Die Weltfinanzbehörde

DER IWF, TEIL 1: DIE ENTSTEHUNG. DIE ERRICHTUNG DER NACHKRIEGS-WELTORDNUNG

Anläßlich Personaldebatten um die Neubesetzung dieser sinistren Organisation, die nicht ganz zu Unrecht für viel am Elend dieser Welt verantwortlich gemacht wird, ein kurzer Überblick darüber, was der IWF eigentlich ist.

Der IWF ist unter anderem ein Ergebnis der Abdankung Großbritanniens als Weltmacht, und dem Aufstieg der USA zu einer solchen. Großbritannien mußte in Bretton Woods die Vorschläge der USA, die den Dollar als Leitwährung festlegten, akzeptieren. (Der Chefunterhändler der Briten war Keynes, und ihm schwebte ein System gleichberechtigter Währungen vor, von dem aber die USA nichts wissen wollten. Diese Idee wird von Kritikern des IWF immer wieder aufgegriffen, woran man sieht, daß sie eben gewisse imperialistische Gegebenheiten nicht zur Kenntnis nehmen wollen.)

An die Gründung des IWF heften sich einige Irrtümer. Einer davon ist, daß der Dollar deshalb zur Weltwährung gemacht werden konnte, weil die Amerikaner den Goldstandard besaßen (und auch eine Menge Gold als Ergebnis guter Geschäfte mit den Allierten, die alle bei den USA Waffen eingekauft hatten.) Es war jedoch umgekehrt: Die USA waren die einzigen, die eine funktionierende kapitalistische Wirtschaft besaßen (erst durch die Rüstungsproduktion für den II. Weltkrieg überwanden die USA die Große Depression) und hatten als solche auch ein funktionierendes Geld – deswegen konnten sie sich so etwas wie eine Golddeckung leisten.
(„Gedeckt“ ist übrigens beim Goldstandard gar nix. Es wird nur behauptet: wir haben irgendwo Gold herumliegen, und beim Gelddrucken schauen wir immer drauf, daß es nicht zu viel wird.)
Die freiwillige Bindung des Dollars an Gold besagte im Grunde nur eins: Erstmals wurde ein nationales Kreditgeld, also gewöhnliche bedruckte Zettel, die auf einem Staatsgebiet per Gewalt Gültigkeit besaßen, zu Repräsentant von Wert schlechthin erklärt. Der Dollar ist Gold wert, und wird in Zukunft an Goldes statt angenommen werden müssen.

Die USA waren natürlich daran interessiert, daß der Rest der Welt auch wieder seine Ökonomie in Schwung bringt, und über ein taugliches Umlaufmittel verfügt, weil die anderen Staaten nur dann als Markt und Handelspartner für Amerikas Kapital funktionieren konnten.

Den Staaten Europas – Siegern wie Verlierern des II. Weltkriegs – wurde somit das Angebot gemacht, ihnen wieder so etwas wie eine Währung zu verleihen, die im internationalen Zahlungsverkehr angenommen würde. Sie wurde also erst einmal fähig gemacht, im Ausland irgendetwas einzukaufen. Diese Konvertibilität war eine Vorleistung, die die USA für die Schaffung des Weltmarkts erbrachten. Um die Vormachtsstellung, die sie dem Dollar als Grundlage aller Handelsströme verliehen, auch noch zusätzlich attraktiv zu machen, verpflichteten sich die USA, Dollar jederzeit in Gold einzuwechseln – sie wollten damit das Interesse, an Dollars dranzukommen, anheizen, d.h. Produktionen anzuleiern, mit US-Kapital. Die Goldbindung war also auch dazu da, den Kapitalexport zu fördern.

Die Goldbindung wurde nach einer Auszahlung an das Frankreich De Gaulles, der darauf bestand, 1971 aufgegeben, d.h. von den USA einfach gestrichen. Sie hatte sich nämlich als ein Hemmschuh der Expansion des Welthandels erwiesen. Das, was mit Bretton Woods und dem IWF eingerichtet worden war, hatte sich ja aus Sicht der USA bewährt: Die Welt war mit Ausnahme des Ostblocks (zu dem damals China noch dazugehörte) voller Dollars, alle Nationalökonomien mußten an dieses Geld herankommen, und dem amerikanischen Kapital stand die ganze Freie Welt offen.

Aber auch für die Staaten Lateinamerikas, die fast vollzählig in Bretton Woods vertreten waren, war die Idee einer Bindung an den Dollar attraktiv: Sie sahen darin ein probates Mittel, die seit der Unabhängigkeit immer wieder aufgetretenen Inflationsschübe, Staatspleiten und damit einhergehenden wirtschaftlichen und sozialen Krisen in den Griff zu kriegen und dadurch ihre nationalen Ambitionen befriedigen zu können.

Zusammenfassend also noch einmal die Leistung des Bretton-Woods-Systems: Der kapitalistische Teil der Welt wurde mit einem neuen, einheitlichen Zahlungsmittel beglückt – ein nationales Kreditgeld wurde internationales Zahlungsmittel und Maß der Werte für alle kapitalistischen Nationen. Die neue Weltmacht versah die Welt mit einem Weltgeld. Eine imperialistische Macht hatte sich durchgesetzt, sich alle Konkurrenten unterworfen, und konnte ihnen jetzt ihre Bedingungen diktieren. Das Organ, mit dem die Einhaltung dieser Hegemonie überwacht und die Ausnützung dieser Bedingungen gewährleistet werden sollte, war der IWF.


85 Antworten auf „Die Weltfinanzbehörde“


  1. 1 Neoprene 27. Juni 2011 um 8:40 Uhr

    Du schreibst:

    „Die USA waren die einzigen, die eine funktionierende kapitalistische Wirtschaft besaßen (erst durch die Rüstungsproduktion für den II. Weltkrieg überwanden die USA die Große Depression) und hatten als solche auch ein funktionierendes Geld.“

    Wieso konnten denn eigentlich die USA sich wie Münchhausen selber aus dem Krisendreck ziehen? Wieso „funktionierte“ denn damals das Deficit Spending und wieso geht das jetzt nicht mehr?
    (Es gab im Trotzkismus der 50er und 60er reihenweise Erklärungen deiner Art: Wegen der auch nach dem Zweiten Weltkrieg wegen des Kalten Kriegs enorm hohen Rüstungsausgaben gab es keine weitere große Krise(n) wie nach dem ersten Weltkrieg, sondern die langanhaltende Prosperität.)

  2. 2 Nestor 27. Juni 2011 um 8:48 Uhr

    Krieg ist der Vater aller Dinge.
    Jede Menge Betriebe stellten auf Rüstung um (klassisch General Motors – Panzer statt Autos!) und verschepperten ihr Zeug an die ganze Welt.
    Ich weiß nicht, ob das mit „deficit spending“ richtig charakterisiert ist.
    Und heute haben wir halt gerade keinen Weltkrieg laufen.

  3. 3 Neoprene 27. Juni 2011 um 9:15 Uhr

    Wenn du sagst, „Jede Menge Betriebe stellten auf Rüstung um (klassisch General Motors – Panzer statt Autos!) und verschepperten ihr Zeug an die ganze Welt.“ dann ist der positive Effekt auf die wieder in Gang gekommene Kapitalakkumulation aber nicht das deficit spending per se, sondern die Exporterfolge. Davon träumt ja jede Nation rund um die Uhr, daß sie den Reichtum, der anderswo erarbeitet wurde, an Land ziehen kann. Nun hat das im Fall USA/WWII aber eigentlich nur im Fall Großbritannien halbwegs funktioniert, die wurden in der Tat in dieser Zeit niederkonkurriert.

    Heutzutage haben wir zwar keinen Weltkrieg laufen, können aber auf Kalten Krieg, Koreakrieg, Vietnamkrieg, Irakkrieg und nicht zuletzt Afghanistankrieg zurückschauen. Hat das wirklich alles die Rolle der USA gestärkt oder vielleicht doch ehr angekratzt. Jedenfalls wirtschaftlich, mal abgesehen von den militärischen Erfolgen.

  4. 4 Nestor 27. Juni 2011 um 10:01 Uhr

    Die ersten 3 Kriege, die du aufzählst, dientem dem „containment“ des Großen Feindes, der Besitzstandsicherung der Weltmacht, und waren sicher kein Geschäft.

    Was die derzeit laufenden Kriege betrifft, mit denen die Ära Bush die Menschheit beglückt hat, so ist jetzt meine grobe Einschätzung, daß sich die USA übernommen hat in ihrem Versuch, der ganzen Welt ihren Willen aufzuzwingen, und vielleicht einmal implodieren wird.
    (Es war ja Osamas Absicht, die auch wahr geworden ist, mit den Anschlägen auf das World Trade Center die USA in einen Krieg gegen Afghanistan hineinzutheatern, weil dieses Land der „Friedhof der Imperien“ heißt. Dieses „Erbe“ von ihm hat ihn überlebt.)

    Aber generell ist es eine Ausnahme, daß ein Krieg, so wie WK II, ein Geschäft ist – normalerweise ist er eine mit Unkosten verbundene Vorleistung der Staatsgewalt, um günstige Bedingungen für seine Lieblingsbürger zu schaffen.
    Ich glaube übrigens, daß auch die SU ein satter Abnehmer amerikanischer Rüstungsgüter war, und z.B. der von der spanischen Regierung unter der Anleitung der Pasionaria nach Moskau verschiffte spanische Goldschatz auf diesem Wege in Fort Knox gelandet ist. Aber da müßte man recherchieren.

  5. 5 bigmouth 27. Juni 2011 um 10:25 Uhr

    „Es war ja Osamas Absicht, die auch wahr geworden ist, mit den Anschlägen auf das World Trade Center die USA in einen Krieg gegen Afghanistan hineinzutheatern, weil dieses Land der „Friedhof der Imperien“ heißt“

    bist du dir da so sicher? woher hast du das?

  6. 6 bigmouth 27. Juni 2011 um 10:32 Uhr

    ich meine, die hauptabsicht von al-quaida scheint laut deren programmatischen eigenaussagen die befreiung islamischer länder, insbesondere saudia-arabien mit seinen religiösen stätten von ungläubigen gewesen zu sein. die anschläge von london und madrid sollten auch dazu dienen, dass sich GB und Spanien aus dem Irak zurückk ziehen. und 9/11 sollte im gegenteil auf mehr einmischung abzielen?

  7. 7 gkb 27. Juni 2011 um 10:52 Uhr

    An die Gründung des IWF heften sich einige Irrtümer. Einer davon ist, daß der Dollar deshalb zur Weltwährung gemacht werden konnte, weil die Amerikaner den Goldstandard besaßen (und auch eine Menge Gold als Ergebnis guter Geschäfte mit den Allierten, die alle bei den USA Waffen eingekauft hatten.) Es war jedoch umgekehrt: Die USA waren die einzigen, die eine funktionierende kapitalistische Wirtschaft besaßen (erst durch die Rüstungsproduktion für den II. Weltkrieg überwanden die USA die Große Depression) und hatten als solche auch ein funktionierendes Geld – deswegen konnten sie sich so etwas wie eine Golddeckung leisten.

    -:-
    Wenn ich es richtig verstanden habe, glaube ich, Du fällst mit diesem Absatz tatsächlich ein bisschen hinter andere Erklärungen von Dir zum Verhältnis staatliche Kreditmacht/kapitalistisches Wirtschaften zurück. Für das Bretton-Woods-System und seinen Internationalen Währungsfonds war der grundlegende Punkt, dass das Gold aller nennenswerten kapitalistischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA versammelt war.
    -:-
    Die kap. Staaten richteten das Verhältnis ihrer Währungen unter Bezug auf dieses in den USA liegende Gold und seinen goldgleichen Stellvertreter Dollar ein. Und dann ging’s los mit dem kapitalistischen Konkurrieren und Wiederaufbauen. Das ist was anderes als

    (…)– deswegen konnten sie sich so etwas wie eine Golddeckung leisten.

    -:-
    Wenn es dieses Sich-Beziehen auf das in Fort Knox liegende Gold bei den anderen Siegermächten nicht in dieser Form gegeben hätte, wäre erst einmal die Frage gewesen, wie der „funktionierende Kapitalismus“ der USA mit seiner z.B. enormen Binnenverschuldung (Kriegsanleihen) seine Reichtumstitel sonst eingelöst hätte. Im Fall Deutschlands wurde der Verliererstaat einfach (mit dem Segen der anderen Westmächte) auf diesen Kredit verpflichtet. Der Marshall-Plan (Ideologie: „riesige Hilfe“) war dabei vor allem Maschinerie zur Umwandlung riesiger US-Kreditmengen (also Staatsschulden) in „realen Kapitalismus“.
    -:-
    Empfehlung: Gegenstandpunkt 1-11, Finanzkapital, IV., Das internationale Finanzgeschäft und die Konkurrenz der Nationen

  8. 8 Nestor 27. Juni 2011 um 14:19 Uhr

    @bigmouth

    Aus einem Buch weiß ich das:
    http://www.amazon.de/Tod-wird-euch-finden-SPIEGEL-Buch/dp/3421043035

    @gbk

    Die kap. Staaten richteten das Verhältnis ihrer Währungen unter Bezug auf dieses in den USA liegende Gold und seinen goldgleichen Stellvertreter Dollar ein.

    Ich hoffe, ich habe dich richtig verstanden und mache jetzt keinen Streit um des Kaisers Bart.
    Der oben zitierte Satz von dir läßt Bretton Woods als ein Fest des Friedens und der Freude erscheinen, bei denen sich alle auf etwas gedeihliches geeinigt haätten, und läßt die Ungleichgewichte, die bei dieser Konferenz auch dabei waren, ein bißl außen vor.

    Das mit den Schulden und dem Gold versteh ich auch nicht.

    Die USA hatten eine „Binnenverschuldung“ – und? wen kratzt das? Er gibt Kriegsanleihen aus und irgendwann zahlt er die zurück. Wie hat er seine „Reichtumstitel“ denn „eingelöst“? Gegen Goldbarren meines Wissens nicht. Also gegen Dollars.
    Und auf welchen Kredit wurde Deutschland verpflichtet, und was hat der Marshallplan jetzt wieder mit dem Gold in Fort Knox zu tun?

    Um mich noch einmal klar auszudrücken: Die Bindung an Gold war gerade das Mittel, eine nationale Währung zu Weltgeld zu machen. Bisher ging der internationale Zahlungsverkehr über Gold-Verrechnungen. Die Amis haben der Welt ihr Geld aufgenötigt, und das ging nur deshalb, weil sie der große Sieger von WK II waren, und auch deshalb viel Gold bei sich liegen hatten.

    Ich habe mich nur gegen die heute wieder sehr populäre Ideologie gewandt, mit einem Haufen Gold und der Bindung daran könne man Währungen „solid“ machen – es läge also nur an der richtigen Geldpolitik, eine Währung zu stabilisieren, und den Erfolg der Nation herbeizuführen. Und da wollte ich nur anmerken: Viel Gold im Keller ist zwar gut und schön, aber es gibt andere, wichtigere Momente der imperialistischen Staatenkonkurrenz, die über die Wucht der nationalen Währung entscheiden.
    (Das Österreich der Zwischenkriegszeit – die 1. Republik – hatte auch eine Menge Gold im Keller liegen, das die Nazis gleich nach dem Anschluß einkassiert haben. Deshalb auch der Spitzname des Schillings als „Alpendollar“. Eine Erfolgsstory war der Staat aber nicht.)

  9. 9 Nestor 27. Juni 2011 um 14:34 Uhr

    Vielleicht noch einmal ergänzend, damit klar ist, worauf ich hinauswill:
    Von überall aus dem Boden schießenden selbsternannten Kapitalismus-Ratgebern und -Rettern wird der Goldstandard von Bretton Woods als eine Art freiwillige Selbstbeschränkung der USA aufgefaßt, die sie um der Geldstabilität willen auf sich genommen und dann irgendwann – leider, leider! – (aus Gier, Leichtfertigkeit und anderen unökonomischen Überlegungen) fallen gelassen hätten, und deshalb lauft ihnen jetzt ihr Budget aus dem Ruder.

    Dabei war das nichts weniger als eine Einschränkung ihrer Geldausgabe-Politik, sondern vielmehr ein maßloser Anspruch, mit dem sie der Welt ihr eigenes nationales Geld verordneten. Und als das erfolgreich durchgesetzt war, gab es keinen Grund mehr, die Golddeckung aufrechtzuerhalten.

  10. 10 Neoprene 27. Juni 2011 um 14:40 Uhr

    „An geeigneten Lastern aus eigener Produktion mangelte es in der Sowjetunion. Also wurden die Katjuscha-Gestelle auf die Ladefläche amerikanischer Transporter vom Typ Studebaker geschraubt. Erst dank seines Allradantriebs waren die Stalinorgeln so mobil, dass sie zur entscheidenden Waffe an der Ostfront wurden.

