zirkulationssphäre und muß nicht in der Zirkulationssphäre vorgehn. Dies sind die Bedingungen des Problems. Hic Rhodus, hic salta!

    3. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft

    (…)“

  2. 2 Krim 17. Mai 2016 um 12:03 Uhr

    „Es entscheidet über das Zusperren von Firmen, indem es deren Gewinnmarge gegen Null drückt und Produktionen damit zerstört. Dann macht es sich auf um Ersatz-Produktionen rund um den Globus, um damit weiterhin die Bedürfnisse der Konsumenten befriedigen zu können.“ Also ist alles was das Handelskapital macht, die Konkurrenz der Kapitale, wie soll ich es ausdrücken, in die Gänge zu bringen, zu bewerkstelligen, auszunutzen, zu verschärfen, anzuheizen.

    Das Gewinnmarge drücken funktioniert eben bloß, wenn genug Ersatz (also wenn das Angebot groß ist) vorhanden ist. Wenn kein Ersatz vorhanden ist, gelingt das Drücken nicht oder das Handelskapital hat nichts zu verkaufen, wenn es die Produktion zerstört hat. Also schneidet es sich ins eigene Fleisch.

    Der Internethandel vergrößert quasi den Markt. Wo es früher gerade einmal eine Handvoll Versandhäuser gegeben hat und der Privatkunde ansonsten auf die Geschäfte seines näheren Umfelds angewiesen war, hat jetzt jeder Zugriff auf die Waren prinzipiell der ganzen Welt. Durch Zoll und Einfuhrgebühren, Mehrwertsteuer, höheren Versandkosten mindestens Zugriff auf das Warenangebot des eigenen Landes und der angrenzenden Länder. Selbst aus Hongkong und China drücken Waren auf ebay, die zu günstigen preisen aber langen Versandwegen erworben werden können. Während also früher vielleicht gerade mal die Waren in 100-200km Umkreis konkurriert haben. Steht jedes Kapital im Prinzip in Konkurrenz mit den Kapitalen der ganzen Welt. Das ist die Leistung der Handelskapitals. Es fasst die Märkte zusammen, vergrößert sie und verschärft dadurch die Konkurrenz.

  3. 3 Nestor 18. Mai 2016 um 8:49 Uhr

    Man kann sagen, wir erleben heute die Vollendung des Weltmarktes.
    Die imperialistische Gewalt reißt alle Handelsschranken nieder und das Handelskapital setzt dann alle Kapitale der Welt in unmittelbare Konkurrenz zueinander.

    Man kann z.B. auch die Aussöhnung zwischen den USA und Kuba und die Aufhebung des Handelsembargos in diesem Lichte betrachten: das Embargo stellte einen Anachronismus dar, verschaffte Kuba Protektionismus von außen.

  4. 4 Krim 18. Mai 2016 um 12:30 Uhr

    „Man kann sagen, wir erleben heute die Vollendung des Weltmarktes. Die imperialistische Gewalt reißt alle Handelsschranken nieder und das Handelskapital setzt dann alle Kapitale der Welt in unmittelbare Konkurrenz zueinander.“

    Genau. In diesen Zusammenhang passen auch die ganzen Freihandelsabkommen, die zur Zeit in der Mache sind, TTIP, Eurasische Union…Man kann also nicht sagen, dass das nur mit der technischen Entwicklung des WWW zu tun hat.

    In Deutschland kostet übrigens der Liter Milch zur Zeit 46 cent. Ich weiß nicht, wie das in Österreich ist. Früher 65 dann 59 jetzt 46 cent. Die Sendung Gallileo hat das gestern zum Thema gemacht und rausgefunden, dass die Bauern damit nicht kostendeckend arbeiten können. Die Bauern bekommen 20cent pro Liter bräuchten aber 40 cent. Insgesamt müsste der Liter 75 Cent kosten(Bauern 40, Molkerei 20, Handel 15). Im Moment (Bauern 20, Molkerei 15, Handel 11). Die Molkereien können die teilweisen Verluste mit anderen Produkten auffangen.

