Aus aktuellem Anlaß:

WAS IST EIGENTLICH DIE IAEA?

Im Grunde eine internationale und staatlicherseits unterstützte Werbeagentur für Atomenergie. Möglichst viele Staaten sollen sich dieses Zeug zulegen, allerdings nur solche, die als „verläßlich“ eingestuft werden. Deshalb ist die IAEA auch gleichzeitig ein Kontrollorgan, mit dessen Hilfe unliebsame Regierungen von der Atomtechnologie ferngehalten werden sollen, oder zweifelhaften Regierungen auf die Finger geschaut werden soll.

Die Gründung der IAEA folgte auf eine Rede Eisenhowers vor der UNO-Vollversammlung im Dezember 1953, mit dem Titel „Atome für den Frieden“.

Einige Monate nach der Beendigung des Korea-Krieges (bei dem die USA um ein Haar wieder Atombomben eingesetzt hätten) wies er auf die Gefahr von Atomwaffen hin, die natürlich gering wäre, wenn sie sich nur in den Händen der USA und ihrer Freunde befinden würden. Leider, leider hat die Sowjetunion die aber inzwischen auch. Die könnte sie womöglich weitergeben, und damit die Gefahr für die Welt unglaublich erhöhen. Deshalb ist es nötig, sie irgendwie mit ins Boot zu holen, sich mit den Vertretern der SU an einen Tisch zu setzen, und gemeinsam die friedliche Nutzung der Kernenergie anzugehen. Mit diesem Angebot zur Zusammenarbeit wollte Eisenhower offenbar Alleingänge in Zukunft verhindern, und ein Mittel der Überwachung durch Zusammenarbeit schaffen. Seine diesbezüglichen Vorschläge haben poetische Qualität und sind politisch ein Anspruch auf Beherrschung der ganzen Welt.

„Die USA suchen mehr als die bloße Verringerung oder Vernichtung von atomarem Potential für militärische Zwecke. Es genügt nicht, diese Waffe den Soldaten aus der Hand zu nehmen. Sie muß denjenigen in die Hand gegeben werden, die sich darauf verstehen, sie ihrer militärischen Umhüllung zu entkleiden und zu einem Mittel des Friedens zu machen. Die USA wissen: wenn die besorgniserregende Tendenz zu atomarer Aufrüstung rückgängig gemacht werden kann, so kann diese größte aller zerstörerischen Kräfte in einen gewaltigen Segen zum Nutzen der Menschheit verwandelt werden. … Um die Herankunft des Tages zu beschleunigen, an dem die Angst vor dem Atom aus den Gemütern der Menschen verschwindet, müssen jetzt gewisse Schritte ergriffen werden. … Die Atomenergie-Agentur könnte als ihre Aufgabenbereiche erhalten: die Beschlagnahme, Lagerung und den Schutz der zur Verfügung gestellten spaltbaren und anderer Materialen. Unsere fähigen Wissenschaftler werden sich spezielle Sicherheitsvorkehrungen ausdenken, unter denen eine solche über spaltbares Material gebietende Institution dagegen immun gemacht werden kann, daß jemand sie unter Ausnützung des Überraschungsmoments in seine Gewalt bringt. Angesichts dieser zu treffenden schicksalhaften Entscheidungen versprechen die USA Ihnen – und damit der Welt –, ihre Entschlossenheit, bei der Lösung des beängstigenden Atom-Dilemmas zu helfen: Sie werden ihr all ihr Herz und allen ihren Verstand der Aufgabe widmen, einen Weg zu finden, wodurch die wunderbare menschliche Erfindungskraft nicht dem Tod dient, sondern dem Leben geweiht ist.“

Diese sozusagen als Gründungsurkunde der IAEA zu betrachtende Rede kennt zwar einerseits keine Interessensgegensätze und politischen Feindschaften, sondern nur „Menschen“. Da gibt es ganz geniale, die sich mit „dem Atom“ auskennen, und einen Haufen Dummerln, die „Angst vor dem Atom“ haben. Alle Bedenken gegen die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Atomspaltung werden so zu einer irrationalen Haltung erklärt, von der man die Menschheit im Interesse des Fortschritts zu befreien hätte.