    Amerikanische Lastwagen im Dienst der Roten Armee – das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Mehrere zehntausend „Studebakers“ lieferten die USA ab 1941 in die Sowjetunion, im Rahmen des „Leih- und Pacht-Gesetzes“, mit dem US-Präsident Franklin D. Roosevelt bereits im Frühjahr 1941 die damals gültigen Rüstungsexport-Beschränkungen der (noch) neutralen USA zu umgehen begann.“
    „Die ebenfalls massenhaft gelieferten Flugzeuge wurden eingeflogen; vielfach übernahmen Pilotinnen die Strecken über den Atlantik und übergaben ihre Maschinen erst in Nordafrika an Männer, die den letzten Teil der Strecke in den Kaukasus flogen. Allein über die Route Alaska-Sibirien sollen mehr als 8000 Maschinen transportiert worden sein. Insgesamt erhielt die UdSSR für elf bis zwölf Milliarden Dollar Waffenhilfe nach dem „Leih und Pacht“-Gesetz. Das entspräche mehr als zehn Prozent der sowjetischen Gesamtproduktion, schätzen Historiker.“
    http://www.welt.de/kultur/article3618336/US-Militaerhilfe-Stalins-amerikanische-Laster.html
    „Von den USA wurden über 400.000 Jeeps und LKW, 13.000 Lokomotiven und Güterwagen, 90 Frachtschiffe, 4.000 Bomber, 10.000 Jagdflugzeuge und über 7.000 Panzer an ihren sowjetischen Alliierten geliefert. “ wikipedia

    Nur war das ökonomisch eben kein Export Ware gegen Geld, sondern von der wirtschaftlich gleichen Bedeutung wie die Organisierung der Ressourcen für die eigenen Truppen.

  11. 11 Nestor 27. Juni 2011 um 14:47 Uhr

    Na ja. Wie wurden die denn gezahlt?

    Ich weiß nur, daß zu Kriegsausbruch oder knapp danach die orthodoxe Kirche und die sowjetische Führung eine Art Burgfrieden geschlossen haben, ihre Differenzen der Verteidigung des Vaterlandes unterzuordnen, und die Kirche im Rahmen dieses Bündnisses jede Menge Gegenstände aus Gold an den Staat abgeliefert hat.

    In die Zähne hat sich das die sowjetische Führung sicher nicht montiert. Und auch das spansiche Gold war im Keller von irgendeinem Gebäude sicher höchst überflüssig, für dringend benötigte Waffen jedoch sehr nützlich.

  12. 12 Neoprene 27. Juni 2011 um 15:44 Uhr

    „There was no charge for the Lend Lease aid delivered during the war, but the Americans did expect the return of some durable goods such as ships. Congress had not authorized the gift of supplies after the war, so the administration charged for them, usually at a 90% discount.“
    „A total of $50.1 billion (equivalent to $759 billion at 2008 prices) worth of supplies were shipped: $31.4 billion to Britain, $11.3 billion to the Soviet Union, $3.2 billion to France and $1.6 billion to China. Reverse Lend Lease comprised services (like rent on air bases) that went to the U.S. totaled $7.8 billion, of which $6.8 billion came from the British and the Commonwealth. The terms of the agreement provided that the material was to be used until time for their return or destruction. (Supplies after the termination date were sold to Britain at a discount, for £1.075 billion, using long-term loans from the U.S.) Canada operated a similar program that sent $4.7 billion in supplies to Britain and the Soviet Union.“
    http://en.wikipedia.org/wiki/Lend-Lease

  13. 13 Nestor 27. Juni 2011 um 15:52 Uhr

    Also, nach dem Text versteh ich nicht, wie Gold nach Fort Knox gekommen ist, wenn alles auf Leihbasis oder gleich geschenkt war.

    Ich weiß nicht, ob Wikipedia da die beste Quelle ist …

  14. 14 Nestor 27. Juni 2011 um 16:11 Uhr

    Aus der russischen Wikipedia:

    Die Lieferungen der USA beliefen sich auf ca. 11 Milliarden Dollar. Verhandlungen begannen nach Abschluß des Krieges, und zogen sich hin. Rußland bot 300 Millionen an, die USA verweigerten eine solche Herabsetzung des Betrrages.
    Erst 1972 wurde ein Abkommen unterzeichnet, demzufolge die SU bis 2001 722 Millionen $ zahlen sollte. Eine erste Tranche von 48 Millionen wurde ausgezahlt, dann kam es wegen diskriminierender Handelsbestimmungen wieder zu einem Zahlungsstopp.
    1990 wurden die Verhandlungen neu aufgenommen und eine neue Frist vereinbart: Bis 2030 sollten die Schulden abgezahlt werden. Diese 722 Millionen wären 7%, sind aber natürlich wegen der seither stattgefunden habenden Inflation viel weniger. Und die sind auch noch nicht bezahlt.

    Schaut also wirklich nach einem Geschenk aus, auch wenn es ursprünglich villeicht gar nicht so beabsichtigt war. Unter Truman und seinen Nachfolgern wurde halt mit der SU auch anders verfahren, als sich das Roosevelt 1941 vorgestellt hat.

  15. 15 Nestor 27. Juni 2011 um 16:32 Uhr

    Die Frage bleibt: Warum hatten die USA so viel Gold?

  16. 16 star wars 27. Juni 2011 um 17:06 Uhr

    Die Goldbindung wurde nach einer Auszahlung an das Frankreich De Gaulles, der darauf bestand, 1971 aufgegeben, d.h. von den USA einfach gestrichen. Sie hatte sich nämlich als ein Hemmschuh der Expansion des Welthandels erwiesen. Das, was mit Bretton Woods und dem IWF eingerichtet worden war, hatte sich ja aus Sicht der USA bewährt: Die Welt war mit Ausnahme des Ostblocks (zu dem damals China noch dazugehörte) voller Dollars, alle Nationalökonomien mußten an dieses Geld herankommen, und dem amerikanischen Kapital stand die ganze Freie Welt offen.

    Nee Nestor, die Goldbindung des Dollars wurde aufgegeben weil der rasante Anstieg des internationale Verkehrs an Geld- und Warenströmen, nach Einschätzung der Staaten (vor allem der USA), nicht mehr durch Gold, als Repräsentant von Wert schlechthin dienende Warenäquivalent des Außanhandels bis gusto, Geldkonvertibel „gedeckt“ werden könnte. Dafür waren die gesellschaftlichen Produktivkräfte (schon) zu weit entwickelt, der Welthandel, und die durch die abstrakte Verfügungspotenz Geld abgebildete Masse an Warenwerten, bereits zu rasant angestiegen.

    Dazu kommt dass der wirtschaftliche Aufstieg Japans, aber auch Deutschlands, bereits in den 70er Jahren begonnen hatte an der uneingeschränkten, ökonomischen Vormachtstellung der USA zu nagen. Eins der Ergebnisse der Liberalisierung des Geldhandels können wir bis heute noch bewundern: Die USA fungiert als Weltfinanzentrum, und saugt (wie ein Schwarzes Loch, obwohl ich deren naturwissenschaftlich implizierte, bis dato theoretisch anerkannte, Vormachtstellung im Universum bezweifle) die Gerldströme an, die (u.a.) die Verschuldungsspirale erst in Gang gesetzt haben, die heute alle beklagen.

  17. 17 Neoprene 27. Juni 2011 um 21:08 Uhr

    „Die Frage bleibt: Warum hatten die USA so viel Gold?“

    „Nach dem Ersten Weltkrieg baute die USA ihre Position im Welthandel aus und rückte bis 1929 hinter Deutschland und Grossbritannien auf Rang 3 vor (Weltmarktanteil 15 Prozent). Nicht nur im Warenhandel wurden Überschüsse erzielt. Die USA mutierte auch von einem Schuldnerland vor und während des Ersten Weltkrieges zu einem der grössten Gläubigerländer der Welt.“

    Und damit offenbar auch zu einem der Staaten mit den größten Goldschätzen.

  18. 18 Samson 27. Juni 2011 um 22:22 Uhr

    Die USA fungiert als Weltfinanzentrum, und saugt (wie ein Schwarzes Loch, obwohl ich deren naturwissenschaftlich implizierte, bis dato theoretisch anerkannte, Vormachtstellung im Universum bezweifle) die Gerldströme an, die (u.a.) die Verschuldungsspirale erst in Gang gesetzt haben, die heute alle beklagen.

    Die Frage ist bloß, wie machen die das. Ökonomisch lässt sich derlei nur erklären, wenn es irgendwas gibt, das alle Welt braucht, und das gerade deswegen für die materielle Warenproduktion von weit größerer Bedeutung ist, als es Gold als ‚Weltgeld‘ jemals gewesen ist. Wie wär’s bspw. mit Rohstoffen, speziell Öl. Politisch sieht das womöglich so aus: die ‚freie Welt‘ akzeptiert die Dollarschwemme, weil die Amis ihren Militärapparat anders nicht unterhalten können, ‚war against terror‘ aber das strategische Mittel ist, den Zugriff auf die Ressourcen zu gewährleisten. Saddam kostete es den Kopf, als er nur daran dachte, Öl in Euro abzurechnen und jetzt ist die Gelegenheit eben günstig, Gaddafi loszuwerden und die lybischen Ölquellen unter Kontrolle zu bringen. Das Risiko der ‚freien Welt‘ besteht letztlich darin, nicht wirklich kalkulieren zu können, wie lange Russen und/oder Chinesen stillhalten.

  19. 19 star wars 28. Juni 2011 um 0:06 Uhr

    Politisch sieht das womöglich so aus: die ‚freie Welt‘ akzeptiert die Dollarschwemme, weil die Amis ihren Militärapparat anders nicht unterhalten können, ‚war against terror‘ aber das strategische Mittel ist, den Zugriff auf die Ressourcen zu gewährleisten. Saddam kostete es den Kopf, als er nur daran dachte, Öl in Euro abzurechnen und jetzt ist die Gelegenheit eben günstig, Gaddafi loszuwerden und die lybischen Ölquellen unter Kontrolle zu bringen.

    So in etwa dürfte es sein. Dieser Umstand erklärt wohl oder üblich auch die astronomische Staatsverschuldung rund um den Globus, die in der Erscheinungsform als Staatsschuldenkrise (jetzt) wohl oder üblich zum Tragen gekommen ist.

  20. 20 Nestor 28. Juni 2011 um 1:34 Uhr

    @star wars

    Zitat von mir:

    Sie hatte sich nämlich als ein Hemmschuh der Expansion des Welthandels erwiesen.

    Zitat von dir:

    Nee Nestor, die Goldbindung des Dollars wurde aufgegeben weil der rasante Anstieg des internationale Verkehrs an Geld- und Warenströmen, nach Einschätzung der Staaten (vor allem der USA), nicht mehr durch Gold, als Repräsentant von Wert schlechthin dienende Warenäquivalent des Außanhandels bis gusto, Geldkonvertibel „gedeckt“ werden könnte. Dafür waren die gesellschaftlichen Produktivkräfte (schon) zu weit entwickelt, der Welthandel, und die durch die abstrakte Verfügungspotenz Geld abgebildete Masse an Warenwerten, bereits zu rasant angestiegen.

    Wo ist der Widerspruch?

    @Neoprene

    Wenn ich deinen Beitrag richtig interpretiere, so rührte der Goldschatz der USA aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg her, bestand also auch während der Weltwirschaftskrise und war kein Verhinderungsmittel derselben?!

    Das wäre ja eine starke Info und und Widerlegung aller Goldstandard-Anhänger!

  21. 21 Neoprene 28. Juni 2011 um 9:03 Uhr

    „Aufgrund knapper Goldbestände wurden dann auch beim Versuch der Wiederherstellung des internationalen Goldstandards in der Zwischenkriegszeit neben Gold vermehrt konvertible Devisen als Währungsreserven gehalten. Der internationale Golddevisenstandard der Zwischenkriegszeit bestand effektiv jedoch nur ganze sechs Jahre, von 1925 bis 1931, und war von ständigen Spannungen gekennzeichnet. Die Gründe hierfür lagen in verzerrten Paritäten sowie den Belastungen der Zahlungsbilanzen einiger Länder durch Kriegsschulden und Reparationsverpflichtungen. Außerdem war es infolge der Demokratisierung und der Stärkung der Arbeiterbewegungen nicht mehr möglich, die Preis- und Beschäftigungsentwicklung vollständig der Stabilität des Wechselkurses unterzuordnen.

    Die Währungshüter waren gezwungen, die Geldpolitik stärker an binnenwirtschaftlichen Stabilisierungszielen auszurichten. Dadurch kam es zu fortdauernden Verletzungen der Spielregeln in Form von Neutralisierungen der Effekte von Goldab- oder -zuflüssen auf die monetären Rahmenbedingungen, um deflationäre beziehungsweise inflationäre Entwicklungen zu vermeiden. Aufgrund der offensichtlichen Unmöglichkeit, die Paritäten des Währungssystems unter allen Umständen zu verteidigen, war der restaurierte Goldstandard im Gegensatz zum klassischen Goldstandard aus Sicht der Devisenmärkte unglaubwürdig. Dadurch waren spekulative Kapitalbewegungen nicht wie unter dem klassischen Goldstandard stabilisierend, sondern meist destabilisierend.

    Der Golddevisenstandard spielte bei der Ausbreitung der Weltwirtschaftskrise von 1929 (der Großen Depression) eine zentrale Rolle. Zum einen hinderte die Goldbindung die Währungshüter daran, der Bankenkrise zu begegnen und den Rückgang von Krediten und Geldmenge und somit den realwirtschaftlichen Einbruch abzuwenden, so wie es jüngst in Reaktion auf den Ausbruch der globalen Finanzkrise geschehen ist. Darüber hinaus kam es infolge der mangelnden Glaubwürdigkeit des Systems zu einer globalen Liquiditätsverknappung, da Zentralbanken aus Angst vor einer Abwertung der Reservewährungen ihre Devisenreserven liquidierten. Erst durch die Aufgabe der Goldbindung durch das Abstreifen der „goldenen Fesseln”, wie es der amerikanische Ökonom Barry Eichengreen ausdrückte, konnten Maßnahmen zur Bekämpfung der Großen Depression ergriffen werden. Dies führte jedoch gleichzeitig zu einem vollständigen Zusammenbruch der internationalen Währungsordnung, verbunden mit Abwertungswettläufen, Einschränkungen des freien Handels und Devisenbewirtschaftung.“ F.A.Z. 5.3.2011, Jürgen Stark, EZB-Chefvolkswirt

  22. 22 star wars 28. Juni 2011 um 10:05 Uhr

    Wo ist der Widerspruch?

    Den Widerspruch erkennst du spätestens wenn du den zweiten Absatz gelesen hättest. Und dann mit dem restlichen Artikel vergleichst.

  23. 23 Nestor 28. Juni 2011 um 10:52 Uhr

    Aha.

    Es bleibt die Frage: Wieso war 1944 so viel Gold in den USA und vergleichsweise wenig woanders? Wie kam es dort hin?

  24. 24 Neoprene 28. Juni 2011 um 10:58 Uhr

    Bisher habe ich noch gar nichts dazu gefunden, wieviel Gold 1944 überhaupt von den USA gehalten wurden und wieviel von den anderen Staaten. Wahrscheinlich war es aber relativ ein höherer Anteil als der Anteil am Welthandel, also mehr als es der wirtschaftlichen Stärke der USA entsprochen hat. Sicherlich auch deshalb, weil die USA im Gegensatz zu allen wichtigen imperialistischen Konkurrenten keinerlei kriegsbedingte Zerstörungen hinzunehmen hatten.

  25. 25 Samson 28. Juni 2011 um 11:49 Uhr

    Es bleibt die Frage: Wieso war 1944 so viel Gold in den USA und vergleichsweise wenig woanders? Wie kam es dort hin?

    Du schreibst doch selbst, „Die USA waren die einzigen, die eine funktionierende kapitalistische Wirtschaft besaßen (erst durch die Rüstungsproduktion für den II. Weltkrieg überwanden die USA die Große Depression). Funktionierend heißt nunmal, Geld ist ideeller Wertausdruck von Waren. Gesetzt, deine These stimmt, heißt das, die Wirtschaften der anderen Imperialisten funktionierten nicht in diesem Sinne, folglich war deren Geld auf Grund der Kriegswirtschaft bloß mehr oder weniger bedrucktes Papier. Womit, außer mit Gold, das als ‚Weltgeld‘ galt, hätten sie bspw. die von den Amis gelieferten Waffen bezahlen sollen? Da vor Bretton Woods jede konvertierbare Währung taugen sollte, gegen Gold eingelöst zu werden, war vermutlich die Idee, das Gold nach einem gewonnen Krieg wieder ‚auszulösen‘ o.s.ä. resp. die Schulden den Kriegsverlierern aufzuhalsen.

    Zudem ist 1944 ziemlich nebulös, zu Jahresanfang war keineswegs klar, ob und wann die Westallierten eine zweite Front aufmachen würden, und selbst danach wusste niemand, wie lange das Gemetzel noch gehen, also wie lange man wie viele Waffen brauchen würde.

  26. 26 Neoprene 28. Juni 2011 um 11:59 Uhr

    „Womit, außer mit Gold, das als ‚Weltgeld‘ galt, hätten sie bspw. die von den Amis gelieferten Waffen bezahlen sollen?“

    Nochmal: Die USA haben die Waffen nicht an ihre Verbündeten verkauft (daß war der Regierung nämlich auch gar nicht erlaubt), sondern „geliehen“. Es ist also im Krieg überhaupt kein Geld in die USA geflossen, die Allianzpartner haben nur Schulden aufgehäuft, die nach dem Krieg im Fall der SU abzuschreiben waren und bei GB durch massive Rabatte kleingerechnet wurden und der Rest wurde auf 50 Jahre gestreckt.

