Die Krise des Weltgelds – Sorge oder Chance für seine Rivalen?

DER YUAN UND DIE FRAGE DES WELTGELDES

Was ist das eigentlich, ein Weltgeld oder eine international anerkannte, also angenommene Währung?
Es ist, vom Standpunkt derer, die es haben wollen, ein allgemeines Äquivalent für alle Werte der Welt. Also ein Geld, für das man alles kaufen kann.

Das betrifft die meisten Menschen auf dieser Welt überhaupt nicht. Die sind damit beschäftigt, durch Arbeit verschiedenster Art ihr regionales Geld in die Finger zu bekommen, um sich damit das Lebensnotwendigste kaufen zu können. Ob dieses Geld auch außerhalb der Landesgrenzen Wert besitzt, ist für dieses bescheidene Programm ganz gleichgültig.
Unternehmer aller Art und andere Leute, die aus irgendeinem Grund – zum Vergnügen oder beruflich – auf der Welt herumfahren, wollen aber ein Geld haben, das man überall verwenden oder zu einem günstigem Kurs gegen die Lokalwährung eintauschen kann.
Staaten schließlich wollen unter ihren Staatsbürgern möglichst viele erfolgreiche Unternehmer, die überall auf der Welt Geschäfte machen, und wollen ihnen gerne ein Geld dafür zur Verfügung stellen, mit dem sie das auch machen können. Aber das Vertrackte an diesem Spiel namens imperialistische Konkurrenz ist, daß es die erfolgreichen Unternehmer schon geben muß, damit die bedruckten Zettel eines Staates gut sind. Einfach durch Draufdrucken und Behaupten wird das Geld nämlich nicht zum Weltgeld, (übrigens auch nicht durch Bindung an irgendein Edelmetall,) sondern durch die Ökonomie, über die der betreffende Staat verfügt, genauer: durch die Kapitalakkumulation, die seine einheimische Unternehmerschaft hinkriegt.

Die Hierarchie der nationalen Gelder auf dem Geldmarkt ist daher ein Spiegel der imperialistischen Kräfteverhältnisse. Die Weltmacht Nr. 1 hat eben auch das Geld Nr. 1 und die anderen müssen sich alle an ihm messen.
Dieses Verhältnis ist aber nicht statisch – bestehende Rivalen auf dem Weltmarkt wollen den Dollar einholen – siehe die EU und das Euro-Projekt – und aufstrebende Mächte wollen ihre Gelder auch als grenzüberschreitende Wertträger ins Spiel bringen.

Der derzeitige Budgetstreit in den USA, der aller Welt vor Augen führt, daß die Institutionen der Weltmacht Nr. 1 auf das, was „Krise“ heißt, gar nicht richtig eingestellt sind und infolgedessen an der Krisenbewältigung zu scheitern drohen, hat unter anderem bei den 2 größten Mächten des Fernen Ostens Unruhe ausgelöst.
Sowohl die chinesische als die japanische Führung haben die USA aufgefordert, ihr Chaos in Ordnung zu bringen, damit chinesische und japanische Interessen nicht gefährdet werden. Recht frech eigentlich, so eine Ermahnung. Das muß sich ein Staat einmal leisten können. Das heißt, beide Staaten haben gegen die USA etwas in der Hand.
China und Japan – in dieser Reihenfolge – halten die größten Anteile amerikanischer Staatsanleihen. Sie sind also die größten Gläubiger der USA. Das heißt, sie verschaffen den USA durch den Kauf ihrer Papiere die Möglichkeit, als Weltmacht auf der Welt herumzufuhrwerken. Man könnte sogar sagen, auf eine gewisse Weise finanzieren sie die Kriege der USA.
Die chinesischen und japanischen Regierungen tun das, um sich Devisen, also international gültige Zahlungsmittel zu verschaffen bzw. ihr eigenes, bereits international anerkanntes Geld durch das Anhäufen eines Staatsschatzes zu stabilisieren.
Würden sie aber eines Tages sagen: ich pfeif drauf! und diese Anleihen massenhaft auf die internationalen Börsen werfen, so täte dies dem Staatskredit der USA nicht gut. Es käme somit einer Kriegserklärung gleich.