Andererseits kennt sie natürlich schon dunkle Kräfte, die sich etwaiger Lagerstätten von spaltbarem Material bemächtigen wollen, weswegen man da Vorkehrungen treffen muß.

Die Gründung der IAEA ist also einerseits ein Moment des Kalten Krieges und des „Containments“, im Zuge dessen der Einfluß der Sowjetunion überall auf der Welt möglichst eingeschränkt werden sollte. Durch kontrollierte Weitergabe des eigenen Wissensvorsprungs an befreundete – und auch bis gestern verfeindete, aber jetzt verbündete – Mächte sollte eine einheitliche Atom-Front gegen den Ostblock geschaffen werden.
Zweitens war sie aber auch ein Startschuss für die amerikanische Atom-Industrie, sich zu einem Exportzweig herzurichten und die Welt für amerikanische Atomtechnologie zu erobern.

Die IAEA hat einen organisatorischen Sonderstatus. Sie ist eine von den USA eingesetzte Weltpolizei für atomares Wohlverhalten, und gleichzeitig ein Dealer in ganz großem Stil für Stoffe und Verfahren, die nicht jeder haben soll, aber manche sehr gerne haben wollen:
„Die IAEO ist keine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, sondern mit diesen vielmehr durch ein separates Abkommen verbunden. Sie berichtet regelmäßig der Generalversammlung der Vereinten Nationen und darüber hinaus dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt. Die IAEO soll laut Satzung „den Beitrag der Kernenergie zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand weltweit beschleunigen und vergrößern“; sie soll also als Lobbyist der Atomindustrie die Anwendung radioaktiver Stoffe und die internationale Zusammenarbeit hierbei fördern sowie die militärische Nutzung dieser Technologie (z. B. Proliferation von Kernwaffen) durch Überwachungsmaßnahmen („Safeguards“) verhindern.“ (Wikipedia)

Seit Ende der 70er Jahre hat die IAEA ihren Sitz lustigerweise ausgerechnet im atomkraftfreien Österreich, in der Wiener UNO-City, und betreibt ein Forschungszentrum in Seibersdorf bei Wien.

Im Rahmen der IAEA wurden in den 50er und 60er Jahren zügig Atomkraftwerke in verschiedenen europäischen Staaten und in Japan gebaut. Die Grundsteine für die Atomindustrien Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Japans wurden von amerikanischen Firmen gelegt. Der Export von atomarer Technologie und Know-how war ein sattes Geschäft für das US-Kapital.
Seit der Unterzeichnung des Atomsperrvertrages 1970 ist die IAEA für die Überwachung aller AKWs weltweit zuständig, um sicherzustellen, daß niemand verbotenerweise Bomben herzustellen versucht. Die IAEA ist damit zu einem Instrument zur Beaufsichtigung unliebsamer Staaten und einer Berufungsinstanz für Militärschläge geworden.
Sie überwacht und unterstützt auch den Prozeß der Aufrüstung, des Ausbaus oder auch der Schließung ost- und südosteuropäischer AKWs. Von Kozloduy in Bulgarien bis Ignalia im Baltikum werden diese AKWs nämlich alle mit westlicher Technologie versorgt, auch wenn die solchermaßen hergestellte Zwitternatur die Sicherheit der AKWs nicht unbedingt erhöht. Rußland soll jedoch aus dem lukrativen Atom-Busineß möglichst hinausgedrängt werden, unter Verweis auf den Unfall von Tschernobyl, der beweist, daß dortige AKWs einfach „unsicher“ sind.
Seit der Verkündung des Kyoto-Protokolls zur Vermeidung von CO2-Schadstoffemissionen betreibt die IAEA als eine Art Dachorganisation der Atom-Lobby aktiv den weiteren Ausbau der Atomenergie. Die Argumentation der Atomindustrie lautet, Atomenergie sei sauber, sicher, billig (der Atomstrom ist übrigens deswegen so günstig, weil die wirklichen Unkosten für die Endlagerung bzw. Bewachung abgeschalteter Reaktoren von den jeweiligen Staaten übernommen werden) und jeder, der sich dagegen ausspricht, ist ungebildet, rückständig und irrational. Und schließlich, so wird dann notfalls auch von den jeweiligen Regierungen klargestellt: Das nationale Interesse gebietet das In-Kauf-Nehmen des „Restrisikos“.