    Sowas geht natürlich nicht lange. Denn irgendwann müssen einige Bauern aufgeben. Dann klettert der Preis automatisch. Oder es gibt eine Milchsubvention, weil Milch ein Grundnahrungsmittel ist. (Da fällt mir ein Dokumentarfilm ein über Kubas Kühe. Dort kommt man nämlich für das Schlachten von Kühen ins Gefängnis. „Die Heilige Kubas“ Leider habe ich keinen Link mehr gefunden, wo man sich die Sendung anschauen kann.)

  5. 5 Nestor 18. Mai 2016 um 16:45 Uhr

    Bei uns kostet die Milch so um einen Euro herum, es gibt natürlich Unterschiede zwischen Diskont- und Bio-Milch.

    Die Entwicklung geht EU-weit eher dahin, die Milch als Grundnahrungsmittel aus dem Repertoire zu nehmen, also Milch nur mehr in verarbeiteter Form in den Verkehr zu bringen, weil da die Gewinnmargen für die Molkerei höher sind. Dauernd erscheinen Studien, wie ungesund und unnatürlich das Milchtrinken für Erwachsene ist.
    Spanien ist da sehr weit vorne, Österreich eher ein Nachzügler.

    Der Lebensmittelhandel und die Landwirtschaft stehen heute unter dem Diktat, daß Nahrungssmittel billig sein sollen, damit erstens Löhne gedrückt werden können und Sozialhilfe niedrig sein kann, zweitens aber die beschränkte Zahlungsfähigkeit des kleinen Mannes auch für andere Kapitalfraktionen, vor allem das Grundeigentum zur Verfügung steht.
    Für die etwas besser Gestellten gibts dann die Bio-Schiene.

  6. 6 Krim 19. Mai 2016 um 0:04 Uhr

    1 € ganz schon teuer. Das kostet hier höchstens die Biomilch.
    Milch ist ja bearbeitet, pasteurisiert und mit eingestelltem Fettgehalt. Wie soll das gehen ohne Milch nur mit joghurt und Käse. „Dauernd erscheinen Studien, wie ungesund und unnatürlich das Milchtrinken für Erwachsene ist.“ Das ist ja böse. In Kuba ist Milch für Kinder und Kranke vorgesehen, als Stärkungsmittel. Erwachsene kriegen bloß Milchpulver. Castro hat anscheinend mal sein Volk um Erlaubnis bzw. Verständnis gebeten, weil er krank war und Milch trinken wollte, die ihm als Erwachsener eigentlich nicht zustand.

  7. 7 Jacko 19. Mai 2016 um 5:56 Uhr

    Dass Fidel durch solche ‚Selbstbezichtigung‘ – auch – die Volksaufklärung hat befördern wollen, scheint auf Cuba jedenfalls nicht überall gut angekommen zu sein. Als Tourist wird man regelmäßig in Havanna von Kubanerinnen in Läden geschleppt, um Milchpulver (bisher teure Importware via Canada!) von Multikonzernen für arme Kubanerinnen kaufen zu sollen, denn solche westlichen Waren müssen unbedingt besser sein als die Milch von einheimischen Kühen! Und selbst wenn man dann das Milchpulver strecken „muss“ [eine Cubana kann sich Milchpulver nämlich finanziell eigentlich gar nicht leisten], so ist schon dessen hoher Preis plus die Herkunft aus dem Kapitalismus Supermotiv dafür, den eigenen Kindern solche Krankheitscocktails mit Wasser zu mixen, und wenn dann die Lösung des Preises wegen eher eine blasse Wassersuppe ist als Milch, dann liegt das sicherlich wiederum – an dem angeblich schlechten Wasser auf Cuba…
    Und wenn der Gringo sich weigert, solche Waren finanzieren zu wollen, dann ist das wieder ein verhetzter Freund des menschenverachtenden Regimes dort…

    Dass die Leute nach dem Ende solcher Parteidiktaturen derart verhetzt sind, das ist leider ein ziemlich grässliches Erbe der verrückten Form von „Volksaufklärung“ mittels moralischer Sprüche im Realsozialismus. (Fidel bittet um Verzeihung – da hätte er mal lieber in der Sendung mit der Maus den Kubanerinnen erklären lassen sollen, was es genau mit Milch und Milchpulver auf sich hat.)