    There was no charge for the Lend Lease aid delivered during the war, but the Americans did expect the return of some durable goods such as ships. Congress had not authorized the gift of supplies after the war, so the administration charged for them, usually at a 90% discount. Large quantities of undelivered goods were in Britain or in transit when Lend-Lease terminated on 2 September 1945. Britain wished to retain some of this equipment in the immediate post war period. In 1946, the post-war Anglo-American loan further indebted Britain to the U.S. Lend-lease items retained were sold to Britain at 10% of nominal value, giving an initial loan value of £1.075 billion for the Lend Lease portion of the post-war loans. Payment was to be stretched out over 50 annual payments, starting in 1951 and with five years of deferred payments, at 2% interest.[26] The final payment of $83.3 million (£42.5 million), due on 31 December 2006 (repayment having been deferred in the allowed five years), was made on 29 December 2006 (the last working day of the year). After this final payment Britain’s Economic Secretary to the Treasury, Ed Balls, formally thanked the U.S. for its wartime support.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Lend-Lease

  27. 27 Nestor 28. Juni 2011 um 12:18 Uhr

    @star wars
    Es wird noch Fortsetzungen zur Entwicklung des IWF geben. Der Satz von mir hat sich darauf bezogen, warum die Bindung an Gold aufgegeben wurde. Die Konkurrenz der anderen Mächte kommt noch ins Spiel!

    @Neoprene
    Daß die USA seit dem Bürgerkrieg alle Kriege auf fremdem Boden geführt hat, und die Wirtschaft wegen Rüstungsimporten gebrummt hat – alles bekannt.
    Aber warum das Gold? Hatten sie überhaupt so viel? Wo sind denn die Goldschäze der anderen Staaten hingekommen?

    @Samson
    Zu Jahresanfang nicht, aber zur Zeit der Konferenz schon.
    Bretton Woods-Konferenz: 1.-22. Juli
    D-Day (Landung in der Normandie):6. Juni
    Ich vermute, daß verschiedene Dinge damals bereits klar waren – die Entscheidung, die zweite Front aufzumachen, hatte eben schon etwas mit dem Abstecken der Claims zwischen den USA und GB zu tun.

  28. 28 Neoprene 28. Juni 2011 um 12:25 Uhr

    „Daß … die Wirtschaft [der USA] wegen Rüstungsimporten gebrummt hat – alles bekannt.“

    Hatte Keynes also doch recht, daß man nur genügend Geld in die wirtschaft pumpen muß, und schon ist das Brummen garantiert??
    Denn die Rüstung (aus der Sicht der USA übrigens Exporte) wurde doch gar nicht mit „echtem“ Geld bezahlt, wohlmöglich mit Gold, sondern mit amerikanischen MEFO-Wechseln, sozusagen.

  29. 29 Nestor 28. Juni 2011 um 12:38 Uhr

    Na ja, mit dem Geld, das in die Wirtschaft gepumpt wird, muß eben auch Produktion angeleiert werden, was ja nachweislich bei verschiedenen Eurozonen-Ländern nicht geschehen ist, wo nur Spekulation in Wertpapieren und Immobilien stattgefunden hat.
    Und für die Produktion muß ein Markt da sein, wie ihn ja der Weltkrieg zweifelsohne geboten hat.

    Soweit einmal zum Unterschied zu Keynes.

    Keynes hat übrigens angeblich von sich behauptet, mit seinem Buch „The General Theory of Employment, Interest and Money.“ hätte er den Kapitalismus gerettet. Diese Selbsteinschätzung sollte man auch einmal ernst nehmen. Irgendeine wichtige Funktion für das Weiterlaufen des Werkls werden seine Theorien wohl gehabt haben.

    Die Frage des Goldes und der Bezahlung der Rüstungsgüter ist noch nicht geklärt. Ich weiß nicht, ob es Reparationen gab, aber das kann 44 nicht Gesichtspunkt gewesen sein.
    Gab es vielleicht auch Rüstungslieferungen außerhalb der Lend & Lease-Verträge?
    Oder ist das ganze mit Fort Knox ein Märchen, und da war gar nicht so viel Gold? Nachgeprüft hat es ja niemand … und seine Bestände waren stets geheim.

  30. 30 Neoprene 28. Juni 2011 um 12:47 Uhr

    „für die Produktion muß ein Markt da sein, wie ihn ja der Weltkrieg zweifelsohne geboten hat.“

    Nein, es gab ja gerade *keinen* kapitalistischen Markt, der die enormen Rüstungsindustrien zu sich verwertendem Kapital gemacht hätte. Die Waffen wurden vom US-Staat „gekauft“ mit selbstgedruckten Dollars, um sie dann entweder mit der eigenen Armee zu verheizen oder den Kriegspartnern zu schenken. Das hat doch mit heutigem internationalem „ganz normalem“ Waffenhandel überhaupt nichts zu tun. Das war erstmal nur der Beschäftigungseffekt vom keynesianischem Löcherbuddeln lassen und diese dann wieder zuschütten. Panzer waren noch nie irgendwas Produktives für die Wirtschaft als Ganze. Roosevelt hätte auch ein paar Versailler Schlösser bauen lassen können, das wäre dem gleichzusetzen.

  31. 31 Nestor 28. Juni 2011 um 13:21 Uhr

    Also, wenn wir jetzt die Frage der Herkunft und Menge des Goldes jetzt einmal beiseite lassen, so ist ja die Frage schon geklärt: Wenn die Rüstungsindustrie in Dollars bezahlt wurde und der Dollar dann Weltgeld = so gut wie Gold war, so hatten die Rüstungsbetriebe ja dann volle Kassen.

    Es stellt sich also die Goldbindung von Bretton Woods als genialer Schachzug heraus, nicht nur der Welt sein eigenes Geld aufzunötigen, sondern den ganzen Krieg im Nachhinein zu einem Bomben-Geschäft für die Rüstungsbetriebe werden zu lassen.

    Langsam frage ich mich, ob die mit dem Gold womöglich geblöfft haben – da das ja ohnehin niemand überprüfen konnte.

    Eine Quelle für Gold hätte ich noch zu bieten:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Yamashita’s_gold

  32. 32 star wars 28. Juni 2011 um 16:34 Uhr

    Da vor Bretton Woods jede konvertierbare Währung taugen sollte, gegen Gold eingelöst zu werden, war vermutlich die Idee, das Gold nach einem gewonnen Krieg wieder ‚auszulösen‘ o.s.ä. resp. die Schulden den Kriegsverlierern aufzuhalsen.

    Nach meinem Kenntisstand existierte spätestens seit den 30er Jahren bis ins Jahr 1944 hinein, zumindest in Europa, keine Goldbindung der dort anerkannten Währungen. Dass aber der Dollar im Jahr 1944 Goldkonvertibel gewesen ist (Bretton Woods) verdankt sich dem Umstand dass, zu diesem Zeitpunkt, bereits drei Viertel der weltweiten Goldvorräte auf Ford Knox lagerten.

    Noch was über Gold/Goldbindung der Währungen:
    Ansgar Knolle-Grothusen Geld und Gold – Schein und Wirklichkeit

  33. 33 Neoprene 29. Juni 2011 um 9:26 Uhr

    In der Zwischenkriegszeit gewann das Gold wieder an Bedeutung. Die verschiedenen Nationalbanken begannen ihre Goldbestände als Währungsreserve zu aufzustocken, um das Vertrauen in das Papier-Geld zu stärken, die meisten jedoch, ohne die Einlösepflicht «Noten gegen Gold» – wie vor dem Ersten Weltkrieg – wieder einzuführen. Die Banknoten waren so zumindest teilweise durch Gold gedeckt, ohne dass Goldmünzen als Zahlungsmittel verwendet wurden. Die Schweiz führte in den dreissiger Jahren die Einlösepflicht von Noten gegen Gold für wenige Jahre wieder ein. 1936 wurde sie in der Wirtschaftskrise notrechtlich wieder abgeschafft

    Die internationale Finanzkrise 1929 führte in vielen Ländern zu Instabilität und zwang England 1931 infolge schwerer Währungsverluste die Goldkonvertibilität aufzuheben. Die USA unter Präsident Roosevelt reagierten ebenfalls und hoben unter starkem deflatorischem Druck den Goldpreis von 20,67 $ bis auf 35 $ Dollar je Feinunze an, wodurch man sich eine Wiederbelebung der Konjunktur erhoffte. In Kontinentaleuropa waren 1933 derweil nur noch 6 Länder auf dem Goldstandard, welchen sie aber aufgrund der Abwertung des französischen Franc 1936 schon wieder aufgeben mussten.

    Zur Aufrechterhaltung einer minimalen internationalen Währungsordnung schlossen die Länder der bedeutendsten Weltwährungen, nämlich die USA (Dollar-Block), Grossbritannien (Sterling- Block) und Frankreich (Franc-Block) 1936 das „Tripartite Agreement“, womit sie sich verpflichteten keine Abwertungen zur Erlangung eines Exportvorteils vorzunehmen, sich in allen Fragen der Währungspolitik zu konsultieren und Wechselkursschwankungen durch Stabilisierungsfonds zu glätten. So ging man über zu einem System flexibler Wechselkurse,

    Der Anteil der internationalen Goldreserven an den gesamten Währungsreserven ist in den letzten drei Jahrzehnten durch Verkäufe und eine geringere Bedeutung für die Währungssicherung von 60% im Jahr 1980 auf 9% im Jahr 2005 zurückgegangen.

  34. 34 Nestor 29. Juni 2011 um 12:54 Uhr

    @star wars

    dass, zu diesem Zeitpunkt, bereits drei Viertel der weltweiten Goldvorräte auf Ford Knox lagerten.

    Das ist eben die Frage, an deren Klärung wir bisher gescheitert sind: War es so und wie kam es dahin?

    @Neoprene

    die meisten jedoch, ohne die Einlösepflicht «Noten gegen Gold» – wie vor dem Ersten Weltkrieg – wieder einzuführen.

    .

    Österreich/Monarchie hatte seit der Revolution von 1848 keine Einlösepflicht. Ob das bei den anderen Staaten so war, weiß ich nicht.
    Gibt es jedoch keine Einlösepflicht, so ist die Golddeckung rein symbolisch. Sie bleibt eine Behauptung eines Staates, die man glauben oder nicht glauben kann. Also daß die Menge des gedruckten Geldes irgendeiner Menge Goldes im Tresor der NB entspricht.

  35. 35 star wars 29. Juni 2011 um 16:46 Uhr

    Das ist eben die Frage, an deren Klärung wir bisher gescheitert sind: War es so und wie kam es dahin?

    Also meine Literaturangaben geben dass an (Kennedy, Ansgar Knolle-Grothusen). Die USA waren außerdem für ihren autarkiepolitischen Kurs (sich aus allem zurückhalten) zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt geworden. Deswegen auch die Hortung riesiger Wertsummen an Goldreserven (als Rücklage an einem Schulden-Depotschatz). Ein Großteil an Markteroberungs- und Produktivitätsgewinnen im Außenhandel wurde deswegen für den Erwerb von riesigen Summen, in Form von Goldbarren-Reserven, durch die Zentralbank aufgebracht. Wie und woher dass Gold kam sind wirtschaftshistorische Fragen, klären also nicht über die eigentlichen Ursachen der Goldvorräte in den USA auf.

  36. 36 Nestor 29. Juni 2011 um 17:33 Uhr

    Wenn das so ist, wie du schreibst, so rühren diese Goldvorräte aus staatlichen Aufkäufen aus der Zwischenkriegszeit her, bzw. von vor WK I? Und hat mit WK II gar nichts zu tun?

    „autarkiepolitischer Kurs“ heißt offenbar, die sie wenig importierten, und einen Exportüberschuß hatten?

    Wurden diese Goldaufkäufe und die Hortung von Gold irgendwie begründet, also gibt es da irgendwelche Äußerungen von Politikern, warum sie das machten?

  37. 37 star wars 29. Juni 2011 um 17:36 Uhr

    @Nestor

    NestorVielleicht noch einmal ergänzend, damit klar ist, worauf ich hinauswill:
    Von überall aus dem Boden schießenden selbsternannten Kapitalismus-Ratgebern und -Rettern wird der Goldstandard von Bretton Woods als eine Art freiwillige Selbstbeschränkung der USA aufgefaßt,… Dabei war das nichts weniger als eine Einschränkung ihrer Geldausgabe-Politik, sondern vielmehr ein maßloser Anspruch, mit dem sie der Welt ihr eigenes nationales Geld verordneten. Und als das erfolgreich durchgesetzt war, gab es keinen Grund mehr, die Golddeckung aufrechtzuerhalten.

    In dieser erfolgsversprechenden Interpretation der unmittelbaren Ereignisse nach Bretton Woods (Aufkündigung des Vertrages) muß ich dir (leider) widersprechen. U.a. guckst du hier was wirklich zur Aufgabe der Bretton-Woods-Verträge geführt hatte:

    1969 wurde mit den Sonderziehungsrechten im IWF eine zusätzliche neue Form von Weltgeldreserve geschaffen, mit der die Notenbanken zur Finanzierung eines Zahlungsbilanzdefizits voneinander nach einem bestimmten Verfahren konvertierbare Währung kaufen können. Die Werteinheit der Sonderziehungsrechte (SZR) wurde auf 0,888 617 g Feingold festgelegt, was dem Wert eines US-Dollar entsprach. 1970 bestanden die Weltwährungsreserven zu 49% aus Gold, zu 38% aus Devisen (davon 53% Dollar, 16% Pfund Sterling), zu 9% aus Reservepositionen im IWF und zu 4% aus Sonderziehungsrechten. Die Einrichtung der Sonderziehungsrechte fällt in die Periode, in der die über den Dollar ans Gold gebundene Architektur der festen Wechselkurse ihre Funktionsfähigkeit einbüßte. In den 60er Jahren mußten die im sogenannten Goldpool zusammengeschlossenen Notenbanken bereits massiv auf dem Goldmarkt intervenieren, um den Goldpreis in der Nähe der festgelegten Relation zum Dollar zu halten, nachdem der Goldpool im Winter 67/68 zu Goldverkäufen von mehr als 3 Mrd. $ gezwungen war, stellte er im März 68 seine Tätigkeit ein. Damit gab es einen zweigeteilten Goldmarkt: Im Verkehr der Notenbanken untereinander wurde die Unze Feingold weiter zu 35 $ gehandelt, während der Goldpreis auf dem freien Goldmarkt stark anzog. Als Folge davon wurde die Möglichkeit, Dollarreserven bei der US-Notenbank in Gold umzutauschen zunehmend genutzt, was dazu führte, daß die USA 1971 erklärten, ihrer Verpflichtung zum Umtausch von Dollar in Gold nicht mehr nachkommen zu können. Aus Ansgar Knolle-Grothusen Geld und Gold – Schein und Wirklichkeit

    Diese Sichtweise wird übrigens von so manchem Finanzexperten heute geteilt.

  38. 38 star wars 29. Juni 2011 um 17:40 Uhr

    @Nestor

    Wurden diese Goldaufkäufe und die Hortung von Gold irgendwie begründet, also gibt es da irgendwelche Äußerungen von Politikern, warum sie das machten?

    Weiß ich nicht, ist aber eine m.E. vernünftige Schlußfolgerung.

  39. 39 Nestor 29. Juni 2011 um 18:20 Uhr

    Ich weiß nicht, was du mit „erfolgsversprechender Interpretation“ meinst, und es ist mir aber wieder einmal nicht klar, worin du den Widerspruch zu dem siehst, was du dann zitierst.

    Zum ersten: Wie kann eine „Interpretation“ „erfolgversprechend“ sein?

    Zweitens: Mit den Sonderziehungsrechten hat demzufolge eine Emanzipation vom Gold stattgefunden, als die $-Gold-Parität bereits als akzeptierte unterstellt ist.

    Als Folge davon wurde die Möglichkeit, Dollarreserven bei der US-Notenbank in Gold umzutauschen zunehmend genutzt, was dazu führte, daß die USA 1971 erklärten, ihrer Verpflichtung zum Umtausch von Dollar in Gold nicht mehr nachkommen zu können.

    Das bestätigt doch das, was ich geschrieben habe. Wenn der $ zu diesem Zeitpunkt nicht als Weltgeld etabliert gewesen wäre, so wäre diese Erklärung doch einem Offenbarungseid gleich gekommen, und hätte einen Staatsbankrott nach sich gezogen. Der $ bezog also 1971 seinen Wert aus seiner Weltmarktposition und nicht aus seiner Goldbindung.

    Schließlich, die Goldaufkäufe von früher.
    Eine „vernünftige Schlußfolgerung“ woraus? Einen Schluß zu ziehen setzt doch bereits Urteile voraus.

    Ich mache ein Angebot, was der Grund sein könnte:

    Die amerikanischen Politiker bzw. Finanzpolitiker waren Anhänger der von Marx kritisierten Ricardoschen Geldmengentheorie, auf die der Peel’sche Bankakt von 1844 (Vorschriften über Golddeckung der Banknoten der Bank of England) aufbaute. Demzufolge gab es eine fixe Bindung von Papiergeldmenge und Gold im Tresor der Bank of England. Das führte zu einer von Marx ziemlich gründlich in K III beschriebenen Bankkrise von 1857. Siehe dazu http://www.mlwerke.de/me/me25/me25_562.htm

    Sie sahen es also als notwendig an, ihren Goldschatz aufzustocken, wenn sie die Menge des in Umlauf befindlichen Geldes erhöhen wollten.