Da der Dollar genauso wie alle anderen Gelder durch die Notenbank und die Macht der USA beglaubigt wird, macht das Hin und Her um seine Handhabung keine gute Optik. Die irgendwie im Raum stehende Möglichkeit, daß dieses Land – ähnlich wie Griechenland – seine Schulden nicht mehr bedient, also seine Zinsen nicht mehr zahlt, verursacht allen Währungshütern weltweit Kopfzerbrechen, da die meisten Staaten Dollar-Anleihen als „Reservewährung“ bei sich aufgestapelt haben.

Würden die USA die Zahlungen einstellen, so wäre der Dollar von einem Tag auf den anderen wertlos. Alle würden Dollar an den Weltbörsen verkaufen. Die Anleihen wären entwertet, die Staatsschätze ud Bankschätze, wo sie einen bedeutenden Teil ausmachen, ebenfalls. Die USA würden als Weltmacht abdanken, weil sie ihre Ausgaben nicht mehr durch Anleihen finanzieren könnten. Es ist fraglich, ob irgendeine andere international anerkannte Währung den Platz des Dollar als Weltgeld einnehmen könnte, oder ob nicht überhaupt das ganze Weltwährungssystem zusammenbrechen würde.

So etwas will natürlich nicht einmal die Tea Party, sodaß sicher irgendeine Art von Einigung zwischen den amerikanischen Parteien stattfinden wird. Dennoch, der Dollar wird zu einem Risiko für alle anderen Staaten, deren Währungen tagtäglich auf den Geldmärkten mit dem Dollar verglichen und auf- oder abgewertet werden.

Von den asiatischen Players hat auf jeden Fall China gegenüber dem Dollar die besseren Karten, weil es trotz seiner Dollar-Anleihen – im Unterschied zu Japan – sein nationales Geld nicht dem Urteil der Märkte ausgesetzt hat. Der Yuan hat also noch keinen Platz in der Hierarchie der Währungen, hat aber die notwendige potente Ökonomie hinter sich …


21 Antworten auf „Die Krise des Weltgelds – Sorge oder Chance für seine Rivalen?“


  1. 1 star wars 11. Oktober 2013 um 16:50 Uhr

    Einfach durch Draufdrucken und Behaupten wird das Geld nämlich nicht zum Weltgeld, (übrigens auch nicht durch Bindung an irgendein Edelmetall,) sondern durch die Ökonomie, über die der betreffende Staat verfügt, genauer: durch die Kapitalakkumulation, die seine einheimische Unternehmerschaft hinkriegt.

    Im Prinzip ist diese Feststellung richtig. Andererseits, wenn alle Geldhändler der Welt heute versuchen würden gleichzeitig ihre Wertpapierfonds, bzw. sonstige Geldforderungen, auf dem Markt zu werfen, damit der in Form von Versprechen akkumulierte Reichtum in Bares umgemünzt wird, würden die allermeisten von denen feststellen, daß ein Großteil dieser Versprechungen im Prinzip wertlos ist. Auch und gerade dann wenn der Gütesiegel der USA auf die global im Umlauf gebrachten Papierzettel gestempelt ist.

  2. 2 Nestor 12. Oktober 2013 um 8:57 Uhr

    Also, erstens: was heißt „in Bares umgemünzt wird“? Das hieße doch nur, eine Art von Zetteln mit Zinsversprechen oder Möglichkeit der Wertsteigerung gegen eine andere Art von Zetteln, die nicht verzinslich sind, umzutauschen. Und das zu tun, haben die Wertpapierhändler keinen Anlaß, weswegen dieses Szenario nicht eintreten kann.

    Zweitens, was einzelne Verkäufe angeht, so haben die Wertpapierhändler ein Bewußtsein davon, daß der Wert aller dieser Zettel relativ ist. Das drückt sich auch im Geldhandel aus, wo die Kurse der Währungen ausgedrückt sind. Dort wird der Wert der einen Währung über den der anderen festgestellt und bewertet.