  8. 8 Krim 19. Mai 2016 um 10:20 Uhr

    Ich würde vermuten das ist ne Form der Bettellei. Meinst du nicht, dass die das Milchpulver nehmen, weil man das wieder gut zu Geld machen kann (ohne zu verderben) und weil man den Touristen damit eine rührige Geschichte auftischen kann?

    Denn wie gesagt Kinder und Kranke bekommen ja angeblich echte Milch nur Erwachsene eben nicht. Wenn die Kubanerinnen dann auch ihren Kindern lieber Milchpulver kaufen, dann wäre das tatsächlich eine ziemliche Verrücktheit.

    Ich weiß nicht, wo man Castro einen Vorwurf machen kann. Vielleicht dass es so einen heuchlerischen Zirkus durchzieht und sein Volk um Milch fragt. Die Strafen auf das Schlachten von Kühen kamen daher, dass die Bauern bzw. Viehbesitzer nach der Revolution ihren Bestand noch zu Dollars machen wollten und die Kühe zum Schlachten ans Ausland verkauft haben, wodurch es im Inland plötzlich keine Milch mehr gab. (Nach meiner Erinnerung aus dem Film, der auf die Erklärung der harten Strafen nicht besonders viel Wert gelegt hat. Eher auf die Kuriosität, dass man für das Schlachten von Kühen relativ harte Gefängnisstrafen erhält.) Soll heißen, dass das schon im Prinzip ne Maßnahme war, um die Versorgung mit Milch zu sichern. Kritikabel ist allerdings, dass das nicht fünf Jahre ging sondern 50 und das die Bevölkerung immer noch nicht genügend Milch kriegt, sondern dieses Pulverzeug.

  9. 9 Jacko 19. Mai 2016 um 10:48 Uhr

    @ Krim,

    ja, eine Form der Bettelei war es, und mag auch sein, dass deine Auflösung stimmt (dass man das Zeuxs anschließend dann in Geld zurückverwandeln wollte).
    Die 3.Welt-Kritiker des Konzerns nestle haben solcherlei Geschichten übrigens massenhaft aus Ländern der Dritten Welt erzählt, dass die Einheimischen auf die Waren des Auslands, speziell Milchpulver, schwören (insofern war ich in Havanna durchaus überrascht, dass dort solche Zustände herrschen sollen). Aber es stimmt, könnte sein, dass Freundin H. mittels hergezeigter Fotos von dem Gör einfach um ein Eintauschmittel für späteren Umtausch in Geld angebettelt wurde. Wenn es so war, dann war es jedenfalls theatralisch so gut inszeniert, dass die Gringa ganz und gar darauf reingefallen ist).

  10. 10 Jacko 19. Mai 2016 um 11:05 Uhr

    Als Tourist kann man – wie sonst überall auch – nur mittels Reden mit den Leuten was Sinnvolles tun. (Sehr beliebt waren übrigens vor nochmals 10 Jahren zuvor interne Debatten in linken Reisegruppen darüber, ob man als Tourist, wenn man auf Betteleien, Kleingeschäfte etc. eingeht, dadurch nicht gerade den Niedergang dieses famosen Sozialismus erst noch bewerkstellige. Trinkgeld geben für einen selbst ernannten cubanischen „Parkplatzwächter“: daaaarf man das???)

  11. 11 Krim 19. Mai 2016 um 12:46 Uhr

    „Die 3.Welt-Kritiker des Konzerns nestle haben solcherlei Geschichten übrigens massenhaft aus Ländern der Dritten Welt erzählt, dass die Einheimischen auf die Waren des Auslands, speziell Milchpulver, schwören“

    Die Chinesen anscheinend auch. Was hierzulande zu leeren Drogerieregalen führt.