    Ich kriege das allerdings nicht zusammen mit dem, was ich über die FED finde, weil da ist von Golddeckung überhaupt keine Rede:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System

  40. 40 star wars 29. Juni 2011 um 18:34 Uhr

    @Nestor

    „autarkiepolitischer Kurs“ heißt offenbar, die sie wenig importierten, und einen Exportüberschuß hatten?

    So kam was kommen mußte: Der „monetäre Rückstau“ verwandelte sich in eine Flut des irregulären Geldes, die über die Gesellschaft hereinbrach und die Warenpreise immer schneller in Höhe trieb. Die im Lauf des 19. Jahrhunderts mit seiner allgemeinen Goldbindung der Währungen selbst in der Wirtschaftswissenschaft vergessene inflationäre Krise des Geldes erfasste nahezu ganz Europa und andere Teile der Welt; am wenigsten die USA, die relativ Problemlos zum Goldstandard zurückkehren konnten. Waren die USA vor dem Krieg noch mit vier Milliarden Dollar im Ausland verschuldet, so kehrte sich dass Verhältnis nun in derselben Größenordnung um; Vor allem England und Frankreich hatten sich für Kriegsmaterial und Kriegsfinanzierung beim historischen Aufsteiger verschulden müssen. Die Folge war, dass nahezu alle anderen Währungen auch in ihrem Außenwert riesige Einbußen gegenüber dem Dollar erlitten, der damit seinen ersten Anlauf zur Rolle der neuen globalen Leitwährung unternahm. Aus: Kurz, Schwarzbuch Kapitalismus, Seite 238, 2. Aufl. 2002

    Mehr kriege ich auf die schnelle nicht zusammen.

  41. 41 star wars 29. Juni 2011 um 18:41 Uhr

    Das bestätigt doch das, was ich geschrieben habe. Wenn der $ zu diesem Zeitpunkt nicht als Weltgeld etabliert gewesen wäre, so wäre diese Erklärung doch einem Offenbarungseid gleich gekommen, und hätte einen Staatsbankrott nach sich gezogen. Der $ bezog also 1971 seinen Wert aus seiner Weltmarktposition und nicht aus seiner Goldbindung. Schließlich, die Goldaufkäufe von früher.

    Nun ja, diesbezüglich lautet meine Antwort:

    Nur auf dieser Grundlage der Weltwährungsordnung von Bretton Woods und der auf den Dollar zugeschnittenen fixen Wechselkurse konnte sich das „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegsgeschichte im Schatten des Kalten Krieges entfalten. Aber der Wiederaufstieg Europas und Japans auf dem prosperierenden Weltmarkt begann schon bald an der ökonomischen Dominanz der USA und damit an der Goldsubstanz des Dollar zu nagen. In demselben Maße, wie sich die Anteile am Waren- und Kapitalexport zu Ungunsten der USA verschoben, verlor auch der Dollar an Stärke und wurde zunehmend in Gold umgetauscht. Die Vorräte von Fort Knox schmolzen dahin. 1973 sah sich Präsident Nixon gezwungen, die Goldkonvertibilität des Dollar aufzukündigen.

    Damit war das System von Bretton Woods am Ende. Die Wechselkurse mussten frei gegeben werden und „floaten“ seither je nach Lage auf den Märkten, was den Ausgangspunkt bildet für eine völlig neue Art der Devisenspekulation aufgrund von Schwankungen der Wechselkurse mit gefährlichen Rückwirkungen auf die Realwirtschaft. Da jedoch trotz der Weltwährungskrise der 70er Jahre die große Katastrophe ausgeblieben war, gilt seither auch bei linken Theoretikern das Geld- und Währungsproblem als empirisch gelöst: Entgegen der Auffassung von Marx habe sich der Charakter des Geldes als „ausgesonderte Ware“ mit eigener Wertsubstanz endgültig erledigt (so etwa Heinrich 2004). Aber die keineswegs sichere Praxis der flexiblen Währungsverhältnisse in der historisch kurzen Zeit von wenigen Jahrzehnten sagt noch nichts Wesentliches über die Haltbarkeit der neuen Konstellation aus, zumal die peripheren Währungskrisen der 90er Jahre in Asien und nach der Jahrhundertwende in Argentinien auf ein weiter schwelendes Problem verweisen. aus: Kurz, Weltmacht und Weltgeld

  42. 42 Nestor 29. Juni 2011 um 19:19 Uhr

    Abgesehen davon, daß meine Meinung von Kurz nicht die beste ist – ein fürchterlicher Schwätzer! –, so kommt hier ein neuer Gesichtspunkt ins Spiel. Es wäre einmal zu untersuchen, inwiefern die fixen Wechselkurse sich nicht auch als Hemmschuh für die Expansion des US-Kapitals erwiesen hatten.

    Halten wir einmal als Zwischenbilanz fest: Warum die Amis – offenbar auch während und nach der Weltwirtschaftskrise – Gold aufkauften, haben wir noch nicht geklärt.

    Mit Kurz geht auch keine Klärung von gar nix.

    Flut des irregulären Geldes

    Was soll denn das sein? Wann ist Geld „irregulär“? Klingt wie eine moderne Sintflut …

    Die im Lauf des 19. Jahrhunderts mit seiner allgemeinen Goldbindung der Währungen selbst in der Wirtschaftswissenschaft vergessene inflationäre Krise des Geldes erfasste nahezu ganz Europa und andere Teile der Welt

    Stöhn.

    Was hat die Goldbindung – bin mir im Zweifel,wie „allgemein“ die war – damit zu tun, daß etwas „vergessen“ wurde? Was eigentlich? und noch dazu „selbst in der Wirtschaftswissenschaft“ – wo sollten solche Fragen sonst gewälzt werden? In Kochbüchern sicher nicht.
    Die „inflationäre Krise des Geldes“ – was ist denn das? Gehört Inflation zum Papiergeld oder nicht? Wann tritt eine „Krise des Geldes“ ein? Nicht daß es das alles nicht gäbe, aber Kurz zeigt bloß hin und sagt: Da sieht mans doch!
    Solche Sätze klingen irgendwie sehr bombastisch, aber wenn man sie auf ihren Gehalt abklopft, so steht eigentlich nichts drin außer hohlen Phrasen und Tautologien.

    Ich schlage vor, ohne Kurz weiterzumachen, weil das bringt nichts.

  43. 43 star wars 29. Juni 2011 um 20:08 Uhr

    Sag mal Nestor, kannst du nicht lesen? Deine Frage lautete:

    Nestor„autarkiepolitischer Kurs“ heißt offenbar, die sie wenig importierten, und einen Exportüberschuß hatten?

    Meine Antwort darauf (in Anlehnung auf Kurz):

    Waren die USA vor dem Krieg noch mit vier Milliarden Dollar im Ausland verschuldet, so kehrte sich dass Verhältnis nun in derselben Größenordnung

    Was haben Daten und Fakten mit deiner (schlechten) Meinung über Kurz zu tun? Du kannst unbestreitbare Fakten höchstens noch mal über andere Informationskanäle vergleichen, also überprüfen. Dass gleiche nochmal:

    Aber der Wiederaufstieg Europas und Japans auf dem prosperierenden Weltmarkt begann schon bald an der ökonomischen Dominanz der USA und damit an der Goldsubstanz des Dollar zu nagen. In demselben Maße, wie sich die Anteile am Waren- und Kapitalexport zu Ungunsten der USA verschoben, verlor auch der Dollar an Stärke und wurde zunehmend in Gold umgetauscht. Die Vorräte von Fort Knox schmolzen dahin.

    Hast du etwas an dieser Interpretation wirtschaftspolitischer Entwicklungen auszusetzen, kennst du Informationskanäle die andere Schlußfolgerungen zulassen? Wenn nicht dann halt den Rand, du Schwätzer!

  44. 44 star wars 30. Juni 2011 um 9:34 Uhr

    Durch ständige Defizite in der amerikanischen Zahlungsbilanz, welche aus dem Kapitalexport herrührten, hatten sich Ende der 50er Jahre hohe Dollarbestände im Ausland angesammelt, welche die amerikanischen Goldreserven bei weitem überstiegen. Der im Bretton-Woods-System vorgesehenen Goldeinlösepflicht hätten die USA daher nicht mehr unter allen Umständen nachkommen können. Zu einer kurzen Schieflage des Systems kam es bereits Anfang der 60er Jahre, als sich der Basispreis des Londoner Goldmarktes (35 US-Dollar je Feinunze), nicht mehr halten ließ. Da die Diskrepanz zwischen Angebots- und Nachfrageentwicklung weiterhin fortbestand, konnte auch die Gründung eines Goldpools der großen Notenbanken ab Oktober 1961, welcher den freien Goldpreis auf der Höhe des amtlichen Preises zu halten versuchte, nur eine kurzfristige Lösung schaffen. Das Vertrauen in den Dollar wurde durch die zunehmende Instabilität der hohen Auslandsreserven belastet, obwohl kein Staat allein aus politischen Gründen den Umtausch der eigenen Dollarreserven in Gold gefordert hatte.

    Ende der 60er Jahre waren die USA aufgrund der Wirtschaftskonjunktur, welche durch den Vietnamkrieg angeheizt wurde, einer erhöhten Inflation unterworfen. Gegenüber dem US-Dollar war vor allem die D-Mark stark unterbewertet. Die Währungen Großbritanniens, Neuseelands, Israels, Dänemarks und Spaniens wurden hingegen Ende 1967 abgewertet. 1968 wurde über eine Aufwertung der Mark gegenüber dem Dollar spekuliert. Indem die Bundesregierung am 19. November 1968 steuerliche Maßnahmen zur Verringerung der deutschen Außenhandelsüberschusse in die Wege leitete und die Aufwertung der Mark vorerst verschob, versuchte sie die Stabilität des internationalen Währungssystems zu retten. Exporte wurden steuerlich um vier Prozent belastet, Importe dafür um vier Prozent entlastet. Im Jahr 1968 wurde die Einlösepflicht von Dollar in Gold auf die Zentralbanken der Mitgliedsstaaten beschränkt.

    Die bis dahin gültigen Kapitalverkehrskontrollen wurden im Jahr 1970 durch die USA, Kanada, die Bundesrepublik Deutschland und die Schweiz endgültig aufgegeben. Durch die hohen US-Militärausgaben für den Vietnamkrieg bei immer stärker werdenden Volkswirtschaften insbesondere in Japan und Deutschland, geriet der Dollar immer weiter unter Druck. Insbesondere der Zufluss von Dollarkapital nach Westdeutschland riss nicht ab. Die Bundesregierung beschloss im Mai 1971 die Freigabe des DM-Wechselkurses. Der Dollar brach in den folgenden Wochen um 9,3 Prozent auf 3,32 D-Mark je Dollar ein. Obwohl die Bundesbank die Zinsen kontinuierlich senkte, floss weiterhin spekulatives Kapital in die Bundesrepublik, das die bundesdeutsche Inflationsrate zu erhöhen drohte. Daher beschloss die Bundesregierung am 17. Februar 1971 erneut ein Stabilitätsprogramm zur Dämpfung der Konjunktur.

    Vom 2. bis 19. März wurden die Devisenbörsen in vielen Ländern Europas geschlossen, da das System von Bretton Woods endgültig zusammenzubrechen drohte. Den endgültigen Ausstieg aus dem System fester Wechselkurse beschlossen zwischen dem 11. und 14. März 1973 mehrere europäische Länder. Zu freien Wechselkursen gingen zuerst die Schweiz und Großbritannien über. Damit brach das System fester Wechselkurse endgültig zusammen. Im Jahre 1973 wurde das Bretton-Woods-System auch offiziell außer Kraft gesetzt. Nach der Beendigung des Bretton-Woods-Abkommens wurden in den meisten Ländern die Wechselkurse freigegeben.

    Zitiert aus Wikipedia

  45. 45 Nestor 02. Juli 2011 um 15:40 Uhr

    @star wars

    Was haben Daten und Fakten mit deiner (schlechten) Meinung über Kurz zu tun?

    Fakten und Daten sprechen nicht für sich, sondern bedürfen einer Erklärung. Und da ist die von Kurz eben falsch. Das ist einer meiner Einwände gegen ihn. Der zweite ist, daß er seine Erklärungen mit einem Wust von Fakten umgibt, um sie zu bebildern, und es deshalb sehr mühsam ist, ihn zu kritisieren.

  46. 46 star wars 02. Juli 2011 um 16:08 Uhr

    Fakten und Daten sprechen nicht für sich, sondern bedürfen einer Erklärung. Und da ist die von Kurz eben falsch.Das ist einer meiner Einwände gegen ihn.

    Erklärungen beruhn nun mal auf Fakten, und da kannst du nicht so tun als ob zwei voneinander geschiedene Welten aufeinanander stoßen würden (Datenmaterial und Erklärungen). Verschuldung, Zahlungsbilanz, Handelsbilanz, wird nun mal über Faktenmaterial statistisch veranschaulicht.

    So, und wo bleibt nun dein Einwand an der Sache? Ich weiss schon, Schuldscheine=Geld=Kapital, und diese Sichtweise ist nun mal deinen interessierten Blickwinkel geschuldet, auf dessen Grundlage du Fakten, und die gegebenen Umstände, interpretierst.

  47. 47 Nestor 06. Juli 2011 um 22:11 Uhr

    Hier stelle ich gewisse wissenschaftliche Defizite fest. Wenn etwas nicht gleichgesetzt wird, so sind es zwei „voneinander geschiedene Welten“ – so etwas wie einen erklärungsbedürftigen Zusammenhang gibt es offenbar dazwischen nicht.

    Erklärungen „beruhn“ auch nicht „auf Fakten“, sondern es sind die Fakten, die erklärt werden müssen.

    So, und wo bleibt nun dein Einwand an der Sache?

    Ich weiß im Augenblick nicht, um welche „Sache“ es jetzt gerade geht.

  48. 48 star wars 07. Juli 2011 um 17:59 Uhr

    @Nestor

    Wenn etwas nicht gleichgesetzt wird, so sind es zwei „voneinander geschiedene Welten“ – so etwas wie einen erklärungsbedürftigen Zusammenhang gibt es offenbar dazwischen nicht.

    Da geht es nicht um erklärungsbedürftige Zusammenhänge sondern um Zuordnung. Die Zahlungsbilanz eines Staates z.B. wird über Fakten statistisch dokumentiert. Was anderes ist es wenn ich begrifflich, also wissenschaftlich, festhalten möchte was die Zahlungsbilanz eines Staates sein könnte. Um was es bei ihr geht. Dann gehe ich in die wissenschaftliche Begriffsbildung rein.

    Und da möchte ich dich sehen wie du an der statistisch festgelegten Konstruktion meinetwegen an der Zahlungsbilanz eines Staates Zweifel anmelden möchtest.

    In Wirklichkeit geht es um einen Streit der Begriffsbestimmungen (Zahlungsbilanz, Handelsbilanz usw.), weswegen die Interpretation des verfügbaren Datenmaterials unterschiedlich dokumentiert wird.

  49. 49 Nestor 08. Juli 2011 um 19:06 Uhr

    Zahlungs- und Handelsbilanz sind halt sehr begriffslose Hinein- und Hinaus-Berechnungen, wo der Staat versucht, über seine Wirtschaft irgendwie Daten zu sammeln, ähnlich wie „Wachstum“ oder „Inflation“. Diese Daten sind auch gleichzeitig solche, an denen sich „die Wirtschaft“ orientiert. Bei der Berechnung derselben kann man einige Tricks anwenden, wenn die Regierung das für günstig hält, um ihre Ökonomie gesundzubeten.

    Also, abgesehen davon, daß ich Statistiken nicht für die Horte der Datenwahrheit halte – aber welche Frage ist jetzt anhand von Zahlungsbilanzen zu klären?

  50. 50 star wars 09. Juli 2011 um 10:57 Uhr

    Also, abgesehen davon, daß ich Statistiken nicht für die Horte der Datenwahrheit halte – aber welche Frage ist jetzt anhand von Zahlungsbilanzen zu klären?

    Sag es du mir, du hältst die Zahlungsbilanz ja nur für begriffslose Hinein- und Hinausberechnungen. Warum regst du dich dann auf?

  51. 51 Nestor 10. Juli 2011 um 22:27 Uhr

    ???
    Aufregen?

  52. 52 star wars 27. September 2011 um 11:27 Uhr

    @ Samson

    star wars Die USA fungiert als Weltfinanzzentrum, und saugt (daher) …die Geldströme an, die (u.a.) die Verschuldungsspirale erst in Gang gesetzt haben, die heute alle beklagen. Samson Die Frage ist bloß, wie machen die das. Ökonomisch lässt sich derlei nur erklären, wenn es irgendwas gibt, das alle Welt braucht, und das gerade deswegen für die materielle Warenproduktion von weit größerer Bedeutung ist, als es Gold als ‚Weltgeld‘ jemals gewesen ist. Wie wär’s bspw. mit Rohstoffen, speziell Öl. Politisch sieht das womöglich so aus: die ‚freie Welt‘ akzeptiert die Dollarschwemme, weil die Amis ihren Militärapparat anders nicht unterhalten können, ‚war against terror‘ aber das strategische Mittel ist, den Zugriff auf die Ressourcen zu gewährleisten.