  3. 3 star wars 12. Oktober 2013 um 11:14 Uhr

    Das hieße doch nur, eine Art von Zetteln mit Zinsversprechen oder Möglichkeit der Wertsteigerung gegen eine andere Art von Zetteln, die nicht verzinslich sind, umzutauschen. Und das zu tun, haben die Wertpapierhändler keinen Anlaß,…

    Nein Nestor, werthaltig erweisen sich diese Papiere in diesem Fall über die Preisbewegungen , die durch Angebot und Nachfrage an den Geld- bzw. Wertpapiermärkten reguliert wird. Das ist eben ein Kreislauf (Kauf und Verkauf) der (zunehmenden) Spekulation am Wertpapiermarkt. Dieser Kreislauf funktioniert nur solange tatsächlich auch genügend Geldströme bzw. Teilnehmer die Preise im Wertpapierhandel, z.B. an der Börse, nach oben treiben können. Ich denk da nur an das Mißtrauen der Banken im Jahr 2007 untereinander. Oder am folgenden Börsencrash des Jahres 2008. Solange die Notenbank Wertpapiere aufgekauft hat, und damit für genügend Liquidität sorgen konnte, ist die Spekulation an den Börsen, nach kurzer Atempause, wieder fortgeführt worden.

  4. 4 Nestor 12. Oktober 2013 um 11:32 Uhr

    Ja, das mag alles sein, aber worum es geht, ist doch, daß der Wert der Wertpapiere eben in genausolchen Papierzetteln bzw. deren Zahlen-Repräsentanten in Bilanzen gemessen wird.
    Also auch, wenn die Notenbak Wertpapiere aufkauft, um sie aus den Bilanzen der Banken wegzukriegen – womit kauft sie sie denn? Mit ihren eigenen Zahlungsversprechen!

  5. 5 star wars 12. Oktober 2013 um 12:01 Uhr

    Ja Nestor, aber selbst die Kreditwürdigkeit des Staates beurteilen die Geschäftsbanken, und nicht die Zentralbank selbst. Und da hat sich eben herausgestellt daß sich jede Menge Geschäftsmöglichkeiten, eben auch für die Erfolgsbilanz der Staaten, als nichtig erwiesen hat.

  6. 6 Nestor 12. Oktober 2013 um 21:57 Uhr

    Ich habe ja nie behauptet, daß Staaten bzw. deren Notenbanken die Kreditwürdigkeit anderer Staaten beurteilen. Die Einstufer der Kreditwürdigkeit der Staatsgewalten sind die Geldhändler und Kreditschöpfer. Die sind auch die Taxatoren des Werts, der sich bei ihnen als solcher erweisen muß.
    Da aber das ehrenwerte Kreditgewerbe inzwischen in Mißkredit geraten ist, so hat deren Wert-Beurteilungs-Fähigkeit auch Zweifel auf sich gezogen.
    Wer schafft Wert?
    Wer beurteilt Wert?
    Wer besitzt Wert?
    Dies alles beschäftigt die Hüter des Wertes derzeit.

  7. 7 star wars 13. Oktober 2013 um 11:26 Uhr

    @ Nestor

    Da aber das ehrenwerte Kreditgewerbe inzwischen in Mißkredit geraten ist, so hat deren Wert-Beurteilungs-Fähigkeit auch Zweifel auf sich gezogen.

    Das ist doch Staaten bzw. Unternehmen völlig egal ob die „Wert-Beurteilungs-Fähigkeit“ des Kreditgewerbes in Mißkredit geraten ist. Daß der moderne Finanzüberbau schwer zu durchschauen ist, wußten Politiker, Notenbanker und Kreditschöpfer schon vor dem Jahr 2007. Deswegen sind auch die Rating-Agenturen aus dem Boden gestampft worden, die gerne immer wieder kritisiert werden.

    In der Praxis sieht es doch so aus, daß alles dafür getan wird damit der Finanzsektor schnellstmöglich ähnliche Blüten treibt wie vor dem Jahr 2008. Einige befürworten dagegen, komplementär oder sogar teilweise konträr zu solchen Zielvorstellungen, eine stärkere Regulierung des globalen Finanz- bzw. Bankgewerbes (und betonen dabei die systemischen Risiken eines tendenziell unregulierten Finanzüberbaus der Staaten). Da ist die Empörung (der Politiker, der Unternehmen) schnell gewichen, weil sie wissen daß ein ausgewachsener Finanzüberbau in spätkapitalistischen Gesellschaften der kapitalistischen Kernzonen, mit tendenzielle fallenden Profitraten, von den handelnden Akteuren auch eine systemische Bedeutung zugewiesen werden müsse.