In nächster Zeit wird die IAEA an der Propagandafront wieder etwas schwerere Geschütze auffahren müssen. Erst wird sie sich, im Verein mit der japanischen Regierung, darum bemühen, den Unfall von Fukushima kleinzureden. Praktischerweise ist der IAEA-Chef jetzt ein Japaner, da wird das sicher gelingen. Und dann, wenn das Ding endgültig explodiert und schließlich irgendwie mit Beton zugeschüttet worden ist, werden die Experten nachweisen, daß das ein Ausnahmefall war, nirgends anders passieren kann und keineswegs ein Grund für den Verzicht auf die friedliche Nutzung der Kernenergie, oder den Ausstieg aus ihr sein darf.


29 Antworten auf „Aus aktuellem Anlaß:“


  1. 1 bigmouth 24. März 2011 um 19:02 Uhr

    die kaprizierung auf die rolle der USA ist zwar historisch richtig, aber gleichzeitig aktuell überhaupt nicht von belang, wie ein anderer teil des wikipeia-artikel zeigt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Atomenergie-Organisation#US-Lauschangriff_auf_die_IAEO

    überhaupt zeigt der artikel, wie fragwürdig du offenbar vieles interpretierst. so hat die lt wikipedia die IAEO den tschenroryl-reaktortyp noch mittem im kalten krieg empfohlen – merkwürdig also, dass die nach ’89 plötzlich eine antirussische lobbygruppe geworden sein sollen.

    ist dein satz “. Von Kozloduy in Bulgarien bis Ignalia im Baltikum werden diese AKWs nämlich alle mit westlicher Technologie versorgt, auch wenn die solchermaßen hergestellte Zwitternatur die Sicherheit der AKWs nicht unbedingt erhöht. “ eigentlich durch irgend etwas belegt? zb aussagen russischer techniker? vielleicht liegt es ja auch einfach an der technik, dass nach tschernobyl klar wurde, dass die sowjetische reaktortechnik deutlich unfallträchtiger ist als die westliche. für tschernobyl hat’s ja halt keien tsunami gebraucht, und derzeit sieht’s so aus, als würde tschernobyl weit verhängnisvoller bleiben als dieses über 10 jahre ältere leichtwasser-akw

  2. 2 Nestor 25. März 2011 um 21:45 Uhr

    Seltsam der Vorwurf mit der „Interpretation“. Ich wüßte nicht, welches literarische Werk ich interpretiert haben sollte.

    Der graphitmoderierte Reaktortyp galt bis Tschernobyl als eine interessante Alternative und wurde sehr gelobt, ich weiß jetzt nicht mehr warum, ob als besonders sicher oder besonders kostengünstig, oder was anderes. Es wurden ähnliche Reaktoren auch im Westen gebaut, vor allem in England. Der Unfall von Tschernobyl hat allerdings gezeigt, daß wenn die Kettenreaktion außer Kontrolle gerät und es zu heiß wird, der Graphit auf einmal nicht mehr „moderiert“, sondern selber zu brennen beginnt. Soviel ich weiß, sind nach 1986 keine solchen Reaktoren mehr gebaut worden.

    Das hat ja nichts damit zu tun, daß heute natürlich die in der IAEA vertretene Atomindustrie versucht, Rußland von dem Geschäft fernzuhalten. Vor 1989 hatte sie dieses Problem ja nicht, da Rußland nicht auf dem Weltmarkt mit AKW-Technologie vertreten war.