    Das stimmt natürlich alles, aber man muss dass auch ökonomisch präzisieren. Weltpolitisch betrachtet funktioniert der Dollar als Weltgeld weil er als sicherer Hafen, von Investoren weltweit benutzt, bzw. ökonomisch in Betracht gezogen wird. Als „sicherer Hafen“ funktioniert der Dollar als weltgeldpolitisches Schmiermittel im Wesentlichen über die Ausgabe von US-Staatsanleihen durch die Federal Reserve, der Notenbank der USA. Der Rückzug des Kapitals über Investitionen in Staatsanleihen dient exemplarisch dafür, wie die Staatsbanken als „Lender of Last Resort“ weltpolitisch funktionieren.

    Warum hat sich aber das Wachstum der US-Wirtschaft während der letzten zwei Jahre beschleunigt, obwohl die Wirtschaft schon seit vier Jahren boomt, so daß man normalerweise eine Abschwächung des Wachstums erwarten würde, vor allem da die Erholung der Profitraten so schwach und unvollständig war? Ich habe keine vollständige Antwort auf diese Frage, aber ich will auf einen wichtigen Faktor hinweisen, der anscheinend generell übersehen wird: es gab seit 1993 einen deutlichen Anstieg des Nettozuflusses von ausländischem Kapital in die US-Wirtschaft. Seit den frühen 80er Jahren (als die USA das erste mal seit dem Vorabend des ersten Weltkrieges zu einer »Schuldnernation« – d.h. einem Nettoimporteur von Kapital – wurden) ist die Abhängigkeit der US-Wirtschaft von ausländischem Kapital immer weiter gewachsen. Der jährliche Nettokapitalzufluß (also der Zufluß von ausländischem Kapital minus dem Abfluß amerikanischen Kapitals) betrug von 1983 bis 1993 im Durchschnitt 88 Mrd. Dollar – eine Gesamtsumme von fast einer Billion Dollar. Diese wachsende Abhängigkeit der reichsten Nation der Welt von ausländischem Kapital ist historisch beispiellos. Sie steht in scharfem Kontrast zur US-Wirtschaft während des langanhaltenden Nachkriegsbooms und besonders zur Wirtschaft Großbritanniens im 19. Jahrhundert, als das Vereinigte Königreich die reichste Wirtschaft der Welt war.

    Aber was auffällt, ist das wirklich starke Wachstum des Kapitalzuflusses seit 1993. Der Nettokapitalzufluß stieg von 59 Mrd. Dollar von 1990-93 auf rund 140 Mrd. Dollar 1994 und 1995 und wuchs dann noch einmal auf 195 Mrd. Dollar 1996 und noch einmal auf 216 Mrd. 1997. Die Zahlen für 1996 und 1997 stellen ungefähr 20 Prozent der privaten Bruttoinlandsinvestionen der US-Wirtschaft während dieser Jahre dar. Das ist selbst nach US-Maßstäben eine gewaltige Menge an Kapital. Es scheint höchst wahrscheinlich, daß dieses starke Steigen des Kapitalzuflusses deutlich zum beschleunigten Wachstum der US-Ökonomie während der letzten zwei Jahre beigetragen hat. Im Folgenden werden verschiedene Wege vorgestellt, auf denen der Zufluß ausländischen Kapitals zum beschleunigten Wachstum der US-Wirtschaft beigetragen hat.

    Ein wichtiger Grund für das aktuelle starke Anwachsen des Kapitalzuflusses in die US-Wirtschaft ist ein gestiegenes wahrnehmbares Risiko bei Investitionen in die »emerging markets«, vor allem in Lateinamerika und aktueller in Asien. Die Wahrnehmung des erhöhten Risikos in diesen Ländern haben die USA als einen »sicheren Hafen« für Kapital attraktiv gemacht. Mehr als die Hälfte dieses Zuflusses an ausländischem Kapital sind in US-Schatzbriefe geflossen (derzeit der sicherste aller Häfen für Kapital). Eine anderer großer Teil dieses Wachstums ausländischen Kapitals ging in den US-Wertpapiermarkt (zum Verhältnis dieses Zuflusses und dem jüngsten Wertpapierboom weiter unten).

    Wahrscheinlich hat der große Zufluß ausländischen Kapitals auf verschiedenen Wegen zum schnelleren Wachstum der US-Ökonomie beigetragen. In erster Linie hat der Kapitalzufluß das Angebot an Kapital in den USA erhöht, was zu niedrigeren als den sonst zu erwartenden Zinsraten geführt hat. Die niedrigeren Zinsraten regten wiederum die Investitionen an, was durch den üblichen »Multiplikationseffekt« ein höheres Bruttosozialprodukt und beschleunigtes Wachstum nach sich zog. Außerdem kam es durch das schnellere Wachstum des BSP zu höheren Steuereinnahmen und damit zu einem geringeren Haushaltdefizit als erwartet. Die sehr schnelle Reduzierung des Bundeshaushaltdefizits war eine weitere angenehme Überraschung der letzten Jahre. Das geringere Haushaltsdefizit machte eine weitere Verringerung der Zinsraten möglich – ein richtiger Kreislauf, der teilweise durch das vermehrt einströmende ausländische Kapital verursacht wurde.

    Ein weiterer wichtiger Weg, wie der Kapitalzufluß wahrscheinlich zu beschleunigtem Wachstum der US-Ökonomie geführt hat, ist der Wertpapierhandel. Die kräftige Erholung des Aktienmarktes, die in den letzten Jahren stattfand, erklärt sich zum Teil aus den niedrigeren Zinsraten, wie sie oben diskutiert wurden (und die Aktien im Verhältnis zu festverzinslichen Wertpapieren attraktiver macht (Schuldverschreibungen, Anleihen etc.). Zusätzlich ging, wie bereits gesagt, ein großer Teil des Kapitalzuflusses in den Aktienmarkt, was die Nachfrage nach Aktien weiter erhöhte. Der Nettokauf amerikanischer Aktien durch ausländische Käufer stieg rapide von 12,6 Mrd. 1996 auf 66,9 Mrd. 1997 an. Das war mehr als das dreifache des bisherigen Höchstwertes von 19,0 Mrd. 1993. (Mosley, die US-amerikanische Wirtschaft am Ende des Jahrhunderts, Quelle auch hier)

    Oder auch:

    Der Great Bubble Transfer schuf eine Blase von noch kürzerer Lebensdauer, schon 2004 ging der Immobilienboom zu Ende. Greenspan hatte aber bereits 2003 auf die ersten Anzeichen von Erlahmung reagiert,
    indem er die Bedingungen für Hypothekenkredite abschwächte und die Zinsrate der Fed für zwei Jahre lang auf 1 Prozent (das heißt, der Realzinslag unter Null!) setzte. Damit begann der Boomder subprime-Immobilien und der »strukturierten Finanzprodukte« (CDOs auf CDOs auf CDOs, usw.). Erst in der zweiten Jahreshälfte 2003 kam die USWirtschaft
    aus der Rezession heraus, ein sehr schwacher Konjunkturaufschwung begann, der bereits 2006 wieder endete. Finanziert wurde dieser Aufschwung – der komplett am Immobilienboom und dessen Auswirkungen auf den Konsum hing
    – vor allem durch »Chimerica«. Die Weltwirtschaft wuchs, weil die USA mehr konsumieren konnten, als sie produzierten. Finanziert wurde das durch Staatsanleihen, die wiederum von Ländern gekauft wurden, die mehr produzierten, als sie konsumierten, allen voran China, Deutschland und Japan. Die asiatischen Staaten hatten in Reaktion auf ihre große
    Verwundbarkeit in der Asienkrise 1997 gewaltige Dollarreserven angehäuft, die vom US-Finanzsystem recycled wurden (aus: Krise: Rückblick und Ausblick)

  53. 53 Samson 27. September 2011 um 14:31 Uhr

    Der Rückzug des Kapitals über Investitionen in Staatsanleihen dient exemplarisch dafür, wie die Staatsbanken als „Lender of Last Resort“ weltpolitisch funktionieren.

    In der Praxis ist das ja unbestritten so. Nur dreht sich die wildcat-Erklärung letztlich im Kreis, bietet eine finanzpolitische aber keine ökonomische Erklärung i.d.S. von Marktwirtschaft an. Wenn der Staat ‚reguliert‘, substituiert er damit das Wertgesetz als ‚Regulativ‘ der gesellschaftlichen Produktion, und zwar gleichgültig, ob er es dabei zu erhalten gedenkt oder abschaffen will. Senkt bspw. eine Zentralbank, egal ob formal unabhängig oder nicht, die Zinsen, dann mag sie damit auswärtiges Geldkapital anziehen, ob dieses als produzierendes Kapital in dem jeweiligen Land auch profitabel ist, kann die Zentralbank damit überhaupt nicht beeinflussen. ‚Wachstum‘ bezieht sich indes stets auf tasächlich wachsende Profite und nicht nur auf Anweisungen darauf, die ‚Geschäfts‘banken ihrerseits als Wechsel benutzen und wie schon eingenommenes Geld behandeln (womit die andererseits das Problem haben, dieses wieder in produzierendes Kapital zu ‚verwandeln‘, weswegen Geldmangel und fehlende Anlagemöglichkeit im Spätkapitalismus i.d.R. gleichzeitig auftauchen).

    Das Problem der Amis und damit der Weltwirtschaft war und ist nicht deren Abhängigkeit von auswärtigem Geldkapital sondern dass der ‚Boom‘ wesentlich auf privater Verschuldung basiert(e). Der Haken daran ist, dass Privateinkommen hauptsächlich aus Lohnarbeit resultieren, der Lohn aber ohnehin nur die ‚Reproduktion‘ der Arbeitskraft realisieren soll.

    Funktioniert eine kapitalistische Produktion ‚normal‘, dann ist der Zins aufs in Produktionsmittel angelegtem Geldkapital Teil des Profits, wächst und fällt in Abhängigkeit von diesem. Wird dagegen aus dem Lohn Zins bezahlt, hat das, gesellschaftlich gesehen, Folgen für die Profite von Abteilung II (Lebensmittel) und als Folge davon auch auf Abteilung I (Produktionsmittel). Kalkuliert man dazu noch Veränderung der organischen Zusammensetzung des Kapitals als Folge von Akkumulation ein, also Vergrößerung des konstanten gegenüber dem variablen Kapitalteil, hat man womöglich eine ökonomische Erklärung für die gleichzeitig zunehmende politische Aggressivität der Imperialisten. Was sich nicht mit Geld kaufen lässt, muss man sich halt, wie zu allen Zeiten, anders ‚besorgen‘.

    Was die Lohnempfänger angeht, die i.d.R. froh sind, überhaupt für irgendeinen Job bezahlt zu werden, hat das Jürgen Kuczynski Mitte der 1990er Jahre mal so bestimmt:

    Worauf es ankommt, das ist das Verhältnis zwischen Produktion und Produktivität. Steigt die Produktion wie von 1790 bis 1990 im allgemeinen schneller als die Produktivität, dann werden im Laufe der Zeit immer mehr Menschen beschäftigt. Steigt die Produktivität schneller als die Produktion, wie Jahr für Jahr seit 1990, dann steigt die Arbeitslosigkeit von Jahr zu Jahr, ganz gleich, wie sich die Produktion entwickelt.

    Und an diesem Zusammenhang kann keine Regierung was ändern, egal ob sie die Hartz-Sätze erhöht oder senkt.

  54. 54 star wars 27. September 2011 um 16:54 Uhr

    @ Samson

    Kalkuliert man dazu noch Veränderung der organischen Zusammensetzung des Kapitals als Folge von Akkumulation ein, also Vergrößerung des konstanten gegenüber dem variablen Kapitalteil, hat man womöglich eine ökonomische Erklärung für die gleichzeitig zunehmende politische Aggressivität der Imperialisten.

    Das ist doch die Ausgangshypothese des Artikels.

    Das Problem der Amis und damit der Weltwirtschaft war und ist nicht deren Abhängigkeit von auswärtigem Geldkapital sondern dass der ‚Boom‘ wesentlich auf privater Verschuldung basier(e).

    Also kannst du mir mal erklären worin der (theoretisch) Widerspruch bestehen soll? Die zwischenstaatliche Konkurrenz auf dem Globus ist eine politökonomische Erscheinungsweise einer Produktionsweise, die auf die Auspressung von Mehrwert basiert, und daher ihrem Wesen nach bereits auf auswärtige Imperialexpansion und ökonomische Konkurrenz zwischen (kapitalistisch verfaßten) Gemeinwesen ausgerichtet ist.

    Dass die USA abhängig sind vom Fluß auswärtigen Geldkapitals ins Landesinnere ist ein Faktum der internationalen Arbeitsteilung, aber nicht Bestandteil eines von dir imaginierten „Problems“, das eigentlich gar nicht existieren könnte. Erklärungsbedürftig (auch im marxistischen Sinn) ist dieses Phänomen aber schon.

    Dein Problem ist dass du dir gar nicht eingestehen willst dass die kapitalistisch verfaßte Gemeinsamkeit eines kapitalistischen Gemeinwesens eine zwar im Inneren zwischen den Mitgliedern negative ist (deswegen eine eigentlich nur über falsches Bewußtsein seiner Insassen imaginierte), aber immerhin eine die sich im Vergleich, und im Gegensatz zu auswärtigen Gemeinwesen, als solches ausschließlich konstituiert wird (über den Gegensatz zu anderen „Gemeinwesen“, als ausschließlich kollektiv abstrakt über Reichtumsvoraussetzungen verfügendes)

    Der Gegensatz zwischen der räumlichen Befreiung des (durch den Fluß von Kapital als Geld vermittelten)
    Ausbeutungsprozesses einerseits und der (in der
    Existenz von Nationalstaaten ausgedrückten) räumlichen Definition des Zwangs drückt sich als Gegensatz zwischen der Beweglichkeit des Kapitals und der Unbeweglichkeit des Staates aus. Die territoriale Definition bedeutet, daß jeder
    Staat auf eine Weise unbeweglich ist, die im scharfen Gegensatz zur Beweglichkeit des Kapitals steht. Der Nationalstaat kann seine Grenzen nur unter Schwierigkeiten ändern, während das Kapital sich in Sekunden von einem Ende der Welt zum anderen bewegen kann. Während Nationalstaaten fest sind, ist das
    Kapital wesentlich flüssig, und es fließt überall da auf der Welt hin, wo die größten Profite zu machen sind. Natürlich gibt es Hindernisse für diesen Fluß, Grenzen dieser Beweglichkeit. Die Reproduktion des Kapitals hängt entscheidend
    davon ab, daß es (vorübergehend) in Form von produktivem Kapital unbeweglich gemacht wird, also z.B. in Maschinen, Arbeitskraft, Land, Gebäuden und Waren
    verkörpert wird. Andere Hindernisse wie staatliche Regelungen oder das Bestehen von Monopolsituationen behindern den freien Kapitalfluß ebenfalls, etwa aber in seiner allgemeinsten und abstraktesten Form, dem Geld, ist das Kapital
    global, flüssig und bewegt sich schnell. Geld kennt keine persönlichen oder nationalen Gefühle. (aus: John Holloway 1996, Globales Kapital und Nationalstaat)

  55. 55 star wars 27. September 2011 um 17:08 Uhr

    Womit ich mit dir übereinstimme ist allerdings das Mosley den zunehmenden Zufluß von Geldkapital in die USA zwar wahrnimmt, aber theoretisch noch nicht richtig einzuschätzen (begründen) vermochte. Ich bin jetzt auch nicht Mosleys Anwalt, muss ich eingestehen.

  56. 56 Nestor 27. September 2011 um 17:10 Uhr

    Was ist schon „normal“ im Kapitalismus! Es ist etwas seltsam, diese Dominanz des Finanzkapitals über die Produktion, die ja schon Hilferding ein Buch wert war, als Anomalie hinzustellen.

    Marx hat ja auch gemeint, daß der Kapitalismus so voll von inneren Widersprüchen ist, daß er daran einmal zugrunde gehen muß.

    Es hat zwei Weltkriege gegeben, die als entgegenwirkende Ursachen diesen Zusammenbruch durch ein großes Völkerschlachten verhindert haben, wodurch die „redundant population“ vernichtet, und beim allgemeinen Kaputtmachen auch die Überakkumulation zusammengehaut wurde.

  57. 57 Samson 27. September 2011 um 20:47 Uhr

    Also kannst du mir mal erklären worin der (theoretisch) Widerspruch bestehen soll? Die zwischenstaatliche Konkurrenz auf dem Globus ist eine politökonomische Erscheinungsweise einer Produktionsweise, die auf die Auspressung von Mehrwert basiert …

    … eben, es ist halt die Erscheinungsweise, aber Schatzbriefe ebenso wie alle anderen Wertpapiere sind gesellschaftlich, also unter Absehen von Konkurrenz, d.h., wenn man den Laden meinetwegen als ‚Weltwirtschaft‘ sehen will, Teil des ‚Weltprofits‘. Der wird gemacht, indem die Eigentümer der Produktionsmittel die ‚Weltarbeitskraft‘ zu dem Wert kaufen, der deren ‚Lebensunterhalt‘ in Waren darstellt. Beruht nun der ‚Boom‘ wesentlich darauf, dass, statt wie ‚normalerweise‘ (ich weiß dass das blöde ausgedrückt ist), wo der Mehrwert in konstantes Kapital ‚verwandelt‘, der variable Kapitalteil zum Erhalt der ‚Weltarbeitskraft‘ verwendet wird, erhebliche Teile des variablen Kapitalteils selber für den Zins draufgehen, dann braucht man kein großer Rechenkünstler zu sein, um sich auszumalen, welche Auswirkungen das eben nicht nur auf die Reproduktion der ‚Weltarbeitskraft‘ sondern auf die dafür zuständige kapitalistische Produktionsabteilung hat. Und wenn es diese betrifft, dann konsequenterweise auch die, welche für die Fabrikation der Produktionsmittel verantwortlich ist. Dass damit die Produktion selber vollständig zusammenbricht, ist keineswegs ausgemacht, aber wenn kapitalistische Produktion solche ist, die entweder profitabel ist oder überhaupt nicht stattfindet, stellt sich womöglich die Frage, inwieweit die Kapitalistenklasse in der Lage ist, mittels ‚Finanzmärkten‘ und/oder staatlicher Gewalt(drohung) sowas wie profitable Produktion zu simulieren.

