Der Eiertanz um Zypern

GELD RIECHT NICHT

Zypern ist angeblich in der Krise, obwohl man gar nicht so recht weiß, worin diese besteht:

„Was das Land fordere, sei »Solidarität für ein Land, das Opfer des europäischen Beschlusses für einen Schuldenschnitt der griechischen Schulden geworden ist«, sagte Stefanou im staatlichen Rundfunk. Er bezog sich mit den Äußerungen auf die zyprische Überzeugung, dass die Banken des Eurolandes in die Griechenland-Krise hineingezogen worden seien und Zypern dadurch erst in Schwierigkeiten geraten sei.“ (FAZ, 20.1.)

Es ist schon einmal eine interessante Auskunft, daß der Schuldenschnitt Griechenlands, von dem es hieß, er sei rein freiwillig gewesen, die zypriotischen Banken so stark betroffen hat, während offenbar französische und deutsche Banken und Versicherungen ihre Schäfchen rechtzeitig aufs Trockene gebracht haben. Zweitens liegt es aber nicht nur an den Banken, daß der Kredit des zypriotischen Staates in so ein schiefes Licht geraten ist. Die ganze Griechenland-Rettung und Euro-Krise haben nämlich den Blick der Finanzwelt auf die Geschäftsgrundlage dieses Staates gelenkt – und die besteht außer Tourismus und etwas Halloumi-Käse vor allem darin, ein Offshore-Gebiet für russisches – und, wie auch inzwischen durchsickert, europäisches – Kapital zu sein:

„Der Bundesnachrichtendienst (BND) stellt Zypern in einer Untersuchung ein vernichtendes Urteil aus. In einem geheimen Bericht legt der Auslandsgeheimdienst den Schluss nahe, dass von den Hilfsmaßnahmen, die die Europäische Union dem Land möglicherweise schon bald zahlen wird, vor allem Inhaber russischer Schwarzgeldkonten profitieren würden.“ (Spiegel, 3.11. 2012)

Nein, so eine Überraschung! Da hat sich der BND aber echt angestrengt, um das herauszukriegen – was in russischen Zeitungen seit jeher völlig offen besprochen wird. Als Zypern 2004 der EU und 2008 der Eurozone beitrat, war das ja gerade seine Attraktivität, daß sein Banksektor Tummelplatz russischen Kapitals war. Der Beitritt Zyperns sollte doch gerade diese Gelder für die EU nutzbar machen, und russische Investoren hereinbitten – was ja auch geschehen ist. Zypern hat sich daher eine Zeitlang sehr gut bewährt.

Aber im Rahmen der Euro-Krise hat der Umstand, daß der Kredit Zyperns auf fremdem Reichtum beruht, jenen untergraben. Wenn die russischen Geschäftsleute – hierzulande oft mit so häßlichen Namen wie „Oligarchen“ oder „Mafia“ bezeichnet – vielleicht eines Tages die Offshore-Dienste Zyperns nicht mehr brauchen, oder sich auf das daneben gelegene und ebensolche Dienste anbietende Israel beschränken, dann verliert Zypern seine Haupt-Einnahmequelle. Und dadurch ist Zyperns Kreditwürdigkeit futsch.

Die Summen, um die es stützungsmäßig geht – zwischen 16 und 17 Milliarden Euro ¬ sind vergleichsweise zu anderen offenen Baustellen wie Italien oder Spanien ein Klacks. Dennoch fängt ein seltsames Getue an, die erst auszuzahlen, wenn Zypern eine EU-interne Geldwäsche-Prüfungskommission alle seine Konten durchleuchten läßt. Sehr seltsam. Bisher durfte, ja sollte Zypern Geldwäsche betreiben und die blühendweißen Scheine dann in die EU einschleusen. Jetzt soll es seinen gesamten Banksektor dem prüfenden Auge von EU-Beamten öffnen, und damit seinen wichtigsten Wirtschaftssektor eigentlich für die finanzkapitalistische Konkurrenz innerhalb der EU zur Verfügung stellen.

Zypern verwehrt sich dagegen und beruft sich auf Verfassung und Menschenrechte – ja, die Menschenrechte sind offensichtlich in erster Linie Bankenrechte!

Also was geschieht? Läßt die EU Zypern pleite gehen, um zu prüfen, ob die EU das übersteht? Wartet sie, ob eine neue Regierung sich kooperativer erweist und Zyperns Banksektor dem ausländischen Kapital öffnet? Oder wartet sie, ob Rußland etwas macht, um die Schwarzkonten seiner Kapitalisten zu sichern?


3 Antworten auf „Der Eiertanz um Zypern“


  1. 1 stefon 18. Februar 2013 um 11:12 Uhr

    Sehr seltsam. Bisher durfte, ja sollte Zypern Geldwäsche betreiben und die blühendweißen Scheine dann in die EU einschleusen.

    Dass es DURFTE, würdest du ja so argumentieren, dass es offensichtlich war dass sie es taten und nichts dagegen getan wurde. Wie argumentierst du aber das „sollten“?

  2. 2 Nestor 18. Februar 2013 um 12:06 Uhr

    Na ja, wie eben der Titel sagt, woher das Geld kommt, ist ja gleichgültig. Ob aus Drogen-, Waffen- oder Rohstoffhandel. Gegen diese ehrenwerten Geschäfte haben die EU-Staaten ja nur dann etwas, wenn es Abzug von ihrem Reichtum ist – also den Regierungen Einnahmen durch die Lappen gehen, oder den Unternehmen Geschäfte flöten gehen.

    Wenn es aber Geld ist, das nur am russischen Fiskus vorbei geschmuggelt wurde und jetzt nach Anlage in der EU sucht, so sind das doch willkommene Investoren. Und da war Zypern als Geldschleuse wichtig.
    Man kann ja schlecht sagen: Wir erlassen alle möglichen Gesetze gegen Geldwäsche, kaufen Daten-DVDs aus der Schweiz und machen Hausdurchsuchungen bei Steuersündern, aber für außer-EU-Geld sind wir ein sicherer Hafen und erkennen die Gesetze des betreffenden Landes nicht an. Das gäbe jede Menge Stunk und die gute Zusammenarbeit wäre gefährdet. So, über Zypern ging das viel eleganter.

  3. 3 Krim 18. Februar 2013 um 12:59 Uhr

    Warum jetzt der Eiertanz? Will die EU es Russland recht machen und deren Steuersünder aufspüren? Einen rechten Grund für dieses Verhalten konnte ich deinem Text bisher nicht entnehmen.

    „Läßt die EU Zypern pleite gehen, um zu prüfen, ob die EU das übersteht?“ So ein Test wäre hochgradig dämlich, da ja auch das nichtüberstehen Resultat sein kann.

    „Oder wartet sie, ob Rußland etwas macht, um die Schwarzkonten seiner Kapitalisten zu sichern?“ Warum sollte der russische Staat Schwarzgeldkonten sichern? Wenn dann will er darauf zugreifen und seinen Teil abhaben. Könnte natürlich sein, dass sie auf einen Deal aus sind. Der russische Staat hilft Zypern zu retten, darf dafür auf die Konten seiner schwarzen Schafe zugreifen, was denen einen Teil ihres Vermögens rettet (den anderen kassiert der russische Staat). Ist aber die Frage, ob das Russland letzten Endes was bringt. Denn immerhin müssten sie ihren Staatskredit vorher nach Zypern reinbuttern, damit sie dann wieder einen Teil raus kriegen. Vermutlich ein schlechtes Geschäft. Kommt mir auch zu kompliziert und ein wenig agententheoretisch als Erklärung vor.

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