  8. 8 star wars 13. Oktober 2013 um 12:06 Uhr

    Der Kerngedanke der Staaten bzw. Notenbanker ist doch die Zirkulation des Werts (Wertpapiere, Kreditderivate) ohne die zusätzliche Produktion bzw. Schaffung von Wert (industrielle Produktion) gewährleisten zu können. Aus meiner Sicht schaffen sie das nicht, aber es dauert eben viel Zeit bis aus der Krise des Finanzüberbaus eine Krise der industriellen Kernsektoren (USA, Deutschland) zustande kommen wird. Die meisten anderen wichtigen Standorte (Spanien, Italien, England) in Europa sind ja bereits „ruiniert“.

  9. 9 Nestor 13. Oktober 2013 um 13:04 Uhr

    Daß der moderne Finanzüberbau schwer zu durchschauen ist, wußten Politiker, Notenbanker und Kreditschöpfer schon vor dem Jahr 2007.

    Das war aber gar nicht der Gegenstand meiner Aussage. Sondern ich wollte darauf hinweisen, daß die Banken dadurch, daß sie in Straucheln geraten sind, nicht nur ein Stück weit ihre Fähigkeit, Wert zu generieren – durch die von dir erwähnten „Finanzprodukte“ – verloren haben, sondern auch in ihrer Rolle, Wert zu beglaubigen, nicht mehr so vertrauenswürdig sind. Ob sie jetzt einer Währung diesen oder jenen Wert gegenüber einer anderen zusprechen, oder einem Kunden Kreditwürdigkeit, wird ihnen nicht mehr unbedingt geglaubt.

    Deswegen sind auch die Rating-Agenturen aus dem Boden gestampft worden, die gerne immer wieder kritisiert werden.

    Die sind überhaupt nicht „aus dem Boden gestampft worden“, sondern – zumindest die 3 großen – Anfang des 20. Jahrhunderts als Bewertungsagenturen für Eisenbahnaktien entstanden. Ihren ersten Karrieresprung konnten sie in den 30-er Jahren verzeichnen, als sie im Zuge der US-Krisenbewältigung als Beurteilungs-Institutionen für diejenien Unternehmen verpflichtend wurden, die Staatshilfe erhalten wollten.

    Ihren Sprung über den Grpßen Teich verdanken sie der Anfang der 90-er Jahre eingerichteten EU-Finanzmarktregelung, die für die alten und neu geschaffenen Finanzdienstleister ebenfalls Ratings vorschrieben.

    Die Kritik an ihnen ist also auch matt – würde die EU ihr eigenes Gejammer ernst nehmen, so müßte sie eben auf die Ratings verzichten. Damit wären jedoch die gesamten EU-Wertpapiere an den Weltbörsen nicht mehr handelbar …

    Die Krise der „industriellen Kernsektoren“ (Autoindustrie, Transportwesen. Bauindustrie) ist schon längst da, weil mit der Krise ja jede Menge Zahlungsfähigkeit abhanden gekommen ist. Neben der Kaufkraft der Massen ist auch der Kredit geschrumpft, und damit sind auch Staaten und Unternehmen als Nachfrager weniger geworden.
    Alle Versuche, den Finanzsektor wieder in Schwung zu kriegen, sind eben von dem – „Mißstand“ aus Sicht der Politiker – bestimmt, daß sich in keinem Sektor die Akkumulation befehlen läßt.

  10. 10 Neoprene 18. Oktober 2013 um 8:00 Uhr

    Nestor, wenn du schreibst,
    „Von den asia­ti­schen Play­ers hat auf jeden Fall China ge­gen­über dem Dol­lar die bes­se­ren Kar­ten, weil es trotz sei­ner Dol­lar-​An­lei­hen – im Un­ter­schied zu Japan – sein na­tio­na­les Geld nicht dem Ur­teil der Märk­te aus­ge­setzt hat. Der Yuan hat also noch kei­nen Platz in der Hier­ar­chie der Wäh­run­gen, hat aber die not­wen­di­ge po­ten­te Öko­no­mie hin­ter sich …“
    dann möchte ich dem entgegenhalten, daß (ähnlich wie im Verhältnis Deutschland zum Rest des Euro-Raumes) die „Potenz“ der Wirtschaft Chinas doch zentral von der Zahlungsfähigkeit seiner Kunden abhängt. Und damit vor allem bei den USA von deren Kreditwürdigkeit.