    Es ist etwas seltsam, diese Dominanz des Finanzkapitals über die Produktion, die ja schon Hilferding ein Buch wert war, als Anomalie hinzustellen.

    M.E. handelt es sich keineswegs um Anomalie sondern um Wirkung von steigender gesellschaftlicher Produktivität, folglich erhöhter organischer Zusamensetzung, folglich Tendenz zum Monopol. Allerdings wäre wirklich globales Monopol eben keine Warenproduktion mehr, dann gäbe es auch keinen Mehrwert und folglich keinen Profit. Ob sich das Phänomen des Oligopols daraus erklären lässt, ist schwer zu sagen. Analytisch würde ich es unter ‚entgegenwirkende Ursachen‘ einordnen.

    Was als Dominanz des Finanzkapitals erscheint, hat seine Ursache m.E. in zu geringer Akkumulation, um als selbständiges Kapitalsubjekt zu agieren, bei gleichzeitig fehlender produktiver Anlagemöglichkeit von Geldkapital. Daher die Tendenz, Geld in Wertpapieren anzulegen, was den Akkumulationsdruck wieder verstärkt, aber den dafür notwendigen ‚Weltprofit‘ reduziert.

    Wichtig bei Marx erscheint mir in den entgegendwirkenden Ursachen der Punkt zu sein, wo er bei Herunterdrücken des Lohns unter den Wert der Arbeitskraft darauf verweist, dass das an gewissem Punkt Revolution herbeiführen müsste, weil dadurch die Mehrheit der Bevölkerung außer Kurs gesetzt würde. Andererseits schrieb er in einem Brief, dass die Revolution schon deswegen gemacht werden müsse, damit der Malthus mit seiner These von der Überbevölkerung nicht am Ende doch recht behielte.

  58. 58 star wars 27. September 2011 um 22:29 Uhr

    @ Samson

    … eben, es ist halt die Erscheinungsweise, aber Schatzbriefe ebenso wie alle anderen Wertpapiere sind gesellschaftlich, also unter Absehen von Konkurrenz, d.h., wenn man den Laden meinetwegen als ‚Weltwirtschaft‘ sehen will, Teil des ‚Weltprofits‘.

    Schatzbriefe sind Wertpapiere, aber nicht Teile des „Weltprofits“. An dieser Stelle trifft wirklich deine Vorstellung vom fantastischem Kapital (im wahrsten Sinne des Wortes nämlich), weil der von dieser Wertpapierform abgeworfene Zins (Staatsanleihe) wirklich keine Beteiligung an Profitgeschäften vorstellt. Der Staat produziert keine Profite.

    Dass damit die Produktion selber vollständig zusammenbricht, ist keineswegs ausgemacht, aber wenn kapitalistische Produktion solche ist, die entweder profitabel ist oder überhaupt nicht stattfindet, stellt sich womöglich die Frage, inwieweit die Kapitalistenklasse in der Lage ist, mittels ‚Finanzmärkten‘ und/oder staatlicher Gewalt(drohung) sowas wie profitable Produktion zu simulieren.

    Ich weiss jetzt gar nicht was du mit „profitable Produktion simulieren meinst“, aber Finanzmärkte sind auch nur eine (besondere) Erscheinungsform der Profitwirtschaft selber. Genauso wie die gegenwärtigen, es scheint fast so zu sein, multiplen Finanzkrisen bloß als Erscheinungsformen der allgegenwärtigen, weltweiten Überproduktionskrisen auftreten.

    Aber die gegenwärtige weltweite Staatskreditkrise ist von diesen Erscheinungsformen der weltweiten Wirtschaftskrise augenscheinlich auch nur das glatte Gegenteil davon, ein Symptom dafür, dass es in anderen Bereichen gerade mit der Profitwirtschaft, mit der profitablen Verwertung der auf dem Weltmarkt geradezu inszenierten Kreditexpansion, nicht mehr wunschgemäß klappen soll.

    Die allgegenwärtige Staatskreditkrise fungiert als Symbol der allgemeinen Überspekulation an den weltweiten Kreditmärkten, weil eben die Gewährung von Staatskredit selber keine Profite, sondern vielmehr sowas wie ökonomische Sicherheiten/für den Finanzinvestor profitabel anlegbares Kreditgeld simuliert und abschöpft, im Normalfall sogar seine Inszenierung in Wertpapierform garantiert wird.

  59. 59 Samson 27. September 2011 um 22:52 Uhr

    Schatzbriefe sind Wertpapiere, aber nicht Teile des „Weltprofits“.

    Schatzbriefe sind Anweisungen auf Geld, dass wenn es verdient werden soll, mittels Mehrwertproduktion zustandekommt. Mehrwert ist die Basis des Profits -> ergo keine Mehrwertproduktion dann kein Profit, und dann wären die Schatzbirefe ebenso zu entwerten wie Aktien von Firmen, die Pleite gehen. Ob und unter welchen Bedingungen Staaten sowas machen oder nicht, ist eben eine politische aber keine ökonomische Frage.

    Hör auf, dir den Kapitalismus als Produktionsweise aus der Struktur des Staates erklären zu wollen. Es ist genau umgekehrt. Die Staatsstruktur basiert auf der Produktionsweise.

  60. 60 star wars 28. September 2011 um 8:19 Uhr

    @ Samson

    Schatzbriefe sind Anweisungen auf Geld, dass wenn es verdient werden soll, mittels Mehrwertproduktion zustandekommt.

    Wenn der Staat Steuern erhebt, und somit werden vom Staat Zinsen beglichen, beteiligt sich dann der Investor in Schatzbriefen an Mehrwertproduktion? Anweisung von Geld ist hier keine Anweisung an der Beteiligung von Mehrprodukt. Es wird viemehr ein Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts von einer Abteilung der gesellschaftlichen Arbeitseilung in die andere transformiert. Beide, Staat und Finanzinvestor, betätigen sich als Marktakteure. Und der Finanzinvestor bereichert sich durch Wertpapierspekulation, und Zinsbeteiligung, darin.

    Vielmehr wichtiger ist dass durch die Methoden der Staatsverschuldung, durch die beständige Neuproduktion fantastischen Kapitals, die Messlatte fantastischen Kapitals gelegt wird, die sich an anderer Stelle beständig in Profitgenerierung bewährt.

    Auf Seite der generierten Gewährung von Staatsanleihen durch den Staat findet dagegen beständige Schuldenanhäufung statt, also steht hier mit Sicherheit keine Mehrwertaneignung durch Zinsbeteiligung durch Finanzinvestoren an.

    Hör auf, dir den Kapitalismus als Produktionsweise aus der Struktur des Staates erklären zu wollen. Es ist genau umgekehrt. Die Staatsstruktur basiert auf der Produktionsweise.

    Hör du auf so einen Quatsch von mir zu behaupten.

  61. 61 star wars 28. September 2011 um 8:45 Uhr

    Ob der Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts, den sich der Käufer von Staatsanleihen über Zinsbeteiligung aneignet, Mehrprodukt genannt werden könnte, ist eine theoretisch noch zu wälzende Frage. Es ist allerdings mit Sicherheit kein Mehrwert, wie in sich nur der industrielle Kapitalist der Profitwirtschaft aneignet, und sich mit anderen Kapitalisten, in Form der Zinsbeteiligung, teilen mag.

  62. 62 star wars 28. September 2011 um 9:20 Uhr

    Na ja, oder auch anders: Es hängt eben von der Einkommensquelle ab, die vom Staat Zwecks Generierung von Zinstilgungen besteuert werden, wenn ein Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts von einer Abteilung der gesellschaftlichen Arbeitseilung in die andere transformiert wird, ob denn vom Staat auch ein Teil des produzierten Mehrwerts für eigene Zwecke in die andere Abteilung transformiert wird. Auf jeden Fall Abzug vom industriellen Profit, nichts produktives im kapitalistischen Sinn. :) )

  63. 63 star wars 28. September 2011 um 9:47 Uhr

    Bitte Beitrag von 08:45 Uhr löschen.

  64. 64 Nestor 28. September 2011 um 10:20 Uhr

    Ich weiß nicht, ob ich das Problem richtig verstehe, aber die Frage scheint zu sein: Woher kommt der Zins, der auf Wertpapiere gezahlt wird, speziell auf Staatsanleihen, die ja von jemandem ausgegeben wird, der keinen Mehrwert produziert – zum Unterschied von ebenfalls fest verzinslichen Firmenanleihen.

    Die Frage ist zunächst ganz einfach zu beantworten – aus der Neuverschuldung. Bis vor der Finanzkrise waren Staatsanleihen das Solideste, was am Wertpapiermarkt unterwegs war, je mehr Staatsanleihen sich in einem Portfolio befanden, als um so sicherer und „konservativer“ galt es.

    Die Investoren honorierten damit die Leistung, die der Staat für die kapitalistische Ökonomie erbringt: Er garantiert das Eigentum, und stellt das allgemeine Äquivalent zur Verfügung. Seine Zahlungsversprechungen sind daher die allerglaubwürdigsten, weil wenn der Staat einmal baden geht, so ist eh schon alles verloren – so dachte nicht nur die Finanzwelt und die Großverdiener, sondern auch viele Kleinanleger. Man erinnere sich, daß es Anfang dieses Milleniums in Mode gekommen ist, daß Hinz und Kunz auf der Börse spekulieren und Sparbuchbesitzer als schwachsinnig belächelt wurden.

    Diese Entkoppelung von Finanzspekulation (außer den Staatspapieren gab es ja noch jede Menge Papiere, hinter denen noch viel weniger stand als die Staatsgewalt, wie z.B. die ganze immobiliengestützte Wertpapierwelt, die ja auch mit „Produktion“ wenig zu tun hat – der Wert der Immobilie beruht auf dem Grundeigentum) von der Welt der wirklichen Mehrwertproduktion – durch Einsatz von Arbeit – ging eine ganze Weile gut. Durch den Dienstleistungssektor wurden auch die Grenzen ein wenig verwischt, weil da gehören ja beide Sphären irgendwie dazu.

    Der erste Merker, daß das nicht ewig so weitergehen würde, war 2002 der Staatsbankrott Argentiniens. Ich hab mich immer gewundert, wie locker den die „Märkte“ weggesteckt und als Ausnahme verbucht haben.

    Was meiner Ansicht nach jetzt bei der Finanzkrise definitiv nicht ansteht, ist eine „Rückführung“ des fiktiven Kapitals auf irgendeine „reale“ Produktion. Die beiden Sphären haben sich relativ unabhängig voneinander entwickelt (es beruhte nicht die eine auf der anderen, sondern sie haben sich wechselseitig bedingt und angeheizt) und viel Produktion wurde erst angeleiert, um Bedürfnisse zu befriedigen, die durch Gewinne aus der Finanzsphäre geweckt und vorhanden waren. Man denke an gewisse Luxusprodukte, oder aber auch an Investitionen in den produktiven Sektor durch diejenigen, die ihr vieles überschüssiges Kapital nicht im Finanzsektor, sondern in Firmen anlegten.

    Die jetzt anstehende Vernichtung fiktiven Kapitals vernichtet jede Menge Zahlungsfähigkeit und damit auch jede Menge Produktion.

    Die Frage ist derzeit in der imperialistischen Welt, welche Staaten davon mehr betroffen sind bzw. welche die Rezession auf andere abwälzen können.

  65. 65 star wars 28. September 2011 um 10:40 Uhr

    Diese Entkoppelung von Finanzspekulation (außer den Staatspapieren gab es ja noch jede Menge Papiere, hinter denen noch viel weniger stand als die Staatsgewalt, wie z.B. die ganze immobiliengestützte Wertpapierwelt, die ja auch mit „Produktion“ wenig zu tun hat – der Wert der Immobilie beruht auf dem Grundeigentum) von der Welt der wirklichen Mehrwertproduktion – durch Einsatz von Arbeit – ging eine ganze Weile gut.

    Das hast du jetzt schön geschrieben. Wenn man „reale Produktion“ und die Sphäre des „fiktiven Kapitals“ im vorab schön voneinanader entkoppelt, können die ja nur der jeweils zugehörigen Sphärenlogik, unabhängig voneinander, gehorchen. Was hat sich denn, nach welchem Funktionszusammenhang entlang voneinanader „entkoppelt“. Etwa die Gewinn- bzw. Expansionsmargen der Finanz- im Vergleich zur Realwirtschaft? Das soll der (tautologische) Beweis sein?

  66. 66 star wars 28. September 2011 um 10:54 Uhr

    Ich weiß nicht, ob ich das Problem richtig verstehe, aber die Frage scheint zu sein: Woher kommt der Zins, der auf Wertpapiere gezahlt wird, speziell auf Staatsanleihen, die ja von jemandem ausgegeben wird, der keinen Mehrwert produziert – zum Unterschied von ebenfalls fest verzinslichen Firmenanleihen.

    Nein, das ist nicht die Frage. Von einer Unterscheidung zwischen Staats- und Firmenanleihe ist hier nicht die Rede gewesen. Dass ist ein Funktionalismus, nach Herkunftsfragen entlang sortiert.

  67. 67 Nestor 28. September 2011 um 12:53 Uhr

    Worauf ich nur hinaus wollte: Die Gewinne im Finanzsektor beruhten nicht auf der Mehrwertproduktion im produktiven Sektor. Das meine ich mit „unabhängig“. Vielleicht könnte man das besser ausdrücken mit „selbständig“, oder „selbstbezogen“.

  68. 68 Samson 28. September 2011 um 22:07 Uhr

    Wenn der Staat Steuern erhebt, und somit werden vom Staat Zinsen beglichen, beteiligt sich dann der Investor in Schatzbriefen an Mehrwertproduktion?

    Was der Staat politisch macht, sich also eine Teil vom Kuchen abzuzwacken, um die von ihm gemachten Miesen zu bedienen, hat nichts damit zu tun, wie der Kuchen überhaupt zustandekommt. Und da Geld nichts als Wertausdruck ist, repräsentiert es eben tatsächlichen Wert, der in wirklichen Waren steckt, oder es ist eine Anweisung darauf, solchen Wert wirklich zu repräsentieren. Kommt die Produktion von Waren, warum auch immer nicht zustande oder lässt sich der im Geld dargestellte Wert nicht realisieren, hat prinzipiell nicht der ein Problem, der verschuldet ist sondern sein Gläubiger. Als Kapitalist muss er sein Produktionsmittel abschreiben, die von jetzt auf gleich wertlos erscheinen, weil die Produktion ihren Zweck nicht erfüllt. Als Besitzer von Anleihe-Scheinen steht er vor dem Problem, dass die ihm halt keinen Ertrag mehr abwerfen. Wenn Staaten kraft ihrer Wassersuppe in der Lage sind, dieses Dilemma vermittels Luftgeld und verschärften Drangsalierungsmaßnahmen für die Besitzlosen zu verzögern resp. letztere dafür bluten zu lassen, also gewaltsam die Einkommen der Besitzlosen zu beschneiden, so ändert das nichts am Sachverhalt. (Dabei spielt überhaupt keine Rolle, dass formal alle Staatsbürger gleichermaßen steuerpflichtig sind. Für die besitzende Klasse gibt es so unendlich viele Möglichkeiten, ihren sachlichen Besitz als ‚Belastung‘ ihres Einkommens zu deklarieren, dass 1) ein ganzer Berufsstand sehr gut davon lebt, sich derlei Spitzfindigkeiten auszudenken und 2) real, d.h. bezogen auf die meinetwegen Revenuequellen nur die der besitzlosen Klasse angezapft wird.)

    Anders gesagt, anders als durch Beteiligung am gesellschaftlichen Gesamtmehrwert kann „der Investor in Schatzbriefen“ auf diese überhaupt keine Zinsen auf seine Anleihe erhalten. Und dazu muss er sich keineswegs an der Mehrwertproduktion beteiligen. Allerdings wird er als gewissenhafter Anleger darauf achten, dass der Staat als sein Schuldner das gepumpte Geld für Sachen ausgibt, die selber wieder Geld einbringen. Löhne oder sonstiger ‚Sozialklimbim‘ gehören eindeutig nicht dazu, Subventionen für Unternehmen, die Kapital akkumulieren müssen, dazu aber warum auch immer zuwenig Profit machen, schon eher. Deswegen schimpft der Schatzbrief-Besitzer zwar ggf. auf gierige Manager resp. deren ‚zu hohe‘ Gehälter aber noch viel mehr auf steigende ‚Sozialausgaben‘ wegen der wachsenden Zahl des ‚arbeitsscheuen Gesindels‘ o.s.ä.