    Wer die AKWs der ehemals sowjetischen Einflußsphäre aufrüstet, kannst du bei den jeweiligen AKWs ja nachlesen. Für Temelin ist es Westinghouse, da habe ich vor langer Zeit einen Artikel darüber geschrieben:
    http://alanier.at/Temelin.html
    Bei Mochovce ist es Siemens, und die restlichen mußt du dir halt zusammensuchen.

    Für mich heißt eine Sache zu untersuchen halt weder etwas interpretieren noch mich um Belege zu kümmern, wie eine Buchhaltung!

    Der Lauschangriff gegen El Baradei schließlich hatte den Grund, daß er sich geweigert hat, beim Irak diesen Massenvernichtungswaffen-Zirkus mitzumachen, und den Amis deshalb lästig war. Dann hat er aber beim Iran wieder Wohlverhalten gezeigt, und dann war wieder eitel Sonnenschein.

  3. 3 Nestor 25. März 2011 um 21:54 Uhr

    Ach ja, und noch was:

    vielleicht liegt es ja auch einfach an der technik, dass nach tschernobyl klar wurde, dass die sowjetische reaktortechnik deutlich unfallträchtiger ist als die westliche.

    „Klar“ war immer, daß alles, was aus der Sowjetunion kommt, schlecht ist. Da hat Tschernobyl natürlich gut gepaßt, um das zu bebildern.
    Du bist schon ein Durchblicker der Sonderklasse, gell?

    für tschernobyl hat’s ja halt keien tsunami gebraucht,

    Nein, sondern eine Perestroika. Der Unfall von Tschernobyl fällt ja schon in die Phase, als den Führern der SU ihr eigenes System selber lästig war und sie es deswegen stückweise demontiert haben, mit entsprechenden Folgen in allen Wirtschaftszweigen. Das hatte eben auch negative Folgen für Wartung und Ersatzteile.
    Und viel braucht es gar nicht, damit bei einem AKW etwas schiefgeht.

    und derzeit sieht’s so aus, als würde tschernobyl weit verhängnisvoller bleiben als dieses über 10 jahre ältere leichtwasser-akw

    Nur: verhängnisvoll für wen? Für die Opfer? Für die Staatskasse? Oder für das, was in der öffentlichen Meinung übrigbleibt?

  4. 4 bigmouth 25. März 2011 um 22:18 Uhr

    wartung und ersatzteile? was hat denn das bitte mit tschernobyl zu tun? wir reden hier über experiment jenseits der spezifikationen zur autarkie der reaktorkühlung bei einem neugebauten, 3 jahre alten reaktor. mir scheint, du spinnst dir sachen zusammen, damit sie in dein weltbild passen!

  5. 5 bigmouth 25. März 2011 um 23:46 Uhr

    deine artikel ist schlicht sachlich falsch, sorry

    „Die weitverbreitete Ansicht, sowjetische AKWs seien per se gefährlich, ist aus dem Tschernobyl-Unfall jedoch nicht abzuleiten, obwohl er immer zur Bebilderung herangezogen wird.“

    eben doch gültig für diesen reaktortyp. kein containment, brennbares graphit, notabschaltung, die kurzzeitig die reaktivität erhöht und den reaktor in dem fall kritisch werden ließt – genau diese sachen haben dazu geführt, dass tschernobyl so gravierend ausgefallen ist

  6. 6 leser 26. März 2011 um 9:52 Uhr

    „genau diese sachen haben dazu geführt, dass tschernobyl so gravierend ausgefallen ist“

    Und was hat in Fukushima „dazu geführt“? Die immer wieder vorgebrachten „Umstände“ von Reaktorunfällen lenken doch bloß ab vom Grund einer Kernschmelze: Die in einem AKW produzierte Kettenreaktion ist offensichtlich nur begrenzt „kontrollierbar“ – deswegen gibt es den Begriff „Restrisiko“ überhaupt.