    „Wenn es so war, dann war es jedenfalls theatralisch so gut inszeniert, dass die Gringa ganz und gar darauf reingefallen ist.“ Eine gute Inszenierung halte ich nicht für unwahrscheinlich. Wenn man das sozusagen hauptberuflich macht, dann entwickelt man automatisch gewisse Fertigkeiten. Ich hab da auch schon einiges erlebt.

    Ich glaube man überschätzt sich, wenn man glaubt als Tourist den Niedergang des Sozialismus bewerkstelligen zu können. Bei Kleingeschäften ist es ja meistens so, dass die angebotenen Sachen nichts taugen und dann fällt es mir leicht das auszuschlagen. Wenn mir die Ware gefällt, kaufe ich auch.

  12. 12 Neoprene 19. Mai 2016 um 14:32 Uhr

    Krim, die hohe Nachfrage in der VR China hat nichts mit Nestle zu tun sondern mit dem Skandal 2008, als hunderttausende Babies mt verfälschtem chinesischem Milchpulver vergiftet wurden. Sechs Babies starben damals.

  13. 13 Jacko 19. Mai 2016 um 14:47 Uhr

    Aber in diesem Thread war das ja Thema:
    die Waren des auswärtigen Weltmarktes gelten insgesamt als besser, weil sie aus erfolgreichen kapitalistischen Ländern stammen. (Das wird in China auch für Autos gelten, vermute ich mal.) Dass solche heimischen Skandale wie bei chinesischer Milch den Ruf völlig und ganz ruinieren, das ist dann vor allem so, wenn man eh von den einheimischen Produkten weniger hält.

    Übrigens bei Angliederung der DDR konnte man dort nirgends mehr „einheimischen“ Joghurt oder Milchprodukte kriegen, – auch wenn man es wollte! – aber kaum ein DDRler wollte das noch! – überall aber gab es neue teure Produkte von westlichen Herstellern. (Und dafür war keine massenhafte Vergiftung mit DDR-Milch die Grundlage!)

  14. 14 Krim 19. Mai 2016 um 15:07 Uhr

    Die Nachfrage aus China bezieht sich, wie im Bericht zu sehen nicht nur auf nestle, sondern auf deutsche Babynahrung allgemein.
    Ja, ich weiß, dass nestle ein Schweizer Konzern ist.

  15. 15 Neoprene 19. Mai 2016 um 17:03 Uhr

    Ja, Jacko, in allen ehemaligen realsozialistischen Staaten gelten die Waren aus den führenden imperialistischen Staaten im Schnitt als besser. Bei den Autos und China dreht sich das mittlerweile offensichtlich, schon weil alle wichtigen Hersteller des Weltmarktes schon seit Jahren, teils seit Jahrzehnten, auch in China produzieren.
    Und sicherlich hat der chinesische Milchskandal da nur Wasser auf diese Mühlen bedeutet (und in Deutschlnad zum zeitweisen völligen Ausverkauf von Milupa & Co. geführt).

    Die wirtschaftliche Enwicklung in der Ex-DDR nach dem Anschluß an die BRD kann man übrigens nicht mit China vergleichen, wo ja die einheimischen herrschenden Kreise gazn großen Wert darauf gelegt haben, daß sie die Kontrolle über wichtige Bereiche der heimischen Wirtschaft behalten. So einfach Audis nach Shanghai verschiffen ging dort eben nicht, anders als on Ostdeutschland, wo ja ganz bewußt alle Kombinate ganz schnell platt gemacht worden sind und das Land nur ein erweiterter Markt für die westdeutschen Konzerne war (und weitgehend immer noch ist).

    Den Punkt gegen Krim habe ich nur gebracht, weil es im Fall der Babynahrung eben nicht der Standardfall gewesen ist wie meinetwegen in Westafrika.

  16. 16 nestormachno 23. Mai 2016 um 16:06 Uhr

    Also einmal zum Milchpulver in Kuba, obwohl das schon ziemlich off-topic ist.

    Die Milchwirtschaft beginnt in Kuba nach der Revolution. Es war eine Obsession der Revolutionäre, ebenso wie die Gesundheitsversorgung: Alle Kinder sollen Milch trinken!