    Die Investoren honorierten damit die Leistung, die der Staat für die kapitalistische Ökonomie erbringt: Er garantiert das Eigentum, und stellt das allgemeine Äquivalent zur Verfügung.

    Das ist doch eine Nebelbombe, Nestor und erklärt 1) überhaupt nicht warum Investoren plötzlich was ‚honorieren‘ sollen, statt es ihrem Daseinszweck als Investoren entsprechend als Gegenstand ihrer Gewinnerwartung zu betrachten und 2) nicht, wenn Investoren sich schon aufs Honorieren statt aufs Profitieren verlegen, wieso das nicht ewig so weiter gehen könnte, resp. was der Grund sein soll(te), weshalb es nicht (mehr) geht. Der Soros hat doch seinerzeit nicht die Pfundkrise ausgelöst, weil er den britschen Staat weniger zu honorieren gedachte, sondern weil er sich einen Profit davon versprach, dass seine Wette darauf, das Pfund sei zu hoch dotiert resp. zu sehr honoriert, aufgehen täte.

    Selbst so verschwurbelte VWL-Ansätze wie Shareholder Value kommen um die Forderung „langfristige Optimierung der Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität“ nicht herum. Und weil jeder weiß, mittels welcher Methoden solche „Optimierung“ bewerkstelligt wird, kommen in derlei Erklärungen wenigstens in Fußnoten auch stets Bedenken der Art vor: „Bei unternehmerischen Entscheidungen sollten auch potenzielle Auswirkungen beispielsweise auf Mitarbeiter, Kunden, Öffentlichkeit und die Umwelt berücksichtigt werden“.

    Die Gewinne im Finanzsektor beruhten nicht auf der Mehrwertproduktion im produktiven Sektor. Das meine ich mit „unabhängig“. Vielleicht könnte man das besser ausdrücken mit „selbständig“, oder „selbstbezogen“.

    In dem Sinne, dass es sich wesentlich um fiktives Kapital handelt, sicher. Die Frage ist womöglich, ob sich derlei Anlagen so relativ geräuschlos entwerten lassen wie seinerzeit die Software-Finanzabteilung. Der Witz ist aber, in den ’start-ups‘ war weder im klassischen Sinne konstantes noch variables Kapital ‚überbewertet‘ worden, sondern schlicht die Möglichkeit, über Lizenzverkäufe reich zu werden. Die wirklich profitablen IT-Bereiche wurden halt von den Hardware-Produzenten übernommen. Ob das in der ‚übrigen‘ produzierenden Wirtschaft ähnlich geht, ist zweifelhaft. Selbst staatliche Konjunkturprogramme ändern nichts an der organischen Kapitalzusammensetzung.

  69. 69 star wars 29. September 2011 um 9:35 Uhr

    @ Samson

    Was der Staat politisch macht, sich also eine Teil vom Kuchen abzuzwacken, um die von ihm gemachten Miesen zu bedienen, hat nichts damit zu tun, wie der Kuchen überhaupt zustandekommt. Und da Geld nichts als Wertausdruck ist, repräsentiert es eben tatsächlichen Wert, der in wirklichen Waren steckt, oder es ist eine Anweisung darauf, solchen Wert wirklich zu repräsentieren.

    Das mag sein, aber eben nicht unbedingt Teile von Mehrwert. Das war nämlich deine Ausgangsbehauptung.

    Anders gesagt, anders als durch Beteiligung am gesellschaftlichen Gesamtmehrwert kann „der Investor in Schatzbriefen“ auf diese überhaupt keine Zinsen auf seine Anleihe erhalten. Und dazu muss er sich keineswegs an der Mehrwertproduktion beteiligen.

    Er muss es aber (indirekt), nämlich auf Umwege:

    star warsVielmehr wichtiger ist dass durch die Methoden der Staatsverschuldung, durch die beständige Neuproduktion fantastischen Kapitals, die Messlatte fantastischen Kapitals gelegt wird, die sich an anderer Stelle beständig in Profitgenerierung (und in dem sich der Finanzinvestor über Zins-und Zirkulationsgewinne beteiligt, Anm.) bewährt.

    Ansonsten: Finanzkrise, Staatskreditkrise. Hängt davon ab wie sich die Schuldenlast, auch im Vergleich des zwischestaatlichen Finanz- und sonstigen Verkehrs, irgendwann, über die Zeit hinweg sich amortisieren läßt.

    Das hat (auch) damit zu tun dass die Schulden, die der Staat durch gegenwirksame Finanzbeteiligungen (Staatsanleihen) gewährt kriegt, gesamtwirtschaftlich betrachtet (unproduktive) Kosten vorstellen, und sonst nichts.

  70. 70 Samson 29. September 2011 um 21:37 Uhr

    Das mag sein, aber eben nicht unbedingt Teile von Mehrwert. Das war nämlich deine Ausgangsbehauptung.

    Die Ausgangsbehauptung war, dass es Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts ist, wenn es tatsächlich verdient wird. Andernfalls handelt es sich um Umbuchungen o.s.ä., d.h. es wird bestenfalls Geldschatz hin und her geschoben, nur erwächst daraus weder mehr ‚Luftgeld‘ noch gar Profit resp. ‚Dividende‘ resp. Zins, weil das, was A als Einnahme verzeichnet bei B (selbst über zig Ecken) unmittelbar als Verlust bilanziert wird. Gesellschaftlich gesehen wäre das folglich ein Nullsummenspiel, gerade so als wenn Kinder im Kaufmannsladen spielen.

    Vielmehr wichtiger ist dass durch die Methoden der Staatsverschuldung, durch die beständige Neuproduktion fantastischen Kapitals, die Messlatte fantastischen Kapitals gelegt wird, die sich an anderer Stelle beständig in Profitgenerierung (und in dem sich der Finanzinvestor über Zins-und Zirkulationsgewinne beteiligt, Anm.) bewährt.

    Das ist die Forderung der besitzenden Klasse, nur bewährt die sich eben nicht, sondern blamiert sich regelmäßig daran, dass die sog. ‚Realwirtschaft‘ immer weniger in der Lage ist, die in der Tat fantastischen Profiterwartungen zu erfüllen, was dazu führt, dass immer mehr Geld in die ‚Finanzmärkte‘ ‚abwandert‘. Und der einzige Grund ist eben der, dass, gesellschaftlich gesehen, wachsende organische Zusammensetzung der Kapitals dessen konstanten Teil überproportional gegenüber dem variablen Teil vergrößert, was sich auf die Profitrate i.d.R. negativ auswirkt. Dass innerhalb der Konkrrenz individuelles Kapital sich ebenso einen ‚Marktvorteil‘ verschaffen kann wie Staaten in ihrer Bilanz einen Überschuss gegenüber der Konkurrenz rausschlagen, ändert an der Bestimmung nichts.

    Der wirkliche Unterschied zwischen produzierendem Kapital, dass seine Profite immer über Warentausch realisieren muss und Staaten ist der, dass letzere sich Sachen aneignen können, ohne der Konkurrenz deren Wert zu ersetzen; gerade so wie es die NATO seit dem Ende des Ostblocks ‚global‘ praktiziert. Und das ist wiederum der Grund, weswegen deren Geld stets als ’sichere‘ Anlage für Finanzjongleure aller Coleur gilt. Das militärische Potential der Army ist quasi die ‚Rückversicherung‘ des Dollars. Weil aber derlei Potential des permanenten praktischen Nachweises bedarf, würde bspw. ‚war on terror‘ selbst dann nicht beendet, wenn über Nacht sämtliche Muslime von ihrem Glauben abfielen und sich taufen ließen.

  71. 71 Nestor 29. September 2011 um 23:47 Uhr

    @Samson

    Allerdings wird er als gewissenhafter Anleger darauf achten, dass der Staat als sein Schuldner das gepumpte Geld für Sachen ausgibt, die selber wieder Geld einbringen. Löhne oder sonstiger ‚Sozialklimbim‘ gehören eindeutig nicht dazu.

    Löhne sind überhaupt nicht Sache des Staates, sondern der Unternehmer.

    Der Soros hat doch seinerzeit nicht die Pfundkrise ausgelöst, weil er den britschen Staat weniger zu honorieren gedachte, sondern weil er sich einen Profit davon versprach.

    Hier geht alles mögliche durcheinander.

    Mit „honorieren“ meinte ich, daß die Käufer von Staatsanleihen demjenigen Staat, dessen Anleihen sie kaufen, zugestehen, daß er seinen Laden im Griff hat und deswegen seine Anleihen bedienen kann.

    Soros hat sich seinen Profit über die Solvenz sowohl Großbritanniens als auch anderer Staaten gemacht.(Es ging ja um Kursdifferenzen.) Ich erinner mich jetzt nicht genau, wie das war. Er hat irgendwie Pfund gekauft auf Kredit und auf dessen Sturz oder Steigen spekuliert mit Optionen oder sowas.
    Auf jeden Fall ist klar, daß es da nur um Staatskredit gegangen ist und um keinerlei Mehrwert-Fragen.

  72. 72 Nestor 29. September 2011 um 23:54 Uhr

    @star wars

    Warum redest du von „fantastischem“ Kapital?

    Der terminus technicus von Marx ist „fiktives“ Kapital. Er meint damit Kapital, das über Zahlungsversprechen zustandekommt. Also: Eine Bank, eine Firma, ein Staat gibt ein Wertpapier heraus, und sagt: Das Papier von mir verzinst sich mit 5% jährlich, wirft also Gewinn ab, ist also Kapital. Deswegen „fiktiv“, weil es erst über das Zahlungsversprechen zu Kapital wird.

  73. 73 Samson 30. September 2011 um 6:53 Uhr

    Löhne sind überhaupt nicht Sache des Staates, sondern der Unternehmer.

    Formal nicht, bezahlt der Staat dagegen Zuschüsse irgendwelcher Art, verringert er damit das notwendige variable Kapital und verändert so zumindest die Mehrwertmasse. Man sollte an der Stelle nicht vergessen, dass der Staat eben nicht übergeordnetes Subjekt seiner Untertanen ist, sondern objektiv Instrument der besitzenden Klasse.

    Mit „honorieren“ meinte ich, daß die Käufer von Staatsanleihen demjenigen Staat, dessen Anleihen sie kaufen, zugestehen, daß er seinen Laden im Griff hat und deswegen seine Anleihen bedienen kann.

    Du hast aber geschrieben, dass das im-Griff-haben sich ausdrücke als „Er garantiert das Eigentum, und stellt das allgemeine Äquivalent zur Verfügung“. Dass machen gemeinhin alle Staaten, aber aus der Garantie für etwas geht eben nicht dessen qualitative Beschaffenheit hervor. Wenn wer irgendwo ‚kostengünstig‘ wohnen darf, heißt das längst nicht, dass damit eine ‚komfortable‘ Behausung gemeint ist.

    Soros hat sich seinen Profit über die Solvenz sowohl Großbritanniens als auch anderer Staaten gemacht.(…)
    Auf jeden Fall ist klar, daß es da nur um Staatskredit gegangen ist und um keinerlei Mehrwert-Fragen.

    Und Wechselkursdifferenzen spielen keine Rolle bei der Frage, wieviel wer für seine Exporte von wirklichen Waren einnimmt?

  74. 74 star wars 30. September 2011 um 9:41 Uhr

    @ Samson

    Man sollte an der Stelle nicht vergessen, dass der Staat eben nicht übergeordnetes Subjekt seiner Untertanen ist, sondern objektiv Instrument der besitzenden Klasse.

    Man man man Samson, er ist doch beides. Abgesehen davon kann der Staat, formell und praktisch betrachtet, objektiv nicht als
    Instrument der besitzenden Klasse fungieren, in Erscheinung treten, wenn er nicht als übergeordnetes Subjekt seiner Untanen fungieren würde. Ökonomisch betrachtet findet beständig Mehrwertauspressung, will heißen Ausbeutung statt, und dass geht halt nur wenn der Gesetzgeber sich von seiner ökonomischen Basis absondert, und darüber allen seinen Untertanen, den Rechtsssubjekten, freie und gleiche Rechte gewährt.

  75. 75 star wars 30. September 2011 um 19:48 Uhr

    @ Samson

    Die Ausgangsbehauptung war, dass es Teil des
    gesellschaftlichen Mehrwerts ist, wenn es tatsächlich verdient wird. Andernfalls handelt es sich um Umbuchungen o.s.ä., d.h. es wird bestenfalls Geldschatz hin und her geschoben, nur erwächst daraus weder mehr ‚Luftgeld‘ noch gar Profit resp. ‚Dividende‘ resp. Zins, weil das, was A als Einnahme verzeichnet bei B (selbst über zig Ecken) unmittelbar als Verlust bilanziert wird.

    Rein faktisch betrachtet führt deine Hypothese in die Irre.

    Mehrwert ist der Teil des gesellschaftlichen Mehrprodukts dass sich der industrielle Kapitalist, Kraft Eigentumsvorbehalt, für sich beanspruchen darf. Selbst der Zins, den dass Bankkapital für sich als Teil des Kuchens beansprucht, ist eine nur abgeleitete Form dieses industriellen Profits.

    Beim Zinsgewinn, der über Aufkauf von Staatsnanleihen rüberspringt, dreht sich die Welt doch ein Stück weit eigenartig anders (siehe meine Ausführungen oben). Insofern kann die Zinsakkumulation nur dann von sich beanspruchen zur Mehrwertproduktion etwas beizutragen, wenn sie (praktisch betrachtet) tatsächlich auch einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum zu leisten imstande ist. Der Staat schaut darauf ob die Staatsfinanzen solide sind, oder nicht. Ein (finanzpolitisch) potenter Staat kann mehr Schulden akkumulieren als ein wirtschaftlich weniger potenter Staat.

    Heutzutage dient vielmehr die Akkumulation von Staatsapapieren in weiten Teil des kapitalistischen Globus nur noch für einen finankapitalistisch bequemen Sitzpolster. Die Staatsverschuldung ist vielmehr zu einem finanzpolitischen Problem geworden, sie springt an weil dass allgemeine Wirtschaftswachstum Gefahr läuft ins Stottern zu geraten. Finanziert wird die Staatsverschuldung durch Anhäufung von immer mehr Staatsschulden.

    Daher dass Anwachsen der Staatsverschuldung vielmehr das Gegenteil von einem Motor kapitalistischer Akkumulation, sondern vielmehr ein finanzpolitisches Problem, vielerorts verursacht durch rückläufige Wirtschaftswachstumsaussichten.

    Daher auch meine Antwort an Nestor:

    Warum redest du von „fantastischem“ Kapital?

    Na weil in (entwickelten) kapitalistischen Staaten (zumindest des Westens) die Staatsanleihe nichts, oder sehr wenig wenn überhaupt, zum Wirtschaftswachtum beizutragen imstande ist. Es werden vielmehr durch die Akkumulation von Staatspapieren die Finanzbilanzen der Kapitalisten und Staaten aufgepeppt bzw. ein paar Privatgewinne akkumuliert.

  76. 76 Samson 30. September 2011 um 23:35 Uhr

    Ökonomisch betrachtet findet beständig Mehrwertauspressung, will heißen Ausbeutung statt, und dass geht halt nur wenn der Gesetzgeber sich von seiner ökonomischen Basis absondert, und darüber allen seinen Untertanen, den Rechtsssubjekten, freie und gleiche Rechte gewährt.

    Eben nicht! Es geht funktional ausschließlich dann, wenn der ‚Gesetzgeber', dem was auf Grund der ökonomischen Verhältnisse ohnehin objektiv passiert, einen juristischen Ausdruck verleiht, also mit Gewalt verhindert, dass die in den ökonomischen Verhältnissen Benachteiligten sich gegen die Nachteile zur Wehr setzen, also bspw. ihrem Vermieter eine Tracht Prügel anbieten, nur weil der für die Kaschemme plötzlich auf Grund des ‚Mietspiegels‘ das x-fache der vorherigen Summe haben will; oder ihrem ‚Arbeitgeber‘, wenn der auf Grund der ‚Marklage‘ den Arbeitvertrag einseitig dahingehend ändert, dass die bezahlte Arbeitszeit reduziert, also der Lohn real gekürzt wird.

    Während des ernsten Teils des Tages haben die Subjekte ohnehin alles mögliche, nur keine freien und gleichen Rechte. Würde in der Arbeitswelt nicht nach den Prinzipien von Befehlsgewalt und unbedingtem Gehorsam verfahren, wären Phänomene wie Depressionen, Burn-out, Mobbing etc. als Auswirkungen der Arbeitsbedingungen vermutlich unbekannt. Erst recht gäbe es dann keine analytisch bestimmbare unbezahlte Mehrarbeit resp. keinen Mehrwert.

    Mehrwert ist der Teil des gesellschaftlichen Mehrprodukts dass sich der industrielle Kapitalist, Kraft Eigentumsvorbehalt, für sich beanspruchen darf.

    Das ist Quatsch. Oben schreibst du, alle Staatsbürger seien mit gleichen Rechten versehen, ein Vorbehalt widerspräche der Gleichheit. Analytisch verhält es sich so: Der Kapitalist kauft Waren verschiedenster Qualität zu ihren jeweiligen Marktwerten, lässt die quasi miteinander ‚wechselwirken‘, wobei sich ein Formenwechsel der verschiedenen Sachen vollzieht und das Resultat dieses Prozesses in veränderter Qualität vom Kapitalist anschließend auf dem Markt wieder als Ware verkauft wird.