    Wenn der Dollar krachen würde, ginge nicht nur das Exportgeschäft von China in die USA kaputt, sondern würde whrscheinlich insgesamt einen Knacks wegkriegen, weil ein Dollarzusammenbruch praktisch die ganze Wirtschaftswelt tangieren und in Mitleidenschaft ziehen würde. Auch in China würde sich dann erweisen, daß die Potenz der Wirtschaft Ergebnis einer gigantischen Überakkumulation ist bzw. dann eben gewesen ist.

    Und um genau so ein Szenario erst gar nicht in Gang zu setzen, ist die Führung Chinas seit Jahr und Tag doch strammer Verteidiger des Dollarwertes und kauft und kauft Staatsanleihen, bis die eigentlich gar nicht mehr in den Keller der Staatsbank passen. Denn was anderes wissen die eben auch nicht zu machen, ohne daß auch für China ein Offenbarungseid anstünde.

  11. 11 Nestor 18. Oktober 2013 um 9:35 Uhr

    Ja, das stimmt natürlich alles.

    Zwei Dinge gebe ich zu bedenken: 1. ist eben keineswegs ausgemacht, daß der stete Kauf von Staatsanleihen die US-Wirtschaft retten kann, weil damit zwar die Zahlungsfähigkeit des Staates gestützt, aber nicht das eigentlich für die Erholung notwendige Wirtschaftswachstum angekurbelt werden kann. Außerdem ist die derzeitige Zerreißprobe in den USA zwischen verschiedenen Fraktionen der herrschenden Klasse ja gar nicht dem Umstand geschuldet, daß die Nachfrage nach US-Anleihen eingebrochen wäre. (Notfalls kauft die Regierung bzw. die Fed sie eben selber.) Die prinzipielle Frage wird aufgeworfen, ob Schulden-Machen sich weiterhin als gangbarer Weg erweist, die Nation voranzubringen, oder ob es sie in den Ruin treibt und ihr Geld überhaupt als Wertträger gefährdet.

    Das zweite ist, daß die kapitalistische Wirtschaft ein allgemeines Äquivalent, ein Weltgeld braucht. Ob sich der Dollar, sollte er einmal krachen, ersetzen läßt, ist naürlich keineswegs vorhersagbar. Aber daß alle politischen und ökonomischen Akteure nach einem solchen suchen und verlangen würden, ist klar.
    Und das wäre, auch auf das habe ich hingewiesen, eine Frage des letzten Arguments, über das Staaten verfügen, das der Waffen.

  12. 12 Neoprene 18. Oktober 2013 um 11:28 Uhr

    Deinem ja korrekten Bedenken

    „ist eben keineswegs ausgemacht, daß der stete Kauf von Staatsanleihen die US-Wirtschaft retten kann“

    stimme ich zu. (Regelmäßig ist mir in diesem Zusammenhang von GSPlern, Theo Wentzke z.B., vorgehalten worden, daß ich mir da wohl die Gedanken der Herrschenden mache und Prognosen eh nicht Sache von Kommunisten seien.)
    Letztlich treibt die alle deine Frage um

    „Die prinzipielle Frage wird aufgeworfen, ob Schulden-Machen sich weiterhin als gangbarer Weg erweist, die Nation voranzubringen, oder ob es sie in den Ruin treibt und ihr Geld überhaupt als Wertträger gefährdet.“

    Antworten haben die darauf offensichtlich nicht. Jedenfalls stimmige.

    Zu deinem zweiten zentralen Punkt,

    „daß die kapitalistische Wirtschaft ein allgemeines Äquivalent, ein Weltgeld braucht“

    bin ich der Letzte, der da kleinspielen wollte, daß genau solche Fragen den nächsten Weltkrieg bestimmen könnten/werden.

  13. 13 star wars 18. Oktober 2013 um 16:01 Uhr

    China wird irgendwann eine stabile Akkumulation hinbekommen, aber ob es den USA gelingen wird, ohne einen wachsenden Zukauf von US-Anleihen durch China, eine stabile Akkumulation zustandezubringen, bezweifle ich.