    Die Tierhaltung wurde nach dem sowjetischen System betrieben, mit Stallhaltung. Die Futtermittel – Getreideprodukte – kamen aus der SU. Mit dem Ende der Subventionierung Kubas durch die SU hatten die Rinder nix mehr zum Fressen. Weideland war fast nicht vorhanden, und viele Kühe überlebten auch die Umstellung auf frisches Gras nicht. Der Rinderbestand ging drastisch zurück. Deshalb darf man in Kuba auch keine Kuh schlachten.

    Ob die Milchzuteilung an Kinder über die Libreta oder ein anderes Verteilungssystem geht, weiß ich nicht. Milch ist jedenfalls ein knappes Gut, deshalb auch die Milchpulver-Importe und die Entschuldigung Castros. Wer in Kuba als Erwachsener Milch trinkt, so die Sichtweise, trinkt sie den Kindern weg.

    Das ist etwas anderes als die Milch-Gegnerschaft in der EU. Hier hat die Milch eine zu geringe Gewinnspanne für Molkereien und Handel, und wird deshalb schlechtgemacht.
    In Österreich scheint es auch eine Art Preisbindung für Kuh-Vollmilch zu geben, weshalb jede Menge komische Halbfett-, Mager- Einenhalb-Fett-Milch, Schaf- und Ziegenmilch in den Regalen zu finden ist, weil für die die Preisbindung nicht gilt.

    Ich find irgendwie diese Vergleiche mit Kuba nicht so gut. Das führt weg vom Thema, weil dort geht es um etwas anderes.

  17. 17 nestormachno 23. Mai 2016 um 16:27 Uhr

    Mit China ist es wieder was anderes. Auch dort galt auf einmal die Milch als eine Art Wunderdroge für die Volksgesundheit – sehr angemessen bei einer Menschenrasse, die eine Unverträglichkeit gegen Milch in den Genen hat. Die Einführung des Milchtrinkens hat jedenfalls dazu geführt, daß die jungen Leute heute ungefähr einen Kopf größer sind als ihre Eltern.

    Milch galt damit als etwas Fortschrittliches, das die Kinder groß und stark macht und hat dazu geführt, daß findige Unternehmer vor Ort dieses Interesse ausgenützt haben und ihrgendwelche Weißleim-Produkte auf Milch umgetrimmt haben. was den Milchpulver-Markt hat explodieren lassen, weil Nestle & Co. können sich so etwas nicht leisten, wie nicht ganz zu Unrecht angenommen wird.

    Es IST übrigens oft so, daß die Produkte der „alten“ kapitalistischen Staaten besser SIND, ob Lebensmittel oder Autos, weil ja dort das Kapital zu Hause ist und profitabel eingesetzt wird.
    Es ist ein marxistisches Vorurteil, daß das Kapital immer verfälscht und betrügt, um fest Profit zu machen.

    In einem Land wie Ungarn, wo die Marktwirtschafts-Fans das Sagen haben und keiner dagegenreden will, ist inzwischen die feine Unterscheidung aufgekommen zwischen den guten Unternehmern, die ihren Profit auf anständige Weise machen und daher auch verdienen, und den „Lumpen-Kapitalisten“, die mit Betrug und Drogenhandel ihr Geschäft machen, und der Höhepunkt der schrill vorgetragenen Kritik ist, daß die Regierungen dem keinen Einhalt gebieten, weil sie vom „Lumpenkapital“ gekauft sind.