  7. 7 bigmouth 26. März 2011 um 10:11 Uhr

    bis jetzt ist fukushima erheblich weniger gravierend ausgefallen. und wir wissen ja, was das problem war: die zerstörung der dieselgeneratoren durch den tsunami

    kleine technische korrektur am rande: in fukushima fand überhaupt keine kettenreaktion mehr statt, als die probleme begannen. die steuerstäbe waren seit stunden eingefahren. das problem war die restwärme der brennstäbe, nicht eine noch vorhandene kettenreaktion

  8. 8 gkb 26. März 2011 um 10:23 Uhr

    @ bigmouth
    „Restwärme“, „keine Kettenreaktion mehr“; und wo kommt dann die neue Hitze seit zwei Wochen ständig her, wenn zwischenzeitlich abgekühlt wurde? Liefer mal ordentliche „kleine technische Korrekturen“ ab, wenn es Dir darum schon so geht.

    Die gültige politökonomische Stoßrichtung des Begriffs „Restrisiko“ scheint Dich ja nicht zu interessieren. Und wie sich der zünftige AKW-Gegner und der Industrieminister seit jeher einig sind, dass der Strom bezahlbar bleiben soll.

  9. 9 bigmouth 26. März 2011 um 10:45 Uhr

    „fand“, „war“

  10. 10 leser 26. März 2011 um 11:20 Uhr

    „wir wissen ja, was das problem war: die zerstörung der dieselgeneratoren durch den tsunami“

    In der Vergangenheit wurden millionenfach Dieselgeneratoren zerstört – ohne, dass das je ein Problem wäre. Zerstörte Motoren sind nur dann ein Problem, wenn sie ein AKW vor dem schützen sollen, was im AKW stattfindet.

  11. 11 leser 26. März 2011 um 14:22 Uhr

    Sich sichere und unsichere „Umstände“ für AKWs auszudenken, hat Methode. Die energiebringende Kettenreaktion soll nämlich als Grund für „Restrisiken“ ausgeschlossen werden, also werden günstige oder widrige Umstände besprochen, von denen die eigentliche Gefahr ausgehen würde. Im Wahlkampf wird sogar ein Moratorium nötig und Ankündigungen über weitere Sicherheitsmaßnahmen, fest steht allerdings die Alternativlosigkeit zur europäischen Verstrahlung:

    „Die Lehre aus Japan muss sein: einheitliche Stresstests in Europa“ (Merkel auf dem EU-Gipfel)

    Das ist auch ein Eingeständnis über den Inhalt der zu prüfenden „Sicherheit“, die es bekanntlich schon vor Japans Erbeben gegeben hat …

  12. 12 Nestor 26. März 2011 um 14:56 Uhr

    @bigmouth

    experiment jenseits der spezifikationen zur autarkie der reaktorkühlung

    Was ist denn das für ein pseudowissenschaftlicher Stuß?

    Es mag ja sein, daß in Tschernobyl ein bißl blöd herumgespielt worden ist, weil sich irgendwer einen Orden verdienen wollte. Aber du hast doch selbst weiter oben darauf hingewiesen, daß der Reaktortyp von Tschernobyl bis zum Unfall als besonders sicher gegolten hat. Auch in westlichen Fachzeitschriften.
    Nachher ist man immer schlauer!
    Die andreren Reaktoren von Tschernobyl, alle älter, liefen weiter, und Österreich hat auch noch daraus Strom bezogen.

    Auch sonst bist du ja wirklich ein Experte:

    kein containment, brennbares graphit,

    wußte man auch erst nachher, daß das nicht so gut ist,

    notabschaltung, die kurzzeitig die reaktivität erhöht

    Na sowas! Was heißt das eigentlich?

    und den reaktor in dem fall kritisch werden ließ

    „Kritisch“ wird jeder Reaktor, sobald er angeworfen wird. Das ist ein Wort für Inbetriebnahme!