    Die Differenz zwischen dem Einkaufswert der Waren und dem Verkaufswert des fertigen Resultats ist von vornherein rechtmäßiger Besitz ihres Eigentümers, und zwar weil schon die miteinander wechselwirkenden Sachen sein rechtmäßiger Besitz sind. Die Arbeitskraft des Arbeiters gehört also während der Arbeitszeit dem Kapitalist. Das ist der Grund, weswegen in der Arbeitswelt eben keine Kooperation von mit gleichen Rechten versehenen Individuen statfindet, sondern es ebenso streng nach Befehl und Gehorsam zugeht wie zu Zeiten der Sklaverei, und der ‚Arbeitnehmer‘ an seinen Chef ebenso ‚weisungsgebunden‘ ist wie der Sklave an seinen Herrn.

    Und diesem praktisch gegebenen Verhältnis verschafft der Staat den Rang eines verbindlichen juristischen Rahmens, dessen Übertretung mit Gewalt geahndet wird. Das macht der Staat aber nicht als von der ökonomischen Basis getrenntes Subjekt sondern ganz im Gegenteil im Interesse der besitzenden Klasse, obwohl formal alle Staatsbürger gleichermaßen auf diesen juristischen Rahmen verpflichtet sind.

    Die Staatsverschuldung ist vielmehr zu einem finanzpolitischen Problem geworden, sie springt an weil dass allgemeine Wirtschaftswachstum Gefahr läuft ins Stottern zu geraten.

    Stellt sich halt die Frage, wieso die Staatsverschuldung zunimmt, wenn das „allgemeine Wirtschaftswachstum Gefahr läuft ins Stottern zu geraten“.

  77. 77 Nestor 01. Oktober 2011 um 11:01 Uhr

    @Samson

    Man sollte an der Stelle nicht vergessen, dass der Staat eben nicht übergeordnetes Subjekt seiner Untertanen ist, sondern objektiv Instrument der besitzenden Klasse.

    Von „vergessen“ kann keine Rede sein, da ich die Sache ja so sehe, daß das kein Gegensatz ist. Gerade indem der Staat über den Klassen steht, bewährt er sich als „Instrument“ des Kapitals. Indem er zum Beispiel alle zu Eigentümern erklärt, also auch die, die nix haben.
    Also von wegen „vergessen“ – wir sind da eben verschiedener Ansicht!

    Und Wechselkursdifferenzen spielen keine Rolle bei der Frage, wieviel wer für seine Exporte von wirklichen Waren einnimmt?

    Das ist eine sehr rhetorische Frage. Ertsens ist sie negativ: Es hat wohl nichts damit zu tun? – worauf ich sage: wird schon etwas damit zu tun haben – was wissen wir jetzt mehr?
    Zweitens tut sie so, als ließe sich der Erfolg eines Staatswesens bzw. dessen nationalen Kapitals an der Handelsbilanz ablesen. Und da muß ich darauf hinweisen, daß da noch einiges anderes dazu gehört als Exporte. Gerade bei Großbritannien – was exportieren die denn groß? Dennoch zählt es nicht zu den erfolglosen Staaten.

    @star wars

    Na weil in (entwickelten) kapitalistischen Staaten (zumindest des Westens) die Staatsanleihe nichts, oder sehr wenig wenn überhaupt, zum Wirtschaftswachtum beizutragen imstande ist.

    „Wirtschaftswachstum“, das gebe ich zu bedenken, eine nationalökonomische Größe, die erstens den Anspruch auf Geschäftemachen, auf Profit ausdrückt, zweitens aber dieses Wachstum schlicht in Geld, dem anerkannten Maß der Werte, mißt. Deswegen kriegen manchmal Länder – gerade in Osteuropa war das vor der Krise so – tolle Wachstumsraten bestätigt, weil da irgendwelche Typen erfolgreich Kredit aufgeblasen haben.
    Es ist also nicht richtig, Wachstum mit tatsächlicher „Produktion“ gleichzusetzen.
    Ich stamme aus einem Ort, der vom Tourismus lebt, und recht gut. Was wird da eigentlich produziert? Geschäfte werden jedoch gemacht, die Hotelies bereichern sich, und die Wirtschaft wächst.

  78. 78 star wars 01. Oktober 2011 um 11:36 Uhr

    @ Samson

    Es geht funktional ausschließlich dann, wenn der ‚Gesetzgeber‘, dem was auf Grund der ökonomischen Verhältnisse ohnehin objektiv passiert, einen juristischen Ausdruck verleiht, also mit Gewalt verhindert, dass die in den ökonomischen Verhältnissen Benachteiligten sich gegen die Nachteile zur Wehr setzen, also bspw. ihrem Vermieter eine Tracht Prügel anbieten,…

    So ein Quatsch Samson, … . Die Gewalt des bürgerlichen Staates ist viel raffinierter als du es dir vorstellen magst. Die Gewalt interveniert über die Gesetzgebung in harten, materiell austarierten Interessenkonflikten, und läßt die Interessenträger ansonsten in Ruhe in ihrem Eigentümerdasein. Der Gewaltmonopolist tritt gegenüber den Interessenträgern des Eigentums bloß als Gesetzgeber in Erscheinung, was Eigentümer wollen und denken ist ihnen (vorerst) ihrer eigegenen Urteilsbildung überlassen.

    Der Gesetzgeber vertraut darauf dass die Konflikparteien von alleine Einsicht in die Notwendigkeiten von Eigentümerkonflikten entwickeln. Dass ist das ganze Geheimnnis der Gewährung von gleichen Freiheitsrechten, dass Bewußtseinsform und Interessenskonflikt sich in einer juristisch austarierte Entsprechungsform untereinander befinden.

    oder ihrem ‚Arbeitgeber‘, wenn der auf Grund der ‚Marklage‘ den Arbeitvertrag einseitig dahingehend ändert, dass die bezahlte Arbeitszeit reduziert, also der Lohn real gekürzt wird.

    Ja und, ist dass jetzt Empörung? Der Arbeitgeber kann dass machen, wenn dabei die allgemein gültigen Arbeitsrecht-Gesetze eingehalten werden können. Mit Pistolero-Gewalt des (von der bürgerlichen Gesellschaft abgesonderten) Staates, wie du meinst, hat dass gar nichts wirklich zu tun.

    Die Differenz zwischen dem Einkaufswert der Waren und dem Verkaufswert des fertigen Resultats ist von vornherein rechtmäßiger Besitz ihres Eigentümers, und zwar weil schon die miteinander wechselwirkenden Sachen sein rechtmäßiger Besitz sind.

    Ja also, und warum stellst du dass jetzt in einem Gegensatz zu meiner Behauptung? Du behauptest genau das gleiche was ich behaupte, nur dass du diese Behauptung mit dem Hinweis ausschmückst, dass die Bereicherung der Kapitalisten über den Zirkulationsprozess Wareneinkauf-Warenverkauf vermittelt ist. Du siehst beständig Nebelbänke aufziehn, wo doch nur Bäume im Wald Wurzeln schlagen.

    Und diesem praktisch gegebenen Verhältnis verschafft der Staat den Rang eines verbindlichen juristischen Rahmens, dessen Übertretung mit Gewalt geahndet wird.

    Und wer hat jetzt das Gegenteil behauptet? Alles Unsinn.

    @ Nestor

    Antwort kommt noch.

  79. 79 star wars 02. Oktober 2011 um 12:01 Uhr

    Es ist also nicht richtig, Wachstum mit tatsächlicher „Produktion“ gleichzusetzen.

    Ich bin jetzt kein Experte was die Zusammenstellung von Rechengrößen angeht, aber soweit ich weiss schlägt (erfolgreiche) Kreditausweitung bei potenten Volkswirtschaften in einen (zumindest zeitbefristeten) Multiplikationseffekt beim Wirtschaftswachtum zu Buche, bei gleichzeitiger (über die Jahre hinweg) Ausweitung der faktisch in Gang getretenen Verschuldung (Privatsverschuldung oder Staatsverschuldung). Kommt auch drauf an auf welcher Seite des internationalen Zahlungsbilanzausgleichs sich eine Volkswirtschaft positionieren muss! Was anschließend wahrscheinlich hinzutritt: (internationale) Wirtschafts- und Finanzkrise.

    Bei Osteuropa kann ich mir vorstellen dass dieser Multiplikationseffekt deswegen zu Buche schlägt weil junge Volkswirtschfaten, in denen (internationales ) Kapital hineinströmt, im Durchschnittsvergleich mit den älteren, potenten Volkswirtschaften, mit größerem Wachstumspotential für sich werben können (aufgrund der niedrigeren organischen Durchschnittszusammensetzung des Kapitals, im ideellen Durchschnitt).

    Ich stamme aus einem Ort, der vom Tourismus lebt, und recht gut. Was wird da eigentlich produziert? Geschäfte werden jedoch gemacht, die Hotelies bereichern sich, und die Wirtschaft wächst.

    Der Tourismus Nestor trägt unmittelbar zum Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft bei. Ob dabei industrielle Produktion initiiert wird oder bei sogenannten „Dienstleitungssektoren“ Geschäftsfelder eröffnet werden spielt, rein nominal betrachtet, keine größere Rolle. Das Problem bei der „Tourismusbranche“ ist halt dass was Hotels bzw. Touristikzentren wie z.B. Bade- oder Kurorte angeht, faktische Rationalisierungsbemühungen (Maschinen, Software usw.) schwer durchzusetzen sind.

    Was sich dann halt im nächsten Schritt auch auf den niedrigeren „Produktivitätsfortschritt“ innerhalb des Geschäftsfeldes „Touristikbranche“ niederschlägt. Und wir wissen ja dass Staaten, die primär vom Tourismus „leben“, will heißen Einnahmen (Kapital, Einkommen) primär über den Tourismus generieren, zumeist Probleme in anderen Wirtschaftssektoren ausweisen (müssen).

  80. 80 Nestor 10. Oktober 2011 um 12:39 Uhr

    @star wars

    Wir kommen vom 100sten ins 1000ste. Profitrate, organische Zusammensetzung des Kapitals usw.

    Der Ausgangspunkt von dir war doch, oder die Grundlage deiner Argumentation war die, daß früher oder später aller Profit aus der Produktion kommen müsse, und das auch noch irgendwie mit „Wachstum“ gleichgesetzt – zumindest habe ich das so verstanden.

    Dem habe ich entgegengehalten, daß sich erstens in der Konkurrenz der Nationen ganz andere Maßstäbe durchgesetzt haben und manche Staaten erfolgreich ihren Reibach machen aus den produktiv erzeugten Profiten anderer Länder (GB), daß es Wirtschaftszweige gibt, wo nicht Waren, also gegenständliche Waren produziert werden (Tourismus) und schließlich auf Osteuropa hingewiesen, wo ein guter Teil des Wachstums entweder überhaupt aus Finanzspekulationen herrührte bzw. kreditfinanziert war und jetzt eingebrochen ist.

    Hab dazu ja aich einmal was Ausführlicheres geschrieben:
    http://alanier.at/BankenOsterr.html

    bzw. empfehle den GSP-Artikel aus Nummer 1/10 „Das neue Europa in der Krise“:
    http://neoprene.blogsport.de/images/GSP_110_Zwischenstand_der_Transformation.pdf

    Jetzt kommst du und sagst bzw. schreibst mehr oder weniger: Das ist alles sehr kompliziert. Osteuropa ist eine Ausnahme. Tourismus ist eine Ausnahme, und überhaupt, für sich gar keine Lösung als ausschließliche Einkommensquelle einer Nation. (Das hat ja auch niemand behauptet)
    Großbritannien ist auch schon einmal als Sonderfall abgetan worden , wenn ich mich richtig erinnere.
    Na ja. So kann man es sich natürlich einfach machen. Alles, was nicht zu meiner Theorie paßt, ist eben eine Ausnahme, die die Regel, also meine Theorie bestätigt.

  81. 81 star wars 11. Oktober 2011 um 10:59 Uhr

    @ Nestor

    Der Ausgangspunkt von dir war doch, oder die Grundlage deiner Argumentation war die, daß früher oder später aller Profit aus der Produktion kommen müsse,…

    Ich stehe doch immer noch zu meiner Ausgangshypothese. Meine Ausgangshypothese war dass der Ursprung aller Realisierungsgewinne der Profitwirtschaft in der Realwirtschaft liegt. Jeder Realisierungsgewinn, in den verschiedenen Geschäftssphären des weltweit agierende Kapitals, muss dort erwirtschaftet werden. Und ja, insofern es beim, durch das Finanzgewerbe gehandelten, weltweiten Geldkapital um „virtuelles Kapital“ handelt, stehe ich zu meiner Ausgangshypothese, dass aller Profit letztendlich aus der Realwirtschaft kommen müsse.

    Der internationale Geld- und Warenverkehr ist diesbezüglich ein sepperat zu untersuchendes Themengebiet. Vielleicht war die Ausführung meiner Ausgangsbehauptung etwas holpriger formuliert worden als die Fortentwicklung unserer Diskussionen Resultate hervorgebracht hat. Aber es ist ja auch ein schwieriges Thema.

    Dem habe ich entgegengehalten, daß sich erstens in der Konkurrenz der Nationen ganz andere Maßstäbe durchgesetzt haben und manche Staaten erfolgreich ihren Reibach machen aus den produktiv erzeugten Profiten anderer Länder (GB), daß es Wirtschaftszweige gibt, wo nicht Waren, also gegenständliche Waren produziert werden (Tourismus)…

    Der Tourismus ist doch ein (warenförmiges) Angebot an Dienstleistungen, an irgendwelche Konsumenten. Ich weiss nicht wie du dir das vorstellst. „Produktion“ sei nur Maschinenbau, Fabrikherstellung, wo „echte“, materielle Warenproduktion stattfindet… Außerdem werden in der Touristik-Geschäftssphäre vorgelagerte Leistungen wie Hotelbau, Freizeitvergnügungen, usw. hervorgebracht. Alles nur Schein?

    Großbritannien ist auch schon einmal als Sonderfall abgetan worden , wenn ich mich richtig erinnere.

    Es ist kein Sonderfall, genau solch ein Thema wie GB, oder die USA, ist doch der Gegenstand im Speziellen dieser Debatte.

    Dem habe ich entgegengehalten, daß sich erstens in der Konkurrenz der Nationen ganz andere Maßstäbe durchgesetzt haben…

    Die Konkurrenz der Nationen ist ein gesondert zu untersuchendes Themengebiet, aber dass sich bezogen auf die materiellen bzw. geldwertheckenden Grundlagen des globalen Kapitalismus deswegen was wesentlich geändert hätte, oder dass es je anders gewesen sei, dass bestreite ich, und wohl auch Samson.

  82. 82 Nestor 12. Oktober 2011 um 9:36 Uhr

    … dass der Ursprung aller Realisierungsgewinne der Profitwirtschaft in der Realwirtschaft liegt.

    Der Ursprung mag schon dort liegen, aber der Ursprung der Donau liegt auch im Schwarzwald, und von dem entfernt sie sich gehörig. Es wurden und werden noch immer jede Menge Gewinne in Handel und Kredit gemacht, die völlig emanzipiert von der Sphäre der Produktion sind, und was sind die jetzt? Nicht „wirklich“?

    Mit dem Tourismus und überhaupt dem ganzen Dienstleistungssektor geht es so hin und her. Einmal gehört er zur Realwirtschaft, dann wieder nicht.

    Die Konkurrenz der Nationen kann ich deswegen schwer von diesem Themenkomplex trennen, weil sie ja die Grundlage dafür ist, daß manche Nationen den erwirtschafteten Wert und Mehrwert anderer an sich ziehen können. Schönes Beispiel GB, aber auch Island vor der Krise.

  83. 83 star wars 12. Oktober 2011 um 17:28 Uhr

    Es wurden und werden noch immer jede Menge Gewinne in Handel und Kredit gemacht, die völlig emanzipiert von der Sphäre der Produktion sind, und was sind die jetzt? Nicht „wirklich“?

    Na zeig mir doch ein Beispiel von diesen „amanzipierten Gewinnen“. Redest du etwa von der Luftblasenökonomie weltweit agierender Banken? Redest du über die sogenannten „Zirkulationsgewinne“ von Finanzinvestoren? „Emanzipierte Gewinne“ im „Handel“? Was soll denn das bedeuten?

    Mit dem Tourismus und überhaupt dem ganzen Dienstleistungssektor geht es so hin und her. Einmal gehört er zur Realwirtschaft, dann wieder nicht.

    So etwa wie Ebbe und Flut… Dan komm ich nicht mit. Marx Unterscheidet ganz klar zwischen produktiver (Tourismus) und unproduktiver Arbeit (Werbung, Gegenstandpunkt). An dieser Differenzierung orientiere ich mich.

    Die Konkurrenz der Nationen kann ich deswegen schwer von diesem Themenkomplex trennen, weil sie ja die Grundlage dafür ist, daß manche Nationen den erwirtschafteten Wert und Mehrwert anderer an sich ziehen können.

    An diesem Punkt sind wir uns ja, was den den letzten Teilsatz abgeht, einig. Bloß an der Frage von Ökonomie & Nationenbildung scheiden sich noch die Geister… .

  1. 1 coupons Trackback am 07. Juli 2014 um 13:15 Uhr
  2. 2 FREE - McDonalds Coupons - Printable McDonalds Coupons Trackback am 23. August 2014 um 13:36 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.