  18. 18 Jacko 24. Mai 2016 um 5:35 Uhr

    Danke für die informativen Darstellungen zur Milch auf Kuba.
    (Man selber hält gelegentlich irgendwas Persönliches jahrelang bizarr minutiös in seinem Gedächtnis fest, und viel wichtigere allgemeine Einsichten vergisst manches Gedächtnis darüber manchmal anscheinend. Also danke für die fundamental facts …)

  19. 19 Krim 24. Mai 2016 um 11:10 Uhr

    In der Doku über die Heilige Kubas lag der Grund für den Engpaß an Rindfleisch und Milch vor der Auflösung der Sowjetunion. Und ich hatte auch den Eindruck, dass die Einführung der harten Strafen auf das Schlachten von Rindern weiter zurückliegt. Dort wurde erklärt, dass die Viehzüchter ihren Bestand noch zu Dollars machen wollten und die Tiere an ausländische Fleischproduzenten verkauft hätten. Womit aber die Auflösung der Sowjetunion als Grund für die Verschärfung des Rindfleisch und Milchmangels nicht bestritten sein soll.

    „Warum ist Rindfleisch in Kuba so schwer zu bekommen? Das ist eigenartig, vor allem wenn man bedenkt, dass hier 1959, vor Castros Revolution, mehr Kühe als Menschen lebten. Über sechs Millionen Rinder für etwas weniger als sechs Millionen Menschen, erzählt John Parke Wright IV, ein Händler aus Florida, der Kühe nach Kuba verkauft. Seine Familie betreibt die Lykes Ranch, eine der größten Rinderfarmen der USA, und sie macht seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Geschäfte mit Kuba.

    „Was ist aus dieser großen Rinderzucht-Tradition geworden?“, frage ich ihn.
    „Die haben alle Kühe aufgegessen.“

    Ich lache, weil ich das für einen Witz halte. „Nein, ganz im Ernst“, sagt er. „Vor ein paar Jahren habe ich einen der comandantes aus Revolutionszeiten gefragt, wo der Fehler liegt. Er meinte: ‚Wissen Sie, wir hatten Hunger, wir waren jung-also haben wir sie gegessen.‘“

    In den 1970ern und 1980ern füllten die Sowjets den Bestand mit kräftigen Holstein-Rindern auf. Aber als Futter brauchte man Getreide, und als die UdSSR auseinanderbrach, brach auch die Getreideversorgung zusammen. Wegen des Klimas allein konnte man die Herde nicht von kubanischen Gräsern ernähren-und so verendeten Zehntausende von Kühen auf den Weiden.“

    Rotes Gold: Die Suche nach verbotenem Rindfleisch auf Kuba
    Was soll das denn für einen Auskunft sein? „Wir haben sie gegessen.“

    „Milch galt damit als etwas Fortschrittliches, das die Kinder groß und stark macht und hat dazu geführt, daß findige Unternehmer vor Ort dieses Interesse ausgenützt haben und ihrgendwelche Weißleim-Produkte auf Milch umgetrimmt haben.“

    Was sind denn Weißleim-Produkte? Weißleim ist Holzleim. Wie kann man Holzleim zu Milch machen? Soll das heißen, dass sie eine billige Ersatzmilch zusammengemischt haben, die dann so schlecht war, dass sogar Milchpulver noch die bessere Alternative dargestellt hat?

  20. 20 Nestor 24. Mai 2016 um 12:37 Uhr

    Also, zu dem Bericht über Kuba fällt mir nur auf, daß es ein Rätsel bleibt, womit diese Kühe vor der Revo gefüttert wurden, wenn man die Viecher „nicht von kubanischen Gräsern ernähren“ kann.

    Ein Erklärungsangebot von mir wäre, daß es in ganz Lateinamerika eine eigene Rinderart gibt, die von den Spaniern eingeführt/gezüchtet wurde, auf dem indischen Zebu beruht und ausschließlich für Fleischproduktion gezüchtet und gehalten wurde und wird. Die dürften das kubanische Klima und Gras vertragen haben, zum Unterschied von den Holstein-Rindern, die zwecks Milchwirtschaft eingeführt wurden.

    Es war so, daß es nach der Revo einmal überhaupt nix zum Futtern gab. Kuba war offenbar damals schon lebensmittel-importabhängig, das wurde irgendwie mit dem Zuckerexport gedeckt, und das fiel nach der Revo flach. Da kann es schon sein, daß die Rinder dran glauben mußten. Ich weiß von den Kubanern, daß eine Zeitlang das einzige, was zu haben war, gelbe Erbesen waren, die deshalb bis heute einen schlechten Ruf als Not-Essen haben.