    – genau diese sachen haben dazu geführt, dass tschernobyl so gravierend ausgefallen ist

    „Gravierend ausgefallen“ – seltsames Vokabel für einen Reaktorunfall. Es gibt offenbar bei dir solche, die steckt man weg mit links, und andere, da ist „wirklich“ was passiert.

    Woraus du übrigens deine Überzeugung nimmst, daß Fukushima zu den harmloseren Vorfällen diese Art gehören wird, ist mir rätselhaft. Erstens sind wir noch weit vom Ende der Affaire entfernt. Zweitens sind dort 4 Reaktoren am Kochen, nicht nur einer. 3. ist dort Plutonium im Spiel, was bei Tschernobyl nicht war. Viertens ist der Informationsfluß über die Ereignisse um nix besser, als er bei Tschernobyl war. Und ob es unbedingt unschädlicher ist, möglichst viel Dreck ins Meer zu lassen, ist auch ein neues Experiment, deren Folgen sich noch nicht absehen lassen.

  13. 13 bigmouth 26. März 2011 um 15:16 Uhr

    überkritisch, sorry

    also, was jetzt? rumspielerei oder wartungsmangel / keine ersatzteile?

    und ja: es geht ja gerade um die frage, ob NACH tschernobyl dieses reaktordesign als unsicherer zu gelten hat. eben weil man danach schlauer war. du stellst das als rein ideologisch dar

  14. 14 jess 26. März 2011 um 17:28 Uhr

    @ bigmouth

    kommt die „restwärme“ nun von der vorangegangenen kettenreaktion oder nicht? na also!

  15. 15 Samson 27. März 2011 um 16:28 Uhr

    Seit der Verkündung des Kyoto-Protokolls zur Vermeidung von CO2-Schadstoffemissionen betreibt die IAEA als eine Art Dachorganisation der Atom-Lobby aktiv den weiteren Ausbau der Atomenergie.

    Muss man eigentlich Verschwörungstheorien anhängen, um diese Dachorganisations-Funktion als eigentlichen Zweck der mit Atomenergie in zivilen wie militärischen Formen etc. beschäftigten Abteilung des Kapitals zu betrachten und daraus den Schluss zu ziehen, das Kyoto-Protokoll sei ggf. Resultat erfolgreicher Lobby-Arbeit gewesen? Immerhin haben die Amis das Protokoll seinerzeit nicht unterschrieben.

  16. 16 Nestor 27. März 2011 um 19:05 Uhr

    @bigmouth

    Was immer die genauen Gründe für den Reaktorunfall von Tschernobyl waren – und ich hab wirklich besseres zu tun, als der Sache nachzugehen – den Schluß, daß sowjetische Reaktoren unsicherer sind als westliche, gibt er nicht her. Dieser Schluß ist nämlich von dem Interesse geleitet, zwischen „sicheren“ und „unsicheren“ Reaktoren zu unterscheiden. Und ein „sicherer“ Reaktor ist angesichts der Kettenreaktion, die da in Gang gesetzt wird, ein Widerspruch in sich – ein Umstand, den die Betreiber von solchen Kraftwerken unter dem Stichwort „Restrisiko“ ja auch zugeben.

    Ich weiß auch nicht, was du mit „rein ideologisch“ meinst. Vieleicht die Tatsache, daß ich nicht mit so Fachausdrücken um mich schmeisse wie du und einen auf Durchblicker mache.

  17. 17 bigmouth 27. März 2011 um 20:03 Uhr

    ehrlich gesagt, verstehe ich dein argument kein bißchen. wo ist da bitte ein widerspruch? höchstens, wenn man nur zwei zustände zulässt, sicher und unsicher.

  18. 18 jess 27. März 2011 um 22:41 Uhr

    bigmouth, du troll, was willst du denn jetzt damit gesagt haben? dass jeder noch nicht explodierte kernreaktor immerhin sicherer als ein GAU ist?