  14. 14 Nestor 18. Oktober 2013 um 19:10 Uhr

    @star wars

    Was ist „stabile Akkumulation“? Ein Unding, eine Quadratur des Kreises.
    Akkumulation setzt Produktion auf erweiterter Stufenleiter voraus, d.h. die Menge der zum Verkauf anstehenden Waren und des nach Verwertung verlangenden Kapitals wächst, und damit kann China sich nicht auf seine Bevölkerung beschränken. Solange es auf Kapitalismus setzt, bedarf es des Weltmarktes zum Absatz seiner Waren, und damit setzt es sich dessen Konjunkturen und der imperialistischen Konkurrenz aus.

  15. 15 star wars 19. Oktober 2013 um 10:27 Uhr

    Akkumulation setzt Produktion auf erweiterter Stufenleiter voraus, d.h. die Menge der zum Verkauf anstehenden Waren und des nach Verwertung verlangenden Kapitals wächst, und damit kann China sich nicht auf seine Bevölkerung beschränken. Solange es auf Kapitalismus setzt, bedarf es des Weltmarktes zum Absatz seiner Waren, und damit setzt es sich dessen Konjunkturen und der imperialistischen Konkurrenz aus.

    Solange China, im wachsenden Ausmaß, Milliarden an Dollarbeständen in den Tresoren und Kellern der Zentral- bzw. Geschäftsbanken des Landes bunkert, ist es auch und vor allem auf eine stabile Wertkonvertabilität des Dollars, im Vergleich zu seiner eigenen Währung, und damit auf das Werturteil der Geschäftswelt gegenüber dieses weltweit geschätzte Umtauschmittels, angewiesen. Denn die wachsende Konkurrenzfähigkeit Chinas auf den Weltmärkten ist auf den Aufkauf von Dollar-Anleihen ausgerichtet, und auf Pump gegenüber der Weltmacht USA finanziert. China wächst mit außergewöhnlich hohen Wachstumsraten, aber eben auf Grundlage eines relativ billig eingekauften Schmiermittels Namens Dollar. Ich glaube das wird sich ändern, aber noch ist es nicht so weit.

  16. 16 star wars 19. Oktober 2013 um 10:54 Uhr

    Um Mißverständnisse zu vermeiden, ich glaube nicht daß China dauerhaft mit hohen Wachstumszahlen um die 7% auf sich aufmerksam machen wird. China wird, eben weil es am Weltmarkt eingebunden ist, sich den dort herrschenden Konkurrenzkriterien anpassen lassen müssen, d.h. hohe Kapitalproduktivität in den industriellen Kernsektoren, sich häufende Überproduktionskrisen, wachsende Angewiesenheit auf den Kreditmärkten usw.. Aber die auf Gedeih und Verderb Angewiesenheit auf den Dollar wird sich, aufgrund der absehbaren Schwerpunktverlagerungen in der imperialistischen Konkurrenz weltweit, lockern.

  17. 17 Nestor 19. Oktober 2013 um 12:49 Uhr

    Denn die wachsende Konkurrenzfähigkeit Chinas auf den Weltmärkten ist auf den Aufkauf von Dollar-Anleihen ausgerichtet, und auf Pump gegenüber der Weltmacht USA finanziert.

    Verstehe nicht, was du meinst. Die Konkurrenzfähigkeit Chinas beruht auf dem Exploitationsgrad der chinesischen Arbeitskraft. Was hat das mit dem Aufkauf der Dollar-Anleihen zu tun, und was heißt überhaupt „ausgerichtet“? Und „auf Pump“? Meinst du, daß die Chinesen den Amis Geld borgen, damit die bei ihnen einkaufen können? Das wäre nämlich eine grobe Verwechslung der Subjekte: Kreditiert wird durch den Anleihenaufkauf der amerikanische Staat, während seine Bürger die chinesischen Waren kaufen.

    China wächst mit außergewöhnlich hohen Wachstumsraten, aber eben auf Grundlage eines relativ billig eingekauften Schmiermittels Namens Dollar.

    Was wird mit dem „Schmiermittel“ denn geschmiert? Der Dollar ist doch für Einkäufe im Ausland wichtig, die chinesische Wirtschaft selbst ist währungs- und kredittechnisch ein geschlossenes System.