    Ja, was China angeht, so wurde mit irgendeinem Chemieprodukt – es war Melamin, wie ich jetzt sehe, und nicht Weißleim – ein Milchgetränk gestreckt:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Milchskandal

  21. 21 Krim 24. Mai 2016 um 13:20 Uhr

    „wenn man die Viecher „nicht von kubanischen Gräsern ernähren“ kann.“ Genau das hab ich mich auch gefragt. Vor allem weil in der Dokumentation, ein Bauer gezeigt wurde, bei dem das wunderbar geklappt hat. Es scheint auch noch genug verfallene Bauernhöfe zu geben, die verwildern. Der Bauer hatte 10 Kühe oder so und konnte angeblich davon leben. (Kühe unter Palmen, die gehätschelt und verwöhnt werden). Die Kühe sahen anders aus als die hiesigen, ein bisschen dünner, nicht solche Fleischberge. Vor allem kennt man aus dem Fernsehen, ja die Massai in Afrika, die ihre Herden über die trockene Steppe treiben. Wenn das dort funktioniert, warum dann nicht auf Kuba.

    Jetzt hat ein Kubaner sogar eine Minikuh gezüchtet mit 90cm. Damit sich jeder Kubaner eine Kuh halten kann und damit frische Milch hat.

  22. 22 Nestor 25. Mai 2016 um 11:22 Uhr

    Also in der Milchfrage hat Kuba die Nase vorn!

    Man merkt, Kuba ist noch immer nicht marktwirtschaftlich!
    In der EU gibts Überproduktion, und gegen Milch wird Stimmung gemacht, in Kuba gibts zuwenig und die Milch wird geschätzt.

  23. 23 Nestor 14. Juni 2016 um 19:20 Uhr

    Eigenartige Entwicklungen: In Deutschland wollen die Grünen verbieten, Fleisch zu billig zu verkaufen
    http://derstandard.at/2000038896927/Deutsche-Gruene-fordern-Verbot-von-Dumpingpreisen-fuer-Fleisch
    in Spanien gerät eine Supermarktkette ins Visier der Ermittler, weil sie Olivenöl zu billig verkauft
    http://economiademallorca.com/not/6878/investigan-a-supermercados-dia-por-vender-el-aceite-demasiado-barato

    Die Unterbietung der Konkurrenz im Preiskampf, das allerwichtigste Moment der Marktwirtschaft, soll jetzt von Amts wegen verboten werden?

  24. 24 Jacko 16. Dezember 2016 um 7:05 Uhr

    Die Schmutzseiten der globalisierten Konkurrenz,
    Armut durch Reichtum, erscheinen – nicht nur! – in Afrika…
    (Was ein wenig den früheren Meldungen über den ehemaligen Ostblock ähnelt; damals gingen auch die guten Waren nur in den Export für den Weltmarkt, und der Waren-Ramsch ging an die einheimische Bevölkerung, – was schon damals mehr als nur eine Fußnote war
    [- damals über die Volksfreundlichkeit der realsozialistischen Volksdemokratien…].

    https://www.euractiv.de/section/entwicklungspolitik/news/kenias-eu-export-gut-fuer-europaeer-schlecht-fuer-kenianer/

    --

    Der Kapitalismus in den Metropolen
    der ist hier Thema:

    http://Neoprene.blogsport.de/2014/10/28/deckers-kapitaleinfuehrung-vom-23-10-2014-jetzt-online/#comment-121588

  25. 25 Nestor 16. Dezember 2016 um 16:22 Uhr

    Früher war das Problem Afrikas eher, daß gute Anbauflächen für Exportware verwendet wurden – cash crops – und die einheimische Bevölkerung auf schlechtere Böden verdrängt wurde, um ihre eigenen Lebensmittel anzubauen.

    Inzwischen gibt es offenbar immer weniger Selbstversorger dort, der Agrarkapitalismus ist voll angekommen, und die Bewohner des Landes müssen sich sogar die Ausschußware am Markt kaufen.

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