  19. 19 bigmouth 28. März 2011 um 17:51 Uhr
  20. 20 Nestor 28. März 2011 um 23:28 Uhr

    @bigmouth

    Also, versuchen wirs doch einmal ganz einfach und von Anfang an.
    (Es ist wenig zielführend, sich über Wikipedia und ähnliche Seiten ein Fachvokabular zuzulegen und dann einen auf ganz informiert zu machen. So kommt man nicht drauf, was die Besonderheit der Kernspaltung – und auch der Atombombe – ist.)
    Für die Kernspaltung wird Uran verwendet, weil es ein leicht spaltbares Material ist, bzw. sich durch Anreicherung in solches verwandeln läßt. Solches angereichertes Uran wird in Brennstäben eingebaut und eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Wie das lauft, kann man ja wirklich im Internet nachlesen, ist aber eher etwas für Chemiker und Physiker oder solche, die es werden wollen. Bei der Kettenreaktion zerfallen die Urankerne, setzen durch diesen Zerfall Energie frei und spalten wieder weitere Kerne. Die dabei entstehende Strahlung dringt auch im Normalbetrieb durch alle Mäntel des Reaktors und gerät übers Kühlwasser wieder nach draußen.
    Bei der Kettenreaktion entsteht Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Während die Schutzanzüge der Angestellten in einem AKW vor ersteren beiden angeblich schützen, dringt die Gamma-Strahlung durch die Anzüge durch. Wer also in einem AKW arbeitet, wird verstrahlt, und wie lange und wie gut das wer aushält, ist individuell verschieden. Gesund ist es jedenfalls nicht, dort zu arbeiten. Genausowenig ist es gesund, in der Nähe zu wohnen.
    Die Kettenreaktion wird durch das Kühlwasser gesteuert. Früher verwendete man zusätzlich Graphit als Moderator, aber das ist inzwischen unüblich. Es laufen allerdings noch ältere grahitmoderierte Reaktoren, in Rußland, Japan und Großbritannien. Wo sonst, weiß ich nicht.
    Unfälle sind deswegen vorprogrammiert, weil die Strahlung das Material, das in den Reaktoren verwendet wird, angreift und zersetzt. Es müssen also dauernd Ventile, Pumpen usw. ausgetauscht werden, weil sie hinüber sind. Da das alles Geld kostet, wird damit zugewartet, solange es geht. Es genügen auch Materialfehler, um irgendwo einen Bestandteil früher als geplant über den Jordan gehen zu lassen. Beim Unfall im 3-Mile-Island bei Harrisburg in den USA brauchte es jedenfalls kein Erdbeben, um einen kleinen Super-Gau zu produzieren. Es gibt aber in einem fort Unfälle in AKWs, wo Strahlung frei wird, und man Schlimmeres gerade noch verhindern kann.
    Irgendwann sind die Brennstäbe verbraucht. Sie strahlen zwar immer noch, erzeugen aber nicht genug Hitze, um damit Energie zu erzeugen. Dann werden sie wiederaufbereitet – das hat auch wirtschaftliche Gründe, nicht nur militärische, weil man möchte die noch vorhandene Energie eben bestmöglich nützen – und dann werden sie irgendwo gelagert, was auch wieder Strahlenbelastung und Kosten verursacht. Die Atomenergie ist auch deshalb so „billig“ oder „wirtschaftlich“, weil viel von diesen Folgekosten mit Staatsknete bestritten werden.

    So. Falls du noch Fragen oder Einwände hast, bitte. Aber nicht mit diesem Getue mit Fachausdrücken, wo du meinst, du mußt zeigen, daß du dich wirklich super auskennst. Tust du nämlich leider nicht.

    Es gibt auch eine Menge Schrifttum von MG und GSP zu dem Zeug. In besonders guter Erinnerung ist mir die uralte Atombroschüre. Inzwischen vergriffen, aber vielleicht doch irgendwo aufzutreiben.