  18. 18 star wars 19. Oktober 2013 um 19:30 Uhr

    Was hat das mit dem Aufkauf der Dollar-Anleihen zu tun, und was heißt überhaupt „ausgerichtet“? Und „auf Pump“? Meinst du, daß die Chinesen den Amis Geld borgen, damit die bei ihnen einkaufen können?

    Nein, ich glaube daß die Chinesen den Amis Geld borgen, damit sie bei den Amis exportieren bzw. selbst Waren verkaufen können. Die US-Konsumenten kaufen Waren ein, die in China produziert werden, mit Geld dass sie sich von den Lieferanten selbst haben borgen lassen müssen. Mit Geld dass die Amis eigentlich gar nicht haben, bzw. (noch) gar nicht verdient haben können.

    Chinas borgt den USA Geld, und die Gegenleistung dafür beruht im Aufkauf von milliardenschweren Dollar-Anleihen, Wertpapierfonds, bzw. Geldforderungen, in Form von Versprechen akkumulierte Reichtums. Chinas Exportwalze in die USA beruht also auf Grundlage von Versprechungen akkumulierten Reichtums (der auf der Gegenseite des Pazifiks eingelöst werden soll). Und damit sind wir wiederum beim Ausgangspunkt dieser Debatte angelangt.

  19. 19 Nestor 20. Oktober 2013 um 0:14 Uhr

    Dann habe ich doch richtig verstanden. Nein: der amerikanische Staat kauft mit dem Geld, das er durch Anleihenverkäufe erlöst, Waffen, richtet Straßen, zahlt seine Angestellten, gibt Essensmarken aus, usw. Hat alles nix mit China zu tun.

    Die US-Konsumenten, die chinesisches Spielzeug, Kleidung und was sonst noch kaufen, kriegen jedoch von China kein Geld geborgt.

    Die Vorstellung, hier würde sozusagen ein Markt durch Kredit subventioniert, ist verkehrt.

  20. 20 star wars 20. Oktober 2013 um 10:32 Uhr

    Dann habe ich doch richtig verstanden. Nein: der amerikanische Staat kauft mit dem Geld, das er durch Anleihenverkäufe erlöst, Waffen, richtet Straßen, zahlt seine Angestellten, gibt Essensmarken aus, usw. Hat alles nix mit China zu tun.

    ??? Und wer kauft Staatsanleihen, mit dem Geld daß China ausleiht, damit die USA Straßen einrichtet, seine Angestellten bezahlt, Essensmarken ausgibt, usw. usf.? Glaubst du in China wächst daß Geld aus Bäumen heraus? China bekommt dieses Geld ja auch nicht auf den Tablett serviert. China finanziert den amerikanischen Staatshaushalt, aus eigenen volkswirtschaftlich organiserten Finanzquellen sozusagen, wer denn sonst.

    Die US-Konsumenten, die chinesisches Spielzeug, Kleidung und was sonst noch kaufen, kriegen jedoch von China kein Geld geborgt.

    Nein, die US-Konsumenten kriegen nicht von China Geld direkt geborgt, aber der Staat, der dank China zahlungskräftig bleiben kann, kriegt das Geld von China geborgt. Und der schröpft seine Bürger, damit China Staatsanleihen kauft, did den US-Haushlat finanzieren. Und damit subventioniert China eben auch indirekt chinesisches Spielzeug, Kleidung und was sonst noch US-konsumenten kaufen, aber nicht selbst produzieren können. Wenn man die Perpsketive erweitert und auch noch die Zirkulation des Unternehmskredits bzw. die des Privatkredits zwischen US- und chinesische Geschäftsbanken über verschiedene Kanäle mit berücksichtigt, weiß ich auch nicht mehr wo du hier die Grenze des Geldflusses zwischen China und den USA ziehen möchtest.

    Die Vorstellung, hier würde sozusagen ein Markt durch Kredit subventioniert, ist verkehrt.

    Solche absurde Gedanken kommen eben dann dabei raus, wenn man die verschiedenen volkswirtschaftlichen Größen nicht im Gesamtzusammenhang betrachtet, weil man Angst hat dass die eigene Theorie der sich selbst tragenden Finanzakkumulation dabei schlecht abschneiden könnte.

  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Der ganz normale Wahnsinn Pingback am 13. Februar 2014 um 14:34 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.