  21. 21 spalt 29. März 2011 um 6:21 Uhr
  22. 22 spalt 29. März 2011 um 13:29 Uhr

    Atomenergie: Waffe in der imperialistischen Staatenkonkurrenz (Vortrag Nov. 2010)

    http://doku.argudiss.de/data/10_11/energiepolitik_hh_1110_gl.pdf (Gliederung)

    http://doku.argudiss.de/data/10_11/energiepolitik_hh_1110_ges.mp3 (Audio)

    Kernreaktortechnik: VON WEGEN „RESTRISIKO“! (MSZ 86/6)

    http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/86/86_6/risiko.htm

  23. 23 Nestor 08. April 2011 um 20:03 Uhr

    Atombroschüre ist als Word-Dokument abrufbar!
    http://www.contradictio.de/Atombroschuere_ocr.doc

  24. 24 Stromsau 11. April 2011 um 22:35 Uhr

    Dass man einem Reaktor die Unsicherheit hat abforschen können und dem andere nicht, heißt nur, dass das Problem des anderen noch nicht (rechtzeitig vor dem Unfall) erkannt ist.

  25. 25 Nestor 12. April 2011 um 12:28 Uhr

    „einem Reaktor die Unsicherheit abforschen“ – was soll denn das sein?!
    Der soll dann „sicher“ sein, oder was?

  26. 26 stromsau 22. April 2011 um 9:00 Uhr

    Nein, bei dem ist dann erwiesen und bekannt, dass er es (in mindestens dieser einen Weise) nicht ist. Beim anderen ist der Fehler eben noch nicht gefunden oder aufgetreten. Sicherheit lässt sich bei solchen Dingern praktisch nicht „beweisen“

  27. 27 Nestor 22. April 2011 um 12:21 Uhr

    Sicherheit läßt sich nicht beweisen, aber behaupten.

    Von einem „Fehler“ bei einem Reaktor oder Reaktortyp zu reden, halte ich für verkehrt. Die Dinger haben keine Fehler, sie sind ein Fehler. Eine verkehrte technische Entwicklung, der Widerspruch einer kontrollierten Bombe.

  28. 28 Clara 23. April 2011 um 8:20 Uhr

    Zu Nestor, 22.04.2011, 12:21 Uhr:
    (1) „Sicherheit läßt sich nicht beweisen, aber behaupten.“
    (2) „Die Dinger haben keine Fehler, sie sind ein Fehler.“
    Jedem (ausgeführt) um & in die Ohren!

  29. 29 Krim 28. April 2011 um 11:33 Uhr

    „Eine verkehrte technische Entwicklung, der Widerspruch einer kontrollierten Bombe.“ Eine Sylvesterrakete ist auch eine kontrollierte Bombe oder ne Sprengung. Auf der Abstraktionsebene ist es nicht notwendigerweise ein Widerspruch, dass eine Technologie je nach Zweck das eine mal kontrolliert, das andere mal unkontrolliert ablaufen kann. Bei der Nutzung der Atomenergie ist es aber ein Widerspruch. Da kann man von der Spezifik der Sache nicht abstrahieren. Bei der Atomspaltung entsteht Strahlung, die auf jeden Fall für alles Organische gefährlich (je nach Art der Strahlung unterschiedlich gefährlich) ist. Bei der Bombe will man das, bei Kraftwerken nicht – kann es aber nicht verhindern, weil genau die Strahlung die entsteht, die bezweckte Energie liefert. Der Widerspruch ist, dass man bei der Atomenergie, die erwünschte nicht von der schädlichen Wirkung trennen kann, weil die Strahlung, die die erwünschte Energie liefert gleichzeitig schädlich für den Organismus ist. Um die Energie zu bekommen, muss man die Strahlung erstmal zulassen bzw. auf die Welt loslassen. Da man die Strahlung nicht einfach ausschalten kann, gibt es dann das Problem, wie man sie einsperrt.

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